Pubertät mit 10

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Wie entwickeln sich die Brüste in der Pubertät?

Eine Phase in deiner Entwicklung zur Frau ist, wenn du spürst, wie deine Brüste wachsen – wodurch und wann das passiert und wie sich das anfühlt, erklären wir dir hier.

Wie kommt es zum Brustwachstum?

Bei Frauen sorgen die XX-Chromosomen und das Östrogen für die Ausbildung der Brust. Bei Männern bilden sich Brüste meist nicht so prominent aus.

Wann sollte die Brust wachsen?

Es gehört zu deiner Pubertätsentwicklung dazu, dass die Brust wächst und sich entwickelt. Die Brustentwicklung beginnt etwa zwischen 9 und 12 und ist zwischen 16 und 18 abgeschlossen. Es ist von Frau zu Frau völlig verschieden, wie schnell sie wachsen, und du kannst vor Abschluss der Brustentwicklung nicht wissen, wie gross dein Busen einmal sein wird.

Wie läuft das Wachstum ab?

Zunächst wirst du wahrscheinlich eine kleine Wölbung unter der Brustwarze spüren. Dieser kleine Knoten kann jucken oder sogar etwas wehtun. Dann beginnt die Brustdrüse zu wachsen, und die Brüste werden grösser. Oft wächst die eine Brust schneller als die andere, es ist also normal, wenn während einiger Zeit die eine Brust grösser ist als die andere.

Wie fühle ich mich in meiner Haut als Frau wohler?

Dein Körper verändert sich sehr in der Pubertät und Adoleszenz. Du wirst vom Mädchen zur Frau. Egal was für einen Körper dir die Natur mitgegeben hat, du kannst lernen, dich in deinem Körper gut zu fühlen. Dazu interessieren dich vielleicht diese Tipps.

„Seit einem Monat habe ich fürchterliche Schmerzen in der rechten Brust. Die Schmerzen ziehen über die Achsel bis in den rechten Arm, es brennt, piekt und sticht ununterbrochen. Kennt jemand diese Symptome, es muss ja nicht gleich Krebs sein, oder?“ (eine Userin im Gesundheitsforum von „lifeline.de“)

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Tut Brustkrebs weh? Oder andersherum gefragt: Können Schmerzen in der Brust auf Krebs hinweisen?

BILD hat Prof. Dr. Peter Scheidel gefragt, Leitender Arzt am Mammazentrum Hamburg am Krankenhaus Jerusalem.

Er sagt: „Häufig vermuten Frauen hinter Brustschmerzen eine Brustkrebserkrankung. Die Diagnose ist aber meist eine andere. Gerade bei jungen Frauen sind unklare, nicht zyklusabhängige (besonders prämenstruelle) Schmerzen in der Brust nicht selten.“

Brustschmerzen – ein Symptom bei Krebs?

Scheidel: „Alle Erfahrungen bestätigen: Schmerzen sind kein Frühsymptom bei Brustkrebs. Schmerzen entstehen erst bei fortgeschrittenem Tumorwachstum. Krebszellen sind anfangs sehr klein. Erst mit zunehmender Größe wachsen sie in gesundes Gewebe ein und zerstören es dabei. Davon merkt man als Patientin zunächst lange nichts. Erst eine größer werdende Geschwulst kann Schmerzen verursachen.“

Andauernde Schmerzen sollten Frauen aber immer von ihrem Gynäkologen abklären lassen – „um auch andere Schmerzursachen zu entdecken und zu behandeln.“

Laut dem Experten ist das Risiko von Brustkrebs ohne Tastbefund jedoch sehr klein. „Meist hat eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit hormonelle Ursachen und geht teilweise mit einer gutartigen Veränderung des Brustdrüsengewebes (Mastopathie) einher.“

Auf diese Symptome sollten Sie achten

Wenn Sie bei einer Selbstuntersuchung eine Veränderung an Ihrer Brust feststellen, sollten Sie diese grundsätzlich von Ihrem Frauenarzt abklären lassen.

Auf folgende Symptome sollten Sie dabei besonders achten:

  • Eine knotige Verhärtung in der Brust, auch wenn sie schmerzlos ist.
  • Einziehungen der Brustwarze mit (wässrigen oder blutigen) Absonderungen
  • Auffälligkeiten der Brusthaut wie Schuppungen, Rötungen, Einziehungen oder andere Veränderungen (z.B. „Apfelsinenhaut“).
  • Änderungen der Brustgröße oder der Brustform, vor allem wenn sie einseitig auftritt.
  • Schwellungen in der Achselhöhle

► Prof. Scheidel: „Es gibt einige Anzeichen, die auf Krebs hindeuten können und deshalb abgeklärt werden sollten (obwohl selbstverständlich nicht immer Brustkrebs die Ursache sein muss). Wie bei vielen anderen Krebsarten gilt auch bei Brustkrebs: Die Heilungschancen steigen, je früher die Erkrankung entdeckt wird.“

Brust abtasten

  • Selbstuntersuchung So fühlt sich eine gesunde Brust an

    Die Selbstuntersuchung der Brust ist eine wichtige Maßnahme der Krebsfrüherkennung. Im Video erklären wir schrittweise, wie es geht.

  • Experten-Chat: Brustkrebs Ich habe einen Knoten in der Brust ertastet – was tun?

    Brustkrebsrisiko, Mammographie: Dr. med. Maria Karsten, Fachärztin für Gynäkologie von der Charité in Berlin beantwortete Ihre Fragen.

„Kein Grund zur Panik

Die Aussage „Brustkrebs macht keine Schmerzen“ ist laut dem Experten nicht immer richtig. Scheidel: „Schmerzen in der Brust sind zwar Anlass zur Sorge, aber kein Grund zur Panik. Frauen sollten alarmierende Signale des Körpers, wie zum Beispiel Schmerzen, auch aus Angst vor einer möglichen Krebsdiagnose deshalb nicht ignorieren.“

Vorpubertät: So beginnt die Phase der Pubertät

Es ist wie bei einem Gewitter: Die Wolken türmen sich, die Vorboten sind bereits zu spüren, irgendetwas liegt in der Luft. Zu sehen aber ist nichts. Ungefähr zum Ende der Grundschulzeit hin kündigt sich das Hormongewitter an und die Pubertät beginnt. Ab sofort kann es immer wieder kräftig donnern und auch mal ziemlich viele Tränen regnen. Hier finden Sie Tipps im Umgang mit der Vorpubertät.

Schutzlos wie ein Hummer ohne Schale

Ein einziger Blick ins Kinderzimmer genügt, um zu wissen, woran man ist. Teddybären und andere Kuscheltiere teilen sich den Raum mit Postern von Popstars, Legosteinen oder Barbies und coolen Videospielen. Riechen kann man sie meistens, sehen allerdings kann man sie erst mal nicht, die Hormone auf dem Vormarsch.

Was ganz allgemein in den letzten Jahren als Vorpubertät bezeichnet wird, ist die Zeit, die der sogenannten Latenzzeit folgt. Dieser Begriff aus der Entwicklungspsychologie umspannt das sechste bis zehnte Lebensjahr, den Zeitraum, in dem die Sexualität „schläft“ und jetzt ganz langsam erwacht. In der Waldorfpädagogik spricht man hier vom Rubikon, angelehnt an den Grenzfluss, den Caesar einst überschritt. Das neun- bis zehnjährige Kind erwirbt die Fähigkeit zur inneren Distanz. In seinem Erleben trennen sich das Ich und die Welt. Das Kind leidet unter dem sogenannten „Hummerkomplex“: Der alte Panzer der Kindheit wird abgeworfen, man steht momentan schutzlos da.

Die Vorpubertät ist nichts anderes als der Beginn der Pubertät

„Entwicklungspsychologisch gibt es die Vorpubertät gar nicht. Wir haben es hier bereits mit dem Beginn der Pubertät zu tun“, erklärt Dr. Andreas Hundsalz, Leiter der städtischen Erziehungsberatungsstelle in Mannheim. „Die Kinder sind in dieser Phase ihres Lebens sozusagen weder Fisch noch Fleisch. Äußerlich sind sie immer noch Kinder, aber sie verhalten sich komisch und das macht es für die Eltern oft so schwierig.“ Auf der einen Seite Schmusekätzchen, auf der anderen Seite ein stacheliger Igel, auf der einen Seite kindliches Verhalten, auf der anderen starkes Abgrenzen – mit dem gleichzeitigen Auftauchen dieser Phänomene kommen viele Eltern nicht zurecht.

Mädchen probieren sich aus auf dem Weg zur Frau

Wobei sich hier Jungs und Mädchen deutlich unterscheiden. Nicht nur dass Mädchen ganz allgemein früher dran sind, ihre Stimmungsschwankungen sind auch heftiger beziehungsweise werden heftiger ausgelebt. Die Freundinnen und das Gekicher mit ihnen werden immer wichtiger, wechseln aber mit Phasen, in denen sich das Kind komplett zurückzieht.

Zwischen Unternehmungslust und Trägheit liegt bei Mädchen in diesem Alter nur ein schmaler Grat. Sie probieren sich aus auf dem Weg zur Frau und das kann mit all den Medienbildern im Kopf schnell schiefgehen. Eine Zehnjährige mit bauchfreiem Top und Make-up deswegen zu verurteilen, wäre verkehrt. Position zu beziehen dagegen richtig: „Ich kann allen Eltern nur Mut machen, ihre Meinung auch zu vertreten“, verdeutlicht Hundsalz. „Die Neigung, heute liberaler zu sein, als man eigentlich vom inneren Herzen her ist, ist groß. Doch man sollte nicht verlernen, auf sein Bauchgefühl zu hören.“

Früher nannte man es die Flegeljahre

Auch Jungs orientieren sich in dieser ersten Phase der Pubertät nicht nur an Gleichaltrigen, sondern auch an Medienfiguren. Gruppenkodex und Begrüßungsrituale gewinnen an Bedeutung. Besonders auffällig aber ist der ausgeprägte Bewegungsdrang. Die Energie muss raus, der Wettkampf beginnt. Geräusche, Lichteffekte, das Streben nach einem „Höher, Schneller, Weiter“ zeichnen diese früher als „Flegeljahre“ bezeichnete Phase aus. Die übrigens auch Inhalt zahlreicher Bücher ist: Die wilden Kerle, die ersten Bände von Harry Potter, aber auch Erich Kästners fliegendes Klassenzimmer oder „Greg´s Tagebuch“ drehen sich um die „Vorpubertät“ und helfen dabei, sich zu identifizieren.

Manches geht unter die Gürtellinie

Kinder in diesem Alter sind Rotzlöffel. Die eine mehr, der andere weniger. Das hängt vom Temperament ab. Aber sie haben alle eines gemeinsam: Sie müssen mit den Veränderungen, die der Spagat vom Kind zum Erwachsenen mit sich bringt, erst einmal fertig werden. Doch sie sind nicht die einzigen, die sich hier einer neuen Situation stellen müssen. „Das generelle Ziel des Erwachsenwerdens ist es, ein selbstständiger Mensch zu werden, unabhängig von den Eltern und dazu ist es von ganz großer Bedeutung, dass die Kinder sich mit diesen auseinandersetzen und sich von ihnen abgrenzen. Für die Eltern ist das oft schmerzlich und manchmal auch sehr kränkend“, so Hundsalz.

Den richtigen Zeitpunkt für Gespräche finden

Das heißt nicht, dass Eltern sich alles gefallen lassen müssen. Gerade jetzt, bevor die Pubertät so richtig loslegt, ist eine gute Phase, um Kindern das nahezubringen, was einem wirklich wichtig ist. Besonders geeignet dafür sind die Momente, in denen der kleine Besen plötzlich wieder ganz sanft wird, eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen haben möchte oder zum Schmusen und Auftanken kommt. Der Familientherapeut Jesper Juul rät in seinem Buch „Vier Werte, die Kinder ein Leben lang tragen“, die Gelegenheit zu nutzen und mit dem Nachwuchs über dessen Gedanken, Wünsche, Träume, Ziele, aber auch Ängste und Unsicherheiten zu sprechen. Stattdessen könne man aber auch jahrelang kämpfen und leiden, das Kind als unmöglich einstufen und sich damit rechtfertigen, dass es eben extrem schwierig war. „Damit sind Ihnen die Sympathie und das Mitleid vieler Erwachsenen sicher, doch riskieren Sie damit, dass Sie beide einen schmerzhaft hohen Preis zahlen müssen.“

Es ist in Ordnung, auch mal eigene Fehler zuzugeben

„Gut wäre eine Haltung, die auf der einen Seite verständnisvoll ist, auf der anderen Seite aber auch Höflichkeit und Respekt einfordert. Es ist wichtig, eine Position zu beziehen und diese gegebenenfalls auch zu wiederholen. Und natürlich ist es schwer, in manchen Situationen die Balance zu halten. Auch die notwendige Ruhe und Gelassenheit hat man nicht jeden Tag und umso weniger, je mehr andere Probleme man hat.“ Hundsalz rät davon ab, sich in lange Debatten hineinziehen zu lassen. Geht es zum Beispiel um das Thema Höflichkeit, dann sollte man die Grenze klar benennen und die Botschaften knapp und kurz formulieren. „Mehr gibt es nicht zu sagen.“ Für den Moment, denn natürlich ist es äußerst wichtig, dass sozusagen die Kommunikationskanäle offenbleiben, man den Draht zum Kind behält. Hat man sich also mal verrannt, dann kann man das auch zugeben, ohne sein Gesicht zu verlieren.

Das Gleiche gilt für Entschuldigungen. „Wenn Eltern die Fehler, die sie machen auch zugeben können, dann ist das toll. Denn wenn man übers Ziel hinausschießt und das passiert nun mal gelegentlich, dann ist man ein gutes Vorbild, wenn man auch in der Lage ist, sich dafür zu entschuldigen. Denn in der Erziehung wirkt nichts so sehr wie das eigene Vorbild.“

Eine Gedankenreise in die eigene Jugend gefällig?

Nicht jeder hat einen Partner, der diese Vorbildfunktion gemeinsam mit ihm erfüllt, mit ihm zusammen durch diese Zeit zwischen Engel und Bengel geht – als Stütze, als Gesprächspartner, Kummerkasten oder auch als Feedback. Hier bekommen Freunde einen ganz besonderen Stellenwert. Es entlastet einfach ungemein, wenn man hört, dass es bei anderen auch nicht anders zugeht, dass sie dieselben Konflikte austragen. Und nichts ist befreiender, als gemeinsam darüber zu lachen.

Wenn man ganz viel Glück hat, dann hat man sogar Freunde, die einen schon gekannt haben, als man selbst diese Lebensphase durchlebte und die einen daran erinnern, wie man gewesen ist. So wie Barbara: „Neulich war meine Sandkastenfreundin Martina bei uns zu Besuch und bekam mit, wie ich meine Tochter entsetzt fragte, ob sie tatsächlich mit dieser zerrissenen Hose zu einem Geburtstagsfest wolle? Ein Blick genügte und wir sind vor Lachen zusammengebrochen: Ich war die Königin der Flickenjeans und habe sie tausendmal aus der Mülltonne meiner Eltern gerettet. Zugegeben, meine Tochter war leicht verwirrt, aber ich wieder total entspannt. Das hat tagelang angehalten, dieses innere Lachen über mich selbst.“

Die Erinnerung an sich selbst kann einen gut durch die Zeit der frühen und auch der späten Pubertät bringen: Was hat man sich gewünscht, was gebraucht, was vermisst? Mit einer kleinen Gedankenreise in die Vergangenheit bekommt man gute Anhaltspunkte. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass man es heute nicht mit einem Abziehbild des eigenen Ichs zu tun hat, sondern mit einem eigenständigen Menschen. Der unter anderen Bedingungen aufwächst.

Es geht vorüber

Die Pubertät kommt nicht von heute auf morgen. Sie ist auch kein Schreckgespenst. Eher gleicht sie dem Verpuppen der Raupe bevor diese zum Schmetterling wird. Der Gehirnforscher Ralph Dawirs spricht in diesem Zusammenhang ebenfalls von einer Metamorphose. Man weiß nicht alles, was innendrin vorgeht, muss man auch nicht. In Kontakt bleiben ist wichtig, sich interessieren ist wichtig und nicht aufgeben, wenn es schwierig wird – das ist besonders wichtig. Denn Eltern sind und bleiben die entscheidenden Vertrauten und Ansprechpartner ihrer erwachsen werdenden Kinder. Und der größte Fehler wäre, zu resignieren und keinen Konflikt mehr zu riskieren. Das Kind braucht ein starkes Gegenüber, das auch mal sagt: Bis hierher und nicht weiter. Das aber auch zu echten Kompromissen bereit ist.

„Dass man mal an sich zweifelt und auch verunsichert ist, das ist normal“, beruhigt Hundsalz. „Keiner schafft es, hier immer cool und souverän zu bleiben. Das geht nicht!“ Es gilt, eine Mischung zu finden zwischen Großzügigkeit und Verständnis, garniert mit klarer Festigkeit und Grenzen und das Ganze ohne zu viel Autorität und auch ohne zu viel Laissez-faire.

  • Zehn Tipps im Umgang mit der Vorpubertät
  • Buchtipp: Zehn goldene Regeln für die Pubertät
  • Vorpubertät: Wenn Ihr Kind in die Pubertät kommt
  • Pubertät: Pubertät ist eine Tatsache, keine Krankheit
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GEISTIGE ENTWICKLUNG

Wie weit sollte die geistige Entwicklung eines Kindes in der Altersgruppe 6-11 Jahre sein?

Die letzte Phase der Kindheit

Die Phase zwischen 6-11 Jahren wird auch als die letzte Phase der Kindheit bezeichnet. Kinder gehen bereits zur Schule. Zu Beginn dieser Phase ist bei Kindern in der Regel eine gewisse Unausgeglichenheit zu beobachten. Ab 7 Jahren treten Kinder jedoch in eine ausgeglichene Entwicklungsphase ein.

In dieser Phase

  • durchläuft das Kind körperliche, sprachliche, emotionale und geistige Etappen.
  • wird das Kind zu einem laufenden, rennenden, Ball spielenden, seine Hände unabhängig voneinander gebrauchenden Menschen.
  • erreicht das Kind eine geistige Reife. Es beginnt, logisch zu denken und beginnt, Begriffe wie Zeit, Raum, Dimension, Volumen, Distanz und Zahlen zu erlernen.

Die Entwicklung vom Konkreten zum Abstrakte

In dieser Phase ist das Denk- und Problemlösungsvermögen an konkrete Dinge geknüpft.

Viele geistige Fähigkeiten beginnen sich allmählich denen der Erwachsenen anzupassen. Da sich das abstrakte Denken noch nicht vollständig ausgebildet hat, können anfangs noch Schwierigkeiten auftreten. Mit zunehmendem Alter jedoch zeichnet sich eine Entwicklung vom Konkreten zum Abstrakten ab.

Das Denkvermögen eines Kindes im Schulalter zeichnet sich durch ein weiteres Merkmal aus, nämlich durch die Entwicklung seiner Fähigkeit zu strukturieren. Durch diese Fähigkeit kann das Kind

  • Sachen kategorisieren und diese aneinanderreihen.
  • Raum- und Zahlenbegriffe bilden.
  • die Fähigkeit entwickeln, zu planen.
  • in diesem Zusammenhang ein System für sich aufbauen.
  • durch diese Entwicklungen äußere Veränderungen innerlich ausgleichen.

Beispiel zur Verdeutlichung der Fähigkeit zu kategorisieren:

Kinder können zwischen fleischfressenden und pflanzenfressenden Tieren unterscheiden.

Die fleischfressenden Tiere wiederum können sie in eine weitere Kategorie unterteilen. Diese Fähigkeit einer Unterteilung in Subkategorien ist eine Fähigkeit, die von einem Schulkind erwartet wird. Bis zum 9. Lebensjahr können sich manche Kinder mit dieser Art von Kategorisierung schwertun.

Unterschiede erkennen

Eine weitere Anforderung an Kinder im Schulalter ist die Fähigkeit, Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Dingen zusammenzufassen. Eine andere Fähigkeit, die bei Kindern der Altersgruppe erwartet wird, ist die Fertigkeit, etwas durch ein anderes ersetzen zu können, d.h. über unterschiedliche Wege ans Ziel zu gelangen. So beispielsweise wie man bei der Addition auf unterschiedliche Weisen auf die Summe 8 kommt: 6+2=8, 7+1=8 oder 5+3=8 .

Kinder in diesem Alter

  • können Wörter beliebig gebrauchen.
  • lernen schreiben.
  • lesen Abenteuergeschichten mit Bildern.
  • können Zahlen addieren.

Die sprachliche Entwicklung beschleunigt sich

Bei Kindern in der Altersgruppe 6-11 Jahre entwickelt sich die Sprache sehr schnell, sodass sie sogar sehr nah an das Niveau eines Erwachsenen herankommen. Der Wortschatz liegt durchschnittlich bei 3000 Wörtern. Bei Kindern dieser Altersgruppe beobachtet man eine starke Entwicklung, Probleme selbst zu lösen. Dies wiederum zeigt, dass sie sich sehr schnell auf die Ebene der Erwachsenen hin bewegen, um alles am besten zu machen.

Kinder zwischen 11-12 Jahren sagen ihre Meinung, denken abstrakt und können verallgemeinern.

Aus: kindergarten heute 1999, Jg. 29, Heft 9, S. 22-28

Die Welt verstehen wollen. Das Kind von sechs bis zehn Jahren

Gabriele Haug-Schnabel und Joachim Bensel

Der Übergang vom Kindergarten zur Schule markiert für Kinder einen neuen Lebensabschnitt. Für sie beginnt jetzt eine qualitativ neue und ausgesprochen fruchtbare Entwicklungsphase, in der die grundlegenden Fähigkeiten und Fertigkeiten für den Umgang mit sich und der Welt erworben werden.

Als Ergebnis der kindlichen Entwicklung zwischen sechs und zehn Jahren könnte man beinahe sagen: „schon fast erwachsen“, so vielseitig und grundlegend ist das, was sich Kinder während dieser Zeit an neuen Verhaltensweisen aneignen. So entsteht beispielsweise immer mehr Geschlechtsbewußtsein: Jungen spielen mit Jungen, ihre Pläne und Vorhaben orientieren sich an Jungen. Das gleiche gilt für Mädchen. Bis zur Pubertät überwiegen (wohlgemerkt für die statistische Mehrheit) getrennte Wege. Auch das Spiel von Kindern, ihre Arbeit wird jetzt intensiver. Mehrere Tage lang, jeweils über Stunden hinweg, können gemeinsame Vorhaben konzentriert geplant, organisiert und durchgeführt werden. Dabei werden Durststrecken gemeinsam durchgestanden, Mißerfolge, wenn sie nicht allzu häufig auftreten, verkraftet und Erfolge genossen.

Die Sprache wird zum Informationsträger

Die verbale Kommunikation perfektioniert sich zusehends, was wiederum eine Voraussetzung für größere spielerische Vorhaben ist. Kinder mit Sprachproblemen fallen jetzt schneller auf und erleben Ausgrenzungstendenzen aufgrund ihres Defizits, das sie von alterstypischen Aktivitäten ausschließt. Aber erfreulicherweise gibt es bereits viele sozial kompetente Kinder, die gerne und geschickt die Dolmetscher- oder Vermittlerrolle übernehmen – mitunter erfolgreicher und integrativer, als es geplante Aktionen der Erwachsenen bewerkstelligen.

Sprache wird auch zum bevorzugten Träger von Information. Wissens-, Verständnis- und Sinnfragen nehmen in einem Maße zu, das die Kapazität der Befragten oft übersteigt. Vor allem Naturphänomene interessieren, die erste Begeisterung für Physik kommt auf, Material- und Werkzeugerprobung erreichen einen neuen Höhepunkt. Hier noch ein Hinweis zu den Fragen der Kinder: Diese zu ignorieren oder absichtlich falsche Antworten zu geben, hinterläßt nicht nur – je nach Typ – Enttäuschung oder Zorn, sondern führt auch dazu, daß die Wißbegier allmählich zurückgeht. Denn Fragen ist Erkundungsverhalten mit dem Mittel der Sprache.

Im Alter von sechs bis zehn Jahren gewinnt die Konfrontation mit Leistung eine neue Bedeutung. Wer mit der Altersgruppe arbeitet, weiß, wie wettbewerbsorientiert die Kinder sind. Sie vergleichen, eifern anfangs zum Spaß gegenseitig um die Wette, geraten dann aber ganz schnell in Konkurrenzsituationen, die oft von Erwachsenen unbedacht angezettelt worden sind. Zu krampfhafter Ehrgeiz isoliert die Einzelkämpfer. Wer zu oft verliert, läuft Gefahr zu resignieren und sich nicht mehr anzustrengen, um frustrierende Situationen nicht noch einmal zu erleben.

Bewegung fördert auch die kognitive Entwicklung

Hinsichtlich ihrer motorischen Entwicklungsfähigkeiten befinden sich Kinder in dieser Phase auf einem Höhepunkt. Bewegung ist aber nicht nur ein Primärbedürfnis, sondern trainiert zugleich die Wahrnehmungsfähigkeit und erleichtert das Lernen geistiger Inhalte, z.B. das Zahlenverständnis. Liegen und Sitzen dominieren leider den Alltag von Grundschulkindern, nur langsam entdecken Pädagogen die Relevanz von Aktivität und Rhythmik auch für die Zeit außerhalb des Sportunterrichts. Überhaupt ist im kognitiven Bereich vieles im Umbruch. Vierjährige verfügen noch nicht über Gedächtnisstrategien. Fordert man sie beispielsweise auf, sich die Namen einer Kindergruppe zu merken, wärmt ihr Gehirn für diese Aufgabe sozusagen vor, steigert aber noch nicht ihre Merkfähigkeit. Bei Acht- oder Zehnjährigen kann dies die Gedächtnisleistung jedoch beträchtlich steigern. Auch die Effektivität von Merken, Abrufen von Gedächtnisinhalten und lautem Denken wird zunehmend besser. Während Sechsjährige noch sehr unsystematisch nach verlorenen Gegenständen suchen, verwenden etwa Zwölfjährige vor der Suche zunächst gezielt innere Abrufstrategien, überlegen sich also, wo sie den Gegenstand zuletzt benutzt haben. Den Kindern gelingt es immer besser, Probleme zu definieren und mögliche Lösungen zu finden.

Auch die logischen Fähigkeiten verbessern sich nach dem sechsten Lebensjahr beträchtlich. Für Schlußfolgerungen gehen die Kinder über das unmittelbar Sichtbare hinaus und stellen Hypothesen auf. Fehlende Informationen in einer vorgeführten Geschichte ergänzen sie durch Erfahrungen aus ihrem eigenen Lebensskript, und sie wissen auch eher um die Grenzen ihres Wissensstandes. Soll beispielsweise ein vierjähriges Kind auf einem Parkplatz nach einem gelben Auto Ausschau halten, wird es, wenn dort mehrere stehen, irgendein gelbes Auto aussuchen. Ein siebenjähriges Kind wird sich dagegen vor der Suche weitere Informationen einholen, um die Trefferquote zu erhöhen.

Altbekanntes erscheint in neuem Gewand

Ängste und Aggressionen bewegen die Kinder weiterhin. Doch bei fast allen kommt nun eine neue Komponente im Umgang mit diesen Emotionen hinzu. Neben Kontrollverlustängsten (ich weiß, wann ich ausraste und kann nichts dagegen machen), Akzeptanzängsten (bin ich anerkannt, beliebt?), Ohnmachtsängsten (bin ich machtlos, einflußlos?) und der sehr häufigen Aggression aus Frustration (etwas klappt nicht, ich bin enttäuscht, wurde ungerecht behandelt) wird nun auch vermehrt mit Aggression und Angst gespielt. Kämpfen, Verteidigen, Drohen, Brüllen, Verfolgen, Angreifen – alles wird gespielt. Diese spielerische Aggression findet man zwar schon bei jüngeren Kindern, doch nun werden alle Regeln bei dieser Gratwanderung zwischen Spiel und Ernst beachtet und zur Gruppenstabilisierung, Kontaktaufnahme und Konfliktbeseitigung außerordentlich erfolgreich eingesetzt.

Der selbstgewählte, spielerische Umgang mit der Angst ist sicher einer der spannendsten Komponenten unserer menschlichen Verarbeitung von Eindrücken. Im Alter zwischen sechs und acht Jahren beginnt die bewußte Suche nach Gruselsituationen, um diese in abgeschwächter Form zu erleben, dabei die Bewältigung angstbesetzter Situationen einzuüben und die kontrollierte Erregung zu genießen. Kinder gehen dafür nachts in den Keller oder in den Wald, Erwachsene in einen Horrorfilm, auf Extremtouren oder in die Achterbahn. Da alles ohne Bezug zu einer ernsten Situation passiert, zudem Zeitpunkt, Situation und eigene Teilnahme selbst gewählt sind, kann das eigentlich Ängstigende genossen werden – eine Möglichkeit, das Überwinden der Angst zu lernen. Es geht um ein kontrolliertes Gleichgewicht zwischen Angstvermeidung bei gleichzeitiger Erregungssuche.

Eine besondere Art zu denken, die unseren Respekt verdient

Der Psychologe Jean Piaget hat uns durch seine unzähligen Beobachtungen kindlichen Verhaltens gezeigt, daß wir von unserer Art zu denken, von unseren gedanklichen Selbstverständlichkeiten nicht auf kindliche Gedankengänge schließen dürfen. Kinder denken anders als Erwachsene. Piaget hat ein Beispiel für den Erwerb einer neuen Denkkategorie gegeben: Ein Kind, vor dem auf dem Tisch zwei identische Glasgefäße stehen, erhält den Auftrag, eine bunte Perle nach der anderen mit der linken Hand ins linke und – jeweils gleichzeitig – mit der rechten Hand ins rechte Gefäß fallen zu lassen. So werden in beide Gefäße gleich viele Perlen gefüllt. Nach Aufforderung schüttet nun das Kind die Perlen des einen Gefäßes in ein Glasbehältnis mit kleinerem Durchmesser und die Perlen des anderen Gefäßes in ein Glasbehältnis mit größerem Durchmesser. Jetzt stehen die Perlen im einen höher, im anderen niedriger als im Vergleichsgefäß. Kinder vor dem Schulalter meinen, jetzt habe sich die Anzahl der Perlen vergrößert bzw. verkleinert. Erst mit etwa sieben Jahren ist es für ein Kind ganz selbstverständlich, daß sich durch das Umschütten die Anzahl der Perlen nicht verändert hat, egal wie hoch das Perlenniveau in verschiedenen Gefäßen ist.

Piaget ging davon aus, daß sich erst in diesem Alter die „Konstanz der Anzahl“ als unabhängige Denkkategorie ausbildet, daß sie sich erst dann aus der Kategorie „mehr“ oder „weniger“, also aus der Kategorie „Menge“, herausdifferenziert. Für das gleiche Alter setzt er die Entwicklung der „Konstanz der Entfernung“ an sowie die Entstehung weiterer unabhängiger Denkkategorien. Nichts sei uns von vornherein mitgegeben, sondern müsse in der Kindheit durch Entdeckungen und Erfahrungen erworben werden.

Wenn auch bisher nur vermutet wird, daß schon Kleinstkinder weit größere Erkenntnisfähigkeiten besitzen als ursprünglich angenommen, z.B. von Anfang an Menschen von unbelebten Objekten unterscheiden, vor allem aber Distanz, Größe und Bewegung richtig einschätzen können, so ist unumstritten, daß es die spielerische Phantasie ist, die die Kinder ihre angeborenen Denkkonzepte anhand immer neuer Erfahrungen revidieren und dadurch verbessern läßt („Theorie der angeborenen Theoriefähigkeit“). Sehr langsam tasten sich Wissenschaftler in Bereiche vor, in denen bislang die fast unglaublichen Potentiale des kindlichen Auffassungsvermögens noch nahezu verborgen sind. Allein durch neue oder bestätigende Erfahrungen beim Erkunden, Spielen und Nachahmen entsteht eine differenziertere Art des Begreifens, die ein sechsjähriges Kind plötzlich schulreif werden läßt.

Schulfähig – was heißt das?

Niemand erwartet mehr das schulfertige Kind. Deshalb gehören die klassischen schulischen Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen in die Schule und nicht bereits vorgezogen in den Kindergarten. Ob ein Kind schulfähig ist, hängt zum einen von seinem Entwicklungsstand ab, aber auch von seinem familiären und sozialen Umfeld, das willens und in der Lage sein muß, ein Schulkind zu fördern. Und es hängt von der Schule ab, denn nicht nur das Kind muß sich auf die Schule vorbereiten, sondern auch die Schule auf das Kind. Sie muß dem einzelnen Kind mit seinen Lernvoraussetzungen gerecht werden.

Schulreif ist ein Kind, wenn es nach genügend Übungsgelegenheiten erfahren hat, daß es selbständig entscheiden und handeln kann, wenn es mit Erfolg und Können ebenso umgehen kann wie mit Situationen des „dosierten Scheiterns“, wenn es über Gruppenfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Rücksichtnahme, verbale Ausdrucksfähigkeit, Spielkompetenz und Frustrationstoleranz verfügt.

Die kindlichen Lebens- und Lernbedingungen haben sich geändert, also muß sich auch unser vorschulisches und schulisches Angebot – abgestimmt auf dieses „neue“ Kind – ändern. Ganz wichtig dabei ist: Der Kindergarten bereitet nicht auf die Schule vor, die Schule nicht auf den Beruf, sondern beide pädagogische Einrichtungen unterstützen das Kind jeweils altersgemäß bei der Entfaltung seiner Persönlichkeit und seiner Fähigkeiten. Beide müssen ein Kind zum Handeln befähigen, seine Lernprozesse anregen, die Voraussetzungen für den Erwerb von Kompetenzen und Qualifikationen schaffen und es zu lebenslangem Lernen anregen. Allein um es kompetent werden zu lassen, müssen wir zweierlei tun, und zwar im Kindergarten und in der Schule: Wir müssen dem Kind unsere kulturtypischen Fertigkeiten beibringen, den Umgang mit vielfältigen Materialien und Werkzeugen ermöglichen. Es muß sich dabei auf Vorerfahrungen mit vergleichbaren Anforderungssituationen beziehen und hierbei auf Wissen über seine Handlungsmöglichkeiten zurückgreifen können (epistemische Kompetenz). Wir müssen aber auch ein stabiles Selbstbewußtsein beim Kind entstehen lassen, die offensichtlich wichtigste Voraussetzung, um auf sich selbst und auf die eigenen Fähigkeiten neue Situationen bewältigen und bislang noch nicht aufgetretene oder noch nie in Angriff genommene Probleme lösen zu können, zu vertrauen (heuristische Kompetenz). Der Schuleintritt mag biographisch einen neuen Lebensabschnitt kennzeichnen, doch die Entwicklungsförderung muß weitergehen.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

Eigentlich ist man mit sechs bis zehn Jahren noch recht jung, hat noch viele Möglichkeiten des Lernens und Erfahrens vor sich – sollte man meinen. Doch neue Ergebnisse der Präventionsforschung lassen uns diese Aussage einschränken: In der Kindheit werden Lebensgewohnheiten wie Eß-, Trink-, Konsum-, Arbeits- und Freizeitverhalten in einer Form geprägt, die sich offensichtlich stark auf den Rest des Lebens auswirkt. Bereits in der Kindheit, in der Familie, im Kindergarten und in der Grundschule lernen wir gesundheitsförderliches wie auch gesundheitsschädigendes Verhalten. Wollen wir also wirklich präventiv tätig und dabei erfolgreich sein, so müssen wir uns den Eltern, Kindergärten und Grundschulen zuwenden, denn hier wird man die größten Chancen für die Umsetzung einer erfolgreichen Gesundheitserziehung finden. Der Kindergarten und die Grundschule bieten sich schon deshalb an, weil hier beim immer selbständiger werdenden Kind auch Kontrapunkte zu familiären Traditionen gesetzt werden können – auf alle Fälle weit besser als in der Pubertät, wenn Abgrenzungstendenzen die Ansprechbarkeit verringern und Risikoverhalten in Sachen Körper dominiert.

Die Freude am Lernen und Denken erhalten

Eines hat uns die Entwicklungsforschung der letzten Jahre deutlich gezeigt: das Zusammenleben zwischen Kindern und Erwachsenen ist höchst unzutreffend beschrieben, wenn vom Zusammentreffen zwischen Unwissenden und Wissenden, zwischen Lernenden und Lehrenden ausgegangen wird. Wenn wir Kindern die Freude am Lernen und Denken erhalten, so lassen wir sie selbständige Persönlichkeiten werden und wappnen sie damit nicht zuletzt auch gegen menschenfeindliche Weltanschauungen.

Kinder akzeptieren wenig, sie zweifeln oft, untersuchen erneut, stellen „dumme“ Fragen, haben kein Schubladendenken, ignorieren Denkverbote und stellen in Unkenntnis zementierter Vereinbarungen Tabus in Frage. Dieses Selberdenken, diese naive Respektlosigkeit beim Hinterfragen, diese ungebändigte Kreativität gehen im Laufe des Erwachsenwerdens immer mehr verloren, obwohl gerade Erwachsene davon ruhig ein bißchen mehr gebrauchen könnten.

Die Glücksforschung, ganz aktuell von Hirnphysiologen, Philosophen und Biologen betrieben, zeigt uns, daß das unmittelbare Erleben, das Herantasten an neue Grenzen, ständiges Lernen von neuen Zusammenhängen, die Erfahrung von Bestätigung und Neuem höchst erfolgreiche Wege sind, unsere Glücksgefühle zu vermehren. Vielleicht ist die Suche nach Glück eine Strategie der Evolution, um erfolgreich den Kampf gegen die menschliche Trägheit aufzunehmen. Um den Menschen anzuspornen, Neues in Angriff zu nehmen, sich an die Bearbeitung von bislang Unverstandenem zu machen.

Wie sich ein Kind vor der Einschulung fühlen kann – eine Phantasiereise

Schule – das war ein Zauberwort!
Alle sprachen davon: Schule!
Schule hast Du Dir im Kopf vorgestellt, und Schule hast Du im Bauch gespürt.
Lesen wirst Du lernen, hast Du Dir gedacht.
Lesen klingt gut. Denn wer lesen kann, braucht nicht immer jemanden zu suchen und zu finden, der ihm vorliest. Da sagt der Kopf, das ist gut. Im Bauch fühlst Du Verschiedenes. Auf jeden Fall prickelt es, weil soviel Neues passieren wird in der Schule.
Ein neuer Weg morgens und mittags – der Schulweg. Neue Kinder – mhhh!
Du hast viele Fragen.
Wer vom Kindergarten geht mit mir in die Schule? Wen kenne ich vielleicht aus der Nachbarschaft?
Ein neues Gruppenzimmer, das jetzt Klassenzimmer heißt. Hoffentlich finde ich es.
Und dann die Lehrerin, vielleicht bekomme ich auch einen Lehrer.
Opa hat es schon in den Ferien gesagt, und Mama sagt es immer wieder, und Tante Iris hat es im Brief geschrieben, jetzt beginnt der Ernst des Lebens.
Vorbei ist das Spielen, jetzt wird gelernt, jetzt kommst Du in die Schule.
Der erste Schultag – eigentlich fast ein Fest. Es ist ein ganz besonderer Tag für Dich.
Neue Kleider habe ich bekommen und neue Schuhe für die Schule. Auf die soll ich aufpassen.
Also Mama kommt auf jeden Fall mit, und Papa hat sogar frei genommen und kommt mit in den Gottesdienst und dann zur Schule.
Den neuen Ranzen brauche ich erst morgen, heute nehme ich die Schultüte mit.
Was da wohl drin ist? – Hoffentlich eine Überraschung! Wahrscheinlich ein Schreibmäppchen, was Süßes, vielleicht doch noch was zum Spielen.
Mama hat schon den Foto bereitgelegt. Damit ich meinen ersten Schultag später im Album ansehen kann wie meine Taufe und den ersten Urlaub am Meer.
Frau Schmidtke hat ja versprochen, noch ab und zu vom Kindergarten zu uns rüber in die Schule zu kommen. Sie will sehen, wie es uns geht. Ann-Kathrin hat dann gefragt, ob sie uns zurückholt, wenn es uns in der Schule nicht gefällt. Da hat Frau Schmidtke gelacht und gemeint, Euch wird’s schon gefallen, glaubt mir. Ihr seid jetzt groß, jetzt beginnt der Ernst des Lebens.

Literatur

Hassenstein, B.: Verhaltensbiologie des Kindes. Wötzel 2001.

Matthews, G. B.: Philosophische Gespräche mit Kindern. Freese 1989.

Informationen zu den Autoren

Tätigkeitsprofil

BegründerInnen der 1993 gegründeten Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen (FVM GbR), die als selbstständige Forschungsgesellschaft praxisrelevante Problemstellungen der menschlichen Verhaltensentwicklung unter psychobiologischen Gesichtspunkten bearbeitet und Lösungsansätze erprobt sowie wissenschaftliche Erkenntnisse in Form von Gutachten, Projektplanung und -begleitung, Multiplikatorfortbildungen, Medieninformationen und Publikationen anwendungsbereit zur Verfügung stellt. Spezialberatung für Entwicklungs- und Erziehungsfragen.

Wichtige Publikationen der FVM

Auszug, die komplette Liste kann unter 07626-970792 per Faxabruf abgefragt werden:

Bensel, J. (1994) Ist die Tagesbetreuung in Krippen ein Risiko? Eine kritische Beurteilung der internationalen Krippenforschung. Zeitschrift für Pädagogik 40 (2), 303-326.

Bensel, J. (1997) Alles Gute für die Kleinen. Kleinstkinderbetreuung auf dem Prüfstand. Kindergarten heute 27 (6), 6-13.

Haug-Schnabel, G. (1997) Sexualität ist kein Tabu – Vom behutsamen Umgang mit einem schwierigen Thema. Herder, Freiburg.

Haug-Schnabel, G. (1998) Wie Kinder trocken werden können – Was Sie als Eltern wissen müssen, damit das Sauberwerden klappt. ObersteBrink, Ratingen.

Haug-Schnabel, G. (1999) Aggressionen im Kindergarten. Praxisbuch Kita. Herder, Freiburg.

Seelmann, K.; Haug-Schnabel, G. (1996) Woher kommen die kleinen Jungen und Mädchen? Ernst Reinhardt, München.

Entwicklung des Kindes im 8., 9. und 10. Lebensjahr

Im 8. – 10. Lebensjahr sind Kinder gern sportlich aktiv – Foto: © Kzenon – stock.adobe. com

Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Wichtige Entwicklungsschritte im achten, neunten und zehnten Lebensjahr

Ab dem 8. Lebensjahr erreicht das Kind eine neue Entwicklungsphase: seine Denkweise ist nun wesentlich rationaler geworden. Es unterscheidet immer mehr zwischen sich selbst und den anderen und versteht, dass Menschen unterschiedliche Meinungen haben. Die Hand-Auge-Koordination entwickelt sich weiter und das Kind probiert die neu erlangten Fähigkeiten in vielerlei Hinsicht aus.

Spaß und Wettbewerb

7 – 9-jährige Kinder besitzen ein gesteigertes körperliches Bewusstsein und testen dies natürlich gern aus. Sie sind häufig aktiv beim Rollschuhfahren, Schlittschuhlaufen, Fußballspielen oder Schwimmen, fahren gern mit dem Rad, tanzen, musizieren oder treten verschiedenen Sportvereinen bei. Dabei geht es nicht nur um den Spaß allein, sondern auch um den Wettbewerb mit anderen Kindern. Wie gut bin ich? Was unterscheidet mich von meinen Freunden? Wo liegen meine Stärken? In dieser Lebensphase ist zwar der Vergleich mit Gleichaltrigen sehr wichtig, dennoch treten Kinder in diesem Alter nicht nur gegeneinander an, sondern erleben auch erste Erfahrungen in Sachen Teamarbeit. Wie kann man sich gegenseitig ergänzen? Wo kann ich meinen Freund unterstützen und er mich? Erreichen wir zusammen nicht mehr als jeder für sich allein? 7 – 9-jährige testen ihre Teamfähigkeit – und scheitern natürlich auch noch oft daran. Aber dies wird sich im Laufe der nächsten Monate kontinuierlich verbessern. Mehr zum Thema Sport für Kinder

Lesen und Rechnen

Die Kindergartenzeit ist nun vorbei und erste Erfahrungen in der Schule konnten gesammelt werden. Die Kinder fangen an, mathematische Konzepte hinter den Zahlen zu verstehen, da sie jetzt zählen und Dinge abmessen. Ihr bester Taschenrechner sind die eigenen Finger, mit deren Hilfe sie Aufgaben lösen und Mengen begreifen. Tipps zum Rechnen lernen
Geübte kleinere Textabschnitte werden schon recht fließend gelesen. Diese neu erlernte Fähigkeit wird in den nächsten Monaten durch kontinuierliches Üben weiter ausgebaut. (Lesen üben mit Kindern) Bereits 7-jährige sind schon gut im Fragenstellen und Problemlösen. Mit ihrem experimentellen Ansatz betrachten sie eine Situation unter verschiedenen Gesichtspunkten und bauen häufig praktische Versuche zum Erreichen der Lösung mit ein.

Feinmotorisch gut unterwegs

Über verfeinerte visuelle und konkrete Hinweise sind Kinder im 8. – 10.Lebensjahr dazu in der Lage, ihre Körperbewegungen zeitlich und räumlich besser zu koordinieren und auf andere abzustimmen. Daraus resultiert auch die Weiterentwicklung der Hand-Augen-Koordination sowie der Flexibilität, Beweglichkeit, Balance und Präzision. Die Feinmotorik hat nun eine Entwicklungsstufe erreicht, die es den Kindern ermöglicht, mit unterschiedlichen Werkzeugen (zum Beispiel Säge oder Hammer) korrekt umzugehen und sich in verschiedenen Handarbeiten zu üben. Nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen können nun lernen, mit Nadel und Faden zu arbeiten, zu häkeln, zu stricken oder Freundschaftsbänder zu knüpfen. Das 8. – 10. Lebensjahr ist auch die Zeit, in der sich viele Kinder an einem Instrument ausprobieren. Gut zu wissen: an den meisten Musikschulen wird ein sogenanntes „Instrumentenkarussell“ angeboten. Hier können die Kinder verschiedene Instrumente jeweils für kurze Zeit testen und so erproben, welches ihnen am ehesten liegt. Zum Beispiel Streichinstrumente für Kinder

Ich-Bewusstsein stark weiterentwickelt

Jeder Mensch hat seine eigene Meinung – diese Tatsache erkennen Kinder in dieser Lebensphase inzwischen ganz gut. Sie verstehen ihr Gegenüber immer besser und sind in der Lage, sich in verschiedene Gefühlszustände hineinzuversetzen. So können sie beispielsweise die Mama trösten oder sich so richtig mit der besten Freundin freuen. Im Zusammensein mit anderen versuchen die Kinder nun, Regeln zu verstehen, diese einzuhalten und auch mal zu verhandeln. Sie bewerten sich selbst und auch ihre Wirkung auf andere – eine positive Folge des weiterentwickelten Ich-Bewusstseins. Ihr Gerechtigkeitsempfinden ist stark ausgeprägt und um den besten Freund zu verteidigen, werden auch mal nicht so feine Maßnahmen ergriffen. Dass man Konflikte am besten mit Worten klärt – das Verständnis dazu beginnt erst langsam zu wachsen.

Ideale gesucht

Mit 7 – 9 Jahren unterscheiden Kinder zwischen ihrer Erscheinung und ihrer Wirkung auf andere (Verhalten und Aussehen). Sie beginnen zu begreifen, dass das Verhalten von anderen Menschen nicht zwangsläufig deren Gedanken entsprechen muss und dass die Denkweise des Gegenübers nicht immer mit der eigenen Meinung einhergeht. Ein ziemlich komplexes Thema, über das Kinder in diesem Alter oftmals ins Grübeln kommen. Wie gut, wenn es da einen besten Freund/eine beste Freundin gibt! Mit solch einem Vertrauten an der Seite lässt sich vieles bereden. Gleichzeitig brauchen Kids im 8. – 10. Lebensjahr aber auch Ideale, zu denen sie aufsehen und mit denen sie sich identifizieren. Das können Personen aus der Musikszene oder der Sportwelt sein, der Leiter vom Kinder- und Jugendgottesdienst oder aber auch die Patentante.
Entwicklung im 11. – 13. Lebensjahr
Text: K. L. / Stand: 02.02.2020

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Entwicklung des Kindes:

Kinder & Jugendliche:

Jungen sollten ab der Pubertät ihre Hoden regelmäßig untersuchen

Etwa einmal pro Woche sollten männliche Teenager ab der Pubertät ihre Hoden untersuchen. In diesem Alter können sich u.a. Hodentumore entwickeln, die frühzeitig behandelt, geheilt werden können.

© Patryssia – Fotolia.com

Insbesondere betrifft dies auch Jungen, die in der Vorgeschichte einen behandelten Hodenhochstand hatten. Bestand dieser bereits bei Geburt, sind die Hoden entartungsgefährdeter. „Heranwachsende sollten jeden Hoden vorsichtig mit beiden Händen abtasten. Die Hoden sollten sich glatt anfühlen – ohne Verhärtungen und Erhebungen. Auch auf Adern, die sich stark abzeichnen, sogenannte Krampfadern bzw. Varikozelen, sollte ein Teenager achten. Beobachtet er solchen Veränderungen, sollte er seinen Jugendarzt konsultieren“, erklärt Dr. med. Bernhard J.M. Stier, Beauftragter für Jungenmedizin beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Eine Krampfader kann beispielsweise Anzeichen für einen behinderten Blutfluss sein, der zu einer Überwärmung des Hodens und damit zu einer Störung der Zeugungsfähigkeit führen kann.

Die Vorsorgeuntersuchung J1 mit 12 bis 14 Jahren bietet eine gute Gelegenheit, sich vom Jugendarzt die Technik des Abtastens erläutern zu lassen. Mittlerweile wird von vielen Kassen auch die J2 im Alter von 16 bis 17 Jahren erstattet. „Eltern sollten ihren Jugendlichen Gelegenheit geben, auch alleine mit dem Jugendarzt zu sprechen, um bei Bedarf heikle oder unangenehme Themen klären zu können – in dem Wissen, dass es eine ärztliche Schweigepflicht gibt“, rät Dr. Stier. Hier können junge Menschen lernen, selbst Fragen zu ihrer Gesundheit zu stellen und Verantwortung dafür zu übernehmen, um ihnen den Übergang zur Erwachsenenmedizin zu erleichtern.

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Wissen

Durch einen Anstieg des Hormonspiegels lösen die Sexualhormone Östrogen und Testosteron im Hirn von Jugendlichen die Pubertätsentwicklung aus. Bei Mädchen entwickelt sich die Brust und es setzt mit rund zwölf Jahren die Monatsblutung ein, bei Jungen wachsen die Muskeln und mit circa 13 Jahren verändert sich ihre Stimme. Warum kommen Jungs und Mädels heute im Durchschnitt 3,5 Jahre früher in die Pubertät als noch vor hundert Jahren? Und hat die frühe Pubertät negative Auswirkungen?

Übergewicht löst Pubertät aus

Der hohe Lebensstandard trägt auch dazu bei, dass die Pubertät bei Jungen und Mädchen immer früher einsetzt.

Untersuchungen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen, dass Mädchen aus sozial schwachen Familien später ihre erste Regelblutung bekamen als Mädchen aus wohlhabenden Schichten. Die reicheren Mädchen waren besser ernährt, hatten daher ein höheres Körpergewicht und wurden so früher reif. Studien aus den USA machen Übergewicht dafür verantwortlich, dass die Pubertätsentwicklung heute früher einsetzt. Dies bestätigt der Biochemiker Josef Köhrle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Auch bei Jugendlichen hierzulande ist die Gewichtszunahme ein Hauptgrund für die frühe Reife, betont Köhrle.

Psychischer Stress verändert den Körper

Auch Kinder, die viel Stress erlebt haben, beispielsweise durch eine Trennung der Eltern, kommen eher in die Pubertät. Evolutionsbiologen vermuten, dass die seelische Belastung dem Körper das Signal gibt, möglichst früh selbstständig werden zu müssen.

Schädliches Plastik in der Umwelt

Chemikalien in der Umwelt stehen ebenfalls im Verdacht, eine frühe Pubertät auszulösen. Denn in unserer Umwelt sind wir von Plastik umgeben. Besonders der Weichmacher Bisphenol A gehört zu den Chemikalien, die den Hormonhaushalt stören können. Tierversuche weisen darauf hin, dass Bisphenol A den Beginn der Pubertät beschleunigen kann. Eine Substanz, die in vielen Alltagsprodukten steckt, wie Trinkflaschen und Konservendosen. Aber es gibt noch eine Reihe weiterer gefährlicher Stoffen, die bislang noch nicht alle aufgedeckt wurden.

Frühe Geschlechtsreife wird vererbt

Doch nicht nur äußere Einflüsse können schuld sein, wenn die Pubertät ungewöhnlich früh beginnt. Ein wichtiger Faktor ist auch die Vererbung. Wenn beispielsweise schon der Vater früh entwickelt war, wird es dem Sohn mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso ergehen. Was ist also so schlimm daran, wenn die Pubertät beispielsweise schon mit neun Jahren beginnt?

Risiko für spätere Krankheiten steigt

Mädchen, die bereits im Grundschulalter in die Pubertät kommen, haben statistisch gesehen ein deutlich höheres Risiko für Stoffwechselstörungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Herzkreislauferkrankungen. Diese Statistiken sind allerdings umstritten. Fakt ist jedoch: Je früher bei einem Mädchen die Pubertät einsetzt, desto länger ist ihr Organismus dem Einfluss des Sexualhormons Östrogen ausgesetzt. Und körpereigenes Östrogen kann statistisch gesehen Brustkrebs fördern.

Psyche hinkt dem Körper hinterher

Unsicher und überfordert – auch Jungs bekommen die Auswirkungen der Pubertät zu spüren.

Mädchen, bei denen die Pubertät besonders früh einsetzt, leiden häufig unter den körperlichen Veränderungen. Es dauert, bis sie mit ihren weiblichen Rundungen zurechtkommen und ihren Körper selbstbewusst zeigen können. Einerseits wollen sie erwachsen wirken, andererseits aber noch Kind bleiben. Eine psychische Zerreißprobe, die auch Essstörungen hervorrufen kann.

Die körperlichen Veränderungen bei Jungs werden eher positiv angesehen. Allerdings lösen die Hormonschübe auch bei ihnen Unsicherheit und Überforderung aus – speziell dann, wenn Aussehen und Alter nicht übereinstimmen.

Bei allen Risiken und Bedenken eines zu früh einsetzenden körperlichen Reifeprozesses: Wenn Kinder in die Pubertät kommen, kann es für Eltern nur eine Regel geben – keine Panik schieben. Denn der Abschied vom Kindsein fällt meist nicht nur den Kindern selbst schwer.

Frühe Pubertät erhöht bei Mädchen das Risiko für psychische Probleme

Mädchen, die früh ihre erste Menstruation bekommen – möglicherweise sogar mit 7 Jahren – haben in den darauffolgenden Jahren ein größeres Risiko, Depressionen und antisozialen Verhaltensweisen zu entwickeln. Und diese Labilität bleibt für sie bis ins junge Erwachsenenalter (mindestens bis in die 20er-Jahre) bestehen. Dies legt eine amerikanische Studie nahe.

„Mädchen, die früher als Gleichaltrige in die Pubertät kommen, neigen dazu, im Jugendalter psychisch anfälliger zu sein“, sagte die Studienleiterin Dr. Jane Mendle, klinische Psychologin und außerordentliche Professorin für Human Development (menschliche Entwicklung) an der Cornell University.
Es war jedoch nicht klar, ob diese Verletzlichkeit über die Teenagerjahre hinaus anhält. Hier setzte die aktuelle Studie an. Mendle und ihre Kollegen folgten einer Gruppe von fast 8.000 jungen Frauen bis Ende 20.

„Mädchen, die eine frühere Pubertät durchgemacht haben, zeigen mehr depressive Symptome und antisoziales Verhalten als ihre Altersgenossen, und das weit über ein Jahrzehnt nach der Pubertät“, berichtete Mendle.
Mendle erklärte, es gebe keinen Konsens darüber, was als eine frühe erste Periode bezeichnet werden könne, aber Mädchen in der Studie bekamen durchschnittlich ihre erste Periode im Alter von 12 Jahren. Einige Mädchen hatten ihre erste Periode aber bereits im Alter von 7 Jahren, obwohl das selten war: Weniger als 1% der Mädchen bekamen eine erste Periode in diesem jungen Alter.

Allerdings trat bei fast 7% der Mädchen die erste Periode im Alter von 10 Jahren auf, und bei 19% im Alter von 11 Jahren, so die Studie. Die Ergebnisse wurden am 26. Dezember 2017 online in der Fachzeitschrift „Pediatrics“ veröffentlicht.
Warum bei manchen die Pubertät früh einsetzt, ist noch nicht genau erforscht, erläuterte Dr. Ellen Selkie von Universität von Michigan, die sich auf Jugendmedizin spezialisiert hat und ein die Studie begleitendes Editorial geschrieben hat. Bislang könne man eine frühe Pubertät auch nicht verhindern, ergänzte sie.

Pubertät beeinflusst viele Lebensbereiche

Mendle zufolge deuten andere Forschungsergebnisse darauf hin, dass Fettleibigkeit oder die Exposition gegenüber endokrin wirksamen Chemikalien eine Rolle spielen könnte. Solche Chemikalien fänden sich in Kunststoffen und Flammschutzmitteln, verdeutlichte sie. Was auch immer der Grund für eine frühe Pubertät sein mag, die neue Studie hat gezeigt, dass sie nachhaltige Konsequenzen zu haben scheint. „Die Pubertät hat Auswirkungen auf praktisch alle Bereiche des Lebens“, so Mendle. „Obwohl es eine biologische Übergangsphase ist, wird sie von dramatischen Veränderungen in Bezug auf soziale Rollen und Beziehungen sowie Emotionen begleitet und bestimmt, wie Kinder über sich selbst sowie andere und ihren Platz in der Welt denken.“
Allerdings fügte sie hinzu, dass die frühe Pubertät wahrscheinlich nur eine geringe Rolle bei der Entstehung von Depressionen und antisozialen Verhaltensweisen spiele. Und die Studie sei nicht darauf ausgelegt gewesen, eine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung nachzuweisen.

„Selbst wenn ein Mädchen früh in die Pubertät kommt, bedeutet das nicht, dass es als erwachsene Frau mit psychischen Problemen kämpfen muss“, räumte Mendle ein. „Es ist ein zusätzliches Risiko, und es lohnt sich, darauf zu achten. Aber Depressionen und antisoziales Verhalten sind kompliziert und werden – neben der Pubertät – von vielen anderen, unterschiedlichen Faktoren bestimmt.“

Dr. Victor Fornari, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Zucker Hillside Hospital in Glen Oaks, N.Y., kommentierte, dass als antisoziale Verhaltensweisen solche Verhaltensweisen beschrieben werden, die „von den sozialen Normen abweichen – wie Regeln verletzen, lügen, betrügen und andere nicht sozial angemessene Verhaltensweisen“. Er war nicht an der Studie beteiligt.

Wie könnte eine frühe Pubertät zu antisozialen Verhaltensweisen und Depressionen führen?

Selkie vermutete, dass ein Zusammenhang zwischen antisozialen Verhaltensweisen sowie Depressionen und einer frühen Pubertät wahrscheinlich mit biologischen und psychologischen Faktoren erklärt werden könne. „Es gibt einige Theorien, die eine frühe Östrogen-Exposition mit einem erhöhten Risiko für Depressionen verbinden, aber es kann auch eine Rolle spielen, dass sich Frühpubertierende körperlich von anderen Kindern unterscheiden“, sagte sie.

Carole Filangieri, eine klinische Neuropsychologin am NYU Winthrop Hospital in Mineola, New York, die ebenfalls nicht an der Studie teilgenommen hatte, warnte davor, zu glauben, dass eine frühe Pubertät das in der Studie beschriebene Verhalten verursachen könnte. „Es besteht die Gefahr, anzunehmen, dass eine frühe Pubertät diese antisozialen Verhaltensweisen voraussagen könne“, ergänzte sie. „In einer Umgebung mit sozialen Belastungen aufzuwachsen, lässt junge Frauen in einem viel früheren Alter erwachsen werden und hat zur Folge, dass sie auch so behandelt werden. Das sind alles Puzzleteile, die ein größeres Gesamtbild ausmachen. Wir sollten uns genau ansehen, was im Leben eines Mädchens vor sich geht.“ Filangieri nannte als Beispiel: „Für ein 9-jähriges Mädchen ist es verwirrend und ärgerlich, wenn man auf der Straße nach ihm pfeift.“

Fornaris Fazit lautet sagte: „Diese Studie weist darauf hin, dass es nicht nur darum geht, dass ein Mädchen seine Periode früh bekommt. Sie soll Eltern darauf hinweisen, dass sie bei ihrem Kind, wenn es davon betroffen ist, auf emotionale Probleme und Verhaltensstörungen achten sollten, damit es rechtzeitig die notwendige Unterstützung erhält.“ Je früher eine Behandlung begonnen werde, desto besser sei es, riet er – egal, was eine frühe Pubertät ausgelöst hat.

Selkie stimmte zu. „Ich denke, die wichtigste Botschaft der Studie an die Eltern ist, dass Kinder bereits im Alter von 8 oder 9 Jahren pubertieren können, obwohl dies nicht auf alle Kinder zutrifft“, kommentierte sie. „Wenn sich Ihr Kind früher entwickelt als seine Altersgenossen, ist es wichtig, genau zu beobachten, wie es sich fühlt – wie seine Stimmung ist und wie es sich verhält. Falls Interventionen erforderlich sind, wie eine Psychotherapie oder eine medikamentöse Behandlung, können diese früh eingesetzt werden, um späteren Problemen vorzubeugen“, hoffte Selkie.

„Ja, ich habe auch das Gefühl, dass früher alle ein bisschen später dran waren“, sagt meine Mama, als ich mich mit ihr über die Pubertät unterhalte. Klar, sagt sie, habe es auch früher schon frühreife Kinder gegeben, aber die seien eher die Ausnahme gewesen. Mädchen und Jungen, bei denen die Pubertät bereits mit elf oder zwölf Jahren einsetzt, sind heute nichts Ungewöhnliches mehr.

Pubertät heute fünf Jahre früher als vor 150 Jahren

Nicht nur Eltern, sondern auch Mediziner*innen beobachten, dass die Pubertät immer früher beginnt. Eine der größten Studien zu diesem Thema stammt von der University of Carolina. Die Untersuchung mit 17.000 Probandinnen ergab, dass Mädchen vor 150 Jahren ihre erste Regelblutung im Schnitt mit knapp 17 Jahren bekommen haben. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts liegt das Alter heute im Schnitt bei 12,8 Jahren. Die amerikanische Studie zeigt auch, dass der Beginn der Pubertät in den letzten 50 Jahren weniger stark sank als in den 100 Jahren davor.

Zusammenhang zwischen Pflegeprodukten und früher Pubertät

Eine mögliche Erklärung für eine frühe Pubertät könne die Nutzung von Pflegeprodukten sein – das zeigt eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Human Reproduction. Vor allem die Konservierungsstoffe in Kosmetika können den Beginn der Pubertät bei Mädchen vorverlegen. Bei Jungen zeigt sich ein solcher Effekt nicht. Die Studie untersuchte 338 Mütter und deren Kinder von Beginn der Schwangerschaft bis zum Einsetzen der Pubertät. Der Effekt zeigt sich nicht nur, wenn Mädchen selbst solche Produkte nutzen, sondern auch nach einer Verwendung durch die Mütter während der Schwangerschaft.

Zu den Stoffen, die über die Nutzung der Mütter einen Einfluss auf die Pubertät ihrer Töchter hatten, gehören Triclosan und Monoethylphthalath. Phthalathe sind Weichmacher, die in Europa seit 2006 in Kinderspielzeug verboten sind. Ein Grund: Sie binden an die Rezeptoren der natürlichen Sexualhormone und beeinflussen dadurch Prozesse, die eigentlich durch natürliche Hormone ausgelöst werden sollten. Beispielsweise die Pubertät.

Hauptproblem: Weichmacher und Konservierungsstoffe

Als Indikatoren für Pubertät gelten in der Studie die Schamhaarentwicklung der Mädchen, das Einsetzen der Menstruation und die Entwicklung der Brustdrüsen. Die Schamhaarentwicklung der Mädchen aus der Studie begann durchschnittlich etwa sechs Monate früher, wenn das Urin der Mütter einen hohen Anteil Monoethylphthalat (Weichmacher) aufwies. Enthielt das Urin der Mütter eine hohe Konzentration Triclosan (Desinfektion- und Konservierungsstoff), setzte die erste Regelblutung ebenfalls ungefähr ein halbes Jahr früher ein.

Als Grund für die immer früher einsetzende Pubertät in den letzten 150 Jahren gilt neben chemischen Stoffen die Zunahme des Körpergewichts. Leptin ist ein Hormon, das in den Fettzellen des Körpers gebildet wird und unter anderem für die Pubertät verantwortlich ist. Es teilt dem Gehirn mit, wann genügend Fettreserven für die sexuelle Reifung des Körpers vorhanden sind, also wann die Pubertät beginnen kann. Da übergewichtige Kinder einen erhöhten Leptinwert haben, vermuten Forscher*innen, dass der frühere Pubertätsbeginn auch mit der steigenden Zahl von übergewichtigen Kindern zusammenhängt.

Auswirkungen einer verfrühten Pubertät noch unklar

Ob das frühe Einsetzen der Pubertät langfristige psychische Folgen hat, ist bisher noch nicht ausreichend erforscht. In einer amerikanischen Studie befragten Forscher*innen mehr als 7.000 Mädchen, um herauszufinden, ob ein Zusammenhang zwischen psychischen Krankheiten und der Pubertät besteht. Laut dieser Studie zeigen Mädchen, deren Periode verfrüht einsetzt, öfter Symptome einer Depression. Viele deutsche Erziehungsexpert*innen halten eine frühe Pubertät aber für unproblematisch.

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