Postpartale depression test

Schwangerschaftdepression/Depressionen in der Schwangerschaft

Erst voller Euphorie und dann füllen sich die Augen plötzlich mit Tränen und Sie fangen an zu weinen: Kommt Ihnen das bekannt vor? Stimmungsschwankungen treten häufig gleich zu Beginn der Schwangerschaft auf. Sie gehören zu den Anzeichen für eine bestehende Schwangerschaft und halten sich in den ersten 12. Wochen der Schwangerschaft oft hartnäckig. In dieser Zeit reagieren Schwangere gereizt und sind in Streit-Situationen viel sensibler als sonst. Auch Kritik oder Stress nehmen Frauen nun häufig nicht auf die leichte Schulter, sondern reagieren niedergeschlagen. Auf Außenstehende – wie den werdenden Vater – wirken die Reaktionen oder Tränen meist grundlos. Dennoch sind Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft ganz normal und harmlos und unterscheiden sich deshalb auch von Depressionen in der Schwangerschaft.

Stimmungsschwankungen: So gehen Sie damit um

Sie leiden an Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft und eine Schwangerschaftsdepression ist ausgeschlossen, aber Ihnen und Ihrem Partner machen die wechselhaften Launen sehr zu schaffen? Hier verraten wir Ihnen, was Sie tun können:

Tipps bei Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft

Ursachen für Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft

Für die Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft sind verschiedene Ursachen verantwortlich:

  • Veränderte Umstände: Plötzlich ist alles anders. Sie werden sich darüber bewusst, dass Sie ein Baby erwarten und sich Ihr Leben bald verändert. Auch wenn Frauen die Schwangerschaft geplant haben, macht das auf einmal Angst. Vielleicht stellen Sie sich gerade die Frage, ob Sie dieser Herausforderung wirklich gewachsen sind und es treten Zweifel auf, ob Sie eine gute Mutter sein werden. Und dann überkommt Sie ganz plötzlich wieder ein Glücksrausch darüber, dass Sie ein Baby in sich tragen. Bei all diesen Veränderungen in Ihrem Leben ist es normal, dass Sie jetzt Stimmungshochs und -tiefs erleben.
  • Hormonelle Umstellung: Hauptverantwortlich für Ihre Stimmungsschwankungen sind die Hormone. Während der Schwangerschaft kommt es zu ausgeprägten Hormonveränderungen. Die hohe Produktion von Östrogen und Progesteron führt dazu, dass bei Ihnen wechselhafte Gefühle auftreten. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel hat sich das wieder eingependelt und Sie sind ruhiger und gelassener.
  • Wechselwirkung mit anderen Beschwerden: Sie leiden an Müdigkeit und Sodbrennen? Dann ist es natürlich kein Wunder, dass Ihre Stimmung im Keller ist. Wenn mehrere Schwangerschaftsbeschwerden gleichzeitig auftreten, kann Ihnen das ganz schön zu schaffen machen. Entspannen Sie sich. Bald hat Ihr Körper das Chaos wieder im Griff und es wird Ihnen besser gehen.

Stimmungsschwankungen kurz vor der Geburt

Nicht nur in den ersten Wochen der Schwangerschaft können sich Stimmungsschwankungen bemerkbar machen. Viele Frauen kämpfen auch kurz vor der Geburt mit schwankenden Gefühlen. Wenn die Geburt näher rückt, ist es ganz normal, dass Ängste auftreten: Wird alles gut gehen? Bleibt mein Baby gesund? All diese Fragen gehen werdenden Müttern vor der Entbindung durch den Kopf. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme darüber und lassen Sie sich beruhigen.

Stimmungsschwankungen sind in der Schwangerschaft also ganz normal. Sollten die gefühlsmäßigen Tiefpunkte allerdings stark überhandnehmen, suchen Sie Ihren Frauenarzt auf. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie an einer Schwangerschaftsdepression leiden.

Wie werden Depressionen in der Schwangerschaft diagnostiziert?

Die Diagnose von Depressionen in der Schwangerschaft unterscheidet sich prinzipiell nicht im Vergleich zur Diagnose von Depressionen im Allgemeinen. Jedoch gibt es einen spezialisierten Fragebogen für Wochenbettdepressionen (postpartale/postnatale Depressionen), der auch bei Depressionen in der Schwangerschaft zur Anwendung kommt. Die „Edinburgh Postpartum Depression Scale“ hilft bei der Beurteilung der Frage, ob Anzeichen einer Depression vorliegen. Der Fragebogen umfasst zehn Fragen zum persönlichen seelischen Befinden.

Wie können sich Depressionen in der Schwangerschaft äußern?

Depressionen in der Schwangerschaft können sich, neben allgemeinen Anzeichen einer Depression, durch eine Vernachlässigung der Schwangerschaftsvorsorge äußern. Die Besonderheit bei Depressionen in der Schwangerschaft ist, dass sich die Symptome nicht nur bei der Mutter bemerkbar machen, sondern sich auch beim ungeborenen Kind zeigen können. So kann ein verzögertes Wachstum des Kindes oder eine Frühgeburt auf Depressionen zurückzuführen sein.

Wie werden Depressionen in der Schwangerschaft therapiert?

Bei leichten depressiven Verstimmungen in der Schwangerschaft ist eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung größtenteils nicht notwendig. Eine unterstützende Beratung von Geburtshelfern oder Gynäkologen genügt in den meisten Fällen. In schweren Fällen sind, wie bei schwangerschaftsunabhängigen Depressionen auch, psychotherapeutische Maßnahmen notwendig. Zu beachten ist jedoch, dass einige Medikamente das ungeborene Kind schädigen können, was bei der Behandlung berücksichtigt werden muss.

Wie verlaufen Depressionen in der Schwangerschaft?

Depressionen in der Schwangerschaft sind oft schwer zu erkennen, da es manchmal sehr schwierig sein kann, die Anzeichen einer Depression von normalen schwangerschaftsbedingten Stimmungsschwankungen abzugrenzen. So lassen sich nur etwa 18 Prozent der Frauen, die tatsächlich unter Depressionen leiden, behandeln. Spätere Folgen von Depressionen in der Schwangerschaft können Wochenbettdepressionen und eine beeinträchtigte Mutter-Kind-Beziehung sein.

Gibt es Möglichkeiten Depressionen in der Schwangerschaft vorzubeugen?

Allgemeingültige Möglichkeiten Depressionen in der Schwangerschaft vorzubeugen, gibt es nicht. Wenn aber depressive Verstimmungen länger anhalten und der Verdacht auf eine Depression besteht, ist besonders auch in der Schwangerschaft eine möglichst frühzeitige professionelle Beratung sinnvoll, um mögliche Folgen abzuwenden.

Depression in der Schwangerschaft: Schnelle Hilfe ist wichtig

Auch das Baby leidet unter den Depressionen

Geht es der werdenden Mutter gut, so geht es auch dem Baby gut: Die Besonderheit bei Depressionen in der Schwangerschaft ist, dass sich die Symptome nicht nur bei der Frau bemerkbar machen, sondern eben auch beim ungeborenen Kind. So kann ein verzögertes Wachstum des Kindes oder eine Frühgeburt auf Depressionen zurückgeführt werden. Eine Behandlung ist also zwingend notwendig, da ansonsten zudem eine Wochenbettdepression nach der Geburt drohen kann. Denn, was nur die wenigstens Menschen wissen: In den seltensten Fällen werden diese schweren postnatalen Psychosen allein durch die Geburt selbst ausgelöst. Meistens deuten sich schon während der Schwangerschaft sowohl eine leichte Depression als auch verstärkt aufkommende Ängste an.

Bei Depressionen in der Schwangerschaft ist schnelle Hilfe zwingend notwendig

Viele Betroffene haben bereits eine gewisse Veranlagung zur Depression. Die Schwangerschaft ist, neben einer Vielzahl biologischer und psychosozialer Faktoren, dann schlichtweg das einschneidende Erlebnis, das sie auslösen kann. Halten die Symptome zwei Wochen oder sogar länger an, ist ein Besuch beim Arzt unabdingbar, um eine mögliche Diagnose abklären zu lassen und eine schnelle Besserung in die Wege leiten zu können. Ein Arzt kann dann eine geeignete Therapie vorschlagen. Für werdende Mütter bieten sich dann vor allem Gesprächstermine mit einem auf diesem Gebiet spezialisierten Therapeuten an. Zudem können auch homöopathische Mittel, Akupunktur oder Bachblüten helfen. Auch Bewegung an der frischen Luft oder Yoga empfinden viele Schwangere als gute Alternative zu einer Medikation. In besonders schweren Fällen werden allerdings auch Antidepressiva verschrieben.

Tipp der Expertin:

Werdende Mütter sollten bei den geringsten Anzeichen einer Depression einen Arzt aufsuchen. Hier gilt klar: Im Zweifelsfall lieber einmal mehr Hilfe und Beratung suchen, um so das eigene Wohl und das des Kindes nicht zu gefährden. Auch eine Selbsthilfegruppe kann in dieser hochemotionalen Phase Unterstützung bieten. Depression in der Schwangerschaft ist nichts was man komplett verhindern kann. Jedoch hilft vor allem das Reden über Ängste und das Vermeiden von Druck das Risiko zu minimieren. Ein Yogakurs oder Entspannungstechniken für Schwangere können dann zusätzlich noch das innere Gleichgewicht fördern.

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Hinweis

Bitte beachte: Die Fragen im Test beziehen sich auf die vergangenen sieben Tage und nicht nur darauf, wie du dich gerade jetzt in diesem Augenblick fühlst.

Erklärung

Nach der Geburt eines Kindes, entwickeln zwischen 10% bis 20% aller Frauen eine postnatale oder postpartale Depression, im Volksmund auch Wochenbettdepression genannt. Sie erleben dabei Gefühle von extremer Traurigkeit, Angst und Erschöpfung, und viele andere Symptome wie sie auch von anderen Formen der Depression bekannt sind, wie zum Beispiel:

  • Anhaltende Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit
  • Innere Leere und das Gefühl von Überforderung
  • Weinkrämpfe
  • Innere Unruhe und Reizbarkeit
  • Stimmungsschwankungen inklusive überzogenen Wutausbrüchen
  • Schlafstörungen und die Unfähigkeit einzuschlafen, auch wenn das Baby schläft
  • Verlust des Interesses an Aktivitäten, die in der Regel Spaß machen
  • Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme und Muskelschmerzen
  • Erhöhter oder verringerter Appetit
  • Rückzug ins Private und Vermeidung von sozialen Kontakten
  • Probleme, sich auf das Baby einzulassen und eine emotionale Verbindung aufzubauen
  • Häufiges Grübeln und Zweifeln an der eigenen Fähigkeit, sich um das Baby kümmern zu können
  • Der Gedanke daran, sich oder dem Baby etwas anzutun

Der hier vorliegende Test basiert auf der sogenannten Edinburgh Postnatal Depression Scale, einem Test, der 1987 im schottischen Edinburgh and Livingston entwickelt wurde. Die Fragen des Tests entsprechen verschiedenen klinischen Depressionssymptomen wie Schuldgefühlen, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Anhedonie und Selbstmordgedanken. Jede Antwort wird mit 0 bis 3 Punkten bewertet. Die Auswertung ergibt sich aus der Summe aller gegebenen Antworten bzw. deren Punktzahl. Maximal erreicht werden könen 30 Punkte. Je höher die Gesamtpunktzahl, desto höher die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer postpartalen Depression. Ab einem Ergebnis von 10 Punkten sollte das Vorliegen einer Wochenbettdepression in Betracht gezogen werden.

Weiterführende Links

  • Postpartale Depression – Anzeichen und Symptome
  • Anzeichen und Symptome einer Depression
  • Dysthymie – Was ist eine chronische Depression?
  • PHQ9 Depressions-Selbsttest

Ein Online-Test ist kein zuverlässiges Mittel zur Selbstdiagnose. Glaubst du, ein Problem zu haben, dann wende dich bitte an einen Arzt oder Therapeuten. Das kann auch zunächst dein Hausarzt sein. Ansprechpartner für Notfälle

Der komplette Test auf einen Blick

Punkteverteilung

In den vergangenen 7 Tagen …

Frage So sehr wie ich es immer konnte Nicht ganz wie früher Deutlich weniger als früher Gar nicht
… konnte ich lachen und das Leben von der sonnigen Seite sehen 0 1 2 3
…konnte ich mich so richtig auf etwas freuen 0 1 2 3
… gab ich mir grundlos die Schuld, wenn etwas schief lief 3 2 1 0
… war ich ohne wirklichen Grund ängstlich und besorgt 0 1 2 3
… habe ich mich ohne ersichtlichen Grund erschrocken oder Panik verspürt 3 2 1 0
… fühlte ich mich überfordert 3 2 1 0
… war ich so unglücklich, dass ich nicht schlafen konnte 3 2 1 0
… habe ich mich traurig und schlecht gefühlt 3 2 1 0
… war ich so unglücklich, dass ich geweint habe 3 2 1 0
… habe ich daran gedacht, mich selbst zu verletzen 3 2 1 0

Auswertung

  • Bis 9 Punkte: Du scheinst nicht an einer postpartalen Depression zu leiden.
  • 10 oder mehr Punkte: Du zeigst Anzeichen einer postpartalen Depression und solltest eventuell einen Arzt um Rat fragen.

Postpartale Depression: Vom Tief nach der Geburt

Bei der Behandlung der Wochenbettdepression rückt zunehmend die Therapie der häufig gestörten Mutter-Kind-Interaktion in den Vordergrund.
Nicht jede Mutter, die ein Kind zur Welt gebracht hat, kann sich uneingeschränkt darüber freuen. Zwischen zehn und 15 Prozent der jungen Mütter entwickeln eine Depression, die man aufgrund ihres zeitlichen Zusammenhangs mit einer Geburt als „postpartale Depression“ (PPD) oder Wochenbettdepression bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine depressive Erkrankung mit Beginn innerhalb von vier Wochen nach der Entbindung. Charakteristische Symptome sind zum Beispiel gedrückte Stimmung, Interessen- und Appetitverlust, Schlafstörungen, erhöhte Ermüdbarkeit, Wertlosigkeits- und Schuldgefühle, verminderte Konzentration sowie Suizidgedanken und -handlungen. Mindestens fünf Symptome müssen über mindestens zwei Wochen vorhanden sein, um die Diagnose einer PPD zu stellen.
Die PPD ist differenzialdiagnos-tisch abzugrenzen gegen den postpartalen Blues und die postpartale Psychose. Der postpartale Blues („Baby Blues“) geht mit leichten depressiven Verstimmungen, Traurigkeit, Stimmungslabilität und Irritierbarkeit einher. Er tritt bei 25 bis 50 Prozent aller Wöchnerinnen in den ersten Wochen nach der Geburt auf und verschwindet meist spontan innerhalb weniger Stunden oder Tage wieder. Die postpartale Psychose hat eine Prävalenz von 0,1 bis 0,2 Prozent und zeigt sich in den ersten vier Wochen nach der Geburt. Die Symptomatik, für die unter anderem Halluzinationen, Gedankeneingebung, zielloses Verhalten und Wahnvorstellungen typisch sind, kann über Wochen und Monate anhalten. Im Gegensatz zum postpartalen Blues besteht bei der PPD und Psychose Therapiebedarf.
Die Symptome der PPD werden oft erst spät oder gar nicht erkannt. Die Gründe hierfür sind vielschichtig: So verschweigen die betroffenen Frauen ihre Symptome aus Scham, Schuldgefühlen oder Angst. Die Diagnose wird dadurch zusätzlich erschwert, dass die Symptome der PPD meist nach Entlassung aus der Geburtsklinik auftreten. Werden diese vom sozialen Umfeld oder vom Gynäkologen, Pädiater oder der Nachsorgehebamme nicht erkannt, können schwerwiegende Komplikationen bei Mutter und Kind auftreten. Die Nichtbehandlung einer Wochenbettdepression ist mit Chronifizierung oder Suizid verbunden. Beim Säugling können Bindungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten sowie Störungen der emotionalen und kognitiven Entwicklung die Folge sein.
Als wichtigster Risikofaktor für PPD gilt eine erhöhte Vulnerabilität durch eine depressive Erkrankung oder andere psychische Erkrankungen in der Vorgeschichte. Darüber hinaus werden traumatische Erlebnisse und Vernachlässigung in der eigenen Kindheit, Stressbelastung in der Schwangerschaft, traumatisches Erleben der Geburt, biologische Auslöser, sozioökonomische Faktoren, geringe oder keine soziale Unterstützung sowie geringe Partnerschaftszufriedenheit diskutiert. Bildungsstand, Geschlecht des Kindes oder Stillen scheinen hingegen keinen Einfluss zu haben.
An der Entstehung einer PPD sind vermutlich neurochemische, hormonelle und psychosoziale Faktoren beteiligt. Für die Genese der PPD scheint der neuroendokrinologische Zusammenhang zwischen Östrogenen und serotonergem System bedeutsam zu sein. So wird der postpartale Östrogenabfall als ein möglicher pathogenetischer Faktor für PPD bei Frauen mit depressiver Prädisposition diskutiert. Aber auch psychosoziale Fragen spielen womöglich eine Rolle. Dazu zählen beispielsweise Rückbildungsvorgänge, Umstellung auf die Aufgabe des Bemutterns, Veränderung des Selbst- und Körperbilds sowie Übergang zu einer triadischen Beziehungsstruktur.
Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der LMU München empfehlen, bei allen Müttern sechs bis acht Wochen nach der Entbindung ein Screening zu depressiven Symptomen mittels Fragebogen oder Interview durchzuführen. Dafür eignen sich beispielsweise das Strukturierte Klinische Interview für DSM-IV (SKID) und die Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS). Bei der Diagnose einer PPD sollte eine eingehende körperliche Untersuchung erfolgen, bei der auch eine mögliche Schilddrüsenunterfunktion geprüft wird. Zur Einschätzung des Schweregrads ist nach Einschränkungen in Beruf, Alltag und sozialem Umfeld zu fragen. Wichtig ist außerdem, das Thema Suizidalität anzusprechen und psychotische Symptome zu explorieren.
Therapieoptionen
Die Therapie umfasst Psychotherapie und medikamentöse Therapie. Am häufigsten werden verhaltenstherapeutische, interpersonelle und tiefenpsychologische Psychotherapie eingesetzt, sowohl im Einzel- als auch im Gruppensetting. Zwei Elemente, die zum Beispiel im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie bei PPD angewandt werden, sind kognitive Umstrukturierung und ein verstärkerorientierter Ansatz. Mithilfe der kognitiven Umstrukturierung lernt die Patientin, automatisierte, negative Gedanken in bestimmten Situationen durch neue Gedanken zu ersetzen, die mit positiven Affekten verbunden sind. Der verstärkerorientierte Ansatz versucht unter anderem, durch Tagespläne und -protokolle die Anzahl der positiven Aktivitäten zu erhöhen. Eine telefonische Nachbetreuung, die vor allem der Rezidivprophylaxe und Notfallintervention dient, hat sich als hilfreich und praktikabel erwiesen. Die medikamentöse Therapie erfolgt meist mit trizyklischen Antidepressiva (zum Beispiel Amitriptylin, Trimipramin) oder selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (zum Beispiel Fluoxetin, Sertralin). Berücksichtigt werden muss, dass Antidepressiva in die Muttermilch übertreten.
Kaum kontrollierte Studien
Bei leichter oder mittlerer Symptomausprägung wird die Psychotherapie gegenüber der medikamentösen Therapie bevorzugt. Bei starker Ausprägung der Symptome wird eine Kombination von Psychotherapie und antidepressiver Medikation empfohlen. Sind Suizidgedanken, starke Funktionsbeeinträchtigung und eine Komorbidität mit anderen psychischen Erkrankungen vorhanden, ist die Aufnahme in eine psychiatrische Klinik erforderlich. Kontrollierte Effektivitätsstudien zur Therapie der PPD sind selten. Es liegen jedoch Hinweise auf die Wirksamkeit einer Kombinationsbehandlung vor.
Neben der Behandlung der Wochenbettdepression rückt zunehmend die Behandlung der Mutter-Kind-Beziehung in den Vordergrund. Das Verhalten depressiver Mütter in der Interaktion mit dem Säugling ist gekennzeichnet durch Passivität, wenig positiven Affekt, Sprache und körperliche Berührung sowie durch eine geringe Sensitivität für kindliche Signale. Säuglinge reagieren darauf unter anderem mit Rückzug, Vermeidung des Blickkontakts, Inaktivität und häufigem Weinen. Aus einer gestörten Interaktion zwischen Mutter und Kind können Bindungsprobleme sowie Beeinträchtigungen der emotionalen und kognitiven Entwicklung resultieren. Auf die gleichzeitige Behandlung von Wochenbettdepressionen und gestörter Mutter-Kind-Interaktion hat sich unter anderem eine Mutter-Kind-Einheit des Universitätsklinikums Heidelberg spezialisiert. Neben der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Depressionsbehandlung der Mutter werden sowohl traditionelle psychodynamische Mutter-Kind-Kurzzeittherapie als auch neuere Methoden angeboten, unter anderem eine videogestützte Therapie. Sie ermöglicht es den Eltern, ihr Interaktionsverhalten mit dem Säugling auf Videoaufzeichnungen zu beobachten und zusammen mit einem Therapeuten zu analysieren. Die Maßnahmen haben zum Ziel, die Mutter-Kind-Interaktion zu verbessern und Entwicklungsstörungen beim Säugling zu verhindern. Zudem zielen sie darauf ab, das Selbstvertrauen der Mütter zu stärken und die depressive Symptomatik zu verbessern. Die Prognose der PPD hinsichtlich Krankheitsdauer und Rezidivrisiko ist günstiger als bei anderen depressiven Erkrankungen. Eine PPD-Episode dauert durchschnittlich sieben Monate. Etwa die Hälfte der Frauen mit PPD entwickelt nach der nächsten Entbindung erneut eine Wochenbettdepression.
Die hohe Prävalenzrate der PPD korrespondiert nicht mit dem gegenwärtigen Angebot an psychiatrien und Tageskliniken mit speziellen Mutter-Kind-Abteilungen. Mütter mit PPD gelten daher als unterversorgte Patientengruppe.
Dr. phil. Marion Sonnenmoser
Literatur
1. Härtl K, Müller M, Friese K: Wochenbettdepression. Eine häufig spät oder nicht diagnostizierte psychische Erkrankung. Gynäkologe 2006; 39: 813–19.
2. Hornstein C, Schenk S, Wortmann-Fleischer S, Downing G, Schwarz M: Videotherapie bei postpartalen Störungen. Psychotherapeut 2006; 51: 363–8.
3. Moehler E, Brunner R, Wiebel A, Reck C, Resch F: Maternal depressive symptoms in the postnatal period are associated with long-term impairment of mother-child bonding. Arch Women’s Ment Health 2006; 9: 273–8.
4. Reck C, Weiss R, Fuchs T, Möhler E, Downing G, Mundt C: Psychotherapie der postpartalen Depression. Nervenarzt 2004; 75: 1068–73.
5. von Ballestrem CL, Strauß M, Kächele H: Contribution to the epidemiology of postnatal depression in Germany – implications for the utilization of treatment. Arch Women’s Ment Health 2005; 8: 29–35.
6. von Ballestrem CL, Strauß M, Kächele H: Telefonische Nachuntersuchungen bei postpartaler Depression. Psychotherapeut 2005; 50: 274–7. Anzeige

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