Polyzystisches ovarialsyndrom ernährung

Das Polycystische-Ovarsyndrom (PCOS) ist die häufigste hormonelle Erkrankung im gebärfähigen Alter, welche ca. 5 bis 10 % der Frauen betrifft. Sie kann dafür verantwortlich sein, wenn Frauen trotz Kinderwunsch nicht schwanger werden.

In der Kinderwunschsprechstunde beim Endokrinologen stellen sich oft junge Frauen vor, welche eine typische Kombination von Symptomen aufweisen:

– unregelmäßige und seltene oder ausbleibende Regelblutung

– kosmetische Symptome durch männliche Hormone: Vermehrte Behaarung, scheitelbetonter Haarausfall, Akne; außerdem im Blut erhöhte Spiegel von männlichen Hormonen (Testosteron, Androstendion, DHEAS, 17-Hydroxy-Progesteron)

– Veränderungen der Eierstöcke im Ultraschall: ein sogenannter „polyzystischer“ Umbau (kleine perlschnurartige Bläschen).

Hier kann eine mögliche Diagnose das Polycystische-Ovarsyndrom (POCS) sein. Nach aktuellen Kriterien spricht man von PCOS, wenn bei erwachsenen Frauen zwei der drei Kriterien erfüllt sind.

Was hat die Diagnose „PCO-Syndrom“ mit Diabetes zu tun?

Häufig haben die betroffenen Frauen zusätzliche Symptome und Risiken:

– Übergewicht und speziell Stammfettsucht (Verteilung des vermehrten Körperfettes speziell am Bauch – „viszerale Adipositas“) mit erhöhtem Bauchumfang (75%)

– Insulinresistenz: das körpereigene Insulin wirkt schlechter

– erhöhtes Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Gefäßverkalkungen (Metabolisches Syndrom: 33%). Damit verbunden erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall)

Oft besteht eine erbliche Vorbelastung für die genannten Krankheiten.

Die Entstehungsmechanismen sind sehr kompliziert und noch nicht komplett verstanden. Neben den erhöhten männlichen Hormonen steht die Insulinresistenz im Mittelpunkt der Erklärungsmodelle: körpereigenes Insulin wirkt schlechter, es wird mehr Insulin benötigt um den Blutzucker in den Normbereich zu senken.

Behandlung des PCO-Syndroms

Das PCO-Syndrom ist somit eine gynäkologische und hormonell-diabetologische Krankheit. Die Behandlung besteht oft in der Verordnung einer speziellen Pille: Sie regelt den Zyklus und senkt die männlichen Hormone. Dadurch verbessern sich auch die kosmetischen Beschwerden. Die Stoffwechselveränderungen werden aber nicht besser. Bei Kontraindikationen für die Pille müssen Alternativen gefunden werden. Dabei hat sich Metformin bewährt, ein seit Jahrzehnten mit großem Erfolg verwendetes Mittel zur Behandlung des Diabetes Typ-2.

Metformin ist aber für die Behandlung des PCO-Syndroms nicht zugelassen (sog. „off-label-Therapie“). Es darf nur nach sorgfältiger Aufklärung und auf ausdrücklichen Wunsch der Betroffenen (mit Unterschrift bestätigt) verordnet werden; die Kosten werden von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen nicht übernommen.

Durch Metformin wird die Insulinresistenz gebessert. Außerdem kann Metformin die vermehrte Behaarung und Akne bessern, die männlichen Hormone messbar senken, den Zyklus regulieren und die Schwangerschaftsrate bei Kinderwunsch erhöhen. Es hilft Gewicht zu reduzieren und senkt das Risiko für die Entstehung eines Diabetes. Natürlich kann Metformin nicht verhüten: bei Kinderwunsch wird ja ohnehin die Pille abgesetzt.

Die Behandlung gehört in die Hände von Experten, in der Regel von Endokrinologen oder Diabetologen.

„Das polyzystische Ovarsyndrom ist die unbekannteste Volkskrankheit“, sagt Dr. Susanne Hahn, Endokrinologin aus Wattenscheid. Mindestens eine Million Frauen in Deutschland sind nach ihren Angaben davon betroffen.

Die Entstehung des polyzystischen Ovarsyndroms, kurz PCOS, ist wahrscheinlich stark genetisch bedingt, denn das Syndrom tritt familiär gehäuft auf. Typisch für das PCOS sind eine zu seltene oder fehlende Monatsblutung, erhöhte Androgen-Werte und polyzystische Ovarien. Für die Diagnose PCOS müssen zwei dieser drei Kriterien erfüllt sein.

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Frauen mit Kinderwunsch können von einer Metformin-Therapie profitieren.

Polyzystische Ovarien liegen vor, wenn sich in jedem Ovar mindestens zwölf kleine Follikel mit einem Durchmesser von 2 bis 9 mm befinden oder das ovarielle Volumen erhöht ist, das heißt mehr als 10 ml beträgt. Die erhöhten Hormonwerte beruhen auf verstärkter Androgenbildung in Ovarien und Nebennierenrinden.

Hyperinsulinämie als Folge von Insulinresistenz treibt die Produktion weiter an. Optisch auffällig werden Frauen mit Hyperandrogenämie bei PCOS durch Akne, Haarausfall oder Hirsutismus. Nicht alle diese Symptome liegen aber bei allen PCOS-Patientinnen gleichzeitig vor. Das männliche Behaarungsmuster etwa kann das Gesicht, den Bereich um die Brustwarzen oder den Bauchbereich betreffen.

Viele Frauen mit PCOS sind adipös oder insulinresistent

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Das Zuviel an männlichen Sexualhormonen führt nicht nur zu Schönheitsfehlern, viele Frauen mit PCOS sind zudem adipös oder haben eine Insulinresistenz. Ihr Risiko für Typ-2-Diabetes ist siebenfach erhöht, und sie entwickeln meist schon in jungen Jahren ein metabolisches Syndrom, sagte Hahn bei der Tagung der rheinlandpfälzischen Diabetologen und Endokrinologen in Mainz. Außerdem sind viele Frauen mit PCOS infertil.

Insulinresistenz und metabolisches Syndrom treffen Frauen mit PCOS besonders früh. Das belegen Daten einer Studie mit 461 Frauen. Darin hatte jede zweite Frau mit PCOS einen BMI über 30 kg/m². Hyperton waren 40 Prozent. Genauso viele hatten zu niedrige HDL-Werte und 56 Prozent zu hohe LDL-Werte. Dabei betrug das mittlere Alter der untersuchten Frauen nur 28 Jahre. Zwei Drittel der Studienteilnehmerinnen hatten eine Insulinresistenz.

PCOS sollte deshalb Anlaß für regelmäßige Diabetes-Tests sein, sagte Hahn. Drei Prozent der jungen Frauen hatten bereits Typ-2-Diabetes. Ein Drittel erfüllte schon das Vollbild des metabolischen Syndroms – von den über 35jährigen sogar jede zweite. Vielen Frauen mit PCOS kann daher bereits eine Gewichtsreduktion helfen.

Kontrazeptiva helfen bei Akne, Alopezie und Hirsutismus

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Bei Akne, Alopezie und Hirsutismus kommen Kontrazeptiva mit antiandrogener Wirkung in Betracht. „Sie können antiandrogene Pillen auf Kassenrezept verschreiben, wenn Sie die Diagnose dazuschreiben“, so Hahn.

Standard sei derzeit Cyproteronacetat, das zur Behandlung bei ausgeprägten Androgenisierungs-Erscheinungen wie Akne, Hirsutismus und Alopezie zugelassen ist. Auch niedrig dosiertes Dexamethason, das unter anderem bei schweren Hauterkrankungen indiziert ist, könne bei Frauen mit polyzystischem Ovarsyndrom nützlich sein.

Andere Therapien seien in Deutschland nicht zugelassen und nur als Off-label-Heilversuch möglich, sagte Hahn. Die Kosten müßten daher die Frauen tragen.

Empfohlen werden etwa 100 mg Spironolacton täglich bei Hirsutismus. Bei Alopezie kommen Flutamid (62,5 mg/Tag) und Finasterid (2,5 mg/Tag) in Frage. Derartige Therapien müßten mit einer sicheren Verhütung kombiniert werden, so Hahn.

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Um Übergewicht, Insulinresistenz und metabolischem Syndrom zu Leibe zu rücken, sind Gewichtsreduktion und regelmäßiger Sport nötig. Geht die Insulinresistenz zurück, lindert dies auch die Hyperinsulinämie und senkt als Folge auch die Androgenspiegel. Der Zyklus bessert sich. Das genügt bei einigen Frauen, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch sind deshalb fürs Abnehmen und für sportliche Aktivitäten gut motivierbar.

Diskutiert wird derzeit auch über eine Therapie mit Metformin bei PCOS. Metformin mindert die Insulinresistenz. Hahn dosiert einschleichend und nach Gewicht: zweimal 850 mg täglich für Frauen über 60 kg, zweimal 1000 mg ab 100 kg oder einem BMI über 30. Mit einer solchen Behandlung gehen Androgenspiegel und Akne zurück, und der Zyklus normalisiert sich.

Von Metformin scheinen besonders Frauen mit Kinderwunsch zu profitieren. Denn mit Metformin ist die Ovulationsrate so gut wie bei dem oft genutzten Clomiphen, aber die Rate der Frauen, die schwanger werden, ist höher. Metformin muß bei PCOS jedoch off-label verwendet werden – eine Einverständniserklärung der Frauen ist daher ratsam.

Bislang gebe es keine Hinweise auf eine erhöhte Fehlbildungsrate bei Kindern von Frauen, die Metformin erhalten hatten. Dennoch rät Hahn aufgrund bislang fehlender Daten dazu, das Präparat während der Schwangerschaft abzusetzen.

Metformin bei Insulinresistenz und Kinderwunsch

Metformin ist ein Wirkstoff, der sich zur Behandlung bei Frauen mit PCO und Kinderwunsch bewährt hat. Metformin senkt den Glukosespiegel, ohne die Insulinsekretion zu steigern. Dies führt dazu, dass die zu hohen männlichen Sexualhormone (Androgene) sich wieder normalisieren und die Eierstöcke wieder richtig arbeiten können.

Metformin erleichtert Gewichtsabnahme

Metformin senkt den Glukosespiegel, ohne die Produktion von Insulin anzuregen. Metformin unterstützt und erleichtert so bei übergewichtigen Frauen die Gewichtsabnahme. Außerdem normalisiert sich unter der Behandlung mit Metformin der Zyklus, übermäßiger Haarwuchs (Hirsutismus) und Akne verbessern sich.

Metformin: Anwendung bei Kinderwunsch

Laut des deutschen Ärzteblatts wurde die Behandlung mit Metformin lange Zeit als Therapie der Wahl bei Kinderwunsch angesehen. Es habe sich aber gezeigt, dass die klassische Behandlung mit Clomifen der Metformintherapie hinsichtlich Schwangerschaftsrate und Lebendgeburtenrate überlegen sei. Häufig wird Metformin auch in Kombination mit Clomifen gegeben.

Metformin sollte nur unter strenger, ärztlicher Zykluskontrolle eingenommen werden. Per Ultraschall muss die Eireifung bis zum stattgefundenen Eisprung kontrolliert werden. Bei Kinderwunsch muss Metformin nach dem festgestellten Eisprung abgesetzt werden. Das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft scheint mit Metformin alleine oder in Kombination mit Clomifen nicht erhöht zu sein – im Gegensatz zur alleinigen Clomifen-Therapie.

Erfolgschancen

Es ist möglich, dass die Einnahme von Metformin die Anzahl reifer Eizellen erhöht und somit auch bei künstlicher Befruchtung die Erfolgsrate erhöht. Bei einer Vorbehandlung mit Metformin zur Regulation des Insulinstoffwechsel gibt es Hinweise darauf, dass bessere Ausgangsbedingungen für eine nachfolgende Clomifen-Behandlung geschaffen wird und dies zu einer höheren Schwangerschaftrate und mehr Lebensgeburten führt. Bisher gibt es jedoch in diesem Bereich keine Studien, die dies belegen.

Dosierung von Metformin

Es gibt unterschiedliche Schemata zur Dosierung. Die Dosierungen reichen von dreimal täglich 500 mg bis hin zu zweimal täglich 1.000 mg. Die individuelle Dosierung entscheidet der Arzt. Dabei ist es abhängig davon, wie die Dosierung des Metformins bei der Frau wirkt. Dies beurteilt der behandelnde Frauenarzt bei der Ultraschallkontrolle.

Nebenwirkungen

Bekannte Nebenwirkungen von Metformin sind Magen-Darm-Beschwerden, wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Appetitverlust. Es besteht außerdem das Risiko einer Risiko der Laktatazidose (Übersäuerung des Blutes mit Milchsäure), welches gering gehalten werden kann, wenn die Anordnungen des Arztes hinsichtlich der Einnahme, Ernährung und Bewegung/Sport genau befolgt werden.

Vorsicht: Während der Einnahme von Metformin sollte kein Alkohol getrunken werden!

Kontraindikationen

Metformin darf nicht bei schweren Niereninsuffizienz mit Werten der Kreatinin-Clearance < 45 ml/min (bzw. eGFR < 45 ml/min /1,73m2) genommen werden.

Weitere Kontraindikationen von Metformin sind:

  • Leberprobleme
  • Ketoaszidose (entgleister, schwerer Diabetes)
  • seht starker Flüssigkeitsverlust nach mehrfachem Erbrechen oder anhaltendem Durchfall
  • Herzschwäche, Herzinfarkt
  • übermäßiger Alkoholkonsum

Vorsicht ist mit Metformin außerdem geboten, wenn eine Röntgenuntersuchung oder eine Operation notwendig werden. Frauen sollten dann unbedingt die Einnahme von Metformin gegenüber dem Arzt erwähnen.

Das Biguanid Metformin wird insbesondere bei übergewichtigen und adipösen Patienten als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes eingesetzt. Es senkt durch die Interaktion mit verschiedenen Signalwegen vorwiegend die hepatische Glucoseproduktion, der vollständige Wirkmechanismus ist hingegen noch nicht aufgeklärt. In den letzten Jahren hat die Anwendung von Metformin in der Schwangerschaft kontinuierlich zugenommen. Obwohl es nicht für die Schwangerschaft zugelassen ist, werden Vorteile bei der Anwendung von Metformin gegenüber Humaninsulin sowohl beim Gestations- als auch beim bereits vorbestehenden Typ-2-Diabetes diskutiert. Bei von einem Polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) betroffenen Patientinnen wird Metformin zur Behandlung der verminderten Fertilität und anderen PCOS-assoziierten Problemen in der Schwangerschaft eingesetzt. Mögliche klinische Vorteile liegen in der Verbesserung der Insulinresistenz, der Verminderung der Frühgeburtlichkeit und der Senkung der Spontanabortrate. Obwohl nach allgemeiner Auffassung Metformin nicht zu einer erhöhten Fehlbildungsrate führt, ist dies nicht durch eine ausreichende Datenlage abgesichert. Nur wenige Studien wurden so konzipiert, dass sie eine sichere Einschätzung der Fehlbildungsrate erlauben. Um Arzneimittel-spezifische Effekte auf den Schwangerschaftsausgang zu identifizieren, ist eine geeignete Kontrollgruppe von besonderer Bedeutung. Ein großer Teil der Patientinnen, die mit Metformin behandelt werden, ist adipös und hat damit ein erhöhtes Risiko für einen unerwünschten Schwangerschaftsausgang. Aufgrund dieser besonderen Situation müssen der Body-Mass-Index (BMI) und weitere Risikofaktoren berücksichtigt werden, wenn ein mögliches teratogenes Risiko bestimmt werden soll. Vertiefte Kenntnisse über die Sicherheit einer Metformintherapie in der Schwangerschaft sind eine wesentliche Grundlage für dessen mögliche Eignung als Therapieoption bei Frauen mit endokrinen Erkrankungen.

Schwanger werden, trotz PCO-Syndrom

Darauf sollte eine Frau es aber keinesfalls beruhen lassen: „Es wird häufig vergessen, dass das Syndrom Langzeitrisiken verursacht“, warnt Prof. Keck. „Die Wahrscheinlichkeit von Diabetes durch die Insulinresistenz, aber auch von Herzinfarkten, Osteoporose oder Tumoren der Gebärmutterschleimhaut ist deutlich erhöht, wenn die Frauen hormonell und stoffwechselseitig nicht richtig eingestellt werden.“ Wer bei seinem Gynäkologen kein Gehör findet, wendet sich am besten direkt an einen Frauenarzt, der auf Hormonerkrankungen spezialisiert ist („Gynäkologische Endokrinologie“). Zur Diagnose werden mindestens Ultraschall und eine Hormondiagnostik, gegebenenfalls ein Test auf Insulinresistenz gemacht.

Kinderwunsch mit PCO-Syndrom: meist zu erfüllen

Die Behandlung wird individuell auf die Symptome und die Ziele der Frau abgestimmt. Bei Kinderwunsch kann das ein sehr umfangreiches Programm werden und zwischen wenigen Monaten bis zu fünf Jahren dauern. „Aber wenn Frauen ihr gesamtes Potential ausschöpfen, ist die Erfolgsrate auf längere Zeit gesehen nur unwesentlich geringer als bei einer nicht betroffenen Frau“, macht Prof. Keck Hoffnung und erklärt das Prozedere: „Das zentrale Problem ist ja der fehlende Eisprung. Den versuchen wir medikamentös mit dem Mittel Clomifen auszulösen. Das klappt in zwei Dritteln der Fälle. Wenn nicht, gehen wir zu Hormonspritzen über. Ist eine Frau zusätzlich übergewichtig und insulinresistent, gehören eine Ernährungsumstellung, eine Bewegungstherapie und möglicherweise das Diabetes-Medikament Metformin zur Behandlung. Wir schauen also immer, ob der Stoffwechsel eingestellt werden muss oder auch die Schilddrüse. Außerdem empfehlen wir allen Patientinnen dringend eine psychologische Beratung. Und untersuchen grundsätzlich auch den Partner, denn nicht immer liegen die Einschränkungen nur bei der Frau.“

Selbst ist die Frau: informieren, dranbleiben, zum Spezialisten gehen

Bei Christina stellte das sogar erst die Weichen für die Diagnose: Verschiedene Frauenärzte hatten ihre Zyklenlängen von gut 100 Tagen der langjährigen Pilleneinnahme zugeschrieben – eine typische Fehleinschätzung beim Polyzystischen Ovarialsyndrom und seinen Symptomen. Erst als das Paar nach einem suboptimalen Spermiogramm des Mannes in eine Kinderwunschklinik ging, kam das Syndrom ans Licht und konnte in der Behandlung berücksichtigt werden. Es dauerte zwar noch über ein Jahr und brauchte mehrere Versuche einer künstlichen Befruchtung, bis Christina einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, aber: „Ich war froh, dass endlich was gefunden wurde und würde allen Frauen raten, so schnell wie möglich in eine Kinderwunschklinik zu gehen, wo man sich damit auskennt. Ich bin aber auch sicher, dass ich letztlich nur zum Ziel gekommen bin, weil ich mich selbst sehr viel informiert, nicht locker gelassen und meine Ärzte mit Vorschlägen genervt habe, verschiedene Behandlungen auszuprobieren“, resümiert die Mutter einer heute fast dreijährigen Tochter. Seit der Schwangerschaft hat Christina sogar relativ regelmäßige Zyklen von etwa 35 Tagen. „Wer weiß, ob Kind Nummer 2 da nicht einfach so kommt?“ In der Regel, gibt Prof. Keck aber zu bedenken, sind bei Folgeschwangerschaften erneut die gleichen Vorbereitungen und Therapien nötig.

Was können alternative Behandlungen beim PCOS leisten?

Für Maja*, deren PCOS sich in langen Zyklen mit seltenen Eisprüngen, Eibläschen und starker Behaarung äußert, fühlte sich eine Hormonbehandlung nicht nach dem idealen Weg zum Wunschkind an: „Ich wollte Clomifen nicht und glaubte an eine natürliche Alternative. Erst habe ich mich mit der Basaltemperaturmethode besser mit meinen Zyklen vertraut gemacht, außerdem mit dem Prinzip von Zyklustees und mich über Heilpflanzen belesen, und dann mit einer Heilpraktikerin besprochen, welche Möglichkeiten sie für mich sieht.“ Die empfahl Alchemilla-Urtinktur, Akupunktur und Fruchtbarkeitsmassage. Vier Wochen später, nach nur zwei Terminen, war Maja schwanger. Und freut sich nun auf ihr Baby.

Prof. Keck weist aber darauf hin, „dass es keine gesicherte Strategie durch komplementäre Behandlungsmöglichkeiten gibt, die nachhaltigen Erfolg dabei hätte, die langfristigen Schäden durch das Syndrom zu verhindern.“ Als ergänzende Therapien zur Symptommilderung – wie bei Depressionen oder zum Abnehmen – seien sie jedoch sinnvoll.

Du möchtest schwanger werden und Dein Frauenarzt hat PCOS diagnostiziert oder den Verdacht geäußert, dass das PolyCystische Ovarsyndrom die Ursache dafür ist, dass du immer noch nicht schwanger bist?

Ich erkläre Dir heute, was PCO bedeutet und wie sich dieses Syndrom auf die Fruchtbarkeit auswirken kann.

Was ist PCOS?

Zunächst einmal müssen wir zwischen PCO und PCOS unterscheiden.

PCO bedeutet „polyzystische Ovarien“ oder auf Deutsch: In mindestens einem Deiner Eierstöcke (=Ovarien) wurden bei einem Ultraschall viele (=poly) kleine Zysten (=zystisch) nachgewiesen. Bei diesen Bläschen handelt es sich nicht um klassische Zysten, wie man sie aus dem gynäkologischen Bereich sonst kennt, sondern um unreife Eibläschen.

PCOS dagegen ist der Name eines Syndroms. Von einem Syndrom sprechen Ärzte, wenn mehrere Symptome miteinander einhergehen. Eines der Symptome von PCOS sind die polyzystischen Ovarien. Daneben leiden Frauen mit PCOS allerdings an weiteren Krankheitszeichen, die gemeinsam mit (oder manchmal sogar ohne) die Zysten am Eierstock als PCO-Syndrom bezeichnet werden. PCOS ist eine hormonelle Störung.

5 bis 10% aller Frauen weltweit sind von PCO(S) betroffen.

Woran erkennt der Arzt PCOS?

Die Diagnose PCO(S) wird häufig im Rahmen von Untersuchungen festgestellt, die der Gynäkologe durchführt, wenn eine Frau schwanger werden möchte, es nach mehreren Monaten des Probierens aber noch nicht ist.

PCO: Der Ultraschall

Wenn Du unter PCO leidest, erkennt der Frauenarzt dies bei einem Ultraschall. Dabei wird er an Deinen Eierstöcken viele kleine Bläschen feststellen, die wie an einer Perlenkette aneinandergereiht sind. Häufig sind außerdem die Ovarien selbst vergrößert.

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Wie wird PCOS diagnostiziert?

Das PCO-Syndrom diagnostiziert Dein Frauenarzt dann, wenn zwei der folgenden drei Merkmale bei Dir erfüllt sind:

  • Bei einem Ultraschall stellt der Arzt mindestens acht Zysten an mindestens einem Deiner Eierstöcke fest.
  • Dein Zyklus ist gestört: Dies ist er dann, wenn Dein Menstruationszyklus länger als 35 Tage andauert (=Oligomenorrhoe) oder Du gar keine Regelblutungen bekommst (=Amenorrhoe)
  • Der Spiegel Deiner männlichen Hormone (=Androgene) ist zu hoch. Dies kann der Arzt anhand einer Blutuntersuchung feststellen. Die sogenannte Hyperandrogenämie äußert sich beispielsweise darin, dass Du auch als Erwachsene noch unter Akne leidest oder Dein Körper übermäßig behaart ist (=Hirsutismus).

Tatsächlich ist es so, dass der Frauenarzt die typischen PCO-Zysten gar nicht feststellen muss, trotzdem aber korrekt ein PCO-Syndrom diagnostiziert, wenn Dein Zyklus zum Beispiel zu lang andauert und Dein Androgenspiegel erhöht ist.

Wie wirkt sich PCOS auf die Fruchtbarkeit aus?

Zu viele männliche Hormone im Blut führen dazu, dass die Eizellen nicht heranreifen können. Dies ist auch der Grund dafür, weswegen an Deinem Eierstock mehrere kleine Bläschen parallel zu sehen sind: Es handelt sich dabei um nicht weiterentwickelte Follikel.

Wenn ein Eisprung nur selten oder gar nicht stattfindet, kannst Du nur schwer oder überhaupt nicht schwanger werden.

Wie kann der Arzt PCOS behandeln?

Wenn Du einen Kinderwunsch hast, wird Dein Frauenarzt das PCO-Syndrom anders behandeln als bei einer Frau, die nicht schwanger werden möchte. Wenn eine Schwangerschaft nicht erwünscht ist, kann die Anti-Baby-Pille helfen, den Hormonhaushalt in Schach zu bringen und die männlichen Hormone zu unterdrücken.

Bei Frauen mit Kinderwunsch gibt es verschiedene Möglichkeiten, PCO oder PCOS zu behandeln:

  • Wenn Du übergewichtig bist und Dein Arzt eine Insulinresistenz (=Vorstufe von Diabetes) festgestellt hat, können Dir Sport, eine Ernährungsumstellung und eine damit einhergehende Reduzierung des Körpergewichts helfen, um den Hormonhaushalt wieder ins Lot zu bekommen.
  • Tabletten: Ein vielfach eingesetzter Wirkstoff zur Behandlung von PCOS ist Metformin. Es handelt sich dabei um ein Mittel zur Behandlung von Diabetes Typ 2, das auch bei PCOS gute Erfolge erzielen kann. Studien zufolge kann Metformin auch Frauen mit PCOS helfen, bei denen keine Insulinresistenz nachgewiesen wurde.
  • Myo-Inositol: Relativ neu und wohl auch erfolgreich eingesetzt werden außerdem rezeptfreie Nahrungsergänzungsmittel, die (myo)Inositol beinhalten. Inositol reguliert den Insulinstoffwechsel und wirkt sich positiv auf den LH/FSH–Quotienten aus, der bei Vorliegen von PCOS häufig gestört ist. Oder anders: Dieses Mittel kann Deine Hormone wieder in ein natürliches Gleichgewicht bringen und bei Frauen mit PCO wieder zu einem Eisprung führen.
  • Clomifen: Dieser Arzneistoff wird verwendet, um einen Eisprung auszulösen. Nicht jede Frau reagiert gleich gut auf diese Tabletten, die – ebenso wie das oben genannte Metformin – auch Nebenwirkungen mit sich bringen können.
  • Operation: Früher reduzierte man die Eibläschen am Eierstock bei einer Bauchspiegelung, indem man in den Eierstock einstach. Diese Methode war recht erfolgreich, jedoch mit Risiken (Verwachsungen, Vernarbungen etc.) verbunden. Heute wird der sogenannte „Ovarian Drilling“ deshalb immer seltener durchgeführt und von der Fertiloskopie abgelöst. Bei dieser ambulanten Technik ohne Narben werden mit einer kleinen Nadel Einstiche in den Eierstock vorgenommen. Eine Fertiloskopie steht indes immer am Ende der Behandlung und wird meist nur dann durchgeführt, wenn der Einsatz von Clomifen keine Wirkung zeigte.

Wie Du siehst, gibt es viele Möglichkeiten, PCOS zu behandeln. Eine Frau mit PCOS kann mit der richtigen Behandlung schwanger werden. Wahrscheinlich dauert es einige Zeit bis Du die Diagnose PCOS verkraftet hast. Lass Dich nicht entmutigen und besprich gemeinsam mit Deinem Arzt die nächsten Schritte.

Weitere Informationen zu PCOS und der Behandlung des polyzystischen Ovarialsyndrom kannst Du beim Verein PCOS Selbsthilfe e. V. nachlesen.

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