Plazenta nach geburt

Was macht man mit der Plazenta? Aufbewahren, essen oder ein Bäumchen darauf pflanzen?

Die Plazenta hat das Kind die ganze Schwangerschaft hindurch ernährt und gehört solange einfach zum Kind dazu. In vielen Kulturen wird sie als Zwilling des Babys gesehen. Daher ist auch die Geburt der Plazenta, mal ganz abgesehen von den rein physiologischen Gründen, noch Teil des Geburtsprozesses. Die Plazenta wird manchmal nur wenige Minuten nach dem Kind, bis hin zu einer knappen Stunde später, geboren. Vorher wird der Mutter auch nicht gratuliert – da sind die meisten Hebammen ein bisschen abergläubisch.

Die Plazenta wird auch Nachgeburt oder Mutterkuchen genannt. Am Ende der Schwangerschaft wiegt sie circa 500 Gramm, ist zwei bis vier Zentimeter dick, und hat einen Durchmesser von 15 bis 30 Zentimetern. Es gibt eine mütterliche und eine kindliche Plazentaseite. Während die mütterliche Seite eher schwammig ist und vom Aussehen her oft mit Leber verglichen wird, ist die kindliche Seite glatt und glänzend. Auf ihr verlaufen die Blutgefäße sehr verästelt, was ihr den schönen Namen „Baum des Lebens“ eingebracht hat.

„In der anthroposophischen Medizin werden die umgebenden Embryonalhüllen und die Plazenta als ein physisches Korrelat des geistigen Wesens des Kindes aufgefasst, das in der Embryonalzeit den Aufbau seines individuellen menschlichen Organismus für ein irdisches Leben ermöglicht.“
Quelle: Merkblatt „Plazenta – Was tun mit der Nachgeburt?“ von der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland e.V.

Aber was passiert nun nach der Geburt mit der Plazenta?
Wem gehört die Nachgeburt eigentlich und was macht man damit?
Kosmetik? Essen? Bäumchen pflanzen? Globuli draus herstellen lassen?
Vieles ist möglich. In diesem Blogbeitrag gebe ich euch einen Überblick sowohl über ein paar schöne Bräuche, aber auch ganz pragmatische Verwendungsmöglichkeiten. Entsprechende Hintergrundinfos und weiterführende Verlinkung inklusive.

Die Lotusgeburt

Manche Menschen möchten die Plazenta nicht aktiv vom Kind trennen. Für sie ist die Zusammengehörigkeit so wichtig, dass sie beides verbunden lassen. Die Nabelschnur wird dabei also nicht – wie sonst üblich – abgeklemmt. Kind und Plazenta bleiben eine Einheit, bis die Nabelschnur irgendwann von allein abfällt. Das passiert meist zwischen dem dritten und dem zehnten Tag.
Wenn man allerdings bedenkt, was mit rohem Fleisch passiert, das einige Tage in der warmen Wohnung liegt, ist klar, dass diese Verbundenheit ein wenig konserviert werden muss. Es wird daher vor der Geburt ein kleines Säckchen, in das die Plazenta später hineingelegt wird, vorbereitet. Der Mutterkuchen wird dann mit viel Speisesalz zusätzlich konserviert. Nach Belieben werden auch noch Kräuter oder Öle zugefügt. Diese Art der Handhabung nennt man Lotusgeburt. Im „Intuitive Eltern“-Blog gibt es eine ausführliche Anleitung für Nachahmer.

Ich stehe grundsätzlich allen Bräuchen und Vorlieben offen gegenüber. Von daher habe ich nichts gegen die Lotusgeburt, wenn Eltern dies wünschen.
Allerdings erschließt sich mir der tiefere Sinn nicht. Denn schon nach wenigen Minuten versiegt die Blutzufuhr der Plazenta zum Baby hin und die Blutgefäße kollabieren. Von da an empfinde ich die Plazenta eher als unnötigen Ballast. Sowohl Nabelschnur, als auch Plazenta haben nach der Geburt ausgedient und beginnen mit dem Verrotten.
Auch aus der Natur fällt mir kein Beispiel ein, wo Tiere ihre Plazenta noch mit sich herumtragen, so dass uns dies vielleicht als gutes Vorbild dienen könnte. Dafür gibt es aber viele Beispiele von Säugetieren, die ihre…

Plazenta essen

Die erste Geburt der ich je beiwohnte, war die einer Katze. Sie bekam drei Junge, deren Nabelschnüre sie dann abknabberte. Außerdem fraß sie die Plazenta, nachdem sie ihre Kleinen in Ruhe trocken geleckt hatte.
Viele Säugetiere essen ihre Mutterkuchen – ich finde, das Wort passt in diesem Fall noch viel besser. Und das ist auch absolut sinnvoll: Die Tiere sind von der Geburt meist erschöpft und müssen ihre Jungen im Auge behalten. Sie können also schlecht losziehen und sich etwas zu essen besorgen. Aber der Mutterkuchen enthält, neben reichlich gutem Eisen und Vitamin B, auch einige Schadstoffe, da er – ähnlich der Leber – als Filter fungiert. Es ist also zu bedenken, wie sinnvoll der Verzehr für uns Menschen tatsächlich ist.
Dennoch wird der Plazenta einiges an Heilkraft zugesprochen. Sie zu verspeisen soll:

  • gegen Depressionen helfen
  • die Milchbildung ankurbeln
  • Schmerzen lindern
  • das Hautbild verbessern

Oder wahlweise (z.B. im asiatischen Raum) auch potenzsteigernd oder fruchtbarkeitsfördernd sein.

Schon 1671 empfahl „Michael Schorno, Landammann von Schwyz in seinem Arzneibuch, die Nachgeburt einer Frau, welche soeben ihren ersten Sohn geboren hatte, (…) zu waschen und zum Trocknen hinter den Ofen zu hängen. Danach soll sie zu einem Pulver zerstossen und mit Schlüsselblümchen zusammen gegen die Epilepsie eingenommen werden. Besonders gut sei das Rezept mit „Rosindli und Enis““ also mit Rosinen und Anis.
Quelle: Online Museum der Medizin und Krankenpflege „Sybodo“.

Bisher ist nichts von alledem wissenschaftlich belegt. Der Nutzen des Verspeisens der Plazenta, der sogenannte Placentophagy, ist derzeit ein reiner Mythos. (Siehe: „Placentophagy: therapeutic miracle or myth?“) Und dennoch liegen große Hoffnungen darin: Der Schatten & Licht e.V. – der Verein, der bei psychischen Krisen rund um die Geburt entsprechende Hilfestellungen anbietet – empfiehlt Frauen, bei denen bereits Depressionen aufgetreten sind, die Wirkstoffe der Plazenta für einen abgemilderten Babyblues im Wochenbett zu nutzen. Sie behaupten sogar: „Bei Überdosierung entsteht eine euphorische Stimmung („auf rosa Wolken schweben“)“.
Quelle: Plazenta-Therapie Infodokument (PDF) des Schatten & Licht e.V.

Es kursieren reichlich Tipps und Rezepte zum Verspeisen von Mutterkuchen im Netz. Von „lass dir direkt im Kreissaal ein Stück herausschneiden und iss es roh“, bis hin zu Smoothie- und Lasagne-Rezepten (Achtung Trigger-Warnung) findet man fast alles.
Alternativ kann man aber auch…

Homöopathische Plazenta-Nosoden herstellen lassen

„Nosoden sind homöopathisch aufbereitete Mittel, die aus „krankem“ oder pathologischem Material, wie Blut, Eiter, Krankheitserregern oder Krebszellen hergestellt werden. Produkte aus körpereigenen Bestandteilen, wie Zellen aus Organen oder vom Körper hergestellte Sekrete oder Exkrete wie etwa Hormone werden ebenfalls hinzugezählt.“
Quelle: Wikipedia

Hierzu schneidet die Hebamme ein bohnengroßes Stück aus der frisch geborenen Plazenta heraus und legt es in eine vorbereitete Lösung in einer kleinen Flasche. Diese wird an eine, auf Plazenta-Nosoden spezialisierte, Apotheke geschickt. Ein schönes Beispiel dafür ist die Stadt Apotheke von Dr. Kunkel aus Titisee-Neustadt, die das Prozedere einfach, und für eine Apotheke halbwegs zeitgemäß, online anbietet.
(Disclaimer: Ich habe keine persönliche Verbindung zu dieser Apotheke und auch keine eigenen Erfahrungen mit einer Bestellung dort gemacht. Erfahrungsberichte von Lesern sind via Blogkommentar natürlich herzlich willkommen.)

Dort wird das Plazentastückchen dann final weiterverarbeitet. Auch den so gefertigten Globuli wird einiges an Heilkraft zugesprochen.
Die folgenden, wissenschaftlich nicht belegten, Effekt-Einschätzungen beruhen auf der über Generationen weitergegebenen Erfahrung von Hebammen, Therapeuten und Müttern. Dazu gehören,

bei der Mutter:

  • bessere Rückbildung der Gebärmutter
  • Steigerung der Milchproduktion
  • Unterstützung des Abstillens
  • Linderung von Menstruationsbeschwerden
  • Linderung von Wechseljahrbeschwerden

beim Kind:

  • Abschwächung von Koliken
  • Begleitung von Kinderkrankheiten & Infekten

bei allen Familienmitgliedern:

  • bei Hauterkrankungen
  • bei Erkrankungen der Atemwege
  • bei entzündlichen Erkrankungen
  • bei Allergien
  • bei Migräne
  • bei allgemeinen Schwächezuständen

Für die verschiedenen Anwendungsbereiche werden Globuli in jeweils unterschiedlichen Potenzen benötigt.
Kostenpunkt: je nach Hersteller und gewünschter Potenz zwischen 4,90 € und 300,- €. Ein Set mit den fünf gängigsten Potenzen kostet circa 65,- €. Die Probengefäße für das Einsenden des Plazentastückchens werden in der Regel kostenfrei gestellt.
Auch hier fehlen leider die Studien, die eine Wirkung der Globuli belegen. Wem also auch das zu unsicher ist, der kann die Nachgeburt auch einfach vergraben und darauf ein…

Plazenta-Bäumchen pflanzen

Das ist eine gängige Praxis bei Menschen, die einen Garten besitzen.
Irgendwie ist es doch eine schöne Vorstellung, ein Geburtsbäumchen zu haben, unter dem das eigene Kind später seine Geburtstage feiern kann, oder? Ich selbst finde die Rückgabe des Mutterkuchens an „Mutter Erde“ grundsätzlich sehr schön. Aber für alle Menschen wie mich, die leider ebenfalls keinen allzu grünen Daumen haben, ist das so eine Sache: Ich stellte mir immer vor, das Bäumchen würde eingehen – das hätte mir ein wirklich schlechtes Gefühl gegeben…

Wenn also auch das nicht das Richtige ist, dann bleibt noch die Herstellung von…

Plazenta-Kosmetik

„Verjüngt, verschönt und faltenlos durch HORMOCENTA nach Geheimrat Prof. Dr. Sauerbruch“: 1954 begann das Unternehmen Hormocenta, als erste nachkriegsdeutsche Kosmetikfirma, mit Rezepturen aus Plazenten zu experimentieren.

Bis Mitte der 80ger Jahre waren Cremes mit Plazentaextrakten sehr en vogue. Dann wurde der HI-Virus entdeckt. Im Rahmen der Aids Kampagnen verschwanden Produkte mit Plazenta vom Markt und wurden durch Chemie ersetzt.

Dennoch wird die angeblich verjüngende Funktion der Plazenta immer mal wieder neu entdeckt: 2010 waren Gesichtsmasken aus Plazenta der letzte Schrei. In einer Spezialklinik kann (?) oder konnte man sich zumindest mal für schlappe 370,- € pro Behandlung mutterkuchenmäßig „verwöhnen“ lassen.

„Laut der Klinikdirektorin enthält der Mutterkuchen reine Eiweißkollagen, Mineralstoffe wie Zink und Eisen, sowie Vitamine und Glukose. Aminosäuren und Spurenelemente sind die Baustoffe für neue Zellen. Glucose bietet eine stärkende Wirkung auf die Gesichtsmuskulatur. Vitamine verlangsamen den Hautalterungsprozess und schützen die zellulären Strukturen vor freien Radikalen. Beim Absorbierungsprozess der Moleküle in die Haut beginnen die eigenen Kollagene die Babykollagene allmählich nachzuahmen. Feine Linien verschwinden, die Haut wird nach der Behandlung fester und heller und so weich wie ein Babypopo.“
Quelle: Dubai-Report – „Der letzte Schrei in Dubai: Gesichtsmasken aus menschlichem Mutterkuchen“

Auch hier wurde noch kein wissenschaftlicher Beweis für die Wirksamkeit erbracht. Darum kann man sich auch einfach getrost von der Nachgeburt trennen und…

die Plazenta entsorgen

In der Klinik wird das, wenn man selbst keine Ansprüche erhebt, automatisch so gehandhabt. Bei einer Hausgeburt obliegt die Entsorgung einem hingegen selbst.

Lasst sie bitte nicht einfach in einer Tüte auf dem Gehweg stehen! Das hat in Berlin schon mal einen Polizeieinsatz ausgelöst. Sondern entsorgt sie ordnungsgemäß in einem „undurchsichtigen, verschließbaren, transportfesten, feuchtigkeitsbeständigen, keimundurchlässigen Einwegbehältnis“ – so will es das Abfallgesetz.
Oder einfacher gesagt: Transportiert sie in einer fest verknoteten Plastiktüte und entsorgt sie entweder über eine Klinik, oder über die Sonderabfallverbrennung. Aber vielleicht erstellt ihr ja vorher noch ein schönes…

Plazenta-Bild

Natürlich kann man die Plazenta auch einfach „nur“ fotografieren. Aber wie wäre es mit einem Original-Mutterkuchen-Abdruck? Dazu presst man die noch blutige Plazenta vorsichtig auf ein Blatt Papier. Alternativ wäscht man die Plazenta kurz ab und bestreicht sie mit seiner Lieblingsfarbe. Wie das genau geht kann man in folgendem Video lernen:

Das so entstandene Bild könnt ihr dann auch gleich in den passenden, aus der Plazenta hergestellten Bilderrahmen stecken. Die britische Designerin Amanda Cotton bietet den Placenta Photo Frame für £225.00 bis £265.00, je nach Größe, an.

Und was macht ihr mit eurem Mutterkuchen?

Was ihr mit eurer Plazenta tut, ist letztlich ganz allein euch überlassen. Denn sie gehört euch und ihr könnt darüber, ganz nach Wunsch, verfügen.

Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, tiefer in die verschiedenen Möglichkeiten der Verwendung eurer Plazenta einzusteigen und euch darauf vorbereiten wollt euren nächsten Mutterkuchen entsprechend zu präparieren, dann geht das vielleicht am besten mit folgendem Buch*:

Jetzt bin ich natürlich ganz neugierig:

Was habt ihr mit eurem Mutterkuchen schon alles angestellt? Gibt es bereits einen Plan für die nächste Geburt? Und: habt ihr noch offene Fragen zur Nachgeburt?

Wenn ihr Links zu tollen Anleitungen, schönen Beispielen, anderen Blogposts oder Instagram/Pinterest-Bildern habt, dann immer ab in die Kommentare damit!
Und wer mir zur Bebilderung des Artikels vielleicht noch das eine oder andere passende Foto (z.B. eines schönen Mutterkuchen-Rituals?!) zukommen lassen will, ist ganz herzlich willkommen.

Es gibt ein einzigartiges Organ, dass nur schwangere Frauen haben: Die Plazenta. Sie ist das einzige menschliche Organ, dass nach der Erfüllung seines Zwecks weggeworfen wird – und bei Bedarf, also einer weiteren Schwangerschaft, wieder nachwächst.

Zu Deutsch heißt die Plazenta Mutterkuchen. Dabei erinnert sie nun optisch wahrlich nicht an Gebäck, vielleicht eher an Leber – die ist auch so gut durchblutet. Laut Wikipedia verdanken wir den Gebäcknamen den alten Griechen. ‚Plakous’ ist das altgriechische Wort für Kuchen und hatte denselben Stamm wie das Wort ‚flach’. Im lateinischen wurde daraus der Begriff ‚Plazenta’.

Da die antiken Völker noch keine Kuchenformen kannten waren Kuchen immer flache Gebilde aus leckeren Zutaten. Der Mutterkuchen ist tatsächlich flach und versorgt das Baby mit wertvollen Stoffen zu Ernährung.

Wie funktioniert die Plazenta?
Für Kinder ist die Vorstellung einfach: Die Mama isst einen Teller Spaghetti und das Ungeborene kriegt ein Portion ab. Wie genau funktioniert die Umwandlung der Nährstoffe wirklich? Ab wann wird das Baby vom Mutterkuchen versorgt?
Tatsächlich wird der Mutterkuchen in dem Moment gebildet, wo die befruchtete Eizelle den Eileiter verlassen hat. Für den Körper der Mutter ist diese Eizelle ja zunächst ein Eindringling – denn sie trägt zur Hälfte fremde DNA.


Das Hormon Progesteron sorgt dafür, dass die Gebärmutter das Ei nicht abstößt. Dank seiner Unterstützung kann sich die befruchtete Eizelle in der Schleimhaut der Gebärmutter einnisten. Ein Teil der Eihülle der befruchteten Eizelle wächst in die Gebärmutterschleimhaut ein – und an dieser Kontaktstelle entwickelt sich die Plazenta. Der Mutterkuchen besteht also aus kindlichen und mütterlichen Gewebe. Die Plazenta ist so aufgebaut, dass zwischen dem Blut des Kindes und der Mutter bestimmte Substanzen ausgetauscht werden können, ohne dass sich ihr Blut vermischt.

Im Durchschnitt ist die Plazenta rund 500 Gramm schwer, bei einem Durchmesser von 15 bis 20 Zentimetern. Das Ungeborene ist durch die Nabelschnur, die aus embryonalem Gewebe besteht, mit der Plazenta verbunden.

Die Plazenta wächst während der gesamten Schwangerschaft weiter, um das Ungeborene ausreichend versorgen zu können. Denn die Nährstoffe, die die Mutter mit der Nahrung aufnimmt, werden in ihrem Körper umgewandelt. Die Plazenta muss die Versorgung aufrecht erhalten – und sich dabei immer anpassen, denn sie wächst während der Schwangerschaft.

Nahrung, Sauerstoff und besonderer Schutz
Einzigartig ist die Schutzfunktion der Plazenta. Denn das Kind wird mit Sauerstoff und Nahrung versorgt, ohne dass sich das Blut der beiden mischt. So wird das Ungeborene vor der Übertragung von Krankheiten geschützt. Gelöst wird dies dadurch, dass die benötigten Stoffe aus feinsten Kapillargefäßen in das Plazentagewebe austreten und in feinste Kapillargefäße eintreten – die diesmal aber zum Blutkreislauf des Kindes gehören. So findet kein direkter Kontakt des Blutes statt.

Diese Schutzfunktion der Plazenta ist als Plazentaschranke bekannt. Diese Plazentaschranke kann allerdings nicht alle Schadstoffe aus dem Blut filtern. Bestimmte Krankheitserreger, Gifte wie Alkohol und Nikotin und Medikamente können in das Blut des Kindes gelangen. Aber das Kind bekommt so auch mütterliche Antikörper mit, die dafür sorgen, dass das Baby einen Nestschutz erhält, der es in den ersten Wochen nach der Geburt schützt. Umgekehrt „versteckt“ die Plazenta durch diese Schranke auch das Kind vor dem Immunsystem der Mutter, das sonst das Baby als Fremdkörper erkennen und angreifen würde.

Die Plazenta versorgt das Kind nicht nur, sie produziert auch Hormone, die das Weiterbestehen der Schwangerschaft ermöglichen, indem sie beispielsweise die Regelblutung unterdrücken. So bleibt die Gebärmutterschleimhaut intakt.

Auch bei der Diagnose von bestimmten Krankheiten des Embryos kann die Gebärmutter helfen. Mit einer Nadel wird Plazentagewebe entnommen und auf genetische Veränderungen untersucht. In der frühen Schwangerschaft wird diese Untersuchung Chorionzottenbiopsie genannt, wenn die Plazenta nach der 14. Schwangerschaftswoche voll entwickelt ist, nennt man die Untersuchung Plazentabiopsie.

Fehlfunktionen der Versorgung gefährden das Ungeborene und können Fehl- oder Frühgeburten auslösen. Eine so genannte Plazentainsuffizienz kann eintreten, wenn der Mutterkuchen sich nicht tief genug oder auch zu tief in die Gebärmutterschleimhaut einbettet oder sich frühzeitig ablöst. Auch eine Fehllage der Plazenta eine Placenta praevia, kann problematisch werden. Wenn die Plazenta zu nahe am Gebärmutterhals liegt, muss das meist mit Kaiserschnitt zur Welt kommen.

Und nach der Geburt?
Wenn die Plazenta ihre Aufgabe erfüllt hat, wird sie mit der Nachgeburt aus der Gebärmutter ausgestoßen. Die Geburtshelfer untersuchen die Plazenta sorgfältig, denn es ist wichtig, dass keine Reste in der Gebärmutter verbleiben. Verbleibende Plazentastückchen könnten bei der Mutter Nachblutungen verursachen und die Gebärmutter müsste dann ausgeschabt werden.

Idealerweise sollten die Eihäute der Gebärmutter einen intakten Beutel bilden – mit Ausnahme des Loches, durch das das Kind ins Becken eingetreten ist. Das abgetrennte Ende der Nabelschnur gibt Aufschluss darüber, ob die Gefäße gut entwickelt sind. Und Form und Farbe der Plazenta zeigen an, wie gut das Kind versorgt wurde.

Bei Geburten in Krankenhäusern wird die Plazenta fast immer mit anderem medizinischen Abfall verbrannt. Es gibt aber auch Eltern, die den Mutterkuchen mit nach Hause nehmen wollen. Denn es gibt die Tradition, den Mutterkuchen zu vergraben und darauf einen Baum zu pflanzen. In Sibirien wird er bei den Jakuten dem Vater als Speise gegeben. Bei den Inuit wird die Plazenta getrocknet und dem Kind als erste Speise und später bei besonderen Ereignissen gereicht.

Es gibt auch die Möglichkeit aus der Plazenta homöopathische Arzneimittel oder Pulver herzustellen. Eher befremdlich wirkt es allerdings, dass sich im Internet auch Rezepte Rezepte für Plazenta-Lasagne (die Plazenta ersetzt dabei eine Schicht Käse oder Plazenta-Pizza finden. In der Schweiz kann man sogar Plazenta-Wein bestellen. Schaden kann dies nicht, allerdings ist der Nutzen auch nicht bewiesen.

Doch egal, ob die Plazenta Nährboden für ein Baum liefert oder nicht – sie ist ein einzigartiges menschliches Organ. Viele Mütter mögen sie nach der Geburt nicht angucken, dabei ist sie nicht ekelig. Sie hat ihre Aufgabe erfüllt – dass das Neugeborene natürlich viel interessanter ist, als ein Organ, dass nicht mehr benötigt wird, dass ist auch verständlich.

Im Kreißsaal: Was passiert nach der Geburt?

Der Papa darf die Nabelschnur durchschneiden

Hat das Kind begonnen zu atmen, kann die Nabelschnur durchtrennt werden. Das passiert in der Regel innerhalb der ersten Lebensminute. „Wenn der Puls zu niedrig ist, der Muskeltonus zu gering und die Atmung nicht einsetzt, muss das natürlich schon früher geschehen, damit das Baby adäquat versorgt werden kann“, sagt Champeimont. Ansonsten klemmen Hebamme oder Geburtshelfer die Nabelschnur an zwei Stellen ab, dazwischen wird sie durchtrennt. Wenn er möchte, darf der Vater das übernehmen.

APGAR-Test: Das Baby wird engmaschig überwacht

Ebenfalls nach etwa einer Minute – also gleichzeitig – ist zum ersten Mal der sogenannte APGAR-Test fällig. Arzt und Hebamme führen ihn eine, fünf und zehn Minuten nach der Geburt durch. Sie prüfen Atmung, Puls, Muskeltonus, Aussehen der Hautfarbe und die Reflexe des Kindes. Für jeden Bereich vergeben sie null, einen oder zwei Punkte. Meist reicht es, wenn sie das Baby dazu genau betrachten, es kann dann bei der Mutter liegenbleiben. „Wurde zur Geburt ein Kinderarzt hinzugezogen, zum Beispiel, weil es Komplikationen gab, dann macht dieser den Test auf der Rea-Einheit, dem Kinderversorgungstisch“, sagt Champeimont.

Bekommt das Baby zehn Punkte, ist es kerngesund. Allerdings ist ein etwas niedrigerer Wert noch kein Grund zur Besorgnis. Viele Babys erreichen erst beim dritten Test die volle Punktzahl, denn oft dauert es etwas, bis sie sich nach der Geburt an die neue Umgebung angepasst haben. Bei einer zu niedrigen Punktzahl leiten die Ärzte sofort entsprechende Maßnahmen ein.

Wichtig: Zeit für Bonding zwischen Mutter und Kind

Ist die Nabelschnur durchtrennt, kann das Baby zur Mutter auf die Brust. „Ich biete den Frauen an, ihr Kind selber hochzunehmen“, sagt Champeimont. „Wollen oder schaffen sie das nicht, übernehme ich das natürlich.“ Das Baby früh auf die Brust der Mutter zu legen, unterstütze das sogenannte Bonding, also die Bindung zwischen Mutter und Kind.

Währenddessen entnimmt die Hebamme aus der anderen Hälfte der Nabelschnur etwas Blut und bestimmt den pH-Wert und andere Parameter. „Diese Werte geben Aufschluss darüber, ob das Kind unter der Geburt ausreichend Sauerstoff bekommen hat“, sagt Champeimont. Haben sich die Eltern entschieden, Nabelschnurblut zu spenden oder einzulagern, wird dieses ebenfalls jetzt entnommen.

Oxytocin beschleunigt die Nachgeburt

Gleichzeitig – also ebenfalls etwa in der zweiten Lebensminute des Kindes – spritzt der Arzt der Mutter Oxytocin. „Das fördert die Kontraktion der Gebärmutter, damit die Nachgeburt zügig und mit einem möglichst geringen Blutverlust kommt“, erklärt die Hebamme. Die Nachgeburt sei in der Regel innerhalb einer Viertelstunde nach der Geburt da. Im Anschluss zeigt ein Griff auf den Bauch der Mutter den Geburtshelfern, ob sich die Gebärmutter ausreichend zusammengezogen hat. „Bevor das Kind geboren wird, befindet sich der obere Rand der Gebärmutter knapp unter dem Rippenbogen“, sagt Champeimont. „Nach der Plazentageburt hat sie sich im Idealfall auf etwa die Hälfte zusammengezogen, sodass sie nur noch bis knapp unter den Bauchnabel reicht.“ Die Geburtshelfer prüfen die abgestoßene Plazenta auf Vollständigkeit. Anschließend kann der Arzt beginnen, eventuelle Geburtsverletzungen der Mutter zu nähen.

Stillen fördert Rückbildung und Milchfluss

Nach einer Weile ist das Kleine auf Mamas Brust meist bereit, zum ersten Mal zu trinken. Der Saugreiz regt die Milchbildung in den Brüsten an. Die richtige Milch schießt allerdings erst nach etwa zwei bis drei Tagen ein, vorher trinkt das Baby die wertvolle Vormilch. Außerdem fördert das Saugen die Kontraktion der Gebärmutter bei der Mutter. „Neugeborene, die fit sind, lassen wir vorerst auf der Brust der Mutter liegen und eventuell trinken, bevor wir sie weiter untersuchen“, sagt Champeimont. Denn bereits kurz nach der Geburt ist es Zeit für die erste Vorsorgeuntersuchung, die U1.

Dabei prüfen Hebamme und Geburtshelfer Gesichtsmerkmale und Körperproportionen des Babys. Sie untersuchen Wirbelsäule, After, Finger und Zehen, zählen die Blutgefäße der Nabelschnur, messen und wiegen das Neugeborene. „Der Vater darf dabei gerne zuschauen“, sagt Champeimont. Dann kommt das Baby wieder auf die Brust der Mutter. Beide bleiben noch etwa für zwei Stunden im Kreißsaal, die Hebamme überprüft in dieser Zeit immer wieder ihren Allgemeinzustand.

Neun Monate lang hat die Plazenta einen wichtigen Zweck erfüllt und Dein Baby im Mutterleib versorgt. Manche Mütter halten damit die Aufgabe des Mutterkuchens für erledigt und lassen das Organ im Krankenhaus entsorgen. Andere Eltern möchten jedoch die besondere Kraft, die der Plazenta zugesprochen wird, nutzen oder ihrem Symbolwert Rechnung tragen und entscheiden sich, ihr nach der Geburt eine zweite Verwendung zu geben.
In vielen Kulturen besteht der Glaube, dass ein Stück der kindlichen Seele im Mutterkuchen zurückbleibt, weswegen ihm dort ein besonderer Stellenwert beigemessen wird. Aber auch im europäischen Kulturkreis ranken sich zahlreiche Bräuche um die Plazenta. Einige davon stellen wir Dir in diesem Artikel vor.

Falls Du zunächst mehr über die Plazenta, ihre Entstehung und Funktion erfahren möchtest, kannst Du Dir unseren Magazinartikel „Faszination Plazenta“ anschauen.

  • Entsorgen

    In den meisten Geburtskliniken ist die ordnungsgemäße Entsorgung der Plazenta über die Krankenhausverbrennungsanlage der Regelfall. Natürlich werden zuvor alle notwendigen Untersuchungen am Organ durchgeführt. Wenn Du nicht möchtest, dass Deine Plazenta entsorgt wird, gib am besten bereits vor der Geburt Deiner betreuenden Hebamme Bescheid.

  • Lotusgeburt

    Im Mutterleib ist Dein Baby über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden. Nach der Geburt wird üblicherweise die Nabelschnur am Kind abgeklemmt und das restliche Stück zusammen mit der Plazenta ausgeschieden. Bei einer Lotusgeburt wird die Nabelschnur jedoch nicht durchtrennt, sodass Kind und Mutterkuchen verbunden bleiben bis die Nabelschnur nach ein paar Tagen von alleine abfällt. Damit die Plazenta nicht zu faulen beginnt, muss sie konserviert werden, indem sie zum Beispiel in einem Säckchen mit Speisesalz aufbewahrt wird. Für einen angenehmen Duft können auch ätherische Öle und getrocknete Kräuter hinzugegeben werden.
    Befürworterinnen/Befürworter der Lotusgeburt empfinden das natürliche Abfallen der Nabelschnur als weniger traumatisch für das Baby (und auch für die Eltern) als das künstliche Abklemmen. Außerdem befindet sich rund ein Viertel des Kindsbluts bei der Geburt in Nabelschnur und Plazenta, sodass eine Lotusgeburt das Baby vor Blutverlust schützen soll.
    Allerdings versiegt die Blutzufuhr des Mutterkuchens zum Kind bereits wenige Minuten nach der Geburt. Zudem birgt die Methode eine gewisse Infektionsgefahr, weswegen die meisten Kliniken sie aufgrund der dort herrschenden gesteigerten Keimdichte nicht anbieten. Solltest Du Dich also für diese Art der Entbindung entscheiden, lasse Dich in jedem Fall von einer darin erfahrenen Hebamme begleiten.

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  • Essen

    Durch die zahlreichen enthaltenen Nährstoffe wird der Plazenta eine besondere Heilkraft zugesprochen, weswegen manche Mütter nach der Geburt ein Stück davon roh verspeisen oder in anderer Form zu sich nehmen. Im Internet kursieren allerlei Empfehlungen von Smoothies bis Lasagne, von seriös bis kurios. Das Essen des Mutterkuchens – Wortspiel nicht beabsichtigt 😉 – soll Wochenbettdepressionen vorbeugen, die Milchbildung ankurbeln, die Rückbildung unterstützen und Schmerzen lindern. Bislang gibt es jedoch keine Studien, die diese Effekte wissenschaftlich belegen.
    Tatsächlich fressen viele Säugetiere, beispielsweise Katzen oder Ziegen, nach der Geburt ihrer Jungen ihre Plazenta auf. Kritiker der sogenannten Plazentophagie beim Menschen wenden ein, dass die Hintergründe für das Verspeisen in der Tierwelt ganz andere seien: Man vermutet, dass die Tiere die in der Plazenta enthaltenen Nährstoffe benötigen, da sie, durch die Geburt geschwächt, nicht in der Lage wären, anderweitig für Nahrung zu sorgen. Außerdem verhindern sie durch das Beseitigen des Organs, dass der Verwesungsgeruch Raubtiere anzieht. Und schließlich führen Kritiker an, dass die tierische Plazenta oft anders aufgebaut ist als die menschliche, sodass Analogien problematisch seien.
    Da die Plazenta als eine Art Filter fungiert, enthält sie darüber hinaus verschiedene Schadstoffe, beispielsweise eine hohe Schwermetallkonzentration. Das ist nicht nur für die Mutter ungesund, sondern die Schadstoffe können über die Muttermilch auch zurück zum Kind gelangen, obwohl das Organ sie ursprünglich vom Baby fernhalten sollte.
    Solltest Du Dich dennoch für die Plazentophagie interessieren, lass Dich am besten von Deiner Ärztin/Deinem Arzt beraten, um kein gesundheitliches Risiko einzugehen.

  • Plazentanosoden herstellen lassen

    Nosoden sind homöopathische Arzneimittel, deren Ausgangsstoff „krankhaftes“ Material oder körpereigene Bestandteile sind. Eingenommen werden sie in Form von Globuli. Zur Herstellung von Plazentanosoden wird ein etwa bohnengroßes Stück aus dem Organ herausgeschnitten und in ein Fläschchen mit einer speziellen Lösung gelegt. Dieses erhältst Du bei Apotheken, die die Herstellung der Nosoden anbieten. Anschließend gibst Du es dort wieder ab oder schickst es ein und erhältst die fertigen Globuli zurück.
    Dem Arzneimittel werden zahlreiche Wirkungen zugesprochen: Nach der Geburt soll es bei der Frau für eine schnellere Rückbildung sorgen, die Milchproduktion anregen, später den Abstillprozess unterstützen, Menstruationsbeschwerden lindern und im weiteren Lebensverlauf dann Abhilfe bei Wechseljahresproblemen bieten. Beim Kind angewendet sollen die Nosoden Koliken abschwächen und bei Kinderkrankheiten und -infekten unterstützend wirken. Aber auch anderen Familienmitgliedern helfen die Globuli angeblich bei Hauterkrankungen, Allergien, Migräne oder Atemwegsproblemen. Allerdings gibt es für all diese Wirkungen keine wissenschaftlichen Beweise.
    Wenn Du Dich dafür interessierst, wende Dich am besten an eine Homöopathin/einen Homöopathen oder Deine Hebamme. Die Kosten der Herstellung liegen bei etwa 100 Euro.

  • Baum darauf pflanzen

    Die Plazenta wird aufgrund ihres Aussehens – die Oberfläche besteht aus zahlreichen Verästelungen – auch als Lebensbaum bezeichnet. Daher erscheint der Brauch, die Plazenta zu vergraben und einen Baum darauf zu pflanzen, geradezu naheliegend. Manchen Eltern gefällt die Symbolik, dass aus dem Organ, welches ihr Kind ins Leben hinein begleitet hat, nach der Geburt neues Leben erwächst.

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  • Falls Du eine bildliche Erinnerung an Deine Plazenta behalten möchtest, kannst Du sie zum Beispiel fotografieren. Nicht nur viele Hebammen, sondern auch einige Mütter sind von der Optik dieses wundersamen Organs fasziniert. Ein etwas abstrakteres Andenken kann ein Plazentaabdruck sein. Hierfür wird der Mutterkuchen kurz nach der Geburt auf ein Blatt Papier gepresst. Wenn Dir das zu blutig ist, kannst Du die Plazenta auch abwaschen (lassen) und für den Abdruck Farbe verwenden.
  • Diese Verwendungsform ist zugegebenermaßen schon ein wenig in die Jahre gekommen, denn sie war vor allem in den 1980er Jahren populär: Kosmetik mit Bestandteilen aus Plazenten. Den darin enthaltenen Wachstumshormonen wurde eine hautverjüngende Wirkung nachgesagt, weswegen sie vor allem in Gesichtscremes und -masken enthalten waren. Auch wenn der Trend mit der Entdeckung des HI-Virus wieder abebbte, sind entsprechende Kosmetika nach wie vor auf dem Markt erhältlich. Ihre Wirkung ist jedoch nicht wissenschaftlich belegt.
  • Der Forschung spenden

    Du möchtest Deiner Plazenta nach der Geburt noch einen zweiten Nutzen schenken, aber selbst lieber Abstand davon nehmen? Dann kannst Du das Organ auch der Forschung spenden. In der Pharmaforschung werden Plazenten etwa zur Entwicklung von Medikamenten verwendet, die das Abstoßen von transplantierten Organen verhindern sollen. Hierfür werden diejenigen Stoffe aus dem Mutterkuchen extrahiert, die den Körper davon abhalten, das Kind als Fremdkörper abzustoßen. Wenn Du in einem Krankenhaus entbindest, wirst Du vielleicht ohnehin gefragt, ob Du Deine Plazenta zur Verfügung stellen möchtest. In einem Geburtshaus oder bei einer Hausgeburt musst Du die Spende dagegen wahrscheinlich selbst organisieren.

Das Thema „Plazenta“ und was nach der Geburt mit ihr passiert, polarisiert wie wohl kaum ein anderes. Was die einen als abstoßend empfinden, ist für andere ein symbolträchtiges oder stärkendes Ritual. Am Ende ist jedoch die Hauptsache, dass es sich für Dich richtig anfühlt. Du solltest Dich wegen einer vermeintlichen Wirkung zu nichts zwingen, wogegen Du eine Abneigung verspürst. Scheue Dich auch nicht, mit Deiner Hebamme über das Thema zu sprechen. Sicherlich kann sie Dir noch einiges über das faszinierende Organ weitergeben. Wir hoffen, wir konnten Dir bereits vorab einen kleinen Einblick geben!

Der Brauch einen „Lebensbaum“ auf das alte Gewebe zu pflanzen, ist weit verbreitet. Aber auch das spirituelle Essen der Plazenta scheint immer weiter um sich zu greifen. Natürlich oder widerlich?

Manche Eltern essen die Plazenta

Die Plazenta besteht aus mütterlichem und embryonalem Gewebe. Rund 500 Gramm schwer und 20 Zentimeter groß ist der Mutterkuchen im Durchschnitt. In Form und Konsistenz ähnelt sie der Leber. Ihre Funktion ist allerdings eine andere. Während das Baby im Uterus reift, wird es über die Plazenta ernährt. In jeder Phase der Schwangerschaft hat der Mutterkuchen spezielle Aufgaben und reift mit dem Kind. Eine besondere Funktion ist die Plazentaschranke. Sie sorgt dafür, dass das Baby vor Keimen und Viren geschützt ist, in dem diese von der Plazenta abgefangen werden.

Der Gedanke, dass, wenn das Kind erst mal draußen ist, alles vorbei ist, ist weit verbreitet. Doch auch die Plazenta, Teile der Nabelschnur und die Eihäute müssen noch „geboren“ werden. Das geht manchmal sogar mit erneuten Wehen und Schmerzen einher. Viele Völker sehen in der Nachgeburt den seelischen Zwilling des Babys und beerdigen diesen nach der Geburt sogar.

Grundsätzlich ist der Mutterkuchen genießbar. Ihm wird sogar eine regenerierende Funktion für die Mutter nachgesagt. Dennoch: Die Plazenta filtert viele Schadstoffe, kann grau sein oder durch Löcher zersetzt. Diesen Schritt zu wagen und den Mutterkuchen zu essen, kann selbst für sehr naturverbundene Eltern hart sein.

Video: Das Wunder einer Geburt von Zwillingen in 47 fesselnden Bildern

Unglaublich, aber es gibt sogar Plazenta-Kochbücher. Dort wird erklärt, wie man Mutterkuchen-Carpaccio oder Lasagne aus der Plazenta macht. Durchaus nur etwas für Hartgesottene. Ebenfalls eine schwierige Vorstellung: In Foren kursieren Gerüchte darüber, dass Plazenta in roher Form durchaus wohlschmeckend für die Mutter sein soll.

Cremes aus Mutterkuchen

In den 60er Jahren wurden oftmals Cremes aus Mutterkuchen hergestellt. Einschlägige Namen wie Hormocenta oder noch eindeutiger Placentubex standen in jedem Badezimmerschrank. Man hoffte damals an die positive Wirkung der Hormone im Mutterkuchen. Durch die Verbreitung von Aids verschwand auch die Plazentaverwendung in der Pharma- und Kosmetikbranche. Heute ist die Nutzung des Mutterkuchens für Globuli weit verbreitet. Aus dem Gewebe werden kleine homöopathisch Kügelchen hergestellt, die die Mutter stärken sollen.

Grundsätzlich ist es in Deutschland erlaubt, die Plazenta mit nach Hause zu nehmen und nach eigenen Wünschen zu nutzen. Kritiker bezeichnen das Essen der Plazenta allerdings als Kannibalismus. Letztendlich ist es den Eltern selbst überlassen, wie sie das Gewebe nutzen möchten. Jeder kann hier seine eigenen Grenzen ausleben.

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Gesundheit

von Laura K. Grades, Sharon Young et al. schrieb ich bereits in meinem „Schätzlers Blog auf DocCheck“ unter dem Titel
„Ein Stück vom guten Mutterkuchen?“ am 22.12.2016:
„Ist es sinnvoll, die Plazenta zu verspeisen? Plazentophagie ist Gegenstand einer aktuellen Studie aus den USA. Das angeblich gut verfügbare Eisen im Mutterkuchen kann die Eisenspeicher der Mütter mit dieser Sonderform des postpartalen Kannibalismus schneller wieder auffüllen, heißt es.
Ob dies nun zutrifft, wurde in der Studie „Effects of Human Maternal Placentophagy on Maternal Postpartum Iron Status: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Pilot Study“ von Laura K. Gryder et al. untersucht.

Positive Effekte?
Angeblich „habe der Mutterkuchen eine ganze Reihe positiver gesundheitlicher Effekte: Nicht nur Depressionen soll er vorbeugen, auch die körperliche Regeneration soll er fördern und vor allem die leeren Eisenspeicher rasch wieder auffüllen. Tatsächlich bewiesen ist davon allerdings nichts“, schreibt die Redakteurin Dagmar Kraus sehr umsichtig in einem Artikel zum Thema.
Studiendesign und Verlauf
23 gesunde Frauen mit normal verlaufenden Schwangerschaften wurden randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert untersucht. Vier Mal wurde der Eisenstatus anhand der Hämoglobin-, Transferrin- und Ferritin-Werte bestimmt: In der 36. Schwangerschaftswoche, innerhalb von 96 Stunden nach der Geburt, zwischen dem 5. und 7. Tag postpartal und in der dritten Woche nach der Entbindung. Ausreichend Eisen sollte mit der Nahrung aufgenommen, bzw. im Anschluss an die Entbindung 20 Tage lang geschluckt werden (entweder Plazentakapseln oder Placebokapseln mit Biofleisch von Weiderindern): Am 1. bis 4. Tag 3 x tgl. 2 Kapseln mit 550 mg, am 5. bis 12. Tag 2 x tgl. 2 Kapseln mit 550 mg und weitere 8 Tage 1 x tgl. 2 Kapseln mit 550 mg.
Kein signifikanter Unterschied
Kein statistisch relevant messbarer Unterschied zwischen der Plazenta- und der Placebogruppe, weder für die Parameter Hämoglobin, Ferritin oder Transferrin konnte detektiert werden. Obwohl der durchschnittliche Eisengehalt in den Plazentakapseln bei 0,664 mg/g und in den Placebokapseln nur bei 0,093 mg/g lag.
Das Autorenteam schließt seinen Abstract mit folgender Ergebnisdiskussion: „Die vorliegende Studie legt nahe, dass verkapselte Plazenta-Supplementation weder signifikant den postpartalen mütterlichen Eisenstatus verbessern noch ausgleichen kann. Dies gilt für Frauen, welche die empfohlene tägliche Menge an Nahrungseisen während Schwangerschaft und Stillzeit aufnehmen, im Vergleich zu einem Rindfleisch-Placebo…“ .
Fantasie und Wirklichkeit?
Doch wer jemals auf einem Bauernhof die Spontangeburt eines Säugetieres mitbekommen hat, wird dabei unschwer festgestellt haben, dass die Plazenta nicht vom entkräfteten Muttertier selbst, sondern von den umherstreunenden, hungrigen Karnivoren in Haus und Hof weggefressen wird. Vegan bzw. vegetarisch lebende Milch-Tiere werden wohl kaum Appetit auf Plazentae haben, und nicht säugende Eier-Leger werden von den aggressiveren Fleischfressern verscheucht. Insofern beantwortet die Studie nichts weiter als irregeleitete Forschungsfantasien.
Postfaktisches?
Damit werden Zurück-zur-Natur-Wünsche von Yuppies erfüllt, die mangels ausreichender körperlicher Fitness oder Willenskraft doch keine Spontan-, Unterwasser-, Sanft- oder Kopfstand-Geburten zu Stande gebracht haben. Soll das durch den damit erforderlichen Kaiserschnitt fehlende authentische Geburtserlebnis dann über den scheinbar gesunden Gourmet-Genuss der eigenen Plazenta nachgeholt oder überkompensiert werden?
Bereichert durch die waghalsige Plazenta-Grenzerfahrung, inspiriert durch diese Sonderform des Kannibalismus und gestärkt durch ein Wildnis-Abenteuer der an der Plazenta nagenden Sippe („survival of the fittest“), kann man dann wieder beruhigt zurückkehren – per Auto und Aufzug, in eine nach Feng Shui Prinzipien ausgerichtete Welt der klimatisierten Bürotürme, wo man authentische Back- bzw. Kochrezepte unter Verwendung von frischer Muttermilch mit den anderen, aus dem Mutterschutz zurückkehrenden Kolleginnen austauscht.“
http://news.doccheck.com/de/blog/post/5292-ein-stueck-vom-guten-mutterkuchen/
2. Teil des Pilotprojekts
Jetzt wurden die alten Studiendaten in einem 2. Untersuchungsgang nochmal „ausgeweidet“. Mit dem 2. Teil: „Placentophagy’s effects on mood, bonding, and fatigue: A pilot trial, part 2“ von Sharon M. Young, Laura K. Gryder et al. gelang es erneut nicht, auch nur ansatzweise signifikante Ergebnisse zu zeitigen.
Die Schlussfolgerungen im Abstract lesen sich relativ kleinlaut: „Conclusions – No robust differences in postpartum maternal mood, bonding, or fatigue were detected between the placenta and placebo groups. This finding may be especially important for women considering maternal placentophagy as a ‘natural’ (i.e., non-pharmacological) means of preventing or treating blues/depression. Given the study limitations, these findings should be interpreted as preliminary. Small, time-related improvements in maternal mood and lower fatigue post-supplementation among placenta group participants may warrant further research.“
Zusammenfassende Schlussfolgerungen
Es wurden keine robusten Unterschiede bei der postpartalen Stimmung, bei der Mutter-Kind-Bindung oder dem Erschöpfungszustand zwischen der Placenta- und der Placebogruppe detektiert. Nur für die naturheilkundliche Prävention/Behandlung mit geringer, zeitweiliger Verbesserung von postpartalem Blues/Depression gab es, vorläufig formuliert, Stimmungsaufhellungen und etwas weniger Fatigue bei den Placentagruppen-Teilnehmerinnen. Dies erfordere weitere Forschung. (© der Übersetzung durch den Verf.)
Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Weitere Quellen:
https://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/gynaekologie/article/926609/forschung-hilft-plazenta-essen-gesundheit.html
– http://m.baby-und-familie.de/Geburt/Plazenta-essen-Eklig-oder-gar-gesund-509057.html
– http://www.t-online.de/eltern/schwangerschaft/id_51311896/mutterkuchen-woertlich-nehmen-wenn-eltern-die-plazenta-verzehren.html
– http://www.focus.de/familie/geburt/plazenta-essen-liebe-muetter-die-plazent-ist-nicht-so-gesund-wie-gedacht_id_4734803.html
– http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/die-plazenta-nach-der-geburt-essen-ein-neuer-trend-13701066.html

Plazenta-Nosoden

Die Plazenta, der „Mutterkuchen“, wird seit Urzeiten zu medizinischen Zwecken angewendet. Kraft, Stärke und Gesundheit sollte sie bringen, „Seelenbruder“ des Kindes sollte sie sein. Man bewahrte sie in besonderen Gefäßen auf, trocknete sie, fertigte alle nur erdenklichen Heilmittel daraus oder vergrub sie am Hauseingang , unter einem Baum oder anderen wichtigen Orten.

Seit wann Plazenta-Nosoden verwendet werden, ist nicht bekannt. In jedem Fall vereinfachen sie im Vergleich zum Ursprungsorgan die Handhabung für den Anwender, da es sich bei Globuli um bereits verarbeitete Plazenta handelt. Bei der Herstellung der Globuli, der sogenannten Potenzierung, wird die Plazenta nicht nur „gereinigt“, sondern auch energetisch aufgewertet. Das macht die Plazenta-Nosoden in doppeltem Sinn zu einer einmaligen, individuell angefertigten und sehr wertvollen Arznei. So kann die ganze Familie die Plazentakräfte, von denen das Kind vor seiner Geburt gezehrt hat, zur Stärkung des Organismus und Linderung von Beschwerden nutzen … und das Kind hat seinen ehemaligen „Seelenbruder“ – in potenzierter Form – allzeit in seiner Nähe.

Prinzipiell ist die Behandlung aller Beschwerden, bei denen regulierend auf den Organismus eingewirkt werden soll, ein potentielles Einsatzgebiet für Plazenta-Nosoden. Dies umfasst u.a. unsere Körperabwehr bzw. das Immunsystem (aufbauend bei Infekten, absenkend bei überschießenden Reaktionen wie Allergien), Regulierung der Milchproduktion, das Hormonsystem (Regelbeschwerden, Menopause, Klimakterium …) oder auch Beschwerden wie Migräne oder Neurodermitis.

Die Einnahme während einer erneuten Schwangerschaft (z.B. vorbeugend zur Stärkung der Körperabwehr) wird vielfach empfohlen. Die Einnahme während der Stillzeit sollte vorsichtig erfolgen, da Berichten zu Folge es u.U. zu einem Milcheinschuss kommen kann.

Ausgeschlossen sind Erkrankungen, bei denen andere Behandlungen zwingend notwendig oder von Therapeuten empfohlen werden. In jedem Erkrankungsfall ist prinzipiell ärztlicher Rat empfehlenswert.

Haftungsrechtlicher Hinweis: Bei den Plazentanosoden, oft auch Plazentaglobuli genannt, handelt es sich streng genommen um sogenannte „Sarkoden“. So nennt man homöopathische Arzneimittel, bei denen das Ausgangsmaterial für die Herstellung körpereigen ist. Dies hat zur Konsequenz, dass Hersteller von Plazentanosoden Anwendungsempfehlungen aus haftungsrechtlichen Gründen prinzipiell nur für die Mutter geben können. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass Plazentaglobuli haftungsrechtlich nur für die Mutter bestimmt sind. Natürlich gibt es viele Anwendungserfahrungen, die belegen, dass gerade auch Babys, aber auch Geschwisterkinder und der Papi davon sehr profitieren können. Für diese Anwendungen muss die Mutter die Verantwortung übernehmen.

C- oder D-Potenzen?

C- und D-Potenzen unterscheiden sich in der Herstellungsart. Einen wesentlichen Einfluss auf die Wirksamkeit hat dies erfahrungsgemäß nicht. So ist z.B. die Wirkung von Plazentaglobuli D6 mit C6 vergleichbar. Alle weiteren Empfehlungen gelten also für C- und D-Potenzen gleichermaßen.

In Frankreich, Schweiz und England werden fast ausnahmslos C-Potenzen hergestellt, in Deutschland und vor allem in Österreich sind D-Potenzen üblich. Diese geografischen Unterschiede sind historisch gewachsen und spielen therapeutisch kaum eine Rolle.

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