Plattfüße BEI kindern

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Ob angeboren oder erworben: Der Plattfuß kann in Extremfällen zur Qual werden. Muss er aber nicht! Wie Sie mit den richtigen Schuheinlagen und einfachen Übungen wieder auf die Beine kommen.

Plattfuß und Senkfuß: Was ist das eigentlich?

Das gesunde Fußskelett besitzt eine natürliche Längswölbung, welche auf der Innenseite des Fußes einen Hohlraum formt. Die Ferse und der Vorderfußballen liegen auf dem Boden auf, die Mitte des Fußes berührt ihn nur auf der Außenseite.

Beim Plattfuß (pes planus) ist das Längsgewölbe nicht (oder nicht mehr) funktionsfähig, die Fußsohle liegt also vollständig auf – ganz platt, daher der Name. Das Körpergewicht wird dann nicht mehr nur von den Ballen und Fersen getragen, sondern verteilt sich auch auf die Bänder, Knochen und Muskeln der Fußmitte.

Der Senkfuß ist eine Vorstufe des Plattfußes. Dabei geht dem Fuß ebenfalls seine natürliche Wölbung verloren, allerdings liegt die Sohle noch nicht komplett auf oder berührt nur bei starker Belastung vollständig den Boden. Hier ist bereits eine deutliche Fehlstellung der Ferse zu erkennen, die nicht mehr senkrecht steht, sondern auch nach außen zeigt, also valgisiert ist.

Ursachen des Plattfußes – angeboren und erworben

Ein Plattfuß kann angeboren sein, oder er kann sich mit der Zeit zum Beispiel aus einem Senkfuß entwickeln. Beim angeborenen Plattfuß (pes planus congenitus) wölben sich die Sohlen der betroffenen Babys manchmal sogar nach unten. Der Plattfuß ist dabei die Folge von Fehlbildungen des Fußes und falsch verwachsenen Fußwurzelknochen und wird oft genetisch vererbt. Eine weitere Ursache kann auch Kinderlähmung sein.

Der erworbene Plattfuß (pes planus valgus) kann dagegen in jedem Alter auftreten. Die Hauptursache ist dabei eine Fußdeformation, die durch viele Dinge ausgelöst werden kann:

  • Mangel an Bewegung
  • geschwächte Bandstrukturen des Fußskeletts
  • Übergewicht
  • Entzündungen (z.B. Arthritis oder Arthrose)
  • Lähmungen
  • Verletzungen
  • Bindegewebs- und Muskelschwächen
  • Narben
  • Tragen von zu engen oder unpassenden Schuhen

Bei der Fußschwäche sind die Bänder und Muskeln des Fußes nicht stark genug, um das Fußgewölbe aufrechtzuhalten – der Fuß sinkt ein.

Während der Plattfuß bei Kindern und Jugendlichen noch korrigiert werden kann, kann man ihn bei einem ausgewachsenen Skelett (älter als 13-15 Jahre) nie komplett heilen. Umso wichtiger ist es daher, schmerzhaften Folgen rechtzeitig durch eine Bettung des Fußes vorzubeugen.

Um einen Plattfuß effektiv und nachhaltig zu behandeln, sollte man außerdem versuchen, gesund zu leben und seinem Körper etwas Gutes zu tun. Leiden Sie zum Beispiel an Arthrose, dann erfahren Sie in diesem Beitrag, was Ihnen hilft. Eine Diät ist bei starkem Übergewicht ebenso ratsam. Unabhängig von möglichen Vorerkrankungen ist es in jedem Fall zu empfehlen, sich regelmäßig zu bewegen und Sport zu machen.

Plattfuß: die häufigsten Symptome und Folgen

Ein Plattfuß ist also die Schiefstellung des Fußes. Doch bis auf die deutlich sichtbare Absenkung des Fußes nach innen können bei einer solchen Fehlstellung manchmal weitere Symptome ausbleiben.

Oft jedoch geht der Plattfuß – zumindest, wenn er bereits seit längerer Zeit vorliegt – mit Beschwerden einher: Am häufigsten äußern Patienten Schmerzen in den Füßen (besonders bei längerer Belastung), die sich durch die Beine und die Hüfte bis in den Rücken ziehen können. An besonders stark belasteten Stellen können sich in Extremfällen Druckgeschwüre bilden, die dann die Gehfähigkeit eventuell stark beeinträchtigen.

Ein Problem, welches sich erst nach Jahren mit einem Plattfuß auswirkt, ist, dass eine Fehlstellung im Knie entstehen kann. Denn die Ferse wird auf Dauer nach außen gestellt, der Unterschenkel nach innen und es bildet sich ein X-Bein. Im Hüftgelenk wiederum verdreht sich das Bein nach innen. Das Knie wird so übermäßig und unnatürlich belastet, so dass eine Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) beginnen kann. Dabei spielen allerdings weitere Faktoren wie die Verfassung des Patienten allgemein (zum Beispiel starkes Übergewicht) eine Rolle.

Therapie mit Einlagen und Übungen – die richtige Behandlung des Plattfußes

Auch wenn Sie keine Schmerzen oder sonstige Beschwerden haben, sollten Sie auf eine Therapie Ihres Plattfußes nicht verzichten. Der Fuß benötigt trotzdem eine gute Unterstützung mit einer Schuheinlage, um die Ferse wieder aufzurichten, damit sich auf die angrenzenden Gelenke keine Fehlstellung überträgt! Fragen Sie gern auch Ihren Orthopäden um Rat.

Bei der Therapie werden Ihnen in der Regel spezielle, oft maßgefertigte Schuheinlagen (nach Gipsabdruck) und zusätzlich Krankengymnastik verschrieben. Diese Behandlungen sind am effektivsten, wenn der Plattfuß noch nicht komplett ausgebildet ist.

Ist die Fehlstellung angeboren oder in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium, muss sie in seltenen Fällen operiert werden.

Orthopädische Schuheinlagen: Materialien und Varianten

Die Einlagen sind individuell auf den Betroffenen angepasst und helfen dabei, den Fuß wieder anzuheben, indem sie das Längsgewölbe stützen. Außerdem stärken sie die Muskulatur und helfen so aktiv bei der Rückbildung des Plattfußes. Schuheinlagen gibt es aus vielen verschiedenen Materialien, unter anderem:

  • Leder
  • Weichschaum
  • Kunststoff
  • Carbon
  • Mischformen, z.B. Kork-Leder-Einlagen

Der größte Unterschied der Materialien ist der Härtegrad, der passend zum Patienten ausgewählt wird. Härtere Materialien wie Leder haben dabei den Vorteil, dass sie besonders platzsparend sind, den Fuß sehr gut stützen. Allerdings gelten sie oft als unbequem. Weiche Einlagen haben einen höheren Tragekomfort, sie nehmen aber auch mehr Platz ein und passen daher nicht in jeden Schuh.

Eine weitere Unterscheidung sind langsohlige und halbsohlige Schuheinlagen: Reichen die Einlagen über den ganzen Fuß oder nur bis zur Hälfte? Sie sollten Ihre Schuhe in jedem Fall mit zur Anprobe bringen, um die Einlagen sofort ausprobieren zu können. Außerdem ist es ratsam, sich im Vorfeld ausgiebig beraten zu lassen und die Vor- und Nachteile der einzelnen Materialien und Modelle abzuwägen.

Übungen, Krankengymnastik, Massagen: dem Plattfuß ohne Hilfsmittel trotzen

Übungen sind in erster Linie dazu da, die Muskulatur des Fußes zu stärken und seine Beweglichkeit zu erhöhen. Die wohl einfachste Übung ist das Gehen auf Zehenspitzen. Ziehen Sie dazu am besten Ihre Schuhe aus, damit Sie nicht eingeengt werden und stellen Sie sich mit beiden Füßen auf die Vorderfußballen. Laufen Sie so ein paar Minuten herum. Das stärkt die Fußmuskulatur und ist außerdem eine gute Gleichgewichtsübung. Die Übung sollte mehrmals am Tag, mindestens jedoch täglich, wiederholt werden.

Eine andere hilfreiche Übung ist die sogenannte Fußspirale. Setzen Sie sich dazu auf einen Stuhl und legen Sie einen Fuß auf dem anderen Oberschenkel ab. Nehmen Sie die Ferse in die eine Hand, den Vorfuß in die andere, der Fuß sollte dabei im rechten Winkel zum Unterschenkel stehen. Drehen Sie jetzt die Ferse nach außen und den Vorfuß gleichzeitig nach innen – als würden Sie Ihren Fuß auswringen – und spannen Sie die Fußsohle dabei leicht an. Es sollte etwas ziehen, aber nicht wehtun. Wiederholen Sie die Übung 3-5 Minuten lang pro Fuß.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Schuheinlagen?

In der Regel werden die Kosten für vom Arzt verschriebene Einlagen (zumindest zum Großteil) von den Krankenkassen übernommen. Manchmal wird eine Zuzahlung fällig, vor allem bei individuell angepassten Einlagen. Sie sollten sich aber in jedem Fall vorher bei Ihrer Krankenkasse erkundigen, denn das kann von Kasse zu Kasse stark schwanken. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel bis zu zwei Paar Einlagen pro Jahr. Wenn Sie die Einlagen komplett selbst bezahlen, können Sie mit 100 bis 150 Euro rechnen.

Fazit zum Plattfuß

Oft bleibt der Plattfuß ein rein optisches Problem. Wenn Sie allerdings Schmerzen haben und in Ihrer Bewegung eingeschränkt werden, sollten Sie dagegen vorgehen. Einfache Übungen und individuell angepasste Schuheinlagen vom Orthopädieschuhtechniker sind dafür ideal.

Benötigen Sie Tipps zur Wahl der richtigen Einlage oder drückt Ihnen sonst der Schuh? Wir haben das Wissen, damit Sie wieder aktiver sein können. Treten Sie einfach mit uns in Kontakt.

Ich berate Sie gerne!

Wer bin ich?
Meine Name ist Dr. Nicolas Gumpert. Ich bin Facharzt für Orthopädie und Gründer von Dr-Gumpert.de.
Diverse Fernsehsendungen und Printmedien berichten regelmäßig über meine Arbeit. Im HR Fernsehen sehen Sie mich alle 6 Wochen live bei „Hallo Hessen“.
Aber jetzt ist genug angegeben 😉

Von Erkrankungen des Fußes sind besonders häufig Sportler (Jogger, Fußballer, etc.) betroffen. In einigen Fällen lässt sich zunächst keine Ursache für die Fußbeschwerden erkennen.
Daher erfordert die Behandlung des Fußes (z.B. Achillessehnenentzündung, Fersensporn etc.) viel Erfahrung.
Ich behandele die unterschiedlichsten Erkrankungen des Fußes im Schwerpunkt.
Ziel jeder Behandlung ist die Behandlung ohne eine Operation mit einer vollständigen Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit.

Welche Therapie nachhaltig die besten Ergebnisse erzielt, kann nur nach Zusammenschau aller Informationen (Untersuchung, Röntgenbild, Ultraschall, MRT, etc.) beurteilt werden.

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  • Lumedis – Ihre Orthopäden
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    60311 Frankfurt am Main

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Plattfuß, Hohlfuß, Senkfuß und Pronation

Nur 15-20 % der deutschen Bevölkerung haben einen ‚Normalen‘ Fuß. Die drei häufstigen Fußtypen sind Plattfuß, Senkfuß und der Hohlfuß.

1) Plattfuß (Pes planus)

Beim Plattfuß fehlt das Längsgewölbe des Fußes und dieser liegt damit komplett flach auf dem Boden. Der angeborene Plattfuß ist sehr selten. Nur 5 % der Bevölkerung leidet unter einem Plattfuß. Bei Kindern und Jugendlichen ist eine Anhebung des Längsgewölbes durch Sehnenverlagerungen möglich. Beim Erwachsenen wird der Plattfuß bei Beschwerden mit Fußgymnastik und Einlagen behandelt; operative Maßnahmen sind selten nötig.

2) Hohlfuß – hohes Fußlängsgewölbe (Pes Cavus)

Der Hohlfuß ist eine angeborene Fehlstellung des Fußes. Der Hohlfuß ist sehr selten. Weiniger als 5 % der deutschen Bevölkerung haben dieses Problem. Im Gegensatz zum Senk- und Plattfuß flacht beim Hohlfuß das Längsgewölbe nicht ab, sondern der Rist bleibt übermäßig stark gewölbt, auch wenn der Fuß belastet wird. Der Hohlfuß ist durch eine Verstärkung des Längsgewölbes gekennzeichnet, und kombiniert sich oft mit Verkrümmung der Zehen. Deshalb ist der Hohlfuß sehr oft mit Krallenzehen verbunden.
Die Bänder und Sohlenmuskulatur des Hohlfußes sind sehr straff, dadurch kann der Fuß bei Belastung keine dämpfende Wirkung ausführen. Dämpfende Schuheinlagen sind darum angebracht. In gewissen Fällen ist eine orthopädische Operation notwendig. Eine Korrektur des Hohlfußes benötigt einen operativen Eingriff am Fersenbein.

3) Senkfuß (abgeflachter Fuß) – übermäßige Pronation

Es handelt sich um einen Senkfuß, wenn das Längsgewölbe des Fußes abgeflacht ist. Senkfuß wird auch „erworbener Plattfuß“ genannt. Dieses Problem ist sehr häufig und entsteht über die Jahre hinweg durch eine zu schwache Muskulatur und durch eine Bindegewebsschwäche, die auch während der Pubertät oder Schwangerschaft auftreten kann. Ein Großteil der Bevölkerung, insbesondere ältere Personen und Übergewichtige, sind davon betroffen. Beim Senkfuß ist das Längsgewölbe an der Innenseite des Fußes abgeflacht, aber es gibt dennoch freien Raum unter dem Fuß.
Wenn kein Druck auf das Fußgewölbe ausgeübt wird, z. B. beim Sitzen, erscheint das Fußgewölbe normal, aber sobald Druck auf den Fuß ausgeübt wird, flacht er ab. Dies ist insbesondere bei Laufen, Rennen und sportlicher Betätigung der Fall. Senkfuß (und Knick-Senkfuß) ist bedeutungsgleich mit „übermäßiger Pronation“. Das ist die Abflachung des Fußlängsgewölbes und das nach Innenrollen der Füße und des Fußknöchels.

Was ist übermäßige Pronation genau?

Pronation und Supination sind natürliche Bewegungen, die durch das normale Gehen hervorgerufen werden. Pronation ist der natürliche Mechanismus, der die Stöße, die beim Laufen hervorgerufen werden, abdämpft. Die Muskeln im Fuß entspannen sich und das Fußlängsgewölbe flacht sich ab.
Das Gegenteil ist die Supination. Die Muskeln spannen sich wieder an und das Fußlängsgewölbe erhebt sich. Dadurch rollt der Fuß über den Fußballen und die Zehen ab.
Das Problem in unserer heutigen Gesellschaft ist, dass wir zu lange pronieren und unseren Füßen nicht genug Möglichkeiten geben wieder zu supinieren. Das Fußlängsgewölbe flacht ab, der Fußknöchel rollt nach innen und bleibt für zu lange Zeit in dieser Position. Als Ergebnis ist unsere natürliche Art des Gehens gestört. Weitere Ursachen sind auch schwache Muskulatur, Alter und ein harter Untergrund wie z.B. Pflastersteine und Fußböden, auf denen wir jeden Tag gehen und stehen.
Interessanterweise wird der Schuh übermäßig auf dem äußeren Rand der Ferse abgetragen, obwohl der Fuß häufig einwärts abrollt. Dies geschieht, weil der Fuß normalerweise als Ausgleichbewegung zuerst auf dem äußeren Rand landet und infolgedessen übermäßig nach innen rollt.

Was sind die Konsequenzen von übermäßiger Pronation?

Folgen von übermäßiger Pronation betreffen nicht nur die Füße. Unser ganzer Körper kann betroffen sein! Die Füße sind die Gundlage unseres Körpers. Falsche Fußfunktion kann zu vielen Problemen in anderen Teilen des Körpers führen, wie Schienbeinschmerzen, schmerzende Beine, Knie – und Rückenschmerzen.
Durch übermäßige Pronation dreht sich der untere Teil des Beines nach innen und übt dadurch negative Kräfte auf die Kniekappe aus. Ebenfalls wird das Becken nach vorne gekippt und der Rücken im unteren Bereich stärker gewölbt und belastet, wenn sich die Füße nach innen absenken und die Beine nach innen drehen.

Behandlung der übermäßigen Pronation

Das Problem der übermäßigen Pronation kann durch Korrektur-Einlagen verhindert werden. FootActive Einlegesohlen sind von australischen Podologen (Fußspezialisten) entwickelt worden. Sie können das Fußgewölbe unterstützen und die übermäßige Pronation abschwächen. FootActive Schuheinlagen sind eine kostengünstige und effektive Methode gegen viele Arten von Fußschmerzen. FootActive Einlagen können auch bei Schienbeinschmerzen, schmerzenden Beinen, Knie- und Rückenschmerzen sehr hilfreich sein.

Fußfehlstellungen bei Kinderfüßen

Spreizfuß, Plattfuß, Senkfuß: Vermeintliche Fußfehlstellungen bei Kinderfüßen

Die wenigsten Kinder kommen mit einer Fußfehlstellung auf die Welt. Erworben werden können Fußfehlstellungen während der Entwicklung von Kinderfüßen und Kinderbeinen beispielsweise, wenn Übergewicht vorliegt, Bewegungsmangel herrscht oder die Schuhe nicht richtig ausgewählt werden.

Eltern beobachten das Wachstum ihres Nachwuchses meist mit Argusaugen. Viele machen sich Sorgen, weil ihre Kinder Plattfüße, Senkfüße, Hohlfüße und O-Beine oder X-Beine haben. In den meisten Fällen sind diese vermeintlichen „Bein-„ und „Fußfehlstellungen“ in einer bestimmten Entwicklungsphase des Kindes aber völlig normal.

Baby- und Kinderbeine müssen und können nicht von Beginn an gerade sein, sondern folgen in ihrer normalen, gesunden Entwicklung einem ganz bestimmten Schema: Vom O-Bein über das X-Bein zum gerade Bein – je nach familiärer Veranlagung mal stärker und mal weniger stark ausgeprägt.

Babys haben O-Beine, Kinder haben X-Beine

Ein Säugling hat in den ersten Lebensmonaten zunächst O-Beine. Sie entstehen, weil sich die noch weichen, formbaren Knochen der „hockenden“ Haltung im Mutterleib anpassen. Wenn ein Baby dann zu laufen beginnt, fällt diese „Fehlstellung“ plötzlich auf. Erst im Laufe des zweiten Lebensjahres verändert sich diese Stellung und wandelt sich dann oft ins Gegenteil. Bis ins Schulalter hinein haben viele Kinder dann plötzlich X-Beine.
Bei der sogenannten Innenrotation drehen die Kinder ein Bein oder beide Beine nach innen und laufen „über den großen Onkel“. Diese X-beinige Haltung ist normal bei Kindern ab dem zweiten Lebensjahr und muss in der Regel auch nicht mit Einlagen behandelt werden. Um den siebten Geburtstag herum sollten die Beine dann langsam anfangen, sich zu strecken und gerade zu werden. Bis zum zehnten Geburtstag, spätestens bis zur Pupertät sollte dieser Prozess abgeschlossen sein. Als Anhaltspunkt kann man sagen: Bei einem Teenager sollten im Stand und wenn sich die Fußgelenke berühren etwa ein bis zwei Zentimeter Platz zwischen den Knien sein.

Plattfuß, Spreizfuß, Knickfuß, Knicksenkspreizfuß, Senkspreizfuß – alles normal

Es gibt Zeiten, da sind Platt- oder Knickfüße bei Kindern ganz normal. Babyfüße kommen nicht fertig auf die Welt, sondern entwickeln sich.

In den ersten drei Lebensjahren haben fast alle Kinder Plattfüße. Laufanfänger haben anfangs O-Beine, die gegen Ende des zweiten Lebensjahres in X-Beine übergehen. Gleichzeitig nimmt dann auch die Knickfuß-Stellung zu. Bis zum Alter von etwa vier oder fünf Jahren haben viele Kinder dann einen Knicksenkfuß. Das heißt, die Ferse ist im Verhältnis zur Beinachse nach außen abgeknickt und das Längsgewölbe des Fußes abgeflacht. Der Knicksenkfuß ist physiologisch, also entwicklungsbedingt, ebenfalls normal. Oft handelt es sich sogar um einen Senkspreizknickfuß, bei dem auch das Quergewölbe des Fußes abgesunken ist. Ursache ist die anfangs noch ungenügende Stützfunktion von Muskeln und Bändern. Mit zunehmender Kräftigung der Fußmuskulatur bildet sich ein Senk(spreiz)knickfuß meist von selbst zurück. Im sechsten Lebensjahr stellt sich die Beinachse annähernd gerade ein, und der Knicksenkfuß sollte sich dann aufrichten.

Nochmal in kurz:

  • In den ersten drei Lebensjahren haben fast alle Kinder Plattfüße und O-Beine
  • Gegen Ende des zweiten Lebensjahres gehen O-Beine in X-Beine über.
  • Bis zum Alter von etwa vier oder fünf Jahren haben Kinder einen Knicksenkfuß. Der Knicksenkfuß ist entwicklungsbedingt völlig normal.
  • Mit zunehmender Kräftigung der Fußmuskulatur bildet sich ein Senk(spreiz)knickfuß meist von selbst zurück.
  • Im sechsten Lebensjahr stellt sich die Beinachse annähernd gerade ein, und der Knicksenkfuß sollte sich dann aufrichten.

Den Kinderfüßen kann man unterstützend auch mit Fußgymnastik auf die Beine helfen – und damit Einlagen vermeiden.

Zu guter Letzt: Kinder müssen toben dürfen. Durch das unterschiedliche Beschleunigen, Abbremsen, Hüpfen, Springen, Rennen wird die Muskulatur trainiert. Das Wichtigste ist ganz einfach: Bewegung! Am besten auch „barfuß“ – geschützt mit den leguanito-Barfußschuhen für Kinder.

Was tun bei einer tatsächlichen Fehlstellung?

Sorge müssen Eltern dann eigentlich erst haben, wenn sich die Fuß- und Beinstellung mit etwa 7 bis 8 Jahren nicht langsam bessert. Oder eine wirklich extreme Form feststeht. In aller Regel wird das aber vom Kinderarzt oder in der Fußorthopädie thematisiert und weitere Maßnahmen – wenn nötig – besprochen und eingeleitet.

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Folge 2

Fußfehlstellungen

Diese Tatsache, daß der Mensch zur Fortbewegung nur zwei Beine hat, daß sein ganzes Gewicht auf diesen beiden Beinen, letzten Endes auf den zwei Füßen lastet und daß zur Erhaltung des Gleichgewichts bei allen Bewegungsarten die kleine Grundfläche der Füße ausreicht, zeigt schon, daß diese Füße eine außerordentlich komplizierte Kombination von Festigkeit, Elastizität, Beweglichkeit und Empfindungsvermögen darstellen.

Es leuchtet ohne weiteres ein, daß schon zur Erfüllung dieser soeben angedeuteten, rein technischen Erfordernisse der Füße ein großer Teil des gesamten Körpers beitragen muß. Dementsprechend müssen aber auch formale oder funktionelle Veränderungen an den Füßen ihre Rückwirkungen auf den Gesamtorganismus in teilweise schweren Störungen zum Ausdruck bringen.

Um einen Schritt gehen zu können, sind einige hundert Muskeln mit Sehnen und Knochen in Bewegung. Der ganze Körper, mit Ausnahme des Kopfes, der die Laufrichtung beibehält, dreht sich bei einem Schritt mit.

Beim Gehen wirkt das Längs- und Quergewölbe beim Auftreten wie eine Federung. Durch die Fuß-Senkung wird der Fuß etwas länger, was insbesondere beim „Schuhkauf“ unbedingt beachtet werden muss. Bei Übergewicht werden die Fußgewölbe flach gedrückt was die Federwirkung beeinträchtigt.

Bild: © altanaka / Fotolia

Fußfehlstellungen wie der Hallux valgus sind längst zur Volkskrankheit geworden. Vor allem Frauen zwängen sich aus modischen und gesellschaftlichen Gründen häufig in viel zu enges Schuhwerk. Die Folge sind schmerzhafte Verformungen des Fußes und der Zehen. Der Grundstein für Fußfehlstellungen wird oft allerdings bereits im Kindesalter gelegt – mit schwerwiegenden Langzeitfolgen. Unser Ratgeber erklärt, worauf Eltern achten müssen und was für Kinderfüße am besten ist.

Barfußlaufen ist für Kinderfüße am besten

Kinderfüße müssen erst noch eine starke Fußmuskulatur aufbauen. Dafür laufen sie am besten so viel wie möglich barfuß: So erkunden sie ihre Umwelt wortwörtlich „hautnah“, stärken ihre Muskeln und trainieren ihr Koordinationsvermögen. Der Orthopäde Dietrich Bornemann erklärt in diesem Artikel, dass drinnen auch Stoppersocken in Ordnung sind. „Draußen sollten es – wenn überhaupt – leichte, atmungsaktive Schuhe sein“. Doch gerade im Sommer am Strand oder auf der Wiese ist das Barfußlaufen ebenfalls die beste Variante.

Schuhe müssen stets groß genug sein

Irgendwann jedoch kann man Kinder nicht mehr nur barfuß laufen lassen – dafür sind die Verletzungsrisiken in der Stadt zu hoch und die Temperaturen im Winter zu kalt. Doch welches Schuhwerk ist das richtige? Während die Auswahl an gesunden Schuhen für Erwachsene bei Anbietern wie Avena riesig ist, findet man bei Kinderschuhen in vielen Geschäften lediglich verlässliche Informationen über die Größe. In unserem ausführlichen Ratgeber zum „ersten Schuh“ haben wir bereits erklärt, worauf es beim Kauf ankommt: So spielt neben der Länge auch die Breite der Kinderfüße eine wichtige Rolle. Sie sollten im Schuhgeschäft ausgemessen werden, um einen wirklich passenden Schuh zu finden. Laut Bornemann seien „etwa eineinhalb Zentimeter Platz nach vorne“ ideal. Da Kinderfüße sehr schnell wachsen, sind die Eltern in der Pflicht: Die Schuhe sollten regelmäßig auf Passgenauigkeit überprüft werden.

Was tun bei angeborenen Fußfehlstellungen?

Doch nicht alle Fußfehlstellungen entstehen erst während der Wachstumsphase: So können Plattfüße auch angeborenen sein. Wenn Eltern selbst eine Fehlstellung vererbt bekommen haben, sollten sie frühzeitig auf Unregelmäßigkeiten bei ihrem Kind achten. Gemeinsam mit einem Orthopäden oder bei der Physiotherapie können Kinder Übungen erlernen, die die Fußmuskulatur stärken. Darunter fallen etwa das Aufheben von Gegenständen mit den Zehen oder das Laufen auf den Hacken oder Zehenspitzen. Laut diesem Artikel auf kassel-orthopaeden.de können in seltenen Fällen bei angeborenen Plattfüßen auch Operationen notwendig sein.

Was ist der kind­liche Knick-Senk­fuß?

Bis zu einem gewissen Grad tritt der kindliche Knick-Senkfuß als normale (physiologische) Erscheinung auf, wenn das Kind gerade Laufen gelernt hat. Da der kindliche Fuß in den ersten Lebensjahren aber sehr flexibel ist und noch wächst, korrigieren sich die meisten Knick-Senkfüße später von selbst. Nur bei sehr wenigen Kindern bildet sich diese Deformität auch bis zum Schulalter nicht zurück und kann sich sogar verschlimmern. Der Übergang zum behandlungsbedürftigen (pathologischen) Knick-Senkfuß ist dabei fließend.

Welche Ursachen gibt es?

Ursache des Knick-Senkfußes ist häufig eine Sehnen- und Bandschwäche des Fußgewölbes. Er kann aber auch durch eine Muskelschwäche oder durch X- beziehungsweise O-Beine verursacht werden. Außerdem begünstigt Übergewicht die Verformung des Fußgewölbes.

Die gleiche Fußform kann auch nach Unfällen, Entzündungen und Knochenerkrankungen sowie durch Lähmungen – insbesondere wenn der hintere Schienbeinmuskel betroffen ist – und andere neurologische Erkrankungen entstehen.

Woran erkennt man den kindlichen Knick-Senkfuß?

Der kindliche Knick-Senkfuß verursacht selten Beschwerden. Den Eltern fällt die Fußfehlstellung in der Regel auf, wenn sie ihr Kind beim Laufen beobachten. Oft sind die Schuhsohlen durch die Fehlstellung der Füße am Innenrand besonders abgenutzt.

Ein kindlicher Knick-Senkfuß kann die Ursache für eine Beinfehlstellung sein: Die Beine geraten durch die Fußfehlstellung in eine Schieflage, es kommt zu sogenannten X-Beinen. Diese Fehlstellungen sind im Alter zwischen zwei und fünf Jahren weitestgehend normal. Meist verschwinden sie auch von selbst wieder, noch bevor die betroffenen Kinder das Schulalter erreichen.

Betroffene Erwachsene klagen gelegentlich über Schmerzen zum Beispiel beim Gehen.

Welche Untersuchungen sind erforderlich?

Grundlage der Diagnostik ist eine genaue Untersuchung der Füße im Gehen, Stehen und Liegen. Dabei achtet der Arzt besonders auf das Gangbild des Kindes. Je nach Alter unterscheidet sich der normale Grad der Fersenabknickung. Zwischen dem zweiten und dem fünften Lebensjahr ist dieser sogenannte Pes valgus (X-Fuß) besonders ausgeprägt.

Für die weitere Differenzierung und zur Einschätzung des Schwergrades prüft der Arzt die Fußstellung im Zehenspitzenstand und die Beweglichkeit der Fußgelenke. Beim physiologischen Knick-Senkfuß wird sowohl die Abknickung der Fersen als auch die Abflachung des Fußgewölbes im Zehenspitzenstand ausgeglichen. Bei den seltenen schweren Formen, die mit einer Bewegungseinschränkung der Fußgelenke einhergehen können, ist eine Röntgenuntersuchung erforderlich.

Wie wird der kindliche Knick-Senkfuß behandelt?

In den meisten Fällen ist keine besondere Behandlung erforderlich. Man kann nicht abschätzen, ob sich die Fußdeformität im Laufe des Wachstums nicht von alleine wieder zurückbildet. Deshalb operiert man die jungen Patienten in der Regel nicht, sondern setzt den Schwerpunkt der Therapie auf die gymnastischen Übungen der Füße. Das kann zum Beispiel spielerisches Greifen mit den Zehen und der Zehenspitzenstand sein.

Bequeme, flexible Schuhe und Barfußlaufen kräftigen die Fußmuskulatur ebenfalls. Nur bei schweren Formen des Knick-Senkfußes sind das Tragen von stabilisierenden und korrigierenden Schuh-Einlagen und gegebenenfalls eine zusätzliche krankengymnastische Behandlung erforderlich.

In seltenen Fällen, zum Beispiel bei starken belastungsabhängigen Schmerzen oder besonderen Grunderkrankungen, wird die Fehlstellung des Fußes operativ korrigiert.

Zur Vorbeugung eignet sich die Kräftigung der Fußmuskulatur durch Barfußlaufen und Laufen auf Naturboden. Auf bequemes, nicht funktionsbehinderndes Schuhwerk sollte geachtet werden.

Senkfuß bei Kindern: Kein Grund zur Sorge

Obwohl uns die Füße durchs Leben tragen, schenken wir ihnen meist wenig Aufmerksamkeit. Oft treten sie nur dann ins Bewusstsein, wenn sie Probleme machen – wie beim Senkfuß. Welche Ursache die Fußfehlstellung bei Kindern hat, erklärt Dr. Karin Riedl.
Wer gesunde Füße im Erwachsenenalter haben will, kann bereits in der Kindheit den Grundstein dafür legen. Wichtig ist es deshalb, Fehlstellungen rechtzeitig zu erkennen und – wenn notwendig – auch zu behandeln. Eine davon ist der Senkfuß.

Abgeflachtes Längsgewölbe

Ein gesunder Fuß weist zwei Wölbungen auf: Das Längsgewölbe verläuft der Länge nach am Innenrand des Fußes, während sich das Quergewölbe im mittleren Fußbereich zwischen den beiden Außenkanten erstreckt. Ist das Längsgewölbe des Fußes bei Belastung abgeflacht und senkt sich nach unten, spricht man von einem Senkfuß. Ein Plattfuß liegt hingegen vor, wenn der Fuß auf der Innenseite überhaupt nicht mehr gewölbt ist und vollständig am Boden aufliegt. Er stellt somit die ausgeprägteste Form des Senkfußes dar.

Bei Kleinkindern ganz normal

Ein Senkfuß ist bei Kindern gar nicht selten zu beobachten: „Es kommt zwar auf das Alter an, aber generell tritt ein Senkfuß sehr häufig auf. Bis zum zweiten beziehungsweise dritten Geburtstag ist das Längsgewölbe meist besonders flach und auch bis zum abgeschlossenen sechsten Lebensjahr tritt ein Senkfuß häufiger als bei älteren Kindern oder Erwachsenen auf“, sagt Dr. Karin Riedl, Fachärztin für Orthopädie und orthopädische Chirurgie am Orthopädischen Spital Speising in Wien.

Kindliche Ursachen des Senkfußes

Warum das so ist, hat mehrere Gründe: Zum einen weisen Kinder noch ein dickes Fettpolster an der Fußsohle auf, sodass der Fuß abgeflacht aussieht. „Aber auch die vermehrte Einwärtsdrehung des Oberschenkelknochens drückt zusätzlich das Längsgewölbe hinunter“, fügt die Ärztin hinzu. Bis zum dritten Lebensjahr ist ein Senkfuß daher bei Kindern durchaus normal, denn solange bleibt der Fettpolster bestehen: „Es gibt zwar einen Graubereich, was die Definition betrifft, bei Kindern bis zum dritten Lebensjahr kann ein Senkfuß aber als physiologisch, also als nicht krankhaft, angesehen werden“, erklärt die Medizinerin. Die vermehrte Einwärtsdrehung des Oberschenkelknochens hingegen bildet sich meist bis zum zehnten bis zwölften Lebensjahr auf einen Normalwert zurück. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum ein Senkfuß bei Kindern noch kein Grund zur Sorge ist: „Kinder entwickeln nach Gehbeginn ein X-Bein, ein so genanntes Genu valgum. Das führt ebenfalls zur vermehrten Abflachung im Längsgewölbe“, so Riedl. Auch das sollte sich bis zum Schulalter allerdings zurückbilden. Sind Eltern dennoch besorgt, so ist ein Facharzt für Orthopädie aufzusuchen.

Kombination mit Knickfuß

Ein Senkfuß tritt aber meist nicht alleine, sondern in Kombination mit einem Knickfuß auf. Bei diesem Knick-Senkfuß ist nicht nur das Längsgewölbe abgeflacht, sondern auch der Fersenvalgus verstärkt – die Ferse kippt nach innen. „Speziell bei jüngeren Kindern findet sich meistens ein Knick-Senkfuß, der durch die physiologische Beinachsen- und Rotationsentwicklung bedingt ist. Andere Ursachen können neuromuskuläre Erkrankungen, Band- oder Bindegewebsschwächen, aber auch Übergewicht oder eine familiäre Veranlagung sein“, erklärt die Fachärztin.

Senkfuß verursacht meist keine Beschwerden

Die gute Nachricht ist: Die Fehlstellung verursacht meistens keine Beschwerden. „Betroffene haben oft auch später im Jugendalter keine Schmerzen. Liegt ein starker Knick-Senkfuß vor, können jedoch belastungsabhängige Schmerzen auftreten“, erklärt die Ärztin. Oft hängen die Beschwerden auch davon ab, um welche Form der Fußfehlstellung es sich handelt. Ein flexibler Knick-Senkfuß verursacht selten Beschwerden, die Prognose ist also gut. Das Kind ist hier in der Lage, in den Zehenstand zu gehen, wobei sich das Fußgewölbe aufrichtet. „Ein kontrakter Knick-Senkfuß hat nicht die Möglichkeit, sich selbst aufzurichten. Hier liegt oft eine tarsale Koalition zugrunde, also eine angeborene Verbindung von Fußwurzelknochen, die im Laufe des Wachstums verknöchert und operativ behandelt werden muss“, sagt die Medizinerin.

Einlagen oder Operation

Doch wie sieht die Therapie überhaupt aus? Riedl antwortet: „Diese hängt vom Alter des Kindes und von der Schwere der Fehlstellung ab. Vor dem dritten Lebensjahr ist eine Behandlung meist nur in Ausnahmefällen notwendig. Vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr kann meist zugewartet werden, wenn das Kind keine Beschwerden hat und es sich um einen flexiblen Knick-Senkfuß handelt. Bei massiven Ausprägungen macht eine Versorgung mit Einlagen allerdings Sinn. Eine Einlage beeinflusst zwar die Entwicklung des Längsgewölbes nicht, bringt aber den Fuß in eine günstigere Ausgangssituation, also eine gesunde Position, sodass es nicht zu Beschwerden kommt.“ In seltenen Fällen reicht das aber nicht aus. Bei einem schmerzhaften oder stark ausgeprägten Knick-Plattfuß ist im Alter von zirka zehn Jahren ein minimal-invasiver Eingriff – eine so genannte Calcaneus-Stopp-Schraube – möglich. Dabei wird eine kleine Schraube eingebracht, die den Fuß in der richtigen Position hält. Es ist lediglich ein Hautschnitt von einem bis eineinhalb Zentimetern erforderlich. Pro Fuß dauert der Eingriff zirka zehn Minuten. „Die Schraube bleibt zwei bis drei Jahre im noch wachsenden Kinderfuß. Wird sie dann entfernt, übernimmt der Fuß die neue Position“, erklärt Riedl.

Barfuß gehen stärkt die Fußmuskulatur

Empfehlenswert ist zudem regelmäßige Fußgymnastik, sobald das Kind dazu in der Lage ist. Eine einfache Übung etwa ist, im Einbeinstand zu balancieren. Dabei muss man das Gewicht ständig ausgleichen, was jene Fußmuskeln aktiviert, die das Längsgewölbe heben können. „Ich empfehle aber auch allen Eltern, dass sie ihre Kinder möglichst viel barfuß gehen lassen und zwar nicht am glatten Parkett, sondern in der Wiese oder im Sand“, sagt die Ärztin.
MMag. Birgit Koxeder-Hessenberger
November 2013
Foto: Bilderbox

‌ Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015

Kindlicher Plattfuß

Die Korrektur mit Hilfe von Spezial-Schuhwerk oder Einlagen ist in der Mehrzahl der Fälle nicht vonnöten, erklären Wissenschafter der Universität Wien.

Der sogenannte Plattfuß zeichnet sich durch eine Verformung der Fußknochen aus: Das Fußgewölbe ist durchgetreten und die gesamte Fußfläche liegt im Extremfall auch ohne Belastung auf dem Untergrund auf. Während eine derartige Fehlstellung bei Erwachsenen auf jeden Fall einer Korrektur bedarf, sollten kindliche Plattfüße niemanden aus der Ruhe bringen. Denn bei Heranwachsenden erübrigt sich das Problem mit der Zeit oft von selbst, wie Wiener Forscher in einer aktuellen Untersuchung belegen.

Maßnahmen oft sinnlos und teuer

Orthopäde Martin Pfeiffer und seine Kollegen von der Medizinischen Universität Wien konnten in einer Studie mit 835 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren zeigen, dass eine äußere Korrektur des Plattfußes in diesem Alter – etwa durch spezielle Einlagen oder orthopädische Spezialschuhe – wenig Sinn macht. „Kinder mit dem typischen flexiblen Plattfuß sollten nicht mit einer derartigen Korrektur belastet werden. Diese Maßnahmen sind oft nicht nur nutzlos, sondern auch teuer für Eltern und Gesundheitssystem“, so Pfeiffer. Außerdem gibt es den Forschern zufolge Anzeichen dafür, dass ein vorschnelles Korrigieren der Fußfehlstellung diese sogar verschlechtern könnte. Der Grund: Durch die „Unterstützung“ von außen werde das gesunde Muskelwachstum im Fuß gehemmt.

Selbsttest bringt Sicherheit

Laut dem Wiener Experten kommen alle Kinder mit flachen Fußsohlen zur Welt – das Gewölbe entwickelt sich dann innerhalb der ersten Lebensjahre von selbst. Vorsicht sei nur dann geboten, wenn der Plattfuß beim Heranwachsenden so deutlich ausgeprägt ist, dass er kaum mehr Flexibilität zulässt. Ein einfacher Test ermöglicht eine Einschätzung: Wenn das Kind die große Zehe nach vorne streckt oder auf den Zehenspitzen steht, sollte sich das Fußgewölbe in jedem Fall abzeichnen. Ist dies nicht der Fall, sollte der kindliche Plattfuß sehr wohl korrigiert werden, rät Pfeiffer. Ansonsten drohen Schmerzen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit.

Gewicht und Geschlecht als Risikofaktoren

Derartig ausgeprägte Plattfüße seien bei Heranwachsenden aber selten, so der Forscher. Unter den untersuchten Kindern fand sich nur ein Prozent mit einer solchen Fehlstellung. Ein flexibler Plattfuß wurde dagegen bei 44 Prozent der Kinder festgestellt. Burschen und Mädchen dürften übrigens auf unterschiedlich flachem Fuße leben: Die jungen Männer haben den Wissenschaftern zufolge mehr als doppelt so oft Plattfüße wie ihre weiblichen Altersgenossinnen. Und auch der Babyspeck fällt ins Gewicht und drückt auf den Fuß: Übergewichtige Kinder sind dreimal so oft von Plattfüßen betroffen wie normalgewichtige.

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Aktualisiert am: 18.08.2006 | 10:23

Reuters Health; Pediatrics

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Plattfuß (Pes Planus)

Letzte Änderung: 18.04.2019
Zuletzt bearbeitet von Till von Bracht • Medizinredakteur Dieser Artikel wurde nachNach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst.

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Plattfüße sind deutlich zu erkennen: Das Fußgewölbe ist durchgetreten, sodass der Plattfuß stark (sog. Senkfuß) oder sogar vollständig am Boden aufliegt. Zwar haben relativ viele Menschen Plattfüße – aber in nur wenigen Fällen verursachen sie Schmerzen und müssen behandelt werden.

© iStock

Inhaltsverzeichnis

  • Überblick
  • Ursachen
  • Symptome
  • Diagnose
  • Therapie
  • Verlauf
  • Vorbeugen
  • Quellen

Was ist ein Plattfuß?

Der Begriff Plattfuß (Pes planus) bezeichnet eine spezielle Fußfehlstellung. Dabei fehlt die Längswölbung des Fußes – das heißt, der Fußinnenrand liegt auf dem Untergrund auf. Im Gegensatz zum Knick-Senkfuß, bei dem ein ähnliches Fußbild vorliegt, ist der Plattfuß dauerhaft in seiner Form verändert und richtet sich auch im unbelasteten Zustand nicht wieder auf.

Es gibt verschiedene Formen von Plattfüßen:

  • Angeborener Plattfuß: Diese auch als Tintenlöscherfuß oder Schaukelfuß bezeichnete Fußfehlbildung besteht von Geburt an und kann unbehandelt die spätere Gehfähigkeit beeinträchtigen.
  • Erworbener Plattfuß: Diese Form der Fußfehlstellung entsteht erst im Laufe des Lebens und kann, je nach Ausprägung, häufig unbehandelt bleiben.

© iStock Fußabdruck und Profil können Hinweise darauf geben, ob eine Fußfehlstellung vorliegt. ×

Der erworbene Plattfuß erscheint meistens am Knöchel nach außen abgeknickt (Knickfuß), was den normalen Gang gewöhnlich aber nicht beeinträchtigt.

Plattfüße bei Kindern

Kinder haben häufig einen sogenannten kindlichen Plattfuß beziehungsweise Knick-Senkfuß. Dieser wird auch physiologischer Plattfuß genannt und ist normal in der Wachstumsphase. Diese Art der Plattfüße entsteht durch das bei Kindern noch nicht vollständig entwickelte Skelett. Der kindliche Knick-Senkfuß hat Ähnlichkeit mit dem Plattfuß des Erwachsenen, bildet sich aber gewöhnlich von selbst zurück. In einigen Fällen kann er jedoch in einen erworbenen Plattfuß übergehen.

So entsteht ein Plattfuß

Ursache für Plattfüße sind Fehlentwicklungen des Fußskeletts: Der gesunde Fuß ist im Gegensatz zum Plattfuß am Innenrand in Längsrichtung gewölbt. Diese Längswölbung führt dazu, dass der gesunde Fuß etwa einen Finger breit vom Boden abgehoben ist. An dieser Wölbung sind Muskeln und Bänder beteiligt. Durch das verformte Fußskelett senkt sich der Plattfuß ab und die Ferse steht höher (Fersenhochstand).

Je nachdem, ob der Plattfuß angeboren oder erworben ist, kommen verschiedene Ursachen für diese Fehlentwicklung infrage.

Angeborener Plattfuß

Der angeborene Plattfuß tritt teilweise familiär gehäuft auf, weshalb erbliche Ursachen infrage kommen. Außerdem tritt diese Verformung oft zusammen mit anderen Fehlbildungen auf, wie der Spina bifida (offener Rücken) oder Missbildungen am Skelett (Hüftverrenkungen, Klumpfuß der gegenüberliegenden Seite).

Erworbener Plattfuß

Der erworbene Plattfuß beziehungsweise Senkfuß entsteht, wenn der Halteapparat des Fußes überlastet ist. Eine angeborene Bindegewebsschwäche kann das verstärken: Die Bänder und Muskeln, die das Längsgewölbe aufrechthalten, sind nicht effizient genug und können das Gewölbe nicht stützen. Das Fußskelett gibt schließlich der Körperlast nach. Oft besteht zunächst ein (im Rahmen der normalen Entwicklung auftretender) kindlicher Plattfuß beziehungsweise Knick-Senkfuß, aus dem sich dann im weiteren Verlauf ein erworbener Plattfuß entwickelt.

Übergewicht begünstigt die Entwicklung von Plattfüßen.

Ein erworbener Plattfuß kann auch durch andere Faktoren entstehen: So kann falsches Schuhwerk für Plattfüße mitverantwortlich sein, wenn Füße und Zehen in den Schuhen nicht ausreichend Bewegungsfreiheit haben. Außerdem halten Schuhe Reize vom Fuß fern, die sonst die Muskulatur aktivieren und trainieren.

Weitere Ursachen können sein:

  • entzündliche Prozesse (z.B. bei Arthritis)
  • Verletzungen (durch einen Unfall usw.)
  • eine Arthrose im Fußgelenk

Bei älteren Menschen entstehen Plattfüße beziehungsweise Senkfüße häufig auch durch eine krankhaft veränderte Unterschenkelsehne (Tibialis-posterior-Sehne): Ist die Sehne lebenslang mechanisch stark beansprucht, bildet sie sich häufig zurück, was bei stärkerer Ausprägung zu den für einen Plattfuß typischen Symptomen führen kann.

Plattfuß: Symptome

Plattfüße sind gekennzeichnet durch eine veränderte Fußstellung, die schon äußerlich sichtbar ist: Der Plattfuß liegt stärker als ein normaler Fuß (Senkfuß) oder vollständig am Boden auf.

In der Mehrzahl der Fälle bereitet ein Plattfuß keine Beschwerden, sodass auch die Gehfähigkeit in der Regel nicht eingeschränkt ist. Kommt es beim Plattfuß doch zu Beschwerden, hängen diese allerdings nicht von der Schwere der Fehlstellung (Senkfuß, zusätzlicher Knickfuß) ab.

© Wikimedia Commons Ein Plattfuß ist von außen meist gut zu erkennen: Das Fußgewölbe ist so stark durchgetreten, dass der Fuß gänzlich am Boden aufliegt. Beschwerden verursacht ein Plattfuß eher selten.

×

Mögliche Symptome können Schmerzen am Fuß sein: Diese treten an den Stellen auf, an denen die Fußknochen Kontakt mit dem Boden haben. Sind bestimmte Fußteile vermehrt belastet, können weitere Beschwerden auftreten: An diesen Stellen können mit der Zeit Druckgeschwüre entstehen, die dazu führen, dass die Betroffenen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr gehen können.

Plattfuß: Diagnose

Ein Plattfuß ist anhand der äußerlich erkennbaren Fußfehlbildung gut zu erkennen: Plattfüße liegen stärker als gesunde Füße oder sogar vollständig am Boden auf. Da die Füße von Babys noch nicht vollständig ausgebildet sind, ist ein angeborener Plattfuß bei Säuglingen schwerer zu erkennen.

Wenn – vor allem beim angeborenen Plattfuß – das Erscheinungsbild keine eindeutige Diagnose zulässt, kann eine Röntgenuntersuchung des Fußes weiterhelfen: Bestimmte knöcherne Veränderungen weisen deutlich auf einen angeborenen Plattfuß hin, da die Fußknochen in einem anderen Winkel zueinander stehen als beim gesunden Fuß.

Um festzulegen, ob und wie der Plattfuß behandelt werden sollte, bestimmt der Arzt außerdem den Schweregrad der Fußfehlbildung:

  • Ein leichter Plattfuß vom Schweregrad 1 ist flexibel, was bedeutet: Der Arzt kann die Fehlstellung bei der Untersuchung mit den Händen (passiv) korrigieren und der Betroffene kann den Fuß selbstständig (aktiv) aufrichten; die Achillessehne ist normal lang.
  • Auch ein Plattfuß vom Schweregrad 2 ist noch recht flexibel: Man kann ihn passiv korrigieren, die Achillessehne ist jedoch leicht verkürzt.
  • Plattfüße vom Schweregrad 3 sind in ihrer Fehlstellung stärker fixiert – das heißt, dass man die Fehlstellung passiv nur teilweise korrigieren kann, die Achillessehne ist verkürzt und der hintere Teil des Fußes zeigt nach außen (Valgusstellung: Knickfuß).
  • Auch Plattfüße vom Schweregrad 4 sind in ihrer Fehlstellung teilweise fixiert, sodass es nur schwer möglich ist, sie passive zu korrigieren; die Achillessehen ist verkürzt, der hintere Fußteil zeigt nach außen und der vordere Teil des Fußes ist abgespreizt.
  • Bei einem Plattfuß vom Schweregrad 5 ist es nicht möglich, die Fehlstellung zu korrigieren; die Ferse steht hoch, am Fußinnenrand ragt der Sprungbeinkopf deutlich hervor und der Vorderfuß ist dauerhaft so abgespreizt, dass der innere Fußrand gehoben und der äußere abgesenkt ist.

© Okapia Ein Plattfuß im Röntgenbild ×

Plattfuß: Therapie

Solange keine Beschwerden bestehen, muss ein erworbener Plattfuß nicht behandelt werden. Kommt es aber zu Schmerzen, ist eine Therapie sinnvoll. Dabei ist es wichtig, das Fußgewölbe besser zu stützen und die Belastung zu verteilen.

Hilfreich sind krankengymnastische Übungen, um die Unterschenkel- und Fußmuskulatur zu stärken. Außerdem gibt es speziell gefertigte Einlagen für Plattfüße. In schwereren Fällen können spezielle maßangefertigte Schuhe nötig sein.

© iStock Krankengymnastik kann bei Plattfüßen helfen.

Ein erworbener Plattfuß kann auch operiert werden, das ist nur dann nötig, wenn die Beschwerden durch eine konservative (d.h. nicht-operative) Behandlung nicht behoben werden können, zum Beispiel wenn sich eine Arthrose im Fuß gebildet hat. Ziel der operativen Therapie ist es, das untere Sprunggelenk zu entlasten (subtalare Arthrodese).

Steckt hinter dem erworbenen Plattfuß eine andere Ursache (z.B. Arthritis), sollte die Grunderkrankung mitbehandelt werden. Ist beispielsweise die Tibialis-Sehne entzündet, werden örtlich entzündungshemmende Salben oder andere Medikamente eingesetzt.

Wenn ein Plattfuß schon bei der Geburt vorliegt, sollte dieser möglichst schnell operiert werden. Bleibt ein angeborener Plattfuß zunächst unbehandelt, kann später eine langwierige Nachbehandlung mit Gipsverband, Nachlagerungsschalen, Innenschuhen und Einlagen nötig werden. Ist das Wachstum abgeschlossen, die Füße aber immer noch fehlgestellt, ist es möglich, dies durch eine weitere Operation zu korrigieren. Dabei werden bestimmte Fußanteile versteift (sog. Arthrodese).

Plattfuß: Verlauf

Ein angeborener Plattfuß kann zwar unbehandelt die spätere Gehfähigkeit beeinträchtigen, kann aber durch eine Operation gut korrigiert werden. Ein erworbener Plattfuß bereitet auch im weiteren Verlauf meist keine Beschwerden und schränkt nicht ein. Sollte es doch zu Beschwerden kommen, ist ein Plattfuß meist einfach und erfolgreich therapierbar.

Plattfuß: Vorbeugen

Plattfüßen können Sie nicht direkt vorbeugen. Sie können jedoch das Risiko für Plattfüße gering halten, indem Sie Faktoren wie Übergewicht oder zu enge Schuhe vermeiden. Außerdem sollten Sie dafür sorgen, dass Ihre Kinder von Anfang an gute Schuhe tragen – dies beugt nicht nur Plattfüßen vor, sondern auch anderen Fußfehlstellungen.

Quellen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Plattfuß“:

  • Sonstige erworbene Deformitäten der Extremitäten
  • Angeborene Deformitäten der Füße

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: Mai 2017)

Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D.: Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013

Wülker, N.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Niethard, F.U. (Hrsg.): Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart 2009

Niethard, F.U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2009

Krämer, G.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2007

Letzte inhaltliche Prüfung: 15.10.2018
Letzte Änderung: 18.04.2019

Plattfuß

Plattfuß: Beschreibung

Im Gegensatz zu einem gesunden Fuß hat das Fußskelett beim Plattfuß keine Längswölbung. Es fehlt also die natürliche nach außen gerichtete Krümmung von der Ferse bis zum Vorderfußballen. Dadurch sinkt der innere Fußrand ab, sodass im Stehen die gesamte Fußsohle „platt“ auf dem Boden aufliegt.

Bei einem Plattfuß verschwindet aber meist nicht nur die Längswölbung. Je nach Form und Ausprägung kommen noch weitere Fehlstellungen des Fußskelettes dazu. So ist etwa der äußere Fußrand angehoben (Pronation). Die Achillessehne kann verkürzt sein und außerdem knicken die Ferse und der Vorfuß häufig zur Außenseite ab (Valgisierung beziehungsweise Abduktion). In solchen Fällen sprechen Mediziner deshalb auch von einem Knick-Plattfuß.

Eine Vorstufe des Plattfußes ist der Senkfuß. Auch bei dieser Form verliert das Fußskelett seine Längswölbung, allerdings liegt die Fußsohle noch nicht vollständig auf dem Boden auf.

Welche Formen eines Plattfußes gibt es?

Ein Plattfuß kann bereits von Geburt an bestehen, oder erworben sein, also erst im späteren Lebensverlauf auftreten. Die angeborene Form unterscheidet sich wesentlich von den erworbenen Typen, vor allem was deren Häufigkeit, Entstehung und Behandlung angeht.

Angeborener Plattfuß (Pes planus congenitus)

Der angeborene Plattfuß ist selten und tritt oft zusammen mit weiteren Fehlbildungen oder Erkrankungen auf. Es kann ein Fuß alleine oder auch beide betroffen sein. Bei den betroffenen Babys zeigt sich eine sehr stark ausgeprägte Fehlstellung am Fuß. So verliert er nicht nur seine natürliche Längswölbung, sondern ist an der Sohle sogar nach unten ausgewölbt.

Der Grund für diese Form des Plattfußes ist, dass bestimmte Fußwurzelknochen eine falsche Position haben. Das Sprungbein (Talus), das den Fuß mit dem Bein verbindet, steht zu steil und ist außerdem in Richtung der Innenseite und Sohle des Fußes verschoben. Somit kann das Sprungbein keine normalen Gelenkverbindungen mit anderen Fußwurzelknochen bilden. Die Steilstellung des Sprungbeins bezeichnen Mediziner auch als „Talus verticalis“.

Erworbener Plattfuß (Pes planus valgus)

Patienten mit einem erworbenen Plattfuß kommen zunächst mit einem gesunden Fußskelett auf die Welt und entwickeln erst später die Fehlstellung. Je nachdem, in welchem Alter sie auftritt, kann man verschiedene Typen eines erworbenen Plattfußes unterschieden:

  • erworbener, kindlicher Knick-Plattfuß: Er tritt etwa mit Beginn des Laufalters auf.
  • Adoleszentenplattfuß : entwickelt sich im Jugendalter.
  • Erwachsenenplattfuß: kann auch erst im späteren Lebensalter auftreten.

Den erworbenen, kindlichen Knick-Plattfuß darf man nicht mit dem natürlichen (physiologischen) Knick-Senkfuß im Kindesalter verwechseln: Kinder haben bis etwa zum sechsten Lebensjahr eine andere Beinstellung als Erwachsene. Weil ihre Oberschenkelknochen anders ausgerichtet sind, gehen sie leicht x-beinig, was sich auch auf die Fußstellung auswirkt. Ein vorrübergehender Knick-Senkfuß ist die Folge.

Das kräftige Längsgewölbe bildet sich erst zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr, wenn sich auch die Beinstellung normalisiert. Der erworbene, kindliche Knick-Plattfuß hat dagegen nicht-natürliche Ursachen und bleibt ohne Behandlung dauerhaft.

Mehr Ratgeber

Stand: 19.08.2019 17:03 Uhr – Visite Bild vergrößern Häufige Ursache für Fußschmerzen ist eine Schwächung der Tibialis-posterior-Sehne, die zum Plattfuß führen kann.

Ein gesunder Fuß ermöglicht das Stehen und Gehen durch die normale Fußform mit Längs-und Quergewölbe. Eine Fußfehlstellung kann sehr schmerzhaft sein: Bei einem Knick-Senkfuß, auch Plattfuß genannt, knickt der Rückfuß von vorne gesehen nach innen ab. Das Fußlängsgewölbe ist eingesunken. Ist die Fehlstellung nicht angeboren, tritt sie als sogenannte erworbene Erkrankung häufig bei Erwachsenen auf.

Fußschmerzen: Plattfuß erkennen und behandeln

Visite – 20.08.2019 20:15 Uhr Autor/in: Anna Schubert

Eine häufig übersehene Ursache für Fußschmerzen ist der Knick-Senkfuß, auch Plattfuß genannt. Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung.

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    Ursachen für einen Knick-Senkfuß

    Verantwortlich für die Fehlstellung ist eine Schwächung der Tibialis-posterior-Sehne (T-Sehne), die vom Unterschenkel bis in den Fuß zieht. Ihre Spannung hält das Fußlängsgewölbe im gesunden Fuß aufrecht. Der Knick nimmt wegen der im Alter schwächer werdenden Muskulatur zu, das Fußgewölbe sinkt ab und die Schmerzen im Rückfuß werden größer.

    Die Entstehung eines Knick-Senkfußes begünstigen können:

    • Überlastung
    • unpassende Schuhe
    • wenig Training
    • Unfälle und Verletzungen
    • Diabetes
    • knöcherne Verwachsungen
    • familiäre Veranlagung

    Im Gespräch 05:18 Visite

    Was hilft beim Plattfuß?

    Visite

    Die Behandlung des Knick-Senkfußes, auch Plattfuß genannt, richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. Über Therapien informiert der Orthopäde Prof. Ralf Skripitz. Video (05:18 min)

    Plattfuß je nach Stadium richtig behandeln

    Nach Ansicht von Experten wird bei einem Knick-Senkfuß oft eine falsche Diagnose gestellt, zum Beispiel Fersensporn, Achillodynie oder auch Verschleiß im Sprunggelenk. Die geschwächte T-Sehne wird häufig übersehen. Dabei lassen sich die typischen Beschwerden gut behandeln – je nach Stadium des Knick-Senkfußes konservativ oder mit einer Operation,

    Therapie des Knick-Senkfußes

    Stadium Symptome Diagnose Therapie
    1 Schmerzen am Innenknöchel, Schwellung, Gelenk fühlt sich steif an eine Art Sehnenscheidenentzündung im Fuß konservativ = ruhigstellen, Physiotherapie, entzündungshemmende Medikamente
    2 Stand auf den Zehenspitzen fällt schwer oder schmerzt Ursachen für die Beschwerden sind im MRT sichtbar erst konservativ, wenn das nichts nützt, kann man versuchen, die Sehne zu operieren
    3 Fuß knickt weg Fehlstellung im Sprunggelenk, z. B. durch gerissene Sehne oder Arthrose im Gelenk OP bei Sehnenriss, Versteifung bei Arthrose

    Im akuten Stadium des Knick-Senkfußes sind Einlagen zu tragen, um den Fuß während der Entzündung zu entlasten und ruhig zu stellen. Nach dem akuten Stadium sollte man auf Einlagen verzichten, um die Fußsehnen zu trainieren. Als spezielle Form der Physiotherapie empfehlen Experten Übungen aus der Spiraldynamik.

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    Experten zum Thema

    Prof. Dr. Christina Stukenborg-Colsman, Chefärztin
    Department Fuß- und Sprunggelenkchirurgie
    Orthopädische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)
    Diakovere Annastift
    Anna-von-Borries-Straße 1-7
    30625 Hannover
    (0511) 535 42 42

    Prof. Dr. Ralf Skripitz, Chefarzt
    Zentrum für Endoprothetik, Fußchirurgie, Kinder- und Allgemeine Orthopädie
    Roland Klinik Bremen gGmbH
    Niedersachsendamm 72/74
    28201 Bremen
    (0421) 877 83 57
    www.roland-klinik.de

    Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Fussschmerzen-Plattfuss-erkennen-und-behandeln,plattfuss100.html

    Plattfuß (Pes planus): Was hilft bei der Fußfehlstellung?

    Plattfüßen beugt am besten ausreichend Bewegung vor – idealerweise barfuß, um die Muskeln zu trainieren. © iStock.com/scyther5

    Die menschlichen Füße sind komplex gebaute Wunderwerke der Natur: Rund 130.000 Kilometer legt ein Mensch durchschnittlich im Laufe seines Lebens auf ihnen zurück. Leider danken wir es ihnen nicht mit einer Extraportion Aufmerksamkeit, sondern riskieren mit ungünstigem Schuhwerk, einseitiger Belastung und zu wenig Bewegung die Entwicklung von Fußfehlstellungen. Sehr verbreitet ist der Plattfuß (Pes planus), der in geringerer Ausprägung auch Senkfuß genannt wird und häufig die Folge eines Knick- oder Knicksenkfußes ist. Experten schätzen, dass acht bis zehn Prozent aller Erwachsenen Plattfüße haben.

    Was versteht man unter einem Plattfuß?

    Bei einem Plattfuß ist das Fußlängsgewölbe vollständig eingesunken. Das lässt sich gut bei einem Strandspaziergang erkennen: Während ein gesunder Fuß auf weichem Untergrund wegen seines intakten Längsgewölbes einen sichelförmigen Abdruck hinterlässt, gräbt sich bei einem Plattfuß die gesamte Fußsohle in den Sand. Beim Gehen ist ein Plattfuß meist nach innen eingeknickt (Knickfuß) und sein äußerer Rand leicht angehoben, sodass die Schuhsohlen an den inneren Schuhspitzen in der Regel am stärksten abgenutzt sind. Häufig ist dabei auch die Achillessehne verkürzt.

    Mediziner unterscheiden zwischen dem flexiblen und dem rigiden (kontrakten) Plattfuß: Nimmt der Fuß an seiner Innenseite eine normale Wölbung an, sobald sich der Patient auf die Zehenspitzen stellt, so spricht man von einem flexiblen Plattfuß; ist bereits die gesamte Fußsohle versteift, so ist von einem rigiden Plattfuß die Rede. Des Weiteren wird zwischen dem symptomatischen (schmerzhaften) und dem asymptomatischen (nicht-schmerzhaften) Plattfuß differenziert.

    Welche Symptome verursacht ein Plattfuß?

    Normalerweise haben Menschen mit schwach ausgeprägtem, erworbenem Plattfuß keine Schmerzen und können sich auf ihren Füßen ganz normal bewegen. Aufgrund der Fehlstellungen kann es aber im Laufe des Lebens zu weiteren Folgeerscheinungen kommen:

    • Fehlstellungen der Zehen
    • Druckstellen
    • Schwielen an den Fußsohlen
    • Hühneraugen
    • Fersenschmerzen
    • Probleme in anderen Gelenken, wie Knie, Hüfte oder Rücken
    • Gelenkverschleiß

    Bei einem gesunden Fuß federt das Längsgewölbe das Körpergewicht ab und sorgt für Schwung beim Gehen. Deshalb kann ein ausgeprägter Plattfuß die gesamte Körperstatik stören. Mit zunehmendem Alter treten bei Betroffenen oft Rücken- oder Knieprobleme auf. Schmerzen in den Fußsohlen, zum Beispiel unter der Ferse, sind ebenfalls häufig ein Symptom eines unbehandelten Plattfußes: Die Ansatzsehnen wichtiger Muskeln sind dann so stark überdehnt und strapaziert, dass das Laufen ohne spezielle orthopädische Schuheinlagen zur Qual werden kann. Auch Schmerzen, Schwellungen oder Entzündungen auf der Innenseite beider Fußknöchel sind möglich. Steht die Ferse schief, belastet das auch das Sprunggelenk sowie die dazugehörigen Sehnen und Bänder.

    Ein Plattfuß kann arthritische Beschwerden im Mittelfußgelenk verursachen. Oft sind auch die Zehengrundgelenke oder die Köpfe der Mittelfußknochen im Fußballen überbelastet. Es kann zu Zehenfehlstellungen kommen. Hornhaut und Hühneraugen am Fußballen können ebenfalls Folgen von Fußfehlstellungen wie dem Plattfuß sein.

    Wann muss man einen Plattfuß behandeln lassen?

    Ein angeborener Plattfuß wird heute in der Regel direkt nach der Geburt operiert und physiotherapeutisch behandelt.

    Bei einem erworbenen Plattfuß liegen die Dinge anders: Handelt es sich um einen flexiblen Plattfuß, der nur schwach ausgeprägt ist und keine Beschwerden verursacht, so ist eine orthopädische Therapie meist noch nicht notwendig. Um den richtigen Zeitpunkt für den Beginn einer Plattfuß-Behandlung nicht zu verpassen, sollten sich Menschen mit flacher werdendem Fuß aber so früh wie möglich bei einem spezialisierten Orthopäden vorstellen. Wird ein ausgeprägter Plattfuß dauerhaft nicht therapiert, kann er sich knöchern fixieren (rigider Plattfuß), sodass jegliche Behandlung nur noch schwer möglich ist. Für die Mobilisierung des Fußes mithilfe bestimmter Übungen und ein gezieltes Training ist es niemals zu früh.

    Wie kommt es zu einem Plattfuß?

    Jedes Kind wird mit scheinbar platten Füßen geboren: Die Fußgewölbe von Säuglingen sind mit einer Fettschicht gepolstert, die nach dem Laufenlernen allmählich verschwindet. Ein angeborener Plattfuß ist aber selten und tritt nur bei unter einem Prozent aller Geburten auf.

    Sehr viel häufiger als die Gene sind äußere Umstände Schuld an der Fußfehlstellung. Ob im Kindesalter oder im späteren Leben: zu wenig Bewegung, starkes Übergewicht, einseitige Belastung und ungünstiges Schuhwerk spielen bei der Entstehung eines Plattfußes eine wichtige Rolle. Hinzu kommt, dass unsere Füße auf asphaltierten Wegen und in Schuhen nicht ausreichend trainiert werden: Die Muskeln und Bänder, die das Fußgewölbe stützen, allen voran der tiefe Wadenmuskel (Musculus tibialis posterior), sind dadurch häufig zu schwach.

    Diagnose: Unterschied zwischen natürlichem und krankhaftem Plattfuß

    Der Orthopäde kann Plattfüße anhand ihres typischen Erscheinungsbilds diagnostizieren. Eine Röntgen-Untersuchung kann vor allem beim angeborenen Plattfuß genauen Aufschluss über die Form der Fußknochen geben.

    Dabei ist zu berücksichtigen, dass Babys und Kinder bis zum Alter von etwa sechs Jahren natürlicherweise mehr oder weniger stark ausgeprägte Plattfüße haben. Dabei handelt es sich jedoch um keine Fußfehlstellung, sondern um Fettgewebe, das nach und nach verschwindet. Dieser natürliche Plattfuß bei Kindern muss von einem krankhaften unterschieden werden.

    Wie lässt sich ein Plattfuß behandeln?

    Allgemein unterscheidet man zwischen aktiven und passiven Therapieansätzen. In die erste Kategorie fallen physiotherapeutisches Training und Fußübungen, die den Plattfuß mobilisieren, muskulär stabilisieren und den Gang verbessern. Passive Behandlungsmöglichkeiten sind zum Beispiel orthopädische Einlagen, Orthesen (Hilfsmittel, die Fuß, Knöchel oder Bein stabilisieren, entlasten oder ruhig stellen) sowie orthopädische Schuhe.

    Die meisten Orthopäden verschreiben bei einem Plattfuß maßangefertigte orthopädische Einlagen, die den Fuß stützen, stabilisieren und polstern, sodass Schmerzen beim Gehen verschwinden und Folgeschäden vorgebeugt wird. Es gibt allerdings Physiotherapeuten, die das kritisch sehen: Durch orthopädische Einlagen werde der Fuß nicht trainiert, sondern lediglich ruhig gestellt, sodass sich die Fehlstellung auf Dauer sogar verschlimmern könne.

    Neben passiven werden heute auch immer häufiger sogenannte aktivierende (sensomotorische) Einlagen gegen einen Plattfuß eingesetzt. Sie sollen Verspannungen und Schmerzen nachhaltig beseitigen, indem sie die Aktivität einzelner Muskeln oder Muskelgruppen bei der Fortbewegung oder im Stehen gezielt verändern und fördern. Während orthopädische Einlagen auf Rezept in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, ist das bei sensomotorischen Einlagen noch nicht der Fall.

    Ausgeprägte Plattfüße, durch die bereits Sehnen oder Gelenke in Mitleidenschaft gezogen sind und die man mit Übungen, Schuheinlagen und anderen Hilfsmitteln nicht mehr behandeln kann, müssen manchmal operiert werden, um weitergehende Deformationen zu verhindern. Bei dem Eingriff werden je nach Problemstellung zum Beispiel Sehnen versetzt oder das Fersenbein verschoben. Beim rigiden Plattfuß sind manchmal auch chirurgische Veränderungen an den Weichteilen des Fußes oder Gelenkversteifungen notwendig. Es handelt sich in der Regel um eine aufwendige Operation, nach der die Füße mehrere Wochen lang geschont werden müssen.

    Ist durch einen Plattfuß eine Sehne akut entzündet, so können entzündungshemmende Arzneimittel und ein Ruhigstellen des Fußes helfen. Oft müssen Betroffene für längere Zeit einen Gips tragen.

    Gibt es Übungen, die bei Plattfuß helfen und vorbeugen?

    Angeborenen Plattfüßen kann nicht vorgebeugt werden.

    Gute Schuhe, häufiges Barfußgehen und ein der Körpergröße angemessenes Gewicht können dazu beitragen, dass ein Plattfuß im Laufe des Lebens erst gar nicht entsteht.

    In einer Fußschule beziehungsweise bei einem Physiotherapeuten erlernen Sie individuell auf Ihre Füße und körperlichen Probleme abgestimmte Übungen, die einen Plattfuß und eine aus dem Lot geratene Körperstatik korrigieren und Ihren Gang optimieren.

    Was Sie tun können, um dem Plattfuß entgegen zu wirken

    Generell ist bei einem Plattfuß – wie bei jeder anderen Fußfehlstellung auch – jegliche Art der Mobilisierung sinnvoll. Die folgenden Maßnahmen und Übungen können Betroffene mit einem flexiblen Plattfuß zu Hause ausprobieren. Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie vorab mit Ihrem behandelnden Arzt Rücksprache halten.

    • Barfußlaufen: Beim Gehen ohne Schuhe auf unterschiedlich beschaffenen Untergründen werden alle Fußmuskeln trainiert; Muskeln, Bindegewebe und Faszien der Fußsohle bleiben dadurch elastisch und kräftig. Von Kindesalter an sollte man also so oft es geht barfuß oder in (Stopper-)Socken herumlaufen. Wer aus hygienischen, gesundheitlichen oder ästhetischen Gründen Schuhe tragen muss, kann sich spezielle Barfußschuhe mit einer sehr dünnen, flexiblen Sohle kaufen.
    • Fußreflexzonenmassage: Nehmen Sie im Sitzen einen Fuß auf den Oberschenkel des anderen Beines und akupressieren Sie mit Ihren Daumen kräftig alle weichen Teile und Reflexzonen der jeweiligen Fußsohle.
    • Faszienmassage: Rollen Sie mit leichtem Druck einen kleinen, harten Flummi unter Ihren nackten Fußsohlen hin und her. Das pflegt und dehnt die Bindegewebshüllen der Muskeln (Faszien). Nach und nach sollte die gesamte Fußsohle bearbeitet werden.
    • Fußgymnastik: Die im Folgenden beschriebenen Übungen können die Fußmuskulatur auf einfache Art und Weise trainieren und mobilisieren. Selbstverständlich sind sie kein Ersatz für individuell zusammengestellte und vom Physiotherapeuten kontrollierte Plattfuß-Übungen.

    Einfache Übungen zur Fußgymnastik

    Im Stehen:

    • Wechseln Sie barfuß von den Zehenspitzen auf die Fersen und wieder zurück.

    Im Stehen oder Sitzen:

    • Üben Sie, mit Ihren Zehen Dinge aufzuheben (zum Beispiel ein Stofftaschentuch).

    Im Sitzen:

    • Nehmen Sie einen Tennisball zwischen Ihre beiden Fußsohlen und heben Sie ihn an.
    • Legen Sie Ihre Zehen auf einen Tennisball (die Ferse bleibt auf dem Boden). Drücken Sie mit den Zehen und dem Vorfuß kräftig gegen den Ball, ohne ihn wegzustoßen.
    • Legen Sie einen Tennisball auf den Boden und stellen Sie Ihren Plattfuß dahinter auf. Rollen Sie den Ball dann mithilfe Ihres anderen Fußes auf den Fußrücken herauf und wieder hinunter.
    • Balancieren Sie einen Tennisball auf Ihrem Fußrücken, indem Sie Ihre Zehenspitzen zum Bein ziehen und Ihren Fuß langsam von Untergrund abheben.

    Alle beschriebenen Plattfuß-Übungen sollten ohne Schuhe und jeweils hintereinander mit beiden Füßen durchgeführt werden. Bei der Übungsdauer können Sie sich nach Ihrer Kondition richten und mit der Zeit Ihr Pensum langsam steigern.

    Die sieben häufigsten Fußbeschwerden

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