Pille für den mann kosten

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Das Problem? Verhütung bleibt zu 80 Prozent an Frauen hängen.
Die Lösung: Ein Forscherteam aus Oregon ist bei der Entwicklung einer neuartigen Pille für den Mann einen großen Schritt weitergekommen.

Davon träumen Frauen seit Jahrzehnten: Dass es endlich die Männer sind, die die Pille nehmen. Oder dass Frau und Mann wenigstens gleichberechtigt Verantwortung übernehmen und sich bei der Verhütung abwechseln. Vielversprechende Ansätze gibt es schon lange; immer wieder hieß es, die Pille für den Mann komme bald, und immer wieder wurde dann doch nichts daraus.

Nun hat ein Forscherteam am Oregon National Primate Research Centre eine Studie veröffentlicht, die erstmals das Potenzial einer neuartigen Verhütungsmethode bestätigt.

Meistgelesen diese Woche:

Die Forscher von Eppin Pharma testeten das neue Medikament EP055 erfolgreich an Rhesusaffen. Vereinfacht ausgedrückt zerstört es ein Protein auf der Oberfläche der Spermien: „Das Medikament beeinträchtig die Fähigkeit der Spermien zu schwimmen und damit kommen sie nicht mehr ans Ziel“, erklärt Studienleiter Michael O’Rand. „Das macht EP055 zu einem idealen Kandidaten für die nicht-hormonelle männliche Verhütung.“ Die Zeugungsfähigkeit der Affen in der neuen Oregon-Studie war nach 18 Tagen komplett wieder hergestellt. Nun geht es in die nächsten Testrunden. „Die Ergebnisse zeigen, dass es ein starkes Potenzial hat, als Verhütungsmittel für den Mann eine kurzfristige, reversible Alternative zu Kondomen und Sterilisation zu werden“, werben die Forscher für ihr Projekt.

Bisher gab es für Männer im Wesentlichen die Alternativen Kondom oder Sterilisation. An Versuchen, die Antibaby-Pille für den Mann zu entwerfen, mangelt es nicht, aber das Experiment von Oregon ist deshalb so vielversprechend, weil die meisten Experimente bisher den gesamten Hormonhaushalt attackierten. 2016 erzielten Forscher einen Durchbruch mit einer Verhütungsspritze, die die Spermien-Produktion verhinderte. Die ist zwar effektiv, führte aber teils zu schweren Nebenwirkungen wie Akne oder Stimmungsschwankungen, und bei fünf Prozent der Männer hatte sich die Samenproduktion auch ein Jahr nach der Spritze nicht wieder erholt. Ähnliche hormonelle Nebenwirkungen kennen zwar viele Frauen, die die Pille nehmen, aber der Weltgesundheitsorganisation waren die Risiken zu hoch, um die Erfindung weiterzuverfolgen.

Es stimmt schon, dass einige Experimente eher nach Folter klingen, und da sprechen wir noch nicht mal von den heißen Hodenbädern, die man im Mittelalter nahm und die durchaus die Spermienzahl verringern können; aber möchte Mann mit den Weicheiern dann noch Sex?

Ähnlich ungewöhnlich klingen manche Vorschläge aus der Gegenwart. Der Berliner Erfinder und gelernte Tischler Clemens Bimek hat sich Ventile in die Samenleiter setzen lassen, mit denen er den Nachschub an Spermien per Schalter kappen kann. Das Ding wiegt nur zwei Gramm, ist „nicht größer als ein Gummibärchen“, und hat den Vorteil, dass der Mann für seine Zeugungsfähigkeit nur einen Schalter umlegen muss. Bisher ist der Erfinder allerdings der einzige, der es trägt. Es müssen sich noch genügend Männer finden, die sich den Schalter zu Testzwecken einsetzen lassen, damit entsprechend überprüft werden kann, ob es zuverlässig funktioniert und keine Schmerzen, Narben oder Entzündungen zurücklässt.

Aber es gibt noch weitere zukunftsträchtige Ideen:

Auf der 100. Jahrestagung der amerikanischen Endocrine Society in Chicago haben Wissenschaftler der University of Washington in Seattle einen Wirkstoff aus synthetisch hergestellten Hormonen vorgestellt, den sie bereits erfolgreich an 100 Männern getestet haben: Demthandrolon-Undecanoat (DMAU) blockiert die Testosteron-Produktion in den Hoden und damit die Spermienproduktion. Außer einer geringen Gewichtszunahme und einer leichten Veränderung des Cholesterinspiegels stellte das Forscherteam keine Nebenwirkungen fest.

Andere Studien untersuchten Ouabain, eine Substanz, die der Körper in niedriger Dosis selbst produziert. Es stört den Natrium- und Kalziumhaushalt und heftet sich an ein Protein, das für die Fruchtbarkeit kritisch ist. Afrikanische Jäger nutzen es, um ihre Pfeile zu vergiften. In hohen Dosen verursacht es womöglich Herzschäden. Deshalb veränderten Forscher das natürliche Ouabain so, dass es weniger herzschädigend wirkt; die Zukunft des Mittels ist aber noch ungewiss.

JQ1, eigentlich als Hoffnung in der Krebsforschung gehandelt, blockiert ein Protein, das Männer zur Spermienproduktion brauchen und wurde unter anderem von Forschern des Baylor College of Medicine in Houston erfolgreich an Mäusen getestet.

In diesem Monat beginnen auch die klinischen Studien der gemeinnützigen Parsemus Stiftung für das Vasalgel, ein Kunststoffgel, das direkt im Samenleiter die Spermien so beschädigt, dass sie zu einer „Weiterfahrt“ nicht mehr imstande sind. Aber vielen Männern gruselt es beim Gedanken an eine Spritze in ihren Penis.

Ebenfalls in diesem Jahr startet ein internationaler Versuch mit 420 Paaren in Amerika, Chile, Kenia und Europa, mit einem Hormongel, das sich Männer täglich auf die Oberarme reiben und das die Spermienproduktion signifikant einschränken soll. Das Gel enthält zwei synthetische Hormone, Testosteron und eine Form von Progestin. Das Progestin blockiert das in den Hoden produzierte, natürliche Testosteron und damit die Spermienproduktion, das synthetische Testosteron soll die Hormone im Gleichgewicht halten. Die Versuche werden mindestens vier Jahre dauern, aber bei 89 Prozent der Männer reduzierte das Gel die Spermienzahl signifikant, bei 78 Prozent ganz.

Das vielleicht tragischste am aktuellen Stand der Forschung ist, dass Bayer 2006 alle Versuche für ein ziemlich erfolgversprechendes Verhütungs-Implantat bei Männern eingestellt hat. Funktioniert hätte es wohl schon, aber das eindeutige Urteil der Männer lautet, der Aufwand sei „zu unbequem“. Da sagen Millionen Frauen mit ihren Spiralen, Hormonschwankungen und Krampfadern: Ihr glaubt nicht wirklich, dass unsere Methoden bequem sind, oder?

Wir Frauen haben einfach ein größeres Interesse daran, nicht ungeplant schwanger zu werden. Praktisch gesehen sagen 80 Prozent der Frauen, Verhütung bleibe an ihnen hängen. Ganz ehrlich: Wenn Männer es wirklich wollten, gäbe es längst praktische Verhütungsmittel für sie. Wo ein Wille ist, ist auch eine Pille.

Anmerkung: In einer früheren Version enthielt der Text eine missverständliche Formulierung zum Vasalgel sowie zur Spritze, die bei dessen Anwendung eingesetzt wird. Beides wurde geändert.

Es gibt Neuigkeiten von der Verhütungs-Front: Kondom, Spirale und Antibabypille könnten sehr bald Verstärkung von einer neuartigen Pille für den Mann bekommen. Diese hat Forschern des Los Angeles Biomed Research Instituts zufolge erste wichtige Sicherheitstests bestanden.

Pille für den Mann: Spermienproduktion wird gedrosselt

Der erste Schritt in Richtung Markteinführung ist geschafft: So hatten die Wissenschaftler die Pille für den Mann – mit Namen 11-beta-MNTDC – an 40 gesunden Männern getestet, wie das Wissenschafts-Portal Sciencealert berichtete. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Pille (…) die Spermienproduktion unter Beibehaltung der Libido verringern wird“, nahm die Reproduktionsbiologin und Studienleiterin Dr. Christina Wang vom Los Angeles Biomedical Research Institute Stellung.

Nicht nur die Libido (also die Lust auf Sex) wurde nicht beeinträchtigt, auch andere männliche Geschlechtsmerkmale wie eine tiefe Stimme wurden von der Pille nicht in Mitleidenschaft gezogen, wie die Wissenschaftler erklärten. Auch eine Gewichtszunahme der Probanden wurde während des 28-tägigen Testzeitraums nicht beobachtet.

Lesen Sie auch: Sommerhitze kann Wirkung der Pille zerstören.

Weitere Studien zur Antibabypille für Männer in Planung

Einige wenige Männer berichteten allerdings von Müdigkeit, Kopfweh und leichter Libido-Veränderung, wie auch das britische News-Portal Mirror berichtete. Für eine hormonbasierte Arznei seien die Nebenwirkungen allerdings sehr leicht ausgefallen, wie die Wissenschaftler erklärten.

Ob die Pille für den Mann wirklich ein sicheres Verhütungsmittel werden kann, muss noch weiter getestet werden. Verlaufen die nächsten Studien auch positiv, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Pille für den Mann in rund 10 Jahren auf den Markt kommt.

Zur Studie

Video: Die Pille für Männer wurde endlich entwickelt – so funktioniert sie

Mehr zum Thema: Verhütung mit Pille – diese Veränderung soll Frauen in Zukunft das Leben erleichtern.

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jg

Wirksamer als Kondome?

Richard Anderson, Studienleiter und Professor für klinische Reproduktionswissenschaften an der University of Edinburgh, geht bereits jetzt davon aus, dass die Methode wirksamer als die Anwendung von Kondomen ist. „Wir wollen das Gel auf das Niveau der Pille bekommen, die eine sehr kleine Fehlerquote hat“, erklärt Anderson im Interview mit dem Guardian.

Bei korrekter Anwendung erreichen Kondome einen Pearl-Index von etwa zwei. Der Pearl-Index (PI) gibt an, bei wie vielen von 100 Frauen unter Benutzung einer einzigen Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres eine Schwangerschaft festgestellt wurde. Der PI von Kondomen bedeutet also, dass im Durchschnitt zwei von 100 Frauen, die ausschließlich mit Kondom verhüten, innerhalb eines Jahres schwanger werden. Zum Vergleich: Der Pearl Index der Antibabypille liegt zwischen 0,1 und 0,9.

Gel, Schale, Pumpe

Die männlichen Probanden erhalten das Gel in einem Schälchen, das mit einer Pumpe zur Verabreichung einer bestimmten Dosis ausgestattet ist. Das Gel wird täglich auf die Schultern und Oberarme gerieben. Zudem sollen die Männer einmal pro Monat untersucht werden, um ihre Spermienzahl zu überwachen.

Sobald die Spermienzahl eines Teilnehmers gegen Null gefallen ist – dies könnte einige Monate dauern – verwendet er zusammen mit seiner Partnerin das Gel als einziges Verhütungsmittel.

Verhütung für den Mann

Veröffentlicht von cyclotest 29.06.2018 Kategorie(n): News, Wissenswertes

Verhütung für den Mann: Neue Ansätze?

Bei der Verhütung für den Mann gibt es trotz jahrlanger Forschung kaum Fortschritte. Für die Verhütung für Männer gibt es immer noch sehr wenige Möglichkeiten. Momentan werden weitere Verhütungsmethoden für den Mann erforscht. Bislang hat es aber noch keine auf den Markt geschafft.

Wer sich mit Verhütung für den Mann beschäftigt, kommt mit seinem Latein schnell ans Ende: Zu den gängigen Verhütungsmittel für den Mann zählen das Kondom sowie die Sterilisation. Das Präservativ zählt dabei nach wie vor zu den beliebtesten Methoden. Die Sterilisation, fachsprachlich Vasektomie, ziehen immerhin 5 % der Männer in Betracht.1

Es gibt also Präservative und Sterilisation und das war’s dann auch schon – und frau übernimmt die Verantwortung. Die Verhütungsmethode ist doch Frauensache, oder? War’s das auch wirklich? Oder können Männer nicht doch einen Teil der Verantwortung übernehmen?

Verhütungspille für den Mann

Obwohl “Pille für den Mann” oft als Schlagzeile in den Medien zu lesen ist, sind die Entwicklungen dazu immer noch in vollem Gange. Bislang scheiterte es aber an den Nebenwirkungen für Männer, der umständlichen Handhabung oder an den häufigen Kontrollen, die erforderlich waren. Auch dauerte es zu lange, bis die Bildung von Spermien effektiv unterdrückt wurde.3 Die aktuellen Studien zur Pille für den Mann sind noch offen.

Verhütungsgel für den Mann

Derzeit wird außerdem an einem Verhütungsgel getestet. Das sogenannte Polymer-Gel soll wie ein Filter für Spermien funktionieren. Das Gel, welches unter dem Patentnamen Vasalgel bekannt ist, verstopft die Samenleiter in der Weise, dass es für die Samenflüssigkeit undurchlässig ist. Erfunden wurde das Gel bereits 1970. Hier war es noch unter dem Namen RISUG (Reversible Inhibition of Sperm Under Guidance) bekannt. RISUG bzw. Vasalgel wird injiziert und ist wieder vollständig rückgängig zu machen. Das Gel wurde bereits mit Erfolg an Tieren getestet.4

Das Verhütungsgel soll über einen Zeitraum von 10 Jahren unfruchtbar machen. Sollte dennoch ein vorzeitiger Kinderwunsch bestehen, so kann das Gel mit einer weiteren Spritze wieder aufgelöst werden.

Ventil am Samenleiter als Verhütung für den Mann

Der deutsche Erfinder Clemens Bimek hat ein Samenleiterventil zur Verhütung für Männer entwickelt. Dabei wird je ein Ventil in den Samenleiter der Hoden eingesetzt, das sich bei Bedarf ein- und ausschalten lässt. Das Bimek SLV soll drei Monate nach dem Einschalten der darin enthaltenen Sperre den Fluss der Samen unterbinden. Wird der Wippschalter erneut umgelegt, so sind die Spermien in der Samenflüssigkeit nach 24 Stunden wieder da.

Bisher trägt nur der Erfinder selbst das Ventil. Eine erste Studie muss erst noch starten. Allerdings werden seit geraumer Zeit Forschungsgelder für einen klinischen Versuch gesucht, bisher mit keinem großen Erfolg.

Beste Verhütung für den Mann?

Die ideale Verhütung für den Mann sollte sicher, wieder rückgängig zu machen und möglichst ohne negative Folgen sein. Was bieten das Kondom und die Sterilisation sowie die neuen Ansätze zum Verhüten für den Mann?

Sicherheit der Verhütung für den Mann

Die Sicherheit aller Methoden für den Empfängnisschutz wird mit dem Pearl Index angegeben. Gängige Kondome haben, meist aufgrund von Anwendungfehlern, einen mäßigen Pearl Index von 2–12. Der Sicherheitsindex der Sterilisation des Mannes liegt ganz vorne bei 0,1.2

Bisherige Tests zeigen eine hohe Sicherheit bei den neuen Ansätzen zum Verhüten für den Mann. Allerdings erfordern die ersten Prüfungen hinsichtlich der Sicherheit noch weitere Studienergebnisse.

Nebenwirkungen der Empfängnisverhütung für den Mann

Das Kondom weist keinerlei medizinische Risiken auf. Selten können Hautentzündungen an Vagina oder Penis auftreten. Die Vasektomie ist eine Operation, eine chirurgische Durchtrennung der Samenleiter, und unterliegt deren Risiken. Nur durch einen erneuten Eingriff kann diese unter Umständen auch rückgängig gemacht werden.

Bei der Verhütungspille für den Mann verhinderten die befürchteten Nebenwirkungen des Testosterons wie Akne oder Haarausfall die Freigabe des Medikaments und die Studie wurde eingestellt. Hinsichtlich der Methode der Bewegungsunfähigkeit der Spermien konnten negative Folgen bislang nicht festgestellt werden. Allerdings wurde diese Methode bisher nur an Mäusen getestet.4

Problematischer scheint auch das Vasalgel bzw. RISUG zu sein. Das Verhütungsgel könnte zu irreversiblen Verschlüssen des Nebenhodens führen. Außerdem sind Entzündungen des Hoden möglich. Daher ist auch beim Verhütungsgel eine Freigabe unwahrscheinlich.3 Einziger Pluspunkt: Das Gel kommt ohne Hormone aus. Forscher sind sich allerdings ebenfalls einig, dass die Antibabypille heutzutage keine Freilassung mehr bekommen würde, aufgrund der vielen Nebenwirkungen der Pille.

Das Ventil Bimek SLV hat beim Erfinder selbst bisher keine negativen Folgen gezeigt. Es fehlen allerdings klinische Studien mit mehr Probanden.

Unser Fazit zur Verhütung für Männer

Gemeinsame hormonfreie Verhütung von beiden Partnern stärkt die Beziehung und ist in einer emanzipierten Gesellschaft einfach zeitgemäß. Viele Männer wollen ihren Frauen die negativen Hormonfolgen ersparen und entscheiden sich daher dafür, in Sachen Verhütungsmethode Verantwortung mitzutragen. Recht einfach gelingt das mit der Temperaturmethode, die ganz ohne Hormone oder sonstige Eingriffe in den Körper auskommt. Hier kann die Frau ihre unfruchtbaren Tage durch Beobachtung der Körpertemperatur bestimmen und der Mann an den fruchtbaren Tagen die Verantwortung übernehmen, beispielsweise durch Verwendung eines Kondoms.

Wem das alles zu umständlich klingt, der sollte sich mit den technischen Helfern auseinandersetzen, die bei der Anwendung unterstützen, z. B. hormonfreie Zykluscomputer wie cyclotest myWay. Als geprüftes Medizinprodukt errechnet er zuverlässig die Tage mit Schwangerschaftsrisiko.

Wenn Dein Partner Dir das Thema Verhütungsmittel bislang alleine überlassen hat, dann suche das Gespräch mit ihm – das führt nicht nur zu neuen Lösungen, sondern auch zu einer Intensivierung der Partnerschaft. Einfach drüber sprechen – das tut in den meisten Fällen gut!

Quellen:
1 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Verhütungsverhalten Erwachsener. Ergebnisse der Repräsentativbefragung. Köln 2011.
2 Diedrich, K. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Auflage. Heidelberg 2007.
3 Miyata, H. et al.: Sperm calcineurin inhibition prevents mouse fertility with implications for male contraceptive. American Association for the Advancement of Science, 2015.
4 Waller, D. et al.: Azoospermia in rabbits following an intravas injection of Vasalgel. Basic and Clinical Andrology. 30 March 2016.

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Neues Verhütungsgel für Männer muss lediglich auf Arme und Schultern aufgetragen werden

Wird es bald ein Verhütungsgel für Männer geben?

In vielen Ländern ist die Verhütung von ungewollten Schwangerschaften meist eine Aufgabe der Frauen. Weitverbreitet ist beispielsweise die Einnahme der sogenannten Anti-Baby-Pille. Diese Form der Verhütung kann bei den Frauen allerdings zu verschiedenen starken Nebenwirkungen führen. Mediziner suchen schon länger nach Möglichkeiten, damit auch Männer einfach und zuverlässig verhüten können. Nun wurde ein Gel zur Verhütung entwickelt, welches Männer lediglich auf ihre Arme und Schultern auftragen müssen.

Gel wird durch Arme und Schultern aufgenommen

Die Studie wird zunächst in Seattle, Los Angeles und Kansas City durchgeführt und umfasst später Standorte in Chile, England, Italien, Kenia, Schottland und Schweden, erklären die Wissenschaftler. So soll die Sicherheit und Wirksamkeit des Gels festgestellt werden. Das Gel besteht aus Nestorone® (Segesteronacetat), einem für die Kontrazeption von Frauen verwendeten Progestinhormon, und Testosteron. Das Produkt mit der Bezeichnung NES / T ist ein neuartiges, reversibles Verhütungsmittel für Männer, das durch die Haut an Oberarmen und Schultern aufgenommen wird.

Wird in naher Zukunft Verhütung Männersache sein? (Bild: deagreez/fotolia.com)

Wollen Männer überhaupt verhüten?

„Das Potenzial dieses neuen Gels ist enorm”, erklärt Professor William Bremner von der University of Washington School of Medicine in einer Pressemitteilung. „Es gibt die falsche Vorstellung, dass Männer nicht an Instrumenten zur Kontrolle ihrer eigenen Fruchtbarkeit interessiert sind oder diese sogar fürchten. Wir wissen, dass dies nicht der Fall ist“, fügt der Mediziner hinzu. Frühere multinationale Umfragen haben gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Männer angibt, dass sie ein männliches Verhütungsmittel verwenden würden, wenn es reversibel und unkompliziert ist. „Wir hoffen, dass die Ergebnisse dieser Studie den Weg für neues Interesse an der Entwicklung von Verhütungsmitteln für Männer ebnen und diese wichtige Arbeit im Bereich der öffentlichen Gesundheit vorantreiben werden”, sagt Professor Dr. Stephanie Page von der University of Washington School of Medicine in der gleichen Pressemitteilung.

40 Prozent aller Schwangerschaften sind ungeplant

Weltweit sind etwa 85 Millionen Schwangerschaften (40 Prozent aller Schwangerschaften) pro Jahr nicht geplant, was zu einer erhöhten Inzidenz von negativen gesundheitlichen Folgen für Frauen und Säuglinge beiträgt. Abgesehen von Kondomgebrauch und Vasektomie gibt es für Männer keine weiteren Verhütungsoptionen.

Gel wird einmal täglich angewendet

Die Erweiterung der Verhütungsoptionen für Männer könnte dazu beitragen, die Familienplanung zu einer gemeinsamen Verantwortung zwischen Frauen und Männern zu machen. Sichere, effektive und reversible Instrumente für Männer zur Kontrolle der eigenen Fruchtbarkeit geben dem Begriff Familienplanung eine neue Bedeutung. Das Produkt wird bereits seit mehr als einem Jahrzehnt entwickelt und jetzt an Paaren getestet. Das Gel wird von den Männern einmal täglich angewendet. Sobald die Spermienzahl des Mannes ein geeignetes Niveau erreicht hat, um eine Schwangerschaft zu verhindern, ein Vorgang, der voraussichtlich acht bis 16 Wochen dauern kann, wird das Paar darüber informiert, dass das Gel für ein Jahr als einzige Verhütungsmethode verwendet werden sollte. Sexualtrieb oder die Lust von Männern soll dabei unbeeinträchtigt bleiben, erläutern die Wissenschaftler.

Wovon hängt der Erfolg eines solchen Verhütungsgels ab?

„Der Erfolg eines reversiblen Verhütungsmittels für Männer erfordert einen Ansatz, der die Produktion von Spermien reduziert, ohne dass der Testosteronspiegel eines Mannes oder die Fähigkeit, Sperma zu einem späteren Zeitpunkt zu produzieren, beeinträchtigt wird”, sagt Studienleiterin Christina Wang vom Los Angeles Biomedical Research Institute. Die Herausforderung besteht darin, die richtige Kombination von Nestorone und Testosteron zur richtigen Zeit zu erreichen, fügt die Expertin hinzu. (as)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Verhütung für Männer: Neue Ansätze

Hormongaben auch bei Männern problematisch

Zitzmann leitete den deutschen Teil der Studie und blickt mit gemischten Gefühlen zurück: „Bei 96 Prozent der Männer war die Wirkung so gut, dass es die Spritze mit der Pille hätte aufnehmen können. Andererseits kann ich als Forscher meine Patienten nicht weiterbehandeln, wenn sie sich schlecht fühlen und aufhören wollen.“

So gesehen war die Studie Erfolg und Misserfolg gleichermaßen. Dass ihr Abbruch gerade bei Frauen auf Unverständnis trifft, kann Experte Zitzmann verstehen. „Unter heutigen Bedingungen wäre die Antibabypille aufgrund ihrer Nebenwirkungen wohl niemals zugelassen worden. Aber in den 60er-Jahren war das einfach kein Thema.“

Keine Pille für den Mann absehbar

Tatsächlich sind strenge Zulassungsverfahren ein wichtiger Grund für das zögerliche Vorankommen bei Verhütungsmöglichkeiten für den Mann. Da erst seit rund 40 Jahren dazu geforscht wird, müssen die Ergebnisse anspruchsvolleren Vorgaben genügen, als es bei der Pille der Fall war.

„Natürlich müssen wir uns der Frage stellen, ob es gerecht ist, dass Frauen mehr Nebenwirkungen auf sich nehmen sollen als Männer“, so Zitzmann. Fest steht: Die Pille oder Spritze für den Mann wird es so schnell nicht geben. Die Experten sind sich einig: Der Abbruch der WHO-Studie war ein Rückschlag für die Forschung.

Auf die Spermienbremse treten

Immerhin: Alternativen zur hormonellen Verhütung für den Mann haben durch das Ende der Studie an Bedeutung gewonnen. Neben dem Samenleiterventil sind aktuell noch zwei weitere Methoden in Arbeit. Als heißer Kandidat gilt TSSK2. Das in den Hoden produzierte Enzym regelt die Beweglichkeit der Spermien in der Samenflüssigkeit. Forscher der Universität von Virginia (USA) konnten es 2016 erstmals isolieren und Wirkstoffe zu seiner Blockade testen.

Gelingt es, die Beweglichkeit der Spermien einzuschränken, könnten Männer vorübergehend unfruchtbar werden. „Ein spannender Ansatz“, findet Urologe Bühmann. Denn er imitiere ein natürliches Phänomen. Zähe Samenflüssigkeit sei nämlich eine häufige Ursache, wenn Männer keinen Nachwuchs zeugen können. Doch ob dieses Verfahren die ersehnte Pille für den Mann liefern wird, ist völlig unklar – bisher wurde der Enzymblocker nur an Mäusen getestet.

Gelpfropf als Samenfilter

Ein sogenanntes Polymer-Gel aus den USA ist da schon weiter. Die Substanz steht kurz vor den ersten Tests am Menschen und funktioniert wie ein Filter. Das Gel verstopft die Samenleiter so, dass es für die Samenflüssigkeit durchlässig ist, nicht aber für den Samen selbst. Kalifornische Wissenschaftler haben die in Indien erfundene Methode weiterentwickelt und das Gel in den vergangenen Jahren an Tieren getestet – mit beachtlichem Erfolg, wie sie im Fachmagazin Basic and Clinical Andrology berichteten.

Bis zur Einführung der Pille im Jahr 1960 gab es keine wirksame Verhütung und die verbreitetsten Methoden waren unter der Kontrolle des Mannes: Coitus Interruptus (‚Aufpassen‘) und das Kondom. Einzige Ausnahme: das Tagezählen und das Diaphragma. In den 1960er-Jahren wurden mit der Pille und der Spirale erstmals wirksame Methoden eingeführt, die allerdings alle durch Frauen angewendet wurden, womit Frauen die wirksame Kontrolle über die Fruchtbarkeit des Paares übernommen haben. Die Entwicklung von wirksamen reversiblen Methoden für Männer ist trotz intensiver Forschung bisher erfolglos geblieben. Das daraus resultierende Ungleichgewicht bezüglich der Möglichkeiten der Verhütung führt zu Diskussionen. Die folgenden Fragen sollen mehr Einblick in diese Dynamik geben.

Die meisten Verhütungsmethoden sind für Frauen: Wie geht es Männern damit? Und was denken Frauen?
Frage an Männer: „Wie geht es Ihnen damit, dass Sie als Mann keine Kontrolle über Ihre Fruchtbarkeit haben und sich deshalb auf die Verhütung Ihrer Partnerin verlassen müssen? (abgesehen von Kondom und Sterilisation (Vasektomie)?“
Frage an Frauen: „Was glauben Sie, wie es Männern damit geht, dass sie keine Kontrolle über ihre Fruchtbarkeit haben, abgesehen von Kondom und Sterilisation (Vasektomie), und deshalb verhütungsmäßig von Ihnen abhängig sind?“

Männer reagieren auf diese Tatsache häufig resignativ, indem sie sagen, „das lässt sich nicht ändern und deshalb nützt es auch nichts, darüber nachzudenken“ (45%). Für 17% ist dieser Umstand egal und 13% haben noch nie darüber nachgedacht. Nur sehr wenigen Männern ist dies sogar recht (4%). Interessant ist, dass dies von Frauen deutlich anders wahrgenommen wird. Während nur eine Minderheit der Männer sagt, dass ihnen diese Situation recht ist (4%), glauben sehr viele Frauen (32%), dass Männern dieser Umstand recht sei. Demgegenüber glauben deutlich weniger Frauen (22%), dass Männer sich lediglich aus Resignation vor den Fakten mit der Situation abgefunden haben, als Männer dies angeben (45%).

Herkunft und Verhütung für Männer
Männer mit Migrationshintergrund (1. Generation) geben deutlich häufiger als in Österreich geborene Männer an, dass sie über die eingeschränkte Kontrolle ihrer Fruchtbarkeit noch nicht nachgedacht haben (23% vs. 13%). In Österreich geborene Männer hingegen sagen signifikant häufiger als in einem anderen Land geborene Männer, dass es nichts nütze, darüber nachzudenken, weil es sich nicht ändern lasse (45% vs. 21%). Migrantinnen der 1. Generation nehmen viel häufiger als in Österreich geborene Frauen an, dass den Männern die mangelnde Kontrolle egal sei (nämlich 22% zu 11%). Frauen hingegen, die in Österreich geboren wurden, nehmen häufiger an, dass dieser Umstand Männern recht sei, zumal sie sich dann um nichts kümmern müssten (33% zu 20%).

Interpretation
Offenbar gibt es bezüglich der Kontrolle über die Fruchtbarkeit des Paares sehr unterschiedliche Wahrnehmungen zwischen den Geschlechtern. Männer nehmen die eingeschränkte Kontrolle über die eigene Fruchtbarkeit vorwiegend resignativ zur Kenntnis, weil es sich nicht ändern lässt. Frauen hingegen denken häufig, dass Männern diese Situation recht sei oder sie nicht darüber nachdenken.

Wenig Kontrolle über die eigene Fruchtbarkeit: Erfahrungen der Männer
Frage: „Mit der Tatsache, dass ich wenig Kontrolle habe, habe ich bereits schlechte Erfahrung gemacht – ja/nein:

15% der Männer haben mit der eingeschränkten Kontrolle über die eigene Fruchtbarkeit schlechte Erfahrungen gemacht. Die Mehrheit (85%) allerdings nicht.

Schlechte Erfahrungen und Beziehungsdauer
Auffallend häufig werden schlechte Erfahrungen mit der mangelnden Kontrolle der Fruchtbarkeit in kurzen Beziehungen bis zu einem Jahr gemacht (28%). Danach geht die Häufigkeit schlechter Erfahrungen stark zurück.

Die Pille für den Mann: Anwendungsbereitschaft der Männer
Frage an Männer: „Angenommen es gäbe eine wirksame Verhütungsmethode für Männer, die wieder rückgängig zu machen ist, wie z.B. eine Pille für den Mann, würden Sie diese anwenden?“

Interessant ist der hohe Prozentsatz an Männern, die eine wirksame reversible Methode für sich selbst anwenden würden, falls eine solche verfügbar wäre. 39% sagen „ja sicher“, 40% der Männer sind sich unsicher und etwa jeder 5. Mann lehnt die Anwendung einer Verhütungs-Pille für sich selbst dezidiert ab (21%).

Schlechte Erfahrungen in der Beziehung fördert die Bereitschaft zur Einnahme einer Pille für den Mann
Wenn Männer bereits schlechte Erfahrungen bezüglich der mangelnden Kontrolle ihrer Fruchtbarkeit gemacht haben, sind sie signifikant öfter bereit, selbst eine wirksame reversible Verhütung anzuwenden, als Männer, die noch keine derartige Erfahrung gemacht haben (53% vs. 36%). Interessant ist, dass Männer, die bisher damit keine schlechten Erfahrungen gemacht haben, sehr häufig keine klare Meinung zu dem Thema haben (43%). Die Zahl der Unentschlossenen ist bei den Männern mit schlechten Erfahrungen deutlich geringer (21%).

Anwendungsbereitschaft und Bildung
Mit zunehmender Bildung steigt die Akzeptanz unter Männern eine wirksame reversible Verhütung für den Mann anzuwenden, sollte diese verfügbar sein. 19% der Personen mit Pflichtschulabschluss, 42% der Personen mit Fachschul- oder Lehrabschluss und 44% der Personen mit Matura oder Universitätsabschluss geben an, sofern die Möglichkeit bestünde, „sicher“ davon Gebrauch zu machen.

Anwendungsbereitschaft und Herkunft
Die Anwendungsbereitschaft ist bei Männern mit Migrationshintergrund (1. Generation) etwas geringer als bei Männern, die in Österreich geboren wurden (33% zu 39%). Allerdings lehnen Migranten der der 1. Generation lehnen allerdings eine Verhütung für den Mann deutlich öfter ab als Männer, die in Österreich geboren wurden (58% zu 18%). Demgegenüber sind in Österreich geborene Männer öfter unentschlossen (43% vs. 9%).

Die Pille für den Mann: Was Frauen darüber denken
Frage an die Frauen: „Angenommen Ihr Partner würde die Pille für den Mann nehmen. Wie würden Sie vorgehen?“

41% der Frauen würde sich auf die Verhütung durch den Partner verlassen. Die Mehrheit (59%) würde weiterhin selbst verhüten.

Vertrauen in die Verhütung des Partners und Alter
Interessant ist die Altersverteilung. Jüngere Frauen (16–29 Jahre) würden sich signifikant weniger oft auf ihren Partner verlassen (31%) und trotzdem selbst verhüten (69%). Mit dem Alter nimmt das Vertrauen in den Partner deutlich zu. 46% der 30–49-jährigen Frauen würden mit ihrer Verhütung aufhören.

Vertrauen in die Verhütung des Partners und Bildung
Mit zunehmender Bildung würden sich Frauen eher auf ihren Partner verlassen: 33% der Frauen mit Pflichtschulabschluss, 39% der Frauen mit Lehr- oder Fachschulabschluss und 47% der Frauen mit Matura- oder Universitätsabschluss.

Vertrauen in die Verhütung des Partners und Beziehungsqualität
Nicht überraschend ist in diesem Kontext der Faktor Beziehungsstatus. Frauen in stabilen Beziehungen würden sich eher auf ihren Partner verlassen (44%) als Frauen in instabilen Beziehungen (38%) oder Frauen ohne Beziehung (27%).

Vertrauen in die Verhütung des Partners und Wichtigkeit von Hormonfreiheit
Frauen, denen Hormonfreiheit wichtig ist, würden sich signifikant öfter auf die Verhütung durch ihren Partner verlassen (47%) als Frauen, denen Hormonfreiheit nicht so wichtig oder gar nicht wichtig ist (32%).

Interpretation
Frauen, denen Hormonfreiheit wichtig ist, befinden sich, wie gezeigt wurde, häufiger in einem Dilemma zwischen dem Wunsch nach einer wirksamen Verhütung bei gleichzeitigem Streben, möglichst nicht in den Körper einzugreifen. In diesem Konflikt sind sie eher bereit, die Kontrolle der Fruchtbarkeit an den Partner abzugeben. In der Forschungsarbeit von Parzer (2015) konnte zudem gezeigt werden, dass bildungsspezifische Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen die Verhütung prägen. Vor allem gut gebildeten Frauen ist es im Sinne der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern wichtig, sich die Verantwortung um die Verhütung mit ihren Partnern zu teilen bzw. die Beteiligung des Partners explizit zu fordern. Frauen aus weniger bildungsprivilegierten Zusammenhängen hingegen stellen wenig bis keine Forderungen an ihre Partner, sich an der Verhütung zu beteiligen. Sie erfahren von den Partnern oftmals nur wenig Bereitschaft, sich mit Verhütung zu befassen und kümmern sich (daher) eigenständig darum. Verhütung wird als Aufgabe und Verantwortung der Frauen gesehen.

Die perfekte Verhütung für den Mann ist da—aber warum nutzen wir sie nicht?

Illustration: Lia Kantrowitz

Vor 55 Jahren hat die Antibabypille begonnen, unseren Sex zu revolutionieren. Doch auch ein halbes Jahrhundert nachdem die Pille auf den Markt kam, ist die Auswahl bei den Verhütungsoptionen überschaubar. Noch immer ist in erster Linie die Frau dafür verantwortlich, die unerwünschten Nebenprodukte unserer Triebe zu vermeiden. Und noch immer wirken sich alle existierenden Verhütungsmethoden, abgesehen von der Kupferspirale, dabei massiv auf ihren Hormonhaushalt aus, was eine ganze Reihe von Nebenwirkungen mit sich bringt.

Männer haben noch weniger Möglichkeiten als Frauen, sich um die Verhütung zu kümmern. Ihnen bleibt neben halbwegs sicheren Kondomen (und dem mal so gar nicht sicheren Rausziehen) lediglich die Vasektomie, um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden. Bei dieser Durchtrennung der oberen Samenleiter im Hodensack besteht zwar eine 50/50 Chance, dass sich der Eingriff wieder rückgängig machen lässt—aber das reicht natürlich nicht, um Männer unter 40 in größerer Anzahl von der Methode zu überzeugen. Es werden zwar momentan weitere Verhütungsmethoden für den Mann erforscht, bislang aber hat es noch keine auf den Markt geschafft.

Nachdem der Tropfen injiziert wurde, kannst du eigentlich nichts mehr falsch machen.

Was aber wäre, wenn es einen medizinischen Eingriff zur Verhütung für den Mann gäbe, der ganz normalen Sex erlaubt und sich einfach wieder rückgängig machen ließe? Was, wenn ein Mann nach einer Operation nur unscharfe Munition abfeuern würde, bis er und seine Partnerin für ein Kind bereit sind—ganz ohne Schnipp-Schnapp?

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Medizinisch gibt es schon heute eine solche Möglichkeit männlicher Verhütung, die sogar schon über 30 Jahre lang an Menschen und Tieren getestet wurde—Komplikationen sind dabei gut wie keine aufgetreten. Der kleine Eingriff mit dem Namen RISUG (Reversible Inhibition of Sperm Under Guidance) wurde 1970 in Indien von Sujoy Guha erfunden, einem Professor für Medizintechnik am Indian Institute of Technology. Die Methode ist kostengünstig, minimal invasiv und vollständig rückgängig zu machen—es ist der effektivste nicht-permanente Weg, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, den die Welt bislang gesehen hat.
2010 hatte die amerikanische Parsemus Foundation—eine NGO, die es sich zur Aufgabe gemacht hat „kostengünstige Alternativen zu entwickeln, die von der Pharma-Industrie nicht weiter verfolgt werden“—das RISUG-Patent für 90.000 Euro erstanden. Die Organisation richtet ihr Hauptaugenmerk inzwischen allerdings auf eine leicht abgeänderte Variante des Patents namens Vasalgel, das etwas bessere Chancen hat, endlich eine allgemeine Zulassung zu erhalten.

Die idiotensichere Pille für den Mann

Der Eingriff dauert etwa 15 Minuten. Ein Arzt injiziert dazu einen winzigen Tropfen synthetischen Gels in die beiden Spermienleiter nicht weit außerhalb der Hoden. Das Gel setzt sich dann innerhalb der Leiter fest und funktioniert dort wie ein Filter, der die Flüssigkeit selber durchlässt, aber nicht die Spermien.
„So, wie Wasser auch durch Gelatine sickern kann“, erklärt Elaine Lissner, Direktorin der Parsemus Foundation, mir das Funktionsprinzip. Sobald Vasalgel einmal injiziert ist, verbleibt der Spermienfilter für zehn Jahre an der entsprechenden Stelle. Sollte sich der Rezipient schon vor Ablauf dieses Zeitraums dafür entscheiden, es vielleicht doch mal mit Kindern versuchen zu wollen, braucht es nur eine weitere Injektion mit Natriumhydrogencarbonat (a.k.a. Backpulver), um das Gel aufzulösen und die Spermienautobahn wieder in den Ausgangszustand zurückzuversetzen.

Für die Pharmaindustrie ist es bisher einfach kein lukratives Geschäft.

Es klingt eigentlich zu gut, um wahr zu sein, aber indische Tierversuche und klinische Tests haben gezeigt, dass die Methode funktioniert. Sie kann mit nahezu perfekten Resultaten aufwarten und bringt keine ernstzunehmenden Nebenwirkungen mit sich. Im Gegensatz zu Antibabypille und Kondomen, deren Effizienzrate weit unterhalb der auf der Packungsbeilage dargestellten Idealszenarien liegt, gibt es bei Verhütungs-Injektionen, wie auch bei Spiralen, quasi keinen Raum für Anwendungsfehler.
„Es gibt nichts, was du dabei falsch machen kannst“, sagt Aaron Hamlin, leitender Direktor der Male Contraceptive Initiative. „Bei einer Methode wie Vasalgel gibt es nichts, was du selber noch tun musst. Du bekommst die Injektion in die Samenleiter und das war’s. Danach brauchst du beim Sex nichts mehr zu beachten. Alles was du tun musstest, ist schon erledigt.“

Was passiert mit den Spermien?

Was passiert aber mit deinen Spermien? Guha hat die Hypothese aufgestellt, dass sie bei einer Art Mini-Explosion in mehrere funktionsuntüchtige Teile zerteilt werden, sobald sie das Gel durchquert haben. Andere wiederum vermuten, dass die Spermien das Gel gar nicht erst passieren können und dann wie andere Proteine vom Körper wieder abgebaut werden—oder dass sie anderweitig von der Säure oder der elektromagnetischen Ladung des Gels deaktiviert werden.
„Es ist schwer zu sagen, was genau mit den Spermien passiert—abgesehen davon, dass sie am anderen Ende nicht herauskommen“, sagt David Sokal, Mitbegründer der Male Contraception Initiative und ehemaliger Klinikarzt.

Alternativen bei denen keine Verhütung notwendig ist: VICE—Robot Love. Sex aus der Zukunft

Trotz dem nicht abschließend geklärten Ende in der Spermiensackgasse könnte Vasalgel die lang ersehnte Pille für den Mann sein, die auch medizinisch für mehr Gleichberechtigung in Sachen Verhütung sorgt. Warum kommt die Methode also noch nirgendwo auf der Welt großflächig zum Einsatz?

Zunächst einmal gehen viele Männer schon bei dem Ausdruck „operative Empfängnisverhütung für den Mann“ auf Abwehrhaltung. Aber was ist schlimmer: Ein paar Stiche in den Hodensack für 15 Minuten und kinderloser Sex für ein Jahrzehnt—oder alle Lebenspläne über den Haufen werfen und sich die nächsten 18 Jahre um den ungeplanten Nachwuchs kümmern?

Das Verständnis für die Technologie wird nicht gerade dadurch gesteigert, dass eine ganze Reihe von Missverständnissen zu dem Eingriff umherschwirren. Es handelt sich hier nicht um eine Vasektomie—der Eingriff ist noch nicht einmal gravierend genug, um ihn als Operation bezeichnen zu können. Die Samenleiter können ohne Verwendung eines Skalpells freigelegt werden, indem einfach der Hodensack mit einer speziellen Zange durchstoßen und die Haut jeweils über den Leitern auseinandergezogen wird. Das dabei entstehende Loch ist so klein, dass es noch nicht einmal genäht werden muss.

„Man hört oft verfälschte Beschreibungen über Vasalgel—dass die Injektion direkt in deinen Penis geht, was aber nicht der Fall ist. Das verängstigt Männer natürlich … aber es liegt eben an der falschen Beschreibung“, sagte Sokal.

Die Skepsis

Im Zuge meiner Recherchen fand ich aber durchaus einige Gründe für Skepsis gegenüber RISUG und seinem Nachfolger Vasalgel. Zuerst einmal sind die Daten aus Phase III der klinischen Tests zu RISUG nicht öffentlich zugänglich und die Ergebnisse, die bislang veröffentlicht wurden, über zehn Jahre alt und basieren lediglich auf einer kleinen Versuchsgruppe. Als ich die Organisation kontaktierte, die in Indien für die Durchführung der Tests verantwortlich ist, das Indian Council for Medical Research (ICMR), sagte mir der stellvertrende Diketor Radheys Sharma, dass sie keine Informationen über die Erfolgsraten und Fehlschläge ohne Einwilligung der Regierung an ausländische Medien herausgeben dürfen. Seitdem hat er sich nicht mehr gemeldet.

Eine weitere Ungereimtheit bei RISUG ist, dass eine frühere Phase klinischer Tests 2002 „abgebrochen“ wurde—laut der indischen Gesundheitsbehörde aufgrund eines nicht weiter beschriebenen Nebeneffekts—die Ärzte, die die Studie damals in Neu-Dehli durchführten, hatten aber nie von Anzeichen irgendwelcher Nebenwirkungen berichtet.

Damit ihr es nicht tun müsst habe ich einen Tag mit VR-Pornos verbracht (NSFW)

Es gelang mir auch, Guha zu erreichen, den Erfinder von RISUG. Er hatte in Indien in Abstimmung mit der ICMR an RISUG gearbeitet, stellte die entsprechenden Spritzen bereit und fungierte als Berater bei den klinischen Tests. Er ist überzeugt, dass die Entwicklung nach wie vor auf einem guten Weg ist: „Da man sich nicht bei mir gemeldet und um Rat in bestimmten Fragen gebeten hat, nehme ich an, dass es aus einer technischen und medizinischen Sicht keine Probleme gab“, schrieb er in einer E-Mail.

Tatsächlich gibt es bisher keine allgemeinen Hinweise darauf, dass die Methode nicht funktioniert hätte (sei es in Versuchen an Tieren oder Menschen). Es gibt allerdings einen Fall, in dem ein Studienteilnehmer berichtete, dass seine Frau nach der Injektion schwanger wurde. Der Fall wird zwar auf eine falsch durchgeführte Injektion zurückgeführt, aber es kann auch nicht komplett ausgeschlossen werden, dass seine Frau von einem anderen Mann schwanger wurde.

Dann gibt es da noch eine Studie, die angibt, dass einige Komponenten der Polymer-Verbindungen von RISUG und Vasalgel als krebserregend eingestuft worden waren. Die Studie basiert auf Untersuchungen, die in Folge von außergewöhnlichen Unfällen in Chemiefabriken gemacht wurden, bei denen die Betroffenen allerdings wesentlich höheren Mengen der Stoffe ausgesetzt waren, als sie bei der Injektion verwendet werden.

Ich glaube nicht, dass es eine Verschwörung des Patriarchats ist, die die Entwicklung momentan aufhält. Ich denke, es liegt am Geld. Es braucht einfach viel, viel Geld.

Das wahrscheinlich beste Argument, um aus wissenschaftlicher Sicht gegenüber der Markteinführung von RISUG und Vasalgel skeptisch zu sein, liegt jedoch in einem kulturellen Faktor begründet: Typen haben in der Regel schlicht keine Lust, mit Ärzten über ihre Eier zu sprechen. Es nicht gerade einfach, sie fünf oder zehn Jahre nach dem Eingriff zu einer Nachfolgeuntersuchung zu bewegen. So hatten Forscher bislang große Probleme adäquate Daten zu erheben, um den Zulassungsbehörden die Wirksamkeit ihres Verfahrens stichhaltig beweisen zu können.

Die größte Hürde ist die Zulassung

Die klinischen Versuche jedoch, die in Indien im Laufe der letzten drei Jahrzehnte fertiggestellt und veröffentlicht worden sind, haben sich alle als großer Erfolg herausgestellt—genug, um das Interesse der Parsemus Foundation zu wecken, die einen Großteil ihrer Bemühungen darauf verwendet hat, die Forschung für eine Verhütungsinjektion für den Mann auch auf die USA auszuweiten. Nichtsdestotrotz hat die Zukunft von dem, was wahrscheinlich die aussichtsreichste Methode zur Empfängnisverhütung der letzten 100 Jahre sein könnte, noch zwei entscheidende Hürden zu nehmen: die Zulassungsbehörden und die mangelnde Finanzierung.

In den USA zum Beispiel gibt es das große Problem, dass die Zulassungsbehörde FDA die Ergebnisse klinischer Studien nicht anerkennt, die im Ausland durchgeführt wurden. So müssen die ganzen Versuche, die in Indien bereits durchgeführt wurden, in den USA nun mit einer größeren Versuchsgruppe und strengeren Rahmenbedingung wiederholt werden. Tierversuche können dabei pro Studie locker zwischen 200.000 und 300.000 Euro kosten. Sollte die FDA Versuche am Menschen erlauben, „würde der nächste Schritt Millionen von Dollar kosten“, so Lissner. Experten gehen von 5 bis 9 Millionen Euro aus, alleine schon um eine Zulassung in den USA zu erreichen.

Das Vasalgel-Projekt scheint wie für die Unterstützung durch eine humanitäre Organisation gemacht zu sein. Doch bisher waren die Reaktionen großer Stiftungen eher dürftig. Lissner erklärte mir, dass Vertreter der Bill and Melinda Gates Foundation zum Beispiel, „keinen Grund für eine männliche Version“ sähen. Gerade in Entwicklungsländern läge das Hauptaugenmerk für die Verhütung auf Seiten der Frau. „Die Wissenschaft ist, was Verhütungsmethoden für den Mann angeht, noch nicht so weit fortgeschritten. Die Vorstellung, dass Männer für die Verhütung verantwortlich sind, ist außerdem gerade in den ärmsten Ländern“ nicht besonders weit gediehen, erklärte Kelle Sloan, Leiterin der Abteilung für Familienplanung bei der Foundation, in einem Statement für Motherboard.

Die Verhütung der Pharmaindustrie

Auch von den großen Pharma-Unternehmen sollte man keine allzu große Unterstützung der Entwicklung erwarten—im Gegensatz zu lukrativen Produkten hat Vasalgel nicht die Möglichkeit, die Forschungskosten wieder reinzubekommen. Es handelt sich schließlich um einen einmaligen Eingriff bei dem Materialien zum Einsatz kommen, die verhältnismäßig einfach herzustellen und zu vertreiben sind. Lissner wies darauf hin, dass Männer im Durchschnitt mit 13 in die Pubertät kommen und sich bis zu einem Alter von 35 Jahren keine Kinder wünschen. Das sind mehr als 20 Jahre Verhütung, von der Pharmaunternehmen profitieren können.

Vasalgel wäre deutlich günstiger als die Spirale.

„Die großen Pharmaunternehmen mögen natürlich Medikamente, die Menschen tagtäglich und über mehrere Jahre hinweg einnehmen müssen“, so Sokal. Die Macher von RISUG betonen dagegen gerne, dass das Ausgangsmaterial weniger als die Spritze kostet, mit der es injiziert wird. Vasalgel dürfte somit deutlich günstiger als die Spirale sein.

„ haben diese Vorgabe: Sollten sie nicht 450 Millionen Euro im Jahr mit einem neuen Medikament verdienen, dann ist es die Zeit und Energie nicht wert, die darin investiert werden müsste“, sagte Sokal und spielte damit auf seine Gespräche mit Vertretern der Pharmaindustrie an. Sollte diese Rechnung stimmen dann bräuchte es jährlich allein in den USA 625.000 Injektionen, um das Interesse der Pharmaindustrie zu wecken—das sind etwa 125.000 Eingriffe mehr, als es jährlich Vasektomien gibt.

Selbst wenn eine geniale Werbekampagne die Verhütungsinjektion für den Mann unglaublich populär machen würde, warum sollten die großen Pharmaunternehmen, die alle mit den verschiedenen Hormonpräparaten zur Empfängnisverhütung gutes Geld verdienen, ein Interesse daran haben?

Sokal glaubt allerdings nicht an eine Verschwörung—mehr an das Fehlen eines finalen medizinischen Durchbruchs. „Ich weiß nicht, ob versuchen, die Vasalgel-Forschung zu torpedieren. Sie sehen es wahrscheinlich nicht als Bedrohung für ihr Geschäft. Der wissenschaftliche Mainstream ignoriert es bis jetzt. In den Medien hat es auch noch keine große Wellen geschlagen. So lange es noch keine eindeutigen Zahlen gibt, gilt das ganze Unterfangen für sie wahrscheinlich als unterfinanziert—als reine Spekulation.“

Die chemische Stabilität eines Gels

Die Parsemus Foundation entschied sich nach ihrem Kauf des Patents dafür, die Forschung an RISUG zurückzuschrauben und stattdessen auf eine andere Variante, Vasalgel, zu setzen.

Das Hauptproblem bei RISUG war die fehlende chemische Stabilität, die für die FDA Standards als Voraussetzung gilt. Weil der Hauptbestandteil von RISUG säurer wird, während er über längere Zeit in Spritzen gelagert wird, ist das, was nach einem Jahr oder mehr aus der Spritze herauskommt nicht exakt dasselbe wie das, was in die Spritze reinkommt. Um das Problem zu umgehen, haben sie einfach das saure Nebenprojekt von RISUG als Ausgangsmaterial genommen und es Vasalgel genannt.

„Wir mussten eine lagerungsstabilere Version herstellen“, sagte Lissner. „Wir gingen davon aus, dass wir es nicht von der FDA zugelassen bekommen würden, so lange wir nicht beweisen können, dass es chemisch stabil ist. Wir dachten uns also, warum versuchen wir es nicht einfach mit der sauren Version?“ Bisherige Tierversuche mit Kaninchen lassen vermuten, dass Vasalgel genau so gut funktioniert wie RISUG, aber es braucht noch mehr Versuche für den Beweis, dass es genau so effektiv und sicher ist.

„Wir gehen hier schon ein ansehnliches Risiko ein, weil es bisher nur eine einjährige Studie gab. Hoffentlich wird sich Vasalgel als so verlässlich wie RISUG herausstellen“, sagte sie.

Die indische Markteinführung

Guha arbeitet derweil am Indian Institute of Technology in Kharagpur, Indien, und mithilfe der privaten Firma IcubedG Ideas, weiter an der Entwicklung von RISUG. Er ist optimistisch, dass RISUG schon bald bei den Konsumenten ankommen wird—zumindest in Indien. Laut den bisherigen Planungen soll Vasalgel 2020 auf den Markt kommen.

„Technische und medizinische Probleme wurden behoben und es steht eine hinreichende Finanzierung in Aussicht“, erklärte Guha gegenüber LadyBits in einer E-Mail. Auf meine Frage, warum die Phase III Versuche so lange gedauert hätten, verweist er auf die hohen Sicherheitsstandards in Indien und die Bedeutung eines erneuten Tests mit den Versuchsteilnehmern zehn Jahre nach der ursprünglichen Injektion. „Indien geht nicht einfach ohne erwiesene vorklinische und klinische Ergebnisse, die einer internationalen Prüfung unterzogen werden, den nächsten Schritt—nur um im Rampenlicht zu stehen und sich kommerzielle Vorteile zu verschaffen.“

Parsemus jedenfalls gibt tausenden potentiellen Interessenten Hoffnung: Momentan befinden sich laut Lissner 22.000 Männer auf der Warteliste für die klinischen Tests. „Wir stehen nicht in Kontakt mit Dr. Guha oder wissen über den genauen Stand seiner Forschung bescheid“, sagte Lissner. „Ich hoffe, dass er Fortschritte macht. Egal wie man zur Lösung kommt, am Ende kommt es der ganzen Welt zugute.“

Laut Lissner stammen die meisten Anfragen zu Vasalgel von Menschen in zwischen 20 und 30 Jahren—sowohl von Männern, die gerne mehr Kontrolle über ihre Reproduktionsfähigkeiten hätten, als auch von Frauen, die mit den vorhandenen Methoden Probleme haben. Die am stärksten vertretene Gruppe von allen, so sagte sie, sind, „junge Männer in einer Beziehung, die sich um eine ungewollte Überraschung mit einem Kondom oder der Pille sorgen. Ich würde sagen, der medizinische Rückstand lässt sich damit erklären, dass man von 20 Jahren dachte, Männer hätten kein Interesse daran. Und vielleicht trifft das für die Männer vor 20 Jahren auch zu. Aber heute sieht das anders aus.“

In diesem Sommer möchte die Parsemus Foundation eine Crowdfunding-Kampagne initiieren und im Frühjahr 2016 hofft man auf den Beginn der klinischen Tests. Auch wenn einige oberflächliche Artikel, die im September 2014 erschienen waren, behaupteten, dass Vasalgel schon 2017 auf den Markt kommen würde, sagte Hamlin, 2020 sei realistischer.

„Bislang hat noch niemand solche Geldsummen aufgetrieben und dazu auch noch den Atem gehabt, die Entwicklung bis zum Ende voranzutreiben“, erklärte mir Lissner. Selbst wenn die Vasalgelversuche in den USA erfolgreich verlaufen, ist noch lange nicht geklärt, wer die männliche Verhütungsinjektion für den Rest der Welt produzieren wird. Sollte das Mittel in den nächsten fünf Jahren tatsächlich auf den Markt kommen, dann fühlen sich vielleicht auch einige Stiftungen dazu berufen, in die Finanzierung mit einzusteigen.

Ich schaue voller Vorfreude in eine Zukunft, in der Männer die nachhaltigste aller Verhütungsmöglichkeiten übernehmen; eine Welt, in der Teenager-Schwangerschaften einem nicht mehr das Leben ruinieren würden und in der Frauen nicht mehr gezwungen wären, sich selbst mit Hormonen vollzupumpen oder gefährlichen Operationen zu unterziehen. Mit den interessanten Innovationen, die es momentan von der Kondomfront zu melden gibt, wird der Sex der Zukunft besser und sorgloser sein denn je. Bis dahin müssen wir uns weiter mit den umständlichen, potenziell unsicheren und wahrscheinlich gesundheitsschädlichen Optionen begnügen—auch wenn der Weg zu einer besseren Verhütung schon seit mehr als 30 Jahren vor unserer Nase liegt.

Die volle englische Originalversion dieses Artikels findet ihr bei Motherboard US.

Auch wenn die Verhütungsfrage für jede*n Sex-Partner*in wichtig ist, bleibt die Entscheidung häufig Frauensache: Circa sieben Millionen Frauen in Deutschland schlucken die Pille. Und dann gibt es noch eine Vielzahl weiterer Methoden, die sich an Frauen richten. Hormonimplantate, Depotspritzen, Verhütungspflaster, Verhütungsringe, die Kupferkette, um nur ein paar zu nennen.

Die Zahl der Verhütungsmethoden für den Mann ist hingegen überschaubar: zwei gängige gibt es – Kondome und die Vasektomie, die Sterilisation des Mannes. Das ist überschaubar, aber definitiv nicht zu vernachlässigen. Auch diese zwei Methoden sollten bei der Diskussion der Verhütungsfrage eine Rolle spielen. Denn für die Verhütung können und sollten Frauen und Männer gleichberechtigt Verantwortung tragen.

Gehört in jede Sex-Standardausrüstung: das Kondom

Lieber Mann, wenn du Sex hast oder haben willst, dann sollte ein Pack Kondome dein Essential im Nachttischchen sein. Kondome schützen nicht nur vor einer ungewollten Schwangerschaft respektive ungewollten Befruchtung, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Aber auch nur, wenn du das Kondom richtig benutzt. Achte also darauf, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist. Pass auf, dass das Kondom richtig sitzt. Es gibt Kondome in unterschiedlichen Größen – mit einer Breite von 44 bis 69 Millimetern und einer Länge von 16 bis 22,5 Zentimetern. Auf Websites von Kondomherstellern und -shops kannst du deine Größe errechnen lassen. Am besten probierst du Kondome vor dem Sex einmal allein aus, um zu gucken, dass es nicht zu eng ist und reißt – oder zu weit auf deinem Penis sitzt und beim Sex abrutschen kann.

Achte auf die Fingernägel und Piercings deines*r Partner*in: Wenn ihr nicht aufpasst, können spitze Ecken und Kanten das Kondom beschädigen und futsch ist der Schutz. Um wirklich sicher zu gehen, dass du das Kondom richtig benutzt, mach’s nicht so wie bei deinem neuen Smartphone, sondern lies aufmerksam die beiliegende Anleitung.

Die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Schwangerschaft beziehungsweise ungewollten Befruchtung bei Anwendung einer Verhütungsmethode bestimmt der sogenannte Pearl-Index. Je mehr der Wert gegen 0 tendiert, desto unwahrscheinlicher ist eine Schwangerschaft und desto sicherer ist eine Verhütungsmethode. Je höher der Wert ist (keine Verhütung liegt zwischen 30 und 85), desto häufiger kommt es bei der Anwendung der Verhütungsmethode zu einer Befruchtung und desto unsicherer ist die Methode. Beim Kondom liegt der Pearl-Index bei 2 bis 12 – bei optimaler Anwendung sogar bei 0,6.

Nummer sicher: die Vasektomie

Mit einem Pearl-Index von 0,1 ist die Vasektomie eine der sichersten Verhütungsmethoden. Es gibt unterschiedliche Operationstechniken, am Ende läuft aber jede darauf hinaus, dass beide Samenleiter im Hodensack durchtrennt werden. Der Eingriff kann unter Vollnarkose, aber auch unter örtlicher Betäubung bei dem*der Urolog*in vorgenommen werden. Das Prozedere dauert nur eine halbe Stunde.

Nach dem Eingriff bist du allerdings nicht sofort zeugungsunfähig. Es kann bis zu zwölf Monate dauern, bis sämtliche Spermien aus den oberen Abschnitten der Samenleiter hinausgespült wurden. 15 bis 20 Samenergüsse sind im Schnitt nötig, bis du ohne Bedenken vor einer ungewollten Schwangerschaft Sex haben kannst. Manchmal kommt es auch vor, dass die Samenleiter wieder zusammenwachsen. Das muss durch den*die Ärzt*in bei Untersuchungen im ersten Jahr überprüft werden. Und bedenke: Vor Krankheiten schützt die Vasektomie natürlich nicht.

Eine Vasektomie kostet circa 400 bis 500 Euro. Die Kosten werden nicht von der Krankenkasse übernommen, weil für den Eingriff keine medizinische Notwendigkeit besteht. Das klingt erst mal nach viel Kohle, aber nach einmal Schnipp-Schnapp bleibst du, wenn du willst, für immer zeugungsunfähig. Wie sich eine Vasektomie anfühlt und wie’s danach ist, kannst du in diesem Text nachlesen.

Verhütungsmethoden für den Mann, die zurzeit noch in Entwicklung sind

Neben diesen zwei Verhütungsmethoden für den Mann tüfteln Forscher*innen an weiteren Ideen. Zum Beispiel hat Dirk Baranek aus Brandenburg ein Samenleiter-Ventil erfunden. Es ist so groß wie ein Gummibärchen und erlaubt es, dass der Spermienhahn ab- und aufgedreht werden kann. Bisher haben sich allerdings nicht genug Investor*innen gefunden, um das Samenleiter-Ventil auf den Markt zu bringen.

Vielversprechender sieht das sogenannte Vasalgel aus. Die Idee ist, ein Gel in den Samenleiter zu spritzen, das sich dort an den Wänden festsetzt und haften bleibt. Wenn Spermien vorbeikommen, tötet das Gel die Samenzellen ab – und die Eizelle kann nicht befruchtet werden. Das Praktische an dieser Methode wäre, dass eine Injektion maximal zehn Jahre vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen würde. Derzeit werden noch Tests durchgeführt.

Auch Spritzen und Pillen für den Mann sind in Entwicklung. Allerdings scheiterte deren Marktreife meist an den Nebenwirkungen. Die Spritzen sorgten bei den Probanden für Akne oder Stimmungsschwankungen. Die Hormone in der Pille führten zu Migräne, Abnahme der Libido, Depressionen und Thrombose.

Allerdings sind all das auch Nebenwirkungen, die Frauen bekommen können, wenn sie die Hormonkeule Pille schlucken. Die Aufregung fällt jedoch deutlich geringer aus. Immerhin brummt das Geschäft der Pharmaindustrie prächtig, und die Frauen sind es ja eh gewohnt, sich um die Verhütung zu kümmern und die Nebenwirkungen zu ertragen – warum dann noch Produkte für den Mann entwickeln? Ganz einfach: weil es gerecht ist.

Was ist aktuell möglich? Woran wird geforscht?

Trotz intensiver Forschungen in den letzten Jahrzehnten ist das Thema Verhütung immer noch hauptsächlich Frauensache. Neben Kondomen oder einer Vasektomie gibt es bisher kaum Alternativen zur Verhütung für Männer.
Mittlerweile werden jedoch immer mehr Stimmen laut, die auch nach verlässlichen Methoden zur Verhütung bei Männern rufen. Welche Möglichkeiten es auf diesem Gebiet gibt, zeigen wir Ihnen auf dieser Seite.

Falls Sie noch weitere Studien, Forschungen oder Projekte kennen, die sich mit dem Thema Verhütung für Männer beschäftigen und hier noch nicht genannt sind, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme freuen.

Verhütung für Männer –
Methoden | Studien | Aktuelle Nachrichten

Vasal-Gel ist ein neuartiges Verhütungsmittel, das von der Parsemus Foundation entwickelt wird. Es soll eine sichere und einfach anzuwendende Verhütung für Männer bieten, die leicht anzuwenden ist, bei Bedarf aber auch wieder rückgängig gemacht werden kann.
Das Vasal Gel ist ein Verhütungsgel, das im Rahmen eines kurzen Eingriffs in die beiden Samenleiter, die die Samen vom Hoden transportieren, gespritzt wird. Dort härtet das aus einem Polymer bestehende Gel aus und blockiert die Spermien, allerdings nicht die Samenflüssigkeit. Eine Ejakulation ist so möglich, aber komplett frei von Spermien. Das Vasal Gel verbleibt mehrere Jahre im Samenleiter, wie lange genau es schützt ist noch nicht klar.

Soll die Zeugungsfähigkeit wiederhergestellt werden, kann das Verhütungsgel in einem kleinen Eingriff mit Hilfe eines Lösungsmittels wieder komplett ausgespült werden. Als Lösungsmittel wird einfaches Natriumhydrogencarbonat, auch bekannt als Natron, eingesetzt.Bisher wurde Vasal Gel in Studien an Affen und Kaninchen erfolgreich getestet. Nach der Injektion in den Samenleiter waren nach kurzer Zeit keine Spermien mehr im Ejakulat nachweisbar. Auch nach einem Jahr hielt dieser Effekt an. Wurde der Samenleiter mit Natriumhydrogencarbonat gespült war die Zeugungsfähigkeit sofort wiederhergestellt. Bis auf leichte lokale Schwellung nach der Injektion sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.

➤ Fakten zum Vasal Gel

Wirkungsweise: mechanische Blockierung des Samenleiters
Reversibilität: ja, durch Spülung mit Natriumhydrogencarbonat
Kosten: geringe Kosten für den Eingriff
Dauer der Wirksamkeit: voraussichtlich mehrere Jahre
Nebenwirkungen: bisher keine bekannt
Status: wird in Studien überprüft
Verfügbarkeit: laut Parsemus Foundation in naher Zukunft, eventuell 2019
Studien: Reversibility of Vasalgel™ male contraceptive in a rabbit model | The contraceptive efficacy of intravas injection of Vasalgel™ for adult male rhesus monkeys
Hersteller: Revolution Contraceptives, LLC & Parsemus Foundation
Weitere Informationen: vasal-gel.de | Parsemus Foundation

❯ Bimek SLV – Patentiertes Samenleiterventil – Verhütung auf Knopfdruck

Das Bimek Samenleiterventil ist ein sehr interessantes Konzept. In einem kleinen ambulanten Eingriff wird das Samenleiterventil eingesetzt, dieser ist vom Aufwand mit einer Vasektomie vergleichbar. Das Samenleiterventil ist über den Hoden ertastbar und auch bedienbar. Wird der kleine mikromechanische Schlater umgelegt, werden die Spermien abgeleitet und gelangen nicht mehr in das Ejakulat. Nachdem das Ventil geschlossen ist, tritt die Verhütungswirkung beim Mann nach etwa 30 Samenergüssen ein. Dies ist in der Regel nach etwa drei bis sechs Monaten der Fall. Soll die Zeugungsfähigkeit wiederhergestellt werden, wird der Schalter erneut umgelegt. Zur Sicherheit ist dazu ein Sicherheitsstift eingebaut. Die Zeugungsfähigkeit ist dann nach wenigen Tagen wieder wie vorher. Laut Hersteller ist das Bimek SLV verschleißfrei und kann lebenslang getragen werden.
Momentan werden Probanden für eine Studie gesucht, Interessierte können sich auf der Seite des Herstellers auf die Warteliste setzen lassen.

➤ FAKTEN ZUM Samenleiterventil

Wirkungsweise: mechanische Blockierung des Samenleiters
Reversibilität: ja, Ventil kann geöffnet oder geschlossen werden
Kosten: etwa 5000€ für den Eingriff und die Nachsorge
Dauer der Wirksamkeit: voraussichtlich unbegrenzt
Nebenwirkungen: bisher keine bekannt
Status: soll in Kürze in Studien überprüft werden
Verfügbarkeit: eventuell 2020, je nach Start der Studie
Hersteller: Bimek SLV, PES Innovation AG
Weitere Informationen: www.bimek.com

❯ Gendarussa – Die pflanzliche Pille für den Mann

Bereits seit Jahrzehnten wird ein Tee aus den Blättern der in Indonesien heimischen Pflanze von Männern als Verhütungsmittel genutzt. Etwa eine halbe Stunde vor dem Geschlechtsverkehr getrunken hindert ein in der Justicia gendarussa enthaltener Stoff die Spermien daran in die Eizelle einzudringen indem ein Enzym blockiert wird. Forscher haben bereits den dafür verantwortlichen Wirkstoff, das Gendarusin, isoliert und daraus ein Verhütungsmittel für Männer entwickelt. Erste klinische Studien der Airlangga Universität im indonesischen Surabaya sind sehr vielversprechend, bei insgesamt 470 Teilnehmern zeigte sich die Verhütung mit Genderussa ebenso wirksam wie mit der Pille für Frauen. Die Probanden erhielten dazu täglich eine Kapsel mit einem Extrakt der Gendarussa-Pflanze. Die Erfolgsrate lag bei 99% und damit ähnlich gut wie bei der Pille. Setzt man die Pille für den Mann wieder ab, sollte die Zeugungsfähigkeit nach spätestens einem Monat wieder vollständig hergestellt sein. Da der Wirkmechanismus rein auf ein Enzym abzielt sind keine Hormone nötig, einer Langzeiteinnahme steht daher laut Forschern nichts im Wege.
Für eine erfolgreiche Zulassung einer Verhütungspille für Männer in Indonesien sind noch weitere, umfangreiche Studien nötig. Für eine Zulassung innerhalb der EU müssen diese Studien voraussichtlich hier noch einmal wiederholt werden, was eine Zulassung um weitere Jahre verzögern könnte.

Dinesh Valke from Thane, India

➤ Fakten zu Gendarussa – der Pille für den Mann

Wirkungsweise: Blockierung eines Enzyms der Spermien
Reversibilität: ja, Zeugungsfähigkeit nach spätestens 30 Tagen wiederhergestellt
Kosten: geringe laufende Kosten
Dauer der Wirksamkeit: Je nach Einnahme des Wirkstoffs
Nebenwirkungen: bisher keine bekannt
Status: wird in Studien überprüft
Verfügbarkeit: unbekannt
Studien: Metabolite Profiles in Various Plant Organs of Justicia gendarussa Burm.f. and Its in Vitro Cultures
Hersteller: Indofarma
Weitere Informationen: indofarma.id

❯ Eppin – Macht Spermien bewegungslos

Ein anderes Verhütungsmittel für Männer ist Eppin. Wobei Eppin das eigentliche Ziel des Wirkstoffs Anti-Eppin ist. Während einer normalen Ejakulation bindet ein Protein namens Semenogelin an Eppin, ein Protein dass die Oberfläche der Spermien bedeckt. Diese Bindung verhindert eine Bewegung Richtung Eizelle bis das Enzym PSA ausgeschüttet wird, dass diese Bindung löst.
Ein Anti-Eppin Wirkstoff bindet statt des Semenogelin an das Eppin und verhindert so dauerhaft eine Bewegung der Spermien. Auch das PSA kann diese Bindung nicht mehr auflösen. Die Spermien sind somit bewegungsunfähig und können die Eizelle nicht erreichen.
Schon seit 2004 wird anti-Eppin untersucht und weiter an der Wirksamkeit geforscht. Bayer stellte 2007 die Forschung an Eppin ein, da nur 70% der Versuchstiere nach absetzen des Wirkstoffs wieder zeugungsfähig wurden. Aktuell wird an Eppin noch von einer US-Pharmafirma namens Eppinpharma geforscht.

➤ Fakten zu Eppin

Wirkungsweise: anti-Eppin bindet an Eppin und macht Spermien bewegungsunfähig
Reversibilität: teilweise, nur 70% der Versuchstiere wurden wieder zeugungsfähig
Kosten: geringe laufende Kosten
Dauer der Wirksamkeit: Je nach Einnahme des Wirkstoffs
Nebenwirkungen: bisher keine bekannt
Status: wird in Studien überprüft
Verfügbarkeit: unbekannt
Studien: Non-Hormonal Male Contraception: A Review and Development of an Eppin Based Contraceptive |
Hersteller: EppinPharma Inc
Weitere Informationen: eppinpharma.com

❯ Clean Sheets Pille – Soll auch vor HIV schützen

Die Clean Sheets Pill ist zwar noch in einem frühen Entwicklungsstadium zeigt aber dennoch bereits beeindruckende Ergebnisse. Durch ein Entspannen der längs verlaufenden Muskeln werden die Spermien daran gehindert durch den Samenleiter zu kommen. Da diese Entspannung nicht die zirkulären Muskeln betrifft ist ein Orgasmus weiterhin möglich. Der als phenoxybenzamine bekannte Wirkstoff wirkt peripher blutgefäßerweiternd und wird in Deutschland auch als urologisches Spasmolytikum bei einer Blasenentleerungsstörung eingesetzt.

Die Clean Sheets Pill hat zwei entscheidende Vorteile. Zum einen muss sie nur einige Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden und hat dann etwa 24 Stunden Wirkung, zum anderen schützt sie vermutlich auch vor der Ansteckung durch Geschlechtskrankheiten die durch Samenflüssigkeit übertragen werden, darunter auch HIV. Der Name Clean Sheets Pill, übersetzt saubere Laken, rührt daher, dass keine Ejakulation stattfindet. Leider kann bei der Einnahme der Clean Sheets Pill als Nebenwirkung die so genannte Orthostatische Dysregulation mit Schwindel, Herzrasen, Übelkeit und Schwäche auftreten.

Entwickelt wird die Clean Sheets Pill von Dr. Nnaemeka Amobi und Dr. Christopher Smith am King’s College of London. Zur Zeit werden Investoren gesucht um die weitere Forschung zu finanzieren.

➤ Fakten zur Clean Sheets Pille

Wirkungsweise: Phenoxybenzamin entspannt die Muskulatur und verhindert eine Ejakulation
Reversibilität: ja
Kosten: geringe laufende Kosten
Dauer der Wirksamkeit: Je nach Einnahme des Wirkstoffs 16-24 Stunden
Nebenwirkungen: Orthostatische Dysregulation mit Schwindel, Herzrasen, Übelkeit und Schwäche
Status: aktuell wird eine Finanzierung gesucht
Verfügbarkeit: unbekannt
Studien: Discrimination by SZL49 between contractions evoked by noradrenaline in longitudinal and circular muscle of human vas deferens
Hersteller: Dr. Nnaemeka Amobi, Dr. Christopher Smith
Weitere Informationen: –

❯ JQ1 – Unterbindet Produktion von Sperma

Der Wirkstoff JQ1 und sein Potential als Verhütungsmittel für Männer wurden im Rahmen einer Krebs-Studie entdeckt. JQ1 beeinflusst das Gen BRDT, das für die Produktion von Spermien verantwortlich ist. Wird BRDT durch JQ1 ausgeschaltet, stoppt die Produktion von Spermien und die bereits produzierten verlieren ihre Beweglichkeit. Der Wirkstoff beeinflusst nicht die Testosteron Produktion oder den Sexualtrieb, kann aber zu einer Verkleinerung der Hoden führen.

Studien an Tieren wurden bereits erfolgreich durchgeführt, wurde JQ1 wieder abgesetzt waren die Tiere nach 1-3 Monaten wieder fruchtbar. Der Wirkstoff ist noch in einer experimentellen Phase und muss weiter isoliert werden, der nächste Schritt sind toxikologische Untersuchungen vor dem Beginn von Phase-1 klinischen Studien.

➤ FAKTEN ZU JQ1

Wirkungsweise: JQ1 schaltet das Gen BRDT ab und verhindert die Produktion von Spermien
Reversibilität: ja, nach 1-3 Monaten
Kosten: geringe laufende Kosten
Dauer der Wirksamkeit: Je nach Einnahme des Wirkstoffs
Nebenwirkungen: Verkleinerung der Hoden möglich
Status: Toxikologische Untersuchungen
Verfügbarkeit: unbekannt
Studien: Contraception for Men: A Breakthrough New Approach | Basic research: Mouse study shows spermatogenesis inhibitor is effective as a reversible male contraceptive
Weitere Informationen: Abstract bei cell.com

❯ Die Anti-Baby Spritze – Studie wegen Nebenwirkungen abgebrochen

Im Zeitraum zwischen 2009 und 2011 wurde die Wirksamkeit einer Anti-Bay-Spritze für Männer im Rahmen einer Studie der WHO untersucht. Bestandteil der Spritze, die Männern etwa alle acht Wochen verabreicht wurde waren verschiedenen Sexualhormone, darunter auch Testosteron. Von den meisten Probanden der an 400 Männern durchgeführten Studie wurde die Anti-Baby-Spritze gut vertragen, etwa 10% litten jedoch an teils schweren Nebenwirkungen wie Depressionen, Libido-Verlust oder Gewichtszunahme. Aus diesem Grund wurde die Studie vorübergehend unterbrochen, bisher aber auch nicht wieder fortgesetzt.

➤ FAKTEN ZUr Anti-Baby-Spritze

Wirkungsweise: Testosteron und Gestagen sollen Produktion von Spermien stoppen
Reversibilität: ja, nach 1-2 Jahren
Kosten: geringe laufende Kosten
Dauer der Wirksamkeit: etwa acht Wochen
Nebenwirkungen: teils schwere Nebenwirkungen wie Depressionen, Akne, Gewichtszunahme und Libido-Verlust
Status: Studie abgebrochen

❯ Verhütung mit Papayasamen

In Indien, Pakistan und Sri Lanka werden Papayasamen bereits seit Jahrhunderten zur Verhütung eingesetzt. Täglich eine handvoll der Samen zu kauen soll dabei angeblich ausreichen. Bereits in den 1970er Jahren wurde eine Studie zur Verhütung mit Papayasamen in Indien durchgeführt. Zwischen 2000 und 2005 wurden die Ergebnisse wieder aufgegriffen und von Dr. Lohiya an Affen und Ratten überprüft. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass die Gabe von Papayasamen die Qualität und Quantität des Spermas erheblich verschlechterte. Studien an Menschen wurden bisher nicht durchgeführt.

➤ FAKTEN ZU Papayasamen

Wirkungsweise: Papayasamen können die Qualität des Spermas beeinflussen
Reversibilität: ja, nach etwa 5 Monaten
Kosten: geringe Kosten
Dauer der Wirksamkeit: unklar
Nebenwirkungen: unbekannt
Status: unbekannt
Verfügbarkeit: unbekannt
Studien: Chloroform extract of Carica papaya seeds induces long-term reversible azoospermia in langur monkey
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❯ Fazit zu Verhütungsmethoden für Männer

Obwohl schon seit Jahrzehnten an Verhütungsmethoden für Männer geforscht wird, gibt es bisher noch keine zugelassene und verlässliche Methode. Die meiner Meinung nach vielversprechendsten Methoden in naher Zukunft als Mann verhüten zu können sind einerseits das Vasal Gel, dessen Forschung von der Parsemus Foundation vorangetrieben wird und andererseits das bereits recht vielversprechende Gendarusin die Pille für den Mann.
Die Parsemus Foundation gibt momentan recht wenige Informationen über den aktuellen Stand der Forschung heraus, dies liegt aber wohl hauptsächlich daran, dass man die Mitbewerber nicht „auf dem Laufenden halten“ möchte.

Männer haben in Sachen Verhütung noch weniger Möglichkeiten als Frauen. Ihnen bleibt die Wahl zwischen dem Coitus interruptus (Pearl Index* 4-18), dem mittelmäßig sicheren Kondom (2-12) und Vasektomie (0,1). Letzterer ist allerdings ein chirurgischer Eingriff, der sich nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent wieder rückgängig machen lässt. Was die meisten nicht wissen: Es gibt eine Methode, die kostengünstig, minimal invasiv und vollständig rückgängig zu machen ist.

* Ein Pearl-Index von 1 bedeutet zum Beispiel, dass eine von 100 Frauen mit der gewählten Methode innerhalb eines Jahres ungewollt schwanger wurde. Wer sichergehen will, sollte deshalb eine Verhütungsmethode mit möglichst niedrigem Pearl-Index wählen.

Die Methode hat es bisher leider noch nicht auf den Markt geschafft. Dabei wird sie schon über 30 Jahre lang komplikationslos an Menschen und Tieren getestet. Es handelt sich dabei um „Vasalgel“ – ein Kunststoffgel, das die Samenleiter verschließt. Es blockiert somit den Weg der Spermien – nur Wasser wird durchgelassen. Befruchtung und eine Schwangerschaft werden auf diese Weise zuverlässig verhindert. Die Wirkung tritt bereits nach wenigen Tagen ein und soll etwa ein Jahrzehnt anhalten.

© Thinkstock/iStock

Kinder, wann er will

Wenn sich der Mann entschließt, nun Kinder haben zu wollen, reicht eine weitere Spritze aus, um das Gel aufzulösen. Danach können die Spermien wieder ungehindert die Samenleiter passieren und Eizellen befruchten. Indische Tierversuche und klinische Tests haben gezeigt, dass die Methode funktioniert. Die Resultate sind nahezu perfekt und es gibt keine ernstzunehmenden Nebenwirkungen.

“ Es gibt nichts, was du dabei falsch machen kannst“

„Es gibt nichts, was du dabei falsch machen kannst“, sagt Aaron Hamlin, leitender Direktor der Male Contraceptive Initiative der Website Motherboard. „Bei einer Methode wie Vasalgel gibt es nichts, was du selber noch tun musst. Du bekommst die Injektion in die Samenleiter und das war’s. Danach brauchst du beim Sex nichts mehr zu beachten. Alles was du tun musstest, ist schon erledigt.“

Warum Vasalgel noch nicht auf dem Markt ist

Fakt ist, dass die Ergebnisse, die bislang veröffentlicht wurden schon zehn Jahre alt sind und nur an einer kleinen Versuchsgruppe getestet wurde. Die klinischen Versuche, die folgten, sind laut Motherboard aber allesamt erfolgreich gewesen. Es scheitere nun an den Zulassungsbehörden und der mangelnden Finanzierung. Die Methode stammt aus Indien, müsse aber in den USA wiederholt werden, um zugelassen zu werden. Das bedeute immense Kosten. Von der Pharmaindustrie könne man für die neue Methode aufgrund der geringen Lukrativität keine allzu große Unterstützung erwarten. „Die großen Pharmaunternehmen mögen natürlich Medikamente, die Menschen tagtäglich und über mehrere Jahre hinweg einnehmen müssen“, so Sokal. In Indien könnte Vasalgel aber bis 2020 auf den Markt kommen.

Verhütung für den Mann: Diese Möglichkeiten gibt es

  • Vielversprechend ist das Vasalgel der Parsemus-Foundation aus Kalifornien. Mittels eines teildurchlässigen Gels, das in den Samenleiter gespritzt wird, sollen die Spermien aufgefangen werden, während der Rest des Ejakulats wie gewohnt passieren kann. Bis zu 15 Jahre soll das Gel verweilen, auf Wunsch aber auch vorzeitig entfernt werden können. Zurzeit befindet sich das Mittel in einer klinischen Studie. Bis das Geld in Europa auf den Markt kommt, werden also noch einige Jahre vergehen.
  • Aufsehen erregte vor einigen Jahre der Schreiner Clemens Bimek. Denn als medizinischer Autodidakt gelang es dem deutschen ein mechanisches Ventil zu entwickeln, das in den Samenleiter eingesetzt wird und dort Spermien aufhalten soll. Obwohl das Ventil scheinbar funktioniert, ist es noch ein ganzes Stück von der Marktreife entfernt. Bislang fehlen Investitionen, die Studien zur Verlässlichkeit finanzieren könnten. Bisher wurde lediglich ein einziges Exemplar verbaut. Und das befindet sich im Entwickler selbst.
  • Da die Pharmaindustrie mit der Pille zurzeit jede Menge Geld verdient, gibt es auf dieser Seite wenig Interesse daran, in Forschung für ein praktisches und einmalig einzusetzendes Verhütungsmittel zu investieren. Deswegen wird, es vermutlich noch einige Jahre dauern bis eine echte Möglichkeit der Verhütung für den Mann besteht.

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