Pille danach rezeptfrei?

Die „Pille danach“

Nach einer Verhütungspanne kann die „Pille danach“ eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Das Medikament ist am wirksamsten, wenn es möglichst schnell eingenommen wird. Es kann rezeptfrei in der Apotheke gekauft werden.

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Die „Pille danach“ steht für den Notfall zur Verfügung, wenn eine Verhütungspanne passiert ist oder die Verhütung vergessen wurde. Geschieht das Missgeschick ein paar Tage vor oder am Tag des Eisprungs, besteht die Möglichkeit, schwanger zu werden.

Die männlichen Samenzellen können bis zu fünf Tage in der Gebärmutter und den Eileitern überdauern. Kommt es in dieser Zeit zum Eisprung, ist eine Befruchtung deshalb bis zu fünf Tage nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr möglich, in sehr seltenen Fällen auch bis zu sieben Tage.

Hier setzt die „Pille danach“ an: Hat der Eisprung noch nicht stattgefunden, kann ihn die „Pille danach“ so lange hemmen oder verzögern, dass keine Befruchtung mehr möglich ist, weil die Spermien die Eizelle dann „verpassen“.

Wirkung

Es gibt verschiedene Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen: entweder Levonorgestrel oder Ulipristalacetat. Beide Wirkstoffe hemmen oder verzögern den Eisprung. Werden sie rechtzeitig vor dem Eisprung eingenommen, können sie so eine Befruchtung der Eizelle verhindern.

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Um dem Eisprung zuvorzukommen, ist es am besten, wenn die „Pille danach“ so schnell wie möglich genommen wird, am besten innerhalb von 12 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. Danach geht ihre Wirksamkeit allmählich zurück. Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel sind für die Einnahme bis maximal 72 Stunden (drei Tage) nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr zugelassen, das Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat bis maximal 120 Stunden (fünf Tage) danach. Nach mehr als 120 Stunden ist es zu spät für die „Pille danach“.

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Präparate mit Levonorgestrel sind wirksam, wenn sie bis etwa zwei Tage vor dem Eisprung eingenommen werden, das Präparat mit Ulipristalacetat auch noch am Vortag des Eisprungs. Steht der Eisprung jedoch unmittelbar bevor oder hat er bereits stattgefunden, wirken beide Präparate nicht mehr.

Hat trotz korrekter Einnahme der „Pille danach“ eine Befruchtung stattgefunden und sich das befruchtete Ei in die Gebärmutter eingenistet, sind Schädigungen des Embryos nach jetzigem Wissensstand nicht zu erwarten.

Bei Levonorgestrel gibt es umfangreiche und langjährige Erfahrungen bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit. Mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat liegen bisher nur begrenzte Erfahrungen vor. Daher sollte jede Schwangerschaft, die nach Einnahme des Ulipristalacetat-haltigen Präparats eingetreten ist, gemeldet werden. Die Meldung kann die Frauenärztin, der Frauenarzt oder die Schwangere unter www.hra-pregnancy-registry.com/de/ vornehmen.

Wird die „Pille danach“ während einer bereits bestehenden Schwangerschaft eingenommen, kommt es nicht zum Abbruch dieser Schwangerschaft. Die „Pille danach“ ist keine „Abbruchpille“ (mit der sie häufig verwechselt wird).

Einnahme

Die „Pille danach“ sollte so rasch wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden, möglichst innerhalb von 12 Stunden.

Bei allen Präparaten wird einmalig eine Tablette eingenommen. Es ist ratsam, vorher eine Kleinigkeit (ein halbes Butterbrot oder Ähnliches) zu essen. Bei leerem Magen besteht eher die Gefahr, dass die Tablette erbrochen wird. Passiert dies in den ersten drei Stunden nach der Einnahme, muss möglichst schnell eine neue „Pille danach“ besorgt und genommen werden, damit die Wirksamkeit erhalten bleibt.

Die „Pille danach“ kann zu jedem Zeitpunkt des Menstruationszyklus‘ eingenommen werden.

Levonorgestrel und Ulipristalacetat dürfen nicht zusammen eingenommen werden.

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Frauen, die überempfindlich auf Levonorgestrel oder Ulipristalacetat oder einen in den jeweiligen Tabletten enthaltenen Hilfsstoff reagieren, dürfen die jeweilige „Pille danach“ nicht einnehmen.

Wenn es bereits Anzeichen für eine Schwangerschaft gibt (zum Beispiel eine verspätete Monatsblutung oder morgendliche Übelkeit), ist es sinnvoll, zunächst einen Schwangerschaftstest zu machen oder sich in einer Frauenarztpraxis beraten zu lassen, bevor eine „Pille danach“ genommen wird.

Frauen, die schon einmal eine Eileiterentzündung, Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft hatten, müssen mit der Ärztin oder dem Arzt abklären, ob für sie die „Pille danach“ infrage kommt.

Auch bei schweren Leberfunktionsstörungen wird die „Pille danach“ nicht empfohlen.

Die Einnahme der „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel wird nicht empfohlen, wenn ein erhöhtes Risiko für Thrombosen (Blutgerinnsel) in der eigenen oder der Familiengeschichte besteht.

Der Wirkstoff Ulipristalacetat sollte bei schwerem Asthma, wenn Glucocorticoide eingenommen werden, nicht angewendet werden.

Nach der Einnahme

Nach der Einnahme kann sich die Monatsblutung verschieben und früher oder später einsetzen. Tritt sie nicht innerhalb von einer Woche nach dem erwarteten Menstruationstermin ein, sollte unbedingt ein Schwangerschaftstest gemacht und eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Das gilt auch, wenn es andere Anzeichen für eine mögliche Schwangerschaft trotz Einnahme der „Pille danach“ gibt: ungewöhnlich schwache oder starke Blutung, Bauchschmerzen, Spannungsfühle in der Brust oder Übelkeit.

Bis zur nächsten Monatsblutung ist es notwendig, ein nicht-hormonelles Verhütungsmittel zu benutzen, zum Beispiel Kondome.

Wenn Sie mit der Pille verhüten und die „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel wegen eines Einnahmefehlers genommen haben, sollten Sie ihre normale Verhütungspille bis zum Ende des Zyklus weiter nehmen und zusätzlich für sieben Tage ein nicht-hormonelles Verhütungsmittel benutzen, zum Beispiel Kondome.

Haben Sie die „Pille danach“ mit Ulipristalacetat eingenommen, sollten Sie die Verhütungspille fünf Tage lang weglassen und anderweitig verhüten, zum Beispiel mit einem Kondom.

Fragen Sie in der Apotheke, bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt, wie es dann mit der Verhütung weitergeht.

Sicherheit

Rechtzeitig vor dem Eisprung eingenommen, verhindert die „Pille danach“ mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Schwangerschaft. Je mehr Zeit aber zwischen dem ungeschützten Geschlechtsverkehr und der Einnahme der „Pille danach“ liegt, desto größer ist die Zeitspanne, in der noch ein Eisprung stattfinden kann. Deshalb ist es so wichtig, sie möglichst schnell einzunehmen.

Werden gleichzeitig andere Medikamente wie zum Beispiel bestimmte Antibiotika, Mittel gegen Krampfanfälle (Antiepileptika) oder HIV-Infektionen, virenhemmende Mittel (Virostatika) oder johanniskrauthaltige Arzneimittel eingenommen, kann die Wirksamkeit der „Pille danach“ vermindert sein. Frauen, die regelmäßig Arzneimittel einnehmen oder bis vor kurzem eingenommen haben, sollten vor der Einnahme der „Pille danach“ diesen Punkt in der Apotheke ansprechen oder ärztlichen Rat einholen.

Auch starkes Übergewicht kann möglicherweise die Wirksamkeit der „Pille danach“ herabsetzen, insbesondere des Präparats mit Levonorgestrel. Betroffene Frauen sollten sich von einer Ärztin, einem Arzt oder in der Apotheke über die für sie am besten geeignete Methode beraten lassen.

Nebenwirkungen

Nach der Einnahme der „Pille danach“ sind wie bei jedem anderen Medikament unerwünschte Wirkungen möglich. Dazu zählen vor allem Kopfschmerzen, Übelkeit und Bauchschmerzen. Auch Minimal- oder Zwischenblutungen („Schmierblutungen“), Brustspannen und Erbrechen können auftreten. Manche Frauen fühlen sich nach der Einnahme schwindlig oder benommen, sodass die Verkehrstüchtigkeit eingeschränkt sein kann.

Wer Schmerzen hat oder sich aus anderen Gründen sorgt, sollte ärztlichen Rat einholen.

Wo erhältlich?

Die „Pille danach“ ist in Apotheken rezeptfrei erhältlich. Dort wird auch eine Beratung angeboten. Dabei kann zum Beispiel besprochen werden, ob möglicherweise bereits eine Schwangerschaft besteht, wie wahrscheinlich eine Befruchtung ist und ob es Gegenanzeigen oder mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt.

Es kommt vor, dass sich einzelne Apotheken weigern, die „Pille danach“ auszugeben. In diesem Fall kann man sich an eine andere Apotheke wenden. In der Nacht und an Wochenenden stehen örtliche Notdienste der Apotheken zur Verfügung, über die man sich im Internet oder telefonisch informieren kann. Auskunft geben auch Schaufensteraushänge in jeder Apotheke.

„Pille danach“ und Stillen

Der Wirkstoff Levonorgestrel tritt in die Muttermilch über. Deshalb sollten Präparate mit diesem Wirkstoff nach Möglichkeit unmittelbar nach dem Stillen eingenommen werden. Danach sollte eine Stillpause von mindestens acht Stunden eingehalten werden.

Nach der Einnahme des Präparats mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat wird empfohlen, mit dem Stillen mindestens eine Woche auszusetzen. In dieser Zeit ist es sinnvoll, die Muttermilch abzupumpen, um die Milchbildung aufrechtzuerhalten. Die abgepumpte Milch muss weggeschüttet werden.

Kosten

Die Preise für die „Pille danach“ können schwanken, da es keinen festgelegten Verkaufspreis gibt. Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kosten in der Apotheke derzeit etwa ab 18 Euro, das Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat kostet derzeit etwa 35 Euro.

Auch nach der Entlassung der „Pille danach“ aus der Verschreibungspflicht werden die Kosten bei gesetzlich versicherten Frauen bis zum 22. Geburtstag von der Krankenkasse übernommen. Die Voraussetzung ist, dass sie sich die „Pille danach“ ärztlich verschreiben lassen. Ab dem 18. Geburtstag wird jedoch eine gesetzliche Zuzahlung fällig. In der Nacht, an Wochenenden oder Feiertagen wendet man sich am besten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst, der überall unter der Telefonnummer 116117 zu erreichen ist. Die Nummer funktioniert ohne Vorwahl, gilt deutschlandweit und ist kostenlos – sowohl für Anrufe mit dem Festnetz, als auch mit dem Mobiltelefon. Eine andere Möglichkeit ist die ärztliche oder (wenn vorhanden) frauenärztliche Ambulanz des nächsten Krankenhauses.

Frauen unter 22 Jahren können die „Pille danach“ auch ohne Rezept in der Apotheke kaufen, bekommen dann jedoch die Kosten von der Krankenkasse nicht erstattet. Mädchen unter 14 Jahren brauchen die Zustimmung ihrer Eltern, wenn sie die „Pille danach“ kaufen oder verschrieben haben wollen.

Wenn man zwischen 14 und 18 Jahre alt ist, entscheidet die Apothekerin oder der Apotheker bzw. die Ärztin oder der Arzt darüber. Im Gespräch werden sie versuchen herauszufinden, ob ein Mädchen in der Lage ist, die mit der Selbstmedikation verbundenen Entscheidungen und Konsequenzen selbst treffen zu können.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 30.07.2019

Pille danach: „20 Euro. Danke. Wiedersehen“

Seit die Pille danach rezeptfrei ist, steigt die Nachfrage. Doch wie gut beraten Apotheker tatsächlich? Und händigen sie jeder Frau die Pille aus?

3. Februar 2018, 19:39 Uhr 105 Kommentare

Lea hat sich gerade von ihrem Freund getrennt, als sie mit Simon (beide Namen geändert) einen Schnaps nach dem anderen auf einer Studentenparty trinkt. Eine gemeinsame Freundin hatte sie einander vorgestellt. Am Ende des Abends sitzen beide im Taxi auf dem Weg zu Simons Wohnung. Es ist das erste Mal, dass Lea mit einem mehr oder weniger fremden Mann nach Hause fährt.

Ein paar Wochen später kann sich Lea, 21, nicht mehr an alle Details des Abends erinnern. Aber sie weiß noch: Sie hat Sex mit Simon und es macht ihr Spaß. Als Simon sie fragt, ob sie die Pille nimmt, antwortet sie: Ja. Sie benutzen kein Kondom. Am nächsten Morgen wachen sie um halb sieben nach nur zwei Stunden Schlaf auf, Simon fährt zur Uni, Lea nach Hause.

Lea nimmt die Antibabypille, seit sie 14 Jahre alt ist. Damals hatte sie noch keinen Sex, aber alle ihre Freundinnen nahmen sie, also zog Lea nach. Sie freute sich, dass ihr Zyklus durch die Hormone regelmäßig und die Menstruationsschmerzen weniger wurden. Mit ihrem ersten Freund war sie bis kurz vor der Nacht mit Simon zusammen, die Pille war bislang ihr einziges Verhütungsmittel. Sex ohne Kondom fühlt sich für sie völlig selbstverständlich an. Das Risiko, sich mit Krankheiten anzustecken, kommt ihr im Rausch des Moments nicht in den Sinn. „Ich war auch leider viel zu betrunken, um das alles noch groß zu hinterfragen“, sagt sie heute.

Zu Hause bemerkt sie, dass sie die Pille in jenem Monat einmal vergessen hat. Sofort macht sie sich auf den Weg in die Apotheke. Die Apothekerin habe sie gefragt, wie lange der ungeschützte Geschlechtsverkehr her sei, erzählt Lea, und ihr anschließend eine kleine Verpackung gegeben. „20 Euro bitte. Vielen Dank. Auf Wiedersehen.“

Die Pille danach ist seit 2015 in Deutschland rezeptfrei erhältlich. Wenn ein Mann und eine Frau ungeschützten Geschlechtsverkehr haben und eine Schwangerschaft verhindern wollen, reicht es seitdem, im Anschluss eine Apotheke aufzusuchen und das Präparat dort zu kaufen. Dank der Rezeptfreiheit sollte der Weg zur Pille danach vereinfacht und beschleunigt werden, indem Barrieren wie Öffnungs- und Schließzeiten von gynäkologischen Praxen wegfallen. Doch können Apotheker einen Besuch beim spezialisierten Arzt wirklich ersetzen? Und wie funktioniert das seitdem?

In Leas Fall sei mit der Frage, wie lange der ungeschützte Geschlechtsverkehr her ist, die wichtigste Frage gestellt worden, erklärt Petra Thürmann, Direktorin des Philipp-Klee-Instituts für klinische Pharmakologie am Helios Klinikum Wuppertal. Von der Antwort auf diese Frage hängt ab, welches der beiden Pille-danach-Präparate gegeben werden kann: die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, das bis zu 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr wirkt, oder das Präparat mit dem deutlich stärkeren Hormon Uliprestal, das bis zu fünf Tage später eingenommen werden kann.

Doch darüber hinaus bewertet Petra Thürmann die Beratung, zumindest wie Lea sie gegenüber ZEIT Campus ONLINE berichtet, als nicht ausreichend. Die Apothekerin hätte fragen müssen, ob die junge Frau Medikamente einnimmt, die ein Notfallkontrazeptivum unwirksam machen können, wie beispielsweise Medikamente gegen HIV oder Epilepsie, sagt die Ärztin. Auch die Frage nach der letzten Regelblutung gehöre zu einem Beratungsgespräch, um auszuschließen, dass die Frau gegebenenfalls bereits schwanger ist.

Die Nebenwirkungen

Übelkeit und Bauschmerzen sind die häufigsten Nebenwirkungen der Pille danach – und vor allem darüber müssten die Frauen aufgeklärt werden, erklärt Petra Thürmann. Denn wenn sie sich in den ersten Stunden nach der Einnahme übergeben, kann die Pille danach gegebenenfalls nicht wirken. Weitere Nebenwirkungen sind Schwindel, Kopf- und Unterleibsschmerzen. Bei einer Einnahme von Uliprestal kann es außerdem zu kurzzeitigen psychischen Problemen im Sinne einer emotionalen Störung kommen: Angst, Hyperaktivität, depressive Verstimmungen.

„Langzeitfolgen wie beispielsweise ein erhöhtes Thromboserisiko, die durch das Einnehmen der regulären Pille entstehen können, sind uns jedoch schlichtweg nicht bekannt“, sagt sie. Generell seien die hormonellen Einflüsse der Pille danach vernachlässigbar, da der Wirkstoff nach ein paar Tagen den Körper verlassen habe und das Präparat anders als die Antibabypille nicht kontinuierlich genommen werde.

Nachdem sie die Pille danach genommen hat, litt auch Lea den ganzen Tag unter extremer Übelkeit. Doch sie sagt: „Das ist ein kleiner Preis dafür, dass ich nicht schwanger geworden bin.“ Mehr Beratung hätte sie nicht gebraucht, glaubt sie. Sie war einfach froh, dass es so schnell und reibungslos ging und sie sich keinem „Kreuzverhör“ stellen musste.

Größere Sorgen hat sie sich wegen möglicher ansteckender Krankheiten gemacht. „Ein One-Night-Stand ohne Gummi, das war einfach dumm von mir“, sagt sie, „so einen Scheiß macht man nicht zweimal.“ Zum Frauenarzt geht sie zwei Tage später. Dort erfährt sie, dass sie sich auf HIV erst in einigen Wochen testen lassen kann. Lea ist froh, dass sie das Thema ungewollte Schwangerschaft nicht auch noch ansprechen muss und sich im Vorfeld selbst darum kümmern konnte. „Die ganze Situation beim Arzt war auch so schon unangenehm genug“, sagt sie heute.

Was für Lea eine Erleichterung war, sieht Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), kritisch: „Apotheker bekommen, wenn überhaupt, eine vierstündige Ausbildung mit noch kürzerem medizinischen Teil, um die gesamte hormonelle Situation der Frau, den Zyklus, Verhütungsmethoden und die Möglichkeiten der Notfallverhütung zu lernen“, erklärt er. Obendrein, so sagt der BVF-Präsident, würden in den Unterlagen, die Apothekerinnen und Apothekern von ihren Apothekerkammern als Vorbereitung bekommen haben, wesentliche Aspekte fehlen – manche Informationen seien gar falsch, so Albring. „Somit ist die Beratung in der Apotheke nicht nur fachlich ungenügend, sondern führt sicherlich öfter zu unnötiger Abgabe der Pille danach beziehungsweise in anderen Fällen zu einer Unterversorgung“, sagt Albring, der auch als niedergelassener Arzt in Hannover arbeitet.

„Pille danach“ ab heute rezeptfrei: Das müssen Sie jetzt wissen

Bisher brauchten Frauen immer ein Rezept für die „Pille danach“, die nach ungeschütztem Sex eine ungewollte Schwangerschaft verhindert. Ab Sonntag ist sie endgültig rezeptfrei.

Um eine ungewollte Schwangerschaft nach ungeschütztem Sex zu verhindern, können Frauen im Notfall die „Pille danach“ nehmen. Lange war die Pille rezeptpflichtig, doch ab dem heutigen Sonntag soll sie endgültig ohne Rezept erhältlich sein. Das hat der Bundesrat nach langer Debatte beschlossen. Das sind die wichtigsten Fakten rund um die „Pille danach“.

Warum wird die Rezeptpflicht aufgehoben?

Auf politischer Seite fordern SPD, Linke und Grüne schon seit längerem die Freigabe der Pille danach. Auch der Bundesrat hatte schon einmal 2013 dafür gestimmt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ( CDU) sträubte sich zunächst gegen die Aufhebung der Rezeptpflicht und begründete dies vor allem mit möglichen schweren Nebenwirkungen, aber auch mit dem Festhalten an der ärztlichen Beratung. Nachdem aber die EU-Kommission für die Freigabe der Pille votierte, zieht Deutschland nun doch nach.

Wie wirkt die „Pille danach“?

In Deutschland stehen Notfallkontrazeptiva mit zwei Wirkstoffen zur Verfügung: Levonorgestrel (Pidana) und Ulipristalacetat (ellaOne). Beide unterdrücken oder verzögern den Eisprung. Sie verhindern dadurch eine Befruchtung, wenn es vor dem Eisprung zum ungeschützten Geschlechtsverkehr gekommen ist. Es wird jeweils eine Tablette genommen. Um den Eisprung herum ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft am höchsten.

Wie lange wirken die Medikamente?

Je mehr Zeit nach dem Sex vergeht, desto weniger wirksam ist die „Pille danach“. Sie sollte also so schnell wie möglich genommen werden. Die Pille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel muss bis spätestens 72 Stunden (drei Tage) danach genommen werden. Nach 24 bis 48 Stunden ist sie nur noch zu 85 Prozent wirksam und danach nur noch zu 58 Prozent. Ulipristalacetat wirkt etwas länger und muss bis spätestens 120 Stunden (fünf Tage) danach genommen werden.

Die „Pille danach“ ist jetzt rezeptfrei

Gibt es einen 100-prozentigen Schutz vor Schwangerschaft?

Nein, nicht nur wegen der nachlassenden Wirkung. Auch die gleichzeitige Einnahme beispielsweise von Antibiotika, Antidepressiva, Mitteln gegen Epilepsie und Arzneien mit Johanniskraut kann die Wirksamkeit mindern.

Welche Bedenken gibt es gegen die Freigabe der „Pille danach“?

Vor allem die Fachverbände der Gynäkologen fürchten, dass Frauen in den Apotheken nicht ausreichenden beraten werden und es zu mehr unerwünschten Schwangerschaften kommt. Sie verweisen auf Studien, wonach die Wirkung der Mittel ab einem Körpergewicht von 75 Kilo (Levonorgestrel) beziehungsweise 90 Kilo (Ulipristalacetat) nachlässt. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hält die Studiendaten allerdings für zu „begrenzt und nicht eindeutig“ und empfahl, die „Pille danach“ weiterhin bei allen Frauen anzuwenden und zwar unabhängig vom Körpergewicht.

Führt die „Pille danach“ zu einem Schwangerschaftsabbruch?

Nein. Hat sich die Eizelle bereits in die Gebärmutter eingenistet, wirkt die Pille nicht mehr. Sie ist also nicht vergleichbar mit einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch.

Kann sie als normales Verhütungsmittel verwendet werden?

Nein. Die „Pille danach“ ist ein hoch wirksames Hormonpräparat und kein reguläres Verhütungsmittel. Es sollte nur im Notfall eingenommen werden. Ihre Sicherheit ist zudem nicht mit anderen hormonellen Verhütungsmitteln zu vergleichen. Auch liegt zum Beispiel die Dosis von Levonorgestrel beim 15-fachen der üblichen Tagesdosis von Antibabypillen.

21 Bilder Die Geschichte der Verhütungsmittel Bild: dpa, MUVS Wien

„Pille danach“: Krankenkassen übernehmen für junge Frauen die Kosten

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Es kann zu Blutungen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Schmerzen im Unterbauch und Kopfschmerzen kommen.

Ist die Pille weiterhin kostenlos?

Für junge Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten, sofern sie ein Rezept vorlegen. Andernfalls müssen sie die Pille nach Beratung in der Apotheke aus eigener Tasche bezahlen. Über den Arznei-Versandhandel soll das Präparat nicht erhältlich sein. afp/AZ

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„Pille danach“ ohne Rezept in Apotheken erhältlich

Auch im Notdienst am Sonntag können Patientinnen die „Pille danach“ rezeptfrei in der Apotheke erhalten.
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Fr. 13. März 2015

Die „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat ist ab Samstag, 14.03.2015, rezeptfrei in Apotheken vor Ort erhältlich. Apotheker beraten diskret zu dem Notfall-Verhütungsmittel. Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel werden voraussichtlich erst später verfügbar sein. In Online-Apotheken bekommt man die „Pille danach“ gar nicht. Was Patientinnen sonst noch wissen müssen, darüber informiert die Apothekerkammer Hamburg.

Die „Pille danach“ ein Notfall-Medikament. Sie ist für Frauen, die nach ungeschütztem Sex eine ungeplante Schwangerschaft verhindern wollen. Die Wirkung beruht auf der Hemmung oder Verzögerung des Eisprungs. Die „Pille danach“ ist daher nur wirksam, wenn sie rechtzeitig vor dem Eisprung angewendet wird. Ist der Eisprung bereits erfolgt, kann trotz Einnahme eine Schwangerschaft zustande kommen, zumal die Spermien etwa fünf Tage überlebens- und befruchtungsfähig sind. Es gilt die Devise: Je schneller die „Pille danach“ nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr verwendet wird, desto sicherer ist sie. Präparate mit Levonorgestrel sind bis maximal 72 Stunden nach dem Sex wirksam, die Ulipristal-haltige „Pille danach“ bis zu 120 Stunden.

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Es ist von Vorteil, wenn Patientinnen die „Pille danach“ persönlich verlangen. So kann der Apotheker sicherstellen, dass das Medikament auch wirklich für den Notfall bestimmt ist und die Einnahme unbedenklich ist. Wird zum Beispiel der Partner geschickt, kann die Ausgabe des Präparats verweigert werden. Bei minderjährigen Patientinnen entscheidet der Apotheker nach Einzelfall, ob er die Abgabe verantwortet oder zum Arztbesuch rät.

Frauen, die die „Pille danach“ verlangen, nennen dem Apotheker am besten auch andere, bereits eingenommene Arzneimittel, da manche von ihnen die Wirksamkeit der „Pille danach“ hemmen. Dazu zählen bestimmte Psychopharmaka, Antiepileptika und Antibiotika. Apotheker können zudem über die Nebenwirkungen aufklären. Typisch sind Übelkeit, Erbrechen Schwindel, Bauch- und Unterleibsschmerzen. Falls sich die Patientin innerhalb von drei Stunden nach Einnahme des Präparats erbricht, muss umgehend eine weitere „Pille danach“ eingenommen werden.

Die „Pille danach“ ist kein dauerhaftes Verhütungsmittel. Die „Anti-Baby-Pille“ muss auch nach der Einnahme einer „Pille danach“ weiter eingenommen werden. Zusätzlich ist es ratsam, bis zur nächsten Monatsblutung mit einer Barrieremethode zu verhüten, beispielsweise mit Kondom. Wer unsicher bei Fragen der Verhütung ist, kann sich vom Apotheker beraten lassen. Dies kann auch diskret, z.B. ungestört in einem separaten Raum geschehen, so die Apothekerkammer Hamburg.

AK Hamburg/FH

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