Pearl index verhütungsmittel

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Pearl Index

Der Pearl-Index (benannt nach dem amerikanischen Wissenschaftler Raymond Pearl) ist das Beurteilungsmaß für die Sicherheit von Verhütungsmitteln: je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer die Verhütungsmethode. Wenden 100 Frauen ein Jahr lang das gleiche Verhütungsmittel an und treten in diesem Zeitraum drei Schwangerschaften auf, so beträgt der Pearl-Index 3. Ein Pearl Index von 0,1 besagt, dass eine von 1000 Frauen, die ein Jahr lang das gleiche Verhütungsmittel anwenden, schwanger wird.

Dabei sind die Angaben in der Literatur unterschiedlich. Herstellerstudien geben oftmals den Pearl-Index an, der sich auf die Verhütungssicherheit ohne Anwendungsfehler bezieht. Andere Angaben hingegen beziehen die Anwendungsfehler teilweise mit ein. Die Angaben zum Pearl-Index können daher nur einen Anhaltspunkt ohne Anspruch auf allgemeine Gültigkeit geben.

Pearl-Index der einzelnen Verhütungsmethoden

  • Hormonspirale: 0,16
  • Pille: 0,1 – 0,9
  • Depotspritze: 0,3 – 0,88
  • Mini-Pille: 0,5 – 3
  • Vaginalring: 0,4 – 0,65
  • Verhütungspflaster: 0,72 – 0,9
  • Kupferspirale: 0,3 – 0,8
  • Hormonimplantat: 0 – 0,08 / siehe Kommentar 1
  • Symptothermale Methode (nur wenn kombiniert mit Verzicht auf Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen): 0,4 – 1,8
  • Diaphragma: 1 – 20 / siehe Kommentar 2
  • Kondom: 2 – 12
  • Portiokappe: 6 / siehe Kommentar 2, 3
  • Kondom für die Frau: 5 – 25
  • Chemische Verhütungsmittel: 3 – 21
  • Koitus interruptus: 4 – 18
  • Keine Verhütung: 85
  • Sterilisation der Frau: 0,2 – 0,3
  • Sterilisation des Mannes: 0,1
  • Kalendermethode: 9

Quelle der Zahlenangaben:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Juli 2004, pro familia

Kommentar 1:
Wie andere große Studien auch, schätzt eine große australische Studie von 2005 den Pearl_Index auf ca. 0,1%, wobei ein großer Teil der Versager auf einer fehlerhaften Einlage beruht, siehe dazu: Familienplanungsrundbrief Ausgabe 02/ 2005 Seite 17

Kommentar 2:
Die Angaben für die sogenannten Barrieremethoden der Frau Diaphragma, und Verhütungskappen gelten nur, wenn diese zusammen mit einem Verhütungsgel angewandt werden.

Wie sicher ist die Kupferspirale?

Aufgrund der Tatsache, dass die Kupferspirale in punkto Sicherheit nicht von der Zuverlässigkeit der Anwenderin abhängig ist, zeichnet sie sich als Verhütungsmittel durch eine hohe Sicherheit zur Verhütung einer Schwangerschaft aus. Einmal eingesetzt entfaltet die Kupferspirale ihre Wirkung und Sicherheit automatisch. Vergessen, eine falsche Anwendung, Wirkungsverlust durch Erbrechen oder Durchfall, sind ausgeschlossen, weshalb sich die Kupferspirale als Verhütungsmethode durch eine hohe Effektivität auszeichnet.

Anwendungsfehler reduzieren die Sicherheit der Verhütung

Aufgrund der Tatsache, dass Fehler bei der Anwendung, wie zum Beispiel ein Vergessen oder falsches Einnehmen der Pille, mit der Kupferspirale ausgeschlossen sind, macht die Spirale besonders auch für Mädchen und junge Frauen als Langzeit-Verhütungsmethode mit hoher Sicherheit interessant. Die Pille ist aufgrund der vielfältigen möglichen Anwendungsfehler längst nicht so sicher wie ihr Ruf und erfordert eine gewisse Disziplin. Gerade Mädchen und jungen Frauen haben häufig einen aufregenden Lebensstil, welcher Anwendungsfehler beim Einsatz der Verhütungsmittel begünstigt. Die Auffassung, dass die Spirale nur für Frauen geeignet ist, welche schon Kinder haben, ist veraltet und medizinisch überholt.

Die hohe Sicherheit der Kupferspirale auch für junge Frauen

Mit der Weiterentwicklung der Kupferspirale, der Kupferkette GyneFix®, wurde ein Verhütungsprodukt entwickelt, welches speziell auf die körperlichen Bedürfnisse von Mädchen und jungen Frauen abgestimmt ist. Somit können auch Mädchen und junge Frauen in Zukunft von der Sicherheit und der Bequemlichkeit einer Spirale zur Verhütung profitieren. Nicht jeder Frauenarzt ist auf dem aktuellen Stand und bereit einer jungen Patientin die Kupferkette als Sondermodell der Kupferspirale einzusetzen und so eine Verhütungsmethode mit hoher Sicherheit zu ermöglichen. Da hilft nur der Griff zum Telefonhörer um abzuklären, welcher Gynäkologe in der Nähe auch jungen Frauen eine Spirale einsetzen würde. Noch weniger Frauenärzte kennen sich hierzulande mit der Kupferkette GyneFix® aus oder sind in der Lage diese einzusetzen. Eine Liste der durch den Hersteller geschulten Frauenärzte für die Kupferkette GyneFix gibt es hier.

Mit hoher Sicherheit eine Schwangerschaft im Nachhinein verhüten

Schon gewusst? Die Kupferkette bietet, zusammen mit der Kupferspirale, mit über 99% auch die höchste Sicherheit als Notfallverhütung (alternativ zur Pille danach), wenn sie innerhalb von fünf Tagen nach der Verhütungsspanne (Pille vergessen, Kondom gerissen…) eingesetzt wird.

Die Sicherheit der Kupferspirale und der Pearl-Index

Die Kupferspirale und die Kupferkette GyneFix® werden den Verhütungsmethoden mit einer hohen Sicherheit zur Verhütung einer Schwangerschaft zugeordnet. Während für die klassische Kupferspirale eine Schwangerschaftsrate von 0,3 – 0,8 % veröffentlicht wird, ist die Kupferkette GyneFix® mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,5 der klassischen Kupferspirale in Bezug auf die Sicherheit überlegen.
Übersetzt bedeutet der Pearl-Index der Kupferkette, dass von 1000 Frauen, die mit der Kupferkette verhüten, innerhalb von einem Jahr eine bis fünf Frauen schwanger werden. Mit der Kupferspirale und der angegebenen Sicherheit von 0,3 – 0,8, sind es drei bis acht Frauen, die mit der Kupferspirale als Verhütungsmittel innerhalb von einem Jahr schwanger werden.
Durch eine Fixierung der Kupferkette GyneFix® im Dach der Gebärmutter ist ein Verrutschen oder eine Ausstoßung bei korrekter Einlage theoretisch nicht möglich. Dies erhöht die Sicherheit im Vergleich zur Kupferspirale, denn Fehlstellungen sind ein häufiger Grund für das Eintreten einer Schwangerschaft mit Kupferspirale.
Halbjährlich wahrgenommene Kontrolluntersuchungen per Ultraschall beim Gynäkologen können die Sicherheit jeder Spirale (auch der Kupferspirale und Kupferkette) erhöhen, weil eine Fehlposition zeitnah entdeckt werden kann.

Pro familia-Broschüre „Verhütungsmethoden – Die Spirale“ 8. Aufl. 2010, S, 9

Der Pearl-Index

Bei Ihrer Entscheidung für das für Sie richtige Verhütungsmittel müssen Sie unter anderem dessen Sicherheit in Betracht ziehen. Um nicht Äpfel mit Birnen oder Tomaten zu vergleichen, wurde der Pearl-Index als einheitliches Maß für die Sicherheit der Methoden geschaffen. Ausgegangen wird von einer Gruppe von 100 sexuell aktiven Frauen. Mit dem Pearl-Index wird die Zahl der Frauen angegeben, die trotz Anwendung einer bestimmten Verhütungsmethode nach Ablauf eines Jahres schwanger werden. Wenden 100 Frauen ein Jahr lang (= 1.200 Monate) ein bestimmtes Mittel zur Verhütung an, und es treten in diesem Zeitraum zwei Schwangerschaften ein, beträgt der Pearl-Index 2. Das bedeutet, je niedriger der Pearl-Index, desto sicherer ist ein Verhütungsmittel. Die gesamte Anzahl an Schwangerschaften wird als „Praktischer Pearl Index“ bezeichnet, weil der das reale Leben widerspiegelt. Einige Schwangerschaften sind jedoch aufgrund eines Anwendungsfehlers aufgetreten. Wenn man diese nicht berücksichtigt und nur die Schwangerschaften zählt, die aufgrund eines Fehlers der Methode entstanden sind, dann erhält man den „Theoretischen Pearl Index“. Sind beide Werte ungefähr gleich groß, wie z. B. bei der Spirale, dann ist die Methode leicht anzuwenden. Liegen die Werte weit auseinander, wie beim Kondom oder den Methoden der Selbstbeobachtung, dann ist für eine wirksame Verhütung eine konstante und konsequente Anwendung notwendig.


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Der Pearl-Index als Sicherheitsmaßzahl für Verhütungsmethoden

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Pearl-Index gibt an, wie viele Frauen trotz Verhütung schwanger werden.
  • Hormonelle Verhütungsmittel zählen bei richtiger Anwendung immer noch zu den effektivsten Verhütungsmethoden.
  • Nur Kondome schützen auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, steht Frauen und Männern heute eine Vielzahl verschiedenster Methoden zur Auswahl. Vor allem die Antibabypille und das Kondom genießen seit Jahren große Beliebtheit. Doch wie sicher sind die verschiedenen Verhütungsmethoden wirklich?

Der sogenannte Pearl-Index, benannt nach dem US-amerikanischen Biologen Raymond Pearl, bietet einen Anhaltspunkt zur Sicherheit verschiedener Verhütungsmethode bei korrekter Anwendung.

Was ist der Pearl-Index?

Um die Zuverlässigkeit einer Verhütungsmethode zu beurteilen, lohnt es sich, einen Blick auf den Pearl-Index zu werfen. Dieser gibt an, wie viele Frauen trotz richtiger Anwendung einer bestimmten Verhütungsmethode pro Jahr schwanger werden.

Wenn 100 Frauen ein Jahr lang die gleiche Verhütungsmethode benutzen und in dieser Zeit zwei ungeplante Schwangerschaften auftreten, beträgt der Pearl-Index der verwendeten Verhütungsmethode 2. Demzufolge gilt: Je niedriger der Pearl-Index, desto zuverlässiger ist auch das Verhütungsmittel.

In der nachfolgenden Tabelle erhalten Sie eine Übersicht über die verschiedenen Verhütungsmöglichkeiten und ihre jeweiligen Pearl-Indizes. Dabei handelt es sich allerdings mehr um ungefähre Richtwerte als absolut gültige Maßstäbe. Die Angaben in der Fachliteratur können schwanken, da der Pearl-Index stark davon abhängig ist, ob das jeweilige Verhütungsmittel korrekt angewandt wurde.

Viele Hersteller und Anbieter von Verhütungsmitteln berücksichtigen Anwendungsfehler jedoch nicht. Andere Quellen hingegen berücksichtigen Fehler in der Anwendung, weswegen ihre Werte etwas höher ausfallen können.

Fehler bei der Anwendung können dazu führen, dass die Zuverlässigkeit der verwendeten Methode stark abnimmt.

Der Pearl-Index einzelner Verhütungsmittel nach absteigender Zuverlässigkeit sortiert:

Verhütungsmethode

Pearl-Index

Hormonimplantat 0 – 0,8
Sterilisation des Mannes 0,1
Hormonspirale 0,16
Pille 0,1 – 0,9
Sterilisation der Frau 0,2 – 0,3
Kupferspirale 0,3 – 0,8
Depotspritze 0,3 – 0,8
Vaginalring 0,4 – 0,65
Mini-Pille 0,5 – 3
Verhütungspflaster 0,72 – 0,9
Basalthemperaturmethode 0,8 – 3
Diaphragma 1 – 20
Kondom 2 – 12
Chemische Verhütungsmittel 3 – 21
Koitus interruptus 4 – 18
Kondom für die Frau 5 – 25
Portiokappe 6
Kalendermethode 9
Keine Verhütung 85

Die Übersicht bestätigt, dass die Antibabypille zu den derzeit sichersten Verhütungsmitteln zählt. Viele Frauen schätzen ihre Zuverlässigkeit und einfache Anwendung und setzen erfolgreich auf diese Art der Empfängnisverhütung.

Fazit zum Pearl-Index

Sollten Sie noch unentschlossen bei der Wahl der für Sie richtigen Kontrazeptionsmethode sein, so können Sie in der Übersicht der verschiedenen Mittel und Methoden anhand des Pearl-Indexes schnell erkennen, welche Arten der Verhütung eine hohe Sicherheit aufweisen und für Sie in Frage kommen.

Über die Einfachheit der Anwendung, mögliche Nebenwirkungen und Risiken sowie Kosten gibt der Pearl-Index allerdings keine Auskunft. Auch diese Faktoren sollten Frauen bei der Wahl der Verhütungsmethode im Vorfeld bedenken.

Wie funktioniert der Pearl Index?

Wenn es um die Sicherheit von Verhütungsmethoden geht, ist oft vom Pearl Index die Rede. Wir zeigen, wie er sich berechnet, was ihn beeinflusst und geben eine Übersicht zur Sicherheit der einzelnen Verhütungsmittel.

Wie sicher sind eigentlich Pille, Kondom, Kupferspirale und Co.? Genau darüber gibt der sogenannte Pearl Index Auskunft. Benannt nach dem amerikanischen Wissenschaftler Raymond Pearl stuft er die Sicherheit von Verhütungsmitteln ein.

Die Forschung verwendet zur Berechnung des Pearl Index eine Formel:

Pearl-Index = Anzahl der Schwangerschaften x 12 Monate x 100 / Zahl der Anwendungsmonate x Zahl der teilnehmenden Frauen

Im Klartext: Um den Pearl-Index eines Verhütungsmittels herauszufinden, betrachtet die Forschung die Anzahl an ungewollten Schwangerschaften, die trotz Verwendung des jeweiligen Verhütungsmittels aufgetreten sind. Grundlage der Berechnung des Pearl-Index sind dann z. B. 100 Frauen im gebärfähigen Alter, die ein Jahr lang das jeweilige Verhütungsmittel angewendet haben. Wird in diesem Zeitraum keine der Frauen schwanger, liegt der Pearl-Index bei 0. Dann handelt es sich um eine perfekte Verhütungsmethode.

Werden in dem Zeitraum zwei der Frauen schwanger, liegt der Pearl-Index bei 2. Ein Pearl-Index von 0,9 besagt, dass neun von 1.000 Frauen, die ein Jahr lang das gleiche Verhütungsmittel anwenden, schwanger werden.

Insgesamt lässt sich also festhalten: Je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer das Verhütungsmittel. Übrigens liegt der Pearl Index ohne Verhütung bei 85, das bedeutet, etwa 85 von 100 Frauen werden innerhalb eines Jahres schwanger, wenn sie nicht verhüten.

Pearl-Index: Übersicht der einzelnen Verhütungsmittel

Der Pearl Index ist eine gute Methode, um über die Sicherheit eines Verhütungsmittels aufzuklären. Dabei können jedoch die Angaben zu den verschiedenen Methoden von Studie zu Studie schwanken. Schließlich muss ein Verhütungsmittel korrekt angewendet werden, damit es richtig schützen kann. Das kann bei den Studien nicht kontrolliert und somit gewährleistet werden.

  • Hormonspirale: 0,16
  • Pille: 0,1 – 0,9
  • Depotspritze: 0,3 – 0,88
  • Mini-Pille: 0,5 – 3
  • Vaginalring: 0,4 – 0,65
  • Verhütungspflaster: 0,72 – 0,9
  • Kupferspirale: 0,3 – 0,8
  • Hormonimplantat: 0 – 0,08
  • Symptothermale Methode (kombiniert mit Verzicht auf Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen): 0,4 – 1,8
  • Diaphragma: 1 – 20
  • Kondom: 2 – 12
  • Portiokappe: 6
  • Kondom für die Frau: 5 – 25
  • Chemische Verhütungsmittel: 3 – 21
  • Koitus interruptus: 4 – 18
  • Sterilisation der Frau: 0,2 – 0,3
  • Sterilisation des Mannes: 0,1
  • Kalendermethode: 9

Was beeinträchtigt die Sicherheit eines Verhütungsmittels?

Der Pearl Index gibt zwar eine gute Übersicht über die Sicherheit von Verhütungsmitteln, wichtig ist aber vor allem, dass du deine Verhütungsmethode richtig anwendest. Denn auch wenn die Pille als eines der sichersten Verhütungsmethoden gilt, so kann sie nur dann zuverlässig vor einer Schwangerschaft schützen, wenn sie richtig eingenommen wird – also jeden Tag zur gleichen Zeit, es darf kein Durchfall oder Erbrechen auftreten und eine vergessene Pille muss nach Herstellerhinweisen so schnell wie möglich nachgenommen werden. Egal, für welches Verhütungsmittel du dich letztlich also entscheidest: du und dein Partner oder deine Partnerin haben manchmal einen großen Einfluss darauf, ob die Methode schützt oder nicht.

Coitus interruptus

Sicherheit nicht sehr hoch

Verglichen mit anderen Verhütungsmethoden ist der Coitus interruptus nicht sehr sicher. Die Sicherheit eines Verhütungsmittels wird durch den sogenannten Pearl-Index beschrieben. Je höher sein Wert, desto wahrscheinlicher eine ungewollte Schwangerschaft. Für den Coitus interruptus liegt der Wert zwischen 4 und 18. Das heißt: Wenn 100 Frauen ein Jahr lang mittels Coitus interruptus verhüten, werden vier bis 18 von ihnen dennoch schwanger. Zum Vergleich: Der Pearl-Index von Kondomen liegt zwischen 2 und 12, jener der hormonellen Verhütung zwischen 0,1 bis 0,9.

Unsicherheitsfaktor: Rausch der Gefühle

Warum der hohe Pearl-Index beim Coitus interruptus? Ein Mann muss sich körperlich beherrschen, um im richtigen Augenblick den Geschlechtsverkehr zu unterbrechen. In der sexuellen Ekstase gelingt das Männern nicht immer, vor allem nicht jungen Männern. Je nach Zyklus der Partnerin kann dann eine Schwangerschaft sehr wahrscheinlich sein.

Unsicherheitsfaktor: Lusttropfen

Häufig liest und hört man im Zusammenhang mit dem Coitus interruptus auch vom sogenannten „Lusttropfen“, dem Prä-Ejakulat. Darunter versteht man die klare Flüssigkeit, die kurz vor dem eigentlichen Samenerguss austritt. Sie wird von der Cowper-Drüse (Bulbourethraldrüse) gebildet, spült die Harnröhre und dient als natürliches Gleitmittel. Bis zu vier Milliliter können vor einem Samenerguss austreten.

Die weit verbreitete Meinung, dass der Lusttropfen männliche Spermien enthält, ist bis heute nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Einige ältere Studien wiesen geringe Mengen an Spermien im Lusttropfen nach, andere nicht. Doch ob sie tatsächlicher Bestandteil des Lusttropfens sind oder ob bei den Versuchen kleine Mengen an vorherigem oder nachfolgendem Samenerguss in den Lusttropfen gelangten, ist nicht geklärt. Aktuelle Untersuchungen gibt es nicht.

In jedem Fall kann die Samenanzahl im Prä-Ejakulat verringert werden, indem der Mann vor dem Geschlechtsverkehr uriniert und so mögliche Spermien eines vorherigen Samenergusses aus der Harnröhre spült. Um Spermien an der Außenseite des Penis zu entfernen, hilft waschen.

Das solltest du wissen, wenn du mittels Coitus Interruptus verhütest

Um den Coitus Interruptus ranken sich viele Mythen. Soll heißen: Im Netz tummeln sich allerhand fälschliche Informationen, die sich in unseren Köpfen festgesetzt haben. Wir raten euch: Vergesst alles, was ihr bisher über diese Form der Empfängnisverhütung gehört habt. Wir haben uns bei einem Experten schlau gemacht. Der Coitus interruptus bezeichnet eine – gemeinhin als unsicher geltende – Methode zu Empfängnisverhütung, bei der der Geschlechtsverkehr so unterbrochen wird, dass die Ejakulation des Mannes außerhalb der Vagina stattfindet.

Wie sicher ist “unsicher”?

“Der Coitus interruptus gilt als sehr unsichere Form der Verhütung. Der Pearl Index dieser natürlichen Empfängnisverhütung wird – je nach Studie – etwa um die 18 angesetzt”, erklärt Dr. Andreas Nather, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe des Wiener Gesundheitszentrums “Woman & Health”.

Zum Vergleich: Der Pearl Index der Antibabypille liegt zwischen 0,1 – 0,9, jener der Hormonspirale bei 0,16 und jener des Kondoms bei 2 – 12.

Der Pearl Index ist ein Maß für die Wirksamkeit beziehungsweise Zuverlässigkeit von Methoden zur Empfängnisverhütung. Der Indexwert gibt demnach an, wie hoch der Anteil sexuell aktiver Frauen ist, die trotz Verwendung einer bestimmten Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger werden. Je niedriger der Pearl-Index ist, desto sicherer ist die Methode.

Das Risiko schwanger zu werden, ist demzufolge bei der als “Pull Out Method” bekannten Verhütungsstrategie im Kontrast du anderen Kontrazeptionen also um ein Vielfaches höher.

Die Wahrheit über den Lusttropfen

Über den Gehalt von Spermien im Präejakulat (auch Lusttropfen genannt) des Mannes gibt es ebenfalls widersprüchliche Informationen. “Es ist schlichtweg nicht wahr, dass im Präejakulat des Mannes keine Spermien enthalten sind”, betont Nather. Möglichkeiten den Spermien-Gehalt im Lusttropfen zu reduzieren – beispielsweise durch das Urinieren vor dem Geschlechtsverkehr – gibt es dem Mediziner zufolge nicht.

Viele Fehlerquellen

Ein weiterer Risikofaktor im Zuge der Anwendung des Coitus interruptus als Verhütungsmethode ist der externe Kontakt von Sperma mit der Vagina. So banal es auch klingen mag: Wer im “Eifer des Gefechts” nach dem frühzeiteigen Entfernen des Glieds aus der Scheide unachtsam ist, der läuft ebenfalls Gefahr eine ungewollte Schwangerschaft zu forcieren.

Kein Schutz vor Geschlechtskrankheiten

Wer mittels Coitus interruptus verhütet, der muss sich in jedem Fall darüber im Klaren sein, dass diese Verhütungsmethode, ebenso wie beispielsweise die Pille, die Kupferspirale oder das Diaphragma, nicht vor Geschlechtskrankheiten schützt. “Auf gar keinem Fall schützt der Coitus interruptus vor sexuell übertragbaren Krankheiten”, betont Nather. Der Gebrauch eines Kondoms ist bei ungetesteten Sexualpartnern daher unabdingbar.

Prim. Dr. Andreas Nather ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe bei Woman & Health.

Coitus interruptus: Wie sicher ist das „Aufpassen“?

Der Coitus interruptus ist keine sichere Verhütungsmethode. © iStock.com/nd3000

Das Wort Coitus interruptus (oder Koitus interruptus) kommt aus dem Lateinischen. Es bezeichnet einen unterbrochenen Geschlechtsverkehr, bei dem der Penis unmittelbar vor dem Samenerguss aus der Scheide herausgezogen wird und die Ejakulation anschließend außerhalb erfolgt. Umgangssprachlich wird dieser Vorgang auch als „Rausziehmethode“ oder als „Vorher rausziehen“ bezeichnet. Beim „Aufpassen“ durch den Rückzieher besteht die Hoffnung, dass keine Samenzellen zur Eizelle gelangen. Ein Trugschluss, wie statistische Zahlen belegen.

Alternativen zur Pille

Sicherheit des Coitus interruptus

Um die Frau sicher vor einer Schwangerschaft zu schützen, ist der Coitus interruptus ungeeignet. Dies hat verschiedene Gründe:

  • Lusttropfen: Bereits vor dem eigentlichen Samenerguss tritt Samenflüssigkeit aus, die Samenzellen enthält – es kann zu einer Befruchtung kommen.

  • Ejakulation außerhalb: Erfolgt der Samenerguss direkt vor dem Scheideneingang, kann dieser ebenfalls zu einer Empfängnis führen.

  • Mangelnde Selbstkontrolle: Es kann sein, dass es dem Mann nicht gelingt, den Penis rechtzeitig aus der Scheide herauszuziehen.

Pearl-Index bei Coitus interruptus: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt folgende Versagerraten an:

  • bei perfekter Anwendung: vier Prozent
  • bei typischer Anwendung: 22 Prozent

Der Coitus interruptus hat einen Pearl Index von zehn bis 38. Das heißt: Von 100 Frauen, die ein Jahr lang diese Methode zum Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft anwenden, werden zwischen zehn und 38 Frauen schwanger. Wird keine Verhütung angewandt, liegt der Pearl-Index übrigens bei 85.

Elf vermeidbare Verhütungspannen

Vor- und Nachteile des Coitus interruptus

Der Coitus interruptus gehört zu den ältesten Methoden der Verhütung, da es früher an Alternativen mangelte. Für seine Anwendung sind weder technische Hilfen, noch finanzielle Mittel erforderlich. Frauen und Männer, die sich über das bestehende Risiko einer Schwangerschaft bewusst sind, den Kinderwunsch zu dem Zeitpunkt erwägen und diese Methode in perfekter Anwendung nutzen, können den Coitus interruptus durchaus für ihren Geschlechtsverkehr in Betracht ziehen. Allen anderen ist allerdings davon abzuraten. Der unterbrochene Geschlechtsverkehr sollte weder von Erwachsenen aus Faulheit angewandt werden, noch ist er Jugendlichen als Empfängnisverhütung zu empfehlen, so warnen Experten.

Der Coitus interruptus wird häufig nicht einmal als richtige „Verhütungsmethode“ bezeichnet. Er bietet weder sicheren Schutz vor einer Schwangerschaft noch kann er die Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten wie eine Infektion mit dem HI-Virus vorbeugen. Denn bereits die geringe Menge Samenflüssigkeit, die vor dem Samenerguss austritt, kann Krankheitserreger enthalten.

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Alternativen zum Coitus interruptus

Einen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten bietet lediglich die Verwendung von Kondomen oder die Anwendung des Femidoms, dem Kondom für die Frau. Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern wird zu diesen Verhütungsmethoden geraten. Das Diaphragma stellt eine hormonfreie Barrieremethode dar. Als hormonelle Verhütungsmethoden dienen zum Beispiel die Pille, die Hormonspirale, der Verhütungsring oder das Verhütungsstäbchen zur Empfängnisverhütung.

Anleitung: Kondom richtig überziehen

Chemische Verhütungsmittel (Spermizide)

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Das Kondom: Wie sicher es ist, hängt stark von der richtigen Anwendung ab! Fazit: sicher bei korrekter Anwendung (Pearl-Index: 2 – 12)

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Regelmäßig eingenommen ist die Antibabypille sehr sicher. Sie unterdrückt den Eisprung mithilfe von Hormonen. Fazit: sehr sicher (Pearl-Index: 0,1 – 0,9)

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Die Minipille: Niedrig dosiertes Gestagen beeinflusst den Schleim im Gebärmutterhals, sodass keine Spermien in die Gebärmutter gelangen. Fazit: sicher (Pearl-Index: 0,5 – 3)

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Für Frauen, die die Pille öfter vergessen, kann die alle drei Monate injizierte Depotspritze (Dreimonatsspritze) eine Alternative sein. Fazit: sehr sicher (Pearl-Index: 0,3 – 0,88)

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Verhütungsring: Der flexible Vaginalring gibt Hormone ab und kann einmal im Monat selbst gewechselt werden. Fazit: sehr sicher (Pearl-Index: 0,4 bis 0,65)

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Wer ein Hormonimplantat im Oberarm trägt, muss sich für die nächsten drei Jahre keine Gedanken um eine Schwangerschaft machen. Fazit: sehr sicher (Pearl-Index: 0 – 0,08)

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Das hormonhaltige Verhütungspflaster wirkt eine Woche. Da es sehr dünn ist, lässt es sich auch unter enger Kleidung tragen. Fazit: sehr sicher (Pearl-Index: 0,72 – 0,9).

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Die Spirale besteht meist aus einem kleinen, teils mit Kupfer umwickelten T-förmigem Plastikkörper und bleibt 3 bis 5 Jahre in der Gebärmutter. Fazit: sicher (Pearl-Index: 0,3 – 0,8, abhängig von Kupfergehalt und richtiger Größe)

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Temperaturmess-Methode: gute Ergänzung zur Knaus-Ogino- oder der Billings-Methode, erfordert aber Genauigkeit und Disziplin. Fazit: nur in Kombination zu empfehlen (Pearl-Index: 3)

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Bei der Billings-Methode untersucht die Frau täglich den Zervixschleim, um den Eisprung zu ermitteln. Geeignet, um andere Methoden der natürlichen Empfängnisverhütung zu ergänzen (z.B. Temperaturmethode). Fazit: nur in Kombination zu empfehlen (Pearl-Index: 15)

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Frauenkondome bieten Schutz vor Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten. Fazit: sicher bei korrekter Anwendung (Pearl-Index: 5 – 21)

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Diaphragma: Hat der Arzt die passende Größe der Latex- oder Silikon-Membran bestimmt, kann man sie in der Apotheke besorgen. Fazit: sicher bei korrekter Anwendung (Pearl-Index: 1 – 20), Spermizide erhöhen die Sicherheit!

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Knaus-Ogino-Methode: Um den Eisprung zu bestimmen, notiert die Frau in einem Menstruationskalender ihre Zyklustage. Mögliche Zyklusschwankungen machen diese Methode sehr unsicher. Fazit: nicht zu empfehlen (Pearl-Index: 9)

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Vergessen Sie Scheidenspülungen: Fast ein Drittel von 100 Frauen wird mit dieser Methode innerhalb eines Jahres schwanger! Fazit: nicht zu empfehlen (Pearl-Index: 31)

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Spermizide töten Spermien ab, verhindern ihr Eindringen oder behindern ihre Beweglichkeit. Als alleinige Methode sind sie jedoch sehr unsicher. Fazit: nur in Kombination zu empfehlen (Pearl-Index: 18 – 29)

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Viele Frauen bekommen während der Stillzeit keinen Eisprung und werden daher nicht schwanger. Wann der erste Eisprung nach der Entbindung stattfindet, ist jedoch schwer zu sagen und diese Methode daher unsicher. Fazit: nicht zu empfehlen (Pearl-Index: nicht bekannt)

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Frauen mit abgeschlossener Familienplanung können eine Sterilisation in Erwägung ziehen. Fazit: sehr sicher (Pearl-Index: 0,2 – 0,3)

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Auch der Mann kann über eine Sterilisation nachdenken, wenn seine Familienplanung bereits abgeschlossen ist. Fazit: sehr sicher (Pearl-Index: 0,1)

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„Pille danach“: dient nur im Notfall als Verhütungsmittel – z.B. wenn das Kondom gerissen ist. Das Hormonpräparat ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Fazit: nur für den Notfall (Pearl-Index schwankt je nach Art der Pille)

Verhütung

Wenn von der Verlässlichkeit einer Methode zur Verhütung von Schwangerschaften die Rede ist, wird er meistens genannt: Der Pearl-Index. Er ist ein Maß für die Sicherheit einer Verhütungsmethode. So gibt er die Zahl der Schwangerschaften an, die bei 100 Frauen, die eine Verhütungsmethode ein Jahr lang anwenden, auftreten. Je niedriger der Pearl-Index, desto sicherer ist die Methode. Benannt ist der Pearl-Index nach dem amerikanischen Biologen Raymond Pearl (1879-1940).

Erfahren Sie hier mehr über den Pearl-Index und die unterschiedlichen Verlässlichkeiten der einzelnen Verhütungsmethoden.


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Natürliche Familienplanung (NFP)

Billings-Methode

Bei der Billings-Methode werden die fruchtbaren Tage der Frau durch tägliche Beobachtung der Beschaffenheit des Zervixschleims ermittelt. Der Zervixschleim verflüssigt sich kurz vor dem Eisprung, um das Eindringen der Spermien in die Gebärmutter zu erleichtern. Während der fruchtbaren Phase lässt sich der Schleim zwischen zwei Fingern in Fäden auseinanderziehen. Ab dem 4. Tag nach Auftreten des verflüssigten Schleims beginnt die unfruchtbare Phase.

Pearl-Index: 0,4-40

Besonderheiten der natürlichen Verhütung

Grundlage

  • Beobachtung der Vorgänge im Körper
  • keine künstliche Beeinflussung der Abläufe im Körper

Voraussetzungen natürlicher Verhütung

  • stabiler Monatszyklus der Frau
  • hohes Maß an Disziplin
  • regelmäßiger Lebensrhythmus

Natürliche Verhütungsmethoden sind nicht geeignet bei unregelmäßigem Tagesablauf (z.B. Schichtarbeit) oder häufigen Reisen mit Zeitumstellung.

Vorteile der Billings-Methode

  • keine Hormonbelastung
  • können zur Empfängnisverhütung und bei Kinderwunsch eingesetzt werden.(Bei den natürlichen Methoden werden die fruchtbaren Tage bestimmt.)

Nachteile der Billings-Methode

  • Erfahrung und Disziplin notwendig
  • hoher Aufwand
  • an fruchtbaren Tagen: zusätzliche Verhütungsmittel erforderlich
  • funktionieren nur bei stabilem Zyklus und regelmäßigem Lebensrhythmus

Temperaturmethode

Ermittlung der fruchtbaren Tage durch Messung der Basaltemperatur: Morgens vor dem Aufstehen wird jeweils zur gleichen Uhrzeit die Körpertemperatur gemessen und notiert. Nach dem Eisprung steigt die Körpertemperatur um ca. 0,3-0,5°C an und bleibt bis zum Beginn der nächsten Monatsblutung auf dem erhöhten Niveau.

Ab dem 3. Tag nach Anstieg der Basaltemperatur bis zum Beginn der Monatsblutung kann eine Frau nicht schwanger werden.

Pearl-Index: 0,5-3,0

  • Grundlage: Beobachtung der Vorgänge im Körper
  • keine künstliche Beeinflussung der Abläufe im Körper

Voraussetzungen der natürlichen Verhütung

  • stabiler Monatszyklus der Frau
  • hohes Maß an Disziplin
  • regelmäßiger Lebensrhythmus

Natürliche Verhütungsmethoden sind nicht geeignet bei unregelmäßigem Tagesablauf (z.B. Schichtarbeit) oder häufigen Reisen mit Zeitumstellung.

Vorteile der Temperaturmethode

  • keine Hormonbelastung
  • kann zur Empfängnisverhütung und bei Kinderwunsch eingesetzt werden (Bei den natürlichen Methoden werden die fruchtbaren Tage bestimmt.)

Nachteile der Temperaturmethode

  • Erfahrung und Disziplin notwendig
  • hoher Aufwand
  • an fruchtbaren Tagen: zusätzliche Verhütungsmittel erforderlich
  • funktionieren nur bei stabilem Zyklus und regelmäßigem Lebensrhythmus

Hormonelle Verhütung

Die Pille: Kombinationspräparate

Die Pille ist die häufigste Form der Verhütung. Die meisten Pillen sind sogenannte Kombinations-Präparate, d.h., sie enthalten zwei Hormone. Die Minipille, die östrogenfreie Pille und die „Pille danach“ enthalten jeweils nur ein Hormon.

Das kombinierte hormonelle Kontrazeptivum („die Pille“) enthält die zwei weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen. Die Hormone hemmen den Eisprung, machen die Gebärmutterschleimhaut dünner und verhindern so eine Schwangerschaft. Die meisten kombinierten oralen Kontrazeptiva sind in Packungen zu 21 oder 28 Tabletten erhältlich. Die Packung mit 28 Tabletten enthält gewöhnlich sieben Tabletten ohne Hormone, sogenannte Plazebos, die Sie an die tägliche Einnahme der Pille erinnern.

Pearl-Index: 0,1-1,0

Wirkung von Kombinationspräparaten

Kombinationspräparate wirken vierfach:

  • Hemmung des Eisprungs (Hauptwirkung) – Eine Befruchtung ist nicht möglich.
  • Erhöhung der Viskosität des Zervixschleims – Das Eindringen von Spermien in die Gebärmutter wird erschwert.
  • Hemmung der Beweglichkeit der Eileiter – Der Transport der Eizelle im Eileiter wird verlangsamt.
  • Umwandlung der Gebärmutterschleimhaut und Hemmung ihres vollständigen Aufbaus – Die Einnistung einer Eizelle wird erschwert.

Einteilung der Kombinationspräparate

  • Einphasenpräparate: konstante Östrogen- und Gestagendosis über den gesamten Einnahmezeitraum
  • Zweiphasenpräparate: wechselnde Hormondosis
  • Zweistufenpräparate: wechselnde Hormondosis
  • Dreistufenpräparate: wechselnde Hormondosis

Was ist bei Kombinationspräparaten zu beachten?

  • Präparate mit 21 bzw. 22 Tabletten: täglich 1 Tablette, stets zur gleichen Tageszeit!
  • wenn die Pille einmal vergessen wird: Einnahme innerhalb von 12 Std. nachholen!
  • nach 21 bzw. 22 Tagen: „Pillenpause“ über 7 bzw. 6 Tage, Abbruchblutung
  • nach 6- bzw. 7-tägiger Einnahmepause: mit neuer Packung beginnen
  • Präparate mit 28 Tabletten: 21 Tabletten mit Hormonen. 7 Tabletten ohne Wirkstoff

Positive „Nebenwirkungen“ der Pille

  • regelmäßige, weniger starke und weniger schmerzhafte Blutungen
  • geringeres Risiko einer Blutarmut (Anämie)
  • Besserung einer bestehenden Akne
  • Besserung von Hirsutismus (starke Körperbehaarung)
  • Schutz vor Eierstockzysten, gutartigen Brusterkrankungen sowie Gebärmutterkrebs und Eierstockkrebs
  • Möglichkeit, die Menstruationsblutung zu verschieben

Nachteile und Nebenwirkungen der Pille

  • Regelmäßige Einnahme
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Gewichtszunahme
  • Zwischenblutungen
  • Spannungsgefühl in den Brüsten
  • Stimmungsveränderungen
  • Sexuelle Unlust
  • Bluthochdruck
  • Thrombosenbildung

Rauchende Frauen, Frauen über 35 Jahre und Frauen, die die Pille schon sehr lange einnehmen, sollten die Einnahme sorgfältig abwägen, da sich das Risiko unerwünschter gesundheitlicher Nebenwirkungen erhöht.

Koontraindikationen

Nicht jede Frau darf die Pille einnehmen. Gründe, die gegen eine Einnhame sprechen oder sie sogar verbieten, nennt man Kontraindikationen. Die Einnahme der Pille sollte daher immer mit einem Arzt abgesprochen werden.

  • hormonabhängige Tumoren
  • Leberschäden
  • schwerer Bluthochdruck
  • Stoffwechselstörungen wie Diabetes
  • Erkrankungen der Blutgefäße im Auge oder im Gehirn
  • Eine bestehende Thrombose oder eine frühere Thrombose
  • Raucherinnen

Östrogenfreie Pille

Die östrogenfreie Pille ist eine reine Gestagenpille, die das Gestagen Desogestrel enthält. Entscheidender Unterschied zur herkömmlichen Minipille ist die Hemmung des Eisprungs.

Höhere Sicherheit als bei der herkömmlichen Minipille (Sicherheit vergleichbar mit Kombinationspräparaten). Wenn die Pille gelegentlich einmal vergessen wurde, kann sie innerhalb von 12 Std. nach dem eigentlichen Einnahmetermin immer noch eingenommen werden. Sie wirkt dann nach wie vor sicher. Die östrogenfreie Pille muss kontinuierlich eingenommen werden (die „Pillenpause“ können Sie vergessen).

Pearl-Index: 0,14-0,41

Minipille

Die Minipille enthält ausschließlich Gestagen in sehr niedriger Konzentration (keine Östrogene).

Pearl-Index: 0,5-3,0

Wirkung der Minipille

  • Erhöhung der Viskosität des Zervixschleims
  • Umwandlung der Gebärmutterschleimhaut
  • Verminderung der Beweglichkeit der Eileiter

Der Eisprung wird in der Regel nicht unterdrückt. Die Einnahme darf sich nur um max. 3 Std. verzögern. Die Minipille muss kontinuierlich eingenommen werden (keine „Pillenpause“).

Verhütungspflaster

Beim Verhütungspflaster handelt es sich um ein hautfarbenes Pflaster, das Gestagen und Östrogen enthält und an Bauch, Gesäß, Oberarm oder Oberkörper aufgeklebt wird. Über die Haut gelangen dann die Hormone in die Blutbahn.

Das Pflaster wird 21 Tage angewendet. Pflasterwechsel erfolgen alle 7 Tage. Die vierte Woche ist pflasterfrei (Monatsblutung).

Pearl-Index: 0,88

Vorteile des Verhütungspflasters

  • Anwendung nur 1x in der Woche
  • Anwendung durch die Frau selbst
  • kein Wirkungsverlust bei Magen-Darm-Problemen

Nachteile des Verhütungspflasters

  • Eingriff in den Hormonhaushalt
  • Pflaster kann sich ablösen
  • sichtbare, wenig diskrete Methode
  • bei Körpergewicht über 90 kg nicht zugelassen
  • Hautreaktionen möglich

Hormonspirale (Intrauterinsystem)

Die Hormonspirale (auch: Intrauterinsystem oder IUS) ist ein kleines T-förmiges Kunststoffgebilde, welches das Hormon Gestagen enthält; am unteren Ende ist ein Faden angebracht. Der Arzt setzt das IUP vorsichtig in die Gebärmutter ein. Der Empfängnisschutz beginnt mit Einsetzen der Hormonspirale, die bis zu 5 Jahre in der Gebärmutter verbleibt. Sie unterbindet nicht den Eisprung. Das in der Hormonspirale enthaltene Gestagen wirkt lokal: Es verdickt den Zervixschleim und verändert das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut.

Pearl-Index: 0,16

Vorteile der Hormonspirale

  • keine tägliche Einnahme
  • kürzere und meist weniger schmerzhafte Monatsblutung
  • Anwendung bei Östrogen-Unverträglichkeit

Nachteile der Hormonspirale

  • Einsetzen nur durch den Arzt
  • Zyklusunregelmäßigkeiten
  • systemische Nebenwirkungen möglich
  • alle 6 Monate: Ultraschallkontrolle zur Überprüfung der korrekten Lage der Spirale notwendig


Sitz einer Hormonspirale in der Gebärmutter

Dreimonats-Spritze

Die Dreimonats-Spritze enthält nur ein Gestagen in hoher Dosierung. Nach Injektion in den Muskel wird das Gestagen nach und nach in die Blutbahn freigesetzt (Depotgestagen).

Pearl-Index: 0,3-1,4

Wirkung der Dreimonats-Spritze

  • Hemmung des Eisprungs
  • Verdickung des Zervixschleims
  • Umwandlung der Gebärmutterschleimhaut

Vorteile der Dreimonats-Spritze

  • keine tägliche Einnahme
  • Anwendung bei Östrogen-Unverträglichkeit

Nachteile der Dreimonats-Spritze

  • kann nur vom Arzt durchgeführt werden
  • Nebenwirkungen durch hohe Gestagenmengen
  • Zyklusunregelmäßigkeiten
  • nach Absetzen des Präparates: Dauer von bis zu einem Jahr, bis der Eisprung wieder einsetzt

Verhütungsring (Vaginalring)

Der Verhütungsring (auch: Vaginalring) ist eine neuartige hormonelle Verhütungsmethode, die nur 1 x im Monat angewendet werden muss. Der Ring wird von der Frau selbst – so einfach wie ein Tampon – in die Scheide eingelegt und verbleibt dort 3 Wochen. Die empfängnisverhütende Wirkung ist dabei vergleichbar mit der Anti-Baby-Pille. Dabei kommt der Verhütungsring mit weniger Hormonen aus und ist daher gut verträglich.

Der Verhütungsring ist ein flexibler, transparenter Ring, der sich optimal der Scheide anpasst und normalerweise nicht zu spüren ist.

Bezogen auf den Östrogengehalt ist der Verhütungsring das niedrigst dosierte kombinierte hormonelle Verhütungsmittel, das derzeit in Deutschland erhältlich ist. Weniger Östrogene bedeutet, dass Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen, Brustspannen und Übelkeit seltener auftreten als bei der Anti-Baby-Pille. Ein großer Vorteil: Mit dem Verhütungsring wird die empfängnisverhütende Wirkung selbst bei Magen-Darm-Problemen nicht beeinträchtigt.

Pearl-Index: 0,65

Vorteile des Verhütungsrings

  • Anwendung nur 1x im Monat
  • einfach anzuwenden wie ein Tampon
  • sicherer Schutz
  • konstante und niedrige Hormondosierung
  • stabiler Zyklus
  • kein Wirkungsverlust bei Magen-Darm-Problemen

Nachteile des Verhütungsrings

  • Eingriff in den Hormonhaushalt
  • Fremdkörpergefühl möglich

Verhütungsstäbchen (Hormonimplantat)

Das Verhütungsstäbchen (Hormon-Implantat) besteht aus einem ca. 4 cm langen flexiblen Stäbchen, das vom Frauenarzt unter die Haut des Oberarms eingelegt wird. Das Implantat gibt langsam das Hormon Etonogestrel ab, das den Eisprung hemmt und den Schleim im Gebärmutterhals verdickt, so dass die Samenzellen daran gehindert werden, die Eizelle zu erreichen.

Pearl-Index: Obwohl kein direkter Vergleich angestellt wurde, scheint die kontrazeptive Wirksamkeit des Verhütungsstäbchens mindestens mit der oraler Kontrazeptiva vergleichbar zu sein.

Die Wirkungen des Verhütungsstäbchens

  • Hemmung des Eisprung
  • Erhöhung der Viskosität des Zervixschleims
  • Verhütende Wirkung für 3 Jahre

Vorteile des Verhütungsstäbchens

  • keine tägliche Einnahme
  • Verhütung über drei Jahre
  • sichere reversible Methode

Nachteile des Verhütungsstäbchens

  • sollte nur von erfahrenem Arzt eingesetzt werden
  • Blutungsstörungen möglich
  • Verschlechterung einer bestehenden Akne möglich

„Die Pille danach“

„Die Pille danach“ ist eine Notfalllösung nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Sie ist keine Verhütung im eigentlichen Sinne und somit kein Ersatz für die „normale“ Pille. Etwa 12-24 Stunden, spätestens 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr, müssen 2 Tabletten eingenommen werden. „Die Pille danach“ enthält ein Gestagen in sehr hoher Dosierung. Abhängig vom Einnahmezeitpunkt im Zyklus hemmt sie den Eisprung oder verhindert sie die Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut

Mechanische Verhütung (Barrieren)

Kondom

Einziges Verhütungsmittel für den Mann. Besteht in der Regel aus Latex (Alternativen z.B. aus Polyurethan) und wird über das steife Glied gestreift. An der Spitze befindet sich eine kleine Kammer (Reservoir), die die Samenflüssigkeit aufnimmt.

Ein Kondom ist zum einmaligen Gebrauch bestimmt. Um eine bessere Wirkung zu erzielen, sollte das Kondom mit einem Spermizid verwendet werden.

Pearl-Index: 2-12

Wirkung des Kondoms

Samenflüssigkeit wird aufgefangen. Spermien können nicht in Scheide und Gebärmutter eindringen.Schützt auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten (z.B. AIDS)!

Vorteile des Kondoms

  • keine Hormonbelastung
  • keine Anpassung durch den Arzt erforderlich
  • Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten
  • rezeptfrei erhältlich

Nachteile des Kondoms

  • keine permanente Verhütung
  • keine sichere Verhütung, wenn nicht sorgfältig angewendet
  • kann als störend empfunden werden (Liebesspiel wird unter-brochen; Beeinträchtigung der Empfindungsstärke)
  • Latex-Allergie (selten). Alternative: Polyurethan-Kondome

© dinostock / Fotolia

Diaphragma (Scheidenpessar)

Das Diaphragma (auch: Scheidenpessar) ist eine Gummikappe, die den Gebärmutterhals abdeckt. Es muss vom Arzt angepasst werden. Das Diaphragma hindert die Samenzellen daran, in die Gebärmutter einzudringen. Es muss mindestens 8 Stunden, aber nicht länger als 24 Stunden nach dem Intimverkehr verbleiben.

Sie müssen das Diaphragma bei jedem Intimverkehr benutzen. Um eine bessere Wirkung zu erzielen, sollte das Diaphragma mit einem Spermizid (Samenzellen abtötendes Mittel) verwendet werden.

Pearl-Index: 1-20 (in Kombination mit einem spermienabtötenden Mittel)

Vorteile des Diaphragmas

  • keine Hormonbelastung
  • keine tägliche Einnahme
  • eigenständiges Einsetzen und Entfernen

Nachteile des Diaphragmas

  • keine permanente Verhütung
  • Anpassung der Größe durch den Arzt erforderlich
  • Einsetzen erfordert Zeit und Übung
  • Latex-Allergie möglich
  • Portiokappe kann leicht vom Muttermund abrutschen

Kupferspirale (Intrauterinpessar)

Die Spirale (auch: Intrauterinpessar oder IUP) ist ein kleines T-förmiges Kunststoffgebilde mit einem Kupferdraht und einem am unteren Ende angebrachten Nylonfaden. Der Arzt setzt die Spirale vorsichtig in die Gebärmutter ein.

Der Kupferdraht führt zu chemischen Veränderungen innerhalb der Gebärmutter, die hauptsächlich die Befruchtung der Eizelle durch die Samenzelle verhindert, aber auch die Einnistung einer befruchteten Eizelle verhindern kann.

Pearl-Index: 0,4-2,0

Wirkungsweise nicht eindeutig geklärt

  • vermutlich Fremdkörperreaktion
  • Hemmung der Einnistung einer Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut

Vorteile der Spirale

  • keine tägliche Einnahme
  • Verhütung für 3 – 5 Jahre
  • keine systemischen Wirkungen
  • Anwendung während der Stillzeit möglich

Nachteile der Spirale

  • muss vom Arzt eingesetzt werden
  • nicht so sicher wie die Pille
  • Ultraschallkontrolle alle 6 Monate zur Überprüfung der korrekten Lage erforderlich
  • Regelblutung in der Anfangszeit oft stärker und schmerzhafter
  • Spontanausstoßung möglich
  • höheres Risiko für Eileiter-Schwangerschaft

Portiokappe (Okklusivpessar)

Eine Portiokappe (auch: Okklusivpessar) ist eine weiche kleine Gummikappe mit einem runden Rand, der sich dem Gebärmutterhals anschmiegt. Durch die Saugwirkung verbleibt die Kappe an ihrem Platz. Die Portiokappe hindert die Samenzellen daran, in die Gebärmutter einzudringen. Die Portiokappe muss vom Arzt angepasst werden.

Sie müssen die Portiokappe bei jedem Intimverkehr benutzen. Sie wird vor dem Geschlechtsverkehr (mind. ½ Std.) in die Scheide bis zum Muttermund eingeführt.

Um eine optimale Wirkung zu erzielen, sollte die Portiokappe mit einem Spermizid verwendet werden. Die Portiokappe muss nach dem Geschlechtsverkehr 2-3 Tage in der Scheide verbleiben.

Pearl-Index: 5-10

Vorteile der Portiokappe

  • keine Hormonbelastung
  • keine tägliche Einnahme
  • eigenständiges Einsetzen und Entfernen (gilt nur für einige Modelle)

Nachteile der Portiokappe

  • keine permanente Verhütung
  • Anpassung der Größe .durch den Arzt erforderlich
  • Einsetzen erfordert Zeit und Übung
  • Latex-Allergie möglich
  • Portiokappe kann leicht vom Muttermund abrutschen

Chemische Verhütung

Mittel mit spermienabtötender Wirkung in Form von Salben, Gels, Zäpfchen, Schaum oder Sprays. Die Mittel werden kurz vor dem Geschlechtsverkehr tief in die Scheide eingeführt.

Chemische Mittel sollten immer mit Barrieremethoden (Kondom, Diaphragma oder Portiokappe) kombiniert werden, da die alleinige Verwendung keine sichere Verhütung bietet.

Pearl-Index: 3-21

Operative Verhütungsmethoden

Sterilisation

Bei der Sterilisation handelt es sich um eine dauerhafte Empfängnisverhütung, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Dabei wird Unfruchtbarkeit durch einen chirurgischen Eingriff herbeigeführt:

  • bei der Frau: Verschluss der Eileiter
  • beim Mann: Durchtrennung der Samenleiter

Die Methode ist nur für Paare geeignet, die ihre Familienplanung abgeschlossen haben.

Chemische und Barriere-Methoden: Nur sicher in Kombination

Ob als Zäpfchen, Salbe, Schaum, Gel oder Tablette – Methoden, die auf chemischem Weg vor einer ungewollten Empfängnis schützen sollen, gibt es reichlich. Selbst wenn man sie genau nach Vorschrift anwendet, sollte man lieber zusätzlich auch mit Barrieremethoden verhüten, wenn man eine Empfängnis mit großer Sicherheit ausschließen will.

Im Überblick

  • Chemische Verhütung: Verlassen Sie sich nicht darauf!
  • Von wegen „Männersache“: Kondome
  • Praktisch, sicher und hormonfrei: das Diaphragma
  • Portiokappe für Pillenmüde

Chemische Verhütung: Verlassen Sie sich nicht darauf!

(Pearl-Index: 3-21)
Chemische Verhütungsmittel, oft auch kurz (und nicht immer ganz zutreffend) als „Spermizide“ (spermientötend) bezeichnet, bestechen zwar auf den ersten Blick mit dem Vorzug, dass sie nicht – wie die Pille – in den Hormonhaushalt der Frau eingreifen und auch nur bei Bedarf angewendet werden müssen, sie haben aber teilweise unangenehme Nebenwirkungen, eignen sich nicht für alle Frauen und: Sie unterscheiden sich in puncto Sicherheit erheblich voneinander (wie aus dem Pearl-Index von 3-21 zu erkennen) und gelten generell als nicht sicher beziehungsweise sicher nur in Verbindung mit einer Barrieremethode.
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Wie wirken chemische Verhütungsmethoden?
Apotheken und Drogerien bieten eine Vielzahl chemischer Verhütungsmethoden zum freien Verkauf an – Salben, Zäpfchen, Schaum, Sprays oder Gele. Ihre Wirkung beruht darauf, dass sie einerseits die Spermien abtöten oder sie unbeweglich machen und sich andererseits über den Gebärmuttermund legen und die Spermien nicht in Gebärmutter oder Eileiter hochwandern können. Je nach Präparat unterscheiden sich die Wirkweisen etwas voneinander.
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Wie werden Zäpfchen, Schaum und Co. angewandt?
Damit chemische Verhütungsmittel ihre volle Wirkung entfalten können, müssen sie mindestens 10, besser 15 Minuten vor dem Verkehr tief in die Scheide direkt vor den Muttermund eingeführt werden. Vielen Präparaten ist deswegen ein kleiner Applikator beigefügt, mit dem sich das Gel oder die Salbe besser in der Scheide platzieren lässt. Ihre Wirkung hält in der Regel maximal 2 Stunden an und nur für einen Samenerguss. Danach muss die Prozedur gegebenenfalls wiederholt werden. Mit anderen Worten: Vor jedem einzelnen Geschlechtsverkehr muss neu verhütet werden.
Und in Verbindung mit Barrieremethoden?
Einige ölhaltige Spermizide können bei gleichzeitiger Anwendung mit Latex-Kondomen diese in Minutenschnelle angreifen und porös machen. Dann ist der Weg für Spermien aus dem Kondom frei. Sie sollten daher vor der Verwendung einer chemischen Verhütungsmethode in Kombination mit einem Latex-Kondom die Packungsbeilage genau studieren.
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Weniger sicher, aber besser verträglich?
Leider kann man das so nicht sagen. Zwar ist eine dauerhaft den Körper schädigende Wirkung bisher nicht bekannt. Die chemischen Verhütungsmittel wirken nur lokal, dort aber unter Umständen recht unangenehm: Durch die Schleimhautreizung kann es zu Brennen kommen, das sogar den sexuellen Genuss beeinträchtigen kann. Manche Frauen reagieren auch allergisch auf die Präparate, und Frauen, die hin und wieder unter Scheideninfektionen leiden, sollten sie nicht verwenden, weil sie das Scheidenmilieu empfindlich stören und damit besonders anfällig machen können.
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Von wegen „Männersache“: Kondome

Kondome gibt es nicht nur für Männer, sondern unter der Bezeichnung „Femidom“ seit 1990 auch für Frauen.
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Präservativ? Kondom? Alles eins! (Pearl-Index: 2-14)
Liebevoll auch als „Pariser“ oder „Londoner“ bezeichnet, sind Kondome (beziehungsweise Präservative) neben der Pille die beliebteste und am häufigsten eingesetzte Barrieremethode zur Verhütung. Und das mit Recht! Denn sie haben mehrere gute Argumente auf ihrer Seite: Sie greifen nicht in den hormonellen Regelkreis der Frau ein, sind daher frei von Nebenwirkungen und – bei richtiger Anwendung – relativ sicher. Mittlerweile gibt es Kondome nicht nur für den Mann, sondern auch für die Frau.
Kondome schützen vor sexuell übertragbaren Krankheiten
Sexuell übertragbare Krankheiten können nicht nur sehr unangenehm sein, viele bergen auch die Gefahr, dass sie, zu spät oder gar unbehandelt, zu bleibenden Schäden wie zum Beispiel Unfruchtbarkeit führen. Einen vergleichbaren Schutz bietet nur das Kondom für Frauen, das so genannte Femidom.
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Das richtige Kondom
Kondome dienen der Empfängnisverhütung und/oder dem Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Damit sie diese Aufgabe erfüllen können, müssen sie während des Verkehrs zuverlässig haltbar sein und dürfen nicht reißen oder platzen. In Deutschland wird deswegen seit fast 30 Jahren ein Gütesiegel für Kondome vergeben, das DLF-Gütesiegel (DLF = Deutsche Latex-Forschungs- und Entwicklungsgemeinschaft), das erteilt wird, wenn ein Kondom folgende Tests bestanden hat: auf Dichtigkeit, Aufblasbarkeit, Dehnung und mikrobiologische Reinheit.
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Die richtige Anwendung: Eine Frage des Sitzes
Dass das Kondom über das erigierte Glied gestreift wird, weiß jeder. Was viele nicht wissen: Damit nicht doch einzelne Spermien, die vor dem eigentlichen Samenerguss austreten, auf die Schamlippen gelangen und von dort aus ihren Weg in die Scheide finden, sollte das Kondom schon möglichst früh übergestreift werden und nicht erst unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr. Wichtig ist, dass es wirklich bis zur Peniswurzel heruntergezogen wird, damit es beim Verkehr nicht hochrutscht oder sich ganz vom Penis löst.
Vorsicht mit ölhaltigen Spermiziden, Vaseline und ölhaltigen Gleit- und Massagemitteln
Aus gutem Grund wird beim Einsatz chemischer Verhütungsmittel immer wieder empfohlen, sie mit einer Barrieremethode, zum Beispiel einem Kondom, zu kombinieren. Nicht alle chemischen Verhütungsmittel eignen sich jedoch dafür. Genau wie ölhaltige Gleitmittel und Vaseline greifen sie in Minutenschnelle das Latex des Kondoms an, so dass es porös werden kann. Dann kann es nicht nur zum Übertritt von Spermien in die Scheide kommen, sondern auch Krankheitserreger finden ihren Weg durch die Membran. Weil man eine solche Beschädigung des Kondoms nicht mit bloßem Auge erkennen kann, ist es ein Muss, vorher den Beipackzettel des verwendeten Spermizids oder Gleitmittels nach entsprechenden Hinweisen zu überprüfen. Bei wasser- oder silikonhaltigen Gleitmitteln besteht dieses Risiko übrigens nicht, denn sie schädigen das Latex nicht.
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Kondome richtig kaufen
Wunderbar einfach: Geld in den Automaten gesteckt, und schon wirft er Kondome aus. Dieser an sich richtige Gedanke, Kondome auch dort anzubieten, wo es zu Kontakten kommen kann – in Diskotheken und Kneipen zum Beispiel –, wirft zwei wichtige Fragen auf:

  • Sind die Kondome dort auch so gelagert, dass sie ihre Reißfestigkeit behalten? Eine zu kalte oder zu warme Aufbewahrung wie auch Temperaturschwankungen können Kondomen Schaden zufügen, den man auf den ersten Blick gar nicht erkennen kann. Beschädigte (zum Beispiel poröse) Kondome bergen aber die Gefahr, dass sie sowohl für Spermien als auch für Krankheitserreger durchlässig sind.
  • Gilt das Mindesthaltbarkeitsdatum noch? Auch Kondome können „verfallen“ und sind dann nicht mehr sicher.

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Haben Kondome auch Nachteile?
Viele Männer sind der Meinung, dass Kondome ihre Lust beeinträchtigen, weil sie den Hautkontakt verhindern und ihre Anwendung das Liebesspiel stören kann. Ob das „objektiv“ stimmt, ist bis heute nicht sicher geklärt – möglicherweise spielt hier die Vorstellung einer Störung eine viel größere Rolle als die Störung selbst.
Dass Latex-Allergien allerdings viel seltener sind als angenommen, ist wissenschaftlich belegt. Viel häufiger kommt es vor, dass auf zusätzlich verwendete chemische Verhütungsmittel oder Gleitmittel empfindlich reagiert wird, weil diese oft Reizstoffe enthalten, die nicht jeder verträgt.
Ein weiterer Nachteil von Kondomen ist ihr Geruch, den viele Menschen ausgesprochen unerotisch finden. Hier hilft etwas Experimentieren mit unterschiedlichen Produkten, denn nicht alle riechen gleich, und viele werden auch mit bestimmten Geruchs- und Geschmacksnoten angeboten.
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Femidom – das Kondom für die Frau (Pearl-Index: 5-25)
Pro: Das Femidom bietet nicht nur Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Zudem besteht es nicht aus Naturkautschuk (Latex) und wird deswegen auch bei einer Latex-Allergie gut vertragen. Contra: Das Femidom ist relativ unzuverlässig (s. Pearl-Index).
Wie wird ein Femidom angewandt?
Das Femidom ist eine Art Schlauch, der auf einer Seite verschlossen ist und aus hauchfeinem, reißfestem Kunststoff besteht. An beiden Schlauchenden ist ein Ring eingearbeitet, durch den sich das Femidom mit der verschlossenen Seite wie ein Diaphragma über den Gebärmuttermund und mit der offenen Seite außen über die Schamlippen stülpen lässt. Seine Vorteile gegenüber dem Kondom sind, dass die Anwendung des Femidoms nicht – wie die des Kondoms – von der Steifheit des Penis abhängt und es zudem schon bis zu 10 Stunden vor dem Verkehr eingesetzt werden kann.
Was ist bei der Anwendung zu beachten?
Um ein Femidom richtig einsetzen zu können, braucht es ein wenig Übung – dann geht es ganz leicht. Weil man es bis zu 10 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr einsetzen kann, besteht meist die Möglichkeit, das Liebesspiel „geschützt“ zu beginnen und nicht durch das Hantieren mit dem Femidom zu stören. Bei manchen Stellungen während des Verkehrs kann es passieren, dass das Femidom verrutscht. Dann kann man es am Außenring, der über den großen Schamlippen liegt, festhalten, damit es nicht in die Scheide gleitet.

Da das Femidom aus Kunststoff ist, kommt es leicht dazu, dass es beim Verkehr „quietscht“ – etwas Gleitmittel aufgetragen, und das Problem ist gelöst.
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Praktisch, sicher und hormonfrei: das Diaphragma

(Pearl-Index: 1-20)
Sie möchten als Frau Ihren Empfängnisschutz selbst in die Hand nehmen, nur „im Fall der Fälle“ verhüten und zwar ganz ohne Hormone? Dann ist für Sie das Diaphragma eine gute Option. Es ist leicht einzusetzen, jederzeit anwendbar, passt in die Handtasche und greift nicht in Ihren Hormonhaushalt ein. Richtig angewandt und kombiniert mit einem chemischen Verhütungsmittel, ist es relativ sicher, schützt aber nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
Ein Diaphragma ist eine runde, leicht gewölbte Kappe aus Latex oder Silikon und in neun verschiedenen Größen verfügbar. Welche für Sie die richtige ist, sagt Ihnen Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt, ohne deren/dessen Rat Sie kein Diaphragma verwenden sollten, wenn Sie nicht das Risiko einer Schwangerschaft eingehen wollen.
Ein gut angepasstes Diaphragma – ob es (noch) das richtige ist, sollte alle sechs Monate vom Frauenarzt überprüft werden – hat eine Lebenszeit von bis zu zwei Jahren, dann sollte es durch ein neues ersetzt werden.

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Wie wird ein Diaphragma eingesetzt?
Bevor Sie das Diaphragma zum ersten Mal benutzen, sollten Sie es „für den Ernstfall“ schon vorher ein paar Mal ausprobiert haben. Dann ist das Einsetzen ganz leicht: Durch den weichen Drahtring, der in den Diaphragmarand eingearbeitet ist, lässt es sich ganz leicht zusammendrücken, mühelos in die Scheide einführen. Es liegt dann wie eine Scheidewand in der Scheide vor dem Muttermund. Ganz wichtig: Damit die Verhütung wirklich klappt, muss das Diaphragma vor dem Einsetzen auf der dem Muttermund zugewandten Seite mit einem chemischen Verhütungsmittel bestrichen werden.
Wann wird das Diaphragma eingesetzt?
Das Diaphragma sollte am besten kurz vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden. Auch etwas früher ist möglich, dann sollten aber zwischen Einsetzen und Verkehr höchstens zwei Stunden liegen. Kommt es mehrmals hintereinander zum Geschlechtsverkehr, darf das Diaphragma nicht herausgenommen zu werden, aber es sollte dann nochmals Spermizid möglichst tief in die Scheide eingeführt werden. Das gelingt am besten mit einem Applikator, der den Gels und Salben in der Regel beigefügt ist.
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Kann ich das Diaphragma nach dem Geschlechtsverkehr herausnehmen?
Nein, damit müssen Sie mindestens 8 Stunden warten, denn so lange können Spermien überleben. Nach spätestens 24 Stunden sollte es aber entfernt werden, weil es sonst zu Irritationen des Scheidenmilieus und in der Folge zu Infektionen kommen kann.
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Kann es zu Nebenwirkungen kommen?
Nebenwirkungen wie Ausfluss oder eine Scheidenentzündung gehen in aller Regel auf das Konto der verwendeten chemischen Verhütungsmittels und nicht auf das des Diaphragmas. Dem vorbeugen lässt sich am besten, indem man darauf achtet, dass das Diaphragma nicht zu lange, also mehr als 24 Stunden, in der Scheide verbleibt. Machen sich nach dem Verkehr Hautreizungen – bei Mann oder Frau – bemerkbar, könnte ein Umsteigen auf ein anderes Spermizid Abhilfe schaffen. In seltenen Fällen liegt auch eine Allergie auf das Diaphragma -Material vor, dann hilft nur ein Wechsel der Verhütungsmethode.
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Portiokappe für Pillenmüde

(Pearl-Index: 2-6)
Die Portiokappe hat ihren Namen von dem lateinischen Begriff „Portio vaginalis uteri“ und beschreibt mit der Kurzform „Portio“ den in die Scheide ragenden Teil der Gebärmutter (Gebärmutterhals mit Muttermund). Die Portiokappe wird über den Muttermund gestülpt. Oft wird empfohlen, die Portiokappe immer zusammen mit einem chemischen Verhütungsmittel zu verwenden.
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Wie wird die Portiokappe eingesetzt?
Wie das Diaphragma muss die Portiokappe individuell von der/dem Frauenarzt/ärztin oder der Hebamme angepasst und ihr Sitz regelmäßig überprüft werden. Sie sitzt dann richtig, wenn Sie sie nicht spüren. Ist die richtige Portiokappe gefunden, wird während des Liebespiels, höchstens aber 20 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr innen eine erbsengroße Menge (nicht mehr) eines chemischen Verhütungsmittels aufgetragen und die Portiokappe über den Muttermund gestülpt. In seltenen Fällen passiert es, dass die Portiokappe während des Geschlechtsverkehrs vom Muttermund rutscht – dann wurde entweder zu viel Gel verwendet oder eine Portiokappe in der falschen Größe.
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Wie lange darf die Portiokappe in der Scheide bleiben?
Damit es nicht doch ungewollt zu einer Empfängnis kommt, sollte die Portiokappe mindestens 8 Stunden nach dem Verkehr in der Scheide über dem Muttermund verbleiben, jedoch nicht länger als höchstens 48 Stunden. Die Reinigung ist dann ganz einfach: Sorgfältig mit Wasser und Seife waschen und anschließend unter fließendem Wasser abspülen, damit keine Seifenreste zurückbleiben.
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Kann es zu Nebenwirkungen kommen?
Wenn keine Latexallergie besteht und die Portiokappe nicht länger als höchstens 48 Stunden in der Scheide verbleibt, sind Nebenwirkungen, wie auch beim Diaphragma, eher von den verwendeten Cremes und Gels zu erwarten als von der Portiokappe selbst. Wichtig zu wissen: Die Portiokappe bietet, genau wie das Diaphragma, leider keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
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