Paukenerguss BEI kindern

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Ein Paukenerguss ist keine Bagatelle

Symptome für einen Paukenerguss

Ältere Kinder und Erwachsene spüren es meist ziemlich schnell, dass mit ihrem Ohr etwas nicht stimmt. Sie hören plötzlich deutlich schlechter, weil die Schallleitung durch die Flüssigkeitsansammlung behindert wird. Hinzu kommt ein Druckgefühl, das von den meisten als sehr unangenehm empfunden wird. Im fortgeschrittenen Stadium kann der Paukenerguss Schmerzen und Schwindelgefühl hervorrufen. Doch diese Symptome treten nicht bei allen Betroffenen auf. Kleinere Kinder sind meist nicht in der Lage, ihr Befinden hinreichend genau zu beschreiben. Eltern sollten darum besonders aufmerksam sein, wenn ihr Kind sich offensichtlich unwohl fühlt und möglicherweise oft an sein Ohr fasst. Hatte das Kind gerade einen Infekt, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Paukenerguss erhöht.

Chronischer Verlauf

Dauert die krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit mehr als drei Monate an, wird von einem chronischen Paukenerguss gesprochen. Typisch für diese Krankheitsbild ist die Bildung von eitrigem Sekret. Der anhaltende Unterdruck im Innenohr ruft eine Veränderung der Schleimhautbeschaffenheit hervor. Es bilden sich zunehmend Becherzellen, die ein schleimiges Sekret produzieren.

Diagnose des Paukenerguss

Besteht der Verdacht auf einen Paukenerguss, sollte umgehend ein Spezialist konsultiert werden. Der HNO-Arzt wird zunächst eine Ohrspiegelung (Otoskopie) vornehmen. Auf diese Weise kann er Veränderungen am Trommelfell feststellen. Möglicherweise wölbt sich das Trommelfell nach innen oder außen. Selbst eine Ansammlung von Flüssigkeit hinter dem Trommelfell lässt sich häufig bereits durch dieses einfache Verfahren feststellen. Ist das Sekret blutig, beobachtet der Arzt einen bläulichen Schimmer. Wässrige Flüssigkeitsansammlungen lassen sich an einem bernsteinfarbenen Veränderung feststellen. Zusätzliche Informationen liefert die Tympanometrie. Die Methode misst die Schwingungen des Trommelfelles. Mit Hilfe dieses Verfahrens können die Druckverhältnisse im Innenohr noch genauer beurteilt werden.Befindet sich im Innenohr sehr viel Sekret, werden die Schwingungen des Trommelfelles stark gedämpft. man spricht dann von einem Paukenerguss.

Ursachen eines Paukenerguss

Die Ursachen für einen Paukenerguss können sehr vielfältig sein. Bei Kindern, die das achte Lebensjahr noch nicht erreicht haben, gehört der Paukenerguss zu den unangenehmen Begleiterscheinungen banaler Erkältungskrankheiten. Das hängt damit zusammen, dass die sogenannte Ohrtrompete (Eustachische Röhre) erst im Laufe der Zeit ihre Funktion in vollem Umfang erfüllen kann.
Die Eustachische Röhre verbindet die Paukenhöhle des Innenohres mit dem Hals-Nasen-Rachen-Raum. Auf diesem Wege wird die Paukenhöhle belüftet. Die Luft wird dort resorbiert, sodass ständig für Nachschub gesorgt werden muss. Der leichte Unterdruck in der Paukenhöhle, der durch die Resorption entsteht, wird durch Schlucken ausgeglichen. Beim Start eines Flugzeugs spüren wir diese Abläufe deutlich, ansonsten ist der Druckausgleich bei Erwachsenen normalerweise unproblematisch. Bei kleinen Kindern sieht das etwas anders aus. Da die Eustachische Röhre noch nicht voll funktionsfähig ist, kann der Druckausgleich zum Beispiel beim Vorliegen einer vergrößerten Rachenmandel oder von Polypen stark behindert werden. Und selbst eine kleine Erkältung kann zu ernsthaften Problemen führen, die für Nachfolgeschäden wie z.B. einem Paukenerguss sorgen.

Therapien nach einem Paukenerguss

Die Spanne der Therapieansätze reicht vom Nichtstun bis zum operativen Eingriff. In besonders einfachen Fällen kann der Paukenerguss von selbst ausheilen. Das kann einige Tage, manchmal aber auch Wochen dauern. Besser ist es jedoch, die Heilung zu unterstützen, um unangenehme Komplikationen oder Folgeschäden zu vermeiden. Welche Behandlung angezeigt ist, hängt von den Paukenerguss-Ursachen ab.

Abschwellende Nasentropfen

Ist die Belüftung des Innenohres behindert, weil eine Erkältung zu einem Anschwellen der Schleimhäute geführt hat, können abschwellende Nasentropfen oft schon wahre Wunder gengen Paukenerguss bewirken. Obwohl solche Mittel rezeptfrei in der Apotheke abgegeben werden, sollten Nasentropfen und Sprays umsichtig und nur über einen kurzen Zeitraum hinweg angewendet werden.

Physiotherapeutische Behandlung

Nasenspülungen und Inhalationstherapien erweisen sich bei der Behandlung vom Paukenerguss ebenfalls als sehr effektiv. Nach einer entsprechenden Unterweisung können die Patienten solche Maßnahmen auch in der häuslichen Umgebung durchführen.

Medikamentöse Behandlung

In vielen Fällen ordnet der Arzt eine Behandlung mit Medikamenten an. In diesem Bereich gibt es im wesentlichen drei Wege der Behandlung. Verursacht der Paukenerguss starke Schmerzen, können Schmerzmedikamente gezielt eingesetzt werden. Darüber hinaus kommen Medikamente zum Einsatz mit deren Hilfe das Sekret verflüssigt wir, um den Abtransport zu erleichtern. Ist der Paukenerguss die Folge einer bakteriellen Infektion, wird der Einsatz von Antibiotika erwogen. Diese dürfen nur vom Arzt verschrieben werden, um müssen penibel nach Vorschrift eingenommen werden. Bricht der Patient die Behandlung vorzeitig ab, riskiert er eine Resistenz.

Operative Eingriffe bei Paukenerguss

Reichen Physiotherapie und medikamentöse Behandlung nicht aus, kann ein operativer Eingriff helfen, um die Paukenerguss Ursachen zu beseitigen. Ist die Rachenmandel vergrößert, kann dadurch die Belüftung des Innenohrs behindert sein. In diesen Fällen ist eine Entfernung der Rachenmandel (Adenotomie) erfolgreich. In einigen Fällen entschließt sich der behandelnde Arzt zur Trommelfellparazentese. So wird ein Verfahren genannt, bei dem das Trommelfell mit einem kleinen Schnitt versehen wird. Die angesammelte Flüssigkeit kann dann abgesaugt werden. Bei sehr schwerwiegenden Paukenerguss-Erkrankungen und chronischen Krankheitsverläufen kann das Einsetzen eines Paukenröhrchens erforderlich werden. Dazu wird ebenfalls ein Schnitt im Trommelfell eingebracht, in den ein kleines Röhrchen eingesetzt wird. Durch dieses Röhrchen kann das Innenohr zuverlässig belüftet werden und ein weiterer Paukenerguss wird verhindert.

Wasser im Ohr? Was dann hilft

Normalerweise geht das ganz einfach, indem der Betroffene springt, sich dreht und den Kopf schüttelt. Wer einen Föhn zur Hand hat, kann den Gehörgang auch trocken föhnen. Aber nicht zu nahe kommen mit dem Föhn: Besser dreißig Zentimeter Abstand halten, um keine Verbrennungen zu erleiden! Oder man versucht vorsichtig, mit der Spitze eines Papiertaschentuchs das Wasser aus dem Gehörgang aufzusaugen.

Niemals sollte ein Laie allerdings ein Wattestäbchen oder gar eine Kugelschreibermine oder umgebogene Büroklammer in den Gehörgang einführen! Ich sehe fast jede Woche einen Patienten, der sich dadurch den Gehörgang oder das Trommelfell verletzt hat und aus dem Ohr blutet.

Manchmal hält das dumpfe Gefühl dennoch tagelang an, wie kommt das?

Dann befindet sich Ohrenschmalz im Gehörgang, das durch den Wassereintritt aufgequollen ist. Wenn das Ohrenschmalz dann auf dem Trommelfell liegt, sorgt es für ein anhaltendes Völlegefühl im Ohr.

Was hilft gegen das aufgequollene Ohrenschmalz?

Das kann der Betroffene nicht selbst entfernen! Er sollte stattdessen zum HNO-Arzt gehen. Dieser wird zunächst mit dem Mikroskop kontrollieren, ob das Trommelfell intakt ist und kein Loch hat. Als nächstes spült er unter mikroskopischer Kontrolle das Ohr mit körperwarmem Wasser und weicht das Ohrenschmalz auf, um es anschließend abzusaugen.

Was kann bei einem Loch im Trommelfell passieren?

Wer ein Loch im Trommelfell hat, spürt einen starken Schwindelanfall, wenn kaltes Wasser eintritt. Außerdem kann eine Mittelohrentzündung entstehen.

Angenommen, es gelangen Keime mit dem Wasser in den Gehörgang: Können diese dort eine Entzündung auslösen?

Ja, das kommt vor. Aber vor allem können bei Badeurlauben die wechselnden Wasserqualitäten dem Ohr zu schaffen machen: Meerwasser, Swimming-Pool-Wasser und Süßwasserdusche bringen das Milieu des Gehörgangs durcheinander. Dem kann man vorbeugen mit Ohrentropfen, die Glycerin und Alkohol enthalten. Das schützt den pH-Wert der Haut im Gehörgang. Vor allem Wassersportler, Surfer, Taucher und Segler nutzen das oft vorbeugend. Allerdings können auch diese Tropfen das Ohrenschmalz aufquellen lassen, falls es im Übermaß vorhanden ist.

Ohrstöpsel beim Schwimmen

Durch Ohrstöpsel beim Schwimmen Entzündungen vermeiden

Eigentlich fließt Wasser, das beim Schwimmen in den Gehörgang eindringt, auch wieder problemlos ab. Bis ins Mittelohr gelangt die Flüssigkeit ohnehin nicht, da das Trommelfell das Mittelohr schützt. Befindet sich viel Ohrenschmalz im Gehörgang, kann dieser zusammen mit eingedrungener Flüssigkeit einen Pfropf bilden, der das Wasser nicht mehr richtig abfließen lässt.
Damit Wasser gar nicht erst in den Gehörgang eindringt, eignet sich maßgefertigter Gehörschutz speziell fürs Schwimmen. Solche Ohrstöpsel zum Schwimmen können auch medizinisch notwendig sein. Das gilt insbesondere für Kinder, die Paukenröhrchen tragen. Diese kleinen Durchflüsse am Trommelfell werden vom HNO-Arzt eingesetzt – überwiegend bei Kindern, die häufig unter einem Paukenerguss leiden. Das sind Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr infolge von Erkältungen und Entzündungen. Die Paukenröhrchen ermöglichen den Abfluss des Sekrets nach außen. Durch Ohrstöpsel wird Wasser daran gehindert, in Gegenrichtung ins Mittelohr zu fließen und so Entzündungen zu verursachen. Zu den verschiedenen Möglichkeiten kann ein Hörakustiker beraten.

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Schwerhörigkeit bei Kindern

Wichtige Entwicklungsschritte als Indikatoren für Schwerhörigkeit des Kleinkindes

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat aufgelistet, in welchem Alter ein Kleinkind wie auf akustische Reize reagieren sollte:

Nach der Geburt

Ihr Kind sollte:

  • sich bei plötzlichen lauten Geräuschen erschrecken

Mit etwa 3 bis 5 Wochen

Ihr Kind sollte:

  • auf Zuspruch reagieren
  • lauschen, wenn Sie im Abstand von etwa 20 Zentimeter ein Geräusche machen, zum Beispiel mit den Fingern schnippen
  • aufmerksam auf Stimmen und Geräusche hören, wenn es ausgeruht ist
  • mit den Augen nach der Quelle vertrauter Geräusche suchen
  • gelegentlich Laute von sich geben

Mit 2 bis 3 Monaten

Ihr Kind sollte:

  • sich auch ohne Blickkontakt durch eine vertraute Stimme beruhigen lassen
  • den Kopf in Richtung einer Geräuschquelle bewegen
  • hörbar lachen

Mit 5 bis 6 Monaten

Ihr Kind sollte:

  • mit seiner Stimme auf sich aufmerksam machen
  • auf entferntere Geräusche reagieren, zum Beispiel eine Türklingel
  • durch unbekannte Geräuschen Unruhe zeigen

Mit 1 Jahr

Ihr Kind sollte:

  • aus etwa einem Meter Entfernung auf geflüsterte Ansprache reagieren
  • nach der Geräuschquelle suchen, wenn es zum Beispiel Musik hört
  • Verbote wie „Nein“ verstehen
  • zufrieden vor sich hin plappern, wenn es allein in einem Raum ist

Hörtests bei Kindern ab zwei Jahren

Auch ältere Kinder können einen Hörverlust haben, der vorübergehend oder andauernd ist. Eine mögliche Schwerhörigkeit ist bei älteren Kindern, deren Sprachfähigkeit bereits entwickelt ist, schwieriger zu identifizieren.

Prof. Dr. Behrbohm zu den Ursachen und typischen Beschwerden: „Bei Kindern zwischen zwei und sechs Jahren kommt es häufig zu Belüftungsstörungen des Mittelohrs. Ursache sind vergrößerte Rachenmandeln, auch Polypen oder Adenoide genannt. Sie verlegen die Ohrtrompete und es kommt zu Ergüssen im Mittelohr. Die Kinder schnarchen nachts, atmen durch den Mund, reagieren erst bei lauter Ansprache. Es kommt zudem zu einer Sprachentwicklungsverzögerung. Außerdem sprechen die Kinder undeutlich.“

Anzeichen dafür, dass ein Kind über zwei Jahre eine Hörstörung haben könnte:

  • Ihr Kind sagt häufig, dass es Sie nicht gehört hat. Es antwortet oft mit einer Gegenfrage wie „was?“ oder reagiert unpassend, wenn Sie es ansprechen. Dieser Hinweis erscheint trivial, aber viele Eltern gehen in solchen Fällen davon aus, dass ihr Kind nicht aufmerksam genug ist. Sie vermuten nicht, dass es unter einer Hörstörung leiden könnte.
  • Ihr Kind scheint gut zu hören, reagiert aber manchmal in auffälliger Weise nicht.
  • Ihr Kind schaut Sie intensiv an, während Sie mit ihm sprechen, als ob es sich konzentrieren müsste. Es könnte von optischen Hinweisen abhängig sein, um Sie zu verstehen.
  • Ihr Kind stellt die Lautstärke am TV lauter ein als andere Familienmitglieder.
  • Ihr Kind fängt an, lauter als gewohnt zu sprechen.
  • Ihr Kind dreht beim Zuhören häufig ein Ohr der Geräuschquellen zu und behauptet, es könne nur mit diesem Ohr gut hören.
  • Die Noten Ihres Kindes verschlechtern sich oder der Lehrer bemerkt, dass das Kind anders hört oder reagiert als seine Klassenkameraden.
  • Ihr Kind klagt über Ohrenschmerzen oder Ohrgeräusche.

Sollten Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind schlecht hört, sollten Sie auf jeden Fall und möglichst schnell mit ihm zum Hausarzt gehen. Er überweist gegebenenfalls an einen pädiatrischen Facharzt oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Nur ein Facharzt kann die Ursachen des Hörverlusts feststellen und eine geeignete Therapie einleiten.

Schwerhörigkeit bei Kindern – Therapie durch den Arzt

Der Facharzt wird zuerst einen Hörtest speziell für Kleinkinder oder Kinder durchführen. Diese Tests sind schmerzfrei und nicht invasiv, es findet lediglich eine Messung von außen statt.

Abhängig davon, wie schwer der Hörverlust des Kindes ist und welche Ursachen er hat, kommen verschiedene therapeutische Maßnahmen infrage:

  • Behebung der Ursache (Ohrschmalz, Verletzung)
  • Medikamente (Infektion)
  • Operativer Eingriff
  • Hörgerät
  • Cochlea-Implantat
  • Kombination von Sprechtherapie und Hörgerät

Schwerhörigkeit bei Kindern lässt sich heutzutage durch einen Facharzt sehr gut behandeln, sodass betroffene Kinder nicht in ihrer Entwicklung gestört und ihren sozialen Aktivitäten behindert sind.

Spezielle Hörgeräte können auch bei Kindern eine wertvolle Hilfe sein.

Gesundheit: Mittelohrentzündung quält fast jedes Kind

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Es gibt eine Statistik, die wir am liebsten allen Müttern und Vätern eines soeben geborenen Babys vorenthalten möchten: Bereits bis zum sechsten Lebensmonat macht jedes vierte Baby eine Mittelohrentzündung durch. Bis zum ersten Geburtstag erkranken mehr als 60 Prozent aller Kinder mindestens einmal an einer akuten Otitis media (AOM). Und bis zu ihrem dritten Geburtstag durchleiden rund 90 Prozent aller Kinder mindestens eine, annähernd die Hälfte der Kinder sogar drei Entzündungen des Mittelohrs. Und obwohl Kinder schon immer von Mittelohrentzündungen gequält werden, herrschen noch immer unterschiedliche Meinungen über die richtige Behandlung.

„Die akute Mittelohrentzündung ist die häufigste Krankheit, deretwegen ein Kind beim Arzt vorgestellt wird“, sagt Professor Michael J. Lentze, Direktor der Universitätskinderklinik Bonn. Über die notwendige Behandlung streiten allerdings nicht nur die Ärzte der verschiedenen Fachrichtungen, sondern auch die Eltern mit den Ärzten. Denn eine Mittelohrentzündung ist der häufigste Grund für den Einsatz von Antibiotika bei Säuglingen und Kleinkindern – und viele Eltern wollen ihre Kinder nicht unnötig mit Antibiotika behandeln. Denn ob und wann Antibiotika notwendig und sinnvoll sind, ist keinesfalls eindeutig geklärt.

Warum sich das Ohr entzündet

In manchen Familien kommen Mittelohrentzündungen besonders häufig vor, vermutlich als Folge der besonderen anatomischen Verhältnisse im Ohr, die das Kind von den Eltern geerbt hat. Jungen erkranken häufiger als Mädchen, Flaschenkinder etwas öfter als gestillte Babys.

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Kinder, die in Krippen oder Kindergärten betreut werden, haben naturgemäß ein höheres Ansteckungsrisiko. Je früher ein Kind in die Gruppenbetreuung kommt, umso eher wird es seine erste Mittelohrentzündung durchmachen. Epidemiologe Joachim Heinrich aus Neuherberg und Kinderarzt Professor Berthold Koletzko aus München schreiben in der „Monatsschrift Kinderheilkunde“: „Durch den ersten Kontakt mit vielen Kindern kommt es vermehrt zu Atemwegsinfekten und infektiösen Erkrankungen des Ohres. Die Betreuung in Krippen vor dem ersten Lebensjahr führt zu einem ausgeprägteren Auftreten dieser Erkrankungen im Vergleich zu einem Eintrittsalter in Krippen oder Kindergärten im späteren Leben.“ Ein besonderes Risiko sind die Eltern selbst: Babys, die passiv rauchen müssen, erkranken dreimal häufiger an einer Mittelohrentzündung, besonders dann, wenn die Mutter raucht. Deshalb sollten alle Erwachsenen auf das Rauchen in der Nähe von Babys und Kleinkindern verzichten.

Wie die Entzündung entsteht

Am Anfang der Krankheit steht meistens eine Virusinfektion, zum Beispiel eine Erkältung, eine Angina oder eine virusbedingte Kinderkrankheit wie etwa Masern. Die Viren schädigen die Schleimhäute in Mund und Nase und ebnen damit den Weg für Bakterien, die dann im Ohr zur Entzündung führen. Eine weitere häufige Ursache sind Polypen, drüsenähnliche Wucherungen der Rachenmandeln, die den Ausgang der Ohrtrompete zum Rachen hin verengen. Sie schwellen während eines Infekts weiter an und behindern das regelmäßige Belüften des Mittelohrs.

In der Paukenhöhle (dem Raum hinter dem Trommelfell, in dem sich die Gehörknöchelchen befinden) staut sich Flüssigkeit, die nicht abfließen kann. Oft bildet sich Eiter. Beim Schlucken ist kein Druckausgleich zwischen Innen- und Außendruck möglich. Das Kind empfindet stechende oder pochende Ohrenschmerzen.

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Bei Babys und kleinen Kindern ist die Krankheit schwer zu erkennen, weil sie meist ohne Fieber auftritt. Das Kind fühlt sich abgeschlagen und schlapp, wirkt aber gleichzeitig unruhig und gereizt. Es leidet oft unter Bauchschmerzen und Durchfall, schreit viel und lässt sich auch durch Herumtragen nicht beruhigen.

Den entscheidenden Hinweis darauf, worunter das Baby leidet, liefert oft das „Ohrenwetzen“: Das Kind wackelt mit dem Kopf, greift immer wieder ans Ohr und liegt im Bett immer auf der kranken Seite. Bereits ein geringer Druck oder Zug am Ohr löst Schmerzensschreie aus.

Warum es kleine Kinder trifft

Das Mittelohr ist ein kleiner Hohlraum, der durch das Trommelfell nach außen zum Gehörgang hin abgeschlossen ist. Es muss jedoch belüftet werden. Das geschieht durch eine Verbindung in den Rachenraum. Diese sogenannte Eustachische Röhre, auch Tube oder Ohrtrompete genannt, sorgt dafür, dass der Luftdruck auf beiden Seiten des Trommelfells gleich hoch ist. Diese Verbindung ist bei Kindern kürzer, aber weiter als bei Erwachsenen. Krankheitserreger gelangen deshalb aus Mund oder Nase leichter zum Ohr hinauf.

Gefahr fürs Hören und Sprechen

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Das Problem der Krankheit sind nicht die Schmerzen allein, sondern auch ihre Komplikationen. Ein häufiges, schwerwiegendes Begleitsymptom der Mittelohrentzündung: Das Kind hört schlecht. Das passiert ausgerechnet in einem Alter, in dem sich intellektuelles Verständnis und Sprache besonders schnell entwickeln. Pädaudiologen wissen, dass schon eine vier Wochen andauernde Schwerhörigkeit zu einer Sprachentwicklungsstörung führen kann. Deshalb muss das Kind bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung möglichst schnell zum Arzt.

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Eine weitere, weitaus seltenere, aber schwerwiegende Komplikation ist die Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoid-Knochen), den man hinter der Ohrmuschel ertasten kann. Die Symptome sind länger andauerndes Fieber, Schmerzen bei Druck und Berührung, eine rötliche Schwellung hinter der Ohrmuschel. Die Entzündung kann auf die Hirnhäute übergreifen und eine Meningitis zur Folge haben. In diesem Fall ist eine Behandlung mit Antibiotika unumgänglich.

Antibiotika weiter in der Diskussion

Im häufigsten Fall steht der Arzt vor der Frage: Abwarten oder ein Antibiotikum verordnen? Bis vor wenigen Jahren gehörten Antibiotika in den meisten Industrieländern zur Standardbehandlung, und auch heute wird in den USA, in Deutschland oder England die Mehrheit der Kinder damit behandelt, während in den Niederlanden der Anteil der Antibiotikatherapie bereits unter 32 Prozent liegt.

Die Entscheidung fällt aus mehreren Gründen schwer:

• Der Arzt kann nicht auf Anhieb erkennen, ob die Entzündung von Viren oder von Bakterien verursacht wird. Antibiotika bekämpfen nur Bakterien, gegen Viren sind sie wirkungslos, aber teuer und auch mit Nebenwirkungen behaftet.

• In den allermeisten Fällen heilt die Mittelohrentzündung erfreulicherweise ganz von allein. Die Beschwerden lassen bei etwa 80 Prozent der betroffenen Kinder innerhalb von zwei Tagen bis zwei Wochen spontan nach.

Friedrich Bootz, Professor an der HNO-Klinik der Universität Bonn, sagt: „Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion ist die Gabe eines Antibiotikums ratsam, wobei die Indikationsstellung streng in Abhängigkeit von der Schwere des Krankheitsbildes gestellt werden sollte.“ Die Kinderärzte Dirk Bassler aus Tübingen und Professor Johannes Forster aus Freiburg im Breisgau halten dagegen eine Antibiotikabehandlung nur bei Kindern unter zwei Jahren mit einer beidseitigen Mittelohrentzündung sowie für Kinder mit Ohrenausfluss für nützlich. Sie verweisen auf die Ergebnisse von Metaanalysen, wonach der Effekt von Antibiotika auf den Heilungseffekt eher bescheiden ist, und sprechen sich deshalb dafür aus, bei älteren Kindern erst einmal abzuwarten.

Tropfen in die Nase, nicht ins Ohr

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Ein Kind mit Mittelohrentzündung gehört immer zum Arzt. Er wird Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol empfehlen. Von Ohrentropfen raten Kinderärzte und HNO-Ärzte übereinstimmend ab. HNO-Professor Friedrich Bootz: „Ohrentropfen sind bei Kindern mit akuter Otitis media nicht indiziert.“ Statt Ohrentropfen wird die Mittelohrentzündung mit abschwellenden Nasentropfen behandelt. Sie verbessern die Durchlüftung des Mittelohrs. Nasentropfen wirken besser als Nasensprays, da sie weiter in den Nasen-Rachen-Raum vordringen und dort abschwellend wirken können.

Als Hausmittel zur Bekämpfung der Schmerzen eignet sich Wärme in jeder Form: Als Wärmflasche, Wattepackung oder durch die Bestrahlung des Ohrs mit einer Rotlichtlampe. Ein besonders wirksames Hausmittel ist die Zwiebel: Sobald sie gequetscht wird, bildet sie schwefelhaltige Stoffe, die Viren und Bakterien bekämpfen und stark entzündungshemmend sind. Verwendet wird sie als Zwiebelsäckchen, das auf das kranke Ohr gelegt wird.

Halten die Schmerzen des Kindes trotz Antibiotika, abschwellender Nasentropfen, Fieber- und Schmerzmittel an, bleibt manchmal nur ein Ausweg: das Trommelfell des Kindes operativ zu öffnen (Parazentese). Das macht der HNO-Arzt entweder mit einem feinen Messer oder häufig auch mithilfe von Laserstrahlen. Diese Maßnahme schafft einen Weg, über den der Eiter aus dem Mittelohr abfließen kann. Dadurch werden die Ohrenschmerzen oft schlagartig behoben. Das verletzte Trommelfell verheilt innerhalb einiger Tage, das Hörvermögen normalisiert sich.

Sind Polypen die Ursache der Belüftungsstörung und der wiederholten Mittelohrentzündungen, raten Kinderärzte und HNO-Ärzte übereinstimmend zu ihrer Entfernung (Adenotomie). Die Wucherungen erschweren vor allem nachts die Atmung durch die Nase, das Kind schnarcht, schläft schlecht und leidet tagsüber unter Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Weil es schlecht hört, ist es weniger aufmerksam und macht deshalb oft einen „unfolgsamen“ Eindruck. Die wuchernden Rachenmandeln werden durch eine schnelle Routineoperation entfernt.

Ben ist sieben Monate alt. Er ist gesund und propper. Doch seit einiger Zeit beobachtet seine Mutter, dass der Kleine nicht angemessen auf Geräusche reagiert. Läuft die Spieluhr, versucht das Kind nicht die Schallquelle zu lokalisieren.

Ben erschreckt auch nicht, wenn die Tür laut zuknallt. Sprachlich bab­belt er zwar vor sich hin, gibt aber immer noch keine zweisilbigen Laute von sich. All diese Anzeichen können auf eine Hörstörung hinweisen, die deutschlandweit etwa 500.000 Kinder betrifft; etwa 80.000 von ihnen so hochgradig, dass sie spezielle Fördermaßnahmen benötigen.

Folgen der Hörstörung

Bei Säuglingen und Kindern sind Hörstörungen meist erblich bedingt oder die Folge von Infektionen. Bleibt die Störung unerkannt, lernen Kinder die Sprache nicht richtig und sind nachfolgend auch in ihrer sozialen, emotionalen und schulischen Entwicklung beeinträchtigt. Je länger eine Schädigung des Gehörs unbehandelt bleibt, desto gravierender sind die Folgen.

Werden bis etwa zum vierten Lebensjahr nicht genügend Hör­eindrücke an das Gehirn weitergeleitet, bleiben diese Hirn­strukturen für den Rest des Lebens schwächer ausgebildet. Das lässt sich später nicht mehr ausgleichen. Deshalb wird seit 2009 auch für alle Neugeborenen ein Hörscreening angeboten. Die Teilnahme ist freiwillig.

Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. Bereits in der Geburtsklinik wird untersucht, ob das Kind gut hören kann oder nicht. Der Test ist schmerzlos. Er erfordert keine Mitarbeit und erfolgt am besten nach dem Füttern des Kindes im Schlaf.

Was das Ergebnis bedeutet

Das Ergebnis des Hörscreenings ist noch keine Diagnose. Ein auffälliger Test bedeutet nicht automatisch, dass tatsächlich eine Hörstörung vorliegt. Allerdings ist eine Hörschädigung bei Neu­geborenen in den meisten Fällen nicht heilbar. Sie lässt sich aber wirksam behandeln, sodass sich das Kind weitgehend normal entwickelt. Je nach Auslöser der Störung kann das Kind Hörgeräte verordnet bekommen.

Manchmal ist auch eine Operation am Mittelohr oder bei Schädigung der Sinneszellen im Innenohr die Versorgung mit einer elektronischen Innenohrprothese (Cochlea-Implantat) notwendig. Im Rahmen einer Frühförderung sollte das Hören gefördert sowie bei stark beeinträchtigtem Hörvermögen die Gebärdensprache erlernt werden.

Hörstörung bei älteren Kids

Auch im späteren Kindesalter kann sich trotz eines unauffälli­-gen Neugeborenen-Screenings eine Schwerhörigkeit entwickeln. Sehr häufig ist die Übertragung des Schalls im äußeren Gehörgang und/oder Mittelohr gestört. Der Höreindruck ist mehr oder minder stark gedämpft.

Meist werden diese Störungen durch Ergüsse im Mittelohr – sogenannte Paukenergüsse – oder Mittelohrentzündungen verursacht. Bleiben die Ergüsse länger als drei Monate bestehen, kann das die Entwicklung der Sprache ungünstig beeinflussen.

Bei chronischen infektbedingten Ergüssen im Mittelohr kann die Einlage von Paukenröhrchen das Hörvermögen verbessern. Gegebenenfalls müssen auch vergrößerte Rachenmandeln entfernt werden, damit das Mittelohr besser belüftet wird. Sind die Gehörknöchelchen im Mittelohr durch eine Knochen­eiterung zerstört, ist eine Operation und manchmal auch ein Ersatz des betreffenden Gehörknöchelchens notwendig.

Probleme im Innenohr

Im Kindesalter kann ebenfalls das Schallempfinden gestört sein. Ursache ist eine Schädigung des Innenohrs oder des Hörnervs. Diese Hörstörung kann beispielsweise nach einer Infektion mit Mumps als vorübergehende oder als dauerhafte Taubheit auftreten.

Auch nach einer Hirnhaut-, einer Gehirnentzündung sowie anderen Schädigungen des Hörzentrums im Gehirn kann das Kind schwerhörig oder taub werden. Besteht eine Innenohrschwerhörigkeit, lässt sich der Hörverlust teilweise durch ein angepasstes Hörgerät kompensieren. Bei Taubheit ist
die Versorgung mit einer Innen­ohrprothese (Cochlea-Implantat) möglich. Dr. med. Anne Schulze Everding
www.ich-hoere.de
www.gehoerlosen-bund.de

Wann ist ein Paukenröhrchen nötig?

Ursachen sind häufig Infekte der oberen Atemwege. Siedeln sich zusätzlich Bakterien an, wird aus der klaren Flüssigkeit Eiter – das Kind hat dann eine schmerzhafte Mittelohrentzündung. Normalerweise fließt das Sekret im Ohr nach einem Infekt wieder ab. Aber bei manchen Kindern bleibt es und verursacht einen Unterdruck, durch den das Trommelfell nach innen gezogen wird und nicht mehr schwingen kann.

Medikamente können helfen

Auch wenn der Arzt einen Pauken­erguss diagnostiziert, steht nicht sofort eine Operation auf dem Plan. Zunächst wird versucht, die Flüssigkeit mithilfe abschwellender Medikamente abfließen zu lassen. „Ich verordne Nasentropfen und Inhalationen, gleichzeitig schicke ich die Kinder zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt“, erklärt ­Steffen Büchner. Der legt manchmal noch spezielle Einlagen in die Nase, um die Schleimhäute abschwellen zu lassen. Ältere Kinder dürfen sogenannte Nasenluftballons aufblasen, um im Ohr den Druck auszu­gleichen. Manchmal reicht diese Behandlung.

Manchmal ist eine Operation nötig

Besteht der Paukenerguss auch nach drei Monaten noch, empfiehlt der HNO-Arzt meist, Pauken­röhrchen einzusetzen. „Länger würde ich nicht warten. Die meisten betroffenen Kinder sind zwischen zwei und drei Jahre alt. In dieser Zeit explodiert die Sprachentwicklung“, erklärt ­Roland Laszig.­ Würde eine Operation länger hinaus­gezögert, beeinträchtige das schlechte Hören die Entwicklung des Sprachvermögens.

Bei der Operation handelt es sich um einen kurzen ambulanten Eingriff. Unter Vollnarkose ritzt der Arzt einen kleinen Schnitt ins Trommelfell und saugt die Flüssig­keit aus der Paukenhöhle. Während der Operation entscheidet er, ob der Schnitt genügt oder ob ein Paukenröhrchen eingesetzt wird. Das nur drei Milli­meter kleine Röhrchen aus Gold oder Titan wird ins Trommelfell gesetzt. „Dadurch wird das Ohr belüftet, sodass sich keine Flüssigkeit mehr ansammeln kann“, erklärt Laszig. Während der Operation begutachtet der Arzt zudem die Rachenmandel. Ist sie zu groß, wird sie abgetragen. Auch das hilft, die Paukenhöhle in Zukunft besser zu belüften.

Das Röhrchen im Ohr spüren die Kinder meist nicht. Nach einem Ruhetag dürfen die Kleinen sogar wieder in die Kita. Nach der Operation hören die Kinder spürbar ­besser. „Doch erst wenn das Röhrchen nach drei bis zwölf Monaten aus dem Ohr fällt, verfügen sie wieder über das vollständige Hörvermögen“, so Laszig.

Mit Paukenröhrchen ist Tauchen tabu

Im Alltag müssen Kinder mit Pauken­röhrchen auf fast nichts verzichten. Lediglich im Wasser sollten Eltern ein wenig aufpassen. Denn solange die Röhrchen das Trommelfell offen halten, dürfen keine Keime ins Ohr dringen. Beim Baden – in der Bade­wanne, im See, im Meer oder im Pool – empfiehlt Laszig, einen in Öl getränkten Watte­bausch ins Ohr zu stecken und mit einer Badekappe zu fixieren. In der Badewanne genüge es auch, die Ohren mit einem Waschlappen abzudecken. Kinderarzt Büchner hat gute Erfahrungen mit Ohrstöpseln aus der Apotheke gemacht. Extra angefertigte Ohr­stöpsel vom Hörgeräteakustiker halten beide Mediziner für unnötig. „Laut Leitlinien dürfen Kinder gänzlich ohne Ohrschutz ins Wasser. Nur aufs Tauchen müssen sie verzichten“, sagt Laszig.

Kann man einem Pauken­erguss vorbeugen? Büchner schüttelt den Kopf. „Das Einzige, was helfen ­würde, wäre, Infekte zu verhindern“, so der Kinderarzt. Bei kleinen Kindern sei das aber unmöglich. Sie erwerben 90 Prozent ihrer Immunität bis zum fünften Lebens­jahr. Und zehn bis zwölf Infekte im Jahr gehören bis dahin zum Alltag.

Mittelohrentzündung, Paukenerguss: Symptome, Diagnose, Therapie

Woran erkennt man eine Mittelohrentzündung bzw. Otitis? Wie zeigt sich ein Paukenerguss? Wann handelt es sich um einen akuten Fall und wann ist die Erkrankung chronisch? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Thomas Grundmann, Chefarzt der HNO-Abteilung der Asklepios Klinik Altona über Symptome, Diagnose und Therapie von Mittelohrentzündung und Paukenerguss.

Herr Prof. Grundmann, wie sehen die Symptome einer Mittelohrentzündung bzw. einem Paukenerguss aus?

Bei der akuten Otitis treten Ohrenschmerzen auf und sie kann auch mit Fieber einhergehen.

Tritt ein Paukenerguss auf, kann es auch zu Hörverlusten kommen. Kommt es zu einem starken Anschwellen der Lymphknoten, können die Ohren abstehen.

Wenn die Entzündung subakut abschwillt, dann kann der akute Infekt durch das Trommelfell brechen und es kann zu einer eitrigen Otorrhoe kommen, d.h. es tritt Flüssigkeit aus dem Ohr aus.

Bei den Symptomen der chronischen Mittelohrentzündung stehen der Hörverlust und das eitrig laufende Ohr im Vordergrund.

Wie kommt es zu einem Paukenerguss im Mittelohr?

Wenn die Eustachische Röhre sich verschließt, wird die im Mittelohr noch vorhandene Luft resorbiert und es entsteht ein Unterdruck im Mittelohr. Im Epithel des Mittelohrs kommt es dadurch zu einer Barriereschädigung. Es kommt dann zu einem Paukenerguss im Mittelohr, der dem Unterdruck entgegenwirken soll.

Und wie kann es dazu kommen, dass ein Paukenerguss chronisch wird?

Aus der klinischen Erfahrung wissen wir, dass es bei allergischen Kindern häufiger zu chronischen Paukenergüssen kommt.

Zu einer chronischen Entwicklung kann es, vor allem bei Kindern, aber auch dann kommen, wenn eine Dualität zwischen gestörter Mittelohrbelüftung und immer wiederkehrenden Reizzuständen der Mittelohrschleimhaut dazu führt, dass sich ein chronischer Paukenerguss bildet. Bei Kindern kommt das häufig vor, d.h. es ist ein „normales“ Phänomen und verliert sich häufig von selbst, auch ohne Behandlung.

Wenn immer wieder auftretende Paukenergüsse allerdings, gerade in den ersten drei Lebensjahren, zu Sprachentwicklungsverzögerungen führen, weil die Kinder schlecht hören, muss man eingreifen. Der Paukenerguss muss dann beseitigt werden, damit das Hörvermögen wiederhergestellt wird und sich die Sprachentwicklung normalisiert.

Zur Diagnose: Wie erkennt man eine Mittelohrentzündung?

Eine Mittelohrentzündung erkennt man durch eine Blickdiagnose. Dazu wird die Öffnung des Ohres mit einem kleinen Trichter aufgespannt und ein Ohrmikroskop eingeführt. Bei einem akuten Mittelohrinfekt ist das Trommelfell hochrot, und, falls ein Loch vorhanden ist, kann man dies gut erkennen.

Besteht ein Paukenerguss, erkennt man dies an einem verdickten Trommelfell bei dem viele Gefäße zu sehen sind.

Wie sieht die Therapie der Otitis bzw. eines Paukenergusses aus?

Beim akuten Mittelohrinfekt gibt man Antibiotika und abschwellende Medikamente.

Wenn ein Kind einen akuten Paukenerguss hat, muss man nicht therapieren. Ein Nasenspray kann dabei helfen, die Nasenschleimhäute zum Abschwellen zu bringen, aber meistens bilden sich Paukenergüsse von selbst wieder zurück.

Bei chronischen Paukenergüssen wird ein Trommelfellschnitt empfohlen, um den Erguss abzulassen.

Ist das Sekret im Mittelohr stark eingedickt, kann ein Paukenröhrchen eingesetzt werden. Dies gewährleistet, dass der Erguss dauerhaft abfließen kann. So kann auch Luft an die Mittelohrschleimhaut kommen, damit diese ausheilen kann.

Aber: Bei allergischen Kindern würde man bei der Wahl des Materials darauf achten, dass das Paukenröhrchen nicht allergieverstärkend wirkt. Zum Beispiel würde man an Stelle eines Kunststoffröhrchens ein Titanröhrchen wählen.

Hat ein Kind immer wieder Paukenergüsse und es besteht eine Allergie, würde ich ein topisches Steroid, d.h. ein Kortison-Nasenspray verordnen. Da es sich dabei um ein lokal an der Nasenschleimhaut wirkendes Therapeutikum handelt, würde sich dadurch der körpereigene Cortisol-Spiegel nicht erhöhen. Ein negativer Einfluss auf das Knochenwachstum erfolgt nicht.

Auch die Gabe eines Antihistaminikums ist möglich.

Wäre eine Operation auch dann angeraten, wenn eine chronische Mittelohentzündung allergiebedingt ist?

Wenn im Trommelfell durch einen chronischen Paukenerguss ein Loch entstanden ist, das nicht mehr von selbst zuheilt, besteht keine Barriere mehr zwischen Gehörgang und Mittelohr. Dann ist eine Operation, unabhängig von einer eventuell bestehenden Allergie, angeraten, um den chronischen Abszess zu beseitigen. Dadurch wird auch verhindert, dass das Mittelohr durch den Eiterungsprozess zerstört wird.

Abfluss für das Mittelohr: Paukenröhrchen

Was ist ein Paukenröhrchen?

Das Paukenröhrchen setzen Ärzte ins Trommelfell des Ohres ein, damit Flüssigkeit aus dem Mittelohr nach außen abfließen kann. In der Regel hat das Paukenröhrchen einen Durchmesser von etwa 1,2 bis 1,5 Millimetern. Seine Aufgabe besteht darin, das hinter dem Trommelfell liegende Mittelohr zu belüften. Paukenröhrchen bestehen normalerweise aus Kunststoff wie Silikon, Polyethylen oder Teflon, und manchmal auch aus Gold. Oft verwendete Modelle haben eine Spulen- oder Röhrchenform. Zur langfristigen Belüftung des Mittelohres wählen die Ärzte oft T-Formen.

Flüssigkeit im Mittelohr: Wie entsteht ein Paukenerguss?

Sekret sammelt sich vor allem dann im Mittelohr an, wenn es nicht ausreichend belüftet wird: Das Mittelohr und der Nasen-Rachen sind über die Eustachische Röhre, auch Tube genannt, miteinander verbunden. Diese Verbindung kann sich aus mehreren Gründen verschließen. Meistens sind Infekte durch Viren oder Bakterien oder entzündlich-allergisch bedingte Infekte der oberen Luftwege dafür verantwortlich. Dazu zählen Nasen- und Nasennebenhöhlen-Entzündungen, Nasen-Rachen-Schleimhaut-Entzündungen oder Entzündungen der Nasen-Rachen-Polypen (Adenoide Vegetationen der Nasen-Rachen-Mandeln). Mitunter können auch sehr große Gaumen-Mandeln (Tonsilla palatina) die Verbindung verschließen. Selten können auch angeborene Fehlbildungen wie eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte der Grund sein, warum die Eustachische Röhre nicht durchgängig ist.

Fast alle Kinder haben bis zum achten Lebensjahr mindestens einmal einen Paukenerguss. Erwachsene sind deutlich seltener betroffen. Die meisten Paukenergüsse verschwinden mit antientzündlichen und abschwellenden Medikamenten, vor allem die akuten Paukenergüsse. Von einem chronischen Paukenerguss spricht der Arzt erst, wenn er länger als drei Monate andauert.

Wie macht sich ein Paukenerguss bemerkbar?

Wenn sich Flüssigkeit im Mittelohr ansammelt, verspüren die Betroffenen zumeist ein Druck- und Völlegefühl im Ohr. Und die Menschen im Umfeld bemerken oft, dass derjenige schlechter hört, weil das Trommelfell bei Schalleinwirkung nicht ungehindert schwingen kann: Kleinkinder reagieren nicht oder nur verzögert auf Stimmen oder Geräusche. Ältere Kinder und Erwachsene fallen durch lautes Sprechen auf. Bleibt bei Kindern eine Schwerhörigkeit unbehandelt, kann sie zu sprachlichen Entwicklungsstörungen und abfallenden Leistungen in der Schule führen. Oft geht dem Paukenerguss eine Mittelohrentzündung voran. Oder der Paukenerguss infiziert sich, was sich dann auch durch Schmerzen und Fieber bemerkbar macht.

Wie stellen Ärzte einen Paukenerguss fest?

Bei Verdacht auf einen Paukenerguss untersuchen die Ärzte den Patienten immer mit Hilfe der Ohrmikroskopie. Damit können sie den Flüssigkeitsspiegel hinter dem Trommelfell erkennen. Wenn das Trommelfell aber zum Beispiel durch frühere Mittelohrentzündungen vernarbt ist, kann der Arzt den Paukenerguss nicht sehen, sondern nur in der Tympanometrie feststellen. Die Tympanometrie ist eine Untersuchung des Mittelohrdrucks samt graphischer Darstellung der Trommelfell-Beweglichkeit mithilfe eines Messgeräts. Im akuten Stadium ist das Trommelfell auch entzündlich gerötet, im chronischen Stadium eher rosa verdickt. Außer dem Tympanogramm hilft das Tonaudiogramm beim Sichern der Diagnose. Es misst unter anderem die Hörschwelle für Luftleitung und Knochenleitung.

Die Ärzte untersuchen auch die Nase und den Nasen-Rachen, sowie die Nasennebenhöhlen und den Rachen, um mögliche Ursachen für den Paukenerguss zu finden.

Wann kommt ein Paukenröhrchen in Frage?

Vor allem bei Kindern behandeln die Ärzte abgestuft: Bei akuten serösen Paukenergüssen setzen sie antientzündliche und abschwellende Medikamente ein. Dabei verordnen sie unter anderem Nasentropfen, Sprays und Inhalationen. Ist der Paukenerguss mit Bakterien infiziert und eitrig, können Antibiotika die Therapie ergänzen. Chronische Ergüsse sind häufig Folge einer nicht ausgeheilten Mittelohrentzündung. Erst wenn die erwähnten konservativen Maßnahmen auf Dauer nicht erfolgreich sind, sollten Ärzte eine operative Behandlung in Betracht ziehen.

Antibiotika haben nach aktuellem Wissensstand in der Regel keine Wirkung auf einen chronischen Paukenerguss. Die Ärzte setzen sie deshalb deutlich zurückhaltender ein als noch vor einigen Jahren.

Paukenerguss: Behandlung, Ursachen, Symptome und Therapie

Wenn eine Hörminderung oder ein von Schwindel begleitetes Druckgefühl im Ohr auftritt, muss es sich dabei nicht zwangsläufig um eine beginnende Schwerhörigkeit oder einen Tinnitus handeln. Besonders bei Kindern tritt stattdessen meist ein Paukenerguss auf.

Laut einer Erhebung der Universitätsklinik Marburg leiden im Durchschnitt rund 80 Prozent aller Kinder bis acht Jahren an einem Paukenerguss, wobei 10 bis 25 Prozent mit einer chronischen Erkrankung zu kämpfen haben. Die Erkrankung des Mittelohrs geht häufig mit einer Erkältung einher und betrifft in den meisten Fällen Kinder unter acht Jahren. Bei einem Paukenerguss sammelt sich Flüssigkeit im Mittelohr, genauergesagt in der Paukenhöhle. Der Paukenerguss wird überwiegend als nicht schmerzhaft empfunden – die Erkrankung führt jedoch zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Hörvermögens, wenn keine oder nur eine unzureichende Behandlung stattfindet.

Paukenerguss – was ist das eigentlich?

Bei einem Paukenerguss verstopft eine Flüssigkeitsansammlung in der Paukenhöhle das Mittelohr. Die Konsistenz dieser Flüssigkeit ist variabel und kann dünnflüssig (auch Tympanon genannt), zähflüssig (Mukotympanon) oder leimartig sein. Bei Letzterem spricht man auch von dem „Glue Ear“ oder „Leimohr“. Zudem variiert auch die Qualität. Während die Flüssigkeit bei einigen betroffenen Patienten relativ klar und schleimig ist, sind in anderen Fällen Blut- oder Eiterreste darin zu finden. Ob die Flüssigkeit Blut oder Eiter mitführt hängt mit der Entstehungsursache zusammen. Der Verlauf der Erkrankung ist meistens akut und nicht chronisch. Das bedeutet, dass sich die Flüssigkeit bei der korrekten Behandlung zurückbildet und der Patient nach kurzer Zeit keine Beschwerden mehr hat. In einigen Fällen kann der Paukenerguss jedoch auch chronisch werden.

Der Paukenerguss entsteht in vielen Fällen durch eine gestörte oder beeinträchtigte Belüftung des Ohres. Diese wird beispielsweise durch Druckschwankungen (Barotrauma), vergrößerte Rachenmandeln (Polypen) oder durch ein verstärktes Gewebewachstum in der Nase oder dem Rachen hervorgerufen. Der Paukenerguss zählt zu den häufigsten Kinderkrankheiten, besonders bei Kindern bis zu einem Alter von acht Jahren. Erkennbar ist die Erkrankung durch ein vermindertes Hörvermögen der betroffenen Person. Damit die Erkrankung nicht chronisch wird, empfiehlt sich eine möglichst zeitnahe Behandlung. Sollte das Kind also über Hörprobleme klagen, ist ein Besuch bei einem Hals-Nasen-Ohren Arzt anzuraten.

Ursachen und Entstehung des Paukenergusses

Die Ursachen für einen Paukenerguss können sehr unterschiedlich sein. Bei Kindern kommt es häufiger vor, dass die Sauerstoffzufuhr des Ohres gestört ist. Dafür verantwortlich ist die Ohrtrompete, die sich im Mittelohr befindet und die Luftzufuhr regelt. Wenn die Ohrtrompete nicht mehr richtig funktioniert und die Sauerstoffzufuhr daher eingeschränkt ist, kann ein Paukenerguss entstehen. Sollte der Betroffene zeitgleich auch unter Polypen oder einer schweren Erkältung leiden, wird die Belüftung des Ohrs durch eine gesteigerte Schleimproduktion des Körpers noch weiter eingeschränkt. Durch diese Bedingungen wird die Entstehung der Erkrankung weiter begünstigt. Starke Druckschwankungen, zum Beispiel beim Start und der Landung eines Flugzeuges, gelten als weitere mögliche Ursache für einen Paukenerguss.

Eine akute oder chronische Entzündung der Nasen- oder Rachenschleimhaut (Rhinitis) kann ebenso zu der Erkrankung führen wie eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Da hierzu auch die Kieferhöhlen zählen, können dementsprechend auch Zahnprobleme oder Entzündungen im Mundraum Ursache dieser Erkrankung sein. Ein Paukenerguss wird häufiger bei körperlich beeinträchtigten Menschen festgestellt. So können Patienten mit einer Lippen-, Gaumen- oder Kieferspalte oder dem Down-Syndrom eher an einem Paukenerguss erkranken als gesunde Menschen. Eine weitere, jedoch seltene Ursache ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu Sekretionsstörungen der Mittelohrschleimhaut führt.

Symptome

Bei Kindern als auch bei Erwachsenen äußert sich der Paukenerguss häufig durch ein vermindertes Hörvermögen (Schallleitungsschwerhörigkeit) und ein unangenehmes Druckgefühl, das jedoch nicht durchgängig besteht. Zudem kann die Erkrankung bei Erwachsenen auch von Schwindelgefühlen und Kopf- oder Ohrenschmerzen begleitet werden. Diese Symptome kommen bei Kindern allerdings so gut wie nie vor. Die als Folge des Paukenergusses eintretende Schwerhörigkeit entsteht durch den Umstand, dass die Paukenhöhle den Schall nur dann an das Innenohr weiterleiten kann, wenn dieser Hohlraum frei ist. Wird die Paukenhöhle jedoch durch die schleimige Flüssigkeit verstopft, ist die Schallweiterleitung beeinträchtigt und eine Schwerhörigkeit entsteht.

Verlauf

Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen bildet sich ein Paukenerguss in den meisten Fällen von selbst zurück. Der Zeitraum reicht hier von einigen Tagen bis zu wenigen Wochen. Sollte der Paukenerguss nicht behandelt werden, und länger als drei Monate bestehen, droht eine chronische Erkrankung. Sobald ein Kind das kritische Alter von 10 Jahren überschritten hat, nimmt die Gefahr einer Erkrankung signifikant ab. Da die Sauerstoffversorgung des Ohres über die Ohrtrompete im fortgeschrittenen Alter besser funktioniert, sinkt dementsprechend auch das Risiko an einem Paukenerguss zu erkranken.

Diagnose Paukenerguss

Hat man den Verdacht, dass man selbst oder das eigene Kind an einem Paukenerguss erkrankt ist, sollte man zeitnah einen Hals-Nasen-Ohren Arzt aufzusuchen. Damit der HNO-Arzt eine Diagnose stellen kann, muss er das kranke Ohr untersuchen. Die am häufigsten eingesetzte Methode um einen Paukenerguss festzustellen, ist die Ohrenspiegelung (auch Otoskopie genannt). Dabei betrachtet der Arzt das Mittelohr und das Trommelfell und kann so feststellen, ob ein gestörter Druckausgleich oder eine mögliche Flüssigkeitsansammlung vorliegt.

Eine weitere Diagnosemethode ist ein Test der Trommelfellbeweglichkeit. Bei der auch Tympanometrie genannten Untersuchung reizt der HNO-Arzt das Trommelfell und kann so Rückschlüsse auf fehlerhafte Druckverhältnisse im Mittelohr ziehen. Sollte das Mittelohr mit Flüssigkeit gefüllt sein, ist das Trommelfell in seiner Schwingung eingeschränkt. Dieser Umstand ist das deutlichste Anzeichen für einen Paukenerguss. Sollte die Erkrankung auf eine Schallleitungsstörung zurückgehen, führt der Arzt verschiedene Hörtests durch. Ebenso kann eine Spiegelung des Rachenraumes oder der Nasenhöhle Aufschluss über einen vorliegenden Paukenerguss geben.

Behandlung und Therapie

Wenn der Hals-Nasen-Ohren Arzt einen akuten Paukenerguss diagnostiziert hat, sollte man nicht in Panik verfallen. Die meisten Ärzte empfehlen im ersten Schritt abzuwarten. Eine Behandlung mit schleimlösenden Medikamenten ist jederzeit möglich, doch nicht unumstritten und in manchen Fällen kontraproduktiv. Viele HNO-Ärzte warten erst einmal einige Tage oder auch zwei bis drei Wochen ab, ohne eine medikamentöse Behandlung zu beginnen. In diesem Zeitraum heilt die Erkrankung meist von selbst aus. Sollten die Beschwerden länger als ein Monat bestehen, muss spätestens dann mit einer Therapie begonnen werden. Die Behandlung des Paukenergusses ist je nach Ursache unterschiedlich.

Bei eingeschränkter Sauerstoffversorgung des Ohrs: Um die Belüftung wiederherzustellen erfolgt eine Behandlung mit abschwellenden Nasentropfen. Dieses Verfahren eignet sich jedoch nicht für eine Langzeittherapie.

Physiotherapie: Neben den Nasentropfen gibt es noch andere Möglichkeiten, um den Paukenerguss ohne einen operativen Eingriff zu behandeln. Neben Inhalations- und Dampfbädern eignen sich auch Wärmebehandlungen oder eine Spülung der Nase.

Bei einer starken Flüssigkeitsansammlung: Sollte sich viel Flüssigkeit im Mittelohr angesammelt haben, kann diese durch die Einnahme von verschiedenen sekretverflüssigenden Medikamenten behoben werden, beispielsweise mit Bromelain oder Papain.

Bei einer bakteriellen Infektion: Sollte der Paukenerguss durch Bakterien entstanden sein, wird eine Therapie mit Antibiotika und gegebenenfalls mit Schmerzmitteln durchgeführt.

Bei einem schweren chronischen Paukenerguss: Im Falle einer chronischen Erkrankung kann auch ein operativer Eingriff notwendig sein. Bei krankhaft vergrößerten Rachenmandeln werden diese im Rahmen einer Adenotomie entfernt. Bei einer permanenten Sekretansammlung wird ein kleiner Einschnitt im Trommelfell (Parazentese) vorgenommen, um die Flüssigkeit besser absaugen zu können. Bei Kindern, die unter einem chronischen Paukenerguss leiden, kann das Einsetzen eines Paukenröhrchens die Sauerstoffversorgung des Ohrs verbessern. Um das Röhrchen wieder zu entfernen ist kein weiterer operativer Eingriff notwendig, da dieses nach der Heilung von selbst wieder herausfällt.

Sekundärsymptome und Begleiterscheinungen

Bei einem Paukenerguss kann es in einigen wenigen Fällen zu schweren Sekundärsymptomen und Begleiterscheinungen kommen. Durch die Beeinträchtigung des Gehörs wird besonders bei kleinen Kindern die sprachliche Entwicklung gestört, wenn sich die Erkrankung chronifiziert. Dieser Umstand tritt allerdings nur sehr selten und meist erst nach mehreren Monaten auf. Eine Verklebung oder Destruktion des Gehörknöchelchens sowie ein Riss im Trommelfell sind ebenfalls sehr selten. Im Notfall muss hier ein Implantat eingesetzt werden. Bei einer schweren Entzündung besteht zudem die Gefahr, dass diese auch auf benachbarte Zellen übergreift und es so zu Meningitis, Mastoiditis oder Labyrinthitis kommt. Noch seltener ist die Bildung von Retentionstaschen im Trommelfell und ein daraus resultierendes Cholesteatoms. Dabei handelt es sich um ein Geschwulst, das operativ entfernt werden muss.

Ist eine Vorbeugung möglich?

Aufgrund der vielfältigen Ursachen ist es nicht möglich einem Paukenerguss effektiv vorzubeugen. Bei einer Erkältung empfehlen Hals-Nasen-Ohren Ärzte die Einnahme von schleimlösenden Medikamenten. So kann sich während der Erkältung erst gar kein Schleim im Ohr bilden, der später möglicherweise zu einem Paukenerguss führt. Sollten Kinder in der Vergangenheit schon häufiger von der Erkrankung betroffen gewesen sein, kann ein Paukenröhrchen Abhilfe schaffen und einer Chronifizierung vorbeugen. Andere Maßnahmen zur Vorbeugung eines Paukenergusses sind derzeit nicht bekannt.

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Was ist ein Paukenerguss?

Ein Paukenerguss ist gewissermaßen ein „Schnupfen im Mittelohr“. Es kommt ein- oder beidseitig zur Schleimbildung in der Paukenhöhle, meist bei Erkältungen und besonders dann, wenn Ihr Kind zusätzlich eine vergrößerte Rachenmandel hat („Polypen“).

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Medizinisch korrekt handelt es sich beim Paukenerguss um eine nicht eitrige Entzündung mit Sekretstau im Mittelohr. Aufgrund einer Schleimhautschwellung der Tube (Eustachische Röhre, Ohrtrompete) kann das Sekret nicht mehr in den Nasen-Rachen-Raum abfließen. Stattdessen sammelt es sich in der Paukenhöhle an. Je nach Konsistenz wird das Serotympanon (wässriges Sekret) vom später durch Eindickung entstehenden Mucotympanon (zähfließendes, honigartiges Sekret) unterschieden.

Auffälligstes Anzeichen: plötzliche Schwerhörigkeit

Hauptsymptom ist die oft beiderseitige Schwerhörigkeit. Das Hörvermögen wird häufig um bis zu ein Drittel gemindert, was in etwa dem Zuhalten der Ohren mit den Fingern entspricht.

Der Paukenerguss ist keine Seltenheit – bei nahezu 90% aller Kinder kommt es bis zum Teenager-Alter irgendwann zum „Wasser im Ohr“, beispielsweise bei einer stärkeren Erkältung. Er zählt damit zu den häufigsten Ursachen für eine (vorübergehende) Hörschwäche bei Kindern. In den meisten Fällen bildet sich der Erguss aber innerhalb weniger Tage bis Wochen komplett zurück. Bleibt der Paukenerguss für längere Zeit – ab drei Monaten gilt er als chronisch – bestehen, kann die Sprachentwicklung bei Kleinkindern ernsthaft beeinträchtigt werden (muss aber nicht). Bei älteren Kindern leidet die schulische Leistung.

Die Hörstörung entsteht, weil das Trommelfell bei Beschallung nicht mehr ausreichend schwingen kann (Schallleitungsschwerhörigkeit). Eventuell wird ein kleiner Einschnitt ins Trommelfell erforderlich (Parazentese), damit der Mittelohrerguss abfließen bzw. abgesaugt werden kann. Das ist aber erstens selten notwendig und zweitens viel harmloser als es klingt.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

© istockphoto, Aleksej Sarifulin

An einem Paukenerguss können sowohl Kinder als auch Erwachsene erkranken. Typisch für diese Ohrenerkrankung sind ein Druckgefühl und Schmerzen im Ohr oder auch eine Hörminderung. Die nicht ansteckende Krankheit ist gut behandel- und heilbar. Wir informieren Sie in diesem Artikel, wie Sie einen Paukenerguss – in Abgrenzung zu einer Mittelohrentzündung – erkennen und sowohl schulmedizinisch als auch mit Hausmitteln behandeln können.

Wie äußert sich ein Paukenerguss?

Ein Paukenerguss geht in der Regel mit folgenden Symptomen einher:

  • Ein Paukenerguss führt in erster Linie zu einem Druck- oder Völlegefühl im Ohr. Auch Knackgeräusche werden beschrieben.
  • Später entwickeln sich Schmerzen des betroffenen Ohres. Der Schmerz ist eher dumpf und in der Tiefe des Ohres verankert.
  • Ein weiteres typisches Symptom ist die Hörminderung auf der erkrankten Seite. Bei Kleinkindern kann das eingeschränkte Hörvermögen auf Dauer zu einer Verzögerung der Sprachentwicklung führen.
  • Ist das Trommelfell verletzt, kann es passieren, dass trübe Flüssigkeit aus dem Ohr läuft.
  • Oft wird der Paukenerguss durch einen Infekt der oberen Atemwege ausgelöst und dann von entsprechenden Beschwerden wie Fieber, Gliederschmerzen, Schnupfen und Husten begleitet.

Flüssigkeit im Ohr beim Paukenerguss

Beim Paukenerguss füllt Flüssigkeit (Sekret) das Mittelohr (Auris media, auch Paukenhöhle genannt) aus. Die Paukenhöhle stellt den Verbindungsraum zwischen dem Innenohr und dem Außenohr dar und hat die Aufgabe, die von der Außenwelt eintreffenden akustischen Schallwellen mithilfe des schwingenden Trommelfells und den Gehörknöchelchen in Richtung Innenohr zu transportieren.

Im Innenohr befindet sich das eigentliche Hörorgan, die Hörschnecke („Cochlea“). Durch die Flüssigkeit in der Paukenhöhle kann der Schall nicht adäquat zum Innenohr weitergetragen werden, was zu einer Hörminderung führt.

Schmerzen im Ohr beim Paukenerguss

Außerdem funktioniert der Druckausgleich mit der sogenannten Ohrtrompete nicht richtig. Die Ohrtrompete („Eustachi-Röhre“) ist ein luftgefüllter Verbindungsgang vom Nasenrachenraum zum Mittelohr.

Der allseits bekannte Druckausgleich durch Pressen mit geschlossenem Mund bei gleichzeitigem Zuhalten der Nase ist ein Manöver zum Öffnen der Ohrtrompete und Entweichen von Luftdruck aus dem Mittelohr. Ist dieser Mechanismus durch Flüssigkeit im Mittelohr gestört, verursacht die Druckzunahme Schmerzen im Mittelohr.

Wie kommt es zum Paukenerguss?

Die Flüssigkeit in der Paukenhöhle bildet sich durch eine Belüftungsstörung des Mittelohrs und der Ohrtrompete, bei Kindern meistens verursacht durch Wucherungen des Drüsengewebes im Nasenrachenraum („Adenoide“, im Volksmund „Polypen“ genannt). Betroffen sind die Drüsen der sogenannten Rachenmandeln, die nicht mit den Gaumenmandeln zu verwechseln sind. Oft werden diese an sich harmlosen Polypen erst durch einen Paukenerguss entdeckt, vorher machen sie keine Probleme.

Durch die Belüftungsstörung verändern sich die Schleimhautzellen des Mittelohrs und produzieren vermehrt dickflüssigen, zähen Schleim.

Ein Paukenerguss ist somit keine Krankheit, die ansteckend ist.

Der Tubenkatarrh beim Erwachsenen

Bei Erwachsenen sind häufig Virusinfekte der Nasennebenhöhlen („Rhinitis“ oder „Sinusitis“) Schuld. Durch die Erkältung schwillt die Schleimhaut an und es kommt ebenfalls zu einer Belüftungsstörung der Ohrtrompete und des Mittelohrs. Das daraufhin entstehende entzündliche Sekret wird von Medizinern „Tubenkatarrh“ genannt („-tube“=Tuba auditiva=Ohrtrompete, „-katarrh“=Flüssigkeitsansammlung) und stellt eine Vorstufe des Paukenergusses dar.

Weitere Ursachen für einen Paukenerguss

Allergien und Verkrümmungen der Nasenscheidewand können ebenfalls einen Paukenerguss verursachen.

In sehr seltenen Fällen und fast nur bei Erwachsenen sind Belüftungsstörungen durch bösartige Tumoren die Ursache. Hierbei handelt es sich meistens um Krebserkrankungen („Karzinome“) der Schleimhaut des Nasenrachenraums.

Auch angeborene Fehlbildungen, wie beispielsweise die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, prädestinieren für einen Paukenerguss.

Wie lange dauert ein Paukenerguss?

Man unterscheidet zwischen akuten, also plötzlich auftretenden und dabei kurz anhaltenden, und chronischen (lang anhaltenden) Verlaufsformen. Bei Kindern sind chronische, teilweise auch innerhalb weniger Monate wiederkehrende, Verläufe typisch. Über die Dauer der Zeit verändert sich auch die Zusammensetzung des Sekrets, es wird dickflüssiger und zäher und fließt noch schlechter ab.

Bei Erwachsenen, bei denen ein kurzzeitig andauernder Virusinfekt häufiger die Ursache ist, beobachtet man eher akute Erkrankungen, die nach wenigen Tagen bis Wochen von alleine wieder ausheilen.

Paukenerguss – was tun?

Gerade wenn Kinder betroffen sind, die ihre Beschwerden nicht genau benennen können, sollte man sich an einen Arzt wenden. Dieser kann in die Ohren schauen („Otoskopie“) und eine Einziehung oder Verletzung des Trommelfells oder auch das Sekret hinter dem Trommelfell sehen.

Außerdem kann er die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells testen („Tympanometrie“) und somit eine Aussage über das Ausmaß des Paukenergusses treffen. Weiterhin kann ein Hörtest aufschlussreich sein.

Durch eine Spiegelung des Nasenrachenraums können ursächliche Polypen entdeckt werden.

Wie wird ein Paukenerguss behandelt?

Stellt der Arzt einen Paukenerguss fest, ist die Therapie abhängig von der Ursache.

Ein akuter Paukenerguss im Rahmen eines Virusinfekts heilt in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen von alleine aus und hat eine gute Heilungstendenz.

Zur Linderung der Symptome können abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays sowie schleimlösende Medikamente eingesetzt werden. Dadurch wird insgesamt der Druck auf die Nasennebenhöhlen verkleinert und die Schmerzen werden gelindert. Auch direkte Schmerzmittel werden eingesetzt.

Paukenerguss bei Kleinkindern und Kindern

Bei Kindern wird ebenfalls zunächst ein abwartendes Verhalten bevorzugt, denn auch ein chronischer Paukenerguss aufgrund von Polypen kann sich innerhalb einiger Monate von allein zurückbilden.

Unterstützend wirken auch hier die oben bereits genannten abschwellenden und schmerzlindernden Maßnahmen und Medikamente.

Kommt jedoch eine relevante Schwerhörigkeit hinzu, sollte der Paukenerguss entlastet werden – vor allem, wenn die Sprachentwicklung gefährdet ist. Ebenso sollte gehandelt werden, wenn das Kind an wiederkehrenden Paukenergüssen leidet.

Die Parazentese als Therapie des Paukenergusses

Bei der Entlastung werden im Rahmen einer Operation ein Schnitt in das Trommelfell gemacht („Parazentese“), der Erguss abgesaugt und gegebenenfalls ein sogenanntes „Paukenröhrchen“ eingelegt.

Dabei handelt es sich um ein dünnes Röhrchen aus Metall oder Plastik, durch das die Flüssigkeit nach außen so lange ablaufen kann, bis die Belüftung des Mittelohrs wieder normal funktioniert.

Das Paukenröhrchen wird dann entweder durch den Arzt herausgenommen oder es fällt von allein heraus.

Behandlung mit Paukenröhrchen – das ist zu beachten

Wichtig ist, in der Zeit der Therapie vorsichtig im Umgang mit Wasser zu sein. Würde Wasser über das Röhrchen in das Mittelohr laufen, könnte sich eine Infektion bilden. Zum Schwimmen empfehlen daher manche HNO- und Kinderärzte, Ohrenstöpsel zu tragen.

Auch beim Sport gibt es Übungen, die mit einliegendem Paukenröhrchen nicht zu empfehlen sind.

Fliegen bei einem Paukenerguss

Aufgrund des erhöhten Luftdrucks ist bei einer Erkrankung mit einem Paukenerguss auch von Reisen mit dem Flugzeug abzuraten. Sprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt darüber.

Operieren beim Paukenerguss

Wurden Adenoide, also Polypen, nachgewiesen, werden diese durch eine Operation entfernt („Adenotomie“). Dabei werden die vergrößerten Rachenmandeln weggeschnitten. Oft kann man in gleicher Sitzung den beschriebenen Trommelfellschnitt und gegebenenfalls die Einlage eines Paukenröhrchens durchführen. Normalerweise kann diese Operation ambulant erfolgen.

Hausmittel beim Paukenerguss

Vor allem, wenn es sich um eine leichte Form eines Paukenergusses und um einen vorübergehenden Paukenerguss bei einem Virusinfekt handelt, können neben den Empfehlungen des HNO-Arztes bestimmte Hausmittel die Heilung unterstützen.

Zum Abschwellen der Nasennebenhöhlen können folgende Tricks beim Behandeln helfen:

  • Nasentropfen oder Nasensprays
  • Dampfbäder
  • Inhalationen
  • Rotlicht
  • Nasenspülungen

Ätherische Öle mit Eukalyptus-, Fichte- oder Kieferduft wirken schleimlösend und entzündungshemmend und sind daher gut für die Anwendung im Dampfbad oder zur Inhalation geeignet.

Paukenerguss homöopathisch behandeln

Homöopathie ist bei einem Paukenerguss nur als Unterstützung zur Schulmedizin zu empfehlen. Bei Belüftungsstörungen durch Polypen können homöopathische Mittel kaum Abhilfe schaffen.

Sprechen Sie bei Interesse mit ihrem behandelnden Arzt über die Möglichkeiten des Einsatzes von Globuli oder Schüßler-Salzen® zur unterstützenden Therapie des Paukenergusses.

Auch bei Fragen zur Osteopathie beim Paukenerguss ist es empfehlenswert, die Meinung des Arztes Ihres Vertrauens einzuholen.

Mittelohrentzündung oder Paukenerguss?

Eine Mittelohrentzündung („Otitis media“) von einem Paukenerguss zu unterscheiden, ist mitunter nicht einfach. Zumal sich ein Paukenerguss auch als Folge einer Mittelohrentzündung bilden kann.

Bei der Mittelohrentzündung handelt es sich um eine durch Bakterien oder Viren ausgelöste Entzündung der Schleimhaut des Mittelohrs, die mit Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Schwäche und Schmerzen einhergeht.

Bei Ohrenschmerzen, die sehr stark sind oder länger als zwei Tage andauern, bei Flüssigkeitsabsonderungen aus dem Ohr oder Schwerhörigkeit sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Im Fall einer Mittelohrentzündung kann der Arzt dann ein Antibiotikum verschreiben.

Aktualisiert: 16.08.2018 – Autor: Dr. med. Lisa Rosch

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Nasenballon hilft Kindern mit Paukenerguss im Ohr

Eine häufige Erkrankung bei Kindern unter zehn Jahren ist die Mittelohrentzündung. In der Folge kann sich Flüssigkeit im Mittelohr sammeln, es entsteht ein Unterdruck, das Trommelfell zieht sich ein. Dieser so genannte Paukenerguss führt zu einem Druckgefühl und beeinträchtigt das Hörvermögen.

Forscher der University of Southampton haben in einer Studie getestet, ob der Nasenballon helfen kann. Wie Studien-Autor Ian Williamson erklärte, würden Behandlungen mit Antibiotika, Antihistaminika, abschwellenden Nasentropfen oder intranasalen Steroiden den Paukenerguss nicht beseitigen und hätten überdies Nebenwirkungen. Sie könnten daher nicht empfohlen werden.
An der Studie nahmen 320 Kinder im Alter von 4 und 11 Jahren aus 43 Hausarztpraxen in Großbritannien teil, die nach einer zurückliegenden Mittelohrentzündung an einem Paukenerguss in einem oder beiden Ohren litten. Eine Gruppe wurde wie üblich behandelt, die andere nutzte über ein bis drei Monate drei Mal am Tag den Nasenballon.

Nasenballon hilft bei Paukenerguss

Dabei bläst das Kind durch jeweils ein Nasenloch in ein kleines Röhrchen – das andere Nasenloch wird zugehalten – und bläst so einen Ballon auf. Durch den erhöhten Naseninnendruck soll die Verbindung zwischen Nase und Ohr wieder geöffnet, die Paukenhöhle belüftet und das Hörvermögen verbessert werden. Ergebnis: Bei 47,3 Prozent der Kinder, die den Nasenballon nutzten, war nach einem Monat der normale Mittelohrdruck wiederhergestellt, aber nur bei 35,6 Prozent der Kinder in der Kontrollgruppe

Drei Monate später betrug die Rate 49,6 Prozent zu 38,3 Prozent. Die Kinder in der Studiengruppe waren mehr Tage symptomfrei. Im ersten Monat machten 89 Prozent in der Nasenballon-Gruppe ihre Übungen, nach drei Monaten waren es noch 80 Prozent. Der Nasenballon sei eine einfache und kostengünstige Behandlungsoption für Kinder im Schul-Alter, die an einem Paukenerguss litten. Sie helfe auch, den überflüssigen Einsatz von Antibiotika zu reduzieren, so das Fazit der Studie.

Paukenröhrchen verbessern Hörvermögen

Eine weitere gängige Methode, um den Paukenerguss zu beseitigen, ist das operative Einlegen von Paukenröhrchen. Eine im Fachmagazin Pediatrics erschienene Meta-Studie meldet indes Zweifel an der Wirksamkeit an. Darin wurden 1.665 Kinder mit chronischer oder rezidivierender Mittelohrentzündung und Paukenerguss erfasst. Eine Gruppe erhielt das Röhrchen, die andere nicht. Nach ein bis drei Monaten hatte sich das Hörvermögen in der Röhrchen-Gruppe im Vergleich zu den unbehandelten Kindern um 9,1 Dezibel verbessert. Wurden den kleinen Probanden zusätzlich die Rachenmandeln entfernt, betrug der Unterschied sogar 10 Dezibel.

Zwei Jahre nach dem Einlegen der Paukenröhrchen gab es in puncto Hörvermögen allerdings keinen Unterschied mehr zwischen beiden Gruppen. Der Erguss war anscheinend auch ohne Eingriff spontan abgeheilt. Bei Kindern mit wiederkehrender Otitis media könnte das Röhrchen die Zahl der Episoden senken, vermuten die Forscher, eindeutige Nachweise dafür fanden sie nicht.

HNO-Experte empfiehlt Nasenballon statt Paukenröhrchen

Therapie-Indikationen für das Röhrchen seien vor allem Verzögerungen in der Sprachentwicklung und bleibende Schäden am Mittelohr, das sagte Prof. Heinrich Iro, Direktor der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Erlangen, in der Ärztezeitung. Ansonsten gelte: „Keine Paukenröhrchen bei ansonsten gesunden Kindern mit einer einmaligen Episode eines Paukenergusses über weniger als drei Monate.“ In dem Fall sollten die kleinen Patienten dreimal täglich den Nasenballon nutzen, um so die Tube zu belüften.

Foto: Manuel Tennert/fotolia.com

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