Paracetamol während der schwangerschaft

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Paracetamol in der Schwangerschaft – Zeit, umzudenken

Mehr als die Hälfte der Schwangeren nimmt während der Schwangerschaft Schmerzmittel ein (1, 2). Wenn man schwanger ist und Migräne, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen oder Gelenkschmerzen verspürt, wird man schnell ohne größeres Nachdenken den immer gleichen Reflex auslösen: Paracetamol – Du darfst! Nimm! Seit über 50 Jahren heißt das Credo: Paracetamol darf über die Dauer der gesamten Schwangerschaft eingesetzt werden.

Schmerzen und Schmerzmittel sind in der Schwangerschaft kein Randthema. Paracetamol wird gegen Kopfschmerzen, Migräne, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen von ca. 50 bis 65 % der Schwangeren entweder zu einem bestimmten Zeitpunkt oder auch permanent während der Schwangerschaft eingesetzt (1, 2). Paracetamol in der Schwangerschaft ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Ein aktueller Text auf embryotox.de führt aus „… dass Paracetamol in der gesamten Schwangerschaft eingenommen werden darf“(3). Im Impressum findet sich sicherheitshalber der Hinweis: „Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Eine Haftung für Schäden, die sich aus der Verwendung der abgerufenen Informationen und Dienste ergeben, … ist ausgeschlossen.“ Behandelnde Ärzte in der realen Behandlungssituation können einen solchen Haftungsausschluss nicht für sich gelten lassen und müssen persönliche Verantwortung für Ihre verordneten Behandlungen aufgrund des aktuellen Wissenstandes übernehmen.

Der Satz, dass Paracetamol in der gesamten Schwangerschaft eingenommen werden darf, legt nahe, dass durch das Arzneimittel keine Schäden für Mutter und Kind entstehen, solange keine Überdosierung erfolgt. Weder das Arzneimittelgesetz mit der Risiko-Nutzen-Abwägung noch das Sozialgesetzbuch V mit den Regelungen zur Nutzen-Schaden-Abwägung begründet eine solche Aussage. Nach § 5 Abs. 2 AMG sind Arzneimittel bedenklich, bei denen nach dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse der begründete Verdacht besteht, dass sie bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkung haben, die über ein nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft vertretbares Maß hinausgehen. Ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis ist ein Zulassungsversagungsgrund (§ 25 Abs. 2 Nr. 5 AMG). Bewertet wird dabei die positive therapeutische Wirkung des Arzneimittels im Verhältnis zu den Risiken für die Gesundheit (§ 4 Abs. 28 AMG). Dabei ist die Intensität und das Ausmaß der therapeutischen Wirksamkeit, der „Nutzen“ und die Wahrscheinlichkeit des Eintritts der erwünschten Wirkungen, die Art, Schwere und Häufigkeit der unerwünschten Wirkungen sowie der Wirksamkeit zum Risikovergleich mit bereits vorhandenen Präparaten in Beziehung zu setzen.

Paracetamol findet sich seit Jahrzehnten in der Spitze der am meisten verkaufen Arzneimittel in Deutschland (4). Es wurden im vergangenen Jahr rund 504 Millionen Tabletten, Kapseln, Portionsbeutel etc. an Verbraucher abgegeben (5). In Monopräparaten und in Kombinationspräparaten wird es nicht kilogrammweise, nicht tonnenweise, sondern in Kilo-Tonnen pro Jahr konsumiert (6, 7). Üblicherweise ist man gewohnt, bei Medikamenten in Milligramm zu denken. Davon muss man sich bei Paracetamol weit entfernen. Die Verkaufszahlen von Paracetamol in Europa haben eine Spannweite von unter 200 Tonnen in Griechenland und Portugal, über 6.300 Tonnen im Vereinigten Königreich, bis zu 10.000 Tonnen in Frankreich (8).

Über die therapeutischen Wirkungen geben aktuelle Übersichten detailliert Auskunft. Paracetamol wurde in den 1950er Jahren entdeckt. Es war viele Jahrzehnte unklar, wie Paracetamol seine mögliche Wirksamkeit bedingt. Erst seit kurzer Zeit wird allgemein akzeptiert, dass Paracetamol COX-1- und COX-2-Isoenzyme hemmt und tatsächlich ein schwach wirksames nichtsteroidales antientzündliches Medikament (NSAID) ist (9, 10). Die pränatale Exposition mit Paracetamol in therapeutischen Dosen beeinflusst u. a. die Bildung hämatopoetischer Stammzellen in der Leber mit lebenslangen Konsequenzen sowie die Entwicklung des Immunsystems mit erhöhten Risiko für die Entwicklung entzündlicher Infiltrate in den Atemwegen der Nachkommen (11, 12). Auch liegen Hinweise auf eine Störung der Hirnentwicklung, der mütterlichen Hormonproduktion, der Bildung von toxischen Abbauprodukten von Paracetamol im Körper des Ungeborenen sowie Störung des oxydativen Stressgleichgewichts in Nervenzellen mit neuronalem Zelluntergang vor (2).

Aus umfangreichen Analysen der Jahre 2015 und 2016 ergeben sich neue Einblicke in die Wirksamkeit von Paracetamol in der Schmerztherapie (6). Die Fakten stehen im Kontrast zu der langläufigen Einschätzung bezüglich der Wirksamkeit und Verträglichkeit von Paracetamol. Aufgrund der aktuellen Datenlage wissen wir bezüglich Paracetamol und Schmerz, dass

  • bei Migräne und Kopfschmerzen man Paracetamol ca. 14 Patienten geben muss, damit zumindest einer von ihnen eine Linderung von zumindest 50 % seiner Kopfschmerzen erfährt (13),
  • Paracetamol in Dosierungen zwischen 500 und 1.000 mg sich im unteren Bereich der Wirksamkeit aller Arzneimittel für die Behandlung von postoperativem Schmerz bewegt (14).
  • Paracetamol in Dosierungen bis zu 4.000 mg pro Tag ineffektiv in der Behandlung von Rücken- und Muskelschmerzen ist (15, 16),
  • Paracetamol in Dosierungen bis zu 4.000 mg pro Tag auch praktisch ineffektiv in der Behandlung von Gelenkschmerzen ist (15, 17-19),
  • es keine Belege in Metaanalysen dafür gibt, dass Paracetamol in der Behandlung von Regelschmerzen, Nackenschmerzen, Schmerzen bei rheumatoider Arthritis oder bei Krebsschmerzen wirksam ist (6, 7),
  • für den Einsatz bei chronischen Schmerzen Paracetamol keine Wirksamkeit zeigt, sei es als Einzelwirkstoff oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen in Dosierungen bis zu 4.000 mg pro Tag (6, 7).

Im Hinblick auf die nahezu vernachlässigbare therapeutische Wirksamkeit von Paracetamol in der Schmerztherapie sollte der Einsatz zumindest verträglich und sicher sein. Aber auch hier sieht die aktuelle Bewertung alles andere als rosig aus:

  • Eine systematische Analyse von Beobachtungsstudien zeigt, dass Menschen, die Paracetamol einsetzen, im Vergleich zu denen, die es nicht einsetzen, ein erhöhtes Mortalitätsrisiko aufweisen, ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Nebenwirkungen zeigen (tödliche oder nicht tödliche Herzinfarkte, Schlaganfall oder koronare Herzerkrankungen), Magen-Darm-Geschwüre, obere Magen-Darm-Blutungen und Nierenfunktionsstörungen (20).
  • Die Anmeldungen für Lebertransplantationen ist doppelt so hoch von Patienten, die Paracetamol in empfohlenen Dosierungen einsetzen im Vergleich zu Patienten, die NSAIDs verwenden (21).
  • Patienten, die Paracetamol einsetzen, haben ein vierfach erhöhtes Risiko für erhöhte Leberwerte im Vergleich zu denen die Placebos einsetzen (15).
  • Paracetamol hat ähnliche Nebenwirkungsraten im Vergleich zu Ibuprofen bei Einsatz über drei Monate bei Patienten mit Arthrose und es zeigt keine bessere Verträglichkeit im Vergleich zu Ibuprofen für Schmerzen im Alltag (22, 23).
  • Paracetamol kann in therapeutischen Dosen in seltenen Fällen sehr schwerwiegende Hautreaktionen bedingen, die tödlich verlaufen (24)

Bewertet man allein die minimalen therapeutischen Wirkungen von Paracetamol im Verhältnis zu den jetzt bekannten Risiken für die Gesundheit der Patienten, müssen erhebliche Zweifel an einem günstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis bestehen. Die Wahrheit aufgrund der Datenlage ist unangenehm: Die Wirkung von Paracetamol ist bei den häufigsten Schmerzformen nicht gegeben oder bestenfalls vernachlässigbar. Gleichzeitig sind die Risiken erheblich.

Eine spezielle Situation stellt der landläufige regelhafte Einsatz von Paracetamol in der Schwangerschaft dar. Gerade die reflexartige, oft bedenkenlose Konfrontation des ungeborenen Lebens mit Paracetamol in der Schwangerschaft ist durch zahlreiche Studien in den letzten Jahren erschüttert worden. Aufwändig angelegte epidemiologische Studien haben umfangreiche Evidenz zusammengetragen, dass der Einsatz von Paracetamol während der Schwangerschaft mit einem bedeutsam erhöhten Risiko der Kinder einhergeht, schwergradige Entwicklungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Hyperaktivitätssyndrom (HAS) zu entwickeln. Studien der letzten Jahre haben zudem ein erhöhtes Risiko für Hodenhochstand und Unfruchtbarkeit bei Jungen sowie Asthma bei Kindern nach Paracetamol-Exposition während der Schwangerschaft beschrieben (Übersichten siehe (25-29)). Allein diese Studien reichen aus, dass insbesondere auch im Hinblick auf die marginale Wirksamkeit von Paracetamol bei Schmerzen, Schwangere über diese Risiken aufzuklären sind.

Aufgrund einzelner Berichte über das Auftreten des Reye-Syndroms in den 1960er Jahren (30), eine sehr seltene Nebenwirkung von Acetylsalicylsäure bei Kindern nach Abklingen von viralen Infekten, wurde der Einsatz von Paracetamol bei Schwangeren und Kindern immer populärer. Parallel vervielfältigten sich das Auftreten von Allergien, Asthma und Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Der Verdacht eines Zusammenhangs zwischen dem Paracetamol-Einsatz und der sogenannten Asthma-Epidemie wurde bereits vor 16 Jahren vermutet. Zahlreiche Studien in den vergangenen Jahren bekräftigten diesen Zusammenhang. Sie wurden jedoch bezüglich methodischer Einschränkungen kritisiert und die Ergebnisse als vorläufig eingestuft.

Anfang 2016 zeigte eine große norwegische Studie erneut, dass der Einsatz von Paracetamol während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Asthma bei Kindern einhergeht (31). Immer noch hielten Kritiker den sorgfältig durchgeführten umfangreichen Studien entgegen, dass möglicherweise sogenannte konfundierende Variablen für den Zusammenhang verantwortlich sein könnten. Solche Variablen könnten z. B. Verhaltensfaktoren der Eltern sein, die zu einer erhöhten Einnahme von Schmerzmitteln führen. Aber bereits in dieser Studie wurde deutlich: Setzten die Mütter Paracetamol außerhalb der Schwangerschaft ein, stellte sich dieser Zusammenhang nicht dar. Daraus wurde geschlossen, dass nicht andere Bedingungen für die Einnahme diesen Zusammenhang allein erklären können, sondern der vorgeburtliche Kontakt des Kindes bedeutsam ist.

In einer aktuellen sehr umfangreichen Studie wurde deshalb diese Thematik sorgfältig kontrolliert und überprüft (2). Auch diese Analyse belegt, dass die vorgeburtliche Exposition von Kindern mit Paracetamol mit einem erhöhten Risiko für multiple Verhaltensstörungen der Kinder behaftet ist. Das Risiko, dass Kinder ein Hyperaktivitätssyndrom entwickeln, erhöht sich bei Paracetamol-Exposition in der Schwangerschaftsmitte um 31 %. Spezielle Familieneigenschaften können für dieses erhöhte Risiko nicht verantwortlich gemacht werden. Die Studie bestätigt erneut: Werden in der Familie Schmerzmittel von der Mutter außerhalb der Schwangerschaft eingesetzt oder verwendet auch der Partner Paracetamol, kann ein erhöhtes Risiko nicht beobachtet werden.

Wie jede Studie hat auch diese Studie Limitierungen. Die genaue Menge des verwendeten Wirkstoffs ist bei den betroffenen Familien nicht bekannt. Aber allein dieser Umstand ist umso alarmierender, da bereits geringe sporadische Dosierungen zu diesem erhöhten Risiko beitragen können. Nur im Ausnahmefall wurde eine Dauereinnahme von Paracetamol durchgeführt, lediglich 0,1 % der Frauen berichtete einen täglichen Einsatz von Paracetamol über einen Zeitraum der vorhergehenden drei Monate. Die häufigsten Schmerzformen für den Einsatz von Paracetamol während der Schwangerschaft waren Kopfschmerzen sowie Rücken- und Muskelschmerzen. Gerade für diese Schmerzen zeigen die aktuellen Metaanalysen, dass Paracetamol gar nicht wirksam oder nahezu wirkungslos ist (13, 32-35). Mit dem Indikativ „Du darfst!“ oder gar dem Imperativ „Nimm, schadet ja nichts!“ werden den Schwangeren und ihren ungeborenen Kindern lebenslange gravierende Risiken ohne wissenschaftlich belegbaren Nutzen auferlegt.

Wenn man unterstellt, dass anhaltende und starke Schmerzen den Schwangerschaftsverlauf gefährden können, sollte man schon allein aus diesem Grunde im Hinblick auf die marginale oder gar nicht vorhandene Wirksamkeit von Paracetamol diesen Wirkstoff Schwangeren nicht empfehlen. Schwangere müssen trotz der Einnahme von Paracetamol ihre Schmerzen erdulden und gleichzeitig die Risiken in Kauf nehmen. Auch würde dieser Einsatz nicht zulassungsgemäß erfolgen, Paracetamol ist nicht für starke oder gar sehr starke Schmerzen zugelassen. Die Zulassung umfasst explizit lediglich leichte bis mäßig starke Schmerzen.

Bei den häufigsten Schmerzen im Alltag gibt es zahlreiche wirksame Therapieoptionen. Migräne ist aufgrund des episodischen wiederkehrenden Verlaufes ein häufiger Grund für schmerztherapeutische Maßnahmen in der Schwangerschaft. Vorbeugende Maßnahmen schließen Informationen über Auslösefaktoren, Entspannungsverfahren, Rhythmisierung des Tagesablaufs, Ernährung und das Anpassen von Verhalten ein. Treten Anfälle auf, sind Ruhe und Reizabschirmung sowie die Attestierung der Arbeitsunfähigkeit wichtige Schritte. Der Hinweis auf die Einnahme von Paracetamol, um funktionieren zu können, ist nicht sachgerecht, die Wirksamkeit ist marginal (4, 6, 7, 13), die meisten Patienten setzen es ohne Effekt ein, das Ausbleiben der Wirkung führt zu tagelanger wiederholter Einnahme ohne bedeutsamer Schmerzreduktion. Vorbeugende Behandlungsmaßnahmen wie die Gabe von Magnesium können ebenfalls zu einer Reduktion der Schwere und der Häufigkeit der Attacken führen. Sollten schwerste oder sehr schwere Migräneanfälle auftreten, wäre die Gabe von Paracetamol nicht zulassungskonform. Für schwere oder gar sehr schwere Schmerzen ist Paracetamol nicht zugelassen. Hier kann die Einnahme von Sumatriptan oder auch Prednisolon erwogen werden.

Der Hinweis, dass die einzige Alternative zu Paracetamol in der Schwangerschaft nur die Opioide seien, ist nicht sachgerecht. Opioide sind bei primären Kopfschmerzen unwirksam. Sie sind auch nicht indiziert für unspezifische Rückenschmerzen. Auch für Rückenschmerzen gibt es zahlreiche Therapieoptionen, Paracetamol ist auch bei diesen lediglich so wirksam wie ein Scheinmedikament (32-35). Effektive Behandlungsmaßnahmen schließen u. a. körperliche Aktivität, Bewegungstherapie, Physiotherapie, Entspannungsverfahren, Manipulation/Mobilisation, Patientenedukation, Rückenschule, Thermotherapie und Verhaltenstherapie ein.

Schmerzen ein Stück weit zu ertragen oder gar hinzunehmen, entspricht nicht unserer Zeit. Seinen Lebensrhythmus oder sein Verhalten an Schmerzen anzupassen, ist unbeliebt. Schmerz, so sagt uns die Werbung, muss abgeschaltet werden und zwar sofort. Und am besten so, dass man sein Leben zu jeder Zeit so weiterleben kann wie man möchte. Und das soll nicht nur für den Schmerz gelten. Auch mit dem Schmerz verbundene Schlafstörungen, Stimmungstiefs und Funktionseinschränkungen sollen sofort aufhören.

Die mittlerweile umfangreich belegten Risiken von Paracetamol in der Schmerztherapie bei weitgehender Unwirksamkeit gerade bei alltagsrelevanten Schmerzursachen dürfen nicht verharmlost werden und gar den Schwangeren die erforderlichen Informationen zur informierten freien Entscheidung vorenthalten werden. Es ist bedrückend genug, dass Schwangeren früher diese Fakten nicht bekannt waren. Umso wichtiger ist es, dass sie öffentlich werden und in die Versorgung eingehen. Die Sorge, dass durch die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft lebenslange Risiken für die Kinder bedingt sind, ist aufgrund der aktuellen Datenlage sehr umfangreich begründet. Auch wenn die Folgen für das ungeborene Leben noch nicht in allen möglichen Details geklärt sind, muss bei einem für die häufigsten Schmerzen im Alltag weitgehend ineffektiven Medikament mit möglichen lebenslangen Konsequenzen für das Kind erwogen werden: Nimm es besser nicht! Es gibt vielfältige Alternativen in der Schmerztherapie. Es ist Zeit, umzudenken.

Literatur

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Schmerzmittel Paracetamol in der Schwangerschaft

Die Einnahme des rezeptfreien Schmerzmittels Paracetamol während der Schwangerschaft kann Folgen haben: Die Anzahl der hämatopoetischen Stammzellen im Nabelschnurblut Neugeborener sinkt.

Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) belegt, dass fast jede zweite Frau während der Schwangerschaft Schmerzmittel einnimmt. Meist wird zu den rezeptfreien Wirkstoffen Ibuprofen und Paracetamol gegriffen. Dabei ist die Einnahme von Ibuprofen nur in den ersten beiden Trimestern angeraten. Im dritten Trimester ist Ibuprofen kontraindiziert, denn es steigt die Gefahr, dass der Wirkstoff den Ductus arteriosus beim Fötus frühzeitig verschließt.

Im Gegensatz zu Ibuprofen ist der Wirkstoff Paracetamol in allen Schwangerschaftsdritteln zugelassen. Es verwundert daher auch nicht, dass laut der Hamburger Studie 86 Prozent der Frauen während der Schwangerschaft zu Schmerzmitteln mit dem Wirkstoff Paracetamol griffen. Die Einnahme erfolgte sehr häufig lediglich für eine kurze Zeit und auch die Dosierung war gering, dennoch sind die Folgen messbar.

Hämatopoetische Stammzellen steuern die Blutbildung

Im Rahmen der sogenannten PRINCE-Studie (Prenatal Determinants of Children‘s Health) werteten die Wissenschaftler die Befragungsdaten von 518 Schwangeren aus. Bei Frauen, die im UKE entbunden hatten, wurde außerdem um eine Nabelschnurblutprobe gebeten. So konnte der Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol und der Anzahl der blutbildenden Stammzellen im Nabelschnurblut analysiert werden. Aus den hämatopoetischen Stammzellen entwickeln sich nicht nur die für den Sauerstoff-Transport so wichtigen roten Blutkörperchen (Erythrozyten), sondern auch die weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Diese Immunzellen spielen eine entscheidende Rolle bei der Abwehr von Krankheiten.

Die Auswertung der Daten zeigt, dass sich die Anzahl der hämatopoetischen Stammzellen im Nabelschnurblut der Kinder verringerte, wenn die Mutter während der Schwangerschaft zu Paracetamol griff. Der Abbau der Stammzellen war besonders groß, wenn die Schmerzmittel-Einnahme im letzten Trimester erfolgte. Noch wissen die Forscher nicht genau, wie sich die reduzierte Anzahl der Stammzellen im Nabelschnurblut auf die Entwicklung des Immunsystems der Kinder auswirkt. Jedoch steht Paracetamol auch im Verdacht, Asthma und Neurodermitis zu begünstigen, die beide zu den Autoimmunkrankheiten gezählt werden.

Ibuprofen

grau Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Ibuprofen gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika/Antirheumatika (NSAR). Seine antiphlogistische Wirkung beruht auf der Synthesehemmung der Prostaglandine, die beim Entzündungsvorgang ausgeschüttet werden.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Als Analgetikum, Antipyretikum und zur antiphlogistischen Therapie, z. B. bei der rheumatoiden Arthritis, beim Gicht-Anfall, bei Migräne.

  • Produktnamen

    Aktren®, Dismenol N®, Esprenit®, Imbun®, Nurofen®, Pedea®, Tabalon® und Generika

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon

In umfangreichen Untersuchungen zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Ibuprofen im 1. Trimenon und einem erhöhtem Fehlbildungsrisiko. Unbestätigt blieb bisher das in Fall-Kontroll-Studien beobachtete leicht erhöhte Risiko für kardiovaskuläre (Septum-)Defekte und für Fehlgeburten. Dies gilt auch für den behaupteten Zusammenhang zwischen einer Ibuprofeneinnahme am Ende des ersten Trimenon oder zu Beginn des zweiten und dem Auftreten eines Hodenhochstands. Die betreffenden Ergebnisse beruhen auf sehr kleinen Zahlen und die Studienmethodik wird kritisiert. In experimentellen Untersuchungen wurde eine Minderung der Oozytenreserven bei weiblichen Feten beobachtet. Es gibt bisher keine Hinweise, dass dies für die Schwangerschaft beim Menschen relevant ist. Alle bis heute vorliegenden Daten zusammengefasst, gibt es keine ernsthaften Hinweise auf Teratogenität oder Embryotoxizität beim Menschen.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Im letzten Drittel der Schwangerschaft können nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zum vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus (DA) Botalli beim Fetus führen. Die Empfindlichkeit des DA wächst mit zunehmendem Gestationsalter. Ein Zusammenhang zwischen NSAR und persistierendem pulmonalen Hypertonus beim Neugeborenen (PPHN) wurde diskutiert, bisher aber nicht bestätigt. Auch die fetale und neonatale Nierenfunktion kann bei Einnahme im letzten Schwangerschaftsdrittel bis zur Anurie gehemmt werden. Dieser Effekt wird auf eine Minderperfusion der Niere und einen Anstieg des zirkulierenden Vasopressin zurückgeführt. Eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC) beim Neugeborenen wird ebenfalls im Zusammenhang mit einer NSAR-Exposition vor der Geburt diskutiert. Vor einiger Zeit veröffentlichte Hinweise, dass eine Einnahme von Ibuprofen am Ende des ersten Trimenon oder zu Beginn des zweiten das Auftreten eines Hodenhochstands begünstige, konnten in unabhängigen Studien nicht eindeutig belegt werden. Die betreffenden Ergebnisse beruhen auf sehr kleinen Zahlen und die Methodik der Untersuchung wird kritisiert.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie

Ibuprofen gehört in den ersten zwei Dritteln der Schwangerschaft neben Paracetamol zu den Analgetika/Antiphlogistika der Wahl. Wie jede andere Schmerzmedikation auch, sollte es nicht unkritisch und ohne ärztlichen Rat tagelang oder über mehrere Wochen eingenommen werden. Im letzten Trimenon (ab Woche 28) dürfen Ibuprofen und andere NSAID nicht angewendet werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft

Bei wiederholter Einnahme im letzten Schwangerschaftsdrittel sollte der fetale Kreislauf sonographisch (Doppler-Sonographie) auf Veränderungen der Hämodynamik im Ductus arteriosus kontrolliert und ein Oligohydramnion ausgeschlossen werden.

Besser geeignete Alternativen

keine

Stillzeit

Pharmakokinetik

Klinik

Nebenwirkungen wurden bei gestillten Kindern, beispielsweise in einer prospektiven Untersuchung von 21 Mutter-Kind-Paaren, nicht beobachtet. Ibuprofen gehört auch bei Säuglingen zu den Analgetika/Antipyretika der Wahl.

Empfehlung

Aus der Gruppe der NSAR sollte Ibuprofen bevorzugt werden. Es ist ebenso wie Paracetamol Analgetikum der Wahl in der Stillzeit.

Wir helfen Ihnen und Sie helfen uns

Viele Schwangere nehmen Medikamente während der Schwangerschaft ein. Kenntnisse zur Sicherheit von Arzneimitteln in der Schwangerschaft und damit letztlich auch die Qualität dieser Internetseite beruhen größtenteils auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

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Die Beratung ist kostenlos.

Die Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft sollte immer ärztlich abgesprochen werden. (Evgeny Atamanenko / )

Grundsätzlich sollte mit Medikamenten während einer Schwangerschaft zurückhaltend umgegangen werden. Jede medikamentöse Behandlung sollte ausschließlich unter (fach-)ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Eine strenge individuelle Nutzen-Risiko Abwägung und eine ausführliche Beratung Fehlbildungen betreffend sind jedenfalls erforderlich. Anzustreben ist eine Behandlung mit einem gut untersuchten Medikament, das nur eine Wirksubstanz enthält (Monotherapie). Die Dosierung ist so niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig zu wählen.

Ist bei Frauen in ihrer fruchtbaren Lebensphase eine Dauermedikation erforderlich, sollte schon vor Eintritt einer Schwangerschaft überlegt werden, ob die Arzneien für den Embryo verträglich sind, zumal etwa die Hälfte aller Schwangerschaften ungeplant sind. Oft ist es möglich, durch gezielte Auswahl von geeigneten, in der menschlichen Schwangerschaft gut erprobten Medikamenten, das Risiko für das Kind zu reduzieren.

Manche Präparate sollten gerade in den ersten zwölf Wochen vermieden werden. Zu einem späteren Zeitpunkt in der Schwangerschaft eingenommen, ist die Gefahr für das Kind unter Umständen deutlich geringer bis nicht mehr gegeben. Andererseits gibt es aber auch Arzneien, welche gerade in der Spätschwangerschaft Probleme bereiten können und in der Frühschwangerschaft unbedenklich sind.

Nimmt man in der ersten oder zweiten embryonalen Entwicklungswoche (entspricht der 3. und 4. Schwangerschaftswoche berechnet nach dem ersten Tag der letzten Regelblutung) oder davor Medikamente ein, so gilt meist ein „Alles-oder-nichts-Prinzip“: Ist eine Schädigung durch die Einnahme groß genug, kommt es zu einer sehr frühen, meist unbemerkten, Fehlgeburt. Ist eine Schädigung weniger umfangreich, so kann sich der frühe Keimling vollständig regenerieren, und es sind später keine angeborenen Anomalien durch die Substanzeinnahme zu erwarten. Ab der 5. Schwangerschaftswoche (also etwa ab Ausbleiben der zu erwartenden Regelblutung) können bestimmte äußere Einflüsse („teratogene“ Einflüsse) zu Gesundheitsproblemen beim Kind führen.

In jedem Fall gilt es, sich mit dem behandelnden Arzt zu beraten, das Basisrisiko für angeborene Anomalien beim Menschen von zumindest drei Prozent, welches jede Schwangere unabhängig von Alter und Gesundheitszustand trägt, zu diskutieren und den individuellen Nutzen und die Risiken einer notwendigen Medikamenteneinnahme gegeneinander abzuwägen. In Zweifelsfällen besteht zudem die Möglichkeit, sich bei speziellen Teratologie-Informationsservices oder in geburtshilflichen Ambulanzen größerer Krankenhäuser individuell beraten zu lassen.

Antibiotika in der Schwangerschaft

Es gibt zahlreiche in der Schwangerschaft gut untersuchte Präparate (Penicilline, Cephalosporine, Makrolide, Tuberkulostatika, u.a.), die eingenommen werden können, ohne das Basisrisiko für angeborene Anomalien zu erhöhen. Unbehandelte bakterielle Infektionen können nicht nur die werdende Mutter, sondern auch das Kind gefährden.

Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin

Wie alle medikamentösen Therapien sollte auch eine Schmerzmittelbehandlung in der Schwangerschaft unbedingt mit dem Arzt abgesprochen werden. Mittel der ersten Wahl zur Schmerzbehandlung und Fiebersenkung in der Schwangerschaft ist Paracetamol. Bis zur 27. Schwangerschaftswoche sind auch Nichtsteroidale Antirheumatika (NSARs) wie Diclofenac oder Ibuprofen Mittel der Wahl. Bei sehr starken Schmerzen können in der Schwangerschaft auch Opoidanalgetika wie Codein unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.

Ab der 27./28. Schwangerschaftswoche können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Aspirin eine vorzeitige Umstellung des fetalen Kreislaufes, die eigentlich erst nach der Geburt benötigt ist, bewirken. Sie sind daher im letzten Schwangerschaftsdrittel nur bei strenger Indikation und unter Ultraschallkontrolle des kindlichen Kreislaufes anwendbar. Paracetamol hat keine Auswirkung auf den kindlichen Kreislauf und kann bei Bedarf auch nach Woche 27 in der üblichen Dosierung eingenommen werden.

Migränemittel

Zur Schmerzbehandlung bei Migräne kann zusätzlich zu den oben genannten Schmerzmitteln auch mit Sumatriptan behandelt werden. Außerdem kann z.B. Metoprolol als Anfallsprophylaxe eingesetzt werden.

Nasentropfen während der Schwangerschaft

Die Anwendung von abschwellenden Nasentropfen ist in der Schwangerschaft nicht systematisch untersucht worden. Häufig in der Schwangerschaft verwendete Substanzen wie Oyxmetazolin haben sich jedoch nicht als fruchtschädigend erwiesen. Sie sind zur Vermeidung von Nebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen auch in der Schwangerschaft geeignet. Die Anwendung sollte jedoch, wie auch bei Nichtschwangeren, im Sinne einer gesunden Nasenschleimhaut, auf wenige Tage beschränkt bleiben.

Abführmittel

Am besten ist es, den Darm, welcher durch die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft zu Verstopfung neigt, auf natürliche Weise in Gang zu bringen. In Kombination mit reichlich Flüssigkeit, am besten Wasser, können wenn nötig Füll- und Quellstoffe, aber auch Lactulose als osmotisch wirksames Abführmittel zusätzlich angewendet werden.

Einnahme von Antiallergika

Zur Behandlung von Allergien stehen auch in der Schwangerschaft eine Reihe von gut erprobten Medikamenten zur Verfügung. So kann aus der Gruppe der Antihistaminika auf Clemastin oder Dimetinden zurückgegriffen werden. Auch Chromoglycin-haltige Präparate sind in der Schwangerschaft gut erprobt. Die Asthma-Therapie ist in der Schwangerschaft besonders wichtig; unbehandeltes Asthma kann zu verschiedenen Schwangerschaftskomplikationen und damit zur Gefährdung von Mutter und Kind führen. Viele der für eine effiziente Asthmabehandlung benötigten Medikamente, v.a. die inhalierbaren Kortisonpräparate, sind in der Schwangerschaft absolut unbedenklich.

Vitamintabletten, Folsäure

Es gibt durchaus sinnvolle Vitaminpräparate, aber auch solche, die man besser nicht einnimmt. Auch in diesem Fall empfiehlt sich die Beratung durch den Arzt. Jedenfalls empfehlenswert, und zwar schon einige Monate, bevor man schwanger werden möchte, ist die ausreichende Versorgung mit Folsäure: Zu den täglichen 400 Mikrogramm über die Nahrung aufgenommene Folsäure wird Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten, nahegelegt, zusätzlich 400 Mikrogramm synthetische Folsäure (= Pteroylmonoglutaminsäure/PGA) in Form von Supplementen aufzunehmen, um Neuralrohrdefekten (Spina bifida) vorzubeugen. Diese erhöhte Folsäurezufuhr sollte spätestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft erfolgen und während des ersten Drittels der Schwangerschaft beibehalten werden.
Was die Zufuhr von Mineralstoffen wie Jod, Eisen, Zink etc. anbelangt, so ist eine Beratung ebenfalls sinnvoll. Zu vermeiden ist eine Überdosierung von fettlöslichen Vitaminen, insbesondere von Vitamin A und D und E.

Homöopathische Tees, pflanzliche Arzneien

Gegen eine homöopathische Behandlung mit ausreichend „potenzierten“ Präparaten gibt es prinzipiell keine Einwände, es sollten in der Schwangerschaft jedoch Globuli auf Milchzucker-Basis den alkoholischen Zubereitungen vorgezogen werden.

Pflanzliche Arzneien und Tees der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sind hinsichtlich ihrer Anwendung in der menschlichen Schwangerschaft meistens nicht systematisch untersucht und sollten daher keinesfalls bedenkenlos eingesetzt werden. Sie enthalten eine unüberschaubare Anzahl verschiedener nicht untersuchter Substanzen in oft stark schwankender Menge. Darunter sind manchmal sogar Inhaltsstoffe, die für das Ungeborene eine Gefährdung darstellen können. Einmal mehr gilt: Besser nachfragen, als sich selbst behandeln und sich danach womöglich Sorgen machen.

Entwässerungstees, Diäten

Von Entwässerungstees oder Reisdiäten aber auch allen anderen einseitigen Ernährungspraktiken ist klar abzuraten. Wassereinlagerungen sind während der Schwangerschaft bis zu einem gewissen Grad normal, stärkere Ödeme, besonders im 2. und 3. Schwangerschaftsdrittel, sollten immer ärztlich abgeklärt werden.

Johanniskraut in der Schwangerschaft

Die Einnahme in der Schwangerschaft ist nur unzureichend untersucht. Es ist nicht ausreichend bekannt, ob Johanniskraut für das Kind schädlich sein kann. Als Antidepressivum ist es daher, wenn überhaupt, nur zweite Wahl.

Bei medikamentös behandlungsbedürftiger depressiver Verstimmung in der Schwangerschaft gibt es weit besser untersuchte und wirksamere Präparate als Alternative. Bei psychischen Problemen sollte unverzüglich fachärztlicher Rat eingeholt werden und das gesamte Spektrum nichtmedikamentöser Behandlungen (besonders die Gesprächstherapie) zunächst maximal ausgeschöpft werden.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Die TCM kennt viele „potente“ Kräuter, die praktisch alle nicht systematisch hinsichtlich fruchtschädigender Eigenschaften in der Schwangerschaft untersucht sind. Vor einer Anwendung, z.B. in Form von Tees sollten jedenfalls die Erfahrungen mit dem Präparat in der Schwangerschaft konkret hinterfragt werden.

Im Unterschied dazu ist die Akupunktur mit Sicherheit nicht gefährlich für Embryo oder Fetus und insbesondere in erfahrenen Händen eine sehr wertvolle Behandlungsalternative z.B. bei Schwangerschafts-Ischias und Kreuzschmerzen. Auch eine Verkürzung der Geburtsdauer kann manchmal damit erzielt werden.

Um in der Spätschwangerschaft ein eventuelles Auslösen von Wehen zu vermeiden, sollten Sie sich im letzten Schwangerschaftsdrittel eher einen TCM-Mediziner mit ausreichend Erfahrung mit Schwangeren aufsuchen.

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Autoren:
Dr. med. Britta Bürger, Silvia Hecher, Mag. (FH), MSc
Medizinisches Review:
Dr.med. Herbert Juch, Leiter der Forschungseinheit Humane Teratogene, Institut für Zellbiologie, Histologie und Embryologie sowie Institut für Humangenetik; Medizinische Universität Graz

Aktualisiert am: 01.07.2013 | 00:00

Schäfer Spielmann Vetter: Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit 7. Auflage,2006, Elsevier Verlag
Reproductive toxicology center 2737 Devonshire Pl NW #120 Washington DC 20008-3459. http://www.reprotox.org
Austria Codex 2011

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Kopfschmerzen während der Schwangerschaft

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Ich habe heftige Kopfschmerzen, seitdem ich schwanger bin. Ist das normal?

Kopfschmerzen während der Schwangerschaft sind nichts Ungewöhnliches. Wenn Sie schon vor der Schwangerschaft unter Kopfschmerzen litten, können sich diese in der Schwangerschaft bessern oder auch ganz verschwinden. Bei einigen Frauen können sich die Kopfschmerzen in der Schwangerschaft aber auch verstärken.

Experten rätseln darüber, wieso der Kopf schmerzt, wenn eine Frau ein Kind erwartet. Oft wird als Ursache – und das scheint logisch – die Hormon-Flut und die Kreislaufumstellung vermutet. Andere mögliche Auslöser sind:

  • der plötzliche Verzicht auf Koffein (Chawla 2008)
  • Müdigkeit
  • verstopfte Nebenhöhlen (CKS; BASH 2010)
  • Stress
  • Hunger (BASH 2010)
  • ungewohnt viel oder wenig Schlaf

Ein anderes Thema ist Migräne (diese Art Kopfschmerz entsteht durch eine Fehlfunktion bei der Durchblutung des Gehirns). Frauen, die unter Migräne leiden, sind während der Schwangerschaft oft von diesen Schmerzen befreit.
Das ist vor allem dann häufig der Fall, wenn die Migräne mit dem Menstruationszyklus in Zusammenhang steht (BASH 2010). Leider werden diese Frauen nicht für immer von ihrer Migräne erlöst und die Schmerzen kommen nach der Geburt in den meisten Fällen zurück (CKS).

Muss ich die Kopfschmerzen die ganze Schwangerschaft lang aushalten?

Das müssen Sie wahrscheinlich nicht. Bei den meisten Frauen klingen die Kopfschmerzen nach den ersten drei Monaten ab, oft verschwinden sie ganz. Experten vermuten als Ursache, dass dann die Hormone kontrollierter fließen und der Körper sich außerdem an die veränderte Chemie gewöhnt hat.

Kann ich die Kopfschmerzen irgendwie lindern?

Als Schmerzmittel der Wahl in der Schwangerschaft gelten Paracetamol und Ibuprofen. Allerdings sollte Ibuprofen nach der 28. Schwangerschaftswoche nicht mehr eingenommen werden, da es das Herz-Kreislaufsystem und die Nierenfunktion des Kindes negativ beeinflussen kann. Acetylsalicylsäure (Aspirin) ist Schmerzmittel der zweiten Wahl in der Schwangerschaft und sollte ebenfalls ab der 28. Schwangerschaftswoche nicht mehr eingenommen werden.
Finden Sie heraus, was den Schmerz auslöst
Um den Ursachen für Ihren Kopfschmerz auf die Spur zu kommen, sollten Sie ein Kopfschmerz-Tagebuch führen. Tragen Sie dort ein, wann und wo der Schmerz auftritt und für wie lange. Dazu die Begleitumstände, etwa, was Sie gegessen haben, ob Sie ausreichend geschlafen haben und ob Sie sich gestresst gefühlt haben oder nicht.
Natürlich auch, welche Medikamente Sie eventuell eingenommen haben. Nach einer Woche können Sie vielleicht bereits ein Muster erkennen und sich entsprechend verhalten, um die Kopfschmerzen zu lindern.
Bekommen Sie vielleicht pochende Kopfschmerzen, wenn Sie den ganzen Tag im heißen, stickigen Büro gesessen haben? Gönnen Sie Ihrem Körper ausreichend Sauerstoff, indem Sie an die frische Luft gehen.
Können die Kopfschmerzen durch einen Streit mit dem Partner oder Machtkämpfe mit Ihren Kindern verursacht worden sein? Entschärfen Sie solche Situationen, bevor der Körper mit Schmerz darauf reagiert.
Regelmäßige Schlafzeiten
Versuchen Sie regelmäßige Schlafzeiten einzuhalten. Zu wenig Schlaf oder auch mehr Schlaf als gewöhnlich können Kopfschmerzen auslösen.
Die gute alte Kompresse
Eine kalte Kompresse auf Stirn oder Schläfen oder auch im Genick kann Kopfschmerzen lindern.
Lassen Sie sich massieren!
Wenn Sie die Zeit und das Geld haben, dann lassen Sie sich mit einer Ganzkörpermassage von einem Physiotherapeuten, der Erfahrung mit Schwangeren hat, behandeln (BASH 2010). Falls das ein Wunschtraum bleiben muss, bitten Sie Ihren Partner, Ihren Rücken und Nacken zu massieren.
Auch nicht schlecht: Lassen Sie sich vom Frisör die Haare waschen und dabei ordentlich den Kopf kneten. Massagen helfen insbesondere bei Kopfschmerzen, die durch Verspannungen in Schulter-, Nacken- und Rückenmuskulatur verursacht werden.
Essen Sie wenig, aber dafür oft
Ein zu niedriger Blutzuckergehalt ist eine häufige Kopfschmerz-Ursache (BASH 2010). Mit kleinen, aber regelmäßigen Mahlzeiten lässt sich das vermeiden. Wenn Sie viel unterwegs sind, packen Sie immer ein paar Snacks (Vollkornkekse, Früchte, Müsliriegel) in Ihre Handtasche.
Kommen Sie in Bewegung und bleiben Sie fit
Einige Studien zeigen, dass Migräne durch regelmäßigen Sport oder Gymnastik weniger oft und stark auftritt (BASH 2010).
Duschen Sie kalt
Eine einfache, aber effektive Erste-Hilfe-Maßnahme bei Migräne: Kaltes Duschen strafft die erweiterten Blutgefäße und sorgt so für schnelle Erleichterung. Eine kurze Dusche genügt. Falls dafür keine Zeit oder Gelegenheit sein sollte, spritzen Sie sich zumindest kaltes Wasser ins Gesicht.
Probieren Sie es mit Akupunktur
Eine Behandlung durch Nadel-Akupunktur gilt als sicher und effektiv bei Kopfschmerzen (und Morgenübelkeit). Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme oder Freunden einen Akupunkteur empfehlen. Teilen Sie ihm auf jeden Fall mit, dass Sie schwanger sind! (BASH 2010)
Schnüffeln Sie an grünen Äpfeln
Es klingt verrückt, aber Wissenschaftler vom „Smell and Taste Treatment Center“ in Chicago beteuern, dass der Geruch von bestimmtem Essen, beispielsweise grünen Äpfeln, einem die Migräne vom Leib halten kann (Hirsch and Kang 1998). Allerdings muss man den schmerzbefreienden Wundergeruch auch mögen. Ein Versuch kann aber in diesem Fall kaum schaden!

Kann ich meine Migräne-Medikamente weiternehmen?

Das hängt von dem Medikament ab. Fragen Sie Ihre/n Arzt/Ärztin, ob Ihr übliches Präparat unbedenklich ist (CKS; BASH 2010).

Kann der Kopfschmerz auf eine ernste Krankheit hindeuten?

Nur in seltenen Fällen hat der Kopfschmerz eine ernste Ursache. Wenn Sie beispielsweise auch hohen Blutdruck und Eiweiß im Urin haben, kann die Ursache möglicherweise eine Präeklampsie sein, eine ernstzunehmende Form des Bluthochdrucks mit anderen Komplikationen während der Schwangerschaft (CKS; BASH 2010). Anzeichen dafür sind Sehstörungen, ein Schmerz im Oberbauch, plötzliches Anschwellen von Füßen, Händen oder Gesicht. Gehen Sie bei solchen Signalen sofort zu Ihrem/Ihrer Arzt/Ärztin.
Bei der absoluten Mehrheit der Frauen sind Kopfschmerzen aber nicht mehr als ein unangenehmer Nebeneffekt der Schwangerschaft.
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Quellen

BASH. 2010. Guidelines for all healthcare professionals in the diagnosis and management of migraine, tension-type, cluster and medication-overuse headache. British Association for the Study of Headache.
Chawla J, Suleman A. 2008. Neurologic effects of caffeine. e-medicine. www.emedicine.com
CKS. Migraine. Clinical Knowledge Summaries Service, Clinical topic. cks.nice.org.uk
Hirsch AR and Kang C. 1998. The effect of inhaling green apple fragrance to reduce the severity of migraine: a pilot study. Headache Q. 9:159–63.

Schwangerschaft: Macht Paracetamol männliche Babys unfruchtbar?

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Mit Medikamenten in der Schwangerschaft ist das so eine Sache. Auf fast jedem Beipackzettel lesen werdende Mütter, dass das Mittel ihrem Baby schaden könnte. Anders ist das bei dem Schmerzmittel Paracetamol. Noch immer gehen die meisten Ärzte davon aus, dass normale Dosen von bis zu drei Gramm pro Tag über einen kurzen Zeitraum unbedenklich für das ungeborene Baby sind – und empfehlen es als unbedenkliches Medikament etwa gegen Kopfschmerzen oder Fieber.

Doch eine neue Studie des MRC Centre for Reproductive Health der Universität Edinburgh stellt diese Praxis infrage. Sie deutet darauf hin, dass von der Mutter eingenommenes Paracetamol bei einem männlichen Baby zur Unfruchtbarkeit führen könnte. Erschienen ist sie im Journal „Science Translational Medicine“.

Schon seit einigen Jahren warnen Wissenschaftler vor der Einnahme des Medikaments in der Schwangerschaft: 2011 ergab eine epidemiologische Studie in Skandinavien, dass Jungen, deren Mütter über einen längeren Zeitraum Paracetamol genommen hatten, häufiger unter dem sogenannten Hodenhochstand litten.

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Die Hoden wandern bei dieser Lageanomalie nicht in den Hodensack, sondern bleiben im Bauchraum. Das kann später zu einer verminderten Zeugungsfähigkeit führen und theoretisch das Risiko für Hodenkrebs erhöhen.

Die Frage nach dem Warum

Quelle: Infografik Die Welt/WeltN24

Bisher war allerdings nicht klar, warum Paracetamol diesen Effekt haben sollte. „Die Studie aus Edinburgh ist ein entscheidender Baustein“, erklärt Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel. Sie biete einen Erklärungsansatz, warum das Schmerzmittel das Risiko einer späteren Unfruchtbarkeit bei männlichen Föten möglicherweise erhöhen könnte.

Die Edinburgher Wissenschaftler haben in einer Grundlagenstudie kastrierten Mäusen menschliches fetales Hodengewebe implantiert und ihnen dann Paracetamol verabreicht. Das Ergebnis: Bei Mäusen, die sieben Tage lang das Medikament bekamen, sank die Produktion des männlichen Hormons Testosteron um 45 Prozent. Bei Mäusen, die eine einmalige Dosis bekamen, trat dieser Effekt nicht auf.

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Anschließend überprüften die Wissenschaftler die Ergebnisse mit Tests in der Gebärmutter von Ratten. Sie vermuten, dass die verminderte Produktion von Testosteron darauf zurückzuführen ist, dass sich ein Schlüsselenzym nicht richtig ausbildet. Den genauen Mechanismus, der dahintersteht, haben sie noch nicht verstanden. Er wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.

Auf den Menschen lassen sich solche Mäuseexperimente nur schwer übertragen. Darauf weisen die Forscher aus Edinburgh selbst hin. Dennoch bietet die Studie einen ersten Ansatz. „Die Studie ist eine weiterer Hinweis darauf, dass die längerfristige Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft das Risiko für Unfruchtbarkeit bei männlichen Babys erhöhen kann“, schreiben die Forscher.

Panik ist nicht angebracht

Sollten Schwangere jetzt also auf keinen Fall mehr zu Paracetamol greifen, wenn sie Schmerzen haben? Auf der Internetseite www.embryotox.de von der Berliner Charité können werdende Mütter nachsehen, welche Medikamente unbedenklich für sie sind, und sich telefonisch beraten lassen. Paracetamol wird hier als unbedenklich eingestuft. „Das Medikament hat eine grüne Ampel“, erklärt Christof Schaefer, Kinderarzt am Pharmakovigilanzzentrum Embryonaltoxikologie der Charité Berlin und Leiter des Projekts Embryotox. „Und die bleibt dort auch erst einmal.“

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Er warnt davor, aus Studien wie der skandinavischen oder der aktuellen aus Edinburgh abzuleiten, dass Paracetamol – richtig angewendet – für menschliche Babys gefährlich sei. „Das sind interessante Tierversuche, die man sich ernsthaft ansehen muss“, sagt er. Aber: Bereits die Dosierung eines Medikaments lasse sich nicht ohne Weiteres auf Mäuse übertragen. „So einfach ist das nicht.“

Mütter oder werdende Mütter, die während der Schwangerschaft Paracetamol genommen haben oder nehmen, müssten jetzt nicht in Panik geraten, betont er – wie übrigens auch die Wissenschaftler selbst. Sie raten lediglich: „Paracetamol sollte in der geringstmöglichen Dosis über die kürzestmögliche Zeit eingenommen werden.“

„Es ist internationaler Konsens, dass sich bisher keine Ursächlichkeit für Fehlbildungen durch Paracetamol in der Schwangerschaft ableiten lässt“, stellt Schaefer klar. Weder Asthma oder Verhaltensauffälligkeiten, wie andere Studien aus den letzten Jahren nahelegten, noch ein Hodenhochstand würden nachweislich durch Paracetamol verursacht. Deswegen bleibe die Ampel auf der Website grün.

Der Schmerztherapeut Hartmut Göbel hingegen plädiert dafür, Paracetamol künftig nicht mehr zu empfehlen: „Da muss gelten: Im Zweifel gegen den Angeklagten, in diesem Fall gegen Paracetamol“, sagt er. Beunruhigend findet er, dass im Mäuseexperiment bereits nach sieben Tagen ein signifikanter Effekt auf die Testosteronproduktion zu sehen war. Außerdem zeige die Studie, dass es einen Dosiseffekt gebe: Je mehr Paracetamol, desto weniger Testosteron. „Das bedeutet, dass die Substanz diesen Effekt bedingt“, erklärt Göbel.

Was tun bei Schmerzen

Was aber soll eine Schwangere dann tun, wenn sie etwa einen schweren Migräneanfall bekommt? Hierin sieht Embryotox-Leiter Schaefer das Hauptproblem. Denn starke Schmerzen sollten Schwangere nicht einfach hinnehmen, warnt er: „Das Kind spürt das.“ Und sehr hohes Fieber müsse erst recht behandelt werden, weil es das Kind schädigen könne. Letztlich müsse man also die Risiken abwägen, und da sei die hypothetische Gefahr von Langzeitschäden, die noch gar nicht belegt seien, im Vergleich zu Schädigungen durch hohes Fieber bei der Mutter zu vernachlässigen.

Als Alternative zu Paracetamol stünden Schaefer zufolge nur sogenannte nicht steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen und Diclofenac zur Verfügung. Sie werden auch als unbedenklich eingestuft – allerdings nur bis zur 28. Schwangerschaftswoche. Denn danach können sie nachweislich Nierenschäden verursachen.

Ab der 28. Schwangerschaftswoche können Ärzte Schwangeren deswegen entweder Paracetamol geben, „oder man muss Opioide einsetzen“, sagt Schaefer, die erstens abhängig machen und zweitens starke Nebenwirkungen haben. Für Schaefer ist Paracetamol daher im Zweifel immer noch das Mittel der Wahl: „Besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft gibt eben nichts Sichereres als Paracetamol.“

Grundsätzlich zum Arzt gehen

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Schmerztherapeut Hartmut Göbel sieht das anders. „Wenn ich ein Medikament hätte, das bei starken Schmerzen wirklich hilft und das eventuell unbedenklich ist, dann könnte man ja darüber reden“, entgegnet er.

„Aber Paracetamol ist zum Beispiel bei schweren Migräneattacken nicht wirksam. Ein Medikament einzusetzen, das weitgehend wirkungslos ist und lebenslange Risiken für das Kind hat, ist aus meiner Sicht nicht verantwortbar. Der traditionelle Reflex, einer Schwangeren, die Schmerzen hat, Paracetamol zu verabreichen, ist veraltet“, warnt er – und plädiert für eine stärkere Aufklärung werdender Mütter.

Denn anders als andere Schmerzmittel ist Paracetamol nicht verschreibungspflichtig, sondern frei und preiswert in der Apotheke zu haben. Für viele Patienten sei es deshalb wie Traubenzucker, sagt Göbel. Auch Christof Schaefer ist es wichtig, darauf hinzuweisen: „Paracetamol ist kein Lifestyle-Medikament, das man leichtfertig nehmen sollte.“ Nur wenn es nicht anders ginge, müssten Arzt und Patientin abwägen, ob es sinnvoll ist, überhaupt ein Medikament zu geben. Das gelte aber nicht nur für Paracetamol, sondern für alle Medikamente.

Grundsätzlich sollte sich jede Schwangere ausführlich ärztlich beraten lassen, bevor sie zu Medikamenten greift – und alle Alternativen zur medikamentellen Therapie voll ausschöpfen.

Schmerztherapeut Göbel rät bei Rückenschmerzen zum Beispiel zunächst zu Massagen, dafür gibt es in der Schwangerschaft sogar besondere Techniken. Gegen Kopfschmerzen helfe Pfefferminzöl, und Migräne könne man zum Beispiel mit Magnesium vorbeugen. Das ist in den ersten zwei Schwangerschaftsdritteln ohnehin ratsam. Gegen alle Beschwerden kann auch Akupunktur helfen.

Wie gefährlich Paracetamol für ungeborene Kinder wirklich ist, ist also noch nicht abschließend geklärt. Doch beide Seiten – Befürworter wie Kritiker – warnen davor, als werdende Mutter leichtfertig und selbstständig zu Medikamenten zu greifen. Paracetamol ist ein gutes Beispiel dafür, dass es schwierig ist, Risiken für Babys im Mutterleib befriedigend abzuklären. Das liegt vor allem daran, dass klinische Studien mit Schwangeren ethisch nicht vertretbar sind. Im Krankheitsfall müssen Arzt und Patientin im persönlichen Gespräch gemeinsam abwägen, was zu tun ist.

Schmerzmittel in der Schwangerschaft: Was erlaubt ist und was nicht

Erhöhtes Asthmarisiko durch Paracetamol?

Doch auch bei diesem Wirkstoff bestehen aktuell Zweifel. Der Verdacht besteht, dass das Asthmarisiko bei Kindern nach Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft erhöht sein könnte. Innerhalb einer sogenannten PRINCE-Studie (Prenatal Determinants of Childrens Health) wurden vom UKE Daten erhoben von insgesamt 518 Schwangeren, die im UKE entbanden. Mittels Nabelschnurblutprobe konnten ein Zusammenhang zwischen Paracetamol-Einnahme und Anzahl der hämatopoetischen Stammzellen analysiert werden. Diese blutbildenden Stammzellen sorgen dafür, dass die rund sechs Liter Blut im Körper eines Erwachsenen alle vorgesehenen Aufgaben im Körper eines Menschen erfüllen können. Dazu zählen beispielsweise der Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid, die Blutgerinnung und Abwehr von Eindringlingen wie Viren, Bakterien und Pilze.

Die Studie zeigte, dass die Anzahl dieser Zellen im Nabelschnurblut nach Paracetamol-Einnahme verringert ist – vor allen Dingen dann, wenn die Einnahme dieser Schmerzmittel im letzten Schwangerschaftstrimester erfolgte. Noch können keinen Aussagen über mögliche Auswirkungen getroffen werden, sie sind Gegenstand der aktuellen Forschungsarbeiten des UKE. Von daher gilt es selbst bei schwangerschaftsgängigen Schmerzmitteln abzuwägen und mögliche Nebenwirkungen auf das Ungeborene zu bedenken.

Bedenkliche Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Ein klarer Stopp bei Schmerzmitteln in der Schwangerschaft ist bei Butylscopolamin, oder Diclofenac, das häufig in Schmerzgel gegen Rücken-, Gelenk- und Muskelschmerzen enthalten ist, angesagt. Auch der Klassiker unter den Analgetika, Acetylsylicylsäure, ist während der Schwangerschaft nur die „zweite Wahl“, so das Internetportal des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin www.embryotox.de. Eine niedrig dosierte Behandlung könne, so das Portal weiter, bei entsprechender Indikation jedoch in der ganzen Schwangerschaft durchgeführt werden.

Ein maßvoller Umgang ist auch mit homöopathischen Schmerzstillern in der Schwangerschaft angesagt – eine Rücksprache mit Arzt oder Hebamme immer sinnvoll!

Alternativen zu Schmerzmitteln

Was also tun, wenn es mit Baby im Bauch im Kopf hämmert, der Rücken schmerzt oder die Erkältung das Fieber in die Höhe treibt?

  • Hilfreich und harmlos für das ungeborene Kind ist beispielsweise die Anwendung von Lavendel. Bei plötzlichen Spannungs- oder migräneartigen Kopfschmerzen wirkt die Heilpflanze aus der Familie der Lippenblütler krampflösend – einfach Nacken und Schläfen mit ein paar Tropfen hochreinem Lavendelöl einreiben.
  • Ein weiteres Hausmittel, das hilft und garantiert schwangerschaftsgängig ist, ist ein feucht-kaltes Tuch, das bei Schmerzen auf die Stirn gelegt werden kann. Auch Akupressur kann bei Migräne in der Schwangerschaft helfen. Eine ein- bis zweiminütige Massage des Akupressurpunktes auf dem Fußrücken im Winkel zwischen dem ersten und zweiten Mittelfußknochen schafft Abhilfe.
  • Ein weiteres erfolgreiches Hausmittel gegen Kopfschmerz mit Baby an Bord ist eine Tasse kräftiger Espresso mit Zitrone! Warum das wirkt, ist schnell erklärt: Die Kombination aus Koffein und Vitamin C ist auch in vielen Schmerzmitteln enthalten. Das Koffein blockiert die Bildung eines Enzyms, dass für die Weiterleitung von Schmerzen zuständig ist. Weiterer Vorteil: Der Wirkstoff Koffein gelangt schnell in unseren Blutkreislauf – bereits nach 30 bis 45 Minuten – und wirkt daher auch rasch. Eine Studie belegt, dass der Pflanzenstoff im Körper die Produktion sogenannter Prostaglandine hemmt. Dabei handelt es sich um Hormone, die eine große Rolle bei der Schmerzentstehung spielen. Über den gleichen Effekt entfaltet auch Acetylsalicylsäure seine schmerzlindernde Wirkung.
  • Hilfreich ist auch eine 10-Prozent-Pfefferminzöl-Lösung, die lokal bei Spannungskopfschmerz oder einem schmerzenden Muskel eingerieben werden kann. Das darin enthaltene Menthol und Menthon können Schmerzbotenstoffe wie Serotonin hemmen.
  • Bei Fieber und Schmerzen hat sich der Essigstrumpf, ein Kneippsche Hausmittel, bewährt. Dafür mischt man vier Teile Wasser und ein Teil Apfelessig und taucht Baumwollsocken ein, die ausgewrungen und dann angezogen werden. Die Beine sollten dann in eine Wolldecke eingewickelt werden und etwa 45 Minuten ruhen. Diese zugegebenermaßen etwas umständliche Prozedur kann bis zu dreimal täglich wiederholt werden – genauso wie der klassische Wadenwickel.
  • Nur bedingt hilft Schwangeren eine Schwitzkur mit Lindenblütentee. Besser eignen sich hierzu Hagebuttentee oder Tee aus schwarzen Holunderbeeren und die nachhaltige Stärkung des Immunsystems durch Bewegung, eine gesunde Ernährung und mögliche Nahrungsergänzungsmittel wie Zink oder Selen.

Schwanger und krank: erlaubte Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Bei Migräne, grippalen Infekten und Co. greift man gerne zu Schmerzmitteln oder Medikamenten, die zur Genesung beitragen, die Symptome lindern und entzündungshemmend wirken. Schwanger und krank? Welche Medikamente sind da erlaubt? Was darf man als Schwangere einnehmen? Mehr im folgenden Beitrag.

Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Arzneimittel in der Schwangerschaft sind ein ernst zunehmendes Thema: Erinnert man sich an die Contergan-Katastrophe Anfang der 60er Jahre in der schwangere Frauen ein harmlos geglaubtes Schlafmittel eingenommen haben, wodurch zahlreiche Neugeborene mit Fehlbildungen an Armen und Beinen zur Welt gekommen sind, wird man sich dessen Auswirkungen wieder bewusst. Jeder Schwangeren sollte immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden, dass die Einnahme von Schmerzmitteln auch Auswirkungen auf das Ungeborene im Mutterleib haben und es schädigen kann bzw. Fehlbildungen in der Entwicklung zu befürchten sind. Gerade im Frühstadium einer Schwangerschaft kann durch die Einnahme von Medikamenten eine gesunde Organentwicklung beeinträchtigt und Fehlbildungen verursacht werden. Hierbei kann es sogar unerheblich sein, ob es sich um frei verkäufliche Medikamente oder verschreibungspflichtige Arzneimitteln handelt. Grundsätzlich ist daher zu empfehlen, jede Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft vorher mit dem Arzt abzusprechen. Zu den bekanntesten frei verkäuflichen Schmerzmitteln zählt Acetylsalicylsäure, dessen Wirkung die folgende ist: schmerzlindernd und fiebersenkend und zudem hemmt es die Blutgerinnung. Aus diesem Grund kann Acetylsalicylsäure in der Schwangerschaft Blutungen auslösen und zu Fehlbildungen des ungeborenen Kindes führen. Bei Einnahme im letzten Drittel der Schwangerschaft werden dem Schmerzmittel außerdem auch wehenhemmende Wirkungen zugeschrieben. Die Einnahme von Acetylsalicylsäure ist nur bedingt empfehlenswert; manche halten eine gelegentliche Dosis von maximal 300 Milligramm pro Tag für unbedenklich. Niemals sollte über die Einnahme selbst entschieden werden, sondern stets von dem behandelnden Arzt empfohlen werden. Nichtsteroidale Antirheumatika, abgekürzt NSAR, werden bei allen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eingenommen, da die Entzündungsreaktion im Körper gehemmt wird. Zu den bekanntesten zählen Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen. In der Schwangerschaft, vor allem im letzten Drittel, ist es nicht zu empfehlen NSAR einzunehmen, da diese auch Ödembildung im Gewebe verursachen können. Außerdem ist die Rede davon, dass NSAR die Entwicklung des Ungeborenen negativ beeinflussen kann: Das Risiko eines Herzfehlers ist besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft erhöht. Wie Acetylsalicylsäure wirken auch NSAR wehenhemmend.

Paracetamol in der Schwangerschaft – ja oder nein?

Paracetamol

ist ein Arzneimittel, welches gegen Schmerzen eingenommen werden kann und zudem Fieber senken kann. Eine entzündungshemmende Eigenschaft hat es allerdings nicht. Wenn Fiebersenkung oder Schmerzlinderung in der Schwangerschaft erforderlich werden, kann die Einnahme von Paracetamol grundsätzlich erlaubt werden. Allerdings sollte vorher die genaue Dosis durch den behandelnden Arzt ermittelt werden, damit die maximale Tagesdosis – diese beträgt zwischen 2000 und 3000 Milligramm pro Tag nicht überschritten wird. Eine Rücksprache mit dem Arzt ist obligat.

Vorsicht auch bei pflanzlichen Mitteln und Vitaminen

Auch pflanzliche Mittel sind nicht unbedingt unbedenklich: Werdende Mütter sollten zum Beispiel auf Präparate oder Tees, die Salbei enthalten verzichten, da Salbei die Wehen fördern kann. Darüber hinaus ist auch bei Vitaminpräparaten Vorsicht angebracht: Vitamin A kann zum Beispiel in hohen Dosen das ungeborene Kind schädigen. Sprechen Sie sich daher mit dem Arzt ab und lassen sich beraten, ob und welche Nahrungsergänzungsmittel Sie einnehmen dürfen.

Vorsicht bei der Medikamenteneinnahme

Nach Meinung von einigen Experten ist das Risiko, durch Rauchen und alkoholische Getränke eine Fehlentwicklung des Kindes zu erfahren höher als eine Fehlbildung, die auf Medikamente zurück zu führen sind. Trotzdem ist die Vorsicht bei der Medikamenteneinnahme stets angebracht und sollte niemals wahllos und nur im äußersten Notfall, beispielsweise wenn die Schmerzen nicht mehr zu ertragen sind und nicht anderweitig gelindert werden können, erfolgen. Besonders in der Frühschwangerschaft sollte der Gebrauch von Arzneimittel so gering wie möglich gehalten werden. Zudem liegt jedem Medikament ein Beipackzettel bei, in welchem unter der Überschrift: Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit Informationen für schwangere Patienten vorliegt. Fazit: Schmerzmittel sollten, ob schwanger oder nicht, nicht wahllos wie „Smarties“ eingenommen werden und zur Routine werden. Denn auf Dauer können diese – auch für eine nicht schwangere Person – gefährlich werden und dem Körper schaden. Denn: Die Dosis macht das Gift.

Arzneimittel in der Schwangerschaft?

Medikamente in der Schwangerschaft einzunehmen, kann gefährlich sein. Die Contergan-Katastrophe ist uns immer noch ein warnendes Beispiel. Anfang der 60er Jahre haben viele Schwangere ein vermeintlich harmloses Schlafmittel genommen, was zu Tausenden von Kindern mit Fehlbildungen v.a. der Arme und Beine führte. Damals hat man auf grausame Art erkennen müssen, dass bestimmte – glücklicherweise sehr wenige – Präparate dem ungeborenen Baby schaden können.

Linktipp

Tabelle mit den wichtigsten, in der Schwangerschaft erlaubten Medikamenten (pdf-Datei mit frdl. Genehmigung von Dr. Michaela Schmid, Zürich).

Im Frühstadium der Schwangerschaft (vor allem zwischen dem 19. und 56. Tag nach der Befruchtung, was etwa der 5.-10. SSW entspricht) eingenommene Medikamente können unter Umständen die gesunde Organentwicklung beeinträchtigen und angeborene Fehlbildungen hervorrufen. Präparate, die in einem späteren Stadium Ihrer Schwangerschaft eingenommen werden, können das Wachstum Babys hemmen, zu niedrigem Geburtsgewicht oder einer Schädigung der fetalen Organe führen. Bestimmte Medikamente, die Sie gegen Ende Ihrer Schwangerschaft einnehmen, können sogar bei Ihrem Neugeborenen noch Symptome oder Erkrankungen auslösen.

Wir wissen heute – im Gegensatz zu vor 50 Jahren – dass die Zahl spezieller Fehlbildungen, die auf Medikamente zurückzuführen sind, äusserst gering ist. Viel höher ist nach Meinung von Experten das Risiko, das durch Rauchen und alkoholische Getränke von vielen werdenden Müttern ohne Bedenken in Kauf genommen wird. Trotzdem ist eine gewisse Vorsicht bei der Medikamenteneinnahme angebracht. Ein Grundsatz der medizinischen Behandlung in der Frühschwangerschaft ist, den Gebrauch von Arzneimitteln so niedrig wie möglich zu halten. Andere, nicht-medikamentöse Therapien sind – ausser in Notfällen – immer zuerst zu versuchen. Deshalb werden Schwangeren heute nur solche Medikamente verschrieben, bei denen aufgrund langjähriger Erfahrung ausreichend gesichert ist, dass sie keine fruchtschädigende (teratogene) Wirkung haben. Jedem Medikament liegt ein Beipackzettel („Waschzettel“) zur Patienteninformation bei, der auch auf die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit eingeht.

Sollten dann Schwangere nicht sofort mit dem positiven Schwangerschaftstest jegliche Tabletten-Einnahme abbrechen? Nun, das kann man nicht so rigoros sagen. Genauso falsch wie eigenmächtiges Einnehmen von Medikamenten ist das eigenmächtige Absetzen ärztlich verordneter Arzneimittel. Geradezu gefährlich ist es, wenn der werdenden Mutter aus unbegründeter Angst ein für sie lebenswichtiges Medikament vorenthalten wird. Hier gilt es, Nutzen und mögliches Risiko sorgsam abzuwägen. Optimal ist es, wenn Frauen mit einer chronischen Erkrankung (z.B. Bronchial-Asthma, Bluthochdruck, Epilepsie, psychische Erkrankungen) schon vor Beginn der Schwangerschaft mit Medikamenten und Dosierungen eingestellt werden, die Ihr Baby so wenig wie möglich belasten. Und in vielen Fällen gibt es Alternativen, die in der Schwangerschaft genommen werden dürfen.

Hier finden Sie den Erlebnisbericht einer Leserin zum Thema „Schizophrenie und Schwangerschaft“, in dem sie speziell ihre Erfahrungen mit der Medikamenteneinnahme bei einer psychischen Erkrankung weitergibt.

Schwangere sollten aber auf jeden Fall kritisch mit Medikamenten umgehen, so wenig wie möglich einnehmen und wenn überhaupt, dies mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin absprechen und auf altbewährte Medikamente zurückgreifen. Dies gilt auch für nicht verschreibungspflichtige Medikamente (Gruppe C oder D, auf der Packung vermerkt), die Sie in der Apotheke kaufen können. Wenn Sie ausser in gynäkologischer noch in anderer ärztlicher Behandlung sind, muss auch dort ihre Schwangerschaft bekannt sein! Also: Ohne vorherige Rücksprache mit Ihrem Frauenarzt, Ihrer Frauenärztin, Ihrem Apotheker oder Ihrer betreuenden Hebamme sollten Sie keine Medikamente einnehmen, die Ihnen vor Ihrer Schwangerschaft verschrieben worden sind.

Wenn Sie wissen wollen, was Sie bei bestimmten Beschwerden bedenkenlos einnehmen können, finden Sie die erlaubten Medikamente unter dem entsprechenden Stichwort. Einfach z.B. „Verstopfung“ in die Suchfunktion oben rechts eingeben! Oder Sie schauen in unserer Liste der üblichen Schwangerschaftsbeschwerden nach.

Häufige Fragen zum Thema

Mein Arzt hat mir trotz Schwangerschaft ein Arzneimittel verschrieben. Aber im Beipackzettel steht: „Strenge Indikationsstellung in der Schwangerschaft“!

Ist es nicht am besten, wenn man in der Schwangerschaft gar keine Arzneimittel mehr einnimmt?

Sollte bei jeder Schwangeren, die Medikamente einnimmt, eine gezielte Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden? Oder sogar eine Fruchtwasseruntersuchung?

Kann ich in der Schwangerschaft meine homöopathischen Mittelchen unbesorgt weiter nehmen?

Ich soll wegen einer Halsentzündung Penizillin einnehmen. Sind Antibiotika denn in der Schwangerschaft überhaupt erlaubt?

Ich habe zur Verhinderung der Schwangerschaft die „Pille danach“ bekommen – sie hat aber nicht gewirkt. Nun freuen wir uns trotzdem auf unser Kind, aber ich mache mir Sorgen, ob das Medikament nicht geschadet hat.

Darf ich bei Wehen Schmerztabletten nehmen?

Newsticker

Nicht im ersten Drittel! | 12.10.2019

Ondansetron (Axisetron®, Cellondan®, Ondansan®) wird immer häufiger bei übermässigem Erbrechen in der Schwangerschaft eingesetzt, ist aber dafür weder zugelassen noch empfohlen (Off-Label-Anwendung). In einem aktuellen Brief informieren nun alle pharmazeutischen Unternehmen, die ondansetronhaltige Arzneimittel vertreiben, über neue Erkenntnisse zur Anwendung in der Schwangerschaft und warnen, Ondansetron sollte nicht im ersten Trimenon der Schwangerschaft angewendet werden. Grund sind die Ergebnisse epidemiologischer Studien an 1,8 Millionen Schwangeren. Die Einnahme von Ondansetron im ersten Trimenon sei mit einem erhöhten Risiko für Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten verbunden gewesen (3 zusätzliche Fälle pro 10.000 behandelte Frauen). Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) rät zudem Frauen im gebärfähigen Alter, eine Schwangerschaftsverhütung in Erwägung ziehen.

Gegen Schwangerschaftsübelkeit | 15.03.2019

Schätzungsweise 80% aller Schwangeren leiden in den ersten drei Monaten unter schwangerschaftsbedingter Übelkeit und Erbrechen. Dagegen wirkt Ondansetron (Zofran®) so effektiv und ohne Nebenwirkungen, dass es in den USA inzwischen schon einem Viertel aller Schwangeren verschrieben wird. Eine neue Studie über 13 Jahre und an mehr als 1,5 Mio. werdenden Müttern hat jetzt feststellen können, dass die Einnahme von Ondansetron im ersten Trimester weder das allgemeine Fehlbildungsrisiko noch die Häufigkeit von angeborenen Herzfehlern steigert. Allerdings wurde ein geringgradig erhöhtes Risiko für Kiefer-Gaumen-Spalten gefunden. Die Empfehlung lautet daher, Ondansetron nur dann zu verschreiben, wenn die Mittel der ersten und zweiten Wahl (wie Pyridoxin und Meclozin, bzw. Metoclopramid und Chlorpromazin) keine Wirkung zeigen.

Keine Panik! | 03.08.2017

Infektionen in der Schwangerschaft sind nicht ungewöhnlich. Beim Nachweis eines bakteriellen Erregers kann eine Antibiotikatherapie notwendig werden – auch um eine Schädigung des ungeborenen Kindes oder eine Fehlgeburt durch die Infektion zu verhindern. Eine kanadische Forschergruppe hat jetzt alle Fehlgeburten in der Provinz Quebec von 1998 bis 2009 untersucht. Darunter waren 1.428 Fälle (16,4 Prozent) von Antibiotika-Einnahme. Ergebnis: Penicilline und Cephalosporine waren nicht mit einer erhöhten Rate von Fehlgeburten assoziiert. Das bestätigt die hohe Sicherheit dieser bewährten Antibiotika, die bei Infektionen in der Schwangerschaft Mittel der Wahl sind. Als bedenklich gelten dagegen Chinolone, Tetrazykline und Metronidazol, aber auch Sulfonamide und Makrolid-Antibiotika.

Schäden wegen Epilepsie-Medikament | 14.02.2017

Mit dem Titel „Schäden wegen Epilepsie-Medikament“ erweckt ein Beitrag in der Sendung „10vor10“ (SRF 1, 7. Februar 2017) den Eindruck, es handle sich bei Valproat um ein neues Medikament bzw. um bisher unbekannte Nebenwirkungen. Valproat bzw. Valproinsäure ist seit 1972 auf dem Schweizer Markt (Depakine Chrono, Orfiril, Convulex, Valproat Chrono Desitin retard, Valproat Sandoz retard und Valproate Chrono Zentiva). In der Schweiz wird seit den 80er Jahren davor gewarnt, dass Valproat, während der Schwangerschaft genommen, bei rund 10% der Kinder zu Fehlbildungen führt (z.B. sogenannte Spina bifida oder „offener Rücken“). Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG), die Schweizerische Epilepsie-Liga (SEL), die Schweizerische Gesellschaft für Neuropädiatrie (SGNP), die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für perinatale Pharmakologie (SAPP) und die Schweizerische Akademie Feto-Maternale Medizin (AFMM) nehmen dazu Stellung.

Paracetamol und Schwangerschaft: In so bekannten schmerzlindernden und fiebersenkenden Präparaten wie Panadol, Acetalgin, Contra Schmerz, Ben-u-ron, Tylenol, Zolben, Influbene oder Dafalgan steckt als Wirksubstanz Paracetamol, das sogar für Schmerzen in der Schwangerschaft bisher als harmlos und Mittel der ersten Wahl galt. Neuere skandinavische Untersuchungen bringen die längere vorgeburtliche Einnahme jetzt mit dem späteren Auftreten von ADHS, Hyperaktivität und motorischen Problemen beim Kind in Zusammenhang. Bewiesen ist die schädliche Wirkung damit aber noch nicht – und Grund zur Panik bestehe schon gar nicht. Die Schweizerische Zulassungsbehörde Swissmedic will aber nun überprüfen, ob der bestehende Warnhinweis dahingehend angepasst werden muss, dass Schwangere und stillende Frauen ein Paracetamol-haltiges Medikament nicht länger als eine Woche einnehmen dürfen. (swissmom Newsticker, 27.11.14)

Antibiotika in der Schwangerschaft: Medikamente in der Schwangerschaft werden nur sehr vorsichtig und mit guter Begründung eingesetzt. Der Einsatz von Makrolid-Antibiotika (z.B. Azithromycin, Erythromycin, Clarithromycin) und Penicillin im ersten Trimenon der Schwangerschaft zeigte in einer grossen Studie mit über 130.000 Schwangeren keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für angeborene kindliche Fehlbildungen. 40% aller Schwangeren müssen wenigstens einmal antibiotisch behandelt werden, meist wegen eines möglicherweise gefährlichen Harnwegsinfekts. Penicilline gelten als gut untersucht und sicher. Besteht aber eine Penicillin-Allergie, kommen Makrolide zum Einsatz. Auch für diese Arzneimittel scheint nun die Furcht vor einer kindlichen Schädigungen unberechtigt zu sein. (swissmom Newsticker, 10.3.16)

Letzte Aktualisierung : 30-08-16, BH

Überblick

  • Es gibt keine ausreichenden kontrollierten Studien beim Menschen zur Frage, ob ein erhöhtes fetales Risiko bei Antibiotika-Anwendung in der Schwangerschaft besteht
  • Jede antibiotische Therapie bei Schwangerschaft und in Stillzeit bedarf einer strengen Nutzen-/Risikoabwägung
  • Ausgehend von Tierversuchen und Erfahrungen beim Menschen werden Substanzen als risikoärmer bzw. risikoreicher gewertet
  • Es besteht häufig eine Diskrepanz zwischen der Fachinformation des Herstellers und den Erfahrungsberichten aus der Anwendungsbeobachtung
  • Im deutschsprachigen Raum bietet das Portal EMBRYOTOX des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin eine der umfassendsten Zusammenstellungen des Risikopotentials von Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit

Risikoärmere Substanzen

  • Risikoeinschätzung
    • Im Tierversuch konnte kein Hinweis auf erhöhtes fetales Risiko beim Menschen festgestellt werden oder
    • Ein erhöhtes fetales Risiko im Tierversuch konnte bei Menschen nicht bestätigt werden
  • Besser erprobte Substanzen: Vorzugsweise anzuwenden, wann immer möglich
    • Penicilline: Ampicillin, Amoxicillin, Flucloxacillin, Penicillin V, Propicillin
    • Cephalosporine
    • Erythromycin und Azithromycin aus der Gruppe der Makrolide
  • Mittel der 2. Wahl
    • Clindamycin
    • Carbapeneme: Meropenem, Doripenem, Ertapenem
    • Metronidazol
    • Nitrofurantoin
    • Fosfomycin
    • Vancomycin
    • Daptomycin

Risikoreichere Substanzen

  • Cotrimoxazol bzw. Trimethoprim: Mögliche Teratogenität
  • Fluorchinolone
  • Rifampicin
  • Linezolid

Bekanntes erhöhtes fetales Risiko beim Menschen

  • Aminoglykoside (kontraindiziert in der Schwangerschaft; unter strenger Indikationsstellung zugelassen in Stillzeit und bei Kindern)
  • Tetracycline (z.B. Doxycyclin)
  • Tigecyclin

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