Orale phase mit 2 jahren

Die orale Phase: Das Baby steckt alles in den Mund

Sobald ein Baby nach etwas greifen kann, führt es sämtliche Dinge erstmal zum Mund. Dort untersucht es sie dann, indem es an ihnen nuckelt, leckt oder kaut. Warum tut es das? Ganz einfach: Zunge und Lippen sind in den ersten Monaten die wichtigsten Sinnesorgane.

Orale Phase: Warum das Baby alles in den Mund nimmt

Etwa ab einem Alter von drei Monaten schafft es dein Baby allmählich, seine Bewegungen gezielter zu steuern. Es kann nun die Hände und Finger bewusst zum Mund führen, um an ihnen zu saugen. Außerdem beginnt es schon jetzt damit, Gegenstände, die es zu greifen bekommt, zum Mund zu führen. Im Alter von fünf Monaten klappt das schon ganz gut. Im Mund angekommen werden die interessanten Objekte dann ausgiebig abgeleckt, angenuckelt und bekaut.

Die Erklärung für dieses Verhalten ist ganz einfach: In diesem jungen Alter ist der Tastsinn über den Mund noch weitaus besser entwickelt, als der Sehsinn. Dank der vielen sensiblen Nervenendigungen im Mundraum kann sich dein Baby durch das Ertasten eines Gegenstandes mit Lippen, Zunge und Gaumen ein Bild von ihm machen. Dabei untersucht es seine Beschaffenheit, seine Konsistenz, den Widerstand beim Kauen und nicht zuletzt natürlich auch den Geschmack.

Was das Baby dabei lernt

Mal ganz abgesehen davon, dass es die Kleinen natürlich furchtbar spannend finden, alles Unbekannte genauestens zu untersuchen, ist das in-den-Mund-Nehmen auch für die motorische Entwicklung sehr wichtig. Indem sich dein Baby immer wieder etwas zum Mund führt, übt es sich nämlich im Greifen und in der Hand-Auge-Koordination. Anfangs klemmt es sich die Dinge noch zwischen Daumen und Handfläche. Etwa ab dem 9. Monat können Babys die Bewegungen ihrer Fingerchen so gut koordinieren, dass sie Gegenstände mit Daumen und Zeigefinger – dem so genannten Pinzettengriff – zielsicher zum Mund führen können.

Zusätzlich zur Hand-Auge-Koordination und der Feinmotorik trainiert dein Kleines beim Lutschen und Kauen auch die Beweglichkeit von Zunge, Lippen und Kiefer – die perfekte Vorbereitung um schon bald feste Nahrung zu kauen und das Sprechen zu lernen.

Auch Mama und Papas Hände werden mit dem Mund ausgiebig untersucht.

Deshalb: Lasse dein Baby die Welt mit dem Mund entdecken!

Biete deinem Baby immer wieder neue spannende Dinge zum Untersuchen an, bevorzugt solche mit lebhaften Oberflächen wie Rillen oder Löchern. Hauptsache, man kann es mit kleinen Fingerchen gut greifen. Altersgerechtes Babyspielzeug ist häufig schon mit verschiedenen Materialien ausgestattet, die die Kleinen ohne Bedenken in den Mund nehmen können. Bei „Erwachsenden-Dingen“, wie zum Beispiel einer sauberen Haarbürste, achte darauf, dass sich keine Kleinteile davon lösen und verschluckt werden könnten.

Überhaupt ist Kindersicherheit spätestens dann ein wichtiges Thema, wenn dein Baby krabbeln kann. Verschluckbare Kleinteile, und dazu zählen auch bestimmte Nahrungsmittel wie Süßigkeiten, Nüsse oder Weintrauben, sollten für dein Baby ebenso wenig erreichbar sein, wie scharfe, spitze oder sonst wie gefährliche Gegenstände.

Das gilt insbesondere auch für Arzneimittel: Bunte Pillen haben verlockende Ähnlichkeit mit Bonbons. Der Verzehr von Putz- und Reinigungsmitteln, Zigaretten, Alkohol, giftigen Pflanzen und Pilzen kann ebenfalls schwere Folgen haben. Daher checke den Krabbelbereich deines Babys lieber einmal mehr auf gefährliche Dinge, die es in die Finger und damit auch in den Mund kriegen könnte.

Beißringe für Babys und andere Zahnungshilfen

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Wie lange dauert die orale Phase?

Die Lust, erst einmal in jedes neu entdeckte Objekt hineinzubeißen, lässt noch lange nicht nach, wenn dein Kind durch die Wohnung krabbelt – und natürlich erst recht nicht, wenn es mit am Esstisch sitzt. Dazu gehört, dass Brei, Brot oder Obst nicht ohne Kleckern ins Mündchen wandern – und wieder heraus und wieder hinein. Du kennst das bestimmt. Lasse dein Kind diesen Entdeckerdrang ausleben! Denn wenn nicht beim Essen nach Herzenslust mit den Händen UND dem Mund untersucht werden darf, wann dann?

Ein Hoch hat die orale Phase in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres. Auch, weil dann die ersten Zähnchen wachsen und das Herumkauen etwas Linderung bei Schmerzen verschafft. Doch auch noch im zweiten Lebensjahr untersuchen Kinder neue Dinge gern mal mit dem Mund. Selbst Mütter von Vierjährigen verstehen manchmal die Welt nicht mehr, wenn ihr Sprössling gedankenverloren an der Scheibe im Bus oder am Rolltreppen-Geländer im Einkaufscenter leckt. Dabei haben sie ihnen schon hundertmal gesagt, dass das alles andere als gesund sei.

Doch die Kleinen tun das ja nicht, um ihre Eltern zu ärgern, sondern um ihrem natürlichen Entdeckertrieb nachzugehen. Noch etwa bis zum fünften Lebensjahr können Kinder mit Mund und Zunge die Beschaffenheit eines Materials besser erforschen als mit ihren Händen. Drücke einfach öfter mal beide Augen zu.

Aber ist das nicht unhygienisch?

Babys Umgebung muss sauber sein – aber nicht steril. Die meisten Keime, mit denen dein Kind in Berührung kommt, stärken seine Abwehrkräfte. Inzwischen führen Wissenschaftler die hierzulande deutliche Zunahme an allergischen Erkrankungen unter anderem auf übertriebene Hygiene zurück. In Maßen aufgenommen, hat harmloser Schmutz auch insofern eine heilsame Wirkung, als dass auch den Neugierigsten wenige Kostproben genügen. Ob Mamas Stöckelschuhe oder das Spielzeug im Sandkasten allerdings zum Ablecken herhalten sollte, bleibt Ansichtssache. Nur so viel: Es kommt nach solchen Kontakten nur sehr selten zu einer ernsthaften Erkrankung.

Vorsicht vor Keimfallen im Kinderzimmer

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Die Orale Phase: Warum Babys alles in den Mund nehmen

Lippen und Zunge meisterhaft einsetzen

Die Bewegung der Lippen und der Zunge gehört zu den Körpererfahrungen, die ein Baby schon früh selbst kontrollieren und steuern kann. Zusätzlich kommen an keiner anderen Stelle im Körper so viele Nervenenden auf einen Quadratmillimeter zusammen, wie im Mundbereich. Das Erfühlen und Probieren mit dem Mund wird somit wesentlich intensiver wahrgenommen, als mit den Fingern. Deshalb bevorzugen auch Babys, die das Greifen schon gut gelernt haben, das Kennenlernen der unterschiedlichsten Gegenstände mit dem Mund. Eine Vorliebe, die nicht immer ungefährlich ist.

Achten Sie stets darauf, dass Ihr Baby keine Dinge ergreift und zum Mund führt, die

  • so klein sind, dass sie verschluckt werden können,
  • scharfe Kanten haben oder
  • aus Materialien sind, die nicht in den Mund genommen werden dürfen.

Erklären Sie diese Gefahren auch unbedingt den grösseren Geschwistern, die beispielsweise ihre winzige Spielzeugüberraschung aus ihrer Cornflakespackung dem Baby nicht unbeaufsichtigt in die Hand geben sollten. Grundsätzlich gilt: Alle Spielzeuge, die so klein sind, dass sie in den Mund eines Babys passen, sind gefährlich.

Die sogenannte orale Phase

Sicherlich ist Ihnen schon einmal die Begrifflichkeit „orale Phase“ begegnet. Dabei handelt es sich um eine Bezeichnung aus der Tiefenpsychologie. Geprägt von dem berühmten Psychoanalytiker Sigmund Freud, bezeichnet die orale Phase den Entwicklungsabschnitt eines Babys, bei dem es seine Umwelt überwiegend mit dem Mund erfährt und auch daraus seine Zufriedenheit und Freude gewinnt.

Neugeborene nutzen beispielsweise oft ihre zu Fäustchen geballten Hände, um die Brust der Mama fürs Stillen in Position zu bringen und somit schneller satt zu werden. Auch die eigenen Finger und greifbare Gegenstände werden verstärkt im ersten halben Jahr zum Mund geführt, um sie genauer zu erkunden. Danach kommen die Hände mit zunehmender Greif- und Fingerfertigkeit zum Einsatz.

Der Drang, alles mit Zunge und Lippen zu untersuchen hält bei vielen Babys bis ins Kleinkindalter (etwa 2 Jahre) an. Aus diesem Grund gilt für kleine Spielzeuge bzw. Spielgeräte mit Kleinteilen die Empfehlung „Nicht unter drei Jahren.“

Achten Sie nicht nur auf die Spielzeuge, die Sie Ihrem Baby zum Spielen geben. Sobald es nach dem ersten halben Jahr langsam mobil wird, sind auch viele andere Dinge nicht davor gefeit, ausführlicher mit dem Mund untersucht zu werden. Mit den ersten Trink- und Essenserfahrungen stellen sich die Kleinen auch oftmals die Frage, wie und ob etwas schmeckt. Vor diesem Hintergrund sollten Sie prüfen, ob Ihre Zimmerpflanzen für den Fall der Fälle ungiftig sind. Die Blumenerde können Sie mit speziellen Sicherheitsabdeckungen vor neugierigen Händen und Mündern bewahren.

Vollmundig: Essen und Trinken

Je mehr Ihr Baby die Kunst des Greifens für sich entdeckt, umso mehr lernt es, sowohl die Hände als auch den Mund für seine Erfahrungen zu nutzen. Um den sechsten Monat, wenn es auch immer mehr in Kontakt mit Getränken und Lebensmitteln kommt, wendet es diese Erkenntnis allzu gern an. Das heisst: Lebensmittel und Getränke werden auch mit den Händen gründlich erforscht. Nicht immer zur Freude der Eltern, da dies mitunter zu sehr chaotischen Mahlzeiten führen kann.

Lassen Sie es dennoch zu, da diese Art der kulinarischen Erfahrung die Sinne Ihres Kleinen schult. Mit etwas Übung und dem geeignetem Baby- und Kleinkind-Geschirr werden auch die Mahlzeiten wieder entspannter.

Kauen als Zahnungshilfe

Das Herumkauen auf Spielzeugen dient in der Entwicklung eines Babys nicht nur dem Forschungsdrang. Vielen Babys hilft es, wenn ein neuer Zahn kommt. Da das Zahnen oft mit Schmerzen verbunden ist, die sich mit etwas Kühlung mindern lassen, können sogenannte Beissringe schnell für Linderung sorgen.

Warum steckt mein Baby alles in den Mund?

Bis zum Alter von drei Monaten kann Ihr Baby seine Hände und Finger noch nicht richtig einsetzen, um Dinge zu erkunden. Es kann sie zwar greifen, aber es kann seine Hände zum Beispiel noch nicht zum Befühlen, Abtasten oder etwas in den Händen drehen benutzen.
Aber Ihr Kleines kann schon seine Lippen und seine Zunge kontrollieren und diese zum „Erfahren“ eines Objektes einsetzen. Das klappt wunderbar, denn schließlich gibt es kein anderes Körperteil, das auf einem Quadratmillimeter so viele Nervenenden hat wie der Mund.
Deshalb wird Ihr Baby immer dann, wenn es ein Objekt gründlich kennenlernen möchte, dieses in den Mund stecken – das nennt man auch die orale Phase. Passen Sie also auf, dass nichts in seiner Nähe liegt, das ihm gefährlich werden könnte!
Kleine Babys benutzen ihre Fäuste, um ein Objekt ihrer Wahl direkt zu ihrem Mund zu transportieren, um es dort untersuchen zu können. Achten Sie darauf, dass es die Gegenstände um es herum weder verschlucken noch sich ins Auge schlagen kann. Alle Dinge, die klein genug sind, dass Ihr Kind sie in den Mund stecken kann, bedeuten Erstickungsgefahr.
Ihr Kind wird noch bis in sein zweites Lebensjahr Dinge in den Mund stecken. Aber mit fünf bis sechs Monaten wird es anfangen, seine Hände mehr einzusetzen. Mit etwa zwölf Monaten wird es sich zunehmend auch dafür interessieren, was es mit seinem Spielzeug alles tun kann.
Um den ersten Geburtstag herum sind dann die Hände die wichtigsten Mittel, um Dinge zu erkunden.
Wenn Ihr Kind mobil wird, müssen Sie noch mehr darauf achten, was so alles in seiner Reichweite ist – besonders, wenn Sie schon ältere Kinder haben, deren Spielzeug mit Sicherheit eine große Faszination auf Ihr Kleines ausüben wird. Oft enthält dieses Spielzeug kleine Teile, die Ihr Jüngstes verschlucken und dann möglicherweise daran ersticken könnte.
Mit drei Jahren nehmen die meisten Kinder keine Objekte mehr in den Mund.
Bei einigen Dingen würden Sie es vermutlich gut finden, wenn Ihr Kind sie ohne Probleme in den Mund stecken würde: Essen und Getränke!
Baby wollen gern mehr über ihre Lebensmittel und Getränke herausfinden, in dem sie sie mit den Händen untersuchen. Vielleicht findet Ihr Baby es toll, Erbsen in die Hand zu nehmen, mit den Fingern in seinem Getränk zu rühren oder seine Nudeln zu zermatschen. Mahlzeiten können für einige Zeit chaotisch werden!
Besonders gerne kauen Babys auf ihrem Spielzeug herum, wenn ein neuer Zahn dabei ist, durchzubrechen. Das Nagen an Objekten wird oft begleitet von Sabbern und es kann sein, dass Ihr Kind in dieser Zeit nicht ganz auf der Höhe ist. Das Durchbrechen eines Zahns kann eine schmerzhafte Angelegenheit sein. Ein gut gekühlter Beißring kann helfen.

Psychologie: Marotten der Kinder – ab wann es brenzlig wird

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Wenn der kleine Jan (7) abends ins Bett geht, folgt er einem festen Ritual: Er öffnet und schließt seine Kinderzimmertür drei Mal hintereinander. Dann schiebt er den Stuhl ganz nah an seinen Schreibtisch ran und stellt seine Pantoffeln penibel vor dem Bett auf.

Erst wenn er noch mehrmals zur Toilette gegangen ist und seinen Eltern jedes Mal wieder Gute Nacht gesagt hat, ist ans Einschlafen zu denken. „Das macht einen manchmal schon wahnsinnig“, sagt seine Mutter genervt.

Dabei sind kindliche Marotten keine Seltenheit. Es gibt sie in allen Formen und Ausprägungen: Die eine zwirbelt und dreht an ihren Haaren, der andere kaut Fingernägel oder lutscht auf dem Bündchen seines Ärmels herum.

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Manche Kinder lecken sich ständig die Lippen, so dass keine Pflegecreme der Welt gegen den feuerroten Mund ankommt. Andere müssen partout immer dreimal über eine Mauer balancieren oder setzen ihren Fuß nur genau in die Mitte der Gehwegplatte und bloß nicht auf die Fugen dazwischen.

Jedes fünfte Kind im Vorschulalter betroffen

Schätzungen zufolge ist jedes fünfte Kind im Vorschulalter davon betroffen, und noch jedes zehnte Schulkind zeigt zwanghafte Verhaltensweisen. An den Fingernägeln kaut sogar ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen.

„Das heißt noch lange nicht, dass das Kind gestört ist“, sagt die Kinderpsychiaterin und Psychotherapeutin Annette Streeck-Fischer. Gewisse Marotten gehörten durchaus zur normalen Entwicklung eines Kindes, sagt die Expertin vom Fachklinikum Tiefenbrunn bei Göttingen.

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Oft seien Marotten für Kinder ein Ventil, um innere Unruhe, Angst oder Nervosität zu überspielen. „Das ist eine Form des Umgangs mit sich selbst“, sagt Streeck-Fischer: „Erwachsene greifen in solchen Augenblicken zur Zigarette.“

„Marotten sind eine Form der Stressbewältigung“, sagt auch der Münchner Kinderpsychotherapeut Peter Lehndorfer. Kinder durchliefen Entwicklungsschritte, bei denen Unsicherheiten aufträten.

Nägelkauen und Co können bei Unsicherheiten helfen

„Die Marotten helfen dabei, diese Unsicherheiten zu bewältigen.“ Und egal, wie nervig das Verhalten eines Kindes für seine Eltern auch sein mag: Lehndorfer rät, die Marotten nicht direkt anzusprechen.

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„Eltern sollten eher versuchen herauszufinden, was es ist, das das Kind beunruhigt, und es in Belastungssituationen ablenken“, meint Lehndorfer, der auch im Vorstand der Bundespsychotherapeutenkammer sitzt.

Ein Kind aufzufordern, nicht mehr am Daumen zu lutschen, bringe wenig. „Aber vielleicht hilft es, ihm eine Gute-Nacht-Geschichte zu erzählen, damit es ohne Daumenlutschen in den Schlaf findet.“

Schon Fünfjährige bekommen Psychopharmaka

Die Zahl der Kinder mit ADHS hat sich laut einer Studie der AOK mehr als verdoppelt. Schon Erstklässler bekommen starke Medikamente. Aber ist das immer richtig oder toben manche bloß mehr?

Quelle: N24

Marotten treten häufig in sogenannten Schwellensituationen auf: „Etwa beim Wechsel vom Kindergarten in die Schule, beim Wechsel auf die weiterführende Schule, beim Umzug in eine andere Stadt“ sagte Annette Streeck-Fischer.

Viele Kinder geben ihre Marotten wieder auf

Wichtig sei, dass Eltern ihr Kind unterstützten und bei seinen Entwicklungsschritten begleiteten. „In einer aufmerksamen und liebevollen Familie geben Kinder ihre Marotten in der Regel schnell wieder auf“, sagt sie.

Doch wenn Marotten länger als drei Monate anhalten und den ganzen Tagesablauf bestimmen, dann sollten bei Eltern die Alarmglocken läuten, meint Lehndorfer.

Wenn ein Kind zum Beispiel an einem Waschzwang leidet und sich den ganzen Tag lang fast ununterbrochen die Hände wäscht, sollten Eltern ihren Kinderarzt konsultieren.

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Auch wenn sich Kinder blutig kratzten oder sich auf andere Weise selbst verletzten, bestehe Handlungsbedarf: „Besser einmal zu viel zum Arzt gehen als einmal zu wenig. Denn für Eltern ist es oft sehr schwierig zu unterscheiden, wo eine Marotte aufhört und eine Zwangshandlung anfängt.“

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Streeck-Fischer rät jedoch zur Gelassenheit: Selbst in der Pubertät seien Marotten keine Seltenheit. Viele Jugendliche kauten Nägel oder zwirbelten ständig an ihren Haaren herum. Irgendwann gebe sich das von selbst. „Dass man als Erwachsener noch immer auf seinen Nägeln herumbeißt, ist eher selten.“

Orale Phase: Babys nehmen alles in den Mund

Direkt nach der Geburt erleben Babys das Saugen an Brust oder Flasche als Mittel zur Nahrungsaufnahme. Wenig später erfahren Sie, dass Nuckeln an Daumen oder Schnuller auch eine beruhigende Wirkung haben kann. Das „Wonnesaugen“ erzeugt bei ihnen ein schönes Gefühl. Und sobald Babys Gegenstände mit den Händen greifen können, fangen sie an, sich diese in den Mund zu stecken. Ob Kuscheltier, Spielzeug oder Brezel – Saugen und Nuckeln ist für die Kleinen jetzt das Größte und nichts ist davor sicher.

Der Begriff „orale Phase“ geht auf Sigmund Freuds Theorie zur psychosexuellen Entwicklung zurück. Das Wort „oral“ leitet sich vom lateinischen „Mund“ ab. Die Entwicklungspsychologie besagt, dass Kinder ihre ersten sinnlichen Erfahrungen über den Mund und die Haut machen. In erster Linie soll dadurch das Bedürfnis nach Nähe, Hunger und Durst gestillt werden.

Wann kommen Babys in die orale Phase?

Die typischen Anzeichen der oralen Phase machen sich innerhalb des ersten Lebensjahres bemerkbar. Diese Phase wird im Säuglings- und Kleinkindalter durchlebt. Da die zeitliche Entwicklung von Kindern aber individuell sehr unterschiedlich ist, kann Ihr Baby schon früher oder erst später in die orale Phase kommen. Etwa bis zum achten Lebensmonat dominiert das Erkundungsverhalten mit dem Mund.

Orale Phase: Warum nehmen Kinder alles in den Mund?

Ergreift Ihr Kind einen Gegenstand, wird er unweigerlich zum Mund geführt. Mit diesem Verhalten in der oralen Phase geht Ihr Baby dem Bedürfnis nach, die Welt um sich herum zu entdecken. Der Mund mit den Lippen und der Zunge ist für Ihr Baby das größte Sinnesorgan. Alles, was Ihr Kind interessiert, wird jetzt mit dem Mund abgetastet und so ausgiebig kennengelernt. Babys erfahren auf diese Art und Weise viel mehr über die Gegenstände als durch bloßes Tasten. Wird etwas ausführlich mit dem Mund erkundet, kann es später von Ihrem Kind sogar mit den Augen wiedererkannt werden.

Wie Ihr Baby die Welt im ersten Jahr sieht

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Wie schützen Sie Ihr Kind in der oralen Phase vor Gefahren?

Das Erforschen mit dem Mund ist eine wichtige Sinneserfahrung, bei der Ihr Baby viel lernt. Lassen Sie Ihr Kind diese eigenen Entdeckungen also unbedingt machen. Die orale Phase kann allerdings auch ziemlich anstrengend werden. Viele Eltern sind besorgt und fürchten, ihrem Kind könne etwas passieren, wenn es alles in den Mund nimmt. Tatsächlich werden Sie häufig damit beschäftigt sein, diverse Gegenstände vor Ihrem Kind in Sicherheit zu bringen. Beachten Sie ein paar Regeln in Ihrem Haushalt, damit sich Ihr Baby nicht verletzt oder sich verschlucken kann.

  • Lassen Sie keine spitzen oder scharfen Gegenstände in Reichweite Ihres Kindes liegen.
  • Kaufen Sie geeignetes Spielzeug. Achten Sie auf die Altersempfehlung und darauf, dass das Spielzeug speichelfest ist, keine Weichmacher enthält und mit einem entsprechenden Gütesiegel versehen ist.
  • Verstauen Sie Putzmittel, Medikamente, Zigaretten und Alkohol so, dass Ihr Kind sie nicht zu fassen bekommt. Trennen Sie sich außerdem von giftigen Pflanzen.
  • Lassen Sie Ihr Kind keine kleinen Dinge in den Mund nehmen – wie etwa Münzen oder Murmeln. Auch Nüsse, Trauben und Kirschtomaten sind tabu (oder müssen vorher ggf. halbiert werden), damit Ihr Kind sich nicht verschlucken oder daran ersticken kann.

Haushalt: Was Kinder verschlucken können

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Orale Phase und Tischmanieren: Was passiert beim Essen?

Die orale Phase wird in einem Alter durchlebt, in dem Tischmanieren noch keine Rolle spielen. Kinder müssen erst viel später lernen, wie sie sich beim Essen zu verhalten haben. In den ersten Lebensjahren ist es ganz normal, das Essen mit dem Mund zu erkunden und es statt zu schlucken auch einfach wieder auszuspucken. Ihr Baby setzt sich so mit der Nahrung auseinander. Es erkundet und erforscht, was da auf seinem Teller liegt. Zugegeben: Das kann schon einmal zu einer großen Sauerei werden. Erlauben Sie Ihrem Kind das Ausprobieren mit dem Essen trotzdem. Es ist ein wichtiger Schritt in seiner Entwicklung. Schützen Sie Ihren Nachwuchs einfach mit einem Latz und Ihren Tisch mit einer abwaschbaren Wachstischdecke. Achtung: Passen Sie auf, dass Ihr Kind keine heißen Sachen in den Mund nimmt. Das Empfinden für Wärme und Kälte tritt bei Kindern in dem Alter erst verzögert ein. Schützen Sie Ihren Nachwuchs daher vor Verbrennungen.

Hygiene in der oralen Phase: Reinigt Dreck wirklich den Magen?

Viele Eltern beschäftigt die Frage, wie Sie Ihr Kind vor Infektionen schützen sollen, wenn es einfach alles in den Mund nimmt. Natürlich ist Hygiene ein wichtiges Thema. Verwechseln Sie sauber aber nicht mit steril! Kuscheltiere können ab und zu gewaschen und Spielzeuge sauber gemacht werden. Es ist aber nicht nötig, dass Sie alles akribisch abwaschen oder desinfizieren. Selbst wenn Ihr Kind auf dem Spielplatz das sandige Förmchen in den Mund genommen hat, besteht kein Grund zur Sorge. Es stimmt tatsächlich: Etwas Schmutz schadet Ihrem Kind nicht. Im Gegenteil: Er stärkt das Immunsystem und wappnet vor Allergien. Wenn Sie Haustiere haben, achten Sie darauf, dass sie regelmäßig entwurmt und geimpft werden. Das Katzenklo darf nicht in Reichweite Ihres Babys stehen.

Wie wichtig ist die orale Phase für die Kindesentwicklung?

Babys lernen in der oralen Phase, dass ihre Mütter ihr Bedürfnis nach Nahrung beim Füttern befriedigen. Dadurch entsteht eine enge Bindung und das Kind bekommt ein Urvertrauen. Das Baby lernt aber auch, dass seine Wünsche nicht immer sofort erfüllt werden: Wenn die Mutter unterwegs nicht unverzüglich stillen kann oder das Baby erst stark saugen muss, um die Milchbildung anzuregen, braucht es bis zum Stattwerden eine Weile. Auch dies ist eine wichtige Erfahrung für das Baby. Einige Mütter befürchten allerdings, sie könnten in der oralen Phase etwas falsch machen und damit den Grundstein für eine psychische Störung legen. Machen Sie sich keine Sorgen: Um eine „frühe Störung“ hervorzurufen, müssten Sie erst gravierende Fehler machen und Ihr Baby wirklich vernachlässigen.

Wann ist die orale Phase zu Ende?

Zu Beginn der oralen Phase hat Ihr Baby noch eine passive Rolle: Es ist vollkommen abhängig und bekommt von Ihnen Nahrung. Mit der Zeit wird es immer aktiver, fordert etwas ein und sucht selbst nach der Befriedigung seiner Bedürfnisse. Langsam sprießen die Zähne ein, es beginnt richtig zu kauen und die motorischen Fähigkeiten entwickeln sich weiter. Das heißt aber nicht, dass Ihr Kind nun aufhört, Dinge in den Mund zu nehmen. Es wird neben dem Greifen, Stehen und Gehen weiterhin Gegenstände mit dem Mund erforschen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihr Kind plötzlich an der Stuhllehne leckt oder am Spiegel saugt – so absurd es Ihnen auch erscheinen mag. Eltern, die noch ein Geschwisterchen bekommen, werden vielleicht außerdem bemerken, dass Ihr älteres Kind nach der Geburt des zweiten Babys wieder anfängt am Daumen zu lutschen. Für Ihr Kind ist das ein schönes und vertrautes Gefühl, mit dem es sich in dieser Situation beruhigen will.

In der Entwicklungspsychologie nach Freud wird die orale Phase von der analen Phase abgelöst.

Diese 6 ekligen Dinge fasst Ihr Baby täglich an

Orale Phase: Die Welt mit dem Mund entdecken

Der fünf Monate alte Noah befindet sich seit kurzem in der oralen Phase: Alles, was er in die Hand nimmt, wandert kurz darauf in seinen Mund. Doch warum tut er das eigentlich? Und was sollten Eltern in dieser Entwicklungsphase beachten?

In der oralen Phase werden alle Spielsachen mit dem Mund untersucht. Foto: Hemera, Thinkstock

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Von Julia Wohlgemuth

Vielleicht haben Sie bei Ihrem Säugling schon etwas Ähnliches festgestellt, wie die Eltern des kleinen Noah. In den ersten Lebensmonaten kann Ihr Baby seine Arme und Beine noch nicht gut koordinieren. Mit etwa drei Monaten jedoch sind die meisten Babys in der Lage, Dinge mit ihren Händen zu greifen. Kurze Zeit danach wird Ihr Kleines damit beginnen, alles in den Mund zu stecken, was es in der Hand hält. In der Regel erreicht diese sogenannte orale Phase um den fünfmonatigen Geburtstag seinen Höhepunkt.

In den nächsten Monaten werden Sie nun beobachten können, wie die meisten Sachen auf Erkundungstour in den Mund Ihres Babys wandern. Zunächst hält Ihr Baby die Dinge in der Faust. Gegen Ende des ersten Lebensjahres wird es jedoch immer geschickter und kann nun auch kleinere Gegenstände zwischen Daumen und Zeigefinger greifen und in den Mund stecken. Nach und nach wird das orale Erkunden immer mehr durch blosses Untersuchen mit den Fingern oder anschauen abgelöst. In seltenen Fällen kann jedoch sogar ein vierjähriges Kind noch bei besonders faszinierenden Gegenständen die Erkundung mit dem Mund bevorzugen.

Warum geht alles in den Mund

Doch woher kommt dieser Drang des Babys, die Welt mit dem Mund zu erkunden? Babys lernen die Eigenschaften verschiedener Dinge am besten kennen, indem sie sich diese in den Mund stecken und mit den Zungen- und Lippenmuskeln untersuchen. Nirgendwo sonst im Körper gibt es auf so kleinem Raum so viele Nervenenden, die Ihrem Baby dabei helfen, die Beschaffenheit von Dingen herauszufinden. In der oralen Phase sind Zunge und Lippen die Sinnesorgane, die schon am weitesten entwickelt sind und über die Ihr Baby die meiste Kontrolle hat.

Sicher durch die orale Phase

Für Ihr Baby ist es also ungeheuer wichtig, dass es sich die Welt über den Mund erschliesst. Sie als Eltern können die orale Phase Ihres Kindes unterstützen, indem Sie Ihrem Baby eine sichere Umgebung bieten, in der es seine Spielsachen genüsslich mit der Zunge betasten und schmecken kann. Auf keinen Fall sollten Sie versuchen, das Mundeln zu unterbinden.

Ist Ihr Baby noch nicht mobil, ist es selbstverständlich noch einfacher darauf zu achten, dass es sich nichts Gefährliches in den Mund steckt. Ihr Säugling wird viel Spass dabei haben, die verschiedensten Spielsachen mit dem Mund zu untersuchen. Dazu gehören nicht nur Spielsachen im eigentlichen Sinn, sondern beispielsweise auch Küchengeräte. Je unterschiedlicher sich die verschiedenen Materialien anfühlen, umso faszinierender wird es für Ihren kleinen Entdecker sein und je mehr kann er dabei über seine Umgebung lernen. Stellen Sie nur sicher, dass die Spielsachen oder Gegenstände keine spitzen Kanten oder Ecken enthalten, an denen sich Ihr Baby eventuell im Mund verletzen kann.

Wenn sich Ihr Baby dann selbst fortbewegen kann, müssen Sie sehr aufpassen, dass sich keine kleinen Gegenstände in Reichweite Ihres Kindes befinden. Nicht umsonst befinden sich auf Spielsachen für grössere Kinder Warnhinweise, dass das Spielzeug verschluckbare Kleinteile enthält. Denn wenn sich Ihr Baby etwas in den Mund steckt, das zu klein ist, besteht Erstickungsgefahr. Dies gilt natürlich nicht nur für Spielsachen von grösseren Geschwistern, die sich vielleicht im Haus befinden, sondern auch für alle anderen kleineren Gegenstände. Alles, was Ihr Baby ganz in den Mund nehmen kann, ist zu klein für Ihr Kind.

Auch giftige Substanzen wie Reinigungsmittel oder Tabletten gehören selbstverständlich nicht in die Hände und erst recht nicht in den Mund Ihres Babys. Dies gilt beispielsweise auch für Alkohol, Zigaretten oder die Katzentoilette, wenn Sie eine Katze haben.

Ein bisschen Schmutz schadet nicht

Wenn sich Ihr Kleines ständig Sachen in den Mund schiebt, haben Sie sich wahrscheinlich schon Gedanken gemacht, ob Sie einiges aus hygienischen Gründen unterbinden sollten. Hierbei können Sie jedoch relativ entspannt sein. Zwar sollten die Spielsachen sauber sein, sterilisieren müssen Sie die Dinge für die orale Phase aber nicht. Im Gegenteil: Für das Immunsystem Ihres Babys ist es sehr wichtig, dass es auch mit etwas Dreck in Berührung kommt. So machen Wissenschaftler beispielsweise die zunehmend sterile Umgebung von kleinen Kindern unter anderem für einen Anstieg von Allergien im Kindesalter verantwortlich. Auch eine Handvoll Sand schadet nicht. Ihr Baby wird schnell genug feststellen, dass es nicht wirklich gut schmeckt. Im Sandkasten sollten Sie jedoch darauf achten, dass Hunde und Katzen diesen nicht als ihre Toilette benutzen, da sonst die Gefahr einer Wurmerkrankung besteht.

Nicht immer orale Phase

Nicht immer liegt es jedoch an der oralen Phase, wenn sich Ihr Baby alles in den Mund steckt. Ist Ihr Baby gerade mit Zahnen beschäftigt, kann es auch sein, dass es auf allen Dingen herumkaut. Dies kann sich wohltuend auf das schmerzende Zahnfleisch auswirken. Meist sabbern Säuglinge in der Zeit auch noch besonders viel. Jetzt hilft Ihrem Kind besonders ein gekühlter Beissring.

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