Orale phase baby

Was ist eigentlich die orale Phase?

Die orale Phase eines Kindes ist besonders eindrucksvoll zu erkennen: Das Baby nuckelt an allem, was es kriegen kann. Nach neueren Forschungen hat dies nicht ausschließlich mit der sexuellen Entwicklung zu tun. Das Kind lernt die Dinge dadurch kennen, dass es sie in den Mund steckt, denn Tast- und Geschmackssinn sind anfangs besser entwickelt als das Sehvermögen.

Zunge und Lippen als wichtigste Sinnesorgane

Die orale Phase beginnt etwa im Alter von 5 Monaten, also dann, wenn das Baby anfängt, gezielt nach Dingen zu greifen. Ab diesem Zeitpunkt ist wenig vor ihm sicher: Alles, was sich greifen lässt, wird in den Mund gesteckt und über Zunge, Lippen und Geschmackssinn ertastet. Um Dinge greifen zu können, werden sie vom Baby anfangs zwischen Daumen und Handfläche eingeklemmt – die erste Form des Greifens – ab etwa 9 Monaten beherrschen die Kleinsten dann den Pinzettengriff und können Dinge mit Daumen und Zeigefinger aufnehmen und zielsicher in den Mund schieben.

Beim Kennenlernen von Dingen über den Mund lässt sich feststellen, dass die Reizweiterleitung beim Säugling verzögert ist. Ein Kind, das auf etwas Heißem, Bitteren oder Scharfen herumkaut, merkt erst nach einer ganzen Weile, dass das, was es im Mund hat, nicht schmeckt oder sogar weh tut.

Vorsicht orale Phase!

Diese kindliche Entwicklungsphase stellt Eltern vor die Aufgabe, ihr Kind vor allem, was scharf, spitz oder giftig ist zu schützen, ohne seinen Forscherdrang allzu sehr zu beschneiden. Gleichzeitig ist es wichtig die orale Phase zu unterstützen, damit das Kind diesen Entwicklungsschritt vollständig durchlaufen kann. Mit folgenden Ratschlägen kann ihr Kind sich frei bewegen, ohne in Gefahr zu geraten:

  • Sorgen Sie für eine hygienische Umgebung – Sterilität ist allerdings fehl am Platze. Keime stärken die kindlichen Abwehrkräfte und sind deshalb wichtig. Trotzdem sollte das kindliche Umfeld nicht schmuddelig sein. Kuscheltiere gehören einmal im Monat in die Waschmaschine, das gleiche gilt für Spielzeug aus Kunststoff, denn dort setzen sich besonders gerne Keime und Bakterien fest. Unbehandeltes Holzspielzeug dagegen braucht nicht übermäßig gereinigt werden.
  • Kleinteile müssen außer Babys Reichweite aufbewahrt werden. Das gilt für Geldstücke ebenso wie für Büroklammern, Filzstifte, Murmeln oder Knöpfe, aber auch für bestimmte Nahrungsmittel wie Nüsse oder Weintrauben.
  • Arznei- und Putzmittel gehören außerhalb von Babys Reichweite. Denn selbst kleine Kinder können schon Flaschen oder Dosen aufdrehen und den – eventuell für sie lebensgefährlichen – Inhalt mit dem Mund erforschen.
  • Haben Sie Haustiere? Auch hier ist Vorsicht geboten. Katzenklo, Futternapf und Hunde- oder Katzenspielzeug sollten fürs Baby nicht zugänglich sein.

Darüber hinaus fördern Sie die orale Phase Ihres Babys, indem Sie ihm geeignetes Essen anbieten: Knabbern, Lutschen und Kauen ist gerade „in“ und sorgt zum einen dafür, dass Ihr Baby viele Lebensmittel kennenlernt, zum anderen werden Kau- und Zungenmuskulatur trainiert. Auch hier gilt es, achtsam zu sein: Abgeknabberte Karottenstückchen können in Babys Hals steckenbleiben oder in die Luftröhre geraten – Versorgen Sie Ihr Kind mit weichen Nahrungsmitteln zum Knabbern wie zum Beispiel Gurken, weiche Kohlrabischeiben oder Brötchen.

Die orale Phase in der Psychologie

Jede kindliche Phase ist für die Entwicklung nötig. Dies gilt auch für die orale Phase, die in etwa vom 6. bis zum 12. Lebensmonat andauert. Nach den Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie wird in dieser Zeit auch eine starke Bindung zur Bezugsperson aufgebaut. Das Kind ist noch vollständig abhängig von der sogenannten „Primärgruppe“ – das sind die ersten Personen, zu denen ein Kind eine intensive Bindung aufbaut. Störungen innerhalb der Primärgruppe, die in diesem Lebensalter auftreten, können beim Kind später zu verschiedenen Auffälligkeiten wie Essstörungen, Rauchen, Alkoholmissbrauch, übermäßigem Ehrgeiz und in gravierenden Fällen zu Depressionen und Schizophrenie führen.

Die orale Phase im Kindesalter

Der Mund ist für Kinder im ersten Lebensjahr das wichtigste Körperteil um die Umwelt kennenzulernen. Hier liegen mehr Nervenenden als in jedem anderen Körperteil der Kinder. Alleine 10.000 Geschmacksnerven hat ein Kind noch im ersten Lebensjahr. Das sind dreimal so viele wie bei einem Erwachsenen. Kein Wunder also, dass die Kleinen sich immer alles in den Mund stecken. Egal ob es das kalte glatte Handy, die warme Hand der Mutter oder das raue Tuch ist. Denn nicht nur der Geschmack wird über den Mund aufgenommen. Auch verschiedene Oberflächen, Temperaturen und Härtegrade kann das Baby alleine über den Mund aufnehmen.

Wenn ihr Kind also beginnt sich alles was es gerade in seiner Nähe greifen kann in den Mund zuschieben zeigen sie Verständnis und achten sie darauf dass das Kind auch die Möglichkeit dazu bekommt. Sicheres und geprüftes Kinderspielzeug eignet sich hierbei am besten. Diese Phase wird als orale Phase bezeichnet. Sie geht bei der Geburt los und endet mit dem ersten Lebensjahr. Dies ist ein Teil der psychoanalytischen Theorie nach Sigmund Freud, welcher sich im 19.Jahrhundert intensiv mit diesem Thema auseinander setzte.

Bereits im Mutterleib trainieren sie ihr tolles Werkzeug und saugen an Fingern und Händen. Aber erst nach der Geburt benötigt das Kind den Mund zur lebenswichtigen Nahrungsaufnahme. Zusätzlich kann das Kind über den Mund beruhigt und getröstet werden.

Später beginnt das Kind mehr die Reize über die Haut und die Augen aufzunehmen. Die vielen Sinnesrezeptoren die sich zum Beispiel in den Wangen und im Gaumen befinden verkümmern. Später haben wir dann die restlichen Sinnesrezeptoren vorrangig auf der Zunge.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem Artikel einiges Wissenswertes und neue Denkanstöße zum Thema mein Kind in der oralen Phase geben.

Im ersten Lebensjahr stehen Saugen, Nuckeln und das Verlangen, alles in den Mund zu nehmen, an oberster Stelle. Das Baby erkundet seine Welt mit dem Mund – es ist in der „oralen Phase“ (os = Mund). Geprägt wurde der Begriff von Sigmund Freud. Zunächst überwiegt das passive „Bekommen“. Mit dem Einsatz der Hände und mit den Zähnchen kommt das aktive „Sich-Nehmen“ hinzu. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rike, Pixelio)
Das Baby nimmt die Mutter in seine Psyche auf

Begierig trinkt das gesunde Kind an der Brust der Mutter bzw. aus dem Fläschchen. Es nimmt die gute Nahrung in seinen Körper auf. Aber es passiert noch mehr: Der Säugling nimmt dabei die Mutter in seine Psyche auf. Die „Liebe geht ganz durch den Magen“ (Siegfried Elhardt), das Kind hat die Mutter „zum Fressen“ gern. Spätere Essstörungen oder Ängste um „vergiftetes“ Essen können mit den Beziehungserfahrungen mit der Mutter zu tun haben. Die Nähe zwischen Mutter und Kind ist während der Mahlzeiten im Säuglingsalter sehr groß. Das Baby verbringt viel Zeit damit, sich die Mutter ganz genau anzusehen. Im Kind entsteht ein Bild von der Mutter und zugleich eine Vorstellung (Repräsentanz) davon, wie es ist, Zuwendung von ihr zu bekommen. Dieses Bild gibt später Sicherheit und ist auch innerlich da, wenn die Mutter äußerlich weg ist. Bald kommen die Händchen mehr und mehr zum Einsatz. Die Welt wird „hand-hab-bar“ und „be-griffen“ (Siegfried Elhardt).

Die Grenze zwischen Mutter und Kind entsteht

Doch die Mutter ist nicht immer gleich verfügbar. Immer wieder ist das Kind frustriert, weil die Mutter nicht alle Wünsche erfüllen kann. Die Brust kommt nicht immer sofort, wenn Hunger da ist. Dieses „Realitätsprinzip“ führt dazu, dass das Kind lernt, sich selbst von anderen Menschen zu unterscheiden. Gleichzeitig lernt es, dass die „gute Mutter“, die manchmal die Bedürfnisse befriedigt, dieselbe Person ist wie die „böse Mutter“, die manchmal keine Zeit hat oder nicht auf das Kind eingehen kann. Wenn die Mutter viele Probleme hat und seelisch über lange Zeit leidet, kann sie nicht ausreichend auf ihr Kind eingehen. Es fühlt sich dann allein und lernt sich selbst und seine Emotionen nicht so gut kennen wie ein Kind, dessen Mutter gefühlsmäßig verfügbar ist. Mangelt es zu sehr an einem Gespür für sich selbst, können sich Depressionen entwickeln.

Orale Phase und Depression

Depressionen hängen nach psychoanalytischer Theorie mit oralen Themen zusammen. Das heißt nicht, dass eine gestörte orale Phase zwangsläufig Depressionen zur Folge hat oder dass Depressionen immer auf eine Störung in der oralen Phase zurückzuführen sind. Aber die Themen Versorgen- und Versorgtwerden sowie Abhängigsein und Selbstständigkeit hängen eng zusammen. Erwachsene depressive Menschen erleben sich manchmal so hilflos und passiv „wie ein Baby“. Eine Depression zu haben heißt häufig, nicht ausreichend (aggressiv) „zubeißen“ zu können, die eigenen Bedürfnisse nur wenig zu kennen, zu wenig nach erwünschten Zielen zu greifen und sich nicht ausreichend abgrenzen (Zähne zeigen) zu können.

Depressive Menschen haben häufig eine große Sehnsucht danach, gut versorgt zu werden. Doch viele Betroffene wehren den Wunsch nach Zuneigung und Versorgung ab. „Das gehört sich nicht“ oder „das darf man sich nicht wünschen“, glauben sie. Wenn es an Zuneigung, Hilfe und Versorgtwerden mangelt, dann wird diese Sehnsucht manchmal in Aktion verwandelt: Depressive Menschen können andere oft sehr liebevoll und aufopfernd versorgen, umhegen und pflegen. Unter Umständen bekochen sie sich und andere sehr gerne. Wer depressiv ist, mag unter Umständen besonders gerne etwas im Mund haben – Zigaretten, Schokolade oder Alkohol. Hier zeigt sich, wie eng die Depression mit „oralen Themen“ (Versorgung, Ernährung, „Haben-Wollen“) zusammenhängt. Auf die „orale Phase“ folgt in der Kindesentwicklung die „anale Phase“ – und hier geht es genau um die Themen, die bei depressiven Menschen zu kurz kommen: um Eigenständigkeit, Abgrenzung und das Erobern der Welt.

Verwandte Artikel in diesem Blog:

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Ödipale Phase
Depression
Buchtipp: Kleine Kinder richtig verstehen
Buchtipp: Das Orale
Zahnarztphobie

Links:

Lilian Fried:
„Frühkindliche Sexualität“

La Leche Liga
Die Geschichte des Abstillens
Abstillen – wann und wie?

Barbara Diepold:
Depression bei Kindern
Psychoanalytische Betrachtungen (PDF)

Zum Nachlesen:

Siegfried Elhardt:
Tiefenpsychologie
5. Der Hunger und seine Folgen
Kohlhammer-Verlag Stuttgart 2001: 76-80

Dieser Beitrag wurde erstmals verfasst am 8.9.2012
Aktualisiert am 30.5.2016

Alles Mit’m Mund

Sie hat Hände mit Fingern dran
Mit denen Sie gut fingern kann
Kleine süße Füße
Mit Zehen zum gehen
Hat ’n Hintern mit zwei Backen
Damit kann sie sehr gut sitzen
Rechts und Links von Nacken kann ihre Ohren spitzen
Spitzen kann Sie auch die Lippen mal eckig und mal rund
Denn am liebsten macht Sie alles so wie wir – Mit’m Mund!

Sie ist wirklich sehr geschickt
Ich hab‘ Sie schon mal geseh’n
Wie Sie Ihre Socken flickt
Meistens macht Sie es im steh’n
Denn im Sitzen ist schlecht liegen
ganz genauso wie im geh’n.
Oder haben Sie im Sitzen
schon mal jemand stehen seh’n?
Ich schon -naja-
doch das tut jetzt nichts zur Sache
Denn wenn ich euch setzt erzähl
was ich so für Sachen mache
mache ich die meisten Sachen nur aus einem Grund
denn am liebsten mach ich alles so wie ihr – Mit’m Mund

Das was ich dir hier erzähl‘
das hat nichts damit zu tun
ob du dick bist oder dünn bist
ob du Hahn bist oder Huhn
Es geht um das große ganze
Manchmal ab – manchmal rund
Manchmal drunter – manchmal drüber
mal schwarz/weiß und manchmal bunt
Denn ich war auf einer Gebung
einer sogenannten Kund
Und da merkte ich: Am liebsten machen’s alle – mit’m Mund

Küssen verboten/Alles mit’m Mund (aus “ Sing meinen Song, Vol. 2 “ ) testo

Du willst mich haben

Denn du findest mich schön

Ich muss sagen,

Das kann ich gut verstehn

Du machst Geschenke

Und wäschst bei mir ab

Und ich denke,

Dass ich’s gut bei dir hab

Doch da gibt es eine Sache,

Die ich gar nicht leiden kann,

Kommen deine feuchten Lippen

Zu nah an mich ran.

Küssen verbotene, Küssen verboten

Küssen verboten, streng verboten

Keiner, der mich je geseh’n hat,

Hätte das geglaubt

Küssen ist bei mir nicht erlaubt.

Und letzte Nacht im Traum,

Tobias kam zur Tür herein,

Ich sah große, feuchte Lippen

Und ich konnte nur noch schrei’n

Küssen verbotene, Küssen verboten

Küssen verboten, streng verboten

Keiner, der mich je geseh’n hat,

Hätte das geglaubt

Küssen ist bei mir nicht erlaubt.

Küssen verbotene, Küssen verboten

Küssen verboten, streng verboten

Keiner, der mich je geseh’n hat,

Hätte das geglaubt

Küssen ist bei mir nicht erlaubt.

Ich hab Hände mit Fingern dran

Mit denen ich gut fingern kann

Kleine süße Füße

Mit Zehen zum gehen

Hab ein Hintern mit zwei Backen

Mit den kann ich gut sitzen

Rechts und links von Nacken kann ich meine Ohren spitzen

Spitzen kann ich auch die Lippen mal eckig und mal rund

Denn am liebsten mach ich alles so wie ihr- Mitm Mund!

Und alles mit’m Mund

Und alles mit’m Mund.

Und alles mit’m Mund

Ich bin wirklich sehr geschickt

Habt ihr schon mal gesehn

Wie ich meine Socken flicke

Meistens macht ich es im stehn

Denn im sitzen ist schlecht liegen

Ganz genauso wie im gehn

Oder habt ihr im Sitzen

Schon mal jemand stehen sehn?

Ich schon -naja-

Doch das tut jetzt nichts zur Sache

Denn wenn ich euch jetzt erzähl

Was ich so für Sachen mache

Mache ich die meisten Sachen nur aus einem Grund

Denn am liebsten mach ich alles so wie ihr – Mitm Mund

Und alles mit dem Mund.

Und alles mit dem Mund.

Writer(s): sebastian krumbiegel, annette humpe, tobias künzel

Testo Küssen verboten/Alles mit’m Mund (aus “ Sing meinen Song, Vol. 2 “ ) powered by Musixmatch

Sehr gerne greife ich hier eine Frage aus der Facebookgruppe Abenteuer Erziehung – das Dorf für den Mama-Austausch auf.
„Mich würde interessieren, welche verschiedenen Entwicklungsphasen es so gibt, oder ob das ein Mythos ist. Meine sind jetzt 5 und 8 und ich habe bei beiden das Gefühl, dass da gerade mächtig was weitergeht. :)““
Tja, das mit den Entwicklungsphasen ist so eine Sache, da gibt es unterschiedlichste Definitionen und Modelle. Um Freud (Phasen der psychosexuellen Entwicklung) und Erikson (Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung) kommen wir bei dem Thema nicht ganz herum.
Ich möchte hier aber weniger über orale Phase, anale Phase oder Initiative versus Schuldgefühl sprechen, sondern eher auf die Bezeichnungen eingehen, denen du beim Lesen in Ratgebern und Internetforen immer wieder begegnest.
Die erste Variante orientiert sich offenbar an Alter und Aufenthaltsorten der Kinder, hier ist die Einteilung wie folgt
(bitte betrachte die Altersangaben als Circa-Angaben!):

Baby (1. Lebensjahr)

In diese Phase fällt eine unglaubliche körperliche Entwicklung – vom hilflosen Baby bis hin zum selbstständigen Gehen. Dazu kommen wesentliche Basislernerfahrungen wie:

  • Ich kann mich auf meine Betreuungsperson verlassen
  • Ich kann etwas bewirken
  • Aha, das ist die Welt um mich herum und ich kann ihr vertrauen.

Viele Mamas in meinen Gruppen lieben das Buch Oje, ich wachse** (gibt es auch als App), in dem die Entwicklungssprünge in den ersten 14 Lebensmonaten beschrieben sind.

Kleinkind (2.-3. Lebensjahr)

Das ist die Phase der unendlichen Energie. Das Kind läuft voraus wie der unermüdliche Forscher und du hinterher als erschöpfter Sherpa …
Vieles machen sie zum ersten Mal und damit sind sie unbelastet von Ängsten und schlechten Erfahrungen, das macht fast unentwegten elterlichen Kontrolleinsatz notwendig, vor allem in nicht kindgerechter Umgebung.
Wichtige Lernerfahrungen in diesem Alter sind:

  • Meins und deins – Besitzverhältnisse
  • Die Bedeutung von Ängsten und Sicherheit – „ich fürchte mich vor der Dunkelheit, aber bei Mama bin ich sicher!“
  • Ich bin ich! – nicht umsonst wird dieser Altersabschnitt auch Autonomiephase genannt

Kindergartenkind (4.-5. Lebensjahr)

Spätestens jetzt sind Kinder bereit auch Zeit außerhalb der Familie zu verbringen und in eine größere Welt mit Spielen und ersten Freunden einzutauchen.
Sie sind jetzt herrlich kreativ und können sich beim Spielen in Fantasiewelten versetzen. Aus einer Schachtel wird eine Burg, ein Schiff oder was auch immer man im Rollenspiel gerade braucht.
Im gemeinsamen Spiel lernen sie Ideen entwickeln, Entscheidungen finden und auch mal Streiten.

Vorschulkind (6.-7. Lebensjahr)

In diese Phase fällt der Beginn des Zahnwechsels und wesentlicher körperlicher Veränderungen. Das „Kindchenschema“ wächst sich aus, der Körper streckt sich, Arme und Beine verändern die Proportion.
Ein ganz neues Körpergefühl muss aufgebaut werden – vergleichbar vielleicht damit, wenn man hochschwanger ist. Der Schwerpunkt ist nun woanders als gewohnt, dauernd stößt man wo an oder stolpert über die eigenen Füße.

Mit der Schule lernt das Kind das offizielle „Beurteilt-Werden“ und Leistungsgedanken kennen.

Schulkind (7.-12. Lebenjahr)

In diesem Alter sind gewisse Grundversorgungsdinge selbstverständlich geworden – sich selber anziehen, Körperpflege und Kinder können stabilere Freundschaften schließen.
Für Kinder und Eltern ist das meist eine recht entspannte Zeit – das Kind ist reif genug für viele Unternehmungen, die mit Kleinkind nicht möglich sind und trotzdem sind sie noch stark an die Eltern gebunden.
Das große Thema in diesem Alter ist die Verselbstständigung innerhalb der eigenen Familie.

Teenager (ab 12. Lebensjahr)

Ab jetzt geht es mehr darum auch außerhalb der Familie sich als selbstständig zu erleben, Freunde und Peergroup werden wichtiger – meist sogar wichtiger als die Eltern.
Viele Eltern fürchten sich geradezu vor der Pubertät, gilt sie gemeinhin als eine Zeit der Probleme und Konflikte mit dem Kind. Zerreißprobe für die Beziehung zwischen Eltern und Kind.
Nichtsdestotrotz ist die Pubertät auch eine sehr kreative Phase, in der sich so mancher neue Wege gehen traut, die sich noch vorher keiner getraut hat. Bestimmt war es ein Teenager-Affe, der als erster probiert hat, vom Baum herab zu klettern. Auch Einstein hatte seine bahnbrechendsten Erkenntnisse in sehr jungem Alter und vermutlich waren auch die Eltern von Bill Gates zuerst nicht so richtig stark begeistert, als er eine Firma in der Garage gründen wollte.

Entwicklungsphasen: Die Krisen-Variante

In der zweiten Variante werden die krisenhaften Zeiten hervorgehoben.

  • Trotzphase (2.-3. Lebensjahr)
  • 6-Jahres-Krise (5.-6. Lebensjahr)
  • Vorpubertät (8.-10. Lebensjahr)
  • Pubertät (ab 12. Lebensjahr)

Wenn man sich das jetzt so ansieht, bekommt man den Eindruck, das ganze Leben wäre eine Krise …
Für mich stellt sich das Ganze eher so dar, dass es von Geburt an immer wieder um ein neues Einpendeln von Loslassen und Halten geht. Des Kind lernt neue Fähigkeiten dazu, als Mama kann ich mehr loslassen und meine und seine Grenzen weiter stecken – und da gehört auch ein wenig Try-and-Error dazu, man betritt ja gemeinsam Neuland, muss Dinge erst ausprobieren.
Insofern ist es ganz normal, dass dann auch das Konfliktpotential erhöht ist. Manchmal aber kann ein einfaches „NEIN“ von dir auch einen veritablen Wutanfall auslösen. Wenn du ein paar Nein’s in deinem Alltag einsparen möchtest, hol dir doch hier erprobte Tipps, unter anderem mit einem Mini-Poster für deinen Kühlschrank

Liegt mein Kind „richtig“ in seiner Entwicklung?

Was ich jetzt übrigens nicht ganz so toll finde, sind diese „Entwicklungscharts“, die man immer wieder findet, wenn es um kindliche Entwicklung geht.
Nach dem Motto: Was soll das Kind in welchem Alter können– meist recht bunt aufgehübscht, am besten zum Aufhängen über dem Wickeltisch, weil sich in den ersten Monaten ja tatsächlich vieles tut.
ABER: selbige tragen leider eher zur Verunsicherung der Mamas bei – unwillkürlich beginnt ein Abhaken der einzelnen angeführten „Leistungen“, gefolgt von Sorge, wenn beim eigenen Kind sich einiges doch nicht zeitgerecht erledigt hat.
„Und das Nachbarskind hat das in diesem Alter schon gekonnt!“ Natürlich wissen wir alle, dass wir Kinder nicht vergleichen sollen – aber mal ehrlich, wer schafft das schon immer?
Wenn du solche Entwicklungstabellen als Orientierung sehen kannst (ohne in Leistungsdruck zu verfallen!), dann können sie durchaus fein und informativ sein. Es ist schon wirklich toll, was vor allem Kleinkinder in den ersten Lebensjahren lernen.
Mir war zum Beispiel nicht bewusst, dass Loslassen gelernt und geübt werden muss und dass das erst viel später kommt als das Greifen lernen. Das erklärt auch, warum Babys deine Haarsträhne nicht loslassen, wenn sie sie einmal erwischt haben. Sie können es schlicht und ergreifend (Achtung Wortspiel!) noch nicht!

Entwicklung:
Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und seinen eigenen Stil

Nicht nur, dass jedes Kind so seine eigene Geschwindigkeit hat, in der es seine Fähigkeiten entwickelt, so hat jedes Kind auch seinen eigenen Stil.
Manch eines probiert einfach drauf los, egal wann und wo. Ein anderes braucht dafür viel Ruhe und eine sichere Umgebung.
Stell dir eine Sprachkurs für Erwachsene an der VHS vor, da gibt es auch die, die in der fremden Sprache drauflosplaudern, ohne sich darum zu kümmern, ob es richtig ist oder wie die Aussprache wohl klingt. Andere sprechen erst, wenn sie sicher sind, die Sprache einigermaßen zu beherrschen.

Was tut sich bei einem Entwicklungsschub?

Entwicklung läuft nicht linear – da passiert mal wochenlang nichts und dann geht alles auf einmal. Wobei manche Entwicklungsschritte für uns deutlich sichtbar sind, zum Beispiel wenn das Baby zu Krabbeln beginnt. Andere wiederum weitgehend unsichtbar, wenn sich das Sprachverständniszentrum weiterentwickelt.
Wenn ein Entwicklungsschub ansteht oder gerade im Passieren ist, dann ist dein Kind vermutlich

  • besonders sensibel
  • unausgeglichen
  • weinerlich
  • gereizt
  • ungeduldig

Je nach Alter mag man hier unterschiedliche Worte finden, ein Baby wird man eher als weinerlich beschreiben, einen Teenager durchaus als unausstehlich.

Fazit:

Ja, es gibt sie diese Entwicklungsphasen bei Kindern – aber Kinder passen nicht immer in die wissenschaftlichen Pläne und Tabellen.
Entwicklung verläuft eben nicht linear, sondern immer in Schüben. Und rund um diese Schübe ist die Gefahr von Gewitterstimmung im Familienleben deutlich erhöht.
Was hilft ist, viel Verständnis für Kind und auch für dich selbst – ihr beide habt es in solchen Zeiten nicht leicht miteinander!
Und das alte Mama-Mantra
Möchtest du auch gerne Fragen stellen und dich mit anderen Müttern austauschen – dann komm in unsere private Facebook-Gruppe Abenteuer Erziehung – das Dorf für den Mama-Austausch – ich freue mich auf Dich!

Buchtipps zum Weiterlesen:

Babyjahre* von Remo Largo – ein Klassiker! Beschreibt die Entwicklung in den ersten 4 Jahren und macht klar, wie individuell sich Kinder entwickeln
Kinder gezielt fördern* von Gerald Hüther und Cornelia Nitsch – beschreibt die Entwicklung einzelner Fähigkeiten, aber abseits der typischen „Schaubilder“, wann ein Kind was können sollte

Die Trotzphase

Die anale Phase ist daher der Anfangspunkt der Auseinandersetzungen um Macht und Kontrolle, den eigenen Willen zu behalten oder sich einem fremden zu beugen. Das Kind erprobt seine Macht, erkennt seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Es will erleben, dass es sich durchsetzen kann, ohne seine Geborgenheit zu verlieren, dass es zornig und wütend sein kann, ohne die Liebe der Mutter zu verlieren. Und braucht die Sicherheit, dass es sich lösen kann, ohne die Bindung zur Mutter zu verlieren. So lernt es mit seinen Gefühlen umzugehen.

In den ersten drei Lebensjahren entwickelt das Kind die Vorstellung, dass die Mutter gewissen Erwartungen entspricht und anderen nicht. Und es kann seine eigenen Gefühle und Verhaltensweisen als getrennt und unabhängig von dem Verhalten und den geäußerten Gefühlen der Mutter erkennen. Dies ist die Basis für ein Gefühl der Sicherheit beim Kind, dass es auch dann, wenn es mal so richtig wütend auf die Mutter ist, diese nicht verliert. Erst dann, wenn das Kind diese Sicherheit erlangt hat, ist es in der Lage sich für einige Stunden von der Mutter zu trennen und die neue erlangte Selbstständigkeit im Kindergarten zu genießen. Es ist nun in der Lage zu erkennen, dass es noch nicht alles selbst zu leisten vermag, dass es in vielerlei Hinsicht noch abhängig von Erwachsenen ist, dass es aber im Laufe der Jahre immer mehr hinzu lernen kann.

Manche Kindergärten bieten Eingewöhnungsphasen an. Die Kinder kommen anfangs nur an zwei oder drei Tagen in der Woche in den Kindergarten oder dürfen von der Mutter begleitet werden. Dies erleichtert es manchen Sprösslingen, sich von der Mutter zu lösen und sich von Neugierde locken zu lassen.

4 Jahre alt: Selbständigkeit

Als Ihr Kind 3 Jahre alt war, hat es geglaubt, es sei jetzt gross. Und nun, ein Jahr später, ist Ihr kleiner Schatz wirklich schon gross geworden! Und vor allem selbständig: Es zieht sich problemlos alleine aus und an und ist flink wie ein Wiesel.

Vielleicht besucht es bereits eine Spielgruppe – das Zusammensein mit anderen Kindern ist für das Kind meist Hochgenuss, es liebt das Spiel in Gruppen, verkleidet sich gerne und denkt sich zusammen mit seinen „Gspändli“ gerne Rollenspiele aus. Das „Dökterle“ ist ebenfalls sehr angesagt – es hilft Kindern, die Neugier aufs andere Geschlecht zu befriedigen. Hier sollten Sie einfach auf der Hut sein und dann eingreifen, wenn eines der Kinder dabei Unwohlsein signalisiert.

Das Kind geht auch gerne raus und trifft sich auf dem Spielplatz mit anderen. Nichts desto trotz mag es auch alleine sein, sich ewig lange mit Puzzlespielen und Bausätzen und Legos beschäftigen. Es baut die fantastischsten Dinge zusammen und ist stolz darauf. Aber selbst wenn Ihr Kind im Alter von 4 Jahren schon eine grosse Selbständigkeit an den Tag legt: Es braucht Ihre Nähe, Ihre Zeit, Ihre Liebe und Zuneigung uneingeschränkt, nur so kann es seine Persönlichkeit und Selbständigkeit weiter entwickeln. Und es erkennt noch nicht alle Gefahren, behalten Sie ihr gross gewordenes Kind im Auge, noch lauern viele Gefahren.

Die Zeichnungen Ihres Kindes werden zunehmend kunstvoll, es malt gerne Vorlagen aus und beginnt mit einfachen Lernspielen, sich auf die nahende Schulzeit vorzubereiten. Es erkennt Dinge und wird mit Begeisterung Memory spielen. Vielleicht hat es sogar schon Lust, erste Zahlen und Buchstaben zu schreiben. Lassen Sie Ihr Kind gewähren, aber setzen Sie keinen Druck auf!

Ihr Kind kann wie gesagt schon viel erfassen, seine Neugier ist riesig – aber viele Funktionen im Alltag erscheinen ihm noch magisch, darum ist es jetzt auch in einem Alter, wo Magie und Zauber eine äusserst hohen Stellenwert haben.

Gut informiert

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Und auch eine andere „Neigung“ hat sich bei Ihrem Kind in den letzten Monaten entwickelt: Es beginnt, sich sexuell zu entwickeln. Es ist neugierig aufs andere Geschlecht und erlebt seine erste grosse Liebe: Mädchen wollen in diesem Alter ihren Papa heiraten, Jungs das Mami. Klar, dass die Kinder, die sich ja durchaus bewusst sind, dass seine Eltern vergeben sind, dabei auch eine gewisse Eifersucht entwickeln. Das ist eine Phase, die vorbei geht. Ebenso vorbei geht bei Buben die Phase, wo aus allem und jedem eine Waffe geschmiedet werden soll – das gehört zur männlichen Entwicklung. Ebenso grobe Spiele, wo schlagen, stossen und kämpfen das Wichtigste sind.

Mädchen dagegen üben in diesem Alter genussvoll die „Hingabe“, sie können stundenlang Bücher betrachten, CDs anhören, Geschichten lauschen – sie entwickeln in diesem Alter auch gerne eine wahre Fernseh-Sucht. Aber auch Sammeln und Horten gehören dazu, sie haben ihre Schätze und Geheimnisse. Und: Mädchen in diesem Alter wollen das typisch weibliche betonen, in dem sie sich „schön machen“, verkleiden und an Mamas Schminkutensilien gehen.

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Newsticker

Kleinkinder vergessen unterschiedlich: Der Erlebnisspeicher reicht bei Erstgeborenen weiter zurück als bei den Geschwistern. Und Frauen erinnern sich besser an die Zeit vor dem Kindergarten als Männer. Ausserdem scheint das Umfeld einen wichtigen Einfluss auf die sogenannte „kindliche Amnesie“ zu haben. Während Europäer sich bis zum Alter von etwa dreieinhalb Jahren zurückerinnern, geht dies bei Ostasiaten nur bis bis ins sechste Lebensjahr. Die Ureinwohner Neuseelands können dagegen sogar Erlebnisse im Alter von 2,5 Jahren aus den Schubladen ihres Gedächtnisses holen. Vermutlich hängt das mit der Erzählkultur zwischen Mutter und Kind zusammen. Europäer und Nordamerikaner sprechen mehr mit ihren Kindern als Chinesen (swissmom Newsticker, 24.7.14).

Letzte Aktualisierung : 10-01-20, VZ/JL

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