Ohne vater aufgewachsen

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Wenn der Vater fehlt – Wie Jungen sich entwickeln

Der Vater ist ein wichtiges Vorbild, wenn es darum geht, eine eigene Identität zu entwickeln. Fehlt diese Möglichkeit, kann es zu Problemen mit dem Selbstbild und fehlendem Selbstvertrauen kommen. Aufgrund rein weiblicher Vorbilder wird die eigene Männlichkeit als etwas Fremdes und sogar Unnormales empfunden. Eine Vaterfigur im Leben ist wichtig – dabei spielt es für den Jungen keine Rolle, ob es sich dabei um den biologischen Vater oder eine andere Person handelt.

Der Vater – das unbekannte Wesen

Wächst ein Junge ohne Vater auf, dann ist nicht nur dieser, sondern auch die eigene Männlichkeit mit all ihren spezifischen Eigenschaften ein unbekanntes Wesen. Der Junge lernt nicht, was es heißt, ein Mann zu sein. Ebenso wenig lernt er, gerade die männlichen Eigenschaften an sich zu schätzen, da der Vergleich und auch die Bestätigung durch den ihm ähnlichen Vater fehlt. Bleibt nur die Mutter als Vorbild, entwickelt der Junge im schlimmsten Fall Scham, Ärger, Angst und Traurigkeit, empfindet sich selbst als „falsch“ und lehnt sich zunehmend ab. Die Folge davon kann neben mangelndem Selbstwertgefühl auch gesteigerte Aufsässigkeit sein, da die männliche Autoritätsperson fehlt.

Der Vater als Gegenpol zur Mutter

Ein Junge, der gemeinsam mit Mutter und Vater aufwächst, lernt in den ersten Jahren meist vorwiegend die weiche weibliche Seite seiner Mutter kennen. Mit steigendem Alter und zunehmender Persönlichkeitsentwicklung treten seine eigenen Anteile hervor, die im Vergleich ganz anders sind als die der Mutter. Jungen möchten raufen und toben, die meisten Mütter bevorzugen ruhige Spiele und kreative Tätigkeiten. Zum Teil ist das wilde Jungen-sein sogar verpönt und abgelehnt. Da kommt der Vater, der mit seinem Jungen wilde Spiele spielt, als Gegenpol genau richtig. Der Junge versichert sich dadurch, dass er mit seinen Bedürfnissen und Eigenschaften nicht ungewöhnlich oder allein ist. Gleichzeitig lernt er vom Vater den Umgang mit seinem männlichen Anteil.

Der Vater als Vorbild für die eigene Männlichkeit

Spätestens in der Pubertät wird ein Junge mit der Frage konfrontiert, was Männlichkeit ausmacht. Hier dient der Vater als Vorbild für die Definition des eigenen Mann-seins – ob als positives oder abschreckendes. Die Möglichkeit, mit einer Vaterfigur in Konflikt treten zu können, aufzubegehren, ist ein wichtiger Punkt in der Persönlichkeitsentwicklung eines Jugendlichen. Andererseits verinnerlicht jeder Junge auch Verhaltensweisen, die er sich beim eigenen Vater abgeschaut hat – das Zusammenleben mit dem Vater übt einen prägenden Einfluss aus. Dies ist besonders wichtig in der Begegnung mit dem anderen Geschlecht. Jugendliche, die Probleme mit der eigenen Männlichkeit haben, haben häufig auch Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein. Fehlendes Selbstbewusstsein bei Jugendlichen verhindert, dass sie Mädchen auf Augenhöhe begegnen. Dies macht es ihnen schwer, Kontakte zum anderen Geschlecht zu knüpfen und die erste echte Freundin zu finden. Jugendliche wiederum, denen es lange Zeit nicht gelingt, eine Partnerschaft zu knüpfen, obwohl sie sich das wünschen, laufen Gefahr, sich in sich zurückzuziehen und sogar in eine Depression zu verfallen.

Studien haben ergeben, dass Jungen, die ohne Vater aufwachsen, später in die Pubertät kommen, als diejenigen aus „heilen“ Familien. Dies verhält sich genau umgekehrt zu Mädchen, die ohne Vater aufwachsen. Seltsamerweise werden vaterlos aufgewachsene Jungen in dieser Studie auch vergleichsweise schnell selbst Vater. Andere Studien haben gezeigt, dass ohne Vater aufgewachsene Jungen ein gesteigertes Risikoverhalten, mehr psychische Auffälligkeiten und weniger verfügbare Schutzfaktoren zeigen. Dies führt unter anderem zu erhöhten Raucherquoten, einer deutlich erhöhten Zahl an Schulversagern, mehr Probleme mit Schlaflosigkeit, Hyperaktivität und emotionalen Problemen im Allgemeinen.

Alles nur Klischee?

Im Zuge der Trends von Feminismus und Gleichberechtigung wurde die spezielle Rolle des Vaters für Kinder, insbesondere für Jungen oft negiert. Väter galten als überflüssig, häufig sogar als Störfaktoren. Mittlerweile ändert sich diese Meinung wieder und es wird deutlich, dass die typischen Eigenschaften von Jungen und Mädchen keine Geschlechterklischees sind, sondern geschlechtsspezifische Bedürfnisse mit sich bringen.

Männliches Vorbild – es muss nicht unbedingt der Vater sein

Auch wenn das Zusammenleben mit Mutter und Vater als Ideal gilt, können sich Jungen auch ohne Vater gut und gesund entwickeln. Wichtig dafür: Sie brauchen eine männliche Bezugsperson. Das kann der neue Partner der Mutter, aber auch der Großvater, der Onkel oder ein Freund der Familie sein. In allen Fällen entscheidend ist, dass der Junge dort seine männlichen Anteile ausleben und einfach mal wild sein darf und seine Kräfte messen kann. Dazu braucht es Zeit und Raum sowie ausreichend Freiheit und die Bereitschaft der Mutter, den Sohn los- und seine eigenen Wege gehen zu lassen.

Auch ohne Vater glücklich: Kinder von alleinerziehenden Müttern

Eine neue Studie hat herausgefunden, dass es Kindern von alleinerziehenden Müttern genauso gut geht, wie Kindern, die in Familien mit Mutter und Vater aufwachsen.

Forscher des Medizinischen Zentrums der Freien Universität Amsterdam haben das Wohlbefinden von Kindern untersucht und kamen zu dem Ergebnis, dass es keine Unterschiede in der Kinderentwicklung oder in der Eltern-Kind-Beziehung macht, ob Kinder von freiwillig alleinerziehenden Müttern aufgezogen werden oder in Familien mit zwei heterosexuellen Elternteilen aufwachsen.

Es kommt nicht auf die Familienform an

Für das Wohlbefinden des Kindes spielt die Familienform eine untergeordnete Rolle.

Wenn sich Frauen also dazu entscheiden, ihr Kind alleine großzuziehen, schadet dies weder der Entwicklung des Kindes, noch waren die Mütter mehr gestresst als die Elternteile in Familien mit Mutter und Vater. „Kindern in beiden Familien-Typen geht es bezüglich ihres Wohlbefindens gut“ sagt Psychologin Mathilde Brewaeys, die in ihrer Studie 69 alleinerziehende Frauen mit 59 Mutter-Vater-Kind-Familien verglichen hat. Die untersuchten Kinder waren zwischen anderthalb und sechs Jahren alt und zeigten weder häufiger auffälliges Verhalten noch mehr psychische Probleme als gleichaltrige Kinder aus traditionelleren Familienkonstellationen. Auch waren die alleinerziehenden Mütter im gleichen Maße am Leben ihrer Kinder beteiligt, wie es die Eltern aus den anderen Familien waren.

Manche Psychologen hatten früher Bedenken hinsichtlich des Wohlergehens und der Entwicklung von Kindern mit alleinerziehenden Müttern. Doch basiert die Annahme, dass das Aufwachsen ohne Vater nicht gut für das Kind sei, laut Brewaeys hauptsächlich auf Studien mit Kindern, deren Eltern geschieden sind. In solchen Situationen erleben Kinder oft den elterlichen Konflikt mit. Negative Erfahrungen der Kinder hängen in diesen Fällen eher nicht mit der Abwesenheit des Vaters zusammen, sondern in der turbulenten Gesamtsituation. Freiwillig alleinerziehende Mütter entschließen sich dagegen von Anfang an bewusst für ihren Familientyp und können ihren Kindern so eine beständige Lebenssituation ermöglichen.

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Single-Mütter erfahren mehr Unterstützung

Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass alleinerziehende Mütter eine stärkere Unterstützung durch ihr soziales Netzwerk erfahren als Zwei-Eltern-Familien. Brewaeys misst einem starken sozialen Netzwerk „größte Bedeutung“ für Single-Mütter bei. Frauen, die planen, ihr Kind alleine zu erziehen, empfiehlt sie deswegen unbedingt, sich vorab der nötigen Unterstützung zu versichern.

Die Psychologin verweist auf andere Studien, die besagen, dass der Großteil der freiwillig alleinerziehenden Mütter tatsächlich lieber mit einem Partner eine Familie gegründet hätte, die biologische Uhr sie aber zum Handeln gedrängt hatte.

Künstliche Befruchtung für Alleinstehende

In Amerika, Dänemark oder den Niederlanden nehmen Fruchtbarkeitsbehandlungen für alleinstehende Frauen immer mehr zu. In Deutschland ist die Situation für partnerlose Frauen jedoch schwieriger. Laut Bundesärztekammer dürfen sich nur verheiratete oder in einer festen Partnerschaft lebende Frauen künstlich befruchten lassen. Hintergrund ist das deutsche Unterhaltsrecht und drohende Schadenersatzklagen gegenüber Ärzten. Alleinstehende Frauen aus Deutschland suchen daher oft den Weg ins Ausland, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

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Alleinerziehend und glücklich – meistens jedenfalls….

Heute schreibt Katharina aus Kassel hier bei uns – wir danken Dir für Deine offenen Worte und finden: Du kannst mega stolz auf Dich sein!

Hallo, mein Name ist Katharina, ich bin 23 Jahre alt und glückliche alleinerziehende Mama. Meistens.
Mein Sohn ist nun 14 Monate alt. Sein Vater und ich haben uns vor 12 Monaten getrennt. In der Schwangerschaft stand er so zu mir, wie ich es nie hätte erwarten können. Er war wundervoll.
Ich hatte eine Risikoschwangerschaft und durch das Würmchen zudem fast gar kein Immunsystem mehr. In den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft habe ich 10kg abgenommen und auch nur diese bis zum Ende hin wieder zugenommen. Ich war sehr schwierig, weil ich durch das ständige Liegen und „nichts tun können“ irgendwann Aggressiv-Depressiv wurde. Ich habe geschrien, Gegenstände geworfen & war wahrlich eine Hexe. Aber das hielt mein Ex alles aus. Er hat mich immer wieder zur Ruhe gebracht. (Danke dafür!)
Nun, als der Kleine dann mit einem Kaiserschnitt zur Welt kam, haben wir uns wirklich täglich gestritten, so dass wir dann diesen Entschluss und Schlussstrich gemeinsam gefasst und gezogen haben.
Am Anfang war es sehr hart für mich. Ich war von heute auf morgen alleine mit meinem Sohn. Anfangs, konnte ich ihn nicht mal richtig anschauen, weil er seinem Papa wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Meine Mutter stand mir beiseite und nach 2-3 Tagen hatte ich zumindest das im Griff.
Dann fing der Streit um die „Papa-Tage“ an.
Irgendwie lustig, wenn ich heute darüber nachdenke, wie doof man sein kann und sich 8 – 14 Wochen lang über 2 Tage nicht einig werden kann. Somit hatte ich den Kleinen 6 Monate ganz für mich. Ohne Pause für mich, ohne Auszeit, ohne 10 Minuten mal alleine duschen zu können. Ehrlich gesagt war es hart, aber für mein Sohn, habe ich durchgehalten, weil ich den Glauben nicht aufgeben wollte. Es ist noch mal doppelt so schwer, sich zu trennen, wenn beide sich noch lieben und diese Familie eigentlich aufrecht erhalten möchten. Aber – dann kam der Wendepunkt. Auf einmal lenkte sein Papa ein, wir waren von heute auf morgen entspannt und konnten wieder normal miteinander reden. Vielleicht, weil die Gefühle verschwunden sind?! Ich weiß es bis heute nicht. Jetzt nimmt er den Kleinen jede Woche 2 Tage lang, damit ich nebenbei noch arbeiten kann. Das klappt bisher super. Unser Sohn rennt mittlerweile zu seinen Papa, wenn er ihn im Hausflur sieht und rennt wieder zu mir, wenn er ihn zurück bringt.
Trotz, dass ich 2 Tage „Auszeit“ habe, gibt es auch natürlich Tage, an denen ich verzweifle und mir denke, wie viel einfacher es wäre, wenn sein Papa noch bei uns wäre. Backenzähne – ich glaube, das reicht als Erklärung, oder?! Mein Sohn war von Anfang an ein sehr ruhiges ausgeglichenes Kind, bis zu den Zähnen. Wenn man es ruhig gewöhnt ist, kommt man schnell an seine Grenzen, wenn das Kind von jetzt auf gleich 5 Tage und Nächte am Stück meckert und nicht aufhört zu weinen. Wie hilft man denn diesen kleinen Wesen, wenn nichts hilft? Ich war so verzweifelt, dass ich stundenlang mit ihm in meinem Arm gemeinsam geweint hab.
Das Kuriose an den Zähnen war, dass sie immer nur bei mir rausgeschossen kamen, nicht, wenn er bei Papa war. Das hat mich am meisten herunter gezogen. Ich dachte wirklich, mein Kind hasst mich.
Vermutlich werde ich noch sehr oft an meine Grenzen kommen und mit großer Wahrscheinlichkeit das Alleinerziehende noch oft verfluchen. Aber das gehört ja auch dazu, oder? Keiner ist perfekt, auch ich nicht. Auch eine frisch getrennte Mama darf das Mama-Sein mal hassen. Irgendwann, so hoffe ich, ergibt das Ganze einen Sinn und wenn man durch sein Kind an seine Grenzen kommt, so ist es doch umso schöner, wenn es dir dann morgens ins Auge piekst um dich wach zu machen und mit strahlenden Augen zu empfangen.
Was ich damit sagen will: Alleinerziehende zu sein ist schwer, aber es lohnt sich, wenn man versucht, den Stress mit dem Ex beiseite zu schieben, denn man hat jeden Moment, jedes „1. Erlebnis“, wie zB das Krabbeln, das Laufen, das Klatschen, das Winken, die ersten Wörter etc…, alles für sich und sein Kind. DAS ist das größte Glück, was ein Mensch nur für sich haben kann.
Somit hoffe ich, dass keine Mama ihren Mut verliert und immer die schönen Seiten der Alleinerziehung in sich trägt, auch wenn es manchmal verdammt schwer fällt….

Warum es richtig geil sein kann, alleinerziehend zu sein

Manchmal muss man meckern – aber wir können auch anders! Die absoluten Top-10-Highlights des Alleinerziehend-Seins.

Gängige Vorurteile über Alleinerziehende

Wir kennen das, Alleinerziehende werden gerne tief, tief, tief in die Klischeekiste gesteckt. Mama arbeitet hat neulich darüber gebloggt, die gängigen Vorurteile werden immer mal wieder aufgelistet, ich habe das auch schon ein paar Mal gemacht. Die Probleme sind ja bekannt…dass das aber kein Dauerzustand ist, müsste eigentlich jedem und jeder klar sein.

Solche Artikel haben das Ziel, den gesellschaftlichen Diskurs anzuregen – durch Kritik, Reflektion, Provokation.

Genauso wenn Verheiratete darüber schreiben, dass ihr Mann nie hilft – sehr erfolgreiches Buch übrigens – oder Mütter über die Angst davor, als Mutter nicht mehr sexy zu sein oder sonst wie zu versagen; oder wenn berufstätige Mütter ihr Leid klagen.

Meine zehn Highlights als Alleinerziehende:

1. Wir haben die interessanteren Lebensgeschichten

Total-Verlust, Angst, Hilflosigkeit, komplett auf sich allein gestellt, am Boden sein und dann wieder aufstehen – und trotz alledem weiterhin für unsere Kinder da sein. Klar, wenn man sich es aussuchen könnte, würde man lieber im Märchenschloss abhängen und dem Prinzen auf dem weißen Ross winken, aber wenn wir ehrlich sind, wissen wir genau: Die coolere Sau ist nicht Prinzessin Rosaträumchenbaum, sondern Single-Mom, die es gewuppt hat – ganz allein!

2. Wir können uns nochmal neu verlieben

So richtig, wie beim ersten Mal. Und das ist immer wieder schön, aufregend, wild, verunsichernd, lustig, herrlich, wunderbar, glücklich machend und ein Riesengeschenk.

3. Wir sorgen für mehr weibliche Freiheit

Hat man uns ja immer eingebläut: „Kind, wenn du groß bist, suche dir einen Mann, der dich versorgt.” Denn wir selbst – so die Maxime – könnten das nicht. Können wir doch! Millionenfach. Unser Beweis schafft Freiheit für alle Frauen.

4. Tolle Role Models

Die coolsten Frauen im Showbiz sind oder waren alleinerziehend: Charlize Theron, Sandra Bullock, Angelina Jolie, Madonna…Romy Schneider, Mia Farrow, Diane Keaton, Jane Fonda…noch Fragen?!

5. Wir sterben keine kleinen Tode mehr

„Ach, Schatz, bevor ich’s vergesse: Ich bin dieses Wochenende wieder auf Geschäftsreise…”; „Wir hatten gestern unseren Hochzeitstag? Wirklich, der war doch erst..ah, das war dein Geburtstag, okay, sorry…”; „Du musst dich um die Kinder kümmern, ich gehe golfen…”; „Ich ackere von früh bis spät, um hier die Familie zu ernähren, während du alles hast und zu Hause bist und keinen Finger krumm machen brauchst…”; „Ach, du willst wieder arbeiten? Jetzt, nach acht Jahren Pause? Und was ist mit dem Kleinen? Wie soll das gehen …?”. Diesen Sound kennen wir. Aber heute können wir sagen: Danke, wir melden uns …

6. Wir können kuscheln bis zum get-no

Wo ein Partner im Bett ist, ist oft kein Platz für Kiddies. Aber wo kein Partner im Bett ist, ist viel Platz zum Knuddeln. Die Kinder lieben es und am Wochenende gibt es eine riesige, gemütliche Film-Kuschel-Eiscreme-Knuddel-Bettdisco mit Mama.

7. Wir haben gelernt, loszulassen

Om.

8. Wir können die guten von den schlechten Männern unterscheiden

Da wissen wir jetzt, auf was wir wirklich achten müssen. Das erkennen wir inzwischen blind. Und auf zehn Meilen gegen den Wind.

9. Wir haben unsere Abhängigkeit nach Sicherheit überwunden

Haus, Garten, Einbauküche, Hochzeitskleid. Das alles war uns mal wichtig, doch inzwischen wissen wir, was der Dalai Lama rät: dass man sein Herz niemals an Materielles hängen soll … zur Not leben wir auch mit drei Kindern von Hartz IV – Hauptsache gesund. Weiter geht es immer. Angst ist was für Anfänger.

10. Wir brauchen nicht stutenbissig sein

Wofür auch? Das sind Frauen, die Konkurrentinnen wegbeißen müssen, damit die ihnen nicht ihren „Hengst” stehlen …wir haben keinen Hengst, wir haben unsere Fohlen. Peace, Sister!

PS: Und wir haben Humor. Ohne den geht’s nicht ; )

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Warum es manchmal gut ist, alleinerziehend zu sein

Ja, klar, klingt immer irgendwie traurig, wenn zwei Leute sich getrennt haben. Ist es auch in den meisten Fällen. Und natürlich hat das viele Nachteile. Außerdem kann es aber eine große Chance sein. Deswegen:

1. Man muss nicht alle Erziehungsfragen dauernd diskutieren! Paare, die sich trennen, haben meistens einen Grund dafür. Natürlich geht es dabei oft auch um unterschiedliche Erziehungsmodelle. Wenn es getrennte Haushalte gibt, kann man da auch besser getrennte Ideen umsetzen, ohne dass es superinkonsequent wirkt. Bei Papa gibt es immer zwei Eis? Ja, aber nur bei ihm.

2. Man hat weniger Hausarbeit. Klingt banal, ist aber der Hauptgrund für viele Trennungen. Eine Person weniger im Haus = weniger dreckige Wäsche und Geschirr. Eine einfache Rechnung, die aufgeht.

3. Alleinerziehende müssen sich weniger streiten. Tatsächlich gehen Ehen und Beziehungen ja deswegen auseinander, weil es eben nicht gut läuft. Ohne Partner gibt es eventuell weniger Hilfe (kommt auf den Partner an natürlich!), aber es gibt auch viel weniger Ärger. Eine Ehe zu führen, kann schließlich ein Job sein, der übrigens nicht zwangsläufig zufrieden macht.

4. Sie sind stark und wissen das. Natürlich ist das auch manchmal ganz anders, dann muss man heulen und fluchen, aber generell gesehen sind Alleinerziehende total stark und selbstständig und schaffen sehr, sehr viel. Müssen sie schließlich. Im besten Fall wissen sie sogar, dass sie so stark sind wie Superwoman. Das macht auch mutig und selbstbewusst – und ein Vorbild für unsere Kinder.

5. Sie haben die Chance sich neu zu verlieben. Sich aus einer unglücklichen Beziehung zu befreien, kann eine große Chance sein und sehr glücklich machen. Alleinerziehend zu sein bedeutet ja auch wieder mehr selbst entscheiden können, was man tun will, nicht alles diskutieren müssen – und vielleicht auch wieder jemanden finden, mit dem es in erster Linie schön ist.

Wer mehr zu diesem Thema lesen möchte, kann das zum Beispiel in unserem Interview mit Caroline Rosales oder direkt in ihrem sehr unterhaltsamen und klugen Buch „Single Mom“.

In dieser Geschichte fehlen vier Männer. Einer ist weggeblieben, einer verleugnet seine Vergangenheit, einer kehrte nie heim und einer hat eine seltsame Leere hinterlassen. Es sind die Väter von Laura Dunne*, Antonia Hoffmann*, Karl Wenninger* und Henning Schaper*. Die beiden Frauen und Männer kennen einander nicht, sie entstammen unterschiedlichen Generationen und haben doch eines gemeinsam: In ihren Leben fehlt der Vater.

Psychologen, Soziologen, Historiker beschäftigen sich schon lange mit der Frage: Welche Folgen hat die Abwesenheit des männlichen Elternteils für die Kinder und späteren Erwachsenen, für die Gesellschaft? Von zwei vaterlosen Generationen ist die Rede: Da sind die unzähligen, die nur von ihren Müttern – und anderen Familienmitgliedern – großgezogen wurden, weil die Väter aus dem Krieg nicht heimkehrten. Und da sind die Scheidungskinder, Kinder aus Affären und Romanzen, die Patchwork-Kinder von heute. Viele von ihnen werden trotzdem von zwei Eltern erzogen, versorgt, geliebt. Anderen wird der abwesende Elternteil fremd.

Wenn von den vaterlosen Generationen die Rede ist, geht es meist um die negativen Folgen, die der Verlust für die Betroffenen bedeutet. Im Buch Das Drama der Vaterentbehrung legt der Psychoanalytiker Horst Petri dar, dass auffällig viele kriminelle Jugendliche ohne Vater aufgewachsen sind. Auch Drogenprobleme, Beziehungsstörungen, mangelnde Empathie und schlechtere schulische Leistungen treten bei diesen Kindern und Jugendlichen ihm nach häufiger auf. Wie sich diese Symptome später im Erwachsenenleben auswirken, zeigen Petri und anderen Experten zufolge die Schwierigkeiten, welche diese „Kinder des Krieges“ als Partner und Familienväter hatten und haben. Eine Langzeitstudie an der Mannheimer Normalbevölkerung ergab, das jene, denen in den ersten sechs Lebensjahren der Kontakt zum Vater fehlte, noch über 50 Jahre später ein deutlich höheres Risiko für psychische Störungen aufwiesen als Kinder, die Kontakt zum Vater hatten.

Heißt das, heute wächst ein nicht unerheblicher Teil der Gesellschaft – in Deutschland leben derzeit etwa 20 Prozent der Kinder ohne Vater– haltlos und gefährdet heran? Und kann man die beiden Gruppen überhaupt vergleichen, jene, deren Väter an der Front starben, und die, deren Väter die Verantwortung für ihre Kinder nicht übernehmen wollen oder können?

Ein vertrauter Fremder

„Was man nicht kennt, das kann man nicht vermissen. Das habe ich jahrelang gesagt, wenn ich nach meinem Vater gefragt wurde“, sagt Laura Dunne. „Mittlerweile weiß ich, dass das nicht stimmt.“ Dunnes Vater starb vor zwei Jahren nach einer langen Krankheit. Sie habe ihren Vater mehrmals verloren, sagt die 41-Jährige, und zugleich sei er nie da gewesen. „Immer wieder suchte ich ihn, fand ihn, wir sahen uns und es war schön. Und dann verpisste er sich wieder.“ Für Laura Dunne ist es eine schmerzhafte Geschichte, aber auch eine mit einem Happy End. Sein Tod, sagt sie, habe ihr die Möglichkeit gegeben, Frieden zu schließen.

Als Dunnes Eltern sich trennten, blieb er, ein Brite, in seiner Heimat, Mutter und Tochter gingen nach Deutschland. Laura war damals acht Monate alt. Nach ihm zu fragen, kam ihr erst Jahre später in den Sinn. Sie erfuhr, dass ihre Eltern aus Liebe geheiratet hatten und sie ein Wunschkind war. Aber auch, dass der Vater zu viel trank und sich als Teil einer Sekte verstand. Eine schwierige Ehe, die Mutter litt sehr. Dennoch folgte sie dem Wunsch ihrer zu diesem Zeitpunkt zehnjährigen Tochter und suchte den Vater. „Sie hat ihre Bedürfnisse hinten angestellt“, sagt Dunne, „weil es für mich wichtig war.“

In Österreich fanden sie ihn schließlich: Der Vater lebte mit einer neuen Partnerin in Salzburg. Den ersten Besuch hat Laura in guter Erinnerung. Aufregend sei es gewesen, die neue Frau, die sie nett fand, die Gespräche auf Englisch. Sie mochte seinen Humor. „Endlich hatte ich ein Bild von ihm.“ Es folgten weitere Besuche, zunächst mit der Mutter, später allein, auch Briefe, Geschenke, Telefonate. Bis der Kontakt schlagartig abbrach. Mutter und Tochter suchten ihn wieder, und fanden ihn in England. Laura Dunne schrieb einen bitterbösen Brief, wie sie sagt: „Meine ganze Wut war da drin. Darüber, dass er einfach abgehauen ist. Aber auch darüber, dass er nicht da war, als ich klein war.“

Endlich hatte ich ein Bild von ihm. Laura Dunne

Der Vater antwortete mit einer Einladung, Laura Dunne reiste hin. Wieder war es schön, Vater und Tochter sprachen viel, sie erkannte Ähnlichkeiten, fühlte sich ihm nahe. Doch es blieb auch eine Fremdheit. Heute kann Dunne diese verorten. „Er hat sich nie wie ein Vater benommen. Er hat keine Verantwortung übernommen, für mich nicht, für niemanden. Nicht mal für sich selbst.“ Laura Dunne glaubt, dass sie auch deswegen Frieden schließen konnte mit dem Mann, der nach diesem Besuch immer wieder den Kontakt abbrach und sich meist kleinlaut gab, wenn die Tochter wütend sein Interesse forderte. Einmal hat er sie am Telefon beschimpft. „You’re a fucking shit“, dieser Satz verfolgte sie Jahre. Da half es auch nicht, dass er betrunken war. Später, kurz vor seinem Tod, hat er sich dafür entschuldigt.

Laura Dunne hat lang überlegt, ob sie zur Beerdigung fahren soll. Rückblickend sagt sie, fand sie dort Frieden – und Familie. Gespräche mit der Schwester des Vaters, deren Tochter und der Frau, die zuletzt an seiner Seite war, brachten ihr ihn näher, legten den Grundstein für neue, tiefe Beziehungen – und die Erkenntnis, dass er andere Menschen genauso schlecht behandelt hatte. Dass er ein gebrochener Mann war. Sie erfuhr dort aber auch, dass er oft von ihr gesprochen hatte. Sogar seine Trinkbrüder in der Dorfkneipe wussten von der Tochter in Deutschland. „Ich war Thema. Das zu erfahren, hat gutgetan“, sagt sie. Spürt sie die lebenslange Lücke, von der die Experten sprechen? „Mag sein. Ich glaube mittlerweile schon, dass man etwas vermissen kann, was man nie hatte. Aber ich kann es nicht benennen.“ Laura Dunnes Stimme ist ganz fest, als sie das sagt. Und hinzufügt: „Es tut nicht mehr weh.“

* Alle Namen wurden von der Redaktion geändert.

Wenn Kinder ohne Vater aufwachsen müssen

Auch heute müssen Kinder aus verschiedensten Gründen oft ohne Vater aufwachsen. Kindererziehung und Hausarbeit sind noch immer überwiegend Aufgaben der Mütter. Auch in der weiteren Erziehung der Kinder tauchen kaum Männer auf. Wie Sie sicher bestätigen, arbeiten in Kindertagesstätten kaum Männer und diese Tendenz setzt sich auch in der Grundschule fort. Dies hat zur Folge, dass Kinder in einer von Frauen beherrschten Umgebung aufwachsen und oft nur wenige intensive Kontakte zu Männern haben.

Der Vater ist in seinem Beruf meist so eingebunden, dass er für seine Kinder nur selten erreichbar ist. Durch die immer größer werdende Zahl der Ehescheidungen gibt es immer mehr allein erziehende Eltern (meistens Mütter).

Es gibt verschiedene Gründe, wenn Kinder ohne Vater aufwachsen

Im Wesentlichen gibt es 3 Gründe für die Abwesenheit der Väter, die sicherlich oft alle zusammentreffen:

1. Vater als Ernährer der Familie

Ein Hauptgrund für die Abwesenheit von Vätern liegt sicherlich in den ökonomischen Notwendigkeiten begründet. Weil der Mann in der Regel mehr verdient als die Frau, übernimmt die Frau die Erziehung der Kinder und der Vater bleibt der Ernährer der Familie. Gesetzlich ist geregelt, dass der Mann Elternzeit für sein Kind in Anspruch nehmen kann. Dies leistet jedoch keinen Beitrag zur Anwesenheit des Vaters in der Familie, wenn gleichzeitig die wirtschaftliche Versorgung der Familie nicht mehr gesichert ist.

In unserer Gesellschaft fehlen also die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen in Verbindung mit den wirtschaftlichen, die es einer größeren Zahl von Vätern ermöglichen würde, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.

2. Das mangelnde Vertrauen der Mütter in die Fähigkeiten der Väter

Ein 2. Grund für die Abwesenheit der Väter liegt im Verhalten mancher Frauen. Sie belehren die Väter ständig und nehmen ihnen ihre Vaterrolle somit ab: So darf der Vater das Kind nicht mehr baden, weil die Mutter das eh viel besser kann. Das kann schnell zu einem Teufelskreis für die Väter werden. Manche Mütter nehmen die Väter nicht ernst, die Väter werden dadurch noch unsicherer, als sie es ohnehin schon sind. Die Folge davon ist, dass die Väter sich frustriert von ihren Kindern zurückziehen und das Feld den Müttern überlassen.

3. Die Definition der Vaterrolle

Ein 3. Grund liegt in der Unsicherheit vieler Männer, wie die Vaterrolle heute definiert wird. Viele Väter suchen nach neuen Orientierungen. Sie wollen nicht so werden wie ihre eigenen Väter. Sie müssen jedoch feststellen, dass sie fast so geworden sind. Dies stellt die Männer vor die Aufgabe, sich von bestehenden Rollenzwängen zu befreien und ihre Rolle selbst neu zu definieren. Heutzutage ist eine männliche Identität gefragt, die sich ausdrückt durch

  • soziale Kompetenz,
  • Sensibilität,
  • Ausdrucksfähigkeit in ihren Gefühlen,
  • ein Selbstbewusstsein, das der eigenen Person entspringt und eigene und andere Wünsche und Grenzen wahrnimmt und schützt.

Kinder brauchen ihre Väter

Die Anwesenheit des Vaters ist für die Kinder sehr wichtig. Er nimmt in ihrem Leben eine wichtige Rolle ein. Wie soll ein Kind sich mit seinem eigenen Vater identifizieren, sich mit ihm auseinander setzen oder sich von ihm abgrenzen, wenn er nicht da ist? Bei einem abwesenden Vater fehlt der gleich- oder gegengeschlechtliche Spiegel, der für die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht notwendig ist.

Der Begriff „abwesende Väter“ hat hier eine sehr weit gefasste Bedeutung. Abwesende Väter sind nicht nur solche, die körperlich nicht anwesend sind, z. B. weil sie arbeiten müssen. Vielmehr zählen dazu auch die Väter, die geistig und emotional abwesend sind. Der Begriff ist ebenfalls auf Väter bezogen, die zwar körperlich anwesend sind, aber ein inakzeptables Verhalten an den Tag legen: autoritäre Väter z. B., die ihre Kinder unterdrücken und deren Selbstbestätigung verhindern. Oder alkoholkranke Väter, die auf Grund ihrer emotionalen Instabilität ihre Kinder in einen Zustand ständiger Unsicherheit versetzen.

Väter bekommen ein Übergewicht, wenn sie zur Rarität werden. Sie werden entweder zum begehrten Objekt, verunsichern oder haben keinerlei Bedeutung im Leben der Kinder. Für ein Kind ist ein warmherziger, liebevoller Vater optimal. Das Fehlen des Vaters führt dagegen nicht selten zu einem unklaren Männerbild und einem überzogenen Männlichkeitsideal. Auf Grund der Abwesenheit des Vaters haben Kinder oft nur unklare Männerbilder.

So wird z. B. bei Rollenspielen im Kindergarten die Rolle des Vaters oft gar nicht besetzt. Kommt der Vater im Spiel vor, ist seine Rolle nur unklar definiert: Der Papa geht zur Arbeit und kommt am Abend wieder. Das undeutliche Bild vom Vater wird dann gefüllt mit abstrakten Verhaltenserwartungen, Fantasien und Medienvorbildern. Ein Männerbild mit allen Ecken und Kanten, allen Stärken und Schwächen zeigt sich den Kindern nur selten.

Denn je größer die räumliche Distanz beziehungsweise je länger die zeitliche Trennung vom Vater, desto größer ist die Gefahr der Entfremdung des Vaters von der Familie einerseits und die seiner Idealisierung andererseits.

Folgen des Vatermangels für die Kinder

Wenn der Vater als Identifikationsfigur fehlt, fällt vor allem den Jungen das Finden der eigenen Geschlechtsrolle schwer. Die Signatur eines fehlenden Vaters ist die zerbrechliche männliche Identität seines Sohnes.

Viele Jungen können sich nur in Abgrenzung zu Frauen und unter dem Urteil von Frauen als kleine Männer definieren. Die Abgrenzung von allem Weiblichen und die Demonstration, in allen Bereichen besser zu sein als Mädchen, gelten den Jungen als Beweis von Männlichkeit. Schwächen können sich viele Jungen in keiner Situation zugestehen.

Auch wenn im Kindergarten überwiegend Frauen arbeiten, können Sie die Benachteiligungen, die sich für Kinder durch die weibliche Dominanz ergeben, zumindest mindern. Lesen Sie im Folgenden, welche Veränderungen notwendig sind

  • in der Zusammenarbeit mit den Eltern und insbesondere den Vätern,
  • in der Arbeit mit den Kindern,
  • in Bezug auf Ihre Rolle als Erzieherin.

Machen Sie den Eltern die Bedeutung der Väter klar

Die Integration der Väter in das Kindergartengeschehen ist für Ihre Arbeit sehr wichtig. Vor allem sollten Sie regelmäßige Angebote für die Väter machen, damit sie ihre Kinder über die gesamte Kindergartenzeit hindurch begleiten können. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass Sie den Eltern die Bedeutung der Väter für Kinder verdeutlichen.

Hierfür bietet sich ein Elternabend an, zu dem Sie nicht „nur“ die Väter einladen. Denn die Mütter können mit ihrem eigenen Verhalten viel dazu beitragen, dass Väter sich mehr in das Familienleben einbringen. Dazu müssen sie ihre Männer in ihren Bemühungen unterstützen, anstatt sie häufig zu kritisieren.

Mädchen wird durch das Fehlen der Väter die Abgrenzung zum anderen Geschlecht erschwert. Um eine größere Distanz zur Mutter aufbauen zu können, muss der Vater für seine Tochter verfügbar sein. Der Vater hat die Aufgabe, die weibliche Identität seiner Tochter zu bestätigen und ihr zu einem eigenen weiblichen Selbstkonzept zu verhelfen.

Wenn Sie den Eltern dies vermitteln, wird die Bereitschaft der Väter, sich stärker um ihre Kinder zu kümmern, wachsen.

Gewähren Sie den Kindern Einblick in die Männerwelt

Zum einen können Sie einiges dazu beitragen, dass die Kinder mehr Zeit mit ihren Vätern verbringen. Dazu bieten Sie Vater-Kind-Veranstaltungen an, wie z. B. ein Abendessen oder Veranstaltungen für die ganze Familie.

Zum anderen können Sie vieles dafür tun, dass auch im Kindergarten die Männerwelt präsenter wird, auch wenn „nur“ Erzieherinnen dort arbeiten:

  • In vielen Einrichtungen gibt es einen Hausmeister oder einen netten Opa, der sich um die Belange des Kindergartens kümmert. Sprechen Sie mit Ihrem Hausmeister, ob er z. B. an Ihrem Stuhlkreis teilnimmt, um den Kindern von seiner Arbeit zu berichten, ob die Kinder ihm bei der Arbeit zuschauen oder mithelfen dürfen.
  • In konfessionellen Einrichtungen gibt es den Pfarrer. Beschränken Sie den Kontakt nicht auf die kirchlichen Feste, sondern bemühen Sie sich darum, dass der Pfarrer regelmäßig zu den Kindern kommt.
  • Möglicherweise gibt es in Ihrer Gemeinde / Kirchengemeinde einen Zivildienstleistenden, der ab und zu in den Kindergarten kommen kann, um mit den Kindern zu spielen.
  • Setzen Sie gezielt Bilderbücher ein. Inzwischen gibt es etliche Bücher, die – weg von alten Rollenklischees – sowohl Mütter als auch Väter entsprechend heutigen Lebenswirklichkeiten in verschiedenen Lebenssituationen in unterschiedlichen Rollen darstellen:
  • Meir Shalev: Papa nervt Diogenes Verlag, Zürich 1994, 14,90 €. In dem Buch wird der Alltag einer Familie geschildert, in der die Mutter Fernsehansagerin und der Vater Hausmann ist. Der Vater schreibt nächtelang Gedichte und Geschichten und nervt seine Umgebung. Jedenfalls aus der Perspektive des 5-jährigen Jonathans, der das Verhalten seines Vaters blamabel findet. Besonders wenn er beim Kindergartenausflug verloren geht, beim Elternabend einschläft oder seinen Sohn laut singend zum Kindergarten begleitet und ihm überdies noch einen Abschiedskuss abnötigt.

Die Vaterrolle verstehen

Damit die Kinder sich ein Bild davon machen können, was ihr Vater den Tag über macht, besuchen Sie mit den Kindern einige Väter an ihrem Arbeitsplatz. Den Kindern wird es dann bei ihren Rollenspielen leichter fallen, die Vaterrolle zu besetzen und auszufüllen.

Achten Sie darauf, dass Ihre Verkleidungsecke auch Möglichkeiten für männliche Rollen bietet. Auch sollten die Kinder einen Werkstattbereich haben, wo sie wie der Elektriker den kaputten Toaster reparieren können.

Lassen Sie den Jungen ihre Waffen und Pistolen. Diese versprechen den Jungen scheinbare Unverwundbarkeit und überdecken damit das Fehlen der eigenen Identität. Ohne ihre Waffen fühlen sich die Jungen schutzlos und ohnmächtig. Wenn Jungen Selbstsicherheit erworben haben, werden sie die Waffen von selbst aus der Hand legen. Die Selbstsicherheit können Sie fördern, indem Sie den Jungen immer wieder das Gefühl geben, dass es gut ist, dass sie da sind. Nehmen Sie die Jungen mit ihren Stärken und Schwächen an und verhelfen Sie ihnen zu Erfolgserlebnissen.

Welche Folgen hat es, vom Vater verlassen zu werden?

Viele Kinder auf dieser Welt wachsen ohne Vater auf. Die Anzahl von Kindern, die von ihrem Vater verlassen werden, ist vor allem in lateinamerikanischen Ländern sehr hoch. In manchen Fällen ist dies sozialen Problemen geschuldet, wie zum Beispiel der Arbeitslosigkeit oder Armut. In anderen Fällen spielt der kulturelle Faktor die größte Rolle: In manchen Kulturen wird das Zurücklassen der eigenen Kinder vom Vater als relativ normal angesehen.

Aber auch in Europa scheint es einen starken Zusammenhang zwischen ungeplanten Schwangerschaften und der Zahl der vom Vater verlassener Kinder zu geben, und ein weiterer wichtiger Faktor ist das Alter der Eltern. Jugend und Machismus führen dazu, dass viele Männer es nicht als verantwortungslose Tat empfinden, ihr Kind zu verlassen.

Obwohl es stimmt, dass ein Mensch auch ohne Vater aufwachsen und sich entwickeln kann, trifft es doch ebenso zu, dass derjenige, der mit Vater aufwächst mehr und bessere Möglichkeiten im Leben hat. Und natürlich gibt es die extremen Fälle, in denen sich die Abwesenheit des Vaters in eine lebenslange Belastung verwandelt, die die Existenz der Betroffenen bedroht.

Warum brauchen wir einen Vater und eine Mutter?

Experten der Psychoanalyse postulieren, dass die mütterliche Liebe unersättlich und absolut sei. Die Mutter habe weitreichenden Einfluss auf das Leben ihres Kindes. Sie sei sein alles. Sie beeinflusse sein Leben im Großen und im Kleinen, sowohl was die trivialen Dinge angehe als auch die wichtigen. Sie schaffe die Umgebung, das Universum, in dem sich das Leben des Kindes abspiele. Zu Beginn des Lebens ist das Kind vollkommen von der Mutter abhängig.

Die starke Bindung zwischen Mutter und Kind bleibt über die Zeit meist bestehen. Das Kind weiß, dass es von der Mutter abhängig ist und fügt sich ihrer Logik. Seine Liebe zur Mutter ist bedingungslos und gibt ihm Sicherheit.

Viele von uns hatten zumindest als Kinder das Glück, ebenfalls einen Vater an ihrer Seite zu haben. Schließlich besteht die Welt aus mehr als nur der eigenen Mutter. Der Vater schafft ein Universum, das die Mutter nicht kontrollieren kann. Er lässt den Nachwuchs eine andere Seite der Realität sehen. Er ist die dritte Person, die in den Entwicklungsprozess eingreift. Er setzt der Symbiose zwischen Mutter und Kind eine Grenze. Symbolisch betrachtet ist er das Gesetz, dass die Mutter-Kind-Beziehung reguliert. Außerdem bietet er die Plattform, von der aus wir lernen, dass sich die Welt nicht uns anpasst, sondern dass wir uns an sie anpassen müssen.

Die verschiedenen Formen des Verlassen

So wie es viele verschiedene Arten gibt, seinem Kind zur Seite zu stehen, ist auch „Verlassen“ ein weiter Begriff:

  • Der vollkommen abwesende Vater lässt die Mutter physisch und psychologisch allein mit der Erziehung des Kindes. Er befreit sich von den mit dieser verbundenen Verpflichtungen, von den häuslichen Arbeiten, und nicht selten ist es ihm gar egal, was mit dem Kind passiert.
  • Außerdem gibt es diejenigen Väter, die ihr Kind emotional, aber nicht physisch verlassen. Ihrer Meinung nach liegt die Verantwortung für die Erziehung des Kindes allein bei der Mutter. Sie sind da, aber weisen jegliche Verantwortung von sich. Sie reden nicht mit ihren Kindern, verbringen keine Zeit mit ihnen, und wissen nicht, wie sich ihr Tag gestaltet. Sie kümmern sich einzig darum, die Rechnungen zu bezahlen und die ein oder andere Anweisung zu geben, je nachdem, wie es ihnen gerade passt. Abgesehen davon findet keine Interaktion zwischen ihnen und ihren Kindern statt.
  • Es gibt weiterhin Väter, die emotional für ihre Kinder da sind, aber nicht physisch. Sie haben eine andere Familie gegründet oder leben weit weg. Trotzdem versuchen sie, für ihre Kinder da zu sein und immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Allerdings können sie ihnen niemals so viel Zeit widmen, wie sie gern möchten, obwohl sie immer an sie denken und fest in ihr Herz geschlossen haben.

Die verschiedenen Folgen des Verlassens

Jede Art, vom Vater verlassen zu werden, hat eigene Konsequenzen. So sehr sich die Mutter auch bemüht, sie wird niemals die Abwesenheit einer dritten Person kompensieren können.

Im Falle des vollkommen abwesenden Vaters sind die Folgen am gravierendsten. Wenn die Vaterfigur teilweise von jemand anderem ersetzt werden kann, von den Großeltern beispielsweise, wirkt sich dies mindernd aus. Wenn allerdings niemand diese Lücke füllen kann, kann die väterliche Abwesenheit sich sehr negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken: Das Fehlen einer dritten Person, die regulierenden Einfluss auf die Mutter-Kind-Beziehung ausübt, kann es dem Kind sehr schwer machen, sich zu individualisieren. Es wird wahrscheinlich Probleme haben, Dinge allein zu erforschen, seinen Horizont zu erweitern und in seine eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Es wird immer das Gefühl haben, ausgeschlossen zu sein und sich emotional auf Entzug fühlen, wenn es von seiner Mutter getrennt ist.

Kindern, die von ihrem Vater verlassen wurden, fällt es viel schwerer, sich an die Welt und die Realität anzupassen. Wahrscheinlich ist auch, dass sie Ängste vor tiefer emotionaler Bindung entwickeln. Scheinbar paradoxerweise besteht zudem die Gefahr, dass sie selbst zu Eltern werden, die ihre Kinder verlassen. Falls sie weiblich sind, wird es ihnen schwer fallen, Männern zu vertrauen, oder sie vertrauen ihnen zu sehr und machen sich abhängig, sodass sie das Verlassen immer wieder durchleben müssen.

Die Folgen des rein emotionalen oder physischen Verlassenwerdens können ähnlich sein, sind aber weniger stark ausgeprägt. Die Spur des fehlenden Vaters kann niemals ausgelöscht werden.

Was es bedeutet, ohne Vater aufzuwachsen

Bild: Getty / privat / watson Montage

Interview

Vaterfiguren: Was es bedeutet, ohne Vater aufzuwachsen

In der Serie Vaterfiguren erzählen Männer, was ihre Väter ihnen übers Mann-Sein beibrachten. Den Anfang macht der Autor und Musiker Musa Okwonga.

Yasmina Banaszczuk

Yasmina Banaszczuk

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Wenn wir über Eltern sprechen, meinen wir oft eigentlich nur die Mütter. Vatertag verbinden wir mit trinkenden Männern rund um einen Bollerwagen. Während Frauen von klein auf lernen, auf emotionaler Ebene zu kommunizieren, geschieht das bei Männern seltener.

Woran liegt das? Welche Bedeutung haben Väter für ihre Söhne, gerade in einer Zeit, wo sich Geschlechterrollen immer weiter entwickeln? Zeit, das herauszufinden.

Für die Reihe Vaterfiguren trifft Yasmina Banaszczuk verschiedene Männer, die mit ihr über ihre Väter sprechen. Alter, Herkunft, sexuelle Orientierung, Religion – all das ist erstmal egal. Spannender ist, was sie von ihren Vätern gelernt haben. Und was vielleicht auch nicht.

Ich lerne, dass meine Vorstellung über Väter geupdatet werden muss

Musa ist der erste Mann, den ich im Rahmen dieser Interviews treffe. Er ist Journalist, Dichter, Musiker, Autor. Für den „Guardian“ schreibt er über Fußball, für die deutsche Bundesliga steuerte er mit seiner Band BBXO einen offiziellen Song bei. Er hat drei Schwestern und einen Bruder; schreibt in seinen Texten offen, verletzlich, scharf.

Ich denke: Er ist aufgrund dieser Offenheit perfekt für diesen Artikel. Männer sind nicht immer dafür bekannt, zu ihren Gefühlen zu stehen, Musa habe ich anders erlebt.

Doch dann lerne ich, dass ich meine Vorstellung davon, was einen Vater ausmacht, vielleicht nochmal geupdated werden muss. Denn Musa verbrachte fast sein gesamtes Leben ohne seinen Vater – und trotzdem spürt er auch heute noch seine Präsenz.

watson: Erzähl mir ein bisschen was über deinen Vater.

Musa Okwonga: Mein Vater starb, als ich vier Jahre alt war. Er war ein sogenannter Consultant Surgeon: In Großbritannien bezeichnet man so einen sehr erfahrenen Facharzt, einen wirklichen Experten in seinem jeweiligen Gebiet. Mein Vater war einer der ersten schwarzen Fachchirurgen in Großbritannien.

Ende der Siebziger floh er vor dem Krieg aus Uganda nach Großbritannien, wo er meine Mutter traf, ebenfalls eine Geflüchtete. Ein paar Jahre später ging mein Vater dann zurück nach Uganda, um als Arzt des Generals zu dienen, der in der Vergangenheit bereits geholfen hatte, den Militärdiktator Idi Amin zu stürzen. Während er mit dem General und weiteren Personen in einem Helikopter flog, wurden sie abgeschossen. Es gab keine Überlebenden.

Hast du noch Erinnerungen an ihn?

Als er starb, flogen wir mit der Familie nach Uganda. Meine erste Erinnerung an meinen Vater ist sein Sarg in einem Zimmer. Meine zweite Erinnerung ist, ihm Erde auf sein Grab zu werfen. Auch mit vier Jahren war mir sehr bewusst, was da eigentlich gerade passierte.

Wie geht es dir heute, wenn du an ihn denkst?

Ich war sehr lange wütend auf ihn. Stell dir vor, jemand würde jetzt sein Zeug packen und einfach so nach Syrien zurück? Ich würde mich an die Person anketten, bevor ich das zulassen würde. Nach der Wut kam Trauer. Und dann, als ich älter und reifer wurde, wurde ich stolz. Stolz darauf, dass er alles riskiert hat, um für das einzutreten, woran er glaubte. Das braucht so viel Mut. So etwas lernt man erst schätzen, wenn man älter wird. Ich respektiere heute seine Entscheidung.

Mein Vater könnte jetzt wohlhabend im Vorort seinen Ruhestand genießen, aber er verzockte sich.

Hat dein Vater dich trotzdem beeinflusst, obwohl er früh starb?

Er hatte immer eine starke Präsenz in meinem Leben. Meine Mutter fängt manchmal einfach so an, von ihm zu erzählen – zum Beispiel, wenn ich Gesten mache, die sie von ihm kannte. Ich zücke dann mein Handy und nehme sie auf, damit ich ihre Erinnerungen nicht verliere.

Bis heute beeinflusst er mein Leben, meine Entscheidungen. Von der Art, wie ich seinen Kleidungsstil aus den Siebzigern kopiere, bis hin dazu, wie ich mein Berufsleben gestalte.

Gibt es etwas, das du von ihm gelernt hast?

Ich lerne immer noch. Wenn dein Vater so früh stirbt, weil er für etwas Gutes eintritt, lernst du, keine Kompromisse zu machen. Ich war auf Eliteschulen, auf einer sehr guten Uni, war Anwalt – und schmiss alles irgendwann hin, um Autor zu werden. Mein Vater könnte jetzt wohlhabend im Vorort seinen Ruhestand genießen, aber er verzockte sich.

Insofern bin ich meinem Vater auf jeden Fall ähnlich: Ich schlage dauernd Angebote für viel Geld aus, weil sie sich falsch anfühlen. Das habe ich von ihm geerbt, und dafür bin ich dankbar. Gleichzeitig beneide ich so kompromisslose Menschen wie uns nicht.

Da ist immer wieder ein unheimlicher Druck, jeden Tag leben und schätzen zu müssen. Er starb mit 40 Jahren, ich bin jetzt 39. Diesen Druck auszuhalten, sich nicht manchmal zu fragen: Was mache ich hier eigentlich? Das ist die Herausforderung.

Kinder brauchen Menschen, die sie lieben. Ob das ein Vater, zwei Mütter oder eine Tante sind, ist erstmal egal.

Was hättest du ihm gerne gesagt, bevor er gestorben ist?

Wenn ich ihm vor seinem Tod etwas hätte sagen können, dann, dass ich nun meine eigene Person bin. Dass ich stets versuche, die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Dass seine damalige Entscheidung respektiert wird.

Meinst du, dass Kinder eine Vaterfigur im Leben brauchen?

Ich wuchs ohne eine Vaterfigur auf. Selbst auf den Internaten, die ich, seit ich elf war, besuchte, hatte ich niemanden, den ich so bezeichnen würde. Es gab einfach niemanden, den ich hätte anrufen können, um zu fragen: Hey, was denkst du darüber? Da war niemand.

Du lernst, dich selbst um Sachen zu kümmern. Mehr als eine bestimmte Anzahl von Personen in deinem Leben brauchen Kinder Menschen, die sie lieben. Die ihnen den Weg weisen. Ob das ein Vater, zwei Mütter oder eine Tante sind, ist erstmal egal.

Wie der Vater so der Sohn – 7 Fußballstars und ihr Nachwuchs

Bei Maskulinität geht es nicht ums Fluchen, Schlagen, Treten.

Was würdest du jungen Männern sagen, die keinen Vater in ihrem Leben haben?

Wähl deine Freunde mit Bedacht. Deine besten Freunde sind nicht die, die dauernd wütend sind. Bei Maskulinität geht es nicht ums Fluchen, Schlagen, Treten. Auch wenn dir das alle sagen werden. Nur, wenn du sanft zu dir bist, kommst du weiter.

Es ist anstrengend, jemanden zu lieben, der kaputt ist. Du musst dich selbst in den Griff bekommen. Wenn du das Gefühl hast, du musst weinen, dann weine. Wenn dein Tag schlecht ist, dann triff dich abends mit guten Freunden. Du musst nicht alleine sein. Du musst diesen Kreislauf nicht wiederholen. Kurz gesagt: Du musst anderen erlauben, dich zu lieben.

„Alles steht in Flammen“

Video: watson/Leon Krenz

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Kinder im Dauerstress: Warum die Kindheit mit dem Kita-Besuch aufhört

Ilona Böhnke ist Erzieherin in Dortmund. In ihrer 40-jährigen Laufbahn hat sie eine wichtige Beobachtung gemacht: Kinder verbringen immer mehr Zeit in Kitas, deren Alltag ist durchgetaktet. Dass Spielen nach Stundenplan und das ständige Zusammensein in der Gruppe auch Arbeit für die Kinder bedeutet, wissen viele Erwachsene nicht. Böhnke warnt nun vor möglichen Folgen.

Morgens Mathe, dann Bildungsbereich Natur bis mittags. Nach der Mittagspause Entspannung, vielleicht noch eine Runde Malen oder Singkreis und dann noch Turnen, bis es wieder nach Hause geht.

Was auf den ersten Blick wie der Alltag von mindestens einem Grundschüler wirkt, ist tatsächlich ein ganz normaler Tag für ein Klein- oder Vorschulkind in der Kita. Zeit für freies Spielen? Bleibt da eigentlich gar nicht.

Viele der Probleme, die in deutschen Kitas vorherrschen, sind zwar immer noch nicht …

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Ohne Vater kann hier keiner leben

Als Cem erkennt, dass vom Vater lediglich dessen Geruch nach kölnisch Wasser und Tabak übrig geblieben ist, wird sein Ehrgeiz stärker, er strebt eine gute Universität an und glaubt insgeheim fest daran, Schriftsteller zu werden. Geld spielt im gesamten Roman des Literaturnobelpreisträgers eine wichtige Rolle, zuerst in dem Mangel an Geld, dann im Anlegen des großen Geldes, das Cem mit seiner Firma scheffelt. Da ist ein Junge, der nach einem starken Vorbild sucht, der einem bekannten Brunnenmeister folgt, der ihm Ruhm und guten Verdienst verspricht. Der Brunnenmeister Mahmut arbeitet hart, teilt seine Lehrlinge ebenso hart ein und durchlebt mit ihnen Phasen der Euphorie wie die der Verzweiflung: Stoßen sie auf Wasser oder hat sich die Entscheidung, ausgerechnet an dieser oder jener Stelle mit dem Graben zu beginnen, als falsch herausgestellt.

Cem genießt die Geschichten des Brunnenmeisters Mahmut, zweifelt aber immer stärker daran, dass sie bei dem Auftrag auf Wasser stoßen: Zweifel an den Entscheidungen des Meisters, des starken Mannes, treiben den Jungen stärker zum Theater, zu den Künsterlinnen und Künstlern, darunter zur rothaarigen Schauspielerin, die ihn zu mögen scheint. Es ist Cem, der den Meister verletzt im Brunnen zurücklässt und im Glauben, ihn getötet zu haben, flieht. Die Flucht prägt die Wahl seines Studiums der Geowissenschaften, der Traum, Schriftsteller zu werden, scheint vorerst ausgeträumt zu sein.

Die Geschichte um Vater und Sohn, um Väter und Söhne, das Graben nach Wasser als ungewisses Unterfangen, die Flucht des Sohnes und die Kraft des Verdrängten: Hier erzählt Orhan Pamuk eine politische Tragödie, verweist auf Ödipus, beschreibt die politische Situation der Türkei: Wer will nach den Sternen greifen, wer die Vergangenheit würdigen und heben, welche Rache nehmen die vergessenen Söhne? Zuviel darf man beim Rezensieren nicht verraten, daher nur ein Zitat noch, denn die Rolle der rothaarigen Frau eröffnet sich im Verlauf der Geschichte, verdichtet die Sehnsucht nach Theater, Schauspiel, Literatur und Kunst. Die Sehnsucht, Schriftsteller zu werden, geht an die nächste Generation weiter, vielleicht wird sie ja auch erfüllt.

Unbewusst suchte ich den Typ Mann aus, der meinem Vater oder besser meinem inneren Bild des Vaters entsprach. Dabei wird doch nur das Drama immer wieder unbewusst fortgeführt. Und das böse Erwachen kommt, wenn der Mann die Beziehung verlässt, weil er sich nicht als Mann gesehen und geliebt fühlt. Jungen, die ohne Vater aufwachsen, werden oft zum Kümmerer – zu jemandem, der auf allen Ebenen ein Held sein will.

Es gibt viele Vaterentbehrungen: Durch Scheidung, Trennung – und manchmal geht sie von Vätern aus, denen der Beruf über alles geht. Ich mache hier keine Schuldzuweisung und bin raus aus der Rolle des Opfers. Aber ich habe immer Mädchen und Frauen beneidet, die ihren Vater haben.

Töchter, die so etwas erleben, reagieren unterschiedlich: Die eine wird zum ewigen Mädchen, andere zur geharnischten Amazone, die irgendwann in die Überforderungsfalle tappt. Ich habe beide Anteile. Lange war ich das kleine brave Mädchen, das keine Verantwortung für sich selbst trägt. Trotzdem war da der Drang, möglichst schnell erwachsen zu werden, um der Kindheit zu entkommen.

In manchen Phasen zählte für mich nur Leistung. Bis zum Umfallen. Ein extremer Perfektionismus saß mir im Nacken. 100 Prozent reichten mir nie: Ich wollte brillieren, gesehen werden, wollte, dass jemand sagt: Du bist großartig. Geld war für mich nie eine Motivation, aber dass jemand sieht, was ich kann. Ich suchte die Bestätigung immer außen.

In Partnerschaften baute ich Distanz auf, um nicht noch einmal so verletzt zu werden. Bis zu meiner ersten Ehe pflegte ich kurze Beziehungen, beendete sie selbst, weil ich lieber mich selbst und andere verletzte, als verlassen zu werden.

Der Schatz liegt immer hinter dem Drachen

Der Schatz liegt immer hinter dem Drachen. Um das zu erkennen, waren mehrere Therapien nötig. Sie öffneten mir die Augen für meine Eigenverantwortung in der Partnerschaft, in der Reflexion vieler meiner Verhaltensweisen. Heute bin ich davon überzeugt, dass Vaterentbehrung über Generationen weitergegeben wird. Man nennt das ‚transgenerationale unbewusste Weitergabe eines Traumas‘. Das wollte ich brechen – durch die Heilung des inneren Vaters.

Ich habe drei Kinder, mein Sohn ist bereits groß und ausgezogen und die beiden Kleinen wechseln jeweils zur Hälfte der Zeit zwischen ihrem Vater und mir. Trotz der Trennung gehen meine Kinder gefestigter ins Leben als ich. Davon bin ich überzeugt. Es sind wirklich geliebte Kinder. Von beiden Seiten.

Heute ist mein Glück völlig unabhängig davon, ob mein Vater jemals einen Schritt in meine Richtung macht. Ich musste ihn loslassen, um selbst frei zu sein. Ich konnte die Schuldzuweisungen irgendwann aufgeben, als ich erkannte, dass das zur Unfreiheit führte. Musste akzeptieren, dass er ein Teil von mir ist. Inzwischen habe ich meinen Schmerz und meine Wut aufgearbeitet und in mein Leben integriert.

Man muss sich mit sich selbst und dem eigenen Schicksal versöhnen. Die Kette der Wiederholungen durchbrechen, damit wir nicht selbst zum Täter werden. Ich hätte nie gedacht, wie viel Mut es braucht, sich von alten Mustern zu lösen und anzuerkennen, dass mein Leben die Summe meiner Erfahrungen und Entscheidungen ist.

Aber eins weiß ich: Jedes verlassene Kind ist ein verletztes Kind. Es spielt keinen Unterschied, ob der Vater einen nicht will oder die Mutter den Umgang verhindert. Die Folgen bleiben gleich.“

Jeannette Hagen, 48, lebt in Berlin und ist freie Autorin und systemischer Coach. Gerade hat sie ein Buch veröffentlicht: „Die verletzte Tochter. Wie Vaterentbehrung das Leben prägt“, Scorpio Verlag, 16,99 Euro.

Wir veröffentlichen an dieser Stelle in loser Folge Gesprächsprotokolle unter dem Label „ÜberLeben“. Sie handeln von Brüchen, Schicksalen, tiefen Erlebnissen. Menschen erzählen von einschneidenden Erlebnissen. Wieso brechen die einen zusammen, während andere mit schweren Problemen klarkommen? Wie geht Überlebenskunst? Alle Geschichten finden Sie hier. Wenn Sie selbst Ihre erzählen wollen, dann schreiben Sie eine E-Mail an:

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Vaterentbehrung ist mit steigender Tendenz Realität für viele Kinder. Baby Express sprach mit Jeannette Hagen, systematischer Coach und Autorin, darüber, wie wichtig der Vater für die eigene Identitätsfindung und Bindungsfähigkeit ist und welche Folgen es hat, wenn er fehlt – nicht nur für die betroffenen Kinder, sondern für die gesamte Gesellschaft. Denn Vaterentbehrung betrifft uns alle. Sie prägt die Art, wie wir miteinander umgehen, und ist gleichzeitig Ursache und Folge einer zunehmenden Geschlechterentfremdung.

Welche Folgen hat die „Vaterentbehrung“ für Kinder – speziell für Töchter?

Das Spektrum an Auswirkungen umfasst schwere bis leichte Traumatisierungen, die sich unmittelbar, aber auch später im Erwachsenenalter im gesundheitlichen, psychosozialen, privaten aber auch im beruflichen Kontext bemerkbar machen können. Übertriebener Ehrgeiz, Versagerängste, Beziehungsprobleme, Narzissmus, mangelndes Selbstbewusstsein, Manipulierbarkeit, fehlendes Urvertrauen sowie ein mangelndes Ich-Bewusstsein sind nur einige Folgen, die sich aus der Konstellation „fehlender Vater“ entwickeln können. Dabei spielt es eine wesentliche Rolle, in welchem Umfeld das Kind aufwächst, wie die Bezugspersonen – speziell die Mutter – über den Vater sprechen und ob noch weitere Belastungen (Armut, Mobbing) hinzukommen. Allgemein reagieren Mädchen mehr „nach innen“, während Jungs ihren Frust durch aggressives Verhalten nach außen zeigen. Mädchen, die ohne Vater oder mit einem Vater, der seine Rolle nicht einnimmt, großwerden, haben oft Schwierigkeiten, in eine wirklich gereifte Frauenrolle zu wachsen. Sie bleiben häufig das kleine Mädchen, das in jedem Mann oder Partner den „Prinzen“ sucht, der sie retten und sie von jeglicher Verantwortung befreien kann. Oder sie werden zur „Amazone“, ziehen sich symbolisch die Rüstung an, verschließen ihre Gefühle und setzen stattdessen auf Leistung und Macht. Allgemein lassen sich Frauen, die ohne Vaterbindung aufgewachsen sind, später wesentlich häufiger scheiden, oder sie gehen gar nicht erst langfristige Bindungen ein, weil sie Angst haben, wieder verletzt zu werden.
Wissenschaftlich belegt ist, dass viele Mädchen mit Vaterentbehrung dazu neigen, früh sexuelle Kontakte aufzunehmen, so die Gefahr von Teenagerschwangerschaften signifikant erhöht ist. Das ist allerdings wiederum stark vom Milieu abhängig. Da dem Vater in den ersten Lebensjahren im Mutter-Vater-Kind-Dreieck (Triangulierung) die Aufgabe zukommt, dem Kind die Ablösung von der Mutter zu erleichtern, es sozusagen in die Welt zu führen, ihm aber gleichzeitig auch Grenzen aufzuzeigen und damit maßgeblich zur Gewissensbildung beizutragen, lässt sich leicht ablesen, was passieren kann, wenn diese Parameter nicht erfüllt werden. Der Vater spiegelt im besten Fall einem Mädchen ihre Weiblichkeit, zeigt ihr aber auch, dass es noch andere Qualitäten braucht, um sich in der Welt zu behaupten. Mädchen, die von einem – im übertragenden Sinne – starken und liebevollen Vater ins Leben begleitet wurden, haben es wesentlich leichter, sich später fraulich/weiblich zu fühlen und zu zeigen und sich beruflich durchzusetzen.
Bei mir war es so, dass ich durch die Vaterentbehrung und die dadurch entstandene ungesund starke Bindung an meine Mutter Schwierigkeiten hatte, mich selbst kennenzulernen, herauszufinden, wer ich denn eigentlich bin und was ich aus meinem Leben machen möchte. Ich war quasi in ihrem Leben gefangen, die Nabelschnur war nicht durchgetrennt und so fiel es mir extrem schwer, wirklich Verantwortung für mich und meinen Weg zu übernehmen.

Warum fällt es so schwer, sich von einer real nicht gegenwärtigen Vaterfigur zu lösen?

In jedem Kind ist das Bedürfnis nach der Liebe und Zuneigung von Mutter und Vater angelegt. Ebenso der Wunsch auch beide Elternteile zu lieben, sich in ihnen zu spiegeln. Ist der Vater abwesend, entwickelt sich ein inneres Vaterbild, das sich aus dem speist, was das Kind aus den Erzählungen der Mutter oder der Bezugspersonen heraus entnimmt, auch aus Gesten und Bemerkungen. Gleichzeitig entsteht ein Wunschvater im Inneren. Ein idealisiertes Vaterbild, das durch Idole und Vorbilder geprägt wird. Das will man nicht aufgeben, weil man Angst hat, dadurch einen Teil des eigenen Selbst zu verlieren. Aber etwas anderes kommt auch noch hinzu. Für mich war das Schlimmste immer die Erfahrung, dass ich nicht gewollt war. Dass der eigene Vater mich ablehnt. Das will man einfach nicht wahrhaben, weil man damit zwangsläufig den eigenen Wert infrage stellen müsste und es auch real tut. So geht es leider auch vielen Scheidungskindern, die die Erfahrung machen müssen, dass sich der Vater irgendwann abwendet, weil er herausgedrängt (entsorgt) wird und eben nicht kämpft, weil ihn das vielleicht schmerzt. Kinder fühlen sich verlassen und geben sich dafür selbst die Schuld. Und diese Schuld, verbunden mit den Gefühlen von Wut und Scham, ist es auch, die man mit ins Erwachsenenalter nimmt und die die energetische Bindung zum abwesenden Vater aufrecht erhält, gleichzeitig auch identifiziert. Man sehnt sich, aber man fühlt sich auch nicht wert – das ist ein Teufelskreis, der viel Leid verursacht, wenn er nicht angeschaut und aufgelöst wird.

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Foto: Fotolia

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