Nicht streiten kinder

Inhalte

Bayern 1

Geschwister können wir uns nicht aussuchen. In der Familie sind Geschwister gleichzeitig Verbündete und Konkurrenten. Sie prägen uns mindestens so sehr wie unsere Eltern, da sind sich Podcaster Robert Urban und Familientherapeutin Bettina Brockmann einig.

Dass Geschwister sich in der Kindheit fetzen, ist normal und wichtig. Bei einem Geschwisterstreit lernen wir, uns durchzusetzen, Konflikte zu lösen, auch mal nachzugeben und zu verzeihen. Wir lernen auch die Gefühle kennen, die zu einem Streit dazu gehören, erklärt Bettina Brockmann im Podcast für ein besseres Leben.

Obwohl Geschwister in der gleichen Familie und damit unter gleichen Bedingungen aufwachsen, können sie ganz unterschiedlich sein. Das kann viele Gründe haben: Der eigene Charakter, die Geschwisterfolge, die Rolle innerhalb der Familie und auch die individuelle Beziehung zu den Eltern. Viele Eltern haben die Vorstellung, dass sie die Kinder gleich behandeln, erklärt Bettina Brockmann. Das ist nicht nur unmöglich, es wäre auch nicht förderlich, denn jedes Kind hat seine eigenen Stärken und Schwächen.

„Eltern sollten jedes Kind so unterstützen, fördern und behandeln, wie es den individuellen Bedürfnissen des Kindes entspricht.“

Bettina Brockmann

Geschwister bleiben uns ein Leben lang

„Die Geschwisterbeziehung ist die längste Beziehung, die wir haben. Von einem Partner kann ich mich trennen und Freunde kann ich verlieren, aber Geschwister bleiben immer.“

Bettina Brockmann

Was aber, wenn die Kämpfe in der Kindheit solche Wunden gerissen haben, dass Sie dem Bruder oder der Schwester auch als Erwachsene kaum verzeihen können? Oder feststellen, dass Sie den anderen einfach nicht leiden können?

Geschwisterstreit im Erwachsenenalter

Manche werden die Wut auf Bruder oder Schwester im Erwachsenenleben einfach nicht los, außer sie versuchen, diese Beziehung wieder in Ordnung zu bringen. Ein erster Schritt kann sein, sich zu überlegen, weswegen man dem Bruder oder der Schwester so böse ist. Sie müssen sich die Erfahrungen aus der Kindheit, die besonders schmerzen, näher ansehen und sie vielleicht auch aufschreiben. Manchmal beurteilen Sie dann das Geschehene anders und vieles löst sich in Luft auf.

Konflikte aus der Kindheit holen uns manchmal im Erwachsenenalter wieder ein.

Motive vieler Auseinandersetzungen zwischen Geschwistern ist der Kampf um die Zuneigung der Eltern oder das Gefühl, von den Eltern ungerecht behandelt zu werden. Wer sich von seinen Eltern löst und erwachsen wird, kann diese Rivalitätsgefühle den Geschwistern gegenüber oft hinter sich lassen. Ist das Verhältnis zu den Eltern geklärt und entspannt, verblassen im besten Fall auch die Geschwister-Konflikte aus der Kindheit.

Schreiben Sie einen Brief

Im Laufe des Lebens verändert sich jeder Mensch. Deshalb lohnt es sich auch Beziehungen immer wieder neu zu überdenken und daran zu arbeiten. Bettina Brockmann ist sich sicher, dass es helfen kann das Gespräch zu suchen, auch wenn man schon längere Zeit im Clinch mit einem Geschwisterteil liegt. Seien Sie mutig, den Bruder oder die Schwester neu kennenzulernen und lassen Sie die Kindheit und die Gefühle, die sie damit verbinden, hinter sich. Legen Sie bei einem Treffen einfach alles auf den Tisch, möglichst ohne den anderen anzugreifen. Schildern Sie, wie Sie die Vergangenheit erlebt haben. Wenn wir dabei nur Ich-Sätze ohne Vorwurf formulieren, lässt das dem anderen den Raum, zuzuhören, ohne sich gleich verteidigen zu müssen.

Wenn die Gräben zu tief sind und ein Gespräch nicht möglich ist, kann man einen Brief schreiben, in dem man dem anderen das schildert, was einen so sehr verletzt hat. Bei einem Brief hat man die Zeit genau zu reflektieren und die Worte überlegt zu wählen. Denn auch in der schriftlichen Form sollten Sie darauf achten, nur das Erlebte zu schildern und ohne Vorwürfe auszukommen. Dem Bruder oder die Schwester gleichzeitig um Verzeihung zu bitten für das, was man dem anderen in der Kindheit bewusst oder unwissentlich angetan hat, bringt ein Geschwister-Gespräch vielleicht wieder in Gang.

Kein Kontakt ist auch ok

Wenn die andere Seite überhaupt nicht gesprächsbereit ist und man nicht zueinander findet, sollten Sie das akzeptieren. Trotzdem sollten Sie für sich versuchen, dem anderen zu verzeihen. Das wirkt auch dann wohltuend, wenn vom anderen gar nichts kommt. Und dafür gibt es einen Grund: Wenn wir unsere Kränkung aus der Kindheit ständig mit uns herumtragen, steht die Verletzung uns immer im Weg. Vergeben wir unserem Gegenüber, übernehmen wir wieder aktiv die Kontrolle über unser Leben und lassen uns nicht länger beeinträchtigen von negativen Gefühlen aus der Vergangenheit: Wir machen unseren Frieden mit Bruder oder Schwester.

Sollte es Ihnen gelingen einen alten Streit zu schlichten und offen über die Vergangenheit zu reden, dann bekommen Sie einen neuen besten Freund oder eine neue beste Freundin geschenkt, denn:

„Geschwister sind ein lebendiges Familienarchiv. Über alte Zeiten zu plaudern, kann sehr schön sein.“

Bettina Brockmann

Weitere Verwandte Artikel

Wenn Menschen aufeinandertreffen, können Konflikte entstehen. Und besonders in Familien gehört Streiten zum Alltag. Warum das gut ist und wie richtiges Streiten funktioniert, erfahren Sie hier.

Warum Streiten und Konflikte wichtig sind

Wo Menschen zusammenleben, prallen verschiedene Ansichten und Bedürfnisse aufeinander. Diese werden in regelmäßigen Streits ausdiskutiert. Und das ist auch gut so, denn nur so kann man sich z. B. als Familie weiterentwickeln. Nur so lernt man die hintergründigen Bedürfnisse der anderen kennen oder kann identifizieren, was gerade nicht gut läuft. Wenn jeder Konflikt heruntergeschluckt werden würde, wäre kein ehrliches Zusammenleben möglich. Und früher oder später würde der große Bruch folgen. Das heißt, solange Streits eine produktive Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen Einzelner nach sich zieht, sind sie gut für das Zusammenleben. Das setzt natürlich eine gesunde Streitkultur voraus. Aber wie sieht die aus?

Wie Familien mit Konflikten umgehen sollten

Ursachen erforschen

Sucht jemand in der Familie Streit, ist das meistens ein Zeichen dafür, dass es ihm oder ihr nicht gut geht oder er bzw. sie sich nicht gerecht behandelt fühlt. Vielleicht fehlt ihm oder ihr Wertschätzung. Vielleicht wurden Erwartungen nicht erfüllt. Vielleicht fühlt er oder sie sich nicht gesehen. Vielleicht fühlt er oder sie sich durch irgendetwas verletzt. Es ist also wichtig, einen Streit und seine Ursachen zu hinterfragen: Warum streiten wir gerade? Worum geht es wirklich?

Mit Spaß zum Lernerfolg – So geht’s 30 Tage kostenlos testen

Verletzungen vermeiden

Oberstes Gebot beim richtigen Streiten ist: Niemals verletzend werden! Beleidigungen und Respektlosigkeiten helfen nicht dabei, eine Lösung zu finden. Und im schlimmsten Fall ziehen sie noch Jahre später Folgen nach sich. Natürlich ist es im Eifer des Gefechts manchmal verlockend, Schimpfwörter herauszuholen oder bei eigener Verletzung die andere Person ebenfalls zu kränken. Hier sollte man sich fragen, was man damit bezwecken möchte. Oder ob es vielleicht gerade wichtiger ist, eine Lösung für den Konflikt zu finden.

Gutes fokussieren

Ja, wenn man unendlich böse auf jemanden ist, ist es schwer, in diesem Moment das Gute zu sehen. Aber natürlich findet man an dem bzw. der Anderen nicht alles schlecht. So kann es helfen, sein eigenes Gemüt zu beruhigen, indem man sich vor Augen führt, was man an der anderen Person mag.

Perspektive wechseln und eigenes Verhalten reflektieren

Zu einem Streit gehören immer mindestens zwei Menschen. Das heißt, es gibt auch zwei Perspektiven auf eine Situation. Um einen Streit etwas zu beruhigen oder die Ursachen zu erforschen, kann es hilfreich sein, die Perspektive des Gegenübers einzunehmen. Wie fühlt er oder sie sich gerade? Wie würde ich mich an seiner bzw. ihrer Stelle fühlen? Gleichzeitig sollte man sein eigenes Verhalten reflektieren: War ich immer fair? Habe ich mich richtig verhalten? Und warum trifft mich das gerade so? Und warum reagiere ich so stark?

Konflikt lösen

Und wenn man die Perspektive des Gegenübers etwas versteht, sein eigenes Verhalten und die eigenen Bedürfnisse reflektiert hat, kann ein ehrliches Gespräch folgen. Hier sollten sich alle gegenseitig zuhören und Lösungsvorschläge machen, die möglichst alle einbeziehen. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann ein Konflikt zufriedenstellend gelöst werden.

Entschuldigen und versöhnen

Nun sind alle erschöpft. Denn Streiten ist anstrengend. Wichtig ist, dass nicht nur der Konflikt gelöst wird, sondern dass man sich auch entschuldigt. Jeder bzw. jede ist im Streit einmal unfair. Wichtig ist, dass es erkannt und entschuldigt wird. Hier kann für Familien ein Versöhnungsritual helfen, um den Streit richtig zu begraben. Das ist besonders für Kinder enorm wichtig. Wie wäre es mit einem gemeinsamen heißen Kakao mit Sahne und eine Umarmung?

Wie Eltern Kindern beim Lösen von Konflikten helfen können

Nicht nur in der Familie gibt es Konflikte und daraus resultierende Streits, sondern auch im Freundeskreis und in der Schule. Wie können Eltern ihren Kindern hier helfen, die Konflikte zu lösen? Kinder lernen am Modell. Das heißt, die Streitkultur, die in der Familie vorherrscht, werden sie in anderen Kontexten anwenden. Somit sollten Eltern immer mit gutem Vorbild vorausgehen.

Bei der Ursachenforschung unterstützen

Es gab einen Streit im Freundeskreis des Kindes? Dann sollten Eltern ihrem Kind helfen, die Ursachen zu erforschen. Wie ist der Streit entstanden? Was können vielleicht im Hintergrund auch ein Problem sein, was nicht offen ausgesprochen wurde? Hier brauchen Kinder je nach Alter noch Orientierungshilfe.

Perspektive wechseln und Verhalten reflektieren

Auch das Reflektieren des eigenen Verhaltens und das Einfühlen in eine andere Person in Konfliktsituationen will gelernt sein. Auch hier können Eltern den Kindern auf die Sprünge helfen und vielleicht unfaires Verhalten aufdecken. Oder auch Tipps geben, wie man bei einem Streit auf die anderen Person zugehen kann.

Entschuldigung planen

Gemeinsam können Eltern und Kind durchsprechen, wie eine Aussprache aussehen und der Konflikt gelöst werden kann. Vielleicht haben die Eltern auch eine schöne Idee, wie eine nette Entschuldigung aussehen kann.

Sie haben weitere Tipps, wie ein Konflikt in der Familie oder auch im Freundeskreis des Kindes gelöst werden kann? Dann freuen wir uns über einen Kommentar von Ihnen.

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

Ständig Streit mit den Kindern – was tun?

Mit den Gedanken woanders

„Das kann man so nicht sagen. Kinder leben im Moment, und Schuhe ausziehen oder Jacke aufhängen sind da einfach lästig“, sagt Diplom-Psychologin Birgit Kollmeyer, die ehemals am Familieninstitut der Universität Freiburg (Schweiz) und nun in ihrer Praxis in Bern Eltern berät. Oft sind sie in Gedanken auch schlicht woanders. Das kleine Mädchen mit ihren schmutzigen Gummistiefeln hat sich vielleicht den ganzen Heimweg über darauf gefreut, endlich mit ihrem neuen Auto spielen zu können. Und der Junge will einfach nur schnell an seinen Schreibtisch, um ein Geschenk für die Oma fertig zu basteln, die später noch zu Besuch kommt.

Konflikte schaukeln sich hoch

Es gibt wahre Klassiker, die in Familien tagtäglich zu schlechter Stimmung führen. Streitthema Nummer eins bei den Kleinen: ihre Unlust, Kleidung oder das Zimmer aufzuräumen. „Sobald Kinder in die Schule gehen, wird das Thema Hausaufgaben virulent“, erklärt Birgit Kollmeyer. Bei pubertierenden Jugendlichen sorgen die Themen Pünktlichkeit und Ausgehen für Dauerdiskussionen. Das Fatale an ständig wiederkehrenden Konflikten: Sie verselbstständigen sich im Familienalltag. „Eltern reagieren immer gereizter auf ­ihre Kinder, auch in Situationen, die mit dem Konflikt nichts zu tun haben“, erklärt die Psychologin. Und das tut weder dem Familien­klima noch der Partnerschaft gut.

Erster Schritt: Regeln aufstellen

Dabei ist es gar nicht so schwierig, Dauerstreit endgültig zu lösen. Der erste Schritt: Regeln aufstellen. „In vielen Familien entzünden sich an den gleichen Dingen immer wieder Konflikte, weil Eltern ihren Kleinen nicht grundsätzlich erklärt haben, was sie von ihnen erwarten“, sagt die Psychologin. Schon mit Dreijährigen lassen sich Abmachungen treffen. Ab dem Vorschulalter sollten Eltern ihre Kinder in die Regelbesprechung mit einbeziehen. Denn wer mitbestimmen darf, ist motivierter, die Abmachungen später auch einzuhalten. Doch was tun bei Krabbelkindern, die gerade entdeckt haben, dass sich die Knöpfe an der Stereoanlage so schön drehen lassen? „Auch sie verstehen es, wenn Mama oder Papa konsequent mit einem ‚Nein‘ reagieren“, erklärt Kollmeyer.

Zweiter Schritt: Konsequent sein

Doch allein die Tatsache, dass ­eine Familie Regeln aufstellt, heißt ja leider nicht, dass die Kleinen sich auch daran halten. Das lernen sie aber, so die Expertin, wenn auf eine Regelmissachtung auch eine Konsequenz folgt. „Eine Konsequenz, die sofort in der Situation passiert und die vor allem logisch ist, also mit der Sache ­direkt etwas zu tun hat.“ Das Mädchen, das seine Jacke auf den Boden hat fallen lassen, darf nicht gleich mit seinem Auto spielen. Es begleitet zum Beispiel erst noch Mama oder Papa, die gerade den Müll nach draußen bringen. Dem Kind für später ein Fernsehverbot anzudrohen wäre­ dagegen überzogen. „Bis zum Abend hat es zudem vergessen, warum es nicht fernsehen darf“, so Kollmeyer.

Vor der Konsequenz ­brauchen Kinder die Chance, die Regel noch erfüllen zu können. Deshalb sollten Eltern ihre Kleinen an die Regel erinnern. Hebt das Kind ­seine Jacke auf, sollten die Eltern das registrieren. Und zwar mit echtem Lob, das ihre Freude ausdrückt. „Verkneifen Sie sich, Kritik in das Lob einfließen zu lassen wie etwa ‚Jetzt ­hast du deine Jacke ja endlich aufgehängt'“, rät Expertin Birgit Kollmeyer. Reagiert das Kind dagegen nicht, sollte eine Konsequenz folgen. Sonst geraten alle schnell in die Endlosschleife an Ermahnungen und Ausflüchten, die zu nichts außer schlechter Stimmung führt. „Kinder registrieren sofort: Vor der fünften Ermahnung passiert sowieso nichts. Das kann ich abwarten“, erklärt die Psychologin. Diskussionen kann man sich also ersparen.

Letzte Maßnahme: Auszeit

Und was tun, wenn selbst Konsequenzen nicht zum Erfolg führen? Dann hilft vielleicht, dem Kind ­eine Auszeit zu geben. Ein Beispiel: Malt ein Dreijähriger statt auf Papier an die Wand, sollten ihn die Eltern zunächst daran erinnern, dass er nur auf Papier malen darf. Tut er das nicht, wäre die logische Konsequenz, ihm die Stifte wegzunehmen und sie ihm nach etwa drei Minuten zurückzugeben. Nun hat er die Chance, sich richtig zu verhalten. „Malt er trotzdem weiter an die Wand, nehmen Sie das Kind aus der Situation heraus und setzen es für ein paar Minuten neben sich auf ein Kissen“, erklärt die Psychologin. Wichtig: Besprechen Sie mit Ihrem Nachwuchs vorher, was die Auszeit bedeutet, sonst läuft sie ins Leere.

Sein Verhalten zu ändern ist schwer. Birgit Kollmeyer emp­fiehlt deshalb, Kinder mit Belohnungen zu motivieren. Etwa mit der Aussicht, gemeinsam einen Kuchen zu backen oder nach dem Einkaufen einen Schlenker zum Spielplatz zu machen. Punktekarten, auf denen Smileys für vorbildliches Verhalten gesammelt werden, haben sich bei Dauerkonflikten bewährt. „Legen Sie gemeinsam fest, wie viele Punkte es braucht, bis es die Belohnung gibt“, sagt Kollmeyer. Das Ziel darf gerade bei Kleinkindern nicht zu hoch sein, sonst verlieren sie den Spaß dabei.

Hilfe für gestresste Eltern

Sie haben eine Frage zu einem Erziehungsproblem? Hier finden Sie kostenlos und anonym Hilfe:

www.bke-elternberatung.de: Das Online-Beratungsangebot der Bundes­­konferenz für Erziehungsberatung, dem Fachverband für Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung, reagiert auf Ihre Anfrage per E-Mail. Außerdem können Sie sich in Foren mit Experten und anderen Eltern austauschen. Auch wenn Sie eine Beratungsstelle in der Nähe Ihres Wohnortes suchen, sind Sie hier richtig: einfach die Postleitzahl in die Suchmaske eingeben, schon bekommen Sie Einrichtungen verschiedener Träger genannt.

0800/1110550: Die „Nummer gegen Kummer“. Das ­bundesweite ­­Elterntelefon, das unter anderem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, erreichen Sie ­montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr. Anruf auch vom Handy aus kostenlos.

Streit nervt, macht müde und fördert die Selbstzweifel

Wenn ich jetzt eine Umfrage starten und euch fragen würde, was euch an euren Kinderlein und am Familienalltag am meisten nervt und stresst, dann wäre wahrscheinlich das Thema „Streit“ ganz weit oben auf der Liste.

(Alle Tipps die du hier liest, kannst du dir auch als kostenloses „Freebie“ zuschicken lassen. Den Link dazu findest du ganz am Ende des Artikels.)

Schon am morgen früh geht das Streiten los:

„Maaamaaaa, sie hat wieder meine Socken genommen.“
„Neeeein, ich war zuerst im Bad!“
„Ich will den blauen Becher, gib mir SOFORT den blauen Becher, sonst schmeiss ich dein Brot auf den Boden!“
„Meine Hoooose, war schon wieder in ihrem Zimmer. Sie nimmt einfach IMMER meine Sachen. Maaaamaaaa!“

Wer nicht schon nach 3,5 Minuten nach dem Aufstehen einen Nervenzusammenbruch bekommt, der hat wirklich Glück gehabt.
Beim Mittagessen gehen die Streitereien dann weiter.
Alle wollen gleichzeitig erzählen, einer schneidet dauernd Grimassen und ärgert den kleinen Bruder, Schwester A schnappt sich die grössere Kartoffel, Schwester B fängt dafür extra laut an zu singen. Bruder A macht sich über die Nase von Bruder B lustig und Mutti steht kurz vor dem Nervenzusammenbruch.

Besonders anstrengend ist es, wenn die Kids krank sind oder am Nachmittag frei haben.
Es vergehen kaum 5 Minuten und schon schreit wieder einer. Der Streit-Level liegt bei 12 von 10 Punkten.
Dabei möchte man doch eigentlich nur Eines:

Ein bisschen Friede und Ruhe – einfach keinen Streit mehr

Wer solche Streitsituationen kennt der weiss: Ruhig zu bleiben ist fast unmöglich. Vor allem dann, wenn man selber schon gestresst, müde oder sorgenvoll ist.
Man fängt dann auch rumzunörgeln, zu brüllen oder zu drohen:

„Könnt ihr eigentlich EINMAL anständig miteinander umgehen?“
„Müsst ihr eigentlich STÄNDIG streiten?“
„Wenn das so weiter geht, dann gehen wir also am Samstag nicht ins Kino.“
„Könnt ihr eigentlich auch noch etwas anderes als streiten?“

Man hat schnell mal das Gefühl:
Nur bei UNS gibt’s so oft Krach
Was mach ich bloss falsch?
Warum vertragen sich nur unsere Kids nicht?
Ich habe versagt.

Bevor ihr euch jetzt unter der Decke verkriecht oder ihr euch bei einer Selbsthilfegruppe anmeldet, lest euch DAS hier mal kurz durch:

Quelle: sueddeutsche.de
Also, soweit schon mal alles in Ordnung, ihr könnt mal beruhigt einen Kaffee trinken gehen… hihi

Streiten ist wichtig und gehört dazu

Genau so wie Freundschaft, gehört auch die Rivalität und das „sich Vergleichen“ zur Natur des Menschen. Durch Konflikte können Kinder lernen, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche auszudrücken, sich gegen andere durchzusetzen oder Kompromisse zu finden.
Das ist nicht ganz einfach und sogar wir Erwachsenen können das oftmals noch gar nicht so richtig…

Es ist also nachvollziehbar, dass Kinder die Meinungsverschiedenheiten haben und sich durchsetzen wollen, das nicht immer auf die harmonischste Art und Weise machen. Denn ganz oft setzen Kinder die Verhaltensmuster ein, die sie bereits kennen, irgendwo abgeschaut und/oder auch schon mehrmals eingesetzt haben.
Bei kleineren Kindern ist das zum Beispiel oft hauen, schubsen, schlagen, beissen. Sie kennen noch nicht viele andere Möglichkeiten um zu argumentieren und sich durchzusetzen.
Ein paar Tipps dazu findet ihr in diesem Artikel:

Wenn Kinder hauen oder beissen – und was man dagegen tun kann

Welches sind denn Gründe für Geschwister-Streit?

Ganz viele Eltern haben das Gefühl, dass es keine Gründe gibt.
„Sie streiten einfach immer. Dauernd. Sie haben eigentlich keinen Grund. Sie haben doch alles, es geht ihnen gut.“
Das ist oft nur die halbe Wahrheit. Wenn Kinder streiten, dann steckt immer etwas dahinter.
Das kann Langeweile sein, Eifersucht, Hunger, Über- oder Unterforderung, fehlende Aufmerksamkeit, Sprachschwierigkeiten usw.

Deshalb ist es immer ganz wichtig, dass man gut beobachtet:

1. Gut beobachten

Hat sich in der Familie etwas verändert?
Ist ein Geschwisterchen auf die Welt gekommen?
Oder wird der kleine Bruder gerade mobil, beginnt zu krabbeln oder zu gehen?
Eine Veränderung im Alltagsablauf?
Ein Konflikt im Kindergarten?
Hat sich ein Ritual verändert?
Gibt es schwierige Zeiten und Situationen?
Kommt das Kind in die Pubertät?
Hat sich vielleicht bei mir, als Mama oder Papa etwas geändert?
Schlafmangel?
Job verloren?

Sich einfach mal ein paar Tage auf die einzelnen, schwierigen Situationen konzentrieren und genau hinschauen und sich ebenfalls fragen:

Was passiert hier eigentlich?
Wie reagiere ich darauf?
Wann greife ich ein?
Könnten die Kinder den Streit vielleicht selber lösen?
Bin ich vielleicht einfach selber sehr gestresst?

Das ist ganz wichtig und hilft das Ganze wieder etwas in einen vernünftigen Zusammenhang zu stellen. Beobachtet auch einmal WIE OFT pro Stunde oder pro Tag die Kids denn Streit haben. Manchmal merkt man auch, dass es ja gar nicht so oft passiert, wie man vielleicht vorher das Gefühl hatte.
Auch eine wichtige Beobachtung. 🙂

2. Alltagsabläufe überprüfen

Ganz oft entstehen Streitereien in ähnlichen Situationen, die vielleicht nicht gut organisiert sind. z.B:

Beim nach Hause kommen

Ganz oft herrscht Chaos im Eingangsbereich:
Zu viele Jacken und Schuhe, zu wenig Platz, zu wenig Stauraum, zu wenig Haken um die Jacken aufzuhängen. Das führt oft zu Unmut und Streit, weil Kind A die Jacke aufhängen will, dabei fällt die Jacke von B runter, dieses schreit dann zetermordio. Kind A will natürlich die Jacke nicht mehr aufhängen und schon hat man den grössten Krach.
Eine Lösung kann hier sein:
Nur noch die Schuhe und Jacken im Eingangsbereich aufzubewahren, die man aktuell braucht.
Also: Eingangsbereich aufräumen, ausmisten, neu organisieren.
z.B auch: Einen Schuhparkplatz machen. Streifen mit Klebeband auf den Boden kleben, die Umrisse der Schuhe auf einen dicken Karton oder ein laminiertes Papier zeichnen.
Haken mit Namen oder Bildern versehen.
Klare Abmachungen treffen, wer wo seine Sachen deponiert.
Dann gibt es viel weniger Diskussionen und Streitpunkte.

Am Tisch/beim Essen

Wer sitzt neben Mama?
Wer darf zuerst von der Schule erzählen?
Wer darf zuerst das Kuchenstück auswählen?

Sehr zentrale und lebenswichtige Fragen, die sich da jeweils stellen.
Wer von euch während den Mahlzeiten ständig wie auf Nadeln sitzt, sich eher wie ein Dompteur vorkommt und kaum essen kann, weil er ständig Streit schlichten muss, dem kann ich folgendes empfehlen.

Eine ruhige, friedliche Essensituation schaffen

Alles was stört (Radio, TV, Tablet) ausschalten und weglegen.
Den Tisch schön decken
Die Sitzordnung überdenken
(Passt das noch so? Müssen wir vielleicht etwas ändern?)
Das Essen gemeinsam beginnen. (Zu Beginn einen kleinen Essens-Spruch aufsagen. „Piep, piep, piep. Wir haben uns alle lieb. Guten Appetit.
„E Guete mitenand, der Tisch kracht abenand.
D Frösche, Känguruh, (verschiedene Tiere), oder: d Spagehtti, d Rüebli (versch. Nahrungsmittel aufzählen), gumpe wit, e Guete Appetit.“

Ein paar Abmachungen treffen

Manchmal kann es hilfreich sein, wenn man mal in einer ruhigen Minute zusammen sitzt und ein paar Abmachungen bespricht.
„Was braucht es, damit das Essen einigermassen friedlich abläuft? Was machen wir, wenn alle gleichzeitig erzählen wollen? Wenn man etwas nicht gerne hat? Wie lange muss man am Tisch sitzen bleiben, wenn man fertig ist?“ usw.

Wenn Kinder einander ständig ins Wort fallen, dann kann man z.B mal versuchen einen kleinen Smiley zu basteln und diesen auf den Tisch zu legen. Wer den Smiley bei sich hat, der darf erzählen, wer fertig ist, der legt ihn wieder in die Mitte des Tisches und das andere Kind ist an der Reihe.
Diskutiert das VORHER und schreibt dann eure Vorschläge auf. Ihr könnt sie auch noch mit Zeichungen, Bildern oder Fotos ergänzen und dann aufhängen.
Vor dem Essen, die Kinder nochmals rasch darauf aufmerksam machen.

Auf die eigenen Anweisungen achten

Essen soll Spass machen, gemütlich und ein Austausch sein. Ganz oft ist es aber so, dass wir Eltern die Kids mit unseren Anweisungen überhäufen.
„Sitz gerade, iss jetzt endlich, nicht kleckern, nimm auch ein bisschen was vom Gemüse, nicht einfach alles runter schlingen, nicht mit vollem Mund sprechen, nimm die Gabel, nicht träumen…“
Achtet euch einmal auf die Menge eurer Anweisungen und schraubt diese deutlich zurück. Wenn Dinge noch nicht so gut funktionieren, dann besprecht das wie in Punkt 2 erklärt, aber textet eure Kinderlein nicht von Anfang bis Ende zu.
Auch wenn noch nicht alles ganz perfekt ist, seid da nicht zu streng.
Ihr werdet sehen: das Essen ist nämlich gleich viel entspannter, wenn man nicht ständig irgend etwas zu kritisieren und zu meckern hat.
Und übrigens: Das „Abzugewöhnen“ ist manchmal gar nicht sooo einfach. 😉

Am Morgen beim Aufstehen

Gerade diese Situation führt bei vielen Familien zu Chaos, Stress und Streit. Auch hier kann es hilfreich sein, wenn man die Abläufe einmal in Ruhe überprüft.

Wer steht wann auf?
Wer braucht wie viel Zeit?
Welche Konflikte gibt es?
Wollen immer alle gleichzeitig ins Bad?
Ganz oft ist es hilfreich, wenn man auch diese Situation mal zusammen anschaut. Auch hier kommt man mit Fragen und Gegenfragen fast immer zum Ziel.

„Wie wollen wir das am Morgen lösen, damit es nicht immer Streit und Diskussionen gibt?“
„Wer braucht wie viel Zeit?“
„Wie lösen wir das organisatorisch?“
Manchmal sind es ganz kleine Dinge, die man anpassen muss und alles läuft viel ruhiger und entspannter ab. Versucht wenn möglich alles zu eliminieren, was zu Stress führt.

Zu Hause beim Spielen

Kaum sind sie im gleichen Raum geht es auch schon los. Beide Kinder wollen natürlich das gleiche Feuerwehr-Auto (welches meistens bis dahin völlig unbeachtet in einer Ecke lag…), kaum hat einer einen tollen Turm gebaut, wird er auch bereits vom anderen umgeschmissen. Manchmal reicht auch schon nur ein Blick, eine Bewegung, ein Husten, Lachen oder eine Geste und ZACK! Brüllalarm, Boxkampf, Schreiattacke.
Am Liebsten würde man sich dann einfach auf eine einsame Insel beamen oder einen Tarnmantel überstreifen:

Einfach nix mehr sehen und nix mehr hören…

Eifersucht als Auslöser für Streitigkeiten

Wenn kleinere Geschwister plötzlich mobil werden und ins „Territorium“ der älteren eindringen, dann ist der grosse Bruder oder die grosse Schwester plötzlich nicht mehr wieder zuerkennen. Kaum hat das Kleine etwas für sich beansprucht, wird das aus den Händen gerissen, es wird geschubst, gehauen, an den Haaren gerissen und man muss ständig auf der Hut sein.
Dieses „unmögliche“ Verhalten des älteren Geschwisters bringt natürlich auch immer viel Aufmerksamkeit der Eltern mit sich.
Ständig muss man schauen, dass nichts passiert, dass diese Attacken nicht überhand nehmen und man ist nur noch am Streit schlichten.
Das ist anstrengend und frustrierend und hat zur Folge, dass wir den Fokus noch mehr auf dieses negative Verhalten legen, noch mehr schimpfen und drohen, die Kinder bestrafen, ständig ins Zimmer stellen und man plötzlich merkt, wie die Beziehung zum Grösseren leidet.
Falls euch das jetzt bekannt vor kommt, dann kann ich euch diesen Artikel sehr ans Herz legen:

„Was ist denn mit unserem Kind los?“ – Wenn das Geschwisterchen plötzlich nervt

3. Erwartungen überdenken

Ganz oft erscheinen gewisse Situationen mit den Kinderlein auch hoffnungslos, weil man selber zu hohe Erwartungen an sich und an den Nachwuchs stellt.
Bis zum Alter von 3-4 Jahren, spielen die meisten Kinder eher alleine oder nebeneinander.
Das heisst die romantische Vorstellung von:
„Oh wie süss, ich habe zwei Kleinkinder und die spielen prima und am besten stundenlang zusammen“ könnt ihr gleich über Bord werfen.
Oder sie zumindest nur als romantische Vorstellung in euer Tagebuch schreiben… 😉

Natürlich gibt es durchaus Geschwister, die auch mal einen Moment zusammen friedlich spielen können, aber das ist eben eher die Ausnahme.
Ausserdem ist das „Geben und Nehmen“ auch eine Art Kontaktaufnahme. Wenn also Kinder sich Spielsachen aus den Händen reissen, heisst das nicht:
Böses Kind, kann nicht spielen, kann nicht teilen, ich habe versagt, muss ich gleich beim Kinderpsychologen anmelden… 😉

Sich Sachen aus den Händen reissen kann auch heissen:
„Hey du! Spiel mit mir!“ oder
„Hallo! Ich will auch mitspielen!“
„Cool, was machst du damit? Ich will das auch, lass mich auch mal.“
Man beobachtet das auch häufig bei Kindern, die sich noch nicht so gut ausdrücken können.

Ganz oft hat es auch mit unseren „Rückmeldungen“ zu tun, wie Kinder untereinander agieren. Meistens warten wir zu lange, bis wir auch mal ein positives Feedback geben.

Das sieht dann im Alltag oft so aus:
Die Kinder spielen ein paar Minütchen friedlich (oder streiten zumindest nicht).
Wir sind schön still, freuen uns vielleicht heimlich. Oder merken es gar nicht recht…
Nach ca. 10 Minuten reisst Kind 1, Kind 2 ein Spielzeug aus der Hand.
Kind 2 weint, wird wütend, haut.
Mama oder Papa rennen zu den Kindern und schimpfen:
a.) Entweder mit Kind 1
b.) Mit Kind 2
c.) Mit beiden Kindern

Also warum nicht mal eine nette Geste, ein lieber Blick oder ein wertschätzender Satz, BEVOR sie sich gleich wieder auf die Rübe geben?…

4. Nicht immer gleich einmischen

Jeder mag es gerne harmonisch. Und deshalb zucken wir auch meistens ganz schnell zusammen, wenn man aus dem Kinderzimmer plötzlich laute Geräusche hört.
Meistens ist die Reaktion immer ähnlich:

  • Zusammenzucken und hoffen dass es gleich wieder ruhig wird
  • Tieeef und laut seufzen und mit den Augen rollen
  • Ins Zimmer gehen und die Türe aufreissen
  • Schimpfen, predigen, drohen:
    „Müsst ihr eigentlich immer, könnt ihr nicht mal, es ist echt zum Verzweifeln, euer Gezankte nervt einfach nur, wenn ihr jetzt nicht, dann…“
  • Nach der Moralpredigt auch noch rasch wegen der Unordnung, den dreckigen Kleidern, den nicht gemachten Hausaufgaben, motzen.

Ganz oft ist es gar nicht nötig, dass wir ständig in diese Auseinandersetzungen eingreifen und versuchen zu schlichten. Vor allem wenn wir es so machen, wie eben beschrieben. Dann ist es eher kontraproduktiv und am Schluss sind meistens beide Kinder auf UNS wütend und der Streit weitet sich eher noch aus.
Also: Die Kinderlein zuerst mal machen lassen, evt. auch zuerst nur kurz Blickkontakt suchen oder fragen:
„Kann ich euch irgendwie helfen? Braucht ihr Hilfe von mir? Könnt ihr das alleine lösen?“

Wenn sie das Problem nicht selber lösen können, dann lernen Kinder am Besten aus solchen Situationen, wenn wir mit ihnen zusammen nach möglichen Lösungen suchen.

Fragen und Gegenfragen stellen können da gut helfen.
„Was genau ist das Problem? Wie kann ich helfen? Was ärgert dich? Wie könntet ihr das Problem jetzt lösen? Was könntet ihr tun?“
Erst wenn gar nix mehr hilft, sie das Problem nicht selber lösen können, es zu laut, zu hässig und zu aggressiv ist, eingreifen und einen Vorschlag machen.
z.B so:

„Ich schlage vor, dass wir hier mal kurz eine Pause machen, das Spielzeug jetzt mal einen Moment wegräumen und es dann nach ein paar Minuten nochmals holen und es nochmals probieren.“
Denkt daran. Das ist ein Prozess, das klappt nicht gleich von heute auf morgen. Das muss man üben und immer wieder probieren und es ist anspruchsvoll und anstrengend.

UND zum Schluss noch etwas ganz Wichtiges:

Nehmt es nicht zu persönlich.

Auch wenn es vielleicht manchmal so aussieht, als ob nur die eigenen Kinder ganz oft streiten.

Streit kommt wirklich in allen Familien vor. 🙂

Bei Dauer-Streitigkeiten kann ich euch auch „DEN WUNSCHTAG“ sehr empfehlen.
Und diese Tipps hier, WIE man in Streitsituationen angemessen reagieren kann.

Auch ein „Ortswechsel“ kann manchmal die Situation etwas beruhigen und einen Streit verhindern.

Und wenn ihr diesen Text gerne als hübsches pdf. in euer E-Mail Postfach geliefert bekommen möchtet, dann meldet euch einfach hier mit eurer Mailadresse rasch an:

Geschwister-Rivalität: Was tun, wenn die Kinder ständig streiten?

Streitende Kinder gibt es in jeder Familie. Denn leider gehören die kleinen und großen Machtkämpfe unter Geschwistern zum Erwachsenwerden dazu. Damit du weißt, wie du richtig auf deine kleinen Streithähne reagieren kannst und damit die Geschwisterrivalität nicht ausartet, beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um das Thema Kinderstreit. Und du wirst sehen, den nächsten Streit meistert ihr alle mit Bravour.

Warum streiten Geschwister?

Die Beziehung zwischen Geschwistern ist von Natur aus zwiespältig: Diese Mischung aus Liebe und Hass entsteht durch die Rivalität zwischen den Kindern einer Familie. Sie sind sich auf der einen Seite ganz nah, da sie zur gleichen Generation gehören und sich gegenüber den Erwachsenen bzw. den Eltern abgrenzen. Aber auf der anderen Seite sind sie auch sehr gegensätzlich, weil sie um die Führungsposition in der Gruppe kämpfen (auch wenn die Gruppe nur aus zwei Kindern besteht). Denn die Beziehung zu den Eltern will verteidigt werden.

Die Rivalität zwischen Geschwistern

Dieser Kampf um die Vorherrschaft findet (glücklicherweise) nicht ständig statt. Es gibt dabei keinen definitiven Gewinner oder Verlierer. Jedes Kind kann abwechselnd die stärkere Position einnehmen oder sogar beide zur selben Zeit in verschiedenen Bereichen: Einer ergattert ein Spielzeug, muss aber beim Essen warten. Der Andere ist beim Sport besser, aber dafür in der Schule nicht so gut usw.
Das erklärt, warum der Streit oft bei jeder Kleinigkeit ausbricht, aber auch genauso schnell wieder verschwindet. Die Geschwister versöhnen sich nach der Machtprobe und haben sich wieder lieb. Wer hat seine Kinder nicht schon lachend zusammen spielen und einen Augenblick später die Fetzen fliegen sehen?

Der Kampf um die Elternliebe

Hinter einem banalen Streit zwischen Brüdern und Schwestern verbirgt sich ein anderer, tieferer Grund für die Auseinandersetzung: Es geht nicht um die Schokolade oder um das Stofftier! In Wirklichkeit streiten sich die Kinder um die Liebe von Mama und Papa.
Sobald ein Bruder oder eine Schwester auftaucht, sobald die reine Mama-Baby-Beziehung ins Wanken kommt, möchte das ältere Kind die Liebe seiner Eltern, besonders von seiner Mama, verteidigen. Dafür wird der „Andere“, der „Eindringling“, also der Bruder oder die Schwester, aus dem Weg geräumt. Diese grundlegende Eifersucht ist unvermeidlich und vielleicht sogar unverzichtbar, kann bei den Streitereien zum Teil aber auch gewaltsam zum Vorschein kommen.

Die Selbstbestätigung im Streit

Auch wenn die Eifersucht oft die Ursache für eine direkte Konfrontation zwischen Bruder und Schwester ist, hat der Streit auch noch eine andere Funktion: Er ermöglicht jedem Kind seine Identität in Bezug auf den Bruder oder die Schwester zu finden. Ganz nach dem Motto: Wenn ich schreie und mich beschwere, wenn ich viele Schimpfwörter benutze, wenn ich meinen Wunsch oder meine Wut ausdrücke, dann werde ich von meiner Familie wahrgenommen. Ich existiere.
Außerdem lernen die Kinder beim Streit ihre eigenen Grenzen und die der anderen kennen. Sie werden also mit der Existenz der anderen Kinder konfrontiert und lernen, dass man Schimpfwörter oder Schläge austeilen kann, aber auch einstecken muss.

3 Strategien, um das Selbstbewusstsein deiner Kinder zu steigern

Dein Browser kann dieses Video nicht abspielen.

Wann müssen Mama und Papa eingreifen?

Lasst die Kinder zanken, aber behaltet die Szene nebenbei im Auge und spitzt die Ohren. Am besten mischt man sich gar nicht ein und vermeidet damit, unbeabsichtigt Partei für eine Seite zu ergreifen! Das würde für die Kinder nämlich bedeuten, dass Mama oder Papa jemanden bevorzugen. Allerdings darf der Streit auch nicht eskalieren und brutal werden.

Der Streit eskaliert

Wenn du in den Streit deiner Kinder eingreifst, sollte der Grund dafür deutlich sein: Nämlich dass du die körperliche oder verbale Gewalt nicht akzeptierst. Mach deutlich, dass es okay ist, verschiedene Meinungen zu haben und dass man sich darüber auch streiten darf. Gewalt darf dabei aber nie zum Einsatz kommen.
Dabei liegt es ganz an dir, wie viel Aggressivität du tolerierst. Mach deinen Kindern deutlich, wo genau die Grenze liegt. Auch Kleinkinder müssen wissen, wann sie diese Grenze überschreiten. Deshalb sollten Mama und Papa darauf reagieren und es nicht darauf beruhen lassen, dass das Kind ja noch zu klein ist, um das zu verstehen.

Muss ich laut werden?

Laut werden, so sehr der Impuls in einem aufkeimt, ist nie eine gute Methode, um die Kinder zu erreichen. Viel besser ist es, erst einmal wieder Ruhe einkehren zu lassen und anschließend mit ihnen über den Streit oder auch das Thema allgemein zu sprechen. Dafür müssen Kinder allerdings alt genug sein. Ab 5 bis 6 Jahren ist es möglich.
Erkläre ihnen, dass es auch beim Streiten darum geht, den gegenseitigen Respekt zu wahren. Wenn man sich nicht an diese Grundregeln hält, dann wird der Alltag unerträglich. Gib ihnen Beispiele für das bessere Verständnis an die Hand: Was würde passieren, wenn sich alle bei der geringsten Gelegenheit beleidigen oder bekämpfen würden? Was würde passieren, wenn jeder machen würde, was er will? Stell dabei die Welt schön anschaulich auf den Kopf: Was würdet ihr davon halten, wenn sich eure Lehrer ständig streiten würden?

Regeln zum Streiten festlegen

Was Eltern immer im Hinterkopf behalten sollten: Zu einem Streit gehören immer mindestens zwei. Das bedeutet, dass in der Regel beide in sehr ähnlichem Maß am Umfang des Streits beteiligt sind. Für mögliche Strafen oder Konsequenzen sollte das bedacht werden.
Legt also ganz offen Regeln für faires Streiten fest: Ja, ihr dürft streiten. Ja, ich verstehe, dass ihr wütend, verärgert etc. seid.

Keine Schimpfwörter, keine Schläge

Aber, auch beim Streiten gilt: Keine Beleidigungen, keine Schimpfwörter und keine Schläge. Am besten machen Eltern auch unmittelbar klar, was es bedeutet, diese Regel zu missachten. Beispielsweise, dass man den Kindern den Streitgegenstand wegnimmt oder sie für eine gewisse Zeit räumlich voneinander trennt.
Wichtig ist, wie immer wenn Eltern Regeln aufstellen, dass sie sich natürlich auch selber daran halten, denn sonst verlieren Mama und Papa sehr viel Glaubwürdigkeit. Außerdem würden die Kinder nicht begreifen, warum die Eltern nicht machen, was sie eben noch gesagt haben. Und es beunruhigt Kinder, wenn sie merken, dass die Eltern unsicher und vage reagieren, denn sie verlieren damit einen wichtigen Orientierungspunkt. Eltern könnten also sogar verschlimmern, was sie eigentlich verhindern wollten!

Mit Kindern sprechen

Ein Gespräch ist wichtig, damit jeder erzählen kann, was er auf dem Herzen hat. Wenn du merkst, dass der Streit zu einem handfesten Konflikt wird, dann fang ein Gespräch an, bei dem jeder der Reihe nach zu Wort kommt, bevor der Streit wieder entflammt.

Frag jeden nach seiner Meinung und ermutige die Kinder zum Dialog. Nimm dir die Zeit dazu, die Diskussion da wieder aufzunehmen, wo vorher nur Lärm und Geschrei zu hören war. Die Kinder (und die Eltern) lernen mit einem klärenden Gespräch, dass man Konflikte auch ohne Brutalität lösen kann.

Gibt es Probleme in der Familie?

Hast du das Gefühl, dass deine Kinder permanent streiten und du dich völlig überfordert fühlst? Dann versuch dich einfach mal selbst zu analysieren: Wie verhältst du dich im Alltag? Schreist du oft? Streitest du dich oft mit deinem Partner vor den Kindern?
Kinder schauen sich das Sozialverhalten der Eltern ab. Wenn ihnen mit viel Gebrüll und Schreierei entgegnet wird, werden sie es ähnlich halten und auch oft schreien. Doch es ist wichtig, dass Kinder lernen, dass eben nicht die Lautstärke entscheidend in einer Diskussion, in einem Streit oder einer Auseinandersetzung ist.

Den Familienalltag organisieren

Es ist im stressigen Alltag nicht immer möglich, gemeinsam Dinge zu erleben. Aber genau diese gemeinsamen Erlebnisse sind wichtig für das Familiengefühl. Versuche also ab und zu ein Freizeitprogramm für die ganze Familie zu organisieren. Alles ist erlaubt, also lass deiner Fantasie freien Lauf!

Gemeinsam gegen die Langeweile

Macht zusammen Sport, verbringt einen Tag im Schwimmbad, lasst einen Drachen steigen, macht eine Fahrradtour, eine Wanderung oder besucht ein Museum – egal was ihr macht, Hauptsache ihr macht es zusammen. Und lasst euch in der gemeinsamen Zeit nicht vom Handy, Anrufen oder sonstigen Dingen ablenken. Seid einfach nur da.
Um eine „bessere“ Struktur in den Familienalltag zu bekommen oder einfach auch nur, um zerstrittene Geschwister gemeinsam an einen Tisch zu holen, führt ihr vielleicht eine Art ‚Diskussionsrunde‘ ein. Jeder darf zu Wort kommen, Dinge vorschlagen, Dinge kritisieren, offen über alles sprechen. So lassen sich Konflikte häufig im Keim ersticken.
Ganz wichtig: Häufig ist Langeweile der eigentliche Grund für einen Streit unter Geschwistern (man weiß nicht, was man machen soll, also provoziert man sein Geschwisterchen). Wenn ihr also die Langeweile in Verdacht habt, Schuld am Streit der Kinder zu sein, lenkt die Streithähne ab und versucht, sie in ein gemeinsames Spiel zu ziehen. Lego, eine Runde Mau-Mau oder was die Kinder sonst so gerne spielen kann wahre Wunder im Streit zwischen Geschwistern bewirken.

Nur für ein Kind da sein

Den ständigen Konkurrenzkampf zwischen den Geschwistern kann man mit ganz einfachen Mitteln abschwächen. Nämlich indem man abwechselnd einem der beiden Kinder einen Tag oder ein paar Stunden alleine ’schenkt‘. Und während beispielsweise Mama mit dem älteren Geschwisterkind ins Kino oder eine Runde schwimmen geht, kann das jüngere Kind Papa ganz alleine für sich in Beschlag nehmen. Wenn das aus zeitlichen Gründen nicht geht, dann wechseln sich die Geschwister natürlich mit ihrem exklusiven Tag ab. Jedes Kind bekommt die Möglichkeit Mama oder Papa mal nur für sich zu haben.
Achtung vor der kleinen Eifersuchtsfalle: Vermeide am besten, zwischen den einzelnen Unternehmungen zu viel Zeit vergehen zu lassen. Eines der Kinder könnte sich sonst benachteiligt sehen. Ist die Wartezeit auf den Tag mit Mama oder Papa zu lang, riskiert man, dass die Rivalität wieder aufkeimt und ein neuer Streit entsteht.

Streiten gehört zum Erwachsenwerden dazu

Streit ist unvermeidbar und gehört zum Leben dazu. Versuch also nicht auf Teufel komm raus jeden Streit zu verhindern: Damit verlierst vor allem du nur unnötig viel Zeit und Energie. Kinder brauchen diese Konflikte, um Erwachsen zu werden. Es hilft nichts, als zu akzeptieren, dass dazu auch eine Portion Streit gehört – solange dieser nicht (zu sehr) ausartet.
Denk immer daran: Was sich neckt, das liebt sich!

Auch auf gofeminin.de:

Achtung Eltern! Diese Dinge werden euch eure Kinder nie verzeihen

DAS ist der Grund, warum Kinder sich bei Mama schlechter benehmen

5 unrealistische Erwartungen an unsere Kinder, die wir sofort aus unseren Köpfen verbannen sollten

Konflikte unter Kindern begleiten

Konflikte sind ein Teil der menschlichen Kommunikation und Interaktion. Sie entstehen überall dort, wo Menschen aufeinander treffen und sind ein wichtiger Teil des sozialen Miteinanders. Bei Kindern passieren sie oft blitzschnell und manchmal ist der Grund des Konfliktes auf den ersten Blick nicht sicht- und erklärbar.
Daher ist es sehr schwierig für Eltern in der Situation bzw. schon vorher passend zu reagieren. Soll man eingreifen oder doch noch abwarten?
Hinter fliegenden Bausteinen, lautem Schreien oder Gerangel kann ein Ringen um Zuneigung, Zugehörigkeit, Rivalität oder Freundschaft, um Macht und Einfluss, Verteidigung von Regeln und Werten, stecken.
Die anfangs scheinbar schwierige Lösung des Konfliktes, stellt sich oftmals sehr einfach dar, wenn man die Kinder ihre Probleme auch selbständig lösen lässt.
Und dabei entwickeln Kinder, ihrem Alter entsprechend, die unterschiedlichsten Strategien um einen Konflikt zu regeln. Vor allem jüngere Kinder (bis etwa 10 Jahre) beenden Konflikte, indem sie einfach „aufhören“, sich entschuldigen, sich für einige Zeit aus dem Weg gehen, einfach mal nachgeben oder die Sache „fair“ ausstreiten.
Bei Kindern unter drei Jahren kann man nicht davon ausgehen, dass sie bereits über alle Voraussetzungen verfügen, einen Konflikt zu begreifen und damit umgehen können. Es fehlen ihnen ausreichende sprachliche Möglichkeiten sich ausdrücken zu können. Kinder dieser Alternsgruppen verstehen noch nicht, was das Gegenüber von ihnen will. Sie reagieren wütend oder zornig, wenn ihre Interessen übergangen werden. Sie beobachten viel und verlassen oft ratlos den Ort des Geschehens. In diesem Alter verständigen Kinder sich noch sehr oft nonverbal (z. B. um in Kontakt zu gehen, kann es schon mal passieren, dass die Schaufel dem anderen Kind auf den Kopf geworfen wird). Sie kennen zwar schon ihre eigenen Interessen, gehen aber davon aus, dass ihr Gegenüber die gleichen Interessen hat wie sie selbst. Läuft es nicht so, wie sie sich das vorgestellt haben, reagieren sie mit Wut, Entsetzen oder Verzweiflung, noch sehr unkoordiniert und in der Kraftdosierung ungeschickt (hauen, stoßen und reißen).

Die häufigsten Anlässe für Konflikte unter Kleinkindern sind:

  • Aushandeln um Sachen (meins oder deins)
    Kinder müssen oft erst lernen „Mein“ und „Dein“ zu unterscheiden. Sie meinen oft: Womit sie spielen, gehört ihnen. Was andere haben, sollte auch ihnen gehören. Eigentum wird vehement verteidigt.
  • Eroberung des eigenen Reviers
    Der eigene Bereich wird verteidigt oder es wird versucht das Gebiet des anderen zu erobern.
  • um Aufmerksamkeit und Anerkennung von Erwachsenen oder Spielpartnern und Freunden zu erlangen
  • aufgestauter Ärger wird am nächst Besten ausgelassen, meist weil das Kind auf sich selbst, auf andere oder auf etwas sauer ist
  • sich selbst groß und stark fühlen
    Besonders, wenn es um Streit zwischen größeren und kleineren Kindern geht, kommt es oft vor, dass sich das „Größere“ durch den Streit „aufbaut“ – auf Kosten des Kleineren
  • um Regeln einbringen zu können (das darfst du nicht, du musst aber…), eigene (Spiel-)Ideen oder Erklärungen vorzuschlagen und mit anderen Kindern abzugleichen oder um deren Bedeutung zu ringen
  • Rollen und Rechte aushandeln, seine Positionen suchen, Rangfolgen bestimmen (…da sitze ich…)
  • aus Versehen, Langeweile oder mit Absicht Konflikte provozieren (…wir haben doch nur Spaß gemacht…; …endlich ist was los…)

Auch unter Schulkindern und Jugendlichen sind die oben angeführten Anlässe oft Auslöser für Streitigkeiten und Konflikte untereinander. Vor allem seinen Stand in der Gruppe zu erproben, eigene Argumente vorzubringen und zu überzeugen, Recht haben zu wollen, können vorherrschend sein. Nicht immer aber liegen die Ursachen, die zum Konflikt führen, klar auf der Hand. Da führen schon Kleinigkeiten zu einem Wutausbruch und zu Streit. Bei Jugendlichen liegt das Problem nicht immer beim Anderen, sondern in der eigenen Gefühlswelt, welche in dieser Entwicklungsphase immer wieder ins Durcheinander gerät.

Reaktionen der Eltern bei KonfliktenElternbildung

Wenn Kinder einen Erwachsenen zur Hilfe holen, ist dies ein Versuch einen Schuldigen auszumachen. Versuche der Eltern hier einzugreifen sind meist zum Scheitern verurteilt, weil sich zwei Kinder immer gegenseitig beschuldigen werden und Eltern sich kein Bild machen können, wenn sie die Situation nicht selbst gesehen haben und selbst dann kann der Schein trügen und sich hinter dem Konflikt etwas ganz anderes verbergen.
In solchen Konflikten brauchen Kinder meist vom Erwachsenen vorerst einmal Trost und Verständnis für ihre aufgebrachten Gefühle. Wenn sie älter sind (ca. ab dem vierten Lebensjahr) ist es wichtig, mit Ihnen über die erfahrenen Situationen und über ihre Empfindungen zu reden bzw. sie reden zu lassen. Die Beschreibung einer erlebten Situation gibt ihnen die Möglichkeit Sprache zur Konfliktregelung einzusetzen, zu reflektieren und die Ansichten anderer sowie vorhandene Regeln zu durchschauen.
Erwachsene sehen sich allzu schnell aufgefordert in Konflikte unter Kindern einzugreifen in dem sie vorschnell Lösungsvorschläge machen ohne auf die Inhalte einzugehen, die Kinder in ihren Konflikten verhandeln. Sie agieren dabei oft als Polizisten (durch tatkräftiges Einschreiten wie z. B. Kinder trennen oder das umstrittene Spielzeug einfach wegzunehmen), als Beschützer (der scheinbar Schwächere wird in Schutz genommen), als Anwälte, Schiedsrichter, Streitschlichter, Vermittler und als z. B. Beschwichtiger.
Aufforderungen wie:“…entschuldige dich halt beim Anderen…“, „…lass ihn oder sie doch mitspielen“…,“…teilt euch doch die Puppenküche…“ würgen die verhandelten Themen ab und stoßen bei Kindern eher auf Unverständnis und Widerstand. Solche Vorschläge verlangen von Kindern Abstand zu nehmen von ihren Interessen und lassen den Sinn ihrer Auseinandersetzung hinfällig werden. Kinder fühlen sich dann oft missverstanden. Es ermöglicht ihnen nicht sich mit dem Inhalt des Konfliktes auseinanderzusetzen und gemeinsam Lösungen zu finden und auszuprobieren.
Erwachsene, welchen die Konflikte zwischen Kindern völlig egal sind, nach dem Motto, „Kinder streiten eben aber sie können das schon selber lösen, man soll sich nur nicht einmischen“, sind nicht immer hilfreich, vor allem wenn Konflikte Kinder überfordern und sie zur Lösung dieser allein noch nicht oder nicht mehr fähig sind.
Die Kunst, das eine vom anderen zu unterscheiden, ist nicht immer leicht!
Beobachten und eventuell nachfragen kann Abklärung schaffen.

Unterstützung bei Konflikten unter KindernElternbildung

Hinter jedem Konflikt steht ein Problem das zu lösen ist. Eltern können den Kindern helfen, Problemlösungsverhalten zu lernen und somit die Konfliktfähigkeit des Kindes zu entwickeln.

Die konkrete Situation kann unterschiedliche Gefährlichkeitsstufen haben und die Kinder haben unterschiedliche Fähigkeiten, mit einer Konfliktsituation umzugehen. Auf Grund dieser Tatsache ist ersichtlich, dass es kein Patentrezept für den Umgang mit Konflikten gibt. Eltern sollten beobachten, welche Unterstützung für die Kinder wirklich notwendig und hilfreich ist.
In gefährlichen Streitsituationen müssen Eltern oft schnell wie ein Polizist eingreifen und die streitenden Kinder trennen.
In anderen Situationen reicht es, wenn die Eltern als stille Beobachter mithören, wie die Kinder selbst eine Lösung finden.
Eltern können auch bewusst in die Vermittlerrolle gehen, wenn sie merken, dass die Kinder mit einer Konfliktsituation alleine nicht zurecht kommen, oder diese immer wieder auf unfaire Art vom „Stärkeren“ entschieden wird.
Wenn Eltern in Auseinandersetzungen von Kindern eingreifen müssen, geht es nicht darum, einfach Ruhe zu schaffen, sondern die Kinder, wenn erforderlich zu schützen und in ihrer Konfliktfähigkeit zu fördern.

Ein paar Möglichkeiten Kinder praktisch bei der Entwicklung der Konfliktfähigkeit zu unterstützen:Elternbildung

  • Je jünger die Kinder sind und sich sprachlich noch nicht so gut ausdrücken können, umso wichtiger ist ihnen eine Sprache zu geben und vorhandene Probleme beim Namen zu nennen (Wenn ich euch so zuhöre, merke ich, dass es wirklich nicht so einfach ist einen Zoo und einen Bauernhof zu bauen, wenn nur eine Kuh und ein Pferd da sind. Das ist wirklich ein kniffliges Problem, das zu lösen ist).
  • Streit ernst nehmen und aufgreifen (Ich glaube es gibt da ein Problem, denn ihr streitet miteinander und habt aufgehört zu spielen.) Kinder in ihren aufgebrachten Gefühlen einmal annehmen und unterstützen bzw. trösten.
  • Jedem Kind zuhören (Mich würde interessieren, wie du das siehst…und dann der andere). Hören Sie sich dabei immer alle Seiten an.
  • Ergreifen sie nicht Partei, sondern teilen Sie den Kindern mit, dass Sie versuchen zu verstehen, worum es ihnen geht.
  • Wenn Sie von Kindern zur Hilfe gebeten werden, erkundigen Sie sich vorerst, was die Kinder von Ihnen erwarten, was Sie tun sollen, wie sie helfen könnten.
  • Überlegen Sie gemeinsam mit den Kindern, welche Alternativen es gibt. Fragen Sie die Kinder, was sie schon ausprobiert haben und welche Ideen sie haben, wie das Problem gelöst werden könnte. Wenn die Kinder selbst noch keine Lösung finden, können 3 bis 4 Lösungen von den Eltern vorgeschlagen werden. Vor allem bei Jugendlichen, sollte man aber mit Vorschlägen abwarten und die eignen Lösungen eher anregen z. B. indem man sie aufmerksam macht, wo es denn schon mal gut geklappt hat etc.
  • Gemeinsam die momentan beste Lösung auswählen und die Umsetzung besprechen. Auch hier sollte man die betroffenen Kinder fragen, ob sie mit dieser Lösung einverstanden sind.
  • Sich freuen, wenn es geklappt hat und die Kinder bestärken, dass sie Probleme lösen können.
  • Bewährt sich die Lösung nicht, sollte man sich nochmals zusammensetzen und weiter überlegen, welche Möglichkeiten es noch gibt. Oft entlasten diese Gedankenpausen schon die Situation.
  • Vorbildwirkung: Eltern sind Vorbilder ihrer Kinder. Wie gehen sie selber mit Konflikten um? Werden diese angesprochen oder „totgeschwiegen“? Welche Streitkultur haben wir innerhalb der Familie? Wieviel Raum gibt es zur Konfliktbewältigung? Wie wichtig nehmen wir selbst unsere Bedürfnisse und Wünsche? Was können sich unsere Kinder zu diesem Thema von uns abschauen?
  • Streiten will gelernt sein. Eltern sollten und können nicht jeden Streit verhindern. Ein Kind, das nicht streitet, lernt nicht, sich durchzusetzen und nach fairen Regeln zu handeln. Streit und Wettstreit sind Elemente der Entwicklung. Sie dienen dazu, die eigenen Kräfte und Möglichkeiten einzuschätzen.

Diese Vorgangsweisen sind in einfacher Form schon bei Kleinkindern möglich, müssen aber nicht immer gemacht werden. Langfristig helfen sie jedoch den Kindern in der Entwicklung von Eigenständigkeit und Konfliktfähigkeit und entlasten so auch die Eltern.

Kinder sollen lernen, Konflikte auszutragen, sich durchzusetzen und nachzugeben. Konflikte gehören zum Alltag und sind eine Möglichkeit, die eigenen Grenzen und die Grenzen anderer kennen und respektieren zu lernen.

Wenn Konflikte zu unbewältigbaren Problemen werden (Schlagwort Mobbing)Elternbildung

Der Unterschied vom Konflikt zum Mobbing besteht darin, dass es sich nicht mehr um ein einzelnes, vorübergehendes Problem zwischen zwei gleich starken Kindern, welche miteinander streiten oder raufen handelt. Sondern wenn negative, andere schädigende, abwertende, beschämende, erniedrigende Handlungen über einen längeren Zeitraum, ganz systematisch gegen eine bestimmte Person und immer und immer wieder, bei jeder sich bietenden Gelegenheit getätigt werden.
Das Ziel von Mobbing ist die soziale Ausgrenzung und die Erhöhung (des Täters) durch Erniedrigung (des Opfers).

Was können und sollen Eltern tun, wenn ihr Kind betroffen ist?Elternbildung

In einem solchen Fall ist einem Kind nicht mehr gedient, auf seine Fähigkeiten zur vertrauen, dass es diese Situation alleine in den Griff bekommen wird. Kinder gehören hier in ihrem Selbstvertrauen gestärkt. Sie müssen ernst genommen und gehört werden. Auch wenn die Erzählungen des Kindes in diesem Fall Eltern ängstigen, wütend oder hilflos machen, ist es wichtig, soweit als möglich trotzdem Ruhe zu bewahren und als Erwachsene/r Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln.
Im Weiteren sollten folgende Hinweise der Mobbing- & Gewaltpräventionsstelle OÖ (Was tun bei Mobbing in der Schule? Informationen für Eltern 2014) berücksichtigt werden:

  • Handeln Sie mit und nicht statt Ihrem Kind
  • Bieten Sie Unterstützung an und organisieren Sie diese (z. B. Beratung einholen)
  • Werden Sie aktiv und kontaktieren Sie die Schule (wenn z. B. dort das Mobbing stattfindet)
  • Suchen Sie das Gespräch mit dem/der Klassenlehrer/in und bitten Sie um Unterstützung. Seien Sie beharrlich und bestehen Sie darauf, dass Ihr Kind vor Übergriffen beschützt und das Mobbing gestoppt wird. Nur gemeinsam können Sie etwas gegen Mobbing erreichen.
  • Falls der/die Klassenlehrer/in nicht reagiert, suchen Sie das Gespräch mit der Direktion
  • Führen Sie Gespräche in der Schule ohne ihr Kind
  • Vermeiden Sie, die Schuld bei ihrem Kind zu suchen
  • Vermeiden Sie, persönlich mit den Tätern zu sprechen
  • Vermeiden Sie, mit den Eltern der Täter zu sprechen
  • Sichern Sie Beweise
  • Machen Sie Mobbing zum Thema
  • Nehmen Sie für sich und für Ihr Kind professionelle Hilfe in Anspruch (z. B. in den Mobbing- und Gewaltpräventionsstellen der jeweiligen Bundesländer oder in verschiedenen Familienberatungsstellen Ihres Wohnortes)

Mobbing entsteht dort, wo es entstehen und geschehen darf!

Streit unter Geschwistern – was tun?

Streit unter Geschwistern von vornherein vermeiden

Es muss gar nicht immer so weit kommen, dass zwischen Geschwistern die Fetzen fliegen. Eltern können einiges tun, um Streit vorzubeugen. Dr. Johanna Graf hat uns einige Tipps zusammengestellt:

  • Vereinbaren Sie mit jedem Kind verlässliche Zweierzeit mit Mama oder Papa, in der es bestimmen darf und das Gefühl bedingungsloser und ungeteilter Liebe erleben kann.

  • Geben Sie nicht jedem Kind das gleiche, etwa um „gerecht“ zu sein, sondern jedem das, was es gerade braucht.

  • Formulieren Sie „Beschwerden“ in Bedürfnisse um und erwidern Sie beispielsweise auf „Er hat aber mehr Pfannkuchen bekommen!“ „Du hast noch Hunger. Magst du noch …?“

  • Schaffen Sie geschützte Räume und günstige Bedingungen. Halten Sie zum Beispiel vom begehrtesten Spielzeug möglichst tatsächlich für jedes Kind ein Exemplar bereit.

  • Coachen Sie rechtzeitig und bringen Sie Konfliktlösekompetenzen bei, wenn die Kinder noch klein sind. Einige Beispiele:

  • „Frag ihn, ob du das mal ausleihen darfst.“

  • „Wenn du das auch mal haben möchtest, was kannst du jetzt machen?“

  • „Sag ihm, dass du das wieder zurückhaben möchtest.“

  • „Biete etwas zum Tausch an. Was könnte ihm gefallen?“

  • „Ihr wollt beide mit dieser Puppe spielen, wie könnten wir das hinkriegen?“

  • „Du kannst vorschlagen, dass ihr euch abwechselt. Oder holst du eine zweite Puppe?“

  • „Sag deiner Schwester mit Worten – ganz genau – was dich geärgert hat.“

  • Vermeiden Sie Vergleiche – sie stacheln die Geschwisterrivalität an. Sagen Sie stattdessen jedem Kind einzeln, was Sie an ihm schätzen oder formulieren Sie konkret, was Sie in diesem Moment für ein Verhalten erwarten (positiv formulierte Aufforderung).

  • Seien Sie ein Vorbild. Kinder bekommen durchaus mit, wie die Eltern ihre Konflikte miteinander austragen, wie sie sich streiten und wie sie sich wieder versöhnen.

Kinder sollten doch aber wissen, dass sie anderen nicht wehtun dürfen.

Natürlich gibt es Momente, in denen Erwachsene streitende Kinder auch einmal trennen müssen. Wenn die Gefühle hochgehen, nützt Reden kaum. Wichtig ist, was danach passiert: Wenn man die Situation später mit den Kindern bespricht, stellt sich vielleicht heraus, dass der Junge seinem Bruder gar nicht wehtun wollte. Dann könnte man ihn fragen, ob er ihm das nicht sagen möchte. Das ist viel echter, als eine Entschuldigung zu fordern, ohne zu wissen, was eigentlich vorgefallen ist. Die Rolle der Erwachsenen ist die eines Anwaltes für alle Beteiligten, nicht die eines Richters.

Kinder treten bisweilen nicht nur einander ans Schienbein, sondern auch ihre Eltern. Die Bitte, aufzuhören, trägt da nicht immer Früchte.

Wenn Sie selbst betroffen sind, müssen Sie sofort und unmissverständlich Grenzen setzen. Sie vermitteln damit letztlich auch Ihrem Kind, dass man Nein sagen muss und darf, wenn einem etwas zu weit geht. Man kann Kindern aber selbst in dieser Situation vermitteln, dass ihre Wut gesehen und ernst genommen wird. Manchmal reicht es schon, wenn sie erklären dürfen, was sie so geärgert hat und man sie dabei „spiegelt“, also weiwiederholt, was sie gesagt haben. Wenn sich die Situation beruhigt hat, kann man auch besprechen, welche andere Möglichkeiten es gäbe, seinen Unmut rauszulassen, auf ein Kissen zu hauen oder ein paar Mal laut zu schreien zum Beispiel.

Streiten Geschwister anders miteinander als mit Freunden?

Ja, ich glaube schon. Wenn Brüder und Schwestern in Konflikt geraten, tun sie dies als Geschwister, die sich Papa und Mama teilen müssen. Hinzu kommt das Mass an Nähe und Intimität, das die Familie vom Kindergarten oder der Schule unterscheidet. In einem sicheren und geborgenen Umfeld trauen sich Kinder mehr, weil die Beziehungen nicht sofort in Gefahr geraten.

Kinder diskutieren auch im Kindergarten nicht mit allen gleich.

Freunde handeln Konflikte länger und kreativer aus als Kinder, die kein Interesse aneinander haben. Es geht längst nicht nur um die Schaufel, die der andere gerade hat, sondern immer auch um die Beziehung untereinander, das zeigen auch Sätze wie „Dann lade ich dich nicht zu meiner Party ein“ oder „Du bist nicht mehr meine Freundin“. Das Mädchen, das im Sandkasten mitspielen möchte, wirft den Berg, den die anderen gebaut haben, nicht einfach um, sondern tippt ihn vermutlich erst mal einfach an. Kinder sind sich durchaus bewusst, dass sie Freundschaften gefährden, wenn sie gleich draufloshauen.

Trotzdem gibt es Kinder, die häufiger als andere in Schlägereien geraten.

Oft sind das Kinder, die zu Hause viel Druck und Gewalt erleben und mit dem Gefühl aufwachsen, konfliktreichen Situationen einfach ausgesetzt zu sein und diese nicht selbst beeinflussen zu können. Sie haben nicht ausreichend gelernt, Gesten und Blicke richtig zu deuten und gehen schnell davon aus, dass man sie angreifen will.

Die Erwachsenen von heute erinnern sich kaum daran, dass sich ihre Eltern oder Erzieher bei Konflikten eingemischt hätten. Haben uns die Grossen früher mehr uns selbst überlassen?

Kinder haben viel mehr Zeit ohne elterliche Aufsicht verbracht und es gab grössere Freiräume, das war bestimmt so. Ich glaube aber, es war auch weniger Interesse am Innenleben der Kinder vorhanden, und vieles wurde übersehen. Es ist schon gut, dass wir heute mehr hinhören und uns als Eltern auch einmal infrage stellen.

Streit unter Kindern scheint uns heute aber oft unangenehmer zu sein als diesen selbst.

Konflikte stören unser Bild einer harmonischen Kindheit, in der alles friedvoll sein soll. Wir sind sicher ängstlicher und kontrollierender geworden in den letzten Jahrzehnten. Auch der Kindergarten wird häufig als ein Schonraum angesehen, als Ort fernab der harten Realität des Alltags. Dabei entsteht echte Harmonie doch gerade dann, wenn ein Streit gut überstanden ist. Vielen Erzieherinnen wäre es lieber, wenn die Kinder nicht streiten würden, auch wenn sie wissen, dass Auseinandersetzungen dazugehören. Das ist auch ein Frauenthema. Männer tun sich weniger schwer mit körperlichen Auseinandersetzungen, das ist immer noch so.

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.