Mutter vater baby

So kann keine Bindung aufgebaut werden!

Eine enge Bindung zwischen Kindern und ihren Eltern entsteht, wenn Eltern sich aktiv und intuitiv mit den Bedürfnissen ihrer Kinder beschäftigen. Hier finden Sie 10 Anregungen, die Eltern mühelos in ihren Alltag einbauen können.

Eine enge Bindung begleitet das Kind durch das ganze Leben.

Sie hat Einfluss darauf, wie das Kind mit Stress umgehen wird, wie es auf Konflikte reagiert und welche Bindungen es selbst eines Tages aufbaut.

  1. Knüpfe die Liebe zu deinem Kind nicht an Bedingungen

    Lass dein Kind spüren, dass deine Liebe zu ihm nicht an Bedingungen geknüpft ist.

    Glaubt ein Kind, nur geliebt zu werden, wenn es brav ist, sein Zimmer aufräumt oder gute Noten schreibt, wird das seine eigene emotionale Entwicklung beeinträchtigen. Es würde lernen, dass es nicht wegen seines Selbst geliebt wird. Die Beziehung zu seinen Eltern würde das sehr stark belasten.

  2. Achte seine Gefühle – auch wenn es schreit oder wütend wird

    Für eine starke emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind ist es wichtig, die Gefühle des Kindes zu achten und ernst zu nehmen. Auch bei Schreianfällen oder nicht nachvollziehbaren Wutattacken.

    Kleine Kinder werden manchmal wütend, weil sie noch nicht ausdrücken können, was in ihnen vorgeht. Dann müssen die Eltern feinfühlig reagieren und dem Kind helfen, seine eigenen Gefühle zu verstehen.

  3. Lacht einmal am Tag gemeinsam
    Humor ist eine wichtige Komponente emotionaler und körperliche Gesundheit.

    Gemeinsames Lachen ist auch wichtig für die Bindung zwischen Eltern und Kind. Es symbolisiert einen gemeinsamen erlebten Glücksmoment. Das Kind fühlt sich verbunden, wenn Mama oder Papa die gleichen Sachen lustig finden.

  4. Lass dein Kind anderen eine Freude machen
    Kinder lieben es, etwas zu basteln oder zu backen und anderen damit eine Freude zu machen.

    Sucht das Geburtstagsgeschenk für Oma gemeinsam aus, lasst das Kind das Geschenk verpacken (auch wenn es dann nicht so perfekt aussieht). Überrascht den Papa unerwartet mit selbstgebackenen Keksen. Diese kleinen Aktionen steigern die Verbundenheit zwischen dem Kind und seiner Familie und sind dazu für alle ein überraschendes Glückserlebnis.

  5. Lüge dein Kind nicht an
    Wenn du dein Kind anlügst, wird das auf Dauer eure Beziehung gefährden. Dein Kind verliert das Vertrauen zu dir. Es wird sehr schwer sein, das wieder herzustellen.

    Figuren wie der Weihnachtsmann, Nikolaus oder Osterhase, sind zugunsten der kindlichen Phantasiewelt natürlich erlaubt.

  6. Überrasche dein Kind ab und zu mit einer Kleinigkeit
    Als Eltern sollten wir die Chance nutzen, durch Kleinigkeiten überraschende Momente gezielt geschehen zu lassen. Das ist eine weitere Chancem die Verbindung zu unseren Kindern zu stärken.

    Kleinigkeiten sind dabei völlig ausreichend. Eine Blume fürs Kinderzimmer, eine Schleichfigur, die eigentlich auf dem Wunschzettel stand, oder ein Überraschungs-Besuch bei der Eisdiele sind für Kinder etwas Besonderes. Das Kind spürt in diesen kleinen Momenten, wie wichtig es dir ist.

  7. Entschuldige dich, wenn du einen Fehler gemacht hast
    Wir machen Fehler – das ist völlig normal und menschlich.

    Aber wenn du dich bei deinem Kind dafür entschuldigst, erweist du ihm Respekt und zeigst ihm gleichzeitig, dass Fehler zum Leben gehören und jedem passieren können.

  8. Kleine Rituale im Alltag geben Kindern Stabilität
    Der gebackene Kuchen mit gemeinsamer Teerunde am Sonntag-Nachmittag, ein monatlicher gemeinsamer Kochabend oder ein monatliches Kinder kochen für die Eltern, reichen zum Beispiel schon aus.

    Kinder hängen an Alltagsritualen. Es sind diese Familientraditionen, an die Kinder sich noch erinnern werden, wenn sie selbst schon Eltern sind.

  9. Schlafe in der Nähe von deinem Kind
    Wenn Babys müde werden, wird ihr Bindungssystem aktiviert. Das hat die Natur so vorgesehen, weil Babys in der Nähe ihrer Eltern am sichersten schlafen.

    Nähe ist in der Nacht besonders wichtig, weil das Kind im Schlaf die Kontrolle über Körper und Sinne abgibt. Weiß es seine Eltern in der Nähe, fühlt es sich beschützt und geborgen.

  10. Lege Facebook und Handy weg, wenn du Zeit mit deinem Kind verbringst
    Wenn du Zeit mit deinem Kind verbringst, solltest du auch wirklich bei der Sache sein.

    Im gleichen Raum sitzen, Facebook checken oder den Kinderwagen schieben und dabei telefonieren, bedeutet dass das Elternteil für das Kind abwesend ist. Das Kind spürt das, und es kann keine Verbindung aufgebaut werden.

Bindung: Streben nach Sicherheit und Geborgenheit

Die Entwicklung der Bindungsbeziehung

Bindung entwickelt sich aus der wechselseitigen Beziehung zwischen dem Kind und seinen nahen Bezugspersonen. Nachfolgend finden Sie einige Anhaltspunkte, wie sich in den ersten Lebensjahren die Bindungsbeziehung entwickelt:

Erste Lebensmonate

  • Ihr Kind wird vertraut mit Ihnen als Vater und Mutter. Es lernt Sie als diejenigen kennen, die auf seine Signale reagieren und seine unterschiedlichen Bedürfnisse befriedigen.
  • Sicherheit und Geborgenheit erfährt Ihr Kind in diesem Alter vor allem im engen Körperkontakt. An das Getrenntsein vom Körper der Mutter muss es sich erst allmählich gewöhnen.

Ab ca. 3 Monate

  • Ihr Kind kann Sie als seine Bezugspersonen von anderen Personen deutlich unterscheiden. Es wendet sich mit seinen Bedürfnissen gezielt an Sie.
  • Es kann sich bereits deutlicher mitteilen. Für das Gefühl von Nähe ist es nicht mehr ausschließlich auf den engen Körperkontakt angewiesen.

Ab ca. 7–8 Monate

  • Die meisten Kinder beginnen nun mit ihren ersten Versuchen, sich selbstständig fortzubewegen. Die geistigen und emotionalen Fähigkeiten sind inzwischen so weit entwickelt, dass Ihr Kind stärker als zuvor die Trennung von Mutter oder Vater erlebt.
  • Ihr Kind braucht die Rückversicherung durch Sie, wenn es sich von Ihnen entfernt, Neues ausprobiert und entdeckt. Sein ganzes Bindungsverhalten (Weinen, Anklammern) ist nun darauf ausgerichtet, die Nähe zu Ihnen oder einer anderen Bezugsperson sicherzustellen.
  • Die Beziehung zu Ihnen als Mutter und Vater entwickelt sich zunehmend zu einer fortdauernden gefühlsmäßigen Bindung, die sich in den Folgejahren weiter festigt.

Mit zunehmendem Alter ist das Kind schließlich nicht mehr ständig auf die Anwesenheit seiner Bezugspersonen angewiesen, um sich sicher zu fühlen. Das Kleinkind ist immer mehr in der Lage, selbstständig die Nähe vertrauter Personen aufzusuchen und sich auch wieder zu entfernen, wenn es auf „Entdeckung“ geht: Es hat seine „sichere Basis“ verinnerlicht und kann darauf zurückgreifen.

Auch Kinder mit einer Behinderung entwickeln eine solche enge Beziehung zu ihren Bezugspersonen und umgekehrt. Bei manchen Behinderungen, wie zum Beispiel Autismus, zeigt ein Kind jedoch kaum oder gar kein Bindungsverhalten. Für Eltern kann das sehr belastend sein und ihnen den Zugang und die Beziehung zu ihrem Kind erschweren.

7 Wege für eine starke Verbindung zu Ihrem Kind

Sozialer Stress zerstört unsere Familien

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Eine starke Verbindung zu Ihrem Kind ist in Zeiten von Ganztagsschulen, Handys, sozialen Medien und Pokémon Go gar nicht so einfach – dabei schützt diese Beziehung Ihr Kind ein Leben lang. Mit einfachen Grundweisheiten von Oma gelingts!

Die meisten Kinder haben heutzutage einen ziemlich vollen Tagesplan. Fußballtraining, Klavierunterricht oder Nachhilfestunde – daneben auch noch Schule und Hausaufgaben. Hinzu kommen unglaubliche 9 Stunden, die unsere Kinder laut eines Berichts der Organisation Common Sense Media in sozialen Medien wie Snapchat, Instagram, Facebook und CO. verbringen. Außerdem erlauben Eltern ihnen viel Zeit zum Fernsehen oder am Computer zum Abschalten. Wir bringen unseren Kindern bei, ihre Tage so zu füllen, dass ihr Geist permanent mit Informationen angereichert oder abgelenkt wird – dabei geht nicht nur die familiäre Verbindung völlig unter, sondern auch die bewusste Beziehung zu sich selbst. Damit unsere Kinder zu glücklichen und gesunden Menschen heran wachsen, müssen wir einige Grundweisheiten von Oma beachten!

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Ein Teufelskreis, den es zu verlassen gilt

Die fehlende Verbindung zu sich selbst und anderen führt häufig zu Ängsten, Depressionen, mangelndem Selbstbewusstsein und dem Gefühl, ausgegrenzt zu sein. Das begünstigt wiederum selbstverletztendes Verhalten wie Drogenmissbrauch oder Essstörungen. Um den Schmerz der fehlenden Verbindung zu betäuben, behandeln sich die Kinder entweder selbst oder ihre Eltern behandeln sie, um die sichtbaren Symptome zu lindern. Was aber tatsächlich für die Probleme verantwortlich ist, scheint so banal, dass es oft gar nicht erkannt wird. Damit unsere Kinder zu glücklichen und starken Menschen heranwachsen, müssen wir eine starke Verbindung zu unseren Kindern aufbauen. Das ist einer der wichtigsten Aspekte, wenn es darum geht, ihre geistige und körperliche Gesundheit zu stärken.

7 Wege für bedeutsame Momente mit Ihrer Familie

Erfahren Sie 7 einfache Möglichkeiten, um die Verbindung zwischen Ihnen und Ihren Kindern zu stärken.

1. Schalten Sie das Radio aus, wenn Sie Ihre Kinder abholen

Wenn Sie Ihre Kinder von der Schule oder vom Training abholen, dann schalten Sie einfach mal das Radio aus. Auch die Handys können auf der Fahrt in der Tasche bleiben. Warten Sie ab, was jetzt an deren Stelle tritt. Es könnte vielleicht eine unerwartete Konversation sein: Was ist heute so passiert? Gibt es etwas Aufregendes zu erzählen? Oder wie wäre es, sich gegenseitig einmal Witze zu erzählen? Auch eine Runde Weinen ist in Ordnung, wenn ihr Kind gerade eine harte Zeit durchmacht. Vielleicht kommt dabei aber auch nur völlige Stille heraus – und auch das hat etwas Gutes: Eine Studie aus 2006 fand heraus, dass 2 Minuten Stille entspannender als vermeintlich entspannende Musik sind. Das beruht auf dem sich verändernden Blutdruck und der besseren Blutzirkulation im Gehirn.

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2. Ab und zu gemeinsame Familienessen

Zwei bis drei gemeinsame Abendessen im Kreis der Familie pro Woche haben einen starken positiven Effekt – so Kinderärztin Rachel Fortune. Auf diesem Weg lässt sich die kommunikative Verbindung zu ihren Kindern ganz leicht aufrecht erhalten. Studien zeigen außerdem, dass die Kinder durch regelmäßige gemeinsame Abendessen insgesamt gesünder und belastbarer werden – und dass die Beziehung zwischen Eltern und Kindern deutlich stärker wird. Gleichzeitig sind die Kinder dadurch weniger gefährdet depressiv zu werden.

3. Rosen und Dornen

Der Klassiker ist die Frage: „Wie war dein Tag?“ – wenn das nicht funktioniert, versuchen Sie doch mal einen spielerischen Ansatz, um Ihre Kids zum Reden zu bewegen. Die Rose steht für das Beste am Tag, die Dornen für das Schwierigste. Optional kann man auch noch die Feder hinzufügen, die für das überraschendste Erlebnis des Tages steht. Jeder soll diese drei Dinge von sich teilen, wirklich jeder, also nicht nur die Kinder! Wenn Sie Ihre Gedanken und Erfahrungen mit Ihren Kindern teilen (natürlich in angemessenem Rahmen), dann hilft das Ihren Kindern dabei, Sie als Person wahrzunehmen und nicht nur als Eltern.

4. Machen Sie mal ein Wochenende zusammen blau

Ein wenig Revoluzzer steckt in jedem von uns: Legen Sie am Wochenende doch mal Ihren Terminkalender bei Seite und entscheiden ganz spontan, wonach Ihnen und Ihrer Familie der Sinn steht. Egal, ob Bowling, Backen oder einfach gemeinsam auf dem Rasen in Büchern schmökern – wichtig ist nur, dass Sie zusammen aktiv sind. Oder lassen Sie jedes Familienmitglied eine Aktivität aussuchen, die Sie alle gemeinsam machen können. Dabei sollte auch darauf geachtet werden, dass das Wochenende nicht zur übertriebenem „Bildschirm-Gucken“ führt – Handy, TV und PC bitte nur begrenzt!

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5. Gemeinsam atmen

Yogalehrerin Jillian Pransky hat sich auf stärkende Yoga-Übungen konzentriert, die für tiefe Entspannung sorgen sollen. Sie hat ein Ritual, das sie mit ihrem Mann und den beiden Teenager-Söhnen vor dem Essen praktiziert: Alle atmen zusammen drei Mal tief und lange ein. In wenigen Sekunden konzentrieren sich alle auf ihre innere Mitte, stellen sich gleichzeitig aufeinander ein und regen ihre Nervensysteme gemeinsam zur Entspannung an. So entstehen Ruhe und Klarheit.

6. Als Familie die Natur genießen

Immer mehr Studien belegen, dass es sowohl für den Geist als auch für den Körper gut ist, je mehr Zeit man in der Natur verbringt. Draußen zu sein, zum Beispiel im Wald, setzt in uns die Chemikalie Phytonzid frei – sie senkt den Blutdruck und das Stress-Hormon Cortisol, stärkt sogar gleichzeitig die Immunabwehr. Studien zeigen außerdem, dass die zunehmende Zeit in der Natur fernab von Social Media und Emails die Kreativität fördern und die Fähigkeit Probleme zu lösen – um bis zu fünfzig Prozent! All diese Vorteile begünstigen natürlich auch das Selbstgefühl und die Beziehung zu sich selbst, was zu besseren Beziehungen insgesamt führt.

7. Zusammen einen Yoga-Kurs besuchen

Sich synchron zueinander bewegen und gemeinsam Üben, den Moment und sich selbst ganz aktiv zu spüren – dafür steht Yoga! Es kommt dabei zu einer Aktivierung der sogenannten Spiegelneuronen. Sie sind ein System im Gehirn, mit dem Gefühle oder Stimmungen anderer Menschen beim Empfänger verstanden werden. Es reicht auch aus, eine Handlung nur zu beobachten. „Spiegel“ deswegen, weil es so ist, als ob man das Gesehene selbst ausgeführt hätte. Auf diese Weise sind wir in der Lage, Empathie zu empfinden. Yoga und andere bewusst durchgeführte Übungen fördern eine stärkere Verbindung, weil sie die Aufmerksamkeit fördern. Indem man den Verstand dazu trainiert sich auf den Moment zu konzentrieren, werden wir auch empathischer.

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Bindung
 Wie entsteht Mutterliebe?

In unserem Interview gibt die Psychotherapeutin Gisela Preuschoff Antworten auf Fragen zum Thema Mutter-Kind-Bindung. Sie hat zahlreiche Bücher zu diesem Thema geschrieben.
Was ist Mutterliebe? Ein euphorisches Gefühl, das sich direkt nach der Geburt wie auf Knopfdruck einstellt? Oder eher langsam wachsende Zuneigung?
Die Natur scheint eher das rauschartige Gefühl, das manche Frauen ähnlich wie Verliebtsein beschreiben, vorgesehen zu haben. „Mich hat eine unbeschreibliche Wärme durchflutet“, sagen Mütter oft. Dazu kommt der Gedanke: Das Kind kann sein, wie es will, aussehen, wie es will – ich liebe es, wie es ist.
Dass Mütter Zeit brauchen, bis sie ihr Kind derart bedingungslos annehmen können, kommt aber auch vor. Zum Beispiel bei Frühgeburten. Untersuchungen zeigen, dass Mütter hier manchmal sogar eher eine Abneigung gegen das Baby haben. Weil es so greisenhaft aussieht, gar nicht den Vorstellungen vom rosigen Wonneproppen entspricht.
Interessanterweise ändert sich der Blick der Mutter aufs Kind schlagartig, wenn der erste innige Körperkontakt da ist. Zum Glück wird in den meisten Krankenhäusern heute Wert darauf gelegt, dass Mütter Frühchen so bald wie möglich auf die nackte Haut bekommen. Viele Frauen berichten von rauschartigen Gefühlen in solchen Momenten.
Was löst diesen Rausch aus – Hormone?
Nach der Geburt wird Oxytozin ausgeschüttet, ein Hormon, das auch beim Orgasmus für Glücksgefühle sorgt. Vielleicht hat die Natur das als eine Art Entschädigung für die Strapazen der Geburt eingerichtet. Oxytozin wird auch beim Stillen gebildet. Es hilft, die Brust optimal zu durchbluten, löst Wärme aus. Aber es sind nicht die Hormone allein, die glücklich machen. Liebe hat auch eine kognitive Seite: Wenn uns zum Beispiel durch den Kopf geht, dass dieses Kind ohne uns sterben wird. Dass es ganz auf uns angewiesen ist.

Wochenbettwissen: Bindung zum Baby aufbauen

Der Bindungsaufbau zum Kind beginnt bereits in der Schwangerschaft. Für viele Mütter ist das zu diesem Zeitpunkt alles noch etwas abstrakter. Hier sind die Emotionen sehr unterschiedlich, was natürlich auch davon abhängt wie wohl und gesund sich eine Schwangere fühlt. Trotzdem geht jede werdende Mutter mit einer Verbindung zu ihrem Baby in die Geburt. Nach der Geburt entwickelt sich diese Bindung weiter.

Für das Baby ist es essenziell, weil diese Bindung sicherstellt, dass sich Eltern aufmerksam und feinfühlig um seine wichtigsten Bedürfnisse kümmern: Nähe, Nahrung, Wärme und Geborgenheit. Ein Baby bringt zwar viele Kompetenzen mit, um auf diese Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Zur Erfüllung dieser Bedürfnisse ist es aber unbedingt auf seine Bindungspersonen angewiesen. Darum bringen auch Eltern entsprechende Kompetenzen mit, um die (Körper)-Sprache ihres Babys zu verstehen. Doch gerade in der sensiblen Phase des Wochenbetts sind Mütter (und auch Väter) schnell verunsichert. Die Bindung zum Kind entwickelt sich immer individuell. Auch ambivalente Gefühle sind normal. Setze Dich nicht unter Bindungsdruck, sondern gib dir und deinem Kind entsprechend viel Zeit zum Ankommen.

Es folgen ein paar Anregungen, die beim Bindungsaufbau – auch unter erschwerten Startbedingungen helfen können:

Babyfreundliches Krankenhaus“ wählen
Unmittelbar nach der Geburt unterstützen Nähe, Hautkontakt und auch das erste Stillen den Bindungsaufbau. Wenn es keinen (medizinischen) Grund dafür gibt, sollten Mutter und Kind in dieser sensiblen Phase nicht gestört werden. Wiegen, Messen und die erste U-Untersuchung können warten. Auch für die Versorgung einer Geburtsverletzung bleibt in der Regel etwas Zeit. Seit 1992 gibt es das WHO und Unicef initiierte Programm „Babyfriendly Hospital Initiative“ auch in Deutschland. Kliniken können sich nach entsprechender Schulung des geburtshilflichen Personals und der Umsetzung bestimmter Standards als „Babyfreundliches Krankenhaus“ zertifizieren lassen. Die Kriterien beziehen sich vor allem auf den Schutz der Eltern-Kind-Bindung sowie der Entwicklungs- und Stillförderung. Inzwischen gibt es in Deutschland über 100 zertifizierte Kliniken, die nach diesem familienfreundlichen und bindungsorientierten Konzept arbeiten.

Bindungsaufbau ist ein Prozess

Unmittelbaren Hautkontakt nachholen
Wenn Mutter und Kind wegen gesundheitlicher Beeinträchtigen die erste Zeit nach der Geburt voneinander getrennt sind, sollten sie das Kennenlernen im unmittelbaren Hautkontakt nachholen, sobald es der Gesundheitszustand zulässt. Auch wenn die Startbedingungen etwa nach einer operativen oder zu frühen Geburt schwieriger sind, sagt das nichts über die spätere Eltern-Kind-Bindung aus. Denn der Bindungsaufbau ist ein Prozess und kein einmaliges Ereignis. Das emotionale Band zwischen Eltern und Baby (Bonding) wird nicht nur in den ersten zwei Stunden nach der Geburt geknüpft. Ein guter Start erleichtert diesen Prozess, aber auch unter schwierigsten Bedingungen bauen das Baby und seine Eltern dieses Liebesband auf. Idealerweise werden sie dabei unterstützt, weil Sorge und Angst um das Kind zu großen Verunsicherungen führt.

Heilsames Bondingbad
Ein Bondingbad kann nach einem schweren Lebensanfang ein wunderbares Ritual sein für einen „Neustart“ in ein endlich entspanntes Wochenbett. Die Hebamme Brigitte Renate Meissner hat dieses heilsame Bad für Mütter und Kinder nach emotional und körperlich belasteten Schwangerschaften oder Geburten entwickelt. In entspannter, warmer und ruhiger Atmosphäre kann die Mutter entweder selbst mit ihrem Baby in der großen Badewanne baden. Oder eine Begleitperson (Partner oder Hebamme) badet das Kind in einer kleinen Wanne (oder im Badeeimer) neben dem Bett, in dem die Mutter es sich gemütlich gemacht hat. Nach dem Bad wird das nicht abgetrocknete, noch nasse Baby im direkten Hautkontakt auf den bloßen Oberkörper seiner Mama gelegt. Beide werden mit einem warmen Handtuch zugedeckt. Nun darf gekuschelt, gestillt und vielleicht auch geweint werden über diese schwere erste Zeit. Es sollte ausreichend Zeit und ein geschützter Raum für alle Emotionen vorhanden sein. Auch der Partner sollte entsprechend mit einbezogen werden. Das Spüren des warmen, nassen Baby in engem Hautkontakt unterstützt den seelischen Heilungsprozess bei Mutter und Kind. Bei Bedarf kann dieses Bad mehrmalig durchgeführt werden.

Feinzeichen des Babys
Zeit und Ruhe sind wichtig für den Bindungsaufbau. Beim Anschauen des Babys verlieben sich Eltern nicht nur in ihr Kind, sondern lernen auch seine „Sprache“ kennen. Lange bevor es weint, zeigt ein Neugeborenes durch viele kleine Feinzeichen seinen Hunger und andere Bedürfnisse an. Das Stillbedürfnis zeigt sich zum Beispiel durch Unruhe, schnelles Bewegen des Köpfchens zu beiden Seiten (Suchreflex), Zunge rausstrecken oder auch durch Kauen an den Fäustchen oder anderen Dingen im Mundbereich. Deshalb ist es so wichtig, dass Mutter und Kind viel unmittelbare Zeit miteinander verbringen.

Elternbedürfnisse erkennen und stillen

Keine Beruhigung = mehr Stress
Das Erkennen und Befriedigen der kindlichen Bedürfnisse gibt Eltern ein gutes Gefühl. Sie erleben sich als kompetent und das Selbstvertrauen wächst. Wenn sich ein Baby nicht beruhigen lässt, steigt das Stresslevel und meist auch die Unsicherheit der Eltern. Gerade die Begleitung von Kindern mit hohen Bedürfnissen stellt eine große Herausforderung für Ihre Eltern da. Es ist besonders wichtig, dass Eltern dann die passende Unterstützung erhalten, um sich trotz der schwierigen Situation als gute Eltern zu erleben. Das Erlernen einer beruhigenden Atmung und anderer erdender Übungen sind hilfreich. Das Baby wird zwar vielleicht weiterhin häufig untröstlich weinen, aber seine Eltern unterstützen es dennoch kompetent, in dem sie es dabei begleiten. Das Halten und Aushalten in schweren Babyzeiten ist eine ganz besonders anstrengende Aufgabe.

Genug Schlaf und Essen sowie Schmerzlinderung
Eltern müssen auch auf Ihre Bedürfnisse achten. Völlig übermüdet und unterzuckert geht der Körper nur noch in eine Art Überlebensmodus. Bindungsbereitschaft und Feinfühligkeit nehmen entsprechend ab. Genug Schlaf, Nahrung und Unterstützung ist also auch für Eltern essenziell. Auch Schmerzen der Mutter können den Bindungsaufbau beeinträchtigen. Deshalb ist eine ausreichende Schmerzlinderung etwa nach Kaiserschnitt oder einer Geburtsverletzung so wichtig. Bei Stillschwierigkeiten muss ebenfalls schnell die Ursache gefunden und Schmerzen behoben werden. Auch emotional müssen Eltern gut versorgt sein, um bindungsbereit auf ihr Kind eingehen zu können. Die passende Hilfe bei Wochenbettdepressionen oder nach traumatischen Geburtserfahrungen muss auf alle Fälle die Mutter-Kind-Bindung gut mit im Blick haben.

„Geister aus der Vergangenheit“ nicht ignorieren
Mit der Geburt des Kindes werden auch eigene – positive wie negative – Bindungserfahrungen aktiviert. Das führt gerade in stressigen Momenten dazu, dass Eltern ganz anders auf ihr Kind reagieren als gewollt. Es ist wichtig, sich aktiv mit diesen „Geistern aus der Vergangenheit“ zu beschäftigen. Karl-Heinz Brisch hat das SAFE-Programm (Sichere Ausbildung für Eltern) entwickelt, das sich mit allen Aspekten beschäftigt, die den Bindungsaufbau fördern oder erschweren. SAFE-Kurse beginnen bereits in der Schwangerschaft und werden nach der Geburt fortgeführt.

Eltern sind Experten

Viel Ruhe und wenig Ablenkung
Ablenkung erschwert den Bindungsaufbau. Das kann das ständige Tür-auf-Tür-zu oder der laufende Fernseher im Zimmer der Wochenbettstation sein. Aber auch zu viel oder unachtsamer Besuch im Wochenbett stört die Bondingphase. Der permanente Gebrauch des Smartphones kann sich ebenfalls störend auswirken. Eintreffende Benachrichtigungen führen immer wieder zu Unterbrechungen, die das Baby gar nicht einordnen kann. Auch gedanklich ist man als Eltern schnell ganz woanders.

Viel Hautkontakt
Hautkontakt unterstützt die Wärmeregulation des Babys und auch das Stillen. Zieh dein Baby aus und leg es dir zugedeckt auf den nackten Oberkörper. Auch bei einer Fläschchenbeziehung profitieren gefütterte natürlich Babys vom Haut- und Blickkontakt. Streicheln, Massieren und auch die liebevolle Berührung beim Wickeln sind bindungsfördernd.

Tragen unterstützt den Bindungsaufbau
Tragen unterstützt den Bindungsaufbau. Babys kommen in der Erwartung getragen zu werden auf die Welt. Die Verwendung eines Tuchs oder einer Tragehilfe erleichtert den Tragealltag. Auch bei Rückenschmerzen oder Beckenbodenproblemen ist das richtige Tragen sinnvoll. Tragen ermöglicht den Eltern freie Hände, um für die eigenen Bedürfnisse oder die von Geschwisterkinden zu sorgen. Für den Tragling bedeutet es Nähe und Beruhigung. Gut gebunden kann er nach und nach die Welt um ihn herum entdecken.

Stärkendes Netzwerk
Elternsein ist oft schon anstrengend genug – mache es dir nicht noch schwerer. Verzichte auf persönliche Diskussionen, aber auch in Onlineforen und auf Social-Media-Plattformen, wenn diese nicht wertschätzend für die Verschiedenartigkeit von Familien sind. Hinterfrage immer wieder kritisch die Meinung von Fachleuten, wenn sich deren Empfehlungen für dich eher falsch anfühlen. Stillgruppen oder Babykurse können eine gute Begleitung in der Baby- und Kleinkindzeit sein. Meist werden sie fachlich von einer Babykursleiterin oder Stillberaterin geleitet. Umgebe dich generell mit Menschen, die dein Selbstwertgefühl und deine elterlich Kompetenz stärken und nicht schwächen. Denn du bist die Expertin für dein Kind!

Mutter-Kind-Bindung: Die erste wichtige Beziehung im Leben

Vom Tag seiner Geburt an ist das Verhalten eines Babys darauf ausgerichtet, eine erwachsene Bezugsperson an sich zu binden. Denn Babys sind auf die Versorgung und Pflege durch Erwachsene angewiesen. Gerade im ersten Lebensjahr bleiben ihnen außer Schreien, Weinen oder ihrer Mimik nicht viele Möglichkeiten, ihre Bedürfnisse zu artikulieren. Eine Bezugsperson – in den meisten Fällen sind das Mutter oder Vater -, die auf das Baby reagiert, seine Bedürfnisse wahrnimmt und stillt, gibt ihm die nötige Sicherheit für seine Entwicklung und das Entdecken der Welt.

Natürlich gibt es auch die Vater-Kind-Bindung, beziehungsweise die Eltern-Kind-Bindung. Im Grunde kann ein Kind zu mehreren erwachsenen Bezugspersonen Bindungen aufbauen. Die Mutter-Kind-Bindung ist natürlicherweise etwas Besonderes und in der Regel verbringt die Mutter die ersten Monate nach der Geburt sehr eng mit ihrem Baby.

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Mutter-Kind-Bindung: Eigentlich beginnt sie schon während der Schwangerschaft

Schon während der Schwangerschaft sind Mutter und Kind verbunden: Das Baby wächst sicher im Mutterleib und wird vom mütterlichen Organismus über die Plazenta (Mutterkuchen) mit Nährstoffen versorgt. Es kennt keinen Mangel. Gefühle der Schwangeren wie Freude und Ausgelassenheit, aber auch Sorgen und Ängste oder Stress, erlebt das Baby mit. Kommt ein Baby auf die Welt, erkennt es die Mutter instinktiv am Geruch, an der Stimme und am Herzschlag. Bald nach der Geburt sucht das Baby die Brust der Mutter. Es nimmt außerdem Augenkontakt auf. Dieser Augenkontakt ist für die Mutter-Kind-Bindung besonders wichtig. „Beantwortet“ die Mutter ihn, weiß das Baby: Hier ist jemand, der auf mich reagiert.

In den ersten Wochen nach der Geburt erleben Mütter häufig starke emotionale Schwankungen. Sie reagieren wesentlich sensibler auf Sinneseindrücke – und auf ihr Kind. Dieser Zustand wird durch die Hormone Oxytocin, Prolaktin und Progesteron ausgelöst und ist wahrscheinlich von der Natur gewollt, um die Mutter-Kind-Bindung zu stärken. Die Mutter soll besonders aufmerksam und sensibel die Bedürfnisse ihres Kindes erkennen.

Mutter-Kind-Bindung: Zuwendung und Reaktion

Die Intensität der Mutter-Kind-Bindung oder Eltern-Kind-Bindung wird durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst. Manchmal kann sie sich erst zu Hause, nach den turbulenten Tagen im Krankenhaus rund um die Geburt, richtig entwickeln. Manchmal brauchen Mütter etwas Zeit, um zu ihrem Baby eine innige Beziehung aufzubauen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Mutter an Wochenbettdepression erkrankt ist und noch nicht richtig auf ihr Baby eingehen kann.

Die Zuwendung, die ein Baby durch seine Mutter erfährt, ist ganz besonders. Durch das Stillen oder beim Fläschchengeben besteht ein intensiver körperlicher Kontakt zwischen Mutter und Kind. Berührungen, Streicheln und Kuscheln wirken beruhigend auf das Kind und stärken die Mutter-Kind-Bindung. Liebevoller Augenkontakt und miteinander „sprechen“ wirken sich ebenfalls positiv auf die Mutter-Kind-Bindung aus.

Kommunikation zwischen Mutter und Kind

Um Bedürfnisse und Empfindungen auszudrücken, bedient sich ein Baby akustischer Signale (Schreien, Weinen, verschiedene Laute) oder optischer Signale (Mimik, Augenkontakt). Es ist darauf angewiesen, dass die Mutter in der Lage ist, diese Signale richtig zu deuten, und darauf reagiert. Häufig ist das bereits wenige Tage nach der Geburt der Fall. Durch die Reaktionen der Mutter auf das eigene Verhalten lernt das Baby wiederum, sich noch konkreter „auszudrücken“, um die jeweils gewünschte Reaktion (zum Beispiel Trösten) zu erhalten.

Von großer Bedeutung für die Entwicklung des Kindes ist ein Verhalten, das typischerweise zwischen dem Kind und engen Bezugspersonen stattfindet: das Spiegeln der Mimik und damit der Emotionen des Kindes. Ein Baby kann seine eigenen Gefühle noch nicht einordnen. Es merkt lediglich, dass manche Gefühle schön sind und manche nicht so schön und bringt dies über Mimik, Bewegungen und Lautäußerungen zum Ausdruck. Es ist völlig natürlich, wenn enge Bezugspersonen, vor allem die Mutter, diese Ausdrücke imitieren. Das Baby erkennt dabei, dass die Bezugsperson nicht die eigenen Emotionen zum Ausdruck bringt, sondern die des Babys. Durch dieses überspitzte Spiegeln der Emotionen des Kindes lernt das Kind nach und nach, seine Emotionen einzuordnen. Erst später werden ihm diese auch bewusst.

Gleichzeitig erfährt das Kind durch das Spiegeln eine unmittelbare Reaktion der Bezugsperson auf seinen Gemütszustand. Es bemerkt: Reaktion und Mimik der Mutter beziehen sich auf mich und meine Gefühle.

So deuten Sie die Signale Ihres Babys

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Mutter-Kind-Bindung: Bedeutung

Besonders in den ersten Lebensjahren eines Kindes stellen sich viele Weichen für seine spätere soziale und gefühlsmäßige Entwicklung. Der Mutter-Kind-Bindung oder auch Eltern-Kind-Bindung kommt dabei eine große Bedeutung zu. Verschiedene Studien haben ergeben, dass Kinder mit einer sicheren Bindung in ihrem Leben kontaktfreudiger und teilweise beliebter sind. Sie sind eher bereit, sich aus ihrer sozialen Umgebung Unterstützung zu holen und rechnen auch eher mit Verständnis. Dieses „Vertrauen in die Welt“ ist ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung einer stabilen und ausgeglichenen Persönlichkeit. Kinder mit einer guten Bindung sind außerdem eher in der Lage, ihre Gefühle wahrzunehmen und einzuordnen, sie verfügen eher über mehr Empathie.

Wichtig: Die Bezugsperson(en) sollten gerade in den ersten Lebensjahren des Kindes konstant da sein. Von diesem „sicheren Hafen“ aus ist das Kind in der Lage, sein Leben und seine Umwelt zu entdecken. Dabei hat es das tiefe Wissen, dass es jederzeit in dieses sichere soziale Gefüge zurückkehren kann und aufgefangen wird.

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