Mutter tochter beziehung

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Das ist das Besondere an der Vater-Tochter-Beziehung

Das Verhältnis zu unserem Vater prägt uns unser ganzes Leben lang, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Die Beziehung zu unserem Papa beeinflusst unsere Entwicklung – und zwar egal, ob die Vater-Tochter-Beziehung besonders eng, distanziert, harmonisch oder negativ und schlecht war.
Und das gilt für fast alle Lebensbereiche, unsere Charakterzüge, Verhaltensweisen und Entscheidungen, die wir im Laufe unseres Lebens treffen werden.

1. Die Vater-Tochter-Beziehung und der Einfluss auf die Partnerschaft

Unser Vater ist der erste Mann in unserem Leben. Er prägt unser Bild von einem Mann maßgeblich. Und sowohl sein Verhalten zu uns als Tochter als auch in seiner Beziehung zu unserer Mutter hat enorme Auswirkungen auf spätere Verhaltensweisen und Suchmuster. Zum Beispiel wenn es um unsere eigene Partnerschaft geht. War das Verhältnis zischen Mutter und Vater liebevoll oder voller Streit und Tränen, so wird uns das fortan mit beeinflussen bei unseren Beziehungen im Leben.

Oft heißt es, dass eine Frau in ihren Partner ihren eigenen Vater sucht. Das stimmt nicht ganz. Sicher ist aber, dass die Beziehungen, die sie mit Männern eingehen wird, stark von der Art der Beziehung abhängen, die sie mit ihrem Vater verbindet bzw. verbunden hat.

Wir suchen uns also Lebenspartner, die unserem Vater ähneln. Und zwar auch, wenn er uns nicht so behandelt hat, wie das zu wünschen gewesen wäre. Das liegt vor allem daran, weil wir Vertrautes bevorzugen und Experimente eher ungerne eingehen. Vor allem in Gefühlsdingen. So müssen sich alle kommenden Männer in unserem Leben zum einen mit Superdaddy messen lassen. Sie müssen aber auch oft das wieder gutmachen, was der Vater in unseren jungen Jahren vergeigt hat.

1.1. Wenn die Vater-Tochter-Beziehung zu eng ist

Eine Tochter, die von ihrem Vater stets wohlwollend dazu ermutigt wurde, sich selbst zu akzeptieren und unabhängig zu sein, wird sich wahrscheinlich auch in ihren Liebesbeziehungen frei entfalten können. Manchmal ist es auch des Guten zu viel: Wenn das Fräulein Tochter wie die Prinzessin auf der Erbse behandelt wurde, ihre Launen stets berücksichtigt wurden und ihr nie ein Wunsch verweigert wurde, und wenn ihr Vater sie davon überzeugt hat, dass kein Mann ihr je das Wasser reichen können wird, riskiert sie in Sachen Liebe eine Enttäuschung nach der anderen. Weil sie stets auf der Suche nach dem charmanten Prinzen sein wird, der sie ebenso vergöttern und auf Händen tragen wird wie ihr geliebter Papa.

1.2. Partnerschaft und die negative Vater-Tochter-Beziehung

Umgekehrt wird es auch einer Frau, die nie genug väterliche Anerkennung erhalten hat oder ohne jegliche Vaterfigur aufwachsen musste, schwer fallen ein glückliches Liebesleben zu führen. Auf der Suche nach Anerkennung wird sie dazu tendieren, Eroberungen und sentimentale Niederlagen aneinander zu reihen. Ganz zu schweigen von der Angst sich zu binden und verlassen zu werden: Einer von der University of Haifa School of Social Work im Jahr 2007 geführten Studie zufolge waren 41 Prozent der Personen, die vaterlos waren oder deren Vater in der Kindheit wenig präsent war, nicht in einer ernsten Beziehung – aus Angst noch einmal verlassen zu werden.

2. Die Vater-Tochter-Beziehung und unser Selbstbewusstsein

Auch jenseits von Partnerschaft und Liebe macht uns unser Vater zu starken, selbstbewussten Frauen oder eben nicht. Sein Einfluss ist in diesem Punkt noch größer als der der Mutter. Das liegt vielleicht daran, dass wir uns der Liebe der Mutter sicherer sind, weil sie sich zumindest anfangs mehr um uns kümmert. Um die Liebe des Vaters müssen wir mehr buhlen und kämpfen. Er ist oft nicht anwesend. Ist unser Buhlen mit Erfolg gesegnet, dann ist das für uns ein großer Gewinn, der uns ein gutes Gefühl gibt. Seine Anerkennung für das, was wir leisten, wer wir sind usw. ist uns deshalb enorm wichtig.

2.2. Das Selbstbild bei der gestörten Vater-Tochter-Beziehung

Ein liebender Vater, der seine Tochter respektiert, kann Wunder wirken, um das Ego seiner Tochter zu boosten. Er gibt ihr das nötige Selbstvertrauen, um flügge und selbstständig zu werden. Leider kann im Gegenzug ein gleichgültiger oder, schlimmer noch, verbal oder körperlich gewalttätiger Vater das genaue ​Gegenteil bewirken und der Identitätskonstruktion seiner Tochter großen, manchmal irreparablen Schaden zufügen. Die an Missachtung und Misshandlungen gewöhnte Tochter kennt nur die Opferrolle und wird sich ihr Leben lang unterschätzen. Nicht selten verbirgt sich hinter einer Frau, die von ihrem Partner misshandelt wird, ein kleines Mädchen, das in seiner Kindheit dieselbe Misshandlung erfahren musste.

3. Vater und Tochter auf Distanz: Die Pubertät

Das Teenageralter ist bekanntlich nicht einfach – weder für den Jugendlichen noch für seine Eltern. In der Pubertät nimmt die Tochter nicht mehr die Eltern zum Vorbild: Das sind jetzt die besten Freundinnen oder besonders populäre Teenager, die viel cooler als die alten Eltern sind. Was die Väter angeht, so haben sie meist Schwierigkeiten zu verstehen, was mit ihrer kleinen Tochter geschehen ist, die sich auf einmal in ihrem Zimmer einschließt und jede Zärtlichkeit und Nähe genervt abwehrt. Schlimmer noch: Sie scheint den Kontakt zur Mutter vorzuziehen und führt mit ihr exklusive „Frauengespräche“, von denen er kategorisch ausgeschlossen wird.

Einer Ipsos-Studie zufolge ist die erste Menstruation eines der wichtigsten Anzeichen auf dem Verständnisweg des Vaters zur Einsicht, dass seine Tochter erwachsen wird. Der durch all diese neuen Entwicklungen verunsicherte Vater zögert nun: Soll er versuchen sich diesem Kind, das ihm ein wenig fremd geworden ist, anzunähern oder soll er sie ihren eigenen Weg gehen lassen – und riskieren sie aus den Augen zu verlieren.

3.1. Wandel vom kleinen Mädchen zur Frau

Manche Väter halten sich jetzt zu sehr zurück und haben Angst ihrer Tochter zu sagen, dass sie z.B. hübsch ist. Es fällt ihnen schwer die körperlichen Veränderungen, mit denen die Pubertät verbunden ist, anzuerkennen und schaffen aus Schamgefühl eine gewisse Distanz. Dabei ist es gerade in dieser Phase so wichtig für die Jugendliche, dass sie ihre neue Weiblichkeit positiv sehen und annehmen kann. Dieses Gefühl sollte ihr ihre Umwelt vermitteln. Auch der Vater kann seine Tochter durch seine Anerkennung für die Außenwelt und ihr Leben als Frau wappnen.

Für die pubertierende Tochter ist diese Phase natürlich auch alles andere als einfach. Ihr Körper verändert sich: Sie ist kein Kind mehr – aber auch noch keine erwachsene Frau. Auf der Suche nach Anerkennung – vor allem seitens der Jungen – ist es für sie extrem wichtig, dass sie ihren Papa, der ja auch zur Fraktion der Männer gehört, hinter sich weiß.

3.2. Der große Tag X: Der erste Freund

Irgendwann kommt der schwere Tag für jeden Papa: Wenn die Tochter den ersten Freund mit nach Hause bringt, dann fällt das den meisten Vätern mehr als schwer. Er muss akzeptieren, dass es nun einen anderen Mann im Leben seiner Tochter gibt. Seine alleinige Stellung ist damit Vergangenheit. Nicht allen Vätern fällt es jetzt leicht, loszulassen, damit die Tochter ihren eigenen Weg gehen kann. Und damit beginnt ein neuer Lebensabschnitt – auch, was die Vater-Tochter-Beziehung angeht.

4. Der väterliche Einfluss auf unser Berufsleben

Unglaublich aber wahr: Der geliebte Vater hat sogar Einfluss auf das Berufsleben seiner Tochter. Erpicht darauf gute Noten und Resultate nach Hause zu bringen, werden manche Frauen immer nur ein Ziel vor Augen haben: die Klassenbeste und später die Erfolgreichste im Unternehmen zu sein… oft, um die neue Vaterfigur – den Chef – nicht zu enttäuschen. Und dann gibt es diejenigen, die überzeugt sind „zu nichts gut“ und nichts wert zu sein, weil man ihnen genau das ihre ganze Kindheit durch immer wieder zu verstehen gegeben hat.

Der größte Druck ruht jedoch auf den Töchtern, die unter dem „Wie der Vater so die Tochter“-Syndrom leiden und denselben Beruf wir ihr ach so bewundernswerter Daddy gewählt haben: Sie müssen sich doppelt abstrampeln um zu beweisen, dass sie im Vergleich zu den Kompetenzen ihres Vaters nicht als Loser dastehen.

5. Wenn der Vater Opa wird

Irgendwann ist die „kleine Tochter“ eine erwachsene Frau, die selbst eine Familie gründet. Und mit diesem Lebenswandel ändern sich zwangsläufig auch ihre Sorgen: Sie stellt sich Fragen zur Erziehung ihrer eigenen Kinder und erinnert sich an die Erziehung, die sie selbst genossen hat. Während sie sich also ihre eigene Zukunft aufbaut, macht sie sich gleichzeitig auf eine geistige Reise in die Vergangenheit. Dabei betrachtet sie nun, wo sie selbst Mutter ist, die Schwierigkeit des Elternseins mit mehr Einsicht und Objektivität. Resultat: Sie fühlt sich ihrem Vater wieder näher und nimmt seinen Rat an.
Es kann auch vorkommen, dass sie unbewusst die beiden Vatermodelle, die sie kennt, miteinander vergleicht: ihren Vater und ihren Partner. Der frisch gebackene Großvater genießt seinerseits die nun wieder engere Beziehung und die Erwachsenengespräche mit seiner Tochter. Oft nutzen die im Lauf der Zeit entfremdeten Väter diese Gelegenheit zu einer Art Comeback und versuchen sich ihren Kindern wieder anzunähern, indem sie sich ausgiebig um ihre Enkel kümmern. Diese Tendenz tritt umso verstärkter auf, wenn der Vater in der Kindheit seiner eigenen Tochter nicht sehr präsent war und sich deswegen schuldig fühlt: Er hat den Eindruck so die einst verlorene Zeit wieder gut zu machen.

6. Rollentausch im Alter

Jeder Mensch wird erwachsen und älter. Man wird sich der Tatsache bewusst, dass die Zeit vergeht, und das schneller als man denkt: Der Vater ist weniger aktiv und schneller müde als früher. Die Angst, ihn irgendwann zu verlieren, steigt. Die meisten reagieren auf diese Verlustangst, indem sie versuchen sich dem Vater wieder mehr anzunähern, um die verbleibende Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Beziehungen, die sich in den letzten Jahren etwas gelockert haben und distanzierter geworden sind, werden wieder gefestigt. Die Tochter widmet dem Vater wieder mehr Zeit.
Es vollzieht sich eine Art Rollentausch: Das kleine Mädchen, das eine erwachsene Frau geworden ist, kümmert sich um den Vater, sorgt sich um seine Gesundheit und erkundigt sich regelmäßig nach seinem Leben, seinen Sorgen, etc. Andere verspüren das Bedürfnis, einen Schlussstrich unter eine konfliktreiche Beziehung zu ziehen und versuchen wieder Kontakt mit dem entfremdeten Vater aufzunehmen. Wie dem auch sei: Diese sicher nicht ganz einfache Phase ist zugleich auch eine Periode voller Nähe und Zärtlichkeit. Es ist an der Zeit Frieden mit sich, mit ihm und mit der Welt zu schließen!

Unser Experte für diesen Artikel ist der französische Psychiater und Psychoanalytiker Didier Lauru, der sich verstärkt mit der Vater-Tochter-Beziehung von der Kindheit bis in Erwachsenenalter auseinandergesetzt hat.

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Typologie der Vaterfiguren: Ach, Papa!

Ausgewaschenes T-Shirt und auf jedem Arm ein Kind. Immer drei Schritte hinter der Mutter auf den High Heels. Das ist das Hochglanzbild vom neuen Vater, erfolgreich und doch stark genug, den Job einmal zurückzustellen. Nennen wir ihn Brad.

Dieser Achill, dieser Überheld, räumt auf mit den alten Vorstellungen von Despoten, Desinteressierten, Wochenendvätern und Oberlehrern. Er scheint endlich zu machen, was die Frauen seit 1968 wollen, was die Psychologen raten. Die moderne Gesellschaft will diesen neuen Vater, braucht ihn, fördert ihn mit Erziehungsmonaten und Elterngeld. Dafür soll er zugewandt und interessiert sein. Nicht abwesend, nicht erdrückend.

Doch Brad muss Spott ertragen. Diese „Kindermädchen-Väter“ seien einfach schrecklich! Findet zum Beispiel Karl Lagerfeld. Kein ausgewiesener Familienexperte, aber einer, der zu wissen meint, was jedem Vater blühen wird: „Mit 15 wollen die Kinder ihre Eltern nicht mehr sehen. Kinder sollten nicht die Hauptrolle spielen.“

Väter aber spielen im Leben ihrer Kinder eine Hauptrolle. Bis vor Kurzem hieß es noch, vor allem die Mutter sei ausschlaggebend für die Entwicklung des Nachwuchses. Doch neue Studien belegen: Väter sind für ihre Kinder so prägend wie Mütter.

So mancher hat sich in seiner Jugend geschworen, nie so zu werden wie der alte Herr. Um dann festzustellen, dass er als Papa seinen Kindern mit gleicher Mimik, Gestik und in ähnlichem Tonfall gegenübersteht. In jedem Vater steckt ein Vater.

Er bleibt ein Lebensthema. Auch wenn der Vater kein Tyrann ist, sondern ein Freund. Wie hat die Tochter ihn enttäuscht, als sie den falschen Mann heiratete! Wie der Sohn, der statt Jura lieber Ethnologie studierte, um dann einen Friseurladen aufzumachen. Wie soll man ihm überhaupt das Wasser reichen, seinen Ansprüchen genügen? Und wie schafft man es, ihm dankbar zu sein? Jeder Vater hinterlässt ein Erbe in der Persönlichkeit seiner Kinder. Eines, das sich nur schwer ausschlagen lässt. Dies, sagen Psychologen, gelte es zu erkennen und zu akzeptieren. Das wäre ein erster Schritt. Dem Sohn, dem dieser gelinge, falle die eigene Vaterrolle leichter. Die Tochter, die ihren Papa versteht, erkennt später leichter den falschen (oder richtigen) Mann fürs Leben.

Doch wie erkennen wir unseren Vater? Wer war er, was fühlte er? Was hat ihm sein Vater beigebracht? Was hat er weitergereicht? Und was wollen Väter heute weitergeben, welche Rolle haben sie für sich gefunden?

„Es ist eine neue Vätergeneration nachgewachsen“, hat der Familienpsychologe Wassilios Fthenakis beobachtet. Inzwischen haben sich zwei Drittel der Väter aus der alten Rolle gelöst, in der der Mann sich vor allem als Ernährer sah. Sie wollen sich Zeit nehmen, beschützen, schmusen und Tränen trocknen. Vatertag ist für sie ein Ausflug mit den Kindern im Bollerwagen, statt mit den Kumpeln auf Sauftour zu gehen. Der neue Vater bricht mit Traditionen.

Und es gibt für ihn nicht nur eine Rolle. Ob das Kind groß ist oder noch klein, Junge oder Mädchen, es gibt viele Vaterrollen. Sie wechseln oft, und fast jeder Vater spielt gleich mehrere. Und dennoch scheinen auch beim modernen Vater die Archetypen durch – alle klassischen Rollen finden sich bis heute.

Der Patriarch

Am Anfang war Abraham. Der ist bereit, Isaak um des Gehorsams willen zu opfern. Ein Testament später lässt Gott selbst seinen Sohn kreuzigen, um die Menschen von ihren Sünden zu erlösen. Aber auch aus Überlieferung und antiker Sage erreichten uns eher „dunkle Nachrichten“ zum Thema Vater, befand auch Sigmund Freud, der Urvater der Psychoanalyse. Sie gäben uns von seiner Rücksichtslosigkeit „eine unerfreuliche Vorstellung“.

Die erlebten einige Kinder von Thomas Mann an Heiligabend. Als Michael, der jüngste Sohn, ein Spielzeug zerbrach, fragte der Vater: „Was macht der überhaupt hier?“ Und den ältesten Sohn, Klaus, stempelte der Vater in der Novelle „Unordnung und frühes Leid“ zum Versager. Auch wenn er seine Jüngste später auf Händen trug, gilt das „Monstrum“, wie seine Frau Thomas Mann nannte, als Prototyp des gnadenlosen Patriarchen. Dessen Gewalt, dessen Kälte provoziert die Revolte.

Und doch: Die Liebe der Kinder scheint unverwüstlich. Jimi Hendrix, der von seinem Vater im Suff ausgepeitscht wurde, schrieb ihm noch als Rockstar: „Solange es dich gibt, ist bei mir alles gut, weil du mein lieber Dad bist.“ Diese Zeilen sind schwer zu begreifen. Aber erklären sich leicht. „Es geht nicht darum, einen guten Vater zu haben“, sagt der Psychologe Wolfgang Hantel-Quitmann, „sondern darum, ein geliebtes Kind zu sein.“

Der Abwesende

50 Krawatten. Das Geschenkpaket kam aus Amerika. Willy Brandt nahm es in Empfang und reichte es beiläufig weiter an seinen Sohn Lars. Einfach weil er in der Nähe stand. Was sollte der Jugendliche damit? In Lars Brandts Erinnerungen „Andenken“ ist dies eine Schlüsselszene. Sein Vater war selten da und wenn, dann nicht wirklich anwesend. Wenn Lars ihn reden hören wollte, schaltete er den Fernseher an.

Der abwesende Vater kann im Bundeskanzleramt arbeiten. Er kann den ganzen Tag als Chirurg am OP-Tisch stehen oder im Knast sitzen. Der entlassene Sträfling kann immerhin heimkehren. Der Chirurg merkt manchmal zu spät, dass er zu lange fort war. Und der Politiker vielleicht nie.

Väter, die es anders machen wollen, erschrecken bei dem Gedanken, die Kinder an die Arbeit zu verlieren. Aber auch sie verlassen sich heute noch oft auf die Mütter. In der Regel, so ergaben Untersuchungen, arbeiten sie nach der Geburt der Kinder mehr als vorher. Auch wenn sie sich ihr Familienleben ganz anders, ganz gleichberechtigt ausgemalt hatten. 37 Prozent der jungen Väter, die es bedauern, zu wenig Zeit für die Kinder zu haben, stürzt dieses in einen Gewissenskonflikt.

Ihre eigenen Väter hatten es nicht besser. Aber wenn sie von der Arbeit kamen, genossen sie den verdienten Feierabend. Und sie kamen oft spät, erschöpft. Sie verdienten das Geld mit harter Arbeit. Für die Familie und die Zukunft der Kinder. „Ihr sollt es einmal besser haben“, war ein Vatersatz, der in vielen Familien fiel. So manche hätten sich gern mehr um die Kinder gekümmert. Die Gewerkschaften machten mit ihrer Sehnsucht Kampagne für die Fünftagewoche. Der Slogan: „Samstags gehört Vati mir!“ Dann machten die Väter am Wochenende mit den Kindern eine Radtour, fuhren in den Zoo, lauter tolle Papas.

Die heutige Vätergeneration sähe damit alt aus. Wissenschaftler der Universität Bielefeld begleiteten fünf Jahre lang Familien. Ihr Ergebnis: Je mehr der Vater im Haushalt mithilft – was eindeutig über die Frage „Wie war’s in der Schule?“ hinausgeht –, desto eher fühlen sich die Kinder von ihm „liebevoll umsorgt, wertgeschätzt, angenommen, beachtet, geliebt“.

Abwesende Väter berufen sich darauf, dass es nicht auf die Menge der Zeit ankomme, sondern auf „quality time“, die Intensität, mit der man sie mit den Kindern verbracht habe. Eine miserable Ausrede? Ja, sagen viele Mütter. Meistens geht die Trennung von der Frau aus. Vor Gericht sagen Mütter oft: „Er war ja nie da.“

Nach der Scheidung ist er schnell für immer weg. Mindestens ein Drittel der Trennungskinder verliert den Kontakt zum leiblichen Vater. Eine halbe Milliarde Euro strecken öffentliche Kassen an Unterhaltszahlungen pro Jahr vor. Nicht einmal ein Drittel davon können sie eintreiben. In einer Kölner Studie zählten sechs Jahre nach der Trennung 30 Prozent der Kinder den Vater nicht mehr zur Familie.

Vor allem Jungen leiden, wenn der Papa verschwindet. „Das Kind ist Gefühlen von Einsamkeit, Warten, Sehnsucht, Enttäuschung, Ungewissheit und Zweifeln ausgesetzt und kann die Trauer über den abwesenden Vater nie endgültig verarbeiten“, schreibt der Psychiater Horst Petri. Selbst vor diesem Vater wollten sich Söhne beweisen. Einer seiner Patienten hatte seinem Vater, den er zehn Jahre nicht gesehen hatte, sein Abiturzeugnis geschickt. Er war Jahrgangsbester der Schule, hoffte auf ein Lob. Bekam aber keine Antwort.

Doch auch Töchtern fehlt der männliche Blick des Vaters manchmal ein ganzes Leben lang. Als Folge sah die französische Psychoanalytikerin Christiane Olivier bei erwachsenen Frauen immer wieder Minderwertigkeitsgefühle, Selbstzweifel und rastlose Partnersuche. Ihr oft zitierter Satz „Ich gefalle, also bin ich“, der das Buhlen der Tochter um die Vaterliebe beschreibt, wird am Beispiel Marilyn Monroe in seiner ganzen negativen Konsequenz deutlich. In allen Liebhabern, vor allem in ihrem Ehemann Arthur Miller, forschte die Schauspielerin nach dem fehlenden Vater. Der hatte ihre Mutter verlassen, als sie mit Marilyn schwanger war, verleugnete das Kind. Aufgewachsen in Pflegefamilien, Heimen, bei einer seelisch kranken Mutter und deren Freundinnen, suchte sie ihre Rettung in einer sich scheinbar hingebenden Erotik und verfiel Alkohol, Tabletten, Depressionen.

Der Darsteller

Sissi war er ein so wunderbarer Vater. Deshalb liebten alle Gustav Knuth. Kollegen erzählte er in den 50er Jahren mal eine Geschichte. Die Familie des Schauspielers hatte eine Katze, sie wurde überfahren. „Kathi ist tot“, sagte die Mutter den Kindern. Sie spielten weiter. Später fragte die Tochter: „Wo ist Kathi?“ – „Ich habe euch doch gesagt, sie ist tot.“ Da weinten die Kinder. „Du hast doch gesagt, Vati ist tot!“ Das hatte die Kinder nicht berührt.

Heute würde kaum ein Vater damit eine Partyrunde amüsieren. Der Therapeut Mathias Jung, der diese Anekdote seinem Buch „Rabenvater“ voranstellt, befragte 111 Männer über ihre Väter. Er erhielt erschütternde Berichte über die Narben, die lieblose Familienoberhäupter auf der Seele ihrer erwachsenen Kinder hinterlassen hatten.

Noch immer ist Vaterschaft oft Schauspiel. Oder Imagepflege. Jahr für Jahr bewunderte ganz Deutschland die glückliche Kleinfamilie Kohl am Wolfgangsee. Vater Helmut erzählte den geladenen Journalisten im Urlaub Nummer 25, er könne seine Kinder natürlich schnell abschieben, um seine Ruhe zu haben. „Ich kann sie aber auch mal auf eine Wanderung mit in den Wald nehmen und erklären, wie ein Ahorn aussieht oder eine Eiche.“

Sohn Walter hat einmal Buch geführt. 35 Termine hatte der Vater in einem Urlaub. Die täglichen Telefonate mit dem Kanzleramt nicht mitgerechnet. Von Ahorn und Eiche steht nichts in seiner Auflistung. Auf den Fotos der Journalisten fühlte der Sohn sich als Statist.

Fassadenväter nennen die Frankfurter Soziologen Andrea Bambey und Hans-Walter Gumbinger solche Männer. Sie stellten in ihrer Untersuchung „Neue Väter – andere Kinder?“ fest, dass dieser Typ heute in moderner Form noch immer verbreitet ist. Jeder vierte Vater fällt bei ihnen in die Kategorie.

Der Fassadenvater des Jahres 2013 beschreibt die Familie als großes Glück, lehnt in Fragebögen die traditionelle Vaterrolle ab und plädiert für eine egalitäre Aufgabenverteilung in der Partnerschaft. Dieser Typus bereitet sich vor, auch mit Ratgebern wie „Wickelpedia“ oder „Papa to go“, nimmt häufiger als andere Elternzeit, gibt nach außen den Experten. Und wird dann von den Psychologen bei der Auswertung der Fragebögen dabei ertappt, dass er sich bei der Lösung von Alltagsproblemen völlig überfordert fühlt.

Sein Wille ist stark. Doch schon bei der ersten Windel wird er schwach. Der Image-Papa ist eher ein Mann des Wortes. Er fährt damit erstaunlich gut. Auch wenn er laut Studie die „authentische Beziehung zum Kind“ verfehlt, fällt den Frauen das meist gar nicht auf. Viele Mütter wollen gar nicht, dass sich dieser Vater-Experte in die Erziehung einmischt, deshalb sind solche Elternbeziehungen meist stabil.

Der Fordernde

André Agassis Vater suchte den kürzesten Weg zum amerikanischen Traum. Der armenisch-iranische Einwanderer trieb seinen Sohn dazu auf den Tennisplatz. „Bei uns zu Hause war die Stimmung davon abhängig, ob ich gewann oder verlor. Entweder haben wir dann alle zusammen gegessen, oder jeder hat für sich gefuttert. Verlieren bedeutete, dass es allen anderen schlecht ging, weil mein Vater eine Niederlage unter keinen Umständen akzeptierte“, erzählte er in einem Interview. Agassi genügte, enttäuschte nicht. Der Vater liebte ihn dafür. Heute sagt der Tennisspieler: „Ich wünschte, er hätte mich weniger geliebt.“ Aber lieben solche Väter wirklich? Können sie sich einfühlen in kindliche Erlebniswelten? Was ist das für Liebe, die man sich als Kind verdienen muss?

Das ewige Fordern: eine Vaterliebe traditioneller Art, wenn auch in übersteigerter Form. Tatsächlich stießen auch die Soziologen Bambey und Gumbinger auf einen heute noch verbreiteten Vatertyp, der Kindern durchaus einen funktionalen Wert zuschreibt. In ihren Fragebögen stimmten solche Männer der Aussage zu, dass Kinder dazu da sind, „Einsamkeit im Alter zu vermeiden“. Solche Männer sind nicht untätig. In der Regel verbringen sie die Zeit mit ihren Kindern auf dem Sportplatz oder im Hobbykeller. Die Gefühlswelt überlassen sie der Mutter. André Agassi will seine schlimmen Erfahrungen ins Positive wenden, lässt zusammen mit seiner Frau Steffi Graf, deren Vater ähnlich ehrgeizig war, den Kindern Freiräume. Er hat heute Nachsicht mit seinem überambitionierten Vater, weil er ihn versteht. Und Zuversicht, es anders zu machen.

Der Wahlvater

Der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa war ein glücklicher Junge, er hatte mehrere Väter, den Opa, den Onkel. Bis er zehn Jahre alt war, da meldete sich sein leiblicher Vater. Ein Unterdrücker, wie es damals selbst in Peru nur wenige gab. Schreiben war für ihn „schwul“. Dabei hatte der Opa Mario für seine Texte so gelobt.

Und doch, er wäre ohne diesen Despoten wohl nie zu einem der bedeutendsten Schriftsteller Lateinamerikas geworden. Die Negativ- Identifikation mit seinem Vater diente ihm zur Abgrenzung. Er suchte sich eine neue Leitfigur und fand sie in seinem geliebten Onkel Lucho, bei dem er das glücklichste Jahr seines Lebens verbrachte. Der Onkel war ein liebevoller Freigeist.

Es gibt viele Onkel Luchos. Sie können Fußballtrainer sein, Klassenlehrer, der Vater eines Freundes. Nach Trennungen kann es gut der Stiefvater sein. Zwar wirken immer noch evolutionäre Verhaltensprogramme, nach denen ein Vater leibliche Kinder bevorzugt. Aber neuere Untersuchungen zeigen, dass Stiefväter die Verantwortung für das Kind ihrer neuen Partnerin manchmal besser wahrnehmen und verlässlichere Bindungen zu ihm aufbauen, als es die genetischen Erzeuger jemals vermochten. „Diese Ersatzväter sind für viele Kinder eine Rettung“, sagt Hantel- Quitmann, „aber der Weg dahin führt psychologisch gesprochen nur über den Vatermord, die innere Aberkennung der Vaterschaft gegenüber dem leiblichen Vater. Und das ist für manche Jungen mehr, als sie ertragen können.“

Manche Menschen sind noch als Erwachsene auf der Suche. Einen späten Wahlvater besonderer Art schien Marlene Dietrich in dem virilen Schriftsteller Ernest Hemingway gefunden zu haben, den sie 1934 auf einer Schiffspassage kennengelernt hatte. Das ist der Autorin Helga Levend bei der Lektüre von Dietrichs Memoiren aufgefallen. „Ihn wie viele seiner Freunde ‚Papa‘ zu nennen, schien mir lächerlich“, schrieb die Schauspielerin. „Ich glaube, ich nannte ihn ‚Du‘.“ Und doch sagte Marlene Dietrich, die ihren leiblichen Vater mit zehn Jahren verloren hatte, über diesen Ersatzvater, der nicht viel älter war als sie: „Er lehrte mich alles über das Leben. Ich kannte nur die Mutterliebe.“ Später nannte sie Hemingway, mit dem sie eine platonische Liebe verband, in vielen Briefen: „Papa“.

Der Partner

Er war immer gerade, hatte seinen eigenen Kopf, fügte sich auch nicht in die Gewerkschaft. Und er kämpfte immer mit Leidenschaft für die Schwachen. Er war Arbeiter in der Metallindustrie und verstand, dass mit der Grünen-Bewegung etwas Neues begann. Er kämpfte für die Freiheit. Und die schenkte Willi Hoss auch seiner Tochter Nina.

Wer sie kennt, entdeckt in der Schauspielerin die Selbstsicherheit und die Spontaneität ihres Vaters. Einer seiner Grundsätze war: „Du musst immer gut sein, egal was du tust, sonst kannst du dir nichts erlauben.“ Es ist auch ihr Lebensmotto geworden. Sie sagt in einem Interview: „Er hat mir diesen Enthusiasmus mitgegeben, den man für eine Sache entfachen muss, die einem wichtig ist. Und dass man Durchhaltevermögen haben muss. Und unbeugsam sein.“

Mädchen, die von ihren Vätern angespornt werden, so zeigen neue Studien, entwickeln eine positivere Identität. Sie sind später oft sehr erfolgreich. Das sagt Sabine Walper, Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut in München. „Väter haben es in der Hand, ihre Töchter zu starken Frauen zu erziehen.“ Der Vater ist ihr erster Flirt. Seine Anerkennung und Verlässlichkeit zählen besonders. Durch ihn können sich Mädchen als Frau entdecken. Später, sagt Walper, wird der Vater bei der Partnerwahl durchaus eine Rolle spielen. „Starker Rückhalt beim Vater ermöglicht ihnen, sich die Männer entspannt und mit dem nötigen Selbstvertrauen auszusuchen.“

Es ist dieser liebende Vater, durch den Mädchen und Jungen den aufrechten Gang lernen. Das ist nicht einfach nur ein schöner Satz, sondern ein Forschungsergebnis des französischen Psychologen Jean Le Camus. Die segensreiche Wirkung des Vaters, so hat er festgestellt, beginnt nicht vor der ersten Klassenarbeit, sondern im Krabbelalter.

Die soziale Einbindung des Kindes erfolgt beim Spaßen und Toben mit dem Vater, setzt sich dann fort im Spiel mit den Gleichaltrigen. Väter ermutigen, trauen mehr zu als die Mütter. Sie reden anders mit den Kindern, benutzen mehr unbekannte Worte. Sie sind, ohne es zu merken, ständige Mutmacher.

Zudem fiel wissenschaftlichen Beobachtern auf, dass Väter die zukünftige Geschlechterrolle mehr prägen als die Mütter. Tatsächlich wissen Kinder mit zwei Jahren genau, ob sie Mädchen oder Jungen sind. Und die männlichen Selbstentdecker orientieren sich am Vater. Er ist es, der sie – altersgerecht – aus der Symbiose mit der Mutter löst.

Unser Brad, der partnerschaftliche Vater, ist nicht nur ein Ideal, das moderne Männer anstreben. Es gibt sogar schon welche, die ihm genügen. Tatsächlich konnten in der Frankfurter Väterstudie heute fast 30 Prozent der jungen Väter dieser Gruppe zugeordnet werden. Sie sehen sich in der Familie als mit der Mutter gleichwertige Erzieher.

Diese Männer übernehmen Aufgaben, die früher als weiblich galten. Fast die Hälfte der Väter kuschelt heute mit ihren Kindern. Unter den sich selbst als modern verstehenden Vätern sind es sogar 70 Prozent.

Ein historischer Umbruch. Selten kommen sie noch, die Sprüche bei den Familienfeiern :“Was gehen den Bock die Lämmer an? Wenn das Weibchen schon beim Stillen ist, kann es auch den Rest machen.“

Jetzt weiß man: Nicht nur die Hormone der Mutter bereiten auf die Kinderaufzucht vor, auch beim Vater erzeugen Pheromone der Mutter neuronale Verknüpfungen im Gehirn ihres Partners, die Fürsorglichkeit auslösen, das entdeckte die amerikanische Verhaltensforscherin Toni Ziegler. Bei werdenden Vätern steigt der Spiegel des Hormons Prolaktin an, das bei Frauen den Milcheinschuss anregt. In Vätern weckt es Muttergefühle. Im Kreißsaal fällt der männliche Testosteronspiegel um ein Drittel. Halten die Väter das Baby eine Stunde im Arm, entspannt das die väterliche Hormonlage noch einmal, und das Bedürfnis wächst, das Kind zu bevatern.

Doch oft gewinnt die Anspannung der Arbeitswelt den Kampf gegen die Hormone. Wenn es dann darum geht, die Kinder ins Bett zu bringen, schafft das nur die Hälfte der engagierten Männer. Denn viele arbeiten an ihrer Karriere. Und stehen deshalb immer wieder vor Entscheidungen. Die Arbeit, die Frau, das Kind – so viele Erwartungen. Dazu auch noch die eigenen. Mancher Vater verlässt morgens die Familie mit schlechtem Gewissen. Und nachmittags das Büro mit miesem Gefühl. Ein unbesungener Held: der doppelbelastete Mann.

Das ist der Preis, den Männer dafür zahlen, dass sie zu ihren Kindern emotionale Bande aufbauen, dass sie ihren Teil in der Familie übernehmen wollen – so wie ihn berufstätige Frauen schon lange bezahlen. Aber Psychologen beruhigen: Niemand braucht den perfekten Vater.

Es genügt der gute.

Konflikte zwischen Eltern und erwachsenen Kindern: Der Weg zur Lösung

Jeder kennt diese Konflikte zwischen Eltern und erwachsenen Kindern.

Scheinbar völlig banale Aussagen führen zu großer Aufregung und sogar tagelangem Streit. Manche unserer Reaktionen können tatsächlich nur unsere Eltern aus uns heraus holen!

Leider sind es selten die Reaktionen, auf die wir besonders stolz sind. In jedem Fall sind es die Reaktionen mit besonders starken Emotionen. Wir wissen oft selbst, dass diese überzogen sind, aber wir wissen nicht wie wir da rauskommen.

Wir haben von unseren Eltern das Lieben gelernt…

…und wir haben sie einmal extrem und existentiell geliebt, egal was wir heute fühlen, wenn wir an sie denken. Jedes Kind liebt seine Eltern. Das ist ein Naturgesetz.

Oft lieben wir sie natürlich auch noch wenn wir erwachsen sind. Der wichtige Unterschied zu heute ist jedoch, dass wir nicht mehr existentiell von ihnen abhängig sind. Wir brauchen sie nicht mehr.

Diese Tatsache ist uns jedoch nicht richtig klar und so bleiben wir stecken zwischen der gefühlten Abhängigkeit und der tatsächlichen Unabhängigkeit.

Die Konflikte zwischen Eltern und erwachsenen Kinder sind so zahlreich wie es Menschen gibt, sie lassen sich aber ganz gut in drei verschiedene „Schwierigkeitsgrade“ einteilen, die alle etwas mit dem eigenen Partnerschaftsstatuts zu tun haben:

Konflikte zwischen Eltern und erwachsenen Kindern – als Singles

Wenn wir als Single Konflikte mit den Eltern haben, ist es der Klassiker, ihnen einfach aus dem Weg zu gehen. Dann genießen wir erstmal das Leben ohne ihre ständige Einmischung. Manchmal führt uns der Wunsch, endlich aus dem Dunstkreis der Eltern zu kommen, sogar bis nach China.

Aber natürlich werden wir dadurch die Konflikte nicht los, sondern wir haben sie gerade dann, wenn wir unsere Eltern besonders stark ablehnen, immer im Gepäck.

Häufig ist es dann so, dass wir uns zwar im Ausland ganz wohl fühlen aber sobald wir nach Hause kommen, mutieren wir wieder zu einem Kind. Meistens zu einem Kind in der Trotzphase. Dann beginnt der Streit nach den ersten drei Sätzen oder wir fühlen wieder unsere Ohnmacht ihnen gegenüber und sind seltsam müde und erschöpft während des Besuchs.

Konfliktverschiebungen

Darüber hinaus verschieben wir den Konflikt mit den Eltern auf andere Autoritäten.

Weil wir uns nicht wirklich von den Gefühlen der Abhängigkeit und Ohnmacht gelöst haben, bekämpfen wir diese Gefühle durch Konflikte mit anderen Menschen, die uns etwas zu sagen haben.

Dann streiten wir eben mit dem Chef oder der Chefin oder auch mit irgendwelchen Behörden, quasi stellvertretend. Gelöst ist hier nichts.

Konflikte zwischen den Eltern und erwachsenen Kindern – wenn wir in einer Partnerschaft sind

Wenn wir selbst in einer Partnerschaft sind, wird die Sache ein bisschen schwieriger. Endlich haben wir wieder jemanden, den wir lieben können. Und nach der Verliebtheit des Anfangs tauchen die erlernten Verhaltensmuster aus der Kindheit wieder auf.

Wenn wir ständig mit unseren Eltern im Streit sind, dehnen wir diesen Streit häufig auch auf unsere Paarbeziehung aus. Wir fühlen uns mit unserem Partner sehr schnell wieder wie ein Kind, hilflos, trotzig und abhängig.

Hinzu kommt noch, dass unsere Eltern mit unserem Partner ebenfalls eine Beziehung eingehen.

Angst vor den Schwiegereltern?

Oft wird schon bei der ersten Begegnung klar, ob es hier Probleme geben wird. Manchmal entsteht dann das „Schwiegermutterphänomen“, das uns schon viele, meist schlechte, Witze beschert hat.

Der Schwiegersohn fühlt sich bevormundet und ist genervt, sobald die Schwiegermutter auf der Bildfläche erscheint. Die Frau wirbt bei ihm um Verständnis für ihre Mutter, statt sich auf seine Seite zu stellen.

Natürlich können die Personen hier beliebig ausgetauscht werden, die Schwiegermutter kann auch der Schwiegervater sein und die Tochter auch der Sohn. Deutlich wird aber das zugrunde liegende Problem, das „alte“ System hat ein Problem hat mit dem „neuen“.

Die Ablösung nicht länger aufschieben

Auf der persönlichen Ebene ist die Ursache die fehlende Ablösung von den Eltern. Wenn also unser Partner ein Problem mit unseren Eltern hat, haben wir uns noch nicht aus unserem Herkunftssystem und unserem Status als „Kind“ gelöst.

Eine Beziehung kann aber nur gelingen, wenn sie eindeutig „Vorrang“ hat vor dem alten System. Es geht also darum, endlich erwachsen zu werden. Sonst mischen sich unsere Eltern ständig in unser Leben ein und die ewige Streiterei ist vorprogrammiert.

Das wird im Laufe der Zeit meistens schlimmer und unsere Beziehung gerät ernsthaft in Gefahr.

Konflikte zwischen den Eltern und erwachsenen Kindern – wenn wir selbst Eltern sind

Den höchsten Konflitklevel zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern erreichen wir sobald wir selbst Eltern sind. Sofort werden wir noch einmal ganz neu mit unseren Gefühlen aus der Kindheit und den Erfahrungen mit den eigenen Eltern konfrontiert.

Wir beginnen zwar meist, viel mehr Verständnis für unsere Eltern zu entwicklen, aber wir leiden auch darunter, dass wir uns dabei „erwischen“, uns genauso zu verhalten wie unsere Eltern. Dabei wollten wir es doch auf jeden Fall besser machen. Das kann durchaus einen mittelschweren Schock verursachen.

Entsetzt stellen wir fest, dass wir noch tiefer eingebunden sind in diese Familie als wir es jemals für möglich gehalten hätten. Wir fühlen uns normalerweise viel selbstständiger und unabhängiger als wir es tatsächlich sind.

Wie überwinden wir diese Konflikte mit den Eltern als erwachsene Kinder?

Auf der persönlichen Ebene ist es eigentlich ganz einfach. Der erste Schritt ist, dass wir uns bei unseren Eltern bedanken für das, was sie uns gegeben haben. Wenn wir nichts finden wofür wir dankbar sind, bleibt die Tatsache, dass wir ihnen das Leben verdanken.

Erst dann können wir uns mit Respekt von der Abhängigkeit zu ihnen lösen. Es geht nicht darum, ihnen irgendetwas zu verzeihen oder sie für etwas verantwortlich zu machen.

Heute sind wir erwachsen und groß genug, uns um uns selbst zu kümmern. Wichtig dabei ist, dass wir tatsächlich in unser eigenes Leben gehen und alle Abhängigkeiten loslassen, auch die finanziellen.

Aus allen Abhängigkeiten lösen

Erst dann wissen wir, dass wir überleben können und wir spüren vielleicht erstmals unsere eigene Kraft. Wir haben alles von unseren Eltern bekommen was wir brauchen um zu leben und wir haben unsere Kindheit überlebt. Mehr gibt es nicht und mehr brauchen wir auch nicht.

Das Schöne daran ist, dass wir sie weiterhin lieben dürfen, wenn wir das wollen. Wir dürfen sie sogar auf Distanz halten, wenn das stimmig für uns ist. Aber wir müssen nichts mehr davon tun! Ab jetzt sind wir in der Lage, einen guten und für uns stimmigen Umgang mit ihnen zu finden.

Die Voraussetzung dafür ist lediglich, dass wir wissen, dass wir verantwortlich sind für unser eigenes Leben und für unsere eigenen Gefühle. Das gilt im Gegenzug natürlich auch für unsere Eltern.

Die Eltern akzeptieren

Wir haben uns unsere Eltern nicht ausgesucht aber mit dem Augenblick unseres Erscheinens sind wir an sie gebunden. Sie sind und bleiben unsere einzig möglichen Eltern.

In unserer heutigen Gesellschaft werden wir im Laufe unseres Lebens eher zufällig erwachsen. Es fehlt das Bewusstsein dafür und nur deshalb können uns die Gefühle aus der Kindheit so überrollen und zu extremen Problemen (nicht nur) mit den eigenen Eltern führen.

Wenn wir jedoch ganz bewusst raus gehen aus dem Gefühl der Ohnmacht und Abhängigkeit, sehen wir meistens zwei ganz normale Menschen, durch die das Leben zu uns geflossen ist.

Eltern = ganz normale Menschen?

Sie sind weder besonders schrecklich noch besonders großartig aber für uns bedeuten sie den Anfang des Lebens und der Liebe. Es macht also Sinn, ihnen einen guten Platz in unserem Gefühlssystem zu geben.

Ihnen sogar zu danken für das Leben. Dann spüren wir auch die ursprüngliche Liebe in uns wieder, die wir weiter geben können an unsere Partner und Kinder.

Über die persönliche Ebene hinaus kann es allerdings sein, dass wir einen Auftrag aus dem Familiensystem übernommen haben. Das klingt vielleicht seltsam, zeigt sich aber in meiner täglichen Arbeit mit Familienaufstellungen immer wieder.

Blinde Flecken entdecken

Dann geht es bei Konflikten zwischen Eltern und erwachsenen Kindern gar nicht um unsere Eltern, sondern um ganz andere Familienmitglieder, deren Schicksal wir blind nachahmen. Eine Aufstellung bringt hier Klarheit und vor allem die Lösung.

Wer jetzt den Verdacht hat, das könnte bei ihm oder ihr der Fall sein, ist herzlich Willkommen für eine Beratung. Diese findet online statt, wir treffen uns also ganz bequem im Internet. Es gibt die Möglichkeit für ein kostenloses Vorgespräch. Du kannst dir hier einen Termin aussuchen.

Du bist herzlich willkommen!

Artikelbild: aletia2011

Diese Muttis haben sich wirklich gut gehalten und werden von Millionen von Menschen unzählige Jahre jünger geschätzt.

Credit: Kevork Djansezian / GettyImages

Gute Gene
Es gibt nur wenige Dinge, die einen Menschen schnell altern lassen. Eines dieser ist auf jeden Fall das erste eigene Kind. Man fällt wahrscheinlich schon vor dem Nachwuchs tot ins Bett, kann sich auf eine unruhige Nacht gefasst machen, muss früh am Morgen wieder topfit sein und macht sich den ganzen Tag Gedanken. Die damals wundervollen Haare werden immer weniger und färben sich langsam aber sicher grau, die Haut wird immer faltiger und auch sonst gibt es noch weitere negative Aspekte des Kinderkriegens.

Wenn meine Kinder bei mir graue Haare entdecken und mir vorschlagen, ich könnte sie ja auch färben, ist das wohl dieses Altwerden. 😀

— Genieße Dein Leben (@souej) July 31, 2016

Dass das nicht immer der Fall sein muss und einige Damen auch im höheren Alter noch super ausschauen, beweisen die folgenden Mütter, welche sich tatsächlich mit ihren Töchtern abgelichtet haben und unglaublich jung ausschauen.

#1. Schauspielerin Reese Witherspoon (41) und Tochter Ava Phillippe:

Mother daughter time

A post shared by Reese Witherspoon (@reesewitherspoon) on Jul 8, 2016 at 12:25pm PDT

#2. Die Mutti ist die Dame rechts im Bild:

Eliminated first round of the #motherdaughterlookalike contest. What?

A post shared by Charlene Potts (@pghpetphotog) on May 7, 2016 at 1:47pm PDT

#3. Demi Moore und Tochter Rumer Willis:

That moment when you realize you actually are becoming your mother #twinning #imnotmad

A post shared by Rumer Willis (@ruelarue) on May 25, 2015 at 6:08pm PDT

#4. Eine 41-jährige Mutter und ihre Tochter (von rechts nach links):

With @evelynlozada last night at the Dodger game!

A post shared by SHA (@shanieceh) on Aug 29, 2015 at 12:41pm PDT

#5. Eine 43-jährige Mutter und ihre Zwillingstöchter (von rechts nach links):

Mom, twin & me. pic.twitter.com/2l5QEfYX1f

— Kaylan Mahomes (@kaayyllaan) January 28, 2016

#6. Tochter Lure Hsu (41), ihre 63-jährige Mutter und Tochter Sharon 36 (von rechts nach links):

— 迷彩野郎 (@CamouflageMan) July 2, 2017

#7. Die Mutter im Bild hat ihre Haare zum Dutt gebunden:

my mother is commonly mistaken for my sister, lol. pic.twitter.com/Fgid91M1QO

— كايلا (@BADCAY) June 30, 2016

#8. Auch diese zwei Damen sind Mutter und Tochter:

It’s a wrap! Photoshoot complete with @MaddSusan #MADD pic.twitter.com/AYgjQQdYWl

— TSUNAMI IMANI (@MaddImani) June 25, 2015

Erstaunlich, oder? Hast Du direkt erkannt, wer hier die Mutter und wer die Tochter ist?

Kaum jemand prägt so sehr, wie die eigenen Eltern. Das Verhältnis der Mutter zur Tochter kann viele Facetten haben. Oft wird davon ausgegangen, dass dieses Verhältnis besonders stark ist. Ein Mutter-Tochter-Konflikt ist jedoch nicht zu unterschätzen.

Er kann das Familienleben beeinflussen und Kinder für ihr gesamtes Leben prägen. Umso wichtiger ist es, den Mutter-Tochter-Konflikt möglichst schnell zu lösen.

Mögliche Auslöser für einen Mutter-Tochter-Konflikt

Ein Mutter-Tochter-Konflikt entsteht nicht einfach so, er wird durch verschiedene Faktoren unterstützt. Es handelt sich hierbei meist um einen schleichenden Prozess, der unbemerkt bleibt, bis sich der Konflikt zuspitzt und die Emotionen nicht mehr in den Griff zu bekommen sind. Um zu verstehen, wie sich ein Mutter-Tochter-Konflikt lösen lässt, muss erst einmal geschaut werden, wo die Auslöser liegen. Mögliche Auslöser, die häufig das Verhältnis negativ beeinflussen, sind:

  1. Emotionale Distanz
    Eine emotionale Distanz kann das Verhältnis von Müttern und Töchtern stark beeinflussen. Hierbei handelt es sich um die fehlende körperliche Nähe, die durch die Mutter nicht gegeben werden kann. Emotionale Distanz kann aber auch durch ein fehlendes Mitgefühl geprägt sein. Weint das Kind und die Mutter ist nicht in der Lage, es zu trösten, wird dies die Seele des Kindes stark beeinflussen.
  1. Abweisung
    Zeigt eine Tochter ihrer Mutter etwas, auf das sie stolz ist, wünscht sie sich Anerkennung. Diese wird in einer gesunden Mutter-Tochter-Beziehung normalerweise vermittelt. Reagiert die Mutter allerdings abweisend, kann dies dafür sorgen, dass Töchter der Meinung sind, ihnen steht keine Aufmerksamkeit und kein Lob zu. Sie versuchen immer mehr, die Mutter zu beeindrucken und es entsteht eine Spirale.
  1. Kontrolle
    Kinder müssen sich entwickeln und auch die Möglichkeit haben, selbst Dinge zu testen. Eine zu starke Kontrolle durch die Mutter kann hier stark hemmend wirken. Zudem kann sie dazu führen, dass Töchter davon ausgehen, dass ihnen nicht vertraut werden kann. Dies verunsichert stark.

Streit ist in einem Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ganz normal. Tritt jedoch eine Streitsucht auf, bei der Mütter ihre Töchter ständig schlecht machen und kritisieren, kann dies schwierige Beziehungen fördern.(#01)

  1. Streit
    Streit ist in einem Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ganz normal. Tritt jedoch eine Streitsucht auf, bei der Mütter ihre Töchter ständig schlecht machen und kritisieren, kann dies schwierige Beziehungen fördern. Töchter möchten ihren Müttern gefallen und fühlen sich wertlos, wenn sie kein positives Feedback bekommen.
  1. Unzuverlässigkeit
    Töchter verlassen sich auf ihre Mütter. Wenn diese das Vertrauen dann missbrauchen und unzuverlässig sind, hinterlässt dies Narben und prägt das ganze Familienleben. Wartet die Tochter bei ihrem ersten Auftritt noch auf die Mutter, wird sie damit irgendwann aufhören, wenn auf die Mutter kein Verlass ist. Das Vertrauen wird zerstört. Ein großes Problem ist dabei aber auch, dass Töchter dazu neigen, die Fehler für diese Unzuverlässigkeit bei sich zu suchen.
  1. Eigene Ziele verfolgen
    Einige Mütter sehen in ihren Töchtern die Chance, sich die Wünsche zu erfüllen, die sie selbst als Kind nicht erfüllen konnten. Sie möchten in ihren Töchtern ihren Erfolg fortführen oder umsetzen. Töchter haben in diesem Mutter-Tochter-Konflikt das Problem, dass sie nicht sie selbst sein können. Stattdessen versuchen sie, es ihren Müttern recht zu machen und verlieren sich selbst aus den Augen. Das kann später zum Vorwurf werden.

Egoistische Mütter haben vor allem sich selbst im Blick und sehen nicht das Verhältnis zu ihrer Tochter.(#02)

  1. Egoismus
    Egoistische Mütter haben vor allem sich selbst im Blick und sehen nicht das Verhältnis zu ihrer Tochter. Ihnen fehlt Empathie und sie sind nicht in der Lage, Fürsorge zu übernehmen.
  1. Ablösung
    Wenn sich die Töchter langsam von den Müttern lösen, kann dies ebenfalls zu einem Mutter-Tochter-Konflikt führen, wenn Mütter nicht in der Lage sind, diese Ablösung zuzulassen. Sie unterstützen ihre Töchter nicht, sondern legen ihnen Steine in den Weg. Die Emotionen auf beiden Seiten stehen sich gegenüber, es kommt zu einem Konflikt, der gelöst werden muss.
  1. Rollentausch
    In einigen Mutter-Tochter-Beziehungen kann es zu einem Rollentausch kommen, wenn die Mütter sehr schwach sind und es nicht schaffen, ihr Leben selbst zu bewältigen. Töchter übernehmen dann die Aufgaben der Mütter und fühlen sich verantwortlich. Sie verlieren ihre Leichtigkeit und es entsteht das Gefühl, immer Verantwortung tragen zu müssen.
  1. Angst
    Die Mutter-Tochter-Beziehung kann auch durch eine starke Angst der Mutter beeinflusst werden. Dies ist nicht zu verwechseln mit der Kontrolle. Wenn Mütter große Ängste haben und ihre Töchter nicht alleine gehen lassen, kann dies dazu führen, dass die selbstständige Entwicklung unterbrochen wird. Die Angst kann sich zudem auf die Tochter legen und ihr Leben beeinflussen.

Der Mutter-Tochter-Konflikt wird im Alltag immer wieder auftreten.(#03)

Konflikte als Chance sehen: 5 Tipps für eine bessere Mutter-Tochter-Beziehung

Der Mutter-Tochter-Konflikt wird im Alltag immer wieder auftreten. Dabei sollte er nicht als Ärgernis, sondern als Chance gesehen werden. Ein Mutter-Tochter-Konflikt ist immer auch eine Möglichkeit, an sich selbst und an den Emotionen zu arbeiten und schwierige Situationen mit Fürsorge und gemeinsamer Konfliktlösung in den Griff zu bekommen. Abhängig vom Alter der Töchter ist dies eine gemeinsame Arbeit, der sich gestellt werden kann. Die folgenden 5 Tipps helfen dabei, einen Mutter-Tochter-Konflikt anzunehmen und ihn zu lösen und so die Bindung zu stärken.

  1. Gegenseitige Akzeptanz
    Nicht jeder Mensch ist in der Lage, sich so zu verändern, wie er gerne möchte. Während die eine Mutter sehr ängstlich ist, ist die andere vielleicht zu unzuverlässig. Manche Töchter haben einen sehr starken Willen, andere sind nicht in der Lage, sich zu überwinden. Ein guter Schritt, um einen dauerhaften Mutter-Tochter-Konflikt zu vermeiden, ist die gegenseitige Akzeptanz. Hier geht es darum zu sehen, dass man einen Menschen vor sich hat, der das Beste gibt und dies auch zu akzeptieren. Wer in der Lage ist, Verhaltensweisen nicht als Kritik zu sehen, der kann besser akzeptieren und die Beziehung wird schnell eine neue Richtung einschlagen. Dies ist aber auch ein langer Weg, der möglicherweise einige Rückschritte mit sich bringt. Das Verhältnis von Mutter und Tochter wird sich nicht von einem auf den anderen Moment verändern. Akzeptanz ist nicht immer einfach, sie fordert und muss erst geübt werden. Hier sollten Mütter und Töchter sich ausreichend Zeit geben.

Ein Mutter-Tochter-Konflikt tritt normalerweise nicht ständig auf. Es gibt auch Momente, in denen das Verhältnis gut ist. Diese Momente sollten genossen werden. (#04)

  1. Momente genießen
    Ein Mutter-Tochter-Konflikt tritt normalerweise nicht ständig auf. Es gibt auch Momente, in denen das Verhältnis gut ist. Diese Momente sollten genossen werden. Es kann helfen, sich vor Augen zu führen, wenn ein solcher Zeitpunkt gerade gekommen ist. Mütter können diese Momente auch bewusst erschaffen. Die Tochter geht gerne in den Tierpark? Warum nicht an einem Tag in der Woche frei nehmen und den Tierpark besuchen? Oder wie wäre es mit einem gemeinsamen Besuch im Schwimmbad? Dabei ist es ganz wichtig, den Fokus nur auf das Kind zu richten und sich darauf zu konzentrieren, keine negative Energie zuzulassen. Dies funktioniert vor allem dann, wenn die Kinder noch jünger sind. Die Emotionen der Mutter sollten dabei besonders unter Kontrolle sein. Auch dann, wenn es an diesen Tagen Momente gibt, die für Ärger sorgen können, sollten diese nicht im Fokus stehen.
  2. Verzeihen lernen
    Ein großes Problem bei einem Mutter-Tochter-Konflikt ist, wenn dieser nicht verziehen werden kann. Verzeihen ist eine der wichtigsten Eigenschaften in der Elternschaft, aber auch bei den Kindern. Das Gefühl, dass jemand sein Verhalten wirklich bereut, hilft dabei besonders. Wenn es zu einem Konflikt gekommen ist und eine Entschuldigung formuliert wird, sollte diese auch angenommen werden. Auch dies braucht ein wenig Übung. Oft zeigt sich aber, dass es einem selbst auch besser geht, wenn man verzeihen kann. Dabei ist es jedoch besonders wichtig, Dinge nicht unausgesprochen zu lassen. Dem Verzeihen geht ein Gespräch voraus, bei dem auch klar die Emotionen und Gefühle benannt werden dürfen. Hinweise darauf, dass man selbst verletzt ist, sind erlaubt. Aber auch die Suche nach gemeinsamen Lösungen ist nicht zu unterschätzen. Was können wir tun, damit dies nicht mehr passiert? Schon bei der Lösungssuche zeigt sich oft, dass sowohl Mutter als auch Tochter die Konflikte eigentlich gar nicht möchten. Bereits dieses Wissen kann dabei helfen, zu verzeihen.

Mütter und Väter müssen akzeptieren, dass ihre Töchter sich abnabeln. Sie sollten dazu in der Lage sein zu erkennen, dass der eigene Nachwuchs seine eigenen Wege geht.(#05)

  1. Die Abnabelung zulassen
    Mütter müssen akzeptieren, dass ihre Töchter sich abnabeln. Sie sollten dazu in der Lage sein zu erkennen, dass der eigene Nachwuchs seine eigenen Wege geht. Dies funktioniert mit Hilfe einer Abnabelung ohne Trennung .Das heißt, die Töchter sollen nicht direkt in das Leben entlassen werden, ohne dass sie die Möglichkeit bekommen, einen Schritt zurück zu gehen. Die Abnabelung ohne Trennung ist ein Prozess, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Der gesunde Abstand sollte dabei im Fokus stehen. Hier müssen beide Seiten an sich arbeiten. So muss die Mutter bereit sein, das Kind loszulassen. Die Tochter muss bereit sein, sich vielleicht auch gegen die Mutter zu behaupten. Sehr wichtiger ist dieser Prozess dann, wenn der Mutter-Tochter-Konflikt aus einer zu starken Nähe heraus passiert. Wenn Mütter zu stark klammern und Töchter versuchen, die Wünsche der Mütter zu erfüllen, kann dies zu einem Konflikt führen. Bei der Abnabelung sollen Töchter und Mütter gleichermaßen lernen, ihre Wünsche zu formulieren und zu prüfen, inwieweit sich diese umsetzen lassen.
  2. Respekt und Liebe nicht verlieren
    Emotionen können hochkochen, das Familienleben kann anstrengend sein – aber auch schwierige Beziehungen lassen sich in den Griff bekommen, wenn Liebe und Respekt im Fokus stehen. Dieses Gefühl muss dabei immer wieder in den Vordergrund geholt werden. Sowohl Mutter als auch Tochter wünschen sich gleichermaßen Respekt. Dass bedeutet, die Gefühle des Gegenübers zu akzeptieren, keine verletzenden Worte nutzen und vielleicht auch nicht immer seine eigenen Wünsche in den Vordergrund zu stellen. Ein Mutter-Tochter-Konflikt hinterlässt weniger Wunden, wenn sich beide Seiten darüber bewusst sind, dass sie einander lieben und wieder auf einander zugehen können.

Die Beziehungen zwischen Eltern und Kind sind eine ständige Arbeit. Auch wenn von Geburt an ein Band besteht und die wichtigste Verbindung meist Mutter und Kind haben, kann das Leben dazu führen, dass Konflikte entstehen. Der Mutter-Tochter-Konflikt ist hier, ebenso wie Probleme zwischen Vater und Sohn, verstärkt im Fokus. Wer feststellt, dass Situationen schon zu eingefahren sind und sich diese nicht mehr in den Griff bekommen lassen, der sollte zudem die Möglichkeit in Betracht ziehen, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Die Beziehung zwischen Mutter und Kind ist etwas Besonderes. Sie beginnt schon vor der Geburt und prägt wie keine andere das gesamte Leben des Kindes. Das Verhältnis von der Mutter zur Tochter ist häufig Konflikt anfälliger als das zum Sohn, da sich die Mutter in ihrer Tochter auf andere Weise wieder zu finden sucht. Nicht selten projiziert sie unerfüllte Wünsche auf ihr Kind und entwickelt damit unbewusst eine hohe Erwartungshaltung. Manchmal wünscht sie sich die Tochter als ihr Ebenbild, manchmal als das, was sie nie werden konnte.

Auch ihr Verhältnis zu Männern sowie ihr Männerbild beeinflussen, wie die Tochter später Männer einmal sehen wird. Umgekehrt sieht die Tochter in einer liebevollen Mutter während der Kindheit ein Vorbild, dem sie nacheifern möchte. Welches kleine Mädchen schlüpft nicht gern in die Kleider und viel zu großen Schuhe der Mama und probiert vor dem Spiegel ihren Lippenstift aus?

Mutter-Tochter-Konflikt lösen: Von Geburt an eine komplizierte Beziehung

Das Verhalten der Mutter dem Kleinkind gegenüber entscheidet, wie sich das Verhältnis entwickelt und ob erste Risse in der Beziehung schon während der Kindheit entstehen. Mögliche Auslöser für einen späteren Konflikt können Abweisung, emotionale Distanz, Unzuverlässigkeit, übertriebene Kontrolle, Egoismus, aber auch Schwäche oder Angst vor Überforderung seitens der Mutter sein. Um einen entstandenen Konflikt lösen zu können, ist es sinnvoll, sich damit zu beschäftigen, was in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter von Anfang an alles falsch gelaufen sein kann.

Böse Mutter, gute Mutter

Auch in einem harmonischen Mutter-Tochter-Verhältnis kommt es zu Missverständnissen, Wut, Streit, Traurigkeit und Kränkung. Die negativen Gefühle lassen sich jedoch in einer gesunden Beziehung schnell wieder aus der Welt schaffen. Auch Mütter sind Produkte der Sozialisation durch ihre Eltern und können deshalb bei der Erziehung ihrer Kinder schlecht über ihren eigenen Schatten springen. In ihrem Buch „Böse Mutter – gute Mutter“ beschäftigt sich die Körperpsychotherapeutin Sam Jolig mit verschiedenen Muttertypen und beschreibt, welche möglichen Reaktionen das Verhalten der Mutter bei ihrer Tochter hervorruft. Entweder eifert die Tochter ihrer Mutter in allem nach und wird wie sie, oder sie rebelliert, lehnt sich gegen sie auf und wird zum kompletten Gegenteil.

Als Muttertypen charakterisiert sie die unterdrückende, die konkurrente, die überbehütende, die ambivalente und die leistungsorientierte Mutter, deren eigene ungelöste Probleme sich in ihrem Erziehungsstil widerspiegeln. Doch ganz gleich, wie sehr man als Tochter unter der Mutter gelitten haben mag, es hilft nicht, sie zu hassen und abzulehnen. Schließlich ist man ein Teil von ihr und wird es immer bleiben.

Der Schritt ins Erwachsenenleben

Auch in einem liebevollen Mutter-Tochter-Verhältnis kommt es mit der Pubertät zu Veränderungen. Häufig zum Unverständnis der Mutter distanziert sich die Tochter zunehmend, geht auf Abstand und hat plötzlich Geheimnisse. Galt die Mutter vor kurzem noch als Orientierungshilfe, lehnt sich die Tochter jetzt gegen sie auf. Diese Phase der Abnablung wird von schmerzhaften Konflikten auf beiden Seiten begleitet. Der Mutter hilft es, die Auseinandersetzungen nicht allzu persönlich zu nehmen und die Suche ihrer Tochter nach ihrer eigenen Persönlichkeit so gut es geht zu akzeptieren.

Auch wenn die Tochter in dieser Zeit fast ausschließlich mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint, fühlt sie sich besser mit dem Gefühl, von der Mutter in ihrer Veränderung akzeptiert zu werden. Müttern fällt es oftmals schwer, das Kind auf der Schwelle zum Erwachsenwerden loszulassen. Abnabelung ist jedoch nicht gleichbedeutend mit vollkommener Trennung, sondern bedeutet nur schrittweise die Verantwortung für ein eigenständiges Leben übernehmen zu wollen. Für manche Mütter ist es schmerzlich, ihren Einfluss auf die Tochter schwinden zu sehen. Gelingt das Loslassen nicht und bleiben beide Seiten unversöhnlich, entstehen Gräben, die die Beziehung auch im Erwachsenenalter noch belasten.

Ungeklärte Konflikte werden auch in späteren Jahren zwischen Mutter und Tochter bestehen bleiben. Vielleicht ist die Einsicht, dass jeder Konflikt mit dem anderen aufgrund des naturgemäß symbiotischen Verhältnisses untereinander auch immer ein Konflikt mit sich selbst ist, ein erster Schritt zum angestrebten gegenseitigen Verständnis.

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Mutter-Tochter-Konflikt lösen: Wege zu einer gesunden Beziehung

Erkennen und miteinander ins Gespräch kommen

Die Erkenntnis so eng verbunden zu sein, ist gerade bei einem stressigen Verhältnis zueinander zunächst schmerzlich. Als erwachsene Frau erkennt die Tochter nicht nur im Spiegel Anteile ihrer Mutter bei sich, sondern auch Verhaltens- und Denkweisen sind ihr unbewusst in Fleisch und Blut übergegangen. Selbst oder sogar gerade, wenn sie sich davon distanziert, bleiben gewisse Parallelen unübersehbar. Vielleicht hat der Ehemann oder Freund, während einer Auseinandersetzung sogar mal den Vergleich zur Mutter gezogen? Sind nicht gerade die vererbten und weiter gegebenen Anteile der Mutter ein Grund, um auf einander zuzugehen und Frieden zu schließen?

Grundvoraussetzung ist, sich auf beiden Seiten die über die Jahre erlitten seelischen Verletzungen und die Wut übereinander einzugestehen und in Ruhe darüber zu reden, ohne neue Schuldzuweisungen zu treffen.

Akzeptanz

Im Vordergrund steht bei einer Versöhnung, den anderen so zu akzeptieren, wie er jetzt ist. Dazu gehört auch, sich von dem Wunschdenken, den anderen ändern zu können, zu verabschieden. Es ist nicht einfach, so ein Gespräch zu führen, ohne neue Schuldzuweisungen und Vorwürfe vorzubringen. Das gelingt nur, wenn die Tochter ehrlich sagen kann, was sie bei ihrer Mutter vermisst hat und diese offen ihre Gründe für ihr damaliges Verhalten benennen darf. Das ist schmerzlich, doch ein Neuanfang kann nur gelingen, wenn beide Seiten Verständnis für die Situation der anderen in der Vergangenheit entwickeln.

Wie in jedem anderen Beziehungsgespräch ist es wesentlich, keine Schuldzuweisungen zu treffen, sondern nur von sich selbst zu reden und zu erklären, welche negativen Gefühle das Verhalten der anderen bei sich selbst ausgelöst hat. Eine eingefahrene Situation lässt sich kaum durch ein einmaliges Gespräch lösen und beide Seiten sollten sich darüber im Klaren sein, dass aufgewühlte Gefühle zuerst verarbeitet werden müssen. Auch ein vorübergehender Rückschritt ist möglich, eine Zeit, in der Mutter und Tochter ihre aufgebrochenen Wunden heilen lassen.

Verzeihen lernen und gemeinsame Zeit vereinbaren

Einander die Fehler aus der Vergangenheit verzeihen zu können, ist Grundvoraussetzung für einen guten Neuanfang. Die Fähigkeit, falsches Verhalten wirklich zu bereuen, hilft dabei. Ein Bestandteil des Verzeihens kann sein, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, wie sich der Rückfall in alte Schuldgefühle und Schuldzuweisungen vermeiden lassen. Wenn die Tochter Verständnis für die Situation der Mutter entwickelt und die Mutter begreift, dass die Tochter ihren eigenen Weg gehen musste, ist der Schritt zu einer richtigen Versöhnung eingeschlagen. Ganz gleich zu welcher Zeit im Leben, Mutter und Tochter wieder auf einander zugehen, beiden sollte bewusst sein, wie kostbar gemeinsam verbrachte Zeit nach einer Versöhnung ist.

Auseinandersetzungen gehören zu einer so emotionalen Beziehung einfach dazu. Begegnet man sich mit gegenseitigem Respekt lässt sich die verloren geglaubte Liebe wieder finden. Haben sich Mutter und Tochter im Lauf der Jahre so entzweit, dass kein konstruktives gemeinsames Gespräch mehr zustande kommen kann, dann ist es für das eigene Seelenheil unerlässlich, die entstandene Distanz zu akzeptieren, anstatt darüber zu verbittern. Dabei hilft vielleicht auch, gemeinsame Momente des früheren Lebens zu erinnern, die schön waren.

„Meine Mutter hat sehr viel geschluckt. Sich an der Seite ihres dominanten Mannes ihrem Schicksal ergeben! Auf mich hat sich das so ausgewirkt, dass ich zur Kämpferin wurde, lange Zeit männerverachtend durch die Welt gelaufen bin“, sagt Sam Jolig. Heute ist sie verheiratet, hat zwei süße Kinder und Ausbildungen zur systemischen Prozessbegleiterin und Körperpsychotherapeutin gemacht.

„Böse Mutter – gute Mutter“

In ihrem neuen Buch „Böse Mutter – gute Mutter“ befasst sie sich mit „der mächtigen Beziehung“ zu unserer Erzeugerin, der niemand so leicht entfliehen kann. „Entweder wird man als Tochter genauso wie sie oder komplett anders. Dazwischen gibt es nichts.“ So findet man in den Chefetagen so manche taffe Karrierefrau, deren Mutter im Hausfrauendasein aufging. Und die Nachbarin, die ein Messie ist, wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer ordnungsfanatischen Frau großgezogen. Lediglich wenn man die Muster erkennt, muss man nicht mehr – so oder so – das Leben der Mutter leben.

Mamaland: Erste Programmierung

„Wenn wir uns auf die Suche nach dem Ich begeben, uns die Frage stellen: Wer bin ich?, landen wir unweigerlich bei der Mutter!“, so Jolig. „In ihr sind wir entstanden, ein Herzschlag, ein Blutkreislauf. Sie hat uns geboren, gestillt, uns – und das ist noch immer die Regel – hauptsächlich versorgt.“

Dass die erste Programmierung schon im Mutterleib stattfindet, ist längst wissenschaftlich bewiesen. Die Befindlichkeit der schwangeren Frau verursacht Schwankungen im Hormonhaushalt , die sich auf das Kind auswirken. Ist die Mutter nervös, gestresst oder deprimiert, dann verändert sich ihr Hormonhaushalt. Produziert der mütterliche Organismus große Mengen des Stresshormons Cortisol, dann stellt sich das Ungeborene auf eine Welt ein, die furchterregend und bedrohlich ist. Und natürlich umgekehrt im positiven Fall.

Auch Erlebnisse bei der Geburt – läuft alles harmonisch oder ist etwa ein Notkaiserschnitt nötig? – sind auf der kindlichen Festplatte gespeichert. Die auch weiterhin vor allem mit „Infos aus Mamaland“ gefüttert wird. Viele Ängste, Sorgen, Einstellungen und Reaktionen der Mutter werden unbewusst übernommen. „Man weiß heute, dass ihre Prägung 80 Prozent ausmacht, die des Vaters 20“, so Jolig. Und das im besten Fall. Der Vater kommt erst ins Spiel, wenn das Kind vier, fünf Jahre alt ist.

Wie unsere Mutter unser Männerbild bestimmt

Davor hat Mama aber schon ihre Sicht der Dinge festgeschrieben. „Der Blick, den wir als Mädchen, als Frauen auf unseren Vater und damit auch auf Männer überhaupt bekommen, ist geprägt durch die Sicht unserer Mutter. Wir schauen sozusagen durch ihre Brille“, schreibt Jolig. „Es macht einen Unterschied, ob Mama sagt, wie toll der Papa ist, oder ob sie verachtend über ihn redet, weil er in seinem Leben noch nie was auf die Reihe bekommen hat. Und dass sowieso alle Männer Schweine sind!“

Ist der Vater überhaupt abwesend, kann es eine Frau in späteren Beziehung umso schwerer haben. „Da ist einerseits die erlernte Wut auf Männer, andererseits die Trauer darüber, vom Vater ‚nicht gesehen‘ zu werden.“ Die Muster wiederholen sich durch die Prägung von früher. „Wir kreieren uns später in Partnerschaften, Job etc. immer wieder das, was wir ganz früh gelernt haben. Die Psyche ist mit sieben Jahren fertig. Da ist alles, vergurkt oder nicht, drin im System. Weint Mami immer, weil Papa so ein Tyrann ist“, gibt Jolig ein Beispiel, was in Kinderköpfen vorgehen kann, „fühl ich mich verpflichtet, Mama glücklich zu machen. Oder empfinde ich meine Mutter als zu schwach, weil sie sich nicht auflehnt? Werde ich mich dafür später gegen alle Männer auflehnen? Oder mich auch immer von tyrannischen Männern angezogen fühlen?“

Auf der Suche nach der Herkunft geht es nicht darum zu verurteilen: „Auch die Eltern haben ihre Prägung erfahren!“ Es geht darum, so die Buchautorin, zu verstehen, warum wir so oder so handeln. Damit wir uns verändern können. Und die alten Muster nicht wieder an unsere Kinder weitergeben.

Welche Muttertypen es gibt

Es gibt natürlich Töchter, die nie wütend auf ihre Mütter sind, aber die meisten kennen das Pendeln zwischen den Gefühlen. Liebe , Hass, Anerkennung, Kränkung, Ohnmacht. Sam Jolig hat in ihrem Buch verschiedene Muttertypen gezeichnet und gezeigt, auf welche Knöpfe sie bei den Kindern drücken:

Ihre Macht ist die Unterdrückung: Räum auf! Jetzt hast du dich schon wieder schmutzig gemacht! Straffe Ordnungs- und Sauberkeitsprinzipien dienen der Mutter dazu, das Kind unter ständigem Druck zu halten. Erste Anflüge von Autonomie werden so unterdrückt. Das Kind lernt, dass nur Unterwerfung einen erträglichen Kontakt zur Mutter ermöglicht. Auch beim erwachsenen Kind will sie die Kontrolle haben. Die Tochter bricht entweder aus, wird im besten Fall ein Punk, oder sie lässt sich weiterhin, privat und im Job, von allen unterdrücken.

Sie forciert Konkurrenz: Montags Maniküre, dienstags Kosmetikerin, am Mittwoch Solarium und so weiter. Wenn man mit ihr unterwegs ist, zieht die schöne Mama alle Blicke auf sich. Wenn die Tochter älter wird, ist sie verunsichert: Darf sie schöner sein als die Mutter? Kommt sie zur Erkenntnis „Nein, darf ich nicht!“, wird sie sich in ein Graue-Maus-Dasein flüchten – oder aber sie nimmt die Konkurrenz an. „Diese Mädchen sind auf Kampf gepolt, müssen auch später mit jeder Frau in Konkurrenz treten“, erläutert Jolig, „sie wollen immer schöner, schneller und besser sein! Man findet sie gehäuft unter Schauspielerinnen, Moderatorinnen und Models.“

Sie muss gebraucht werden: Sie kocht, tut, macht, ist eine warmherzige, kuschelige Mama und stets zur Stelle, wenn jemand in Not gerät. Häuslichkeit und Fürsorge stehen auf ihren Fahnen. Sie braucht es, gebraucht zu werden. Die Gefahr kommt erst später – dass die erwachsenen Kinder das Gefühl haben, nicht aus den Kinderschuhen rauswachsen zu können. Mama weiß immer noch am besten, was gut für sie ist. Versucht man, sie einzubremsen, ist sie beleidigt. Das kann ganz schöne Schuldgefühle machen.

Bei ihr zählt Leistung: Sie ist erfolgreich im Beruf, hat ihr eigenes Geld und ihre Zeit perfekt durchstrukturiert. Sie bringt den Kindern schon früh bei, auf eigenen Beinen zu stehen. Mit guten Leistungen und erreichten Zielen kann man schon als Kleines bei ihr punkten. Das Muster, das so entstehen kann: Ich fühle mich nur geliebt, wenn ich etwas leiste!

Sie spielt mit Nähe und Distanz: Sie ist praktisch veranlagt, geht nüchtern und sachlich mit Themen um. Sie wirkt eher kühl und distanziert, Dramen und große Gefühle berühren sie wenig. Die Grundbedürfnisse des Kindes sind immer erfüllt worden, auch das erwachsene Kind kann auf eine rationale Mutter zählen. Doch zu einem sehr herzlichen, nahen Verhältnis kommt es selten. Das Spiel von Nähe und Distanz beherrscht sie gut, erzeugt auch beim großen Kind den Wunsch nach mehr Kontakt durch Rückzug. „Du meldest dich ja gar nicht mehr? Na dann brauchst du mich wohl nicht mehr in deinem Leben!“ Ein übernommenes Nähe-Distanz-Muster wird dem Sprössling aber in jeder Beziehung, bei Partnern, Kollegen, Freunden, zu schaffen machen.

An sie kommt keiner ran: Sie ist die Mutter, die scheinbar alles kann, sportlich, im Job oder als gutsituierte Ehe- und Hausfrau erfolgreich, immer perfekt gestylt und anscheinend gut drauf. Alles ist bei ihr super und toll. Vielleicht ist sie sogar eine berühmte Künstlerin. Der Erwartungsdruck an die Kinder ist groß. Und sie versteht es auch, zu manipulieren. „Wenn du jetzt nicht lieb bist, gehen wir morgen nicht in den Zoo!“ Oder: „Ich hoffe doch, dass du das Tennismatch gewinnst.“ Die erwachsenen Kinder geben entweder klein bei, leiden vielleicht an Versagensängsten, oder der Kampf geht weiter: Wer hat das bessere, spannendere Leben?

So lösen wir Verstrickungen

Schuldgefühle, Ängste, leichtes Gekränktsein, Wutausbrüche, Angst vor Männern, schlechter Umgang mit Frauen: Viele Probleme haben so ihre Ursachen in frühesten Mustern. „Aber in Unfrieden mit der Mutter zu sein, vielleicht gar den Kontakt abzubrechen, sie zu hassen, das bringt nichts!“, weiß Sam Jolig. „Wenn Sie Ihre Mutter ablehnen, lehnen Sie damit auch immer einen Teil von sich selbst ab.“

Ungelöste Mutter-Verstrickungen können nicht nur psychische, sondern auch körperliche Beschwerden auslösen wie Asthma, Gastritis, Bulimie und mehr. Joligs Vorschlag: sich das DAVI-Prinzip aneignen. Danken, für alles Gute, das es sicher gibt, annehmen, was immer man vorgesetzt bekam, dann verzeihen und die Geschichte, so wie sie eben geschrieben wurde, ins Leben integrieren. „Wenn man seine Muster kennt, spürt man dann auch, wenn sie wieder mal anticken: Ach, jetzt bin ich schon wieder kurz vorm Ausrasten, weil ich mich fürchte zu versagen, weil ich Angst habe, nicht gesehen zu werden, weil ich mich bevormundet fühle!“

Perfekte Symbiose

Ist man sich der Muster nicht bewusst, kann es in Partnerschaften zu „Verwechslungen“ kommen. Man schlüpft unbewusst in die Rolle des Kindes, das typischerweise laut wird, trotzt und gewinnen will, und lässt dem Partner die Mutterrolle zukommen. Paare reagieren so oft auf unverheilte Wunden der Vergangenheit und nicht auf das, was sich gerade zwischen ihnen abspielt. Frauen, die eine lieblose Mutter hatten, überfordern den Partner oft damit, ständig Liebesbeweise erbringen zu müssen. „Und“, erläutert Jolig, „wir kennen ja alle diese Sehnsucht nach der perfekten Symbiose mit dem Mann. Dem Mann, der alles hat. Liebevoll ist, mit dem man lachen kann, mit dem der Sex super ist und, und, und. Dahinter steckt der ursprüngliche Wunsch, mit der Mutter verschmolzen zu sein.“

Wenn das Vertrauen fehlt

Kein leichtes Paket trägt man auch mit sich, wenn früh das Urvertrauen flöten gegangen ist. „Das kann schon in der Schwangerschaft passieren oder bei einer komplizierten Geburt“, zeigt Jolig auf. Oder auch später, wenn die Mutter dem Kind nicht das Gefühl gibt, wichtig zu sein. Wenig Selbstliebe und Selbstvertrauen sind die Folge. Was, wie man weiß, kein gutes Rüstzeug ist.

„Ich empfehle fürs Erste, sich am Tag mindestens dreimal bewusst selbst zu beobachten“, rät die Therapeutin. „Was mach ich grad? Wie spreche ich? Wie viel Kraft ist in dem, was ich tue? Was ist mein Thema? Sind gewisse Punkte wie ein Trigger, die mich zum Explodieren bringen? Hab ich kein Vertrauen? Kann ich die Kontrolle nicht abgeben? Muss ich immer alle versorgen?“ Hilfe von Profis steht mittels diverser Therapieformen (u. a. Familienaufstellungen) zur Verfügung.

Vergeben wir unserer Mutter

„Versuchen Sie, Ihre Mutter als das zu sehen, was sie ist, und nicht als das, was sie sein soll“, rät Jolig. Sie hat dich nicht bedingungslos geliebt? Vielleicht, weil sie’s einfach nie gelernt hat. Versuche anzunehmen, warum deine Mutter, vielleicht aufgrund ihrer eigenen Erziehung, so und nicht anderes gehandelt hat. Das heißt nicht, alles zu entschuldigen. Aber Frieden zu schließen macht frei!

Redaktion: Miriam Berger

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