Mutter kind beziehung psychologie

Inhalte

SCHWERPUNKT
Bindungsprobleme?
Typische Anzeichen einer Störung der Eltern-Kind-Beziehung in der Praxis

Wenn Eltern unter einer psychischen Störung leiden, verändert dies ihre Wahrnehmung der Umwelt insgesamt und es beeinflusst auch die Interaktion mit dem eigenen Kind. Je nach Zeitpunkt und Dauer der psychischen Erkrankung wird dies einen spezifischen Einfluss auf die psychische Entwicklung des Kindes haben. Die typischen Merkmale einer belasteten Beziehung zwischen Eltern und Kind sind in der Kinderarztpraxis gut zu beobachten. Es ist hilfreich, die Familien früh zu überweisen, damit ihnen schnell Hilfe angeboten wird und die Probleme nicht persistieren.
Von Marina Zulauf Logoz und Erika Imhof Nielsen

In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der PUK (Psychiatrische Universitätsklinik Zürich) sehen wir immer wieder Eltern, die durch Schwierigkeiten ihres Kindes eine besonders hohe Belastung erleben. Die subjektive Belastung hängt nicht nur von der Art und dem Schweregrad der Erkrankung des Kindes ab, sondern auch vom persönlichen Verarbeitungsstil eines Elternteils. Die elterliche Fähigkeit, kindliche Kommunikationssignale (aufmerksam) wahrzunehmen, (richtig) zu interpretieren sowie prompt (und angemessen) darauf zu reagieren, bildet die Voraussetzung dafür, dass Kinder eine (sichere) Bindung an ihre Bezugspersonen entwickeln. Diese von M. Ainsworth (vgl.1) für Mütter definierte Feinfühligkeit ist je nach Persönlichkeit unterschiedlich ausgeprägt.
Lebensbedingungen von Kindern mit psychisch kranken Eltern
Im Rahmen eines Risiko- und Schutzfaktorenmodells der kindlichen Entwicklung gelten eine stabile emotionale Bindung zu mindestens einer Bezugsperson, familiäre Kohäsion, ein offenes und unterstützendes Erziehungsklima, soziale Unterstützung für die Familie sowie eine positive elterliche Vorbildfunktion als wesentliche protektive Faktoren für das Kind (vgl. Tabelle 1). Kinder psychisch kranker Eltern sind demgegenüber einer Vielzahl von Belastungsfaktoren ausgesetzt, die über eine mögliche genetische Belastung hinaus ein allgemeines Entwicklungsrisiko beinhalten. Plass und Wiegand-Grefe (2) beschreiben folgende Risikobereiche auf Elternseite: • krankheitsbezogene Risikofaktoren • Bindungs- und Beziehungsstörungen • Erziehungskompetenz(-störungen).

Für die Kinder ist sowohl das allgemeine als auch das störungsspezifische Risiko, selbst an einer psychischen Störung zu erkranken, erhöht.
Affektive Störungen bei Eltern
60 Prozent der Kinder depressiver Eltern entwickeln bereits im Kindes- und Jugendalter irgendeine psychische Störung. Es treten häufiger komorbide Störungen auf und ihre psychischen Störungen verlaufen häufiger chronisch (2). Kinder depressiver Eltern tragen ein im Vergleich zur Kontrollgruppe etwa dreifach erhöhtes Risiko, innerhalb von 20 Jahren selbst an einer Depression zu erkranken (2). Im Kontext einer kinder- und jugendpsychiatrischen Population (3) erhielten 50 Kinder depressiver Eltern, die mit 50 Kindern gesunder Eltern verglichen wurden, signifikant längere ambulante Behandlungen und eine signifikant höhere Anzahl stationärer Behandlungen. Sie waren mehr psychosozialen Belastungsfaktoren ausgesetzt und konsultierten mehr psychiatrische Einrichtungen. Sie wurden insgesamt als behandlungsbedürftiger beurteilt als Patienten mit gesunden Eltern. Nach der Entlassung wurden ihnen häufiger eine Weiterbehandlung empfohlen als letzteren. Spezifische Verhaltensmerkmale betroffener Eltern und Kinder sind in Tabelle 2 zusammengefasst.
Persönlichkeitsstörungen bei Eltern
Untersuchungsergebnisse zu den spezifischen Auswirkungen elterlicher Persönlichkeitsstörungen auf die psychische Gesundheit von Kindern sind kaum publiziert. In einer Studie von Wiegand-Grefe et al. (4) zeigte sich aber, dass eine elterliche Persönlichkeitsstörung, sei es auch als komorbide Erkrankung, unter allen psychischen Erkrankungen von Eltern den signi-

60 Prozent der Kinder depressiver Eltern entwickeln bereits im Kindesund Jugendalter irgendeine psychische Störung.
25

SCHWERPUNKT

fikant grössten negativen Effekt auf die psychische Gesundheit der untersuchten Kinder hatte. Der Grund dafür ist vermutlich der überdauernde Charakter dieser Störungen (keine Intervalle mit gesunden Phasen des Elternteils), der Mangel an evidenzbasierten störungsspezifischen Therapiekonzepten und die Tatsache, dass Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung unter Umständen eine geringe Krankheitseinsicht haben und seltener eine Behandlung erhalten oder aufsuchen, weil sie häufig störungsbedingt die Umwelt für ihre Schwierigkeiten verantwortlich machen. Die allgemeinen diagnostischen Kriterien für Persönlichkeitsstörungen (5) beschreiben überdauernde und dysfunktionale Muster auf der Ebene der Kognitionen, der Affektivität, des interpersonalen Funktionierens und der Impulskontrolle bei Menschen mit Persönlichkeitsstörung. Diese führen bei Eltern dazu, dass sowohl ihre Wahrnehmung der kindlichen Bedürfnisse als auch ihre Interaktion mit dem Kind sowie die Fähigkeit der Eltern, das Kind seinen Bedürfnissen entsprechend zu fördern und zu erziehen, grundlegend und je nach Art der elterlichen Dysfunktionalität in spezifischer Weise beeinträchtigt ist. Insbesondere

Tabelle 1: Risiko- und Schutzfaktoren in der Entwicklung von Kindern (7)

Familiäre Faktoren Risikofaktoren unsichere Bindung (unsicher-vermeidend, -ambivalent,-desorganisiert) unzureichende emotionale Unterstützung und Akzeptanz gegenüber dem Kind eheliche Disharmonie mangelnde gegenseitige Unterstützung der Eltern Gewalt und Misshandlung innerhalb der Familie ungünstiges Erziehungsverhalten der Eltern (Uneinigkeit, Inkonsequenz, vorwiegend strafendes Erziehungsverhalten) mangelnde Bewältigungsfähigkeiten (im Umgang mit Lebensereignissen des letzten Jahres wie z.B. Verleugnung, Rückzug, Resignation, Dramatisierung) psychische Störungen der Eltern (diagnostiziert) Depression der Mutter negatives Pflegeverhalten der Mutter negatives mütterliches Ernährungsverhalten, Substanzkonsum mangelnde soziale Integration und Unterstützung

Schutz- bzw. Kompensationsfaktoren stabile emotionale Bindung zu einer Bezugsperson familiäre Kohäsion
offenes und unterstützendes Erziehungsklima Modelle positiver Bewältigung
soziale Unterstützung

Tabelle 2: Spezifische Risiken und Belastungen von Kindern affektiv erkrankter Eltern (2)
• weniger Interaktion/Engagement • weniger Struktur/Disziplin • negative Einstellung gegenüber dem Kind • „anwesende Abwesenheit“

die Vorbildfunktion der Eltern ist durch die Persönlichkeitsstörung beeinträchtigt und ermöglicht dem Kind kein förderliches „Lernen am Modell“ im betroffenen Bereich. Es gelte mittlerweile als gesichert, dass Kinder von Eltern mit Persönlichkeitsstörungen am stärksten gefährdet sind, so Plass und Wiegand-Grefe (2).
Auswirkungen
Neben der Rolle der Feinfühligkeit dem Kind gegenüber wird in der Bindungsforschung (6) betont, wie zentral der Umgang von Eltern mit eigenen negativen Emotionen ist, die angesichts eines weinenden, wütenden oder ängstlichen Kindes entstehen. Wenn Eltern dabei die Gefühlsausbrüche ihrer Kinder nachvollziehen, das heisst reflektieren, was in ihrem Kind wohl vorgeht, können sie Verzweiflung, Ängste und Stress des Kindes wesentlich besser regulieren. Beeinträchtigt ist diese Fähigkeit aber, wenn Eltern von eigenen negativen Gefühlen überwältigt werden, die das Kind in solchen Momenten bei ihnen auslöst, wie zum Beispiel hoher Stress, intensive Angst oder feindselige Gefühle dem Kind gegenüber. Wenn letzteres über längere Zeit wiederholt eintritt, hat es ein Kind schwer, eine effektive Strategie zur Regulation negativer Emotionen zu erwerben. Häufig konzentriert sich die Zuwendung der Eltern im Laufe der Zeit dann auf die Beschäftigung mit negativen Gefühlszuständen und Verhaltensstörungen des Kindes, die zunehmend mehr Raum in der Eltern-Kind-Beziehung einnehmen, auf Kosten der elterlichen Aufmerksamkeit für kompetentes Verhalten des Kindes und seiner Autonomieentwicklung (siehe Kasten). Insbesondere wenn die psychische Belastung der Eltern bereits in der frühesten Kindheit besteht und es zu einer Konsultation bei einer Fachperson kommt, bietet sich eine videogestützte Beratung an. Da Kinder bis zum Alter von etwa drei Jahren kaum selbst Auskunft über ihre Beschwerden geben können und in Untersuchungssituationen erst ansatzweise kooperieren, ermöglichen Videoaufnahmen einerseits eine valide Diagnostik der Eltern-Kind-Interaktion und bilden andererseits eine sehr gute Grundlage für die Elternarbeit. Dies gilt selbstverständlich auch für Kinder im Vorschul- und Schulalter und ihre Eltern.
Interventionsansätze
In der Sprechstunde für Interaktions- und Regulationsstörungen am sozialpädiatrischen Zentrum der Kinderklinik Winterthur des Kantonsspitals werden Kinder behandelt, die exzessiv schreien, an Ernährungs- und Gedeihproblemen leiden oder Schlafprobleme haben. Zudem beraten wir, wenn es Schwierigkeiten in der Eltern-Kind-Beziehung gibt. Im Rahmen dieses Angebotes zur Therapie frühkindlicher Regulationsstörungen sehen wir häufig Eltern in psychischen Belastungssituationen. Die Familien werden uns in der Regel von Pädiatern und Pädiaterinnen zugewiesen. Es gibt aber auch etliche Familien, die via Notfallstation zu uns kommen. Die typischen Merkmale einer belasteten Beziehung zwischen Mutter und Kind sind in der Kinderarztpraxis gut zu beobachten. Kinder von psychisch hoch belasteten oder psychisch kranken Müttern werden meist

26 3/16

SCHWERPUNKT

aus den in Tabelle 3 genannten Gründen an unsere Fachstelle überwiesen Es ist hilfreich, die Familien früh zu überweisen, damit ihnen schnell Hilfe angeboten wird und die Probleme nicht persistieren. Je nach Schwere und psychischem Zustand der Mutter dauert eine Behandlung ambulant in der Regel 4 bis 20 Beratungsstunden. Die Dauer des stationären Aufenthaltes variiert je nach Schwere der Problematik zwischen drei Tagen und sechs Wochen. Elemente der Interaktionstherapie und Bausteine der stationären Therapie sind in den Tabellen 4 und 5 zusammengefasst.
Ein Fallbeispiel
Luisa* wurde im Alter von vier Monaten wegen Trinkschwäche und Verdacht auf Interaktionsproblematik bei mütterlicher Depression bei uns hospitalisiert. Anamnese: Beide Eltern sind Akademiker und um die 30 Jahre alt. Der Kindsvater ist 100 Prozent berufstätig, die Kindsmutter zurzeit nicht erwerbstätig. Sie leidet an einer langjährigen Depression, die durch den Hausarzt medikamentös behandelt wird. Luisa wurde in der 36. SSW per Sectio geboren. Die Mutter berichtet, sie hätte Luisa erst nach zwei Tagen „richtig gesehen“. Seit der Geburt habe Luisa Trinkprobleme gehabt. Sie hätte Luisa gerne gestillt, aber leider habe es nicht gut geklappt und sie hätte mit Schoppen angefangen. Luisa habe von Anfang an viel geschrien, Bauchweh gehabt und unter Reflux gelitten. Der Vater beteilige sich an der Pflege, habe aber Angst, er könnte etwas falsch machen. Aktuelle Situation: Die Mutter berichtete, dass Luisa zu wenig trinke und oft weine. Sie wisse gar nicht warum und sie verstehe nicht, weshalb Luisa nicht einfach einen Schoppen leer trinken könne, das wäre doch normal. Es gehe ihr nicht schnell genug – es müsse doch einen Grund geben, weshalb Luisa so langsam trinke. Sie wisse nicht mehr weiter. Damit Luisa genug zu trinken bekäme, gebe sie ihr auch im Schlaf einen Schoppen. Luisa schlief nachts sieben bis zehn Stunden und erhielt von der Mutter fünf Mahlzeiten am Tag und eine in der Nacht im Halbschlaf, auch wenn sie offensichtlich keinen Hunger hatte. Die Mutter war sehr ängstlich, verunsichert und konnte nach unserer Beobachtung die Signale ihrer Tochter nicht lesen. Behandlung: Luisa war ein aufgewecktes, interessiertes Kind, sie liebte den Kontakt zu den Pflegefachfrauen. Die gründliche Untersuchung ergab keine Hinweise auf Auffälligkeiten. Die Mutter beklagte sich über die Hektik auf der Station, sie konnte schlecht umgehen mit Schichtwechseln der Pflegefachleute und wünschte sich eine klare Struktur im Tagesablauf. Deshalb boten wir ihr zeitlich klar strukturierte Kontakte mit ihren Bezugspersonen auf der Station. Durch eine allmähliche Rhythmisierung gelang es, die sechs Mahlzeiten alle vier Stunden zu geben, eine davon um 21 Uhr, nachdem Luisa geweckt wurde. So erreichten wir eine stabile Trinkmenge, und die Kleine nahm gut zu. Die Mutter konnte jederzeit auf die Un-
* Es handelt sich um ein anonymisiertes Fallbeispiel.

Kasten: Merkmale von Beziehungsstörungen ab dem Vorschulalter
• Symptome des Kindes wie Angstzustände, zwanghaftes Verhalten, depressive Zustände oder Wutausbrüche und aggressives Verhalten werden von den Eltern berichtet, zeigen sich aber in der Untersuchungssituation und in anderen Kontexten nicht oder sehr wenig.
• Eltern sind davon überzeugt, die Ursache der Schwierigkeiten sei nur im Kind selbst zu suchen; sie lassen sich auf ein anderes Erklärungsmodell nicht ein.
• Sie kritisieren das Kind sehr viel und sprechen nicht über positive Eigenschaften. • Es fällt den Eltern schwer, Empfehlungen (Änderungen im Erziehungsverhalten,
Lob, Belohnung angemessenen Verhaltens und Förderung der Autonomieentwicklung) im Alltag auszuprobieren, und es werden immer neue Gründe dafür genannt. • Wenn nach einer Interventionsphase die bei Anmeldung geschilderten Schwierigkeiten des Kindes abklingen, werden Symptome einer anderen, bis dahin von den Eltern nicht thematisierten psychischen Störung berichtet. • Eltern konsultieren immer neue Fachpersonen, brechen Behandlungen immer wieder ab, weil sie bald unzufrieden mit einer Fachstelle sind.
Tabelle 3: Zuweisungsgründe
• Wenig Blickkontakt, Blickvermeidung zwischen Mutter und Kind • Mütter finden den Zugang zum Kind nicht • Ambivalente oder aggressive Gefühle gegenüber dem Kind, wenig Ansprache der
Mutter dem Kind gegenüber • Grober Umgang in schwierigen Alltagssituationen • Schwer beruhigbarer Säugling, beziehungsweise inadäquate Beruhigungshilfen
durch die Eltern • Exzessiv trotzende oder schreiende Kinder • Zwangsernährung des Kindes wegen Nahrungsverweigerung, „Schöppeln“ im
Schlaf, übertriebene Ablenkung und Spiele in der Essenssituation, Trinkschwäche • Auffallend stille, scheinbar pflegeleichte Säuglinge und resigniert-zurückgezogen
wirkende Kinder • Auffälligkeiten im Spielverhalten • Überängstliche Mütter • Ein- und Durchschlafprobleme • Häufiges Erscheinen in der Kinderarztpraxis oder der Notfallstation, ohne dass dem
Kind etwas fehlt
terstützung des Pflegefachteams und der Ärzte zählen. Trotz dieses Erfolgs litt die Kindsmutter unter massiven Stimmungsschwankungen und sie sorgte sich sehr um ihre Tochter. Im Rahmen der Behandlung wurden regelmässige Gespräche bei einer Psychiaterin vereinbart. Die Kindsmutter nahm das Angebot dankbar an. Bisher war sie vom Hausarzt behandelt worden. Die Gespräche bei der Psychiaterin gaben ihr die Möglichkeit, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten und zu verstehen, weshalb sie so unsicher und ängstlich auf Luisa reagierte. Videogestützte Beratung: Es fiel auf, dass die Mutter Signale, die Luisa zeigte, nicht gut wahrnehmen beziehungsweise interpretieren konnte. Sie konnte zum Beispiel kaum unterscheiden, ob Luisa müde war

3/16 27

SCHWERPUNKT

Tabelle 4: Elemente der Interaktionstherapie (ambulant oder stationär)
• Video-Interaktionsanalyse • Entwicklungs- und Erzie-
hungsberatung • videogestütztes Interaktions-
training • Familiengespräche
Tabelle 5: Bausteine der stationären Therapie
• medizinische Abklärungen • Entlastung der Eltern durch
zeitweilige Übernahme der Betreuung des Kindes • Interaktionstherapie mit Videoanalyse und Interaktionstraining (s. Tabelle 4) • Entwicklung- und Erziehungsberatung • Rhythmisierung der Schlafund Essenszeiten • Eltern- und Familiengespräche • Psychotherapie für die Mutter/den Vater

oder Trost brauchte. Sie empfand das Weinen ihrer Tochter immer als Ausdruck einer Traurigkeit darüber, dass es ihr nicht gelinge, eine gute Mutter zu sein. In der Interaktionstherapie konnten wir der Mutter helfen, die Signale des Säuglings aufmerksam wahrzunehmen, richtig zu interpretieren und auch angemessen und prompt darauf zu reagieren. Wir legen am Anfang immer sehr grosses Gewicht auf die gelungenen Interaktionssequenzen, und erst im zweiten Schritt bearbeiten wir die schwierigen Momente. So war die Mutter glücklich, als wir ihr im Video zeigten, wie Luisa während des Schöppelns ihre Hand ergriff – sie hatte das nicht wahrgenommen. Typischerweise zeigte die Mutter sehr wenig begleitende Sprache, ihre Stimme war leise und monoton, und sie zeigte kaum Mimik. Es gab auch wenig freudige Momente in ihrer Interaktion mit dem Kind. Wichtig war uns, auf verdeckt aggressive Handlungen ein Augenmerk zu haben: Beispielsweise hektisches Wickeln, Überfürsorglichkeit oder die Erwartung einer positiven Bestätigung durch das Kind. Ebenso wichtig war die Beachtung von Stressanzeichen bei Luisa. Luisa wandte ihren Blick oft ab und war teilweise passiv oder sie protestierte gegen nicht auf ihr Befinden abgestimmte Handlungen der Mutter mit Weinen. Während der zwei Wochen Aufenthalt auf der Station habe ich die Mutter zweimal wöchentlich gesehen. Teilweise haben wir mit Video gearbeitet oder direkt im Kontakt der Mutter mit Luisa. Der Vater wurde, soweit es seine zeitlichen Ressourcen erlaubten, in die Therapie einbezogen, um auch mit ihm seine Ängste und Unsicherheiten zu besprechen und ihn im Kontakt mit Luisa zu stärken. Nach zwei Wochen waren die Eltern bereit, probeweise nach Hause zu gehen, wo es auch gut geklappt hat. Die Möglichkeit, jederzeit, auch nachts, anrufen zu können oder wieder zurück auf die Station zu kommen, gab ihnen viel Sicherheit und Entlastung. Im Familiengespräch haben wir entschieden, die Familie weiterhin ambulant einmal wöchentlich zu betreuen und schrittweise in andere Angebote, wie die Mütter-/ Väterberatung und psychotherapeutische Behandlung für die Mutter zu entlassen beziehungsweise zurück in die Begleitung durch den Kinderarzt. Über einen Zeitraum von drei Monaten haben wir die Familie sechsmal gesehen. Nach weiteren drei Monaten erkundigen wir uns in der Regel telefonisch nach dem Befinden.

Ausblick
Die schwierigsten Momente in der Eltern-Kind-Interaktion entstehen in Situationen, in denen sowohl Elternteil als auch Kind heftige negative Emotionen erleben, die sich gegenseitig aufschaukeln. Dennoch ist der Erwachsene gefordert, seine eigenen Gefühle so zu regulieren, dass die Fürsorge für das Kind und sein Schutz erhalten bleiben. Um es mit Grienenberg et al. (6) zu formulieren: „Parents must struggle to understand the minds of their children.“ Videogestützte, bindungsorientierte Arbeit bietet Eltern die Möglichkeit, ihre Interaktion mit dem Kind in Ruhe und unabhängig von einem aktuellen Konflikt zu reflektieren. Dadurch wird es den Eltern möglich, eigene Muster zu erkennen und Verhaltensänderungen vorzubereiten und einzuüben.
Korrespondenzadressen: Dr. phil. Marina Zulauf Logoz Psychiatrische Universitätsklinik Zürich Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Poliklinik Zürich Neumünsterallee 3 8032 Zürich E-Mail: [email protected]
Erika Imhof Nielsen Eltern-Säuglings-/Kleinkind-Beraterin Kantonsspital Winterthur Sozialpädiatrisches Zentrum Departement Kinder- und Jugendmedizin Brauerstrasse 15 8401 Winterthur E-Mail: [email protected]
Literatur: 1. Ahnert L: Wieviel Mutter braucht ein Kind? Heidelberg, Spektrum Verlag 2010. 2. Plass A, Wiegand-Grefe S: Kinder psychisch kranker Eltern. Weinheim, Beltz PVU 2012. 3. Krohn L, Deneke, C, Wiegand-Grefe S: Kinder depressiver und psychiatrisch unauffälliger Eltern in der Kinder- und Jugendpsychiatrie – eine vergleichende Studie. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 2008; 57: 536–554. 4. Wiegand-Grefe S, Geers P, Petermann F, Plass A: Kinder psychisch kranker Eltern: Merkmale elterlicher psychiatrischer Erkrankung und Gesundheit der Kinder aus Elternsicht. Fortschritte der Neurologie und Psychiatrie 2011; 79: 32–40. 5. American Psychiatric Association: Diagnostic and statistical manual of mental disorders, fifth edition. Arlington, VA, American Psychiatric Association, 2013. 6. Grienenberg J, Kelly K, Slade A: Maternal reflective functioning, mother-infant affective communication, and infant attachment. Attachment & Human Development 2005; 7 (3): 299–311. 7. Scheithauer H, Niebank K, Petermann F: Biopsychosoziale Risiken in der frühkindlichen Entwicklung: Das Risiko- und Schutzfaktorenkonzept aus entwicklungs-psychopathologischer Sicht. In: Petermann F, Niebank K, Scheithauer H (Hrsg.): Risiken in der frühkindlichen Entwicklung. Göttingen/Bern, Hogrefe 2000; 65–97.

Psychische Störungen im Kindesalter

Übersicht dieser Ausgabe Alle Paracelsus Magazine

aus dem Paracelsus Magazin: Ausgabe 3/2000

Bindungsprobleme
(Eltern-Kind-Beziehung)

Die Bindungstheorie befasst sich mit dem Kontakt des Neugeborenen zu seiner Mutter und mit dem langfristigen Einfluß dieses frühen Kontaktes auf die Mutter – Kind – Beziehung.

Das geschieht vor allem in der Phase nach der Geburt, in der das Neugeborene den 1. Hautkontakt zur Mutter aufnimmt. Diese sinnliche Stimulation des Säuglings kurz nach der Entbindung ist entscheidend für die Bildungsgestaltung Mutter – Kind. Wird diese taktile, visuelle und olfaktorische Stimulation der Mutter durch Trennung unterbrochen, können weitreichende, negative Folgen auftreten.

Diese können später als Verhaltenssymptome beim Kind auftreten. Es wird dann von reaktiver Bindungsstörung gesprochen. Deshalb ist es auch nicht erstaunlich, dass bei psychotherapeutischen Gesprächen dieser kritischen Phase besondere Aufmerksamkeit gegeben wird.

Die Entwicklung des Bandes zwischen Mutter und Kind ist von biologischen Faktoren beeinflußt. Die Mutter wird an ihr Kind gebunden, ihre Zuneigung überträgt sich auf das Kind. Grundlage jeder normalen Entwicklung bildet demnach die emotionale Bindung an das Kind und das Kind an die Mutter und später an den Vater.

Die väterliche Bindung scheint eine andere Art von Qualität zu rein als die Mutterliebe. Die Tatsache, dass die Frau das Kind zur Welt bringt, muss nicht ständige Fürsorge und Liebe durch die Mutter bedeuten. Väter entwickeln auch kurz nach der Geburt starke Bande der Zuneigung, auch ohne direkten, ständigen Hautkontakt. Die Rolle der Väter wurde in der Vergangenheit durch Kultur und Konventionen beeinflußt. Heute kümmern sich viele Väter gleichberechtigt um die Entwicklung und emotionale Bindung ihres Kindes.

Hindernisse sind in erster Linie der Arbeitsplan des Vaters, der auf die Erreichung langfristiger Ziele der Familie ausgerichtet ist. Beim Kind bildet sich das oft zitierte Urvertrauen im Vertrauen zu beiden Elternteilen gleichberechtigt heraus.

Der Säugling lernt während der ersten Monate, ob die Welt ein “guter” Ort zum Leben oder eine Quelle des Schmerzes, Elendes, der Enttäuschung oder Ungewissheit ist.

Die Entwicklung eines Gefühles des Vertrauens, das durch elterliche Zuwendung und umgehende Bedürfnisbefriedigung entsteht, ist ein wichtiger Schritt, Misstrauen und ein Gefühl der Unsicherheit abzubauen.

Die emotionalen Probleme, die ihren Ursprung in der Vernachlässigung der kindlichen Bedürfnisse während der 1. Lebensphase haben, entstehen wenn Eltern ablehnend und nachlässig sind.

Symptome der reaktiven Bindungsstörung beim Kind
(später auftretend)

  • Unfähig Zuneigung zu geben (nicht anschmiegsam)
  • Kontrollprobleme
  • Oberflächlich, zerstörerisch gegen sich
  • Wahllos herzlich zu Fremden
  • Keine Impulskontrolle, Lügen
  • Lernstörungen
  • Kein kausales Denken (in Zusammenhängen)
  • Oft Gewissenslos
  • Gestörtes Eßverhalten (Eßstörungen)
  • Schlechte Beziehungen zu Gleichaltrigen
  • Unnötige Fragen, plauderhaft
  • Oft fordernd und anklammernd
  • Gestörtes Sprechmuster
  • Passive Aggression, Wutverhalten

Kinder mit Bindungsstörungen haben nicht alle diese Symptome. Für die Diagnose sind 3 – 5 Störungen ausreichend.

Nicht die Menge der Zeit des Zusammensein zwischen Mutter – Kind, Vater – Kind entscheidet über Bindungsstörungen, sondern die Qualität der Beziehungsgestaltung ist ausschlaggebend.

Dr. H. Gutsche
Psychotherapeut

zurück zur Übersicht dieser Ausgabe

Wenn Mutter und Sohn ihre Bindung verlieren

Hamburg. Ein „Muttersöhnchen“ zu sein kann vor dem Gefängnis bewahren. So lässt sich zugespitzt das Ergebnis einer neuen US-Studie zusammenfassen. Ein enges, von Vertrauen und Verständnis geprägtes Verhältnis zwischen Mutter und Sohn ist offenbar wichtiger als bisher angenommen, wenn es darum geht, wie gut Jungen später negativen Einflüssen widerstehen können. Dabei spielen die ersten Lebensjahre eine Schlüsselrolle: Führen Sohn und Mutter schon früh eine gespannte, konfliktreiche Beziehung, würden die Jungen als Teenager eher straffällig, schreiben Forscher um Christopher Trentacosta im Fachblatt „Child Development“.

Für die Langzeitstudie begleitete Trentacosta, Psychologieprofessor an der Wayne State University, 265 sozial schwache Familien im US-Staat Pennsylvania. Über zehn Jahre untersuchte er mit seinem Team die Beziehung der Frauen zu deren Söhnen, die zu Beginn der Studie fünf Jahre alt waren. Mütter seien gerade in sozial schwachen Familien meist die wichtigste Bezugsperson für die Söhne, sagen die Wissenschaftler. Sie fanden heraus, dass die Bindung zur Mutter das Verhalten der Jungen bis ins Teenager-Alter hinein maßgeblich prägt. So hatten etwa Jungen mit einer engen Bindung an ihre Mutter als Jugendliche auch eine enge Bindung zu ihren Freunden.

All das gelte nicht nur für die USA: „Die Entwicklung von Mutter-Sohn-Beziehungen ist in den meisten westlichen Ländern ähnlich, also lassen sich die Ergebnisse auch auf Deutschland beziehen“, sagte Trentacosta dem Abendblatt.

Tatsächlich trifft die Studie auch hierzulande den Kern eines gesellschaftlichen Problems: Die meisten kriminellen Jugendlichen sind Jungen. Sie machten 2009 rund 85 Prozent der verurteilten 14- bis 17-Jährigen aus, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Deshalb treibt das Thema auch deutsche Wissenschaftler um. „Eine gestörte Mutter-Sohn-Beziehung kann zu kriminellem Verhalten führen“, bestätigt Prof. Gerhard Suess, Entwicklungspsychologe von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Gestört sei die Beziehung zum Beispiel dann, wenn die Mutter ihrem Sohn ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermittle, ihn andererseits aber verunsichere oder gar erschrecke – zum Beispiel, wenn sie depressive Phasen durchleide. „Desorganisiert“ nennen Forscher diese Art der Beziehung.

+++Wohl der Kinder am wichtigsten+++

+++Der lange fluch über die Entfernung der Liebe+++

„Solche Kinder fallen im Kindergarten oder in der Schule häufig durch aggressives Verhalten auf. Wenn sie nicht aufgefangen werden, schließen sie sich meist mit anderen zusammen, die ebenso durch das soziale Raster fallen wie sie“, sagt Suess. Im ungünstigsten Fall werde damit der Weg in die Kriminalität geebnet.

Der Hamburger Verein „Augenblicke“ hilft frühzeitig. Seine Mitarbeiter betreuen sogenannte hoch belastete Mütter – vor allem junge Frauen aus armen Verhältnissen, mit geringer Bildung und schwierigem familiären Hintergrund. Im Rahmen des Frühinterventionsprogramms STEEP haben die Mitarbeiter in den vergangenen drei Jahren 33 Mütter begleitet. In den ersten drei Lebensjahren des Kindes besuchten sie die Frauen zu Hause und zeichneten auf Video auf, wie die Mütter mit ihren Kindern umgingen. So sollen die Frauen lernen, die Signale ihrer Kleinen richtig zu deuten und darauf angemessen zu reagieren.

Die Geschäftsführerin des Vereins, Heidi Rosenfeld, war von Anfang an dabei; sie kennt viele Schicksale. „Eine Mutter hat ihrem Kind Essen gegeben. Doch es hat sich immer wieder abgewendet, weil es satt war. Die Mutter hat das gesehen und ihm trotzdem immer wieder die Flasche in den Mund gedrückt. Als sie sich die Situation auf dem Video angeschaut hatte, brach sie in Tränen aus. Dann fanden wir heraus: Sie selbst hatte in ihrer Familie nur beim Essen positive Begegnungen.“ Deswegen wollte die Frau ihr Kind besonders gut füttern – zu gut. Rosenfeld hilft solchen Frauen mit schweren Voraussetzungen, eine sichere Bindung zu ihren Kindern aufzubauen.

Wie effektiv das vom Bundesfamilienministerium geförderte Programm in Hamburg ist, fanden die Forscher um HAW-Professor Gerhard Suess in einer Studie heraus, deren Ergebnisse sie in dieser Woche präsentierten. Vier Jahre lang hatten sie dokumentiert, wie die 33 jungen Frauen in dem Projekt mit ihren Kindern umgingen. Dabei erhielt ein Teil der Frauen sozialpädagogische Unterstützung, der andere Teil nicht. Von den Frauen, die keine Hilfe bekamen, hatte nach einem Jahr nur die Hälfte eine sichere Bindung zu ihrem Kind – bei der betreuten Gruppe waren es dagegen fast drei viertel.

Heidi Rosenfeld sieht das Projekt als starken Beleg, was eine frühzeitige Unterstützung leisten kann, um die wichtigen Bande zwischen Mutter und Sohn zu stärken. Sie findet allerdings, dass in Hamburg mehr getan werden könne: „Die Jugendämter verordnen frühe Erziehungshilfen immer weniger, weil sie sparen sollen. Prävention wird kaum noch finanziert, stattdessen handeln die Jugendämter oft erst bei akuten Krisen“, sagt die Sozialpädagogin.

Auch Gerhard Suess ist der Meinung, dass viele Hilfsangebote zu spät greifen: Für bereits straffällige Jugendliche gebe es in der Stadt ein großes Netz von Erziehungsberatungsstellen – frühzeitige Hilfen kämen jedoch bisher zu wenigen Müttern zugute. Vor allem sozial schwache Familien – und ganz besonders alleinerziehende Mütter – bräuchten mehr Unterstützung bei der Erziehung, um Jungen vor einer kriminellen Laufbahn zu schützen. Geschehe dies künftig nicht, werde das die Gesellschaft teuer zu stehen kommen, warnt der Entwicklungspsychologe.

Die Hamburger Sozialbehörde weist die Kritik zurück: „Den Jugendämtern in den Bezirken stehen ausreichende Mittel zur Verfügung, um in jedem Fall ein bedarfsgerechtes Angebot zu finanzieren. Uns liegen keine Erkenntnisse darüber vor, dass Jugendämter entsprechende Hilfen verweigern“, sagt Sprecherin Nicole Serocka.

Frieden schließen mit den Eltern – sich aussöhnen

Zwischen Eltern und Kindern kann es in der Jugend zu vielen Konflikten kommen, die es später den erwachsenen Kindern schwermachen, sich mit den Eltern auszusöhnen. Wie Mutter oder Vater verzeihen & vergeben? Bild © Klaus-Peter Adler – Fotolia

Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Eltern? Sind Sie gerne mit diesen zusammen oder halten Sie Abstand? Haben Sie den Kontakt zu Ihren Eltern völlig abgebrochen?

Viele erwachsene Kinder haben ein gestörtes Verhältnis zu den Eltern, weil sie vielleicht viele seelische Verletzungen in der Kindheit haben hinnehmen müssen oder weil die Eltern sie immer noch bevormunden oder durch Schuldgefühle Druck machen.

Andererseits sind Eltern die wichtigsten Bezugspersonen in unserem Leben und in der Regel haben wir ihnen viel zu verdanken.

Mit ihnen Frieden zu schließen und sich mit ihnen auszusöhnen kann nicht nur für unsere Beziehung zu ihnen wichtig sein, sondern auch für unser Seelenheil und Zusammenleben mit anderen Menschen.

Wie sich die Beziehung zwischen Eltern und Kindern im Laufe des Lebens verändert

Auf dem Weg von unserer Kindheit zum erwachsenen Menschen durchlaufen wir gewöhnlich drei Phasen.

I. Phase
Wenn wir klein sind, sind die Eltern für uns alles. Sie wissen alles, können alles und wir bewundern sie maßlos. Wir ahmen sie nach und verteidigen sie anderen gegenüber.

Mit zunehmender Reife holen wir unsere Eltern dann langsam vom Podest. Wir entdecken, dass sie nicht alles wissen, Fehler machen und uns manchmal auch etwas vormachen.

II. Phase
In der Pubertät sind die Eltern für uns schließlich die letzten Versager, unsere Feinde, die uns nur Schlechtes wollen. Wir können kein Quäntchen Positives an ihnen erkennen und glauben, alles besser zu wissen.

III. Phase
Als Erwachsene gelangen wir schließlich, wenn es ideal läuft, an den Punkt, an dem wir

  • unsere Eltern sehen, wie sie sind.
  • sowohl ihre Stärken als auch Schwächen kennen.
  • verstehen, weshalb sie so sind und sich uns gegenüber so verhalten (haben).
  • ihnen ihre Fehler verzeihen und sie als Menschen ansehen, die wie alle Menschen ihre Fehler und Schwächen haben.

Wir gelangen zu einer gleichberechtigten Beziehung, in der keiner den anderen grundsätzlich schlecht machen, verurteilen oder bevormunden muss, in der keiner den anderen für sein körperliches und seelisches Überleben benötigt.

Manchmal folgt auch noch eine IV. Phase, in der wir bei unseren Eltern die Rolle eines Elternteiles übernehmen, dann wenn die Eltern z.B. pflegebedürftig werden.

Der Weg bis hin zur III. Phase ist manchmal sehr dornig und schwierig. Manche Menschen verharren ihr Leben lang in der 2. Stufe.

Sie machen ihren Eltern Vorwürfe, dass diese in der Erziehung alles falsch gemacht haben und deshalb ihr Leben nun verpfuscht ist.

Andere verharren in der I. Stufe und schaffen es nicht, nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben. Sie erfüllen z.B. die Berufswünsche ihrer Eltern oder leben nach deren Wertvorstellungen und Vorgaben.

Andere verharren in der II. Phase. Sie machen ihren Eltern Vorwürfe, dass diese in der Erziehung alles falsch gemacht haben und deshalb ihr Leben nun verpfuscht ist.

Insbesondere wenn sie in ihrer Kindheit eine oder mehrere traumatische Erfahrungen gemacht haben, körperlich oder seelisch von ihren Eltern misshandelt oder missbraucht wurden, sehen manche keinen Weg, sich auf ihre Eltern zu zu bewegen und sie zu akzeptieren, wie sie sind.

Wer zur III. Phase gelangen möchte, muss sich mit seinen Eltern auseinandersetzen und mit ihnen Frieden schließen: Er muss

  • überprüfen, ob das, was er von der Kindheit in Erinnerung hat, richtig von ihm wahrgenommen und bewertet wurde.
  • die damalige Sichtweise der Eltern kennenlernen.
  • Gefühle wie Ärger und Enttäuschung ausdrücken.
  • die Regeln der Eltern überprüfen und eigene Regeln entwickeln.

Warum ist es wichtig, mit den Eltern zu sprechen?

Das Gespräch mit den Eltern ist sehr wichtig, um die Wurzeln vieler unserer Verhaltensweisen und Gefühlsreaktionen zu verstehen.

Viele Verhaltensweisen und Einstellungen haben wir uns von den Eltern abgeschaut.

Viele Verhaltensweisen und Einstellungen haben wir aus einer Protesthaltung den Eltern gegenüber heraus entwickelt.

Vieles haben wir aus Angst vor Ablehnung gegen unseren Willen gemacht. Vieles haben wir aus Angst vor Schuldgefühlen und einem schlechten Gewissen gegen unseren Willen gemacht.

Also sowohl Anpassung als auch Rebellion können ein Zeichen von Unfreiheit sein.

Erst wenn wir die III. Phase erreicht haben, können wir frei entscheiden, ein Gefühl der Liebe entwickeln, sie gerne besuchen oder gar liebevoll pflegen.

Warum ist es oft schwer, mit den Eltern zu reden?

Wenn wir uns mit unseren Eltern unterhalten wollen, so können sowohl von unserer Seite, als auch der Seite der Eltern Fehler passieren.

a) Wir können folgendes ungeeignetes Verhalten zeigen:

  • Wir greifen unsere Eltern an und wollen sie kleinmachen.
  • Wir erwarten von unseren Eltern ein Schuldeingeständnis, wenn wir sie auf ihre Fehler ansprechen.
  • Wir führen unser Gespräch nicht als Erwachsene sondern rutschen in die Rolle des Kindes ab. Beispielsweise werden wir trotzig, beginnen zu schmollen oder reagieren mit Protest, oder geben nach und machen uns klein.
  • Wir erwarten von unseren Eltern, dass sie sich völlig anders verhalten, wie in der Vergangenheit. Wir erwarten beispielsweise, dass sie uns loben, Liebe zeigen und stolz auf uns sind. Dies ist jedoch unrealistisch, denn dazu müssten sie sich grundsätzlich ändern.

Nach dem Psychotherapeuten Bloomfield sind bei einem Gespräch mit einem Elternteil immer vier Personen anwesend:

1. unsere Vorstellung der Eltern davon, wie sie sein sollten.

2. wie die Eltern tatsächlich sind.

3. die Vorstellung der Eltern davon, wie wir sein sollten.

4. wie wir tatsächlich sind.

b) Unsere Eltern könnten ungeeignetes Verhalten zeigen:

  • Unsere Eltern fühlen sich angegriffen, obwohl wir sie nicht angreifen wollen. Die Folge ist, dass sie sich rechtfertigen, verteidigen, uns Vorwürfe machen. Eine andere Möglichkeit ist, dass sie sich übertriebene Schuldgefühle machen und einreden, alles verkehrt gemacht zu haben.
  • Unsere Eltern beharren auf ihrem Standpunkt, hören uns nicht zu, bemühen sich nicht, unsere Sichtweise nachzuvollziehen und uns zu verstehen.
  • Unsere Eltern verweigern aus Angst vor Vorwürfen ein Gespräch.

Was passiert, wenn wir keinen Frieden mit den Eltern schließen?

Wenn wir den Eltern nicht vergeben, dann werden wir

  • in unserer Partnerschaft ähnliche Verhaltensmuster wie die den Eltern gegenüber zeigen. Wir sind z.B. brav und angepasst, aber rebellieren innerlich; oder wir lehnen uns selbst ab, weil wir uns von den Eltern abgelehnt fühlten; oder wir trauen uns nichts zu, weil die Eltern uns für Versager hielten; oder wir fühlen uns bevormundet, kritisiert und ausgeliefert, weil wir dies auch von unseren Eltern erlebten; oder aber wir misstrauen anderen, weil wir unseren Eltern nicht vertrauen können, oder aber wir rasten aus und schlagen den Partner, weil wir von unseren Eltern geschlagen wurden.
  • Partner attraktiv finden, die den Eltern ähnlich sind, oder nach Menschen Ausschau halten, die vollkommen anders sind.
  • möglicherweise aus Angst vor schlechten Erfahrungen überhaupt keine Partnerschaft eingehen.
  • uns unseren Kindern gegenüber ähnlich wie die Eltern verhalten oder uns bemühen, genau das Gegenteil davon zu tun.
  • nicht tun, was wir tun möchten, aus Angst, abgelehnt zu werden, oder tun aus Protest genau das Gegenteil, auch wenn wir uns damit schaden.
  • uns nicht akzeptieren können, weil wir uns von unseren Eltern nicht akzeptiert fühlen.
  • uns schwer tun, uns Fehler zu verzeihen.
  • uns schwer tun, mit Autoritätspersonen umzugehen.
  • perfektionistische Forderungen an uns stellen oder in eine Sucht abgleiten.
  • uns für unsere Eltern schämen.
  • den Eltern die Schuld an unserem verkorksten Leben und unseren schmerzvollen Gefühlen geben.
  • uns Vorwürfe machen, wenn sie gestorben sind und es zu spät für ein aussöhnendes Gespräch ist.

All dies muss nicht unbedingt passieren, aber die Chancen dafür sind groß.

Auch wenn Ihre Eltern gestorben sind, können Sie noch Frieden mit ihnen schließen und ihnen vergeben.

In Ihrem Innern leben Ihre Eltern noch und haben noch Einfluss auf Ihre Gefühle und Ihr Verhalten.

Wichtig zu wissen:

  • Wenn wir Frieden mit unseren Eltern schließen, bedeutet dies nicht, dass wir gutheißen, was sie uns „angetan haben“ und ihnen quasi einen Freifahrschein ausstellen.
  • Frieden schließen tun wir um unseretwegen, nicht der Eltern wegen. Wir wollen uns von einer schweren seelischen Last befreien und nicht auch heute noch damit bestrafen, dass wir uns nur mit unserer schlechten Kindheit beschäftigen und unsere Eltern hassen.
  • Mit der Vergangenheit Frieden schließen muss nicht unbedingt bedeuten, dass wir unseren Eltern verzeihen. Es kann auch bedeuten, dass wir die Vergangenheit so akzeptieren, wie sie für uns war, und sie ruhen lassen.
    Es kann bedeuten, dass wir den Eltern keine Vorwürfe mehr machen, sondern akzeptieren, dass unsere Eltern sich nicht wie gute Eltern verhalten haben und uns nicht das gegeben haben, was für uns als Kinder förderlich und zur gesunden Entwicklung erforderlich gewesen wäre.
    Es kann bedeuten, dass wir akzeptieren, dass unsere Eltern sich aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte oder eigener seelischer Probleme nicht anders verhalten konnten.
  • Frieden schließen bedeutet nicht unbedingt, dass wir wieder Kontakt zu unseren Eltern aufnehmen und uns mit ihnen aussprechen müssen. Dieser Prozess kann ganz allein in unserem Innern erfolgen.
  • Frieden schließen heißt auch nicht unbedingt, dass wir hierzu ein Schuldeingeständnis unserer Eltern benötigen.

Wie mit den Eltern Frieden schließen, sich aussöhnen & den Eltern verzeihen?

Die meisten von uns haben in der Kindheit nicht nur positive Erfahrungen mit ihren Eltern gemacht.

Es liegt in der Natur der Erziehung, dass Eltern uns manche unserer kindlichen Bedürfnisse nicht erfüllen und wir infolgedessen enttäuscht sind.

Manche Verhaltensweise unserer Eltern können wir aus unserer kindlichen Sicht auch nicht oder nur falsch verstehen.

Und so macht es Sinn, aus der Erwachsenensicht unsere gesammelten Erfahrungen nochmals anzuschauen und zu prüfen, ob wir sie noch genauso wie als Kind bewerten.

Die folgenden Tipps können Ihnen Anregungen geben, wie Sie Wut, Enttäuschung und Kränkungsgefühle, die Sie Ihren Eltern gegenüber empfinden, abbauen können.

Wenn Sie schwere seelische und/oder körperliche Verletzungen in der Kindheit erlebt haben und diese Ihr gesamtes heutiges Leben überschatten, sind Sie vielleicht zu dem Schluss gekommen, das Verhalten Ihrer Eltern niemals akzeptieren oder verzeihen zu können.

Dann könnte es bereits ein großer Schritt für Sie sein, zu akzeptieren, dass Sie genau diese Menschen, die Ihre Erzeuger sind, als Eltern hatten – unabhängig davon, ob Sie in der Lage waren oder sind, Ihnen das zu geben, was Sie benötigt haben oder benötigen.

TIPP 1: Nehmen Sie die Kindheit Ihrer Eltern unter die Lupe.

In der Kindheit Ihrer Eltern finden Sie höchstwahrscheinlich die Antwort auf Ihre Frage, warum Ihre Eltern sich Ihnen gegenüber so lieblos, gleichgültig oder verletzend verhalten haben.

Wurden Ihre Eltern nicht von ihren Eltern geliebt, so taten sie sich ebenfalls schwer tun, Liebe zu geben.

Wurden Sie durch Verbote, häufige Kritik, Liebesentzug oder Schläge erzogen, so sind die Chancen groß, dass sie diese Erziehungsstrategien auch bei Ihnen eingesetzt haben.

Erlebten Ihre Eltern in der eigenen Kindheit emotionale Erpressung durch Schuldgefühle, so reagierten sie wahrscheinlich Ihnen gegenüber sehr empfindlich auf Vorwürfe und große Nähe.

Diese Zusammenhänge können zwar das Leid nicht wiedergutmachen, was Ihnen als Kind widerfahren ist.

Doch hilft Ihnen dieses Wissen, das Verhalten Ihrer Eltern zu verstehen. Die Eltern sind selbst „Opfer“ ihrer Eltern.

TIPP 2: Betrachten Sie Ihre Eltern als Menschen und nicht als Eltern.

Ihre Eltern wurden nicht als Eltern geboren sondern als ganz normale Menschen.

Ihre Eltern haben keine Schule besucht, in der Sie lernen konnten, wie gute Eltern sich verhalten.

Sie waren wahrscheinlich nicht bei einem Psychotherapeuten, um ihre eigenen Probleme zu bearbeiten, bevor sie sich für Sie entschieden haben.

Und vielleicht haben Sie sich zum Zeitpunkt Ihrer Geburt sogar gar kein Kind gewünscht.

Um aber ein Kind zu lieben und mit Geduld und Zuwendung großziehen zu können, hätten Ihre Eltern die dazu notwendige Persönlichkeit, die Reife und das Wissen parat haben müssen.

Auch wenn sie Ihnen mit ihrem Verhalten geschadet haben, haben sie sich nicht anders verhalten können, als sie es getan haben.

TIPP 3: Schreiben Sie Ihren Eltern einen Brief.

Wenn Sie großen Zorn und Verbitterung Ihren Eltern gegenüber empfinden, kann es Ihnen gut tun, Ihre Gedanken und Gefühle in einem Brief auszudrücken.

Schreiben Sie sich alle Vorwürfe von der Seele – genau in den Worten, wie Sie ihnen gerade einfallen.

Führen Sie die schmerzlichsten Situationen auf, in denen Sie sich als Kind allein gelassen, ungerecht behandelt, vernachlässigt, missachtet, gefühlt haben. Sie können sich hierfür mehrere Tage Zeit lassen.

Wenn Sie Eindruck haben, jetzt sei alles gesagt, dann schließen Sie den Brief mit dem Satz: „Ich bin bereit, zu akzeptieren, dass ihr euch in meiner Kindheit in dieser Form mir gegenüber verhalten habt. Das war alles, was ihr mir geben konntet.“

Dann verbrennen Sie diesen Brief feierlich oder zerreißen sie ihn und werfen ihn in kleinen Stücken in einen Bach.

Stellen Sie sich dabei vor, wie eine schwere Last von Ihnen abfällt und Sie nun innerlich frei sind.

TIPP 4: Prüfen Sie Ihre Erwartungen, die Sie als Kind an Ihre Eltern hatten.

Als Kinder sind wir alle Egoisten, die von unseren Eltern erwarten, dass sie uns bedingungslos lieben, immer für uns da sind, uns jeden unserer Wünsche erfüllen, uns fair behandeln, uns auf sie verlassen können, usw.

Über Erfahrungen lernen wir dann im Laufe der Zeit, dass

  • nicht alle unsere Wünsche erfüllt werden,
  • andere Menschen uns nicht immer lieben, auch wenn wir uns bemühen, besonders lieb zu sein.
  • andere Menschen uns enttäuschen.
  • andere Menschen uns manchmal grundlos schlecht oder ungerecht behandeln.
  • wir nicht immer die Nummer 1 für andere sind.
  • uns im Leben Dinge widerfahren, die schmerzen und uns aus dem Gleichgewicht bringen.

Als Kinder versuchen wir das, was mit uns passiert, mit unserem noch sehr beschränkten Verständnis von der Welt einzuordnen.

So kann es passieren, dass wir uns nicht mehr geliebt fühlen, wenn unsere Mutter sich nur noch um das neugeborene Geschwisterchen kümmert.

Trennen sich unsere Eltern und unser Vater zieht aus, interpretieren wir dies vielleicht so, dass unser Vater sich nicht mehr für uns interessiert.

Deshalb macht es Sinn, wenn wir uns die Vorwürfe, die wir unseren Eltern machen, nochmals bewusst aus der Sicht des Erwachsenen anschauen.

Vielleicht gelingt es uns auch, einmal in die Rolle unserer Eltern hineinzuschlüpfen und deren Sichtweise besser zu verstehen.

Und vielleicht finden wir auch Vorwürfe an unsere Eltern, die wir aus der Sicht des Erwachsenen revidieren können.

TIPP 5:Behandeln Sie sich selbst so, wie Sie gerne von Ihren Eltern hätten behandelt werden wollen.

Die Verhaltensweisen Ihrer Eltern haben Ihr Verhalten in der Kindheit und auch jetzt im Erwachsenenleben geprägt.

Höchstwahrscheinlich behandeln Sie sich selbst auch heute noch so, wie Sie in Ihrer Kindheit von Ihren Eltern behandelt wurden.

So kritisieren Sie sich vielleicht oft und loben sich wenig. Oder Sie nehmen Ihre Bedürfnisse nicht ernst, weil Sie glauben, es nicht verdient zu haben, dass es Ihnen gut geht.

Vielleicht stellen Sie auch eigene Interessen zurück, weil Sie um die Liebe anderer Menschen ringen.

Beginnen Sie damit, für Ihr eigenes Wohlbefinden zu sorgen. Beginnen Sie sich die Liebe zu geben, die Sie sich immer von Ihrem Vater und Ihrer Mutter gewünscht haben.

Dann wird auch Ihr Groll Ihren Eltern gegenüber nachlassen und Sie können diesen leichter verzeihen.

Gehen Sie selbst genau so mit sich um, wie Sie mit einem guten Freund umgehen.

TIPP 6:Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben.

Ihre Eltern haben Einfluss darauf gehabt, wie Sie sich entwickelt haben, welche Erfahrungen Sie gemacht, welche Einstellungen und Verhaltensmuster Sie erlernt haben.

Natürlich haben auch Ihre Geschwister, Verwandte, Freunde, Eltern, Lehrer, der Pfarrer, usw. ihren Teil zu Ihrer Entwicklung beigetragen.

Doch jetzt als Erwachsener haben Sie immer noch die Möglichkeit, Einstellungen und Verhaltensgewohnheiten zu verändern.

So lange Sie lernfähig sind, können Sie sich jederzeit neu entscheiden.

Ihre Eltern sind nicht für Ihre Probleme, die Sie nun haben, verantwortlich – sie haben höchstens den Grundstein dafür gelegt.

Sie sind derjenige, der die Einstellungen aus der Kindheit jetzt am Leben erhält.

Nur Sie können deshalb derjenige sein, der diese ändert oder loslässt.

TIPP 7:Lernen Sie, sich zu akzeptieren, wie Sie sind.

Auch wenn Ihre Eltern bei der Meinung bleiben sollten, dass Sie nicht in Ordnung sind und versagt haben, sollten wenigstens Sie lernen, sich selbst anzunehmen.

Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf, wie Sie werden wollen. Fragen Sie sich, was Sie benötigen, um dorthin zu gelangen.

Dann werden Sie aktiv, sich und Ihr Leben nach Ihren Vorstellungen zu gestalten.

TIPP 8:Nehmen Sie Kontakt zu Ihrer Familie auf. Sprechen Sie mit Ihren Eltern.

Prüfen Sie, ob Sie sich innerlich bereit fühlen, mit Ihren Eltern über Ihre Kindheit zu sprechen.

Wichtig ist, dass Sie nicht mit Zorn, Rachegedanken oder um ihnen Schuldgefühle zu machen, in das Gespräch gehen.

Für das Gespräch könnte ein neutraler Ort wie z.B. ein Restaurant oder eine Bank im Park hilfreich sein.

Ziel dabei soll es sein, mehr über Ihre Eltern, Ihre Gedanken, Gefühle, Wünsche und Probleme zur Zeit Ihrer Kindheit zu erfahren.

Sie wollen lediglich besser verstehen, was Ihre Eltern zu Ihrem damaligen Verhalten gebracht hat und weshalb vieles in Ihrer Erziehung falsch gelaufen ist. Hören Sie ihnen lediglich zu.

Fordern Sie nicht, dass Ihre Eltern ihr Fehlverhalten einsehen oder Sie um Verzeihung bitten – wenngleich dies Ihr innigster Wunsch sein mag.

Wenn Ihre Eltern ihre Fehler einsehen und ihr Verhalten bedauern, dann ist es natürlich umso besser und für Sie umso leichter, ihnen zu verzeihen.

Erwarten Sie nicht, dass Ihre Eltern sich noch ändern oder einsehen, falsch gehandelt zu haben.

Diese haben ihr Leben so gelebt, wie sie dachten, dass es richtig sei.

Schätzen Sie meinen Beitrag? Dann teilen Sie ihn auf Facebook Danke!

Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Seit 35 Jahren helfe ich Menschen bei der Bewältigung persönlicher Probleme. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, der Meditation, dem Jin Shin Jyutsu und dem Backen von leckeren Kuchen & Gebäck.

Sie schätzen meine Arbeit und würden gerne Teil meiner Community werden? Dann holen Sie sich meinen kostenlosen Newsletter.

Leben Sie im Streit mit Ihren Eltern?

Tun Sie etwas dafür, sich mit ihnen zu versöhnen? Wie verhalten sich die Eltern?

Hinterlassen Sie einen Kommentar und helfen anderen mit Ihrer Erfahrung.

  1. Kathy schreibt am 24.11.2019

    Der Artikel kann eine große Hilfe sein. Ich werde eine Zeit brauchen, um mir darüber klar zu werden, was ich für mich wirklich möchte. Denn die Verletzungen haben nicht aufgehört, als ich ausgezogen bin. Und sie akzeptiert auch heute noch nicht, wie ich lebe. In ihren Augen mache ich alles falsch und werde immer noch nicht akzeptiert, wie ich bin. Ich habe vor zwei Jahren eine mehrjährige Therapie abgeschlossen, wo ich meine Vergangenheit aufgearbeitet habe. Aber mit meiner Mutter reden konnte ich bis heute nicht, weil sie immer noch meint, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Ich bin froh, eine eigene Familie zu haben, wo wir viel reden und viel Liebe herrscht. Dafür bin ich dankbar.

  2. Deniz schreibt am 06.11.2019

    Wie soll man sich bei einer Mutter verhalten die Narzissmus hat und Vater einen misshandelt hat? Sie hat alle manipuliert und bei misshandlungen zu geschaut. Habe heute keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern. Mir geht es heute besser damit als damals. Bin heute 40 Jahre alt,hat lange gedauert das ganze zu verstehen und zu verdauen.

  3. Christian Zwingenberger schreibt am 05.10.2019

    Die Darlegungen waren für mich sehr aufschlussreich. Leider fand ich keinen Ansatz in dem Artikel wie Eltern mit der Umkehrung des Problemes umgehen können. Meine Frau(75) leidet unter den geringen Kontakt zum Sohn ( 53). Er ist erfolgreich, ein guter Ehemann und Vater und trotzdem findet er nicht die Zeit in gewissen Zeitabständen sich nach dem Wohlbefinden seiner Eltern zu erkundigen. Wir wohnen zusammen in einem Ort. Der persönliche Kontakt ist beschränkt auf die Geburtstagsfeiern, Weihnachten und Ostern. Das ist meiner Frau zu wenig und sich fragt sich immer wieder was sie falsch als Mutter gemacht hat. Als Vater kann ich damit umgehen, da ich weis wie heutzutage die Kinder ihr Leben meistern müssen. Eines noch: Wir leben nicht im Streit mit den Kindern.

  4. Ina schreibt am 21.08.2019

    Es ist schwer, wenn man erst merkt, was los war, wenn die Eltern beide gestorben sind und erst dann gewisse Dinge einordnen kann. Eine herbe Enttäuschung, die einen bis ins Mark trifft und alles umbewerten lässt. Das Fundament wackelt und bröckelt. Auch wenn es viel schwerwiegendere Verhaltensweisen von Eltern für die Entwicklung von Kindern gibt, auf die hier abgezielt wird: Ihr Artikel konnte mir auch in dieser/meiner Situation helfen. Danke!

  5. Anne-Katrin schreibt am 04.07.2019

    Ich empfinde diesen Artikel als gute Anregung. Für nur manchmal „unangemessen“ Behandelte ist er m.M. gänzlich zutreffend. Allerdings fehlt mir, bei aller Ausführlichkeit, dann doch ein sehr wichtiger Teil. Es gibt nun einmal Menschen, die von ihren Eltern „ausschließlich“ auf schlimmste Art und Weise behandelt wurden. Körperliche Mißhandlungen sind für jeden erinnerbar. Doch permanente psychische Folterungen müssen erstmal erkannt sein… Und da tragen sicher manche eine sehr schwere Last! Richtig ist in meinen Augen, das ungeschönt erkennen und akzeptieren, daß DIESES einem „passiert“ ist! Vielleicht wäre da ein Artikel hilfreich, wie wirklich Traumatisierte mit der Verständnislosigkeit und dem Unglauben der Umgebung zurechtkommen können. Hinter verschlossenen Türen fallen „die Masken der Niedertracht“ Allen alles, alles Gute !!!

7 Zeichen, an denen ein Psychologe gute Eltern erkennt

Diese sieben Dinge machen gute Eltern aus, sagt eine Psychologin und erklärt, warum Vergleiche, Wettstreit oder irgendwelche Messlatten für Erfolge garantiert nichts damit zu tun haben.

Was macht eine gute Mutter oder einen guten Vater aus? Eine Frage, an der sich die Geister scheiden. Gibt es doch so unendlich viele Themen in Sachen Kindererziehung, die heftig diskutiert werden. Stillen – nicht stillen, Familienbett – Babybett, vegan – omnivor – die Liste ist gar unendlich, genauso wie die verschiedenen Meinungen und Standpunkte dazu. Doch sind es wirklich diese Debatten, die ausschlaggebend sind für eine glückliche Kindheit und Jugend? Was ist wirklich wichtig, wenn wir unsere Kinder großziehen? Natürlich vor allem eins: Liebe!

Damit zusammenhängend gibt es Anzeichen, die zeigen, dass ihr als Eltern alles richtig macht und eurem Kind in der Erziehung alles Wichtige mitgeben. Die klinische Psychologin Nadene van der Linden hat in einem Artikel für Parent Co. sieben Anzeichen zusammengefasst, an welchen sie in ihrer Arbeit als Therapeutin erkennt, dass Eltern einen guten Job machen und Kinder gut aufgehoben sind.

Sieben Anzeichen, die verraten, dass ihr gute Eltern seid

1. Dein Kind zeigt dir gegenüber eine Bandbreite von Gefühlen
Keine Frage, manchmal kann es anstrengend sein – aber ist dein Kind dazu bereit, vor dir eine Bandbreite von Gefühlen zu zeigen, ist das immer ein gutes Zeichen. Ärger, Wut, Trauer oder Angst – kommt dein Kind mit seinen Gefühlen zu dir und zeigt diese offen, heißt das, dass es sich bei dir sicher, geborgen und verstanden fühlt.

„Es macht mir immer große Sorgen, wenn Kinder ihre Gefühle vor ihren Eltern verbergen“, schreibt van der Linden. „Oft ist das ein Zeichen für große Probleme in der Eltern-Kind-Beziehung.“ Wenn dein Kind also zu dir kommt, solltest du nicht versuchen, seine Gefühle zu überspielen oder dein Kind abzulenken. Stattdessen solltest du deinem Nachwuchs zeigen, dass du seine Gefühle ernst nimmst und immer ein offenes Ohr für diese hast.

Den Bestseller zum Thema Kindergefühle: „Liebst du mich auch wenn ich wütend bin?“*, findest du hier* auf Amazon.

2. Dein Kind kommt zu dir, wenn es ein Problem hat
Es klingt simpel, ist aber enorm wichtig: „Ich weiß, dass Eltern einen super Job machen, wenn sie die erste Anlaufstelle für jegliche Probleme ihres Kind sind“, schreibt van der Linden. Denn das heißt, dass du ein solides Grundgerüst oder Sicherheitsnetz erschaffen hast, zu dem dein Kind immer zurückkehren kann, wenn es Hilfe benötigt.

3. Dein Kind kann mit dir seine Gedanken und Gefühle besprechen, ohne deine Reaktion fürchten zu müssen
Dieser Punkt basiert auf den beiden vorher genannten Anzeichen. Manche Eltern beschränken unbewusst die Kommunikation mit ihrem Kind durch ihr Verhalten, indem sie beispielsweise auf manche Gefühle und Gedanken überreagieren oder sich selbst als Eltern gekränkt fühlen etc. Andere Eltern erscheinen ihren Kindern so sensibel, dass diese Mama und Papa nicht mit ihrem Gefühlsleben belasten wollen.

Nadene van der Linden schreibt: „Ich mache mir Sorgen, wenn Eltern sagen: ‚Mein Kind ist mein Fels in der Brandung.‘ Eltern sind der Felsen; Kinder sollten nie der Fels für ihre Eltern sein.“ Versuche also, die Gedanken und Gefühle deines Kindes zu akzeptieren und zu unterstützen, ohne diese als Angriff auf dich selbst als Elternteil oder deinen Charakter zu sehen.

Für Mütter deren eigene Gefühle Ihnen oft im Weg stehen bei der Kindererziehung: „Hochsensible Mama sein: Das Ressourcen-Buch“*.

Familienleben

„Gute Mutter sein“ – was bedeutet das?

Weiterlesen Familienleben Weiterlesen

4. Dein Feedback ist nicht kritisch oder wertend
Gute Eltern geben ihrem Kind Feedback, das weder zu kritisch ist, noch abwertende Label wie „böse“, „gierig“ oder „faul“ enthält.
Äußere Kritik an deinem Kind, fokussiere dich auf dessen Verhalten, nicht auf dessen Charakter. Sage: „Du hast alle Kekse aufgegessen, bevor jemand anderes die Chance hatte, einen zu probieren. Teilen ist für uns alle aber ganz wichtig. Fällt dir eine Möglichkeit ein, wie du das wieder gut machen kannst?“ Anstatt: „Das war sehr gierig von dir. Heute gibt es kein Abendessen!“

5. Du ermunterst dein Kind dazu, seine Interessen und Talente zu verfolgen
Hobbys und Interessen helfen deinem Kind zu lernen, an einer Sache dranzubleiben. Sie geben ihm das Gefühl, etwas selbst und aus eigener Kraft geschafft zu haben.

Manchmal neigen Eltern dazu, ihren Kindern Hobbys aufzudrängen, die sie selbst gerne machen oder gemacht hätten. Doch das kann gehörig schief gehen. Das Kind kann sich unter Druck gesetzt fühlen, sich vorkommen wie eine große Enttäuschung und denken, dass seine eigenen Wünsche und Interessen nichts wert sind.

Wie Ermutigung in der Praxis aussieht erklärt Barbara Hennings im Buch „Ermutigung und Annerkennung: Der Erziehungskompass“* anhand der Grundsätze von Rudolf Dreikurs.

Zwischen Traum und Trauma

Leistungssport bei Kindern

Weiterlesen Zwischen Traum und Trauma Weiterlesen

6. Du stellst Grenzen auf, um das Wohlergehen deines Kindes zu schützen
Gute Eltern leiten das Verhalten ihres Kindes, indem sie gut durchdachte Grenzen setzen. Denn Kinder ohne Grenzen fühlen sich oft verloren. Grenzen und Regeln helfen Kindern, sich geliebt und geschätzt zu fühlen – auch wenn sie manchmal gegen die Beschränkungen rebellieren.

Im Buch „Starke Kinder brauchen Regeln: Klare Grenzen – Entspannte Familie“* erklärt Ulla Nedebock anhand von 5 einfachen Schritten wie man als Eltern Grenzen zieht und man sie im turbulenten Alltag umsetzt.

7. Du machst deine Fehler wieder gut
Jeder macht Fehler. Auch die besten Eltern werden Fehler machen. Viele Fehler. Das Ausschlaggebende ist: Gute Eltern stehen für ihre Fehler ein und versuchen, diese zu reparieren.

Wenn du also einmal dein Kind anschreist oder überreagierst, ist es wichtig, diesen Bruch in der Beziehung wieder zu kitten. Das heißt auch: Sich für den eigenen Fehler beim Kind zu entschuldigen. Erkläre deinem Kind, warum es zu diesem Fehlverhalten kam und wie deine Gefühle in diesem Moment ausgesehen haben.

Eltern

Der Haargummi-Trick soll Eltern dabei helfen, gelassener zu bleiben

Weiterlesen Eltern Weiterlesen

Vergleiche bringen nichts

Auch wenn es verlockend ist, nach Parametern zu suchen, die dir eindeutig attestieren, dass du eine gute Mama oder ein guter Papa bist… aber die „richtige Ernährung“, der Lesefortschritt deines Kleinen oder der Sieg im nächsten Fußballspiel sagen überhaupt nichts über euch als Eltern aus. Denn Liebe, Fürsorge und eine gute Eltern-Kind-Beziehung lassen sich nicht an einer Messlatte ablesen.

Familienleben

Eine Therapeutin erklärt, woran sie gute Mütter erkennt

Weiterlesen Familienleben Weiterlesen

Worum es eigentlich geht, was wirklich wichtig ist, ist, einen Ort, eine Familie, zu erschaffen, an dem sich dein Kind geborgen und sicher fühlt. Damit es so zu einem eigenständigen, respektvollen und selbstbewussten Erwachsenen heranwachsen kann. Es geht um eine lebenslange Beziehung, die nicht von externen Ereignissen, Dingen oder Ergebnissen abhängt, sondern von Liebe, Respekt und Verbundenheit.

*gesponserter Link

Als Erwachsener Probleme mit den Eltern

Es gibt niemanden in unserem Leben, den wir so lange kennen, wie unsere Eltern. Und es gibt keine andere tiefgreifende Bindung, die unlösbar ist, als die zwischen Eltern und Kindern.

Diese Beziehung ist so facettenreich und einem lebenslangen Wandel unterworfen. Kein Wunder, dass sie ebenso intensiv wie explosiv sein kann.

Endlich 18, endlich Erwachsen! Wissen meine Eltern das auch?

Die ersten beiden Jahrzehnte unseres Lebens sind geprägt durch die Beziehung zu unseren Eltern. Als Kinder sind wir abhängig davon, ob wir gut umsorgt werden oder nicht. In dieser Zeit werden wir auch stark geprägt von der Lebenseinstellung unserer Eltern. Werte werden vermittelt, Anforderungen an die Kinder herangetragen, Glaubenssätze verinnerlicht.

Mit zunehmendem Alter wächst unser Bestreben, uns zu lösen und abzugrenzen. Hier zeigt sich dann, wie groß der Spielraum ist, den wir für unsere ganz individuelle Entwicklung in Anspruch nehmen können. Viele Eltern wollen in bester Absicht das Beste für ihre Kinder. Aber ist es auch das, was die Kinder wollen? Oder nur ein Versuch, weiterhin Einfluss zu nehmen auf das Leben ihres Nachwuchses? Oder sollen sie vielleicht die nicht erfüllten Lebensträume der Eltern leben?

Viele Eltern geben ihren Kindern Leitsätze mit auf den Lebensweg, die sie entweder erfüllen, oder aber genau das Gegenteil tun. Leider sind diese „Programmierungen“ den meisten jungen Erwachsenen nicht bewusst.

Wie finde ich heraus, was mein ganz persönlicher Lebensweg ist?

Wenn die Schulzeit vorbei ist und der junge Erwachsene „flügge“ wird, geht es sehr stark um Abgrenzung. Der Vater wäre sicher glücklich, wenn der Sohn das Familienunternehmen übernehmen würde, die Mutter sähe als Partner/in des Kindes gerne jemanden aus dem gleichen sozialen Kontext. Das klingt nach uraltem Klischee!

Aber ist es wirklich nur ein Klischee?

In meiner Praxis erlebe ich viele junge Menschen, die große Probleme damit haben, ihre Eltern zu enttäuschen. Sie vollführen einen innerlichen Spagat. Es zerreißt sie buchstäblich, wenn sie merken, dass der Weg, den sie ganz selbstverständlich eingeschlagen haben, sie nicht glücklich macht. Oft wird ein Studium begonnen und nach kurzer Zeit stellt der junge Mensch fest: Das interessiert mich gar nicht! Eine Beziehung, die schon in der Schule geschlossen wurde, wird in Frage gestellt. Der vorgezeichnete Weg ins Familienglück ist vielleicht doch nicht das Richtige?

Ein oft sehr langer Prozess beginnt: Hier ist es wichtig, Bewusstsein dafür zu entwickeln, was ich unreflektiert übernommen habe und was ich wirklich will. Um diesen Prozess zu durchlaufen kann es sehr hilfreich sein, sich zum Beispiel mit seinen Geschwistern auszutauschen. Da sie die gleichen Wurzeln haben, können durch deren Erzählungen oft eigene „blinde Flecken“ entdeckt werden. Aus therapeutischer Sicht bieten sich hier verschiedene Hilfen an: eine systemische Familientherapie, Familienaufstellungen oder eine Einzelberatung, in der der junge Erwachsene seine ganz persönlichen Erfahrungen mit den Eltern aufarbeiten kann.

Wenn aus Kindern Eltern werden

Egal ob 30 oder 50 Jahre alt, erwachsene Kinder bleiben ihr Leben lang die Kinder ihrer Eltern. Wenn sie nun selber Eltern werden, birgt dieser neue Lebensabschnitt Veränderungen in verschiedene Richtungen:

  • Eltern und die erwachsenen Kinder rücken wieder näher zusammen, weil die Kinder durch die neuen Erfahrungen selbst Eltern zu sein, mehr Verständnis für ihre eigenen Eltern aufbringen. Sie erleben jetzt selbst, wie sehr Kinder die jungen Eltern an den Rand ihrer nervlichen Belastung und Leistungsfähigkeit bringen können. Hier ist eine zurückhaltende, liebevolle Unterstützung der eigenen Eltern sehr wertvoll.
  • Die Eltern trumpfen eher mit gut gemeinten Ratschlägen auf, denn sie haben ja schließlich schon ein paar Kinder großgezogen. Die jungen Eltern, die sich ihre Selbstständigkeit und Unabhängigkeit längst erarbeitet haben, fallen zurück in Kinderrollen: Mutter meint es doch nur gut mit dir! In diesem Fall erarbeite ich mit meinen Klienten, wie sie klare Grenzen setzen. Ein Gespräch mit den Eltern über den Unterschied zwischen Unterstützung und Einmischung ist hier unvermeidlich. Wenn diese allerdings uneinsichtig sind, ist zu überlegen, in wie weit der Kontakt zu den Eltern eingeschränkt werden kann.
  • Die jungen Eltern stellen entsetzt fest, dass sie sich genauso verhalten, wie einst ihre eigenen Eltern. Dabei wollten sie doch alles besser machen!

Dazu kommt, dass beide jungen Elternteile von unterschiedlichen Erziehungsstilen geprägt sind und jetzt verschiedene Maßstäbe anlegen. In diesem Fall ist es sehr wichtig, sich als Paar darüber zu verständigen: Was wollen wir für unsere Kinder? Was ist uns wichtig?

Mit den Eltern auf Augenhöhe?

Das vierte Lebensjahrzehnt ist erreicht: der Beruf ist ergriffen, an der Karriere wird fleißig gebastelt, die Lebensform: allein, als Paar oder als Familie ist gewählt und der Lebensstil etabliert.

In dieser Lebensphase verändert sich die Beziehung zu den Eltern wiederum: Jetzt sind es die erwachsenen Kinder die mitten im Leben stehen, die Eltern ziehen sich langsam zurück. Während früher die Kinder um Rat gefragt haben, beginnen nun die Eltern, Rat bei ihren Kindern einzuholen.

Es ist an der Zeit, sich aus verbliebenen familiären Verstrickungen zu lösen. Unsere Eltern sind unsere Wurzeln. Deshalb ist es so schwierig, eine filiale Reife zu erlangen. Wir versuchen oft auch als Erwachsene noch, von unseren Eltern das zu bekommen, was uns vielleicht in der Kindheit gefehlt hat. Wir müssen uns darüber klar werden, dass nicht nur die äußere Unabhängigkeit von den Eltern uns auf Augenhöhe bringt, sondern insbesondere die emotionale Unabhängigkeit. Dazu bedarf es oft vieler innerfamiliärer Auseinandersetzungen.

Viele Erwachsene können sie real in Gesprächen mit ihren Eltern führen. Sind die allerdings dazu nicht bereit oder bereits verstorben, kann man die Auseinandersetzungen auch mit psychotherapeutischer Unterstützung ohne die Eltern führen. In meiner Praxis erlebe ich oft, dass noch viele Vorwürfe und Verletzungen nachwirken, Schuldzuweisungen erfolgen. Auf dieser Basis sind lebenslange Probleme mit den Eltern vorprogrammiert.

Wie überwinden wir diese Konflikte mit den Eltern als erwachsene Kinder?

Wir verdanken unseren Eltern unser Leben. Wir verdanken ihnen ihre Unterstützung, die uns geholfen hat, im Leben Fuß zu fassen. Wir müssen uns darüber klar werden, dass sie nicht perfekt sind. Aber: Sie haben ihr Bestes gegeben!

Vielleicht war das nicht genug. Vielleicht gab es auch Zeiten, Situationen, Ereignisse, die uns eher geschadet haben. Trotzdem muss ich als Erwachsener die Verantwortung für mein Leben übernehmen. Ich kann mich nicht darauf zurückziehen, alle Misserfolge, psychische oder körperliche Beeinträchtigungen, misslungene Beziehungen etc. damit zu begründen oder zu entschuldigen, weil meine Mutter/meine Eltern damals….

Das zu begreifen, ist der erste Schritt auf eine Versöhnung zu, den ich versuche in der Therapie zu transportieren.

Dankbarkeit und Respekt den Eltern gegenüber helfen uns, innerlich wirklich unabhängig zu werden. Solange ich Vorwürfe mit mir herumtrage, bleibe ich in der negativen Bindung.

Oftmals ist es auch hilfreich, die eigene Geschichte der Eltern in den Fokus zu nehmen. Wie sind denn meine Eltern aufgewachsen? In welcher Zeit? Mit welchen Erziehungsmaximen? Welchen Werten? „Lassen Sie Ihre Eltern mal erzählen aus ihrer Kindheit, von ihren Eltern. Welche Träume/Ziele hatten Ihre Eltern als sie jung waren? Was davon konnten sie umsetzen?“ rate ich meinen Klienten. Oft entwickelt sich daraus ein Verständnis für die Eltern, dass es vielleicht einmal möglich macht, den Eltern zu verzeihen.

So erhalten wir uns die Freiheit, sie weiterhin lieben zu dürfen. Und wir dürfen sie auf Distanz halten, wenn das für uns stimmig ist. Eine längere Funkstille kann heilsam sein, wenn der Weg zu einem Aussöhnungsprozess noch in weiter Ferne liegt. Wir können den für uns richtigen Umgang mit ihnen finden.

Wenn die Eltern alt werden

Dieser Abschnitt der Eltern-Kind-Beziehung ist wieder ein ganz Besonderer. Kinder begleitet man auf ihrem Weg ins Leben, Eltern auf ihrem Weg durch das Alter zum Tod.

Er ist gekennzeichnet durch:

  • Verhaltensweisen der Eltern, die uns schon als Kinder genervt haben, verstärken sich.
  • Es setzt nach und nach eine Rollenumkehr ein: der Erwachsene erklärt den Eltern die Welt.
  • Der Erwachsene übernimmt in bestimmten Bereichen die Verantwortung für die Eltern, jetzt werden sie abhängig.
  • Dem Erwachsenen wird sein eigenes Altern gespiegelt.

Wie geht man jetzt mit dieser Situation um? Viele emotional schwierige Fragen und ambivalente Gefühle tauchen nun auf. Pflichtgefühle, Konkurrenz zu den eigenen Kindern, den eigenen Wünschen nach Unabhängigkeit. Die Liebe zu den Eltern und die Liebe zur eigenen unabhängigen Lebensführung muss in eine Waage gebracht werden.

Die Fragen: „Was kann ich und was will ich geben?“ und „Wo sind meine Grenzen?“, sind die häufigsten, mit denen ich in meiner Praxis zu tun habe. Diese zu beantworten setzt absolute Ehrlichkeit sich selbst gegenüber voraus und den Mut, sie den Eltern gegenüber zu vertreten.

Schuldgefühle und Ansprüche von Seiten der Familie und der Umgebung sind da ein schlechter Ratgeber!

Wenn die vorherigen Reifungsprozesse gut gelaufen sind, kann auch dieser Abschnitt gemeistert werden.

Autor: Donate Stahn, Diplom-Psychologin
Thema: Als Erwachsener Probleme mit den Eltern
Webseite: https://www.psychotherapie-hennen.de

Expertenprofil:

Beiträge Lifestyle

Themenübersicht

12/03/2019Lifestyle

Gewicht verlieren und schlank bleiben durch ausgewogene Ernährung

Wer wirklich Gewicht verlieren und gesund abnehmen möchte, ohne dass die Kilos nach der Diät wieder auf der Hüfte landen, muss einige Dinge beachten. Denn einfach nur radikal Diät halten und dauerhafte Ergebnisse mehr…

20/03/2019Lifestyle

Für einen unvergesslichen Auftritt: Diese Abendmode liegt jetzt im Trend

Ob Festlichkeiten wie Hochzeiten und Geburtstage, wichtige Geschäftsessen, Dinner mit den Liebsten oder Tanzbälle: Es gibt zahlreiche Anlässe und Events, zu denen wir uns besonders schick machen. Mit edlen Stoffen, raffinierten Schnitten und mehr…

27/03/2019Lifestyle

Lügen in der Beziehung

Lügen bedeutet die Wahrheit zu verschweigen, abzuändern, zu verdrehen oder abzustreiten. Ich habe darauf verzichtet, alle Beispiele in der sowohl Mann als auch Frau Version auszudrücken. Natürlich kommt menschliches Verhalten geschlechterunabhängig vor. mehr…

27/03/2019Lifestyle

Die beliebtesten lockigen Frisuren

Locken bringen Volumen in die Haare und sorgen für Abwechslung beim Styling. Dabei lassen sich nicht nur lange Haare mit Locken immer wieder neu stylen, sondern auch kurze Frisuren. Kurzhaarfrisuren lassen sich ebenso mehr…

03/04/2019Lifestyle

Stress lass nach – Wie kann man Stress sinnvoll bewältigen?

Wer von uns hat ihn noch nicht gesagt, den Satz, der gerne auf die Frage „Wie geht es Dir“ folgt: „Ich bin voll im Stress!“ Und mit diesem einen Satz ist schon alles mehr…

„Du bist die liebste Mama der Welt“: Viele Jahre lang dürfen sich die meisten Mütter an solchen Liebesbezeugungen erfreuen – dann werden sie jäh vom Sockel gestoßen. Pubertät bedeutet Ablösung, und die kann Müttern ziemlich wehtun, vor allem wenn sie sich bisher mit ihrem Kind eng verbunden fühlten. Doch der schmerzhafte Prozess ist unausweichlich.

Mutter 1: „Ich verstehe das nicht. ‚Ich hasse dich‘, hat meine Tochter mir letztens ins Gesicht gebrüllt. Woher kommt plötzlich diese Wut? Wir konnten doch immer so gut miteinander reden.“

Mutter 2: „Meinen Sohn solltest du mal erleben. Früher hat er immer so viel erzählt, da stand sein Mund nicht still beim Mittagessen. Und jetzt? Grummelt vor sich hin und verschwindet so schnell wie möglich in seinem Zimmer. Ich komme überhaupt nicht mehr an ihn heran.“

Vor allem Mütter fühlen sich regelrecht entthront, wenn ihre Kinder in die Pubertät kommen. „In seinen ersten Lebensjahren ist die Mutter für das Kind das ganze Universum“, sagt die Psychotherapeutin und Autorin Claudia Haarmann. Die Nähe, die das Miteinander mit einem Baby oder Kleinkind zwangsläufig mit sich bringt, die bedingungslose Liebe, die Eltern für ihre Kinder – und umgekehrt – spüren, sorgen für eine enge Bindung. „Doch in der Pubertät stellen Kinder die Frage: Wer bin ich, was macht mich als Individuum aus?“, erläutert Haarmann. Die Mutter wird vom Fixpunkt zum Widerpart. An die Stelle von Nähe tritt Abgrenzung.

Dass die Streitlust der Jugendlichen Mütter oft besonders heftig trifft, liegt schlicht und einfach an der Tatsache, dass sie oft die meiste Zeit mit den Kindern verbringen. „Die meisten Kinder haben mit ihren Müttern mehr zu tun als mit ihren Vätern. Das ist ein Grund, warum die Ablösung von ihnen anders, oft heftiger stattfindet“, sagt Diplom-Psychologin und Erziehungsberaterin Elisabeth Raffauf.

Deshalb spüren Mütter auch besonders intensiv, dass Gleichaltrige für ihre Kinder immer wichtiger werden. Nicht die Mutter wird bei Problemen um Rat gefragt, sondern der beste Freund, die beste Freundin. In der jüngsten Shell-Jugendstudie bezeichneten 89 Prozent der Befragten es als außerordentlich wichtig, gute Freunde zu haben. Für die Jugendlichen stellt das aber keine Entwertung ihrer Familie dar: Mehr als 90 Prozent empfinden der Studie zufolge das Verhältnis zu ihren Eltern als gut. Nur ist die Bindung nicht mehr so ausschließlich wie in der Kindheit. Für die Jugendlichen bedeutet das in der Regel keinen Verlust, schließlich knüpfen sie stattdessen neue, enge Bindungen an Gleichaltrige. Die Eltern sind es, die oft das Gefühl haben, etwas zu verlieren.

Wenn Kinder ihre Eltern verlassen“Ich weiß bis heute nicht, warum“

Von Catalina Schröder

Podcast abonnieren Wenn Kinder sich von ihren Eltern abwenden, leiden meist beide Parteien unter der Trennung. ( imago/ Manja Elsässer )

Brechen Kinder den Kontakt zu ihren Eltern vollständig ab, beginnt für diese meist eine Zeit der Verzweiflung, Selbstvorwürfe und Scham. Denn die wenigsten Eltern haben eine Erklärung für das Verhalten. Solche Kontaktabbrüche werden häufiger, vermuten Psychologen.

„Vor ungefähr 21 Jahren hat mein Sohn von jetzt auf gleich den Kontakt abgebrochen. Ich weiß bis heute nicht, warum. Ich hab nur eine Vermutung, dass es angefangen hat, als er nochmal von meinem Ex-Mann eine Schwester bekam. Und um diese Schwester hat der Ex-Mann sich liebevoll gekümmert, während er sich um den Sohn überhaupt nicht gekümmert hat. Und dann kam mein Sohn irgendwann nach Hause und sagte: Ich geh da nicht mehr hin, ich kann mir das nicht angucken. Ich will den Kontakt nicht mehr. Und da hab ich gesagt: Das geht nicht, ihr müsst dann miteinander reden und reden tut mein Sohn nicht, der verlässt höchstens das Zimmer. Aber reden tut der nicht, grundsätzlich nicht. Egal, um was es geht. Und damit kann ich überhaupt nicht umgehen. Nur, warum er dann den Kontakt auch zu mir abgebrochen hat, das weiß ich jetzt nicht.“
Sabine Böhler sitzt im Wohnzimmer ihres Einfamilienhauses nordwestlich von Berlin, vor sich auf dem Tisch ein Glas Latte macchiato. Dass die große Frau mit den kurzen braunen Haaren vor einigen Monaten ihren 70. Geburtstag gefeiert hat, sieht man ihr nicht an. Sie wirkt deutlich jünger.

Tränen, Verzweiflung und Schuldzuweisungen

Fast ein Drittel ihres Lebens hat Böhler schon keinen Kontakt mehr zu ihrem erwachsenen Sohn. Er spricht nicht mehr mit ihr, hat vor vielen Jahren seine Telefonnummer und die E-Mailadresse geändert. Warum das so ist, das hat Böhler, die mit richtigem Namen anders heißt, bis heute nicht verstanden. Und erklärt hat ihr Sohn ihr den Grund nie. So jedenfalls erzählt sie es selbst.
„Ich hab natürlich dann versucht: Briefe, E-Mails, vor der Tür gestanden und dann wurde die Musik lauter gedreht. Ich hab ja gehört, dass er im Zimmer ist oder in der Wohnung ist. Dann gab es natürlich Tränen und Verzweiflung und Schuldzuweisungen: Was hast du jetzt falsch gemacht, dass das Kind dich so behandelt? Das hast du an und für sich nicht verdient, du hast alles getan, was du konntest oder von dem du glaubtest, es ist richtig.“
Als der Sohn von Sabine Böhler den Kontakt zu seiner Mutter abbricht, ist er Mitte 20. Lange denkt Böhler, dass sie die Einzige sei, der so etwas passiert. Doch dann erzählt ihre Nachbarin, dass ihre erwachsene Tochter auch nicht mehr mit ihr spricht. Böhler recherchiert und erfährt: Rund 100.000 erwachsene Kinder in Deutschland haben den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen. Diese Zahl ist eine grobe Schätzung von Soziologen. Die Fälle zu zählen, ist nahezu unmöglich.

Kontaktabbrüche sind keine Seltenheit

Claudia Haarmann glaubt allerdings, dass es immer mehr Familien gibt, die auf diese Weise zerbrechen. Haarmann ist Psychotherapeutin in Essen und hat schon mehrere Bücher über Kontaktabbrüche zwischen Kindern und Eltern geschrieben.
„So viel, wie ich an Post und an Anfragen kriege, scheint mir das wirklich ein Massenphänomen zu sein. Es nimmt wirklich eher zu als ab und es betrifft unglaublich viele Familien, die im Außen vielleicht ganz harmonisch und ganz okay erscheinen, aber wo es innen unglaublich brodelt.“
In Claudia Haarmanns psychotherapeutische Praxis kommen sowohl Eltern, die von ihren Kindern verlassen wurden, als auch Kinder, die ihre Eltern verlassen haben und nun mit Haarmanns Hilfe diese gestörte Beziehung für sich selbst aufarbeiten möchten. Die 67-jährige Therapeutin hat eine Erklärung dafür, warum Kontaktabbrüche immer häufiger werden:
„Meine Generation oder auch die Menschen, die um die 50 sind, die haben irgendwie noch gelernt, wenn sie bei den Eltern zu Besuch waren und es gab wieder, dass der Vater gesagt hat: Wie siehst du denn wieder aus? Oder die Mutter gesagt hat: Kannst du nicht mal einen netten Mann und so weiter. Du müsstest doch jetzt mal endlich… Dann haben wir sozusagen die Faust in der Tasche gemacht. Also wir haben irgendwie ganz gut funktioniert, haben es nicht auf die Spitze getrieben – vielleicht manchmal, aber dann sind wir doch wieder einigermaßen auseinandergegangen.“

„Diese Generation benennt die Konflikte deutlich“

Bei der heutigen Generation der erwachsenen Kinder, also denjenigen, die jetzt zwischen Anfang 20 und Mitte 40 sind, sei das anders, glaubt Haarmann:
„Diese Generation, die benennt in der Familie die Konflikte deutlich, die benennt Kommunikationslosigkeit, die benennt Gefühlslosigkeit, die benennt Lieblosigkeit. Und das haben Generationen vorher nicht so getan. Und ich glaube, das hat einerseits damit zu tun, dass psychische Erlebnisse oder Emotionalität eine andere Rolle spielen, als es das früher getan hat. Wir dürfen zum Therapeuten gehen, wir dürfen uns mit unserer Kindheit beschäftigen. Wir dürfen unter Freunden eine andere Form von miteinander von Beziehungen leben, als das jemals vorher möglich war. Und das hat Konsequenzen.“
Probleme, die früher runtergeschluckt und verdrängt wurden, führen Haarmanns Theorie zufolge heute häufiger zum Bruch zwischen Kindern und Eltern. Welche Probleme das im Einzelnen sein können, erzählen die erwachsenen Kinder Haarmann in ihren Therapiestunden.
„Es gibt zwei Formen von Gründen, warum Kinder sich von ihren Eltern abwenden. Und zwar, dahinter steht immer ein Grundgefühl von Mangel. Was Kinder von ihren Eltern als allererstes ganz doll brauchen, ist das Gefühl von Geborgenheit und Halt. Aus dieser Sicherheit heraus entwickele ich eine innere Stabilität. Wenn im Außen wirklich Dinge sind, die labilisieren, dann entbehrt das Kind dieses Gefühl von Halt und Geborgenheit. Und das macht eine Grundunsicherheit. Aber es gibt einen zweiten Mangel und der scheint mir wirklich viel wichtiger und das werden wir gleich sehen, warum: Das ist der Mangel an Anerkennung meiner eigenen Person. Die Eltern, die die Autonomie ihres Kindes nicht respektieren und annehmen können, die nicht sehen können: Was ist das für ein Kind? Wie entwickelt sich das? Was macht dieses Wesen aus? Sondern die das Kind immer eher vereinnahmen in dieses Gefühl von wir. Wir sind so toll, wir sind eine wunderbare Familie, wir brauchen diese Harmonie und es gibt Kinder, die empfinden das wie eine Harmoniesauce, die sie dann im Laufe ihres Lebens wirklich einengt, absorbiert, einverleibt. Und das ist einer der ganz wichtigen Gründe, warum Menschen den Kontakt abbrechen, weil sie sagen: Wenn ich das nicht tue, dann werde ich mich nie selber finden.“

Zwei Sichtweisen – der Kinder und der Eltern

Doch sind es immer nur die Eltern, die alleine die Schuld an einer schlechten oder abgebrochenen Beziehung zu ihren Kindern tragen? Oder hat so manches erwachsene Kind vielleicht auch überzogene Erwartungen an seine Eltern? Als Außenstehender lässt sich das kaum beurteilen.

Sicher ist aber: Jeder Kontaktabbruch lässt sich aus der Kinder- und der Elternperspektive erzählen – und die Erzählung wird sich je nach Blickwinkel immer unterschiedlich anhören.
Sabine Böhler hat im Rückblick weder das Gefühl, ihrem Sohn zu wenig Geborgenheit, noch zu wenig Anerkennung gegeben zu haben. Böhler hat insgesamt vier Kinder, die heute alle erwachsen sind. Zu den andern drei hat sie ein gutes Verhältnis, sagt sie. Auch die Zeit, in der ihr Sohn und seine drei Geschwister noch junge Kinder waren, hat sie in guter Erinnerung:
„Für mich jedenfalls war es ein normales Familienleben: Aufstehen, Frühstück machen, Mittagessen, nachmittags mal ein bisschen reden oder Abendessen. Dann die Kinder dahin bringen oder dahin bringen. Wie das halt so ist. Der eine ging zum Ballett, der andere zum Cello-Unterricht. Also ganz normal.“

Ernsthaft miteinander reden – „Das gab es nicht“

Heute, nach vielen Jahren Grübelei, ist Sabine Böhler aber auch bewusst geworden, dass es schon damals eine Sache gab, die im Zusammenleben mit ihrem Sohn nicht gut funktionierte: ernsthaft miteinander reden.
„Aber es waren nie irgendwelche Themen, die jetzt, sagen wir mal: Besonders wichtig waren. Also im Nachhinein so. Das ging dann um die Schule, es ging um die Freunde. So: Hör mal, wie ist das – bist du hier glücklich oder so? Oder fehlt dir irgendwas? Diese Themen gab es nicht. Die hat er auch bewusst vermieden. Wie gesagt, wenn es also in diese Richtung irgendwie ging, dann ging er. Dann musste er auf die Toilette oder musste irgendwie was anderes machen. Aber reden über wirklich wichtige Themen, das wollte er nie. Auf gar keinen Fall. Schon als Kind nicht. Ich weiß nicht, was es ist, vielleicht hat er das von meinem Ex-Mann, der redete auch nicht. Das war auch hauptsächlich der Grund für die Scheidung, weil er auch nicht reden wollte.“
Sorgen um die Beziehung zu ihrem Sohn macht Sabine Böhler sich damals nicht. Unbewusst, so sieht sie es heute, schiebt sie das Problem auf seine Pubertät. Erst als ihr Sohn Anfang 20 ist, wird ihr immer wieder klar, dass sie besonders bei Streitereien nicht an ihn herankommt.
„Es ist völlig enervierend. Sie stehen da, derjenige geht raus und Sie stehen mit dem Thema da und denken: Äh, das kann es doch jetzt nicht sein. Da muss doch noch was gesprochen werden. Aber wenn der andere nicht will, was wollen Sie machen?“
Als Böhlers Sohn von zu Hause auszieht, schränkt er eines Tages auch den oberflächlichen Alltagskontakt zu seiner Mutter ein.
„Wir haben uns ja öfter gesehen. Wir waren ja meistens zusammen einkaufen, seine Lebensmittel. Und weil er kein Auto hatte, sind wir dann einkaufen gefahren. Und dann wollte er das nicht mehr: Ich kann das alleine, ich bin dafür alt genug.“
Kurz darauf bricht ihr Sohn den Kontakt vollständig ab. Es dauert lange, bis Böhler das richtig bewusst wird. Denn ihr Sohn spricht nie aus, dass er die Beziehung zu seiner Mutter von seiner Seite als beendet betrachtet: Immer wieder klingelt Sabine Böhler an seiner Haustür oder versucht, ihn anzurufen. Am Anfang alle paar Tage, später alle paar Wochen aufs Neue. Jahrelang geht das so.

„Was hast du gemacht? Was könnte es sein?“

Vor jedem neuen Versuch keimt Hoffnung in ihr auf: Vielleicht klappt es ja diesmal. Vielleicht geht ihr Sohn nun endlich ans Telefon, öffnet endlich die Haustür und erklärt ihr wenigstens, was los ist. Doch nichts passiert. Besonders in der ersten Zeit bricht für die vierfache Mutter jedes Mal eine Welt zusammen.
„Man geht am Anfang mit dem Gedanken ins Bett und steht damit auch wieder auf. Das dauert eine ganze Zeit, bis man da abends mal nicht mit dem Gedanken einschläft: Was hast du gemacht? Was könnte es sein? Wie kannst du das ändern? Kannst du noch irgendwas machen?“
Auch wenn es aus Sabine Böhlers Perspektive kaum nachvollziehbar ist, vermutet die Psychotherapeutin Dunja Voos, dass der Kontaktabbruch auch Böhlers Sohn nicht leichtgefallen ist.
„Die Eltern haben oft den Eindruck, die Kinder machen das eiskalt und die leiden gar nicht. Aber die Kinder leiden sehr. Ich hab es bis jetzt noch nicht anders gesehen, als dass die Kinder genauso leiden wie die Eltern auch.“

„Meine Eltern haben mich nie verstanden“

Dunja Voos behandelt häufig erwachsene Kinder, die den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen haben. Auch dass die Kinder ihren Eltern keinen konkreten Grund für das andauernde Schweigen nennen, ist für Voos nichts Ungewöhnliches.
„Ich glaube, dass die Worte dafür fehlen, dass Vieles aus dem unbewussten Bereich kommt – und sowohl Kinder, als auch Eltern gar nicht darüber sprechen können. Das ist so ein bisschen wie wenn man in so eine angespannte Situation kommt und man merkt: Da ist irgendwie Spannung in der Luft und kann das gar nicht so richtig in Worte fassen. Und so ähnlich ist es bei diesen Eltern-Kind-Kontaktabbrüchen auch, dass die Kinder einfach sagen: Meine Eltern haben mich nie wirklich emotional verstanden. Das ist deren Sicht. Und wenn man mit den Eltern spricht, dann sagen die: Ich hab doch mein Kind immer verstanden. Und wo da die Schnittstelle ist, warum das Verstehen nicht stattgefunden hat, wirklich, das ist wirklich schwer herauszufinden. Das ist auch in jedem Fall ganz anders.“
Der Sohn von Sabine Böhler hat den Kontakt zu seiner gesamten Familie abgebrochen: nicht nur zur Mutter, sondern auch zum Vater, den Geschwistern, Tanten, Onkeln und Großeltern. Viele Kontaktabbrüche laufen so ab. Denn ausschließlich den Kontakt zu einem Elternteil abzubrechen, wäre für die meisten Kinder eine besondere Herausforderung, erklärt Dunja Voos.
„Manche beschließen, einfach nicht mehr die Mutter zu sehen oder einfach nicht mehr den Vater zu sehen. Und dann versuchen sie das und merken, dass das gar nicht geht, weil man sich nicht aus dem Weg gehen kann oder aber der Bruder sagt dann auf einmal: Nein, wenn du mit der Mutter keinen Kontakt mehr hast, dann will ich mit dir auch keinen Kontakt mehr haben. Und das ist ein langer Entwicklungsprozess und der endet aber oft damit, dass der Kontakt zu einem größeren Familienkreis abgebrochen wird.“

Trauer, Zweifel, Selbstvorwürfe

Neben der Trauer, den Zweifeln und Selbstvorwürfen, plagt viele Eltern noch ein anderes Gefühl: Sie schämen sich vor anderen und fürchten, sich für den Kontaktabbruch rechtfertigen zu müssen. Um beinahe jeden Preis versuchen deshalb viele zu verhindern, dass andere sie auf den Sohn oder die Tochter ansprechen.
„Ich kenne Eltern, die Familienfeste meiden oder überhaupt alles Offizielle, wo sie jemanden treffen könnten, der nach den Kindern fragt. Manche Eltern ziehen sich wirklich zurück. Andere leben weiter wie bisher und fürchten aber immer diese Fragen. Aber die Bekannten drumherum, die spüren auch, dass da was ist, und die fragen dann auch erst gar nicht und dann entstehen wieder so Situationen, wo jeder merkt, da liegt was in der Luft. Viele fangen wirklich deswegen eine Psychotherapie an oder gehen sogar in eine Klinik, weil der Schmerz so groß ist, dass sie den nicht aushalten.“
Andere suchen Unterstützung und Gleichgesinnte in Selbsthilfegruppen. Das kann Linderung verschaffen. Doch nur ganz wenigen gelingt es, wirklich dauerhaft mit dem Kontaktabbruch zurechtzukommen.
„Und ich kenne es auch, dass viele Mütter sagen: Egal, was ich mache. Egal, welchen Urlaub ich plane oder welche Freundin ich besuche: Alles wird immer überschattet von diesem einen Fehlen. Und immer wenn das Telefon klingelt und wenn ich Post kriege, dann hoffe ich einfach, das ist von meinem Sohn oder von meiner Tochter. Und wenn das dann jemand anderes ist, was ja eigentlich immer jemand anderes ist, dann ist die Enttäuschung jedes Mal groß und die Eltern leben da jeden Tag mit. Und viele finden das sogar schlimmer, als wenn das Kind tot wäre. Sie sagen: Es lebt ja noch und ich hab da eine Lücke und ich kann nicht trauern und ich weiß nix und diese Ungewissheit finden sie total schlimm.“

Wenn die Liebe und Geborgenheit fehlt

Im Leben der Eltern von Martin Osterberg gibt es diese Lücke nicht. Jedenfalls nicht offiziell. Martin Osterberg, der eigentlich anders heißt, ist Anfang 50, trägt graue Haare und Dreitagebart. Er hat ein Buch mit dem Titel „Das kalte Haus“ über seine Kindheit und die Beziehung zu seinen Eltern geschrieben, zu denen er formal Kontakt hält.

Er ruft sie zum Geburtstag an, auch wenn die Gespräche jedes Mal nur wenige Minuten dauern. Und trifft sich mit ihnen, wenn auch höchstens einmal im Jahr oder seltener – und jedes Mal widerwillig. Doch innerlich hat Osterberg die Beziehung zu seinen Eltern schon vor Jahren aufgekündigt.
„Es gab ja Phasen, in denen ich keinen Kontakt mehr hatte. Einmal fast ein Jahr lang. Das war in der Zeit, bevor es Handys gab, da war das noch relativ einfach. Man ist einfach nicht ans Telefon gegangen. Und die Erkenntnis ist die, dass man seine Eltern nicht los wird, nur weil man woanders hingeht, auch wenn man sie nicht mehr sieht. Das ändert nicht mein Problem, was ich mit mir habe, nämlich, dass mein Vater in mir drin steckt und ich damit immer jeden Tag zurande kommen muss.“
Objektiv betrachtet hatte Martin Osterberg eine gute Kindheit und Jugend: Geboren in den 60ern, wuchs er zusammen mit seinem jüngeren Bruder wohlbehütet bei seinen Eltern auf. Erst in einer gemieteten Stadtwohnung, später in einem Einfamilienhaus auf dem Land, das der Vater mit harter Arbeit und viel Eigenleistung zusammengespart hatte.

Im Winter fuhr die Familie in den Skiurlaub und im Sommer zum Campen, ausgerüstet mit einem Wohnwagen voller Vorräte, die die Mutter selbst eingekocht hatte. Osterberg hatte Freunde, interessierte sich nie großartig für die Schule, schaffte aber trotzdem sein Abitur. Materiell fehlte es der Familie an nichts und doch hat Osterberg stets etwas vermisst, für das er erst viele Jahre später, als Erwachsener, das passende Wort fand.
„Liebe. Mein Vater ist ein klassisches Kriegskind, würde ich sagen, der nie gelernt hat – weil er selber einen abwesenden Vater hatte, weil er eine sehr harsche Mutter hatte – mit Gefühlen umzugehen und sie zu zeigen und ist sich auch, glaube ich, dessen nie bewusst geworden. Und der seiner Umwelt ein ganz schreckliches Misstrauen und eine Missgunst entgegenbringt, die sich auch auf seine Familie, aber auch auf alles andere auswirkt und die Welt um ihn herum total vergiftet.
Meine Mutter ist so jemand, der sein Fähnlein in den Wind hängt. Wenn man mit ihr diskutiert, pflichtet sie einem ja auch immer bei und dann kommt der nächste, der erzählt das Gegenteil, dann hat der auch Recht. Also sie ist jemand, also eigentlich eine fürchterliche Opportunistin, die gerne auch nach unten tritt. Also jetzt nicht offensiv schlecht, aber so auf sie herabschaut. Ich hab meine Mutter als Kind abgöttisch geliebt, eigentlich, sehr lange. Bis mir dann diese Sachen auch aufgefallen sind, dieses wahnsinnig opportunistische Verhalten.“

„Familien – das sind Notgemeinschaften“

Fragt man Osterberg nach einer Situation, die einen Außenstehenden sein Familienleben, das er als so unangenehm in Erinnerung hat, besser nachvollziehen lässt, erzählt er ausgerechnet von einer Zeit, die viel fröhlicher war, als Osterberg es von zu Hause gewohnt war.
„Mir fällt was ein, was vielleicht ganz gut zu erzählen ist, nämlich, dass mein Vater irgendwann mal von einer Geschäftsreise zurückkam und plötzlich nicht mehr er selber war. Und plötzlich ein sprudelnder, witziger Mensch war, der versuchte, emotional Kontakt aufzunehmen und wir das aber alle als Familie, so hab ich das jedenfalls in Erinnerung, eher schrecklich fanden, weil wir das ja nicht gewohnt waren. Plötzlich war da jemand, der ständig plapperte, der ständig irgendwas erzählen wollte, Witze riss. Plötzlich war er ein verwandelter Mensch und wir kamen damit überhaupt nicht klar, weil wir das nicht gewohnt waren, dass er sich uns zuwandte und was von uns wissen wollte, dass er uns Fragen stellte. Das war dann irgendwann wieder zu Ende und wir waren eher erleichtert, dass wir unseren alten Vater wiederhatten, der in der Ecke saß, Zeitung las und uns ab und zu anraunzte und ansonsten nicht viel mit uns zu tun hatte.“
Viele Jahre stellt Martin Osterberg sich selbst und seine Familie nicht infrage, schließlich ist er noch ein Kind. Doch er spürt schon früh, dass er sich dort nicht aufgehoben fühlt.
„Das war eben das Absurde. Ich hab diese Familie als vollkommen normal empfunden und eher den Schluss daraus gezogen: Alle Familien sind so, das hab ich wirklich fest geglaubt. Alle fühlen sich nicht wirklich heimisch in ihrer Familie. Das sind Notgemeinschaften, die durch die Genetik entstanden sind, aber das heißt noch lange nicht, dass die Menschen sich mögen müssen. Manche haben vielleicht Glück und mögen sich, aber ansonsten ist das eher so: Man wird mit Leuten zusammengesperrt, mit denen man lieber nicht irgendwie was anfangen möchte. Das war meine Vorstellung von Familie. Erst als ich meine Frau kennengelernt habe, die ja damals schon ein Kind hatte, habe ich eigentlich gemerkt, dass das auch anders geht. Dass Familie mehr sein kann als nur Ernährung, Obdach und Gefühllosigkeit.“
Gleich nach dem Abitur zieht Martin Osterberg zum Studium in eine weit entfernte Stadt. Seitdem sieht er seine Eltern höchstens einmal im Jahr, meist aber noch seltener. Immer wieder hat er überlegt, den Kontakt zu ihnen vollständig abzubrechen und sich die seltenen, aber für ihn qualvollen Stunden belanglosen Smalltalks nicht mehr anzutun.

„Der sichere Hafen, der Zufluchtsort fehlt“

Doch je häufiger er darüber nachdachte, desto mehr stellte er für sich selbst fest, dass der Kontaktabbruch ihn nicht für das entschädigen könnte, was er bis heute vermisst – und ihn folglich nicht weiterbringt.

„Ich hab einfach dieses Problem, das hat jeder, der so eine Familie hatte, dass eben dieser letzte Zufluchtsort, dieser letzte sichere Hafen fehlt. Und es gibt Momente, in denen ich merke, ich hab den nicht und ich würde ihn jetzt vielleicht auch nicht unbedingt in Anspruch nehmen wollen. Ich möchte nicht unbedingt einlaufen in diesen Hafen. Aber eben die Erkenntnis, dass ich ihn auch nicht im Notfall hätte, die kann einen ziemlich fertigmachen. Und das ist eben der Unterschied zu anderen, die ein emotional funktionierendes Elternhaus hatten. Wie meine Frau zum Beispiel. Wenn wir uns streiten, richtig fies und dann steh ich am Ende da und hab das Gefühl: Scheiße, ich kann nicht irgendwo hin, wenn wir uns jetzt trennen. Meine Frau ist mein Hafen, meine kleine Familie, die ich mir da gebaut habe, das ist mein Hafen und wenn der kaputt geht, hab ich keinen anderen. Ich kann rein formal zu meinen Eltern gehen, ich werde dort ein Bett kriegen, ich werde dort was zu essen kriegen, aber ich werde nicht in den Arm genommen werden und sagen: Du bist hier richtig, du kannst nichts falsch machen, komm erst mal an, du arme Sau. Das bin ich für meine Kinder, hoffentlich. Und das sind die Eltern meiner Frau für meine Frau. Und auch wenn die mal weg sind, wird sie immer dieses Gefühl haben: Sie hatte diesen Hafen und der gibt einem einfach eine Sicherheit im Leben, die Leute wie ich nicht kennen.“

„Kinder lieben ihre Eltern“

Aus der Beziehung mit einem Partner können wir uns lösen, einen Schlussstrich ziehen und irgendwann, vielleicht nach unglücklichen Wochen, Monaten oder Jahren abschließen mit dem, was war, und mit einem neuen Partner wieder glücklich werden.

Aber eine Trennung von den Eltern? Geht das überhaupt? Psychotherapeutin Claudia Haarmann hält solch eine Trennung zumindest für eine der größten Herausforderungen. Obwohl sie meist von den Kindern selbst angestrebt wird.
„Davon bin ich zutiefst überzeugt: Kinder lieben ihre Eltern. Grundlegend. Weil: Da kommen sie her, das sind die Wurzeln, mit der Mutter gab es ja eine Nähe, die es nie wieder mit einem Menschen so geben wird, durch die Schwangerschaft, die man gemeinsam sozusagen durchgemacht hat. Diese Symbiose, die es da gab. Das hat auch natürlich genetische Gründe. Man fühlt sich ja mit den Eltern doch zutiefst verbunden. Das ist das Grundgefühl. Und deswegen ist diese ganze Thematik ja auch so problematisch.“
Die Verbindung zwischen Kindern und Eltern geht also über das bloße Kontakthalten durch regelmäßige Besuche, Telefonate oder WhatsApp-Nachrichten hinaus, denn auf gewisse Weise stecken unsere Eltern in jedem von uns drin. Auch, wenn wir auf diese üblichen und nach außen sichtbaren Rituale verzichten.
Doch nicht jeder will das akzeptieren und sucht stattdessen noch als Erwachsener jenseits der 30 oder 40 in Internetforen nach einer neuen Mutter oder einem neuen Vater, weil die Beziehung zu den leiblichen Eltern schon immer schwierig war oder seit Jahren gar kein Kontakt mehr besteht.

Die Beiträge in den Foren klingen nicht selten verzweifelt und sie zeigen: Der Wunsch nach einer guten Beziehung zu unseren Eltern lässt uns nie los. Ganz egal, wie alt wir werden, ob wir im Job als durchsetzungsstark gelten und die Geschicke ganzer Abteilungen lenken, oder längst eine eigene Familie gegründet haben. Die Beziehung zu den eigenen Eltern bleibt für viele ihr Leben lang ein Punkt, an dem sie besonders verletzlich sind.

Dann stand der Sohn plötzlich wieder vor der Tür

Bei Sabine Böhler und ihrem Sohn gab es vor acht Jahren eine überraschende Wendung. Genauso plötzlich, wie er 13 Jahre zuvor aus dem Leben seiner Mutter verschwunden war, tauchte er eines Tages wieder auf.

„Vor acht Jahren stand er hier vor der Tür, klingelte und ich war im Garten und ich hab gedacht: Ach, das könnt die Stimme deines Sohnes sein. Das war er dann auch und dann: Ja, ich wollte mal gucken, wie es euch geht. Mir geht es gut, ja können wir nicht reingehen – und so. Und es war wirklich eine harmonische Woche, kann ich nicht anders sagen. Ich hab immer wieder versucht, ihn in diese Richtung zu bringen, mal mit mir zu reden. Nein, jetzt ist es zu schön, jetzt will ich nicht. Und dann reden Sie mal mit jemandem, der nicht mit Ihnen reden will. Funktioniert überhaupt nicht. Dann fuhr er, umarmte mich, er liebe mich, er sei ein Idiot und er meldete sich regelmäßig jetzt. Ja, das ist jetzt acht Jahre her.“
Psychotherapeutin Dunja Voos erlebt es immer wieder, dass Kontaktabbrüche nicht dauerhaft sind. Solche plötzlichen Sinneswandel, manchmal nach Jahrzehnten des Schweigens zwischen Kindern und Eltern, sind für sie nichts Ungewöhnliches. Auch, wenn die Kinder sich vielleicht noch kurz zuvor um keinen Preis vorstellen konnten, wieder mit ihren Eltern ins Gespräch zu kommen.
„Auch das ist eine Momentaufnahme. Das sagen meine Patienten auch und dann melden die sich aber irgendwann wieder und sagen: Ich hab doch nicht abgeschlossen, weil: Heute war Weihnachten und die Situation war genau wie damals und so und dann fängt es von vorne an. Also der Wunsch ist groß, auf immer damit abzuschließen und das gelingt auf lange Strecken. Aber ich denke, man kann sich nie davor schützen, dass dieses Thema dann und wann wieder auftaucht.“

„Liebst du deinen Sohn noch so?“

Doch genauso überraschend wie ihr Sohn aufgetaucht war, verschwand er nach einer harmonischen Woche bei seiner Mutter wieder und ihre Kontaktversuche liefen erneut ins Leere. Dabei hatte es laut Böhler in dieser Woche keinen Streit zwischen Mutter und Sohn gegeben.
„Danach gab es die E-Mail-Adresse nicht mehr, die Telefonnummer gab es nicht mehr. Es wurde alles gestrichen und ich hab zwar eine Adresse, aber ich hab mir gedacht: Jetzt reicht es. Du versuchst gar nichts mehr. Das geht mir einfach zu sehr an die Substanz. Dann sitzt man da und wartet: Schreibt er jetzt? Hat er es gelesen? Liest er es überhaupt? Kommt überhaupt von dem, was du schreibst, was bei ihm an? Ja? Das weiß ich ja nicht. Kann ja auch sein, dass er den Brief direkt wegschmeißt. Also, was das jetzt soll: keine Ahnung, ich weiß es wirklich nicht.“
Sabine Böhler hat für sich beschlossen, vorerst keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn aufzunehmen. Zu nervenaufreibend waren die unzähligen Male, in denen sie sich Hoffnung machte, die immer wieder enttäuscht wurde. Zurzeit, so sagt sie es selbst, kommt sie gut damit zurecht. Auch ihre Einstellung gegenüber ihrem Sohn hat sich verändert.
„Ich frag mich das manchmal: Liebst du den noch so? Früher hätte ich gesagt: Natürlich lieb ich den. Heute muss ich wirklich überlegen: Tust du das? Also ich weiß nicht, ob das jetzt so richtig rüberkommt oder ob man denkt: mein Gott, die Rabenmutter. Aber ich frag mich das manchmal wirklich: Dieses bedingungslose Vertrauen oder diese Selbstverständlichkeit, wie man früher miteinander umgegangen ist, die ist weg. Die wird es auch nicht wieder geben. Selbst wenn er jetzt käme und der Kontakt wär regelmäßig – diese Leichtigkeit von früher, die ist für immer weg. Ich weiß nicht, ob ich ihn jetzt reinlassen würde, ich weiß es nicht. Vielleicht würde ich ihm erst eine runterhauen und dann umarmen.“
Und Martin Osterberg? Auch er hat sich abgefunden mit dem Status quo in der Beziehung zu seinen Eltern.
„Ich hab mit meinen Eltern eine Ebene gefunden, auf der es so eine Art festgeschriebene Co-Existenz gibt. Wir wissen beide ziemlich genau, was wir voneinander erwarten können. Ich würde sagen, wenn man sie fragt, würden sie sicher sagen: Natürlich lieben wir dich. Aber ihre Vorstellung von Liebe ist halt eine andere, als ich sie habe. Und was ich halt inzwischen sehe, ist, dass sie einfach auch nicht mehr geben können. Die sind so. Ist ja nicht so, dass das Verhältnis meiner Eltern zu anderen Menschen von einer anderen Herzlichkeit geprägt wäre als das zu ihren Kindern. Ich hab mich schon gefragt, warum sie eigentlich Kinder haben. Meine Eltern tun mir inzwischen eher leid, als dass ich ihnen böse bin.“

Hinweis: Die Namen Sabine Böhler und Martin Osterberg sind Pseudonyme. Beide Protagonisten möchten nicht erkannt werden.

Das Problem traditioneller Therapie:

Traditionelle Therapie sucht gewöhnlich nach traumatischen Belastungen in der Kindheit: Dann sind immer die Eltern die Schuldigen, weil die Kinder von den Eltern total abhängig waren und von ihnen geprägt und beeinflusst wurden!
Als Erwachsener geht man durch Schuldzuweisungen gegenüber den eigenen Eltern in eine Opfer-Rolle, in der man dann u.U auch bleibt; d.h. man pflegt und verschlimmert seine Ohnmacht und sein Ausgeliefert-sein. Man wird kraftlos, müde und hilflos.

Manche verstärken deswegen ihre Schuldzuweisungen und dadurch auch ihre Kraftlosigkeit und Handlungsunfähigkeit. Man wird blind für die eigene Verantwortung und für den eigenen Anteil am Problem:
Ein Teufelskreis, dem man dann nur schwer entkommen kann – solange man im Schuldzu­weisungsverhalten verharrt. Ein solch eingefahrenes Denk- und Verhaltensmuster aufzubrechen ist sehr schwierig.

Schuldzuweisungen in einem Kind-Eltern-Konflikt verschlimmern und stabilisieren also das Problem, statt eine Tür für eine Lösung zu öffnen.

Solche Schuldzuweisungsmuster haben in Familien nicht selten eine Tradition, die sich durch mehrere Generationen durchzieht. Nicht zuletzt deshalb, weil Schuldzuweisungen eines Erwachsenen gegenüber einem Elternteil oft dazu führt, dass man unbewusst diesem abgewerteten Eltern immer ähnlicher wird.

Viele Familientherapeuten glauben, dass dies dadurch geschieht, weil unser Unbewusstes die Eltern lieben und achten will. Wenn jemand dies durch sein Sprechen und Verhalten verweigert, beginnt sein Unbewusstes durch Nachahmung und Schicksalswiederholung die Verbundenheit zu den Eltern zu pflegen.

Wer Vater oder Mutter langfristig beschuldigt oder abwertet, drängt unbewusst ein eigenes Kind in die Solidarität mit der Oma (bzw. dem Opa) und öffnet dadurch diesen die Tür für Einmischungsversuche.

Denn Kinder versuchen immer die Verwandtschaft zusammenzuhalten und solidarisieren sich (oft unbewusst durch Gefühlsübernahmen) mit den Ausgegrenzten in der Verwandtschaft und verhalten sich dann wie Stellvertreter von Oma bzw. Opa gegenüber ihren eigenen Eltern und werden dadurch unerziehbar.

Enkelkinder können auch deshalb Oma oder Opa mehr gehorchen als den Eltern und ihnen besonders zugetan sein, wenn diese seelische Schmerzen und Enttäuschungen in sich tragen, die von Enkelkindern wahrgenommen werden und für die sich Enkelkinder als Tröster und Helfer zur Verfügung stellen. Dies besonders, wenn Großeltern die Enkelkinder verwöhnen und regen Kontakt mit ihnen pflegen, um diese als Tröster an sich zu binden.
Dies geschieht von Seiten der Großeltern oft auch dann, wenn diese sich mit ihren seelischen Schmerzen von den eigenen Kindern zu wenig wahrgenommen und getröstet erleben. Dann werden die eigenen Kinder enttäuscht abgewertet und an deren Stelle die Enkelkinder in eine Ersatz-Elternrolle für die Großeltern gedrängt. Solche Großeltern schaffen dann ein Konkurrenz-Verhältnis zwischen ihren Kindern und ihren Enkelkindern.

Wenn aber Eltern versuchen, ihre Kinder dem Einfluss der Großeltern in der Weise zu entziehen, indem sie die Großeltern abwerten, entsteht oft bei einem Enkelkind eine unbewusste Solidarität mit Oma oder Opa, was dazu führen kann, dass dieses Kind mit dem Leben schwer zurechtkommt, weil es unbewusst von fremden Gefühlen (der Großeltern) belastet ist, die es nicht versteht, und oft auch den eigenen Eltern große Schwierigkeiten macht – manchmal sogar jeden Einfluss der Eltern blockiert.

Familientherapie:

Wie sucht die Familientherapie Schuldzuweisungen zu vermeiden?

1. Drei Generationen anschauen
Der Familientherapeut arbeitet mit den Daten von mindestens drei Generationen. D.h. die Familientherapie fragt nicht nur nach dem Kindheitsschicksal des Klienten, sondern auch nach der Kindheit und dem gesamten Leben der Eltern, u.U. auch der Großeltern. Dadurch erscheinen die Eltern nicht nur als Täter, sondern gleichzeitig als Opfer. Wenn sich die Täter-Rollen aus den Opferrollen erschließen lassen, machen Schuldzuweisungen keinen Sinn mehr. Dann wir klar, es geht darum, Probleme zu lösen ohne Schuldzuweisungen auszu­sprechen.

2. Vorrangig die Fakten bedenken statt Verhaltensweisen und Charaktere

Die Familientherapie bedenkt vorrangig die persönlichen und gesellschaftlichen historischen Fakten der beteiligten Personen. D.h. sie fragt zuerst nach den schicksalhaften Belastungen und Überforderungen der Vorfahren und bedenkt, wie diese sich auf deren Verhalten und Lebenseinstellungen (Wertesysteme) ausgewirkt haben. Oft führten die damaligen Zwänge zu Verhaltensweisen, die für damals als Problemlösungen gedacht waren, aber wieder neue Verletzungen und Probleme verursacht haben.

Wer die Schicksalsschläge und seelischen Verletzungen eines Menschen kennt, wird mehr Verständnis für seine problematischen Verhaltensweisen aufbringen – und er erkennt: es gilt, sich besser abzugrenzen und sich zu schützen vor dessen negativen Verhaltensweisen.

Wer sich zu schützen weiß und seine Verletzungen aus der Kindheit bearbeitet, kann auf Schuldzuwei­sun­gen verzichten und konsequent Verantwortung für seine Probleme selbst übernehmen.

3. Symbiotische Beziehungen erkennen und auflösen

Hinter Schuldzuweisungen stehen oft die vergeblichen und enttäuschten Bemühungen, als Kind einem Elternteil seelisch beizustehen. Kinder, die auf solche Weise ihre eigene Kindheit ein Stück geopfert hatten, haben oft Probleme damit, später für sich selbst gut zu sorgen. Sie haben gelernt, andere Menschen wahrzunehmen und ihnen beizustehen, aber nicht so sehr, sich selbst zu spüren und die eigenen Interessen zu vertreten.

Manche Eltern sehen später diese Probleme und versuchen, dem (erwachsenen) Kind beizustehen und mischen sich dann stark in dessen Leben ein, manchmal auch in dessen Kindererziehung. Solche erwachsenen Kinder sind mit ihren Eltern in einer Mischung von starkem Mitgefühl und Hilfsbereitschaft einerseits und Zorn und Hilflosigkeit gegenüber deren Einmischung andererseits verbunden. Die liebevolle Zuwendung und Hilfsbereitschaft ihrer Eltern ist oft mit viel (meist unbewusster) Verachtung vermischt, die sich in ihrem Verhalten äußert und sehr verletzen kann. Diese Verachtung entsteht bei den Eltern z.B., weil sie sehen, dass ihr erwachsener Sohn (bzw. ihre erwachsene Tochter) zu wenig die eigenen Interessen vertreten kann oder – wegen zu geringer Selbstwahrnehmung – sich schwer tut, gute Entscheidungen für sich selbst zu treffen.

Solche Verachtung kann u.U. auch dadurch entstehen, weil die Kinder die Prestige-Erwartungen der Eltern z.B. in Form von Karriere im Beruf, in der Politik, in der Kunst, im Sport usw. nicht erfüllt haben. D.h. sie haben die Minderwertigkeitsgefühle der Eltern nicht in der von diesen erwarteten Weise kompensiert.

Aber durch Schuldzuweisungen gegenüber den Eltern wird die symbiotische Beziehung noch verstärkt statt abgebaut, weil der Sohn (bzw. die Tochter) durch Schuldzuweisungen die eigene Verantwortung in der Gegenwart zu wenig erkennt und übernimmt. Dadurch verschlechtert man die eigene Situation, was die Hilfsbereitschaft und damit die Einmischungsversuche der Eltern meist verstärkt.

Für den Abbau symbiotischer Beziehungen
und für den Abbau von Schuldzuweisungen sind evtl. hilfreich:

>> Arbeit mit dem inneren Kind (Körperlich: die Hände auf den Bauch legen):

– Das Kind, das man gewesen ist, in der Bauchregion in sich als noch gegenwärtig wahrnehmen.

– Das „innere Kind“ schützen: Die Hände auf dem Bauch strahlen Zuwendung und Schutz aus.

– Die Gefühle des inneren Kindes wahrnehmen und in sich Raum geben (meist Wut und Tränen).

– Diese Gefühle zulassen und in bewusster Solidarität ausdrücken.

– Dann wieder das eigene Erwachsensein körperlich und geistig wahrnehmen – ohne die Solidarität mit dem inneren Kind zu verlieren.

– Es gilt, die eigene Kindheit zu betrauern, statt zu versuchen, sie nachzuholen, indem man andere in eine Ersatz-Elternrolle drängt oder den Eltern oder anderen, von denen man das Erhoffte nicht erhält, ständig Vorwürfe macht. >>> Arbeit mit dem inneren Kind

>> Symbiose mit den Eltern abbauen:

– Wirtschaftliche und organisatorische Abhängigkeiten abbauen.

– Möglichst wenig oder nichts von eigenen Problemen und Konflikten erzählen, um hilfsbereite Einmischungen zu verhindern und um die emotionalen Energien der Eltern, die vielleicht auf der Flucht vor sich selbst und vor dem Partner sind, nicht auf sich zu lenken.

– Bei Hilfsangeboten der Eltern sehr darauf achten, dass diese nicht mit Einmischungsversuchen gekoppelt sind, ansonsten die Hilfe ablehnen.

– Bei einer Hilfsbedürftigkeit der Eltern nicht zu oft selbst helfen, sondern deren Hilfsbedürftigkeit kritisch prüfen und wenn möglich Hilfe organisieren, statt selbst zu helfen (um sich von der eigenen überaktiven Helferrolle zu verabschieden).

– Die Eltern in ihrem Anderssein achten, die Unterschiede bewusst wahrnehmen; ebenso das eigene Anderssein bewusst wahrnehmen und den Unterschied (das Nicht-verstanden-werden) respektieren.

– Als Hilfe dazu: Biographie von Vater und Mutter aufschreiben:

– Mitgefühl für deren Schmerzen aufbringen,

– ihr Wertesystem bewusst wahrnehmen,

– den Unterschied zum eigenen Wertesystem bedenken und achten (den „seelischen Abgrund des Nicht-verstanden-werdens“ wahrnehmen, achten und aushalten),

– das eigene Leben bewusst von den Eltern annehmen (sich als Empfangender und die Eltern als Gebende wahrnehmen und achten – möglichst auch durch körperliche Gesten),

– die Existenz der Eltern im eigenen Körper und in der eigenen Psyche wahrnehmen und akzeptieren. Dort den Eltern in sich einen angemessenen Platz zuweisen (weder Herrschaftssitz noch Rumpelkammer).

>> Wie die Kinder schützen?

– Eltern schreiben Lebensläufe der Großeltern und machen Foto-Zusammenstellungen über sie, um den Kindern deren Lebensschicksal näher zu bringen. Das bewusste gemeinsame Mitgefühl und die Achtung vor dem Schicksal der Großeltern verhindern eine selbstzerstörerische unbewusste Solidarisierung der Enkelkinder mit ihnen und eine Koalition der Großeltern mit den Enkelkindern gegen die Eltern.

– Ritus (Ein Beispiel): „Der Tränen-See“ >>>

– Bei getrennten Eltern hilft der eine Elternteil den Kindern, das Leben vom anderen Elternteil bewusst anzunehmen (ihn als Mittler der Natur für das eigene Dasein zu achten), um zu verhindern, dass Großeltern zu stark eine Vater- (bzw. Mutter-) Ersatzrolle übernehmen und sich dann sehr stark in die Familie einmischen.

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.