Mittelohrentzündung BEI babys

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Akute Mittelohrentzündung – Anzeichen und Verlauf

Bei einer akuten Mittelohrentzündung setzt oft plötzlich ein starker, pulsierender bzw. stechender Schmerz in einem oder beiden Ohren ein. Meist ist die Hörfähigkeit herabgesetzt, d.h. der Schall wird nicht optimal über das Mittelohr an das Innenohr übertragen (Schallleitungsschwerhörigkeit). Die Schmerzen können von Fieber, Gleichgewichtsstörungen, Ohrgeräuschen, Kopfschmerzen, Herzrasen und einem schlechten Allgemeinbefinden begleitet sein. Der Warzenfortsatz hinter dem Ohr reagiert manchmal bei Berührung empfindlich.

Ist die Schleimhaut im Nasen-Rachen-Raum infolge einer Infektion geschwollen, wird die Ohrtrompete (Tube) eingeengt und das Mittelohr wird nicht ausreichend belüftet (Tubenbelüftungsstörung). Die Keime finden dadurch einen Nährboden für die Entzündung der Schleimhaut in der Paukenhöhle und es kann zu Flüssigkeitsansammlungen (Sekret) kommen, Paukenerguss genannt.

Das Trommelfell ist gerötet, vorgewölbt und möglicherweise bereits bis stecknadelkopfgroß verletzt. Eine solche Perforation entsteht, wenn sehr viel Sekret produziert wird und dies bei einer geschwollenen Tube nicht in den Rachenraum ablaufen kann. Der Druck auf das Trommelfell wird dann zu groß und durch den Riss läuft das Sekret nach außen ab, der Schmerz auf dem Ohr lässt sofort nach. Das ablaufende Sekret bezeichnet man als Ohrenfluss (Otorrhö).

Vor allem bei Kindern ist das Sekret häufig geruchlos, trübe und wässrig (serös), eventuell leicht blutig, im weiteren Verlauf zunehmend dickflüssig und eitrig. Klingt die Entzündung ab, wird es zäh und schleimig. Der Ohrenfluss ist allerdings kein obligatorisches Symptom. Bei Kleinkindern überwiegen sogar häufiger hohes Fieber und allgemeine Beschwerden wie z.B. unspezifische Bauchschmerzen.

In den ersten Lebenswochen eines Kindes können Infektionen besonders gut aufsteigen, da die Ohrtube noch sehr weit und kurz ist und die Rachenmandeln vielfach vergrößert. Erkennbares Symptom einer Säuglings-Otitis ist der so genannte Ohrzwang, d.h. die Säuglinge greifen sich ständig an das Ohr. Die Babys sind quengelig, unruhig, appetitlos und mögen nicht trinken. Die Bildung von geruchlosem schleimig-eitrigem Ohrsekret ist typisch.

Erkranken Kleinkinder mehrfach an einer Mittelohrentzündung, kann ihr Hörvermögen dauerhaft eingeschränkt werden, was sich zusätzlich negativ auf die sprachliche Entwicklung auswirkt. Bei mehr als drei Infektionen innerhalb von sechs Monaten spricht man von einer wiederkehrenden akuten Otitis media. Die Ursachen hierfür müssen vom HNO-Arzt abgeklärt werden.

Mittelohrentzündung bei Kind oder Baby

Ursachen für eine Mittelohrentzündung bei Kleinkindern

Sobald Bakterien oder Viren über die Ohrtrompete in das Mittelohr gelangen, können sie dort eine schmerzhafte Entzündung hervorrufen. Experten entscheiden dabei grundsätzlich zwei verschiedene Entzündungswege:

  • 1. Direkte Infektion, ausgelöst durch Grippe- oder Herpesviren
  • 2. Superinfektion, infolge einer anderen Infektionskrankheit, wie etwa Influenza oder eitriger Mandelentzündung. Hier steigen die Krankheitserreger vom Rachenraum über die Ohrtrompete bis in das Mittelohr auf. Ist die Schleimhaut, beispielsweise durch einen Schnupfen bereits geschwächt, bietet sie den Krankheitserregern für ihre Vermehrung beste Bedingungen.

Kleine Kinder sind für Ohrentzündungen besonders anfällig. Ihre Verbindung des Nasen-Rachen-Raumes zur Paukenhöhle, die sogenannte Ohrtrompete ist noch sehr kurz, besitzt jedoch einen vergleichsweise großen Durchmesser. Schnupfensekret oder andere Gewebeflüssigkeit fließt dadurch bedeutend schlechter ab als bei Erwachsenen und bietet damit Viren und Bakterien einen idealen Nährboden. Infolge der durch die Erreger hervorgerufenen Entzündung schwellen die Schleimhäute weiter an. Das infektiöse Sekret kann überhaupt nicht mehr abfließen und verstopft zunehmend das Innenohr.

In seltenen Fällen können die Erreger auch über das Blut in das Ohr gelangen und eine Mittelohrentzündung auslösen. Beispiele hierfür sind die Scharlach-Otitis oder Masern-Otitis.

Folgende Faktoren können das Risiko für eine Mittelohrentzündung erhöhen:

  • Immunschwäche des Kindes
  • Allergien
  • vergrößerte Rachenmandeln
  • übermäßiges Schnullern
  • Passivrauchen
  • Gaumenspalte

Charakteristische Symptome einer Mittelohrentzündung bei Babys und Kleinkindern

Erkrankte Babys sind sehr unruhig und weinen viel. Zu Beginn fassen sie sich oft ans Ohr, später führt jegliches Berühren des Ohrbereiches infolge der Schmerzen zu Ablehnung und Weinen. Viele Kinder verweigern auch jegliche Nahrung. Manche werfen ihr Köpfchen hin und her oder schubbern mit dem kranken Ohr auffällig am Kopfkissen. Größere Kinder klagen über heftige, pulsierende Schmerzen.

Meist wird eine Mittelohrentzündung von weiteren Symptomen begleitet:

  • teilweise hohes Fieber
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • In manchen Fällen läuft auch eitrig, blutiges Sekret aus dem Ohr. Das deutet auf ein eingerissenes Trommelfell hin. Infolge der Druckentlastung verschwinden die Schmerzen zumeist schlagartig.

Bei Verdacht auf Mittelohrenzündung sofort zum Arzt!

Eltern sollten die Symptome immer ernst nehmen und ihr Kind einem Arzt vorstellen. Eine unbehandelte, verschleppte Mittelohrentzündung kann unter Umständen chronisch werden, das Innenohr nachhaltig schädigen und schlimmstenfalls zur Schwerhörigkeit führen, was sich immer negativ auf die Sprachentwicklung des Kindes auswirkt.

Außerdem besteht die Gefahr, dass sich die Mittelohrentzündung auf die Gehörknöchelchen ausbreitet und diese nachhaltig beschädigt, was ebenfalls zu dauerhafter Schwerhörigkeit führen kann. Seltener, jedoch besonders dramatisch, ist eine Gesichtsnervenlähmung oder Gehirnhautentzündung infolge einer verschleppten Ohrentzündung.

Der Kinderarzt wird die Ohren des Kindes mithilfe eines Ohrspiegels (Otoskop) untersuchen. So kann er eine Entzündung der äußeren Gehörgänge klar von einer Mittelohrentzündung abgrenzen und den Krankheitsfortschritt beurteilen.

Geeignete Therapiemöglichkeiten

Alle Medikamente müssen grundsätzlich für die Behandlung von Babys und Kleinkindern geeignet sein und sollten deshalb immer vom Arzt verschrieben werden!

  • Antibiotika-Behandlung ausschließlich bei nachgewiesenem bakteriellem Infekt
  • zeitlich begrenzte Anwendung von abschwellend wirkenden Nasentropfen, damit das Mittelohr wieder besser belüftet wird
  • schleimlösende Präparate, damit der in der Ohrtrompete angesammelte Schleim besser abfließen kann
  • Paracetamolzäpfchen oder -saft gegen die Schmerzen
  • Vor allem zu Krankheitsbeginn verordnen manche Kinderärzte auch gut wirksame homöopathische Präparate. Interessierte Eltern sollten am besten gezielt nachfragen.

Entgegen der weitverbreiteten Meinung, dass bei einer Mittelohrentzündung Ohrentropfen helfen müssten, nützen diese jedoch wenig. Die Tropfen können nicht bis an den Entzündungsherd gelangen, weil das Trommelfell dazwischenliegt. Ohrentropfen wirken deshalb nur bei Entzündungen der äußeren Gehörgänge.

Bei mehrfachen Mittelohrentzündungen innerhalb eines Jahres setzt der Arzt eventuell kleine Röhrchen in das Trommelfell ein. Damit sichert er die Belüftung des Innenohrs. Sollte es bereits zum Trommelfelldurchbruch gekommen sein, empfiehlt sich ein Hörtest.

Unterstützende Maßnahmen

Wärme kann helfen, die Schmerzen zu lindern. Je nach Alter des Kindes bieten sich deshalb Rotlicht, Wärmflasche oder Ohrwickel an.

Bei akuter Mittelohrentzündung sollten die Kinder vorläufig weiche Nahrung bekommen. Zusätzliche Schmerzen durch das Kauen lassen sich so vermeiden. Reichlich trinken ist wichtig, allerdings sollte kein Wasser direkt ins Ohr gelangen (nicht schwimmen, beim Duschen krankes Ohr gut abdecken).

Sofern der Arzt vergrößerte Rachenmandeln als Ursache der häufigen Ohrentzündungen feststellt, sollten die Eltern nach Abwägen des Nutzen-Schaden-Risikos deren Entfernung veranlassen.

Was können die Eltern vorbeugend tun?

  • mindestens vier Monate lang Stillen: nachweislich sinkt damit das Risiko, dass das Kind an einer Mittelohrentzündung erkrankt um mehr als die Hälfte
  • rauchfreie Umgebung
  • das Kind sollte den Schnuller nicht ununterbrochen im Mund haben, möglichst nur zur Beruhigung geben
  • hat das Kind einen Schnupfen, sollte es besser „die Nase hochziehen“, als sich kräftig zu schnäuzen: beim Hochziehen schluckt es das Sekret, die Magensäure macht die Erreger unschädlich; beim Schnäuzen entsteht ein Überdruck und das Nasensekret kann über die Ohrtrompete bis in das Mittelohr gelangen
  • Infekte der oberen Atemwege immer unmittelbar behandeln und sorgfältig auskurieren
  • Mütze oder Stirnband bei kühler Luft oder Wind

© dpa

Was harmlos anfängt, kann böse ausgehen: Deshalb sollten Betroffene mit Ohrenschmerzen zum Arzt. Steckt eine Mittelohrentzündung hinter den Beschwerden, kann das unbehandelt im schlimmsten Fall zum Hörverlust führen.

Am Anfang steht oft eine harmlose Erkältung. Nach ein paar Tagen macht sich ein starker stechender Schmerz im Ohr bemerkbar, eventuell hört man auch schlecht. Spätestens jetzt sollte man zum Arzt gehen. Denn eine Mittelohrentzündung ist nicht nur unangenehm – wird sie nicht behandelt, können schwere Komplikationen auftreten.

Eine akute Mittelohrentzündung entsteht, wenn Viren oder Bakterien aus dem Nasen-Rachen-Raum ins Mittelohr gelangen. Jeder kennt das: Bei einem starken Schnupfen geht auch das Ohr zu. Denn der Nasen-Rachen-Raum und das Ohr sind über die Ohrtrompete, die Eustachische Röhre, miteinander verbunden. „Die typische Entwicklung der Erkrankung verläuft so“, erklärt Professor Holger Sudhoff, Chefarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Klinikum Bielefeld: „Man bekommt einen Virusinfekt, dabei schwillt die Schleimhaut in der Ohrtrompete an, und darauf setzt sich eine bakterielle Superinfektion, weil das Mittelohr nicht mehr ausreichend belüftet wird.“

Virale versus bakterielle Infektion

Anzeichen einer akuten Mittelohrentzündung sind vor allem starke Ohrenschmerzen, die häufig mit einem Hörverlust einhergehen, sagt Michael E. Deeg, Sprecher des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Eine virale Infektion könne man mit Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten behandeln. Wird eine bakterielle Infektion nachgewiesen, verschreiben HNO-Ärzte in Deutschland in der Regel ein Antibiotikum – spätestens wenn sich die Symptome nach zwei bis drei Tagen nicht gebessert haben. So sollen Komplikationen verhindert werden.

Wie Professor Roland Laszig, Direktor der Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik in Freiburg erläutert, kann eine unbehandelte Mittelohrentzündung nämlich schwerwiegende Folgen haben. Es sei möglich, dass die Entzündung auf das Gleichgewichtsorgan übergreift, den Gesichtsnerv schädigt oder zu einem Abzess im Warzenfortsatz führt – einer sogenannten Mastoiditis, die operiert werden muss. Wenn die Entzündung ins Innenohr vordringt, kann das zum Verlust des Hörvermögens führen, ein Durchbrechen bis ins Hirn ist sogar lebensbedrohlich.

Zwiebelsäckchen reichen zur Behandlung meist nicht aus

Laszig warnt daher davor, bei einer bakteriellen Entzündung zu lange mit der Antibiotika-Gabe zu warten. „Wir sehen bei uns in der Klinik mindestens einmal in der Woche eine Mastoiditis, weil eine Mittelohrentzündung unzureichend, unterdosiert oder falsch behandelt wurde“, berichtet der HNO-Arzt. Auch Deeg rät davon ab, Ohrenschmerzen nur mit Hausmitteln wie Zwiebelsäckchen zu behandeln, ohne einen Arzt zu konsultieren. „Wenn es wehtut, weiß man nicht, warum es wehtut. Ein gerötetes vorgewölbtes Trommelfell mit einem eitrigen Sekret weist auf eine bakterielle Entzündung hin. Das kann nur der Arzt sehen, wenn er ins Ohr schaut.“

Besonders häufig kommen akute Mittelohrentzündungen bei Kindern vor. In einigen Fällen ist eine vergrößerte Rachenmandel – besser bekannt als „Polypen“ – die Ursache. „Betroffene Kinder sind daran zu erkennen, dass sie ein schläfriges Gesicht machen, den Mund ständig offen halten und eine Schnarchatmung haben“, erklärt Deeg. Um wiederkehrende Entzündungen zu vermeiden, hilft oftmals eine Operation der betroffenen Rachenmandel.

Manchmal geht es nicht ohne Operation

Manche Menschen leiden jahrelang an wiederholten Mittelohrentzündungen und einer ständig verschlossenen Ohrtrompete. Abhilfe kann unter anderem eine Methode schaffen, die vor einigen Jahren am Klinikum Bielefeld entwickelt wurde: Dabei wird ein mit Flüssigkeit gefüllter Ballon-Katheder in der Ohrtrompete gedehnt, damit das Mittelohr besser belüftet wird. „Die Operation dauert nur fünf Minuten, sie muss aber unter Narkose und unter stationären Bedingungen durchgeführt werden“, sagt Holger Sudhoff, der die Methode maßgeblich mitentwickelt hat.

Wie Sudhoff berichtet, ist die Methode auch bei chronischen Mittelohrentzündungen anwendbar. Chronische Mittelohrentzündungen treten in Form einer chronischen Schleimhauteiterung oder in Form einer chronischen Knocheneiterung auf. Beide Formen heilen nicht von alleine aus, sie müssen operativ behandelt werden. „In der vorantibiotischen Ära ist so etwas ziemlich häufig vorgekommen“, sagt Deeg. „Seitdem akute Mittelohrentzündungen konsequent behandelt und Mandeln operiert werden, ist das hochsignifikant seltener geworden.“

Hochziehen statt schnäuzen

Am besten ist es natürlich, erst gar keine Mittelohrentzündung zu bekommen. Wer zum Beispiel bei Schnupfen nicht ständig ins Taschentuch schnäuzt, sondern eher die Nase hochzieht, vermindert laut Laszig das Risiko. „Wenn man ausschnaubt, hält man die Nase zu und erhöht dadurch den Druck. So drückt man über den Nasenrachen die Erreger durch die Ohrtrompete in das Mittelohr – das kann dann eine Mittelohrentzündung begünstigen.“ Er empfiehlt bei einer Erkältung außerdem abschwellende Nasentropfen, sich warm zu halten und eine Mütze aufzusetzen.

Von Caroline Mayer (dpa)

Ohrentzündung

Ohrenschmerzen gehören zum Unangenehmsten, was Ihrem Kind widerfahren kann. Denken Sie immer an eine Mittelohrentzündung, wenn Ihr Baby untröstlich weint oder erschöpft einschläft, jedoch weinend wieder aufwacht oder unruhig schläft. Auch wenn es nicht flach liegen möchte und am Ohr zieht oder reibt, deutet dies auf eine Entzündung im Mittelohr hin.

Ohrinfektionen erkennen Sie oft daran, dass das Kind erhöhte Temperatur oder Fieber hat, evtl. Durchfall bekommt und weint. Die Schmerzen können sich vom Ohr ausgehend auch in den hinteren Hals- und Kieferbereich ausdehnen. In manchen Fällen wird Sekret aus dem Ohr abgesondert.

Interview

Dr. Renato Kaiser: „Erkältungen bei Babys und Kleinkindern“

Eine Mittelohrentzündung tritt im ersten Lebensjahr häufig in Zusammenhang mit einer Erkältung auf – kann aber auch ohne Begleitsymptome entstehen. Bakterien oder Viren aus dem Rachenbereich wandern über die Ohrtrompete in das Mittelohr und verursachen dort in der Paukenhöhle eine Entzündung und Schwellung. Eiter und Sekret können nicht abfliessen und der Druck verursacht starke Schmerzen. Wird die Entzündung nicht behandelt, kann das Trommelfell unter dem Druck sogar platzen. Da die Ohrtrompete (Tube) bei Säuglingen noch sehr kurz und eng ist, sind sie besonders anfällig für Infektionen.

Bei älteren Kindern ist häufig eine vergrösserte Rachenmandel (Polypen) die Ursache für die Ohrenentzündung. Diese „Wucherungen“ verengen oder verschliessen besonders bei Entzündungen die Ohrtrompetenöffnung und behindern so die Belüftung des Mittelohrs. 90% aller Sechsjährigen haben schon einmal oder mehrmals eine Mittelohrentzündung gehabt.

Infektionen des Ohres können zu Schwerhörigkeit führen, denn mitunter bleiben Löcher oder Narben im Trommelfell zurück. Deshalb ist es sehr wichtig, sie so früh wie möglich zu erkennen und behandeln zu lassen. Wird eine Ohrentzündung verschleppt, kann sie sich zu einer sogenannten Mastoiditis ausweiten. Dabei vereitert ein Knochen hinter dem Ohr, der sogenannte Mastoid. Das macht sich durch eine stark gerötete Schwellung hinter der Ohrmuschel und ein scheinbar abstehendes Ohr bemerkbar. Neben Berührungsempfindlichkeit kann es zu Fieber kommen. Die gefährlichste Folge ist eine Meningitis (Hirnhautentzündung). Konsultieren Sie daher rechtzeitig Ihren Arzt, Ihre Ärztin der/die die richtige Diagnose stellen und entsprechende Behandlungsschritte einleiten kann. Die Behandlung besteht in der Regel aus abschwellenden Nasentropfen und Antibiotika. Dazu können schmerzstillende, entzündungshemmende und fiebersenkende Zäpfchen verabreicht werden.

Ohrentropfen sollten Sie nur anwenden, wenn der Arzt sie verordnet hat. Niemals dürfen entzündete Ohren mit Wattestäbchen gereinigt werden! Sie schieben damit nur das Ohrenschmalz zurück und es entsteht ein Ohrpropf. Von Wärmeanwendung auf dem Ohr wird heute eher abgeraten, weil sie die Schmerzen einer eitrigen Ohrentzündung noch verstärkt. Sie können Ihrem Kind die Schmerzen erleichtern, indem Sie den Kopf etwas höher lagern und das Kind mit dem kranken Ohr nach unten liegt, damit Eiter und Sekret besser abfliessen kann. Geben Sie Ihrem Kind viel zu trinken, so löst sich der zähe Schleim besser. Auch das alte Hausmittel „Zwiebelwickel“ kann kurzfristig bis zum Arztbesuch und unterstützend zu der Verordnung helfen.

Die wichtigste Vorsorge: Lassen Sie Ihr Kind bei niedrigen Temperaturen nie ohne Ohrenschutz und Kopfbedeckung ins Freie.

Wissen

Ohrentzündung: Antibiotika sofort oder nicht?

Newsticker

Zehn Tage müssen sein | 11.02.2017

Die Mittelohrentzündung ist der häufigste Anlass für eine Antibiotikabehandlung in der Kinderheilkunde, vor allem in den ersten beiden Lebensjahren. Die Nebenwirkungen (Störung der Darmflora, Entwicklung von Resistenzen), aber auch die hohen Kosten veranlassen viele Ärzte, die Antibiotika-Behandlung zu verkürzen. Das ist jedoch gefährlich: Ein verkürztes Regime führte in einer Studie bei Kindern unter zwei Jahren zu deutlich schlechteren Heilungsraten und Rückfällen (34 % der Kinder in der Fünf-Tage-Gruppe, dagegen nur 16 % in der Zehn-Tage-Gruppe). Andererseits traten dadurch nicht mehr Nebenwirkungen (Durchfall oder Windelsoor) auf, und auch die gefürchtete Resistenz gegen das Antibiotikum wurde dadurch nicht gefördert. Nach Meinung der Forscher lässt sich dieses Ergebnis jedoch nicht auf Kinder über zwei Jahre übertragen.

Mittelohrentzündung

Wenn Ihr Kind zum Beispiel einige Tage nach Beginn einer Erkältung mehr schreit als sonst, Fieber hat und vielleicht an seinem Ohr reibt, könnte eine Mittelohrentzündung die Ursache sein. Sie ist bei kleinen Kindern recht häufig, heilt aber fast immer innerhalb von zwei bis drei Tagen auch ohne besondere Behandlung wieder ab. In diesem Film erklären wir Ihnen, wie Sie Ihrem Kind in dieser Zeit helfen können.

Wir können aber nur allgemeine Informationen geben. Scheuen Sie sich daher nicht, frühzeitig zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu gehen, wenn Sie Fragen haben. In den meisten Fällen wird sie oder er Sie beruhigen und eventuell ein für Kinder geeignetes Schmerzmittel verschreiben. Antibiotika sind bei einer akuten Mittelohrentzündung meist nicht nötig. Wir erklären Ihnen hier unter anderem auch warum.

Eine akute Mittelohrentzündung ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern. Etwa eines von 10 Kindern hat in den ersten drei Lebensmonaten eine Mittelohrentzündung. Sie entwickelt sich meist nach einer Erkältung, Halsentzündung oder Infektion der Nasennebenhöhlen.

Folgende Anzeichen können bei einem Kleinkind auf eine akute Mittelohrentzündung hinweisen:

  • Ohrenschmerzen, erkennbar zum Beispiel durch Reiben und Ziehen an den Ohren, oder häufiges Kopfschütteln.
  • Fieber, einige Tage nach Beginn einer Erkältung oder Halsschmerzen
  • Keine Reaktion auf normal laute Ansprache oder Töne, auf die das Kind normalerweise reagiert
  • Gereiztheit, schnelle Unzufriedenheit, unruhiger Schlaf
  • Häufigeres und schärferes Schreien als üblich
  • Appetitlosigkeit oder Erbrechen.

Viele dieser Anzeichen gehen auf die Schmerzen zurück, die eine Mittelohrentzündung verursachen kann. Dabei kommen die Schmerzen vorwiegend vom Trommelfell.

Das Mittelohr ist über die sogenannte Ohrtrompete mit dem Nasen-Rachen-Raum verbunden. Bei kleinen Kindern ist die Ohrtrompete noch sehr fein und kurz. Deshalb können Krankheitserreger aus dem Nasen-Rachen-Raum leichter bis in das Mittelohr eindringen.

Bei einem Infekt bildet sich im Mittelohr mehr Flüssigkeit als sonst. Gleichzeitig können auch die Schleimhäute der Ohrtrompete so anschwellen, dass der Gang verstopft. Die Folge ist, dass die Flüssigkeit nicht mehr abfließen kann und sich im Mittelohr staut. Es kommt zu einem sogenannten Paukenerguss.

Durch den Überdruck im Mittelohr kann das Trommelfell so stark gespannt sein, dass die Kinder Schmerzen haben. Und sie können schlechter hören. Manchmal kann bei sehr großem Druck im Mittelohr das Trommelfell auch einreißen. Solch ein Riss schließt sich meist von alleine wieder. Es kann aber sein, dass noch einige Wochen lang Flüssigkeit aus dem Ohr austritt.

Im Normalfall heilt eine akute Mittelohrentzündung von selbst. Bei etwa neun von zehn Kindern klingen die Beschwerden nach spätestens zwei bis drei Tagen ab. Meist dauert es etwas länger, bis die Kinder wieder normal hören können. Komplikationen durch eine Mittelohrentzündung treten bei uns nur äußerst selten auf.

Die größte Erleichterung können Sie Ihrem Kind verschaffen, indem die Schmerzen schnell gelindert werden. Viele Eltern versuchen es mit Hausmitteln, beispielsweise mit Zwiebelsäcken, die auf das schmerzende Ohr gelegt werden. Oder mit Rotlicht, um das erkrankte Ohr zu wärmen. Andere Eltern wiederum greifen auf homöopathische Medikamente, zum Beispiel Pulsatilla, zurück. Für eine Wirksamkeit dieser Hausmittel gibt es jedoch keinerlei wissenschaftliche Belege.

Nachgewiesen ist aber, dass bestimmte Schmerzmittel hilfreich sind und auch das Fieber senken können. Welche Schmerzmittel für Kinder geeignet sind, dazu berät Sie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Oft reicht es dann schon, etwas gegen die Schmerzen und das Fieber getan zu haben.

Antibiotika sind meist keine Hilfe, weil sie die Heilung einer unkomplizierten Mittelohrentzündung bei den meisten Kindern kaum beschleunigen. Das liegt daran, dass Mittelohrentzündungen vor allem von Viren verursacht werden. Und gegen Viren sind Antibiotika wirkungslos. Bei manchen Kindern können Antibiotika allerdings sinnvoll sein. Dazu gehören wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge

  • Kinder unter zwei Jahren mit einer Entzündung beider Ohren und
  • Kinder mit einem eitrigen Ausfluss aus dem Ohr.

Diese Anzeichen weisen auf eine Infektion mit Bakterien hin, gegen die Antibiotika wirken.

  • Auch wenn sich die Beschwerden nach ein paar Tagen noch nicht bessern, verschlimmern oder neue Beschwerden hinzukommen, sind Antibiotika ebenfalls sinnvoll.

Auch wenn Sie sich verständlicherweise Sorgen machen, weil Ihr Kind gerade eine Mittelohrentzündung durchmacht, die Infektion bekommen die Kleinen meist selbst in den Griff. Ein Arztbesuch kann trotzdem sinnvoll sein, um sicher zu gehen, dass es sich tatsächlich um eine unkomplizierte Mittelohrentzündung handelt. Und – eine Mittelohrentzündung kann zwar zu einigen durchwachten Nächten führen, in denen Ihr Kind viel Zuwendung braucht. Sie ist aber meist nach wenigen Tagen überstanden.

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Mittelohrentzündung (Otitis media)

Letzte Änderung: 26.04.2019
Verfasst von Till von Bracht • Medizinredakteur Dieser Artikel wurde nachNach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst.

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Typisch für eine Mittelohrentzündung sind stechende Ohrenschmerzen, Fieber und Hörminderung. Eine Mittelohrentzündung ist zwar schmerzhaft, aber in den meisten Fällen harmlos: Nach zwei bis drei Tagen klingt die Entzündung meist von selbst wieder ab. Antibiotika sind nur selten notwendig.

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Inhaltsverzeichnis

  • Überblick
  • Symptome
  • Behandlung
  • Ursachen
  • Diagnose
  • Verlauf
  • Vorbeugen
  • Quellen

Eltern versuchen oft, die Symptome einer Mittelohrentzündung mit Hausmitteln zu lindern – zum Beispiel mit einer aufgeschnittenen Zwiebel, die auf das Ohr des Kindes gelegt wird, oder mit wärmendem Rotlicht. Die Wirksamkeit dieser Hausmittel ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt.

Am Anfang einer Mittelohrentzündung steht in der Regel

  • eine bakterielle oder
  • virale Infektionskrankheit der Atemwege.

Das kann ein harmloser Schnupfen sein oder eine echte Grippe. Vom Nasen-Rachen-Raum können die verantwortlichen Viren oder Bakterien bis ins Mittelohr aufsteigen, wo sie letztendlich eine Entzündung der Schleimhäute verursachen. Ärzte sprechen bei einer Mittelohrentzündung auch von einer sogenannten Otitis media.

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Bei Kindern und Säuglingen treten Mittelohrentzündungen besonders häufig auf. Sie äußern sich vor allem durch stechende Ohrenschmerzen.

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Die Betroffenen hören schlechter, haben Fieber und fühlen sich krank.

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Sind Säuglinge unruhig, weinerlich, trinken schlecht und greifen sich oft ans Ohr, kann das auf eine Mittelohrentzündung hinweisen.

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist ein bestimmter Abschnitt im Ohr (die Ohrtrompete) noch sehr kurz. Sie erkranken deshalb häufiger, denn Erreger gelangen leichter aus dem Nasenrachenraum ins Mittelohr.

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Meist sind Bakterien die Ursache für eine Mittelohrentzündung, aber auch Viren können sie auslösen.

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Häufig gehen der Mittelohrentzündung eine Erkältung oder ein grippaler Infekt voraus.

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Der Arzt verschreibt bei einer Mittelohrentzündung oft Antibiotika (vor allem bei Kindern unter zwei Jahren). Diese sind allerdings nur dann sinnvoll, wenn Bakterien die Ursache für die Entzündung sind.

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Eine Mittelohrentzündung heilt oft von selbst innerhalb von zwei bis drei Tagen ab – auch ohne die Behandlung mit einem Antibiotikum. Abschwellende Nasentropfen und Schmerzmittel sind da häufig die bessere Wahl.

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Trotzdem: Bereits bei den ersten Beschwerden sollten Sie den Kinderarzt oder einen HNO-Arzt aufsuchen!

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Denn bei frühzeitiger Behandlung nehmen die Beschwerden meist nach wenigen Tagen ab und die Mittelohrentzündung heilt innerhalb von 14 Tagen ohne Folgen aus. Bleibende Schäden sind sehr selten. Zum Forum HNO …

Am häufigsten tritt eine Mittelohrentzündung bei Kleinkindern und Babys auf, da bei ihnen die Verbindung zwischen Mittelohr und Rachenraum (Ohrtrompete) noch sehr kurz ist. Innerhalb der ersten drei Lebensjahre erkranken etwa zwei von drei Kindern an einer Mittelohrentzündung. Doch auch als Erwachsener kann man noch eine Otitis media bekommen – etwa nach einer lang anhaltenden und heftigen Erkältung.

Um Komplikationen zu vermeiden, ist es wichtig, bei stechenden Ohrenschmerzen immer den Kinderarzt oder einen HNO-Arzt aufzusuchen.

Ist eine Mittelohrentzündung ansteckend?

Nein, die Mittelohrentzündung selbst ist nicht ansteckend. Die Infektionskrankheit, die der Otitis media vorausgegangen ist, ist es aber unter Umständen schon. Ein Beispiel: Ist die Mittelohrentzündung im Rahmen einer Erkältung aufgetreten, so können die verantwortlichen Erkältungsviren beim Spielen oder Sprechen auf andere Kinder übertragen werden.

Mittelohrentzündung: Die häufigsten Symptome im Überblick

Die akute Mittelohrentzündung beginnt meist ganz plötzlich. Typische Symptome sind

  • stechende ein- oder beidseitige Ohrenschmerzen,
  • Fieber,
  • Klopfen im Ohr,
  • gerötetes, vorgewölbtes Trommelfell,
  • Druckschmerz,
  • allgemeines Krankheitsgefühl,
  • Hörminderung und
  • Kopfschmerzen.

Bei Kleinkindern zeigen sich die Symptome einer Mittelohrentzündung häufig an ihrem Verhalten: Die Babys sind unruhig, weinerlich, trinken schlecht und greifen sich oft ans Ohr (Ohrzwang).

Video: Mittelohrentzündung

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Oft schwillt bei einer Mittelohrentzündung der Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Rachen, die Ohrtrompete, zu. In der Folge können Schleim und Flüssigkeit nicht mehr abfließen und sammeln sich im Mittelohr. Wenn dadurch der Druck im Mittelohr zu groß wird, kann das Trommelfell reißen, sodass die Flüssigkeit nach außen abfließt und sich Eiter aus dem Ohr entleert. Die Schmerzen lassen dann schlagartig nach.

Eine chronische Mittelohrentzündung äußert sich durch verschiedene Symptome, etwa

  • eine Hörminderung,
  • Ohrrauschen,
  • anhaltende Flüssigkeitsausscheidung (Sekretion) aus dem Ohr und
  • Wucherung von entzündlichem Gewebe (sog. Cholesteatom).

Wie sich eine Mittelohrentzündung behandeln lässt

Wie bei einer Mittelohrentzündung die Behandlung genau aussieht, hängt unter anderem vom Alter des Patienten und vom Allgemeinzustand ab. Einige Ärzte behandeln eine Mittelohrentzündung stets mit Antibiotika, wobei dies nur in manchen Fällen sinnvoll ist. Meistens heilt eine Otitis media innerhalb der ersten zwei bis drei Tage von selbst wieder ab.

Ein Arztbesuch ist in jedem Fall notwendig, da der Arzt den Verlauf der Mittelohrentzündung beurteilen und entscheiden kann, welche Behandlung angemessen ist.

Grob gesagt lässt sich die Behandlung einer Mittelohrentzündung wie folgt strukturieren.

1. Schmerzlinderung

Im Mittelpunkt der Behandlung steht die schnelle Linderung der Ohrenschmerzen. Hierfür eignen sich die Wirkstoffe

  • Paracetamol und
  • Ibuprofen.

Beide Wirkstoffe sind bereits für Säuglinge zugelassen und können als Zäpfchen oder Saft verabreicht werden.

2. Krankheitsverlauf beobachten

Vor allem bei Kindern ab zwei Jahren und bei Erwachsenen empfiehlt es sich, den Verlauf der Mittelohrentzündung zunächst zu beobachten. 85 von 100 Patienten haben bereits nach 24 Stunden keine Ohrenschmerzen mehr, die vollständige Genesung dauert rund zwei Wochen.

  • Wenn sich die Symptome verschlimmern,
  • bei Kleinkindern unter zwei Jahren mit einer Entzündung beider Ohren oder
  • bei einer Mittelohrentzündung mit eitrigem Ausfluss aus dem Ohr

hingegen sind Antibiotika häufig empfehlenswert.

3. Antibiotika

Antibiotika galten lange Zeit als Standardbehandlung bei einer Mittelohrentzündung. Heute weiß man jedoch, dass diese Therapiemaßnahme nur in bestimmten Fällen sinnvoll ist.

Video: 6 Fakten über Antibiotika

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Eine sofortige Behandlung mit Antibiotika empfiehlt sich bei

  • schlechtem Allgemeinbefinden,
  • hohem Fieber,
  • anhaltendem Erbrechen und/oder
  • Durchfall.

Als Mittel der ersten Wahl gilt der Wirkstoff Amoxicillin, alternativ können auch orale Cephalosporine zum Einsatz kommen.

4. Nasentropfen und Ohrentropfen

Abschwellende Nasentropfen fördern den Flüssigkeitsabfluss und die Belüftung des Mittelohrs. Ob dadurch die Mittelohrentzündung besser abheilt, ist jedoch nicht klar. Wenn das Kind auch eine verstopfte Nase hat, sorgen die Nasentropfen zumindest dafür, dass es einige Stunden lang besser durchatmen kann.

Dagegen sind bei einer Mittelohrentzündung Ohrentropfen (z.B. mit den Wirkstoffen Phenazon und Procain) nur wenig wirksam, da sie das Mittelohr nicht durch das Trommelfell hindurch erreichen.

5. Hausmittel

Hausmittel können manchmal helfen, die Symptome zu lindern – sie sind aber kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung.

Typische Hausmittel bei einer Mittelohrentzündung sind

  • mit Zwiebelstückchen oder Kamillenblüten befüllte Stoffsäckchen, die auf das betroffene Ohr gelegt werden,
  • wärmendes Rotlicht und
  • Wadenwickel gegen das Fieber.

Bislang gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Belege, dass diese Hausmittel bei einer akuten Mittelohrentzündung tatsächlich helfen.

6. Operation

Eine Beschädigung des Trommelfells im Rahmen der akuten Mittelohrentzündung heilt meist spontan ohne operative Therapie ab. Eine chronische Mittelohrentzündung sowie eine daraus entstehende chronische Knocheneiterung, ein sogenanntes Cholesteatom, erfordern jedoch häufig eine Operation. Dabei verschließt der Arzt die defekte Stelle des Trommelfells durch ein Gewebetransplantat (Trommelfellplastik).

Wenn sich das Trommelfell vorwölbt und spannt oder Komplikationen auftreten, muss der HNO-Arzt es operativ öffnen (sog. Parazentese). Der Eingriff findet unter örtlicher Betäubung oder – bei Kindern – in Vollnarkose statt.

Hat sich die Entzündung bereits in den angrenzenden Knochen ausgebreitet (Mastoiditis), ist eine umgehende Operation erforderlich, um die entzündeten Stellen zu entfernen.

Viren & Bakterien: Diese Ursachen stecken dahinter!

In den allermeisten Fällen geht der Mittelohrentzündung eine Infektion der oberen Atemwege voraus, zum Beispiel

  • eine Erkältung,
  • eine Grippe,
  • eine Rachenentzündung,
  • eine Mandelentzündung oder
  • eine Nasennebenhöhlenentzündung.

Das bedeutet: Die eigentlichen Ursachen für eine Mittelohrentzündung sind Viren und/oder Bakterien, die vom Nasen-Rachen-Raum ins Mittelohr wandern und dort zu einer Entzündung führen.

Häufig Auslöser einer Otitis media sind zum Beispiel

  • Grippeviren,
  • Erkältungsviren (z.B. Rhinoviren, Respiratory-Syncytial-Viren, Coronaviren oder Adenoviren),
  • Pneumokokken,
  • A-Streptokokken,
  • Staphylokokken (vor allem bei Säuglingen) und
  • Haemophilus influenzae.

Seltener dringen die Keime bei einem Trommelfelldefekt oder einer Verletzung des Trommelfells direkt aus dem äußeren Gehörgang ein.

Auch eine Verschleppung der Viren oder Bakterien über das Blut (hämatogene Streuung) im Rahmen einer Allgemeinerkrankung (z.B. Scharlach oder Masern) können eine Mittelohrentzündung verursachen.

Große Rachenmandeln (z.B. als Folge einer Mandelentzündung) oder oft auftretende Halsentzündungen können die Belüftung zwischen Mittelohr und Rachenraum stören und verhindern, dass Flüssigkeit abfließt. Auch angeborene Veränderungen im Rachenraum (z.B. Gaumenspalten) können bei Kindern eine Mittelohrentzündung begünstigen.

Die Ohrtrompete verbindet das Mittelohr mit dem hinteren Rachenraum. Über diese Verbindung können Krankheitserreger aus dem Nasen-Rachen-Raum ins Mittelohr aufsteigen und eine Mittelohrentzündung auslösen.

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Das Mittelohr: Was ist das?

Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Hohlraum. Es wird durch das Trommelfell vom äußeren Gehörgang abgetrennt. In ihm befinden sich die drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel), welche die Schallwellen in Richtung Innenohr übertragen.

Die Ohrtrompete (Tuba auditiva Eustachii) verbindet das Mittelohr mit dem hinteren Rachenraum. Auf diese Weise belüftet die Ohrtrompete das Mittelohr, sodass ein Druckausgleich möglich ist. Bei einer Erkältung können jedoch Krankheitserreger aus dem Nasen-Rachen-Raum über die Ohrtrompete ins Mittelohr aufsteigen und eine Mittelohrentzündung auslösen.

Bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung: Ab zum Arzt!

Generell ist es empfehlenswert, bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung immer einen Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO-Arzt) oder den Kinderarzt aufzusuchen. Denn durch eine rechtzeitige Behandlung lässt sich meist einer Folgeerkrankung vorbeugen.

Um die Diagnose zu sichern, befragt der Arzt den Patienten nach seinen Symptomen und begutachtet anschließend das Trommelfell durch einen Ohrtrichter. Mediziner sprechen auch von einer Ohrenspiegelung (Otoskopie).

© Wikimedia Commons Bei einer Mittelohrentzündung ist das Trommelfell häufig gerötet, verdickt und durch die sich im Mittelohr anstauende Flüssigkeit nach außen gewölbt.

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Ein gesundes Trommelfell ist grau, spiegelnd und leicht durchscheinend. Es hat eine glatte Oberfläche und ist gut beweglich. Liegt eine Mittelohrentzündung vor, zeigen sich typische Entzündungszeichen – etwa eine Rötung und ein vorgewölbtes Trommelfell.

Das Trommelfell kann außerdem verdickt sein oder Blasen bilden. Manchmal ist auch ein Loch im Trommelfell (Perforationsstelle) mit austretender Flüssigkeit zu erkennen.

Bei einer Mittelohrentzündung prüft der Arzt manchmal zusätzlich die Eigenschaften von Trommelfell und Mittelohr mithilfe der sogenannten Tympanometrie. Bei dieser Untersuchung misst der Arzt den Druck im Mittelohr und testet die Beweglichkeit des Trommelfells. Ein Hörtest zeigt außerdem, ob Hörprobleme bestehen.

Mittelohrentzündung: Verlauf

Komplikationen

Meist heilt eine akute Mittelohrentzündung innerhalb von zwei Wochen vollständig ab – auch ohne den Einsatz von Antibiotika. Ist dies nicht der Fall, besteht der Verdacht, dass sich die Entzündung auf den Knochen hinter dem Ohr, den sogenannten Warzenfortsatz (Mastoid) ausgebreitet hat (Mastoiditis).

Bei der Mastoiditis kann Eiter in die luftgefüllten Hohlräume des Knochenfortsatzes gelangen. Erfolgt keine entsprechende Behandlung, kann sich diese Entzündung in der Umgebung weiter ausbreiten. Mögliche Komplikationen sind dann

  • eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder
  • eine Entzündung des Innenohrs (Labyrinthitis) mit Drehschwindel oder Erbrechen.

Im Verlauf der Mittelohrentzündung kann in manchen Fällen das Trommelfell des Ohrs einreißen (Perforation), wodurch die Schmerzen plötzlich nachlassen. Eiter entleert sich dann über den Gehörgang nach außen. Die Folge einer solchen Perforation kann eine andauernde Mittelohrentzündung sein. Ärzte sprechen dann von einer chronischen Otitis media.

Chronische Mittelohrentzündung

Bei einer chronischen Mittelohrentzündung handelt es sich um eine dauerhafte oder immer wiederkehrende Entzündung des Mittelohres, die mit einem bleibenden Trommelfelldefekt (mehr als drei Monate) und eitrigem Ausfluss aus dem Ohr einhergeht. Je nachdem, wie weit sich die Entzündung im Mittelohr ausgedehnt hat, unterscheidet man bei der sogenannten Otitis media chronica zwischen einer chronischen Schleimhauteiterung und einer chronischen Knocheneiterung.

Normalerweise geht eine akute Mittelohrentzündung bei normalen Druckverhältnissen im Ohr nicht in eine chronische Mittelohrentzündung über. Die chronische Otitis media ist eine eigenständige Krankheit – sie entsteht häufig als Folge frühkindlicher Belüftungsstörungen des Mittelohrs, zum Beispiel durch vergrößerte Rachenmandeln.

Vergrößerte Rachenmandeln können die Ohrtrompete verdecken, was dazu führt, dass die Belüftung nicht mehr gewährleistet ist. Im Mittelohr entsteht ein Unterdruck. Dies begünstigt, dass Krankheitserreger, die sich im Nasen-Rachen-Bereich befinden, über die Ohrtrompete in das Mittelohr gelangen.

Anders als bei einer akuten Mittelohrentzündung muss eine chronischen Mittelohrentzündung in den meisten Fällen operiert werden.

Kann man einer Mittelohrentzündung vorbeugen?

Egal ob im Kindergarten, in der Schule oder Zuhause in den eigenen vier Wänden: Kinder fangen sich schnell Infektionen ein. Und gerade bei Säuglingen und Kleinkindern kann sich daraus leicht eine Mittelohrentzündung entwickeln, weil ihre Ohrtrompete noch sehr kurz ist.

Sicher verhindern kann man eine Mittelohrentzündung zwar nicht – mit verschiedenen Maßnahmen lässt sich das Risiko aber möglicherweise senken.

  • Schnullergebrauch reduzieren: In mehreren Studien konnten Wissenschaftler feststellen, dass Babys, die ständig am Schnuller nuckeln, häufiger eine Mittelohrentzündung bekommen als andere.
  • Stillen: Kinder, die sechs Monate lang gestillt wurden, erkranken in den ersten zwei Lebensjahren wesentlich seltener an einer Mittelohrentzündung als ungestillte Kinder.
  • Xylit-Kaugummis kauen: Statistisch gesehen lässt sich mit Xylit-haltigen Kaugummis das Erkrankungsrisiko um 40 Prozent reduzieren. Der Haken: Man muss die Kaugummis mindestens fünfmal täglich über mehrere Monate kauen – andernfalls wirken sie nicht.
  • Gegen Pneumokokken impfen lassen: Nach derzeitigen Forschungsstand geht man davon aus, dass eine Pneumokokken-Impfung mit dem 7-valenten Konjugatimpfstoff jüngere Kinder zumindest teilweise vor einer Mittelohrentzündung schützen kann. Bei älteren Kindern scheint sich keine protektive Wirkung zu entfalten.
  • Gegen Grippe impfen lassen: Mehrere Studien mit insgesamt mehr als 17.000 Kindern haben gezeigt, dass die Grippeimpfung das Risiko für eine Mittelohrentzündung zumindest leicht senken kann. Eine generelle Impfempfehlung lässt sich hieraus allerdings noch nicht ableiten.

Quellen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Mittelohrentzündung (Otitis media)“:

  • Otitis media bei anderenorts klassifizierten Krankheiten
  • Entzündung und Verschluss der Tuba auditiva
  • Sonstige Krankheiten der Tuba auditiva
  • Eitrige und nicht näher bezeichnete Otitis media
  • Nichteitrige Otitis media

Onmeda-Lesetipps:

  • Was hilft bei Mittelohrentzündung am besten?
  • Symptom Ohrenschmerzen: Erkennen und behandeln

Quellen:

Otitis media. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 7.7.2017)

Chonmaitree, T., et al.: Acute otitis media and other complications of viral respiratory infection. Pediatrics, e20153555 (2016)

Mittelohrentzündung. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 16.11.2016)

I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

Fortanier A.C., et al.: Pneumococcal conjugate vaccines for preventing otitis media. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 4. Art. No.: CD001480

Leitlinien der Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin: Ohrenschmerzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 053/009 (Stand: November 2014)

Boenninghaus, H.G., Lenarz T.: HNO. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2012

Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011

Leitlinien der Universität Witten/Herdecke: Patientenleitlinie Mittelohrentzündung (=Otitis media) bei Kindern (Stand: Januar 2006)

Letzte inhaltliche Prüfung: 09.11.2018
Letzte Änderung: 26.04.2019

Akute Mittelohrentzündung – Therapie beim HNO-Arzt

Die Grundbehandlung einer akuten Mittelohrentzündung besteht aus Bettruhe sowie der Gabe von entzündungshemmenden Schmerzmitteln (Antiphlogistika). Gegebenenfalls werden auch fiebersenkende Medikamente verabreicht. Abschwellende Nasentropfen und -sprays dienen der besseren Belüftung, wenn die Mittel­­ohrentzündung in Folge eines Schnupfens aufgetreten ist. Diese Mittel sollten aber ohne Absprache mit dem Arzt nicht länger als eine Woche angewandt werden, da die Nasenschleimhaut sonst ohne Hilfe nicht mehr abschwillt. Bei Ohrfluss kann der Arzt den Gehörgang mit warmem Wasser ausspülen und mit Watte vorsichtig austupfen.

Eine Wärmebehandlung mit Rotlicht, einem Traubenkernkissen oder einem Säckchen mit abgekochten Zwiebeln wird von vielen Patienten als angenehm empfunden. Ohrentropfen dürfen nur nach ärztlicher Anordnung verwendet werden. Sie sind überhaupt nur wirksam, wenn das Trommelfell bereits defekt ist, ansonsten dringen sie nicht in das Mittelohr vor. Patienten sollten darauf achten, dass kein Wasser beim Duschen oder Baden in die Ohren gelangt. In den ersten Tagen sollte ganz darauf verzichtet werden. Schwimmbad-Besuche sind absolut tabu!

Die Verschreibung von Antibiotika bei bakteriell bedingter Mittelohrentzündung ist nach wie vor weit verbreitet. Mittel der Wahl ist ein Breitbandantibiotikum, das gegen viele verschiedene Erreger wirkt. Allerdings wird die Zunahme der Resistenzen bei bakteriellen Infektionen mit Sorge betrachtet. Aufgrund neuerer Studien zum Behandlungserfolg wird daher bei einem normalen Krankheitsverlauf und guten Allgemeinzustand empfohlen, nur Kinder unter sechs Monaten sofort mit Antibiotika zu behandeln. Ältere Kinder sollten zwei Tage beobachtet und nur bei andauernden Symptomen oder Komplikationen ein Antibiotikum verabreicht werden.

Eine akute Mittelohrentzündung heilt meist folgenlos nach einigen Tagen ab. Auch kleine Verletzungen des Trommelfell wachsen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder zu. Wichtig ist allerdings eine ärztliche Beobachtung. Ist nach spätestens zwei bis drei Wochen keine vollständige Gesundung erreicht, besteht der Verdacht auf Entwicklung einer Mastoiditis.

Behandlung von Komplikationen

Ist die Durchgängigkeit der Ohrtrompete nach Abklingen der Mittelohrentzündung nicht wieder hergestellt oder um einem bleibenden Unterdruck vorzubeugen, kommen zwei Verfahren zur Anwendung: Bei dem Vasalva-Manöver wird der Mund geschlossen und die Nase mit den Fingern zugehalten. Danach wird versucht, Luft durch die geschlossene Nase auszublasen. Bei der Politzer-Behandlung wird künstlich Luft durch die Nase in die Ohrtrompete gepustet. Für Kinder stehen dafür spezielle Ballons zur Verfügung, die mit der Nase aufgeblasen werden.
Bei anhaltendem Fieber, starken Schmerzen und Wölbung des Trommelfells ohne Rissbildung kann der HNO-Arzt zur Wiederherstellung der Mittelohrbelüftung eine Parazentese erwägen. Dabei wird unter örtlicher Betäubung, bei Kindern unter Narkose, ein Schnitt im vorderen unteren Quadranten des Trommelfell gesetzt. Damit kann das Sekret ablaufen bzw. wird abgesaugt. Bei wiederholten Mittelohrentzündungen oder anhaltenden Mittelohrergüssen kann es sinnvoll sein, ein kleines Röhrchen in den Schnitt zu setzen. So wird das Mittelohr belüftet und kann ausheilen. Das Röhrchen wird innerhalb von sechs bis zwölf Monaten von alleine abgestoßen und das Trommelfell heilt alleine zu.

Bei Komplikationen wie einer Mastoiditis, Labyrinthitis oder Meningitis können operative Eingriffe erforderlich sein: Bei der so genannten Antrotomie werden die entzündeten Warzenfortsatzzellen des Schläfenbeins entfernt. Wird hierbei das Antrum mastoideum freigelegt, es entsteht ein zusätzlicher Gang zu der Paukenhöhle.

Bei einer Mastoidektomie wird die Haut hinter der Ohrmuschel eingeschnitten, der Knochen des Warzenfortsatzes aufgefräst, so dass ein Röhrchen zum Abfluss des eitrigen Sekrets eingelegt werden kann. Danach wird die Wunde vernäht. Meist wird bei Kindern dabei zusätzlich ein Paukenröhrchen in das Trommelfell eingelegt.

Die besten Hausmittel bei Mittelohrentzündung

Wirksame Hausmittel zur Sebstbehandlung einer Mittelohrentzündung

Eine Mittelohrentzündung ist meist eine sehr schmerzhafte Angelegenheit, die normalerweise innerhalb weniger Tage von selbst abheilt. Durch die folgenden einfachen und bewährten Hausmittel kann der Schmerz jedoch gelindert werden. Im Falle starker Beschwerden sowie bei Babys und Kleinkindern sollte immer vorsorglich ein Arzt aufgesucht werden, um im Bedarfsfall entsprechende Medikamente zur Hand zu haben. Die Naturheilkunde kennt unterstützende Hausmittel zur Therapie einer akuten Mittelohrentzündung (Otitis media acuta), welche oft innerhalb kürzester Zeit eine deutliche Linderung der Beschwerden bewirken.

Inhaltsverzeichnis

Was hilft bei Ohrenschmerzen? Ein schneller Überblick

Als schnelles und einfaches Hausmittel haben sich Zwiebelsäckchen etabliert. Auch Kartoffelsäckchen oder Zwiebelsocken können zur Schmerzlinderung beitragen. Warme Umschläge oder die Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe können ebenfalls helfen. Gegen unangenehme Ohrgeräusche kann eine Auflage mit Rosen und Melisse für Abhilfe sorgen. Auch ein Tee aus Melissenblüten kann zum Wohlbefinden beitragen. Ein in der Apotheke erhältliches Cantharidenpflaster kann den Körper beim Heilungsprozess unterstützen.

Erste Hilfe bei Ohrenentzündung: Zwiebelsäckchen

Die ätherischen Öle der Zwiebel haben eine antibakterielle Wirkung. Ein Zwiebelsäckchen ist das bekannteste Hausmittel bei Ohrenschmerzen und hat sich als Hausmittel bei Mittelohrentzündung bewährt. Es wirkt stoffwechselanregend und schleimlösend. Außerdem lindert die im Säckchen entstehende Wärme den Schmerz. Das Zwiebelsäckchen ist auch für Kleinkinder geeignet. Bei Erwachsenen kann es wahlweise mit Knoblauch und Kamille ergänzt werden. Hier finden Sie eine ausführliche Anleitung, wie man Zwiebelsäckchen herstellen kann.

Zwiebelsäckchen herstellen

  • Ein bis zwei Zwiebeln werden klein gehackt und zerrieben und auf zwei Leinentüchern, Taschentüchern oder Windeln aus Stoff verteilt
  • Falten Sie die Tücher zusammen und legen Sie die Kompressen auf je ein Ohr
  • Anschließend binden Sie zur Fixierung der Auflagen ein Tuch, Stirnband oder dünnen Schal um den Kopf oder setzen eine Mütze auf

Das Zwiebelsäckchen ist ein vielfach bewährtes Hausmittel gegen Mittelohrentzündungen. (Bild: Jürgen Fälchle/fotolia.com)

Meist schlafen die Kinder auf der betroffenen Seite. In diesem Fall kann die Kompresse – zu einem Zwiebelsäckchen verschnürt – sanft unter das Ohr geschoben werden. Der Effekt verstärkt sich, wenn das Säckchen vorher noch etwas über heißem Wasserdampf erwärmt wird. Etwa eine halbe Stunde drunter liegen lassen, immer wieder kontrollieren, dass sich das Kind nicht dreht und das kleine Päckchen auch richtig liegt und nicht verrutscht. Liegen die Kinder auf den Zwiebeln, können die Dämpfe durch die entstehende Wärme besser aktiviert werden. Das kann einige Male am Tag wiederholt werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Zwiebelstückchen glasig zu braten und noch warm in das Leinsäckchen einzupacken.

Kartoffelsäckchen als Alternative zum Zwiebelsäckchen

Ähnlich wie beim Zwiebelsäckchen kann auch mit Kartoffeln verfahren werden. Diese werden weich gekocht und zerstampft. Anschließend geben Sie den Stampf in ein Leinentuch und lassen ihn etwas abkühlen. Das noch leicht warme Tuch mit den Kartoffeln legen Sie für etwa eine halbe Stunde auf das betroffene Ohr.

Zwiebelsäckchen und Kartoffelsäckchen arbeiten natürlich auch mit Wärme, die oft einen positiven Effekt bringt. Alternativ kann dieser Einfluss bei einer Mittelohrentzündung durch eine Rotlichtlampe genutzt werden. Vorsicht ist geboten, dass die Lampe nicht zu nah und zu lange am Körper, bzw. am Ohr steht, damit es für die Betroffenen nicht zu heiß wird.

Mittelohrentzündung bei Kindern. (Bild: Henrie/fotolia)

Wärme als Therapie gegen Ohrenschmerzen

Bereits ein warmes Tuch, was auf das schmerzende Ohr gelegt wird, kann zur Linderung beitragen. Dabei sollte man beachten, dass das Tuch nicht zu stark erhitzt wird, da es sonst zu Verbrennungen der Haut führen kann. Am besten hält man das Tuch kurz an die eigene Wange, um zu prüfen, ob man das Tuch sich oder seinem Kind auflegen kann.

Ebenfalls kann die Bestrahlung einer Rotlichtlampe bei Ohrenschmerzen helfen. Das schmerzende Ohr sollte zehn bis fünfzehn Minuten bestrahlt werden. Bei Kindern sollte die Dauer zu Beginn nicht länger als fünf Minuten dauern und kann dann bei Bedarf langsam gesteigert werden. Für kleinere Kinder ist diese Methode weniger geeignet, da sie oft nicht lange still sitzen können. Um mögliche Verbrennungen zu vermeiden, sollte das Kind während der Wärmebehandlung beobachtet werden. Bei Anzeichen von Hautrötungen muss die Bestrahlung abgebrochen werden. Im Zweifelsfall sollte ein Arzt befragt werden, ob die Rotlichtanwendung geeignet ist.

Die Bestrahlung mit Rotlicht kann zur Linderung der Ohrenschmerzen beitragen. (Bild: Jürgen Fälchle/fotolia.com)

Natürliche Hilfe durch Homöopathie

Die Homöopathie bietet einige Mittel, die zur Linderung der unangenehmen Ohrenschmerzen und begleitenden Symptomen wie Schwerhörigkeit oder Ohrensausen beitragen können. Damit die Präparate entsprechend wirken könne, ist es bei einer Otitis media acuta wichtig, dass diese so früh wie möglich eingesetzt werden.

Sind Zugluft oder kalter Wind die Ursache für die Beschwerden und ist das schmerzende Ohr gerötet und überwärmt, kommt vor allem Aconitum (D6) in Frage. Belladonna kann das Mittel der Wahl sein, wenn neben den stechenden Schmerzen parallel übermäßiges Schwitzen und Fieber auftritt. Chamomilla (D6) zeigt vorrangig bei Kindern eine gute Wirkung, gerade wenn die Schmerzen durch Wärme stärker bzw. durch kühle Getränke besser werden.

Ein Melissen-Tee kann helfen, lästige Ohrgeräusche loszuwerden. (Bild: Maya Kruchancova/fotolia.com)

Rosen und Melisse gegen Ohrgeräusche

Häufig treten bei Ohrentzündung neben den stechenden, pulsierenden Schmerzen unangenehme Ohrgeräusche wie z.B. ein Pfeifen, Klingeln, Rauschen oder Brausen auf.

Hier kann eine Auflage aus Rosen und Wermut helfen.

Für diese benötigen Sie:

  • eine Knoblauchzehe
  • 20 Gramm Rosenblätter
  • 10 Gramm Wermutblätter
  • 30 Gramm Kleie

Der Knoblauch wird abgezogen und zerdrückt, die Blätter in einem Mörser zerkleinert. Vermengen Sie alles zusammen mit der Kleie zu einem Brei und wickeln von diesem jeden Abend eine kleine Menge in ein Leinen- oder Baumwolltuch ein. Das Päckchen legen Sie auf das schmerzende Ohr und belassen es über Nacht dort.

Auch ein Melissenaufguss gilt als wirksames Hausmittel bei Ohrenschmerzen und Geräuschen im Ohr, denn die Blüten enthalten ätherische Öle, die beruhigend und kräftigend wirken.

So bereiten Sie den Tee zu:

  1. Kochen Sie einen Liter Wasser auf
  2. Übergießen Sie damit 60 Gramm Melissenblüten
  3. Beides gut vermischen und für zehn Minuten ziehen lassen
  4. Anschließend abseihen und drei Mal täglich eine Tasse nach dem Essen trinken

Cantharidenpflaster zur Ausleitung von Giftstoffen

Zur Schmerzlinderung eignet sich bei einer Entzündung des Ohrs ein so genanntes „Cantharidenpflaster“. Bei diesem handelt es sich um ein spezielles Pflaster aus der Apotheke, das mit einem Extrakt der getrockneten und pulverisierten Laufkäferart „Spanische Fliege“ bestrichen ist. Die Anwendung zählt zu den „Ausleitverfahren“ und hat eine sehr stark hautreizende Wirkung.

Durch das in der Paste enthaltende Gift Cantharidin wird eine Verbrennung erzeugt und die Durchblutung angekurbelt. Einige Stunden nach dem Anbringen des Pflasters auf den Knochen hinter dem Ohr, entsteht eine Blase, die vorsichtig aufgestochen wird, damit die Flüssigkeit ablaufen kann. Auf diesem Wege werden die Giftstoffe aus dem Körper ausgeleitet, gleichzeitig wird die körpereigene Abwehr durch die künstlich erzeugte Entzündung angeregt.

Hinweis zur Verwendung von Hausmitteln bei Mittelohrentzündung

Die genannten Hausmittel sind als natürliche Hilfe zu betrachten, ersetzen aber keinesfalls eine medizinische Diagnose oder Behandlung. Auch in der Naturheilkunde wird der Einsatz von schmerzstillenden Mitteln als sehr hilfreich gegen die starken Schmerzen bei einer akuten Mittelohrentzündung angesehen.

Kritiker geben (zurecht) zu bedenken, dass sich die Entzündung im Mittelohr abspielt, die alternativen Heilmittel aber von außen auf das Ohr wirken würden und somit den Ort der eigentlichen Entzündung gar nicht erreichen. Erfahrungsberichte zeigen jedoch, dass die beschriebenen Verfahren und Mittel eine heilende und lindernde Wirkung auf die Umgebung des schmerzenden Ortes haben können und sich in vielen Fällen bewährt haben. (tf, nr, vb)

Quellen anzeigen Autor: Thorsten Fischer Quellen:

  • Thomas Lenarz, Hasn-Georg Boenninghaus: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Springer, 14. Auflage, 2012
  • Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch der modernen Pflanzenheilkunde, Haug, 2011
  • Heinz Schilcher, Susanne Kammerer, Tankred Wegener: Leitfaden Phytotherapie: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2016

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Homöopathie bei Mittelohrentzündung

Zur Sache

Das Ohr lässt sich anatomisch in das äußere Ohr (bis zum Trommelfell), das Mittelohr und das Innenohr untergliedern. Das Innenohr ist mit dem Nasen-Rachen-Raum über die sogenannte Ohrtrompete oder Eustachische Röhre (Tuba eustachii) verbunden und wird durch eben diesen Zugang belüftet. Schwillt die Schleimhaut, die die Eustachische Röhre auskleidet, an – beispielsweise bei einem Schnupfen – so kommt es zum Verschluss der Ohrtrompete. Dies begünstigt eine Keimbesiedelung im Innen- und Mittelohr.

Was tun bei … Mittelohrentzündung?

Homöopathie als alternative Behandlung und Ratschläge zur Vorbeugung und unterstützenden Selbsthilfe.

Die akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta) ist eine der häufigsten Infektionserkrankungen im Kindesalter. Sie tritt gehäuft von Dezember bis März auf. 75-95% aller Kinder erkranken wenigstens einmal an einer akuten Mittelohrentzündung, 30% sogar dreimal und häufiger. Besonders betroffen sind Kinder zwischen 6 Monaten und 6 Jahren. Bei einer Mittelohrentzündung ist die Schleimhaut, die das Mittelohr auskleidet und innen das Trommelfell überzieht, entzündet. Das Krankheitsbild einer akuten Mittelohrentzündung ist gekennzeichnet durch Fieber, Ohrenschmerzen, Hörverminderung und herabgesetztes Allgemeinbefinden. Die Diagnose erhärtet sich, wenn der Kinderarzt im Ohr die typischen Veränderungen des Trommelfells feststellt: Es ist gerötet und vorgewölbt, u.U. auch durchlöchert.

Konventionelle Behandlung

Üblicherweise werden Mittelohrentzündungen bei Kindern aufgrund der drohenden Komplikationen mit einem oder mehreren der folgenden Arzneimitteln behandelt: > abschwellende Nasentropfen > Antibiotika zur Vorbeugung einer „Superinfektion“ > ggf. fiebersenkende Mittel > Schmerzmittel zur Minderung der Ohrenschmerzen > ggf. schleimverflüssigende Mittel

Probleme der konventionellen Therapie

Die abschwellenden Nasentropfen können Wirkungen auf den gesamten Organismus entfalten, wie z.B. Blutdruckanstieg und schnelleren Herzschlag. Bei Überdosierung können sie beim Säugling sogar zu einer Atemlähmung führen. Bei längerer Anwendung (> 2-3 Wochen) kann die Nasenschleimhaut geschädigt werden.

Die Antibiotika können Allergien bis hin zu schockartigen Reaktionen (Anaphylaxie) hervorrufen, es kann zu Hautausschlägen und Verdauungsbeschwerden kommen, bei manchen Wirkstoffen auch zu Bluterkrankungen. Allgemein zählen Durchfälle zu den häufigsten Nebenwirkungen einer antibiotischen Therapie. Zudem treten nach der Einnahme von Antibiotika gehäuft Pilzinfektionen auf. Ein weiteres Problem ist das Entstehen resistenter Keime bei häufigem Einsatz von Antibiotika.

Die homöopathische Behandlung

Die Wahl des homöopathischen Arzneimittels richtet sich nicht nach der klinischen Diagnose – in diesem Fall die Otitis media –, sondern nach den im Vordergrund stehenden Krankheitszeichen. Als Grundregel der Homöopathie ist die Ähnlichkeitsregel zu verstehen. Demnach werden die Krankheitszeichen mit den so genannten Arzneimittelbildern verglichen. Dabei handelt es sich um all die Merkmale, Krankheitszeichen und Besonderheiten, die bei einem Gesunden auftreten, wenn er das jeweilige Arzneimittel einnimmt. Viele Arzneimittel verzeichnen in ihrem homöopathischen Mittelbild Beschwerden an den Ohren. Sie kommen für eine Behandlung von Ohrerkrankungen in die engere Wahl, etwa: > Apis Mellifica (Honigbiene) > Aconitum Napellus (Eisenhut) > Belladonna (Tollkirsche) > Chamomilla (echte Kamille) > Pulsatilla Pratensis (Wiesenküchenschelle)

Zentrale Fragestellung

Gibt es zur Behandlung der akuten Mittelohrentzündung eine Alternative zu den Antibiotika? – Diese Frage stellen sich nicht nur unzählige Mütter. Ihr ging auch die Münchner Kinderärztin Sigrid Kruse in ihrer Doktorarbeit nach (Sigrid Kruse: Otitis Media bei Kindern. Homöopathische Therapie versus konventionelle Therapie, Stuttgart: Hippokrates 1998).

Ergebnisse

Es wurde festgestellt, dass die Kinder mit einer akuten Otitis media in der homöopathisch behandelten Gruppe A ähnlich schnell und zuverlässig gesund wurden wie die in der konventionell behandelten Gruppe B. Schwere Komplikationen traten in keinem Fall auf. Anhaltende Tubenbelüftungsstörungen (durch die Eustachische Röhre) wurden in beiden Gruppen ähnlich häufig festgestellt.

Die Therapie war in der homöopathisch behandelten Gruppe A deutlich kürzer als in der konventionell behandelten Gruppe B. Bei der Rückfallhäufigkeit innerhalb eines Jahres konnte kein auffälliger Unterschied zwischen beiden Gruppen gefunden werden, allerdings traten tendenziell weniger Rückfälle (Rezidive) in der homöopathisch behandelten Gruppe A auf.

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