Mittagsschlaf gut oder schlecht

Muntermacher Mittagsschlaf? So gesund ist das Nickerchen

Wer kein Kind mehr ist, weiß ein Schläfchen mitten am Tag sehr zu schätzen. Aber was bringt es unserem Körper eigentlich, wenn wir uns zwischendurch kurz aufs Ohr hauen? Der Mittagsschlaf im Gesundheitscheck.

Kurz zur Ruhe kommen, Augen schließen und wegdösen – Kinder müssen, aber wollen selten. Erwachsene würden gerne, können aber kaum. Während der Tagschlaf am Arbeitsplatz in anderen Ländern üblich und verbreitet ist (die Japaner halten Inemuri, die Spanier ihre Siesta), dürfen wir hierzulande vom Büro-Nickerchen oft nur träumen. Schade, denn das Schläfchen am Tag bringt wirklich was für die Gesundheit.

Darum sind wir mittags müde

Wichtiges zuerst: Das hohe Schlafbedürfnis am frühen Nachmittag ist kein Indiz für Faulheit! Schuld an der Müdigkeit ist unser Biorhythmus, unsere “innere Uhr” sozusagen. Wenn wir nachts acht Stunden schlafen würden (laut Studie sind es im Schnitt sieben Stunden und 45 Minuten ), hat unser Körper einen strammen 16-Stunden-Tag vor sich. Ein harter Job, der auf Hochtouren kaum zu meistern ist. Also schaltet der Organismus spätestens in der Tagesmitte auf Sparflamme: Wir werden müde.

Experten gehen davon aus, dass unser Körper sogar alle vier Stunden “runterfährt”. Wer um 6 Uhr morgens aufsteht, erlebt zwischen 9 und 10 Uhr das erste Tief und zwischen 13 und 14 Uhr das zweite. Erschwerend hinzu kommt die Mittagsmahlzeit, weil Verdauen zusätzlich Energie kostet. Was jetzt am besten hilft: Beine hochlegen und schlummern. Schlafforschern zufolge benötigen wir innerhalb von 24 Stunden zwei Schlafphasen, eine in der Nacht und eine mitten am Tag.

Das bringt ein Nickerchen am Nachmittag

Ein kurzes Schläfchen macht müde Menschen munter. Der Körper regeneriert sich und wir können uns wieder konzentrieren, mehr leisten und schneller schalten. Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA konnte in einer Studie nachweisen, dass nach dem Mittagsschlaf die Aufmerksamkeit um 100 Prozent steigt und folglich wesentlich weniger Fehler passieren.

Weitere gute Gründe für den Minischlaf

  • wirkt sich positiv auf unser Herz-Kreislauf-System aus. Einer griechischen Studie mit 23.500 Teilnehmern zufolge haben Mittagsschläfer seltener Herzprobleme. Wer sich täglich eine halbe Stunde ausruht, hat ein um 37 Prozent verringertes Herzinfarktrisiko.
  • baut Stress ab. Das vegetative Nervensystem fährt in den Ruhemodus, das Herz schlägt langsamer, der Blutdruck sinkt. Wir kommen runter und entspannen – schlafen uns quasi den Kopf frei.
  • sorgt für gute Laune. Im Schlaf steigt die Konzentration von Serotonin im Blut, unsere Stimmung hebt sich.
  • verbessert die Gedächtnisleistung. In einer Studie mussten die Teilnehmer Wörter und Wortpaare lernen. Ein Teil der Gruppe durfte im Anschluss schlafen, der andere musste eine DVD schauen. Die Schläfer schnitten bei der Übung wesentlich besser ab.
  • fördert die Kreativität. Hirnscans zeugten nach dem Kurzschlaf von einer gesteigerten Aktivität der rechten Gehirnhälfte.

Von den Vorzügen des Tagschlafs kann (fast) jeder profitieren. Ein Plus bringt er aber vor allem denen, die in der Nacht nicht ausreichend Schlaf bekommen haben. Ein Nickerchen kann nämlich durchaus Defizite einer schlechten Nacht wettmachen.

Wer unter Schlafstörungen oder Depressionen leidet, verzichtet auf den Schlaf zwischendurch allerdings lieber. Andernfalls besteht die Gefahr, nachts noch schlechter Ruhe zu finden.

Tipps für den gesunden Mittagsschlaf

Wer kann, sollte die Möglichkeit eines Nickerchens nutzen. So richtig gut tut Mittagsschlaf allerdings nur, wenn er auch wirklich kurz ist. Neue Energie und Kraft für die zweite Tageshälfte spendet ein Schläfchen von bis zu einer halben Stunde – keinesfalls sollte man jedoch länger als 40 Minuten einnicken. Sonst beginnt die Tiefschlafphase. Bis wir nach dem Aufwachen geistig und körperlich dann wieder voll da sind, vergeht gut und gerne eine Stunde. Ein paar Tricks hindern am Weiterschlafen:

  • einfach, doch effektiv: Wecker stellen
  • nicht ins Bett kuscheln, nicht aufs Sofa legen, und den Raum auch nicht abdunkeln: All das verführt zum Liegenbleiben.
  • vor dem Schläfchen eine Tasse Kaffee trinken: Die Wirkung des Koffeins setzt erst nach 20 bis 30 Minuten ein. Heißt: Es stört nicht beim Einschlafen, macht uns aber pünktlich wieder wach.

Wie das im Büro funktionieren soll?

Wer sich in keinen Ruheraum zurückziehen kann, schläft gut auf der weichen Wiese. Wer keinen Park vor der Tür hat, tut es eben am Schreibtisch. Arme vor der Tastatur verschränken, Kopf darauf abstützen und: Augen zu. Unbequem? Sich einfach im Stuhl zurückzulehnen, funktioniert auch prima. Der Vorteil daran: Im Sitzen wird man meist von allein wieder wach, bevor die Tiefschlafphase eintritt.

Ist Mittagsschlaf für Erwachsene gesund? Auf die Dauer kommt es an

Mittagsschlaf soll gesund sein und wieder fit machen, heißt es immer wieder. Stimmt das wirklich? Ein Experte sagt: Ja – aber auf die Dauer kommt es an.

Mittagsschlaf können sich nur wenige Erwachsene gönnen. Vielleicht hat er auch deswegen den Ruf, gesund zu sein und wieder fit zu machen.

Aber stimmt das wirklich? Ingo Fietze, Leiter des interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité Universitätsmedizin in Berlin hat eine klare Antwort darauf: Natürliche stimme das. Aber Mittagsschlaf sei nur unter bestimmten Voraussetzungen gesund.

Für wen ist Mittagsschlaf gesund?

Grundsätzlich gelte: Mittagsschlaf macht nur die Menschen fit, die sowieso einen gesunden Schlaf haben. Außerdem bringe er nur neue Energie, wenn es in der Nacht zu wenig Schlaf gab – also nicht mehr als sechs Stunden.

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Gesund kann Mittagsschlaf außerdem für die Menschen sein, die unregelmäßig schlafen – beispielsweise weil sie im Schicht-Betrieb arbeiten.

Dauer für den Mittagsschlaf: Wie lange schlafen ist gesund?

Damit Mittagsschlaf gesund ist, gibt es noch eine weitere wichtige Voraussetzung: „Er sollte höchstens 40 Minuten dauern“, sagt Experte Ingo Fietze. Bei einer längeren Dauer beginne die Tiefschlafphase – und dann sei bis zu eine Stunde nötig, um wieder geistig voll da zu sein.

Ein Wecker hilft natürlich dabei, dass der Mittagsschlaf nicht länger als 40 Minuten dauert und gesund ist. Doch Fietze hat auch noch einen anderen Tipp: Wer im Sitzen schlafe, wache automatisch innerhalb dieser Zeitspanne wieder auf.

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, sei der Mittagsschlaf gesund – und bringe Wachheit für die nächsten drei bis vier Stunden. (AZ, dpa)

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Mittagsschlaf: Die perfekte Dauer für mehr Leistungsfähigkeit

Kurzes Nickerchen reicht völlig aus

Um deinem Gehirn an trüben Tagen einen Neustart zu verschaffen, eignet sich nichts besser als ein Nickerchen. Doch wie lange sollte das eigentlich dauern, um die größtmögliche Erholung rauszuholen? Wie Experten im Gespräch mit dem Wall Street Journal zu Protokoll gegeben haben, dauert der optimale Mittagsschlaf zwischen 15 und 20 Minuten. Nach dieser Zeit solltest du wieder mit neuer Energie und Stabilität in den Tag gehen. Konkret gesagt: Nach einem Power-Napping solltest du wieder Energie für die nächsten drei bis vier Stunden haben.

Dauert der Schlaf 25 bis 45 Minuten, fühlst du dich hingegen völlig gerädert, da bereits die Tiefschlafphase des Körpers eingesetzt hatte. Nichtsdestotrotz kann ein Nickerchen von 45 Minuten ebenfalls gute Effekte auf deinen Körper erzielen, wie die Steigerung der sensorisches Verarbeitung und des kreativen Denkens. Ein Schläfchen von etwa 60 Minuten ist gut, um dem Erinnerungsvermögen auf die Sprünge zu helfen. Wer es schafft, 90 Minuten zu schlafen, wird darüber hinaus keine Probleme beim Aufwachen haben, da eine Schlafphase exakt 1,5 Stunden andauert. Nach diesem Zeitraum sind wir nicht zerknautscht, sondern fit und ausgeruht.

Mittagsschlaf: Gut für die Gesundheit

Es gibt Dutzende Studien, die zeigen, dass Power-Napping einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit hat. Eine griechische Untersuchung hat etwa aufgezeigt, dass Erwachsene, die drei Mal pro Woche einen Mittagsschlaf machen, ein 37 Prozent geringeres Risiko haben, an einer Herzerkrankung zu sterben. Andere positive Effekte des Nickerchens: Er reduziert unseren Stress und damit auch das Risiko für einen Schlaganfall, Diabetes oder eine exzessive Gewichtszunahme.

Wann braucht mein Kind keinen Mittagsschlaf mehr?

Die meisten Kinder beginnen um den ersten Geburtstag herum, nicht mehr zweimal am Tag ein Nickerchen zu halten, sondern nur noch einmal mittags zu schlafen. Zwischen zwei und vier Jahren verzichten die meisten Kinder dann auch auf den Mittagsschlaf.
Abgesehen davon ist das Bedürfnis nach Schlaf bei allen Kindern unterschiedlich. Wie viel Schlaf – falls überhaupt – Ihr Kind am Tag benötigt, hängt teilweise davon ab, wie viele Stunden es in der Nacht schläft (obwohl auch viele Kinder Schlaf am Tage brauchen, egal, wie lange sie in der Nacht geschlafen haben).
Aber grob gesprochen ist es für Kinder zwischen einem Jahr und vier Jahren am besten, wenn sie insgesamt 12 bis 14 Stunden innerhalb von 24 Stunden schlafen. (Erfahren Sie mehr darüber, wie viel Schlaf Kinder verschiedener Altersstufen brauchen.)

Wenn Ihr Kind im Kindergartenalter um acht Uhr abends ins Bett geht und bis um acht Uhr morgens schläft, hat es vielleicht die gesamte Erholungsphase, die es braucht. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Ihr Kind nach einigen Wochen oder Monaten ohne Mittagsschlaf plötzlich wieder eine Ruhepause benötigt. Grund kann zum Beispiel sein, dass es eine Veränderung in seiner täglichen Routine gibt oder es im Laufe des Tages aktiver wird, weil es zur Schule geht oder andere herausfordernde Aktivitäten regelmäßig stattfinden.

Wenn Ihr Kind nachts weniger als 12 Stunden Schlaf bekommt, dann wäre es ideal, wenn es tagsüber ein wenig schläft. Aber vielleicht stellen Sie fest, dass es immer schwieriger wird, Ihr Kind zu einem Mittagsschlaf zu überreden. Klein- und Kindergartenkinder sind so sehr damit beschäftigt, ihre Welt zu entdecken, dass sie es ablehnen, irgendetwas um sie herum zu verpassen – selbst wenn sie total erschöpft sind.
Wenn Ihr Kind in der Regel mit Ihnen zusammen tagsüber zu Hause ist, dann versuchen Sie das Mittagsschläfchen in seinem Bett, da es dies schon mit Schlaf verbindet und die Chancen größer sind, dass es einschläft. Wenn es normalerweise im Kindergarten schläft, dann sollten Sie Ihren Tagesablauf am Wochenende darauf abstimmen. Legen Sie es mit demselben Stofftier ins Bett, mit dem es auch gewöhnlich im Kindergarten schläft.
Wenn ein Kind unter vier Jahren sich weigert zu schlafen, sollten Sie zumindest versuchen, jeden Tag eine Ruhephase von ca. 15-30 Minuten durchzusetzen. Sagen Sie Ihrem Kind, dass Kinder nach dem Mittagessen ruhen, damit sie später wieder Energie zum Spielen haben. Erlauben Sie ihm, einige Spielsachen und Bücher auszuwählen, dimmen Sie dann das Licht oder ziehen Sie die Vorhänge zu und verlassen Sie den Raum. Vielleicht hört Ihr Kind in dieser Zeit auch gern eine CD oder ein Hörbuch. Obwohl es sich nicht so erfrischt fühlen wird wie nach einem Nickerchen, hilft die Unterbrechung vom wilden Spiel, Kräfte zu sammeln – und verschafft Ihnen eine kleine Auszeit.
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So individuell Kinder und ihre Bedürfnisse auch sind, geht es um den Mittagsschlaf lässt sich eines bestimmt sagen: Er ist wichtig für alle Kinder, um das Erlebte zu verarbeiten und daraus zu lernen. Außerdem braucht das Kleine ausreichend Schlaf für ein gesundes Wachstum, denn das Wachstumshormon Somatropin wird vor allem im Schlaf ausgeschüttet. Deshalb ist der Mittagsschlag in den ersten Lebensjahren extrem wichtig.

Im Babyalter müssen Eltern sich wenig Gedanken um den Schlaf-Wachrhythmus des Nachwuchses machen. Das Kleine schläft noch sehr viel und wird häufig vom Hunger geweckt, egal ob Tag oder Nacht. Ist das Kind älter und aktiver, können Eltern versuchen, den Schlafrhythmus des Kindes so zu steuern, dass es tagsüber genug Erholung bekommt und trotzdem nachts lange genug schläft. Hier kommen ein paar Tipps von uns.

Wann sollte der Mittagsschlaf stattfinden?

Experten empfehlen, den Nachwuchs immer zur selben Zeit mittags hinzulegen. Ein geregelter Tagesablauf kann dazu beitragen, dass Kids nachts besser schlafen. Der Organismus lernt, sich auf die regelmäßigen Pausen einzustellen. Auch die Eltern profitieren von der Regelmäßigkeit und können so besser planen. Vom Biorhythmus her bietet sich die Zeit zwischen 12 und 14 Uhr für ein Nickerchen an. Nach dem Essen werden auch die Kleinen müde, weil sie Energie für die Verdauung brauchen. Oft werden die Kinder auch am Nachmittag noch mal quengelig – so zeigen sie, dass sie nochmals eine Ruhepause brauchen. Gönnt ihnen diese, achtet nur darauf, dass sie nicht zu spät oder zu lange noch mal schlafen. Damit die Kids abends wieder müde sind, sollten sie nach dem Mittagsschlaf vier Stunden wach sein.

Wie lange soll der Mittagsschlaf dauern?

Wie viel Schlaf der Nachwuchs braucht, ist von Kind zu Kind total unterschiedlich. Als groben Richtwert kann man sagen: Mit einem halben Jahr schlafen Babys noch drei bis vier Stunden über den Tag verteilt. Mit zwei Jahren brauchen Kinder meist noch ein bis zwei Stunden Schlaf zur Mittagszeit. Kindergartenkindern reicht meist ein Nickerchen von 30 bis 60 Minuten. Um rauszufinden, welche Länge für euer Kind angemessen ist, beobachtet es: Wenn euer Kind abends nicht gut einschläft, Probleme beim Durchschlafen hat oder morgens in aller Frühe wach ist, kann es sein, dass es tagsüber zu viel schläft. Dann weckt es mittags einfach etwas früher, schon bald wird sich der Rhythmus des Kindes so umstellen, dass es mit weniger Mittagsschlaf auskommt.

Bis zu welchem Alter brauchen Kinder einen Mittagsschlaf?

Auch dies ist individuell. Manche kommen schon mit zwei Jahren ohne ein Schläfchen durch den Tag. Andere brauchen noch mit vier oder fünf Jahren im Kindergarten eine kleine Auszeit zum Schlafen. Viele Kindergärten bieten Ruhezeiten an für die Kinder, die bis nachmittags bleiben. Manche Kinder schlummern auch wenn sie aus der Schule kommen gerne noch eine Runde, um Energie für den Nachmittag zu tanken. Oft sind auch Veränderungen – wie die Einschulung – Anlass, dass Kinder, die eigentlich den Tag schon „durchmachen“ können, plötzlich wieder ein Schläfchen brauchen. Das ist ein Zeichen, dass sie viele neue Eindrücke verarbeiten müssen. Wenn ihr über einen längeren Zeitraum bemerkt, dass euer Spross mittags nur schwer einschläft oder abends nicht zur üblichen Uhrzeit müde wird, bedeutet das, dass kein Mittagsschlaf mehr benötigt wird – vorausgesetzt das Kind ist alt genug.

Und wenn das Kind nicht schlafen will?

Zumindest bis der Spross in den Kindergarten kommt, sollte auf einen Mittagsschlaf nicht verzichtet werden. Viele Kinder sind aber so lebhaft oder wollen sich nicht vom Spielzeug trennen, dass an schlafen nicht zu denken ist. Wenn ihr regelmäßige Zeiten eingeführt habt, sollte es den Kindern leichter fallen, zur Ruhe zu kommen. Um Schlafmuffel zu unterstützen, könnt euch ein Ritual überlegen, das den Mittagsschlag einleitet. Dunkelt das Zimmer leicht ab, lest eine kleine Geschichte vor oder lasst ein Hörspiel laufen. Hilft das alles nicht, versucht die Zeit für den Mittagsschlaf zu variieren. Vielleicht schläft euer Kind etwas früher oder etwas später besser, als ihr es immer hinlegt. Kann das Kind partout nicht einschlafen, legt es trotzdem für eine halbe Stunde ins Bett und lasst es ein Buch durchblättern oder einem Hörspiel lauschen. So kommt wenigstens der Körper zur Ruhe und ihr zu einer kurze Auszeit.

Noch mehr informative Artikel, z.B. zum Umgang mit der Trotzphase, zur Hausapotheke oder mit Tipps für Eltern von Trennungskindern, findet ihr in unserer Rubrik „Wissen„.

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So wichtig ist der Mittagsschlaf für Kinder

Ein Mittagsschläfchen soll ja Wunder wirken. Stress wird abgebaut, das Gedächtnis gestärkt, das Gewicht langfristig reduziert und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen massiv gesenkt. Es gibt zahlreiche Studien, die das mittägliche Nickerchen befürworten. Das alles gilt in erster Linie für Erwachsene. Doch wie wichtig ist der Mittagsschlaf für Kinder? Und wie wichtig für den Familienfrieden?

Schlafmangel kann schlimme Folgen haben

Der Biorhythmus des Menschen hat mittags ein kleines Tief, das sich ganz wunderbar durch ein Schläfchen wieder ausgleichen lässt. Gerade für kleine Kinder kann diese Pause sehr wichtig sein, um sie vor Überreizung zu schützen. Denn wenn ein Kind zu wenig Schlaf bekommt beziehungsweise dieser nicht ausreichend erholsam ist, dann kann das zu einem Familien-Albtraum werden. Entwicklungs- und Verhaltensstörungen können die Folge sein. Oder positiv formuliert: Der kindliche Schlaf ist eine wichtige und notwendige Voraussetzung für die Ausgeglichenheit und Fröhlichkeit eines Kindes.

Bandbreite ist riesig

Im Grunde sind sich alle Experten auf diesem Gebiet einig: Im Schlaf kann der Input an neuen Eindrücken verarbeitet und sortiert werden. Das heißt, dass das Kind, wenn es mittags ein Nickerchen gemacht hat, danach wieder offen ist für Neues. Die Durchschnittswerte für einen Mittagsschlaf liegen übrigens bei dreieinhalb Stunden für Kinder mit etwa sechs Monaten, zweieinhalb Stunden für Einjährige und eineinhalb Stunden für ein Kind mit etwa zwei Jahren. Wohlgemerkt, die Durchschnittswerte. Denn es gibt Kinder, die sind bereits mit zwei Jahren weit von einem Mittagsschlaf entfernt, es gibt Spezialisten im Powernapping und es gibt die, die sich nach der Schule noch hinlegen. Und alle diese Kinder sind völlig normal.

Der Biorhythmus ist entscheidend

Die Diplom-Psychologin Barbara Schwerdtle ist sozusagen Fachfrau für Kinderschlaf und sie weist deutlich darauf hin, dass immer wieder angegebene Richtwerte gar um Stunden schwanken können. „Klar, der Schlaf ist sehr wichtig für die Entwicklung eines Kindes. Wachstumshormone werden ausgeschüttet und Lerninhalte verarbeitet. Aber man muss das individuell sehen. Die einen Kinder brauchen mehr, die anderen weniger. Und das gilt auch für den Mittagsschlaf“, erklärt sie. „Im Durchschnitt halten Kinder bis zum dritten, vierten Lebensjahr einen Mittagsschlaf und wenn man merkt, sie brauchen das, dann sollte man es ihnen auch nicht nehmen. Zum Schlafen zwingen aber kann man niemanden. Das funktioniert nicht, denn auch Kinder haben einen biologischen Rhythmus, auch bei ihnen gibt es, wie bei uns Erwachsenen, Kurz- und Langschläfer.“

Manchmal kann man ein bisschen tricksen

Hat ein Kleinkind den Mittagsschlaf mal abgeschafft – und das passiert oft ohne große Vorwarnung – dann kann man da wenig machen. Zumindest dann, wenn man den Nachwuchs gerne abends um die gleiche Zeit im Bett haben möchte. Wenn man aber zu den Familien gehört, denen es vielleicht sogar ganz gelegen kommt, wenn das Kleine abends noch ein bisschen länger wach ist – zum Beispiel, weil es dann noch etwas vom Papa hat – dann kann man es mal mit der „Zeitverschiebung“ versuchen. „Es schadet einem Kind nicht, wenn man es mal weckt. Wenn man aber eine längerfristige Änderung herbeiführen möchte, dann sollte man sehr behutsam vorgehen. In Viertelstundenschritten ist es aber bis zu einem gewissen Grad durchaus möglich, das Schlafverhalten dauerhaft ein wenig zu beeinflussen.“

Nicht jedes Schlafproblem ist eine Schlafstörung

Barbara Schwerdtle erforscht an der Uni Würzburg Schlafstörungen bei Kindern. Denn immerhin sind fast 40 Prozent irgendwann im Laufe ihrer Kindheit davon betroffen. Zu ihr und ihren Kollegen kommen Eltern vor allem dann, wenn Kinder Ein- und Durchschlafstörungen haben, wenn sie sich gar ganz weigern, ins Bett zu gehen oder gar nicht alleine einschlafen können. Wobei es sich hier oft um Antrainiertes handelt und man nur dann Hilfe suchen muss, wenn dadurch auch Probleme entstehen, man die Situation wirklich ändern will. „Störung impliziert nämlich in diesem Fall, dass es auch tatsächlich jemanden stört.“ Wer sich also gerne mit hinlegt und die gemeinsame Zeit der Nähe genauso genießt wie das Kind, der darf das auch weiterhin tun. Dem Kinderschlaf schadet es jedenfalls nicht.

Ein Schlaftagebuch kann hilfreich sein

Bei manchen Kindern hat man das Gefühl, sie hätten Angst etwas zu verpassen, wenn sie mitten am Tag ins Bett gehen. Dem kann man ein wenig entgegenarbeiten, indem man für eine gewisse „Langeweile“ um die Schlafenszeit herum sorgt. Zum Beispiel nach dem Mittagessen grundsätzlich Ruhe einkehren lässt. Möchte ein Kind trotzdem keinen Mittagsschlaf mehr machen, leidet es noch lange nicht an einer Schlafstörung. „Man muss den Tag- und Nachtschlaf additiv sehen, die Schlafstunden also zusammengezählt betrachten“, erklärt die Schlafforscherin. Im Umkehrschluss heißt das: Nimmt man einen Teil des Schlafes in der Nacht weg, dann wird das Kind sich die Erholung tagsüber wieder zurückholen – über kurz oder lang. Es kann nämlich durchaus ein paar Tage dauern, bis sich alles neu eingespielt hat. Was häufig mit einer ganzen Menge Gequengel einhergeht. „Man sollte einfach möglichst genau darauf achten, wie viel Schlaf das Kind braucht, um ausgeglichen zu sein und wann es ausgeschlafen ist. Eltern, die unsicher sind, ob ihr Kind genug schläft, würde ich empfehlen, den Schlaf und die entsprechende Stimmung mal eine Woche lang aufzuschreiben und so mehr Überblick zu bekommen.“

Kinder lieben feste Rhythmen

Besonders gelegen kommt Kindern ein geregelter Tagesablauf. Er macht es ihnen einfacher, auch mittags zur Ruhe zu kommen und zu akzeptieren, dass jetzt Schlafenszeit ist. Allerdings sollte man das mit dem geregelten Tagesablauf nicht allzu ernst und verbissen sehen. „Wir Menschen brauchen gewisse Rhythmen, aber ein bisschen flexibel darf man ruhig sein“, beruhigt Barbara Schwerdtle besorgte Eltern. „Den Kinderschlaf muss man nicht mit der Stoppuhr messen.“ Denn wenn man sich selbst beziehungsweise die ganze Familie einschränkt, nur weil jetzt und zwar genau jetzt Schlafenszeit des kleinsten Familienmitglieds ist, dann verliert man viel an Flexibilität. „Eine Stunde Abweichung kann ein Kind ganz gut verkraften.“

Verschiebt sich alles mal etwas mehr, zum Beispiel aufgrund einer längeren Reise, eines Besuches, einer Erledigung oder einer außergewöhnlichen Unternehmung, dann verzeiht auch das der Kinderschlaf schnell und pendelt sich oft bereits am nächsten Tag wieder ein. „Wenn man weiß, dass man ein Kind hat, das auf solche Zeitverschiebungen sehr sensibel reagiert, dann sollte man einfach darauf achten, dass an den nächsten Tagen alles wieder seinen geregelten Gang geht.“ Eltern, die gerne viel unternehmen, können das Kind auch von Anfang an daran gewöhnen, mittags im Kinderwagen zu schlafen. Wenn man aber bei einem Regentag lieber den Haushalt machen möchte, während das Kind ruht, dann wird man sich etwas einfallen lassen müssen.

Die Ruhepause für sich nutzen

Viele Frauen haben, vor allem wenn sie mehrere Kinder haben und möglicherweise zusätzlich arbeiten, wenig innere Ruhe. Schließlich ist so ein Tag immer zu kurz. Schläft ein Kind über Mittag ein, dann verführt das also regelrecht dazu, schnell noch dies oder das zu machen statt sich ebenfalls ein wenig hinzulegen und von den Vorteilen eines Mittagsschlafs zu profitieren. Das geht nicht immer, aber immerhin manchmal. Und genau dann sollte man nicht noch schnell die Steuer machen oder den Boden wischen, denn das kann warten. Ab aufs Sofa! Das dankt nicht nur die Gesundheit, das danken auch die Nerven.

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