Mithilfe im haushalt

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„Kinderarbeit ist verboten!“, mault der Teenager, als er die Spülmaschine ausräumen soll. Eltern kennen das: den Nachwuchs zu bewegen, sich an der Hausarbeit zu beteiligen, ist eine schwierige Sache.

Doch werden Heranwachsende im elterlichen Haushalt wirklich vom Gesetz vor Arbeit geschützt? Im Gegenteil.

Können Kinder mithelfen?

Kinder können nicht nur mit Hausarbeiten betraut werden – sie sollen mithelfen und sind eigentlich sogar per Gesetz dazu verpflichtet.

Wenn Ihr Spross mal wieder denkt, er sei bei Ihnen VIP-Gast im Hotel Mama oder Papa, können Sie ihm getrost das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) unter die Nase halten.

► In Paragraf 1619, das Dienstleistungen in Haus und Geschäft regelt, steht:

„Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.“

Tipp: Damit können Sie Ihre Position im Streit um lästige Hausarbeit untermauern. Dass man in Deutschland trotzdem kaum einen Richter finden wird, der Ihr Kind zum täglichen Staubsaugen verurteilt, müssen Sie ja nicht sofort verraten.

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Was ist mit dem Verbot von Kinderarbeit?

Das strikte Verbot, Kinder zu beschäftigen, hat mit der Hausarbeit nichts zu tun.

▶︎ Im Gegenteil: Das Jugend-Arbeitsschutzgesetz gilt ausdrücklich „nicht für die Beschäftigung durch die Personensorgeberechtigten im Familienhaushalt.“

Neben Eltern können also auch Vormünder oder andere Sorgeberechtigte sagen, wo und wie der Nachwuchs mitarbeiten soll.

Info: Die strengen Vorschriften, wie Jugendliche zu beschäftigen sind, haben gerade dort Ausnahmen, wo es nötig ist, dass der Nachwuchs in einem Familienunternehmen mitarbeitet.

Die Macht ist also mit Ihnen, wenn die Teenies mal wieder nichts machen wollen. Es durchzusetzen, bleibt aber Ihre Erziehungsaufgabe.

Müssen Kinder und Jugend­liche im Haushalt helfen?

Kleinen Kindern macht es oft Spaß, sich nützlich zu machen und ihren Eltern bei der Hausarbeit zu helfen. Aber das lässt nach, wenn die Kinder älter werden. Daher gehören Strei­te­reien zwischen Eltern und Teenagern zum Beispiel über deren unaufgeräumtes Zimmer wohl zu den häufigsten Konflikten in Familien. Aller­dings lassen sich viele Mütter und Väter davon nicht abhalten, ihren Kindern Aufgaben im Haushalt zu geben.

Im Haushalt helfen: Was ist die Dienst­leis­tungs­pflicht von Kindern und Jugend­lichen?

Das Recht bestätigt dieses elterliche Verhalten. So legt der kaum bekannte und für viele überraschende § 1619 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) fest, dass Kinder dazu verpflichtet sind, ihren Eltern zu helfen.

Solange ein Kind bei seinen Eltern wohnt und von ihnen unterhalten wird, muss das Kind „in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste“ leisten, heißt es in dem kurzen Paragraphen.

Das schließt nicht nur die Pflicht des Kindes ein, seinen Eltern im Haushalt zu helfen, sondern auch im Geschäft, in der Gaststätte oder dem Bauernhof. Dazu verpflichtet ist jedes Kind, das noch zu Hause wohnt – selbst wenn es volljährig oder verhei­ratet ist. Erst wenn ein Kind von zu Hause auszieht, endet diese Pflicht.

Wie viele Stunden muss ein Kind oder ein Jugend­licher im Haushalt helfen?

Das BGB sagt nichts darüber aus, wie lange Kinder und Jugendliche etwa im Haushalt helfen sollen, es gibt keine verbindlichen Regeln. „Am besten ist es, wenn man solche Fragen in der Familie aushandelt“, sagt der Rechtsanwalt Burkhard Bühre von der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). „Der zeitliche Umfang der Mithilfe hängt etwa vom Alter des Kindes, seinem Gesundheitszustand und von seiner körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit ab. “

Für einen 14jährigen kann es angemessen sein, bis zu sieben Stunden in der Woche im Haushalt zu helfen. Die Stundenzahl kann sich erhöhen, wenn die Eltern krank oder berufstätig sind.

Allerdings muss man beachten: Die Mithilfe im Haushalt darf nicht dazu führen, dass einem Kind keine Zeit mehr bleibt, um seine Hausaufgaben zu erledigen, für Klassenarbeiten zu lernen oder seinen Hobbys nachzugehen. Von der Pflicht zur Mithilfe befreit sind ohnehin zum größten Teil Jugendliche, die etwa eine Ausbildung absolvieren.

Wann dürfen Kinder und Jugend­liche nicht im Haushalt helfen?

Darüber hinaus gibt es weitere Grenzen für die Mithilfe von Kindern und Jugendlichen im Haushalt. Diese Grenzen zeigen sich vor allem beim Einkaufen, denn Kinder sind bis zum 18. Lebensjahr nur beschränkt geschäftsfähig. Zwar können sie bereits ab dem 7. Lebensjahr kleinere Einkäufe tätigen, größere aber nicht unbedingt.

Und bei Alkohol und Tabak ist die Gesetzeslage eindeutig: „Das Jugendschutzgesetz verbietet es, Tabak an Kinder unter 18 Jahre zu verkaufen“, sagt der Oldenburger Familienrechtsexperte Burkhard Bühre. „Das gilt auch für Hochprozentiges wie Spirituosen.“ Bier, Wein, Sekt oder Mischgetränke dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren weder kaufen noch konsumieren.

Wie grenzt sich die Mithilfe im Haushalt vom Arbeits­verbot für Kinder ab?

Die Mithilfe im Haushalt nach § 1619 des BGB widerspricht nicht dem grundsätzlichen Verbot der Kinderarbeit, die in § 5 des Jugendarbeitsschutzgesetzes verankert ist. Dieses Verbot bezieht sich nur auf arbeitsrechtliche Dienstverhältnisse.

In beson­deren Fällen kann aber die Mithilfe von Kindern und Jugend­lichen in bestimmten Arten von Gaststätten mit dem Jugend­ar­beits­schutz­gesetz kolli­dieren.

Müssen Kinder und Jugend­liche für ihre Mithilfe im Haushalt bezahlt werden?

Trotz der im BGB festgeschriebenen Pflicht eines Kindes, im Haushalt zu helfen, können Eltern ihr Kind rechtlich nicht dazu zwingen. Zumindest ist dies nicht etwa über den gerichtlichen Weg möglich, was ohnehin kein Elternteil tun würde. Umgekehrt können Kinder nicht auf Geld für ihre Hilfe pochen. „Eltern müssen ihre Kinder nicht entlohnen, wenn diese im Haushalt helfen“, sagt Bühre. Denn die Hilfe des Kindes gleicht sich mit dem Unterhalt und den Sachmitteln der Eltern aus.

Ach, es lebe der Muttertag! Es ist der einzige offizielle Tag im Jahr, an dem man endlich mal angemessen beklatscht wird fürs Kochen, Einkaufstüten schleppen, Bad schrubben, Schokolade vom Sofa wischen, Buntwäsche aufhängen, Schuhe putzen, Mützen stricken, Kuchen fürs Schulfest backen. Und wenn man besonders emsig war, bekommt man von seinen Kindern einen hübschen Gutschein mit großer Ankündigung überreicht: „Einmal Geschirrspüler ausräumen.“

Ein Gesetz verpflichtet Kinder zur Hausarbeit

Ob sie wohl wissen, dass sie gesetzlich zur regelmäßigen Hausarbeit verpflichtet sind? Im Paragraf 1619 BGB steht wörtlich: „Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leiten.“ Hm, und wenn die Kleinen gegen das Gesetz verstoßen? Man könnte ja mal darüber nachdenken, einen Anwalt einzuschalten. Sozialpädagogin und Bloggerin Stefanie Wenzlick hat allerdings eine bessere Idee…

Hintergrund

Erschöpfte Mamas An diesen 10 Warnsignalen erkennt man Burnout Sagen wir doch einfach mal, wie es ist: Mama sein, ist manchmal ein echter Knochenjob! Was dazu führt, „dass immer mehr Frauen völlig erschöpft sind und unter Burnout leiden“, sagt Helen Heinemann, Leiterin des Institutes für Burnout-Prävention. Dabei sagen uns Körper und Seele ziemlich eindeutig, wenn alles zu viel wird…

Wie bringen wir unsere Kinder bloß dazu, regelmäßig im Haushalt zu helfen?

In Familien, in denen viele Personen unter einem Dach leben und es viele Termine gibt, kann ein Haushaltsplan hilfreich sein. Er umfasst alle Aufgaben, die erledigt und untereinander aufgeteilt werden müssen, wie der zeitliche Rahmen aussieht und unter welchen Umständen Arbeit aufgeschoben werden kann. Ganz wichtig dabei ist, die Kinder mitentscheiden zu lassen. Wenn Eltern bestimmen, wer was zu erledigen hat, stoßen sie nur auf Gegenwehr.

Naja, freiwillig wird kaum ein Kind zum Staubsauger greifen …

Vermutlich nicht, aber Vorwürfe sind alles andere als motivierend. Mütter sollten stattdessen eine Ich-Botschaft formulieren und klarmachen, dass sie entlastet werden möchten, um mehr Zeit für sich und die Familie zu haben.

Das klingt so einfach. Aber machen wir am Ende nicht doch wieder alles selbst?

Ja, weil wir denken: Was soll’s, ein paar routinierte Handgriffe, und die Ordnung ist wieder hergestellt. Aber das ist nur kurzfristig die einfachste Lösung. Es ist ganz wichtig, dass Kinder im Haushalt gewisse Pflichten übernehmen. Bei der Umsetzung ist Konsequenz nötig. Das heißt nicht, dass man meckern soll, wenn die Arbeit noch nicht erledigt ist. Aber Eltern dürfen schon freundlich lästig fallen. Nur so lernen die Kinder Selbstständigkeit, ihre Sachen zu organisieren und ihren Beitrag für die Familiengemeinschaft zu leisten.

Welche Aufgaben können wir unseren Kindern zumuten?

Das hängt natürlich vom Alter ab. Gerade kleine Kinder zwischen drei und sechs Jahren haben Spaß daran zu helfen. Wenn sie den Tisch abräumen, ein bisschen Staub wischen, Mama dabei helfen, die Wäsche in die Waschmaschine zu stopfen, fühlen sie sich wertvoll für die ganze Familie. Das fördert ihre Selbstständigkeit und den Gemeinschaftssinn. So wird das Mithelfen zur Basis für das Wir-Gefühl in der Familie und dafür, dass Kinder auch als Teenager ganz selbstverständlich Aufgaben Haushalt übernehmen. Auch zwischen den Geschlechtern sollte man keinen Unterschied machen: Warum soll ein Mädchen nicht wissen, wie man einen Akkuschrauber bedient und ein Junge, wie die Waschmaschine funktioniert?

Chaos im Kinderzimmer So lernen Kinder aufräumen! Nie mehr Unordnung im Kinderzimmer? Es soll da ein paar gute Tricks und Strategien geben, die unseren kleinen Chaoten das Aufräumen erleichtern. Glaubt Ihr nicht? Wir auch nicht. Aber wir stehen nun mal auf Regeln…

Gerade Teenager stehen häufig unter Dauerstress. Sollen sie dann auch noch saugen, spülen, Wäsche waschen?

Es muss natürlich alles in einem gesunden Verhältnis stehen. Bei der Aufgabenverteilung darf niemand unfair behandelt oder überfordert werden. Junge Menschen sind oft schon ausgelastet mit Schule, Sport und Freunden. Und es gibt natürlich auch Phasen, in denen alles andere wichtiger ist, als die Treppe zu wischen. Aber wer seine Kinder von der Hausarbeit verschont, muss sich nicht wundern, wenn sie sich dann benehmen wie im Hotel.

Wenn Kinder ihre Arbeit nicht soooo gut erledigen, wie wir es erwarten – dürfen wir nachputzen?

Das ist keine gute Idee, denn nichts ist demotivierender. Lieber mal ein Auge zudrücken und gelassen bleiben. Das schadet auch den Müttern nicht.

Darf man Kinder und Jugendliche für ihre Leistungen im Haushalt bezahlen?

Kleinere Aufgaben sollten sie ohne Gegenleistung erledigen. Es geht ja schließlich darum, die Familiengemeinschaft zu unterstützen. Aber in Ausnahmefällen kann man verhandeln. Wenn sich Tochter oder Sohn einen Wunsch erfüllen möchten, übernehmen sie eben mal eine größere Aufgabe und bessern so ihr Taschengeld auf. Belohnung kann aber auch ganz anders aussehen: ein Ausflug, eine Zeitschrift oder eine Extra-Vorlesestunde.

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Jugendliche müssen bei der Hausarbeit helfen

Kleine Kinder helfen noch gern bei der Hausarbeit. Bei Jugendlichen sieht es schon anders aus. Was viele nicht wissen: Kinder und Jugendliche sind gesetzlich zur Mithilfe im Haushalt verpflichtet. Erziehungsberater geben Tipps, wie Eltern ihre Kinder zum Anpacken bewegen und welcher Aufgaben zumutbar sind.

„Kinderarbeit ist verboten!“, grinst der 14-jährige Roman seiner Mutter frech ins Gesicht, als diese ihn dazu auffordert, den Tisch abzuräumen. Doch damit kommt er nicht weit, denn Andrea kennt sich aus mit den Gesetzen. Das Jugendarbeitsschutzgesetz verbietet zwar die Kinderarbeit, erlaubt aber ausdrücklich „die Beschäftigung durch die Personensorgeberechtigten im Familienhaushalt“.

Ältere Kinder dürfen mehr

Ab der Grundschule ist es realistisch, dass Kinder kleine Aufgaben im Haushalt übernehmen. Dazu gehören Dinge wie Müll entsorgen, den Tisch abräumen oder den Boden im Kinderzimmer für das Staubsaugen zu entrümpeln. „Am besten spricht man die Aufgabenverteilung in der Familie ab und fragt das Kind, welche es übernehmen würde“, rät Maria Große Perdekamp, Leiterin der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke).

Je älter die Kinder sind, desto größer wird das Spektrum: Tätigkeiten in Haushalt und Garten, Botengänge, die Betreuung von Kindern oder Senioren sowie Einkaufstätigkeiten sind ihnen zuzumuten.

Ab 14 sind sieben Stunden pro Woche angemessen

Das Bürgerliche Gesetzbuch (§1619 BGB) sieht das Mithelfen gar als Gegenleistung für den Erziehungsauftrag und das Dach über dem Kopf. Dass man den Nachwuchs dabei nicht zum Aschenputtel macht, versteht sich von selbst und auch der Entwicklungsstand und die Kräfte des Kindes müssen von den Eltern berücksichtigt werden. Nach Vollendung des 14. Lebensjahres betrachtet der Bundesgerichtshof sieben Stunden Mithilfe im Haushalt pro Woche als angemessen. Ist jemand krank, besteht ein Notfall oder müssen beide Eltern voll arbeiten, dann kann sich die Stundenzahl noch erhöhen.

Mit seiner persönlichen Haushaltshilfe darf man aber auch einen Jugendlichen nicht verwechseln. Fühlt dieser sich ausgenutzt, so steht ihm nämlich der Gang zum Jugendamt offen.

Es muss nicht immer Geld zur Belohnung sein

Roman entscheidet sich dann doch lieber murrend fürs Tisch abräumen, versucht es aber noch auf einem anderen Weg: „Moritz bekommt immer Geld, wenn er mithilft. Das könnten wir doch auch mal einführen?“ Seine Mutter ist davon nicht begeistert. Sie bekommt ja auch kein Geld dafür, wenn sie seine Sportsocken wäscht.

Ob man Kindern und Jugendlichen Leistungen im Haushalt bezahlen sollte oder nicht, darüber scheiden sich die Geister. Es gibt zahlreiche Varianten: Die einen zahlen kleine Beträge für die Hilfe und geben dafür kein Taschengeld. Die anderen erwarten kleine Arbeiten wie Tischabräumen und entlohnen Zusatzaufgaben wie Autowaschen.

Weitere entscheiden sich für eine Putzfrau, zu deren Bezahlung Jugendliche seinen Teil beitragen muss. Die Variante, außergewöhnliche Arbeiten mit Außergewöhnlichem zu belohnen, wird von Erziehungsberatern als „pädagogisch wertvoll“ empfohlen. Zur Belohnung muss es nicht immer Geld geben, denkbar sind auch ein Ausflug, eine Zeitschrift oder für die Kleinen eine Extra-Vorlesestunde.

„Wenn man als Jugendlicher wie ein Erwachsener behandelt werden will, dann sollte man sich auch wie einer benehmen“, findet Norbert, Vater von zwei Söhnen und einer Tochter. „Dazu gehört für mich, ein paar kleinere Aufgaben im Haushalt zu übernehmen – ohne monetäre Gegenleistung.“ Zwischen den Geschlechtern macht er keinen Unterschied: „Ich finde es einfach wichtig, dass Theresa auch einen Nagel in die Wand schlagen kann und die Jungs die Funktionen der Waschmaschine kennen.“

Die Schule darf nicht zu kurz kommen

Eleonore meint dagegen: „Ein bisschen mithelfen ist okay, mal den Tisch abräumen oder so, aber eigentlich finde ich, dass die Kids von heute genug zu tun haben. Wenn ich mir das Schulpensum meiner Großen anschau, das entspricht doch einer 40-Stunden-Woche. Ich finde, sie sollte ihre Freizeit lieber mit Sport und Freunden verbringen. Putzen muss sie doch noch früh genug!“

Jugendliche haben bei der Mithilfe im Haushalt nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. Wenn die familiären Aufgaben ihren schulischen Erfolg verhindern, etwa weil kaum Zeit für das Lernen bleibt, sind sie nicht zulässig. Denn der Schulbesuch sollte analog zum Jugendarbeitsschutzgesetz auch bei Familienarbeit als geschützt gesehen werden, erklärt Gerd Engels von der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ). Auch häusliche Arbeit vor und während der Schulzeit sei demnach verboten.

Hauptanteil der Hausarbeit sollte bei Eltern liegen

Zwischen Pflichten im Haushalt und Freizeit muss ein passender Mittelweg gefunden werden. Grundsätzlich sollten sich Jugendliche angemessen beteiligen. „Zwei Drittel des Zeitkontingents sollten aber die Eltern übernehmen“, sagt Klaus Neumann, Psychologe aus München.

Aber es ist auch nicht sinnvoll, die Kinder vor der Hausarbeit zu verschonen. Denise musste zu Hause nie mithelfen und bereut es jetzt: „Es ist mir nicht bekommen. Ich habe echt ein Problem, Ordnung zu machen und sie auch beizubehalten.“

Das Elternhaus: Hotel oder Zuhause?

Letztendlich muss jede Familie für sich entscheiden, wie der Haushalt gehandhabt wird. „Es gibt nur selten Grund, die tägliche Praxis zu verändern, wenn die Erwachsenen fröhlich und zufrieden sind – unabhängig davon, was wir Experten meinen oder schreiben“, sagt dazu der Familientherapeut Jesper Juul. Er wundert sich aber über Eltern, die sich beklagen, ihre Kinder benähmen wie in einem Hotel. „Meine – zugegeben – ein wenig schroffe Antwort lautet meistens, dass Jugendliche dies in der Regel tun, wenn ihre Eltern ihnen auch nicht mehr angeboten haben, als ein Hotel seinen Gästen anbietet, nämlich guten Service.“

Helfen heißt nicht nur putzen

Kleine Aufgaben in der Familie haben eine große Bedeutung: Es tut jedem Menschen gut, wenn er etwas für die Gemeinschaft tun kann und merkt, dass er gebraucht wird. Das muss nicht heißen, dass jedes Kind spült oder Waschbecken putzt. „Meine Tochter kann Hausarbeit überhaupt nicht leiden. Aber sie passt gerne auf ihre kleineren Geschwister auf, spielt mit ihnen oder erklärt ihnen die Hausaufgaben. Auch geht sie immer klaglos einkaufen, wenn ich Kleinigkeiten vergessen habe“, freut sich Eleonore.

Wenn Kinder auf die jüngeren Geschwister aufpassen müssen, ist das grundsätzlich okay. Eltern haben aber nach wie vor für alle Kinder die Fürsorgepflicht. Wenn sich Jugendliche vom Babysitten überfordert fühlen, muss das offen besprochen werden.

Kindern feste Aufgaben zuteilen

Am sinnvollsten ist, gemeinsam zu überlegen, welche Aufgaben das Kind übernehmen kann und möchte, wie der zeitliche Rahmen aussieht und unter welchen Umständen Arbeit aufgeschoben werden kann. Bei der Umsetzung ist Konsequenz nötig. Ist eine Absprache für einen nicht mehr in Ordnung, dann muss neu verhandelt werden. Bindet man das Kind bereits wenn es klein ist in altersgerechte Aufgaben ein, wird es später ganz selbstverständlich seinen Teil zum Familienhaushalt beitragen.

Trotzdem darf man sich nicht darauf verlassen, denn es gibt bei fast allen Jugendlichen eine Zeit, in der alles andere wichtiger ist als das Wischen einer Treppe oder das Leeren des Mülleimers. Teenager befinden sich in einer Phase der Selbstfindung. Hinter Provokation versteckt sich das Austesten von Grenzen, hinter frechen Sprüchen Unsicherheit. Aber wenn Eltern sowieso schon gereizt sind, fallen schnell die falschen Worte. Besser ist es, sich kurz zurückzuziehen und das Thema später noch einmal anzusprechen.

Wer ernst genommen werden will, muss auch andere ernst nehmen

Wutausbrüche und Strafen haben selten Erfolg. Natürlich kann man Kinder und Jugendliche mit dem Resultat ihres Verhaltens konfrontieren. Man kann ihnen abends das Essen auf dem zurückgebliebenen Teller vom Mittag servieren, den stinkenden Abfalleimer ins Zimmer stellen oder darauf verzichten, ihnen saubere Wäsche in den Schrank zu räumen.

Aber letztendlich muss man sich klarmachen: Ein Machtkampf wird nichts bringen. Man wird ihn langfristig verlieren, selbst wenn man mal eine Schlacht gewinnt. Besser ist es, sich gesprächsbereit zu zeigen, einen sachlichen Ton anzuschlagen und zu signalisieren, dass man den Jugendlichen ernst nimmt und ihm zuhört. Gleiches aber auch von ihm erwartet. Dass beim Ausführen der Arbeit gemault wird, ist oft unumgänglich. Hier sollte man auf Durchzug schalten und auf keinen Fall das Gemosere damit belohnen, dass man dem Nachwuchs die übertragene Aufgabe einfach so abnimmt.

Eltern müssen es aushalten, wenn es länger dauert

Oft passiert es, dass Kinder die Aufgaben nicht dann erledigen, wenn Eltern es für nötig halten, oder viel länger dafür brauchen. „Es ist dann aber kontraproduktiv, wenn Eltern die Dinge wieder an sich reißen“, warnt Große Perdekamp. An Kinder sende das eine widersprüchliche Botschaft. Das heißt: Eltern müssen es aushalten, dass Geschirr einmal stehenbleibt oder rund ums Spülbecken alles unter Wasser steht. Beim Aufteilen der Hausarbeit sei ja nicht Ziel, dass Kinder die Aufgaben genauso schnell erledigten wie die Eltern. „Sie sollen lernen: Familie ist eine Gemeinschaft, zu der jeder etwas beiträgt.“

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Pubertät: So helfen Pubertierende im Haushalt!

Das Thema „Mithilfe im Haushalt“ stellt sich aus der Sicht der Eltern bzw. der Mütter durchaus anders dar als aus der Sicht ihrer Kinder:

Sichtweisen auf Mitarbeit im Haushalt in der Pubertät

Die „mütterliche“ Perspektive

Es wäre zum „Heulen“, erzählt Roswitha M., „meine beiden Söhne sind einfach nicht bereit, im Haushalt mitzuhelfen.“ Die würden sich von vorne bis hinten bedienen lassen: „Die benehmen sich, als ob sie im Schlaraffenland leben.“

Eine andere Mutter, Annika S., nickt heftig, als sie die Klagen hört: „Bei meiner Tochter ist das ähnlich. Sie macht nichts, nur dann, wenn ich drohe.“ Aber dann käme sie sich auch absolut blöd vor, „und als Versagerin“.

Frauke M., Mutter von drei pubertierenden Kindern, lacht schrill auf: „Ich mach das alles allein. Ich beklage mich nicht mehr. Was soll’s. Ich denke schon, dass das eine Niederlage ist. Aber so habe ich meine Ruhe.“

Die Sicht der heranwachsenden Kinder

Die 13-jährige Juliane erzählt: „Da sitze ich in meinem Zimmer, meine Mutter kommt reingestürmt und meint mit weinerlicher Stimme und tieftraurigem Gesicht, ich könne doch jetzt mal beim Tischabräumen helfen. Diese Weinerlichkeit, die kotzt mich an.“

Ihm ginge es genauso, bemerkt der gleichaltrige Tom: „Mal soll ich helfen, mal nicht, weil’s meiner Mutter nicht schnell genug geht. Ich weiß häufig nicht, woran ich bin.“

Welche Aufgaben Kinder ab welchem Alter im Haushalt übernehmen können

Letztes Update: 25.03.2019

So lange Kinder klein sind, können sie bekanntlich gar nicht genug davon bekommen, Mama oder Papa im Haushalt zu helfen. Welche Aufgaben Kinder ab welchem Alter im Haushalt übernehmen können, darüber gibt es innerhalb der Familie zahlreiche Diskussionen. Wann sind Kinder unterfordert? Wann sind sie überfordert? Die nachfolgende Auflistung hilft, herauszufinden, welche Tätigkeiten Kinder in welchem Alter lernen und können sollten.

Aufgaben für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren

Ab dem Alter von drei Jahren sollten Eltern damit beginnen, ihr Kind zur Selbstständigkeit zu erziehen. Denn spätestens, wenn es in den Kindergarten kommt, werden einige Dinge vorausgesetzt. Zwischen drei und sechs Jahren heißt es also, die Kinder darin zu unterstützen, dass sie sich selbst an- und auskleiden können. Das Schleifen binden an Schuhen gehört auch dazu, ist bei Dreijährigen aber mit Sicherheit noch ein wenig verfrüht.

Zudem sollten die Kids jetzt lernen, sich selbst zu waschen, beginnend mit den Händen und dem eigenen Gesicht. Und natürlich Zähne putzen nicht vergessen, selbst wenn diese dann noch einmal von Mama oder Papa kontrolliert beziehungsweise nachgeputzt werden.

Sein Zimmer aufzuräumen, gehört ebenfalls zu den Dingen, die schon Dreijährige hervorragend leisten können. Das wird zwar noch nicht ganz allein funktionieren, aber immerhin mit Hilfe der Eltern oder der Geschwister. Denn auch im Kindergarten müssen die Bauklötze den Weg zurück in die Spielkiste finden.

In der Küche können 3- bis 6-Jährige ihren Eltern zur Hand gehen. Sie können dabei helfen, den Tisch zu decken und wieder abzuräumen, vielleicht sogar dabei, mit Mama oder Papa gemeinsam zu kochen.

Und im Garten sind schon Dreijährige hervorragend darin, die Blumen zu begießen und Unkraut zu zupfen. Aber Achtung, behalten Sie ein Auge darauf, dass ihr kleines Kräuterbeet nicht als Unkraut deklariert wird.

Die älteren Kids sollten in diesem Alter dabei helfen können, Blätter zusammenzufegen oder im Haushalt einige Zimmer durchzukehren. Den Esstisch mit einem Lappen abzuwaschen oder ein wenig Staub zu putzen. Das können Sechsjährige bei so viel Übung dann im Anschluss mit Leichtigkeit. Fördern und fordern Sie Ihr Kind, denn schon die Kleinsten wollen sich beweisen und Mama und Papa zeigen, wie groß sie schon sind.

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Aufgaben für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren

Kinder, die das Grundschulalter erreicht haben, sollten nun lernen, die Eigenverantwortung für ihr Kinderzimmer zu übernehmen. Dazu gehört selbstverständlich das alleinige Aufräumen, aber auch das Staub wischen, das Fegen oder Saugen, das eigene Bett zu machen. Am besten sogar noch morgens vor der Schule.

Ferner können und sollten ihnen zwischen sechs und zehn Jahren kleinere, aber feststehende Aufgaben übertragen werden. Zum Beispiel beim Abtrocknen zu helfen, den Geschirrspüler ein- und auszuräumen oder den Müll hinaus zu bringen. Wer früh ein Kind haben möchte, das selbstständig agieren kann, sollte das Alter, in dem Kinder noch gerne und spielerisch lernen, ebenfalls dazu nutzen, ihnen einfache Hausarbeiten beizubringen.

Dazu zählen Schuhe putzen und Knöpfe annähen, Wäsche falten und sie ordentlich in den Kleiderschrank räumen, aber auch erste Einweisungen in die Kunst des Kochens. Einfache Gerichte, die nicht vieler Zutaten bedürfen wie beispielsweise ein Pudding, Nudeln oder auch Pfannkuchen sind für die ersten Übungen perfekt.

Leben Haustiere mit im Haushalt sollten auch diese in die Übungen einbezogen werden. Schon 6- und 7-Jährige können ein Katzenklo sauber machen, mit acht Jahren können sie auch eigenständige kleine Runden mit dem Hund drehen. Auch das Erledigen von kleineren Einkäufen, sofern die nächste Einkaufsmöglichkeit nicht allzu weit entfernt ist, kann von acht bis zehn Jährigen eigenständig übernommen werden.

Heranwachsende zwischen 10 und 16 Jahren

Heranwachsende neigen dazu, wie Erwachsene behandelt werden zu wollen. Dazu gehört jedoch auch, sich wie solche verhalten und seinen Beitrag zum Haushalt leisten zu können. Wenn Sie Ihrem 16-jährigen Kind noch immer das Frühstück vor der Schule zubereiten, dann sind Sie selbst Schuld.

Denn Kinder zwischen 10 und 16 Jahren sollten sich mittlerweile zwischenzeitlich eigenverantwortlich um das Frühstück oder das Abendessen kümmern können – insbesondere dann, wenn es keine warmen Speisen zum Abendessen gibt. Deshalb sind sie vom Kochen aber noch nicht gänzlich befreit.

So könnten Sie einrichten, dass Ihr Kind Sie und Ihre Familie einmal in der Woche mit einem leckeren Mittagessen verwöhnt. Zu Beginn beziehungsweise in jüngeren Jahren natürlich noch gemeinsam mit Mamas oder Papas Hilfe, mit zunehmendem Alter dann jedoch auch komplett allein.

Auch das Backen lernen gehört selbstverständlich dazu. Jungen und Mädchen gleichermaßen sollten darin gefördert werden, auch die weniger amüsanten Aufgaben des Haushalts kennenzulernen sowie zu erlernen.

Was Sie ihnen beibringen sollten bevor sie das Nest verlassen

Ein 16-Jähriger, der nicht weiß, wie die Waschmaschine oder der Trockner funktioniert, aber großartig tönt, dass er in zwei Jahren eh ausziehen wird, wird es nicht gerade leicht haben. Deswegen sollten Sie es nicht versäumen, Ihrem Kind jetzt beizubringen, wie Wäsche sortiert, gewaschen, getrocknet und gebügelt wird.

Und wenn Sie schon einmal dabei sind, zeigen Sie ihm oder ihr auch gleich noch, wie das Betten beziehen funktioniert. Und dann heißt es nur noch eine faire Regelung zu finden, wer sich wann um welche Wäsche kümmert. Gleiches gilt auch für Reparaturarbeiten. Ein 16-jähriges Mädchen, das zwar in Perfektion kochen kann, dafür aber nicht weiß, wie eine Glühlampe gewechselt wird, wird es ebenso schwer haben.

Übertragen Sie folglich solche kleineren handwerklichen Arbeiten ab und an dem Nachwuchs, damit er sich erproben und lernen kann. Auch, wenn das Bild vielleicht bei den ersten Versuchen schief hängen wird. Dass Kinder im diesem Alter Einkäufe und Besorgungen machen können, versteht sich von selbst.

Jugendliche über 16 Jahren

Auch wenn gerade Jugendliche nicht selten nur äußerst schwierig dafür zu motivieren sind, die bereits definierten Aufgaben im Haushalt auch weiterhin zu übernehmen, haben sie bis zu ihrem Auszug definitiv noch nicht ausgelernt. Denn je nachdem, ob Ihr Kind eine Ausbildung macht oder weiterhin zur Schule geht, können Sie auch weiterhin erwarten , dass Ihr Kind Ihnen im Haushalt hilft. Denn mittlerweile sollte es alle Tätigkeiten und Aufgaben beherrschen, die im Haushalt so anfallen und anfallen können.

Dazu gehören auch handwerkliche Aufgaben oder Renovierungsarbeiten. Spätestens mit 18 Jahren sollte jedes Kind mindestens einmal beim Tapezieren oder Streichen geholfen haben, damit es weiß, wie diese Arbeiten funktionieren. Kinder, die mit 17 oder 18 Jahren ihren Führerschein von den Eltern finanziert bekommen, sollten sich für so viel Großzügigkeit beispielsweise verpflichten, einmal in der Woche die schweren Einkäufe zu übernehmen. Das beinhaltet eigenständig loszufahren, um diese mit dem Wagen zu transportieren.

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Rechte und Pflichten von Eltern liegen oft nah beieinander. Zwar müssen Mütter und Väter ihr Kind schützen. Doch sie haben auch Rechte ihrem Nachwuchs gegenüber. Schließlich wohnen die Kinder mit ihren Eltern gemeinsam im Haus, nutzen es ebenso wie die Erwachsenen.

Kein Wunder, dass das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) neben Kinderrechten auch Kinderpflichten aufzeigt. Der Anwalt Markus Mingers, Inhaber der Kölner Kanzlei Mingers & Kreuzer, über die Pflichten der Kinder, im Haushalt zu helfen.

Aufräumen, Spülen, Staubsaugen & Co.: Sind Kinder gesetzlich verpflichtet, im Haushalt zu helfen?
Foto: iStock

Haben Kinder gesetzliche Pflichten im Haushalt?

Tatsächlich sieht das Gesetz in § 1619 BGB (Dienstleistungen in Haus und Geschäft) vor, dass Kinder im Haushalt der Eltern helfen – und das ohne Rücksicht auf ihr Alter oder ihren Familienstand. In diesem Gesetz heißt es: „Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.“

Zu solchen Dienstleistungen gehört z.B. den Müll wegzubringen, das Zimmer aufzuräumen, abzuwaschen oder den Tisch zu decken.

Was müssen Eltern bei der Übertragung der Pflichten beachten?

Das Gesetz sieht vor die „Kräfte und Lebensstellung im Hauswesen“ zu beachten. Dabei kommt es in erster Linie auf die Reife des Kindes und ihr Alter an. Bei Volljährigen kommen daher vielfältige Aufgaben in Betracht, wobei die körperlichen und geistigen Fähigkeiten nicht überschritten werden dürfen. Ebenso darf das Recht auf freie Gestaltung der eigenen beruflichen Ausbildung nicht eingeschränkt werden, soll heißen: Bei Kindern haben z.B. die schulischen Aufgaben Vorrang, Hausaufgaben sind wichtiger als Spülen.

Welche Aufgaben dürfen Eltern ihren Kindern konkret geben?

Im Rahmen der elterlichen Sorge nach § 1626 BGB sind Eltern dazu verpflichtet, ihren Kindern Eigenverantwortlichkeit beizubringen. Dazu gehören beispielsweise die eingangs erwähnten Aufgaben – Zimmer aufräumen, Tisch abdecken, abwaschen oder Müll wegbringen.

Für Kinder ab 14 Jahren sind sieben Stunden Hausarbeit pro Woche gemäß einem Urteil des Bundesgerichtshofs angemessen. Jüngeren Kindern dürfen nur entsprechend weniger Aufgaben übertragen werden. Sind die Eltern krank, berufstätig oder alleinerziehend, können sie an ihre Kinder allerdings mehrere Pflichten abgeben.

Können Eltern ihr Kind verklagen, wenn es sich weigert, im Haushalt zu helfen?

Nein. Einklagbar ist dieser „Anspruch“ gegen die Kinder (noch) nicht, denn es fehlt an Umsetzungsfähigkeit. Bei dem nächsten Streit um das Abwaschen kann der § 1619 BGB aber vielleicht als ein überzeugendes Argument dienen. Ein Präzedenzfall steht allerdings noch aus.

Rechtsanwalt Markus Mingers arbeitet seit 2010 mit Jürgen Kreuzer in der Kanzlei Mingers & Kreuzer
Foto: Markus Mingers

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Solange Kinder zuhause wohnen, müssen sie den Eltern im Haushalt helfen. Dafür gibt es sogar ein Gesetz. Der Paragraf 1619 des Bürgerlichen Gesetzbuchs hält die Regeln und Einschränkungen fest. Die Schule geht vor und Schnaps und Zigaretten dürfen Kinder auch dann nicht einkaufen gehen, wenn Eltern das für Hilfe im Haushalt halten. Reden wir aber von realistischen Wünschen der Eltern wie zum Beispiel Aufräumen, beim Kochen helfen oder Müll rausbringen, so ist wichtiger als das Gesetz die Frage, ob Kinder helfen wollen und ob die Eltern das überhaupt wünschen. Schließlich sind nicht alle Kinder gleich und nicht jeder Vater und jede Mutter hat den gleichen Erziehungsstil.

Messer, Gabel, Schere, Licht – für Kinder oder nicht?

Die Bloggerin und Mutter von drei Kindern Patricia Cammarata (sie bloggt auf dasnuf.de ) schrieb zu diesem Thema einen viel diskutierten Artikel mit der Überschrift „Messer, Gabel, Schere, Licht – sind für kleine Kinder“. Ihre Sprösslinge lässt sie im Großen und Ganzen alles im Haushalt machen, was diese wollen. Was mitunter bedeutet, dass es deutlich länger dauert, bis die Wäsche aufgehängt oder Staub gesaugt ist – beziehungsweise bedeutet, dass sie nochmal von vorne anfangen muss. Warum tut sie sich das an? Ist das nicht zeitaufwendig und stressig? „Ja“, bestätigt Patricia, „es kostet mich Nerven, aber mir ist Selbstständigkeit sehr wichtig und ich glaube, dass dieser Ansatz den Kindern Selbstbewusstsein schenkt.“

Es helfen mehr Kinder im Haushalt als man denkt

Haben Kinder und Jugendliche überhaupt Lust auf Tätigkeiten im Haushalt? Tatsächlich ist es für viele selbstverständlich, ihren Eltern zu helfen. Dies ergab eine Umfrage der Zeitschrift „Eltern family“, für die rund 1.800 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 9 und 19 Jahren befragt wurden. Danach bringen 21 Prozent der Kinder regelmäßig den Müll raus, 20 Prozent putzen, 18 Prozent helfen beim Kochen oder Backen. 15 Prozent sind für Gartenarbeiten wie beispielsweise das Rasenmähen verantwortlich. Immerhin 14 Prozent der Kinder kümmern sich eigenverantwortlich um ihre Wäsche, waschen, bügeln und räumen diese wieder in ihre Schränke ein.

Das sind die Argumente der Gegner

Manche Eltern verzichten darauf, ihre Kinder zur Mitarbeit anzuhalten. Oft genannte Gründe sind: 1. kein Interesse, Pläne aufzustellen und bei Verstößen Strafen auszusprechen, 2. Zeitersparnis, wenn man etwas selbst erledigt, 3. Zeitnot der heutigen Kinder, die mit Schule und außerschulischen Aktivitäten zugeplant seien, 4. Angst davor, Kinder könnten sich in Küche oder Garten verletzen.

Thema Sicherheit

Ist es sinnvoll, Vorschulkindern Messer in die Hand zu drücken und sie Gemüse schnibbeln zu lassen? Es kommt natürlich auf das jeweilige Kind an und darauf, was Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter zutrauen. Patricia Cammarata hat großes Vertrauen: „Wenn die Kinder schneiden wollen, bekommen sie scharfe Messer. Das bedeutet auch, dass sie sich alle schon geschnitten haben. Aber wir haben Pflaster und es ist nicht sehr oft passiert und es passiert danach deutlich seltener.“

Hier ist Vorsicht geboten!

Natürlich gibt es auch Bereiche, in denen Sicherheit vorgeht. Ein Kleinkind lässt man nicht mit kochendem Wasser oder heißem Öl hantieren und man drückt ihm auch kein heißes Bügeleisen in die Hand. Verbrühungen und Verbrennungen sind zu folgenschwer, um hier ein Risiko einzugehen und Vorschulkinder können Risiken noch nicht richtig abschätzen. Mit zunehmendem Alter ändert sich das, und Eltern können ihnen anspruchsvollere Aufgaben geben.

Selber machen heißt lernen

Mag ein Schulkind beispielsweise das angebotene Abendessen nicht, warum sollte es nicht die Möglichkeit bekommen, sich selbst eine Alternative zuzubereiten? Wer selbst ein Brot schmiert, Salat wäscht und anmacht oder Bratkartoffeln kocht, schält, brät, weiß, wieviel Arbeit das macht und überlegt zukünftig, ob sich Mäkelei lohnt.

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