Männer mit gestörtem verhältnis zur mutter

Mein Mann ist ein Muttersöhnchen – Kann das gut gehen?

Kann die Beziehung mit einem Muttersöhnchen gut gehen?
Foto: © Jeanette Dietl

Inhaltsverzeichnis für diesen Artikel:

  • Muttersöhnchen erwarten in der Ehe zu viel Fürsorge
  • Mögliche Gründe und Ursachen für Muttersöhnchen
  • Mutter Sohn Beziehung im Wandel der Zeit

„Die höchste und tiefste Liebe ist die Mutterliebe“, schrieb einst der Philosoph Ludwig Feuerbach. Eine gute Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern ist fürwahr wichtig für deren weiteres Gedeihen. Doch misslingt der Abnabelungsprozess, ergibt das massive Probleme in den späteren Partnerschaften. Frauen kommen mit Muttersöhnchen bzw mit Männer mit einer gestörte Mutter Sohn Beziehung einfach nicht zurecht.

Muttersöhnchen erwarten in der Ehe zu viel Fürsorge

In Italien messen angeblich nicht wenige Männer die Qualitäten ihrer Frauen an ihren Müttern. Nicht selten werfen italienische Männer ihren Frauen bei der Scheidung vor, nicht wie ihre Mama zu sein. Grund ist wohl unter anderem, dass den meisten Männern – in Italien und auch überall sonst – in ihren Ehen und Partnerschaften ganz einfach das Umsorgtsein fehlt. Zwanzig Jahre oder mehr waren sie es gewohnt, von ihrer Mutter bekocht zu werden, von ihr die Wäsche gewaschen zu bekommen und wenn sie krank waren, wurden sie gepflegt. Die Frau von heute ist jedoch berufstätig, kümmert sich zudem auch noch um die Kinder und findet oft für ausgiebiges Kochen, regelmäßiges Waschen und zeitgerechtes Bügeln seiner Lieblingshemden, geschweige denn Mitleidhaben mit dem armen vor sich hin schnupfenden Ehemann, einfach keine Zeit. Mann muss plötzlich selbständig werden. Weigert er sich und orientiert sich weiterhin an der Mutter, lässt sich von ihr warme Suppe ans eheliche Bett bringen, gibt ihr die Lieblingshose zum Nähen mit und zwingt die Familie an den sonntäglichen Mittagstisch bei Mama, dann reagieren viele Frauen wohl nicht zu Unrecht mit Ärger.

Gestörte Mutter Sohn Beziehung

“ Muttersöhnchen “ wird kein Mann gerne geschimpft und mit dem Begriff „Muttersohn“ ist eigentlich die extreme Form der Abhängigkeit des Sohnes von der Mutter gemeint. Dieser Sohn bleibt Zeit seines Lebens bei seiner Mutter wohnen und verbringt auch die meiste Zeit mit ihr. Das ist dann meist eine “ gestörte Mutter Sohn Beziehung “ ! Solche Männer haben meist überhaupt keine Partnerschaften und bleiben der Frauenwelt somit erspart. Die abgeschwächte Form des Muttersohnes ist somit die viel „gefährlichere“. Starke Bindungen zwischen Mutter und Sohn stellen einfach für deren Frauen eine immense psychische Belastung dar. Wenn nur Mutters Essen gelobt wird und Termine dauernd nach dem Terminkalender der Mutter orientiert sind, sich die Ehefrau laufend ihrer Schwiegermutter gegenüber zurückgestellt fühlt, ist die Partnerschaft in hoher Gefahr.
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Mögliche Gründe und Ursachen für Muttersöhnchen

Einer der Gründe, wieso Muttersöhnchen sich oft nicht genügend von ihren Müttern ablösen, ist Psychologen zufolge das schlechte Gewissen. Mütter haben ihr halbes Leben für ihre Söhne „geopfert“ und ihnen alle Wünsche erfüllt. Nun ist es an dem Sohn, sich zu revanchieren und es ihr recht zu machen. Bei manchen könnte auch der fehlende oder sich aus welchem Grunde auch immer im Hintergrund haltende Familienvater Ursache der verstärkten Bindung zwischen Mutter und Sohn sein. Fehlt die väterliche Autorität, so kann Experten zufolge keine Freiheit geschaffen werden, die den Söhnen den Weg ins Leben außerhalb der Familie zeigt.
Eine besonders enge Mutter Sohn Bindung kann für eine Partnerschaft / eine Ehe zur Belastungsprobe werden!

Mutter Sohn Beziehung im Wandel der Zeit

Welcher der vielen komplexen Gründe auch immer für die starke Bindung zwischen Mutter und Sohn und die fehlende Ablösung schuld sein mag, es wird sich vielleicht in den nächsten Jahrzehnten ändern. Kinder, die heutzutage mit einer berufstätigen Mutter aufwachsen, sind das laufende Umsorgtsein von Kindesbeinen an nicht so sehr gewohnt und somit selbständiger. Den Muttersöhnen von heute jedoch sei eines mit auf den Weg gegeben: Wenn ihnen ihre Partnerschaft wichtig ist, so sollten sie das gute Verhältnis zu ihrer Mutter beibehalten, sich aber eindeutig abgrenzen und ihr eigenständiges Leben führen. Eine gute Mutter Sohn Beziehung muss nicht immer ein Problem für die Partnerin des Mannes werden! Text: M. R. / Stand: 02.02.2020

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Die Mutter-Sohn-Beziehung

Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn ist vielfach eine andere als die zwischen Mutter und Tochter. Häufig neigen Mütter dazu, ihre Söhne mehr zu verwöhnen. Einige Experten konstatieren sogar, dass Jungs häufiger und länger gestillt werden als Mädchen und sie bleiben länger im „Hotel Mama“. In der Regel gelingt die Abnabelung zwischen Mutter und Sohn sehr gut, aber manchmal wird aus dem kleinen Prinz ein Muttersöhnchen. Muttersöhnchen haben es in Partnerschaften schwerer als Söhne mit einer gesunden Mutter-Sohn-Beziehung.

Bezugspersonen für Jungs

Jungs sind in ihren ersten Lebensjahren häufig überwiegend von Frauen umgeben: Die Mutter ist natürlich ihre wichtigste weibliche Bezugsperson. In Krabbelgruppen, beim Kinderturnen, im Kindergarten und in der Grundschule sind es mehr Frauen als Männer, die ihnen neben dem Spielen und Lernen auch ein bestimmtes Rollenbild vorleben. Deshalb ist es für Jungs besonders wichtig, dass sie genug Kontakt zu männlichen Bezugspersonen haben, um nicht nur von Frauen erzogen zu werden. Mit Papa, Opa oder anderen bedeutenden Männern in ihrem Leben gehen Jungs anders um. Sie spielen andere Spiele und sprechen über andere Dinge. Vor allem Kinder, die ohne ihren Vater aufwachsen, haben häufig eine gewisse Sehnsucht nach einem männlichen Vorbild und sie hängen manchmal ganz besonders an ihrem Fußballtrainer, einem männlichen Pädagogen oder einem anderen Mann in ihrem Umfeld. Alleinerziehende Mütter eines Sohnes sollten deshalb darauf achten, dass ihr Sprössling eine männliche Vertrauensperson hat. Das kann der leibliche Vater genauso sein wie der Bonusvater oder ein anderer Mann aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis. Die Kinder suchen sich ihre Bezugspersonen sowieso irgendwann selbst aus.

Die Liebe zur Mutter und die Liebe zur Partnerin

Wie der Mann seine Mutter behandelt, so behandelt er auch seine Partnerin heißt es landläufig. Das stimmt nicht immer, denn gerade Muttersöhnchen vergöttern ihre Mutter, übernehmen auch im Erwachsenenalter noch ihre Meinung und lassen sich häufig in ihre Partnerschaft reinreden – sofern sie überhaupt eine Partnerin haben, die es mit der Mutter aufnehmen kann oder will. Die Mutter ist selbstverständlich die erste weibliche Person im Leben eines Sohnes, die sie lieben. Und ein liebevoller Umgang zwischen Mutter und Sohn wird ihn auch im Verhalten zu anderen Menschen prägen. Für eine gelungene Beziehung zwischen Mutter und Sohn ist die innige Liebe genauso wichtig wie das Loslassenkönnen. Das beginnt schon damit, die ersten selbständigen Schritte des Sohnes zu unterstützen und ihm gleichzeitig das Gefühl zu geben, immer für ihn da zu sein. Möchte sich der Sohn beispielsweise alleine waschen, die Tür zum Badezimmer schließen oder ohne Mutti zum Kindergeburtstag seines Freundes, sollte die Mama das tolerieren und sich über ihre und die neu gewonnene Freiheit des Sohnes freuen.

Der Mutterkomplex

Das erste Liebesobjekt eines Kindes ist seine Mutter, zu der es eine intensive körperliche und seelische Nähe sucht. In einer gesunden kindlichen Entwicklung wird sich ein Kind langsam aus dieser Bindung lösen und anfangen, auch andere Menschen zu lieben. Während der Pubertät wird ein Jugendlicher von anderen sexuell angezogen und neue Beziehungen werden angestrebt. Gelingt diese Ablösung nicht, wird der Mutterkomplex zum seelischen Störfaktor. Man unterscheidet zwischen einem positiven und einem negativen Mutterkomplex. Männer mit einem positiven Mutterkomplex lieben ihre Mutter und mütterliche Frauen. Sie fühlen sich von mütterlichen Charakteristika angezogen. Männer mit einem negativen Mutterkomplex bleiben der Psychotherapeutin Verena Kast zufolge in der Beziehung zu ihrer Mutter fast klebrig und haben nie das Gefühl, zu anderen zu gehören. Dabei haben sie ein Urmisstrauen und Angst. Nach der Jungschen Psychologie kann ein Mann, der unter einem negativen Mutterkomplex leidet, seinen Hass auf die Mutter sogar auf andere Frauen übertragen.

Es gibt immer mehr Studien, die zeigen, wie wichtig die Mutter-Sohn-Beziehung für die Entwicklung eines Mannes ist. Das liegt unter anderem daran, dass Mütter häufig eine Art Ersatz-Mann aus ihren Söhnen machen.

Das geschieht in seinem besten Interesse, denn schließlich möchte die Mutter einen wunderbaren jungen Mann aufziehen, der die schlechten Eigenschaften des Vaters nicht in sich trägt.

Aber vielen Männern fällt es ihr Leben lang schwer, sich von der Mutter zu lösen. Das hat auch auf romantische Beziehungen mit Partnerinnen schwerwiegende Folgen, über die wir dich hier aufklären.

Muttersöhnchen und starke Männer

Wer nicht von der Mutter loskommt, spielt im späteren Leben entweder den starken Mann oder hat mangelndes Selbstwertgefühl. Natürlich gibt es auch viele Zwischenformen, aber das sind die beiden Pole.

Denn Mütter haben hohe Erwartungen an ihre Söhne. Um diese zu erfüllen, geben Männer sich große Mühe und sind sehr ambitioniert in ihrem Beruf.

Das kann dazu führen, dass Männer so fixiert auf ihr Berufsleben oder ihre Karriere sind, dass sie soziale Beziehungen vernachlässigen. Selbst die Familie kann darunter leiden.

Zurückhaltende Männer hingegen haben häufig das Gefühl, dass sie die Erwartungen ihrer Mutter nicht erfüllen können oder die Mutter gar enttäuschen könnten.

Das äußert sich darin, dass sie schüchtern und niedergeschlagen sind, sich viel in sich selbst zurückziehen und das Gefühl haben, dass sie ein Versager sind.

Auswirkungen der Mutter-Sohn-Beziehung auf die Partnerschaft

Natürlich gibt es auch viele völlig gesunde und schöne Mutter-Sohn-Beziehungen. Wenn du aber merkst, dass du in gewissen Situationen immer an deine Mutter denkst oder dass deine Mutter deine Beziehungen absegnen muss, ist das ein Problem.

Gerade Konflikte zwischen deiner Partnerin und deiner Mutter, selbst wenn diese nicht offen ausgetragen werden, sind sehr schwierig für dich.

Außerdem kann es sein, dass du dich gar nicht erst traust, eine Beziehung einzugehen, weil du Angst davor hast, dass deine Mutter nicht einverstanden oder eifersüchtig wäre.

In anderen Fällen projizierst du vielleicht Dinge, die du dir eigentlich von deiner Mutter wünschst, auf deine Partnerin. Das ist gerade bei Männern mit einer distanzierten Mutter der Fall.

Häufig ist es deine Partnerin, die merkt, dass die Mutter-Sohn-Beziehung nicht normal ist und daher eure romantische Beziehung beeinflusst.

So kannst du damit umgehen

Wichtig ist, dass du offen für Kritik bist. Wenn du nämlich bereits selbst den Verdacht hast, dass die Beziehung zwischen dir und deiner Mutter nicht ganz normal ist, und noch dazu deine Partnerin etwas anmerkt, solltest du zunächst einmal zuhören.

Viele Männer reagieren aber sehr aggressiv, wenn jemand es wagt, ihre Mutter zu kritisieren. Versuche, das im Interesse deiner Partnerschaft zu vermeiden.

Du kannst dann versuchen, dich ein wenig von deiner Mutter zu distanzieren. Aber gerade bei Einzelkindern oder zur Kontrolle neigenden Mamas ist das gar nicht so leicht.

Sollten die obengenannten Symptome auf dich zutreffen, könntest du auch überlegen, eine Therapie zu machen. Diese hilft dir dabei, sehr viel über dich selbst zu lernen und die Beziehung zu deiner Mutter zu normalisieren.

Auch eine Familientherapie oder eine Beratung wie etwa die sogenannte Familienaufstellung ist hilfreich. Deine Geschwister sowie deine Mutter selbst werden sicherlich davon profitieren.

Online eine Partnerin finden

Bevor du dich wieder auf eine ernsthafte Beziehung einlässt, solltest du versuchen, die Beziehung zwischen dir und deiner Mutter zu normalisieren.

Wenn du das geschafft hast, bist du bereit dafür, unbeschwert die Dating-Seiten zu erobern. Dort warten viele attraktive Single-Frauen auf dich!

Bei der Anmeldung musst du häufig bereits einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen. Dieser hilft beim Matchmaking und außerdem erhältst du selbst die Auswertung, die dir mehr über deinen Charakter verrät.

So ist es den Systemen möglich, dir Frauen vorzuschlagen, die besonders gut zu dir passen würden. Umso wichtiger ist es, dass du dich von deiner Mutter gelöst hast, denn anderenfalls bekommst du Frauen, die ihr sehr ähnlich sind, als Vorschlag!

Besonders gut funktioniert das Matchmaking bei Parship. Dieser Anbieter hat zudem die höchste Anzahl an registrierten Singles in Deutschland und ist vom TÜV für den exzellenten Datenschutz ausgezeichnet worden. Direkt anmelden?

Alternativ findest du in unserem Test unterschiedlicher Partnerbörsen viele weitere Plattformen, auf denen du es mit einer Beziehung versuchen kannst.

Vielleicht möchtest du nicht direkt eine ernsthafte Partnerschaft, sondern hast eher Lust, ein wenig Dating-Erfahrung zu sammeln oder einen One-Night-Stand zu haben? Dann ist das Casual Dating die richtige Wahl für dich.

Alternativ lohnt es sich, Zeit und Geld in eine der besten Singlebörsen zu investieren, um dort die Eine zu finden, die dich für lange Zeit begleitet.

Aber denke daran, immer mal wieder einen Schritt zurückzutreten und selbst zu analysieren, wie es um deine Mutter-Sohn-Beziehung bestellt ist und ob diese sich auf dein Liebesleben auswirkt. Viel Erfolg!

Lässt sich Beziehungsfähigkeit lernen?

Bindungskompetenz lässt sich lernen. Also Kommunikationsformen, die 5 Sprachen der Liebe, die Bedeutung und dann das Schaffen von gemeinsamen Werten, das Interesse an den Lebenszielen des Partners und die Unterstützung, diese zu erreichen. Im besten Fall hat das Elternhaus das bereits erledigt durch ein Rollenvorbild. Dieses Glück hatte jedoch nicht jeder. Dann muss man selbst aktiv werden. Beispielsweise durch Coachings oder der Beschäftigung mit Ratgebern. Man kann aber auch darauf achten, von authentischen Vorbildern Inspiration zu erhalten, also zu fragen: Was machen andere Paare anders als ich/wir? Ist das ein möglicher Weg, den ich ausprobieren möchte? Am Ende ist die positive Erfahrung der beste Lehrmeister. Wer sein Liebesleben immer nur als Achterbahn erlebt hat, der wird überrascht sein, wie erholsam eine ruhige, unaufgeregte Beziehung ist – und wie gut die tut, ganz ohne Drama und Abstürze und Zweifel.

Das Klischee sagt: Die Frau mit dem eher ängstlichen Bindungsverhalten gerät an den Mann mit dem eher vermeidenden Bindungsverhalten. Das bedeutet: Sie sucht Nähe, leidet vielleicht sogar unter Verlustangst. Er hingegen will seine Freiheit nicht aufgeben und leidet unter Bindungsangst und zieht sich zurück, sobald die ihm zu nahe kommt. Diese Dynamik bestätigt sich, keine Frage, beim Blick auf die Statistik: Bei der Partnersuche, vor allem bei den unter 30 Jährigen. Später wiederholt sich diese in Beziehungen, denken Sie an Kinder, die eine Beziehung zusammenhalten sollen. Später dreht sich das aber. Gerade Frauen, die ab Mitte 40 und Anfang 50 negative Beziehungserfahrungen gemacht haben, zeigen oft starke bindungsängstliche Verhaltensweisen. Da sind es dann die Männer, die sich Nähe wünschen und zurückgewiesen werden.

Warum geraten manche ständig an den falschen Partner – oder behaupten das zumindest?

Niemand gerät an den falschen Partner. Den sucht man sich selbst aus. Wir wählen jeden Moment Partner ab und entscheiden: Diese Person lasse ich nicht näher an mich heran. Lassen wir sie doch heran, dann entscheiden wir das bewusst. Wen wir sexuell anziehend und wen wir als Beziehungspartner geeignet finden, ist von sehr vielen Faktoren ausschlaggebend. Manchmal wird das auch als Beuteschema bezeichnet. Wer immer wieder erlebt, sich mit Partnern einzulassen, mit denen keine Beziehung möglich ist, sollte sich dieses Muster bewusst werden und dagegen steuern, um nicht dauerhaft frustriert zu werden. Niemand würde, sobald er bemerkt hat, dass nicht beleuchtete Taxen nicht anhalten, weiterhin besetzten Wagen winken. Wozu? Wenn also jemand immer wieder an vermeidende Bindungstypen gerät, die sagen: „Ich weiß nicht, ob ich eine Beziehung möchte …“ Oder: „Eigentlich brauche ich mehr Freiraum …“ – Einfach weiterziehen lassen. Das sind sozusagen „besetzte“ Taxen.

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Die eigene Bindungshaltung prüfen und kennenlernen

Für meine Arbeit mit Singles verwende ich zur Veranschaulichung ein vereinfachtes Modell der Bindungstheorie, wie es beispielsweise von Amir Levine und Rachel Heller in der Therapie genutzt wird, basierend auf den Forschungen von Brennan, Clark und Shaver. Danach lässt sich fast jeder Mensch zu einem dieser drei Bindungstypen zuordnen:

  • Der ängstliche Beziehungstyp braucht viel Nähe und sorgt sich, ob sein Partner ihn genug liebt. Wenn er sich zurückgewiesen fühlt, verstärkt er seine Bemühungen, denn er glaubt, Liebe müsse man sich verdienen. Dahinter steckt meist die Überzeugung: „ich bin nicht gut genug.“ Allerdings neigt er zu Protestverhalten, wenn er den Eindruck gewinnt, gekränkt zu werden. (Etwas über 20 Prozent der Bevölkerung)
  • Der vermeidenden Beziehungstyp setzt Intimität und Nähe häufig mit dem Verlust der Unabhängigkeit gleich und sucht Distanz, weil ihm Autonomie und Selbstbestimmung die wichtigsten Werte sind. Er sehnt sich nach Nähe, aber gleichzeitig benötigt er Abstand, um nicht in der Beziehung aufzugehen. Sehr charakteristisch ist, dass er dadurch zweideutige Signale sendet. (Etwas unter 20 Prozent der Bevölkerung)
  • Der sichere Beziehungstyp fühlt sich mit Nähe wohl, kann auch Distanz gut ertragen und ist in der Lage, stabile Partnerschaften zu führen. Sein besonderes Merkmal: Er ist fast immer in Beziehungen und selten Single. (Etwa 50 Prozent der Bevölkerung)

Auch wenn Beziehungstypen nicht geschlechtsspezifisch sind, lassen Sie uns das aus der Praxis als typisch angesehene Modell wählen einer ängstlichen Frau mit einem vermeidenden Mann – obwohl diese Dynamik auch in jeder anderen Paarkonstellation vorkommt:

Er zeigt oder sagt beim Kennenlernen so etwas wie: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine Beziehung möchte“. Das aktiviert ihr Bindungssystem, denn nun kann sie sich und ihm beweisen, dass sie sehr wohl die Richtige für ihn ist. Sie kann investieren, wird sich Mühe geben – und er wird dies zunächst als Form der Anerkennung sehr schätzen. Bis ihre Anstrengungen und die Nähe sein Bindungssystem aktivieren, ihm wird plötzlich die Nähe Angst machen und er wird sich zurückziehen. Damit aktiviert er ihr Bindungssystem, das nun sagt: „Du musst dir mehr Mühe geben!“ Das geht eine Zeitlang hin und her, bis einer aufgibt.
Sowohl der ängstliche als auch der vermeidende Typ bräuchte in der Theorie einen Partner mit sicherem Bindungssystem. Die sind jedoch auf dem Single-Markt nie lange zu finden, weil sie sich leicht und schnell verlieben und lange, dauerhafte Beziehungen eingehen. Die Chance, dass ein vermeidender Single auf einen ängstlichen trifft und umgekehrt, ist dagegen gewaltig – und sie ziehen einander auch noch an.

Was ist die Bindungstheorie und was sagt sie aus?

Die Bindungstheorie ist eine psychologisch-soziologische Theorie, bei der davon ausgegangen wird, dass alle Menschen das angeborene Bedürfnis nach Nähe zu anderen Mitmenschen haben.

Wie lassen sich Bindungstypen feststellen?

Kinder können einem Bindungstypen zugeordnet werden, indem sie in einer Testsituation beobachtet werden.

Wie entstehen Bindungsstörungen?

Bindungsstörungen können verschiedene Ursachen und Ausprägungen haben. In jedem Fall sollten Sie psychologisch behandelt werden.

Die Bindung zwischen den Eltern und dem Kind ist ganz besonders. Gerade in den ersten Jahren sind sie die mit Abstand wichtigsten Bezugspersonen. Besonders in fremden Situationen und bei Gefahr verlassen sich Kinder auf die Anwesenheit der Mutter bzw. des Vaters. Um dieses Phänomen zu erklären, hat der Kinderpsychologe John Bowlby die Bindungstheorie entwickelt. Aber worum handelt es sich dabei? Und welche Folgen ergeben sich daraus?

Wir klären Sie in unserem Ratgeber rund um das Thema Bindungstheorie auf. Wir erklären Ihnen den Ansatz und erläutern, welche verschiedenen Bindungstypen es gibt. Abschließend zeigen wir Ihnen auf, in welchen Fällen eventuell eine Bindungsstörung vorliegt.

1. Menschen haben ein angeborenes Bedürfnis nach engen Beziehungen zu Mitmenschen

Durch eine sichere Bindung wird Explorationsverhalten möglich.

Sigmund Freud entwickelt Anfang des 20. Jahrhunderts die Triebtheorie. Nach dieser Theorie entsteht die enge Bindung zwischen Mutter und Kind vor allem durch orale Befriedigung während des Stillens. In den 1950er Jahren kam jedoch immer mehr Kritik an dieser Theorie auf.

John Bowlby, britischer Kinderarzt und Kinderpsychologe, war der festen Überzeugung, dass hinter der engen Bindung ein biologisches Phänomen steckt. Er führte viele verschiedene Studien durch und kam zu den Ergebnis, dass mangelnde mütterliche Fürsorge einen enormen Einfluss auf die Entwicklung und die psychische Gesundheit eines Menschen hat.

Bei der Bindungstheorie von Bowlby steht vor allem das Verhältnis zwischen Mutter und Kind im Vordergrund. Nach dieser Theorie hat jedes neugeborene Kind in realen oder subjektiven Gefahrensituationen das Bedürfnis, den Schutz einer Vertrauensperson zu suchen. So wird ein interaktives Bindungssystem aufgebaut. Die Kinder laufen ihren Müttern nach, klammern sich fest, weinen und zeigen Verzweiflung beim Verlassenwerden.

Neuere Forschungen zeigen, dass sich ein Kind im ersten Lebensjahr maximal an zwei bis drei Personen binden kann.

In diesen Situationen ist es wichtig, dem Kind Sicherheit und Schutz zu geben. Explorationsverhalten, das bedeutet Erkundungsverhalten, wird erst möglich, wenn sich das Kind sicher fühlt. Durch häufigen Blickkontakt findet eine stetige Rückversicherung statt.

Für eine gute Bindungsqualität ist die Feinfühligkeit der Bezugsperson von großer Bedeutung. Das Konzept der Feinfühligkeit geht auf die US-amerikanisch-kanadische Entwicklungspsychologin Mary Ainsworth zurück, die eng mit John Bowlby zusammengearbeitet hat. Zusammen haben sie die Bindungstheorie in den nächsten Jahren weiterentwickelt. Als Feinfühligkeit wird das situationsangemessene Verhalten der Bezugsperson angesehen. Durch Verständnis und eine angemessene Reaktion kann das Kind ein Gefühl der Selbstbestimmung entwickeln.

2. Die Fremde-Situation ermöglicht die Einschätzung des Bindungsverhaltens

Das Testverfahren findet in einer fremden Umgebung statt.

Bereits nach etwa sechs Monaten fängt ein Baby an, seine Bezugsperson zu vermissen und Ausschau nach ihr zu halten. Um die Bindungsqualität zu testen, entwickelten Mary Ainsworth und ihre Kollegen den sogenannten Fremde-Situation-Test. In dieser Laborsituation wurden 12 bis 18 Monate alte Kinder in verschiedenen Situationen im Hinblick auf das Bindungs- und Explorationsverhalten getestet.

Ziel des Tests war es, herauszufinden, wie sich ein Kind in Anwesenheit und in Abwesenheit der Mutter verhält. Mittels dieses Testverfahrens können Kinder bis zu einem Alter von fünf Jahren auf die Qualität der Bindung getestet werden.

Der Test besteht aus folgenden acht Situation zu je drei Minuten:

  • 1. Mutter und Kind kommen in ein Spielzimmer.
  • 2. Das Kind kann den ungewohnten Raum erkunden.
  • 3. Eine fremde Person kommt herein und nimmt sowohl zur Mutter als auch zum Kind Kontakt auf.
  • 4. Die Mutter verlässt den Raum und lässt das Kind mit der fremden Person zurück.
  • 5. Während die fremde Person den Raum verlässt, kommt die Mutter zurück.
  • 6. Die Mutter verlässt den Raum und lässt das Kind alleine zurück.
  • 7. Die fremde Person kommt wieder dazu.
  • 8. Die Mutter kommt erneut herein, während die fremde Person den Raum verlässt.

3. Die verschiedenen Bindungstypen

Im Hinblick auf die unterschiedlichen Verhaltensweisen, teilte Ainsworth die Kinder in verschiedene Bindungstypen ein.

Bindungstyp Häufigkeit Beschreibung Verhaltensweise in der Fremde-Situation
Sichere Bindung 60-70% der Kinder
  • Kinder haben Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Bezugsperson
  • Bindungsperson ist sichere Ausgangsbasis, um die Umwelt zu erkunden
  • Kinder besitzen gute soziale Kompetenzen
  • können Nähe und Distanz gut regulieren
Das Kind schreit und weint, wenn die Bezugsperson den Raum verlässt. Es lässt sich auch nicht von der fremden Person trösten. Kehrt die Bezugsperson zurück, freut sich das Kind und versucht sofort Körperkontakt aufzunehmen. Kurz darauf kann das Kind gleich wieder die Umgebung erkunden und Kontakt zur fremden Person aufnehmen.
Unsicher-vermeidende Bindung 10-15% der Kinder
  • Kinder zeigen nur wenig Bindungsverhalten
  • kompensieren den Stress durch weitere Erkundung der Umgebung
  • empfinden das Verlassenwerden als Zurückweisung
  • Kinder vermeiden weiteren Kontakt zur Bezugsperson
  • auch die Bindungsperson zeigt eine ablehnende Haltung
Wenn die Mutter den Raum verlässt, zeigt sich das Kind unbeeindruckt. Es spielt weiter und erkundet die Gegend. Kehrt die Mutter daraufhin in den Raum zurück, wird sie konsequent vermieden. Es zieht sogar eher die fremde Person als Kontaktperson heran.
Unsicher-ambivalente Bindung 10-15% der Kinder
  • Kinder zeigen der Bezugsperson gegenüber ein sehr ambivalentes Verhalten
  • sie sind zugleich ängstlich, aber auch sehr abhängig von der Bindungsperson
  • zeigen trotz Anwesenheit der Mutter kein Explorationsverhalten
  • Bindungsperson wird als nicht zuverlässig angesehen, da diese ein widersprüchliches Verhalten zeigt
Das Kind weint und schreit, wenn die Mutter den Raum verlässt. Zusätzlich zeigt es durch das Schlagen gegen die Tür aggressive Züge. Kehrt die Bezugsperson zurück, klammert das Kind stark und lässt sich kaum beruhigen. Es zeigt ein sehr ambivalentes Verhalten und ist hin- und hergerissen zwischen Ärger und dem Bedürfnis nach Nähe.
Desorganisierte Bindung 5-10% der Kinder
  • Kinder zeigen ein widersprüchliches Verhaltensmuster
  • kein eindeutiges Verhalten bei Abwesenheit und Rückkehr der Bezugsperson
  • bizarre Verhaltensweisen wie Erstarren oder stereotype Bewegungen
  • durch das Verlassenwerden wird die emotionale Kommunikation gestört
  • Kinder haben in vielen Fällen Vernachlässigung oder Missbrauch erlebt
  • auch die Bezugspersonen sind häufig traumatisiert
Das Kind kann mit der Trennungssituation nicht umgehen. Die Angst und die Gefühle überfordern das Kind und lassen es förmlich erstarren. Dadurch, dass die Bindungsperson sowohl für Sicherheit als auch für Angst steht, ist das Kind emotional überfordert.

4. Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes

Aus unsicheren Bindungen können Ängste und psychische Störungen entstehen.

Die verschiedenen Bindungsqualitäten haben natürlich Auswirkungen auf die Entwicklung und die Persönlichkeit der Kinder. Kinder, die dem sicheren Bindungstypen zugeordnet werden können, haben bereits Strategien entwickelt, um mit verschiedenen Stresssituationen umgehen zu können. Die Kinder sind aufgeschlossen und zeigen später kaum Ängste. Beim freien Spiel sind sie sehr phantasiereich und sehr konzentriert. Sie zeigen nahezu keine psychopathologischen Merkmale.

Bei der unsicheren Bindung ist das Gegenteil der Fall. Diese Kinder zeigen vor allem im Jugendalter häufiger Ängste und haben Probleme soziale Kontakte zu knüpfen. Sie haben ein geringeres Selbstbewusstsein, da sie häufig mit Ablehnung und Zurückweisung konfrontiert wurden. Außerdem können diese Kinder auch zu Gleichaltrigen schlecht Kontakt aufnehmen. Im Hinblick auf die desorganisierte Bindung haben Studien zudem gezeigt, dass die Kinder oftmals Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten aufweisen.

Laut NICHD-Studie, die ab 1991 in den USA durchgeführt wurde, ist die mangelnde Feinfühligkeit der Bezugsperson der zentrale Faktor für die Herausbildung einer unsicheren Mutter-Kind-Bindung.

Die frühkindliche Bindung hat insgesamt Einfluss auf:

  • die Selbstwahrnehmung
  • die Persönlichkeitsentwicklung
  • Wert- und Moralvorstellungen
  • die eigene Paarbeziehung
  • die Stressresistenz und die Krankheitsanfälligkeit

5. Eine Bindungsstörung von einem unsicheren Bindungsmuster abgrenzen

Ein unsicheres Bindungsverhalten führt nicht zwangsläufig zu einer Bindungsstörung bei Kindern. Die unsicheren Bindungstypen liegen in der Regel im Normbereich. Erst wenn sie besonders stark ausgeprägt sind, können sie zu einer Bindungsstörung führen. In nur etwa 3-5% aller Fälle liegt eine Bindungsstörung vor.

5.1 Die Ursachen von Bindungsstörungen

Bei einem übersteigerten Bindungsverhalten klammert sich das Kind an die Bezugsperson.

Vor allem eine desorganisierte Bindungsqualität führt in vielen Fällen zu einer Bindungsstörung. Sie tritt in den ersten fünf Lebensjahren auf und führt dazu, dass das Kind ängstlich ist und Probleme im Sozialverhalten aufweist.

Insgesamt gibt es viele verschiedene Faktoren, die zu einer Bindungsstörung führen können. Dementsprechend können auch die Signale für eine Bindungsstörung sehr unterschiedlich ausfallen. Um eine eindeutige Diagnose stellen zu können, müssen die Verhaltensweisen und Symptome über mehrere Monate beobachtet werden.

Häufige Auslöser sind:

  • körperliche und sexuelle Gewalt
  • Vernachlässigung
  • ständiger Wechsel der Bezugspersonen
  • Verluste
  • erlebte Gewalt
  • unverarbeitetes Trauma der Bezugsperson

5.2. Verschiedene Arten von Bindungsstörungen

Folgende Arten können unterschieden werden:

  • Keine Anzeichen von Bindungsverhalten: Diese Störung ist dem unsicher-vermeidenden Bindungsmuster sehr ähnlich, jedoch in einer wesentlich stärkeren Ausprägung. Die betroffenen Kinder weisen keine Bindung zu der Bezugsperson auf und zeigen dementsprechend bei Gefahr auch kein Bindungsverhalten.
  • Undifferenziertes Bindungsverhalten: Kinder nutzen sowohl bekannte als auch fremde Personen als Vertrauensperson. Eine weitere Ausprägung ist das Unfall-Risiko-Verhalten. Hierbei setzen die Kinder ihr Risikoverhalten trotz vieler Unfallerfahrungen fort, um Aufmerksamkeit zu erhalten.
  • Übersteigertes Bindungsverhalten: Die Kinder sind extrem fokussiert auf die Bezugsperson und können selbst in deren Anwesenheit nicht explorieren. Diese Störung entsteht in vielen Fällen dadurch, dass sowohl das Kind als auch die Bezugsperson starke Verlustängste aufweisen.
Bindungsstörung bei Erwachsenen testen

Erwachsene können verschiedene Selbstauskunftsfragebögen beantworten, um sich einem Bindungstyp zuordnen zu können.

  • Gehemmtes Bindungsverhalten: Die betroffene Kinder sind extrem angepasst und reagieren nicht auf eine Trennungssituation. Ihre Gefühle zeigen sie eher fremden Personen als der Bezugsperson. Auslöser stellen häufig Gewalterfahrungen dar.
  • Aggressives Bindungsverhalten: Das Bedürfnis nach Bindung wird über Aggressionen mitgeteilt. Häufig sind Kinder betroffen, die in einer Familie mit aggressiven Umgangsformen aufwachsen.
  • Rollenumkehr: Bei dieser Art von Störung werden die Rollen von Kind und Bezugsperson vertauscht. Das Kind umsorgt beispielweise seine Mutter. Hinter dieser Bindungsstörung steckt in vielen Fällen die Verlustangst des Kindes, weil die Mutter oder der Vater eine psychische Erkrankung aufweist.
  • Bindungsstörung mit Suchtverhalten: Kinder, die keine körperliche Fürsorge erhalten, stillen ihr Bedürfnis nach Nähe beispielsweise durch Nahrungsaufnahme. Bei einem Erwachsenen kann diese Störung zu verschiedenen Süchten führen.
  • Bindungsstörung mit psychosomatischen Symptomen: Unzureichende emotionale Nähe kann das Wachstum des Kindes hemmen. Durch emotionale Zuwendung kann das Wachstum wieder stimuliert werden.

Achtung: Alle Bindungsstörungen können zu Angst, Panik, Depressionen, Depersonalisation oder somatoformen Störungen führen, sodass eine entsprechende Behandlung vonnöten ist.

6. Kritik an der Bindungstheorie

Die Bindungstheorie findet in vielen psychologischen Richtungen Beachtung.

In der Bindungstheorie nach Bowlby steht vor allem die Mutter-Kind-Beziehung im Vordergrund. Dies wurde in vielen neueren Forschungen kritisiert, da natürlich auch Väter diese Rolle übernehmen können. Zudem muss die primäre Bindungsperson auch nicht die leibliche Mutter oder der leibliche Vater sein.

Häufig kritisiert wird außerdem, dass Bowlby behauptet, dass eine unsichere Bindung in direktem Zusammenhang psychischen Erkrankungen des Kindes hat. Denn es gibt viele weitere Einflussfaktoren, die bei der Entstehung einbezogen werden müssen. Andersherum garantiert eine sichere Bindung nicht, dass das Kind sich zwangsläufig positiv entwickelt.

Obwohl die Bindungstheorie von Bowlby einige fragwürdige Abschnitte enthält, dient sie dennoch auch heute noch als Grundlage für viele psychologische Theorien und Sozialisationstheorien.

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Bindung als sichere Basis: Grundlagen und Anwendung der Bindungstheorie

  • 176 Seiten – 01.03.2014 (Veröffentlichungsdatum) – Ernst Reinhardt Verlag (Herausgeber)

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Bindung und menschliche Entwicklung: John Bowlby, Mary Ainsworth und die Grundlagen der Bindungstheorie

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Grausame Kindheit und Skandale: Diese Stars leiden unter ihren Eltern

Streit gibt es in jeder Familie. Vor allem zwischen Eltern und Kindern kann es zu vielen Konflikten kommen. Für manche von uns sind Mutter und Vater die wichtigsten Bezugspersonen in unserem Leben und wir haben ihnen viel zu verdanken. Für andere kann diese Beziehung aber auch schrecklich ungesund sein und bis ins hohe Alter eine psychische Belastung sein.

Stars sind bei familiären Problem nicht außen vor. Obwohl das Promi-Leben meist perfekt scheint, kämpfen auch viele Stars mit einer schlimmen Vergangenheit. Häusliche Gewalt, Erfolgsdruck oder schwere Verluste – all das mussten einige Promis in ihrer Kindheit erleben. Das Resultat: Ein schlechtes Verhältnis zu mindestens einem Elternteil.

Familie kann man sich nicht aussuchen. Das musste auch Herzogin Meghan Markle schmerzlich feststellen. Seit ihrer Verlobung mit Prinz Harry im Jahr 2018 sorgt ihr Vater, Thomas Markle, immer wieder für Negativ-Schlagzeilen und versucht, sie in ein schlechtes Licht zu rücken. Sie schweigt zu den Vorwürfen, soll aber angeblich der Verzweiflung nahe sein.

„Ich werde nicht zu einem Mönch in einem Kloster und ein Schweigegelübde ablegen“, verkündete Thomas Markle gegenüber dem britischen Boulevard-Blatt ‚The Sun‘. Er werde weiter über Harry und Meghan sprechen und, falls sie ihn weiter ignorieren, werde er „wahrscheinlich auch noch lauter“. Zur Hochzeit seiner Tochter im Mai 2018 erschien Markle nicht.

Mütter & Töchter: Warum die Beziehung so schwierig ist

Die Ansprüche sind hoch. Sehr hoch. Eine Mutter soll Wärme und Geborgenheit verströmen, sie soll die Tochter so akzeptieren, wie sie ist, sie ermutigen, den eigenen Weg zu gehen, und ihr schützend und leitend unter die Arme greifen, wann immer sie gebraucht wird. Eine Tochter will von ihrer Mutter Liebe, die höchste Form der Liebe, bedingungslose Liebe: Mutterliebe. Und bekommt sie nicht.
Warum nicht? Weil die Mutter auch nur ein Mensch ist. „Weil sie diese Liebe wahrscheinlich von ihrer eigenen Mutter nicht erfahren hat, weil sie kein Modell hatte, von dem sie lernen konnte“, sagt Mag. Sabine Standenat, klinische Psychologin mit Praxis in Wien. „Es wundert mich immer wieder“, fügt die Therapeutin hinzu, „dass man für alles und jedes eine Ausbildung braucht, nur für die Kindererziehung nicht. Darum geschieht auch so viel Schlimmes.“
Ich liebe dich, wenn…
Was viele Töchter stattdessen von der Mutter bekommen? „Kontrolle, strenge Regeln und einen Haufen alter Programme, die oft unbewusst vermittelt werden und die das komplette Gegenteil von bedingungsloser Liebe sind. Das äußert sich in meist nur indirekt ausgesprochenen Forderungen an die Tochter wie: Du wirst nur geliebt, wenn… Zum Beispiel: wenn du etwas leistest!“ Und schon beginnt der Teufelskreis, aus dem sich viele Töchter ein Leben lang nicht befreien können. Sie starten einen Kampf um diese Liebe, indem sie den Erwartungen der Mutter zu genügen suchen – und scheitern daran.
„Nichts, was ich mache, ist gut genug für sie.“ – „Was ich auch angehe, meine Mama hat nur Kritik für mich übrig.“ – „Sie geht überhaupt nicht auf mich ein. Das war schon in meiner Kindheit so, und das ist auch heute noch so.“ – „Meine Mutter macht mich krank. Sie will über jeden meiner Schritte Bescheid wissen.“ Das sind nur einige der vielen Töchter-Aussagen, mit denen sich Mag. Standenat in den Therapiesitzungen beschäftigt. „Bei 99 Prozent der Frauen, die zu mir kommen, geht es früher oder später um die schwierige Beziehung zur Mama“, erzählt Standenat aus ihrer Praxis.
Niemals so werden wie sie!
Das kommt nicht von Ungefähr. Schließlich hat das Verhältnis zur Mutter Einfluss auf viele Lebensbereiche der Tochter. Etwa auf die Partnerschaft. Frauen, die unter der Lieblosigkeit der Mutter gelitten haben oder leiden, überfordern oftmals ihren Partner mit der Erwartung, permanente Liebesbeweise erbringen zu müssen. Oder aber sie suchen sich unbewusst einen Partner, der sie genauso lieblos behandelt, wie es ihre Mutter getan hat. Die Beziehung zur Mama kann auch die Lebensgestaltung des Kindes beeinträchtigen. So kann es vorkommen, dass die Tochter in der Rolle gefangen bleibt, die ihr die Mutter vorgelebt hat, und sie sich immer wieder mit Unbehagen dabei ertappt, es dem Vorbild gleichzutun. „Du bist wie deine Mutter!“ – kaum eine Frau hört diesen Satz gerne. Es gibt aber auch viele Frauen, die in permanenter Opposition zur Mutter leben. „Niemals so werden wie sie!“ ist ein oft gehörter Satz aus Tochtermund. In jedem Fall lebt das Kind nicht sein eigenes Leben, sondern das seiner Mutter. „Und davon muss sich die Tochter befreien, um ihren eigenen Weg und inneren Frieden finden zu können“, so die Psychologin.
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Wenn die Beziehung krank macht
Dr. Beate Schaffer, Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin in Wien, erklärt, welche Erkrankungen aus einem belasteten Mutter-Tochter-Verhältnis entstehen können:

  • Funktionsstörungen des Magen-Darm-Traktes: häufig Gastritis, Colitis, Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z. B. durch eine geduldig ertragene dominante Mutter, die die „Wut im Bauch“ zur Krankheit macht).
  • Funktionsstörungen der Atemwege: häufig Asthma (z. B. durch eine überängstliche, besitzergreifende Mutter, die die „Luft zum Atmen nimmt“).
  • Erkrankungen der Haut: häufig Neurodermitis, chronischer Juckreiz (z. B. durch eine ablehnende Mutter, deren Verhalten wirklich „unter die Haut geht“).
  • Neurotische Störungen: häufig Angststörungen, hypochondrische Störungen (z. B. durch eine überängstliche, besitzergreifende Mutter).
  • Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen: Anorexie, Bulimie (z. B. durch gestörte weibliche Identitätsfindung).

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Der Ausweg aus dem Dilemma
1. Was Töchter für eine gesunde Loslösung von der Mutter tun können

  • Verabschieden Sie sich von dem Anspruch, dass Sie Ihre Mutter bedingungslos lieben muss. Gestehen Sie ihr zu, dass sie es vielleicht nicht kann.
  • Erkennen Sie die Realität. Sehen Sie die Mutter als die Person, die sie ist, und nicht als die, die sie sein soll. „Die befreiende Wirkung dieser Erkenntnisse ist nicht zu unterschätzen“, sagt Mag. Sabine Standenat. Diese Einsichten schärfen aber auch den Blick für die guten Seiten der Mutter, die man im Rausch des Konfliktes vielleicht übersehen hat.
  • Gestehen Sie sich alle Gefühle ein, die Sie Ihrer Mutter gegenüber empfinden. „Das kann von Zorn über Traurigkeit und Schmerz bis zum Hass reichen.“ Das lindert die oft quälenden Schuldgefühle, die viele Töchter ihren Müttern gegenüber haben.
  • Betrachten Sie Ihre Mutter nicht länger mit den Augen einer Vierjährigen, die verzweifelt um Liebe bettelt, sondern begeben Sie sich mit ihr auf eine Ebene als erwachsene Frau. „Damit durchbrechen Sie das Machtgefälle“, weiß die Psychologin.
  • Finden Sie eine Erklärung dafür, warum die Dinge in der Kindheit so und nicht anders gelaufen sind. Etwa indem Sie die Art der Erziehung berücksichtigen, die Ihrer Mutter zuteil wurde. Oder auch die anderen Zeitumstände, in denen sie aufgewachsen ist.
  • Vergeben Sie Ihrer Mutter, dass sie sich so und nicht anders verhalten hat. „Das bedeutet nicht, dass man wirklich schlimme Dinge der Kindheit, die einem die Mutter vielleicht angetan hat, entschuldigt. Es bedeutet nur, dass man der Mutter nicht länger die Macht gibt, über das eigene Leben zu bestimmen. Das ist der allerwichtigste Schritt zur gesunden Loslösung“, sagt Mag. Standenat.
  • Wenn das Gespräch nicht möglich ist: „Es gibt Mütter, die schon beim leisesten Hauch eines Versuchs, Dinge aus der Vergangenheit anzusprechen, in einen Weinkrampf ausbrechen, davonrennen und sagen: Was ich alles für dich getan habe – und jetzt das! In einem solchen Fall sollte sich die Tochter sagen: Ich kann sie nicht ändern, trotzdem bedeutet sie mir etwas, weil sie meine Mutter ist. Aber ich brauche Distanz, um gesunden zu können.“

2. Was Mütter zum Gelingen der Beziehung beitragen können

  • Hören Sie Ihrer Tochter zu, wenn sie über gemeinsame Erlebnisse der Vergangenheit mit Ihnen spricht – immer und immer wieder. Und erlauben Sie eine zweite Wahrheit. „Akzeptieren Sie, dass sie Dinge vielleicht ganz anders erlebt hat wie Sie selbst. Geben Sie eventuelle Fehler zu und sagen Sie zu Ihrer Tochter: Es war mir nicht bewusst, was ich getan habe. Ich habe es nicht böse gemeint, ich habe es nicht besser gewusst.“
  • Hinterfragen Sie sich selbst, statt sich in blinden Vorwürfen zu ergehen. Wenn sich Ihre Tochter kaum bei Ihnen blicken lässt, fragen Sie sich, ob es dafür einen bestimmten Grund geben könnte. Vielleicht neigen Sie dazu, sie zu sehr zu kritisieren, sie mit gut gemeinten, aber unerwünschten Ratschlägen zu überschütten?

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