Mann mit meisten kindern

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Kinderwunsch: Warum wollen Frauen wirklich schwanger werden?

BRIGITTE MOM: In Ihre Praxis kommen auch Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Dabei fragen Sie auch Frauen, warum sie schwanger werden wollen. Aber sind es nicht biologische Gründe, die wir mit dem Verstand nicht erklären können?
Christoph J. Ahlers: Ein Kinderwunsch kann sich für eine Frau wie eine Naturgewalt anfühlen. Darum scheint es vielen so, als hätten sie es mit einem reinen, unhinterfragbaren biologischen „Urtrieb“ zu tun, mit dem Naturgesetz der Fortpflanzung.
Wir machen es uns aber zu einfach, wenn wir dieses „Bedürfnis“ allein auf die Biologie reduzieren; Psychologie und Soziologie spielen eine ebenso große Rolle. Unzweifelhaft ist die Beschränkung der Fertilitätsphase der Frau, also das biologische Faktum, dass ihre Möglichkeit, Kinder zu kriegen, zwischen vierzig und fünfzig zu Ende geht, oft einer der Auslöser, warum ein Kinderwunsch plötzlich mit dieser Vehemenz zutage tritt. Aufgrund der normativen Kraft des Faktischen drängt der Kinderwunsch ins Bewusstsein und zur Verwirklichung. Aber es ist deswegen keine reine Biologie, psychologische und soziale Beweggründe spielen immer eine ebenso große Rolle.
Was steckt noch hinter dem Kinderwunsch?
Die Biologie erklärt bloß ein Drittel des Geschehens. Daneben findet ganz viel im Kopf (das psychologische Drittel) und in den Beziehungen (das soziale Drittel) statt. Nur wenn wir biologische, psychologische und soziale Aspekte gemeinsam betrachten, kommen wir der Frage näher, warum wer wann ein Kind will oder nicht.
Wenn ich eine Frau frage: „Warum wünschen Sie sich gerade jetzt ein Kind?“, dann wird diese Frage oft geradezu als Provokation empfunden und stößt auf Abwehr. Ich schaue zunächst in ratlose Augen und gleich darauf in widerständige und empörte: „Das ist eben so! Ich habe den Wunsch. Das ist doch wohl die natürlichste Sache der Welt!“ Solchen Aussagen können ein Hinweis darauf sein, dass hier eine Verkapselung, ein kompensatorischer Druck im Inneren besteht.

46, ist Klinischer Sexualpsychologe und Leiter der Praxis für Paarberatung und Sexualtherapie in Berlin. Er ist spezialisiert auf die Beratung und Behandlung bei partnerschaftlichen Kommunikations- und Beziehungsstörungen sowie sexuellen Funktionsstörungen. Er hat das Buch „Himmel auf Erden & Hölle im Kopf – Was Sexualität für uns bedeutet“ (442 Seiten, 19,99 Euro, Goldmann) geschrieben.

© Urban Zintel

Das müssen Sie erklären …
Ein Kind bekommen zu wollen, ist die natürlichste Sache der Welt. Okay. Wenn ich dann aber frage, warum die Frauen persönlich und gerade jetzt ein Kind wollen, dann schildern sie nach der ersten Empörung oft drei Formen von Wünschen: den Wunsch nach Schwangerschaft, den Wunsch nach einem Kind, den Wunsch nach Mutterschaft. Und nicht selten sind diese Wünsche zumindest auch dadurch motiviert, dass den Frauen eigentlich etwas anderes fehlt, was durch ein Kind erfüllt oder ersetzt werden werden soll. Und diese Wünsche, bei denen es eigentlich um die Erfüllung anderer Bedürfnisse geht, die nennt man „kompensatorisch“ – und sie entfalten gerade deswegen oft eine enorme, mitunter neurotische Kraft.
Die Wünsche klingen aber nicht besonders defizit-motiviert …
Ich gebe Ihnen einige Beispielantworten, die mir Frauen erzählen: „Ich will schwanger sein, weil ich mich dadurch ganz als Frau fühlen kann und meiner Bestimmung gerecht werde. Ich will ein Kind, weil ich eine innere Leere spüre und meinem Leben einen Sinn geben will. Dann werde ich mich innerlich erfüllt fühlen. Dann werde ich das Gefühl haben, nie mehr allein zu sein. Ich will spüren, dass in mir etwas wächst, dass ich etwas wachsen lassen kann, dass ich es bin, die so etwas bewirken kann. Ich möchte spüren, dass ich etwas in mir austragen kann, das völlig in mir aufgeht. Dass ich letztlich Leben schenken kann.“
Merken Sie etwas? Das Kind selbst kommt nicht vor! Es geht allein um die Frau! Allein ihre Bedürfnisse stehen bei diesen Aussagen im Zentrum ihres Kinderwunsches. Das Kind ist nur Mittel zum Zweck.

Aber schwingt nicht im jedem Kinderwunsch etwas Selbstbezogenes mit?
Ja, genau so ist es. Bei jedem Kinderwunsch gibt es eine Mischung aus eigentlichen (Fortpflanzung) und weniger eigentlichen (Selbstverwirklichung) Gründen. Das ist völlig in Ordnung. Problematisch wird es erst, wenn der defizit-kompensatorische Anteil dieser Motive überwiegt. Heißt: Mir fehlt etwas – und das soll das Kind ausgleichen.
Raten Sie Frauen, bei denen Sie vermuten, dass ein Kind allein ihre Bedürfnisse erfüllen sollen, von einem Kind ab?
Es ist nicht meine Aufgabe, Schläge zu erteilen – auch keine Ratschläge! Zumindest ein Blick auf die eigenen Motive lohnt sich aber meistens. Der Gradmesser für die Frage, ob die Ausprägung eines Kinderwunsches unauffällig oder potenziell problematisch ist, ist folgender: Um wen und was geht es bei diesem Kinderwunsch im Kern? Den neurotisch-kompensatorischen Kinderwunsch erkennt man daran, dass es den Frauen (es sind in der Regel die Frauen) dabei zunächst vor allem oder sogar ausschließlich um sich selbst geht und dass sie die Erfüllung ihres Kinderwunsches nicht einmal im Rahmen einer theoretischen Erörterung in der Therapie zur Disposition stellen können.
Sie können nicht sagen: „Ein Kind zu bekommen wäre schön, aber wenn es nicht klappt, geht die Welt auch nicht unter!“ Stattdessen formulieren sie: „Ich will und ich brauche ein Kind! Und wenn ich kein Kind bekomme, dann war mein Leben umsonst, vergebens, sinnlos, zwecklos, dann kann ich genauso gut sofort Schluss machen.“ Die totale Einengung der Lebensperspektive aber auf das empfundene Defizit sowie die absolute Fixierung auf den kompensatorischen Wunsch bringt Betroffene dazu, in einem Kind sämtliche unerfüllte Lebensanteile realisieren zu wollen. Das kann man keinem Kind wünschen.
Was brauchen Kinder stattdessen?
Je weniger Bedürfnisse und Erwartungen ein Kind erfüllen muss, desto besser und gesünder ist es für seine Entwicklung. Ein Kind sollte nicht zur Welt kommen, um die Defizite der Eltern zu kompensieren oder um deren Identität zu stabilisieren.

Wann will man Kinder – und wie fühlt sich der Kinderwunsch an?

Der Kinderwunsch betrifft beide Geschlechter. Er bestärkt Frauen in ihrer Weiblichkeit und Männer in ihrer Männlichkeit. Wann es so weit ist, Kinder zu bekommen, ist aber individuell sehr unterschiedlich.

Wie merkt eine Frau, ob sie ein Kind möchte?

Viele Frauen fühlen den Wunsch nach einem Kind als ein starkes Sehnsuchtsgefühl. Manche Frauen sehnen sich nach dem Gefühl, schwanger zu werden. Sie möchten spüren, wie ein Kind in ihrem Körper wächst. Die Fähigkeit, ein Kind zu zeugen, empfangen und austragen zu können, ist eine wichtige Säule in ihrer Selbstsicherheit als Frau. Bei anderen Frauen richtet sich der Wunsch mehr auf das Kind, das sie liebhaben und für das sie sorgen möchten. Die Vorstellung, eine Mutter zu sein, gibt dann das Gefühl, eine „richtige Frau“ zu sein.

Wann tritt der Kinderwunsch bei Frauen ein?

Manche Frauen wünschen sich sehr früh ein Kind. Bei manchen tritt er erst auf, wenn die Zeit der Fruchtbarkeit fast oder ganz zu Ende ist. Und natürlich gibt es auch Frauen, die nie Mutter werden möchten.

Wie stehen Männer zum Kinderkriegen und Vaterwerden?

Auch für viele Männer gehören Kinder fest zu ihrer Lebensplanung. Die Erfahrung, fruchtbar zu sein, macht stolz und stärkt das Gefühl der Männlichkeit. Viele freuen sich, wenn ihre Partnerin schwanger ist, und interessieren sich für alles, was mit der Schwangerschaft zu tun hat. Vater zu werden und zu sein ist für viele ein wichtiger Teil ihres Lebens als Mann. Viele Männer fühlen sich aber auch sehr unsicher und fragen sich, ob sie wirklich Vater werden wollen, und ob sie sich der Verantwortung gewachsen fühlen. Manche machen sich auch Sorgen, dass ihre Partnerin für sie nicht sexuell attraktiv bleibt, wenn ihr Bauch wächst.

Wann werden Frauen Mütter?

Das Durchschnittsalter von Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes liegt in der Schweiz bei 31.4 Jahren und steigt kontinuierlich an. Das liegt daran, dass die Zahl der Mütter unter 30 stark abnimmt und die Zahl der Mütter über 35 stark ansteigt. Im Durchschnitt bekommt jede Frau 1.52 Kinder. Auch diese Zahl nimmt seit 2001 ständig zu. Beim Bundesamt für Statistik findest du mehr… . Das Alter der Frauen in Deutschland ist bei der Geburt des ersten Kindes 29.3 Jahre.

Wann werden Männer Väter?

Das Durchschnittsalter der Männer beim ersten Kind ist nicht erhoben. Bekannt ist, dass kaum ein Mann, bevor er 25 Jahre alt ist, Vater wird. 60 Prozent der 25- bis 34-jährigen Männer sind noch kinderlos.

Einseitiger Kinderwunsch – was kann ich tun?

Familienplanung kann die Beziehung belasten, wenn der Kinderwunsch einseitig ist und der Partner keinen Nachwuchs möchte. Lesen Sie hier, woran es liegen kann und welche Möglichkeiten Sie haben.

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Einseitiger Kinderwunsch kann von Frau und Mann ausgehen

Taucht in der Beziehung das Thema Kinderwunsch auf, aber die Frau oder der Mann will nicht, fühlt sich der andere Partner oft alleingelassen. Frauen leiden häufiger unter dieser Situation als Männer, denn bei ihnen tickt zusätzlich die biologische Uhr. Ab einem Alter von 40 oder 45 Jahren ist es in der Regel zu spät, ein Baby zu bekommen. Außerdem interessieren sich Frauen schon von Natur aus mehr für das Thema Babys und Kinder. Es liegt ihnen buchstäblich im Blut. Daher fühlen sie sich auch schnell zum Nachwuchs von Freunden und Verwandten hingezogen, nehmen gerne fremde Babys auf den Arm und schmusen mit ihnen.

Doch auch Männer können darunter leiden, wenn ihr Kinderwunsch einseitig ist. Verspüren sie einen Kinderwunsch, aber die Frau will nicht, befinden sie sich in einer ähnlich verzwickten Lage. Das unerfüllte Verlangen nach einem eigenen Baby kann für beide Geschlechter sehr ausgeprägt sein und mit der Zeit eine ernstzunehmende Belastung darstellen.

Einseitiger Kinderwunsch hat verschiedene Gründe

Die Gründe, die gegen Nachwuchs sprechen, sind bei einseitigem Kinderwunsch sehr unterschiedlich. Die häufigsten sind:

  • Finanzielle Probleme
  • Angst vor der Verantwortung
  • Angst vor Veränderungen in der Beziehung
  • Angst vor der Mutter- bzw. Vaterrolle
  • Konflikte mit Beruf und Karriere

Problematisch wird es auch, wenn einer der beiden Partner bereits Kinder aus einer früheren Beziehung hat und aus finanziellen oder persönlichen Gründen keine weiteren Kinder bekommen möchte. Auch Partner, die sich prinzipiell gegen Kinder aussprechen, kommen häufig vor.

Das Gespräch suchen

Generell ist Offenheit der richtige Weg. Sprechen Sie das Thema konkret an und diskutieren Sie sachlich darüber. Ist Ihr Partner gegen ein Baby, sprechen Sie gemeinsam über die Gründe. Dabei ist es wichtig, dass Sie das Thema realistisch angehen. Übertriebene Erwartungen sind ebenso kontraproduktiv wie bewusste Schwarzmalerei. Versuchen Sie stattdessen, die Argumente Ihres Partners ernst zu nehmen und zu verstehen. Männer tun sich generell mit dem Gedanken an die Elternrolle schwerer als Frauen. Eine Studie der Robert Bosch Stiftung aus dem Jahre 2006 zeigt, dass ein Viertel der befragten Männer keine Kinder haben möchte. Bei den Frauen ist der Anteil mit jeder siebten Befragten um einiges geringer. Bei vielen Männern steckt die Angst vor dem Vatersein dahinter. Vielleicht lassen sie auch eigene negative Erlebnisse in der Kindheit zurückschrecken. Zudem sehen sich viele Männer auch heute noch viel stärker als Ernährer der Familie als Frauen. Sie fühlen sich mit dem Gedanken, Partnerin und Nachwuchs versorgen zu müssen, schlichtweg überfordert.

Männer tun sich generell mit dem Gedanken an die Elternrolle schwerer als Frauen.

Zusammen nach Lösungen suchen

Einseitiger Kinderwunsch lässt sich in vielen Fällen gemeinsam lösen. Überlegen Sie zusammen, welche Probleme und Verbindlichkeiten durch ein Kind entstehen können, und suchen Sie nach Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen. Auch Gespräche mit Freunden und Verwandten, die bereits Eltern sind, können dabei helfen. In einer stabilen Beziehung werden Sie dabei mit großer Sicherheit zu einer Entscheidung kommen.

Gemeinsam getroffene Entscheidungen akzeptieren

Egal, wie die Entscheidung lautet, wichtig für die Zukunft ihrer Partnerschaft ist, dass sich nun beide Partner daran halten. Konnte die Frau beim Thema Kinderwunsch den Mann überzeugen oder umgekehrt, sollten auch beide voll und ganz dazu stehen. Vorhaltungen wie „Ich habe es dir ja gleich gesagt!“, wenn es einmal schwierig wird, helfen nicht weiter und vergiften die Beziehung. Auch wenn die Entscheidung gegen Nachwuchs ausfällt, müssen beide Parteien bereit sein, dies rückhaltlos zu akzeptieren. Ansonsten kann ein einseitiger Kinderwunsch zu einem unterschwelligen Konflikt werden, der die Partnerschaft von innen zerstört.

Manchmal ist auch professionelle Hilfe wie eine Paartherapie ein guter Weg. Der Therapeut als unabhängiger Dritter kann Sie beide bei der Entscheidungsfindung unterstützen und Lösungswege aufzeigen. Außerdem tun sich einige Paare in einer neutralen Umgebung leichter, das Thema sachlich zu diskutieren.

Ist ein Kompromiss möglich?

Einseitiger Kinderwunsch ist ein ernsthaftes Problem, bei dem Kompromisse nicht möglich sind. Denn ein bisschen schwanger werden geht nicht. Der betroffene Partner sitzt praktisch zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite steht seine Beziehung und auf der anderen das unerreichbar scheinende Familienglück. Viele Partner verzichten zugunsten der Beziehung auf das Baby und zahlen dafür auf lange Sicht einen hohen Preis. Denn ein langjährig gehegter einseitiger Kinderwunsch kann eine Depression und andere psychische Erkrankungen verursachen. Daher ist ein Kompromiss selten eine gute und dauerhafte Lösung. Anders sieht es beispielsweise bei der Anzahl der Kinder aus oder wann das zweite Kind geplant ist. Bei diesen Fragen haben Paare einen wesentlich größeren Entscheidungsspielraum.

Ultimatum und Trennung als letzter Ausweg?

So hart es klingt: Ist der Kinderwunsch einseitig, hilft ausschließlich, Klartext zu reden. Wenn Sie für sich selbst entschieden haben, dass Kinder unbedingt in Ihr Leben gehören, dann stehen Sie auch dazu. Ist Ihr Partner auch nach Ihren gemeinsamen Gesprächen noch unentschlossen, geben Sie ihm und sich Bedenkzeit. Lassen Sie das Thema einige Monate oder ein halbes Jahr ruhen und sprechen Sie danach wieder über Ihren Kinderwunsch. Wenn der Partner weiterhin nicht will, ist die Trennung von diesem Lebensgefährten durchaus ein realistischer Schritt, über den Sie ernstlich nachdenken sollten. Auch diese Entscheidung ist schwerwiegend und selten umkehrbar. Daher sollte die Trennung von Ihrem Partner stets die letzte Option bleiben.

Zwingen Sie Ihrem Partner nichts auf

Einseitiger Kinderwunsch kann Frauen zu drastischen Maßnahmen verleiten. Einige versuchen, ihren Partner zu seinem Glück zu zwingen. Sie setzen einfach Verhütungsmittel wie Pille oder Spirale ab und lassen der Natur ihren Lauf. Ist das Baby erst unterwegs, wird sich der Rest schon finden. Diese Lösung ist äußerst riskant, denn der Partner fühlt sich durch diese Handlungsweise zu Recht hintergangen und überrumpelt. Ein solcher Vertrauensbruch führt meist ebenfalls in eine Beziehungskrise oder zu einer Trennung.

Machen Sie sich stattdessen klar, dass einseitiger Kinderwunsch ein ernstzunehmender Konflikt in Ihrem Leben ist, und ziehen Sie, wenn nötig, Ihre Konsequenzen daraus. Wenn Sie schon so weit gehen würden, einfach heimlich ein Baby zu bekommen, ist es ratsam, den Status Ihrer Beziehung allgemein neu zu überdenken.

Kinderwunsch ohne Mann realisieren: So geht es

Viele Frauen denken darüber nach, sich ihren Kinderwunsch ohne Mann zu erfüllen. Schwanger zu werden ohne Mann ist zwar biologisch unmöglich, doch Single-Frauen haben heute durchaus Optionen.

Bei einem Kinderwunsch ohne Mann stehen zwei Aspekte im Vordergrund: die biologische Erfordernis der männlichen Spermien zur Befruchtung der Eizelle und der soziale Aspekt. Die meisten Frauen würden sich für ihre Kinder sicher wünschen, dass diese in einer stabilen Familie aufwachsen, und für sich selbst, dass ein Vater die – nicht zuletzt auch finanzielle – Last teilt.

Doch immer mehr Frauen, die keinen geeigneten Partner gefunden haben oder einfach die Freiheiten des Single-Lebens bevorzugen, nehmen das Projekt Baby heute auch alleine in Angriff. Sie verfügen über ein eigenes Einkommen und viel Selbstbewusstsein. Sie möchten ein Wunschkind für sich selbst bekommen, an das sie ihre Erfahrungen weitergeben und das sie durch die Höhen und Tiefen des Lebens begleiten können. Zugleich lässt sich der Kinderwunsch als Single-Frau heute viel leichter auf dem Wege der künstlichen Befruchtung realisieren als noch im letzten Jahrhundert.

Heute lässt sich der Kinderwunsch als Single-Frau viel leichter realisieren als noch im letzten Jahrhundert.

Die Entscheidung will jedoch gut überlegt sein, wenn die Unterstützung eines Partners fehlt: Denn wo sich sonst zwei Personen die Betreuung des Kindes teilen, ist die Single-Mutter alleine. Ein stabiler Arbeitsplatz und ein gutes berufliches Netzwerk, das im Falle einer Arbeitslosigkeit aushelfen kann, sollten also vorhanden sein. Auch zu Hause kann schnell Überforderung drohen, wenn kein Partner da ist, der helfend einspringt oder die Kinderbetreuung übernimmt, wenn Sie Termine wahrnehmen müssen.

Kinderwunsch ohne Mann: die wichtigsten Überlegungen

Um einen Kinderwunsch als Single-Frau zu realisieren, sollten Sie zunächst überlegen, auf welche Hilfe Sie zählen können. Sind Ihre Eltern beispielsweise bereit, ab und zu als Babysitter einzuspringen oder das Kind abends aus der Kita abzuholen, wenn Sie am Arbeitsplatz aufgehalten werden oder einen Arzttermin wahrnehmen müssen? Haben Sie Schwestern oder gute Freundinnen mit kleinen Kindern, die gelegentlich Ihr Kind mitbetreuen könnten?

Denken Sie über Ihre Wohnsituation nach: Als Single-Frau benötigen Sie weniger Platz für sich alleine als als Mutter mit einem Kind, das ein eigenes Zimmer bekommen soll. Können Sie sich gegebenenfalls den Umzug in eine größere Wohnung leisten oder wären Sie bereit, ihm zuliebe in eine kleinere Stadt mit günstigerem Wohnraum zu ziehen?

Gehen Sie auch einmal in sich: Tragen Sie schon seit Jahren einen unerfüllten Kinderwunsch als Single mit sich herum und spüren, dass die biologische Uhr immer lauter tickt? Dann ist es sicher sinnvoll, nicht länger auf einen potenziellen Vater zu hoffen, sondern die Schwangerschaft zu realisieren, solange diese für Mutter und ungeborenes Kind so gesund und sicher wie möglich verlaufen kann. Fühlen Sie sich jedoch einfach vernachlässigt, weil Freundinnen auf einmal voll in ihrer Mutterschaft aufgehen und keine Zeit mehr für Sie haben? Glauben Sie, dass ein Kind eine praktische Methode wäre, die innere Leere im Leben zu füllen? Dann sollten Sie sich den Kinderwunsch noch einmal überlegen, denn wenn das Kind einmal da ist, werden Sie viele Jahre die Verantwortung für das junge Leben tragen.

Schwanger werden ohne Mann: die Möglichkeiten

So ganz lässt sich der Kinderwunsch ohne Mann nicht realisieren. Es gibt für Single-Frauen jedoch gleich mehrere Optionen, um schwanger zu werden:

  • Anonyme Samenspender
  • Bekannte als Samenspender
  • Adoption
  • Pflegekind aufnehmen

Eine Adoption bleibt für die meisten Single-Frauen ein Wunschtraum. Schon jetzt ist die Nachfrage nach Adoptionskindern weit höher als das Angebot, und kinderlose verheiratete Paare werden generell bevorzugt. Leichter ist es, Pflegekinder aufzunehmen, denn für diese werden auch alleinstehende Frauen als Betreuer akzeptiert. Allerdings bleibt das Pflegekind gleichzeitig auch immer mit den leiblichen Eltern verbunden, sodass Sie es mit ihnen teilen müssen.

Die Samenspende in Deutschland

Die deutsche Politik hinkt der Realität um einige Jahre hinterher. So besagt eine 2006 veröffentliche Richtlinie der Bundesärztekammer, dass Reproduktionsmediziner Frauen ohne männlichem Partner nicht mit künstlicher Befruchtung helfen sollen. Dies gilt auch für lesbische Paare. Zugleich haben Samenspender seit einem Urteil des OLG Hamm kein Recht mehr auf Anonymität. Dies schreckt viele potenzielle Samenspender ab, denn sie fürchten etwaige Unterhaltungs- und Erbansprüche.

Um einen Kinderwunsch als Single in Deutschland zu realisieren, müssen Sie neben einem geeigneten Reproduktionsmediziner möglicherweise auf eigene Faust einen Samenspender finden, zum Beispiel aus dem Bekanntenkreis. Eine Alternative stellt der Gang ins Ausland dar: In den Nachbarländern Dänemark und Niederlande ist der Umgang mit dem Kinderwunsch für Single-Frauen weit weniger restriktiv.

Kinderwunsch ohne Mann umsetzen

Die Befruchtung kann auf verschiedene Weise erfolgen. Bei der intrauterinen Insemination wird mit Medikamenten ein künstlicher Eisprung herbeigeführt. Anschließend wird der zuvor eingefrorene Samen aufgetaut und aufbereitet, ehe er über einen Katheter in die Gebärmutter eingeführt wird. Alternativ findet eine künstliche Befruchtung außerhalb des Körpers („In-vitro-Fertilisation“) statt. Die befruchtete Eizelle wird dann in die Gebärmutter eingepflanzt. Die Chancen auf eine Schwangerschaft liegen bei etwa 15 Prozent bei künstlicher Befruchtung und 19 Prozent bei Insemination. Es sind vermutlich mehrere Anläufe notwendig, ehe Sie schwanger sind.

Der gesellschaftliche Aspekt

Wenn Sie einen Kinderwunsch als Single verspüren und ganz sicher sind, dass Sie unbedingt ein eigenes Kind haben möchten, sollten Sie sich nicht von gesellschaftlichen Vorurteilen abhalten lassen. Schließlich gibt es ohnehin keine Garantie dafür, dass eine Ehe ewig hält, und viele Kinder wachsen heute bei einem alleinerziehenden Elternteil auf. Ihr Kind wird ein echtes Wunschkind sein und Ihre Liebe und das Gewünschtsein beim Aufwachsen stets spüren, wenn Sie es auf seinem Lebensweg durch Kindergarten, Schule und Studium begleiten.

Nehmen Sie also ruhig die Chance wahr, sich Ihren Kinderwunsch ohne Mann zu erfüllen und Ihrem Nachwuchs ein glückliches Leben mit einer Mutter zu geben, die sich dieses Kind wirklich intensiv gewünscht hat.

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Mein Mann will kein Kind: Jetzt überlege ich, ihn nach 8 Jahren zu verlassen

Jetzt frage ich mich: Habe ich irgendeine Ausfahrt verpasst, hätte mir irgendwas auffallen müssen? Wollte ich es nicht wahrhaben, als sich das Blatt wendete? Alles schien „schon irgendwie auf den Punkt der Punkte“ hinauszulaufen, an dem wir dann den nächsten Schritt gehen würden.

Bis ich dann 2017 mit 34 mit einer mehrjährigen Weiterbildung in meinem Bereich fertig wurde und der Moment eintrat, an dem es eigentlich hätte losgehen können… Doch es passierte nichts. Er sprach das Thema nie an, war genervt und wich Gesprächen darüber generell aus.

Wie viel Freiheit müssten wir für ein Kind aufgeben?

In den Jahren davor hatten fast alle unsere Freunde und Verwandten über 30 Nachwuchs bekommen und es war schon klar, dass er dadurch erlebte, wie viel Fremdbestimmtheit ein Kind ins Leben bringen kann und wie viel von seiner Freiheit man auch aufgeben muss – der Begriff „spießig“ fiel auch öfter – wenn auch halb im Scherz.

Das machte mich zwar hellhörig, aber so richtig dämmerte mir erst nach der Prüfung, dass sich der Wind gedreht hatte. Bis dahin war es für mich schlicht nicht möglich, ein Kind zu bekommen, da ich einmal im Monat für eine Woche im Ausland war und dazu mit meiner Selbstständigkeit vollauf beschäftigt. Wir arbeiten beide viel, das überlagert natürlich auch vieles.

Und so verging ein Jahr, und dann noch eins… Er wechselte die Firma, ich ließ ihm Raum sich umzugewöhnen und freute mich, wie er im neuen Umfeld aufging.

Ich sprach das Thema dann mehrfach an und es kam keine klare Ansage von ihm, aber ein immer deutlicheres „eher nicht“. Das machte mir Bauchschmerzen.

„Ich hatte gehofft, einen Mann zu finden, der Familie will“

Ich hatte das Thema „den Zug verpassen“ selbst nie so wie andere Freundinnen in Vordergrund gestellt; war keine von denen, die mit 29 sagen, sie würden mit 35 zur Samenbank gehen, wenn es nicht klappt, einen geeigneten Papa zu finden.

Ich hatte – naiverweise – einerseits früher immer gehofft, einen Mann zu finden, der gerne Familie haben möchte und andererseits bei meinem aktuellen Partner, der da etwas „individualistischer“ unterwegs war, gedacht: Okay, er wird vielleicht nicht der begeisterte Spielplatzpapa, aber er will ja Kinder und so ganz konventionell bin ich ja auch nicht – das wird schon.

Aber das wurde es nicht. Und das wird es auch nicht.

In einem – harten, aber nicht lieblosen – Gespräch hat er mir nun gesagt, dass er sich mittlerweile zu 99 Prozent sicher ist, keine Kinder zu wollen. Er ist 39 und die Entscheidung ist über Jahre gereift. Da wird sich wohl nichts dran ändern, denke ich… und kann es doch schwer glauben.

Jetzt muss ich damit umgehen.

Will ich diese Beziehung so sehr, dass ich dafür die Möglichkeit, Mutter zu werden für mich begrabe?

Will ich sie aufgeben, in der vagen Hoffnung, noch einen anderen Mann kennenzulernen und in dem Zeitfenster, das dann bleibt, eine Familie zu gründen?

Was ist, wenn ich das total bereue? Jeder hat wahrscheinlich eine Bekannte, die mit Ende dreißig oder Anfang vierzig eine Liebesenttäuschung nach der anderen erlebt… oder einfach keine Männer kennenlernt.
Allein dieses Abwägen – sich zu trennen oder nicht – finde ich schon total belastend…

Aber die Aussicht, irgendwann mit 50 dazusitzen und das Fenster ist ein für alle Mal zu zu wissen, ist beängstigend.

Acht Jahre Liebe aufgeben für ein Kind?

Meine aktuelle Beziehung ist etwas eingeschlafen – aber wir bedeuten uns viel und ohne solche Themen würde ich nochmal anders um die Beziehung kämpfen. So muss ich mir die Frage stellen, ob ich gerade kurz davor bin, den Zug, von dem ich selbst nicht weiß, wie viel er mir bedeutet, zu verpassen. Denn ganz so eindeutig ist es für mich eben nicht und ich mag mein aktuelles Leben auch. Zudem sind mit dem Mutterwerden auch Ängste verbunden.

Auf dem Gedankenkarussell fahren mit:

  • Vielleicht werde ich Mutter eines Kindes mit einem anderen Mann und vermisse mein aktuelles Leben, meinen Partner…
  • Vielleicht bekomme ich keinen Typen mehr ab…
  • Vielleicht lerne ich nur „katastrophale“ Männer kennen (Singlebörsenhelden usw.)…
  • Vielleicht bereue ich alles, so oder so…

Haben nicht viele Leute diese Gedanken? Aber es ist halt anders, wenn es einen selbst betrifft. In meinem Kopf kreist das Karussell und der Knoten will sich einfach nicht lösen. Sobald man es ausspricht, weiß man, dass es unmöglich ist, weil man nicht in die Zukunft sehen kann, aber: Ich will einfach keinen Fehler machen…

Dazu kommen ganz konkrete Überlegungen: Ich müsste mir mit meinem Hund eine neue Wohnung suchen, ich hätte eigentlich kaum Zeit, überhaupt einen neuen Mann kennenzulernen, da ich zu meiner Selbstständigkeit noch ein Studium aufgenommen habe (das ebenfalls direkt mit Kindern zu tun hat)…

  • Werde ich ewiger Single mit Hund?
  • Gibt es mit meinem Freund eine Zukunft, wenn diese Frage zwischen uns steht?
  • Würde ich die Kinderfrage loslassen können?

Das Karussell dreht sich weiter.

Ich will Mama werden: Soll ich meine Beziehung dafür beenden?

Natürlich sehe ich auch die positiven Seiten an meinem Leben und die gewollt kinderlosen Bekannten haben kein schlechtes Leben. Meine Freundinnen mit Kind sind Gott sei Dank sehr verständnisvoll und kommen nicht mit pauschalen Lösungen wie „Schieß ihn ab“ oder „Juble es ihm unter“ – das ist alles nicht selbstverständlich.

Doch trotz Ratschlägen, Beistand und vielen Ressourcen im Internet bin ich mit der Entscheidung doch allein. Klarheit ist gut und wichtig, doch dass es in diese Richtung gehen würde, habe ich trotz einiger Signale nicht kommen sehen… oder nicht wahrhaben wollen.

Ich fühle mich gerade ehrlich gesagt ziemlich gefangen – in meinem eigenen Kopf.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Stadtlandmama.de.

Kinderwunsch: Sie will, er nicht

Mögliche Lösung: Viele Wege führen nach Rom! Kristins Lösung war allerdings zweifelhaft: „Ich wusste, mein Mann würde ein guter Vater sein. Ich bin deshalb ‚versehentlich‘ schwanger geworden. Und er ist unserer Kleinen ein toller Vater. Ich glaube, er ist total erleichtert, dass seine Angst unbegründet war.“ Eher taktisch ging eine Frau vor, die erzählt: „Ich habe eine Zeitlang alle greifbaren Babys aus der Nachbarschaft zu uns geholt und sie meinem Mann in die Arme gedrückt. Irgendwie mochten ihn die Kinder. Tja, und heute haben wir selbst drei Mädels!“

Scheut ein Mann die Verantwortung, kann frau ihn an Situationen erinnern, in denen er sich verantwortungsvoll verhalten hat – und wie sehr sie dies von seiner Eignung zum Vater überzeugt hat. Dem Konsum- und Freizeit-Enthusiastiker kann sie dagegen vorrechnen, dass eine gute Arbeitsteilung auch mit Baby Freiräume verschaffen wird, und dass ein rascher Wiedereinstieg in den Beruf die finanzielle Lücke verkleinern wird.

2. Der Aufschieber

Dieser Typ vertröstet gern auf ein unbestimmtes „Später“. Manchmal ist er beruflich noch in der Ausbildungs- und Aufbauphase, vielleicht ist das Paar auch noch nicht lang zusammen, oder der Mann möchte zuerst noch etwas ganz Neues anfangen. „Ich bin bald 35, mein Partner ist 40. Bei mir wird der Kinderwunsch immer stärker. Er möchte aber zuerst ‚aussteigen‘ und nach Südamerika ziehen“, postet eine Userin ratlos in einem Kinderwunschforum.

Mögliche Lösung: Zeitplan statt Wischiwaschi. Beim aufschiebenden Typ hilft es, einen Zeitplan zu machen. Man kann sagen: „Ich verstehe, dass es momentan ungünstig ist. Wann meinst du, können wir loslegen? Sollen wir sagen, in einem Jahr? Oder in zwei?“ Das entlastet beide: Der Mann wird nicht mehr mit dem Kinderwunsch bedrängt, und für die Frau ist das Warten zeitlich absehbar.

3. Der ausgepowerte Vater

Er will nicht mehr: Ein häufiger Typ ist der Mann, der bereits Vater ist, aber kein weiteres Kind möchte. Oft ist der Grund ein Gefühl der Überforderung. „Ich wollte immer vier Kinder. Mein Mann hat aber nach dem dritten gesagt, nochmal diese Nächte ohne Schlaf halte er nicht aus“, erzählt Jana Zwittek aus Leverkusen.

Mögliche Lösung: Relaunch des Familienalltags. Diesem Typ Mann könnte eine Frau versprechen, dass er nachts für das Baby nicht aufstehen muss, wenn er dafür die Kinder abends ins Bett bringt oder morgens startklar macht. Vielleicht kann für einige Stunden eine Kinder- oder Putzfrau kommen, so dass der Stressfaktor in der Familie sinkt. Die Zwitteks fanden einen anderen Kompromiss: “ Wir haben jetzt ein Pflegekind. So haben wir die stressige Babyzeit quasi ‚übersprungen'“, lächelt Jana.

4. Der Mann mit Kindern aus früherer Beziehung

Oft ist der Grund der Verweigerung aber auch, dass ein Mann bereits eines oder mehrere Kinder aus einer früheren Beziehung hat. „Mein Mann hatte schon zwei halbwüchsige Kinder aus erster Ehe und wollte eigentlich keines mehr“, erzählt auch Christa Peters aus Bonn.

Mögliche Lösung: der Ein-Kind-Kompromiss. Es tut der Liebe nicht gut, wenn eine Frau nur deshalb kein Kind bekommen darf, weil eine frühere Partnerin schon Kinder mit dem Mann hat. Christa und ihr Mann schafften einen Kompromiss – der trotzdem für beide schwer war: „Er sagte, ein Kind mit mir sei das Maximum. Unser Sohn ist jetzt ein Teenager. Ich hadere aber bis heute damit, dass ich nur ein Kind haben konnte.“

5. Der Zauderer

„Nach unserem ersten Kind sagte mein Mann, dass er eher kein zweites möchte. Er ist selbst Einzelkind und sagte, er habe irgendwie Angst vor dem Unbekannten“, erzählt Bärbel Jannecke aus Wuppertal. Der Zauderer ist der vielleicht einfachste Typ: Er mag zwar nicht selbst die Initiative für ein (weiteres) Kind ergreifen, hat aber auch nicht wirklich etwas dagegen.

Mögliche Lösung: Nägel mit Köpfen. Der zögerliche Typ verkraftet es oft gut, wenn ein Baby einfach „passiert“. „Wir haben besprochen, dass wir es auf uns zukommen lassen. Als es klappte, musste ich allerdings damit klarkommen, dass seine Freude nicht gerade überschäumend war. Er macht seine Sache als zweifacher Vater aber total gut!“, erzählt Bärbel.

6. Der Umschwenker

„Ich (27) bin zurzeit kurz vorm Durchdrehen. Mein Mann (45) will kein zweites Kind mehr. Mitte des Jahres hat er gesagt, dass wir im Herbst anfangen, daran zu basteln. Jetzt hat er gesagt, dass er definitiv kein zweites Kind mehr will“, klagt eine Frau im urbia-Forum Baby.

Mögliche Lösung: Warten, bis der Wind dreht. Der Umschwenker ändert nicht selten mehrere Male die Meinung. Deshalb sollte die Frau jetzt gelassen reagieren, um seine Ablehnung nicht zu verfestigen: „Wenn du es dir im Moment nicht vorstellen kannst, lass uns später nochmal darüber reden.“ Nicht selten ändert sich seine Haltung nach einiger Zeit wieder. Dann gilt: ran an den Mann, bevor er es sich wieder anders überlegt!

7. Der kühle Rechner

Manchmal bremst das allzu knappe Geld: „Mein Mann ein absoluter Kopfmensch. Er sagt, ein zweites Kind können wir uns nicht leisten“, klagt eine Userin im urbia-Forum Finanzen & Beruf. „Aber muss dieser Wunsch nicht vom Herzen entschieden werden, statt vom Taschenrechner?“

Mögliche Lösung: Ein (Rechen-) Exempel statuieren. Dem Kopfrechner kann eine Frau – gut vorbereitet – aufzeigen, wie der Babywunsch mit Einschränkungen, finanziellen Hilfen des Staats oder auch durch schnelle Rückkehr in den Job doch realisiert werden könnte. Dieser Typ Mann mag auch gern Haushaltspläne, die belegen, dass die Familie auch die Windeln für ein weiteres Kind stemmen kann.

8. Wenn der Mann will, die Frau aber nicht

Auch er darf aber nicht unerwähnt bleiben: Der Mann, der sich sehr wohl ein Baby wünscht, dessen Partnerin aber keines will. „Meine Frau sagte mir jetzt, dass sie nun doch keine Kinder will, obwohl früher sogar sie es war, die mich vom Kind überzeugt hat. Sie hat seit ein paar Monaten die Pille genommen, ohne dass ich das wusste“, klagt ein Mann in einem Online-Forum. „Als Grund sagte sie, dass sie bei ihren Freundinnen sieht, wie es ist, Kinder zu haben, und dass ihr da doch eine Menge Freizeit flöten geht. Ich weiß aber, dass ich so nicht glücklich werde.“

Die mögliche Lösung: im Gespräch bleiben. Wenn eine Frau kein Baby (mehr) möchte, hat dies oft ähnliche Gründe, wie sie schon bei den Männern aufgezeigt wurden. Deshalb gilt auch hier: Menschen verändern und entwickeln sich, deshalb sollte auch ein Mann mit seiner Liebsten im Gespräch bleiben und – je nach Art ihrer Bedenken – eine Lösung vorschlagen.

Babywunsch kann man nicht erzwingen

Beim Gespräch müssen neben den Argumenten auch die Emotionen auf den Tisch. Jeder sollte dabei seine Gefühle beschreiben, sich aber auch in die Rolle des Anderen versetzen: „Ich kann dich verstehen, du hast Bedenken, weil… Für mich ist es aber so, dass…“ Dennoch: erzwingen kann man nichts: „Über einen Kinderwunsch lässt sich nicht streiten. Kein Partner hat das Recht, vom anderen zu verlangen, sich ein Kind wünschen zu müssen“, betont Dr. Doris Wolf, Diplom-Psychologin aus Mannheim.

Tabu ist es daher, mit einer Trennung zu drohen, um den Anderen zu erpressen, das höhlt die Liebe aus. Vor allem, wenn Einer von beiden überhaupt kein Kind möchte oder den Anderen seit Jahren hinhält, muss man aber für sich selbst abwägen, ob man auf den Kinderwunsch verzichten kann oder nicht. Ob einem also „die Partnerschaft ohne Kind mit diesem Partner – oder ein Kind mit einem anderen Partner wichtiger ist. Was würde sie (oder er) einmal im Rückblick auf das Leben mehr bedauern?“, fragt Dr. Doris Wolf.

* Alle Namen geändert

Am Donnerstag sind an der Harvard-Universität die 25. sogenannten Ig-Nobelpreise verliehen worden. „Ig“ geht auf den englischen Ausdruck „ignoble“ zurück und bedeutet etwa „unwürdig“. Die Stiftung „Improbable Research“ ehrt Forscher, die mit ihrer Arbeit „erst zum Lachen, dann zum Nachdenken anregen“. Diesen „Anti-Nobelpreis“ in der Kategorie Mathematik gewann dieses Jahr der deutsche Evolutionsbiologe Karl Grammer. Gemeinsam mit seiner Kollegin Elisabeth Oberzaucher hat er die Legende statistisch untersucht, wonach der marokkanische Sultan Mulai Ismail (1645–1727), genannt „der Blutrünstige“, mit vier Ehefrauen und rund 500 Haremsdamen 888 Nachkömmlinge zeugte.

Herr Grammer, darf ich Sie fragen, wie viele Kinder Sie haben?

Ja, können Sie, ich habe eins.

Ist Ihnen das genug, oder hätten Sie auch gerne 888?

Das reicht aus.

Sie haben ja ausrechnen wollen, ob Mulai Ismail in 30 Jahren 888 Kinder zeugen konnte. Konnte er?

Ja, das war möglich – rein theoretisch.

Wie haben Sie das herausgefunden?

Ich habe mit Hilfe einer Simulation herauszufinden versucht, ob es tatsächlich möglich ist oder nicht. Da fließen ein Haufen Variablen mit ein, wie etwa die Abnahme der Spermienqualität im Alter oder das Verbot des Geschlechtsverkehrs während der Menstruation.

Wie häufig hatte er demnach Sex?

Er hätte im günstigsten Fall 0,8 Mal Geschlechtsverkehr am Tag haben müssen. Am Wochenende hatte er also frei.

Angeblich besaß er 500 Konkubinen und vier Ehefrauen. Hätte er die alle gebraucht?

Nein, das wäre mit 90 bis 150 Frauen genauso gegangen.

Wie viele Kinder hätte er haben können?

Mit zwei Kopulationen pro Tag hätte er auf gut 1100 Kinder kommen können. Aber die Mädchen der Konkubinen muss man abziehen, die wurden gleich erdrosselt.

Das klingt ja schrecklich.

Der Mulai Ismail war kein angenehmer Mensch. Das wissen wir vom Bericht eines französischen Jesuitenpaters, der sich zu dieser Zeit in Marokko aufgehalten hat. Ismail hat Frauen, die versucht haben, fremdzugehen, die Brüste abgeschnitten und die Zähne ausgerissen. Männer, die seine Frauen angeschaut haben, wurden getötet. Immer wenn er gelb angezogen war, war er mordlustig. Man sagt, er habe seine Pferde besser behandelt als seine Frauen.

Wissen Sie etwas über die Gründe für seinen Vermehrungswahn?

Nein. Wir wissen nur, dass die Kinder eine regelrechte Plage in der Stadt waren. Sie haben alles machen dürfen, ohne dass sie bestraft werden konnten.

Was ist aus den Kindern geworden?

Wenn Sie das umrechnen, ist mehr als halb Marokko mit dem Sultan verwandt. Mit DNA-Analysen könnte man das wahrscheinlich nachweisen. Bei Dschingis Khan hat man so etwas ja gemacht. Der hat angeblich 2000 Kinder gezeugt.

Wie sind Sie überhaupt auf diese Geschichte gestoßen?

Ich habe einmal auf einem reproduktionsmedizinischen Kongress mit 1000 Teilnehmern einen Vortrag gehalten. Während des Vortrages habe ich mich gefragt, wie oft man eigentlich kopulieren muss, um Nachwuchs zu produzieren. Ich stellte die Frage an das Auditorium, und keiner der Mediziner wusste eine Antwort. Dann habe ich mich hingesetzt und eine Simulation gebaut, und eines Tages kam Mulai Ismail dazu.

Und, wie oft muss man?

Es braucht 21 Kopulationen – wenn die zufällig verteilt sind über den Zyklus.

Den Preis in Harvard hat Ihre Kollegin in Empfang genommen. Warum waren Sie nicht dort?

Ich arbeite gerade an einem sehr anstrengendem Forschungsprojekt – ich baue jetzt Roboter.

Wie ist Ihre Reaktion auf die Bekanntgabe ausgefallen?

„Ja, mein Gott“, habe ich gesagt. Dieser Nobelpreis ist eine sehr zwiespältige Geschichte. Man kann sich wenigstens noch damit anfreunden, dass das Sachen sind, die etwas ungewöhnlich klingen und dann zum Nachdenken auffordern.

Was haben Sie bekommen?

10 Millionen Zimbabwe-Dollar und einen Blumentopf.

Uganda: Frau (39) war 15 Mal schwanger und hat 38 Kinder

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Berlin. Eine Mutter aus Uganda hat bereits 44 Kinder auf die Welt gebracht. Weil sechs der Kinder gestorben sind und sie von ihrem Mann verlassen wurde, muss sie sich alleine um die 38 Kinder kümmern. Beinahe unglaublich: Die Kinder kamen durch 15 Schwangerschaften auf die Welt. Insgesamt bekam die Frau sechs Zwillinge, vier Drillinge und fünf Vierlinge.

Wenn Mariam Nabatanzi über ihren Ex-Mann spricht, hat sie keine guten Wörter für ihn übrig. Die 39-jährige Frau aus Uganda wurde nach der 44. Schwangerschaft von ihrem Mann verlassen, weil es Komplikationen gab. Nabatanzi bezeichnet ihren Ex-Mann als Schimpfwort. Für ihre Kinder hat sie nur einen Wunsch, wie sie zu Reuters sagt.

Uganda: 38-fache Mutter kümmert sich allein um die Kinder

Mit 39 Jahren hat sie 38 Kinder. Sechs Kinder von Mariam Nabatanzi sind gestorben. Sie selbst wurde mit 13 Jahren zwangsverheiratet, kurz danach wurde sie zum ersten Mal schwanger. Seitdem sie vor etwa drei Jahren von ihrem Mann verlassen wurde, ist sie alleinerziehend – und muss sich allein um die Großfamilie kümmern.

„Die Zeit kümmere ich mich um meine Kinder and arbeite, um etwas Geld zu verdienen“, sagt Nabatanzi zur Nachrichtenagentur Reuters.

Reuters hat mit Mariam Nabatanzi gesprochen und ihre traurige Geschichte erzählt: Sie sei unter Tränen aufgewachsen, ihr Mann, mit dem sie zwangsverheiratet wurde, habe ihr viel Leid angetan. Trotz der hohen Anzahl an Kindern riet ihr ein Arzt von Antibabypillen ab.

Ihre erste Geburt sind gleich Zwillinge: Auf die Zwillinge sollten in den nächsten 26 Jahren noch 42 weitere Kinder folgen – fünf Zwillinge, vier Drillinge und fünf Vierlinge. Sechs der Kinder starben.

Große Familien sind in Nabatanzis Heimat Uganda keine Seltenheit. Die Geburtenrate liegt laut Weltbank im Schnitt bei 5,6 Kindern pro Frau, mehr als doppelt so hoch wie weltweit (2,4). Dennoch: Zur Geburtenzahl der 39-Jährigen ist das kein Vergleich.

Frau hat 38 Kinder – Arzt riet ihr von Antibabypillen ab

Der Nachrichtenagentur Reuters erzählte sie, wie es so weit kommen konnte. Nach ihrer ersten Zwillingsgeburt habe ihr ein Arzt von Antibabypillen abgeraten. Sie könnten zu gesundheitlichen Schäden führen. Außerdem seien ihre Eierstöcke ungewöhnlich groß – eine mögliche Erklärung für die vielen Mehrlingsgeburten.

Letzte Schwangerschaft liegt zweieinhalb Jahre zurück

Nabatanzis letzte Schwangerschaft liegt zweieinhalb Jahre zurück. Es gab Komplikationen. Ein Kind dieser inzwischen sechsten Zwillinge starb bei der Geburt.

Ihr Ehemann, immer wieder für längere Zeit abwesend, kehrte seiner Familie dem Bericht zufolge schließlich ganz den Rücken. Sein Name sei für Nabatanzi nun ein Schimpfwort.

Gelegenheitsjobs bringen nur unzureichend Geld

„Ich bin in Tränen aufgewachsen, mein Mann hat mir viel Leid gebracht. Meine ganze Lebenszeit habe ich dafür aufgebracht, für meine Kinder zu sorgen und zu arbeiten, um etwas Geld zu verdienen“, sagte sie beim Besuch der Reuters-Reporter in ihrem Dorf Kasawo nördlich von Kampala.

Geld, das verdient Nabatanzi mit Gelegenheitsjobs jeglicher Art: mit dem Sammeln und Verkaufen von Metall ebenso wie mit dem Brauen von Gin oder dem Frisieren von Bekannten. Doch es zerrinnt ihr zwischen den Fingern. Lebensmittel, Medikamente, Kleidung, Schulgebühren.

„Wir helfen, wo wir können“, sagt ihr ältester Sohn

Hilfe bekommt die 39-Jährige von den älteren Kindern. Sie kochen, sehen nach ihren jüngeren Geschwistern.

„Mama ist überfordert, die Arbeit macht sie fertig, wir helfen, wo wir können“, sagt der 23-jährige Ivan Kibuka, Nabatanzis ältestes Kind. „Aber sie trägt immer noch die größte Last der Familie. Sie tut mir leid.“

Nabatanzi hat einen Wunsch. Es ist der, den die meisten Mütter haben: Ihren Kindern soll es einmal besser gehen.

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(cho)

Der Ruf der Stiefmutter aus Märchen und Literatur ist nicht gerade der beste. Wie sieht es im realen Leben aus?

Die Stiefmutter hat eine sehr schwierige Stellung innerhalb der Familie. Sie spürt dieses Bild, das die Gesellschaft von ihr hat. Der Ruf ist ja derjenige, dass sie die Böse ist, die die Kinder vertreiben will. Die Intrigantin, die mit Äpfeln um sich wirft, um Schneewittchen ins Grab zu bringen. Eine Stiefmutter, wenn sie Probleme hat, hat das Gefühl, dass sich die ganze Welt gegen sie verschworen hat, weswegen sie zunächst sehr zurückhaltend ist und das ganze Thema tabuisiert.

In welcher Zwickmühle stecken die Frauen häufig?
Sie wollen alles richtig machen, um besonders am Anfang von den Kindern, dem neuen Mann und dem gesamten Umfeld positiv gesehen zu werden. Nach dem Motto: Ich bin diejenige, die das super hinbekommt. Ich kenne Stiefmütter, die backen Kekse mit Häschen-Verzierungen, dekorieren Schulbrote nach Anleitung aus dem Mama-Blog. Sie geben sich irre Mühe und wünschen sich Anerkennung, die sie aber nicht bekommen. Die Kinder sagen nicht: Boah, deine Pausenbrote schmecken ja toll. Und der Mann bekommt auch nichts mit. Ziemlich bald merkt die Frau, dass sie macht und tut und nicht viel zurückbekommt. Viele schalten dann schnell auf einen ganz anderen Modus um. Sie sagen sich: Jetzt mache ich gar nichts mehr. Und die Welt um sie herum versteht nicht warum.

Sie haben auf Ihrem Blog ein Forum für Stiefmütter geschaffen und damit scheinbar einen Nerv getroffen. Warum ist es den Frauen so wichtig, sich auszutauschen?
Weil andere, die nie in der Situation waren, die Probleme einer Stiefmutter nicht verstehen. Am allerwenigsten können sich andere getrennte Mütter in sie hineinfühlen. Dieses Familienleben ist eben ein ménage à trois, eine Dreiecksbeziehung. Viele Frauen haben das Gefühl, dass sie das fünfte Rad am Wagen sind. Sie kommen erst nach den Kindern, nach der Ex-Frau, nach dem neuen Partner der Ex-Frau. Das macht vielen zu schaffen.

Worüber tauschen sich die Frauen aus?
Ein Klassiker ist, dass der Mann die ganze Planung mit der Ex-Frau ausmacht und die neue Frau an seiner Seite nicht einbezieht, auch wenn sie nachher alles mitmachen muss. Zum Vergleich: Wenn ich mit einem Mann zusammenlebe, der ständig Besuch einlädt, ohne mir das vorher zu sagen, ich vielleicht ganz andere Pläne gemacht habe, dann bin ich sauer, das versteht jeder. In dem Moment, in dem ich das Wort Besuch durch Kinder austausche, versteht das keiner mehr. Die Kinder sind keine Fremden, aber es sind eben nicht die eigenen Kinder. Bei den eigenen Kindern kann man auch mal nackt durch die Wohnung rennen, aber wenn es die schon etwas älteren Kinder des Partners sind, ist das eben etwas anderes, vor allem wenn diese noch ihre Freunde mitbringen. Viele Stiefmütter stört, dass über ihren Kopf hinweg entschieden wird. Ich kenne etliche Frauen, die sagen: Mir wird mitgeteilt, wann wir wohin in den Urlaub fahren. Sie haben dann das Gefühl, sie gehören nicht wirklich dazu, denn sonst wäre ihre Meinung ja genauso wichtig, wie die der anderen.

„Du hast mir gar nichts zu sagen!“ lautet der Titel ihres ersten Buches. Was löst dieser von Kindern so leicht daher gesagte Satz bei Stiefmüttern wie Ihnen aus?
Dieser Spruch zeigt vor allem, dass die Kinder, die Hierarchie der Familie ganz genau durchschauen. Das zeigt der Stiefmutter, dass sie nicht auf der gleichen Stufe steht wie der Vater oder die leibliche Mutter. Das hat auch mit dem Auftreten des Mannes zu tun. Wenn er ihr immer wieder in die Quere kommt und den Kindern demonstriert, die hat euch gar nichts zu sagen, warum sollten dann die Kinder sie anerkennen?

Was kann der Mann machen, damit die Kinder die neue Frau akzeptieren?
Im Idealfall sagt der Mann den Kindern das, was die meisten Mütter sagen, die einen neuen Partner haben. Sie sollten sagen: Du pass mal auf, wenn die neue Freundin – nennen wir sie Gisela – dir sagt, dass du heute dein Zimmer aufräumst, dann machst du das. Das sind ganz einfache Ansagen, damit die Kinder spüren, dass der Vater und die Stiefmutter ein Paar sind. Natürlich sollen sie sich gegenüber den Kindern auch fair verhalten, darum geht es hier nicht.

Hört sich an wie die einfachste Sache der Welt. Warum fällt dies den Männern so schwer?
Weil die Männer selber um die Liebe ihrer Kinder buhlen. Die meisten Kinder verbringen 70 Prozent ihrer Zeit bei der Mutter und nur 30 Prozent bei ihrem Vater. Deshalb wollen viele Väter am Wochenende den Spaßpapa machen. Sie wollen, dass es bei Papa immer ganz toll ist, weil sie Angst haben, dass die Kinder sie sonst nicht besuchen kommen. Es ist auch ein Druckmittel vieler Mütter, dass sie sagen: Wenn du das nicht tust, siehst du deine Kinder nicht wieder. Leider kommen die Frauen wegen der deutschen Familiengesetzgebung, in der ein Residenzmodel verankert ist und nicht das Wechselmodell, auch oft sehr weit damit. Die Männer wissen, dass die Ex-Frau am längeren Hebel sitzt, wenn die Kinder bei ihr leben. Insofern spielen sie lieber den Verwöhnpapa und riskieren lieber einen Streit mit der neuen Partnerin.

Dass es überhaupt eine Stiefmutter gibt, hat ja mit einer vorangegangenen Trennung zu tun. Wie trennt man sich, damit es für alle am wenigsten schmerzt?
Bei der Trennung wird ganz selten darüber gesprochen, wie man damit umgeht, wenn der andere später einen neuen Partner hat. Da geht es meistens darum, wie man die Kuh vom Eis holt. Wer behält die Wohnung? Wo leben die Kinder? Doch wenn der Mann irgendwann eine neue Freundin hat, wird die Ex-Frau plötzlich nervös, wenn sie ihr die Kinder überlassen soll, und unterstellt der neuen Frau Dinge, die sie sonst auch keinem Menschen unterstellen würde. Natürlich stecken da Eifersucht und eine Verlustangst dahinter – die Sorge, dass die Kinder die Andere lieber mögen.

Wie geht die neue Partnerin am besten mit der leiblichen Mutter um?
Man sollte nicht versuchen, zur besten Freundin zu werden oder die Frau ganz zu ignorieren. Worüber man sich im Klaren sein muss: Diese Frau wird immer präsent sein, solange man mit diesem Mann zusammen ist. Ich empfehle einen freundlichen Kontakt, der nicht zu sehr in die Tiefe geht, aber auch keiner kompletten Ablehnung entspricht.

Warum richten Sie sich mit ihrem Buch und ihrem Blog hauptsächlich an Frauen? Haben Stiefväter nicht dieselben Sorgen?
Die Erwartungen, die man an einen Vater stellt, sind immer geringer als die Erwartungen an eine Mutter. Also sind auch die Ansprüche an die Stiefmutter höher als die an den Stiefvater. Häufig heißt es: Ich habe drei Kinder, und ich habe einen Mann gefunden, der mich klasse findet. Da freuen sich alle. Der Mann ist der Retter auf dem weißen Pferd. Wo gibt es das andersherum? Dass eine Frau einen Mann mit drei Kindern akzeptiert, wird als normal angesehen.

Susanne Petermann ist Journalistin und Autorin. In ihrem ersten Buch „Du hast mir gar nichts zu sagen!“ (Diana Verlag) verarbeitete sie Erlebnisse, die sie als Stiefmutter gemacht hat.

Das Gespräch führte Saara von Alten.

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Susanne Petermanns Blog wird derzeit von zwei anderen Redakteuren betreut. Das Forum findet man unter stiefmutterblog.com/forums. Der Link zu ihrer Facebookseite ist facebook.com/stiefmutterblog.

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