Liebe zu kindern

Inhalte

Marvin* ist mein Lieblingsenkel. Ja, das kann ich sagen, jetzt als Grossmutter. Da darf man gewisse Vorlieben haben. Von den fünf Kleinen, deren Grosi ich bin, habe ich einfach den besten Draht zu Marvin. Das ist nicht so schlimm, oder? Bei Enkeln darf man Lieblinge haben.

Kinder muss man alle gleich gern haben.

Und wenn man es nicht tut, ist man ein ganz schlimmer Mensch. Dieses Gefühl hatte ich immer.

Ich habe zwei Töchter und einen Sohn – Sandra, Jasmin und Thomas. Natürlich liebe ich alle drei, aber halt nicht gleich fest. Lag es daran, dass Jasmin ein totales Papi-Kind war, schon als kleines Baby lieber mit ihm kuschelte und mir gegenüber oft ablehnend wirkte? Oder dass Thomas beim Spielen immer derart schnell wütend wurde, dass ich bald an meine Grenzen kam mit meinem Erziehungswissen? Und dass Sandra als Kleinkind halt einfach so total pflegeleicht und anhänglich war, dass ich die Zeit mit ihr ganz besonders genoss?

Ich weiss es nicht.

Ich spürte einfach diese unterschiedlichen Intensitäten, mit denen ich meine Kinder liebte – und machte mich deswegen jahrelang fertig. Immer wieder versuchte ich, zu Jasmin eine Verbindung zu finden. Ich habe mit ihr vielleicht mehr unternommen als mit Sandra, weil ich unbedingt dieselben Emotionen für sie entwickeln wollte. Aber sie war bis ins Teenageralter eher auf den Papi fixiert, wollte mit ihm spielen, ernste Gespräche führen und so weiter. Und statt geniessen zu können, dass er mich deshalb in vielen Bereichen entlastet, habe ich mir Vorwürfe gemacht.

Irgendwie war ich schuld.

War ich während der Schwangerschaft mit Jasmin zu gestresst gewesen? Nach der Geburt zu sehr darauf bedacht, dass Sandra nicht eifersüchtig wird wegen zu viel Geschmuse mit dem Baby? So viele Fragen quälten mich, eine Antwort gab es natürlich nicht.

Und als ich dann auch noch Mühe hatte mit meinem so oft wütenden Buben, war ich irgendwann fest davon überzeugt, ich sei eine Rabenmutter. Eine, die wohl nur für ein Kind gemacht war, weil alles andere zu stressig ist. Die drum nicht genügend Energie für die grenzenlose Liebe hatte, die ich bei Sandra empfand.

Ich wäre für alle meine Kinder durchs Feuer gegangen, sicher! Aber wenn ich in einer Gefahrensituation nur eines von ihnen hätte retten können, wäre meine Entscheidung wohl schnell getroffen gewesen. Wie furchtbar das klingt!

Mit meinem Mann habe ich ein paar Mal darüber geredet. Er hat mir ein bisschen helfen können, weil es ihm ähnlich ging, auch er hatte ein Lieblingskind: Jasmin. Aber was mir nicht half: Er fand das überhaupt kein Problem. Sie suchte halt am meisten Kontakt zu ihm, drum stand er ihr am nächsten. Punkt.

Ich war so wütend auf ihn.

Er nahm das total entspannt, während ich mich innerlich zerfleischte. Mütterberaterinnen gab es damals noch nicht so wirklich, drum habe ich mit einer Hebamme geredet. Gebracht hat es mir nichts, sie hat mir gesagt, dass jedes Kind ein Wunder ist und ich dankbar sein soll für drei gesunde Geschöpfe, auch wenn sie unterschiedlich sind. Als ob ich das nicht wäre! Heute weiss ich, dass ich besser zu einer Psychologin gegangen wäre – zu jemandem, der richtig zuhören kann und nicht einfach seine eigene Meinung sagen will.

Als meine Kinder schon fast erwachsen waren, hat sich mir eine Freundin anvertraut. Sie hat zwei Kinder, eines total schwierig und anspruchsvoll. Sie sagte: „Und trotzdem spüre ich für dieses Mädchen eine innigere Liebe, obwohl fast keine Woche vergeht ohne riesige Streitereien. Ist das nicht krank von mir?“

Ich war so erleichtert! Wir haben uns stundenlang ausgetauscht, ein paar Jahre später auch mit anderen Frauen. Weil es so gut tat, zu sagen und zu hören:

„Ja, das kenne ich. Du bist nicht allein mit diesem Gefühl.“

Ich hoffe sehr, dass meine Kinder in einer solchen Situation andere Eltern um sich haben, die ihnen das sagen. Dass sie sich nicht schuldig fühlen und besser annehmen können, dass man verschiedene Kinder halt unterschiedlich fest gern hat.

Familienleben: „Ich liebe meine Tochter weniger als meine Söhne“

Ich habe mich so oft gefragt: Was ist anders an meinen Gefühlen für Lale? Ich bin doch ihre leibliche Mutter, ich muss doch meine drei Kinder alle gleich lieben. Das tue ich auch, redete ich mir über viele Jahre wie ein Mantra ein. Nur nachts, wenn ich wie so oft nicht schlafen konnte und meine Schuldgefühle angekrochen kamen, zweifelte ich: Liebe ich Lale vielleicht doch nicht so wie ihre Brüder? Es machte mich fix und fertig. Was war ich nur für eine Mutter! So was gibt es doch nur in den Märchen der Gebrüder Grimm – und da ist immer die Stiefmutter die Böse. Es konnte und durfte doch nicht sein, dass ich für meine einzige Tochter, die ich mir so sehr gewünscht hatte, andere Gefühle habe als für meine Söhne. Natürlich habe ich Lale lieb, aber eben anders. Es fällt mir noch immer schwer, diese Unterschiedlichkeit zu erklären. Irgendetwas trennte mich von ihr wie eine unsichtbare Wand.
Lale ist das mittlere unserer drei Kinder. Fin ist zwei Jahre älter, Helge drei Jahre jünger als sie. Ich habe oft nach Erklärungen und Entschuldigungen für meine Gefühlszweifel gesucht, und doch fand ich sie nicht. Es waren qualvolle Jahre der Ungewissheit. Ich fühlte mich als Rabenmutter, weil ich manchmal sogar Probleme hatte, mein Kind schützend und liebevoll in den Arm zu nehmen, mit ihm zu kuscheln.

Sie war ein „Papakind“

Einmal fühlte ich mich besonders schlecht: Lale war neun Jahre alt und hatte Windpocken. Selbstverständlich kümmerte ich mich um sie, beruhigte sie und versuchte sie zu trösten, wenn sie weinte, weil ihre Haut juckte und brannte. Ich war zwar bei ihr, aber nur halbherzig. Ganz anders war es dann, als Fin, mein Ältester, zwei Wochen später erkrankte. Ich litt mit ihm, als hätte es mich selbst erwischt.
„Lale ist doch vom Wesen und Charakter wie du!“, sagte ich mir in hellen Momenten. Sie ist spontan und direkt, sie hat ein offenes Wesen und ist kontaktstark. Sie würde sich nie die Butter vom Brot nehmen lassen, wenn es darum geht, sich durchzusetzen und ihre Interessen zu vertreten. Warum nur kann ich sie trotzdem nicht verstehen? Sie ist doch mein Fleisch und Blut, mein Kind!

Dann sah ich sie vor mir als kleines Kind – ein Mädchen wie aus dem Bilderbuch. Auffallend hübsch war sie, wie eine Käthe-Kruse-Puppe mit braunen Locken, blauen Kulleraugen und Pausbäckchen, die alle zum Knuddeln verführten – nur mich nicht. Sie war ein „Papakind“, suchte aber auch meine Nähe und körperliche Zuwendung.

Im Teufelskreis des schlechten Gewissens

Ich war oft verzweifelt, fühlte mich unter Druck, denn ich wollte auf keinen Fall, dass sie meine Distanz bemerkte oder spürte. Sie sollte sich genauso geliebt fühlen wie ihre Brüder. Es war ein Teufelskreis: Je mehr ich versuchte, die Wahrheit zu kaschieren, umso schwieriger wurde mein Verhältnis zu Lale.
Wie schwer es war, mir diese Wahrheit einzugestehen! Ich konnte ja mit niemandem darüber sprechen, auch nicht mit dem in seinem Beruf sehr geforderten Vater der Kinder. Um meine Schuldgefühle zu kompensieren, fing ich an, das Kind zu verwöhnen, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab, überschüttete sie mit Spielzeug, kaufte alles, was sie sich wünschte. Zuerst das Puppenhaus aus Holz, dann das von Playmobil. Mit vier Jahren wollte sie Blockflöte lernen, hatte bald keine Lust mehr und fing – wieder nur für kurze Zeit – mit Ballett an. Aussehen wollte sie wie eine Prinzessin, und ich staffierte sie mit entsprechenden Kleidern und Schuhen aus. Mit sechs Jahren ging sie reiten. Doch auch das langweilte sie schnell. Wieder einmal verkaufte ich eine teure Sportausrüstung zum Schnäppchenpreis.

Warum ich aufhörte mein Kind zu lieben

Ich erinnere mich noch an die ersten Woche mit meinem Sohn. Noch nie zuvor hatte ich so eine Liebe gefühlt. Ich sah ihn an und musste lächeln, er weinte und alles in mir wollte ihm helfen. Er brachte mich um meinem Schlaf und ich war bereit alles für ihn aufzugeben – einfach so. In mir war eine Zuneigung entstanden, mit der ich nicht gerechnet hatte und die ich nicht verstehen konnte – aber ich genoss sie. Es war wunderschön so zu lieben!

Manchmal dachte ich an Mütter, die ihre Kinder schütteln oder schlagen oder anschreien und schüttelte innerlich den Kopf. Hatten sie denn diese Liebe nicht? Nein, so etwas würde mir nie passieren.

Plötzlich Mecker-Mama

Heute lese ich Artikel wie diesen hier übers Kinder anschreien von Sarahplusdrei und finde mich viel zu sehr darin wieder. Mein Sohn ist kein Baby mehr, er ist nicht mehr immer flauschig und unschuldig und hilflos. Manchmal ist er trotzig, böse, voller absichtlicher Fehler und Respektlosigkeit. Mir gegenüber – seiner Mutter, die alles für ihn opfert! (oder?) Und irgendwie fühle ich mich von ihm angegriffen, nicht wertgeschätzt und werde deshalb leicht genervt. Er verhält sich nicht, wie er sollte. Und manchmal gehen meine Emotionen mit mir durch. Immer öfter. Manchmal will ich einfach ausziehen. Diese ganzen Hormone und Gefühle diesem kleinen hilflosen Baby gegenüber sind dem Mama-Gemecker einem kleinen Trotzkopf gegenüber gewichen. Und ich liebe mein Kind nicht mehr. Ja, das klingt krass, aber letztens musste ich mir eingestehen, dass es leider wahr ist. Ich ließ mich über Wochen nur von meinen Emotionen leiten. Bisher hatte ich mich oft genug auf sie verlassen können. Sie waren übergeschäumt vor Liebe! Doch heimlich still und leise haben sie sich über die letzten zwei Jahre verändert und viel zu oft schäumen sie jetzt vor Wut.

Und während ich darüber nachdenke fällt mir auf, dass es mir nicht nur mit meinen Kindern so geht. Auch bei neuen Freundschaften ging es mir häufig so: Am Anfang ist alles an der anderen Frau toll und umso mehr man sich kennenlernt, kommen doch Schwächen zum Vorschein. Und in der Beziehung zu meinem Mann war es doch auch so. Früher oder später wich die rosa Brille der Realität und ich fand mich in einer Ehe mit einem ganz normalen unperfekten Menschen – wie ich selbst auch einer bin.

Entschiedene Liebe

Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war in eine Falle getappt! Ich hatte begonnen zu glauben, dass ich allein meinen Emotionen folgen könnte, dass sie vertrauenswürdige Leiter für mein Leben wären. Aber das ist leider nicht wahr. Emotionen sind oft schön, sie bereichern mein Leben und ich mag sie generell. Aber sie müssen meinen Entscheidungen folgen, nicht anders herum! Denn sie können auch negativ, hässlich und egoistisch sein. Liebe wird oft von schönen Emotionen begleitet wird. Aber wirkliche, treue, lange Liebe folgt nicht ihren Emotionen, sondern der Entscheidung auch über die emotionalen Täler hinweg zu lieben. Und über die Trotzphasen. Und die Respektlosigkeit. Und all die Fehler.

Und diese Liebe fordert Opfer. Ich merke, wie sie mich Kraft kostet, emotionale Kraft und innere Stärke. Doch sie hinterlässt mich voll. Ich entscheide mich, mich noch einmal geduldig hinzuknien und noch einmal zu erklären, weshalb wir nicht mit Gummistiefeln auf den Küchentisch klettern. Ich koche meinem Mann ein leckeres Essen, obwohl ich den Eindruck habe, er hätte mir ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken können in den letzten Tagen. Ich schreibe meiner Freundin eine nette Nachricht – einfach so. Und ich beginne ganz vorsichtig zu lieben. Ohne Gegenleistung, Erwartung und ohne, dass mein Gegenüber sich das verdient hat. Und es ist das BESTE! Ich liebe weil ich mich dazu entschieden habe, komme was wolle! Ich liebe nicht mehr, weil es sich gut anfühlt, sondern weil es das Beste ist. Ich liebe, um den anderen “höher zu achten als mich selbst”. Mir ist es wichtiger, dass es ihm gut geht, als mir selbst. Ich liebe jetzt nicht mehr reaktiv, abhängig von dem Verhalten des anderen. Ich liebe anstatt dessen aktiv und besonders viel, wenn mein Gegenüber sich nicht liebenswert verhält.

„I have found the paradox, that if you love until it hurts, there can be no more hurt, only more love.“

Mutter Teresa

Gottes Liebe weitergeben

Ich werde diesem Maßstab natürlich nur ganz selten gerecht – aber allein der Wunsch so zu leben, verändert mein Verhalten doch schon. Und ich habe das beste Vorbild dazu. Denn genau so vorbehaltlos, selbstlos, bedingungslos und aktiv ist Gottes Liebe. Mit dieser Liebe liebt er mich – mit all meinem Schwächen und Fehlern. Und dich auch! Ich habe bisher nirgendwo eine bessere Liebe gefunden und diese Liebe ist es, die mein Bedürfnis nach Liebe stillt. Diese Liebe ist nicht nur mein Vorbild, sie ist auch meine Quelle. Meine Kinder, Mann Freunde sind die Personen an die ich diese Liebe weiterleite, nicht diejenigen die mir Wert und Anerkennung geben.

Umso mehr freue ich mich, wenn ich dann merke, dass meine Kinder langsam beginnen wieder liebevoller miteinander und mir umzugehen, seitdem ich mich entschieden habe sie unabhängig von meinem Emotionen zu lieben. Und ich bin einfach so dankbar, diese Liebe wieder entdeckt zu haben. Mit ihr ist einfach alles besser!

„I’ll choose you. And I’ll chose you over and over and over. Without a pause, without a doubt, in a heartbeat. I’ll keep chosing you.“

Unbekannt

Gefällt mir:

Liken Lade …

Kann man alle seine Kinder gleich lieben?

Alle seine Kinder gleich zu lieben, ist schwer. Warum das so ist und wann es zu einem Problem wird.

Jedes Kind ist anders – und ändert sich mit der Zeit. Was wäre ungerechter als die Gleichbehandlung Ungleicher? Kleinere Kinder brauchen mehr Schmusestündchen als größere, für den einen ist Kuscheln das Größte, der andere schätzt die Vorzüge des Gesprächs und macht sich ganz steif, wenn man ihn mal umarmen will.
Fast alle Eltern fühlen sich in verschiedenen Phasen der Familiengeschichte einem Kind mehr verbunden.
Manche Papas, die sich scheuen, ein Baby zu wickeln, verlieben sich Hals über Kopf in die vierjährige Tochter. Und ziehen sich dann zurück, wenn die kindlich-unbefangene Zwölfjährige plötzlich zur weiblichen Schönheit heranreift. Unterschiedliche Gefühle und unterschiedliche Behandlung der Kinder sind völlig normal, natürlich und angemessen – wer würde auch schon mit einem Einjährigen reden wie mit einem Elfjährigen?

Alles nur ne Phase!

Mädchen in der Pubertät – Tipps für Eltern

Weiterlesen Alles nur ne Phase! Weiterlesen

Kinder gleich lieben – wenn das schlechte Gewissen kommt

Doch meldet sich unweigerlich das schlechte Gewissen, wenn mal der eine, mal der andere der Geschwister mehr abkriegt. Viele Eltern fühlen sich schon schuldig, wenn sie eine spontane liebevolle Gefühlsaufwallung gegenüber einem ihrer Kinder bewegt, die sie bei dessen Bruder oder Schwester eben nicht so überkommt. Was tun? Ihm jetzt nicht über den Kopf streicheln? Die Kinder registrieren das Leuchten in den Augen von Mama oder Papa, wenn sich der heimliche Liebling nähert. Also das andere Geschwisterkind extrafest drücken? Die Küsschen gleich abzählen und die Schokolade mit der Briefwaage aufteilen?

Alle Kinder gleich lieben, ist schwer.

Es sind eher Sympathie, Verständnis, ähnliche Vorlieben und Abneigungen im Spiel, wenn die Beziehungen zu jedem einzelnen Kind verschieden sind. „Alle Idealisierungen schaden dem lebendigen Miteinander von Menschen“, sagt der Kindertherapeut und Autor Wolfgang Bergmann und rät zur Gelassenheit: „Weder haben Kinder ihre Eltern immer gleich lieb noch müssen Eltern Kinder immer gleich lieben. In seelisch gesunden Familien hört die untergründige Liebe nicht auf – auch wenn einen ein hyperaktives Kind mal ein halbes Jahr lang schier wahnsinnig macht.“
In Wirklichkeit wissen die Kinder ganz genau, wie es um die Liebe ihrer Eltern bestellt ist – egal, was die immer wieder beteuern. Sie haben feine Antennen für die Gefühle ihrer Eltern, und zwar die echten, nicht die behaupteten. Und wenn sie verunsichert sind, stellen sie diese Gefühle auf die Probe und verlangen lauthals danach, das gleiche wie der Bruder oder die Schwester zu bekommen. Aus Sicht der Kinder ist gerecht dasselbe wie gleich, aber echte Gleichheit kann manchmal auch ungerecht erscheinen. Jedes Geschwisterteil wird in eine andere Familie hineingeboren: Die Zahl der Familienmitglieder ändert sich, der Erziehungsstil der Eltern wandelt sich und die wirtschaftliche Situation ist bei der Ankunft jedes Kindes eine andere. Und schließlich sind ja auch die Kinder ganz verschieden.

Entwicklung & Erziehung

Das ist unfair! – Gerechtigkeitsgefühl bei Kindern

Weiterlesen Entwicklung & Erziehung Weiterlesen

Weshalb wir unsere Kinder oft nicht gleich lieben

Auch wenn die Eltern einst mit dem festen Vorsatz angetreten sind, alle Kinder gleich zu lieben, werden sie immer wieder resigniert feststellen, dass das gar nicht geht. Dem kleinen Lockenkopf mit den witzigen Einfällen fühlt sich der Vater näher, weil er selbst als Kind so war, in dem ernsthaften kleinen Mädchen erkennt die Mutter ihre eigene Art, die Welt zu betrachten, wieder. Das macht das Miteinander leichter, oder? Vielleicht reagieren Mutter und Tochter oder Sohn auf dieselbe Art von Humor und können sich ohne viele Worte verständigen. Das kann eine Leichtigkeit in die Beziehung bringen, die Gefühle von Liebe und Nähe am Fließen hält. Auch das Gegenteil kommt vor: Der schusselige Vater, der darüber schimpft, dass sein Sohn alles vergisst…. Die streitlustige Mutter, die im Gekeife ihrer Jüngsten nicht umhin kann, ihr eigenes Schimpfen wiederzuerkennen oder, noch schlimmer, das einer zänkischen Tante, die die ganze Familie einst tyrannisiert hat.
Wenn Eltern in ihren Kindern Eigenschaften wahrnehmen, die sie selbst an sich ablehnen, bremst das die Liebe manchmal ganz schön aus – wer erträgt schon, dass seine Fehler bei anderen wieder auftauchen? Da hilft nur, den Blick fest auf die (immer vorhandenen) guten Seiten des Kindes zu richten und sich bewusst zu machen, wie toll das Kind in anderer Hinsicht ist.

Jüngstes Kind zieht oft Sympathien an

Häufig können Vater und Mutter zu jenem Kind die beste Beziehung aufbauen, das die gleiche Stellung in der Geschwisterreihenfolge innehat wie sie selbst. Oft ist es das jüngste Kind, dem die Sympathie zufliegt. Oder ein instinktives Bedürfnis, das schwächere Kind zu schützen, führt dazu, dass die Mutter sich auf die Seite der kleinen Prinzessin schlägt und ihren großen Bruder, den Rummelboxer, streng abmahnt. Ob aus der Vorliebe zu einem Kind ein Problem wird, hängt davon ab, wie schwierig die Beziehung zu den anderen Kindern ist. Jede Liebe verändert sich – Elternliebe macht da keine Ausnahme. Aber Eltern gewinnen viel Spielraum für ihre eigenen Gefühle, wenn sie ihre Liebe zu den Kindern aus der Umklammerung einer auf Gleichheit festgelegten Bringschuld befreien können.
>> Mehr dazu: Tabu-Thema Lieblingskind

Alles nur ’ne Phase

Erziehungstipps: 100 Ideen für jede Situation

Weiterlesen Alles nur ’ne Phase Weiterlesen

Ich habe meinen Eltern lange vorgeworfen, dass sie mich und meine Schwester unterschiedlich lieben – und auch schon immer unterschiedlich geliebt haben. Mein Papa hat immer gesagt, meine Schwester sei so weich gewesen, wenn sie sich an ihn gekuschelt hat; ich dagegen hätte mich kalt und knochig angefühlt. Er hatte mich genauso gerne bei sich wie meine Schwester, aber irgendwie war es mit ihr eben einfach bequemer. Nicht, dass meine Eltern mich weniger geliebt hätten. Das glaube ich nicht. Es war gleich stark, nur eben auf unterschiedliche Weise. Lange habe ich das nicht verstanden. Heute schon. Denn lustigerweise ist es mit meinen Kindern in dieser Hinsicht das Gleiche: Sie sind beide völlig unterschiedlich und ich liebe sie auf unterschiedliche Arten. Wenn auch genau gleich stark. Ob es ihnen nicht unangenehm sein wird, diesen Text irgendwann zu lesen? Ich hoffe ganz im Gegenteil – ich hoffe sie werden es durch diesen Text verstehen.

Was ich an meiner Tochter liebe:

Meine Tochter ist so selbständig. Ich liebe es, wie wir uns gemeinsam Geschichten ausdenken und auch wie reflektiert sie ist. Ich bewundere ihren Ehrgeiz und ich liebe es, wie sie sich selbst genug ist. Sie braucht keine Bewunderung, kein Lob. Sie weiß was sie will und ich liebe ihren Dickschädel. Ich fühl mich mit ihr verbunden, weil wir uns so ähnlich sind.

Was ich an meinem Sohn liebe:

Mein Sohn macht es einem so unfassbar leicht ihn zu lieben. Er ist verschmust, kuschelt gerne und wie er eine kleine Schnute zieht und “bitte – noch einmal” sagt. Da kann man ihm nichts mehr abschlagen. Er ist einfach niedlich. Wenn er lacht, dann geht einem das Herz auf.

Ich liebe meine Kinder aus tausend Millionen Gründen. Aber die beschriebenen Merkmale sind es, die die beiden unterscheiden.

Große Schwester sein ist manchmal hart

Für meine große Tochter ist es manchmal nicht so leicht. Denn die Art ihres Bruders sorgt dafür, dass Menschen sofort auf ihn anspringen. Natürlich spiele ich gerne und viel mit ihm. Er verlangt das ja auch. Sie dagegen begrüßt mich schon morgens mit: “ich will gerne meine Ruhe haben”. Und dann beklagt sie sich, wenn ihr Bruder mit mir Spaß hat. Sie fühlt sich oft ausgeschlossen und dann macht sie ihn nach, weil sie auch gerne diese positiven Erlebnisse mit mir teilen will. Und dann wird sie wütend. So unfassbar wütend, dass es mir wirklich schwer fällt freundlich zu bleiben und zugewandt. Und wenn ich sie tatsächlich anblaffe, dann hat sie ihre Bestätigung: “Du hast mich ja gar nicht so sehr lieb wie den Till – ich hab´s immer gewusst!” Das tut mir weh, wenn sie das sagt. Denn natürlich hab ich sie genauso sehr lieb wie ihren Bruder. Sogar noch länger. Ich hab sie schon viel länger lieb, weil sie ja auch älter ist…

“Bitte, danke – schön, dass Du da bist”

Mein Sohn ist so höflich und freundlich – ohne dass wir es ihm eingetrichtert hätten. Er ist es von sich heraus. Meine Tochter dagegen sieht keinen Sinn in höflichen Floskeln. Sie ist einfach anders. Anders wunderbar. Sie ist neugierig und begeisterungsfähig. Aber sie erfreut sich weniger als ihr Bruder an den kleinen Dingen. Sie ist reflektierter und fühlt sich schnell zurück gesetzt.

Du bist gut, so wie Du bist!

Jeden Tag sag ich es ihr: “Du bist gut, so wie Du bist. Genau so liebe ich Dich.” Wir spielen miteinander, wir erzählen uns Geschichten und wir streiten. Und dann sehe ich wieder, wie sie am Rand steht und neidisch auf mich und ihren Bruder schaut, wenn wir auf andere Weise spielen, als es ihre Art ist. Und ich merke: Es ist genau wie bei mir und meiner Schwester damals. Der Kleine ist so unbeschwert, es fällt ihm leicht, Menschen für sich zu begeistern. Nicht nur mich – alle reagieren positiv auf ihn. Ihr fällt das schwer. Sie ist so verkopft. Und etwas neidisch auf ihn und auf seine Art.

Ja, groß werden ist hart

Und zum Groß werden gehört dazu, dass man lernt sich selbst innerhalb der Familie und der Gesellschaft einzuordnen – sich einzuschätzen. Das kann hart sein. Die Erkenntnis dessen wie man selbst ist.

Das habe ich erst durch meine Kinder gelernt:

Dass Erziehung Grenzen hat. Dass Kinder und Menschen zu einem großen Teil so sind, wie sie eben sind. Und dass es wichtig ist, diese Besonderheit so anzunehmen und als etwas Positives zu sehen. Wir sollten viel weniger versuchen unsere Kinder in Formen zu pressen, sondern annehmen und sie bestätigen. Wir Erwachsene sind ja auch unterschiedlich.

Sind Deine Kinder auch so verschieden?

Wie sehr ich mein Kind liebe – und wie verletzlich mich das macht

Vor der Geburt unserer Tochter Lilly hatte ich nur eine vage Ahnung, wie sehr ich mein Kind lieben würde. Wie tief diese Liebe gehen, wie sie mich berühren, wie sie mich verändern würde. Das ist ganz normal, denke ich, Naturgewalten sind im Vorhinein nur schwer zu begreifen, bevor man sie am eigenen Leibe erfährt.

Diese Liebe zum eigenen Kind ist mit der Geburt da und wächst mit der Zeit, die man mit ihm verbringt, mit der Aufmerksamkeit, die man ihm entgegenbringt, mit der Sorge um sein Wohlergehen und später auch durch die Liebe, die das Kind einem schenkt.

Die Liebe zum Kind ist wie eine Droge – und sie verändert die Wahrnehmung

Diese Liebe überkommt einen wie eine Droge. Man braucht sie ständig, man kann nicht genug davon bekommen. Wie bei jeder Droge gibt es auch Nebenwirkungen – die Furcht, diese Liebe und im schlimmsten Fall auch sein Kind zu verlieren.

Ich spüre am eigenen Leib, wie mich diese Verslustängste verändert haben. Ich bin viel aufmerksamer gegenüber Gefahren geworden, die meinem Kind drohen könnten. Intoleranter gegenüber Autos, die schnell durch unsere Straße fahren, Menschen, die abseits von Ampeln verkehrsreiche Straßen überqueren und somit ein schlechtes Vorbild für meine Tochter sind. Wenn größere Kinder am Klettergerüst allzu wild toben, hoffe ich, meine Kleine sieht das nicht. Ich selbst bin vorsichtiger geworden, konservativer. Ich denke langfristiger, bin nicht mehr so wagemutig, fahre langsamer mit dem Auto. Immerhin weigere ich mich noch, beim Inline-Skaten einen Helm aufzusetzen. Aber der vorwurfsvolle Blick meiner Frau zeigt mir, dass sich auch das bald ändern könnte.

Liebe geht einem nah – und macht verletzlich

Aufgrund der Liebe, die ich für meine Tochter empfinde, trifft mich deren augenblickliche Trotzphase, in der wir zum ersten Mal eine Ablehnung für einen selbst („Geh weg!“) und alles, was man tut, erfahren, umso härter. Ich will mir kaum vorstellen, wie das sein wird, wenn unsere „Kleine“ irgendwann einmal ein Teenager sein wird.

Auch Eifersucht kennt meine Liebe – blöderweise. Wenn Mama mal wieder mehr angesagt ist, habe ich mich schon dabei ertappt, dass ich denke „was hat sie, was ich nicht habe“ und ein wenig eifersüchtig war. Eigentlich idiotisch, aber menschlich.

Mein Verständnis für die Liebe anderer Eltern zu ihren Kindern hat – naturgemäß – ebenfalls noch einmal zugenommen. So habe ich inzwischen eine vage Ahnung, wie sich Väter fühlen müssen, die ihre Kinder nicht ständig sehen können oder dürfen. Der Gedanke daran lässt mich erschaudern.

Es geht mir auch wesentlich näher als früher, wenn Kindern in Filmen oder den Nachrichten Leid geschieht. Hier bin ich weicher geworden, habe mehr Einfühlungsvermögen. Ich fühle mich dadurch einfach viel mehr angesprochen, betroffen, als früher. Es kam tatsächlich schon vor, dass mir die Tränen ins Gesicht liefen, als in einem Film ein Kind starb. Aber auch das geht anderen Vätern sicher ähnlich.

Ob ich es schaffe, meinem Kind trotz aller Liebe die nötigen Freiräume zu lassen?

Ab und zu denke ich – so positiv meine Liebe zu meinem Kind auch ist – dass es besser wäre, wenn es mir gelänge, ein klein wenig mehr Abstand zu schaffen, zumindest im Kopf. Ich muss lernen, etwas loszulassen. Denn ich möchte mein Kind durch meine Liebe und meine insgeheimen Ängste weder erdrücken noch einschränken. Unsere Tochter Lilly muss ihre eigenen Erfahrungen machen können und dürfen. Zwar unter dem Schutz der „Fittiche“ ihrer Eltern, aber eben auch so, dass sie sich austesten und auch Fehler machen darf. Ich bin mir sicher, es wird mir nicht leicht fallen, ihren Bewegungsspielraum immer wieder zu erweitern. Denn ich möchte natürlich nicht, dass sich meine Kleine wehtut. Dabei weiß ich auch, dass diese Erfahrungen diejenigen sind, aus denen man am meisten lernt.

Eines ist sicher – ich verstehe nun meine Mutter viel besser. Sie sagte, sie werde sich immer Gedanken um mich machen, denn ich werde immer ihr Sohn sein. Das wird bei mir nicht anders sein – meine Tochter wird immer mein Mädchen sein. Hoffentlich verstehe ich, dass sie mit der Zeit ein großes Mädchen sein wird …

„Ich kann mein Kind nicht lieben“: 5 Gründe für ein furchtbares Gefühl – und wie man da rauskommt

Es ist der GAU für jede frisch geborene Mutter: das Gefühl, ihr Baby nicht lieben zu können, das sie unter unvorstellbaren Schmerzen auf diesen Planeten gepresst hat. Sie fühlt nichts, oder nichts als Abneigung gegen dieses Wesen, das sich in ihrem Leben plötzlich so unfassbar breit macht. Tag und Nacht braucht es Zuwendung, Aufmerksamkeit und Liebe. Und ausgerechnet diese Liebe kann sie ihm nicht geben.

Dabei soll doch gerade die Mutterliebe die stärkste Kraft der menschlichen Existenz sein – unverbrüchlich, unerschütterlich, bedingungslos. Eine Liebe, die ganz von selbst von der Mutter Besitz ergreift, sobald sie von diesem kleinen Menschen weiß, der in ihrem Körper heranwächst.
Und nur sie ist nicht fähig zu dieser großen Liebe!? Was soll aus dem Kind werden? Was aus ihr? Sie fühlt sich schuldig, einsam und ist überzeugt, als Frau zu versagen – und als Mutter sowieso.

Ihr seid längst nicht so allein, wie ihr glaubt

Doch auch, wenn es sich so anfühlen mag: Es ist weder monströs noch selten, dass junge Mütter nicht sofort liebevolle Gefühle für ihr Baby entwickeln. Diplom-Psychologin Birgit Spieshöfer spricht aus ihrer Erfahrung als Therapeutin, wenn sie sagt:

So etwas ist nichts Ungewöhnliches und auch kein Wunder, wenn man sich die Umstände einer frisch gebackenen Mutter ansieht.

Zuallererst sei es wichtig, zu verstehen: Dieses Gefühl hat nichts mit meinem Kind zu tun, sondern mit mir selbst. Wenn ich keine Liebe für mein Kind empfinde, es sogar hasse oder Tötungsfantasien habe, ist das immer ein Schutz, sagt Spieshöfer. „Meist hängt das mit einer Überforderung zusammen – die Frau ist überlastet.“

Der wichtigste Schritt laute jetzt: Das Gefühl nicht zu leugnen, sondern es anzunehmen und nach den Ursachen zu forschen, die dahinterliegen. Erst wenn man an die zugrundeliegenden Gefühle herankomme, könnten diese sich lösen. Erst dann könne man beginnen, sein Kind zu lieben.

5 Ursachen für das Gefühl mangelnder Mutterliebe

  1. „In der Beziehung zum Kind wird immer auch die Beziehung zu uns selbst berührt“, sagt Corinna Buchholz, Psychologische Psychotherapeutin aus Berlin. Wenn eine Frau als Kind nur unzureichend Zuwendung erfahren hat, werden diese frühen Beziehungserfahrungen wiedererlebt und können zu Ablehnung oder zu Aggressionen führen. In diesem Fall ist es sinnvoll, sich damit auseinanderzusetzen, wie die Beziehung zur eigenen Mutter war. Denn oft kann man dem eigenen Kind nur geben, was man selbst bekommen hat: Habe ich selbst nur wenig Liebe erfahren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich diese Erfahrung wiederhole. Die gute Nachricht ist: Es ist immer auch eine Chance, sich selbst mehr kennenzulernen und die Beziehung zu sich selbst zu verbessern.
  2. In unserer Optimierungsgesellschaft leiden Mütter unter den hohen Anforderungen, die an sie gestellt werden – etwa, in allen Lebensbereichen schnell wieder zu funktionieren, mit dem Baby glücklich zu sein und das Kind von Anfang an zu lieben. Birgit Spieshöfer aber weiß: „Die Liebe zum Kind muss oft erst wachsen.“
  3. Die Frauen setzen sich selbst unter Druck. „Wir sind es nicht mehr gewöhnt, dass die Dinge nicht sofort funktionieren und sich nicht alles kontrollieren lässt“, so Buchholz.
  4. In der Kleinfamilie bekommen Mütter wenig Unterstützung, sodass sie schnell in eine Überforderungssituation geraten. „Es ist unnatürlich, dass eine Frau sich den ganzen Tag allein ums Kind kümmert. Bei Naturvölkern ist eine Mutter umgeben von Verwandten und dem oft zitierten ganzen Dorf, das es braucht, um ein Kind großzuziehen,“ sagt die Berliner Psychologin.
  5. Manche Kinder kommen mit einem schwierigem Temperament zur Welt. Die Mama bekommt dann noch eher das Gefühl, dass sie ihrer neuen Rolle nicht gewachsen ist – und gerät in einen Teufelskreis.

Was kann man tun, um vorzubeugen?

Birgit Spieshöfer rät allen Frauen, die ans Kinderkriegen denken: Setzt euch vorher mit der Realität auseinander! „Viele glauben, mit dem Kind ginge endlich ein Märchen in Erfüllung, aber ein Neugeborenes ist furchtbar anstrengend.“

Klar ist aber auch: Auf die erste Zeit mit Kind kann man sich nur begrenzt vorbereiten. Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig ein Netzwerk zu schaffen, damit man mit der massiven Lebensumstellung, die ein Baby bedeutet, am Ende nicht alleine ist.

Und wenn man dann trotzdem in ein tiefes Loch fällt, sollte man sich unbedingt jemandem anvertrauen, dem Partner etwa oder einer Freundin. Bleibt das Gefühl längerfristig bestehen, sollte man sich therapeutische Hilfe holen, um sich unter professioneller Anleitung mit den Ursachen auseinanderzusetzen – und das Leid mit der Liebe zu beenden.

Eine ganz simple Übung zur bedingungslosen Liebe, die das Verhältnis zu Deinem Kind nachhaltig ändern kann

Alles im Zusammenhang mit Deinen Erwartungen streichen

Ordne anschließend deine Liste in positiv und negativ und streiche dann alles, was aus deiner Erwartungshaltung herrührt. Beispiel: dass dein Kind sein Zimmer nicht aufräumt oder den Müll nicht rausbringt, sind Erwartungshaltungen. Wenn du diese Punkte auf deiner Negativ-Liste hast: dann streiche sie. Wenn du auf deiner Positiv-Liste stehen hast: „ist ein sehr guter Schüler“, dann streiche es, denn es entspringt deiner Erwartungshaltung.
Am Ende hast du nur noch die Dinge auf deinen Zetteln stehen, die dein Kind beschreiben, seine Wesenszüge.

Beim Streichen der Dinge hatten Christian und ich manchmal ein wenig Probleme, denn oft ist es schwer herauszufinden, was eine Erwartungshaltung ist und was nicht. Ich finde, dass sehr vieles aus Erwartungshaltungen entspringt: steht auf deiner Negativ-Liste „ist laut“ so könnte dies ein Wesenszug sein, allerdings entspringt es auch einer Erwartungshaltung, denn es ist gesellschaftlich nicht anerkannt, laut zu sein. Ich würde „ist laut“ nicht von der Liste streichen, denn es ist m.E. ein Wesenszug. Es gibt eben Kinder die laut sind. Vielleicht noch ein Beispiel: steht auf deiner Liste: „beißt andere Kinder“ so könnte man auch sagen: Wir erwarten, dass unser Kind nicht beißt. Allerdings würde ich diesen Punkt nicht von der Liste streichen, da dieser Punkt andere verletzt. Hör beim Streichen einfach auf deine Intuition!

Das Ergebnis

Welche Liste überwiegt bei euch? Bei uns zum Glück die Positiv-Liste 😉 Aber auch wenn die Negativ-Liste bei dir überwiegt, heißt es nicht, dass dein Kind „schlecht“ ist. Es ist dein Blickwinkel! Und den kann man ändern! Wenn du ein lautes und extrovertiertes Kind hast, dann ist es eben so – versuch nicht ständig dagegen anzukämpfen und dies ändern zu wollen. „Du musst mich so lieben wie ich bin„, das fordern wir von unserem Lebenspartner. Wir sollten bei unseren Kindern mit gutem Beispiel vorangehen.

So hat’s bei uns gewirkt

Das Erstellen dieser beiden Listen hat bei Christian und mir die bedingungslose Liebe zu unseren Kindern wieder hochgepusht. Dinge, die uns vorher unbequem waren, waren plötzlich weniger relevant (sind ja nicht schlecht, verstoßen nur gegen unsere Erwartungen, für die unsere Kinder nichts können). Stattdessen haben wir uns nochmals vor Augen geführt, wie wunderbar unsere Kinder sind! Und siehe da – die nächsten Tage waren nochmals spürbar harmonischer als sonst, wir haben uns in diesen Tagen so viel gedrückt. Erst heute morgen wieder hat mich unser „Kleiner“ umarmt und dann nach Papa und seinen großen Bruder gerufen, damit die auch noch mitdrücken können.

Der Ich-Habe-Ein-Wunderbares-Kind-Zettel

Und was machst du jetzt mit diesen Listen? Schreib dir einen kleinen Zettel mit allen übrig gebliebenen positiven Dingen (wenn es zu viele sind, dann schreib dir nur die wichtigsten auf). Steck diesen Zettel in deine Hosentasche und wenn euch die nächste Streitlawine zu überrollen droht, zieh dich schnell zurück, hol den Zettel aus der Tasche und du wirst sehen, der Streit wird abflachen bevor er eskaliert. Es ist auch gut, täglich einen Blick einfach so auf die Liste zu werfen. Diese Liste zeigt dir, welch ein tolles Kind auch du hast!

Zusätzlich zu dieser tollen Übung kannst Du mit einer täglichen (ganz einfachen) Meditation bedingungslose Liebe & Eltern-Kind-Bindung stärken.

Unsere Kinder lieben uns – bedingungslos. Lasst es uns ihnen nachmachen!

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.