Liebe unter geschwistern

Wenn du nicht gerade Einzelkind bist, dann weißt du, wie wichtig und besonders Geschwister sind. Je nachdem, ob du ältere und/oder jüngere Geschwister hast, bestimmt das deinen Charakter und sogar deine zukünftigen Beziehungen.

Als kleine Schwester von einem älteren Bruder oder als großer Bruder von einer jüngeren Schwester befindest du dich in einer relativ häufig vorkommenden Konstellation.

Für Frauen ist es wunderbar, einen großen Bruder zu haben, der sie beschützt und immer für sie da ist. Männer mögen es ebenfalls, eine kleine Schwester zu haben, denn so passen sie immer auf jemanden auf und werden bewundert.

Hier erfährst du mehr darüber, was es für deine Beziehungen bedeutet, der große Bruder bzw. die kleine Schwester zu sein. Außerdem geben wir dir Tipps für die besten Dating-Seiten im Internet (falls du noch auf der Suche bist…).

Die Vorteile an einem großen Bruder

Während du aufwächst, findest du es vielleicht manchmal nervig, einen großen Bruder zu haben. Denn er kommt immer zuerst dran, ist erwachsener als du und hat laute, anstrengende Freunde.

Aber spätestens in der Pubertät hat es viele Vorteile, die kleine Schwester zu sein. Denn dann kannst du beispielsweise die Freunde deines Bruders daten, die wahrscheinlich genau im für dich interessanten Alter sind.

Und das bleibt das ganze Leben lang so! Mit etwas Glück spielt dein Bruder mit und arrangiert vielleicht sogar ein paar Blind Dates für dich und einen Kumpel von ihm, der zu dir passen könnte.

Außerdem hast du mit einem großen Bruder immer jemanden, der für dich da ist. Er hat beinahe eine väterliche Rolle, ist aber viel eher in deinem Alter und du stehst in einer anderen Beziehung zu ihm als zu eurem Vater.

Denn ihr habt viele Insider-Witze, habt als Kinder immer zusammengehalten und kennt die andere Person wahrscheinlich so gut wie sonst fast niemanden.

Dein Leben lang wird dein großer Bruder dir zur Seite stehen. Und das nicht nur bei Umzügen oder für andere praktische Hilfestellungen, sondern auch, wenn du dich einfach mal ausheulen möchtest oder eine Umarmung brauchst.

Die Vorteile an einer kleinen Schwester

Geschwister finden sich während der Kindheit häufig nervig, aber mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter ändert sich das zum Glück. Als großer Bruder warst du wahrscheinlich schon immer stolz auf dein Schwesterchen.

Früher war sie dir vielleicht zu unreif oder zu mädchenhaft, aber jetzt könnt ihr gute Gespräche führen und sie ist mit etwas Glück nicht nur deine kleine Schwester, sondern auch deine beste Freundin.

Die Alterskonstellation ist darüber hinaus auch für das Dating sehr interessant, denn ihre Freundinnen sind etwa in deinem Alter, ein klein wenig jünger vielleicht, und damit sicherlich attraktiv für dich.

Zugleich sind deine Freunde in einem interessanten Alter für deine Schwester. Das heißt, dass ihr euch gegenseitig Partner vermitteln könnt!

Außerdem hilft deine Schwester dir dabei, Frauen zu verstehen. Denn schon allein die Tatsache, dass du mit ihr aufgewachsen bist, macht dich zu einem Frauenversteher. Bei Fragen steht sie dir bestimmt gern zur Seite.

Danach suchst du wahrscheinlich in Beziehungen

Wer als kleine Schwester aufgewachsen ist, vermisst den großen Bruder häufig. Daher wirst du in deinen Beziehungen mit Männern tendenziell jemanden suchen, der diese Rolle im Erwachsenenalter übernimmt.

Das heißt, du suchst nach jemandem, der dich beschützt und zuverlässig ist. Wahrscheinlich sollte der entsprechende Mann auch größer und breiter sein als du, sodass du dich auch physisch bei ihm gut aufgehoben fühlst.

Als großer Bruder suchst du vermutlich (bewusst oder unterbewusst) nach einer Single-Frau, die klein und zerbrechlich ist. So hast du das Gefühl, dass du jemanden beschützen und dich um sie kümmern kannst.

Zudem gefallen dir anhängliche Frauen, die viel Körperkontakt wünschen und am liebsten gar nicht von deiner Seite weichen würden, meistens sehr gut.

Den passenden Partner finden

Unabhängig davon, ob diese Tendenzen bei dir zutreffen, können wir dir empfehlen, die Partnersuche im Internet auszuprobieren. Denn vielleicht ist unter den Freundinnen und Freunden deines Geschwisterkindes niemand dabei.

Oder du möchtest lieber eine Beziehung mit jemandem haben, der weder dich noch deinen Bruder oder deine Schwester schon kennt und sich möglicherweise an peinliche Szenen aus der Pubertät erinnert.

Auf den besten Partnerbörsen online wirst du bestimmt fündig. Du solltest ein wenig Zeit und auch Geld investieren, um ein attraktives, aussagekräftiges Profil zu erstellen. Das erhöht deine Chancen ganz drastisch.

Auch, wenn dein Bruder oder deine Schwester dir sehr wichtig ist, solltest du in deinem Profil zunächst über andere Dinge und vor allem über dich selbst sprechen. Das offizielle Kennenlernen des neuen Partners kommt dann später.

Zunächst geht es nur um dich. Allerdings kann dein Geschwisterkind dir helfen, ein gutes Profil oder ein lustiges Profilbild zu erstellen. Übrigens, laut unserem Partnerbörsen-Vergleich gibt es einen klaren Testsieger unter den vielen Anbietern:

Parship! Auch DISQ und Stiftung Warentest sind der Überzeugung, dass das eine gute Anlaufstelle für Singles ist. Hier kannst du dich direkt anmelden und dein Glück versuchen.

Erst­ge­bo­re­ner oder jüngs­tes Kind?
Egal, ob wir ewi­ge Riva­li­tät oder immer­wäh­ren­de Lie­be zu unse­ren Geschwis­tern pfle­gen, nicht nur der Cha­rak­ter unse­rer Bezie­hung ist von Bedeu­tung, son­dern auch unser Platz in der Geschwis­ter­rei­hen­fol­ge.

Held, Spaßvogel oder Nesthäkchen?

Ehen und Part­ner­schaf­ten kön­nen schei­tern, Eltern ster­ben; die Kin­der wer­den groß und gehen ihre eige­nen Wege.
Die Ein­zi­gen, die unser Leben lang blei­ben, sind unse­re Geschwis­ter.

Auch nach einem Fami­li­en­krach kann man sich von ihnen weder tren­nen noch schei­den las­sen. Geschwis­ter sind immer da — auch wenn sie nicht da sind. Unse­re Geschwis­ter prä­gen und beglei­ten uns.
Viel­leicht sogar mehr als unse­re Eltern.

Das gilt welt­weit: „Schwes­ter oder Bru­der von …“ wird auf der gan­zen Welt ver­stan­den, egal, ob in Ham­burg, New York oder in einem Dschun­gel­camp irgend­wo am Ama­zo­nas.

Ob wir als Held, Spaß­vo­gel oder schutz­be­dürf­ti­ges Nest­häk­chen durch unser Leben mar­schie­ren — oder schlen­dern — , hängt ent­schei­dend von ihnen ab.
Dafür spielt nicht nur die Per­sön­lich­keit unse­rer Brü­der und Schwes­tern eine gro­ße Rol­le, son­dern auch die Geschwis­ter­rei­hen­fol­ge.

Unse­re Rol­le als gro­ße Schwes­ter oder klei­ner Bru­der, als Ein­zel- oder Sand­wich­kind wird uns in die Wie­ge gelegt und hat neben Erzie­hung einen gro­ßen Ein­fluss auf unse­re Per­sön­lich­keit.

Das Rollenmodell unserer Eltern

Wir Men­schen nei­gen dazu, Ver­hal­tens­mus­ter und Rol­len­mo­del­le, die wir in unse­rer Kind­heit gelernt haben, auch als Erwach­se­ne bei­zu­be­hal­ten und an unse­re eige­nen Kin­der wei­ter­zu­ge­ben.

Manch­mal ver­hal­ten wir uns genau­so wie unse­re Eltern, und manch­mal — wenn wir selbst dar­un­ter gelit­ten haben — genau umge­kehrt.
Ein Vater, der in sei­ner Kind­heit von sei­nem älte­ren Bru­der gepie­sackt wur­de, wird bei Strei­te­rei­en zwi­schen sei­nen eige­nen Söh­ne mit hoher Wahr­schein­lich­keit sehr schnell die Posi­ti­on des jün­ge­ren Soh­nes ergrei­fen, ohne dar­über nach­zu­den­ken.

Eine Mut­ter, die in ihrem Eltern­haus als ältes­te Toch­ter vie­le Ver­pflich­tun­gen im Haus­halt oder bei der Betreu­ung ihrer jün­ge­ren Geschwis­ter hat­te, wird ihre eige­ne erst­ge­bo­re­ne Toch­ter eher scho­nen und ver­wöh­nen und sie, wenn über­haupt, sehr sel­ten zum Baby­sit­ten oder zur Haus­ar­beit ver­pflich­ten.

Als trans­ge­nera­tio­na­le Ver­er­bung wird das unbe­wuss­te Wei­ter­ge­ben von Ver­hal­tens­wei­sen, Stim­mun­gen oder Ein­stel­lun­gen von einer Genera­ti­on auf die nachfolgende(n) bezeich­net.

Auch wenn aus Kin­dern schon längst Leu­te gewor­den sind, schlüp­fen wir beim Zusam­men­tref­fen mit unse­rer Her­kunfts­fa­mi­lie oft instink­tiv in alte Kind­heits­mus­ter. Ohne gro­ßes Nach­den­ken wer­den Bünd­nis­se und Scher­ze, aber auch Rei­be­rei­en aus längst ver­gan­ge­nen Tagen her­vor­ge­holt und wie­der­be­lebt.

Zur Freu­de der einen, denen die alten Rol­len aus der Kin­der­zeit Sicher­heit geben, und zum Ärger der ande­ren, für die sol­che Fami­li­en­tref­fen mit über­hol­ten Rol­len­ver­tei­lun­gen Stress pur bedeu­ten. Denn oft sind die Mus­ter als Held, Böse­wicht, Spaß­vo­gel oder Opfer hoff­nungs­los ver­al­tet und haben eine drin­gen­de Revi­si­on nötig.

Das zar­te Nest­häk­chen, das schon immer von allen beschützt wur­de, ist mitt­ler­wei­le eine erfolg­rei­che erwach­se­ne Frau, die nicht mehr behü­tet – und bevor­mun­det – wer­den möch­te. Der jüngs­te Bru­der, der immer so ver­spielt war, soviel Unsinn im Kopf und schlech­te Noten in der Schu­le hat­te, hat mitt­ler­wei­le Kar­rie­re gemacht und ist beruf­lich erfolg­reich.

Ihm wird es schwer­fal­len, wenn sei­ne älte­ren Geschwis­tern ihn auf sei­ne frü­he­re Rol­le als Fami­li­en­clown fest­na­geln und dabei sei­ne Erfol­ge als Erwach­se­ner völ­lig außer Acht las­sen.

Wem also Weih­nachts- und sons­ti­ge Fami­li­en­fei­ern schon lan­ge vor dem eigent­li­chen Fest­essen schwer im Magen lie­gen, soll­te einen Blick hin­ter die Fami­li­en­ku­lis­se wer­fen und sich alt­her­ge­brach­te Geschwis­ter-Eti­ket­tie­run­gen genau­er anse­hen.

Denn vie­le Cha­rak­te­ri­sie­run­gen, die uns seit unse­rer Kind­heit (ver-)folgen, haben mit unse­rem eigent­li­chen Cha­rak­ter heu­te und unse­ren Fähig­kei­ten gar nichts (mehr) zu tun: Sie sind die Über­res­te und alte Mus­ter aus längst ver­gan­ge­nen Kin­der­ta­gen.

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Die Kunst des “Nein-Sagens”
Ein lie­be­voll gestal­te­tes Heft aus der Rei­he “Biblio­thek der guten Gefüh­le” , mit kur­zen prä­gnan­ten Tex­ten über’s Nein­sa­gen und vie­len ein­fach zu befol­gen­den Übun­gen. Für alle, die gera­de mit einem The­ma beschäf­tigt sind, oder zum Ver­schen­ken.
Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Gren­zen set­zen, nein sagen*, Tri­ni­ty Ver­lag, 2012

Jeder hat die Erlaub­nis, sich aus sei­ner Ver­gan­gen­heit zu befrei­en und die Rol­le ein­zu­neh­men, die er oder sie außer­halb der Fami­lie als Erwach­se­ner viel­leicht schon seit Jahr­zehn­ten hat.

“Wir wer­den nicht ein­fach in unse­re Fami­li­en hin­ein­ge­bo­ren, son­dern in die Geschich­ten unse­rer Fami­lie, die uns stüt­zen und näh­ren und manch­mal zum Krüp­pel machen.”
Moni­ca McGold­rick, Wie­der heim­kom­men. Auf Spu­ren­su­che in Fami­li­en­ge­schich­ten*

Das älteste Kind

Das ältes­te Kind ist der “Ban­ner­trä­ger” der Fami­lie und hat damit ein zwei­schnei­di­ges Ver­gnü­gen.

Einer­seits genießt das ältes­te Kind – zumin­dest für eine gewis­se Zeit – die vol­le Auf­merk­sam­keit und Zuwen­dung der gesam­ten Fami­lie, ande­rer­seits ruhen auf „den Gro­ßen“ vie­le bewuss­te und unbe­wuss­te Hoff­nun­gen und Erwar­tun­gen.

Im Lau­fe ihres Lebens kann es den Ältes­ten gelin­gen, sich wenigs­tens teil­wei­se von der Erwar­tungs­hal­tung ihrer Fami­lie zu befrei­en, aber der Weg in die Unab­hän­gig­keit ist für sie am schwers­ten.
Oft wer­den ältes­te Kin­der, die sich von ihrer Ban­ner­trä­ger-Rol­le eman­zi­piert haben, ein Leben lang von Gewis­sens­bis­sen oder Schuld­ge­füh­len geplagt.

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Freund­schaft schlie­ßen mit unse­rem „inne­ren Kind“ ,
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Die Geburt eines jün­ge­ren Geschwis­ter­kin­des „ent­thront“ die Erst­ge­bo­re­nen, das Gefühl, etwas Beson­de­res zu sein, bleibt: Erst­ge­bo­re­ne haben oft das Gefühl, im Leben eine wich­ti­ge Auf­ga­be erfül­len zu müs­sen.

Den Eltern ste­hen die Ältes­ten am nächs­ten, und da sie sich häu­fig mit ihnen iden­ti­fi­zie­ren und bei ihnen bis ins Erwach­se­nen­al­ter eine beson­de­re Posi­ti­on ein­neh­men, sind ältes­te Kin­der meis­tens kon­ser­va­ti­ver als ihre jün­ge­ren Geschwis­ter.

Ältes­te Söh­ne und Töch­ter sind im Ver­gleich zu jün­ge­ren Geschwis­tern beson­ders gewis­sen­haft, eher ernst als ver­spielt und in der Regel sehr ver­ant­wor­tungs­be­wusst.

Da sie häu­fig nicht nur Ver­ant­wor­tung für jün­ge­re Schwes­tern und Brü­der über­neh­men, son­dern auch Auto­ri­tät aus­üben (müs­sen), sind sie in ihrem Erwach­se­nen­le­ben ‚gebo­re­ne‘ Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten. Erst­ge­bo­re­ne kön­nen sehr selbst­kri­tisch sein, Kri­tik von ande­ren ver­tra­gen sie aller­dings nicht unbe­dingt gut.

Die ältes­te Toch­ter ver­fügt in der Regel über die glei­che Füh­rungs­fä­hig­kei­ten wie ein ältes­ter Sohn.
Auch sie ist ver­ant­wor­tungs­be­wusst, ernst- und gewis­sen­haft und hat eine beson­de­re Gabe, für ande­re Sor­ge zu tra­gen.

Wer­den ihr aber – wie es frü­her häu­fig der Fall war – nicht auch die glei­chen Vor­rech­te wie einem ältes­ten Sohn ein­ge­räumt, trägt sie zwar Ver­pflich­tun­gen und Ver­ant­wor­tung, hat aber nicht die Mög­lich­keit, dar­aus auch das ent­spre­chen­de Selbst­be­wusst­sein zu ent­wi­ckeln.

Das jüngste Kind

Da der „Thron“ durch das erst­ge­bo­re­ne Kind bereits besetzt ist, müs­sen sich alle nach­ge­bo­re­nen Geschwis­ter­kin­der erst müh­sam eine Nische inner­halb der Fami­lie suchen und erobern, in der sie kon­kur­renz­los sind. Psy­cho­lo­gen bezeich­nen die­se “Nische” von Geschwis­tern als „Deiden­ti­fi­ka­ti­on”.

Die­ser Pro­zess ist ver­mut­lich einer der wich­tigs­ten Grün­de dafür, dass Geschwis­ter oft sehr unter­schied­lich sind, obwohl sie gene­tisch viel gemein­sam haben.
Als Faust­re­gel gilt: Je gerin­ger der Alters­ab­stand zwi­schen Geschwis­tern ist, des­to grö­ßer sind in der Regel die Unter­schie­de zwi­schen ihren Tem­pe­ra­men­ten und Nei­gun­gen.

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Sinn und Zweck der Deiden­ti­fi­ka­ti­on liegt ver­mut­lich dar­in, Riva­li­tät, Eifer­sucht und Neid zu ver­rin­gern; trotz­dem kann es beson­ders zwi­schen Brü­dern mit gerin­gem Alters­ab­stand zu hef­ti­gen Kon­kur­renz­kämp­fen kom­men.

Da die Nische „Füh­rung und Ver­ant­wor­tung“ bei ihrer Geburt bereits vom ältes­ten Geschwis­ter­kind besetzt ist, suchen und fin­den jün­ge­re Geschwis­ter­kin­der ihre Beson­der­heit inner­halb der Fami­lie meis­tens im Bereich Krea­ti­vi­tät. Beson­ders aus­ge­prägt ist das beim jüngs­ten Kind.

Marie Curie, Ben­ja­min Fran­k­lin oder der eben­so erfin­de­ri­sche wie exzen­tri­sche Tho­mas Alva Edi­son sind klas­si­sche Bei­spie­le für jüngs­te Kin­der, Quer­den­ker, die – frei von Ver­ant­wor­tung und Ver­pflich­tun­gen, gewöhnt an älte­re Geschwis­ter, die sich um sie küm­mern – unkon­ven­tio­nell ihren ganz eige­nen Weg gegan­gen sind.

Wie ältes­te Söh­ne und Töch­ter haben auch jüngs­te Kin­der häu­fig das Gefühl, etwas Beson­de­res zu sein; im Gegen­satz zu den ältes­ten dür­fen sie aber ihre indi­vi­du­el­len Nei­gun­gen stär­ker aus­le­ben.

Nest­häk­chen sind frei­er und nicht durch Ver­ant­wor­tung für ande­re belas­tet, oft wir­ken sie viel unbe­küm­mer­ter als ihre älte­ren Geschwis­ter und sind viel sel­te­ner von Selbst­zwei­feln geplagt.

Die Jüngs­ten sind meis­tens die­je­ni­gen, die Din­ge aus­pro­bie­ren, die ihren älte­ren Geschwis­tern nicht im Traum ein­fal­len wür­den.
Zwar sind jüngs­te Kin­der meis­tens fest ent­schlos­sen, ihren eige­nen, unkon­ven­tio­nel­len Weg zu gehen, gleich­zei­tig sind sie aber auch dar­an gewöhnt, das zu tun, was ande­re ihnen sagen.

Eigen­in­itia­ti­ve oder Füh­rungs­rol­len sind in der Regel nicht ihr Ding, umge­kehrt erwar­ten sie schnel­le Hil­fe und Unter­stüt­zung, sobald sie das Gefühl haben, nicht mehr aus eige­ner Kraft wei­ter­zu­kom­men.

Im Extrem­fall kön­nen jüngs­te Kin­der selbst­be­zo­gen und ver­wöhnt sein. Eini­ge sind frus­triert, weil sie der Mei­nung sind, dass ihnen eigent­lich ALLES zustün­de, ande­re rebel­lie­ren und ver­su­chen ihrem Sta­tus als „Fami­li­en­ba­by“ zu ent­flie­hen.

Das “Sandwich”- Kind

Mitt­le­re Kin­der haben kei­ne beson­de­re Rol­le. Beson­ders dann, wenn alle Geschwis­ter das glei­che Geschlecht haben, lau­fen Sand­wich­kin­der gro­ße Gefahr, ein­fach ver­ges­sen zu wer­den.

Des­halb haben mitt­le­re Kin­der mög­li­cher­wei­se die schwie­rigs­te Posi­ti­on inner­halb ihrer Fami­lie erwischt. Oder die ein­fachs­te.
Die Sand­wich-Posi­ti­on kann einer­seits gro­ße Frei­räu­me bie­ten, weil mitt­le­re Kin­der oft unter dem elter­li­chen Radar durch­se­geln und ihr eige­nes Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al unge­stört von “erzie­he­ri­schen Bemü­hun­gen” aus­schöp­fen kön­nen.

Auf der ande­ren Sei­te kann es als Sand­wich-Kind auch sehr frus­trie­rend sein, sich stän­dig abstram­peln zu müs­sen, um über­haupt wahr­ge­nom­men zu wer­den.

Sand­wich­kin­der sind häu­fig die ‚gebo­re­nen‘ Diplo­ma­ten und Ver­hand­lungs­füh­rer.
Sie sind oft deut­lich aus­ge­gli­che­ner als die stär­ker getrie­be­nen ältes­ten Kin­der, aber auch nicht so ver­spielt und wage­mu­tig wie die Nest­häk­chen.

Aller­dings müs­sen sie ihren Platz inner­halb der Fami­lie fin­den, sonst kön­nen sie als Erwach­se­ne Schwie­rig­kei­ten haben, sich ande­ren anzu­pas­sen.

Ohne die Pri­vi­le­gi­en des ältes­ten Kin­des und die Nar­ren­frei­heit des jüngs­ten kön­nen sich Sand­wich­kin­der manch­mal ver­lo­ren füh­len, es sei denn, sie sind die einz­ge Toch­ter unter Brü­dern oder der ein­zi­ge Sohn unter Schwes­tern.

Das Einzelkind

Für Kin­der sind ihre Geschwis­ter die ers­ten Spar­rings­part­ner für das Erler­nen sozia­ler Bezie­hun­gen.
Im Spiel wie im Streit ler­nen sie den Umgang mit Gleich­alt­ri­gen – und genau das kann Ein­zel­kin­dern feh­len, wenn sie, wie etwa Jean-Paul Sartre, ohne die Gesell­schaft ande­rer Kin­der groß wer­den.
Da sie kei­ne Geschwis­ter haben, ori­en­tie­ren sich Ein­zel­kin­der oder auch Geschwis­ter­kin­der, die mit gro­ßem zeit­li­chen Abstand zuein­an­der gebo­ren wor­den sind, stär­ker an Erwach­se­nen, deren Lie­be und Auf­merk­sam­keit sie suchen.

Auch im spä­te­ren Leben blei­ben sie ihren Eltern oft stär­ker ver­bun­den als Kin­der, die mit Geschwis­tern auf­ge­wach­sen sind.
Ein­zel­kin­der ver­ei­nen oft die Ernst­haf­tig­keit und Gewis­sen­haf­tig­keit des ältes­ten Kin­des mit der Über­zeu­gung, auf alles ein Recht zu haben, die cha­rak­te­ris­tisch für das jüngs­te Kind ist.

Die Her­aus­for­de­rung von Ein­zel­kin­dern ist, den sozia­len Umgang mit Gleich­alt­ri­gen mög­lichst früh zu ler­nen.

Über Sart­re wird bei­spiels­wei­se berich­tet, dass er — bei Mut­ter und Groß­el­tern auf­ge­wach­sen — erst im Alter von 12 Jah­ren in eine Schu­le geschickt wor­den ist und dort das ers­te Mal in sei­nem Leben Kon­takt zu ande­ren Kin­dern hat­te.

Die ande­ren Jun­gen aus sei­ner Schul­klas­se konn­ten mit dem mür­ri­schen und streit­ba­ren Neu­zu­gang über­haupt nichts anfan­gen, vor allem, weil er wich­tig­tue­risch und affek­tiert auf­trat, sobald er die Ableh­nung sei­ner Klas­sen­ka­me­ra­den spür­te.

Spä­ter ver­such­te er, sich Freun­de zu kau­fen, und durch beson­ders spek­ta­ku­lä­re Schü­ler­strei­che auf sich auf­merk­sam zu machen.
Er ver­brach­te viel Zeit allei­ne mit lesen und schrei­ben und fand schließ­lich in einem ande­ren Ein­zel­kind eine ver­wand­te und freund­schaft­lich ver­bun­de­ne See­le.

Geschwister: Die längste Beziehung unseres Lebens

Unse­re Geschwis­ter prä­gen uns, ob wir wol­len oder nicht.
Selbst wenn sich Geschwis­ter nur noch sehr sel­ten oder gar nicht mehr sehen, blei­ben die ent­schei­den­den Erin­ne­run­gen und Erfah­run­gen einer lan­gen gemein­sa­men Kind­heit erhal­ten.

Das kann manch­mal Stress bedeu­ten, beson­ders dann, wenn beim Zusam­men­tref­fen an alten Rol­len­mo­del­len fest­ge­hal­ten wird, die schon lan­ge über­holt sind.
Es kann aber auch viel Halt und Schutz geben.
Schließ­lich sind unse­re Geschwis­ter die Men­schen, zu denen wir die längs­te Bezie­hung in unse­rem Leben haben.

Copy­right: Agen­tur für Bild­bio­gra­phi­en, www​.bild​bio​gra​phi​en​.de, 2015 (über­ar­bei­tet 2019)

Lesen Sie im nächs­ten Bei­trag: Mut­ter­lie­be sorgt dafür, dass Frau­en über sich hin­aus­wach­sen und Din­ge tun, die sie nor­ma­ler­wei­se für ande­re Men­schen nicht tun wür­den. Fehlt Mut­ter­lie­be, muss ein Kind also „mut­ter­see­len­al­lein“ auf­wach­sen, wird es die­sen Man­gel ein Leben lang spü­ren. Aber was ist Mut­ter­lie­be, und wie lässt sie sich erklä­ren?
Was heißt schon Mut­ter­lie­be?

Buch­emp­feh­lun­gen:

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Preis: EUR 11,00

Die Psy­cho­lo­gin San­dra Kon­rad beschreibt mit vie­len Bei­spie­len aus ihrer Pra­xis, wie das unsicht­ba­re Erbe längst ver­gan­ge­ner Genera­tio­nen zu Fall­stri­cken im Hier und Jetzt wer­den kann. Ein sehr lesens­wer­tes Buch für alle, die end­lich ver­ste­hen und sich lösen wol­len. Emp­feh­lens­wert! San­dra Kon­rad, Das bleibt in der Fami­lie: Von Lie­be, Loya­li­tät und uralten Las­ten*, Piper Taschen­buch, 2014

Preis: EUR 29,95

Schwie­ri­ge Bezie­hun­gen sind oft das Ergeb­nis von Ver­hal­tens­mus­tern, die von Genera­ti­on zu Genera­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Wer immer wie­der in die glei­chen Fal­len tappt, wird in die­sem sehr lesens­wer­ten Sach­buch vie­le wert­vol­le Infor­ma­tio­nen über „trans­ge­nera­tio­na­le“ Ver­er­bung fin­den. Sehr fun­diert geschrie­ben und anhand vie­ler Bei­spie­le berühm­ter Fami­li­en sehr gut erklärt. Moni­ca McGold­rick, Wie­der heim­kom­men. Auf Spu­ren­su­che in Fami­li­en­ge­schich­ten*, Carl-Auer-Ver­lag, 2013

Ste­fa­nie Stahl, Autorin des Best­sel­lers Das Kind in dir muss Hei­mat fin­den*,
mit ihrem neu­en groß­ar­ti­gen Buch über Kin­der­er­zie­hung. Sehr infor­ma­tiv und klar struk­tu­riert mit vie­len Bei­spie­len aus der Pra­xis. Emp­feh­lens­wert!
Ste­fa­nie Stahl, Julia Tomu­schat, Nest­wär­me, die Flü­gel ver­leiht: Halt geben und Frei­heit schen­ken — wie wir erzie­hen, ohne zu erzie­hen*, GRÄFE UND UNZER Ver­lag GmbH, 2018

Preis: EUR 12,90

Opfer — Ret­ter — Ver­fol­ger
In Stres­si­tua­tio­nen fal­len wir oft in alte Rol­len-Mus­ter, die wir in der Kind­heit gelernt haben. Wie man Psy­cho­spiel­chen durch­schau­en und durch­bre­chen kann — ein sehr lesens­wer­tes Buch für alle, die das Gefühl haben, sich immer wie­der an der glei­chen Stel­le zu ver­ha­ken.
Cor­ne­lia und Ste­phan Schwarz: Schluss mit Psy­cho­spiel­chen*, dtv Ver­lags­ge­sell­schaft, Janu­ar 2018

Preis: Der­zeit nicht ver­füg­bar

Die Kunst des “Nein-Sagens“
Kur­ze, prä­gnan­te Tex­te und ein­fach zu befol­gen­de Übun­gen und Hin­wei­se erleich­tern das “Nein”-Sagen — denn unse­re “Ja“s wenn wir eigenltich “Nein” mei­nen, ver­ur­sa­chen auf Dau­er Stress und Frus­tra­ti­on. Ein lie­be­voll gestal­te­tes Heft aus der Rei­he “Biblio­thek der guten Gefüh­le” für alle, die zu oft Ja-Sagen, oder zum Ver­schen­ken.
Anne van Stap­pen, Das klei­ne Übungs­heft: Gren­zen set­zen, nein sagen*, Tri­ni­ty Ver­lag, 2012

Wei­ter­füh­ren­de Bei­trä­ge:

Schwar­ze Päd­ago­gik: Es war wäh­rend des Drit­ten Rei­ches ein Best­sel­ler und galt als d e r Leit­fa­den zur Kin­der­er­zie­hung. Über die NS-Päd­ago­gik und Johan­na Haa­rers Mach­werk.
Zwi­schen Drill und Miss­hand­lung: Johan­na Haa­rers “Die deut­sche Mut­ter und ihr ers­tes Kind”

Lebens­kunst und Resi­li­enz: Schwä­chen repa­rie­ren oder Stär­ken stär­ken? War­um es oft bes­ser ist, sich auf das zu kon­zen­trie­ren, was gut läuft.
Die Ener­gie folgt der Auf­merk­sam­keit

Sei fröh­lich! Es gibt kaum absur­de­re Auf­for­de­run­gen als “Sei spon­tan” oder “Sei fröh­lich”.
War­um man sei­ne Mit­men­schen nicht damit trak­tie­ren und als Emp­fän­ger sol­che Wün­sche bes­ser igno­rie­ren soll­te:
Sei spon­tan!

Tan­tho­lo­gie: “Coo­le Schwes­tern wer­den zu Tan­ten beför­dert”, heißt es, aber trotz­dem muss das Tan­ten-Dasein ziem­lich erbäm­lich sein.
Für Müt­ter spuckt Wiki­pe­dia eine Fül­le zärt­li­cher Kose­na­men aus: Mama, Mut­ti, Mue­ti, Mutsch, Mami, Ma, mum (eng­lisch), mom (ame­ri­ka­nisch), für Tan­ten dage­gen nur har­te Daten und Fak­ten: Erb­tan­te, Groß­tan­te, Kin­der­gar­ten­tan­te, Nenn­tan­te, Paten­tan­te, Petuh­tan­ten­deutsch, und Sab­bel­tan­te. Wor­an das liegt? Wis­sen wir nicht auch nicht, wol­len das aber ändern. Denn: Tan­ten sind viel bes­ser als ihr Ruf!
Die Psy­cho­lo­gie der Erb­tan­te

Män­ner und Frau­en: Geben sich Frau­en als Müt­ter selbst ein “Lebens­läng­lich”? Opfern sie sich auf, wer­den dadurch unglück­lich und nör­geln schließ­lich ihre Män­ner aus dem Haus? Über den schwie­ri­gen Spa­gat zwi­schen Kind und Kegel, Auf­op­fern und Haus­ar­beit … und die müt­ter­li­chen Qua­li­tä­ten von Vätern.
Der Mann in der Kri­se?

Bio­gra­fi­sches Schrei­ben: Die Gele­gen­hei­ten, bei denen Großeltern‑, Eltern- und Enkel­ge­nera­ti­on zusam­men­sit­zen und sich Geschich­ten „von frü­her“ erzäh­len, sind sel­ten gewor­den, aber die Sehn­sucht nach einer gemein­sa­men Fami­li­en­ge­schich­te bleibt. Was dage­gen hilft? Auf­schrei­ben!
11 Tipps, die Sie beim bio­gra­fi­schen Schrei­ben beach­ten soll­ten

Kind­heit: Die Kind­heit ist die prä­gends­te Zeit in unse­rem Leben. Über Müt­ter und Väter, Geschwis­ter­lie­be, trans­ge­nera­tio­na­le Ver­er­bung und Kind­heits­mus­ter, die uns unser gesam­tes Leben beglei­ten.
Kin­der, Kin­der

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Ein Bruder und eine Schwester, nichts Schöneres kennt die Welt. Kein Band im Leben hält fester, wenn einer zum anderen hält. (Unbekannter Dichter)

Spielgefährte, großes Vorbild, Schulter zum Anlehnen,bester Freund, erbitterter Rivale, Pech und Schwefel: Mit niemandem auf der Welt ist es so wie mit unseren Geschwistern. Niemand kennt uns wie sie, niemand liebt uns auf diese Art und Weise. Nur Geschwister verstehen das.

Große Schwester, kleiner Bruder – für viele Eltern ist das die IdealvorstellungFoto: Getty Images/fStop

Zwei Drittel der Kinder in Deutschland wachsen mit Geschwistern auf. Fast ein Drittel davon sieht sich mindestens einmal im Monat. Und jeder fünfte Deutsche wohnt mit Bruder oder Schwester in derselben Stadt. „In der Regel ist diese Beziehung die längste unseres Lebens“, sagt Pädagogin Cornelia Mack (63, „Geschwister – wie sie das Leben prägen“) aus Stuttgart. Und die wichtigste: Brüder und Schwestern bereiten uns aufs Leben vor, machen uns stark. Umgekehrt kann eine schlechte Beziehung untereinander sogar zu Depressionen führen. Dieses Problem haben Einzelkinder nicht. Trotzdem sind sie nicht besser dran. Sie lernen zwar in Kitas, Bündnisse mit anderen zu schließen, aber das ist nicht dasselbe. Expertin Mack: „Mit niemandem sonst teilen wir biografische Ereignisse wie große Urlaube, Geburtstage und die Familiengeschichte wie mit Geschwistern.“ Das erzeugt Verbundenheit. Auch die Wissenschaft bestätigt die Einzigartigkeit dieser Beziehung: Eine kanadische Untersuchung zeigt, dass die Unterstützung des älteren Geschwisterkindes die Sprachentwicklung des Jüngeren fördert. Zudem trainieren wir, Konkurrenten zu sein und uns durchzusetzen.

Futterneid und der Kampf um die Fernbedienung

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    Futterneidisch sein, jedes Eis, jeder Schokoriegel, jedes Gummibärchen wird streng überwacht und mitgezählt.

Mit Bruder und Schwester erleben wir das erste Mal Rivalität. Mack: „Das Erstgeborene macht die Erfahrung, dass das zweite Kind Zeit und Liebe von den Eltern wegnimmt. Und erlebt das als Kränkung. Das zweite Kind will das gleiche haben und können wie das große. Das Erstgeborene wiederum will nicht, dass das zweite ihm noch mehr wegnimmt – dadurch entsteht Rivalität.“

So ähnlich lief es auch bei der berühmten Familie Zuckerberg. Die ältere Randy war der Star der Familie bis der kleine Bruder Mark mit seinem Unternehmen Facebook die Welt veränderte – und sie überholte. Eine mögliche psychologische Erklärung für Mark Zuckerbergs Weg: Die jüngeren Geschwister sind rebellischer und risikofreudiger, können sich besser entfalten. Den Einser-Abschluss und die Vorzeige-Karriere mussten schon die großen Geschwister hinlegen; den kleinen steht die Welt offen.

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Aber wie genau wirken sich Geschwister-Konstellationen aufs Leben aus? Jeder zweite Erstgeborene gab in einer Studie an, mehr Verantwortung zu übernehmen als seine Geschwister. Die ältesten sind zielstrebiger, haben einen (minimal) höheren IQ. Häufig bleiben sie beim Führungspart; überdurchschnittlich viele Politiker und Chefs sind Erstgeborene. Dasselbe gilt auch für Nachzügler, die einen großen Altersunterschied zu ihren Geschwistern haben. In der Familienordnung werden sie wieder als „Erstgeborene“ wahrgenommen. „Sandwich-Kinder dagegen befinden sich in einer vermittelnden Rolle“, sagt Pädagogin Mack. Sie bekommen verschiedene Modelle mit, können von Älteren und Jüngeren etwas lernen. Dadurch sind sie als Erwachsene oft besonders diplomatisch. Und die Jüngsten? Sind nicht so verwöhnt, wie viele denken. Studien zeigen, dass Nesthäkchen später exzellente Netzwerker sind, weil sie früh gelernt haben, sich anzupassen. Und ja – sie können auch Charmeure sein, die wissen, wie man Menschen mit einem Augenaufschlag überredet. Die Traumkonstellation ist laut Forschern großer Bruder und kleine Schwester mit drei bis vier Jahren Altersunterschied: Unterschiedliche Interessen, klare Rollenverteilung, kaum Rivalität.

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Aber was, wenn ich mich mit meinen Geschwistern überhaupt nicht verstehe?

US-Psychologen haben herausgefunden, dass schwere Geschwister-Konflikte in der Kindheit das Grundvertrauen in andere Menschen erschüttern und im Erwachsenenalter sogar Depressionen auslösen können. Und wenn man komplett den Kontakt zu Bruder oder Schwester verliert? „Dann ist natürlich die Frage: Woran liegt das?“, sagt Pädagogin Mack. „Wenn es Konflikte gibt, sollte man sich um Versöhnung bemühen. Auch nach langer Zeit ohne Kontakt können Geschwister wieder Nähe zueinander entwickeln.“

  • vonUrsula Knapp schließen

Inzest, der Sex unter Geschwistern, ist von Alters her verfemt. Vor etwa zehn Jahren sorgte jedoch der Fall der Geschwister Patrick S und Susan K. für Aufsehen. Die damalige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ist bis heute umstritten.

Er war verboten, er ist verboten und er bleibt es wohl auch: Sex zwischen erwachsenen Geschwistern. Das Inzestverbot findet sich schon im Alten Testament. Im 3. Buch Mose heißt es: „Du sollst deiner Schwester Blöße, die deines Vaters oder deiner Mutter Tochter ist, daheim oder draußen geboren, nicht aufdecken.“ Rund 3000 Jahre Kulturgeschichte kann dieses Verbot für sich beanspruchen. Vor etwa zehn Jahren bekam die Überzeugung von Recht und Unrecht jedoch Risse.

Die Geschichte von Patrick S. und Susan K. wurde bekannt, jenem Geschwisterpaar, das sich nicht kannte, dann aber traf und liebte. Die Eltern hatten sich getrennt, als Patrick S. noch keine sieben Jahre alt war, die Schwester Susan kam kurze Zeit später zur Welt. Patrick S. wurde schließlich von Pflegeeltern adoptiert. Kontakt zu seinen leiblichen Eltern hatte er nicht. Erst im Jahr 2000, er war 24 Jahre alt, suchte er seine leibliche Mutter. Nun erfuhr er auch von seiner Schwester Susan K. und lernte die 16-Jährige kennen. Auch sie hatte eine schwere Kindheit gehabt, lebte lange in Heimen der Jugendhilfe. Als die Mutter starb, blieb Patrick bei seiner acht Jahre jüngeren Schwester, es wurde eine Liebesbeziehung – eine gesetzlich verbotene. 2001, 2003, 2004 und 2005 wurden vier gemeinsame Kinder geboren.

In Paragraf 173 Strafgesetzbuch steht: „Wer mit einem leiblichen Verwandten aufsteigender Linie den Beischlaf vollzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft … Ebenso werden leibliche Geschwister bestraft, die miteinander den Beischlaf vollziehen.“ Es folgt die Ergänzung, dass Sex zwischen Geschwistern erst ab der Volljährigkeit strafbar ist. Patrick war volljährig, seine Schwester wurde es 2002.

Die Geschichte von Patrick und Susan wurde zum Fall. Patrick bekam drei Jahre Haft, rief das Bundesverfassungsgericht an, später den Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg. Nüchtern gesprochen: Juristisch scheiterte er mit seinen Beschwerden auf ganzer Linie. Dass er und seine Schwester getrennt aufgewachsen waren, änderte nichts. Es ist wie bei Moses: Ob die Schwester „daheim oder draußen geboren“ ist, zählt nicht beim Inzestverbot.

Der Boulevard ist glücklich

Viele Medien nutzten die Geschichte von Patrick S. und Susan K. für den Boulevard. So einfach lagen die Dinge aber nicht. Patrick S. wurde nicht nur wegen Inzests verurteilt, sondern auch wegen vorsätzlicher Körperverletzung, begangen an seiner Lebensgefährtin Susan K. Das war, bevor das letzte gemeinsame Kind geboren wurde. Er schlug die deutlich jüngere Frau, die eine leichte Behinderung hat, ins Gesicht. Die beiden sind schon lange kein Paar mehr. Die Justiz habe ihre Beziehung zerstört, sagt Patrick S..

Wieso bestätigte das Bundesverfassungsgericht 2008 die Haftstrafe für den vierfachen Familienvater und Bruder mit 7:1 Stimmen? Das Inzestverbot für erwachsene leibliche Geschwister verletze nicht das Grundrecht auf sexuelle Selbstbestimmung, denn der Eingriff sei gerechtfertigt. „Der Beischlaf zwischen Geschwistern betrifft nicht ausschließlich diese selbst, sondern kann in die Familie und die Gesellschaft hinein wirken und außerdem Folgen für die aus der Verbindung hervorgehenden Kinder haben“, schrieb der Zweite Senat. Studien belegten, dass Inzest zu „vermindertem Selbstbewusstsein, Sexualstörungen im Erwachsenenalter“ und Beeinträchtigung der Beziehungsfähigkeit führen könne.

Die Verfassungsrichter hielten das Strafgesetz aus einem weiteren Grund für gerechtfertigt: als Schutz vor sexuellen Übergriffen. Bei (den insgesamt wenigen Fällen von) Geschwisterinzest bestehe häufig ein erheblicher Altersunterschied zwischen den Geschwistern. Der jüngere Teil könne aus einem Abhängigkeitsverhältnis heraus den Geschlechtsverkehr dulden, obwohl er ihn innerlich ablehne. Er wäre auf Dauer schutzlos gestellt, wäre der Inzest straffrei.

Die UN rügt Frankreich

Der juristisch umstrittenste Punkt ist bis heute, dass das Bundesverfassungsgericht auch mit der Gefahr von Erbkrankheiten das Inzestverbot rechtfertigte. Zwei der vier Kinder von Patrick S. und Susan K. haben eine Behinderung. Die Vermeidung von Erbkrankheiten ist von Alters her ein wesentliches Motiv für die Strafbarkeit. Das erklärt auch, wieso Inzest unter Pflege- oder Adoptivkindern nicht strafbar ist, sondern nur zwischen leiblichen Geschwistern. Im Übrigen verwies Karlsruhe aufs Ausland, wo der Geschwisterinzest ebenfalls überwiegend unter Strafe steht. In Frankreich gilt zwar kein Strafrecht, aber ein Eheverbot für Geschwister, sogar die rechtliche Anerkennung der Kinder wird ihnen versagt. Überraschend ist, dass ausgerechnet die UN Frankreich mehrmals aufforderte, den Inzest unter Strafe zu stellen, zuletzt 2002. Die UN bewertet das Inzestverbot vorrangig als Schutz der Kinder.

Unter Strafrechtlern stößt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts teilweise bis heute auf scharfe Ablehnung. Das Sondervotum des inzwischen verstorbenen Verfassungsrichters Winfried Hassemer findet dagegen die Anerkennung der Kritiker. In Karlsruhe gab es seit 2008 kein neues Verfahren mehr zum Inzest. Möglich, dass in Parallelfällen, in denen Geschwister sich gar nicht kannten und als Erwachsene ein Paar wurden, gar nicht mehr angeklagt wird. Denn das Gesetz lässt eine Einstellung des Verfahrens zu, wenn es kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung gibt.

Als sich 2014 der Ethikrat des Themas annahm und mehrheitlich eine Lockerung des Verbots für erwachsene Geschwister vorschlug, sofern sie nicht mehr in der Familie leben, gab es jedoch wieder heftige Kritik. Auf die Frage, ob in der Folge auch freiwilliger Geschlechtsverkehr zwischen Eltern und einem erwachsenen Kind straffrei bleiben müsse, sobald das Kind außer Haus lebe, antwortete Ratsmitglied und Psychologe Michael Wunder, dass es „kein logisches Argument gibt, diesen unter Strafe zu stellen“.

Das gesetzliche Verbot einer sexuellen Beziehung zwischen Geschwistern ist rechtens: Das hat der Europäische Gerichtshof in Straßburg entschieden. Ein Urteil, dass eine heftige Debatte in Gang gesetzt hat – auch unter den Lesern von Süddeutsche.de. Wie kommt es zu Inzest zwischen Bruder und Schwester? Welche Rolle spielen Erziehung und eine gemeinsam verbrachte Kindheit? Peer Briken ist Leiter des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Ein Gespräch über eines der letzten Tabus unserer Gesellschaft.

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Bei inzestuöse Beziehungen unter Geschwistern herrscht nur selten ein Machtgleichgewicht. Subtiler Zwang kann oft eine Rolle spielen.

(Foto: dpa)

Süddeutsche.de: Herr Briken, wie oft kommt es zu inzestuösen Beziehungen zwischen Geschwistern?

Peer Briken: Es gibt Daten darüber, dass sexuelle Erfahrungen in einem weiteren Sinne zwischen Geschwistern gar nicht so selten sind. Eine Studie nannte in den 1980erJahren die Zahl von zehn Prozent aller Kinder. Da geht es aber in der Regel um Fummeleien oder Berühren. Tatsächliche sexuelle Grenzverletzungen sind – nach allem was wir darüber wissen – sehr viel seltener.

Süddeutsche.de: Wie meinen Sie das?

Briken: Bei Inzest zwischen Geschwistern, also Kindern, herrscht nur sehr selten ein Gleichgewicht. Es gibt Altersunterschiede und damit unter Umständen auch ein Machtgefälle. In solchen Fällen kann auch Zwang eine Rolle spielen, der manchmal auch subtil ausgeübt wird. Erfahrungen aus der Praxis zeigen: Die psychischen Folgen einer solchen Grenzüberschreitung unterscheiden sich manchmal nicht von denen sexuellen Missbrauchs durch den Vater oder Stiefvater. Es gibt auch Faktoren, die verschiedene Arten von Inzest begünstigen können.

Süddeutsche.de: Welche Faktoren sind das?

Briken: Eine übersexualisierte Atmosphäre kann eine Rolle spielen, das heißt, wenn zum Beispiel die Kinder gezwungen werden, sich Pornographie anzusehen. Wenn Kindern die Möglichkeit genommen wird, Schamgefühle zu entwickeln. Wenn in einer Familie Gewalt und Suchtmittel eine Rolle spielen. Wenn es an emotionalen Beziehungen fehlt, oder die Rollen der verschiedenen Generationen nicht klar verteilt sind. Auch Missbrauchserfahrungen der Eltern können da relevant sein.

Süddeutsche.de: Macht es einen Unterschied, wenn der Inzest zwischen Geschwistern, also innerhalb einer Generation, stattfindet?

Briken: Wissenschaftlich sind solche Fälle bislang nur wenig untersucht. Das liegt auch daran, dass von einer sehr großen Dunkelziffer auszugehen ist. Aber ich nehme an, dass durch die große Nähe zwischen Geschwistern Scham und Schuldgefühle auf andere Weise berührt werden. Außerdem sind die Grenzen dessen, was erlaubt ist und was nicht, unter Umständen weniger klar.

Süddeutsche.de: Können sich Bruder und Schwester verlieben?

Briken: Schwärmereien für die Geschwister sind an der Tagesordnung und gehören zur kindlichen Entwicklung. Eine Liebe über längere Zeit mit sexueller Beziehung ist eher die Ausnahme.

Süddeutsche.de: Entwickelt sich bei Kindern, die gemeinsam aufwachsen, eine Art natürliche Inzest-Barriere?

Briken: Es gibt Hinweise darauf, dass sich Grenzen im Kindesalter entwickeln, die so nicht vorliegen, wenn sich zum Beispiel Bruder und Schwester erst im Erwachsenenalter begegnen. Solche Grenzen werden durch gemeinsame Erfahrungen in der Kindheit gezogen, unter anderem durch die Erziehung und soziokulturelle Faktoren. Das Inzestverbot ist ja vielerorts in unserer Gesellschaft verankert. Dieses gesellschaftliche Tabu hat wahrscheinlich auch biologische Ursachen.

Süddeutsche.de: Weiß man etwas über die Kinder, die aus solchen Beziehungen hervorgehen?

Briken: Ich hatte mit einigen solcher Kinder Kontakt, die psychisch sehr angegriffen waren. Aber das muss nicht repräsentativ sein, sondern hat mit dem klinischen Umfeld zu tun, in dem ich tätig bin.

Süddeutsche.de: Wie bewerten Sie die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der das deutsche Inzest-Verbot für rechtens erklärt hat?

Briken: Wie bei vielen normativen Entscheidungsprozessen gibt es hier wohl kein absolutes richtig oder falsch. Im Hintergrund gibt es da einfach eine Vielzahl von Schwierigkeiten, die Berücksichtigung finden müssten. Dass Geschwisterinzest mit Homosexualität und Ehebruch in eine Reihe gestellt wird, halte ich für fraglich. Denn zahlenmäßig ist Geschwisterinzest doch eher eine Randerscheinung.

Liebe unter Geschwistern bleibt verboten

Straßburg/Hamburg. Patrick S. und seine Schwester Susan K. wuchsen in schwierigen Familienverhältnissen auf – und an verschiedenen Orten. Er lebte seit seinem dritten Lebensjahr in Kinderheimen. Mit sieben Jahren adoptierte ihn seine Pflegefamilie, deren Namen er annahm. Als sich Patrick im Jahr 2000 – mittlerweile war er 24 Jahre alt – mithilfe des Jugendamts auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter macht, lernte er seine 16 Jahre alte, geistig leicht behinderte Schwester kennen. Von ihrer Existenz wusste er bis dahin nichts. Er zog zu ihnen und zwischen den Geschwistern entwickelte sich nach dem Tod der gemeinsamen Mutter am 12. Dezember 2000 eine Liebesbeziehung. Zwischen 2001 und 2005 wurden vier Kinder geboren. Zwei sind behindert. Drei kamen in eine Pflegefamilie, das vierte blieb bei der Mutter.

Als 2001 das erste Kind zur Welt kam, wurde nach einer Anzeige des Jugendamts in Leipzig gegen Patrick S. ein erstes Strafverfahren eingeleitet. Denn laut Paragraf 173 des deutschen Strafgesetzbuchs ist der „Beischlaf zwischen Verwandten“ verboten, auch wenn er im Einvernehmen stattfindet.

+++ Urteil: Geschwisterliebe ist kein Menschenrecht +++

Am 23. April 2002 wurde der Leipziger vom Amtsgericht Borna wegen 16 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt – auf Bewährung. 2003 kam dann das zweite gemeinsame Kind zur Welt. Patrick S. wurde deshalb am 6. April 2004 zu zehn Monaten Haft verurteilt. Wenige Tage vorher wurde das dritte gemeinsame Kind geboren – und 2005 das vierte gemeinsame Kind.

Patrick S. wurde wegen dieser letzten beiden „Vorfälle“ im November 2005 vom Amtsgericht Leipzig zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Das Urteil wurde von den deutschen Gerichten bis hin zum Bundesverfassungsgericht bestätigt. Patrick S., der sich mittlerweile sterilisieren ließ, trat am 4. Juni 2008 seine Gefängnisstrafe in der Justizvollzugsanstalt Leipzig an. Rund ein Jahr später wurde er entlassen. Dieser Belastung war die Beziehung nicht gewachsen, sie zerbrach. Patrick S. und Susan K. leben heute getrennt. Sie wurde nicht bestraft. Ihr wurden eine „ängstlich zurückgezogene Persönlichkeitsstruktur“ und verminderte Schuldfähigkeit attestiert.

Patrick S. und sein Dresdner Anwalt Endrick Wilhelm wollten diese Urteile nicht auf sich beruhen lassen und wandten sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg. Ihr Ziel: das Verbot der Geschwisterliebe komplett aus dem deutschen Gesetzbuch zu kippen, denn das gesellschaftliche Tabu reiche aus, das Argument mit eventuell behinderten Kindern sei nicht schlüssig. Ohne Erfolg. Gestern entschied das Gericht, dass die Verurteilung von Patrick S. nicht dessen Recht auf Achtung seines Privat- und Familienlebens verletzt. Dieses Recht ist in Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert. Der Anwalt des heute 35-Jährigen hatte auch argumentiert, die Haftstrafe habe die Familie von Patrick S. „zerstört“.

Die Straßburger Richter wiesen zwar darauf hin, dass nicht in allen 47 Mitgliedstaaten des Europarats sexuelle Beziehungen zwischen erwachsenen Geschwistern strafbar seien. Die deutschen Behörden hätten bei der Entscheidung, wie mit solchen Inzestbeziehungen umzugehen sei, aber einen „weiten Beurteilungsspielraum“. Laut dem EGMR besteht „zwischen den Mitgliedstaaten des Europarats kein Konsens hinsichtlich der Frage, ob einvernehmliche sexuelle Beziehungen zwischen erwachsenen Geschwistern eine Straftat darstellen“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es kann Berufung eingelegt werden.

Das Inzestverbot ist aus Sicht von Rechtsanwalt Jan Siebenhüner, der an der Universität Leipzig ein Gutachten über den umstrittenen Paragrafen 173 verfasst hatte, nicht mehr zeitgemäß. „Es ist deutlich überzogen und aus verfassungsrechtlicher Sicht unhaltbar“, kritisierte der Experte. Obwohl Geschwisterpaare ein besonders hohes Risiko haben, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen, widerspreche die Regelung dem Gesetz der Gleichbehandlung. „Dann müsste man auch Behinderten verbieten, Kinder zu bekommen“, sagte Siebenhüner. Auch das Argument zum Schutz der Familie „greift nicht, weil das Inzestverbot nicht alle Familienmitglieder betrifft“. So seien etwa homosexuelle Kontakte unter erwachsenen Geschwistern nicht strafbar. Aus Gründen der Gleichbehandlung müsse seiner Meinung nach der Inzest-Paragraf entweder geändert oder ganz gekippt werden.

( (imn) )

„Ich liebe meine Schwester“

Tom* wollte sich nicht persönlich mit mir treffen. Ich könnte ihn verurteilen, ihn eklig finden, beschimpfen oder angewidert davonlaufen. So haben immerhin die anderen reagiert, denen er von sich erzählt hat. Wir schreiben uns E-Mails. Immer wieder bitte ich ihn, mit mir zu sprechen, sich zu öffnen. Er hat extra einen neuen, anonymen Mail-Account erstellt.

Er will ja auch über sein Leben sprechen. Die Wahrheit loswerden. Wir verabreden uns also zu einem Skype-Interview. Tom trägt zu seinem Schutz eine schwarze Sonnenbrille und eine Mütze. Er verspricht, mir alles zu erzählen, aber nur, wenn ich keine persönlichen Daten über ihn preisgebe. Ich würde ansonsten seine Freiheit riskieren.

Toms Profilbild zeigt ihn und seine Freundin Lena. Sie umarmt ihn von hinten und küsst ihn leidenschaftlich am Hals. Er lacht und greift ihr ins lange braune Haar. Eigentlich ist an dem Foto ja nichts verkehrt. Es zeigt zwei Personen, die sich lieben. Eine Beziehung, die auf Freiheit und gegenseitiger Zuneigung basiert.

Aber Lena ist Toms Schwester und diese Tatsache verändert für viele alles. Das Foto wird zum Beweis einer Straftat. „Ich habe Angst davor, dass man mich eklig findet“, sagt Tom. Er sieht mich nicht an und kratzt sich an den Fingern. Seit 20 Jahren lebt er mit seiner Schwester in einer festen Beziehung. „Es gibt nichts, was ich noch nicht gehört habe. Man nannte mich Blutschänder, Genschänder, Schwesternficker oder behindert. Das kam aus dem Mund meiner ehemaligen Freunde. Auch wenn die Gesellschaft uns nicht anerkennen will: Es gibt uns und wir sind mehr als ihr denkt.“

Tom und Lena sind in einem österreichischen Kleindorf aufgewachsen. Das Klischee der perfekten Familie schwebt wie ein Damoklesschwert über ihnen. Sie wohnen in einem riesigen, weißen Bilderbuchhaus mit bellendem Hund vor der Tür. Seine Mutter ist anständige Hausfrau und sein Vater Beamter. Die Kinder gehen brav ins Gymnasium und versuchen, nicht unangenehm aufzufallen. Sie dürfen generell nicht auffallen. In der Familie gibt es offiziell keinen Streit. Immer muss gelächelt werden. Was würden sonst die Nachbarn denken? Irgendwann fällt Tom auf, dass er nicht perfekt ist. Lena auch nicht. „Wirkliche Gefühle für sie bekam ich, als wir beide in die Pubertät kamen“, sagt Tom. „Sie wurde erwachsen und immer schöner. Manchmal hab ich sie beim Umziehen im Zimmer beobachtet. Danach habe ich mich immer sehr geschämt.“

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Tom beruhigt sich damit, dass die Neugierde am weiblichen Körper normal sei. Er fände nicht seine Schwester attraktiv, sondern allgemein Frauen. Daher käme auch bestimmt seine Erektion. Wenn eine Frau nackt ist, sieht man als Mann doch automatisch hin, oder? Das ist halt eine Art Reflex. Seine Gefühle werden aber immer stärker und Lena hat mit 17 ihren ersten festen Freund. „Das war die Hölle für mich“, gesteht Tom. „Ich habe jeden ihrer Typen abgrundtief gehasst. Lena weinte oft, weil ich sie nicht akzeptieren wollte. Heute weiß ich: Das war pure Eifersucht.“

Nach drei Jahren Beziehung betrügt Lenas Freund sie. Mitten in der Nacht stürzt sie zu Tom ins Zimmer. Er hat bereits geschlafen und wird von ihrem Schluchzen geweckt. Weil er seine Schwester trösten will, holt er einen Wein aus dem Keller. Nach dem ersten Glas folgt auch schon das zweite und das dritte. Lena kuschelt sich im Rausch an seine Schulter.

„Ich kann mich noch genau erinnern. Sie schaute hoch zu mir und fragte, wieso die anderen Männer nicht so sein können wie ich.“

„Ich kann mich noch genau erinnern. Sie schaute hoch zu mir und fragte, wieso die anderen Männer nicht so sein können wie ich.“ Da passiert es. Tom wird klar, dass Lena und er nicht nur Geschwister sind. Er will sie festhalten und an sich ziehen. Sie kommt ihm aber zuvor und küsst ihn. „Wir waren immer schon sehr eng gewesen“, erklärt Tom, „als Kinder haben wir oft in einem Bett geschlafen.“

„Obwohl wir dafür vielleicht schon zu alt waren. Wir haben uns alles erzählt – immer.“ Die Weinflaschen haben sich inzwischen verdoppelt. Der Alkohol hilft zu vergessen, dass sie eigentlich Geschwister sind. Irgendwann drückt Tom seine Schwester weg. „Was machen wir hier?“, schreit er. Lena beginnt zu weinen.

Die folgenden Tage werden für Tom zur Qual. Sie können den Vorfall natürlich auf den Alkohol schieben. Trotzdem lässt ihn das Gefühl nicht in Ruhe, dass das kein Ausrutscher war. Er erinnert sich an gewisse Situationen. „Mir wurde klar, dass Lena und ich immer schon geflirtet haben. Ich tat das damals noch als Witz ab. Das war es aber nicht. Viele merkwürdige Situationen wurden für mich auf einmal glasklar.“

Er weiß jetzt, dass er Lena beim Umziehen beobachtete, weil er auf sie scharf ist. Er war nicht nur erregt, weil sie eine Frau ist – und die gewissen Körperteile mitbringt –, sondern auch weil er Gefühle für sie hatte. Lena und Tom reden lange über den Vorfall. Sie hat dieselben Gefühle für ihn. Lange verdrängt sie die Tatsache, obwohl sie auf der Hand liegt. Lena hat bewusst die Türe einen Spalt aufgelassen, damit er sie beobachten kann. Sie will ihn verführen. Auch wenn ihr das erst nach dem Kuss klar wird. „Ich war zunächst erleichtert“, meint Tom. „Sie empfand dasselbe für mich. Wir konnten gemeinsam glücklich werden. Aber das war natürlich nur eine Utopie. In Wirklichkeit war unsere Liebe zu einander wie ein böser Fluch. Auch heute noch.“

„Mir wurde klar: Wir sind jetzt so etwas wie Kriminelle.“

Inzest ist strafbar und bedeutet ganz allgemein Beischlaf zwischen nahen Verwandten. In Österreich wird Inzest zwischen Eltern und Kindern mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr und zwischen Geschwistern mit Freiheitsentzug bis zu sechs Monaten bestraft (§ 211 StGB). Als Tom das erste Mal mit Lena schläft, war es also nicht nur ein Liebesakt, sondern auch eine Straftat. „Mir wurde klar: Wir sind jetzt so etwas wie Kriminelle. Paragraf 211 ist aber komplett beschissen, er bestraft auch Menschen, die mündig sind und auf freiwilliger Basis eine Beziehung mit einem anderen mündigen Menschen eingehen. Das geht doch gegen die Menschenrechte. Wir zwingen uns ja nicht.“

Für Tom wird besagter Paragraf zu einer fetten, schwarzen Gewitterwolke, die immer über ihm schwebt. Er kann es nicht verstehen, weshalb er dafür ins Gefängnis gehen soll. „Seit wann ist Ekel ein Grund, andere einzusperren? Niemand würde einen Menschen bestrafen, weil er Sex mit einem Kuchen hat, nur weil andere es eklig finden.“

Tom hat sich jahrelang intensiv mit dem Tatbestand der Blutschande beschäftigt. Als Patrick S. 2008 in Deutschland eine Verfassungsbeschwerde zur Blutschande einreicht, freut sich Tom. Er glaubt, das Gesetz könnte endlich abgeschafft werden. Lena und er wären dann freie Menschen. Der Antrag wurde abgelehnt. In der Begründung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Inzesttatbestand werden folgende Gründe, weshalb das Gesetz der Blutschande bestehen bleiben muss, genannt:

Die Volksgesundheit (damit ist die Sicherstellung eines vielseitigen Genpools gemeint).

Außerdem die historische Bedeutung, Schutz der auch bei einvernehmlichen sexuellen Handlungen vermuteten schwächeren Partei vor Traumatisierung.

Und die Vermeidung eines durch Entkriminalisierung vermuteten „falschen Signals“ an die Öffentlichkeit.

Für Tom ist das alles Unsinn. Vor allem, weil der dritte Grund auch nach anderen Normen bestraft wird. Noch heute ist ein bestimmtes Schreiben für ihn das A und O. Hans Jörg Albrecht, Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, hat nämlich in einem rechtsvergleichenden und empirischen Gutachten die gängigsten Gerüchte rund um die Blutschande widerlegt. Für Tom ist das Schreiben wie eine Bibel. Die meisten Leute würden denken, dass das Verbot der Blutschande dem Schutz der dadurch entstehenden Kinder diene. „Dabei liegen sie so falsch“, sagt Tom. „Sie gehen davon aus, dass Kinder, die aus Inzestbeziehungen hervorgehen, zu 100 Prozent behindert sind.“

Mein Kind ist gesund und ich und meine Frau lieben uns freiwillig. Alle guten Gründe für eine Strafe fallen also weg.

Ein erhöhtes Risiko besteht tatsächlich: Kinder von verwandten Eltern können an einem autosomal-rezessiven Gendefekt leiden. Doch noch ist nicht bekannt, wie hoch das Risiko bei verwandten Eltern im Gegensatz zu nichtverwandten Eltern ist. Somit können verwandte Eltern, die Kinder zeugen, nicht strafrechtlich verfolgt werden. Andernfalls würden sich auch Spätgebärende, Behinderte oder drogenkranke Menschen strafbar machen, wenn sie ihrem Kinderwunsch nachkommen.

Für Tom ist also der Sinn des Verbots nicht vorhanden: „Ich würde es ja verstehen, wenn sie mir sagen: Du kommst ins Gefängnis, weil du dein Kind gefährdest. Mein Kind ist aber gesund und ich und meine Frau lieben uns freiwillig. Alle guten Gründe für eine Strafe fallen also weg.“

Die Unsinnigkeit des Gesetzes wird klar, wenn man bedenkt, dass nur Vaginalsex unter Verwandten bestraft werden kann (das ist ebenso der Fall in Deutschland). Oral-, und Analsex kann nicht bestraft werden. Das Problem liegt hierbei in der Formulierung des Gesetzestextes. Es wird nur von „Beischlaf“ gesprochen. Dieser wird strafrechtlich als das „Eindringen des männlichen Gliedes in den Scheidenvorhof“ definiert. Anal- und Oralsex wird jedoch als „dem Beischlaf gleichzusetzende geschlechtliche Handlungen“ definiert.

Somit können auch homosexuelle Verwandte problemlos miteinander schlafen. Denn nur die vaginale Penetration kann bestraft werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob einer der Partner zeugungsunfähig ist oder ob Verhütungsmittel benutzt werden. Der Vaginalsex an sich ist strafbar. Dadurch ist auch künstliche Befruchtung erlaubt, egal ob die Ei-oder Samenspende von Geschwistern stammen.

Tom und Lena führen einige Jahre lang eine geheime Beziehung. Es wird leichter, als sie beide mit dem Studium anfangen. Sie ziehen aus und müssen nicht mehr Versteckspielen. Obwohl die ständige Flucht vor den Eltern für Tom auch etwas Reizvolles hatte. „Natürlich mussten wir zuerst damit fertig werden. Wir dachten lange, dass wir komplett krank wären. Wer liebt schon seine Schwester? Unglaublich, was ein Tabu mit dem Selbstwertgefühl eines Menschen machen kann.“ Tom wird depressiv.

Er trennt sich von Lena, weil er glaubt, es würde alles besser machen. Dann versucht er, sich umzubringen. Lena findet ihn rechtzeitig und die Ärzte können ihn retten. „Ich musste etwas ändern. Ich lebte wie in einer Blase. Niemand durfte wissen, wen ich liebe. Das machte mich fertig. Ich wollte mir mein Leben nehmen.“

Lena und Tom beschließen wegzuziehen. Sie wohnen heute in einer Wohnung in Deutschland. Ihre neuen Freunde denken, sie wären verheiratet. Vor Kurzem haben sie auch ein kleines Mädchen bekommen. „Lena musste im Krankenhaus sagen, dass der Vater unbekannt wäre. Wir wollten nichts riskieren. Auf keinen Fall will ich ins Gefängnis und meine Familie verlassen.“

(*alle Namen wurden von der Redaktion geändert)

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Geschwister: Eine ganz besondere Beziehung

Verbündete und Rivalen

Doch warum prägt das Großwerden mit Geschwistern einen so stark? „Geschwis­ter stehen im hierarchischen Gefüge der Familie auf einer Ebene. Sie haben den Eltern gegenüber die gleiche Posi­tion“, erklärt Corinna Onnen, Professorin für Familiensoziologie an der Universität Vechta. Selbst wenn sich die Kinder unter­einander vielleicht nicht so gut verstehen: Geht es darum, sich gegen Mama und Papa zu behaupten, halten sie zusammen und bilden eine geschlossene Einheit. Einzelkinder brauchen deshalb viel Kontakt zu Gleichaltrigen. „Sie müssen sich auf Augen­höhe ausprobieren können, damit sie sich gut entwickeln“, sagt die Soziologin.

Geschwister sind aber auch Rivalen. Das liegt in der Natur der Sache. Denn wird aus einer drei- eine vierköpfige Familie, beginnt ein Wettstreit der Kleinen um die Liebe der Eltern. Das Erstgeborene muss erleben, dass Mama und ­Papa ihre Aufmerksamkeit nun verstärkt dem schreienden Baby widmen und dass es sie mit dem Eindringling teilen muss.

Gleichbehandlung nicht immer gerecht

Entthronisierung nennen Psycho­logen das, was das ältere Kind jetzt erlebt. Dass es das nicht spaßig findet, ist klar. „Je besser es Eltern gelingt, dem großen Kind zu zeigen, dass es nicht zur Nummer zwei abgerutscht ist, und es in die Versorgung des neuen Babys einzubinden, umso reibungsloser verläuft diese Zeit“, sagt Jürg Frick. Trotzdem bleibt es ein Balanceakt. Denn Geschwister werden sich immer vergleichen: Wer darf als Erster zur Mama auf den Schoß? Wer kriegt die längere Geschichte vorgelesen? Sind die Kuchenstücke wirklich gerecht verteilt? Die Geschenke gleichwertig?

Wer meint, diesen Rivalitäten der Kinder vorbeugen zu können, indem er sie gleich behandelt, irrt. Sicherlich: Fair und gerecht sollten Eltern sein und nicht das eine bevorzugen oder das andere benachteiligen. „Völlig gleich behandeln funktioniert aber nicht, denn jedes Kind hat andere Bedürfnisse entsprechend seines Entwicklungsstands. Danach müssen Eltern handeln“, erklärt Frick. Das heißt zum Beispiel: Den Vierjährigen abends trotz Protests ins Bett bringen, während die Achtjährige noch Kindernachrichten im Fernsehen angucken darf.

Vermeiden sollten sie aber, ein Kind immer als Vorbild hinzustellen oder es in eine Rolle zu drängen wie etwa „der Vernünftige“ oder „die Sensible“. Das wird keinem Kind gerecht. Auch Vergleiche, die immer wieder auf den Tisch kommen, weil eines zum Beispiel mutiger ist, fachen Eifersucht und Neid an. Jedes Kind hat eigene Bedürfnisse. Eltern sollten ­diese erkennen und erfüllen. Dann können Geschwister auch mit Unterschieden umgehen, etwa dass die Größere länger aufbleiben darf und der Kleine noch nicht den Tisch abräumen muss.

Köln –

Es könnte doch alles so schön sein: Erwachsene Geschwister in trauter Harmonie – sie stehen sich treu zur Seite, sind Ansprechpartner und Helfer in jeder Lebenslage. Schließlich kennen sie sich ja schon ein Leben lang. Die Realität aber sieht oft ganz anders aus: Brüder und Schwestern sind im Dauerstreit, nerven sich zu Tode, haben keine Lust auf den anderen oder hassen sich so sehr, dass sie den Kontakt abbrechen.

Die Journalistin Susann Sitzler hat ein Buch über Geschwister geschrieben und weiß, warum bei vielen Brüdern und Schwestern im Erwachsenenalter der Familiensegen schief hängt. Und warum Geschwisterbeziehungen oft von Unmut, Neid und Missgunst bestimmt sind. Ein Gespräch.

Es gibt Geschwister, die seit Jahren keinen Kontakt haben. Oder sich abgrundtief hassen. Warum ist die Beziehung zwischen erwachsenen Geschwistern oft so problematisch?

Susann Sitzler

Foto:

Lars Nickel

Susann Sitzler: Weil sie Konflikte aus der Kindheit im Erwachsenenalter weiterführen. Unter Geschwisterkindern haben Neid und Rivalität in der Regel noch spielerischen Charakter. Sie gehören sogar dazu. Wenn man diese Streitpunkte aber auf Dauer nicht löst und sich nicht abgrenzen lernt, kann sich das ins spätere Leben weitertragen. Dann fechten Geschwister einen kindlichen Kampf aus, aber mit den Mitteln und der Ernsthaftigkeit eines Erwachsenen. Und das kann ziemlich ausarten.

Dann liegt einem Streit zugrunde, dass einer damals immer „Papas Liebling“ war…?

Sitzler: Dass eines von den Eltern bevorzugt wurde, ist natürlich der Klassiker unter den Vorwürfen. Ein solcher Eindruck hat aber häufig mit der eigenen Sicht zu tun. Wenn man als Erwachsener diese Dinge gemeinsam mit den Geschwistern noch einmal reflektiert, zeigt sich vielleicht, dass der „Liebling“ selbst total darunter gelitten hat, weil er Vorbild sein und immer alles super machen musste. Dass das, was die einen als Privileg erlebt haben, der andere vielleicht sogar als Last empfunden hat. Oft ist es den Geschwistern auch gar nicht bewusst, dass sie in einem früheren Stadium von sich selbst feststecken – und den Bruder oder die Schwestern vielleicht gar nicht so sehen, wie er wirklich ist.

Was kann in dem Fall helfen?

Sitzler: Mit seinen Geschwistern erwachsen zu werden, bedeutet auch, die Rollen, die man als Kind hatte, zu hinterfragen. Zu verstehen, dass vieles damit zu tun hat, was die Eltern den Kindern an Eigenschaften zugeschrieben haben. Davon sollte man sich lösen. Und sich fragen: Wer ist der andere eigentlich wirklich? An diesem Punkt entscheidet es sich, ob daraus eine erwachsene Beziehung werden kann oder es eine kindliche bleibt.

Muss man dafür mit den Geschwistern ins Gespräch kommen?

Sitzler: Man kann es grundsätzlich auch mit sich selbst lösen, aber es hilft natürlich ungeheuer, wenn Geschwister miteinander sprechen. Einmal anzuhören, was das andere denkt oder wie es die Situation beurteilt. Gerade bei Geschwisterbeziehungen ist es aber häufig so, dass viele dieser Konfliktpunkte unausgesprochen und unreflektiert bleiben, weil sie oft nicht bemerkt werden. An Weihnachten bei den Eltern verfallen Geschwister vielleicht sofort in die alten Rollen, stellen das aber nicht in Frage.

Woran entzünden sich brodelnde Geschwistergefühle im Erwachsenenalter dann oft?

Sitzler: Wenn die Eltern alt werden oder sterben und es um Grundsatzentscheidungen wie die Pflege oder das Erbe geht, also die Kinder plötzlich in die Verantwortung kommen, dann brechen die Konflikte oftmals richtig auf. Das Problem ist, dass genau dann die Zeit drängt und schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen. Es ist kein Raum da, um sich mit seinen Geschwistern an einen Tisch zu setzen und eine Beziehung zu klären.

Verschärft der Druck, zusammenarbeiten zu müssen, alte Geschwister-Probleme?

Sitzler: Häufig ja. Und dann eskalieren die Beziehungen. Die Zuschreibungen und Vorurteile aus der Kindheit verselbständigen sich. Die Schwester denkt vielleicht: „Immer muss ich alles machen!“. Der Bruder: „Immer bestimmt die!“

Neid, Missgunst, Abneigung – warum sind Emotionen zwischen Geschwistern oft so extrem?

Sitzler: Mit dem Geschwister lernt man als Kind die allermeisten Gefühle zum ersten Mal kennen. Das ist die erste Beziehung auf Augenhöhe. Hier können Kinder in sicherem Rahmen üben, sich abzugrenzen, zu konkurrieren, zu streiten. Für Kinder ist ja alles immer total ernst, sie können noch nicht distanzieren. Jedes Gefühl ist hundert Prozent präsent.

Erwachsene können sich normalerweise besser regulieren. Ist aber der Bann schon gebrochen, wie es bei Geschwistern der Fall ist, dann geht man in der Regel nicht mehr dahinter zurück. Weil man sich vertraut ist und es einfach immer so gemacht hat. Und dann brüllt und kämpft man wie früher. Es krachen auf einmal zwei erwachsene Kräfte aufeinander. Und diese emotionale Wucht kann eine Beziehung beschädigen oder zerstören.

Kann auch die Liebe ein Grund sein, warum Geschwister sich so intensiv streiten?

Sitzler: Ich würde eher sagen, es hat mit dem Vertrauen zu tun, dass der andere da ist und bleibt. Es ist nicht automatisch so, dass alle Geschwister sich lieben, das bestätigt auch die Forschung. Das ist eher ein Ideal. Aber das Vertrauen entsteht relativ unweigerlich. Und das ist auch der Grund, warum man beim Streiten mit Geschwistern in die Vollen geht.

Stichwort „der bleibt da“ – ist nicht auch die Angst berechtigt, dass man sich doch verliert?

Sitzler: Man kann ja Geschwister in dem Sinne nicht verlieren. Man kann den Kontakt abbrechen, was zuweilen vorkommt. Doch der andere bleibt immer ein Geschwister. Es ist vielleicht keine Beziehung, auf die ich im Alltag setze, aber das Verhältnis bleibt.

Manche Geschwister haben sich entfremdet oder kein übermäßiges Interesse am anderen – vielleicht weil sie einfach so unterschiedlich sind. Sollte man das trotzdem intensivieren?

Sitzler: Das muss jeder persönlich entscheiden. Es ist aber nicht so, dass man automatisch miteinander kann, nur weil man miteinander aufgewachsen ist. Manche Geschwisterbeziehungen dümpeln so dahin. Auch das ist vollkommen in Ordnung. Geschwisterliebe ist ein Glück und ein Geschenk, aber nicht selbstverständlich.

Häufig ist es so, dass Geschwister, wenn sie selbst Kinder kriegen, die Verbindung wieder intensivieren. Weil sie sich wünschen, das die oder der andere als Tante oder Onkel im Leben der Kinder zu haben. Das Verhältnis wird dann eher rituell gepflegt als aus einem Bedürfnis heraus. Je nachdem, wie hoch man familiäre Werte hängt. Manche finden ihr Geschwister aber vielleicht auch so schräg oder langweilig, dass sie diesen Menschen nicht als Bezugsperson für die eigenen Kinder haben wollen.

Das heißt, man muss nicht jede Geschwisterbeziehung pflegen?

Sitzler: Viele zweifeln daran, ob sie sich von ihrem Bruder oder ihrer Schwestern distanzieren dürfen. Es ist eine schwierige Frage. Aber klar ist, dass auch eine Geschwisterbeziehung einen beschädigen kann, wenn etwa schwere Konflikte nicht lösbar sind. Dann ist es sinnvoller, auf Distanz zu gehen.

Sehr häufig spielt hier auch die Erwartung der Eltern eine Rolle, ihr Wunsch, dass Geschwister guten Kontakt miteinander haben sollen. Das kann aber paradoxerweise Geschwisterkonflikte noch verstärken. Geschwister, die nicht miteinander können, weichen sich eigentlich automatisch aus. Wenn die Eltern das nicht ertragen und den Druck erhöhen, geht das oft nach hinten los.

Birgt die Abwesenheit der Eltern die Chance, zusammenzurücken oder sich zu lösen?

Sitzler: Genau, das sind die beiden Optionen, die auftreten sobald die Eltern ihre Definitionsmacht verlieren. Häufig kommt die Klärung dann, wenn man sich von den Zuschreibungen der Eltern löst. Oder wenn sie sterben. Nach dem Grundsatz: „Jetzt kann ich selber bestimmen, was ich in dieser Familie sein will!“ Es kann sein, dass sich Geschwister dann neu kennenlernen und positiv überrascht sind. Oder auch, dass sie ohne Zwang einfach kein Interesse mehr aneinander haben.

Wenn man jetzt wirklich den Kontakt abbricht, tut es doch trotzdem weh, oder?

Sitzler: Ja. Mit Geschwistern geht das immer sehr tief. Sie sind in die eigene Identität, in die soziale DNA, eingeschrieben. Man ist mit ihnen aufgewachsen und definiert sich auch im Vergleich zu ihnen. Wenn man sich selbst aus diesem Zusammenhang herausnimmt, dann bleibt da eine Lücke. Und das kann extrem schmerzhaft sein. Ich glaube, so einen bewussten Bruch macht keiner einfach so.

Es gibt auch Geschwister, die sich als Erwachsene gut verstehen. Welche Chance steckt in der Geschwisterbindung?

Sitzler: Es ist eine ganz tiefe, komplexe Beziehung, die das ganze Leben umfasst. Das ist ein großer Schatz, einen Menschen zu haben, der einen so lange kennt. Geschwister sind ja auch eine Art Familienarchiv, sie teilen Erinnerungen, Gefühle und Geschichten aus der gesamten Lebensspanne.

Und es ist eine sehr entwicklungsfähige Beziehung. Man kann miteinander ganz viele Phasen durchlaufen. Allein schon deswegen lohnt es sich, sich auch später nochmal neu kennenzulernen. Man lernt auch viel über sich selbst, wenn man sich zu einem Geschwister neu positioniert.
Und wenn es gut läuft, können Geschwister ja auch so eine Art „Super-Freund“ werden, der alles für den anderen tun würde.

Vielen Dank für das Gespräch.

Buchtipp:
Susann Sitzler, „Geschwister“, Klett-Cotta, 2017

„Eine fette, missgestaltete Person spielt plötzlich die Hauptrolle. Ich werde aus dem Bett meiner Mutter vertrieben, mein Vater strahlt angesichts des brüllenden Bündels. Der Dämon der Eifersucht hat seine Krallen in mein Herz geschlagen, ich bin rasend, weine, scheiße auf den Boden und beschmutze mich. Mein großer Bruder und ich, ansonsten Todfeinde, schließen Frieden und machen Pläne, wie man das abscheuliche Geschöpf auf verschiedene Weisen umbringen kann.“ So erinnerte sich Ingmar Bergman, der schwedische Filmemacher, an seine Gefühle nach der Geburt seiner jüngeren Schwester.

Derart heftige Emotionen gegenüber Brüdern und Schwestern sind nach Ansicht von Geschwisterforschern normal – Hass ebenso wie Liebe. „Es ist typisch für die Beziehung zwischen Geschwistern, dass negative und positive Gefühle gleichzeitig stark vorhanden sind“, sagt der Münchner Entwicklungspsychologe und Familienforscher Hartmut Kasten. Obwohl diese Dynamik seit Urzeiten existiert, beschäftigen sich Wissenschaftler erst seit etwa 25 Jahren intensiv mit Geschwisterforschung. Inzwischen ist klar: Brüder und Schwestern prägen mindestens so stark wie Eltern.

Der Einfluss ist groß, allein schon wegen der vielen Zeit, die Geschwister miteinander verbringen. Schon Einjährige haben mit Geschwistern etwa gleich viel Umgang wie mit der Mutter. Im Alter von drei bis fünf Jahren verbringen Kinder doppelt so viel Zeit mit ihren Brüdern oder Schwestern wie mit der Mutter. „Die Beziehung zu den Geschwistern ist die längste Beziehung unseres Lebens“, sagt Kasten. „Im Laufe des Lebens folgt die Geschwisterbeziehung meist einer U-Kurve“, sagt Franz Neyer, Persönlichkeitspsychologe an der Universität Jena. „Große Nähe in der Kindheit, dann Loslösung in der Pubertät; am größten ist die Distanz normalerweise, wenn jeder mit Beruf, Partner und eigenen Kindern beschäftigt ist. Im Alter wird die Beziehung dann oft wieder sehr eng.“

In den ersten zwei Jahren ihres gemeinsamen Lebens gehen Geschwister durch drei Phasen: Von der Geburt des Jüngeren bis etwa zum achten Monat sind alle neugierig und lernen sich kennen. Die zweite Phase, die etwa bis zum 16. Monat des jüngeren Geschwisters dauert, ist oft extrem schwierig: Das Baby wird zum Rivalen. Es wird mobil, Konflikte entstehen, etwa wenn es sorgfältig aufgetürmte Bauklötze des Erstgeborenen umwirft oder sich dazwischendrängelt, wenn das ältere Kind mit der Mutter kuschelt. In der dritten Phase, die etwa vom 17. bis zum 24. Monat dauert, nimmt die Rivalität wieder ab – was Streit nicht ausschließt.

Laurie Kramer von der University of Illinois in Urbana hat herausgefunden, dass Geschwister im Alter zwischen drei und sieben Jahren 3,5 Mal pro Stunde aneinandergeraten. Im Alter zwischen zwei und vier Jahren gibt es sogar alle zehn Minuten Krach. Das kann Eltern den letzten Nerv kosten, und auch für die Kinder ist es anstrengend, aber lehrreich: „Die Geschwisterbeziehung bietet Entwicklungsmöglichkeiten, die andere nahe Beziehungen nicht haben“, schreibt die Psychologin Jennifer Jenkins von der University of Toronto. Nach Ansicht von Laurie Kramer brauchen Kinder mehr soziale und emotionale Kompetenzen, um mit Geschwistern klarzukommen als mit den Eltern. Mütter und Väter geben oft nach, Geschwister dagegen sind gleichberechtigte und hartnäckige Partner, zumindest wenn der Altersabstand nicht zu groß ist. Um miteinander zurechtzukommen, müssen Brüder und Schwestern früh lernen, „klar zu kommunizieren, zu verhandeln und Konflikte zu beenden“, schreibt Kramer. Grundvoraussetzung für all das ist die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen und Verständnis für seine Gefühle und Gedanken zu haben.

Großer Bruder – kleine Schwester oder umgekehrt: Welche Kombination funktioniert am besten? Mehr dazu auf der folgenden Seite.

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