Lese und rechtschreibschwäche test

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Wie erkenne ich Legasthenie? Was sind Legastheniker?

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Wie erkennt man Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten und wie findet man geeignete Unterstützung? Viele Eltern sind verunsichert, wenn ihr Kind zu Beginn der Schulzeit stockend liest, Buchstaben verwechselt oder falsch herum schreibt. Zunächst einmal: Kein Meister fällt vom Himmel. Das gilt auch für das Lesen und Schreiben lernen. Doch wann ist Achtsamkeit angesagt?

Fehler sind menschlich!

Niemand hat wohl je das Schreiben fehlerfrei gelernt. Und es gibt auch keine „typischen“ Fehler, anhand derer man Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) sofort erkennt. Kinder, die sich mit dem Lesen und Schreiben schwer tun, machen einfach insgesamt und anhaltend mehr Fehler als gute Rechtschreiber. Für anfängliche Unterschiede beim Lerntempo sind individuelle (Vor-)Erfahrungen, Auffassungsgabe und das soziale Umfeld verantwortlich. Doch etwa ab Beginn der zweiten Klasse sollten Lehrkräfte und Eltern Kindern, die beim Schreiben regelmäßig zahlreiche Fehler machen, unbedingt mehr Aufmerksamkeit schenken.

LRS früh erkennen und gegensteuern

Dasselbe gilt für das Lesen: Startschwierigkeiten sind kein Grund zur Panik. Verfestigt sich aber die Wahrnehmung, dass ein Kind nur langsam, stockend und ohne Sinnentnahme lesen lernt, ist es Zeit zu handeln.
Ein frühes Eingreifen bei Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten ist nicht nur aufgrund gezielter Fördermöglichkeiten von Vorteil.

Wenn ein Kind im Vergleich mit Altersgenossen erlebt, dass es immer schlechter liest und/oder schreibt als die MitschülerInnen, besteht die Gefahr, dass Lesen und Schreiben zunehmend vermieden werden. So entsteht ein Teufelskreis, der eine Veränderung zum Guten verhindert.

Woran erkennt man, dass ein Kind eine spezielle Förderung benötigt?

Erste Anhaltspunkte dafür, dass ein Kind Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten hat, geben beispielsweise

  • die wiederkehrende Verwechselung ähnlich klingender Laute und Lautkombinationen (Grone statt Krone, Kachte statt Karte, Schein statt Schwein);
  • anhaltende Schwierigkeiten mit der richtigen Reihenfolge der Buchstaben (Ruam statt Raum, Brat statt Bart);
  • häufiges Verwechseln optisch ähnlicher Zeichen (b/d/p/q, m/w/v) sowie das Auslassen von Buchstaben;
  • das Nichterkennen von Länge und Kürze eines Selbstlautes (statt Sonne wird Sone wahrgenommen, mit entsprechenden Problemen beim Lesen);
  • buchstabierendes, stockendes Lesen, teils ohne Textverständnis;
  • fehlende Wahrnehmung von fehlerhaft Gelesenem, auch wenn es keinen Sinn ergibt;
  • Schwierigkeiten bei der Bildung und dem Erkennen von Reimen
  • mühsame Silbenzerlegung

Daneben gibt es weitere, unspezifische Hinweise, die man ernst nehmen sollte. Wenn ein Kind etwa Lernschwierigkeiten nur im Bereich des Lesens und Schreibens zeigt und sich trotz fleißigen Übens keine Verbesserung einstellen mag. Häufig werden nachmittägliche Hausaufgaben auch zum Konfliktherd, schulische Misserfolge entladen sich in Verhaltensauffälligkeiten. Dies kann bis hin zu Schulangst und psychosomatischen Symptomen führen.

Deshalb gilt: Je früher und genauer die Schwierigkeiten und ihre Ursachen erkannt werden und je früher die Kinder systematisch gefördert werden, desto größer sind die Chancen, dass sie die Schulzeit gut für ihre Bildung nutzen können.

Äußere Bedingungen einbeziehen

Besonders wichtig ist, im Blick zu behalten, dass die Ursachen für Defizite beim Lesen und Schreiben nicht allein beim Kind liegen. Es gibt vielfältige äußere Faktoren, die einen ungünstigen Einfluss auf den Schriftspracherwerb eines Kindes haben können: häufiger Wechsel der Lehrkraft, ungeeignete Unterrichtsmethoden, eine problematische oder überfordernde Klassensituation, familiärer Stress, eine ungünstige Lernsituation zu Hause, fehlende familiäre Unterstützung und viele mehr. Für eine umfassende Unterstützung des Kindes sind daher auch in dessen Umfeld entsprechende positive Veränderungen vorzunehmen.

Wohin wenden?

Wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihr Kind möglicherweise besondere Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben hat, oder wenn Sie auf der Suche nach geeigneten Fördermöglichkeiten sind, helfen wir gerne! Auf unseren Seiten finden Sie beispielsweise ein nach PLZ geordnetes Verzeichnis mit mehr als 1100 Praxen und Einrichtungen. Außerdem haben wir einen Wegweiser für die Suche nach einer geeigneten lerntherapeutischen Praxis erstellt.

Legasthenie-Test

Ein Kind gilt dann als legasthen, wenn es

  1. trotz gesunder Sinnesorgane,
  2. regelmäßigen Unterrichts und
  3. einer normalen bis überdurchschnittlichen Intelligenz,
  4. eine deutlich geringere Lese-Rechtschreib-Leistung hat, als aufgrund der vorhandenen Intelligenz zu erwarten wäre.

Konkret wird dann eine Legasthenie attestiert, wenn die Lese-Rechtschreib-Leistung um zwei Standardabweichungen (Prozentränge) geringer ist als die Intelligenzleistung.

Der pädagogische Zugang orientiert sich vor allem an der Rechtschreibleistung. Diese kann durch einen genormten Rechtschreibtest (z. B. Salzburger Rechtschreibtest) oder anhand der Schulunterlagen festgestellt werden.

Die Orientierung an den Schulunterlagen hat eine sehr hohe Praxisrelevanz. Sie spiegeln die Probleme des Kindes wesentlich besser, als die „punktuelle Aufnahme“ durch einen Rechtschreibtest, der meist unter Aufregung zustande kommt.

Für die Orientierung an den Schulunterlagen spricht, dass für die Leistungsbeurteilung in Legasthenieerlässen die typisch legasthenen Fehler beschrieben sind. Beispiel aus dem Erlass des Wiener Stadtschulrates: „Richtlinien für die Berücksichtigung legastheniebedingter Fehler in der Leistungsbeurteilung“ (aktuell gültiger Erlass vom 6. Febr. 2002):

„Bei schriftlichen Leistungsfeststellungen sind nur einmal als Fehler zu werten:

  • Unterschiedliche Fehlschreibungen eines bestimmten Wortes (unsicheres Speicherbild) (z. B. *Sesel, *Sessl, *Seßl, *Seßel für Sessel = 1 Fehler).
  • Gehäuftes Auftreten von Umstellungen, Weglassungen und Hinzufügungen von Buchstaben sind nur ein Fehler, solange die Wörter erkennbar sind (z. B. –nug statt –ung oder *Kilngel oder *Knilgel statt Klingel).
  • Unsicherheiten in der Lenis- und Fortisschreibung in Anlaut und Auslaut (sie können auf eine akustische Unterscheidungsschwäche hinweisen).

Ähnliche Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung (z. B. viel – fiel) können häufig wegen eines “Schaltfehlers“ nicht unterschieden werden; die Fehlschreibungen sollen als “leichte Fehler“ gewertet werden, an ihrer Behebung ist verstärkt zu arbeiten (semantisch-kognitiv).

Bei Häufungen von Fehlern soll nach Kategorien gesucht und jede Kategorie nur einmal gewertet werden (z. B. häufige oder ständige Kleinschreibung von Nomen, ständig fehlende Schärfung). Die Häufung von legastheniebedingten Fehlern soll auf jeden Fall Anlass zur Kategorisierung der Fehler geben.

Jede Häufung von Fehlern aus mehreren Fehlerkategorien ist ein Hinweis auf eine mögliche Legasthenie. In solchen Fällen möge das Einvernehmen mit den ausgebildeten Legastheniebetreuerinnen und -betreuern (entweder schulintern oder über die Arbeitsgemeinschaft bzw. über die Schulpsychologie-Bildungsberatung) hergestellt werden.“

Die Wahl des Zugangs hängt von der Zielsetzung ab. Bei der Beantragung einer staatlichen finanziellen Unterstützung ist ein psychologisches Gutachten vorzulegen. Wenn es in erster Linie darum geht, dem Kind zu helfen, ist der pädagogische Zugang in Kombination mit der Überprüfung der zentralnervösen Wahrnehmung eine sehr gute, bewährte Möglichkeit.

Mit unserem Onlinetest kann – ab der 3. Schulstufe – anhand der Fehleranalyse der Verdacht auf eine Lese-Rechtschreib-Schwäche/Legasthenie bestätigt oder entkräftet werden.
Für die 1. und 2. Schulstufe können Sie mithilfe dieses Tests feststellen, in welchem Ausmaß das Kind Schreibschwierigkeiten hat.

Hinweis: Hier finden Sie den Legasthenie-Test für Erwachsene.

Was ist Legasthenie?

Legasthenie wird auch als Lese- / Rechtschreibstörung – abgekürzt LRS – bezeichnet. Die LRS wird definiert als eine langfristige Störung der Lese- und Schreibfähigkeiten. Die auffällige Abweichung der Lese- und Rechtschreibleistungen Deines Kindes im Vergleich zu anderen gleichaltrigen Kindern ist charakteristisch für Legasthenie.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Klassifizierung ICD-10. Nach dieser Klassifizierung ist eine umschriebene Lese- und Rechtschreibstörung vorhanden, wenn anhaltende und eindeutige Schwächen im Bereich der Lese- und Rechtschreibung nicht auf das Entwicklungsalter, eine unterdurchschnittliche Intelligenz, fehlende Beschulung, psychische Erkrankungen oder Hirnschädigungen zurückzuführen sind (vgl. BVL).

Zwischen 4% und 5% der Kinder in Deutschland sind Legastheniker (vgl. Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP)). Darunter sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen.

Unterschied zwischen Legasthenie und allgemeiner Lese- und Rechtschreibschwäche

Legasthenie wird sehr häufig vererbt. Das heißt, oftmals leiden noch andere Familienmitglieder unter der Lese- und Rechtschreibstörung. Weiter sind bei einer Legasthenie Fähigkeiten des Gehirns vermindert visuelle und auditive Informationen wahrzunehmen und zu verarbeiten.

Ein weiterer Unterschied besteht in der voraussichtlichen Dauer der Problematik. Eine allgemeine Lese- und Rechtschreibschwäche kann voraussichtlich schneller verbessert bzw. ganz überwunden werden als die Legasthenie.

Im englischen Sprachraum wird nicht unterschieden zwischen einer allgemeinen Lese- und Rechtschreibschwäche und einer Lese- und Rechtschreibstörung.

Die Lese- und Rechtschreibschwäche

Eine Lese- und Rechtschreibschwäche kann vorliegen wenn

  • Durch Unterrichtsausfall das Stoffpensum nicht vermittelt werden konnte
  • Die familiäre Situation schwierig ist
  • Der Fernsehkonsum erhöht ist
  • Neurologische, psychische Störungen vorliegen
  • Aufmerksamkeits- oder motorische Störungen vorliegen
  • Hör- oder Sehvermögen verringert ist

Wie kann ich herausfinden ob mein Kind Legastheniker ist?

Die Symptome für Legasthenie sind bei jedem Kind unterschiedlich. Einige Auffälligkeiten möchte ich hier jedoch aufführen:

Auffälligkeiten beim Lesen

  • Stockendes Lesen
  • Buchstabierendes Lesen
  • Auslassen von Wörtern und / oder Buchstaben beim Lesen
  • Vertauschen von Buchstaben
  • Dein Kind versteht oft den Sinn des Gelesenen nicht
  • Silbenzerlegung macht große Schwierigkeiten
  • Dein Kind verwechselt optisch ähnliche Buchstaben (p-q, m-w-v, b-d)

Auffälligkeiten beim Schreiben

  • Vertauschen von Buchstaben
  • Extrem viele Rechtschreibfehler
  • Dein Kind kann die Reihenfolge der Buchstaben oft nicht einhalten. Zum Beispiel „Buam“ statt „Baum“ oder „Stuab“ statt „Staub“
  • Die Schriftgröße innerhalb eines Textes variiert oft sehr stark

Wenn Dir auffällt, dass Dein Kind viele der oben genannten Schwierigkeiten hat, dann solltest Du einen Test machen lassen. Das gibt Euch Klarheit und Ihr könnt dann mit der Schule die weitere Vorgehensweise besprechen.

Wo lasse ich mein Kind testen?

Bevor Du Dein Kind auf Legasthenie testen lässt, solltest Du mit ihm zum Augenarzt und zum Hals-Nasen-Ohren Arzt gehen. Es kann sein, dass Dein Kind schlecht sieht oder schlecht hört. In solchen Fällen fällt ihm das Lesen- und Schreiben lernen extrem schwer. Dann kann es leicht zu Verwechslungen mit einer Legasthenie kommen.

Auf eine Lese- und Rechtschreibstörung testet ein

  • Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder
  • Kinder- und Jugendpsychotherapeut oder
  • Psychologischer Psychotherapeut
  • Sozialpädiatrisches Zentrum

Bei diesen Ärzten kannst Du Dein Kind auf Legasthenie testen lassen.

Das ist vor allem dann notwendig, wenn Du in der Schule einen Nachteilsausgleich beantragen möchtest. Auch wenn ein Förderunterricht auf Dein Kind zugeschnitten werden soll, dann solltest Du eine genaue Diagnose bereit haben.

Eine Hilfestellung können Dir auch die beiden folgenden Ratgeber geben.

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Die Diagnose

Die Tests, die durchgeführt werden, um Legasthenie festzustellen, sind sehr unterschiedlich. Es werden unterschiedliche Testverfahren, Diagnosekriterien und Vorgehensweisen angewandt. So kommt es häufig vor, dass ein Kind beim einen Arzt als nur „schwach“ in der Lese- und Rechtschreibleistung eingestuft wird. Ein anderer Arzt diagnostiziert dasselbe Kind als Legastheniker.

Die S-3 Leitlinie des Klinikums der Universität München hat folgende Kriterien zur Diagnose von Legasthenie festgelegt:

Zur Diagnose einer Lesestörung:

  • Lesegeschwindigkeits- und verständnistest für die Klassen 6-12 (LGVT-R 5-13)
  • Lesetestbatterie für die Klassenstufen 6 -7 (Lesen 6-7)
  • Lesetestbatterie für die Klassenstufen 8 – 9 (Lesen 8-9)
  • Würzburger Leise Leseprobe – Revision (WLLP-R)
  • Deutscher Rechtschreibtest für das erste und zweite Schuljahr (DERET 1-2+)
  • Deutscher Rechtschreibtest für das dritte und vierte Schuljahr (DERET 3-4+)
  • Hamburger Schreib-Probe 1-10 (HSP 1-10)
  • Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT II) – Lesetest für die 2. 3. und 4. Klasse

Zur Diagnose einer Rechtschreibstörung:

  • Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT II) Rechtschreibtest
  • Weingartener Grundwortschatz Rechtschreib-Test für 1. und 2. Klassen (WRT 1+)
  • Weingartener Grundwortschatz Rechtschreib-Test für 2. und 3. Klassen (WRT 2+)
  • Weingartener Grundwortschatz Rechtschreib-Test für dritte und vierte Klassen (WRT 3+)
  • Weingartener Grundwortschatz Rechtschreib-Test für vierte und fünfte Klassen der Grund- und Hauptschule (WRT 4+)
  • Aus Ermangelung an Alternativen sollte für die Altersgruppe der Jugendlichen ab der 11. Klasse der RST-ARR angewendet werden (KKP).

Was wird untersucht? 15 Punkte, die beim Legasthenie Test untersucht werden

Laut Bundesverband für Legasthenie & Dyskalkulie werden drei Bereiche untersucht.

Die Schulleistung und der Lernstand

1. Schulbericht und Leistungsstand, individuelle Lernentwicklung sowie Noten und Leistungen in weiteren Schulfächern

2. Lese-Probe: Leseverständnis, -Geschwindigkeit und Lesegenauigkeit

3. Rechtschreibung

4. Intelligenzdiagnostik, möglichst sprachfrei

Die Gesamtentwicklung und Folgeprobleme

5. Sprachliche und motorische Entwicklung

6. Seh- und Hörleistung

7. Aufmerksamkeit und Konzentration

8. Sozialverhalten

9. Seelische Belastung

10. Psychosomatische Beschwerden (etwa Kopf- und Bauchschmerzen, Übelkeit)

Rahmenbedingungen und äußere Faktoren

11. Art der Schule und Qualität des Unterrichts

12. Häufigkeit Klassen- und/oder Schulwechsel

13. Schulische Motivation

14. Bereits erfolgte Fördermaßnahmen

15. Familiäre Situation

Wenn die Lese- und Rechtschreibleistungen Deines Kindes auffällig von den Leistungen anderer gleichaltriger Kinder abweichen, dann ist das charakteristisch für Legasthenie.

Dein Kind sollte unbedingt alleine untersucht werden und nicht in einer Gruppe. Auch sollte sich der Arzt ausreichend Zeit für Dein Kind nehmen, um somit eine entspannte Testsituation zu ermöglichen. Bestehe auch unbedingt auf einen ausführlichen Befundbericht. Hier sollte der Arzt mit Dir alle wichtigen Ergebnisse besprechen und Dir eventuell auch einen Förderplan vorschlagen.

Wie finde ich die richtige Therapie?

Es existieren in Deutschland eine Menge unüberschaubarer Therapie-Angebote mit fragwürdigen Behandlungsmethoden. Deren Wirksamkeit ist zum Teil umstritten und die Untersuchungsergebnisse werden teilweise nicht beachtet. Darunter fallen zum Beispiel Angebote wie: ein Training der Tondiskrimination und der Blickbewegung, eine medikamentöse Behandlung, der Einsatz von farbigen Folien oder auch Bewegungstrainings.

Die richtige Therapie für Dein Kind sollte auf den aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen der pädagogischen, psychologischen und medizinischen Forschung basieren. Diese aktuellen Methoden

  • setzen an den verschiedenen Entwicklungsschritten des Schriftspracherwerbs an und
  • fördern auch die psychische Entwicklung Deines Kindes in der Schule und der Familie.

Damit Du die richtige Therapie für Dein Kind findest, solltest Du auf Folgendes achten:

Für die Therapie einer Legasthenie gibt es keine klar definierte Ausbildung. Das macht die Suche nach einem geeigneten Therapeuten für Dein Kind schwierig. Der Bundesverband für Legasthenie & Dyskalkulie hat Standards für Therapeuten entwickelt. Wenn ein Therapeut eine Weiterbildung nach diesen Standards absolviert hat dann erhält er das Zertifikat „Dyslexie-Therapeut nach BVL“®. Auf die Suche nach diesen Therapeuten kannst Du gehen auf der Website des BVL

Kann Legasthenie geheilt werden?

Wenn Du die Lese- / Rechtschreibschwäche oder auch die Legasthenie Deines Kindes frühzeitig erkennst, dann besteht eine große Chance, dass sich eine enorme Verbesserung einstellt. Eine komplette Heilung kann es bei Legasthenie nicht geben. Allerdings kann Dein Kind viel erreichen mit der geeigneten Förderung. Selbst als Erwachsener wird ein Legastheniker noch mehr Fehler bei der Rechtschreibung machen als andere.

Ein praktisches Hilfsmittel zum besser Lesen ist der Lesepfeil.

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Wie wird die Legasthenie behandelt?

Die S-3 Leitlinie der LMU führt folgende Behandlungen bei Legasthenie auf:

S3-Leitlinie der LMU

Wie lange dauert eine Therapie?

Eine Therapie bei Legasthenie sollte mindestens 1,5 – 2 Jahre dauern. Eine Therapie kann auch länger andauern, da die Anforderungen mit dem Alter Deines Kindes steigen. Somit muss ständig ein Rückstand aufgeholt werden. Und da Legastheniker mehr Zeit brauchen, um Texte zu lesen und zu verstehen, dauert der Lernprozess einfach länger.

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Feststellung / Diagnose

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Wenn es um die Feststellung bzw. Diagnose einer LRS oder Legasthenie geht, muss zwischen dem schulischen Bereich und dem medizinisch-therapeutischen, also dem außerschulischen Bereich unterschieden werden. Innerhalb der Schule wird LRS/Legasthenie anders betrachtet, definiert und diagnostiziert als außerhalb der Schule, z.B. in medizinisch-therapeutischen Zusammenhängen. Auch der Umgang mit der Störung stellt sich für die Schule anders dar als beispielsweise für lerntherapeutische Institute.

Die Feststellung von LRS bzw. Legasthenie im Schulbereich

Die Feststellung einer LRS bzw. Legasthenie ist eindeutig als Aufgabe der Schule vorgesehen. Aus verschiedenen Gründen unterscheiden die schulrechtlichen Bestimmungen in NRW dabei nicht zwischen LRS und Legasthenie. Beide Störungsformen fallen im sogenannten LRS-Erlass unter die Bezeichnung „besondere Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und der Rechtschreibung“. Der Deutschlehrer bzw. die Deutschlehrerin stellt fest, wer diese besonderen Schwierigkeiten hat. Die Vorlage eines Attests durch die Erziehungsberechtigten ist nicht vorgesehen und darf von der Schule nicht verlangt werden. mehr…

Die Feststellung einer Legasthenie für den außerschulischen Bereich

Kinder mit einer Legasthenie im Sinne einer Teilleistungsschwäche (nach ICD-10) werden durch das schulische Verfahren zwar mit erfasst, ob aber im Einzelfall eine LRS oder Legasthenie vorliegt, kann die Schule nicht feststellen (was für die schulischen Förder- und Schutzmaßnahmen aber auch nicht notwendig ist).

Wird eine spezifische Legasthenie-Diagnose (als Teilleistungsschwäche im Sinne der ICD-10 Definition) benötigt, etwa für die Beantragung einer Eingliederungshilfe (nach § 35a Sozialgesetzbuch) oder für andere Zwecke, muss diese von außerschulischen Experten durchgeführt werden. Hierzu gibt es verschiedene Wege:

  • der einfachste Weg ist die Testung durch den Kinder- und Jugendpsychiater, denn von ihm benötigen Eltern das fachärztliche Gutachten, um eine Kostenübernahme für eine Förderung beim Jugendamt (siehe Antrag auf Eingliederungshilfe) zu beantragen. Die Kosten der Diagnose übernimmt die Krankenkasse.
  • Daneben hat man die Möglichkeit sein Kind in einem SPZ (Sozialpädagogisches Zentrum) testen zu lassen. Die Kosten übernimmt auch hier die Krankenkasse.
  • Eine Testung ist auch über den schulpsychologischen Dienst möglich, jedoch reicht diese für den Antrag nach § 35a beim Jugendamt nicht aus. mehr…
  • Lerninstitute führen ebenfalls Testungen durch. Die Kosten hierfür werden jedoch nicht von der Krankenkasse übernommen, müssen also privat beglichen werden.
    Je früher die Förderung beginnt, desto besser für Ihr Kind und dessen Selbstbewusstsein. Je länger man wartet, desto größer ist die Gefahr, dass das Kind eine Lernunwilligkeit entwickelt, bis hin zu sozio-emotionalen Auffälligkeiten oder sogar Schulangst. Erste Auffälligkeiten können bereits in der Vorschule auftreten, gegen Ende des ersten Schuljahres sollten gravierende Auffälligkeiten von Lehrern und Eltern angesprochen werden; es ist sinnvoll eine Diagnose so früh wie möglich zu stellen.

Ablauf des außerschulischen Diagnoseverfahrens
Es werden Schulberichte und der Leistungsstand überprüft, Lese-Rechtschreibproben durchgeführt und / oder mathematische Kenntnisse überprüft, darüber hinaus erfolgt eine Intelligenztestung. Auch die sprachliche und motorische Entwicklung, sowie Hör- und Sehleistungen, Aufmerksamkeit und Konzentration, das Sozialverhalten, die seelische Belastung und evtl. psychosomatische Belastungen werden überprüft.

Wichtig ist auch welche Schulform das Kind besucht, wie die Qualität des Unterrichts ist, ob Schulwechsel, Lehrerwechsel oder Klassenwechsel stattgefunden haben, wie die Schulmotivation ist, ob bereits Fördermaßnahmen bestehen und, nicht zuletzt, wie die familiäre Situation ist.

Wird eine normale bis hohe Intelligenz festgestellt und liegen die Schreib- und Lese-Kenntnisse deutlich unter dem zu erwartenden Niveau, spricht man von einer Legasthenie und somit von einer Teilleistungsstörung. Es wird dann ein fachärztliches Gutachten ausgestellt, das für außerschulische Zwecke hilfreich bzw. notwendig sein kann. Für die Schule ist ein solches Gutachten nicht notwendig.

Förderung bei LRS

Symptomspezifische Förderkonzepte

Stand der förderdidaktischen Diskussion ist, dass nur die tatsächliche Arbeit an der Schriftsprache zu einer Verbesserung des Lesens und des Rechtschreibens führt. Bei Förderprogrammen und -methoden, die sich auf das Lesen und Schreiben an sich beziehen, spricht man von symptomspezifischen Verfahren.

Die Effektivität von frühzeitig einsetzenden Hilfen und von symptomspezifischen Fördermethoden ist gut belegt. Unseres Wissens gibt es für Fördermethoden, die nicht symptomspezifisch ausgerichtet sind, derzeit keine seriösen Wirksamkeitsnachweise. (Vgl. hierzu Klicpera & Gasteiger-Klicpera 2001)

Symptomspezifische Fördermethoden lassen sich auf die Entwicklungsmodelle des Schriftspracherwerbs beziehen, wonach der Prozess des Lesen- und Schreibenlernens durch aufeinander folgende und aufeinander aufbauende Phasen gekennzeichnet ist, welche die Schüler/innen beim Schriftspracherwerb durchlaufen – die logografische, die alphabetische, die orthografische und die morphematische Phase.

Eine symptomspezifische Förderung bei LRS lässt einen direkten Bezug zur Symptomatik – also den diagnostizierten Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten – erkennen und setzt durch exakte Anpassung des Lernangebots bei dem erreichten Entwicklungsstand des Kindes an. Hierunter werden im Wesentlichen Lese- und Regeltrainings sowie die Förderung zur Ausbildung der phonologischen Bewusstheit gefasst.

Intensität der Förderung und kombinierte Maßnahmen

Dabei ist zwischen der Behandlung der Kernsymptomatik – also der Rechtschreib- bzw. Leseschwäche – und ggf. der Behandlung von Sekundärproblemen zu unterscheiden. Letztere können im besonderen Fall so ausgeprägt sein, dass eine Psychotherapie oder eine psychologisch-pädagogische Förderung indiziert ist. – Eine lang andauernde und massiv ausgeprägte Lese-Rechtschreibschwäche ist nicht allein durch eine reine Lese-Rechtschreibförderung zu beheben, sondern erfordert Maßnahmen, in die nicht nur die kognitiven, sondern auch die motivationalen und affektiven Fähigkeiten sowie das gesamte Lernumfeld miteinbezogen werden müssen.

Auch im Rahmen inklusiver Beschulung ist zu befürworten, dass Kinder zeitweise in Kleingruppen gefördert werden, wenn es für sie bei der Unterrichtung im Klassenverband in qualitativer oder allein in quantitativer Hinsicht kein ausreichendes Unterstützungsangebot geben kann. Im besonderen Fall, wenn zu befürchten ist, dass ein Kind ohne intensive Förderung nie richtig Lesen und Schreiben lernen wird, kann auch eine Einzelförderung indiziert sein.

Alternative Förderkonzepte

Neben den evidenzbasierten Förderkonzepten gibt es heute viele alternative Konzepte. Mit Funktionstrainings an nichtsprachlichen Materialien oder beispielsweise mit Edu-Kinestetik und bizarren Angeboten wie Körpertherapien wird vorgegeben, bei Lese-Rechtschreibschwäche helfen zu können. Beliebt sind auch Alternativmethoden, die Eltern und Lehrkräfte entlasten und den Eindruck erwecken, möglichst „leicht und schnell“, spielerisch oder ohne Anstrengung zum Erfolg zu führen. Das reicht vom Ordnungsschwellentraining bis hin zu Bachblüten und betrifft auch sämtliche Therapieformen, die spezielle Aspekte des Hörens oder des Sehens trainieren. Alternative Methoden können möglicherweise die Lernbereitschaft oder das Wohlbefinden des Kindes steigern, die Fehler werden davon aber nicht weniger und das Lesen nicht besser. Förderkonzepte, die das Lesen und die systematische Rechtschreibarbeit ausschließen, können langfristig nicht helfen. (Vgl. Naegele, Ingrid M. & Valtin, Renate 2003, S. 11)

Auch eine Ergotherapie allein oder eine reine Spieltherapie sind bei LRS nicht die richtigen Ansätze.

„Abwarten! Das kommt noch!“ … „Kam doch nicht!“ … „… zu spät!“

Fatal wirkt sich auch die häufig geäußerte Ansicht aus, man müsse nur abwarten, denn der „Knoten“ löse sich irgendwann von allein. Die „Strategie des Abwartens“ verhindert frühzeitig einsetzende Hilfen und kann zu allgemeinen Lern- und Verhaltensauffälligkeiten führen. Bei frühzeitiger Erkennung und Intervention können Lese- und Rechtschreibprobleme zumeist gut kompensiert oder sogar überwunden werden. Je später eine Förderung ansetzt, desto geringer sind in der Regel die Effekte. (Vgl. Naegele, Ingrid M. & Valtin, Renate 2003, S. 11)

Das Prinzip der Isolierung von Schwierigkeiten

Gängiges methodisches Prinzip bei der Förderung lese-rechtschreibschwacher Schülerinnen und Schüler ist die „Isolierung von Schwierigkeiten“. Das Prinzip der Isolierung von Schwierigkeiten wird angewendet, wenn ein Lerngegenstand zu komplex ist. Es werden vor allem Einzelaspekte isoliert, damit Schülerinnen und Schüler sich mit einem überschaubaren Lernangebot auseinandersetzen können. Eine wesentliche Herausforderung bei der Förderplanung besteht nach diesem Prinzip darin, die einem Lerngegenstand immanenten Schwierigkeiten zu erkennen und zu isolieren, damit sie von den Schülerinnen und Schülern „Schritt für Schritt“ bearbeitet werden können.

Komplexität und die Isolierung von Schwierigkeiten am Beispiel des frühen Schriftspracherwerbs

In vielen Fibeln und Lese-Schreiblehrgängen findet man von Anfang an durchaus komplexe und bedeutungstragende Sätze und Kurztexte ohne eine durchgängige und konsequente Berücksichtigung der lautsprachlichen Struktur der Wörter und der bereits eingeführten Laut-Buchstabenverbindungen. Im Vordergrund steht eher die Bedeutungsebene der Wörter und Texte.

Kindern, die sich das Lesen und Schreiben durch selbständige Aktivitäten sicher erarbeiten können, kommt dieser frühe Einbezug neigungs- und interessenbezogener Texte durchaus entgegen. Der Lese- und Schreiblehrgang setzt an ihren sprachlichen Erfahrungen an und sie erweitern, durch adäquate Inhalte motiviert, schnell ihre literalen Praktiken und literarischen Kompetenzen.

Lese-rechtschreibschwache Kinder hingegen haben mit diesem Ansatz häufig große Probleme. Für sie sind die gängigen Lese-Schreiblehrgänge zumeist zu komplex. Zudem sind viele Fibeln und Lernmittel didaktisch unstrukturiert; die Lerninhalte sind unsystematisch verteilt. Lerninhalte werden häufig nicht in „leichte bis schwere oder grundlegende bis weiterführende“ eingeteilt. (Vgl. Thomé 2011, S. 60ff) – Für Kinder, die bereits mit einfachsten Lautverbindungen oder Lautstrukturen („lila Sofa“) massive Schwierigkeiten haben, gerät der Lese-Schreiblernprozess dann schnell in Stagnation. Sie werden misserfolgsängstlich und frustriert. – Oder sie entwickeln Ersatzstrategien: Nach Beobachtungen von Dummer-Smoch (1989, S. 10) und Scheerer-Neumann (2001 u. 2004, S. 31) lernen viele leseschwache Kinder sehr schnell die erweiterten Texte auswendig und halten diese Strategie für „Lesen“. Dabei stagnieren sie mit dieser Strategie des Wortbild-Einprägens auf einer Stufe, die sie unbedingt überwinden müssen. Dies führt dann bis zum Ende der Schulzeit häufig zu einem sinngeleiteten Ratelesen ohne die notwendige Lesegenauigkeit. (Vgl. hierzu Mann 2004, S. 157f)

Wenn Kinder im Sinne der Entwicklungsmodelle des Schriftspracherwerbs normalerweise die Strategie des Einprägens von Wortbildern mit den entsprechenden „Fehlerschreibungen“ überwinden müssen, um sich die alphabetische Strategie aneignen zu können (vgl. Valtin 1991), ist es unseres Erachtens ein „didaktischer Kunstfehler“, lese-rechtschreibschwachen Kindern neben den erarbeiteten Laut-Buchstabenverbindungen und den entsprechenden Wörtern auch schon Texte anzubieten, die noch nicht eingeführte Laut-Buchstabenverbindungen enthalten.

Kinder, die sich nur mit Mühe und Schritt für Schritt die alphabetische Strategie erarbeiten können, sollten anfangs – neben Übungsangeboten zur Entwicklung der phonologischen Bewussheit – nur wenige Wörter, die nur aus eingeführten Laut-Buchstabenverbindungen und eher leicht strukturierten Lautfolgen bestehen, als Angebot zum silbenweisen Lesen und Schreiben erhalten. Dieses Vorgehen ist in der Förderung dem individuellen Lerntempo und Entwicklungsstand eines jeden Kindes anzupassen, um ein sicheres Fortschreiten beim Erwerb der alphabetischen Strategie zu ermöglichen.

Dem anfangs relativ hohen Gewicht phonetischer Übungen und des Einsatzes von Wörtern als „Strukturmaterial“ bei Nachrangigkeit der Bedeutungsebene sollte durch ein hohes Maß an Methodenvielfalt begegnet werden. Neben häufigem Materialwechsel und Wechsel der Unterrichtsformen im Allgemeinen können auch vermehrt Spiele als Übungsformen zum Einsatz kommen.

Anfangs bedarf es besonders des Einübens und des Verfestigens der basalen Fertigkeiten. Dabei wird befürwortet, dass Üben auch viele mechanische Komponenten enthält, die der Automatisierung dienen. (Vgl. Kretschmann, Dobrindt & Behring 1999, S. 35) Das zunächst relativ hohe Gewicht der entwicklungsstandbezogenen Vermittlung von phonologischen Fertigkeiten sowie Dekodier-, Lese- und Schreibstrategien nimmt erst bei zunehmender Kompetenz auf diesem Gebiet zugunsten kommunikativer Aspekte sowie neigungs- und interessenbezogener Texte ab, zu einem Zeitpunkt, an dem die Kinder nicht länger misserfolgsängstlich sind, schon ohne größere Frustration lesen können und durch das Lesen- und Schreibenlernen insgesamt fasziniert werden. (Vgl. hierzu Scheerer-Neumann 2004, S. 34f u. Walter 1996)

Förderung als Aufgabe der Schule

Die Förderung lese-rechtschreibschwacher Schüler/innen ist im Sinne des LSR-Erlasses „Richtlinien zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen“ Aufgabe der Schulen in allen Schulstufen. Die Schule wird von sich aus gemäß den Maßgaben für eine inklusive Beschulung nicht auf außerschulische Lernangebote verweisen.

Informationen der Senatorin für Kinder und Bildung:

Förderung und Unterstützung bei Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) und Dyskalkulie

Der inklusive Prozess an Bremer Schulen – LRS im Kontext

Was bringt die „Blaue Karte“ für die Lese-Rechtschreibförderung? „BREMEN-PASS“

Sprachbildung. Ein Konzept der Senatorin für Bildung und Wissenschaft (pdf)

Außerschulische Förderung

Eltern, die zusätzlich eine außerschulische Förderung bei LRS für ihr Kind suchen, sollten sich ein Bild davon machen, welche Methoden und Elemente die Förderangebote enthalten.

  • Beschränkt sich die Förderung im Wesentlichen auf das Schreiben und das Lesen?
  • Wird der Unterricht auf Grundlage einer Förderdiagnostik gezielt aufgebaut?
  • Beruhen die Angebote auf evidenzbasierten Förderkonzepten?
  • Werden Sekundärprobleme ggf. mitbehandelt? (Kombinierte Maßnahmen)
  • Wie viele Schüler/innen werden in eine Fördergruppe aufgenommen?
  • Gibt es die Möglichkeit der Einzelförderung?
  • Welche Kosten entstehen?
  • Welche Vertragslaufzeiten bzw. Kündigungsfristen werden angeboten? – Verträge sollten monatlich, allenfalls vierteljährlich kündbar sein.

Das Angebot lerntherapeutisch orientierter Fördereinrichtungen beschränkt sich im Wesentlichen auf die Förderung bei Lese-Rechtschreib- und Rechenschwäche sowie ggf. auf die Mitbehandlung von Sekundärproblemen. Vorsicht geboten ist insbesondere bei „Generalisten“, die einfach alles – vom „Englisch-Nachhilfeunterunterricht“ über „Konzentrationstrainings“ oder „NLP“ bis hin zur „Legasthenikerförderung“ – anbieten, da hier die Fachlichkeit der Angebote in Frage gestellt werden muss.

Literatur

Dummer-Smoch, Lisa (1989): Mit Phantasie und Fehlerpflaster. Hilfen für Eltern und Lehrer legasthenischer Kinder, München und Basel

Kretschmann, Rudolf, Dobrindt, Yvonne & Behring, Karin (1999): Prozessdiagnose der Schriftsprachkompetenz in den Schuljahren 1 und 2, 2. Aufl., Horneburg

Thomé, Günther (2011): ABC und andere Irrtümer über Orthographie, Rechtschreiben, LRS/Legasthenie, Institut für sprachliche Bildung – Oldenburg

Walter, Jürgen (1996): Der Spracherfahrungsansatz für den Anfangsunterricht: Empirisch-experimentell abgesicherte Effekte und didaktisch-methodische Konsequenzen aus den USA. In: Sonderpädagogik, 1996, Heft 3

MMA

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Informationen zum Thema „LRS”

Florian – ein Kind mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Jungen, der Ihnen mit 12 Jahren so einen Brief schreibt! In Mathematik ist er ganz gut. Trotzdem werden Sie sich fragen, was mit Ihrem Sohn los ist. Er liest nur ungern und gezwungenermaßen. Seit einiger Zeit geht er gar nicht mehr gern in die Schule. Neulich erst hat der Deutschlehrer wieder angerufen, um mitzuteilen, dass Florian sich immer mehr zum „Klassen-Kasper“ entwickelt.

Florian hat eine LRS. Dieses Schicksal teilt er mit ca. 10 % aller Mädchen und Jungen. Alle Kinder, die sich im Lese- und Schreiblernprozess befinden, machen Fehler. Hält aber die Verwechslung von Lauten an, werden Buchstaben vertauscht oder weggelassen und Wörter bis zur Unleserlichkeit verstümmelt, sollten wir hellhörig werden.

Häufig reagieren solche Kinder übersensibel auf Leistungsanforderungen aus Schule und Elternhaus. Sie sind ständig überfordert und stehen unter Druck. Das kann fatale Auswirkungen auf ihre Psyche haben. Sie leiden unter Konzentrationsmangel, reagieren oft aggressiv oder mit Resignation und Verweigerung.

Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten?

Von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) oder Legasthenie sprechen wir, wenn ein Kind das Lesen oder Schreiben in der dafür vorgesehenen Zeit nicht oder nur sehr unzureichend erlernt hat. Oft ist in diesem Fall auch das allgemeine Verhalten auffällig: Resignation, Aggressivität, Schulangst u.Ä.

Zur Kennzeichnung von besonderen Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen haben sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Fachdisziplinen unterschiedliche Begriffe etabliert, die nebeneinander Verwendung finden. Welcher Begriff favorisiert wird, scheint allerdings weniger eine Frage des diagnostizierten Störungsbildes als vielmehr eine solche der Fachdisziplin zu sein, der sich der Diagnostiker zurechnet.

Der Begriff Legasthenie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem ungarisch-österreichischen Neurologen Ranschburg geprägt. Etwa zeitgleich setzte sich international die Bezeichnung Dyslexie zur Kennzeichnung von unerwarteten Schwierigkeiten beim Erwerb des Lesens und Schreibens durch. Im deutschsprachigen Raum etablierte sich daneben der Begriff der Lese-Rechtschreib-Schwäche sowie das Kürzel LRS. Mit der Revision der so genannten LRS-Erlasse in den 90er-Jahren wurde die Terminologie aus den Texten der Kultusbehörden verbannt und durch den Begriff Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten ersetzt. Das Kürzel LRS steht hierin jetzt nur noch für diesen Begriff.

Die neue Terminologie ist gut begründet. Die Verwendung des Legastheniebegriffs weckte nämlich bei medizinischen Laien häufig unerwünschte und falsche Assoziationen und trug dadurch zu einer unnötigen Stigmatisierung der Betroffenen bei. Außerdem konnte bislang kein überzeugendes und konsensfähiges Kriterium gefunden werden, das zu einer sinnvollen Unterscheidung verschiedener Untergruppen von Personen mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten geführt hätte.

Wir verwenden deshalb die Bezeichnungen LRS, Lese-Rechtschreib-Schwäche und Legasthenie zur Kennzeichnung von Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen nebeneinander, ohne damit Unterschiede in den jeweiligen Störungsbildern andeuten zu wollen.

LRS-Symptome

Anhand der nachfolgenden Liste können Sie selbst prüfen, ob bei einem Kind eine LRS vorliegt. Haben Sie mehrere Symptome bei einem Kind beobachtet, empfehlen wir Ihnen, eine Untersuchung auf LRS von einer anerkannten Stelle (Schulpsychologischer Dienst, Erziehungs- oder Legasthenie-Beratungsstelle, Psychologische Praxis, Neurologische Klinik etc.) durchführen zu lassen.

Lesen

  • Häufige Fehler beim lauten Lesen
  • Zahlreiche Selbstkorrekturen
  • Langsames bzw. mühsames Erlesen von Wörtern
  • Silbenweises Lesen von Wörtern
  • Wortweises Lesen von Sätzen und Texten
  • Probleme bei der Verschmelzung von Einzellauten zu Lautfolgen
  • Probleme bei der Sinnentnahme

Schreiben

  • Häufige Fehler beim Abschreiben
  • Zahlreiche Fehler in Diktaten oder Aufsätzen
  • Verwechslung visuell ähnlicher Buchstaben (z.B.: „dlau” statt „blau”)
  • Verwechslung von Buchstaben, die ähnliche Laute repräsentieren (z.B.: „krün” statt „grün”)
  • Auslassung von Buchstaben, so dass sich die Klanggestalt des Wortes ändert (z.B.: „Apfe” statt „Apfel”)
  • Auslassung von ganzen Wörtern und längeren Wortteilen (z.B.: „Fernseh” statt „Fernsehzeitung”)
  • Vertauschung der Buchstabenreihenfolge (z.B.: „Fabirk” statt „Fabrik”)
  • Häufige Fehler aufgrund der Nichtbeachtung bestimmter Rechtschreibregeln (z.B.: „Bager” statt „Bagger”)
  • Schreibhemmung

Gesprochene Sprache

  • Verwaschene Artikulation
  • Stockendes Sprechen
  • Wortschatzarmut
  • Wortfindungsstörungen
  • Häufige Bildung von grammatisch bzw. syntaktisch inkorrekten Ausdrücken

Merkfähigkeit

  • Geringe auditive Merkfähigkeit (z.B. beim Vokabellernen)
  • Geringe visuelle Merkfähigkeit (z.B. beim Einprägen von neuen Wortbildern)

Psychiatrie, Psychosomatik & Psychotherapie

Anzeichen und Störungsbild der Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie)

Eindeutig diagnostiziert werden kann eine Lese-Rechtschreibstörung erst im Verlauf der zweiten Klasse, da die Entwicklungsverläufe im Lesen und Schreiben während der ersten Monate des Schriftspracherwerbs noch sehr unterschiedlich sind und Schwierigkeiten nicht zwingend auf das Bestehen einer Legasthenie hinweisen müssen. Doch mögliche Anzeichen, speziell die eingeschränkte phonologische Bewusstheit, sind oft schon im Vorschulalter erkennbar, z.B. durch einen späten Sprachbeginn, Probleme bei der Unterscheidung von Lauten und Silben sowie beim Finden von Reimwörtern. Außerdem lässt sich bei vielen betroffenen Kindern eine geringe auditive Merkfähigkeit beobachten, sie können mündliche Anweisungen oder Melodien meist schlecht behalten.

Kinder mit Lese-Rechtschreibstörung lernen nur äußerst mühsam Lesen. Sie lesen sehr stockend, oft undeutlich, lassen Wörter, Wortteile oder Buchstaben aus, fügen willkürlich welche hinzu oder verdrehen und vertauschen diese. In den höheren Klasse ist ihre Lesegeschwindigkeit immer noch stark verlangsamt. Diese Problematik zeigt sich in allen Schulfächern, auch beim Fremdsprachenlernen. Kinder mit Legasthenie weisen ein geringes Leseverständnis auf, d. h. sie können den Sinn des Gelesenen nicht wiedergeben und nur schwer in einen Zusammenhang setzen. Diese Problematik stellt die entscheidende Beeinträchtigung da, weil hierdurch der Wissenserwerb und der Zugang zu wichtigen schulischen und beruflichen Qualifikationen nachhaltig erschwert wird. Längere Wörter können sie meist nicht genau nachsprechen, oft fällt auch das Auswendiglernen von Gedichten schwer.

Beim (Recht-)Schreiben fallen die besonders hohe Anzahl von Fehler auf, ohne das ein typisches Fehlermuster gäbe.Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung vertauschen Buchstaben, lassen Buchstaben aus, wenden Rechtschreibregelwissen nicht an, oft ist die Schrift nur schwer leserlich.. Die Fehlerzahl in Diktaten sowie beim Abschreiben von Texten ist sehr hoch, nicht nur hinsichtlich der Orthografie, sondern auch bezüglich Grammatik und Interpunktion. Meist haben die Kinder mit einer Rechtschreibstörung kein Interesse am Schreiben und vermeiden aktiv Schreibanlässe.

Eine Lese-Rechtschreibstörung macht sich in fast allen schulischen Bereichen bemerkbar. So ist Lesen nicht nur für Deutsch, sondern auch für andere Fächer wie z.B. Heimat- und Sachkunde, Geschichte, Biologie, Fremdsprachen und selbst bei Textaufgaben in Mathematik wichtig. Braucht ein Kind viel Zeit, um einen Text bzw. eine Fragestellung inhaltlich zu erfassen, ist nicht selten das Ergebnis der Aufgabenbearbeitung fehlerhaft, auch wenn das Kind kognitiv die Aufgabe gut hätte lösen können. Hinzu kommt, dass sich Kinder mit Legasthenie aufgrund der großen Anstrengung, die sie beim Lesen und Schreiben aufwenden müssen, nicht so lang konzentrieren können und schneller unruhig werden als viele Mitschüler. Einzelne Bundesländer haben für die schulische Unterstützung der Kinder mit einer Legasthenie (in manchen Bundesländern wird von Kindern mit Schwierigkeiten beim lesen und Schreiben gesprochen) einen Nachteilsausgleich und Notenschutz geschaffen. Der Nachteilsausgleich sieht vor, dass die Kinder spezifische Hilfen und Unterstützung im Bereich lesen und Rechtschreiben im Unterricht und vor allem bei der Leistungsüberprüfung bekommen. So wird z.B. Zeitzuschlag bei der Bearbeitung von Aufgaben, die Lesen erfordern, gewährt. Der Notenschutz dient vor allem der emotionalen Entlastung der Schüler mit einer Legasthenie, deren Lese- und Rechtschreibleistung nicht gewertet wird, wenn sie geringer als ausreichend ausfällt.

Therapie und Trainingsprogramme bei Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie)

Eine Legasthenie kann man in der Regel nicht heilen. Aber mit Hilfe einer gezielten und frühen Förderung bei speziell ausgebildeten Therapeuten lassen sich die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben deutlich vermindern. Es gibt heutzutage eine Vielzahl von Förderprogrammen für Kinder mit Lese- und Rechtschreibstörung, von denen jedoch die wenigsten hinsichtlich ihrer Wirksamkeit untersucht sind. Bei der Wahl des geeigneten Programms sollte darauf geachtet werden, dass zunächst eine individuelle Diagnostik die Förderschwerpunkte erfolgt. Darauf aufbauend sollte nach einem systematischen, evaluierten Förderkonzept, meist einzeln, die integrative Förderung begonnen werden. Eine Dauer von ein bis zwei Jahren ist in Abhängigkeit der Intensität der Förderung meist notwendig. Da fast 50% der Kinder mit einer Legasthenie an einer komorbiden psychische Symptomatik leiden, sollten psychotherapeutische Methoden in die Lernförderung integriert werden. Ferner ist die unterstützende Elternarbeit von großer Bedeutung, einerseits um eine Entlastung von Schuldgefühlen zu erreichen, anderseits um Unterstützung beim Umgang mit schulischen Anforderungen, Hausaufgaben und Förderung zuhause zu erzielen.

Bei der Auswahl eines Therapeuten sollte auf die Zertifizierung durch den Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie geachtet werden, da durch dieses Zertifikat eine grundständige Ausbildung im Bereich der Legasthenie-Förderung nachgewiesen wird.

Einzelne Lese-Rechtschreibtrainings sind stufenweise aufgebaut (z.B. nach dem Stufenmodell nach Frith). Die erste Phase (Logografische Stufe) beginnt mit der Buchstaben-Laut-Erkennung, d.h. die Kinder lernen, einzelne Buchstaben mit deren Laut zu verknüpfen. Hieran schließt die Alphabetische Stufe mit umfangreichen Sprech- und Hörübungen, was die phonologische Bewusstheit schult. Hierzu gehört es vor allem auch, die Lautstruktur der gesprochenen Sprache zu verstehen und sprachliche Einheiten wie Wörter, Reime, Silben und Buchstabenlaute zu erkennen. Am Ende schließt die Orthografische Stufe (z.B. auch mit Hilfe des „Marburger Rechtschreibtrainings) an, hierbei werden Rechtschreibregeln (z.B. Groß- und Kleinschreibung, Stumme-h-Regel, Mitlautverdopplung) vermittelt.

Neben den an den Entwicklungsstufen des Lesens und Rechtschreibens ausgerichteten Förderprogrammen gibt es auch verschiedene Förderansätze zur Verbesserung der Wahrnehmung, d.h. dem Trainieren der akustischen und visuellen Informationsverarbeitung. Diese Förderansätze sind jedoch nicht geeignet, die Lese- und Rechtschreibfähigkeit zu verbessern. Zunehmend häufiger werden Computerprogramme für die Förderung von Schülern mit Lese-Rechtschreibstörung angeboten. Es gibt hierfür spezielle Software-Programme, die z.T. auf die Bedürfnisse der Betroffenen zugeschnitten sind. Hierzu gehören systematische Wortlistentrainings, Programme, die das Morphemwissen fördern, Rechtschreibübungsprogramme, bei denen die Kinder einzelnen Buchstaben, Silben oder Wörter einsetzen müssen. Ohne eine zusätzliche therapeutische Unterstützung ist der Einsatz von Computerprogrammen aber nicht zu empfehlen, da eine Legasthenie-Förderung mehr Aspekte umfasst als ein Lese- und Rechtschreibtraining.

Liegt eine Legasthenie und eine psychische Störung vor, die fachärztlich festgestellt wurde besteht die Möglichkeit für eine Übernahme der Therapiekosten beim Jugendamt nach den Richtlinien des SGB VIII, § 35a.

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