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Leistenbruch (Leistenhernie): Überwiegend Männersache

Letzte Änderung: 06.07.2018
Verfasst von Astrid Clasen • Medizinredakteurin Dieser Artikel wurde nachNach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst.

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Der Leistenbruch (Leistenhernie) betrifft in 90 Prozent der Fälle Männer. Typisches Anzeichen ist eine Schwellung in der Leistengegend, die meist gut zu erkennen und zu ertasten ist.

© iStock

Was ist ein Leistenbruch?

Ein Leistenbruch ist eine Hernie – also ein Eingeweidebruch – im Bereich der Leiste. Der medizinische Fachausdruck hierfür lautet Hernia inguinalis. Eine echte Leistenhernie bezeichnet einen Zustand,

  • bei dem die vordere Bauchwand an einer Schwachstelle in der Leistengegend „bricht“, sodass eine Lücke in der Bauchwand (sog. Bruchpforte) entsteht,
  • durch die sich Teile der Eingeweide (sog. Bruchinhalt) – wie zum Beispiel der Darm – vorwölben,
  • wobei die ausgetretenen Teile der Bauchorgane immer noch im Bauchfell eingeschlossen sind – sie liegen also in einer Ausstülpung des Bauchfells, die aussieht wie eine Art Sack (sog. Bruchsack).

Der Leistenbruch ist die häufigste Hernie überhaupt: Drei von vier Hernien treten in der Leistengegend auf.

Fakten über Leistenbruch

Haben Sie eine Schwellung im Leistenbereich? Dann könnte ein Leistenbruch (Leistenhernie) die Ursache sein. Doch was genau ist eigentlich ein Leistenbruch?

Bei einem Leistenbruch handelt es sich um einen sogenannten Eingeweidebruch (Hernie).

Dabei „bricht“ die vordere Bauchwand an einer Schwachstelle in der Leistengegend.

Durch diese Stelle – die sog. Bruchpforte – wölben sich Bauchorgane wie zum Beispiel Teile des Darms im Bereich der Leiste vor.

Die Eingeweide sind dabei immer noch im Bauchfell eingeschlossen, das sich durch die Lücke in der Bauchwand sackartig ausstülpt.

Ein Leistenbruch ist der häufigste Eingeweidebruch überhaupt. Drei von vier Hernien treten in der Leistengegend auf!

Der Grund: Die Bauchwand weist im Bereich des Leistenkanals natürliche Schwachstellen auf.

Bei starkem Druck – wie er zum Beispiel beim Heben, Tragen oder während einer Schwangerschaft entsteht – kann sich dort leicht eine Lücke bilden, durch welche sich die Eingeweide in den Leistenkanal wölben.

90 Prozent der Leistenhernien betreffen Männer.

Neben der typischen Schwellung in der Leistenregion kann sich ein Leistenbruch durch weitere Beschwerden bemerkbar machen, …

… so z.B. durch ziehende Schmerzen im betroffenen Bereich der Leiste.

Beim Mann können die Schmerzen bis in die Hoden ausstrahlen, …

… bei der Frau bis in die Schamlippen.

Meist verstärken sich die Beschwerden, wenn der Druck im Bauchraum erhöht wird, etwa durch Niesen, Husten oder starkes Pressen.

Oft verursacht ein Leistenbruch aber auch keine Beschwerden und bleibt lange Zeit unentdeckt.

Ein Leistenbruch kann angeboren sein – die Bauchwand hat sich dabei während der Entwicklung des Fötus nicht vollständig geschlossen.

Aber auch im Laufe des Lebens kann eine Schwäche in der Bauchwand entstehen, die einen Leistenbruch zur Folge hat (sog. erworbene Leistenhernie).

Ein erworbener Leistenbruch entsteht meist erst in höherem Alter.

Als Ursachen kommen unterschiedliche Faktoren infrage, die die Bauchwand schwächen, so z.B. Operationen, …

… eine Bindegewebsschwäche oder eine anatomisch bedingte Schwäche. Bei einem hohen Druck auf den Bauchraum kann sich dann leicht ein Leistenbruch bilden.

Der Druck auf den Bauchraum kann durch verschiedene Faktoren erhöht sein. Hierzu zählen Husten, …

… Erbrechen, …

… das Heben schwerer Lasten, …

…Verstopfung, …

… eine Schwangerschaft, …

… Übergewicht …

… und in seltenen Fällen Tumoren im Enddarm.

Der Arzt kann die Diagnose meist schon anhand der typischen Beschwerden stellen.

Außerdem ist die Bruchstelle im Bereich der Leiste in den meisten Fällen gut zu sehen bzw. tastbar, sobald die Betroffenen husten oder pressen.

Nur manchmal ist eine Ultraschalluntersuchung nötig, um zum Beispiel kleinere Leistenhernien zu diagnostizieren.

Auch bei Menschen mit straffer Bauchdecke oder mit starkem Übergewicht ist ein Leistenbruch oft nur mithilfe von Ultraschall zu erkennen.

Was tun, wenn es sich tatsächlich um einen Leistenbruch handelt?

Die einzige wirksame Behandlung besteht in einer Operation – die Erfolgsquote der Behandlung liegt bei über 95 Prozent!

Welche Operationsmethode im Einzelfall zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab (z.B. Alter der Betroffenen, Größe der Bruchpforte).

Die allermeisten operierten Leistenbrüche heilen problemlos aus.

Komplikationen kommen nur selten vor – etwa, wenn die herausgetretenen Eingeweide eingeklemmt sind. Dies führt zu massiven Schmerzen, häufig verbunden mit Übelkeit und Erbrechen.

Sind Eingeweide eingeklemmt, ist eine sofortige Operation nötig.

Vorbeugen können Sie nur bis zu einem gewissen Grad, indem Sie Übergewicht vermeiden …

… und Ihre Bauchmuskeln trainieren.

Zudem ist es empfehlenswert, dass Sie auf das Heben schwerer Lasten verzichten.

Leistenbruch: Die typischen Symptome

Für einen Leistenbruch (Leistenhernie) sind folgende Symptome bei Mann und Frau kennzeichnend:

  • eine Schwellung (sog. Bruchgeschwulst) in der Leistengegend, die gut zu erkennen und zu ertasten ist
  • Schmerzen beim Heben schwerer Lasten und beim Stuhlgang
  • eventuell leichte ziehende Leistenschmerzen auf der betroffenen Seite, die sich bei Druck verstärken

Die durch einen Leistenbruch entstehenden Schmerzen in der Leiste können beim Mann bis in den Hodensack und bei der Frau bis in die Schamlippen ausstrahlen.

Typischerweise verstärken sich die mit dem Leistenbruch verbundenen Symptome, wenn der Druck im Bauchraum erhöht ist (z.B. durch Husten, Niesen oder Pressen). Die sonstige körperliche Leistungsfähigkeit ist bei einer Leistenhernie jedoch meist nicht eingeschränkt. Oft verursacht eine Hernie im Leistenbereich auch gar keine Beschwerden.

Bei einem Leistenbruch treten ausgeprägte Symptome erst dann auf, wenn die ausgetretenen Eingeweide (z.B. Teile des Darms) eingeklemmt sind (sog. Inkarzeration): Dann entstehen massive Schmerzen – häufig verbunden mit Übelkeit und Erbrechen. Diese Komplikation der Leistenhernie ist ein chirurgischer Notfall, der sofortiges Handeln nötig macht – sonst sind schwerwiegende Komplikationen wie zum Beispiel Entzündungen der Bauchorgane möglich.

Leistenbruch: Was sind die Ursachen?

Anatomie der Leistengegend

Um zu verstehen, wie ein Leistenbruch (Leistenhernie) entsteht, sind Kenntnisse in der Anatomie der Leistengegend hilfreich. Schräg durch die Schichten der vorderen Bauchwand zieht sich der Leistenkanal: In ihm verlaufen wichtige Nervenbahnen sowie Blutgefäße und Lymphgefäße. Der Leistenkanal umschließt

  • beim Mann den Samenstrang und
  • bei der Frau das sogenannte runde Mutterband, das von der Gebärmutter durch den Leistenkanal bis in die großen Schamlippen zieht.

Der Leistenkanal selbst ist von einem System aus Muskeln, Bändern und unelastischem Bindegewebe umgeben. Dieser „Schutzwall“ schützt die empfindlichen Gefäße und Bahnen, die den Leistenkanal durchziehen, in der Regel vor Verletzungen.

Allerdings weisen die Strukturen der Bauchwand im Bereich des Leistenkanals natürliche Schwachstellen auf. Bei starkem Druck, wie er zum Beispiel beim Heben, Tragen oder während einer Schwangerschaft entsteht, kann sich an einer solchen Stelle eine Lücke bilden. Bei einem Leistenbruch wölbt sich dann – aufgrund des starken Drucks im Bauchraum – durch diese Bruchpforte der Bruchinhalt vor.

Die Leistengegend bildet eine natürliche Schwachstelle des Körpers.

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Wie kommt es zum Leistenbruch?

Ursache für den Leistenbruch ist immer eine Schwachstelle in der Bauchwand im Bereich des Leistenkanals, die aus unterschiedlichen Gründen bestehen kann. Dabei kann die Leistenhernie angeboren oder erworben sein.

Je nachdem, wie und wo es zum Leistenbruch kommt, unterscheidet man außerdem die direkte und indirekte Leistenhernie:

  • Indirekter Leistenbruch: Der Bruchsack dringt durch die innere Öffnung des Leistenkanals in den Leistenkanal vor. Die Öffnung liegt seitlich von der Körpermitte (lateral). Deswegen bezeichnen Mediziner diese Form auch als laterale Leistenhernie. Von dort kann der Bruchsack durch den Leistenkanal in Richtung Körpermitte vordringen. Manchmal wandert er sogar beim Mann bis in den Hodensack beziehungsweise bei der Frau bis in die großen Schamlippen. Der indirekte Leistenbruch ist vorwiegend angeboren.
  • Direkter Leistenbruch: Der Bruchinhalt dringt direkt (senkrecht) durch die Bauchwand, umgeht den Leistenkanal und dringt direkt nach außen. Die Bruchstelle liegt näher zur Körpermitte (medial). Darum nennt man diese Form auch mediale Leistenhernie. Ein Eintritt in Hodensack oder Schamlippen kommt nicht vor. Der direkte Leistenbruch ist immer erworben.

Bei einem angeborenen Leistenbruch hat das Baby bereits bei der Geburt eine Bruchpforte. Ursache ist ein unvollständiger innerer Verschluss der Bauchwand während der Entwicklung des Fötus. Je nachdem, ob Jungen oder Mädchen betroffen sind, kann sich die angeborene Leistenhernie wie folgt auswirken:

  • Bei Jungen können die Bauchorgane durch den Leistenkanal sogar bis in den Hodensack vordringen.
  • Bei Mädchen verlagern sich sehr häufig Eileiter und Eierstock durch den Leistenkanal bis in die großen Schamlippen.

Die erworbene Leistenhernie hingegen ist die Folge einer erst im Laufe des Lebens entstandenen Schwäche in der Bauchwand. Meist tritt ein erworbener Leistenbruch erst in höherem Alter auf: Betroffene Männer sind meist 50 bis 69 Jahre alt, Frauen 60 bis 79 Jahre. Als Ursachen kommen unterschiedliche Faktoren infrage, die die Bauchwand schwächen:

  • Operation mit Bauchschnitt: Vernarbungen infolge von Bauchoperationen können die Funktion und Beweglichkeit der Bauchwandmuskulatur einschränken, sodass sie plötzliche Drucksteigerungen im Bauchraum nicht mehr ausreichend abfangen kann
  • schwaches Bindegewebe
  • anatomisch bedingte Schwäche

Wenn Schwachstellen in der Bauchwand bestehen, kann ein erhöhter Druck im Bauchraum dazu führen, dass ein Leistenbruch entsteht. Mögliche Ursachen für einen erhöhten Druck im Bauchraum sind:

  • Husten
  • Erbrechen
  • Heben schwerer Lasten
  • Verstopfung
  • Schwangerschaft
  • Übergewicht
  • in seltenen Fällen Tumoren im Enddarm

Video: Leistenbruch

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Leistenbruch erkennen: So läuft die Diagnose ab

Einen Leistenbruch (Leistenhernie) zu erkennen ist in der Regel leicht. Die Diagnose gelingt meist über eine körperliche Untersuchung: Wenn die Betroffenen stehen oder liegen, zeigt sich typischerweise eine Schwellung in der Leistengegend. Spätestens wenn die Betroffenen husten oder pressen, ist die Bruchstelle im Bereich der Leiste gut zu sehen beziehungsweise tastbar.

© Wikimedia Commons Dieser Mann hat einen rechtsseitigen Leistenbruch – deutlich zu erkennen an der im Bild eingekreisten Schwellung in der Leistengegend. (Quelle: Wikimedia Commons, James Heilman, CC BY-SA 3.0)

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Manchmal ist zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) nötig, um die Diagnose zu sichern – zum Beispiel bei einem kleineren Leistenbruch, der auf den ersten Blick nicht gut zu erkennen ist. Auch bei Menschen mit einer straffen Bauchdecke sowie bei stark übergewichtigen Menschen fällt eine Leistenhernie nicht sofort ins Auge, sodass die Sonographie hilfreich ist.

Kinder haben meist eine angeborene indirekte Leistenhernie. Ein erworbener direkter Leistenbruch ist bei Kindern äußerst selten. Er zeigt sich meist als kleine Schwellung direkt über dem Schambein. Bei Jungen ist es in dem Fall allerdings erforderlich, eine sogenannte Hydrozele (= Flüssigkeitsansammlung im Hodensack) auszuschließen (sog. Differenzialdiagnose).

Einordnung des Leistenbruchs

Beim Leistenbruch ist dessen Einordnung für das weitere Vorgehen nach der Diagnose entscheidend. Um die Leistenhernie einordnen und so ihre geeignete Behandlung zu bestimmen, ist die folgende Frage zu beantworten: Lässt sich der Bruchinhalt in den Bauchraum zurückdrängen?

Wenn der Arzt bei der körperlichen Untersuchung den Bruchinhalt mit der Hand wieder in die normale Lage zurückbringen (reponieren) kann, liegt eine sogenannte reponible Leistenhernie vor. Reponible Leistenbrüche sind die häufigste Bruchform und bereiten nur wenige Beschwerden – eine unmittelbare Operation ist in der Regel nicht notwendig.

Kann der Arzt den Bruchinhalt mit der Hand nicht in den Bauchraum zurückschieben, ist der Leistenbruch sofort zu operieren. Denn eine solche irreponible Leistenhernie ist meist mit Verwachsungen und dem Risiko verbunden, dass sich Teile der Bauchorgane einklemmen. Eingeklemmte Bauchorgane stellen einen medizinischen Notfall dar, den man dringend innerhalb weniger Stunden operativ behandeln muss – andernfalls kann es zu schweren Komplikationen kommen.

Leistenbruch-OP: Die häufigste Behandlung

Bei einem Leistenbruch (Leistenhernie) besteht die Behandlung fast immer in einer Operation – dies gilt grundsätzlich für jede Form in jedem Alter. Die Leistenbruch-OP verhindert, dass sich ausgetretene Bauchorgane einklemmen.

In den Industrieländern ist die Leistenbruch-OP die häufigste allgemeinchirurgische Operation überhaupt: Jedes Jahr wird hier bei etwa 200 von 100.000 Menschen eine Leistenhernie operativ behoben.

Die Leistenbruch-OP ist eine sichere Methode – die Erfolgsquote dieser Behandlung liegt bei über 95 Prozent. Üblicherweise erfolgt der Eingriff unter Vollnarkose. Bei einer kleineren Leistenhernie reicht womöglich auch eine örtliche Schmerzbetäubung. Bei ansonsten gesunden Menschen ist die Operation ambulant möglich.

Doch nicht immer ist eine Leistenbruch-OP nötig:

Solange ein Leistenbruch beim Mann keine Beschwerden bereitet und nicht an Größe zunimmt, kann man mit einer Operation zunächst abwarten. Denn das Risiko, dass es zu einer Einklemmung kommt, liegt bei nur 0,5 Prozent pro Jahr.

Auch wenn eine Operation ein zu hohes Risiko bedeuten würde (z.B. wegen hohen Alters oder schwerer Krankheit), kann es besser sein, auf die Leistenbruch-OP zu verzichten. Dies gilt jedoch nur, wenn nicht verstärkt mit Komplikationen infolge der Leistenhernie zu rechnen ist.

OP-Methoden

Alle bei einem Leistenbruch verfügbaren OP-Methoden haben dasselbe Ziel: den Bruchsack mit Inhalt wieder in die Bauchhöhle zurückverlagern, die Bruchstelle schließen und – bei Erwachsenen – die Bauchwand hinter dem Leistenkanal verstärken (bei Kindern ist Letzteres in der Regel nicht nötig). Die Operation der Leistenhernie kann offen oder minimal-invasiv erfolgen.

  • Offene Verfahren: Bei einem Leistenbruch besteht die Behandlung meistens in einer offenen Operation. Hierbei setzt der Operateur einen Schnitt im Bereich der Leiste an, dringt bis zur Bruchstelle hinter dem Leistenkanal vor und drängt den Bruchinhalt zurück in den Bauchraum. Dann verschließt der Chirurg die Bruchstelle, wobei er die Bauchwand hinter dem Leistenkanal auf verschiedene Weise verstärken kann:
    • Bei der Leistenbruch-OP nach Lichtenstein deckt der Chirurg die Bruchstelle mit einem Kunststoffnetz ab und vernäht das Netz mit der Muskulatur.
    • Bei der Leistenbruch-OP nach Shouldice sowie bei der Methode nach Bassini verstärkt der Chirurg die die Bauchwand hinter dem Leistenkanal ohne Netz durch bestimmte Nahtverfahren.
  • Minimal-invasive Verfahren: Grundsätzlich sind bei jedem Leistenbruch auch laparoskopische OP-Methoden (sog. Schlüssellochchirurgie) möglich. Bei einem minimal-invasiven Eingriff macht der Operateur drei kleine Schnitte von nur je einem Zentimeter Länge und dringt mit einem Laparoskop in die Bauchhöhle ein. Um die Leistenhernie minimal-invasiv zu beheben, stehen folgende Techniken zur Verfügung:
    • TAPP (Transabdominelle Netzplastik): Der Operateur befestigt ein Netz vom Bauchraum aus über der Bruchpforte und fixiert es mit Metallclips.
    • TEP (Total extraperitoneale Netzplastik): Bei dieser Technik platziert der Chirurg ein Netz zwischen Muskulatur und Bauchfell über der Bruchstelle. Dabei muss er das Netz nicht mithilfe von Clips fixieren oder annähen, weil die anatomische Strukturen das Netz von alleine halten.

Auswahl der Verfahren

Grundsätzlich kommt bei jedem Leistenbruch jede OP-Technik infrage. Welches Verfahren zur Operation Ihrer Leistenhernie am besten geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Minimal-invasive Verfahren sind technisch anspruchsvoller und teurer als eine offene Leistenbruch-OP. Eine minimal-invasive Behandlung ist für die Behandelten aber von Vorteil: Bereits einige Tage nach dem Eingriff kann man sich wieder voll belasten. Empfehlenswert ist die Auswahl minimal-invasiven Verfahren vor allem bei einem erneuten Bruch (sog. Rezidiv) und für ältere Menschen, bei denen eine beidseitige Leistenhernie vorliegt.

Bei offenen Verfahren gilt allgemein: Bei einer kleinen Bruchpforte ist in der Regel die Leistenbruch-OP nach Shouldice geeignet, bei einer größeren Bruchpforte hingegen die Lichtenstein-Methode. Chirurgen wenden offene Verfahren bei einer Leistenhernie häufiger an als eine minimal-invasive Behandlung. Nach einer offenen Operation dauert es allerdings einige Wochen, bis Sie sich wieder voll belasten dürfen.

Wenn Ihnen eine Leistenbruch-OP bevorsteht, sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt über Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden. Er kann Sie beraten und Ihnen erklären, welche Behandlung für Sie persönlich geeignet ist.

Bruchband

Bei einer Leistenhernie im Erwachsenenalter kam früher in manchen Fällen kurzfristig ein Bruchband zum Einsatz, wenn eine Leistenbruch-OP nicht möglich schien – zum Beispiel bei Menschen, deren Operationsrisiko wegen ihres schlechten Allgemeinzustands als zu hoch galt.

Und das ging so: Wenn sich der Bruchinhalt beim Leistenbruch mit der Hand wieder in die normale Lage zurückschieben ließ, legte man das Bruchband wie eine Art Gürtel von außen auf die Bruchstelle. Dies sollte verhindern, dass der Bruchinhalt austritt. Doch Einklemmungen kann ein Bruchband nicht sicher vermeiden. Und auch eine Heilung der Leistenhernie ist auf diese Weise nicht möglich.

Darum ist die Behandlung mit dem Bruchband veraltet. Bruchbänder sind also keine Alternative zur Leistenbruch-OP.

Leistenbruch bei der Frau: Was ist anders als beim Mann?

Der Leistenbruch kommt bei Frauen deutlich seltener vor als bei Männern. Nur eine von zehn Leistenhernien betrifft eine Frau.

Zudem sind Frauen durchschnittlich älter als Männer, wenn sie einen Leistenbruch bekommen. Bei Frauen entsteht eine Leistenhernie am häufigsten im Alter von 60 bis 79 Jahren, bei Männern im Alter von 50 bis 69 Jahren.

Ein weiterer wichtiger Unterschied: Hinter einem vermeintlichen Leistenbruch bei einer Frau kann auch eine Schenkelhernie (Femoralhernie) stecken. Schenkelhernien sind selten und kommen vor allem bei Frauen vor. Sie verursachen oft nur Schmerzen in der Leistengegend und keine Schwellung.

Eine Schenkelhernie eindeutig zu erkennen ist kaum möglich. Doch sie mit einem Leistenbruch zu verwechseln bedeutet ein Risiko. Denn bei Schenkelhernien kommt es ohne Operation häufiger zu Komplikationen.

© iStock Ein Leistenbruch liegt oberhalb des Leistenbands, ein Schenkelbruch unterhalb des Leistenbands.

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Darum sieht die Behandlung eines Leistenbruchs bei Frauen auch etwas anders aus als bei Männern. Einer Frau mit Verdacht auf eine Leistenhernie raten Ärzte in jedem Fall, sich bald operieren zu lassen – auch, wenn die Frau keine Beschwerden hat. Dabei ist ein laparoskopischer Eingriff für Frauen besser geeignet, weil nach einer offenen Operation eher weitere Hernien auftreten können.

Leistenbruch beim Baby/Kind: Das sollten Eltern wissen

Ein Leistenbruch tritt in den die allermeisten Fällen im Erwachsenenalter auf. Doch auch beim Baby oder Kind sind Leistenhernien keine Seltenheit.

Bis zu drei Prozent aller Kinder haben einen Leistenbruch – bei Frühgeborenen sind es sogar bis zu 25 Prozent. Jungen sind fünfmal häufiger betroffen als Mädchen. Meistens besteht der Leistenbruch beim Kind von Geburt an oder entsteht im ersten Lebensjahr. Kindliche Leistenhernien bilden sich

  • zu 60 Prozent nur auf der rechten Seite,
  • zu 30 Prozent nur auf der linken Seite und
  • zu 10 Prozent beidseitig.

Ein Leistenbruch bei einem Kind erfordert immer eine Operation. Denn nur so kann man verhindern, dass es zur Einklemmung von Eingeweide in der Bruchpforte kommt. Meistens findet die Leistenbruch-OP unter Vollnarkose statt. Ein neugeborenes Baby kann auch eine Teilnarkose bekommen.

Die Leistenbruch-OP beim Kind besteht darin, dass der Arzt die Bruchstelle durch eine Naht verschließt. Ein Kunststoffnetz setzt man bei Kindern nicht ein, weil …

  • … das Netz nicht mitwachsen kann, was während des Wachstums des Kindes Probleme verursachen könnte.
  • … durch das Netz das Risiko für Entzündungen und spätere Unfruchtbarkeit steigen würde.

Leistenbruch: Mit welchem Verlauf ist zu rechnen?

Ein operativ behandelter Leistenbruch (Leistenhernie) heilt in der Regel ohne Komplikationen aus.

Komplikationen

Wenn sich bei einem unbehandelten Leistenbruch Eingeweide einklemmt (sog. Inkarzeration), können im weiteren Verlauf Komplikationen auftreten. Der Grund: Ein eingeklemmter Darmabschnitt kann sich entzünden und absterben.

Eine schwer verlaufende Entzündung greift möglicherweise auf den ganzen Bauchraum über, wodurch sich das Operationsrisiko deutlich erhöht. Dennoch ist eine Operation bei einem Leistenbruch die einzige Möglichkeit, diese Komplikation in den Griff zu bekommen.

Daneben besteht auch bei einem erfolgreich behobenen Leistenbruch ein Risiko von fünf bis zehn Prozent, dass sich nachfolgend ein Rezidiv bildet (also erneut ein Bruch auftritt). Bei Betroffenen mit einer angeborenen Schwäche des Bindegewebes kann auch in der gegenüberliegenden Leiste eine Leistenhernie auftreten.

Tipp: Um zu verhindern, dass es erneut zum Leistenbruch kommt, ist es wichtig, nach der Operation:

  • mindestens drei bis sechs Monate lang keine schweren Lasten zu heben und
  • die Ernährung so zu gestalten, dass der Stuhl möglichst weich ist.

In seltenen Fällen können bei einem Leistenbruch – neben einer Einklemmung oder einem Rezidiv – folgende weitere Komplikationen auftreten:

  • beim Mann: Durchtrennung einer der beiden Samenstränge sowie Verletzung der Gefäße der Hoden
  • Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombose) in der großen Beinvene, das sich unter Umständen löst und über das Blut in die Lunge gelangt und dort zu einem Verschluss von Gefäßen führt (sog. Embolie)
  • Verletzung von Darm oder Blase
  • Wundinfektionen
  • chronische Schmerzen durch Einknotung von Nerven
  • nach OP mit Netzeinlage aus Kunststoff: evtl. Fremdkörperreaktion des Körpers (dann ist eine weitere Operation nötig, um das Netz wieder herauszunehmen)

Leistenbruch: Kann man vorbeugen?

Einem Leistenbruch (Leistenhernie) können Sie bis zu einem gewissen Grad vorbeugen, indem Sie Übergewicht vermeiden und Ihre Bauchmuskeln trainieren.

Zudem ist es zur Leistenbruch-Prophylaxe grundsätzlich empfehlenswert, dass Sie keine schweren Lasten heben. Dies gilt vor allem, wenn Sie eine angeborene Schwäche des Bindegewebes haben, denn schweres Tragen erhöht den Druck auf die Schwachstellen der Bauchwand und damit das Risiko eines Leistenhernie.

Auch wenn Sie sich gerade einer Operation einer Leistenhernie unterzogen haben, ist es wichtig, mindesten drei bis sechs Monate keine schweren Lasten zu heben: So können Sie einem erneuten Leistenbruch (sog. Rezidiv) vorbeugen. Daneben ist es ratsam, sich so zu ernähren, dass Ihr Stuhl möglichst weich ist (damit der Stuhlgang klappt, ohne stark zu pressen).

Quellen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Leistenbruch (Leistenhernie)“:

  • Hernia inguinalis

Quellen:

Leistenhernie. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 2.7.2018)

Hernien. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 21.9.2016)

Largiader, F., et al.: Checkliste Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2016

Pommer, A., Schumacher, G. (Hrsg.): Klinikleitfaden Chirurgie. Urban & Fischer, München 2015

Emminger, H., Kia, T. (Hrsg.): Exaplan – Das Kompendium der klinischen Medizin. Urban & Fischer, München 2010

Schumpelick, V., Bleese, N., Mommsen, U.: Kurzlehrbuch Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2010

Fitzgibbons, R.J., et al.: Watchful waiting vs repair of inguinal hernia in minimally symptomatic men: A randomized clinical trial. The Journal of the American Medical Association (JAMA), Vol. 295, pp. 285–92 (2006)

Letzte inhaltliche Prüfung: 02.07.2018
Letzte Änderung: 06.07.2018

Wie erkennt man einen Leistenbruch?

Die Leiste ist der untere Teil der menschlichen Bauchwand. Dort – genauer gesagt zwischen Bauchhöhle und äußerer Genitalregion – verläuft auch der Leistenkanal (Canalis inguinalis), eine röhrenförmige, rund 5 cm lange Verbindung. Man spricht von einem Leistenbruch (auch „Leistenhernie“ genannt), wenn durch diesen Leistenkanal Schichten der Bauchwand durchbrechen. Klingt unangenehm – und kann tatsächlich gefährlich werden.

Wie erkennt man einen Leistenbruch?

So wie man es sich bildlich vorstellt, so sieht es auch aus: Eine Art wulstige Schwellung drückt sich tast- und erkennbar durch den Unterbauch, und die kann man tatsächlich mit den eigenen Fingern (zumindest für eine kurze Zeit) wieder reindrücken. Es handelt sich dabei um Eingeweide, in den meisten Fällen um Teile des Darms.

„Die Schwellung kann auch im Hoden lokalisiert sein“, berichtet uns Notfall- und Allgemeinmediziner Dr. Falk Stirkat. Manchmal verursacht ein Leistenbruch – insbesondere bei Belastung – Schmerzen, muss er aber nicht. Und wenn, werden sie von Betroffenen gemeinhin als aushaltbar beschrieben. Das bedeutet aber nicht, dass kein Handlungsbedarf besteht!

Wie kommt es zu einem Leistenbruch?

„Durch eine Kombination aus erhöhtem Druck im Bauchraum, wie er durch schwere Arbeit, Pressen oder Husten zustande kommt, und einem anfälligen Bindegewebe“, berichtet der Experte. Der Hintergrund: Die Organe im Bauchraum (Magen, Leber und nicht zuletzt der bis zu siebeneinhalb Meter lange Darm) drücken auf die Leiste. Für gewöhnlich sollten Muskeln und Bänder in diesem Bereich die Last stemmen können. Vereinfacht gesagt erklärt sich ein Bruch so, dass der Leistenkanal an einer bestimmten Stelle unter dem Druck zusammengebrochen ist.

In manchen Fällen stehen andere, schwerere Krankheiten im Zusammenhang mit dem Durchbruch – etwa Tumore oder Prozesse, die durch Wassereinlagerungen den Druck im Bauchraum erhöhen. Laut Dr. Stirkat spricht man in diesem Fall von einem symptomatischen Leistenbruch.

Auch interessant: Woran erkennt man eine Blinddarmentzündung?

Was müssen Betroffene tun?

Bei Leistenbruch-Symptomen bitte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, ist Ihr nächster Ansprechpartner ein Chirurg, die Diagnose kann zunächst aber auch Ihr Hausarzt stellen. In der Regel ist der Fall bei einem Leistenbruch sichtbar und klar. In seltenen Fällen kann die Beule aber auch auf einen angeschwollenen Lymphknoten in der Leistenregion zurückzuführen sein. Diese Möglichkeit gilt es auszuschließen, bevor weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Kann man an einem Leistenbruch sterben?

„Im aller-, aller-, allerschlimmsten Fall kann ein Leistenbruch tödlich enden“, warnt der Arzt, und berichtet von zwei grundsätzlichen Gefahren: zum einen eine extreme Größenentwicklung des Bruchsacks und zum anderen eine sogenannte Inkarzeration, d.h. das Einknicken des Leistenbruchs an der Engstelle des Bruchsacks. „Verdreht sich der Bruchinhalt hier, wird er nicht mehr durchblutet und stirbt ab. Unbehandelt führt das zum Tod“, erklärt Stirkat. Das passiere in der westlichen Welt aber eigentlich nicht. „Das größte Risiko bei uns ist im Grunde der Verlust eines Darmstückes.“

Wie wird ein Leistenbruch behandelt?

„Früher oder später muss operiert werden“, weiß Notfallarzt Stirkat. Die Schwellungen nehmen an Größe zu, weshalb ein zu langes Warten den Eingriff unnötig erschweren würde.

Es gibt unterschiedliche Operationsverfahren. Meist entscheiden sich Chirurgen für die „Schlüssellochtechnologie“, wie uns erklärt wird. Dabei handelt es sich um die minimal-invasive Methode, bei der anstelle eines großen Schnitts (wie bei der offenen Operation, um den Bauchraum zu öffnen) mehrere kleine Schnitte gesetzt werden. Hierdurch führt der Operateur das nötige chirurgische Besteck sowie ein Endoskop (Gerät mit Minikameras) ein.

„Der Verschluss der Bruchpforte erfolgt entweder mit oder ohne künstliches Netz“, sagt uns Stirkat. Ein Netz reduziert die Rückfallgefahr und wird daher vor allem bei älteren und vorbelasteten, beispielsweise adipösen Patienten (mit schwächerem Bindegewebe) gewählt. Grundsätzlich aber versucht man, ohne Fremdmaterial auszukommen.

Wie geht es nach der Operation weiter?

Patienten dürfen in der Regel wenige Tage nach dem Eingriff wieder ihr alltägliches Leben aufnehmen. Von Sport oder körperlicher Arbeit ist in den ersten Wochen aber abzusehen. Die möglichen Komplikationen reichen von den üblichen Operationsrisiken (also Wundheilungsstörungen, etc.) bis zu möglichen Überempfindlichkeits- und Abwehrreaktionen auf das etwaig eingesetzte Netz oder Schmerzen am Leistenkanal, wenn hier Nerven verletzt worden sind.

Sehr selten sind Rückfälle möglich, also erneute Leistenbrüche, die ebenfalls operiert werden müssen. Im Großen und Ganzen sind nach einer Leistenbruch-OP aber keine Probleme zu erwarten, versichert der Fachmann.

Leistenbruch: Symptome erkennen und behandeln

Wenn Sie einen Leistenbruch (Leistenhernie) erlitten haben, sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen, um Folgeschäden zu vermeiden. Wir klären auf, was einen Leistenbruch auslöst und wie er sich zeigt.

Ursachen: Was ist ein Leistenbruch?

Unsere Leiste muss einiges aushalten: Immer wenn wir husten, niesen oder schwer tragen, drücken die Bauchorgane auf die Leistenregion. Sie bildet den Übergang zwischen Bauchraum und Genitalbereich. Durch den Leistenkanal verlaufen wichtige Blutgefäße und Nerven, so der Samenstrang beim Mann oder das sogenannte Mutterband, das die Gebärmutter stabilisiert, bei der Frau.

Wird der Druck auf die Leistenregion zu stark, ensteht ein Leistenbruch (Leistenhernie). Ursachen sind zum Beispiel sehr starker Husten oder das Heben schwerer Gegenstände. Dann gibt das Gewebe nach und reißt. Durch die dabei entstehende Lücke im Bauchfelll, die so genannte Bruchpforte, dringt Gewebe (meist Darmgewebe) und bildet eine Ausstülpung, auch Bruchsack genannt.

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Leistenbruch: Durch den Riss kann sich ein Teil des Darms schieben. Sie spüren dann eine Beule an der Stelle und wissen, dass es eine Leistenhernie ist. (Quelle: imago images)

Man unterscheidet zwei Formen des Leistenbruchs:

  • Direkte Leistenhernie: Bei dieser Form ist häufig eine altersbedingte Bindegewebsschwäche die Ursache. Der Bruchsack bildet sich an der Hinterwand des Leistenkanals.
  • Indirekte Leistenhernie: Die indirekte Hernie kommt besonders häufig bei Jungen und Männern vor, da bei ihnen der Leistenkanal von Geburt an etwas mehr geweitet ist. Das liegt daran, dass die Hoden bei männlichen Embryos aus dem Bauchraum durch den Leistenkanal in den Genitalbereich wandern.

Risikofaktoren: Was begünstigt einen Leistenbruch?

Prinzipiell sind Männer häufiger von einem Leistenbruch betroffen, da sie anatomisch vorbelastet sind. Bei Übergewicht, Verstopfung oder während der Schwangerschaft haben aber auch Frauen ein erhöhtes Risiko. Folgende Faktoren können einen Leistenbruch begünstigen:

  • Übergewicht: Die überflüssigen Pfunde erhöhen die Druckbelastung auf die Leistenregion.
  • Verstopfung: Aufgrund von starkem Pressen beim Stuhlgang kann es zum Leistenbruch kommen.
  • Prostatahyperplasie: Eine vergrößerte Prostata führt zur Einengung der Harnröhre. Durch die erhöhte Druckausübung beim Wasserlassen wird auch die Leiste mehr belastet.
  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft erhöht sich durch die Gewichtszunahme der Druck auf den Bauchraum. Zusätzlich nimmt die Bauchmuskulatur ab, die sonst zur Stabilität der Leistenregion beiträgt.
  • Chronischer Husten: Ständiger, starker Husten aufgrund einer chronischen Erkrankung der Atemwege oder durch Rauchen kann zu einem Leistenbruch führen.
  • Tragen schwerer Lasten: Wer – zum Beispiel aus beruflichen Gründen – regelmäßig schwer heben muss, hat ein erhöhtes Risiko für einen Leistenbruch.
  • Bindegewebsschwäche: Eine angeborene oder altersbedingte Schwäche des Bindegewebes begünstigt die Entstehung eines Leistenbruchs.
  • Bauchwasser: Bei der Bauchwassersucht (Aszites) sammelt sich Flüssigkeit in der Bauchhöhle an, was unbehandelt zu einem Leistenbruch führen kann.

Leistenbruch erkennen: Das sind die Symptome

Ein deutliches Anzeichen dafür, dass eine Leistenhernie vorliegt, ist ein Ziehen in der Leistengegend. Es tritt oft bei Bewegungen auf und lässt bei Entspannung wieder nach. Dieses Ziehen kann bei der Frau bis in die Schamlippen und beim Mann bis zu den Hoden reichen. In der Regel verstärken sich die Schmerzen, wenn der Druck im Bauchraum – zum Beispiel beim Niesen, Husten, Heben schwerer Gegenstände oder Pressen beim Stuhlgang – erhöht wird.

Wenn sich der Riss im Gewebe der Leiste vergrößert, erkennen Sie dies in der Regel daran, dass eine Art Beule in der entsprechenden Region entsteht. Diese Schwellung – Bruchgeschwulst genannt – können Sie gut erkennen und ertasten. Ursache dafür ist ein Organ, das sich zum Teil durch den entstandenen Riss im Gewebe geschoben hat, üblicherweise der Darm. Meistens können Sie diese Beule wieder nach innen wegdrücken. Größere Schmerzen sind in diesem Stadium nicht die Regel, die Leistenbruch-Symptome sind zunächst die gleichen wie bei einem kleinen Bruch.

Mögliche Komplikationen: Anzeichen für eine Einklemmung

Gefährlich wird es, wenn der Teil des Darms, der sich durch den Riss des Leistengewebes geschoben hat, eingeklemmt wird. Dieser Vorgang wird Inkarzeration genannt. Im Fall einer Einklemmung des Bruchinhalts treten heftige Schmerzen in der Leiste auf. Weitere Beschwerden können Fieber, Übelkeit und Erbrechen sein.

Wenn bei Ihnen diese Symptome auftreten, müssen Sie umgehend operiert werden, da es sonst zu schwerwiegenden Entzündungen der Bauchorgane kommen kann. Grundsätzlich sollte jeder Leistenbruch operiert werden, da er sich nicht von selbst wieder zurückbildet, sondern sich mit der Zeit sogar vergrößert.

Diagnose des Leistenbruchs

Wenn Sie Ihrem Arzt die genauen Symptome erläutern, kann dieser anhand spezieller Fragen und durch Abtasten in der Regel schnell klären, ob es sich um einen Leistenbruch handelt. Abschließende Sicherheit kann eine Untersuchung mit Ultraschall oder MRT liefern, sollte es sich um einen kleinen Bruch handeln, der sich nicht ertasten lässt.

Behandlung des Leistenbruchs

Eine Operation ist bei einem Leistenbruch unumgänglich. Dabei kann die Hernie entweder per Nahtverfahren oder mithilfe eines Netzes aus Kunststoff geflickt werden. Folgende Verfahren gibt es:

  • offene OP-Technik ohne Netz
  • offene OP-Technik mit Netz
  • minimal-invasive OP-Technik mit Netz
  • Schmerzen: Leistenbruch: Diagnose durch den Arzt
  • Leistenbruch: Leistenbruch-OP: Minimal-invasive Technik
  • Leistenbruch: Leistenbruch: Ursachen und Risiken
  • Leistenbruch: OP als einzige Möglichkeit
  • Gesundheit : Leistenbrüche vor allem bei Männern

Welche Operation im Einzelfall am sinnvollsten ist, entscheidet Ihr Arzt. Er bezieht dabei Ihr Alter und die Art und Lage der Leistenhernie mit ein. Je nach OP-Technik kann die Genesung zwischen zwei Wochen und drei Monaten dauern. Immerhin können Sie das Krankenhaus entweder noch am Tag der OP oder meist spätestens einen Tag danach wieder verlassen.

Leistenbruch bei Babys und Kleinkindern

Leistenbruch bei Babys und Kleinkindern

Die kleine Beule in der Leiste, die einen Leistenbruch kennzeichnet, entdecken Eltern häufig beim Wickeln oder der Körperpflege ihres Babys. Die Schwellung befindet sich in der Leistengegend und kann sich bei Jungen bis in den Hodensack, bei Mädchen bis zu den Schamlippen erstrecken.

Eine Leistenhernie verläuft bei Babys und Kleinkindern in der Regel harmlos und wird ambulant operiert.

Um Komplikationen, wie eine lebensgefährliche Darmeinklemmung zu vermeiden, sollten Babys und Kleinkinder jedoch zeitnah einem Arzt vorgestellt werden. Symptome einer Einklemmung sind zum Beispiel Schmerzen in der Leistengegend, Übelkeit und Erbrechen.

Außerdem kann die Schwellung nicht mehr eingedrückt werden. In diesem Fall müssen Eltern sofort ein Krankenhaus aufsuchen, weil Teile des Darms aufgrund mangelnder Durchblutung absterben können.

Einem Leistenbruch kann übrigens nicht vorgebeugt werden, da er bei Babys und Kleinkindern angeboren ist.

Ursache für eine kindliche Leistenhernie

Ein Leistenbruch tritt bei bis zu 4 Prozent aller Babys und Kleinkinder auf. Weil sich das Bauchfell im Leistenkanal während der Entwicklung des Embryos nicht richtig schließt, entsteht eine Lücke.

Durch diese Lücke drängen sich Organe aus der Bauchhöhle nach außen, wie zum Beispiel Darmschlingen oder bei Mädchen manchmal ein Eierstock. Bei etwa 50 Prozent der Kinder tritt die Leistenhernie bereits im ersten Lebensjahr auf.

Jungen sind von einem Leistenbruch viermal häufiger betroffen als Mädchen. Der Grund: Der Leistenkanal eines Jungen bleibt im Mutterleib noch lange teilweise offen und verschließt sich bei einigen Babys nicht vollständig. Im Unterschied dazu ist der Kanal bei einem Mädchen durch Bindegewebe zum größten Teil verschlossen.

Bei Frühchen ist das Risiko eines Leistenbruchs besonders hoch: Bis zu 25 Prozent der zu früh geborenen Babys sind betroffen. Ursache: Ihre Reifung ist zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht abgeschlossen.

Eine Leistenhernie wird vom Arzt anhand der typischen Schwellung im Leistenbereich diagnostiziert. Kann der Bruch nicht eindeutig bestimmt werden, wird zusätzlich ein Ultraschall beim Kind durchgeführt.

Da sich ein Leistenbruch nicht von alleine zurückbildet, muss er bei Babys und Kleinkindern, genau wie bei Erwachsenen auch, operiert werden. Nur mit einer Operation kann eine mögliche Einklemmung der Organe verhindert werden.

Der Eingriff erfolgt meistens ambulant unter Vollnarkose und dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Der Vorteil: Die kleinen Patienten können am gleichen Tag wieder nach Hause gehen. Nach der Operation sollten sich die Kleinen einige Zeit schonen, ältere Kinder für etwa vier Wochen auf Sport verzichten.

Babys, die jünger als sechs Monate sind, werden in der Regel stationär aufgenommen, damit sie nach der Operation beobachtet werden können.

Komplikationen kommen bei einer Leistenbruch-Operation nur sehr selten vor. Bei bis zu 10 Prozent der Kinder kann jedoch an der gleichen Stelle nach einiger Zeit erneut ein Bruch auftreten. Die Operation eines Leistenbruchs ist übrigens die am häufigsten durchgeführte OP bei Kindern von 0 bis 15 Jahren.

Zusammenfassung

  • Kindliche Leistenhernie ist angeboren
  • Bis zu 4 Prozent der Babys und Kleinkinder sind betroffen
  • Bei Jungen tritt der Leistenbruch vier Mal häufiger auf als bei Mädchen
  • Bis zu 25 Prozent der Frühchen haben einen Leistenbruch
  • Die Operation erfolgt meistens ambulant
  • Stationäre Aufnahme bei Babys unter sechs Monaten

Leistenbruch bei Kindern (Hernie)

Ein eingeklemmter Leistenbruch muss sofort ärztlich behandelt und oft auch operiert werden. Eine Selbsthilfe ist nicht möglich.

Um diese Komplikationen zu vermeiden, sollte bei Vorliegen eines Leistenbruches eher frühzeitig operiert werden. Bei einem nicht eingeklemmten Leistenbruch kann etwas zugewartet und der optimale Operationszeitpunkt abgewartet werden. Die Eltern sollten in diesem Fall über die Gefahren und Symptome eines eingeklemmten Leistenbruches informiert sein. Jeder Leistenbruch muss jedoch operiert werden, da er sich nicht spontan zurückbilden kann.

Die Operation ist harmlos und bei älteren Kindern grundsätzlich auch ambulant durchführbar, die meisten Patienten bleiben allerdings üblicherweise ein bis drei Tage im Spital. So genannte Bruchbänder schädigen durch den Druck das Gewebe, können die Ursache der Erkrankung nicht beheben und verlieren daher an Bedeutung.

Bei erstmaliger Operation stellt die Operation nach Shouldice das Standardverfahren dar. Hierbei wird die zu große Bauchdeckenlücke mittels einer speziellen Nahttechnik auf das Normalmaß verkleinert. Zunehmend wird allerdings bereits auch der Leistenbruch mittels Knopflochchirurgie operiert (Laparoskopisch), woraus wesentlich kleinere Narben resultieren.

Was bei einem Leistenbruch zu tun ist

Ein Leistenbruch beim Baby ist angeboren. Lesen Sie hier, woran Sie einen Leistenbruch schnell erkennen und was im Ernstfall zu tun ist.

Leistenbruch frühzeitig erkennen

Ein Leistenbruch ist ein echtes Männerleiden. Statistisch gesehen tritt er bei ihnen häufiger auf als bei Frauen. Und auch schon kleine Jungs sind viermal häufiger von einem Leistenbruch betroffen als Mädchen. Aber keine Sorge, ein Leistenbruch lässt sich auch beim Baby gut behandeln. Es ist allerdings auf jeden Fall eine OP notwendig, weil der „Bruch“ nicht von alleine ausheilen kann.
Die betroffenen Babys – etwa vier bis fünf Prozent aller Neugeborenen – kommen schon mit einem Leistenbruch auf die Welt. Anders als bei Erwachsenen handelt es sich also nicht um einen Durchbruch, sondern um ein angeborenes Problem. Bei ihnen hat sich das Bauchfell im Leistenkanal während der Embryonalentwicklung nicht richtig geschlossen. Daher ist diese sogenannte Leistenhernie bei Frühchen auch viel wahrscheinlicher. Fast jedes vierte Frühchen wird mit einem Loch im Bauchfell geboren.

Einen Leistenbruch entdecken Eltern oft beim Wickeln

Bei Leistenbruch-Babys kann es jederzeit passieren, dass sich Darmschlingen (auch andere Organe) durch die Lücke nach außen in den Bauchraum schieben. Sie können das an einer weichen Schwellung in der Leistengegend erkennen, die sich wieder wegdrücken lässt. Strengt sich das Baby an, zum Beispiel beim Schreien oder Pressen, kann die Wölbung weiter hervortreten und ist dann auch deutlich tastbar. Erstmal ist das für die Kleinen nicht gefährlich und ist auch nicht schmerzhaft.
Es besteht aber immer die Gefahr, dass sich Teile des Darms im Bruch verklemmen und nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden können. Ist das passiert, wird Ihr Kind starke Schmerzen haben und das lautstark kundtun. Auch Übelkeit und Erbrechen sind typisch. Jetzt sollten Sie umgehend ins Krankenhaus fahren. Die eingeklemmten Organe müssen sofort wieder in die Bauchhöhle geschoben und der Bruch verschlossen werden. Reagieren Sie zu spät, kann es sein, dass die abgeklemmten Teile des Darms absterben.

Wann eine Leistenbruch-OP notwendig ist

Eine Leistenbruch-OP sollte aber nicht erst im Notfall vorgenommen werden. Beobachten Sie die ersten Symptome, sollten Sie das von einem Kinderarzt abklären lassen. Auch er wird eine OP empfehlen, um dem Ernstfall vorzubeugen. Das sollte Sie aber bitte nicht ängstigen. Die OP bei einem Leistenbruch ist minimal invasiv und ein absoluter Routineeingriff. Nach 20 bis 30 Minuten ist alles überstanden. Meist dürfen Sie Ihr Kind noch am selben Tag wieder mit nach Hause nehmen. Nur Babys unter einem halben Jahr werden in der Regel danach noch stationär betreut, um sicher zu gehen, dass die Kleinen auch wirklich alles gut überstanden haben.
Das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme. Denn jede OP ist letztendlich immer mit einem gewissen Risiko verbunden, z.B. dass sich die Wunde entzündet. Muss der Leistenbruch operiert werden, ist das Komplikationsrisiko aber wirklich gering. Manchmal, wenn auch selten, kann es auch passieren, dass das Bauchfell der Leiste erneut aufbricht.

Keine Panik!

Nabelbruch beim Baby

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Hat sich das Bauchfell im Leistenkanal während der Embryonalentwicklung nicht richtig geschlossen, kommt der Säugling mit einem Leistenbruch zur Welt. Das Risiko für die sogenannte Leistenhernie ist bei Frühchen besonders hoch, fast jedes vierte Frühchen wird mit einem Loch im Bauchfell geboren. Anders als bei Erwachsenen handelt es sich beim Baby-Leistenbruch also nicht um einen Durchbruch, sondern ist ein angeborenes Problem.

Hintergrund

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Wie erkennt man einen Leistenbruch beim Baby?

Einen Leistenbruch entdecken Eltern oft beim Wickeln, weil sich Darmschlingen und andere Organe durch die Lücke nach außen in den Bauchraum schieben. Zu sehen ist eine weiche Schwellung in der Leistengegend, die sich auch wieder wegdrücken lässt. Strengt sich das Baby an, beim Schreien oder Pressen, tritt die Wölbung besonders stark hervor und ist auch deutlich tastbar. Keine Sorge: Erst mal ist das für das Kind nicht gefährlich und auch nicht schmerzhaft.

Wann muss ein Leistenbruch beim Baby behandelt werden?

Beobachtet ihr die ersten Symptome, geht zu einem Kinderarzt und lasst die Situation abklären. Bestätigt sich die Vermutung, wird er eine OP empfehlen, weil der Bruch nicht von alleine ausheilen kann. Das hört sich erst einmal beängstigend an, die Leistenbruch-OP ist heutzutage aber ein absoluter Routineeingriff. Meist kann das Baby noch am selben Tag wieder nach Hause, nur Säuglinge unter einem halben Jahr bleiben nach der OP noch in ärztlicher Betreuung, um sicher zu gehen, dass die Kleinen alles gut überstanden haben.

Wo lauern Gefahren, wenn dein Baby einen Leistenbruch hat?

Wird der Leistenbruch nicht rechtzeitig erkannt, können sich Teile des Darms im Bauch verklemmen. Das ist sehr schmerzhaft und euer Kind wird das lautstark kundtun. Auch Übelkeit und Erbrechen gehören zu den typischen Symptomen. Jetzt solltet ihr sofort ins Krankenhaus fahren, damit der Arzt die eingeklemmten Organe in die Bauchhöhle zurückschieben und den Bruch verschließen kann. Werden die Darmschlingen über längere Zeit nicht ausreichend mit Blut versorgt, können Teile davon im schlimmsten Fall absterben.

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Wie hoch ist das Risiko für Komplikationen bei einer Leistenbruch-OP bei deinem Baby?

Gering, denn die Leistenbruch-OP zählt zu den minimal-invasiven Eingriffen von 20 bis 30 Minuten. Doch natürlich ist jede OP mit einem gewissen Risiko verbunden, zum Beispiel weil sich die Wunde im Anschluss entzünden kann. In seltenen Fällen kann es auch passieren, dass das Bauchfell der Leiste erneut aufbricht und eine zweite OP nötig ist.

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Leistenbruch: Typische Symptome – und wann Sie zum Arzt sollten

Bei „Bruch“ denken die meisten an eine Knochenverletzung. Doch Leistenhernie oder Inguinalhernie, so die medizinische Bezeichnung, bedeutet, dass etwas Gewebe aus dem Bauchraum durch eine Schwachstelle (Bruchpforte) rutscht, also einen Riss oder eine natürliche Lücke in der Bauchdecke (Leistenspalt). Es handelt sich dabei um einen sogenannten Weichteilbruch. Und der wiederum gehört zu den sogenannten Hernien, den Eingeweidebrüchen.

Der Leistenbruch ist nicht harmlos: Je nachdem, wie stark er ausgeprägt ist und ob womöglich Darmteile eingeklemmt sind (Inkarzeration), kann er sogar lebensgefährlich sein.

Der Leistenbruch: Zwei Arten werden unterschieden

Liegt die Bruchpforte im sogenannten „Hesselbach-Dreieck“, einer typischen Schwachstelle in der Bauchwand, handelt es sich um einen direkten Leistenbruch. Er ist immer erworben und entsteht durch zu hohen Druck, etwa vorherige Operationen oder Erkrankungen. Dabei schiebt sich der Bruchsack direkt durch die Bauchwand, wandert nicht erst in die Genitalregion. Diese Bruchart tritt meist bei Erwachsenen auf, meist bei älteren Männern.

Liegt die Bruchstelle aber weiter außen auf, und zwar seitlich durch den Leistenkanal, sprechen Mediziner vom indirekten Leistenbruch. Er verläuft immer durch den Leistenkanal und kann sich bis zu den Genitalien verschieben. Er kann entweder durch äußere Einflüsse entstehen oder aber angeboren sein, was meist der Fall ist: Beim Baby wurde der Leistenkanal nicht richtig verschlossen. Diese Art der Leistenbrüche tritt vor allem bei Babys, Kindern und jungen Menschen auf.

Im Bereich des Leistenkanals ist die Bauchwand meist stellenweise etwas schwächer. Wer schwer hebt oder trägt, läuft daher Gefahr, eine Leistenhernie zu erleiden. Bei Frauen kann auch eine Schwangerschaft einen Leistenbruch hervorrufen. Gründe dafür können auch vorhergehende Operationen am Bauch sein, die das Gewebe durch Narben schwächen. Auch generell schwaches Bindegewebe kann einen Leistenbruch begünstigen.

Gewebeschwäche begünstigt Leistenbrüche

Es gibt unterschiedlichste Risikofaktoren für Hernien in der Leistengegend. Etwa kann Druck im Bauchraum durch starkes Husten (durch COPD, Asthma oder Mukoviszidose, sowie Übergewicht und Rauchen ausschlaggebend sein. Auch eine Ausstülpung in der Darmwand, eine Divertikulose, kann sie begünstigen, ebenso wie das Marfan-Syndrom, eine genetisch bedingte Bindegewebserkrankung. Ebenfalls sind Patienten von Diabetes mellitus gefährdet.

Die Symptome eines Leistenbruchs: Anzeichen bei Mann und Frau

Typisch für den Leistenbruch ist eine mehr oder weniger ausgeprägte Vorwölbung am rechten oder linken unteren Bauchbereich nahe der Leiste. Diese Vorschiebung heißt Bruchsack. Der Bruchsack ist normalerweise weich und reponibel, das heißt, er lässt sich vorsichtig mit den Fingern in den Bauch zurücklegen. Geht das nicht, spricht man von einem irreponiblen Leistenbruch. Dann ist der Bruchinhalt mit dem Bruchsack bereits verwachsen, ein Verschieben ist nicht mehr möglich.

Anfangs lässt sich ein Leistenbruch oft nur durch die ziehenden Schmerzen in der Leistengegend identifizieren. Beim Heben und Tragen, also Tätigkeiten, die Bauch und Bauchdecke belasten, werden sie stärker, im Liegen verschwinden sie wieder. Beim Mann können die Schmerzen beim Leistenbruch bis in die Hoden ausstrahlen, die dabei auch anschwellen können. Bei der Frau ziehen die Schmerzen oft bis in die Schamlippen. Zusammengefasst sind die Symptome:

  • Bruchgeschwulst: Schwellung in der Leistenregion
  • Schmerzen beim schweren Heben und beim Stuhlgang
  • Leichte, ziehende Schmerzen, die sich bei Druck verstärken (etwa beim Husten oder Niesen)

Es kann aber auch vorkommen, dass keine Schmerzen verspürt werden. Vor allem, wenn der Betroffene etwas übergewichtig und/oder der Bruchsack nicht sehr stark ausgeprägt ist, fällt die Leistenhernie kaum auf.

Alarmzeichen beim Leistenbruch

Ein unbehandelter Leistenbruch kann sich mit der Zeit vergrößern. Dann droht eine lebensgefährliche Inkarzeration. Diese Abklemmung eines Darmabschnitts kann jedoch auch plötzlich einsetzen, etwa bei starker Belastung des Unterbauchs. Oft treten erst dann starke Symptome auf.

Die Symptome der Inkarzeration sind:

  • plötzliche, starke Schmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Der Bruchsack ist eher hart und lässt sich nicht mehr zurückschieben.

Vorsicht: Hier muss direkt ärztliche Hilfe aufgesucht werden! Nur eine Operation kann den abgeklemmten Darm befreien, an seinen richtigen Platz zurückbefördern und die zu schwache Bauchdecke mit Naht oder einem Netz verstärken. Hier ist sofortiges Handeln angesagt, denn wird nicht schnell operiert, drohen Entzündungen der Bauchorgane oder andere schwere Komplikationen wie ein Darmverschluss oder eine Bauchfellentzündung.

Leistenbruch-Operation ist der häufigste Eingriff in Deutschland

Rund 275.000-mal pro Jahr wird in Deutschland eine Leistenbruch-Operation durchgeführt. Betroffen sind meist Männer. Sie weisen die Risikofaktoren Übergewicht und hohe körperliche Belastung (das Heben schwerer Lasten) besonders häufig auf und haben deshalb ein höheres Risiko für eine Leistenhernie.

Eine Operation ist zwar in den meisten, aber nicht in allen Fällen nötig. Treten keine Schmerzen auf und ist die Bruchstelle nur klein, kann auch erst einmal abgewartet werden. Vor allem bei sowieso geschwächten Menschen, etwa durch hohes Alter oder Krankheit, wird lieber auf eine kräftezehrende OP verzichtet. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass sich eine Hernie immer ausweiten und dann doch noch zu einer Inkarzeration führen kann. Daher wird nur in Ausnahmefällen auf eine Operation verzichtet.

Der Eingriff, der vor allem verhindern soll, dass sich Organe im Bruch einklemmen, wird meist unter Vollnarkose durchgeführt, die OP ist mittlerweile so schnell gemacht, dass sie bei ansonsten gesunden Menschen sogar ambulant durchgeführt werden kann. Reponible Leistenbrüche lassen sich einfacher behandeln. Es gibt mittlerweile verschiedene gängige Methoden. Bei allen wird erst einmal der Bruchinhalt in den Bauchraum zurückgedrängt. Offene Verfahren sind

  • Leistenbruch-Operation nach Bassini: Ist der Bruchinhalt zurück im Bauchraum, wird die Bruchstelle verschlossen. Das Leistenband wird dann mit den Bauchmuskeln vernäht. Das verstärkt die Bauchwand.
  • Leistenbruch-Operation nach Lichtenstein: Hier wird ein Kunststoffnetz mit den Bauchmuskeln vernäht, das die auchwand verstärkt und verhindert, dass erneut Bruchinhalt austreten kann.
  • Leistenbruch-Operation nach Shouldice: Es wird ein Stück Bindegewebe der Bauchmuskulatur (Bauchfaszie) über der Bruchstelle fixiert. Auch das verhindert, dass noch einmal Bruchinhalt austreten kann.

Bei den minimal-invasiven Verfahren arbeiten Ärzte mit einer Bauchspiegelung, auch Laparoskopie genannt. Unterschieden werden zwei Verfahren:

  • Transabdominelle Netzplastik (TAPP): Vom Bauchraum aus wird ein Netz über der Bruchpforte gespannt.
  • Total extraperitoneale Netzplastik (TEP): Hier liegt das Netz zwischen Bauchfell und Muskulatur.

Früher wurde oft ein Bruchband gesetzt, um die Bruchpforte zu stabilisieren. Dieses Verfahren wird heute nur noch selten angewendet.

Was tun nach Leistenbruch-OP? Wie verhalte ich mich am besten?

Es gibt verschiedene OP-Methoden bei Leistenbruch. Wurden Sie erfolgreich über eine offene Operation oder eine minimal-invasive Methode behandelt, ist erst einmal Ruhe angesagt.

  • Vermeiden Sie rund 3 bis 6 Monate lang das Heben schwerer Lasten.
  • Ernähren Sie sich gesund, so dass der Stuhl möglichst weich ist und es nicht zu Verstopfung kommen kann.
  • Welche Hausmittel gegen Verstopfung helfen, verraten wir Ihnen hier.
  • Ist der Leistenbruch verheilt, bietet es sich an, die Bauchmuskeln regelmäßig zu trainieren.

Vorbeugen können Sie einem Leistenbruch übrigens durch gesunde Ernährung – also Übergewicht vermeiden – sowie gezieltes Bauchmuskeltraining, etwa Planking.

Leistenbruch bei Frauen: Was ist anders?

Frauen erleiden weit seltener einen Leistenbruch als Männer, lediglich jeder zehnte Fall betrifft eine Frau. Zudem sind Frauen meist in höherem Alter betroffen.

Auch ist nicht jeder vermeintliche Leistenbruch bei der Frau tatsächlich einer. Es kann sich auch um eine seltene Schenkelhernie (Femoralhernie) handeln. Diese liegt in der Regel weiter unten. Eine Schwellung gibt es hier selten, es treten lediglich Schmerzen in der Leistengegend auf. Die Schenkelhernie ist schwieriger zu behandeln.

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Leistenbruch

Der Leistenbruch, auch Leistenhernie genannt, ist eine Ausstülpung des Bauchfelles, welches den Bauchraum von innen auskleidet, durch eine Schwachstelle (=Bruchpforte) im Leistenkanal. Dadurch können Eingeweide oder Organteile aus der Bauchhöhle direkt unter der Haut getastet werden und schlimmstenfalls eingeklemmt werden. Sammelt sich im gesamten oder in einem gekammerten Teil des Bruchsackes Flüssigkeit, spricht man von einem Wasserbruch („Hydrozele“). Leistenbruch und Wasserbruch können auch gleichzeitig vorkommen.

Am häufigsten tritt der Leistenbruch im Kindesalter auf (=angeborene Leistenhernie), fast immer in den ersten 6 Monaten. In diesem Alter ist der Leistenkanal, durch den bei Knaben die Hoden vor der Geburt herabgeglitten sind, noch nicht wieder ganz geschlossen. Deshalb sind auch fast nur Knaben betroffen, ausserdem viele Frühgeborene. In vielen Fällen liegt ein beidseitiger Leistenbruch vor, auch wenn die Symptome nicht immer auf beiden Seiten gleichzeitig vorhanden sind. Auch gibt es eine familäre Neigung zu Hernien.

Sichtbar ist die Leistenhernie als eine Schwellung in der Leistenregion, beim Knaben mitunter bis in den Hodenbereich, beim Mädchen bis in die grossen Schamlippen. Die Vorwölbung kann auftreten und wieder verschwinden. Sie kann durch Schreien provoziert werden. Auch kleine Hernien oder auch noch nicht unbedingt auffällige Vorwölbungen können schon starke Schmerzen hervorrufen, wenn die Bauchmuskulatur angespannt wird. Das Kind wirkt unruhig und krank, schreit viel und erbricht häufig. Versuchen Sie dann besser nicht, den Leistenbruch zurückzuschieben. Auch Druckverbände können mehr schaden als nutzen.

Vor allem, wenn sich die Bruchgeschwulst hart anfühlt und/oder schon violett gefärbt ist, sollten Sie unbedingt unverzüglich einen Kinderarzt oder eine Kinderklinik aufsuchen, da es sich um eine eingeklemmte Hernie handeln kann! Je jünger das Kind ist, desto grösser ist die Gefahr der Einklemmung. Dabei kommt es zur Durchblutungsstörung des Darmes bis hin zum Absterben, Infektion und lebensgefährlicher Bauchfellentzündung.

Ein Leistenbruch wird in den allermeisten Fällen operativ behandelt. Der Eingriff ist in Regionalanästhesie oder Vollnarkose möglich. Über einen Hautschnitt wird in der Leiste der Leistenkanal eröffnet, der Bruchsack gelöst und abgetragen und zur Bauchhöhle hin mit einer Naht verschlossen. Der eröffnete Leistenkanal wird wieder verschlossen, wobei der Bauchfellbereich, in dem der Bruch erfolgte, verstärkt wird. Anschliessend wird die Haut genäht. Bei beidseitigen Brüchen ist ein Schnitt in beiden Leisten erforderlich, meistens als zwei getrennte Operationen in zeitlichem Abstand. Die Fäden werden meist nach ca. 1 Woche entfernt. Körperliche Belastung sollte ca. 10 Wochen lang vermieden werden. Bei 2 bis 10% der Operierten tritt allerdings wieder eine Leistenhernie auf (Rezidiv).

An vielen Spitälern kann die Operation heutzutage auch über eine Bauchspiegelung durchgeführt werden (Laparoskopie; Hernioplastik). Diese Technik vermeidet den Leistenschnitt und ist deshalb schonender. Die Versorgung beidseitiger Leistenbrüche ist ohne zusätzliche Schnitte oder gar eine zweite Operation problemlos möglich. Dieses Operationsverfahren eignet sich für nicht zu dicke Kinder ab dem ca. 6. Lebensmonat bis zum ca. 11. Lebensjahr.

Letzte Aktualisierung : 23-01-20, BH

Leistenbruch bei Babys und Kindern erkennen & handeln

Leistenbruch bei Babys und Kindern erkennen

Den Leistenbruch erkennst du in der Regel an einer Beule in der Leistengegend, ausgelöst durch vortretende Organe oder Flüssigkeiten. Diese Beule zeigt sich oft nur wenn das Baby schreit oder sich anstrengt. Sobald es sich entspannt, verschwindet die Beule wieder. Bei Jungen kann sich diese Schwellung bis in den Hodensack hinein, bei Mädchen bis zu den Schamlippen erstrecken. Für die Kinder ist das meist nicht schmerzhaft. Sofern sich die Beule vorsichtig zurückdrücken lässt besteht auch kein Grund zur Sorge. Du solltest dein Kind trotzdem einem Arzt vorstellen. Dieser kann weitere Untersuchungen vornehmen und Komplikationen wie die lebensgefährliche Darmeinklemmung ausschließen.

Tipp: Wenn du die Beule zurückdrückst, kann sie danach unter Umständen nicht mehr zu sehen sein. Mach am besten vorher ein Foto, damit du es dem Arzt zeigen kannst.

Wenn die Schwellung nicht mehr eingedrückt werden kann, ist es ernst und du musst sofort mit deinem Kind ins Krankenhaus fahren. In dem Fall handelt es sich möglicherweise um eine solche Darmeinklemmung, die lebensgefährlich ist. Meist gehen Symptome wie Schmerzen in der Leistengegend, Übelkeit und Erbrechen damit einher.

Wenn operiert werden muss, dann meist ambulant unter Vollnarkose. Der Eingriff dauert ungefähr 20 bis 30 Minuten und ist ein absoluter Routineeingriff. Danach sollten sich Babys in jedem Fall schonen, Kinder sollten sogar etwa 4 Wochen auf Sport verzichten. Wenn es sich um ein Baby unter 6 Monaten handelt, erfolgt meist sicherheitshalber auch eine stationäre Aufnahme.

Wichtiger Hinweis:
Die Beschreibung der Eingriffe wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt. Es kann sich jedoch nur um einen Überblick handeln, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Zur weitergehenden Information dienen die Webseiten der Leistungserbringer und das persönliche Arzt-Gespräch bzw. die OP – Aufklärung in der jeweiligen operierenden Einrichtung.
Die Verantwortlichen für die Inhalte dieser Website übernehmen keine Gewährleistung für die Vollständigkeit und Korrektheit der Angaben, da ständige Veränderungen, Weiterentwicklungen und Konkretisierungen infolge wissenschaftlicher Forschung oder Anpassung der Leitlinien durch die medizinischen Fachgesellschaften erfolgen.

Hier finden Sie:

  • Was geschieht bei diesem Eingriff?
  • Wann rät Ihnen der Arzt zu diesem Eingriff?
  • Welche Betäubungsmethode wird in der Regel angewandt?
  • Wie lange dauert der Eingriff durchschnittlich?
  • Wer ist eventuell nicht für diesen Eingriff geeignet?
  • Wie ist das Risiko einzuschätzen?
  • Was müssen Sie vor dem Eingriff beachten?
  • Was geschieht nach dem Eingriff und was ist zu beachten?
  • Wann findet in der Regel der nächste Arzttermin statt?

Die Leiste – von außen gesehen eher unscheinbar – ist mit eine der kompliziertestes anatomischen Regionen im Körper. Das kräftige Bauchfell, dass die inneren Organe zusammenhält, weist hier eine natürliche Lücke auf, um Nerven, Gefäßen, Lymphbahnen und beim Mann auch dem Samenleiter den Durchtritt zu ermöglichen.
Häufig macht sich ein Leistenbruch schon bei Säuglingen und Kleinkindern im ersten Lebensjahr bemerkbar. Die Ursache liegt hier in einem angeborenen unzureichenden Verschluss des Bauchdecke (Muskel). Durch den Druck der Bauchorgane können Darmschlingen und Bauchorgane in den Leistenkanal treten, der bei den wesentlich häufiger betroffenen Jungen den Samenleiter und Blutgefäße enthält und bis zum Hoden reicht. Bei Mädchen enthält der Leistenkanal ein Gebärmutterband, und der Gewebesack kann sich beim Leistenbruch bis zu den Schamlippen erstrecken.
Normalerweise macht sich der Bruch nur durch eine schmerzlose weiche Schwellung in der Leistengegend, an den Schamlippen oder im Hodensack bemerkbar, die bei Husten, Niesen, Druck auf den Bauch und körperlicher Anstrengung stärker hervortritt.
Gefährlich kann der Leistenbruch werden, wenn sich Darmschlingen in dem Bruch einklemmen, dadurch nicht mehr ausreichend durchblutet werden und absterben. Jeder Bruch sollte schnellstens reponiert (zurückgedrückt) werden. Ist dies nicht möglich, sollte das Kind innerhalb von sechs Stunden notfallmäßig operiert werden. Um das zu verhindern, sollte jeder Leistenbruch operiert werden, was bei den meisten Kindern ambulant möglich ist.

Was geschieht bei diesem Eingriff?

Bei der herkömmlichen („offenen“) Operationstechnik wird über einen Hautschnitt in der Leiste der Leistenkanal eröffnet. Anschließend wird der Bruchsack von Samenleiter und Hodengefäß bzw. beim Mädchen vom Gebärmutterband gelöst, abgetragen und mit einer Naht verschlossen. Dann wird auch der eröffnete Leistenkanal wieder vernäht und die Hautwunde verschlossen. Besteht der Leistenbruch beidseitig, muss auf beiden Seiten geschnitten werden, was meist in einer Sitzung erfolgt.

Die bei erwachsenen Patienten alternativ angewandte laparoskopische Operationsmethode (über das Schlüsselloch) wird beim Kind in der Regel nicht angewandt, weil sie bei den kleinen Patienten keinen Vorteil bietet, der den größeren apparativen und zeitlichen Aufwand sowie die höhere Komplikationsrate rechtfertigen würde.

Wann rät Ihnen der Arzt zu diesem Eingriff?

Bei einem eingeklemmten Leistenbruch, bei dem sich der Bruchinhalt nicht zurück in die Bauchhöhle drücken lässt, muss sofort operiert werden. Andernfalls droht ein Absterben des eingeklemmten Gewebes und nachfolgend ein Darmverschluss und eine Bauchfellentzündung.

Bei einem nicht eingeklemmten Bruch ist der Eingriff nicht so dringlich und ein günstiger Operationszeitpunkt kann abgewartet werden. Allerdings müssen Sie dann die Symptome einer Brucheinklemmung kennen und bei Ihrem Kind darauf achten, um dann schnell zu reagieren. Daher ist es sinnvoll den Operationszeitpunkt möglichst bald zu wählen.

Welche Betäubungsmethode wird in der Regel angewandt?

Bei Kindern wird der Eingriff immer in Vollnarkose vorgenommen (Verweis: Vollnarkose).

Wie lange dauert der Eingriff durchschnittlich?

Der Eingriff dauert etwa 20 bis 30 Minuten.

Wer ist eventuell nicht für diesen Eingriff geeignet?

Da der Eingriff in Vollnarkose vorgenommen wird, prüft der Narkosearzt (Anästhesist) vorher die Narkosefähigkeit Ihres Kindes. Würde die Vollnarkose ein zu großes Risiko darstellen, muss der Eingriff möglicherweise verschoben werden.

Wie ist das Risiko einzuschätzen?

Die operative Behandlung eines Leistenbruchs ist im Kindesalter ein risikoarmer Eingriff. Wie bei jedem operativen Eingriff können Komplikationen natürlich nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden.
Über solche seltene Komplikationen wie Verletzungen von Nerven, Gefäßen, Samenleiter oder Darm oder Entzündungen wird Ihr Arzt Sie vor der Operationen umfassend aufklären.

Was müssen Sie vor dem Eingriff beachten?

6 Stunden vor dem Eingriff sollte Ihr Kind nüchtern bleiben, d.h. nichts essen oder trinken und auch kein Kaugummi kauen.

Was geschieht nach dem Eingriff und was ist zu beachten?

Auch bei der ambulanten Leistenoperation bleibt Ihr Kind nach dem Eingriff noch für einige Zeit unter Beobachtung – so lange bis es fit genug für den Heimweg ist. Die Narkose wird relativ schnell nachlassen, sodass Ihr Kind bald wieder ansprechbar und munter ist.
24 Stunden nach dem Eingriff muss zu Hause immer eine Aufsichtsperson anwesend sein.

Eine gewisse körperliche Schonung ist – soweit bei den kleinen Patienten möglich – wünschenswert. Spätestens nach 10 Tagen kann Ihr Kind meist wieder den Kindergarten oder die Schule besuchen.

Wann findet in der Regel der nächste Arzttermin statt?

Noch am Tag des Eingriffs, wird Ihr Arzt Ihnen mitteilen, wann Sie mit Ihrem Kind zur nächsten Kontrolluntersuchung wiederkommen sollen. Im Interesse Ihres Kindes sollten Sie diesen Termin unbedingt einhalten.
Hat Ihr Kind Fieber, klagt über starke Schmerzen oder beobachten Sie eine starke Rötung des Wundbereiches sollten Sie umgehend mit dem Arzt Kontakt aufnehmen. Auch wenn Sie unsicher sind und noch Fragen zum normalen Heilungsverlauf haben, wird Ihnen in der Praxis niemand böse sein, wenn Sie sich telefonisch Rat holen.

03.05.2018
St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn GmbH
200 Tage Kinderchirurgie am St. Vincenz – eine erste Bilanz
Meistens entdecken Eltern die kleine Beule in der Leistengegend ihres Babys beim Wickeln oder Baden. Ein Leistenbruch ist die häufigste angeborene Fehlbildung, die der neue Kinderchirurg der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH, Dr. Markus Dürsch, bislang zu behandeln hatte. Nach 200 Tagen in Paderborn zieht er eine erste Bilanz und hat wichtige Tipps für Eltern von Kleinkindern parat – zum Thema Verbrennungen, aber auch zum Thema Leistenbruch: „Ein Leistenbruch verläuft bei Babys und Kleinkindern in der Regel harmlos und kann oft ambulant operiert werden. Nur dann, wenn Sie die Symptome einer Einklemmung wie zum Beispiel Schmerzen in der Leistengegend, Übelkeit und Erbrechen feststellen, wird es gefährlich. In solchen Fällen sollten Sie umgehend mit Ihrem Kind ein Krankenhaus aufsuchen, um zu verhindern, dass Teile des Darms absterben“.
Ein Leistenbruch tritt bei 4% aller Neugeborenen auf; Jungen sind viermal häufiger betroffen als Mädchen. Eine OP ist unumgänglich, weil sich der Leistenbruch nicht von selbst zurückbildet. Während der Entwicklung im Mutterleib komme es vor, dass sich das Bauchfell der Babys im Leistenkanal nicht richtig schließe und somit eine Lücke entstehe, durch die der Darm hindurchdringe und eine sichtbare Beule unter der Haut hervorrufe. Entdeckt würde dies meist im Laufe des ersten Lebensjahres, erklärt Dr. Dürsch, der selbst zweifacher Vater ist.
Die OP erfolgt fast immer ambulant unter Vollnarkose und dauert nur etwa 20 bis 30 Minuten. Allerdings: „Babys unter sechs Monaten nehmen wir in der Regel stationär auf, damit sie nach der Operation beobachtet werden können. Alle anderen können meist noch am selben Tag nach Hause gehen“, berichtet der Kinderchirurg. Alleine 40 solcher Operationen hat der Neu-Paderborner seit seinem Amtsantritt im Oktober letzten Jahres bereits an seiner neuen Wirkungsstätte gemacht – etwa zwei pro Woche.
Insgesamt hat sich die Zahl der operierten Kinder am St. Vincenz in diesem halben Jahr auf über 100 bereits mehr als verdoppelt. Das liegt daran, dass es bislang in Paderborn an den Krankenhäusern keinen Kinderchirurgen gab, und Eltern somit mit ihren kranken Kindern für viele kompliziertere Eingriffe weite Anfahrtsstrecken in andere Städte in Kauf nehmen mussten. Diese zusätzlichen Strapazen für die kleinen Patienten und ihre Begleiter können nun entfallen, worüber alle Beteiligten sehr erfreut sind. Ein besonders großer Vorteil ergibt sich auch für erkrankte Frühgeborene, die nun in Paderborn operiert werden können und nicht verlegt werden müssen. Dazu hält Dr. Dürsch regelmäßige Visiten in der Frauen- und Kinderklinik St. Louise ab.
Auch schwere Darmentzündungen bei Frühgeborenen und kinderurologische Problemstellungen sowie Verbrennungen bei Kleinkindern gehören zu den besonders häufigen Erkrankungen, die der Kinderchirurg bislang in Paderborn bei Kindern behandelt hat. Verbrennungen bei Kleinkindern seien mit etwas Vorsorge fast immer vermeidbar, deshalb rät der Spezialist den Eltern: „Bitte montieren Sie rechtzeitig kindersichere Absperrungen vor Kaminöfen und Herdplatten, und achten Sie auf die kindgerechte Wassertemperatur von 36 Grad bei Bädern und Wärmflaschen.“ Gleichzeitig heiße Tee- oder Kaffeetassen und Babys umher zu tragen verbiete sich von selbst, denn ihm liegt die Gesundheit aller Kinder sehr am Herzen.

Ansprechpartner
Charlotte Hoppe
Telefon: +495251861421
E-Mail: [email protected]
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Häufige Fragen zum Leistenbruch:
Wie entsteht eigentlich ein Leistenbruch?
Warum haben Männer häufiger einen Leistenbruch als Frauen?
Kann ein Leistenbruch gefährlich werden?
Welche Alternativmethoden stehen mir zur Verfügung?
Mein Hausarzt hat mir eine Operation empfohlen:

Welche Methoden stehen zur Verfügung?
Ich bin schon an einem Leistenbruch voroperiert. Kann ich auch mit der minimal-invasiven Methoden operiert werden?

Zur Operation:

Was muß ich mitbringen?
Wie lange muß ich im Krankenhaus bleiben?
Wie lange dauert die Operation?
Was wird operiert? Wie wird operiert?

Verhaltensweise nach der Operation:

Wie darf ich mich belasten? Wann darf ich wieder Sport treiben?

Wie entsteht eigentlich ein Leistenbruch?

Ein Leistenbruch ist ein Loch in der Bauchwand, durch welches sich Baucheingeweide vorwölben können. Dieses Loch befindet sich in einem muskelfreien Dreieck. Deshalb kann ein Leistenbruch durch Muskeltraining weder verhindert noch beseitigt werden. Ein Leistenbruch entsteht nicht durch übermäßige körperliche Belastung, sondern bedeutet eine Schwäche des Bindegewebes an dieser Stelle.

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Warum haben Männer häufiger einen Leistenbruch als Frauen?

Beim Mann wandert der Hoden vor der Geburt aus dem Bauchraum in den Hodensack. Dadurch entsteht natürlicherweise eine Schwachstelle in der Leistenregion. Wenn außerdem eine Bindegewebsschwäche vorliegt, kann sich leicht ein Leistenbruch entwickeln.

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Kann ein Leistenbruch gefährlich werden?

Ja – aber glücklicherweise sehr selten. Gefahr droht, wenn sich die Schwellung (Bruchgeschwulst) nicht mehr zurückdrücken läßt und schmerzt. Dann sollten Sie sofort, auch nachts und am Wochenende, einen Arzt aufsuchen oder sich umgehend in unserer Rettungsstelle vorstellen. Um dieser Gefahr aus dem Wege zu gehen, empfehlen wir die frühzeitige Operation sobald ein Leistenbruch irgendwelche Schmerzen bereitet oder als unschöne Beule in der Leiste erscheint.

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Welche Alternativmethoden stehen mir zur Verfügung?

Es gibt keine Alternative zu einer Operation. Das früher oft verschriebene Bruchband ist unbequem und kann einen Leistenbruch nicht beseitigen. Es ist damit zur Behandlung ungeeignet.

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Mein Hausarzt hat mir eine Operation empfohlen:

Welche Methoden stehen zur Verfügung?

Bei der herkömmlichen Methode wird die Bruchlücke nach einem ca. 10 cm langem Hautschnitt durch eine Naht verschlossen. Eine anschließende körperliche Schonung von 6 – 10 Wochen soll den Erfolg der Operation sicherstellen.

Auch minimal-invasiv („Schlüssellochchirurgie“) ist eine Versorgung des Leistenbruchs möglich. Der Vorteil dieses Operationsverfahrens besteht vor allem darin, dass eine Einschränkung der Belastbarkeit nach Operation nicht notwendig ist. Sie können sich nach Entfernung des Nahtmaterials wie gewohnt körperlich belasten. Natürlich kommen auch alle weiteren Vorteile der minimal-invasiven Chirurgie zum Tragen wie kleinere Operationswunden, somit geringeres Infektionsrisiko, weniger Schmerzen nach der Operation und eine schnellere Erholung nach kürzerem Aufenthalt im Krankenhaus.

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Ich bin schon an einem Leistenbruch voroperiert. Kann ich auch mit der minimal-invasiven Methoden operiert werden?

Ja. Gerade bei einem Leistenbruchrezidiv ist die minimal-invasive Methode wegen den geringen operationstechnischen Problemen und der guten Übersicht von Vorteil.

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Zur Operation:

Die Operation kann ambulant oder stationär durchgeführt werden.

Wenn die Operation ambulant durchgeführt werden soll, muss gewährleistet sein, dass zu Hause der/die Patient/in nicht alleine lebt sondern jemand zumindest am ersten Tag nach der Operation als Begleitung da ist.

Wenn die Operation stationär geplant ist:

Was muß ich mitbringen?

Alle üblichen Toilettenartikel und Wechselkleidung wie für einen Kurzurlaub.

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Wie lange muß ich im Krankenhaus bleiben?

Im Normalfall dauert der stationäre Krankenhausaufenthalt ca. 1 – 3 Tage.

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Wie lange dauert die Operation?

Die Operation in Vollnarkose dauert ca. 1 Stunde.

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Was wird operiert? Wie wird operiert?

Das Ziel der Operation ist der Verschluß der Bruchlücke und die Verstärkung der Hinterwand des Leistenkanals. Dieses Ziel kann sowohl durch eine spezielle Nahttechnik (offene Operation nach Shouldice) wie auch durch die Einlage eines Kunststoffnetzes (offene Operation in der Technik nach Lichtenstein oder minimal-invasive „Schlüsselloch“-Operation) erreicht werden. Nur im Kindesalter und bei Patienten, die auf keinen Fall ein Kunststoffnetz haben wollen, führen wir die offene Operation nach Shouldice durch. Ansonsten operieren wir einen Leistenbruch in minimal-invasiver Technik auf welche wir spezialisiert sind. Bei Patienten, die eine Allgemeinnarkose ablehnen, oder lieber in Lokalanästhesie operiert werden wollen, wenden wir die Operationstechnik nach Lichtenstein an.

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Verhaltensweise nach der Operation:

Wie darf ich mich belasten? Wann darf ich wieder Sport treiben?

Nach einer Operation in minimal-invasiver Operationstechnik mit Einlage eines Kunststoffnetzes können Sie sich nach Entfernung des Nahtmaterials wieder wie gewohnt belasten. Ansonsten ist eine Einschränkung der körperlichen Belastung für mindestens 3 Wochen notwendig.

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