Kurzsichtigkeit BEI kleinkindern

In einem myopen Auge liegt der Brennpunkt des Lichtes nicht genau auf der Netzhaut, sondern davor. Dadurch erscheinen Gegenstände in der Nähe klar und deutlich, solche in größerer Entfernung werden eher unscharf gesehen.

Kurzsichtigkeit entsteht, wenn der Augapfel zu lang ist. Lichtstrahlen, die ins Auge fallen, bilden dann ihren Brennpunkt nicht genau auf der Netzhaut, sondern davor und führen zu einem unscharfen Bild auf der Netzhaut. Je früher Kinder kurzsichtig werden, desto stärker wird ihre Sehschwäche im Erwachsenenalter ausgeprägt sein, weil der Augapfel bis zum 30. Lebensjahr wächst. Einer der Spezialisten auf dem Gebiet ist Professor Dr. rer. nat. Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen.

Dr. Kaymak, Dr. Klabe und Prof. Dr. Schaeffel beim Innovationssymposium 2016

Genetische Veranlagung

Die Wahrscheinlichkeit, kurzsichtig zu werden, hängt auch davon ab, ob und wie viele Elternteile eines Kindes kurzsichtig sind. Doch allein durch eine Vererbung kann die deutliche Zunahme von Kurzsichtigkeit nicht mehr erklärt werden:

  • 10 % – wenn kein Elternteil kurzsichtig ist
  • 30 % – wenn ein Elternteil kurzsichtig ist
  • 60 % – wenn beide Elternteile kurzsichtig sind

Veränderte Sehgewohnheiten

Studien von Prof. Schaeffel zufolge, für die ihm 2012 der Europäische Sehforschungspreis verliehen wurde, wirken sich neben einer genetischen Veranlagung auch Umweltfaktoren wie Bildung, Beruf und Freizeitgestaltung auf die Entwicklung von Kurzsichtigkeit aus. Das liegt daran, dass die Abstimmung des Längenwachstums des Augapfels ein regelkreisgesteuerter Prozess ist. Zu viel Naharbeit und zu häufiger Aufenthalt in Innenräumen scheinen das Längenwachstum zu fördern, Tageslicht reguliert es. Warum Tageslicht? Es ist deutlich intensiver! Während Innenbeleuchtung zwischen 300 und 500 Lux liegt, beträgt der Wert im Freien 100.000 Lux an einem Sonnentag und immerhin noch 10.000 Lux an einem Regentag. Auch sportliche Betätigung kann sich positiv auf die Sehentwicklung auswirken. Noch effektiver ist es natürlich im Freien.

Diese Sehgewohnheiten fördern die Entwicklung von Kurzsichtigkeit:

  • Zu viel Aufenthalt in Innenräumen (zu wenig Licht).
  • Sehr viel und langandauernde Naharbeit (z.B. Lesen, Smartphonenutzung bei weniger als 30 cm Abstand)

Diese Sehgewohnheiten hemmen die Entwicklung von Kurzsichtigkeit:

  • Aufenthalt im Freien (mindestens eine, am besten zwei Stunden täglich)
  • Blick in wechselnde Entfernungen, z.B. beim Sport

Myopie bei Kindern

Sehschwächen rechtzeitig sehen
Vermehrtes Lesen, Arbeiten am Computer oder auch Fernsehen mit kurzer Sehdistanz führen vermutlich doch nicht zur Verschlechterung einer Kurzsichtigkeit. Hauptgrund für eine Myopie bei Kindern ist die erbliche Komponente. Die Diagnose einer Sehschwäche gestaltet sich naturgemäß schwieriger als bei Erwachsenen.
Von Nani Kail
Unkorrigierte Fehlsichtigkeiten erschweren einem Kind nicht nur das Lesen, auch die Merk- und Konzentrationsfähigkeit sind vermindert. Die Gefahr beim Spielen, beim Sport oder im Straßenverkehr steigt stark an. Eine Sehschwäche bei Kindern ist naturgemäß schwieriger festzustellen als bei Erwachsenen. Oft weisen erst Schwierigkeiten in der Schule und Kopfschmerzen unklarer Ursache auf eine vorhandene Fehlsichtigkeit hin.
„Durch die Akkommodationsfähigkeit des kindlichen Auges wird eine Weitsichtigkeit oft ausgeglichen und sogar eine Kurzsichtigkeit vorgetäuscht. Das ist nur durch eine augenärztliche Untersuchung nachzuweisen“, erklärt Univ. Prof. Ursula Schmidt-Erfurth, Vorstand der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie am AKH Wien, im Gespräch mit der ÖÄZ. „Durch den ständigen Anspannungszustand der Augenmuskel können Kinder Kopfschmerzen entwickeln. Im Prinzip sollte man daher jede Fehlsichtigkeit auskorrigieren. Geringe Kurzsichtigkeit lässt man aber in der Praxis oft unkorrigiert, weil die Kinder damit ganz gut zurechtkommen. Das ist subjektiv sehr unterschiedlich.“ Laut Schmidt-Er­furth sollte der kindliche Sehfehler bei Beschwerden je nach Alter des Kindes, auf jeden Fall im Schulalter bereits ab minus zwei Dioptrien, jedenfalls aber ab minus drei Dioptrien, korrigiert werden.
„Blinzelsucht“ erkennen
Der österreichische Mutter-Kind-Pass sieht vor, dass bereits Kleinkinder erstmals einem Augenfacharzt vorgestellt werden, denn das „Sehen lernen“ beginnt vom ersten „Augenblick“ an. Nur wenn auf der Netzhaut beider Augen ein gleichermaßen scharfes Bild entsteht, kann sich das beidäugige Sehen voll entwickeln. Der Zeitraum für diesen Lernprozess ist begrenzt. Versäumtes lässt sich nur innerhalb der ersten Lebensjahre nachholen, denn die Fähigkeit dazu verringert sich je nach Art der Störung von Jahr zu Jahr. Schon allein deshalb muss beim geringsten Verdacht, dass mit den Augen des Kindes etwas nicht stimmt, ein Augenarzt zu Rate gezogen werden.
Das Risiko, dass die Eltern eine Fehlsichtigkeit ihrer Kinder nicht bemerken, ist jedoch groß. Daher kommt auch der schulärztlichen Untersuchung eine bedeutende Rolle zu. Dazu Gudrun Weber, Schulärztereferentin der Österreichischen Ärztekammer: „Im Rahmen der jährlichen Vorsorgeuntersuchung wird vom Schularzt immer eine Visusprüfung durchgeführt. Bei Verdacht einer Fehlsichtigkeit erfolgt eine Zuweisung an den Augenarzt. Es darf den Eltern jedenfalls nicht empfohlen werden, gleich einen Optiker aufzusuchen, denn die fachärztliche Untersuchung ist bei Kindern unerlässlich.“ Denn um den Brechungsfehler und den Grad der Fehlsichtigkeit exakt ermitteln zu können, muss der Augenarzt bei Kindern die Anspannung der inneren Augenmuskel durch Eintropfen lösen. Schmidt-Erfurth: „Es besteht zwar kein allgemeiner Trend, dass die Kurzsichtigkeit bei Kindern zugenommen hätte. Aber es wird heute viel früher und genauer untersucht als noch vor einigen Jahrzehnten“.
Bei der Myopie handelt es sich um eine der häufigsten Formen von Fehlsichtigkeit. Etwa 25 Prozent der 20- bis 30-jährigen Europäer weisen eine Refraktion von kleiner als minus eine Dioptrie auf. Ist der Augapfel zu lang, laufen die vom vorderen Auge gebrochenen Strahlen in einem Punkt vor der Netzhaut im Glaskörper zusammen. Das Bild von weiter entfernten Gegenständen, das auf der Netzhaut ankommt, ist dann unscharf. Je größer die Längenabweichung des Augapfels von der normalen Kugelform ist, umso stärker ist die Unschärfe. Pro Millimeter Abweichung entsteht eine Fehlsichtigkeit von circa drei Dioptrien. Seltener kann Kurzsichtigkeit auch durch eine zu starke Brechkraft von einem der sehrelevanten Teile des vorderen Auges entstehen. Das kann eine Hornhautvorwölbung sein, eine zu runde oder zu weit vorne liegende Linse oder ein beginnender Grauer Star, bei dem die Linse trüb wird. Man unterscheidet daher zwei prinzipielle Formen der Kurzsichtigkeit: die sogenannte Brechungsmyopie bei normaler Augapfellänge aber zu starker Brechkraft, und die Achsenmyopie bei normaler Brechkraft aber zu langer Augenachse. Beide Formen sind der allgemeinen Lehrmeinung nach genetisch bedingt. Dennoch gibt und gab es schon vor mehr als hundert Jahren die unterschiedlichsten Vermutungen über die Entstehung der Kurzsichtigkeit. Von „Schülern welche höhere Unterrichtsanstalten besuchen durch den Einfluss der Naharbeit ein beträchtlicher Teil myopisch wird“, wurde schon 1889 (Einfluss hygienischer Maßregeln auf die Schulmyopie, Hippel A., Rickersche Buchhandlung) berichtet.
Die Bedeutung exogener Faktoren für die Entstehung wie beispielsweise intensive Naharbeit oder viel Lesen – vor allem bei schlechtem Licht – wird auch heute noch diskutiert. Durch mehrere Studien konnte gezeigt werden, dass die Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen in den Industrienationen deutlich häufiger ist als in den Entwicklungsländern. Es wurde vermutet, dass daran die viel stärkere Beschäftigung der Kinder mit „Nahobjekten“ wie beispielsweise Bilderbüchern, kleinformatigen Spielen oder dem Computer eine Ursache darstellt. Der Nachweis für diesen Zusammenhang ist – wissenschaftlich fundiert – nicht gelungen; es handelt sich dabei um statistisch wahrscheinliche Zusammenhänge. Aktuelle Untersuchungen deuten vielmehr auf einen beträchtlichen genetisch bedingten Anteil hin. Kinder, bei denen beide Elternteile kurzsichtig sind, haben von Anfang an größere Augäpfel. Die Wahrscheinlichkeit, kurzsichtig zu werden, ist signifikant größer als bei normalsichtigen Eltern. Schmidt-Erfurth bestätigt: „Man hat früher angenommen, dass vermehrtes Lesen, Arbeit am Computer oder Fernsehen mit kurzer Sehdistanz eine Kurzsichtigkeit verschlechtern kann. Wahrscheinlich ist das aber nicht so. Der Hauptgrund für eine Myopie bei Kindern ist die erbliche Komponente.“
Mythen und Märchen
Immer wieder geisterte auch die Behauptung durch die Medien, wonach das Anlassen eines Nachtlichtes im Kinderzimmer zur Kurzsichtigkeit führe. „Diese Annahme ist wissenschaftlich nicht fundiert“, erklärt Schmidt-Erfurth. Auslösend war eine amerikanische Studie: Forscher der Universität von Pennsylvania berichteten 1999 in einer Ausgabe des Fachjournals „Science“, dass Kinder, die bei Licht schlafen, ein fünfmal so hohes Risiko hätten, kurzsichtig zu werden, als Kinder, die im Dunkeln schlafen. Für die Studie wurden die Eltern von kurzsichtigen Kindern befragt, unter welchen Bedingungen die Kinder in den ersten Lebensjahren schliefen. Das Ergebnis wurde von Augenexperten der Universität Houston im Rahmen einer neuen Studie überprüft und konnte widerlegt werden. Bei genauerer Betrachtung stellte sich nämlich heraus, dass die Eltern dieser Kinder vermehrt kurzsichtig waren, und daher gerne ein Nachtlicht bei den Kindern tolerierten, weil sie sich nachts ohne Licht und Brille unsicherer fühlten als normalsichtige Eltern.
Übungen, mit denen Brechungsfehler wie die Kurzsichtigkeit ohne Brille oder Kontaktlinsen behandelt werden, können die unscharfe Abbildung auf der Netzhaut nicht beeinflussen. Betroffene lernen lediglich, das unscharfe Bild besser zu interpretieren. „Sehtraining wird zwar angeboten, aber es kann den physikalischen Aufbau des Auges nicht wirklich verändern“, ergänzt Schmidt-Erfurth, und weiter: „Sehhilfen verschlechtern eine Myopie keinesfalls. Denn eine ausgeglichene Refraktion führt zu einem entspannten Sehen, das den Maßen von Hornhaut, Linse und Augenlänge genau entspricht.“
Kontrolle und Korrektur
Risikofaktoren, gegen die man sich schützen könnte, sind nicht bekannt. Wichtig sind jedenfalls regelmäßige augenfachärztliche Kontrollen, um ein Fortschreiten der Myopie oder anderer krankhafter Veränderungen rechtzeitig zu erkennen. Denn wegen des erhöhten Risikos einer Netzhautablösung sind Patienten mit Myopie besonders sorgfältig auf Vorstufen der Amotio retinae zu untersuchen. Sowohl bei der Anpassung der ersten Brille als auch in regelmäßigen Intervallen danach ist deshalb eine Untersuchung des Fundus in Mydriasis erforderlich. Laut Langmann sollten die Kinder je nach Höhe der Myopie und Verlauf halbjährlich oder jährlich augenfachärztlich kontrolliert werden. Eine sogenannte Schulmyopie (Myopia simplex) entwickelt sich meist im Alter von zehn bis zwölf Jahren und nimmt nach dem 20. Lebensjahr meist nicht mehr zu. Schmidt-Erfurth: „Solange das Auge wächst, ändert sich auch noch die Kurzsichtigkeit“. Eine weitere Form der Kurzsichtigkeit, die sogenannte „benigne progressive Myopie“, stabilisiert sich meist erst im Alter von etwa dreißig Jahren. Bei der sehr seltenen Sonderform, der „malignen Myopie“, kommt es zu einer extremen Verformung des Auges mit bis zu 30 Dioptrien.
Die Korrektur der Myopie bei Kindern erfolgt in den meisten Fällen durch Anpassen einer Brille. Doch auch Kontaktlinsen sind laut Langmann durchschnittlich bereits für Kinder ab dem zwölften Lebensjahr geeignet: „Abhängig vom Kind und den Betreuungspersonen können sogar schon Säuglinge bei entsprechender Diagnose Kontaktlinsen tragen“. Auch für Kinder, die beispielsweise viel Sport treiben, bieten die heutigen Kontaktlinsenanpassungen große Vorteile. Neben der Korrektur durch die Brille und Kontaktlinsen wurde und wird versucht, die Kurzsichtigkeit durch den Einsatz von Medikamenten zu beeinflussen. Ein Medikament, das die Myopie aufhält oder gar rückbildet, konnte bisher aber nicht gefunden werden. Auch operative Eingriffe mittels Laser oder der Einsatz von implantierbaren Kunstlinsen kommen für das kindliche Auge laut Schmidt-Erfurth als Alternativen nicht in Frage. „Die Akzeptanz von Brillenträgern ist heutzutage in den Schulen allerdings sehr gut“, meint Schulärztereferentin Weber gegenüber der ÖÄZ. Das Tragen von kindgerechten Brillen fördert also nicht nur die gesunde Entwicklung der Kinder, sondern dürfte tatsächlich – spätestens seit Harry Potter – „salonfähig“ geworden sein.
© Österreichische Ärztezeitung Nr. 3 / 11.02.2008

Myopie bei Kindern: Diese Kontaktlinse soll kurzsichtige Kinder heilen

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Immer war Carla* die Letzte. Wenn nach dem Unterricht alle anderen Kindern ihren am Schultor wartenden Eltern entgegenliefen, war Carla nie dabei. Sie stand auf dem Schulhof und setzte sich erst in Bewegung, wenn ihre Mutter sie rief.

Furchtbar langsam war die Achtjährige auch beim Schreiben und Rechnen. Träumerliese nannte ihre Mutter sie – und machte sich Sorgen. Warum war Carla so tranig? Hatte sie eine Lernschwäche, psychische Probleme?

Doch dann war es ein Augenarzt, der eine einfache Antwort auf all diese Fragen fand: Carla ist kurzsichtig. Sie bekam eine Brille und ist seither gut in der Schule und meistens nicht mehr die Letzte auf dem Schulhof.

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An Myopie, der Kurzsichtigkeit, leiden immer mehr Kinder und Jugendliche. In den vergangenen Jahrzehnten hat ihre Zahl massiv zugenommen. In Großbritannien beispielsweise sind heute 23 Prozent der 12- und 13-Jährigen myop – in den 1960er-Jahren mussten nur knapp zehn Prozent eine Brille für das Distanzsehen tragen.

Ärzte warnen vor zunehmenden Augenleiden

Computermonitor, Tablet oder Smartphone – am Arbeitsplatz und auch zu Hause umgeben wir uns mit etlichen Bildschirmen. Doch wer stundenlang darauf starrt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass das auf Dauer nicht ohne Folgen bleibt.

Quelle: N24

In Europa sind 47 Prozent der 25- bis 29-Jährigen kurzsichtig. Auch in Deutschland gibt es diesen Trend. Die Ursache dafür erschüttert nicht nur Pädagogen: Kinder verlieren ihre Sehkraft, weil sie zu wenig draußen spielen und weil sie viel zu viel Zeit vor dem Computer sitzen.

Nachtlinsen drücken auf die Hornhaut

Um die Epidemie der Kurzsichtigkeit zu stoppen, diskutieren Experten den Einsatz von speziellen Kontaktlinsen. Die sogenannten orthokeratologischen Linsen, in der internationalen Fachliteratur meist „ortho-k“ oder „OK“ abgekürzt, werden nicht tagsüber getragen, sondern nachts.

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Sie sind gasdurchlässige formstabile („halbharte“) Kontaktlinsen mit einer sogenannten „reversen“ Geometrie. Die Linsen sitzen sehr fest auf dem Auge. Während des Schlafs drücken sie auf die Hornhaut des Auges, wodurch das Wachstum des Augapfels bei Kindern und Jugendlichen unterdrückt und ein Fortschreiten der Kurzsichtigkeit verhindern werden soll.

Denn: Ein überdurchschnittlich langer Augapfel bedeutet Myopie. Zudem verändern die Linsen die Geometrie der Hornhaut, wodurch die Kurzsichtigkeit vorübergehend verringert wird.

Viele Studien zum Thema OK-Linsen finden in Ostasien statt, da hier besonders viele Menschen kurzsichtig sind. In typischen Highschools in Singapur, Hongkong oder Taipeh trägt die große Mehrheit der Schüler eine Brille oder Kontaktlinsen mit „Minus-Werten“.

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Am stärksten betroffen sind epidemiologischen Studien zufolge Südkoreaner im Alter von 19 Jahren. 96,5 Prozent von ihnen sind myop. Bei Studenten der Universität Shanghai sind es 95,5 Prozent.

OK-Linsen hemmen Wachstum der Augäpfel

Wissenschaftler aus Australien haben in einer aktuellen Studie deshalb junge Ostasiaten zwischen acht und 16 Jahren untersucht. Die Wissenschaftler um Helen Adriana Swabrick nutzten dazu ein besonderes Studiendesign: Anders als bei klinischen Untersuchungen normalerweise üblich, fehlte in dieser Studie die Kontrollgruppe.

App kann helfen, Augenkrankheiten zu erkennen

In abgelegenen Gegenden Nepals werden Krankheiten wie Grüner Star zu spät erkannt – oft weil der Weg zum Arzt weit ist. Eine App kann Ärzten helfen, Krankheiten aus der Ferne festzustellen.

Quelle: Zoomin.TV

Stattdessen wurde das zweite Auge als Kontrollinstanz genutzt. Die Probanden, die eine Kurzsichtigkeit zwischen minus 1,0 und minus 4,0 Dioptrien hatten, bekamen in das eine Auge für ein halbes Jahr eine OK-Linse eingesetzt, die nachts getragen wurde.

Tagsüber wurde keine Linse getragen. Das andere Auge wurde tagsüber mit einer konventionellen sauerstoffdurchlässigen Kontaktlinse versorgt und war nachts ohne Linse.

Nach sechs Monaten ließen die Probanden die OK-Linse für eine Erholungsphase von zwei bis drei Wochen weg. Dann wurde ein Tausch in der Behandlung vorgenommen. Das bisherige OK-Linsenauge bekam eine normale Linse zur Sehkorrektur, das andere erhielt die OK-Therapie.

Insgesamt dauerte dieses Experiment ein Jahr. Zunächst sah es aus, als ob die Linsentherapie ein Erfolg wäre, berichten Helen Swabrick und ihr Team: Die Augäpfel des Auges mit OK-Linse wuchsen weniger in die Länge als die des jeweils unbehandelten Partnerauges. Eine solche Wachstumshemmung stellte sich über die nächsten sechs Monate auch auf dem anderen, nun mit der OK-Linse versorgten Auge ein.

Kurzsichtigkeit bildet sich deutlich zurück

Dank der Therapie nahm sogar die Kurzsichtigkeit im Durchschnitt von minus 2,43 Dioptrien auf minus 0,11 Dioptrien nach sechs Monaten ab. Nach dem Wechsel bildete sich auch die Myopie auf dem nun in der zweiten Studienphase behandelten Auge von durchschnittlich minus 2,60 Dioptrien auf minus 0,33 Dioptrien zurück.

Wunderwerk Auge

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Buntes Licht muss erst einmal durch Linse und Glaskörper, bevor es auf der Netzhaut eintrifft. Dort gibt es S-, M- und L-Zapfen für die Farben blau, grün und rot und Stäbchen für d…as Kontrastsehen. Quelle: Infografik WELT ONLINE/Infografik WELT ONLINE

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Stäbchen und Zapfen haben unterschiedliche Sehpigmente. Sie reagieren auf bestimmte Wellenlängen des Lichts – und damit auf die bestimmte Farben – verschieden stark. Quelle: Infografik WELT ONLINE/Infografik WELT ONLINE

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Die Sehrinde des Gehirns ist in 5 Regionen unterteilt. Hier werden unterschiedliche Informationen des Sehens verarbeitet, wie zum Beispiel Bewegung, Intensität und Kontraste. Quelle: Infografik WELT ONLINE/Infografik WELT ONLINE Anzeige

Doch schon während des einjährigen Tests erkannten die Forscher einen entscheidenden Haken bei dieser Methode. Denn die Kurzsichtigkeit des Auges, das im ersten halben Jahr nachts mit der OK-Linse behandelt worden war, nahm wieder zu. Die Laufzeit der Studie war zu kurz.

Es brauche auf mehrere Jahre angelegte Untersuchungen, sagen die Wissenschaftler. Nur dann lasse sich klären, wie lange Kinder oder Jugendliche die orthokeratologischen Linsen tragen müssen, bis eine Stabilisierung eintritt. Damit also auch nach Ende der Therapie das behandelte Auge nicht alles an überschüssigem Wachstum und damit an Tendenz zur Kurzsichtigkeit „nachholt“.

Eine chinesische Studie aus dem vergangenen Jahr hatte das Tragen dieser Linse über zwei Jahre hinweg untersucht und bei extrem kurzsichtigen Kindern eine Verlangsamung des Längenwachstums auf 0,18 Millimeter gegenüber 0,34 Millimeter in der Kontrollgruppe belegt. Es wurde aber nicht geklärt, wie lange die Linsentherapie andauern muss, damit ihre Effekte nicht wieder verloren geht.

Forscher warnen vor Infektionen

Die Therapie mit den Nachtlinsen bieten Augenoptiker nicht nur Heranwachsenden, sondern zunehmend auch Erwachsenen an. Im Idealfall stellt sich ein erstaunlicher Effekt ein: bei Menschen mit mäßiger Kurzsichtigkeit von etwa einer bis drei Dioptrien liegt die Dioptrienzahl am Morgen nach einer Nacht mit der Linse meist bei null.

Die Hornhautveränderung hat zu diesem kleinen Wunder geführt. Im Laufe des Tages kann die Wirkung der OK-Linse nachlassen: Wer morgens brillenfrei zur Arbeit fährt, kann am Abend wieder kurzsichtig geworden sein.

Zudem ist ungeklärt, ob das Kontaktlinsentragen bei Nacht nicht auch Risiken birgt. Der Hornhautexperte Thomas Reinhard, Direktor der Universitätsaugenklinik Freiburg, rät deshalb ab.

Während des Schlafs sei mit der Linse der Stoffwechsel auf der Augenoberfläche zu gering, sodass leichter Infektionen entstehen können. Bei normalen, tagsüber getragenen Kontaktlinsen sei dies jedenfalls eine gefürchtete Komplikation. Nachts könnte sich das Risiko verschärfen, das im Schlaf nicht geblinzelt und das Auge nicht häufig mit frischer Flüssigkeit benetzt wird.

Es gebe keine evidenzbasierte Analyse zum Risiko der Orthokeratologie, so Reinhard. Aber es gebe mehr als 400 Berichte, die von Infektionen bei einer OK-Linsentherapie berichteten. Das sei genug Anlass zur Sorge.

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In Freiburg wird demnächst ein Versuch mit tagsüber zu tragenden orthokeratologischen Linsen gestartet. Bei geringerem Komplikationspotenzial als nachts kann man besser erforschen, ob die OK-Linsen tatsächlich gegen Kurzsichtigkeit helfen.

Claras Mutter hat sich gegen die Linsen für ihre Tochter entschieden. Die Brille reicht. Und Clara soll häufiger im Freien spielen – denn das, so haben Studien gezeigt, bremst das Fortschreiten der Myopie.

Nachricht vom 26.07.2019Zunahme der Kurzsichtigkeit bei Kindern entgegenwirken

Kontaktlinsen können eine Option sein

23.07.2019 – Wenn Kinder kurzsichtig werden, dann sind Kontaktlinsen eine gute Möglichkeit, das Fortschreiten des Sehfehlers zu bremsen. Dr. Oliver Hoppe, Leiter des Ressorts Kontaktlinsen im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), erläutert die Hintergründe.

„Bis zum Alter von etwa acht Jahren sind die meisten Kinder tendenziell weitsichtig“, berichtet Dr. Hoppe – das war zumindest bisher die Regel. Doch die Sehgewohnheiten der Kinder ändern sich: Naharbeit – darunter verstehen Augenärzte das andauernde Schauen auf Objekte in einem Abstand von 30 cm oder weniger – nimmt zu. Auch und gerade Kinder erliegen der Faszination von Smartphones, Tablets und Computern und beschäftigen sich gerne ausdauernd damit. Diese Naharbeit fördert die Entstehung der Kurzsichtigkeit, warnt Dr. Hoppe. Über komplexe Mechanismen fördert sie das Wachstum des Augapfels: Wenn das Auge sich ständig auf Objekte in naher Entfernung fokussiert, dann entsteht in den Randbereichen der Netzhaut ein unscharfes Bild. Dies wiederum scheint Faktoren zu aktivieren, die das Längenwachstum des Auges anregen. Ein „zu langer“ Augapfel ist aber kurzsichtig. Dann brauchen die Kinder nicht nur für das Sehen in der Ferne eine Sehhilfe, sondern bei starker Kurzsichtigkeit steigt auch das Risiko für Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter. Deshalb gilt es zu vermeiden, dass der Sehfehler immer weiter zunimmt. Augenärzte sind bestrebt, das Wachstum der Augen zu bremsen, sie also im wahrsten Sinne des Wortes kurz zu halten.

Orthokeratologische Kontaktlinsen

Kontaktlinsen sind hier für manche Kinder eine Möglichkeit, dem Längenwachstum des Augapfels entgegenzuwirken. „Kontaktlinsen mit einer besonderen Geometrie, die nachts getragen werden, können die Hornhaut so formen, dass die Wirkung auch am Tag anhält“, erläutert Dr. Hoppe. Diese so genannten orthokeratologischen Kontaktlinsen sorgen dafür, dass die Hornhaut des Auges am Rand eine stärkere Krümmung erhält, so dass auch das äußere, periphere Netzhautbild scharf gestellt wird. Für diese Kontaktlinsen gibt es verschiedene Profile, die der Augenarzt auswählen kann, je nachdem wie groß das Risiko ist: Bei Kindern, deren Eltern bereits kurzsichtig sind oder auch bei Kindern asiatischer Herkunft ist die Gefahr einer Zunahme der Kurzsichtigkeit besonders groß. „Die Wirkung der orthokeratologischen Kontaktlinsen ist bis -4 Dioptrien als realistisch zu sehen. Eine geringe Hornhautverkrümmung bis etwa 0,75 Dioptrien kann eventuell mit korrigiert werden. Höhere Werte werden oft nicht vollständig ausgeglichen“, erläutert Dr. Hoppe. Wenn ein Kind die nachts getragenen orthokeratologischen Linsen nicht verträgt oder sich dagegen wehrt, dann besteht auch die Möglichkeit, denselben Effekt mit über den Tag zu tragenden Linsen zu simulieren. So kann der Augenarzt dem Kind und den Eltern verschiedene Optionen anbieten.

Allerdings erfordert die Therapie eine sorgfältige, fachkundige Begleitung. Wichtig ist es, dass die Augen regelmäßig augenärztlich untersucht werden. Insbesondere die Versorgung der Hornhaut mit Sauerstoff ist dabei zu beobachten. Denn Kontaktlinsen behindern eventuell die Sauerstoffversorgung der Hornhaut, was zu Schäden führen kann. Bei den nachts getragenen Linsen ist dieses Problem besonders zu beachten, da bei geschlossenen Lidern ohnehin schon weniger Sauerstoff an die Augenoberfläche gelangt. Auch die beim Tragen von Kontaktlinsen stets zu beachtenden Hygieneregeln müssen genau erläutert werden. Insbesondere bei den orthokeratologischen Kontaktlinsen werden Infektionen der Augenoberfläche häufiger beobachtet als bei tagsüber getragenen Linsen.

Therapie mit Augentropfen

Augentropfen, die niedrig dosiertes Atropin (0,01%) enthalten und die abends ins Auge getropft werden, sind eine weitere Möglichkeit, die Kurzsichtigkeit auszubremsen. Diese Behandlung kann kurzsichtigen Kindern im Alter zwischen etwa sechs und 14 Jahren angeboten werden, wenn die Kurzsichtigkeit um mindestens 0,5 Dioptrien pro Jahr zugenommen hat. Die Augentropfen können mit Kontaktlinsen kombiniert oder auch als alleinige Therapie eingesetzt werden, meint Dr. Hoppe. Aber nicht jedes Kind spricht auf diesen Therapieversuch an. Diese Form der Behandlung, die in Asien in großen Studien getestet wurde, wird in Deutschland – anders als etwa in Österreich – nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt. Dr. Hoppe betont, dass eine gründliche augenärztliche Untersuchung die Grundlage für die Behandlung ist.

Der BVA empfiehlt, aktiv zu werden, wenn Kinder im Schulalter kurzsichtig werden. Augenärzte beraten über die geeignete Therapie und begleiten die Kinder, bis sie erwachsen sind und auch die Augen nicht mehr weiter wachsen.

Noch besser ist es natürlich, wenn ein Kind gar nicht erst kurzsichtig wird. Deshalb rät auch Dr. Hoppe allen Eltern, ihre Kinder möglichst zwei Stunden am Tag im Freien spielen zu lassen – denn dann sinkt das Risiko für die Kurzsichtigkeit. Und die Zeit, die mit Naharbeit verbracht wird – also auch mit Smartphones, Tablets und Co – sollte sich in Grenzen halten.

Weitere Informationen zum Thema Auge und Sehen inklusive Bild- und Statistikdatenbank: https://augeninfo.de/cms/hauptmenu/presse/aktuelle-presseinfo.html

Zuletzt geändert am 26.07.2019 09:56

Kurzsichtig: Zwei Tropfen Hoffnung für Kinderaugen

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Die Eltern sollen ihren Kindern in jedes Auge einen Tropfen geben, am Abend vor dem Schlafengehen, und zwar an jedem Abend. Es ist eine Behandlung, die offiziell in Deutschland noch nicht zugelassen ist. „Die Eltern sind dankbar für diese Möglichkeit, die Kinder klagen nicht über Nebenwirkungen“, sagt Wolf Lagrèze, der Arzt, der die Tropfen empfiehlt.

Das Mittel, das in ihnen enthalten ist, heißt Atropin, es kommt in der Natur in der Schwarzen Tollkirsche oder dem Stechapfel vor.

Lagrèze bezieht die Tropfen mit dem Wirkstoff aus einer Apotheke. Die dort hergestellte Lösung ist frei von Konservierungsstoffen und auf 0,01 Prozent verdünnt. Wolf Lagrèze ist Leitender Arzt an der Klinik für Augenheilkunde an der Uniklinik Freiburg, er ist unter anderem auf die Behandlung von Augenerkrankungen im Kindesalter spezialisiert.

Kurzsichtigkeit auch durchs Handy

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Die Tropfen sollen eine Augenerkrankung aufhalten, die sich rasant ausbreitet. Immer mehr Kinder verlieren schon im frühen Schulalter die Fähigkeit, auch weiter entfernte Dinge scharf zu sehen. Die Kinder werden kurzsichtig. Ärzte sagen: Sie entwickeln eine Myopie.

In Europa sind schon 47 Prozent der 25-Jährigen kurzsichtig. Die Zahl hat eine Forschergruppe im vergangenen Jahr ermittelt. Dass die Kinder und jungen Erwachsenen den scharfen Blick in die Ferne einbüßen, hat auch damit zu tun, dass viele von ihnen den Blick zu selten in die Ferne richten. Sondern lieber und viel zu lange auf Bildschirme direkt vor ihrer Nase schauen.

Bildschirm-Starren kann massive Augenschäden verursachen

Fehlende Weitsicht: Viele Kinder sitzen stundenlang vor dem Computer oder spielen mit dem Smartphone. Das Ergebnis: Kurzsichtigkeit. Das zeigt eine Studie des Zentralverbandes der Augenoptiker.

Quelle: Die Welt

Aber auch Bücher sind für die noch wachsenden Augen auf die Dauer nicht gut, denn auch beim Lesen übt man nur das Nahsehen. Doch die Neigung zur Kurzsichtigkeit ist auch erblich, Forscher kennen inzwischen eine Anzahl von Genen, mit denen ein erhöhtes Risiko vererbt wird.

Myopie-Tropfen vor dem Schlafengehen

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Vorschulkinder merken meist gar nicht, dass ihre Sehkraft nachlässt. In der Schule können sie dann vielleicht aus der letzten Reihe im Klassenraum nicht lesen, was der Lehrer vorn an die Tafel schreibt. Später rücken sie Sitzreihe um Sitzreihe nach vorn, weil ihre Augen immer schlechter werden. Man spricht dann von einer fortschreitenden oder progredienten Myopie. Dieses Fortschreiten sollen die Atropin-Tropfen vor dem Schlafengehen stoppen.

Es ist eine neue Anwendung für ein altbekanntes Mittel. Die Tropfen werden von Augenärzten bisher etwa dafür benutzt, die Pupillen vor einer Untersuchung zu weiten. Der Ophthalmologe Wolf Lagrèze verordnet sie Kindern im sogenannten „off label use“.

Nun kann er sich dabei auf eine aktuelle Metaanalyse berufen, für die Ärzte 16 Studien ausgewertet haben, in denen die Behandlung kurzsichtiger Kinder untersucht wurde. Die Auswertung ergab, dass ein Mittel allen anderen überlegen ist, wenn es darum geht, eine weitere Verschlechterung der Sicht zu verhindern: die Behandlung mit Atropin-Augentropfen.

In Asien sind mehr Kinder kurzsichtig als in Europa

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Die Studien stammten überwiegend aus Asien. Dort sind noch mehr Kinder und Jugendliche kurzsichtig als in Europa, dort wird auch Atropin schon länger erprobt, um die Epidemie zu stoppen. Teilweise auch in Lösungen, die hohe Konzentrationen von bis zu einem Prozent des Stoffs enthalten.

Warum das Mittel wirkt? „Bleibt unklar“, schreiben die Forscher um Jinhai Huang von der Medizinischen Universität Wenzhou in China. Ihre Auswertung ergab, dass die hoch konzentrierten Tropfen am besten wirken, bei den Kindern recht häufig aber auch Lichtempfindlichkeit oder Sehstörungen auslösen. Das mit 0,01 Prozent niedrig dosierte Atropin habe sich, was Wirkung und Nebenwirkungen betrifft, als „die effektivste Intervention“ herausgestellt.

Wolf Lagrèze und seine Kollegen haben in Freiburg inzwischen schon mehr als hundert Grundschulkinder mit diesen Tropfen behandelt. Am Morgen, nachdem ihre Eltern ihnen das erste Mal die Tropfen verabreicht haben, schauen sich die Ärzte in der Klinik die Augen der Kinder an.

In China sollen „Abstandshalter“ die Augen von Schülern schonen Quelle: pa/dpa/Imaginechina

Bislang fehlen Studien

Relevante Nebenwirkungen habe man bisher nie festgestellt, die Kinder hätten auch nicht über Sehstörungen geklagt, sagt Lagrèze. Auch bei den Nachuntersuchungen nicht, die er alle sechs Monate ansetzt.

„Bei fast allen Kindern konnte das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit gestoppt oder zumindest verlangsamt werden“, sagt er. Diese klinischen Erfahrungen ersetzen allerdings keine wissenschaftlichen Studien. Solche Studien fehlen bisher für Deutschland und Europa. Manche Forscher nehmen etwa an, dass die Augen von Kindern asiatischer Abstammung anders auf Atropin reagieren, auch das müsste genauer untersucht werden.

Man hätte dann vielleicht bald ein Medikament für alle Kinder, deren Augen schon früh kurzsichtig werden. Eine moderne Lösung für ein modernes Problem.

Zwei Stunden Tageslicht pro Tag empfohlen

Besser sei natürlich, dieses Problem entstehe erst gar nicht, sagt der Kinderaugenarzt. Es gebe ein recht einfaches, seit Langem bekanntes Mittel zur Vorbeugung. Kurzsichtigkeit lässt sich nicht rückgängig machen, im Alter ist eine hohe Kurzsichtigkeit ein Risikofaktor für Grauen oder Grünen Star.

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Die beste Prophylaxe in der Kindheit ist Tageslicht. Und zwar viel Tageslicht. Mindestens zwei Stunden am Tag sollte jedes Kind draußen verbringen, bei Sonnenschein wie bedecktem Himmel, und den Blick frei herumschweifen lassen. Lagrèze empfiehlt das Tageslicht auch seinen kleinen kurzsichtigen Patienten – zusätzlich zu den Tropfen am Abend.

In Taiwan sind zwei Stunden Tageslicht inzwischen Teil des Schultags. In den Pausen müssen alle an die Luft. Die Zahl der kurzsichtigen Kinder soll in Taiwan inzwischen zurückgehen.

In abgelegenen Gegenden Nepals werden Krankheiten wie Grüner Star zu spät erkannt – oft weil der Weg zum Arzt weit ist. Eine App kann Ärzten helfen, Krankheiten aus der Ferne festzustellen.

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