Kuhmilch baby ab wann

Babynahrung: Alles Quark!

Dipl. oec. troph. Ulrike Becker

Die Lebensmittelindustrie macht vor keiner Zielgruppe halt: Baby-Puddings und Milchdesserts gibt es schon für Säuglinge ab dem siebten Monat. Experten halten diese Produkte nicht nur für überflüssig, sondern sogar für schädlich.

Säuglinge bekommen neben Mutter- oder Flaschenmilch ab dem 5. bis 6. Lebensmonat allmählich Beikost. Ernährungswissenschaftler sind sich einig, was für die optimale Entwicklung der Kleinen ideal ist (s. Kasten unten). Baby-Pudding oder Fruchtzwerge mit einer extra Portion Milch und Calcium gehören sicher nicht dazu. Doch mit speziellen Kinderlebensmitteln lässt sich nun einmal viel Geld verdienen. Daher wundert es kaum, dass bereits für erst sieben bzw. acht Monate alte Babys immer mehr eigens kreierte Zwischenmahlzeiten und Desserts auf dem Markt sind. Sie enthalten als wesentlichen Bestandteil Kuhmilch oder Kuhmilchprodukte. Produkte wie Joghurt- und Quark-Töpfchen, Frucht & Joghurt oder Früchte Duett werben mit Formulierungen wie „speziell auf die besonderen Ernährungsbedürfnisse von Babys abgestimmt“ oder „So sieht eine gesunde Babyzwischenmahlzeit aus!“. Die Werbesprüche suggerieren den Eltern, die Produkte seien die optimale Ergänzung zum normalen Speiseplan. Selbst kritische Eltern lassen sich durch das geschickte Marketing verunsichern, ob ihre Klein-sten nicht doch von dem Angebot profitieren. Doch Profit machen einzig die Hersteller.

Zu viel Eiweiß belastet die Nieren

Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ) hält die proteinreichen Beikostprodukte für Säuglinge nicht nur für überflüssig, sondern sogar für schädlich. Im zweiten Lebenshalbjahr nimmt ein Säugling mit der üblichen Beikost über den Getreide-Milch-Brei etwa 200 ml Milch pro Tag auf, zusätzlich trinkt er eine Portion Mutter- bzw. Ersatzmilch. Bei vielen Kleinkindern ist es damit jedoch noch nicht getan. Sie bekommen darüber hinaus noch Milch oder Milchprodukte, weil diese als Calciumlieferanten ein überaus positives Image haben. Daher nehmen schon sechs bis zwölf Monate alte Babys mehr Eiweiß auf, als sie benötigen. Zusätzliche Milchprodukte wie die neuen Joghurt- oder Quarktöpfchen würden die Eiweißzufuhr weiter steigern und insbesondere die Nieren und den Stoffwechsel belasten. Denn wenn der Körper viel Eiweiß aufnimmt, muss er über die Nieren zusätzlich auch viel Harnstoff – ein Abbauprodukt im Eiweißstoffwechsel – ausscheiden. Zudem ist die sogenannte renale Molenlast bei Kuhmilch mehr als dreimal so hoch wie bei Muttermilch. Das heißt, dass für eine ausgeglichene Wasserbilanz des Körpers mehr Flüssigkeit benötigt wird. Und die Flüssigkeitszufuhr ist bei Kindern ohnehin häufig zu gering.

Die Ernährung im 2. Lebenshalbjahr

Der UGB empfiehlt, ab dem 5.-6. Lebensmonat eine Milchmahlzeit zunächst durch einen Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei zu ersetzen. Einen Monat später sollte eine weitere Milchmahlzeit durch einen Getreide-Obst-Brei ausgetauscht werden. Vier Wochen später ergänzt dann ein Vollmilch-Getreide-Brei den Speiseplan der Kleinen. Zu den verbleibenden Mahlzeiten trinken die Säuglinge weiterhin Mutter- bzw. Ersatzmilch. Ab dem 10. Monat können allmählich eine Brot-Milch-Mahlzeit und Zwischenmahlzeiten wie Obst die Breie ablösen. Der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei bleibt das ganze erste Jahr empfehlenswert, wobei die Kinder Schritt für Schritt an der Familienkost teilhaben sollten.

Pummelchen sind vorprogrammiert

Epidemiologische Studien zeigen, dass Säuglinge und Kleinkinder im späteren Leben häufiger übergewichtig werden, wenn sie in jungen Jahren zu viel Eiweiß aufnahmen. Denn eine hohe Proteinzufuhr im Säuglingsalter erhöht die Konzentrationen freier Aminosäuren im Blut. Dadurch wird die Ausschüttung von Insulin und dem Insulin like Growth Factor-1 (IGF-1) stimuliert. Dieser Faktor, der von Nervenzellen des peripheren und zentralen Nervensystems gebildet wird, fördert das Wachstum von Neuriten (Fortsätze der Nervenzellen) und Muskeln. Experten vermuten, dass der IGF-1 auch das Gewebewachstum aktiviert. Dazu passen die Beobachtungen, dass gestillte Kinder seltener übergewichtig werden als nicht gestillte. Denn Flaschenkinder nehmen über die Ersatzmilch mehr Eiweiß auf als Muttermilch-babys. Ein weiteres Manko der proteinreichen Zwischenmahlzeiten ist, dass sie andere Mahlzeiten vom Speiseplan verdrängen. Einzelne Nährstoffe wie Kohlenhydrate oder Ballaststoffe bleiben dabei auf der Strecke. Auf die Warenvielfalt sollte auch aufgrund der Aroma- und Farbstoffe besser verzichtet werden.

Die Milch macht’s nicht für die Kleinsten

Ein zusätzliches Milchfläschen ist in den ersten zehn bis zwölf Lebensmonaten ebenfalls nicht empfehlenswert. Denn Kuhmilch liefert deutlich mehr Eiweiß als Muttermilch, aber wenig Eisen und behindert gleichzeitig die Aufnahme dieses wichtigen Spurenelements aus anderen Lebensmitteln. Zudem führt sie bei Säuglingen häufig zu unbemerkten Blutverlusten im Stuhl. Studien deuten darauf hin, dass auch durch fermentierte Milchprodukte wie Joghurt die Eisenversorgung im zweiten Lebenshalbjahr beeinträchtigt werden kann. Mit Beginn des zweiten Lebensjahres können Kleinkinder dann etwa 300 Gramm Milch oder Milchprodukte pro Tag trinken bzw. essen. Wenn Milch den Kleinen nicht schmeckt, ist Joghurt eine gute Alternative. Quark ist dagegen weniger geeignet, weil er viel Eiweiß, aber wenig Calcium liefert.

Dieser Beitrag ist im UGB-FORUM mit dem Schwerpunktthema
Von klein auf vollwertig
erschienen.

Spezielle Kleinkinder-Milch – ein weiterer PR-Gag der Lebensmittelindustrie – ist ebenfalls völlig überflüssig. Diese Mixturen aus Voll- und Magermilch, Milchpulver und zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen sind ernährungsphysiologisch alles andere als sinnvoll. So gibt es Produkte, denen beispielsweise Eisen zugesetzt wird. Doch Milch liefert natürlicherweise gar kein Eisen. Dafür enthält Kleinkinder-Milch weniger Calcium als Kuhmilch, obwohl Milch die wichtigste Calciumquelle in der Nahrung ist. Die stark verarbeiteten und gesüßten Produkte sind auch deshalb kritisch zu sehen, weil sie die Kinder von klein auf an einen künstlichen Geschmack und eine extra Rolle beim Familienessen gewöhnen. Nicht zuletzt sind die Produkte deutlich teurer als herkömmliche Kuhmilch. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass Kleinkinder im ersten Lebensjahr neben dem Getreide-Milch-Brei keine Joghurt- und Quarkspeisen sowie andere milchhaltige Beikost erhalten sollten. Als Zwischenmahlzeiten sind Obst bzw. Obstmus und Getreideprodukte nach wie vor am besten geeignet.

Onlineversion von:
Becker U. UGB-Forum spezial: Von klein auf vollwertig. S 40-41, 2010
Foto: K. Arbeiter

Einmal im Monat informiert Sie der UGB-Newsletter kostenlos über:

• aktuelle Fachinfos
• Neues aus der Wissenschaft
• Buch- und Surftipps
• Rezept des Monats
• Gemüse und Obst der Saison
• Stellenangebote im Bereich Ernährung/
Umwelt/Naturkost
• UGB-Veranstaltungen und neue Medien

3 Hefte für nur 15 € statt 25,50 €.
Dazu erhalten Sie ein Geschenk zum Auswählen.

3 Hefte im Miniabo
+ Geschenk



Verwandte Stichwörter …

Alle Artikel zum Thema Joghurt …

Kuhmilch – lieber nicht zu viel für kleine Kinder

Milch ist gesund. Besonders Kleinkinder sollten regelmäßig Milch trinken. Das wurde bisher häufig pauschal so empfohlen.

Neueste Erkenntnisse zeigen jedoch, dass Kuhmilch einen hohen Eiweißgehalt aufweist und deshalb in großer Menge für Kleinkinder nicht empfehlenswert ist.

Im Gegenteil, die hohe Eiweißzufuhr im Kleinkindalter kann möglicherweise sogar zu späterem Übergewicht führen. Experten warnen davor, Kleinkindern zu viel Kuhmilch zu geben. Kuhmilch enthalte zu viel Eiweiß und wenig andere wichtige Nährstoffe wie Eisen, Jod und Vitamin D, so die Erklärung. Nach aktuellen Studien spiele die erhöhte Eiweißaufnahme in späteren Jahren eine entscheidende Rolle für erhöhtes Körpergewicht. Danach fördere eine solche Ernährung im Kleinkindalter das Risiko an Übergewicht zu erkranken.

Zuviel Eiweiß macht dick

Speziell für die frühkindliche Entwicklung ist die richtige Zusammenstellung von Proteinen, Nährstoffen und Spurenelementen sehr wichtig. Der Gehalt an Eiweiß in Kuhvollmilch liegt mit 3,38g/100ml schon in einem bedenklichen Bereich. Mit der vom Forschungsinstitut für Kinderernährung empfohlenen täglichen Verzehrsmenge von 300ml werden bereits 70 Prozent des gesamten täglichen Proteinbedarfs gedeckt. Der übermäßige Konsum von weiteren eiweißhaltigen Lebensmitteln wie beispielsweise Fleisch, Wurst, Eiern und anderen Milchprodukten führt dazu, dass die Eiweißzufuhr bei Kleinkindern in Deutschland bis zu dreimal höher ist, als die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Werte. Und zuviel Eiweiß macht dick.

Im Rahmen der seit 1985 laufenden Langzeitstudie „DONALD“ des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund konnte nachgewiesen werden, dass einjährige Kleinkinder mit einer hohen Proteinzufuhr im Alter von sieben Jahren einen höheren BMI (Body mass index) aufweisen, als Kinder mit konstant niedriger oder wechselnder Proteinzufuhr. Auch andere internationale Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen hoher Proteinzufuhr im Kleinkindalter und einem erhöhten Übergewicht-Risiko im späteren Lebensalter hin.

Ernährung und Hormone

Unter einer hyperkalorischen, eiweißreichen Ernährung kommt es im Stoffwechsel zu messbaren Veränderungen: Bei Kindern steigt die Konzentration von IGF-1 (Insulin-like growth factor) im Blut an. Dieser Wachstumsfaktor stimuliert nicht nur das Längenwachstum sondern auch das Wachstum des Fettgewebes durch die Bildung von Fettzellen. IGF-1 regt die Zellteilung von Vorläuferzellen an, die dann in der Folge neue Fettzellen bilden.

Kuhmilch: Inhaltsstoffe nicht kindgerecht

Unbestritten ist: Kuhmilch fungiert als ein wichtiger Nährstofflieferant für Kleinkinder – insbesondere für eine Versorgung mit Calcium ist Kuhmilch verantwortlich. Trotzdem enthält Kuhmilch einige wichtige Nährstoffe nicht in einer ausreichenden Menge, um Kleinkinder optimal mit all dem zu versorgen, was sie in der wichtigen Wachstums- und Lernphase brauchen.

So ist der Eisengehalt in Kuhvollmilch zu gering, um den Bedarf eines Kleinkindes zu decken, der für die körperliche und intellektuelle Entwicklung wichtig ist. Ebenso verhält es sich mit der Versorgung des für gesunde Knochen und Zähne wichtigen Vitamin D. Auch die Unterversorgung mit Jod ist ein in Deutschland großes Problem. Jod ist wichtig für die Funktion der Schilddrüse und in Kuhmilch nur in Spuren enthalten – zu wenig, um Kleinkinder mit der notwendigen Menge an Jod zu versorgen, die sie für ihre geistige Entwicklung brauchen. Zu einer gesunden Ernährung gehören auch mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, die aber in normaler Kuhvollmilch nur in geringem Maße vorhanden sind. Sie sind für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen gleichfalls von großer Bedeutung und können vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Die DONALD-Studie kann auch hier nachweisen, dass die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren bei zwei bis dreijährigen Kindern zu niedrig ist.

Zukunft der Milch in der Kinderernährung: Neue Wege zur optimalen Versorgung

Um die optimale Ernährung von Kindern zu gewährleisten, sollte die Eiweißzufuhr beschränkt bleiben. Dazu ist es vor allem wichtig, dass Milch ab 1 Jahr nicht mehr den wesentlichen Teil der Ernährung darstellt und die Kinder ganz normal mit der Familie am Tisch mitessen. Je nach Ernährungsgewohnheiten in der Familie kann es sinnvoll sein, statt normaler Kuhvollmilch eine speziell auf die Bedürfnisse von Kleinkindern angepasste „Kindermilch“ anzubieten.

Als Grundlage für diese, im Handel angebotene Kindermilch dient Kuhmilch, der aber ein Teil des Eiweißgehaltes entzogen wurde. Zudem wird Kindermilch mit Eisen, Jod, Vitamin D und der Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure in genau abgestimmter Menge angereichert. So wird der Bedarf an diesen lebens- und entwicklungsnotwendigen Nährstoffen sicher gedeckt. Untersuchungen zeigen, dass spezielle Kindermilch zu einer Verbesserung der Ernährungssituation führen kann. So unterstützt sie eine optimale kleinkindgerechte Versorgung, die zu einer positiven Gewichtsentwicklung des Kindes mit beiträgt.

von Anne Malburg, Diplom-Journalistin

Zuletzt überarbeitet: April 2019

Viel ist nicht immer gut: Fakten zur Eiweiß-Zufuhr im Kleinkinder-Alter

  • Eiweiß ist ein ganz wichtiger Bestandteil der täglichen Ernährung
  • Jedoch wird auch von Kindern tendenziell eher viel Eiweiß verzehrt
  • Wichtig ist, nicht nur auf die Menge, sondern auch auf die Qualität zu achten
  • Gute Eiweißquellen sind neben Milch und Milchprodukten auch pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte
  • In unserer Grafik zeigen wir euch wie viel Eiweiß in welchen Lebensmitteln steckt

Eiweiß ist ein unabdingbarer Baustein für unseren Körper. Für gesundes Wachstum ebenso wie für ein funktionierendes Immunsystem und die Balance der Hormone. Auch Kleinkinder benötigen ein gewisses Maß an Proteinen, damit sie gut gewappnet sind für die herausfordernde Wachstums- und Entwicklungsphase im zweiten und dritten Lebensjahr. Und eiweißhaltige Nahrungsmittel stehen bei Kindern meist hoch im Kurs: Milch und Eier gehören zum festen Speiseplan in vielen Familien, auch Fleisch und Wurst wird oft und viel verzehrt. An ausreichend Eiweiß mangelt es also in der Regel nicht. Vielmehr stellt sich die Frage: Was geschieht, wenn Kinder zu eiweißreich essen? Wir gehen dieser Frage hier einmal nach.

Studien: Auch auf die Eiweißmenge achten

Studien zur Kleinkindernährung kommen hier zu interessanten Ergebnissen: Ein konstantes Zuviel an Eiweiß im Kleinkindalter kann nämlich zu einem erhöhtem BMI und Fettanteil im Grundschulalter führen. Das bedeutet: Nicht nur ein Übermaß an Zucker und Fett kann dick machen, sondern auch zu viel Eiweiß.

Und die Studien ergaben auch: Kinder in Deutschland trinken durchschnittlich zu viel Milch und essen zu viele Milchprodukte sowie fettreiche und verarbeitete Fleisch- und Wurstwaren. Obst und Gemüse sowie Vollkorn-Produkte kommen ebenso wie Fisch zu wenig auf den Tisch. Auch getrunken wird zu wenig – viel weniger als die empfohlenen sechs Trinkportionen am Tag und dann auch oftmals noch die falschen Getränke – Limonaden und andere gesüßte Getränke statt Wasser, Tee oder dünne Saftschorle.

Ein heikles Thema, dem man als Eltern gegenübersteht, denn Milch wie Kuhmilch oder Kindermilch sowie Milchprodukte gehören wie Fleisch und Wurst für viele Familien zur täglichen Kost. Diese Nahrungsmittel komplett zu streichen ist aber gar nicht notwendig und auch nicht sinnvoll, da sie neben Eiweiß noch viele weitere Nährstoffe enthalten, die wichtig für Wachstum und Entwicklung sind. B-Vitamine und Kalzium beispielsweise. Man sollte aber auf auf die Menge und die Qualität achten. Problematisch sind insbesondere Produkte, die nicht nur eiweiß- sondern gleichzeitig auch fettreich sind.

Wichtig ist im Hinterkopf zu behalten: Eiweiß an sich ist nicht „schlecht“, sondern ein ganz wichtiger Baustein der Ernährung! Es kommt aber darauf an, wie es „verpackt“ ist und auch, ob es sich um tierisches oder pflanzliches Eiweiß handelt. Letzteres ist besonders wertvoll, gerade wenn man tierisches Eiweiß reduzieren möchte und ist beispielsweise in Hülsenfrüchten enthalten, aber auch in Vollkornprodukten (auch in Vollkorn-Pasta), Haferflocken oder „Pseudo-Getreide“ wie Quinoa.

Auf Maß und Qualität achten

Das Maß macht wie so oft die Musik: Als Richtlinie werden für Kleinkinder bis zum 3. Geburtstag pro Tag 300 bis 330 ml Milch empfohlen. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass diese Menge reduziert werden sollte, wenn zusätzlich auch viele Milchprodukte gegessen werden. So entsprechen 30g Weichkäse oder 15g Schnittkäse jeweils 100 ml Milch. Auch Quark, Joghurt und Frischkäse gehören dazu.

Was also tun? Hat man dann den Eindruck, der Speiseplan der kleinen Familienmitglieder ist zu eiweißlastig, kann man gegensteuern: Vor allem die Portionen an Gemüse erhöhen (Obst wird meist ausreichend verzehrt). Die Milchmenge sowie den Verzehr von Milchprodukten auf die empfohlenen Mengen reduzieren. Auch Wurst sollte man etwas sparsamer auf den Tisch bringen und fettärmere Varianten wie mageren Schinken wählen. Fisch hingegen darf es ruhig öfter mal geben, denn er beliefert den Körper mit wichtigem Jod und Omega3-Fettsäuren. Hülsenfrüchte sind ebenfalls proteinreich, sollten aber in der Kleinkindernährung nicht fehlen und liefern wertvolle Ballaststoffe, Mineralien und Vitamine – keine Angst vor Blähungen! Die meisten Kinder vertragen Erben, Linsen und Co sehr gut. Statt Butter schmeckt Nussmus als Brotaufstrich und liefert pflanzliches Eiweiß, Fette und Ballaststoffe.

Die einfache Faustformel lautet: Abwechslung in den Speiseplan bringen.

Kindermilch als Alternative

Eine Alternative stellt zudem Kindermilch dar. Sie ist eine speziell auf die Bedürfnisse von Kleinkindern im 2. und 3. Lebensjahr angepasste Milch mit altersgerechter Rezeptur für genau diese Lebensphase. Unter anderem ist ihr Eiweißgehalt reduziert. Daneben liefert sie Vitamin D, Kalzium, Jod, Kalzium und einer verbesserten Fettqualität. Sie ist einsetzbar wie jede andere Milch und schmeckt auch im Müsli oder mit pürierten Früchten als Obstmilch (siehe dazu unser Artikel zum Thema Frühstück).

Unsere Checkliste zum Thema Eiweiß

Wer auf das richtige Maß achtet und seinen Speiseplan ausgewogen gestaltet, ist auf dem richtigen Weg. Grundsätzlich ist es durchaus ratsam, einmal einen Blick auf gängige Ernährungspyramiden und Empfehlungen zu werfen und seine tägliche Kost ab und an einem kritischen Blick zu unterziehen. Denn auch für Erwachsene gilt: Ein Zuviel ist oftmals nicht gut. Und die Eltern bestimmen mit ihrer Vorbildfunktion maßgeblich die Essgewohnheiten ihrer Kinder.

Als Anhaltpunkt und kleine Hilfestellung, um die persönliche tägliche Eiweiß-Zufuhr zu checken, haben wir eine Grafik zu Thema Eiweiß und Kleinkinder entwickelt. Hier findet ihr die wichtigsten Eiweißlieferanten, die empfohlenen täglichen Mengen sowie Möglichkeiten zur Eiweiß-Reduktion in einer handlichen Übersicht.

Gerne könnt ihr die Infografik verwenden, um sie weiter zu teilen. Fügt dazu einfach folgenden Code auf eurer Webseite ein:

Milch für Kinder: Wie viel und welche ist die richtige?

Diese Milch kann Ihr Kind trinken

Viele Mütter sind verunsichert, wie sie es mit der Milch im zweiten Lebensjahr halten sollen. Denn Experten schlagen Alarm, dass Schulkinder zu wenig, Kleinkinder jedoch häufig zu viel Milch trinken. Kinder ohne erhöhtes Allergierisiko können ab dem zweiten Lebensjahr im Rahmen einer ausgewogenen Mischkost problemlos Kuhmilch trinken. Bei stark allergiegefährdeten und neurodermitiskranken Kindern ist oft weiterhin H.A.-Nahrung oder ein anderer Milchersatz (z. B. Sojanahrung) sinnvoll. Das sollte der Kinderarzt ganz individuell entscheiden.

Spezielle Kleinkind-Milchnahrungen oder 3er-Folgemilch werben mit einer Anreicherung von Eisen oder Jod gegenüber Kuhmilch. Das ist allerdings nicht erforderlich, da Kleinkinder diese Nährstoffe zum größten Teil im Rahmen der normalen Familienernährung aufnehmen. Die Milchnahrungsprodukte sind zusätzlich häufig mit Kristallzucker angereichert und mit Vanille- oder Fruchtaroma „aufgepeppt“. Hat Ihr Kind sich erst einmal an diesen süßen Vanille oder Fruchtgeschmack gewöhnt, mag es oft normale Kuhmilch nicht mehr trinken. Aus diesem Grund sollten Sie darauf besser verzichten.

350 Milliliter Milch pro Tag sind für Ihr Kind genug

Für Kinder zwischen einem und drei Jahren wird eine tägliche Eiweißaufnahme von ca. 2,2 g pro kg Körpergewicht und Tag empfohlen. Zu viel Eiweiß kann den kindlichen Stoffwechsel und die Nieren überlasten. Manche Kleinkinder kommen inzwischen aber auf bis zu 5 g Eiweiß pro kg Körpergewicht und Tag. Neben den üblichen Nahrungsmitteln wie Fleisch und Wurst, Käse und anderen Milchprodukten stehen oft noch Milchfläschchen oder mehrere Becher Milch auf dem Speiseplan. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung empfiehlt pro Tag nicht mehr als 350 bis 400 ml Milch, denn Kuhmilch hat einen Eiweißgehalt von 3,3 bis 3,4 Gramm pro 100 ml. Da kommen allein durch die Milch etwa 12 g Eiweiß pro Tag zusammen. Wiegt Ihr Kind z. B. 10 kg, dann braucht es nicht mehr als 22 g Eiweiß pro Tag – und die sind rasch erreicht!

Milch für Ihr Kind richtig auswählen

Beim Blick ins Kühlregal haben Sie die Qual der Wahl: pasteurisiert oder H-Milch, in der Flasche oder im Tetrapack? Vollmilch bedeutet, dass es sich um Milch mit einem Fettgehalt von 3,5 Prozent handelt. Darüber hinaus gibt es noch fettarme Milch mit 1,5 Prozent Fett, Magermilch mit 0,3 Prozent Fett (nicht für Kinder geeignet!), sowie Milch mit natürlichem Fettgehalt, die mindestens 3,7 Prozent Fett enthalten muss.

Ist Ihr Kind normalgewichtig, sollten Sie fettarme Milch mit 1,5 Prozent Fett verwenden. Bei deutlichem Untergewicht darf es auch fettere Milch sein. Zur Abtötung von Keimen und damit zur Haltbarmachung wird Milch erhitzt. Pasteurisierte Milch wird für 15 bis 30 Sekunden auf 71 bis 74 °C erhitzt und ist dann fünf bis acht Tage lang haltbar. H-Milch wird ultrahocherhitzt (für 3 Sekunden auf 135 bis 150 °C) und ist danach keimfrei. Sie hält sich ungekühlt mindestens vier Wochen. Unerhitzte Milch (Rohmilch, Vorzugsmilch) ist für Kleinkinder nicht zu empfehlen! Mineralstoffe sind nicht hitzeempfindlich, daher ändert sich deren Gehalt durch das Erhitzen nicht. Der Vitaminverlust beträgt aufgrund der nur sehr kurzen Erhitzungszeiten bei pasteurisierter sowie H-Milch etwa 10 bis 20 Prozent.

  • Mein Tipp: Da viele Vitamine lichtempfindlich sind, sollten Sie lichtgeschützte Milch in braunen Glasflaschen oder im Tetrapack bevorzugen.

Isst Ihr Kind häufig Joghurt, Quark oder Käse, sollten Sie die tägliche Milchmenge reduzieren. Diese Molkereiprodukte sind übrigens – bis auf den Quark – gute Kalziumlieferanten. So viel Kalzium wie in 100 ml Milch stecken in 15g Schnittkäse, 30g Weichkäse oder 80 bis 100g Joghurt.

Dürfen Kleinkinder Kuhmilch trinken?

Milch macht müde Kinder munter – aber zuviel Kuhmilch im Kleinkindalter kann zu Übergewicht führen. Im Video erfahren Sie mehr.

Zwar enthält Milch viele wichtige Nährstoffe, wie Kalzium, Jod, Eisen und Vitamin D, allerdings auch eine ganze Menge an tierischem Eiweiß. Informationen dazu bietet das Video.

Judith Weimars kleine Tochter Anna-Lena ist 18 Monate alt und hat sich schon vor einiger Zeit an Familienkost gewöhnt. Sie isst das, was die Großen auch essen. Anna-Lena hat schon relativ früh ihre Zähnchen bekommen und wollte ab dem Zeitpunkt feste Nahrung. Bei ihrer großen Schwester konnte sie sehen, was man außer Brei noch alles essen kann. Beispielsweise Quark, Joghurt oder Nudeln schmecken der ganzen Familie.
Genau in dieser Phase lauern jedoch Gefahren. Neue Erkenntnisse zeigen, dass Babys und Kleinkinder im Alter von 2 und 3 Jahren weniger Jod, Eisen und Vitamin D bekommen als sie tatsächlich brauchen. Um Mütter darüber zu informieren und aufzuklären, besucht Dr. Alexandra Rose die Krabbelgruppe der kleinen Anna-Lena. Die Kinderärztin und Ernährungsberaterin erzählt den Mamis etwas über gesunde Baby-Ernährung. Die Kinder sollten nicht zu viel Wurst, Schweinefleisch, Kuhmilch und Kuhmilchprodukte zu essen bekommen. Judith Weimar hakt nach, da Anna-Lena relativ viel Kuhmilch bekommt. Dr. Alexandra Rose erklärt, dass zwischen einer Kleinkind-Ernährung mit zu viel tierischem Eiweiß und späterem Übergewicht und Herzinfarkt ein unmittelbarer Zusammenhang besteht.
Mama Judith sucht daheim im Internet nach weiteren Informationen. Sie stößt auf Prof. Dr. Berthold Koletzko, einen Ernährungswissenschaftler aus München und vereinbart einen Termin. Zusammen mit Anna-Lena möchte sie herausfinden, wie schädlich Kuhmilch wirklich ist.
Dr. Koletzko erklärt, dass Kuhmilch sehr wenig Eisen enthält und die Eisenaufnahme durch andere Lebensmittel zusätzlich hemmt. Das kann Nachteile für die langfristige Gesundheit des Kindes haben. Zusätzlich haben Studien gezeigt, dass zu viel aufgenommenes Fett und Eiweiß durch Milch oder Milchprodukte als Baby und im Kleinkindalter oft zu späterem Übergewicht führen kann. Kinder, die mit niedrigem Gewicht geboren wurden und schnell zunahmen haben später gesundheitliche Nachteile gegenüber Kindern, die ein normales und stetiges Wachstum aufweisen.
In Zukunft gibt es für Anna-Lena mehr Obst, Gemüse, Fisch und Kohlenhydrate und weniger Fleisch, Fett, Eiweiß und Zucker. Für eine gute Versorgung eignet sich auch Kindermilch.
Lesen Sie dazu auch: Kuhmilch für Kleinkinder und alles zu den Grundlagen der gesunden Baby-Ernährung.

Ab welchem Monat darf ein Baby Kuhmilch trinken?

Liebe „Ana833“,
hier muss man zunächst unterscheiden zwischen Trinkmilch (Fläschchen/Becher) und Milch als Zutat zu einem Brei:
Als Trinkmilch ist Kuhmilch im ersten Jahr schlicht nicht brauchbar. Kuhmilch hat eine andere Zusammensetzung als Muttermilch oder Säuglingsnahrung. Daher ist sie als Muttermilchersatz zum Trinken nicht geeignet. Dem Baby würden bei einer Ernährung mit Kuhmilch einerseits wichtige Nährstoffe wie z.B. Eisen fehlen, andererseits könnten andere Nährstoffe, die in Kuhmilch in zu hoher Menge enthalten sind, die Organe des Babys belasten. Wird nicht oder nicht mehr ausreichend gestillt, dann ist als Trinkmilch eine fertige Säuglingsmilch die richtige Wahl.
Kuhmilch ist zwar zum Trinken im ersten Jahr schlicht nicht brauchbar. Kuhmilch kann Ihr Baby aber zum Beispiel als Zutat in einem Brei wie dem Milch-Getreide-Brei bekommen. Auch als Zutat in einem Babyprodukt wie Babyjoghurt oder einem zusammengesetzten Produkt als Klecks Sahne oder Butter etc. ist Kuhmilch ohne Bedenken möglich.
Wenn Sie Kuhmilch zur Zubereitung eines Milchbreies nehmen wollen, raten wir im ersten Jahr eine Mischung von 50% Vollmilch und 50% Wasser (= Halbmilch) zu verwenden und diese Mischung aufzukochen. Durch die Verdünnung der Vollmilch wird der hohe Eiweißgehalt der Kuhmilch reduziert, das ist günstiger für die noch empfindlichen Nieren Ihres Kindes. Um den Energiegehalt auszugleichen, darf dem Brei noch ein Teelöffel Rapsöl beigefügt werden.
Wenn bei der Selbstzubereitung des Milch-Getreide-Breis Kuhmilch verwendet wird, gibt es fürs erste Jahr eine empfohlene Obergrenze von 200 ml Kuhmilch am Tag.
Noch besser eignet sich aber eine Säuglingsnahrung. Der Vorteil der Säuglingsnahrung gegenüber der Kuhmilch ist sicherlich, dass diese besser an die Ernährungsbedürfnisse von Babys angepasst ist. V.a. der Eiweißgehalt liegt hier niedriger. Auch sind die Nährstoffe passender. Gerade eine Folgemilch (wie HiPP 2) unterstützt die Eisenversorgung besonders.
Nach dem ersten Lebensjahr wird die Auswahl bei der Trinkmilch größer: neben Muttermilch, Säuglingsmilch bzw. Kindermilch ist auch Kuhmilch geeignet.
Viele liebe Grüße und alles Gute!
Ihr HiPP Expertenteam

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.