Krippe ab wann

Chancen und Risiken der frühen Fremdbetreuung werden leidenschaftlich diskutiert. Die Frage, ob kleine Kinder besser nur zu Hause betreut werden sollten oder genauso gut zusätzlich eine Krippe besuchen können, hat in einem Land, dessen einziger „Rohstoff“ die Bildung seiner Menschen ist, nicht nur private Bedeutung.

Die pädagogische Forschung über Vor- und Nachteile der Krippenbetreuung in Deutschland steht aber erst am Anfang. Im Wesentlichen werden dazu bisher die Ergebnisse internationaler Studien herangezogen, etwa die Untersuchung des amerikanischen National Institute of Child Health and Human Development (NICHD). Sie begleitet seit 1991 Kinder von der Geburt bis zum Ende der sechsten Schulklasse. Dabei zeigte sich, dass noch bei Zwölfjährigen eine qualitativ hochwertige Fremdbetreuung in Bezug stand zu einem besseren Gedächtnis und zu besseren Schulleistungen in Lesen und Mathematik. Bei unterdurchschnittlicher Betreuungsqualität waren Zusammenhänge mit geringeren sozialen Fertigkeiten und einer schlechteren Arbeitshaltung zu finden. Eine sehr viele Stunden umfassende frühe außerhäusige Betreuung korrelierte im Teenageralter auch mit vermehrten Konflikten mit Lehrern, Gleichaltrigen und den Eltern.

Die Mutter-Kind-Beziehung leidet nicht

Bei jüngeren Kindern zeigte sich, dass selbst eine längere Betreuungsdauer in guten Einrichtungen sich nicht negativ auf die Bindung zur Mutter auswirkte, wenn die Mutter empfindsam und sensibel auf die Bedürfnisse des Kindes reagierte. Kinder waren weniger sicher gebunden, wenn diese mütterlichen Eigenschaften schwach ausgeprägt waren und das jeweilige Kind zusätzlich in einer qualitativ schlechten Fremdbetreuung war – oder es sogar mehrere verschiedene Betreuungs-Arrangements gab. Entscheidend für die Mutter-Kind-Bindung ist demnach vor allem die Aufmerksamkeit, die die Mutter ihrem Kind entgegenbringt.

Hans-Günther Roßbach, Professor für Elementar- und Familienpädagogik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, leitet aus dieser und anderen Studien die Empfehlung ab, Kinder unter einem Jahr nicht ganztägig außerhalb des Elternhauses zu betreuen. „Das ist mit zu hohen Risiken für die sozial-emotionale Entwicklung des Kindes verbunden“, sagt er. „Dafür besteht aber in Deutschland, anders als in den Vereinigten Staaten, durch das Elterngeld auch kaum Bedarf.“ Das Deutsche Jugendinstitut in München hatte in seiner AIDA-Studie (“Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“) herausgefunden, dass Eltern fast ausschließlich Kinder betreut wissen wollen, die älter sind als ein Jahr, und zumeist auch keine ganztägige Unterbringung wünschen.

Das Erzieherverhalten ist entscheidend

Für Kleinkinder nach dem ersten Geburtstag ist die Qualität der Krippe entscheidend – sowohl bezogen auf die Förderung ihrer kognitivem Fähigkeiten als auch auf ihr Sozialverhalten. Was aber macht eine gute Krippe aus? „In erster Linie ist es das einfühlsame Verhalten der Erzieherinnen“, sagt Roßbach. Darüber ist eine Umgebung vonnöten, die „Sicherheit und Vorhersagbarkeit“ vermittelt und in der „körperliche und seelische Bedürfnisse erwartbar erfüllt werden“. Für Kleinkinder brauche man keine speziellen Förderprogramme, sondern Zuwendung und Anregung im Alltag – „zum Beispiel beim Windelnwechseln, beim Essen und Spielen“.

Gerade für die Förderung der sprachlichen Fähigkeiten ist das Erzieherverhalten von großer Bedeutung: Die eigenen Aktivitäten wie die des Kindes ausdauernd mit Worten zu begleiten (und zwar in der Hochsprache, nicht in reduzierter Sprache) ist dafür entscheidend. „Gerade dieses Verhalten von Erzieherinnen finden wir aber zu selten“, sagt Roßbach.

Mäßige Noten für viele deutsche Krippen

Das Defizit in der empirischen Bildungsforschung im Bereich der Frühpädagogik sollte die „Nationale Untersuchung zu Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit“ (Nubbek) schließen helfen. Diese unter anderem vom Bundesfamilienministerium geförderte Studie sollte herausfinden, welche Betreuungsformen die kindliche Entwicklung am besten fördern. Die ausführlichen Ergebnisse sind noch unveröffentlicht. Doch der Mehrzahl der 403 untersuchten Kindertagesstätten und 164 Tagesmütter stellt die Studie schon in ihrer Kurzfassung ein mäßiges Zeugnis aus: Mehr als 80 Prozent der Betreuungseinrichtungen weisen nur eine mittlere Qualität auf. Gute pädagogische Arbeit wurde in weniger als zehn Prozent geleistet, schlechte in mehr als zehn Prozent. Die bildungsbezogenen Aktivitäten waren in mehr als der Hälfte der Einrichtungen unzureichend. In Westdeutschland war die Qualität höher als in Ostdeutschland, in altershomogenen Gruppen war sie höher als in altersgemischten Gruppen. Tagesmütter schnitten nicht schlechter ab als Kindergärten. Kinder aus Migrantenfamilien profitierten beim Spracherwerb. Enttäuscht stellten die Forscher jedoch insgesamt fest, dass „die vielfältigen Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung und zur Stärkung der Bildungsfunktion von Kitas offenbar kaum Früchte getragen“ haben.

Roßbach, der selbst das Nationale Bildungspanel über „Bildungsverläufe in Deutschland“ leitet, empfiehlt, dass bei Kindern unter drei Jahren eine Gruppe nicht mehr als fünf Kinder umfassen sollte: „Nur so bleibt das Sprachangebot günstig.“ In den in Deutschland vorherrschenden altersgemischten Gruppen sollten zu bestimmten Zeiten die gleichaltrigen Kinder gemeinsam gefördert werden. Träger von Kindergärten müssten noch stärker als bisher, etwa durch videounterstütztes Training der Erzieherinnen, die Qualität der pädagogischen Arbeit verbessern. Eltern rät er, sich bei der Frage nach Chancen und Risiken des Krippenbesuchs zu entspannen: „Auch bei einer vielstündigen Betreuung bleibt die Familie immer die wichtigste Sozialisationsinstanz.“ Der Einfluss der Eltern sei in jeder Betreuungskonstellation der stärkste. „Für Unterschiede in der kindlichen Entwicklung sind Unterschiede zwischen den Familien zwei- bis dreimal so bedeutsam wie die Kindertagesstätte.“

Ein umstrittenes Thema
Krippe ja oder nein?

Die Diskussion spaltet Spielplatzrunden, Freundeskreise, Familien: Krippen sind ein Streitthema, sie werden verteufelt oder idealisiert. Spätestens seitdem die Regierung den Weg für mehr Krippenplätze für Kinder zwischen 0 und drei Jahren frei gemacht hat, gewann die Debatte erneut an Fahrt. Derzeit befasst sich der Bundestag mit dem Kinderförderungsgesetz und von Donnerstag bis Freitag debattieren die Jugend- und Familienminister der Länder über vorschulische Bildung.
Eine Bertelsmann-Studie sagt Bildungseinbußen und deshalb hohe volkswirtschaftliche Verluste voraus, wenn auf Krippen verzichtet werde. Befürworter der häuslichen Betreuung, wie etwa das „Familiennetzwerk“, nennen die Untersuchung hingegen unseriöse Propaganda. Doch was sagen abseits gesellschaftspolitischer oder ökonomischer Argumente und vom Wohl des Kindes ausgehend Wissenschaftler und Erziehungsexperten dazu?
„Kaum ein anderes politisches Thema ist so sehr geprägt von den eigenen Erfahrungen wie die Debatte über frühkindliche Betreuung“, sagt der Berliner Soziologe Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind. Er hat Expertenrat und Studienergebnisse deshalb gesammelt („Krippen – fundierter Rat zu einem umstrittenen Thema“, Beltz Verlag, 2008), mit dem Ergebnis, dass es ein allgemeingültiges Votum pro oder kontra nicht gibt. Aber er nennt konkrete Bedingungen, unter denen ein früher Krippenbesuch für ein Kind besonders förderlich oder eher abzulehnen sei. Schaden, so die Summe der Ergebnisse, tragen „Krippenkinder“ jedenfalls im Allgemeinen nicht davon und viele profitieren von den vielfältigen Anregungen.
Ein eindeutiges Votum gibt es nicht

Grundlagen der Diskussion sind für Experten unter anderem die seit 1998 fortgeschriebene US-Studie des NICHD (National Institute of Child Health and Human Development) und eine große australische Studie (Love, 2003) über Qualitätskriterien frühkindlicher Betreuung.
Vor allem in den ersten zwei Lebensjahren sei es für die Entwicklung einer stabilen Bindungsfähigkeit demnach wichtig, dass die Gruppe klein sei und die Betreuungsperson nicht mehrfach wechsele, betont der Entwicklungspsychologe Martin Dornes (Frankfurt/M.). Optimal für diese Zeit: ein Betreuer-Kinder-Schlüssel von 1:3 bis 1:5. Die Grundlagen dafür würden jedoch bereits durch eine sensible und aufmerksame Mutter-Kind-Beziehung im ersten Lebensjahr gelegt – die sei dann ziemlich robust und durch sonstigen Betreuungseinfluss kaum zu verändern. Nur im ungünstigsten Fall, etwa bei einem Verhältnis 1:17, leide auch die Eltern-Kind-Bindung.
Auch was die Entwicklung der Sprach- und Denkfähigkeit angehe, bedeute ein früher Krippenbesuch keine dauerhaften Vor- oder Nachteile, resümiert Dornes. Unterschiede gebe es hier jedoch in der Qualität: Gute Krippen fördern demnach ebenso effektiv wie engagierte Eltern, schlecht ausgestattete Einrichtungen bewirken hier ebenso wie passive Eltern deutlich weniger.
Nicht so eindeutig sind die Studienaussagen, was die Aggressivitätsentwicklung angeht: So gibt es zumindest in der US- Studie Hinweise darauf, dass vormals Krippen-betreute Jungen im Alter von zwölf Jahren geringfügig aggressiver sind als ihre Altersgenossen. Zu große Krippengruppen und zu häufiger Betreuerwechsel seien hier mögliche Risikofaktoren, so Dornes.
Eltern bleiben zentraler Bezugspunkt

Die Kölner Psychologin und Krippen-Expertin Prof. Lieselotte Ahnert betont, dass die Feinfühligkeit der Erzieherin ausschlaggebend für den Aufbau einer stabilen Bindung ist und damit für eine das Kind anregende „Erziehungspartnerschaft“. Die Eltern bleiben darin jedoch der zentrale Bezugspunkt und müssen auch helfen, den ereignisreichen Krippenalltag zu verarbeiten, sprich nach den oft üblichen Quengeleien zur Ruhe zu kommen: Das gelinge beruflich eingespannten Eltern vor allem dann, „wenn sie ihre Arbeit als vorteilhaft für sich selbst, das Kind und die Familie ansehen.“
Zentral sei, so Maywald, dass nicht länger nur über die Zahl, sondern vor allem über die Qualität der Krippenplätze diskutiert werden müsse. Ein einfaches „Aufstocken“ vorhandener Kindergartengruppen reiche da nicht aus, Räumlichkeiten, Gruppengröße und pädagogisches Personal müssten den Bedürfnissen der Allerkleinsten angepasst sein, um vor allem Kindern aus Familien ohne Bildungsanreize einen guten Start in die lebenslange Lust am Lernen zu ermöglichen.
„Für oder gegen Krippenbetreuung kann nur im konkreten Einzelfall entschieden werden“, sagt Dornes: „Denn es gibt nicht das Kind, die Krippe, die Tagesmutter, sondern immer dieses Kind, diese Krippe, diese Tagesmutter.“ Die oft geäußerte Befürchtung, die Familie verliere an Bedeutung und Einfluss, wenn Kinder viele Stunden außerhalb betreut würden, lasse sich jedoch nicht bestätigen. „Die Familie ist nach wie vor die wichtigste Sozialisationsinstanz und trägt die Hauptverantwortung für die in ihr groß werdenden Kinder.“
Andrea Barthlmy, dpa

Kinderkrippe ja oder nein?

Braucht mein Kind die Kinderkrippe für seine Entwicklung? Sicher nicht! Ihr Kind braucht bis zum ca. zweiten Lebensjahr vor allem Ihre Liebe und enge Bindung! Elterliche Zuwendung ist das Grundprinzip einer gelingenden körperlichen und emotionalen Entwicklung Ihres Säuglings / Kleinkindes. Umso länger Sie dies Ihrem Kind ermöglichen können, umso besser! Es stellt sich die Frage, wie dieses Maß an Liebe durch eine Erziehung in einer Institution ersetzt werden kann? Das liegt aber keineswegs daran, dass Kinderkrippen in Deutschland so schlecht sind. Das liegt rein daran, dass die Bedürfnisse der Kinder bis zum ca. 2. Lebensjahr meist nicht durch derartige Einrichtungen erfüllt werden können.

Aufbau von Bindungssicherheit und Entwicklung der wichtigen Verbindungen im Gehirn (bis ca. 2. Lebensjahr)

Bitte hinterfragen Sie mit völlig normalen Menschenverstand, ob eine fremde, ausgewählte Betreuungsperson oder Institution wirklich in der Lage sein kann, eine enge emotionale Bindung zu Ihrem Kind aufzubauen. Wenn Sie nicht dringend müssen (aufgrund von finanzieller oder gesundheitlicher Not), geben Sie Ihr Kind nicht für längere Zeiten am Tag ab. Ersetzt werden kann die enge Bindung durchaus durch weitere Bezugspersonen (z.B. Großeltern, enge Freunde). Schaffen Sie sich Freiräume durch die Hilfe Ihres Partners und durch Bezugspersonen der Familie. Die Person und Ihr Baby sollten sich davor gut aneinander gewöhnt haben und die Person sollte in der Lage sein, natürliche und freie Liebe in ausreichendem Maße für Ihr Kind zu empfinden. Nur so kann man den Bedürfnissen Ihres Kindes in dieser Phase gerecht werden. So unterstützten Sie Ihr Kind darin, Urvertrauen und Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit) in ausreichendem Maße aufzubauen.

Ergebnisse der Hirnforschung, Bindungsforschung und WHO:

Der Hirnforscher Ralph Darwirs und der Kinder- und Jugendpsychater Gunther Moll sprechen sehr radikal von einer „Betreuung ohne Liebe“, wenn Kinder fremd betreut werden. Gemeint ist hier sicher das Fehlen der Liebe einer Bezugsperson, da das Krippenpersonal sicher sehr kinderlieb sein wird. Betont wird von den Beiden der politische und wirtschaftliche Charakter von staatlichen Einrichtungen für Erziehung vor dem 2. Lebensjahr .

Warum ist dieses besondere Maß an Zuwendung so bedeutungsvoll? Das Gehirn entwickelt in dieser Zeit all jene Verbindungen, die für Resilienz in der weiteren Entwicklung wichitg sind. Hierfür braucht der Säugling/das Kleinkind nichts mehr und nichts weniger als ein promptes, feinfühliges Reagieren auf Signale durch mindestens eine Bezugsperson.

Untersuchungen des Münchner Bindungsforschers Karl-Heinz Brisch zeigen deutlich, dass unter Zweijährige eine hohe Menge an Cortisol (Stresshormone) ausschütten, wenn keine enge Bezugsperson feinfühlig auf Ihre Signale (Mimik, Gestik, Schreien) reagiert. Das Stresstoleranzniveau ist bei Säuglingen/Kleinkindern noch sehr gering und wird so schnell überschritten und kann zu Bindungsstörungen führen. Verbindungen im Gehirn, welche für die spätere gesunde Entwicklung bedeutsam sind, werden dabei gehemmt.

Erstaunlich ist es demnach keineswegs, warum eine Zunahme von Verhaltens- und emotionalen Störungen (z.B. ADHS/ADS, Konzentrationsprobleme, Schulangst, Verlustängste, Angst vor dem Alleinsein usw.) zu beobachten ist. Natürlich können hierfür die Ursachen auch woanders liegen, aber das Risiko ist in dieser Entwicklungsphase ist am höchsten, da das Stresstoleranzniveau am kleinsten ist.

Umfrage von Erzieherinnen:

Bestätigt wurde mir diese Haltung auch durch eine Umfrage von einigen Erzieherinnen, die in Krippen arbeiten. Sie selbst würden Ihr Baby nicht in die Krippe geben. Die Begründung lag nahe. Sie alle sahen sich nicht in der Lage auf die Signale der Babys in dem Maße feinfühlig zu reagieren, da Ihnen der emotionale Bezug zu dem Säuglingen fehle und die Anzahl an Kindern verhindere, ausreichend auf einzelne Signale der Babys zu reagieren. Auch sei nicht genügend Zeit, die einzelnen Babys richtig kennenzulernen und Ihnen die nötige körperliche Nähe zu geben.

Sicher sind die Bedingungen in Krippen nicht vergleichbar und über einen Kamm zu scheren. Sollte es ein Krippenkonzept sein, in welchem Kinder diesen Problemen nicht ausgesetzt sind und Kinder die Möglichkeit haben, sich in sehr kleinen Gruppen so einzugewöhnen, dass eine emotionale Bindung in ausreichendem Maße möglich ist, kann dies durchaus eine Betreuungsalternative darstellen.

Umfragen von Müttern:

Umfragen von Müttern zeigen darüber hinaus, dass sie es als Last empfanden, Ihr noch hilfloses Baby in der Krippe abzugeben und sie von stetigem schlechtem Gewissen geplagt waren, da es sich einfach nicht natürlich anfühlte. Sie verzichteten beim zweiten Kind auf Fremdbetreuung oder reduzierten die Zeit, in der Sie Ihr Kind in die Fremdbetreuung gaben, da sie diese stressige Erfahrung nicht nochmal machen wollten. Glauben Sie wirklich, das liegt an den Helikoptermüttern? Das denke ich keineswegs! Diese Gefühle zeigen nur, dass Mütter intuitiv richtig handeln würden. Sie folgen dabei Ihrem natürlichen weiblichen Urinstinkt und das ist richtig! Sie als Eltern wissen am allerbesten, was Ihr Kind braucht. Genauso sind Mütter in der Lage einzuschätzen, ob Ihr Kind vielleicht schon mit 1,5 Jahren sehr weit ist und wenige Stunden fremd betreut werden kann.

Wieder andere Umfragen von Müttern ergaben, dass Kinder sozial und kognitiv viel in der Krippe dazulernten und sehr gerne die Krippe besuchten. Es gilt Studienergebnisse, die für den Krippenbesuch sprechen, methodisch zu hinterfragen, da sie lediglich die vermeintlich „neu erlernten kognitiven und sozialen Fertigkeiten“ der Kinder, welche für diese Entwicklungsphase nicht wirklich bedeutend sind, aus Sicht der Mütter beschreiben.

Ergebnisse der Bindungsforschung betonen jedoch eindeutig, dass die emotionale Entwicklung und damit verbunden die Entwicklung der nötigen Verbindungen im Gehirn beeinträchtigt sind und erst spätestens ab dem 2. Lebensjahr Kinder vom Krippenbesuch profitieren. Damit sind z.B. der Umgang mit Gefühlen, Ängsten, Unsicherheit und Frustration gemeint. Ich persönlich möchte diesen Untersuchungen der Hirn- und Bindungsforschung mehr Vertrauen schenken.

Kritische Betrachtung

Verständlich ist, dass Mütter aus finanziellen Gründen und aus Angst Ihre Karrierechancen zu verpassen, viel früher gezwungen sind, Ihre Kinder in eine institutionelle Betreuung zu geben. Sicher spielen hier auch persönliche Gründe, wie der Drang nach Selbstverwirklichung vieler Frauen eine Rolle. Das ist nun wirklich sehr verständlich, zumal Frauen in unserer Berufswelt ohnehin benachteiligt sind.

Meines Erachtens gilt es die Ursache nach dem „Krippentrend“ nicht bei den Eltern zu suchen, sondern viel mehr in unserem politischen und gesellschaftlichen System. Anstatt Eltern mehr finanzielle Unterstützung zu gewähren und adäquate berufliche Chancen nach Rückkehr der Elternzeit nach frühestens 2 Jahren zu gewährleisten, werden Eltern sogar verunsichert oder teilweise verurteilt, wenn Sie Ihr Kind nicht nach einem Jahr abgeben und wieder arbeiten. Frauen, die 2 bis 3 Jahre zu Hause bleiben, kommen sogar in unangenehme Situationen und müssen sich dafür rechtfertigen. Auch fragen sich solche Mütter tatsächlich, ob Ihrem Kind nicht etwas fehlt, wenn es nicht fremd betreut wird. So weit ist es schon!!

Liebe Eltern, haben Sie Vertrauen! Ihrem Kind fehlt bei Ihnen zu Hause rein gar nichts und es braucht keine weitere Förderung in den ersten beiden Entwicklungsjahren. Sie selbst machen das so gut, wie es niemand anders kann. Sie haben die bedingungslose Liebe für Ihr Kind, auch wenn Sie mal überfordert, übermüdet, aggressiv oder traurig sind. Diese Bindung kann niemand anders ersetzen. Lassen Sie sich von niemand einreden, dass es z.B. wichtig sei, in diesem Alter aufrecht mit anderen Kindern am Tisch zu sitzen und danach den Teller in die Spülmaschine einzuräumen. Diese banalen Dinge lernt Ihr Kind ohnehin durch Sie als Vorbild und zwar dann, wenn es bereits die Zeit hatte, emotional und körperlich all jene Verbindungen im Gehirn herzustellen, die WIRKLICH wichtig für seine Entwicklungsphase sind.

Für unsere wirtschaftliche Situation ist die Fremdbetreuung natürlich vorteilhaft, um Mütter möglichst schnell wieder einzuspannen. Fraglich ist nur, ob wir uns damit langfristig gesehen wirklich einen Gefallen tun oder ob nicht weitere Einrichtungen die Langzeitschäden dieser Entwicklung ausbaden oder das Geld, das die Politik in die Betreuung steckt später in Therapie und familiäre Intervention investiert werden muss? Oder ist vielleicht sogar diese Entwicklung gewollt, weil sie wirtschaftlich Vorteile haben könnte? Das sind Fragen, die ich an dieser Stelle aufwerfen möchte. Wer zahlt denn schlussendlich familiäre und therapeutische Intervention? Zu großen Teilen die Eltern!

Sicher gibt es auch Mütter, die einfach totunglücklich wären, wenn Sie nicht direkt wieder in Ihrem Beruf durchstarten können. Die Frage ist nur, ob diese Karrierefrauen (die ich übrigens großartig finde) nicht noch glücklicher wären, wenn Sie die nötige Zeit für Ihr Baby hätten und danach genauso wieder durchstarten könnten oder wenn Sie die Möglichkeit hätten Ihr Kind Ihrem Partner (ohne finanzielle Einbußen) abzugeben? Und ich bin mir sehr sicher, dass viele Eltern sich sehr viele Probleme im Grundschul- und Jugendalter ersparen könnten, wenn sie sich einfach nur etwas mehr Zeit in der frühkindlichen Phase nehmen würden! Reduzieren Sie das Risiko von Nachhilfe, Konzentrationsproblemen, Zappeligkeit, Ängstlichkeit, fehlendem Selbstvertrauen usw. und hören Sie einfach auf das, was Ihnen Ihr Bauchgefühl sagt.

Setzen Sie sich ernsthaft damit auseinander, was Sie Ihrem Kind und sich selbst nehmen und welches Risiko sie eingehen, wenn Sie Ihr Baby zu früh in eine staatliche Betreuung geben.

Ich weiß! Eigentlich sagt es diesen Eltern keiner, ja! Es haben auch zahlreiche Akademiker, die sehr gebildet sind, davon keine Ahnung.„Wir sind ja alle was geworden“ – auch wenn wir vielleicht selbst fremd betreut wurden. Wie steht es jedoch bei diesen Persönlichkeiten, aus denen „was geworden ist“ wirklich um Ihre emotionale Gesundheit? Wäre es nicht schön, wenn unsere nächste Generation ausgestattet werden würde durch die emotionale Intelligenz, die unserer Generation fehlt? Den Grundstein dafür können Sie schaffen als Eltern. Und auch wenn sicher einige Kinder auch resilient aus einer Fremdbetreuung hervorgehen, ist das Risiko Ihnen als Eltern nicht zu groß? Ich möchte Ihnen keine Angst machen oder Sie unter Druck setzen, allerdings möchte ich hervorrufen, dass sich Eltern ehrlich mit dieser Thematik vertraut machen. Warum wissen viele Eltern nichts davon? Weil sie es nicht wissen wollen oder weil Sie einfach blind dem gesellschaftlichen Trend folgen? Das halte ich für eher unrealistisch, weil Eltern sich sehr um das Wohl Ihrer Kinder sorgen.

Der Grund ist meiner Meinung nach, dass Eltern viel zu sehr verunsichert werden und Ihnen durch unsere politischen Entwicklungen die Verantwortung abgesprochen wird, Ihre Kinder selbst GUT GENUG zu erziehen und zu fördern. Eltern wird dadurch unbewusst wirklich suggeriert, dass es jemand anders besser könnte. Hinzu kommt, dass Mütter mit hohem Bildungsstand sich gezwungen sehen, schnellstmöglich wieder in Ihren Beruf zurückzukehren, um keine Karriererückschritte ertragen zu müssen.

Liebe Eltern, übernehmt die alleinige Verantwortung für Eure Kinder!

Ich würde mir von allen Eltern wünschen, die Verantwortung für Erziehung wieder mit vollem Selbstbewusstsein zu übernehmen, um dieser Strömung gegen zu wirken. Ich würde mir Wünschen, dass Eltern auf Ihr Bauchgefühl hören und Ihre Bindungsgefühle zu Ihrem Kind ernst nehmen. Wenn es sich unnatürlich anfühlt, ist es auch unnatürlich, Ihr Baby an fremde Personen abzugeben. Da können diese noch so gut qualifiziert sein! Wenn finanziell irgendwie möglich, trauen Sie auch dem Partner zu, die Betreuungssituation für längere Zeit zu übernehmen. Vertrauen Sie wieder in Ihre Fähigkeiten und lassen Sie sich nicht verunsichern. Ihr Kind braucht in den ersten 2 Jahren zunächst allein Sie, Ihre Liebe und Aufmerksamkeit und davon möglichst viel!

Wenn Sie Ihr Kleinkind gerne abgeben möchten, würde ich Ihnen empfehlen das frühestens mit 1,5 Jahren zu tun – wenn Sie dabei ein gutes Gefühl haben und Ihr Kind sich schnell entwickelt. Auch wenn Sie bei Ihrem Kind erkennen, dass es sich schon nach 1,5 Jahren nach Austausch mit anderen Kindern sehnt, geben Sie es gerne für 2-3 Stunden in eine Spielgruppe oder Ähnliches.

Abschließend ist es mir wichtig, dass in diesem Artikel „Mütter“ genauso durch „Väter“ ersetzt werden könnte – nur der Einfachheit halber wurde darauf verzichtet. Auch möchte ich nochmals betonen, dass es mir nicht zusteht über Eltern zu urteilen, die Ihr Baby aus triftigen Gründen abgeben müssen. In besonders schwierigen Konstellationen befinde ich es nämlich sogar als großer Schatz, dass es staatliche Einrichtungen für unsere Kinder in dieser Entwicklungsphase gibt. Ich möchte durch diesen Artikel lediglich verhindern, dass sich Eltern von gesellschaftlichen Trends und politischen Interessen täuschen lassen und alle Eltern von ganzem Herzen bestärken die Betreuung Ihres Babys – wenn möglich – sich selbst zuzutrauen.

Ihre Martina Stotz

Ab welchem Alter ist der Kindergarten für mein Kind geeignet?

Vor dieser Entscheidung stehen die meisten Eltern früher oder später: Das Kind soll in den Kindergarten, doch wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Viele Eltern fragen sich, wie alt ihr Kind dafür mindestens sein sollte. Doch das Alter ist kein ausreichendes Kriterium.

Mehr Familienthemen finden Sie hier

Die meisten Elternpaare stehen früher oder später vor Fragen wie diesen: „Ab wann soll unser Kind in die Kita oder Krippe? Und geben wir es überhaupt dorthin?“ Letztlich lässt sich die Entscheidung für oder gegen den Kindergarten nur individuell treffen. Dennoch wird das Thema Kindertagesbetreuung leidenschaftlich und kontrovers diskutiert – und die Meinungen sind so verschieden wie die Eltern, die es betrifft. Wir nennen Ihnen einige Aspekte, die Ihnen dabei helfen sollen, die für Sie richtige Entscheidung zu treffen.

Was der Impfkalender empfiehlt, wird gemacht – oder doch nicht? Eltern können in Deutschland frei entscheiden, ob sie ihre Kinder impfen lassen oder nicht. Lesen Sie hier, was dafür spricht und was dagegen.

Die Debatte um die Kinderbetreuung

Eltern müssen sich nicht nur damit auseinandersetzen, welches das richtige Alter für den Kindergarten ist. Sie müssen zunächst einmal entscheiden, ob sie ihr Kind überhaupt fremdbetreuen lassen. Denn ganz gleich, wofür sie sich entscheiden: Eltern müssen sich heute stets rechtfertigen. Geben Sie beispielsweise ihr Kleines im Alter von wenigen Monaten in die Krippe, wird unterstellt, sie hätten nur ihre Karriere im Blick. Zieht sich dagegen ein Elternteil aus dem Arbeitsleben zurück, um sich längerfristig der Kindererziehung zu widmen, wird ihm im schlimmsten Fall Faulheit und Bequemlichkeit vorgeworfen. Dabei ist allgemein bekannt, dass Berufsleben und Kinder nicht leicht unter einen Hut zu kriegen sind. Zum Glück findet in der Gesellschaft mittlerweile ein Umdenken statt: Bei vielen Arbeitgebern ist es leichter geworden, in Elternzeit zu gehen, ohne berufliche Konsequenzen in Kauf nehmen zu müssen.

Schon Schulkinder können unter Depressionen leiden, wie eine aktuelle Studie belegt. Oft deutet der Arzt die Anzeichen richtig – für Eltern oder Lehrern ist dies aber schwieriger. So können Sie erkennen, ob ein Kind an einer Depression leidet.

Viele Experten sind der Meinung, dass das Kind im Alltag eine feste, vertraute Bezugsperson haben sollte – dies ist in der Regel die Mutter, es kann sich aber auch um eine Tagesmutter oder Erzieherin handeln. Damit sich ein Kind körperlich und psychisch gesund entwickelt, ist es wichtig, dass es eine dauerhafte, vertrauensvolle Beziehung aufbauen kann und von dem betreuenden Erwachsenen Fürsorge erfährt. Berufstätige Eltern kümmern sich in der verbleibenden Zeit häufig umso intensiver um ihr Kind – und kommen damit letztlich genauso ihren Pflichten nach.

Kindergarten: Ab wann sollte ihn mein Kind besuchen?

Kindergärten wirken sich prinzipiell positiv auf die Entwicklung eines Kindes aus. In den ersten Jahren genügt dem Kind die Aufmerksamkeit der Eltern vollkommen, doch dann werden andere Kinder als Spielkameraden interessant. Auch wenn die meisten Kinder ab circa zwei Jahren mit anderen Kindern spielen wollen, empfehlen einige Experten den Kindergartenbesuch frühestens ab einem Alter von drei Jahren. Denn Studien aus der Entwicklungspsychologie haben gezeigt, dass sehr kleine Kinder die ungewohnte Situation mitunter als Stress erleben.

Im Kindergartenalltag müssen sich die Kleinen an gewisse Spielregeln halten – dazu gehören etwa Zähneputzen nach dem Essen, Händewaschen und Abräumen des Tisches. Durch die Einbindung in eine Gruppe erlernen Kinder grundlegende soziale Fähigkeiten wie Teilen, Rücksichtnahme und Vertragen. Zudem schauen sie sich Verhaltensweisen von anderen Kindern ab.

Vor allem für Einzelkinder ist dies eine wichtige Erfahrung. Hat ein Kind jedoch Geschwister oder häufig Umgang mit Gleichaltrigen auf dem Spielplatz, dann bekommt es diese Kompetenzen auch zu Hause vermittelt. Dennoch ist der Besuch eines Kindergartens ab etwa drei oder vier Jahren zu empfehlen – denn er bereitet den Nachwuchs auch auf die Schule vor.

Krippe und Kindergarten: Nicht nur das Alter entscheidet

Das richtige Kindergartenalter lässt sich nicht einfach anhand der Anzahl der Lebensjahre bestimmen. Auch wenn Psychologen und Ärzte für jedes Alter einen typischen Entwicklungsstand definieren – jedes Kind entwickelt sich individuell und in seinem ganz eigenen Tempo. Aus diesem Grund lässt sich nicht generell sagen, ab wann der Kindergarten für ein Kind tatsächlich geeignet ist. Viele Kindergärten setzen ein Mindestalter von drei Jahren fest.

Ständiger Streit beim Nachwuchs strapaziert die Nerven zahlreicher Eltern. Doch Geschwisterstreit lässt sich nicht vermeiden und ist in den allermeisten Fällen auch nichts Schlechtes.

Des Weiteren ist die Situation der Familie für die Entscheidung wesentlich: Wird eine lange Elternzeit die Rückkehr in den Beruf erschweren? Und lässt sie sich überhaupt finanziell stemmen? Die Antwort auf die Frage nach dem Kindergarten und ab wann man sein Kind dorthin schickt, hängt also nicht nur vom Alter und dem Entwicklungsstand des Kindes ab. Die Entscheidung, ob und wenn ja wann das Kind in den Kindergarten geht, berührt vielmehr das Leben jedes Familienmitglieds. Wird das Kind ausschließlich zu Hause erzogen, braucht es Kontakt zu anderen Kindern. Soll es den Kindergarten besuchen, muss der Alltag entsprechend organisiert sein, da die Öffnungszeiten von Krippen und Kindertagesstätten häufig nicht den Erfordernissen des Berufslebens angepasst sind. Zudem müssen Eltern sicherstellen, dass sie trotz Beruf genügend Zeit mit ihrem Kind verbringen – denn sie sind und bleiben die wichtigsten Bezugspersonen. © 1&1 Mail & Media

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Überfürsorge und Förderwahn: Gehören Sie zu den Helikopter-Eltern?

Überbehüten, Förderwahn und Vollkontrolle – Helikopter-Eltern zeigen zu viel Einsatz bei der Erziehung ihrer Kinder und riskieren das Heranwachsen von unselbstständigen Sprösslingen. In der folgenden Galerie zeigen wir Ihnen, ob auch Sie in die Hubschrauberkategorie gehören …

“In einer Zeit wo großer gesellschaftlicher und akademischer Druck herrscht, ist es vielleicht die wichtigste Aufgabe der Mutter, ihren Kindern eine Zeit zu sichern, in der sie in Ruhe und Geborgenheit aufwachsen können. In den ersten 6 Jahren soll das Lernen passiv und hauptsächlich im Freien stattfinden.”
Charlotte Mason (1. Band, Seite 43)
1. Es ist besonders schön Zeit mit den Kindern verbringen zu können, wenn sie ausgeruht sind. Man kann seine Aktivitäten somit viel besser an die individuelle Tagesform anpassen und muss sich nicht mit Zeiten, wie z.B. nach der Kita (wenn die Kinder müde sind) arrangieren.

2. Es ist vielen Familien ein Anliegen den Kindern Zeit zu geben, für alles was ihnen Spaß macht. Die Konzentration auf eine Sache ist im Familiären Umfeld sehr gut möglich.

3. Wir wollen viel Zeit im Freien verbringen. Dies ist gesünder, als wenn sich Kinder die meiste Zeit in überfüllten und häufig überhitzten Räumen aufhalten. Wer mehr Zeit im Freien verbringt, steht eher in Verbindung mit dem Wechsel der Jahreszeiten und mit den kleinen und oft übersehenen Wundern der Natur.

4. Kinder lernen, im Haushalt mitzuhelfen und einen Sinn für persönliche Verantwortung zu entwickeln. Wenn wir mehr Zeit mit Haushaltspflichten verbringen, stärken wir die Familienbande, weil Menschen sich Dingen verbundener fühlen, wenn sie darin investiert haben.

5. Ein entspannter, weniger hektischer Lebensstil ist möglich, wenn Familien sich nicht verpflichtet fühlen, die Kita am Nachmittag oder am Wochenende durch Aktivitäten zu ergänzen.

6. Der Gruppenzwang wird reduziert. Kinder, die auf irgendeine Weise „anders“ sind, vermeiden es, ständigen Hänseleien ausgesetzt zu sein. Kinder werden nicht gezwungen nach dem Prinzip „der Stärkere überlebt“ ihren Platz (in der Kitagruppe) zu finden. Die Kinder müssen sich ihren Platz nicht sichern. Sie sind sicher.

7. Kinder werden in der Kita auf eine unnatürliche, weltfremde, homogene (im Sinne von gleichaltrige) Umgebung sozialisiert, anstatt in der Familie mit Jung und Alt aufzuwachsen. Solche Altersstrukturen finden sich außerhalb nirgends, weder am Arbeitsplatz, noch Sportvereinen, Musikgruppen, Kirchengemeinden, …! Vorbilder sind nicht Gleichaltrige (genauso unerfahrene Kinder) sondern z.B. Eltern/Großeltern in der Familie.
8. Zu Hause können sensible Inhalte wie Fragen zur Sexualität kindgerecht in Art, Weise und zum richtigen Zeitpunkt vermittelt werden.

9. Kinder haben zu ihren Erziehern nur eine Geschäftsbeziehung, zu ihren Eltern jedoch eine Beziehung aus Liebe. Eine Geschäftsbeziehung kann nie ein natürliches Sozialverhalten vermitteln, wie eine Beziehung aus Liebe.

10. Kinder entwickeln erst zum Ende der Grundschulzeit ein konkretes und klares Zeitgefühl. Vor allem im Kita-Alter fällt es Kinder sehr schwer einzuschätzen, wie lange es noch dauert, bis Mama/Papa wiederkommt.

11. Wenn Kinder einen Rückzugsort bei einer geliebten Person suchen (z.B. nach einem Sturz), diese aber nicht da ist und es der Bezugserzieherin gerade nicht möglich ist zu trösten, kann dies zu traumatischen Prägungen führen.

12. Freunde können unterschiedlicher sein, nicht nur innerhalb der gleichen Altersgruppe, die zufällig die gleiche Kita besuchen.

13. Ausflüge können wesentlich angenehmer und produktiver sein, wenn sie nicht mit einer großen Kitagruppe stattfinden, was meistens bedeutet, dass man zu schnell weitergehen muss und mit zu vielen Ablenkungen fertig werden muss. Ausflüge können mit größerer Regelmäßigkeit stattfinden.

14. Ehrenamtliche Tätigkeiten können in den regelmäßigen Zeitplan der Familien aufgenommen werden. Gemeinnütziges Arbeiten kann von immenser Bedeutung für die Entwicklung eines Kindes sein und ist eine großartige Lernerfahrung.

15. Kinder geraten weniger in Versuchung, ihr Wissen oder ihre Intelligenz mit anderen Kindern zu vergleichen.

16. Kinder verbringen mehr Zeit mit Menschen (Freunde und Familie), die sie wirklich lieben und die echte Zuneigung für die Kinder empfinden. Kinder haben engere Beziehungen zu Geschwistern und Eltern, da sie mehr Zeit damit verbringen, miteinander zu spielen und einander zu helfen.

17. Das Feedback über die Entwicklung des Kindes ist unmittelbar und angemessen. Sie brauchen nicht zu warten, bis die Erzieherin das Sprachlerntagebuch oder andere Protokolle auswertet.

18. Man kann Allergiker geeignetes, gesundes (bio)Essen kochen.

19. Kinder und jüngere Geschwister müssen nicht aus dem Schlaf gerissen werden- entgegen ihres natürlichem Schlafverhaltens/ohne Beachtung des natürlichen Biorhythmus, dies schwächt über längere Zeit das Immunsystem und macht so anfälliger für Krankheiten. Kinder können zu Hause individuelle Ruhepausen einlegen, wann sie es brauchen, was bei dem Lärm und Durcheinander in einer Kita nur bedingt möglich ist. Außerdem kann man den Kampf vermeiden, der die Kinder dazu bewegen soll, morgens aufzustehen und sich anzuziehen, weil man dringend zur Arbeit muss.

20. Kinder können ständig gemäß den Familienwerten geleitet werden und lernen diese Familienwerte, indem sie ihre Eltern im täglichen Leben beobachten und daran teilhaben.

21. Kinder können etwas über ihre ethnische Herkunft erfahren ohne dabei erniedrigt zu werden. Kinder können die Vielfalt der Kulturen im wirklichen Sinne kennenlernen, nicht durch in den Kitas vorgestelltes pseudo-multikulturelles Material, in dem andere von einer dominanten kulturellen Perspektive aus dargestellt werden.

22. Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden ermutigt, ihr volles Potenzial auszuschöpfen und werden nicht durch den Einsatz von 0815-Methoden eingeschränkt, die in Kitas üblich sind.

umgeschrieben und ergänzt von Alexandra T. , dennoch inspiriert durch Gründe für freie Bildung auf https://www.heimschulfamilie.de/

Muss mein Kind in den Kindergarten gehen?

Die Frage, ob ein Kind in den Kindergarten soll, stellt sich spätestens, wenn das Kind das entsprechende Alter erreicht hat. Tatsächlich scheiden sich bei diesem wie bei keinem anderen Thema die Geister der Mütter und Väter.

  • Ist der Besuch eines Kindergartens tatsächlich notwendig für mein Kind?
  • Und wenn ja, warum?
  • Kann ich mein Kind sogar bis zur Einschulung zu Hause behalten?

Welche Vor- und Nachteile bietet der Kindergarten?

Es gibt zahlreiche Vor- und Nachteile, die die Entscheidung beeinflussen. Ein Vorteil zum Beispiel ist die Entwicklung der Motorik und Sprache. Kommt das Kind im Kindergarten in eine geschlossene Gruppe mit in etwa Gleichaltrigen, profitiert es von der Entwicklung der anderen Kinder. So wird häufig beobachtet, das Kinder die Sprachschwierigkeiten, wie zum Beispiel die Bildung von ganzen Sätzen haben, die Rückstände schneller aufholen, als Kinder, die den Kindergarten nicht besuchen.Auch Geschicklichkeit, Motorik, Aufnahmefähigkeit und das Miteinander wird im Kindergarten besser geschult, als in den eigenen vier Wänden.

Ein weiterer Vorteil ergibt sich für die Eltern. Je nach Öffnungszeiten des Kindergartens, können Eltern für einige Stunden entlastet werden. Dies ist wichtig, um Stress abzubauen und dem Kind die Aufmerksamkeit schenken zu können, die es braucht und verdient. Entspannte Eltern gehen mit ihrem Kind ruhiger und liebevoller um als Eltern, die ständig unter Strom stehen.

Nicht zuletzt spielt die Bereitschaft Konflikte in einer Gruppe austragen zu können, eine wichtige Rolle für den späteren Schulbesuch. Wer nicht lernt Lösungen zu finden, der wird sich auch später damit schwer tun. Doch wo es Vorteile gibt, gibt es auch Nachteile. So werden Kinder oft in Kindergärten nicht individuell gefördert, da einfach die Zeit dazu fehlt.

Viele Kindergärten klagen über Erziehermangel und dadurch sinkt die Qualität des Kindergartens. Raufereien unter Kindern, Gezanke und manchmal auch schmerzhafte Beulen werden zum Teil übersehen, weil Erzieher keine Zeit und auch keine Möglichkeit haben jedem einzelnen Kind ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Dies kann dazu führen, dass das Kind plötzlich ungerne in den Kindergarten geht. In solchen Fällen heißt es Ruhe bewahren und mit der Erzieherin in einer ruhigen Minute zu sprechen. Oft erledigen sich solche Probleme von alleine.

Das letzte Kindergartenjahr ist zudem in Österreich verpflichtend – die Eltern werden mit Geldstrafen sanktioniert, sollten sie dieses Jahr auslassen.

Kinderkrippe: Alter, Kosten und wie die Eingewöhnung klappt

„Später komme ich wieder und hole dich ab“, sagt Beate Lohndorf als sie sich in der Kinderkrippe von ihrem Sohn Tim verabschieden soll. Auf dem Weg nach draußen kullert ihr eine Träne über die Wange. In über 20 Jahren Berufserfahrung hat Sandra Drewel-Hesse solche Situationen schon oft erlebt. Die ausgebildete Kinderkrankenschwester, geschulte familylab-Seminarleiterin und gelernte Erzieherin arbeitet seit 1995 bei der Kindertagesstätte Murkel e.V. in Siegburg. Jahrelang hat sie sich hier um die Kleinkinder unter drei Jahren gekümmert. „Die Eingewöhnung in der Kinderkrippe ist für Eltern und Kinder eine intensive Zeit“, sagt sie. „Schließlich geht der Nachwuchs hier zum ersten Mal in seinem Leben eine Bindungsbeziehung mit einem Menschen ein, der nicht zur Familie gehört.“

Bundesweit besuchen 763.000 Kinder unter drei Jahren eine Kindertageseinrichtung oder eine Kindertagespflegestelle. Im Jahr 2016 haben sich nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 49,4 Prozent der Eltern von unter Dreijährigen einen Ganztagsplatz mit einem Umfang von mindestens 35 Stunden gewünscht.

Artikelinhalte auf einen Blick:

  • Was ist eine Kinderkrippe?
  • Wer hat Anspruch auf einen Platz?
  • Wie viel kostet eine Kinderkrippe?
  • Wie sieht der Alltag in der Krippe aus?
  • Welche Öffnungszeiten sind üblich?
  • Wie findet man überhaupt eine passende Einrichtung?
  • Ab wann können Kinder in die Krippe?
  • Wie läuft die Krippeneingewöhnung ab?
  • Wie lange dauert die Eingewöhnung?

Definition: Was ist eine Kinderkrippe?

Als Kinderkrippe wird eine Institution bezeichnet, in der geeignetes Personal für einen Teil des Tages oder ganztags die Betreuung von Kleinkindern in einem Alter von unter drei Jahren (meist auch nur „U3“ genannt) übernimmt. Im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG, § 22 SGB VIII) ist verankert, dass eine solche Einrichtung zur Betreuung, Bildung und Erziehung dient, sie Kinder in ihrer Entwicklung fördern, Eltern unterstützen und ihnen dabei helfen soll, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Für Kinderkrippen gibt es sowohl öffentliche als auch freie, kirchliche und private Träger.

Zwar beschreibt das Wort „Kinderkrippe“ Betreuungsangebote für unter Dreijährige, in der Praxis kommen reine Kinderkrippen aber selten vor. Meist sind sie in einen Kindergarten (für Kinder bis zu einem Alter von sieben Jahren) oder in einer anderen Form von Kindertagesstätten integriert. Letztere sind auch unter der Abkürzung „Kita“ geläufig. Dabei handelt es sich um einen Sammelbegriff für Krippen, Kindergärten, Horte und Häuser, in denen tagsüber eine Betreuung stattfindet.

Wer hat Anspruch auf einen Krippenplatz für Kinder unter drei Jahren?

Seit dem 1. August 2013 hat jedes Kind einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr – erfüllbar durch eine Einrichtung oder Tagespflege und unabhängig davon, ob die Eltern erwerbstätig sind oder nicht. Jedoch bedeutet das nicht, dass ein Anspruch auf die persönliche Wunsch-Kita besteht: Der Betreuungsplatz muss zumutbar und wohnortnah sein. Wobei die vertretbare Entfernung zwischen Wohnort und Einrichtung in jeder Kommune anders geregelt ist.

Über das Platzangebot und das pädagogische Konzept der Einrichtungen informiert das zuständige Jugendamt des Wohnorts.

Ein Anspruch auf Förderung und Betreuung für Babys vor dem ersten Geburtstag besteht, wenn beide Eltern arbeiten, arbeitssuchend sind, sich noch in der Ausbildung befinden oder diese für die Entwicklung des Kindes notwendig ist.

Um dem erhöhten Krippenplatz-Bedarf für unter Dreijährige gerechter werden zu können, wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 400.000 neue Plätze geschaffen – bis 2021 wird die Entstehung von weiteren 100.000 Plätzen durch den Bund finanziell unterstützt.

Kinderkrippe: Zehn clevere Experten-Tipps für eine entspannte Eingewöhnung

Welche Kinderkrippen-Kosten fallen an?

Jede Kommune legt selbst fest, welche Kosten für die Kinderkrippe zu entrichten sind. Die Beiträge unterscheiden sich regional und sind abhängig vom Träger. Bundesweit besteht die Pflicht, Beiträge sozial nach dem Einkommen der Eltern, der Anzahl der Geschwisterkinder und dem Betreuungsumfang zu staffeln – wie diese Staffelungen konkret aussehen, entscheiden die Länder. Private Einrichtungen sind meist teurer, weil sie keine staatlichen Zuschüsse erhalten.

Bedürfen die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eltern einer Förderung, können die Kosten ganz oder teilweise vom Jugendamt übernommen werden.

Wie sieht der Alltag in der Kinderkrippe aus?

In einer Kinderkrippe sollen die motorischen und kognitiven Fähigkeiten, die Kreativität und die individuelle Entwicklung der Kinder spielerisch gefördert werden. Wie genau diese frühe Förderung aussieht, ist abhängig von dem pädagogischen Konzept der Einrichtung.

Erzieherin Sandra Drewel-Hesse arbeitet in einer Kindertagesstätte, die auf ein offenes Konzept setzt. Das heißt: Hier gibt es keine Gruppen, die Räume des Hauses sind nach ihrer Funktion gegliedert und jedes Kind kann sich darin frei bewegen. Kleinkindern dient bei Murkel e. V. die „Rappelkiste“ als Anlaufstelle: „Hier wurde die Raumgestaltung ihren Bedürfnissen angepasst“, erklärt Drewel-Hesse. Denn für den Alltag mit unter Dreijährigen sind besondere Bedingungen erforderlich – für das Spielen, Füttern, Schlafen und Wickeln. „Damit die Kleinen sich ihre Welt durch das Begreifen mit allen Sinnen und mit jede Menge Bewegung erschließen können. Wir verbringen viel Zeit auf dem Boden, um auf Augenhöhe mit den Kindern zu sein. Schließlich spielt der Kontakt zum Kind und auch die nonverbale Kommunikation bei Babys eine große Rolle.“

Wie sind die Öffnungszeiten in einer Kinderkrippe – auch an Feiertagen wie Weihnachten?

Jede Kinderkrippe kann selbst entscheiden, zu welchen Kernzeiten sie geöffnet hat, ob es einen Frühdienst und eine Mindestbuchungszeit gibt. Oft steht die Betreuung in einer Einrichtung ganz oder teilweise in der Zeit zwischen 7.00 und 18.00 Uhr zur Verfügung – einige Kitas öffnen aber auch später und andere schließen wiederum früher.

Die Kindertagesstätte Murkel e. V. hat sich für flexible Öffnungszeiten entschieden, um die Bedürfnisse vieler berufstätiger Eltern besser erfüllen zu können. „Ob Weihnachten, Brückentage oder Schulferien – wir haben das ganze Jahr lang offen und sind eine 24 Stunden Kita“, sagt die Erzieherin.

Doch was passiert eigentlich bei Krankheit des Kindes? Schließlich sind Infekte bei Kleinkindern ganz normal und kommen häufig vor. Die Kinderkrippen handhaben dies folgendermaßen: Machen sich Krankheitsanzeichen bemerkbar, werden die Eltern von den Erziehern informiert und darum gebeten, den kleinen Patienten abzuholen. Das Kind sollte so lange zu Hause bleiben, bis es die Krankheit auskuriert hat. Zum Wohle des Kindes und, um andere in der Krippe nicht anzustecken.

Wie findet man eine passende Kinderkrippe?

Oft achten Eltern bei der Suche nach einer Kinderkrippe vor allem auf die Nähe zu ihrem Wohnort. „Aber das ist längst nicht alles“, weiß Sandra Drewel-Hesse. „Eltern sollten sich die Einrichtung angucken und überlegen, ob auch das Konzept das richtige für sie ist“, empfiehlt sie. „Stellen Sie sich die Frage, ob Sie mit dem pädagogischen Ansatz übereinstimmen und ob Rahmenbedingungen wie Öffnungszeiten in Ihren individuellen Familienalltag passen.“

Auch der Betreuungsschlüssel spielt bei der Auswahl der Kinderkrippe eine Rolle – also wie viele Kinder von einer Fachkraft betreut werden. Gerade Kleinkinder brauchen Bezugspersonen, die ihr Aufmerksamkeit, Zuwendung und Sicherheit schenken können. In der Fachliteratur wird ein theoretisch optimaler Betreuungsschlüssel von 1:3 (eine Erzieherin für drei Kinder) für unter Dreijährige als angemessen erachtet. In der Praxis fällt er je nach Bundesland aber anders und meist mit einer höheren Anzahl an zu betreuenden Kindern pro Erzieherin aus.

Das richtige Kinderkrippen-Alter: Ab wann können Kinder in die Kita?

Kinderkrippen können selbst festlegen, ab welchem Alter die Kinder bei ihnen einen Platz bekommen. „Wir nehmen Kinder ab vier Monaten auf“, so Drewel-Hesse. „Kinderkrippen müssen sich hier natürlich danach richten, ob sie räumliche Möglichkeiten und ausreichend Personal für eine sehr frühe Betreuung haben.“ Und was ist, wenn das Baby in dem Alter noch gestillt wird? „Auch da gibt es Möglichkeiten“, erklärt die Erzieherin. „Die meisten Mütter pumpen ab, sodass wir den Babys die Muttermilch aus der Flasche geben können. Eine Mutter wurde von ihrem Arbeitgeber sogar freigestellt und kam zum Stillen zu uns ins Haus.“

Wie läuft die Krippeneingewöhnung ab?

Experten empfehlen, dass die Krippeneingewöhnung auf einem wissenschaftlich evaluierten Konzept beruht und pro Woche höchsten zwei neue Kinder aufgenommen werden sollten. Die beiden bekanntesten Modelle sind das Berliner und das Münchener Eingewöhnungsmodell.

Berliner Eingewöhnungsmodell: In einer dreitägigen Grundphase verbringt ein Elternteil gemeinsam mit dem Kind und seiner betreuenden Erzieherin jeweils ein bis zwei Stunden in der Krippe. Am vierten Tag (oder am fünften Tag, wenn der vierte Tag ein Montag ist) wird ein erster Trennungsversuch unternommen. Lässt sich das Kind von der Erzieherin beruhigen, bleibt das Elternteil für maximal 30 Minuten weg. Anderenfalls kehrt es schon nach wenigen Minuten zurück. In der anschließenden Stabilisierungsphase wird die Zeit ohne Elternteil ausgedehnt, bis sich Mutter und Vater in der Schlussphase nicht mehr vor Ort befinden, aber immer noch jederzeit erreichbar sind.

Münchener Eingewöhnungsmodell: Während einer kompletten Schnupperwoche bleiben das Kind und ein Elternteil einen ganzen Vor- oder Nachmittag in der Kinderkrippe. Dort lernen sie alle Kinder und Erzieher kennen. Am sechsten Tag erfolgt ein erster Trennungsversuch – nach und nach wird die elternunabhängige Zeit ausgedehnt. Elterngespräche finden regelmäßig statt. Im Gegensatz zum Berliner Modell ist das Münchener Modell weniger auf die Erzieherin als Bindungsperson bezogen.

In der Praxis ist die Eingewöhnung in die Kinderkrippe oft an eines dieser beiden Modelle angelehnt. So auch in der Kindertagesstätte Murkel e. V.: „Bei uns läuft die Eingewöhnung ähnlich wie im Berliner Modell ab. Aber statt uns nach einer konkreten Anzahl von Tagen zu richten, passen wir die Phasen individuell an die Bedürfnisse des Kindes an.“ Die Eltern werden dabei integriert, vor Ort ziehen sich diese aber eher zurück, um den Kontakt zwischen Erzieherin und Kind zu fördern. „Mütter und Väter sind hierbei keine Akteure, sondern der sichere Hafen“, bestätigt die Seminarleiterin.

Welche Auswirkungen die frühe Fremdbetreuung auf Kleinkinder hat, wird unter Experten kontrovers diskutiert. Zwar sei die Betreuung nicht per se schwierig, aber eine frühe, dauernde Trennung in Verbindung mit einer unzureichenden Qualität der Betreuungsangebote könne der kindlichen Entwicklung schaden und später in einer bestimmten Phase zu einem erhöhten Aggressionsverhalten führen. Auch die Stressforschung hat sich mit dem Thema beschäftigt: Bei ganztagsbetreuten Krippenkindern wurde ein Anstieg des Stresshormons Cortisol festgestellt, dass bei dauerhafter Belastung zu psychischen Störungen im fortgeschritten Alter führen könnte.

In einem Artikel für die „Psychologische Rundschau“ erklären die beiden Entwicklungspsychologinnen Sabina Pauen und Jeanette Roos, dass es ebenfalls Hinweise auf positive Konsequenzen der Kinderbetreuung gibt. Kinder können in Bezug auf das Sozialverhalten und ihre Bildungsbiografie demnach sogar von der Fremdbetreuung profitieren. Nämlich dann, wenn die Eingewöhnung sanft verläuft und die Qualität der Einrichtung durch feinfühlige und gut geschulte Fachkräfte gewährleistet ist. Auch der Austausch mit den Eltern ist dabei von Bedeutung: Sie sollen nach der Betreuung dafür sorgen, dass das Kind entspannen kann. Gefahren für die Entwicklung bestehen dann, wenn das Kind dauerhaft überfordert ist und den Stress nicht abbaut.

„Alles, was wir erleben, wirkt sich auf unsere Psyche aus“, sagt auch Sandra Drewel-Hesse. „Früher hat man die Kinder im Kindergarten einfach schreien lassen, wenn die Eltern gegangen sind. Das macht heute keiner mehr! Wir wissen, dass die Zeit in der Kinderkrippe Einfluss auf die Entwicklung nimmt. Mit einer sanften Eingewöhnung und einer zentrierten Arbeit am Kind legen wir die Grundsteine dafür, dass die Kleinen auch in ihrem späteren Leben sichere Beziehungen aufbauen können.“

Eingewöhnung in der Krippe: Wie lange dauert sie?

Als erfolgreich abgeschlossen gilt die Eingewöhnung in die Kinderkrippe dann, wenn das Kind eine sichere Bindung zu der Erzieherin aufgebaut hat und sich von ihr trösten lässt. „Mal geht das schneller und mal dauert das etwas länger“, erklärt die Expertin. In der Regel beträgt die Eingewöhnungszeit zwei bis sechs Wochen. „Gerade bei Kleinkindern ist eine sanfte Eingewöhnung wichtig. Der Übergang in die Kita soll kein Bruch, sondern eine Brücke sein.“

Wenn bei der Eingewöhnung die Zeit des Abschieds gekommen ist, fällt Eltern die Trennung meist schwerer als den Kindern. Am liebsten würden sie sich einfach heimlich herausschleichen, wenn der Nachwuchs gerade abgelenkt ist. Doch genau das sollten Sie nicht tun: „Verabschieden Sie sich stattdessen und sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie später wiederkommen.“ Nur so lernt es, dass es sich darauf verlassen kann und die Eltern nicht einfach verschwinden, wenn es gerade mit etwas anderem beschäftigt ist. „Außerdem ist das Abschiednehmen ein Lernprozess für die Entwicklung“, sagt die erfahrene Erzieherin. „Halten Sie den Abschied kurz. Sich immer wieder umzudrehen und noch ein Küsschen zu verlangen, ist kontraproduktiv.“

Doch was ist, wenn wie bei Mutter Beate Lohndorf plötzlich Tränen fließen? „Das ist völlig in Ordnung“, sagt Drewel-Hesse, „auch wenn es Kinder natürlich verunsichern kann.“ Die Erzieherin hat einen guten Tipp für weinende Eltern: „Wenn Sie wirklich vor Ihrem Kind weinen müssen, dann sagen Sie am besten: Ich bin traurig, weil ich so gerne Zeit mit dir verbringe, aber ich freue mich auf nachher, wenn ich dich abhole.“ Das hat auch bei Lohndorfs Sohn Tim gut funktioniert – längst ist die tägliche Trennung für die beiden kein Problem mehr.

Die Angst, der Sprössling könne die Erzieherin irgendwann mehr mögen als die eigenen Eltern, kann die Erzieherin Ihnen übrigens nehmen: „Das Kind wird seine Bezugsperson in der Kinderkrippe nie so sehr lieben, wie seine Eltern.“ Mütter und Väter sollten statt eifersüchtig einfach stolz auf sich selbst sein. „Dass Ihr Nachwuchs Vertrauen zu einer anderen Person aufbauen konnte, ist Ihr Verdienst. Sie als Eltern haben ihm die Sicherheit gegeben, sich so zu entwickeln. Das ist auch eine von vielen positiven Rückmeldungen für alles, was Sie in Ihrem Alltag als Mutter und Vater tagtäglich leisten.“

An genau diesem Entwicklungsprozess teilzuhaben, ist für die Erzieherin das Schönste an ihrem Beruf: „Ich begleite die Kinder auf einem Stück ihres Lebenswegs. Oft halten Eltern und manchmal sogar die Kinder noch bis in ihr Erwachsenenalter Kontakt. Das macht auch mich stolz auf meine Arbeit.“

Das richtige Kindergarten Alter: Wann ist es Zeit für Krippe und Kita?

Wann ist mein Kind reif für den Kindergarten?

Normalerweise beginnt das Kindergarten Alter mit drei Jahren. Das heißt aber nicht, dass jedes Kind direkt nach seinem dritten Geburtstag direkt den Kindergartenplatz antreten kann. Viele Kindergärten nehmen nur einmal im Jahr neue Kinder auf, jeweils zu Beginn des neuen Schuljahrs nach den Sommerferien. Aber es muss nicht nur ein Platz vorhanden sein, auch Ihr Kind selbst muss bereit sein, sich im Kindergartenalltag und im Umgang mit Kindern und Erziehern zu behaupten.

Kindergärten fördern die Entwicklung

Experten sind sich einig, dass Kinder vom Kindergarten profitieren. Das bezieht sich nicht nur auf die professionelle Betreuung und verschiedene Fördermöglichkeiten, sondern vor allem auch auf den Umgang mit anderen Kindern, der die sozialen Kompetenzen und die Selbständigkeit der Kinder fördert. Viele Eltern, die Bedenken beim Kindergartenstart haben, etwa weil ihr Kind sehr schüchtern ist, sind erstaunt von den Entwicklungsfortschritten, die es im ersten Kindergartenjahr macht.

Motorische und sprachliche Fähigkeiten sind Voraussetzung

Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Daher ist nicht so sehr das Alter, sondern vielmehr die individuelle Entwicklung entscheidend für den Kindergartenstart. So sollten Kinder sich ausreichend verständigen und Anweisungen der Erzieher umsetzen können. Motorisch sollte ein Kind in der Lage sein, die alltäglichen Abläufe rund um Händewaschen, Zähneputzen, Spielzeug aufräumen, Tisch decken oder Basteln mitmachen zu können. Das kann schon mit zweieinhalb oder auch erst mit dreieinhalb Jahren der Fall sein.

Lieber nicht zu früh starten

Ein früher Start in den Kindergarten, etwa weil kurzfristig ein Platz verfügbar ist oder weil die Eltern in den Beruf zurückmüssen, kann ein Kind belasten. So wird der lebhafte Kindergartenalltag, in dem gelacht, getobt und geschrien wird, für Zweijährige schnell zum Dauerstress. Wann ein Kind reif ist für die Kita, kommt auf die Persönlichkeit und den Entwicklungsstand des Kindes, aber auch auf die Größe und Ausrichtung der Kita an. Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl, doch notfalls sollten Sie Ihr Kind zuerst noch in der Krippe lassen oder von einer Tagesmutter betreuen lassen.

Interview mit Remo Largo: Wie viel Krippe ist gut für unsere Kinder?

Die Kita-Streiks haben ein Ende: Nach monatelangem Streit einigten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber heute darauf, dass Erzieherinnen und Erzieher künftig Anspruch auf durchschnittlich 120 Euro mehr Gehalt und einen besseren Gesundheitsschutz bekommen. Damit ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer besseren Kinderbetreuung getan. Eigentlich ein Grund zur Freude für die berufstätigen Mütter in Deutschland. Und trotzdem haben viele Frauen, die ihre Kinder fremd betreuen lassen, immer noch ein schlechtes Gewissen. Warum das wirklich unbegründet ist, erklärt der renommierte Schweizer Kinderarzt Remo H. Largo.

BRIGITTE.de: Herr Professor Largo, warum sind Krippen so gut?

Remo H. Largo : Weil ein Kind für seine soziale Entwicklung nicht nur eine, sondern mehrere Bezugspersonen braucht. Und es braucht vor allem andere Kinder – jeden Tag für mehrere Stunden. Kleinkinder spielen gemeinsam das Leben durch, das ist ihre Hauptbeschäftigung. Das kann auch die beste Mutter nicht leisten. Wenn man sich die Situation zu Hause vergegenwärtigt, ich karikiere jetzt, dann hat man da eine Kleinfamilie mit ein bis zwei Kindern. Die Mutter ist die einzige Bezugsperson, der Vater kaum verfügbar. Kinder kommunizieren aber bereits im zweiten Lebensjahr sehr viel und richten sich aufeinander aus. Wir Eltern wünschen uns, dass sich unsere Kinder empathisch verhalten. Empathie aber können Kinder nur im Umgang mit anderen lernen. Wie wichtig eine kindgerechte Umgebung ist, zeigen neuere Studien deutlich: Die Kinder, die in eine gute Krippe gehen, sind mit fünf Jahren sprachlich und sozial weiter. Und eine aktuelle Untersuchung, die Schweizer Forscher im Auftrag der Bertelsmann Stiftung in Deutschland durchgeführt haben, kommt zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Gymnasiasten bei Krippenkindern höher ist als bei den Kindern, die in der Familie aufwachsen. Es geht also nicht mehr nur um die Betreuung, sondern mindestens so sehr um die Entwicklungserfahrungen, die für ein Kind in den ersten Lebensjahren bereitgestellt werden. Und es geht um die Frage, ob mein Kind benachteiligt ist, wenn ich es zu Hause lasse – und nicht mehr um die Stellung der Mutter.

BRIGITTE.de: Und doch ist die Mutter die zentrale Figur: Krippengegner sagen, dass die Bindung des Kindes zur Mutter das Fundament seiner Persönlichkeitsentwicklung ist.

Remo H. Largo: Bindung ist eine Zeitfrage: Das Kind bindet sich an die Personen, die ihm vertraut sind und es versorgen, und nicht vorzugsweise an die Mutter – sonst wäre die Menschheit längst ausgestorben. Und Bindung hat wenig mit Qualität zu tun: Auch ein Kind, das vernachlässigt oder misshandelt wird, bindet sich an seine Bezugspersonen. Urvertrauen hingegen entsteht, wenn ein Kind Zuwendung bekommt und seine Bedürfnisse befriedigt werden, es also gestreichelt, gefüttert und gewickelt wird. Wenn sich seine Bezugspersonen feinfühlig verhalten, glaubt das Kind, dass diese Welt gut ist.

BRIGITTE.de: In Deutschland ist für dieses Gute-Welt-Gefühl in den meisten Fällen allein die Mutter zuständig…

Remo H. Largo : … und damit häufig überfordert. Schon im ersten Lebensjahr können sich Kinder, wenn auch individuell unterschiedlich, auf verschiedene Bezugspersonen einstellen. Das hat die Natur so eingerichtet, weil nicht jede Mutter in der Lage ist, für ihr Kind zu sorgen – in der Vergangenheit starben viele Frauen im Kindsbett. Die Mutter als Alleinbetreuerin ist ein Artefakt, der nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist und behauptet: Die Mutter kann am besten für das Kind sorgen und alle Mütter schaffen das nicht nur, sondern machen es auch noch mit Begeisterung. Das trifft aber nur auf einen Teil der Mütter zu. Bei der ganzen Debatte wird ja sehr häufig vom Kindswohl gesprochen – oft ohne das Wohl des Kindes zu meinen. Und auch ohne zu fragen: Was ist gut für die Mutter?

BRIGITTE.de: Also: Was ist gut für die Mutter?

Remo H. Largo: Wenn wir den Muttermythos endlich aufgeben. Wenn man zurückschaut auf die letzten Jahrtausende, dann sieht man, dass die Mutter in der Kinderbetreuung immer unterstützt wurde und niemals ausschließlich auf die Fürsorge ihrer Kinder festgelegt war. Sie musste neben der Kinderbetreuung auf vielfältigste Weise zum Überleben der Familie beitragen. Und das ist für das psychische Wohlbefinden der Mütter immer noch wichtig, wie aktuelle Studien zeigen: Wir haben in Zürich Mütter von Vorschulkindern befragt, die ausschließlich für ihre Kleinkinder da sind, also nicht arbeiten gehen. Fast die Hälfte der Mütter war offensichtlich oder latent depressiv.

BRIGITTE.de: Warum sind diese Frauen überfordert?

Remo H. Largo: Weil wir in unserer Gesellschaft von einem undifferenzierten, absoluten Fürsorgebegriff ausgehen. Die Bereitschaft zur Fürsorge ist bei Frauen – und natürlich auch bei Männern – unterschiedlich ausgeprägt, ebenso wie auch die Körpergröße oder musisches Talent unterschiedlich verteilt sind. Es gibt Frauen, die gehen in der Fürsorge völlig auf. Für sie ist die größte Befriedigung, für ihre Kinder zu sorgen. Diese Bereitschaft verdient eine hohe Wertschätzung. Aber es stimmt einfach nicht, dass alle Frauen so fürsorglich sind. Die Fürsorge wird in unserer Gesellschaft immer noch hoch stilisiert zum Lebenssinn und zur Hauptaufgabe der Frau, sie wird zum Dogma, zu einer Ideologie, die den meisten Frauen nicht gerecht wird. Wenn diese Frauen mit ein bis zwei Kindern allein zu Hause sitzen, fühlen sie sich schlecht. Dabei ist ihre Reaktion verständlich, denn ihnen fehlt etwas: Befriedigung und soziale Kontakte, die sie bislang durch ihre Arbeit erfahren haben. Arbeit und Beziehungen stärken bei Frauen und Männern das Selbstwertgefühl. Der Verlust von Arbeit bedeutet daher fast immer einen Verlust an Selbstwertgefühl. Viele Frauen verkümmern, wenn sie sich ausschließlich um ihre Kinder kümmern, sozial isoliert sind und ihre anderen Interessen und Begabungen nicht mehr leben dürfen.

BRIGITTE.de: Wenn sie aber diese Begabungen leben, kämpfen sie gegen das eigene schlechte Gewissen und die Sorge, dem Kind nicht gerecht zu werden. Und manche haben Angst, ihr Kind zu verlieren – weil es sich an neue Bezugspersonen bindet.

Remo H. Largo: Diese Frauen sollten wissen, dass bei der Betreuung zwei Voraussetzungen erfüllt sein müssen – egal, ob die Mutter, der Vater, eine Kinderfrau oder die Erzieherinnen einer Krippe für das Kind da sind: Qualität und Kontinuität. Mit Qualität ist gemeint, dass die körperlichen und psychischen Bedürfnisse des Kindes ausreichend befriedigt werden, mit Kontinuität, dass es stets mindestens eine vertraute Person um sich hat. Wenn sich das Kind dann an andere Personen bindet, ist dies kein Verlust, sondern ein Teilen. Die Eltern müssen akzeptieren, dass andere Personen auch gute Bezugspersonen für ihr Kind sein können. Sie dürfen nicht mit ihnen konkurrieren, sondern müssen sie unterstützen.

BRIGITTE.de: Was meinen Sie mit konkurrieren?

Remo H. Largo: Ein Beispiel aus meiner Praxis: Eine Geschäftsfrau wollte nach der Geburt ihres Kindes weiterarbeiten. Sie hat deshalb eine Kinderfrau eingestellt, die das Kind ausgezeichnet betreute. Dem Kind war es wohl, und es entwickelte sich wunderbar. Als es zwei Jahre alt war, realisierte die Mutter, dass nicht sie für das Kind die Hauptbezugsperson war, sondern das Kindermädchen. Das hat sie nicht ertragen. Sie entließ das Kindermädchen und stellte im Jahreswechsel Au-Pair-Mädchen ein. So wurde das Kind – relativ gesehen – emotional abhängiger von der Mutter. Für das Kind aber hatte sich die Situation entscheidend verschlechtert: Die Mutter war nach wie vor kaum verfügbar. Und mit den Au-pair- Mädchen konnte das Kind keine tiefe und kontinuierliche Bindungen aufbauen. Was die Mutter getan hat, ist eine Form von psychischer Kindsmisshandlung. Sicherlich passiert eine solche emotionale Benachteiligung nur selten in dieser ausgeprägten Form, aber sie kommt häufig abgeschwächt vor. Eine Mutter aber hat kein Monopol auf ihr Kind. Das heißt: Sie soll sich freuen, wenn ihr Kind nach dem Vater verlangt oder in der Krippe begeistert zur Erzieherin rennt. Das Wichtigste ist doch, dass es dem Kind gut geht.

BRIGITTE.de: In deutschen Krippen kommen auf eine Erzieherin im Schnitt 6,1 Kinder – ideal wären drei bis vier. Und auch das Ausbildungsniveau der Erzieherinnen ist erschreckend niedrig. Das notwendige Geld für den geplanten Krippenausbau aber ist anhand der gegenwärtigen Betreuungssituation berechnet worden. Es wird also mehr Krippen, nicht aber bessere Krippen geben. Was bedeutet das für die Kinder?

Remo H. Largo: Da habe ich gar keine Lust zu diskutieren. Die Frage, die die Gesellschaft beantworten muss, lautet: Wie viel ist uns eine gute – nicht nur Betreuung, sondern auch Entwicklung – unserer Kinder im Vorschulalter wert? Wenn wir bei der Ausbildung der Erzieherinnen und bei der personellen Ausstattung der Tagesstätten sparen, dann kommen die Kosten bei Problemkindern einfach später. Am deutlichsten sieht man das bei den Migrantenkindern.

BRIGITTE.de: Sollten alle Kinder in eine Krippe gehen?

Remo H. Largo: Ich glaube, dass wir davon abkommen müssen, die Eltern zu bevormunden. Ideal wäre, wenn der Staat den Eltern verschiedene Formen der Betreuung anbieten würde und es ihnen überließe, für was sie sich entscheiden. In Deutschlands und auch in der Schweiz wird immer noch sehr dogmatisch diskutiert: Da gibt es für alle nur einen Weg. Die Schweden machen es besser: Dort herrscht Wahlfreiheit. Die Eltern können in den ersten drei Jahren zu Hause bleiben, müssen es aber nicht.

BRIGITTE.de: Wenn wir diese Wahlfreiheit hätten: Würden dann mehr Kinder geboren werden?

Remo H. Largo: Ja. Die Frau hat heute dank Pille das erste Mal in der Menschheitsgeschichte die umfassende Entscheidungsmacht. Das führt dazu, dass viele Frauen das Schwangerwerden hinausschieben und sich beruflich engagieren. Weil sie spüren: Beides gleichzeitig schaffe ich nicht. Wenn eine Gesellschaft aber gute Möglichkeiten der Kinderbetreuung bereitstellt, und den Frauen damit zeigt, dass beides gleichzeitig funktioniert und die Kinder gut betreut werden – dann wird es wieder mehr Kinder geben.

BRIGITTE.de: Und es wird glückliche Mütter geben?

Remo H. Largo: Und glückliche Mütter, wenn diese dazu stehen, wie sie selbst „gestrickt“ sind. Es gibt Mütter, die sind glücklich daheim mit ihren Kindern. Und es gibt Mütter, die brauchen beides: Kinder und eine befriedigende berufliche Tätigkeit.

Buchtipp:

Meine Kinder blätterten kürzlich gemeinsam ihre alten Ordner aus der Krippenzeit durch. Hier sind Fotos, Basteleien, Liedtexte und einige aufgeschriebene Erinnerungen verewigt. Meine beiden Jüngsten lächeln auf den meisten Bildern, mein Ältester nur auf einem einzigen Foto. Seine Krippenzeit unterschied sich stark von der seiner Geschwister, denn seine Erzieherin war „die böse Veronika“. Er selbst hat ihr diesen Namen gegeben – allerdings erst nach Ausscheiden aus der Krippe.

Zum ersten Mal begegnete ich Veronika am Tag der offenen Tür. Wir wussten seit ein paar Tagen, dass unser Kind in der Krippe Regenbogen einen Platz bekommen hatte und wollten uns die Einrichtung jetzt gerne von innen ansehen. Krippenplätze sind auch in unserer Gemeinde rar und wir brauchten dringend einen. Ich wollte schnell wieder in meinen Job zurück. Also hatten wir bei der Anmeldung keine Priorität angegeben. Uns war wichtig, überhaupt einen Platz zu bekommen.

Inhalt

Die erste Begegnung

Ich stand also mit meinem 1,5-jährigen Sohn im Garten der Krippe und beobachtete wie ein kleiner Junge einen Stein über den Zaun warf. Vor der Krippe war ein Parkplatz – der Knirps hatte in Richtung der parkenden Autos gezielt, sie jedoch um Längen verfehlt. Da kam eine korpulente, blonde Erzieherin auf ihn zugestürmt, fasste ihn bei den Schultern und herrschte ihn an. „Oh Gott“, dachte ich. „Hoffentlich kommt mein Kleiner nicht in ihre Gruppe!“. Mein Stoßgebet wurde nicht erhöht. Unser Sohn landete in der von Veronika geleiteten, „blauen Gruppe“. Ich hatte meinem Mann von der Beobachtung im Garten der Krippe berichtet. „Du interpretierst da zu viel rein“, sagte er. „Gib ihr eine Chance“. Trotz meines unguten Bauchgefühls gab ich nach. Möglicherweise war ich auch einfach nur eine überbesorgte Mutter, die aus jeder Mücke einen Elefanten machte.

Mein Sohn ging ein knappes Jahr in die Krippe. Ich bemerkte, dass er den beiden anderen Betreuerinnen in seiner Gruppe, eine war Kinderpflegerin, die andere Berufspraktikanten, den Vorzug gab. Veronika wandte er sich nur im Notfall zu. Sie wirkte immer strenger als ihre Kolleginnen und lächelte wenig. Ich holte meinen Sohn immer so früh ab, wie möglich. Dass er dabei die Buchungszeiten unterschritt, war mir egal. Nach ca. 7 Monaten Krippenzeit wurden mein Mann und ich zum Elterngespräch gebeten. Reine Routine, sagte Veronika. Auch die anderen Eltern hätten in diesen Tagen Elterngespräche. Das stimmte auch, aber an unserem Gespräch nahmen überraschenderweise neben Veronika auch ihre beiden Kolleginnen sowie die Leiterin der Kinderkrippe teil. Unser Kind, so hieß es im Gespräch, spreche nicht gut, reagiere kaum auf Ansprache und mache allgemein einen auffälligen, oft apathischen Eindruck. Die Leiterin riet uns, einen Kinderpsychologen hinzuzuziehen.

“So ein Quatsch”

Wir verließen völlig perplex die Krippe und konnten nicht fassen, was wir da gerade gehört hatten. Bis dato hatten wir angenommen, wir hätten ein völlig normal entwickeltes Kind, dass sich nur mit dem Sprechen noch etwas schwer tat. Jetzt erklärte man uns, unser Sohn sei verhaltensauffällig. Merkwürdig an dem Gespräch war auch, dass die Leiterin der Krippe kein Interesse an unserer Sichtweise hatte. Sie hielt voll und ganz zu Veronika. Ich sprach in den nächsten Tagen mit Freunden, Verwandten und mit unserem Kinderarzt. „So ein Quatsch“, sagte dieser, als er von der Einschätzung der Erzieherinnen hörte. Apathisches Verhalten und mangelnde Reaktionen waren ihm bei meinem Sohn nie aufgefallen. Und gut sprechen könnten viele Kinder in diesem Alter noch nicht. Mein Mann und ich waren erleichtert. Seine Einschätzung deckte sich mit unserer. Doch für einen kurzen Zeitraum hatten es Veronika und ihre Vorgesetzte geschafft, uns zu verunsichern.

Um es kurz zu machen: Unser Vertrauen in die Krippe war zerstört. Wir machten uns kundig, wie ein unterjähriger Krippenwechsel funktioniert und erfuhren dabei auch von einer weiteren Familie, die die Krippe Regenbogen frühzeitig verlassen hatte. Auch ihr Kind hatte Probleme in der blauen Gruppe gehabt. Ein paar Tage später geschah etwas, das den Wechsel überflüssig machte. Veronika brach sich das Bein und fiel bis Ende des Krippenjahres aus. Sie wurde durch eine Springerin ersetzt, die weiterhin durch die Kinderpflegerin und die Berufspraktikantin unterstützt wurden. Urplötzlich ging mein Kind gern in die Kinderkrippe. In seinen letzten Krippentagen sprach ich einmal unter 4 Augen mit der Praktikantin. Sie mochte mein Kind und erklärte mir, dass sie Veronikas Einschätzung nie geteilt habe. Sie sei nur nicht in der Position, offen zu widersprechen.

Kindergarten gut – alles gut

Kurz nachdem mein Sohn in den Kindergarten kam (wo er übrigens absolut gar keine Probleme hatte), erfuhr ich, dass Veronika die Krippe Regenbogen verlassen hatte. Nicht auf eigenen Wunsch, wie es gerüchtweise hieß. Bei der Auswahl der Krippe für meine Tochter waren wir als Folge dieser Erfahrung extrem sorgfältig. Wir sahen uns verschiedene Häuser an, sprachen mit dem Personal und mit Eltern und wählten schließlich eine Krippe mit nur 2 Gruppen und einem relativ jungen Team. Die Erzieherinnen wirkten allesamt sympathisch.

Bis heute sehe ich mir den Erinnerungs-Ordner meines Großen nur ungern an. Er selbst erinnert sich nicht an die Zeit. „Die böse Veronika“ ist für ihn so etwas wie der böse Wolf. Eine schön-schaurige Geschichte eben. Ich selbst erinnere mich dafür umso besser. Meine Lehre aus dieser Zeit ist, dass ich inzwischen im Zweifelsfall auf mein Bauchgefühl höre – komme was wolle.

Wohin mit meinem Kind? Formen und Auswirkungen der Fremdbetreuung

Martin R. Textor

„Fremdbetreuung“ ist ein emotional ambivalent besetztes Thema. Die Betreuung von Kindern unter zwei oder drei Jahren außerhalb der Familie ist weiterhin umstritten. Für ältere Kinder gilt der Kindergartenbesuch inzwischen als sinnvoll und notwendig, sofern es sich nicht gerade um eine Ganztagsbetreuung handelt. Tagespflege, Elterninitiativen, Krabbelstuben oder Betreuungsangebote von Mütter- und Familienzentren spielen eher eine Nebenrolle und werden oftmals ignoriert.

In diesem Artikel geht es nun um drei Themen: (1) die Auswirkungen einer Fremdbetreuung auf Kleinkinder, (2) die verschiedenen Formen der Tagesbetreuung und (3) um die Merkmale einer qualitativ guten Kinderbetreuung. Dementsprechend gliedert sich der Beitrag in drei Teile. Im ersten und im dritten Teil werde ich vor allem Forschungsergebnisse aus Nordamerika und Skandinavien referieren, die von Professor Clarke-Stewart (in Vorb.) für ein von mir mitherausgegebenes Buch zusammengefasst wurden. In diesem Sammelband werden dann die Quellenangaben zu finden sein.

I. Auswirkungen der Fremdbetreuung auf Kleinkinder

Für die meisten Kinder ist Fremdbetreuung heute ein Teil ihres Lebens: Mehr und mehr Kinder verbringen immer mehr Zeit in irgendeiner Kindertageseinrichtung. So ist es nicht überraschend, dass sich sowohl Wissenschaftler als auch Eltern Sorgen über die Auswirkungen von Fremdbetreuung auf Kinder machen. Deshalb wurde seit den frühen 70er Jahren – vor allem in den USA und in Skandinavien – eine große Anzahl von Untersuchungen durchgeführt, um die Folgen einer außerfamilialen Betreuung zu erfassen.

In manchen Bereichen wie der emotionalen oder Persönlichkeitsentwicklung oder den Beziehungen zu den Eltern konnten bisher keine größeren Unterschiede zwischen fremdbetreuten und zu Hause erzogenen Kleinkindern ermittelt werden. Ansonsten sind die Forschungsergebnisse am deutlichsten hinsichtlich der kognitiven Entwicklung von Kindern. Hier gibt es eine namhafte Zahl von Studien, nach denen Fremdbetreuung Kinder nicht schädigt und sogar deren Entwicklung zu fördern vermag (Clarke-Stewart in Vorb.). Unter den rund zwei Dutzend Untersuchungen waren nur ein oder zwei, nach denen sich fremdbetreute Kinder intellektuell schlechter entwickelten als solche, die zu Hause erzogen wurden. Alle anderen Studien ergaben, dass die fremdbetreuten Kinder genauso gute oder sogar bessere Ergebnisse bei Tests über ihre kognitive Entwicklung erbrachten als Kinder, die nie fremdbetreut wurden. Sie besaßen mehr Kenntnisse, waren kreativer im Umgang mit Materialien, verfügten über mehr arithmetische Fertigkeiten (wie Zählen, Messen usw.), konnten Informationen besser behalten und akkurater wiedergeben und verwendeten einen komplexeren Sprachstil. Beispielsweise waren laut einer amerikanischen Untersuchung über zwei- bis vierjährige Kinder die fremdbetreuten Kleinkinder in ihrer Entwicklung im Durchschnitt um sechs bis neun Monate weiter als Kinder, die zu Hause betreut wurden (Clarke-Stewart 1984, 1987). Allerdings handelt es sich hier nur um eine zeitweilige Zunahme kognitiver Fähigkeiten. Nach den Forschungsergebnissen bleibt der Vorsprung nur so lange bestehen, wie die Kinder die Tageseinrichtung besuchen. Zu dem Zeitpunkt, zu dem sie die erste Schulklasse beenden, werden sie in der Regel von den Kindern eingeholt, die nicht fremdbetreut wurden (Clarke-Stewart in Vorb.).

Unterschiede zeigen sich manchmal auch im Sozialverhalten der Kinder (a.a.O.). Kinder aus Tageseinrichtungen sind oft sozial kompetenter, selbstbewusster, durchsetzungskräftiger und offener. Sie fühlen sich in neuen Situationen sicherer, verhalten sich weniger zaghaft und ängstlich, sind hilfsbereiter und kooperativer als Kinder, die zu Hause betreut werden. Es gibt aber noch eine andere Seite: Nach denselben Untersuchungen sind diese Kinder aber auch unhöflicher, weniger verträglich, ungehorsamer, ungestümer, gereizter und aggressiver. Dies lässt sich nach Clarke-Stewart (in Vorb.) damit erklären, dass fremdbetreute Kinder selbständiger und fest entschlossen sind, ihren eigenen Weg zu gehen – ohne jedoch schon über die sozialen Fertigkeiten zu verfügen, mit denen sie dies problemlos erreichen könnten. Deswegen sind sie weniger gehorsam gegenüber ihren Eltern und ihren Erzieherinnen.

Die bisher skizzierten Forschungsergebnisse beziehen sich überwiegend auf Kinder zwischen zwei und sechs Jahren. Jedoch wird – insbesondere von einigen Kinderärzten – vor allem eine Fremdbetreuung in den ersten beiden Lebensjahren für schädlich gehalten. Es werden hier überwiegend Forschungsergebnisse referiert, die sich auf die Bindungstheorie Bowlbys beziehen. Clarke-Stewart (1989) fasste vor einigen Jahren die Resultate vieler Untersuchungen (über insgesamt 1.247 Kleinstkinder) zusammen und ermittelte, dass 36 % der fremdbetreuten Säuglinge eine unsichere Bindung an ihre Mutter ausbildeten – im Gegensatz zu 29 % der Kleinstkinder, die zu Hause von den Eltern versorgt wurden. Diese Kinder würden später überdurchschnittlich oft „schwierig“, ungehorsam, verhaltensauffällig oder aggressiv werden. Allerdings wurde bei allen diesen Studien nur eine einzige und immer dieselbe Untersuchungsmethode eingesetzt: Mutter und Kind werden in einen ihnen unbekannten Raum gebeten, wo letzteres mit den Spielsachen eines anderen Kindes in Anwesenheit einer fremden Frau spielen darf. Die Mutter verlässt dann den Raum, und die fremde Frau spielt mit dem Kind, tröstet es usw. Nach kurzer Zeit kommt die Mutter zurück. Aus den Reaktionen des Kleinstkindes während der Abwesenheit und bei Rückkehr der Mutter wird dann auf die Qualität der Mutter-Kind-Bindung geschlossen.

Diese Untersuchungsmethode ist nun auf Kritik gestoßen (a.a.O.): So mag die beschriebene Situation für fremdbetreute Kleinstkinder eher normal sein als für nur von der Mutter versorgte Kinder. Dieses könnte erklären, wieso erstere ihre Mütter nach der Rückkehr oft nicht so überschwänglich „begrüßen“ wie letztere. Hinzu kommt, dass auch die Unterschiede zwischen beiden Gruppen von Kindern – 36 % versus 29 % – nicht besonders groß sind und letztlich niemand genau weiß, wie sich dies auf die kindliche Entwicklung auswirkt. Ferner gibt es inzwischen Forschungsergebnisse, die mit anderen Untersuchungsmethoden gewonnen wurden, nach denen sich fremdbetreute Kleinstkinder weder hinsichtlich ihrer Ängstlichkeit, ihres Selbstvertrauens noch ihrer emotionalen Angepasstheit von anderen Kindern unterscheiden. Schließlich können Ursachen für die unsichere Mutter-Kind-Bindung nicht in der Fremdbetreuung, sondern in der Familiensituation der Kinder liegen. So gibt es z.B. Anzeichen dafür, dass ihre Mütter sich weniger mit der Mutterrolle identifizieren, weniger sensibel und weniger zufrieden mit ihrer Ehe sind.

Mit dem letzten Satz wurde bereits angedeutet, dass man die „Wirkungen“ der Fremdbetreuung nicht unabhängig von den „Wirkungen“ der Familie betrachten darf. Es ist vielmehr von einer Wechselwirkung auszugehen: Positive und negative Einflüsse der Kindertageseinrichtung oder Tagespflege auf der einen und der Familie auf der anderen Seite können einander verstärken, schwächen oder ausgleichen und somit zu unterschiedlichen Entwicklungsverläufen bei den Kindern führen. Beispielsweise kann eine unsichere Mutter-Kind-Bindung durch eine positive Tagesmutter-Kind-Beziehung kompensiert werden. Generell gilt für Kleinkinder, dass die Familie eine stärkere Wirkung auf die kognitive und die Fremdbetreuung auf die soziale Entwicklung hat. Auch liegen die Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten eher in der Familie.

Überhaupt lässt sich aus den inzwischen vorliegenden Forschungsergebnissen schließen, dass der Einfluss der Familie auf die kindliche Entwicklung nicht nur größer als derjenige der Fremdbetreuung ist, sondern auch größer als der Einfluss der Schule. Aus vielen verschiedenen Untersuchungen kann geschlossen werden, dass sogar die Schulleistungen eines Kindes bis zu zwei Dritteln (der Varianz) durch Familienfaktoren und nur zu einem Drittel durch Bedingungen in der Schule erklärt werden können (Krumm 1995). In diesem Zusammenhang sei nur an die Bedeutung der Hausaufgabenbetreuung durch die Eltern erinnert. Auch erwirbt das Kind in der Familie Dispositionen, die das Lernen begünstigen oder nicht – z.B. Anspruchsniveau, Leistungsmotivation, Selbstkontrolle oder Kooperationsfähigkeit. Hinzu kommt der Einfluss der Familie auf Sprachfertigkeiten, Interessen, Einstellungen, Wissenserwerb, Selbstbild, motorische Fertigkeiten usw.

Der starke Einfluss der Familie erklärt nicht nur die großen Unterschiede zwischen Schulanfängern, sondern auch, weshalb es Lehrern in der Regel nicht gelingt, diese Unterschiede zu verringern – vielmehr wird die „Leistungsschere“ zwischen guten und schlechten Schülern immer größer. Professor Krumm (1995) fasst zusammen: „Während der Schulzeit bleibt der Einfluss der Eltern bestehen. Sie erziehen als ‚Lehrer‘ sowie indirekt durch das, was sie dem Kind vorleben. Ihr Einfluss ist größer als der der Lehrer, da sie viel mehr ‚Lehrzeit‘ zur Verfügung haben. Das Gewicht des informellen Lernens ist größer als das des formellen, weil außerhalb der Schule im Durchschnitt intensiver (z.B. während des Spielens) gelernt wird, sowie mehr und vielfältigere Interaktionen mit Personen und (Lern-)Situationen wahrscheinlich sind“ (S. 6).

II. Formen der Tagesbetreuung

Kehren wir nach diesem Exkurs zum Thema „Fremdbetreuung“ zurück. Bisher haben wir die Wirkungen der außerfamilialen Erziehung auf die kindliche Entwicklung allgemein behandelt. Es ist aber offensichtlich, dass auch die jeweilige Form der Tagesbetreuung von Bedeutung ist. Tabelle 1 ermöglicht den Vergleich von Krippe, Kindergarten, Hort, „Netz für Kinder“ und Tagespflege unter eher formalen Kriterien. Da es in jedem Bundesland andere Gesetze, Verordnungen und Richtlinien über Fremdbetreuung gibt, dient hier der Freistaat Bayern als Beispiel . Die Tabelle soll verdeutlichen, dass sich diese Betreuungsangebote schon hinsichtlich der Räumlichkeiten, des Personals, der Gruppenstärke und der Mitwirkung von Eltern unterscheiden.

Tabelle 1: Betreuungsangebote im Vergleich

Kindergarten Kinderkrippe/
Kinderhort
Netz für Kinder
Rechts-
grundlage
KJHG, Kinder-
gartengesetz
KJHG, Heimrichtlinien Richtlinien „Netz für Kinder“
Träger freigemeinnützige, kommunale, sonstige Träger freigemeinnützige, kommunale, sonstige Träger sonstige, freigemeinnützige, kommunale Träger
Anerkennung/
Betriebs-
erlaubnis
durch zuständige Behörde, staatliche Aufsicht durch zuständige Behörde, staatliche Aufsicht durch zuständige Behörde, staatliche Aufsicht
förderfähige Baukosten 1/3 Land, 1/3 Kommune, 1/3 Träger durch Kommune und Träger; bei Hort 25 % Land nur in bereits vorhandenen Räumen (Miete: 40 % Land, 40 % Kommune)
förderfähige Personal-
kosten
40 % Land, 40 % Kommune, 20 % Träger/Eltern 40 % Land nur bei freien Trägern und „Hort an der Schule“; Kommune, Eltern, Träger 40 % Land (für Eltern bis 5 DM pro Stunde), mindestens 40 % Kommune, Rest Träger/Eltern
Personal 1 Fach- und 1 Hilfskraft 1 Fach- und 1 Hilfskraft; bei Hort mindestens 1 Hilfskraft auf 2 Grp. 1 Fachkraft und 1-2 Mütter/Väter
Gruppen-
stärke
15-25 Kinder von 3 Jahren bis Schuleintritt maximal 8 Säuglinge, 12 Kleinst- oder 25 Hortkinder 12-15 Kinder von 2 bis 12 Jahren
Raum Gruppenraum mit ab 2 qm pro Kind; ab 2 Grp. ein Nebenraum ab 16 qm, ab 3 Grp. ein Mehrzweckraum ab 60 qm in Krippe Gruppenraum ab 3-3,5 qm, in Hort ab 2 qm pro Kind; in Krippe ein Ruhe-, in Hort ein Hausaufgabenraum (ab 2 bzw. 1,5 qm) ab 3,5 qm pro Kind; als Berechnungs-
grundlage dienen alle bespielbaren Flächen
Elternver-
tretung
Kindergarten-
beirat mit beratender Funktion
nicht geregelt, oft analog zum Kindergarten durch das Grundkonzept geregelt; Mitarbeit von Eltern verlangt

Während es für drei- bis sechsjährige Kinder mit dem Kindergarten und für sechs- bis zwölfjährige Kinder mit dem Hort ein „Standardangebot“ gibt, lassen sich für Kleinstkinder zwei höchst verschiedene Betreuungsformen unterscheiden: Kinderkrippe und Tagespflege, wobei in letzterer auch vereinzelt Klein- und Schulkinder anzutreffen sind. Allerdings werden – mitbedingt durch familienpolitische Leistungen wie Erziehungsurlaub und Erziehungsgeld – die weitaus meisten Kinder im Alter von unter drei Jahren von ihren Eltern oder Verwandten versorgt. Tabelle 2 ermöglicht den Vergleich zwischen der Familien- und den beiden Formen der Fremdbetreuung. Es ist offensichtlich, dass Kleinstkinder in jeder der drei Betreuungsformen verschiedene Erfahrungen machen, sich dementsprechend unterschiedlich verhalten und (etwas) anders entwickeln.

Tabelle 2: Formen der Kleinstkindbetreuung

Familie Tagespflege Kinderkrippe
verschiedene Familienformen vollständige Familie Institution
(nicht) erwerbstätige Mutter Frau als Hausfrau und Mutter Erzieherin als Berufstätige
auf Liebe basierende Eltern-Kind-Beziehung zwischen professioneller und Mutterrolle professionelle Rolle
zentrale Rolle des Kindes weniger wichtige Position des Kindes weniger wichtige Position des Kindes
große Freiräume, viel Selbstbestimmung, mehr Machtkämpfe klare Autorität, mehr Regeln, mehr Strukturierung des Tages, mehr Disziplin klare Autorität, mehr Regeln, mehr Strukturierung des Tages, mehr Disziplin
leibliches Kind fremdes Kind (neben leiblichen) ein fremdes Kind neben anderen
oft Einzelkind ein Kind neben anderen jährlicher Wechsel
in der Regel jüngste Person wechselnde Altersposition wenig Unterschied in Alterspositionen
wenig soziale Kontakte zu anderen Kleinstkindern Kontakt zu mehreren Kindern unterschiedlichen Alters Kontakt zu mehreren Kindern ähnlichen Alters
wenig Förderung sozialer Fertigkeiten soziales Lernen gefördert soziales Lernen gefördert
oft Zeitknappheit der Mutter/Eltern intensive Betreuung durch Tagesmutter aufgrund größerer Kinderzahl weniger intensive Einzelbetreuung
wenig Spielmaterial mehr Spielmaterial noch mehr Spiele/Materialien
eher Spiel für sich Spiel für sich und mit anderen Spiel für sich und mit anderen
wenig Beschäfti-
gungsangebote
mehr Spiel- und Beschäftigungsangebote mehr Spiel- und Beschäftigungsangebote
Fernsehen als „Babysitter“ mehr bewußtes Lehren: Zählen, Singen, Malen, Erkundungsgänge mehr bewußtes Lehren: Zählen, Singen, Malen

Stärken der Tagespflege gegenüber der Kinderkrippe liegen z.B. in der größeren Flexibilität der Betreuungszeiten, der kleineren Gruppe, der intensiveren Zuwendung der Betreuungsperson, der familialen Umgebung und dem geringen Infektionsrisiko. Schwächen sind hingegen die Instabilität dieser Betreuungsform, die kleinere Zahl der Spielkameraden, die schlechtere Ausstattung mit Spielsachen, die fehlende pädagogische Aus- und Fortbildung der Tagesmütter und die mangelnde Überwachung durch den Staat. So ist Tagespflege laut § 44 KJHG nicht erlaubnispflichtig, sofern nicht mehr als drei Kinder betreut werden. Tagesmütter und Eltern haben allerdings Anspruch auf Beratung durch das Jugendamt (§ 23 KJHG). Die Kosten einer Tagespflege sind in der Regel niedriger als die Kosten für eine Krippe; sie können – in beiden Fällen – unter bestimmten Umständen vom Jugendamt übernommen werden.

Sofern am Ort unterschiedliche Betreuungsangebote wie Kinderkrippe, Tagespflege, Kindergarten, Hort, Elterninitiative, Netz für Kinder, Mütterzentrum oder Mutter-Kind-Gruppe vorhanden sind, stellt sich die Frage nach der Auswahl der für den Einzelfall am besten geeigneten Form. Hier können z.B. Kriterien wie Vereinbarkeit mit der Berufstätigkeit der Eltern, Betreuungszeiten, Kosten, Gruppengröße, Stabilität des Arrangements, Elternrechte, Ausbildung der Betreuungspersonen und Qualität der Betreuung ausschlaggebend sein. Jedoch ist vielerorts das Angebot an Betreuungsplätzen außerhalb des Kindergartenbereichs sehr gering, so dass keine Auswahlmöglichkeiten bestehen.

III. Qualitativ „gute“ Kinderbetreuung

Im letzten Teil meines Artikels möchte ich noch der Frage nachgehen, woran man eine qualitativ hochwertige Kindertagesstätte erkennt – schließlich gibt es „gute“ und „schlechte“ Einrichtungen. Beginnen wir mit den Räumlichkeiten: Nach verschiedenen Forschungsergebnissen (siehe Clarke-Stewart in Vorb.) spielt die Größe des Raumes oder die bloße Menge an Spielsachen keine Rolle, sofern die Einrichtung nicht total überfüllt ist (was natürlich negative Auswirkungen hat). Viel wichtiger sind die Raumgestaltung und die Qualität der vorhandenen Spielmaterialien. Kinder entwickeln sich besser in Einrichtungen, die geschmackvoll, sauber und ordentlich wirken, den kindlichen Interessen entsprechende Spielecken haben und über viele Arten von Spielsachen und Materialien verfügen. Gibt es z.B. eine gut ausgestattete Verkleidungskiste, werden komplexere und längere Rollenspiele beobachtet.

Ferner lässt sich aus Forschungsergebnissen (a.a.O.) folgern, dass Kinder in ihrer Entwicklung eher beeinträchtigt werden, wenn sehr viele Kinder in der Gruppe sind (bei Drei- bis Vierjährigen mehr als 20) bzw. das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern sehr groß ist (größer als 1 : 10). Es dürfte also sinnvoll sein, z.B. wie beim „Netz für Kinder“ die Gruppengröße eher klein zu halten und dafür auf eine zweite Fachkraft zu verzichten.

Von Bedeutung ist auch das Verhalten der Fachkräfte: „Gute“ Erzieherinnen (oder Tagesmütter) sind in der Regel berufserfahren. Sie identifizieren sich mit ihrer Arbeit, sind hochmotiviert und bilden sich weiter. Ferner gehen sie respektvoll mit Kindern um, erniedrigen sie nicht, sind sensibel für ihre Wünsche, Bedürfnisse und Probleme, zeigen Verständnis, lassen ihnen Freiräume und Wahlmöglichkeiten, ermutigen Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Sie fördern die Zusammenarbeit zwischen Kindern sowie nichtaggressive Formen der Konfliktlösung. Auch macht es einen Unterschied, wie viel sie mit dem einzelnen Kind interagieren und von welcher Qualität die Gespräche sind.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Gestaltung des Tagesablaufs: Hier hat sich eine gewisse Strukturierung mit einem ausgewogenen Verhältnis von Freispiel und Beschäftigungen bewährt. Auf der einen Seite können die Kinder dann ihre Bedürfnisse und Interessen ausleben, haben genügend Gelegenheit, etwas selbst zu erforschen, für sich zu spielen und zu lernen. Sie können mit anderen Kindern interagieren, die als Verhaltensmodelle wirken sowie zum Messen und damit zur Entwicklung der Kräfte reizen. Auf der anderen Seite nehmen die Kinder an bildenden Aktivitäten teil, da zuviel Spiel und Interaktion mit anderen Kindern auf Dauer nicht förderlich sind. Diese Aktivitäten werden von der Fachkraft kindgemäß angeboten und umfassen alle Entwicklungsbereiche. So gibt es angeleitete Beschäftigungen, die der kognitiven Stimulierung, dem Wissenserwerb und der Schulvorbereitung dienen, die (fein-)motorische Kompetenzen und kreative Fähigkeiten fördern, die Malen und Musizieren umfassen. Auch der interkulturellen Erziehung wird Bedeutung beigemessen.

Schließlich ist eine qualitativ hochwertige Fremdbetreuung durch eine gute Kooperation zwischen Fachkraft bzw. Tagesmutter auf der einen und den Eltern auf der anderen Seite gekennzeichnet (Textor 1995). Bedenkt man, wie groß der Einfluss der Familie auf das Kind ist, kann auf eine wechselseitige Öffnung, einen intensiven Informationsaustausch, die Abstimmung des Erziehungsverhaltens und eine enge Zusammenarbeit nicht verzichtet werden. Eine intensive, vielfältige Elternarbeit und Elternmitarbeit kennzeichnen eine gute Tagesstätte.

Abschließend ist festzuhalten, dass die Qualität der Fremdbetreuung wichtiger als die jeweilige Art der Fremdbetreuung ist. Auch ist die Qualität wichtiger als die Quantität: „Mehr“ – sei es mehr Ausbildung, mehr Berufserfahrung, mehr Räume, Spielsachen, Beschäftigungen, Elternangebote usw. – bedeutet nicht notwendigerweise „besser“. Dies gilt übrigens ebenfalls für die Eltern-Kind-Beziehung: Mehr Zeit für das eigene Kind bedeutet nicht automatisch eine bessere Förderung der kindlichen Entwicklung. Auch hier ist die Qualität gemeinsamer Gespräche und Beschäftigungen ausschlaggebend.

Informationen über die Standards einer qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung sind in unserer Gesellschaft noch nicht weit verbreitet. Hier können Eltern neben Fachkräften, Verbänden und Wissenschaftlern als Multiplikatoren wirken. Das Ziel sollte sein, „schlechte“ Betreuungsangebote auszumerzen. Die Geburtenrate lässt erwarten, dass es in wenigen Jahren zumindest im Kindergartenbereich zu einem Überangebot an Plätzen kommen wird. Dann haben Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder in solchen Einrichtungen anzumelden, die qualitativ gute Arbeit leisten und den Bedürfnissen von Familien und Kindern entgegenkommen. Wenn sich die Fachkräfte in den anderen Kindergärten nicht umstellen, müssen sie dann mit der Schließung ihrer Einrichtung mangels Kinder rechnen.

Literatur

Clarke-Stewart, K.A.: Infant day care – maligned or malignant? American Psychologist 1989, 44, S. 266-273

Krumm, V.: Über die Vernachlässigung der Eltern durch Lehrer und Erziehungswissenschaft. Plädoyer für eine veränderte Rolle der Lehrer bei der Erziehung der Kinder. Manuskript. Salzburg: Universität Salzburg 1995 (später erschienen in: Zeitschrift für Pädagogik 1996, Sonderheft 34, S. 119-140)

Textor, M.R. (Hrsg.): Elternarbeit mit neuen Akzenten. Reflexion und Praxis. Freiburg, 2. Aufl. 1995

Autor

Dr. Martin R. Textor studierte Pädagogik, Beratung und Sozialarbeit an den Universitäten Würzburg, Albany, N.Y., und Kapstadt. Er arbeitete 20 Jahre lang als wissenschaftlicher Angestellter am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. Von 2006 bis 2018 leitete er zusammen mit seiner Frau das Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung (IPZF) in Würzburg. Er ist Autor bzw. Herausgeber von 45 Büchern und hat 770 Fachartikel in Zeitschriften und im Internet veröffentlicht.
Homepage: https://www.ipzf.de
Autobiographie unter http://www.martin-textor.de

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