Kreidezähne was tun

Kreidezähne rechtzeitig erkennen und behandeln

Mobil-e: Herr Prof. Krämer, was versteht man unter dem Begriff Kreidezähne?
Prof. Dr. Norbert Krämer: Bei MIH oder Kreidezähnen handelt es sich um eine Störung der Mineralisation des Zahnschmelzes, die zumeist mit dem Durchbrechen der ersten bleibenden Zähne auffällt. Aber auch die Milchzähne können bereits erste Anzeichen für Kreidezähne zeigen, wir sprechen dann von einer Milchmolaren-Hypomineralisation (MMH). Geschädigt werden diese Zähne bereits im ersten Lebensjahr, da die Mineralisation der betroffenen Zähne sehr früh beginnt. Sowohl bei der MIH als auch bei der MMH sind die Backen- und/oder Schneidezähne der betroffenen Kinder sehr weich, porös und gelb oder bräunlich verfärbt. Der Zahnschmelz platzt beim Kauen ab und die Zähne scheinen regelrecht wegzubröseln. Da der schützende Zahnschmelz dann fehlt, können solche Kreidezähne äußerst schmerzempfindlich sein und sehr sensibel auf Hitze, Kälte und Zähneputzen reagieren. Der fehlende Zahnschmelz hat darüber hinaus zur Folge, dass die Zähne stark anfällig für Karies sind.
Mobil-e: Welche Möglichkeiten der Behandlung von Kreidezähnen gibt es?
Prof. Dr. Norbert Krämer: Die Behandlung von Kindern mit MIH ist für den Zahnarzt aufgrund der Schmerzempfindlichkeit sehr problematisch. Grundsätzlich muss er äußerst vorsichtig vorgehen und sollte beispielsweise keinen Püster benutzen. Je nach Umfang der Behandlung ist gegebenenfalls auch eine Teil- oder Vollnarkose notwendig. Bei einer milden Ausprägung der MIH, also wenn die Zähne nur verfärbt sind und noch keine Defekte haben, versorgt der Zahnarzt den betroffenen Zahn mit einer Fissurenversiegelung, um ihm optimalen Schutz zu geben. Bleibende Frontzähne können auf Wunsch beispielsweise mit Kunststoff- oder Keramikfüllungen optisch den anderen Zähnen angeglichen werden. Bei der Kariesprophylaxe, die bei MIH besonders wichtig ist, helfen Zahnpasten mit Fluorid sowie ein hoch konzentrierter Fluoridlack, den der Zahnarzt bis zu vier Mal im Jahr auftragen kann. Diese Maßnahmen können dazu beitragen, auch schon von MIH befallene Zähne ein Leben lang zu erhalten. Ist es bereits zum Verlust von Zahnhartsubstanz gekommen, wird der Zahnarzt – abhängig vom Zustand des Zahns und dem Schweregrad des Defekts – eine Füllung beziehungsweise eine Teil- oder Vollüberkronung des Zahns empfehlen. In sehr schweren Fällen kann es auch sinnvoll sein, den betroffenen Zahn zu entfernen und die Lücke kieferorthopädisch zu schließen.
Mobil-e: Was kann dazu führen, dass ein Kind an Kreidezähnen erkrankt?
Prof. Dr. Norbert Krämer: Die präzise Ursache kennen wir leider noch nicht, es ist jedoch wahrscheinlich, dass mehrere Faktoren zusammenkommen, damit MIH entsteht. Fest steht, dass die Erkrankung nicht erblich ist. Da sich der Zahnschmelz der betroffenen Zähne zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr entwickelt, muss die Störung auch in dieser Zeitspanne auftreten. Das erste Lebensjahr scheint für die Fehlbildung entscheidend zu sein. Studien deuten darauf hin, dass Weichmacher aus Kunststoffen wie beispielsweise Bisphenol A (BPA) bei der Entstehung eine große Rolle spielen. Ein erheblicher Teil unserer Lebensmittel wird heute in Plastikverpackungen, die BPA und ähnliche Chemikalien enthalten, angeboten und aufbewahrt, sodass diese vermehrt mit der Nahrung aufgenommen werden. Aber es sind auch noch andere Ursachen möglich, zum Beispiel ein Sauerstoffmangel des Kindes bei der Geburt sowie verschiedene andere Komplikationen bei der Entbindung. Ebenso können sich Atemwegs- und Infektionskrankheiten sowie gehäufte Medikamenteneinnahmen in den ersten Lebensjahren auf die Schmelzbildung auswirken.
Mobil-e: Können Eltern einer Erkrankung ihres Kindes vorbeugen?
Prof. Dr. Norbert Krämer: Da die genauen Ursachen für die Entstehung von MIH noch nicht geklärt sind, ist eine wirksame Prävention nicht möglich. Dennoch kann man einiges tun, um das Risiko einer Erkrankung zu senken. So rate ich Eltern grundsätzlich dazu, beim Lebensmitteleinkauf Plastikverpackungen und beim Spielzeug insbesondere im ersten Lebensjahr Kunststoffe zu meiden. Insbesondere die bei Kindern gerade sehr beliebten „Quetschies“ – also mit Fruchtmus gefüllte Quetschbeutel – sind sehr schlecht für die Zähne. Zum einen begünstigen sie die Entstehung von Karies, weil die Zähne während des Nuckelns vom stark zucker- und säurehaltigen Fruchtpüree umspült werden. Zum anderen besteht der Nuckel aus Plastik, das wie bereits erwähnt unter Umständen chemische Stoffe enthält, die vom Kind aufgenommen werden und höchstwahrscheinlich die Entstehung von Kreidezähnen begünstigen. Bedauerlich ist, dass die Hersteller der Plastikverpackungen die Zusammensetzung der Verpackungsmaterialien nicht für den Endverbraucher sichtbar deklarieren müssen. Außerdem empfehle ich Eltern, mit ihrem Kind zum Zahnarzt zu gehen, sobald das Milchzahngebiss vollständig ist, um Karies und gegebenenfalls eine MMH-Erkrankung frühzeitig zu erkennen. In der Regel ist das mit zweieinhalb oder drei Jahren. Eine weitere wichtige Untersuchung ist dann notwendig, wenn die ersten bleibenden Zähne durchbrechen, also etwa mit fünf bis sechs Jahren. Für eine verlässliche Diagnose und eine kompetente Behandlung ist es wichtig, einen Zahnarzt zu wählen, der sich mit Kreidezähnen auskennt. Auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin bieten wir eine entsprechende Kinderzahnarztsuche nach Postleitzahlen an. Ein Zahnarzt mit entsprechender Expertise ist in der Lage, fortschreitende Substanzverluste frühzeitig zu erkennen, sie optimal zu behandeln und weitere Optionen für die häusliche Versorgung der MIH-Zähne aufzuzeigen.

Immer mehr Kinder haben Kreidezähne

Zahnärzte schlagen Alarm: Immer mehr Kinder leiden unter porösen Zähnen. Die Ursachen für die neue Volkskrankheit sind allerdings noch völlig ungeklärt. Das sollten Eltern über Kreidezähne unbedingt wissen!

Kreidezähne bei Kindern: Das sollten Eltern unbedingt über wissen

Zahnärzte sind in höchstem Maße um die Zähne von Kindern besorgt. War bislang Karies das Hauptproblem ihrer jungen Patienten, kommen nun mehr und mehr Kinder mit porösen Zähnen, sogenannten Kreidezähnen. Ihre Zähne sind rau, zerfurcht und sehen fleckig aus. Der Zahnschmelz ist weich – und das Kauen tut den Kindern teilweise weh.
Die Krankheit ist auch als Molare-Inzisive-Hypomineralisation (kurz MIH) bekannt. Entdeckt wurde MIH erst 1987, inzwischen sind 10 bis 15 Prozent der Kinder betroffen, bei den Zwölfjährigen liegt die MIH-Quote sogar bei über 30 Prozent, Tendenz steigend. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) spricht von einer neuen Volkskrankheit.
Zahnärzte beobachten MIH teilweise sogar schon in dem Stadium, in dem die Zähne noch gar nicht durchgebrochen sind. Bei manchen Kindern ist der Zahn schon vor dem Durchbruch so brüchig, dass er abbricht, bevor er ganz den Kiefer durchdrungen hat. Die Backenzähne sind am häufigsten von der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation betroffen.

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Die richtige Zahnpflege für Kinder

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Kreidezähne: Nicht mit verfärbten Zähnen verwechseln

Kreidezähne erinnern auf den ersten Blick an gewöhnliche Verfärbungen der Zähne. MIH-befallene Zähne sind aber (im Unterschied zu verfärbten Zähnen) kälte- und hitzeempfindlich und bröckeln teilweise oder auch ganz ab. Die Oberflächen der betroffenen Zähne sind weißlich-gelb bis gelb-braun. Je dunkler die Verfärbung ist, umso stärker ist der Zahn bereits erkrankt.

Wie kommt es zu Kreidezähnen?

Das große Problem ist: Eine gute Mundhygiene kann Kreidezähne nicht verhindern.Die Zähne sind bereits schadhaft, wenn sie durch den Kiefer durchbrechen. Schuld an den brüchigen Zähnen ist eine gestörte Bildung des Zahnschmelzes, der sich zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr entwickelt. Wie es zu dieser Störung kommt, ist nach wie vor völlig unklar. Jüngste Untersuchungen deuten darauf hin, dass aufgenommenes Bisphenol A bei der Entstehung eine große Rolle spielt. In Babyflaschen ist Bisphenol A seit 2011 verboten. Als weitere potenzielle Ursachen für MIH kommen Probleme während der Schwangerschaft, Infektionskrankheiten, Antibiotikagaben, Windpocken, Einflüsse durch Dioxine sowie Erkrankungen der oberen Luftwege in Betracht, so die DGZMK.

Was tun bei Kreidezähnen?

Die schlechte Nachricht lautet: Kreidezähne sind nicht behandelbar!“Weil die Veränderungen sich schon während der Zahnentwicklung ereignen und die genauen Ursachen noch nicht geklärt sind, ist eine wirksame Prävention gegen MIH nicht möglich“, so Prof. Dr. Stefan Zimmer, Präsident der DGPZM. Prävention ist nicht möglich – Prophylaxe jedoch schon! Da die brüchigen Zähne besonders kariesanfällig sind, ist eine besonders gründliche Zahnpflege mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta das A und O. Auch eine Versiegelung der Zahnfurchen mit Fluoridlack kann Sinn machen. Gehen Sie in jedem Fall mit Ihrem Kind regelmäßig zum Zahnarzt.

Die Empfehlungen der DGPZM lauten:

➤ Für Kinder unter sechs Jahren ist die täglich zweimalige Anwendung einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta dringend zu empfehlen. Die Eltern müssen darauf achten, dass die Zahnpasta intensiv in Kontakt mit den geschädigten Zähnen kommt. Bei Kindern unter zwei Jahren sollte zweimal täglich nur eine sehr kleine Menge (Tubenabstrich) verwendet werden, ab dem zweiten Geburtstag jeweils eine erbsengroße Menge. Darüber hinaus ist die Verwendung von fluoridhaltigem Speisesalz zu empfehlen. Zusätzlich ist eine viertel- bis halbjährliche Vorstellung in der Zahnarztpraxis wichtig. Der Zahnarzt kann die geschädigten Bereiche mit einem Fluoridlack behandeln, der die Zähne besonders wirksam vor Karies schützt.
➤ Ab dem Durchbruch der ersten bleibenden Zähne gelten andere Richtlinien für die Fluoridanwendung. Jetzt sollte das Kind zweimal täglich eine Junior- oder Erwachsenenzahnpasta mit höherer Fluorid-Konzentration verwenden. Die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz bleibt unverändert, zusätzlich kann aber nun zweimal täglich eine fluoridhaltige Mundspüllösung oder einmal wöchentlich ein hoch konzentriertes Fluorid-Gelee verwendet werden. Optimaler Schulz ist dann gewährleistet, wenn der Zahnarzt im Abstand von drei bis sechs Monaten die Zähne untersucht und nach Bedarf mit Fluoridlack behandelt.

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Zähneputzen: Vor oder nach dem Frühstück?

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Neue Volkskrankheit „Kreidezähne“: Die Ursache überrascht nicht wirklich

Beim Zähneputzen tun die Zähne weh? Die sind fleckig und wirken rau? Das könnten Kreidezähne sein. Zahnärzte warnen vor der neuen „Volkskrankheit“, von der vor allem Kinder und Jugendliche betroffen sind. Die Experten haben auch eine Theorie dafür, weshalb Kreidezähne bei uns so stark verbreitet sind.

Kreidezähne – auch genannt Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) – sind unangenehm: Beim Essen, Trinken oder Zähneputzen schmerzen die Zähne, auch bei sehr warmen oder kalten Getränken tun sie weh. Außerdem sehen sie unschön aus: Sie haben Furchen und sind teilweise weißlich, gelblich oder sogar bräunlich verfärbt.

Die „Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ (DGZMK) warnt nun vor der Krankheit: Etwa 10 bis 15 Prozent aller Kinder sollen betroffen sein, bei den Zwölfjährigen seien es sogar noch mehr: Knapp jedes dritte Kind (30 Prozent) habe Kreidezähne. MIH komme damit in dieser Altersstufe sogar häufiger vor, als Karies. Die DGZMK spricht daher von einer neuen Volkskrankheit. Die Kreidezähne sind nicht nur unästhetisch und schmerzhaft, durch die raue Oberfläche sind sie auch besonders kariesanfällig.

Mögliche Ursachen von Kreidezähnen

Kreidezähne entstehen, weil die Mineralisation des Zahnschmelzes gestört ist. Woran das liegt, ist noch nicht ganz klar. „Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung scheinen Weichmacher aus Kunststoffen zu spielen, die mit der Nahrung aufgenommen werden“, schreibt die DGZMK in einer Mitteilung – also Plastik. Konkret lasse sich aufgrund von Tierversuchen ein Zusammenhang zwischen Bisphenol A-Konsum (BPA) und der Entwicklung von MIH feststellen. Denkbar seien außerdem Probleme während der Schwangerschaft, Infektionskrankheiten, Antibiotika, Windpocken oder Dioxine als Ursachen.

BPA verändert den Hormonhaushalt

BPA gehört zu den weltweit am häufigsten verwendeten synthetischen Chemikalien. Das Problem: Es wirkt wie eine Art hormoneller Schadstoff, da er eine östrogen-ähnliche Wirkung hat und den Hormonhaushalt verändert.

BPA lässt sich im Alltag extrem schwer vermeiden – es steckt in Verpackungen, Plastikgeschirr, noch immer in manchen Kassenbons und Parkscheinen, Plastikschnullern, Konserven- und Getränkedosen. Beim Menschen fand man in Untersuchungen BPA im Blut, Urin, Fruchtwasser, Gebärmuttergewebe.

Für bessere Zähne: BPA im frühen Kindesalter meiden

Kreidezähne. (Foto: © DGZMK )

Da sich der Zahnschmelz zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr des Kindes entwickelt, muss die Störung der Mineralisation auch in dieser Zeit auftreten. Es ist also besonders wichtig, vor allem in diesem Zeitraum BPA möglichst zu meiden. Tipps hierzu: Wo Bisphenol A (BPA) enthalten ist und wie du es meidest. Auch wenn MIH vor allem eine Kinderkrankheit ist, kann sie auch im Erwachsenenalter auftreten. Oft sind dann die Backenzähne und die mittleren Schneidezähne betroffen.

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MIH: Neue Erkenntnisse aus der Kinderzahnheilkunde

Was heißt MIH? Wie häufig kommt das Krankheitsbild vor? Was ist die Ursache für das klinische Problem? Wie erkennt man MIH? Und schließlich: Was muss man während der MIH-Therapie beachten? – Mithilfe dieser fünf Fragen strukturierte OÄ Dr. Maria Giraki vom Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum) der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main (Poliklinik für Zahnerhaltungskunde) ihren Vortrag zum Thema Molaren-InzisivenHypomineralisation (MIH), den sie auf dem Deutschen Zahnärztetag 2017 an das Praxisteam richtete.

Ihr Ziel war es, einen Gesamtüberblick über das Thema zu geben, den aktuellen Forschungsstand vorzustellen sowie die Teilnehmer dafür zu sensibilisieren, wie entscheidend in Anbetracht der zunehmenden epidemiologi­schen Bedeutung des Krankheitsbildes die richtige Früherkennung und Therapie sind.

„Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation ist ein Wort, bei dem man aufpassen muss, sich nicht zu verhaspeln“, sagte Dr. Giraki zu Beginn ihres Vortrags und betonte, dass die als „Kreidezähne“ oder auch „Käse-Molaren“ („Cheese Molars“) bezeichneten MIH-Zähne zum Alptraum vieler Eltern werden. Denn die MIH-Zähne zeichnen sich, abhängig vom Schweregrad, nicht nur durch einen Verlust der Zahnhartsubstanz und ein erhöhtes Kariesrisiko, sondern auch durch eine hohe Empfindlichkeit (Temperatur, Berührung) und oftmals schlechte Anästhesierbarkeit aus. Gerade gelbliche bis bräunliche Opazitäten, die dabei auftreten können, sind im Frontzahnbereich auch eine ästhetische Belastung. Wenn Kinderzähne trotz guter Pflege bröckeln und vergilben, fühlen sich viele Eltern ratlos.

Genese

Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation wurde wissenschaftlich erstmals 1987 von einer schwedischen Arbeitsgruppe als eigenständiges Krankheitsbild beschrieben, die bei um 1970 geborenen Kindern vermehrt das Auftreten von „idiopathischen Schmelzhypomineralisationen“ an ersten bleibenden Molaren und Inzisiven beobachtete. Doch erst 2001 wurde eine klare Definition festgelegt, die besagt, dass die MIH ein „sys­temisch bedingten qualitativer Schmelzdefekt ist, der mindestens einen ersten bleibenden Molaren und optional die bleibenden Inzisiven betrifft“. 2003 wurden die diagnostischen Kriterien definiert und erst vor sieben Jahren die ersten klinischen Therapieempfehlungen herausgegeben.

Es wurde beobachtet, dass die ers­ten Anzeichen für MIH häufig bereits im Milchgebiss auftreten, denn bei Vorliegen von Hypomineralisationen des zweiten Milchmolaren scheint die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer MIH im bleibenden Gebiss erhöht zu sein. Daher wurde die Definition der MIH um die Definition der „Milchmolaren-Hypomineralisation“ (MMH) beziehungsweise „deciduous molar hypomineralisation“ (DMH) ergänzt.

Dabei ist die MIH keinen erst aktuell auftretenden Defekt. Bekannt ist beispielsweise ein Londonder Zähnefund aus dem 17./18. Jahrhundert, der MIH-ähnliche Veränderungen aufweist. Allerdings wird MIH heutzutage immer häufiger beobachtet und gewinnt als Krankheitsbild zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche Studien belegen, dass MIH weltweit vorkommt. In Brasilien und Dänemark wurden beispielsweise sehr viele MIH-Fälle registriert, während China eine eher geringe Häufigkeit aufweist. In Europa beträgt die Prävalenz im Durchschnitt etwa 10 Prozent, in Deutschland liegen die Werte ähnlich hoch und schwanken abhängig von der Region: In deutschen Großstädten ist das Vorkommen tendenziell höher als in ländlichen Regionen. Allerdings leidet hierzulande bereits heute jedes zehnte Kind an MIH. Die Ergebnisse der aktuellen fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie sprechen sogar von etwa jedem vierten Kind

Ätiologie

Die MIH-Ätiologie ist trotz zahlreicher Untersuchungen mit zum Teil kontroversen Ergebnissen nach wie vor unklar. In der Forschung werden sowohl prä- als auch peri- und postnatale Einflüsse diskutiert. So könnten gesundheitliche Probleme der Mutter vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel eine Rolle spielen, ähnlich wie perinataler Sauerstoffmangel, Frühgeburt, Kaiserschnitt sowie Komplikationen bei einer vaginalen Entbindung.

Postnatal, so die Forschung, könn­ten sich vor allem Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, Asthma, aber auch Infektionskrankheiten sowie gehäufte Medikamenteneinnahmen in den ersten Lebensjahren (Antibiotika, Aerosoltherapie) auf die Schmelzbildung beziehungsweise -reifung auswirken. Störungen im Mineralhaushalt insbesondere des für die Zahnentwicklung wichtigen Kalzium-Phosphat-Haushalts durch beispielsweise chronische Nierenerkrankungen sind ebenfalls als mögliche ätiologische Faktoren im Gespräch. Darüber hinaus werden Umwelttoxine, darunter vor allem Inhaltsstoffe von Kunststoffen (Bisphenol A, Polychloriertes Biphenyl), als mögliche Ursachen für die Schmelzdefekte intensiv diskutiert.

„Bisher gibt es keinen eindeutigen Beweis dafür, dass Antibiotika wie Amocixillin MIH begünstigen“, so Dr. Giraki. Ein im Tierversuch festgestellter Zusammenhang zwischen Bisphenol A (BPA) und MIH-ähnlichen Zahndefekten bei Ratten sei aber ein interessanter Hinweis darauf, dass BPA ein möglicher Faktor bei der Entstehung von MIH sein könnte. In puncto Fluoride sei in den meisten Studien ebenfalls kein Zusammenhang belegt worden. Daher appellierte Dr. Giraki ausdrücklich an die Teilnehmer, Fluoride entsprechend der aktuellen Leitlinie („Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe“) der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) für die häusliche Anwendung weiterzuempfehlen. Dr. Giraki empfiehlt insbesondere, zweimal täglich eine fluoridierte Zahnpasta (mindestens 1.000 ppm) einzusetzen, bei im Durchbruch befindlichen Molaren die Querputztechnik anzuwenden und einmal wöchentlich ein Fluoridgel (12.500 ppm) mittels Schiene oder Einbürsten zu applizieren. Hinzu kommt die tägliche Verwendung von fluoridiertem Speisesalz bei der Zubereitung von Mahlzeiten.

„Die Suche nach MIH-Ursachen ist fast wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, resümierte Dr. Giraki. „Wahrscheinlich“, so die Expertin, „handelt es sich um ein unglückliches Zusammentreffen mehrerer Faktoren.“ Da die genauen Ursachen noch nicht eindeutig erforscht sind, sei der Forschungsbedarf nach wie vor groß.

Diagnostik

In der Diagnostik kann MIH mit anderen Schmelzbildungsstörungen verwechselt werden. Dazu zählen vor allem die Amelogenesis imperfecta (eine genetisch bedingte Dysplasie, von der alle Milch- und bleibenden Zähne betroffen sind) und die Fluorose (chronische Überfluoridierung). Auch müssen die Schmelzhypoplasie und die Tetracyclinverfärbung der Zähne sowie traumatisch bedingte Schmelzopazitäten von der MIH abgegrenzt werden.

Zu den von der European Academy of Paediatric Dentistry (EAPD) 2003 erstmals empfohlenen Kriterien zur Diagnose einer MIH zählen insbesondere die scharfe Begrenzung von Opazitäten, der posteruptive Zahnhartsubstanzverlust und das Vorhandensein atypischer Restaurationen.

Das günstigste Untersuchungsalter für die MIH-Diagnose beträgt etwa acht Jahre, da dann in der Regel alle vier Molaren und Inzisiven durchgebrochen sind. Später besteht die Gefahr einer Maskierung der MIH durch Karies oder zahnfarbene Restaurationen, wobei verbliebene Opazitäten an Füllungsrändern oftmals einen MIH-Zahn als solchen entlarven. Der Ausprägungsgrad der MIH kann dabei eine milde bis schwere Form annehmen.

Was können Eltern tun, wenn Kinder von Kreidezähnen betroffen sind?

Eine neue Volkskrankheit oder Zähne, die bereits stark geschädigt durchbrechen – angesichts solcher Schlagzeilen reagieren Eltern besorgt. Wenn ein Kind an Kreidezähnen leidet, ist es nötig, zu handeln. Die Erkrankung beruht auf einer Entwicklungsstörung der bleibenden Zähne. Betroffen sind oft die ersten Backenzähne (Molaren) und Schneidezähne (Inzisivi). Abgeleitet hieraus ergibt sich die Fachbezeichnung Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (abgekürzt MIH). Für kleine Patienten kann der Zahnschmelzdefekt zu erheblichen Einschränkungen führen. Eltern leiden unter der Erkrankung mit. Es gibt einige Maßnahmen, die Familien ergreifen können, um Kinder zu unterstützen und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

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Kreidezähne: Ursachen für MIH unklar

Eine Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation lässt sich erst erkennen, wenn die 6-Jahres-Molaren (erste Backenzähne) und Schneidezähne durchbrechen. Dann werden einzelne, scharf abgegrenzte Flecken (die Zahnschmelzverfärbung) sichtbar. In schweren Fällen sind betroffene Zähne nicht nur empfindlich. Kinder leiden unter instabilen Zähnen, der Zahnschmelz bricht ein. Warum eine Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation entsteht, ist derzeit unklar. Zahnärzte diskutieren Ursachen wie:

  • Rauchen während der Schwangerschaft
  • Umweltgifte (etwa aus Kunststoffen)
  • Arzneimittelwirkstoffe

Zufriedengebende Antworten suchen Eltern aber vergebens. Für Eltern ist die Situation damit doppelt belastend. Wo Ärzte bezüglich der Ursache im Dunkeln tappen, sind nur Behandlungen der Symptome möglich. Parallel ist es schwierig, ohne die Ursachen zu kennen eine sinnvolle Prophylaxe zu betreiben.

Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation: Was können Eltern zu Hause tun?

Zahnschmelzdefekte bei MIH haben Folgen. Einzelne Verfärbungen, die an nur einem oder zwei Zähnen isoliert auftreten, sind durch den Zahnarzt beherrschbar – durch ein engmaschiges Monitoring (Kontrolle alle drei Monate) und die Verwendung von Fluoridlacken und Fissurenversiegelungen.
Eltern werden in die Behandlung eingebunden. Sie können zum Beispiel durch die Verwendung von Zahnpasta mit entsprechender Fluorid-Anreicherung oder speziellen Mundspülungen eine optimale Zahnpflege für das Kind sicherstellen. Parallel zu den klassischen Methoden zur Heimanwendung sucht die Medizin nach neuen Möglichkeiten. Eine Lösung, die diskutiert wird, ist eine Verwendung von Calcium-Phosphaten, welche mithilfe spezieller Trägermedien (Carrier) in die Zahnsubstanz eingebracht werden. Das Ziel ist eine Verbesserung der Zahngesundheit durch Remineralisierung.

Eine Studie aus Italien hat sich zum Beispiel mit der Frage befasst, inwiefern sich diese CPP-ACP-Pasten in Kombination mit Wasserstoffperoxid-Gelen verwenden lassen .

Solange die Erkrankung nicht zu einer erhöhten Sensibilität führt, ist die Mundhygiene noch unkompliziert. Durch die Fehlentwicklung werden die Zähne aber empfindlich gegenüber Temperaturreizen und mechanischen Reizen. Für Eltern bedeutet dies, dass die Zahnpflege und Mundhygiene deutlich erschwert wird – bis zur Verweigerungshaltung der Kinder.

Für Eltern von Betroffenen ist die Diagnose Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation nervenaufreibend. Trotzdem gilt es, ruhig zu bleiben und dem Nachwuchs Rückhalt zu bieten. Ab einer gewissen Schwere macht sich die Erkrankung direkt bemerkbar, wenn das Durchbrechen der Zähne (Zahnwechsel) stattfindet. Klagt der Nachwuchs beim Zähneputzen über Schmerzen oder sind an frisch durchbrochenen Zähnen gelb-braune Verfärbungen zu erkennen, muss der Gang baldmöglichst zum Zahnarzt führen.

Behandlung der Kreidezähne

Aufgrund der Empfindlichkeit, die bei MIH auftritt, ist eine schnelle Diagnose und Behandlung wichtig – um den Leidensdruck zu verringern. Das heißt für Eltern, den Zahnarztbesuch nicht auf die lange Bank zu schieben oder die Hinweise der Kinder nicht einfach zu ignorieren.

Generell ist betroffener Zahnschmelz poröser und mechanisch weniger belastbar als gesunde Zahnhartsubstanz. Daher wird in der Zahnheilkunde zur Füllungstherapie gegriffen, wenn einfache Versiegelungen nicht mehr ausreichen. Sofern ein Zahn sehr stark geschädigt und nicht mehr zu retten ist, bleibt nur noch die Extraktion (Entfernung des Zahns).

Der nächste Behandlungsschritt sind Maßnahmen für den Lückenschluss. Im Hinblick auf die Wahl des Zahnarztes ist auf Spezialisten hinsichtlich der Schmerzausschaltung Wert zu legen. Bei Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation reicht eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) mitunter nicht aus und Zahnärzte müssen zu weiteren Hilfsmitteln greifen.

Weil diejenigen, die vor fünf oder zehn Jahren ihren Abschluss in Zahnmedizin gemacht haben, in ihrem Studium nie etwas von der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation gehört haben, fehlt es auch heute noch in vielen Zahnarztpraxen an Wissen über diese Strukturstörung. „Das ändert sich allerdings gerade sehr, das Bewusstsein für MIH wächst und wir machen sehr viele Weiterbildungen zum Thema“, sagt Krämer.
Dies ist auch deshalb wichtig, weil die MIH-Flecken nicht nur kariösen Stellen ähneln. Vor allem bei betroffenen Schneidezähnen ist eine Differenzialdiagnose wichtig, hier müssen die Eltern genau befragt werden. Denn hatte ein Milchzahn vorne einmal ein Trauma, ist gestos­sen oder abgebrochen worden, kann er den verbleibenden Zahn, der noch im Kiefer steckt, verletzen. Die so entstehenden Schäden können genau gleich aussehen wie die Flecken, die MIH ­verursacht.
Bislang stehen die Zahnärzte ohnmächtig vor der MIH. Es zeigen sich keine Regelmässigkeiten: Mal sind nur die ersten bleibenden Backenzähne betroffen, die im Alter von etwa sechs Jahren durchbrechen, mal auch die späteren und die Schneidezähne. Mal sind die ­Flecken weiss-gelb, mal gelb-braun. Mal ist nur ein Höcker eines Backenzahnes bröselig, mal die ganze Krone. Mal sieht man bereits am Milchzahn erste Hinweise auf MIH, mal folgen auf ein makelloses Milchgebiss zwei völlig kaputte Molaren. Die Ärzte sind ratlos: „Da wir die Ursache der MIH nicht kennen, haben wir keine Chance auf eine Primärprävention“, sagt der Weinfelder Zahnarzt Richard Steffen.

Rau, zerfurcht, gelb verfärbt: Was Sie über „Kreidezähne“ wissen sollten

Letzte Änderung: 21.12.2018
Verfasst von Lydia Klöckner • Medizinredakteurin Dieser Artikel wurde nachNach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst.

Unsere Inhalte basieren auf fundierten wissenschaftlichen Quellen, die den derzeit anerkannten medizinischen Wissensstand widerspiegeln. Wir arbeiten eng mit medizinischen Experten zusammen.

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Zahnärzte sind besorgt: Immer mehr Kinder haben offenbar Probleme mit dem Zahnschmelz. Dieser ist nicht ausreichend mineralisiert und daher brüchig und rau – wie Kreide. Wie entstehen Kreidezähne? Welche Folgen hat die Krankheit? Und warum gab es sie früher nicht? Ein Zahnarzt beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Unser Gesprächspartner Professor Stefan Zimmer ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin und hat an der Universität Witten/Herdecke den Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin inne.

Onmeda.de: Herr Professor Zimmer, eine neue Krankheit macht Ihnen und vielen anderen Zahnärzten Sorge: Kreidezähne. Was genau hat es damit auf sich?

Prof. Stefan Zimmer: Kreidezähne ist der umgangssprachliche Begriff für eine Krankheit, die Zahnärzte als „Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH)“ bezeichnen. Das heißt so viel wie schlecht mineralisierte Backen- und Schneidezähne. Von Kreidezähnen spricht man, weil die Oberfläche der betroffenen Zähne tatsächlich Kreide ähnelt: Anders als gesunde Zähne sind Kreidezähne nicht glatt und glänzend, sondern matt, rau und zerfurcht. Manchmal sind auch gelbe bis bräunliche Flecken zu sehen.

Ist das nur ein kosmetisches Problem oder haben die Kinder Beschwerden?

Zimmer: Die Zähne sind besonders schmerzempfindlich. Vielen betroffenen Kindern bereitet das Zähneputzen, Essen und Trinken Schmerzen. Außerdem sind Kreidezähne weicher und dadurch anfälliger für Karies. Doch auch ohne Kariesbefall können sich darin Löcher bilden – allein, weil der Schmelz so brüchig ist.

„Früher kam die Krankheit so gut wie nie vor, heute sieht man sie immer häufiger.“

Ist die Krankheit tatsächlich neu oder wird das Problem jetzt erst bekannt?

Zimmer: Beides. Ich praktiziere bereits seit 30 Jahren als Zahnarzt. Bis Mitte der 1990er sind mir Kreidezähne noch nie untergekommen. Ähnliches habe ich auch von Kollegen gehört. Früher kam die Krankheit so gut wie nie vor, heute sieht man sie immer häufiger. Ob die Krankheit tatsächlich auf dem Vormarsch ist, die Zahl der Erkrankten also gestiegen ist und steigt, lässt sich aber nicht sicher sagen. Möglicherweise wurde sie früher teilweise auch durch Karies überlagert. Heute, wo wir bei Kindern im bleibenden Gebiss kaum noch Karies sehen, sind die Schäden durch MIH möglicherweise einfach nur sichtbarer. Die erste repräsentative Studie zur Verbreitung in der Bevölkerung ist erst 2016 erschienen.

Kreidezähne: Woran man sie erkennt

  • anfangs Flecken auf der Oberfläche der Zähne (weißlich-gelbliche bis bräunliche Verfärbungen)
  • Furchen auf der Zahnoberfläche
  • Hitze- und Berührungsempflindlichkeit der Zähne
  • im Endstadium poröse Zähne, die leicht brechen

Wie viele Kinder sind denn laut dieser Studie aktuell betroffen?

Zimmer: Als Referenz werden üblicherweise Zwölfjährige untersucht. Laut der Studie weisen 29 Prozent der Zwölfjährigen mindestens einen Zahn mit Kreidezähnen auf. Fünf Porzent haben so schlecht entwickelten Zahnschmelz, dass sich bereits Löcher gebildet haben.

Weiß man schon, wie es zu dieser Fehlentwicklung kommt?

Zimmer: Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Man weiß aber, dass die Entwicklung der ersten bleibenden Backenzähne sowie der bleibenden Schneidezähne bereits im Mutterleib beginnt und etwa im vierten Lebensjahr abgeschlossen ist. Das heißt: Die Erkrankung muss bereits im Baby- oder Kleinkindalter beginnen. Die betroffenen Kinder müssen in dieser Zeit irgendeinem äußeren Einfluss ausgesetzt gewesen sein, der die Mineralisierung ihrer Zähne gestört hat.

Was für ein Einfluss könnte das sein?

Zimmer: Dazu gibt es verschiedene Vermutungen. Manche Kollegen glauben, dass Infektionen, Atemwegserkrankungen oder Antibiotika zu Kreidezähnen führen könnten. Auch Windpocken werden als mögliche Ursache diskutiert. Aber all das gab es ja schon lange, bevor die Kreidezähne zum Problem wurden.

Deshalb habe ich eher den Verdacht, dass der Auslöser etwas ist, das es früher noch nicht oder noch nicht in dem Ausmaß gab wie heute. Vielleicht Umweltgifte oder schädliche Substanzen wie der Weichmacher Bisphenol A. BPA ist zum Beispiel in Getränkeflaschen aus Plastik enthalten. Bis 2011 wurde der Weichmacher auch in Babyflaschen und Schnullern verwendet. Die meisten Kinder haben also im Säuglings- und Kleinkindalter gewisse Mengen BPA zu sich genommen.

Wie genau könnte BPA die Entwicklung der Zähne beeinflussen?

Zimmer: Wenn ein neuer Zahn heranwächst, besteht er zunächst nur aus Proteinen, also Eiweiß. Diese sogenannte Protein-Matrix ist zwar schon geformt wie ein Zahn, enthält aber noch keine Mineralien und ist daher ganz weich. Erst im ersten Lebensjahr verkalken die betroffenen Zähne, lagern also immer mehr Mineralien ein. Zugleich wird ihnen das Eiweiß entzogen, sodass sie immer härter und stabiler werden. Für das Entfernen des Eiweißes aus dem Zahnschmelz sorgt ein bestimmtes Enzym. Und dieses Enzym kann durch BPA geschädigt werden. So bleibt zu viel Eiweiß im Zahn und dieser wird nicht richtig hart.

Ist nachgewiesen, dass BPA diese Wirkung hat?

Zimmer: Bisher weiß man nur aus Tierversuchen an Ratten, dass BPA solche Schäden verursachen kann.

Ergebnisse aus Tierversuchen lassen sich ja oft nicht auf den Menschen übertragen.

Zimmer: Das ist richtig. Aber in diesem Fall halte ich die Erkenntnisse aus den Rattenversuchen durchaus für aussagekräftig. Den Versuchsratten wurden keine unrealistisch hohen BPA-Mengen verabreicht. Die Forscher haben sich bei der Dosierung an Konzentrationen orientiert, wie sie auch in unserer alltäglichen Ernährung realistisch sind. Dennoch sind natürlich noch weitere Untersuchungen notwendig, um die Rolle von Weichmachern bei der Zahngesundheit zu klären.

Würden Sie bis dahin grundsätzlich davon abraten, Nahrungsmittel und Getränke aus BPA-haltigen Verpackungen zu konsumieren?

Zimmer: Ab dem sechsten Geburtstag ist die Mineralisierung fast aller bleibenden Zähne abgeschlossen. Das heißt: Erwachsene müssen nicht befürchten, Kreidezähne zu bekommen, nur weil sie aus Plastikflaschen trinken oder gelegentlich eine Dosensuppe essen. Es ist aber sicher sinnvoll, Säuglinge und Kleinkinder so gut es geht von Weichmachern fernzuhalten. Auch Schwangeren und stillenden Müttern würde ich raten, wenn möglich lieber Mineralwasser aus Glasflaschen zu trinken.

Was ist denn zu tun, wenn ein Kind bereits Kreidezähne hat?

Zimmer: Behandeln im Sinne einer Heilung lässt sich die Krankheit leider nicht. Wichtig ist, den brüchigen Schmelz, so gut es geht, vor Kariesbefall zu schützen. Das geht mit fluoridhaltiger Zahnpasta und der zusätzlichen wöchentlichen Verwendung von Fluorid-Gelee. Der Zahnarzt trägt im Rahmen der Prophylaxe in der Regel auch hochdosierten Fluoridlack auf die betroffenen Zähne auf. Fluorid stärkt die Zähne und schützt sie gegen Karies. Leider muss man es dazu regelmäßig auftragen.

Gibt es eine Möglichkeit, die Zähne nachträglich zu mineralisieren?

Zimmer: Nein, leider nicht. Wenn die bleibenden Zähne in Erscheinung treten, ist es schon zu spät. Die Mineralisierung ist abgeschlossen. Das Enzym, das dafür zuständig ist, das Eiweiß aus dem Zahn zu entfernen, um diesen härter zu machen, ist dann schon lange nicht mehr aktiv.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

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Kreidezähne


Medizinische Qualitätssicherung am 19. September 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Kreidezähne gelten laut einer Aussage vieler besorgter deutscher Zahnmediziner mittlerweile als Volkskrankheit. Betroffen von der bröselnden Zahnsubstanz sind vornehmlich Kinder und Jugendliche. Mittlerweile sind bereits 30 Prozent aller Zwölfjährigen von Kreidezähnen betroffen. Den genauen Ursachen für das vermehrte Auftreten von Kreidezähnen gehen die Mediziner noch nach. Bekannt ist die Entmineralisierung der Zähne seit dem 17. Jahrhundert. Heute spricht man unter Medizinern von einer Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, wenn bereits die Milchzähne als Kreidezähne erkannt werden.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Was sind Kreidezähne?
  • 2 Ursachen
  • 3 Symptome, Beschwerden & Anzeichen
  • 4 Komplikationen
  • 5 Wann sollte man zum Arzt gehen?
  • 6 Diagnose
  • 7 Behandlung & Therapie
  • 8 Aussicht & Prognose
  • 9 Vorbeugung
  • 10 Nachsorge
  • 11 Das können Sie selbst tun
  • 12 Quellen

Was sind Kreidezähne?

Zu den typischen Symptomen von Kreidezähnen gehört eine erhöhte Empfindlichkeit der kindlichen Zähne gegenüber Kältereizen und Berührungen.
© turhanerbas – stock.adobe.com

Definiert werden Kreidezähne – im Volksmund auch als Käse-Molaren bekannt – als systemisch bedingter Defekt am Zahnschmelz und an der Zahnsubstanz. Dieser auf einem chronischen Mineralmangel beruhende Defekt tritt oft schon bei den Milchzähnen erstmals in Erscheinung.

Später sind auch die bleibenden Zähne von den kreideartig angerauten und gelblich verfärbten Stellen an den Zähnen betroffen. Beschrieben werden die Kreidezähne auch als Hypomineralisation der Zähne.

Die Zahnhartsubstanz geht zunehmend verloren. Das Kariesrisiko und die Empfindlichkeit der Zähne gegenüber Kältereizen oder Berührungen erhöhen sich dadurch. Per Definition handelt es sich um eine systemische, aber nicht vererbbbare Zahnerkrankung.

Ursachen

Auffallend ist, dass die Kreidezähne oft bereits erkrankt sind, während sie noch aus dem Kiefer wachsen. Daher sind innerliche bzw. systemische Ursachen die wahrscheinliche Ursache. Möglicherweise entsteht die Ursache für die Demineralsierung der Kinderzähne bereits im Mutterleib. Sie findet dann in den ersten vier Lebensjahren des Kindes ihre Fortsetzung über die zugeführte Ernährung.

In diesem Zeitraum werden die Zähne normalerweise mineralisiert. Warum das geschieht, ist bisher unklar. Es können sowohl außerhalb des Körpers liegende, wie auch körperinterne Ursachen dafür vorliegen. Die Ursachenforschung für das vermehrte Auftreten der Kreidezähne ist jedoch noch in vollem Gange. Hinterfragt werden muss, warum dieses Phänomen bereits im 17. Jahrhundert verbreitet war und heutzutage wieder vermehrt auftritt.

Die von vielen Zahnärzten mitverantwortlich gemachten Weichmacher in Kunststoffen und anderen Produkten hat es damals bekanntlich noch nicht gegeben. Zwar bestätigt die Forschung, dass Umweltfaktoren wie Bisphenol A oder Phthalate in Kunststoffen sehr wohl einen Einfluss auf das Entstehen von Kreidezähnen haben können.

Doch beweisbar ist das erst langfristig. In der Diskussion stehen als Verursacher auch bestimmte Atemwegserkrankungen, latenter Sauerstoffmangel beim Geburtsvorgang oder die mehrfache Gabe von Antibiotika an kleine Kinder. Möglicherweise steht die Demineralisierung der Zähne aber auch mit einem zu hohen Zuckerkonsum von Mutter und Kind in Zusammenhang. Insbesondere Softdrinks und Cola-Getränke, die mit einem hohen Zuckergehalt aufwarten, könnten dabei unter kritische Beobachtung geraten.

Solche Getränke enthalten neben Phosphorsäure und Kohlensäure noch andere zahnschädigende Substanzen. Die in solchen Getränken enthaltenen Säuren könnten die Weichmacher aus der Flasche lösen. Weitere Studien sind zu den Ursachen noch zu tätigen. Es kann vermutet werden, dass Kreidezähne möglicherweise auf mehreren Ursachen beruhen. Solche komplexen Entstehungswege sind nur schwer feststellbar.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den typischen Symptomen von Kreidezähnen gehört eine erhöhte Empfindlichkeit der kindlichen Zähne gegenüber Kältereizen und Berührungen. Die Zähne schmerzen beim Zähneputzen, bei Berührungen mit kalter Luft und bei der Aufnahme kalter Speisen und Genussmittel.

Die Entwicklungsstörung kann sowohl den Backenzahnbereich betreffen, als auch die Frontzähne. Optisch erkennt ein Mediziner die Kreidezähne an ihrer rauen, im späteren Verlauf oft gelblich-braunen Oberfläche. Die Zähne wirken durch die Demineralisierung angegriffen. Sie sind dadurch deutlich empfänglicher für Karies oder andere Schäden an der Zahnhartsubstanz.

Komplikationen

Zu den häufigsten Komplikationen von Kreidezähnen gehört, dass sie bei normalen Belastungen durch das Kauen leichter bröseln oder abbrechen können als andere Zähne. Die demineralisierte Zahnsubstanz ist deutlich bröseliger. Sie ist weniger belastbar und deutlich angreifbarer gegenüber Karies. Daher sind auch im höheren Alter Komplikationen bei der Zahnbehandlung zu erwarten.

Abgebrochene oder stark schadhafte Kreidezähne bei erwachsenen Patienten müssen unter Umständen operativ entfernt und durch Implantate ersetzt werden. Auch psychische Belastungen wegen des unschönen Aussehens sind nicht ausgeschlossen. Solchen Begleiterscheinungen könnte der Zahnarzt jedoch durch Veneers vorbeugen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Eltern raue oder verfärbte Milchzähne bei ihren kleinen Kindern entdecken, ist eine genaue Prüfung des kindlichen Gebisses angeraten. Wenn die betroffenen Zähne auf Kältereize empfindlich reagieren, ist ein Zahnarztbesuch sinnvoll.

Je früher die Behandlung der bereits erkennbaren Demineralisierungs-Folgen beginnt, desto eher können spätere Schäden an der Zahnsubstanz verhindert werden. Der Zahnarzt kann feststellen, dass der demineralisierte Zahn einen defekten Zahnschmelz hat.

Die frühzeitige Diagnose der Kreidezähne ist wichtig, damit alle heute möglichen Maßnahmen getroffen werden können. Insbesondere die Folgeschäden an den bleibenden Zähnen müssen so gering wie möglich gehalten werden. Spätestens, wenn die ersten bleibenden Zähne durchbrechen, sollten die Eltern ihr Kind wegen der Kreidezähne einem Zahnarzt vorstellen.

Diagnose

Die Diagnose von Kreidezähnen kann leicht durch eine Sichtdiagnose vorgenommen werden. Zahlreiche weitere Untersuchungen sind dafür nicht notwendig. Bereits das Milchgebiss lässt die Spuren der Demineralisierung erkennen. Daraufhin kann der Zahnarzt den Schluss ziehen, dass auch die bleibenden Zähne von einer Demineralisierung betroffen sein werden.

Unklar ist lediglich, in welchem Umfang das der Fall sein wird. Oftmals sind nicht alle Zähne als Kreidezähne erkennbar. Meistens sind vorrangig die Backenzähne betroffen. Auf einem Röntgenbild könnte der Zahnmediziner nicht erkennen, ob die noch nicht nachgewachsenen Backenzähne ebenso demineralsiert sind wie die Milchzähne. Zu unterscheiden ist jedoch diagnostisch, ob die erkennbaren Verfärbungen der Zähne tatsächlich auf Kreidezähne hinweisen oder nicht.

Es könnte sich bei einigen Kindern vielmehr um die Folgen eines Zahntraumas handeln. Dieses würde eng begrenzt nur bei wenigen, direkt nebeneinander stehenden Zähnen auftreten. Am häufigsten sind die Frontzähne von Zahntraumata betroffen. Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation tritt hingegen auch an Stellen auf, die normalerweise nicht an Trauma-anfälligen Stellen liegen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Kreidezähnen ist komplex und langwierig. Eine Remineralisierung der bereits geschädigten Kreidezähne ist nicht möglich. Es geht bei der Therapie vielmehr darum, die Kreidezähne vor weiteren Schäden an der Zahnsubstanz zu schützen.

Hauptsächlich muss es darum gehen, spätere Kariesschäden zu verhindern oder frühzeitig zu erkennen. Die porösen Kreidezähne sind durch den angegriffenen Zahnschmelz anfälliger für Zahnschäden. Eine der wichtigsten Maßnahmen zum Schutz der Zahnsubstanz ist bei Kreidezähnen die regelmäßige Fluorisierung.

Das Alter des kleinen Patienten spielt für die Behandlung eine ebenso große Rolle, wie der Umfang und die Schwere der festgestellten Zahnschädigungen. Der Auftrag von Fluoridlack auf die betroffenen Zähne stellt eine mögliche Maßnahme gegen spätere Zahnschäden dar. Die Fluorisierung muss regelmäßig durchgeführt werden. Für ganz kleine Patienten kann es noch nicht angezeigt sein, eine fluoridhaltige Zahncreme zu benutzen. Diese wird oft verschluckt.

Die Eltern müssen den Kindern die Wichtigkeit guter Zahnpflege schon früh beibringen. Außerdem ist der regelmäßige Gang zur professionellen Zahnreinigungen ebenfalls eine wichtige Maßnahme der Kariesprophylaxe. Die Kreidezähne können außerdem zum Schutz mit einer Fissuren-Versiegelung versehen werden. Problematisch dabei ist, dass solche Versiegelungen auf der angerauten Zahnoberfläche nicht so gut haften.

Falls sich einige der Kreidezähne als bröselig oder stark schmerzhaft erweisen, können sie gegebenenfalls mittels einer passenden Krone geschützt werden. Bei Erwachsenen mit Kreidezähnen können stark verfärbte Kreidezähne mit Veneers verblendet werden. Dauerhaft steht aber zu erwarten, dass die besonders stark geschädigten Kreidezähne überkront oder entfernt werden müssen.

Aussicht & Prognose

Die Aussichten, dass die Kreidezähne trotz aller zahnärztlichen Bemühungen von Karies befallen werden, sind besser, wenn das davon betroffene Kind frühzeitig behandelt wird. Mittel- und langfristig müsste die Behandlung schon sehr viel früher einsetzen – nämlich vor einer Schwangerschaft.

Die Generation der werdenden Mütter hat offensichtlich etwas mit dem Entstehen von Kreidezähnen bei ihrem Nachwuchs zu tun. Hier müsste die prophylaktische Behandlung bereits ansetzen, damit die noch ungeborenen Kinder später weniger Zahnschäden haben. Wie das geleistet werden kann, und welche Faktoren zum Entstehen von Kreidezähnen beitragen, muss also dringlich erforscht werden.

Falls tatsächlich Weichmacher oder andere Chemikalien zum Verfall der Zahnsubstanz mit beitragen, müssten diese Stoffe baldmöglichst verboten werden. Außerdem müssten ernährungsbedingte Faktoren erforscht und anschließend abgestellt werden. Andernfalls sind die Aussichten schlecht, dass Kinder mit Kreidezähnen mehr als eine symptomatische Behandlung erfahren können.

Eine Prophylaxe ist derzeit lediglich in Richtig auf spätere Kariesschäden machbar. Hier kann die frühzeitige Aufklärung über die Gefahren durch Zuckerkonsum und ungesundes, mineralstoffarmes Essen dazu beitragen, dass sich die Prognose für die Betroffenen langfristig verbessert. Nach derzeitigem Kenntnisstand wird sich die Zahl der Betroffenen vermutlich noch erhöhen.

Vorbeugung

Vorbeugend müssten bereits die werdenden Mütter viel dazu tun, dass ihre Nachkömmlinge keine Kreidezähne bekommen. Beim Auftreten von Neurodermitis oder Kreidezähnen bei kleinen Kindern spielen wahrscheinlich neben weiteren Einflussnehmern auch ernährungsphysiologische Defizite bei der Mutter eine größere Rolle.

Wer sich als Kind und später als Erwachsener nicht gesund ernährt, wird diese Nährstoff-Defizite vermutlich auch auf ein heranwachsendes Kind übertragen. Insbesondere während der Phase, in der Kinderzähne sich in der Mineralisierung befinden, sollte daher auf Mineralreichtum bei der Ernährung geachtet werden. Dieser ist nicht mehr gegeben, wenn die Eltern des Kindes sich jahrelang mit Imbisskost und industriell hergestellter Nahrung begnügt haben.

Eltern sollten für ihre kleinen Kinder in den ersten vier Lebensjahren entscheidende Weichen dafür stellen, dass die Kinder nicht mit Kreidezähnen geschlagen sind. Vor allem im letzten Dritel der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr werden wichtige Weichen für die spätere Gesundheit des Kindes und seiner Zähne gestellt. Da die ungenügende Mineralisierung vermutlich auch das Skelett betrifft, sind bei Kindern mit Kreidezähnen spätere Skelettschäden nicht auszuschließen.

Nachsorge

Durch regelmäßige Kontroll- und Nachuntersuchungen beim Zahnarzt werden der Verlauf der Schädigung und das Ausmaß der Kreidezähne fortlaufend diagnostiziert. Dabei behandelt der Zahnarzt die geschädigten Zähne intensiv mit einer Fluoridversiegelung, die zum Schutz und gegen die Schmerzempfindlichkeit der Zähne beiträgt. Diese Versiegelung sollte alle drei Monate wiederholt werden. So ist das Fortschreiten der Erkrankung kontrollierbar und größere Zahnschäden abwendbar.

Für die Nachsorgebehandlung bei Kreidezähnen wirkt fluoridhaltige Zahnpasta effektiv. Die Zahnpasta muss dabei direkt und intensiv mit den Zähnen, die Schädigungen aufweisen, in Kontakt kommen. Durch eine kurzzeitige Einwirkzeit wird das Ergebnis der Fluoridbehandlung optimiert. Ist eine frühzeitige Diagnosestellung und Prophylaxe versäumt worden, sind die Aussichten, dass die Kreidezähne nicht von Karies befallen werden, sehr gering.

Der Substanzverlust der Zähne ist dann so weit fortgeschritten, dass eine Behandlung kaum noch den gewünschten Erfolg bringen wird. Die geschädigten Zähne müssen dann während einer Operation entfernt werden. Die Belastungen durch Schmerzen und verändertes bis entstelltes Aussehen für den Patienten nehmen zu. Patienten mit Kreidezähnen und derartigen Krankheitsverläufen benötigen daher zusätzlich eine psychologische Betreuung. Letztendlich kann mineralstoffreiche und vitaminhaltige Nahrung vor Ausbreitung der Schädigung durch Kreidezähne schützen.

Das können Sie selbst tun

Menschen, die später im Leben Eltern werden wollen, machen sich wahrscheinlich in jungen Jahren keine Gedanken darüber, ob ihre Kinder später Kreidezähne haben oder nicht. Daher sollte es gesamtgesellschaftlich auf möglichst vielen Ebenen Ansätze geben, solche Probleme zu betrachten und machbare Lösungen zu entwickeln.

Jeder einzelne kann dabei mitwirken. Wer sich lebenslang gesund ernährt und auf einen hohen Vitamin- und Mineralreichtum seiner Nahrung achtet, hat wahrscheinlich viel gegen das etwaige Entstehen von Kreidezähnen bei seinem Nachwuchs getan. Auch der eigene Zuckerkonsum sollte kritisch betrachtet werden. Vor allem aber stehen für das Entstehen von Kreidezähnen derzeit die Phthalate in Plastikflaschen im Fokus. Daher kann es sinnvoll sein, den Konsum von zucker- und säurehaltigen Getränken aus Kunststoffflaschen möglichst weitgehend zu vermeiden.

Die wiederverwertbare Glasflasche sollte als gesunde Alternative gewählt werden. Außerdem ist es auch für die eigene Gesundheit wichtig, Chemikalien jeder Art möglichst aus dem Leben herauszuhalten. Plastik-Umverpackungen von Gemüse und Obst sind durch Käufe auf dem Wochenmarkt vermeidbar. Falls die Weichmacher sich tatsächlich als eine der Ursachen für Kreidezähne bestätigen, sind alle Produkte mit Weichmachern zu vermeiden. Weichmacher sind in zahlreichen Produkten enthalten, unter anderem in Parfüm, Kunststoff-Spielzeugen, Gummi, Kautschuk, Lacken, spröden Materialien wie Plastik oder Klebstoffen.

Es steht zu befürchten, dass solche Substanzen langfristig mehr als nur Kreidezähne als Folgeschaden verursachen. Eine Demineralisierung der Zahnsubstanz könnte auch darauf hin deuten, dass bei den Betroffenen auch eine Demineralsierung der Knochen vorliegt. Diese könnte später zu einer Osteoporose führen.

Was sind Kreidezähne (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation)?

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ZAHNERKRANKUNGEN

Viele Zahnärzte und Experten sorgen sich um die womöglich neue Volkskrankheit „Kreidezähne“. Schätzungen zufolge sind 10 bis 15 Prozent aller Jugendlichen von der Krankheit betroffen. Die Krankheit kann sich allerdings bereits in der Gebärmutter entwickeln. Erfahre in diesem Artikel, was Kreidezähne genau sind, welche Ursachen und Symptome sie mit sich bringen und wie sich die Krankheit behandeln lässt.

Was sind Kreidezähne und wie sehen sie aus?

Kreidezähne sind eine Erkrankung der Zahnoberfläche, also des Zahnschmelzes. In der Fachsprache ist auch vo Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation oder MIH die Rede. Hierbei handelt es sich um eine Anomalie der Struktur des Zahnschmelzes, die je nach Schweregrad auf einem oder mehreren bleibenden Backenzähnen auftritt. Die bleibenden Schneidezähne sind seltener und meist weniger stark betroffen.

Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation macht sich durch eine gelblich-bräunliche oder weiß-cremefarbene Oberfläche der Kauflächen bemerkbar. Sie hat zur Folge, dass die Zähne deutlich empfindlicher auf Wärme und Kälte oder Stöße reagieren. Bei einem Kreidezahn ist außerdem zu erkennen, dass er keine gesunde glatte und glänzende Oberflächenstruktur besitzt. Stattdessen sieht er rau und matt aus, eben wie Kreide.

Ursachen für die Kreidezähne – Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation

Die Krankheit beginnt laut Experten bereits während der Zahnentwicklung im Alter zwischen 0 und 4 Jahren. Die Ursache für die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation konnte bislang noch nicht abschließend geklärt werden. Studien zufolge könnten aber Kunststoffbestandteile, die mit der Nahrung aufgenommen werden, verantwortlich sein. Auch Medikamente wie Antibiotika oder Infektionskrankheiten sind nicht auszuschließen.

Die bisher wahrscheinlichste Annahme von Zahnärzten ist, dass die Chemikalie Bisphenol A (BPA) die häufigste Ursache für die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation ist. BPA wird für die Herstellung von PET-Flaschen oder Verpackungen von Lebensmitteln benötigt und ist somit in fast jedem Haushalt vorhanden. Wenn die Mutter in der Schwangerschaft und später die Babys den Weichmacher aufnehmen, können sich die Partikel auf die Zahngesundheit des Babys auswirken.

Zum Beispiel kann die Versorgung mit Mineralien eingeschränkt sein, was die Entstehung von MIH zur Folge hat. Dies berichtet unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Was ist bei Kreidezähnen zu tun?

Eine Behandlung mit Aussicht auf eine vollständige Heilung der Krankheit ist nicht möglich. Die Entwicklung der Zähne erfolgt bei einem Kind bereits im frühen Alter über Enzyme, die sich ab dem fünften Lebensjahr wieder zurückbilden. Aufgrund dessen ist eine nachträgliche Versorgung mit notwendigen Mineralien nicht mehr möglich. So haben immer mehr Kinder Kreidezähne.

Wichtig für die Behandlung von MIH-Zähnen ist jedoch eine Verwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta. Außerdem ist die wöchentliche Nutzung von einem Fluoridgel zu empfehlen, denn das Spurenelement stärkt die Zahnsubstanz. Da der betroffene Zahn sehr sensibel ist, sollte der behandelnde Zahnarzt regelmäßig eine spezielle Prophylaxe und Versiegelung durchführen. Dabei trägt er hoch dosierte, fluoridhaltige Lacke auf den Zahnschmelz auf, um diesen zu schützen. Auf jeden Fall solltest du auf Kreidezähne schnell reagieren. Die betroffenem Zähne sind deutlich angreifbarer für Karies und können zudem schneller brechen.

Die auf zahnfrage.de zur Verfügung gestellten Informationen sind auf dem neuesten medizinisch-wissenschaftlichen Stand. Sie ersetzen nicht den Gang zum Zahnarzt, Kieferorthopäden oder gar medizinisch notwendige Maßnahmen.

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