Krankschreibung schwangerschaft stress

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Es kam völlig unerwartet. Anne fing heftig an zu weinen. „Jetzt ist der ganze Stoff ruiniert“, schniefte sie. Sie war gerade dabei, Gardinen für das Babyzimmer zu nähen. Anne und Tränen? Diese Powerfrau hatte ich noch nie weinen sehen. Die gestandene Architektin, die locker ein Haus für eine Weltfirma baute und zig Männer herumkommandierte. Und nun ein Heulkrampf wegen ein bisschen Stoff? „Das sind wohl die Schwangerschaftshormone, ich kann mich immer gleich so aufregen“, sagte sie. Verstehen konnte ich Anne nicht wirklich. Denn die Naht war nur ein wenig schief, mehr nicht.

Tränen in der Schwangerschaft (© Thinkstock)

Ein paar Jahre später allerdings fiel mir diese Szene wieder ein. Als ich weinend im Supermarkt stand, weil die Sahne ausverkauft war. Ich hatte mich so auf frische Erdbeeren mit Rahm gefreut und nun das. Das war so ungerecht und so gemein! Die Tränen liefen mir runter. Überhaupt hatte ich nah am Wasser gebaut. Dramen konnte ich im Fernsehen kaum ertragen. Als ich zum ersten Mal ein Babymützchen gekauft habe, war ich unendlich gerührt. So etwas kenne ich von mir gar nicht.

Aber auch andere Freundinnen berichten von Schwangerschaftstränen. Von Liedern, deren Texte Weinkrämpfe auslösen, von Rührung über ein Babyfoto und vom heftigen Wuttränen, weil der Göttergatte die falschen Brötchen mitgebracht hat.

Tränen in der Schwangerschaft sind kein Grund zur Sorge

Eine Schwangerschaft führt bei einigen Frauen zu gesteigerter Emotionalität. Gefühlsgeladene Achterbahnfahrten von strahlendem Glück zu plötzlich tiefer Trauer sind bei werdenden Müttern ganz normal. Dies liegt vor allem am Hormonhaushalt, der besonders zu Beginn der Schwangerschaft verrückt spielt.


Dass Gefühle in der Schwangerschaft ganz wichtig sind, liegt nah. Zukunftssorgen, Überforderung und anstrengende Beschwerden wie bleierne Müdigkeit oder ständiges Unwohlsein belasten viele Mütter. Oft ist dann eben eine verrutsche Naht einfach der Tropfen zu viel, der das Fass zum überlaufen bringt.

Weinen – warum eigentlich?

Wie genau sind menschliche Tränen zusammengesetzt und was bewirkten sie im Körper? Das wollten William H. Frey und Vincent Tuason vom St. Paul-Ramsey Medical Center im US-Bundesstaat Minnesota wissen.

Körpereigene Substanzen, die sich bei Stress oder starken Emotionen in unserem Körper ansammeln können, werden über die Tränendrüsen ausgeschieden. Für ihre Studie mussten 200 Männer und Frauen monatelang weinen. Peinlich genau wurde jede vergossene Träne aufgezeichnet. Dabei stellte sich heraus, dass nur 55 Prozent aller Männer einmal im Monat weinen, jedoch 94 Prozent der Frauen.

Besonders interessant fanden die Experten die Zusammensetzung der verweinten Tränen: Leuzin-Enkophalin, Lysozyme und Prolactin war in ihnen enthalten. Leuzin-E. ähnelt dem Schmerzhemmer Morphium – der Köper produziert diese Stoff selbst. Lysozyme sind antibakterielle Enzyme, die für die Infektionsabwehr benötigt werden. Und Prolactin ist ein das Hormon, das die Bildung von Muttermilch anregt.

Da bei Schwangeren das Hormon Prolactin vermehrt gebildet wird, erklärt dies wahrscheinlich auch, warum sie so nahe am Wasser gebaut haben.

Die Forscher der US-Studie konnten herausfinden, dass das Weinen den Körper von Stoffen befreit, die er unter Stress produziert. Der körperliche Heul-Effekt dient nach der These der Wissenschaftler damit unbewusst zur Entspannung oder Schmerzlinderung.

Vielleicht hat sich die Natur etwas dabei gedacht, dass werdende Mütter so ein Ventil haben, um nicht in eine Stress-Spirale zu geraten?

Generell sind können Frauen – auch wenn sie nicht schwanger sind – ihren Gefühlen leichter Luft machen. Augenärzte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in München bewiesen, dass Männer bis zu 17-mal im Jahr weinen, bei Frauen laufen bis zu 64-mal im Jahr die Tränen. Das heißt also bis zu viermal öfter. Das Interessante daran ist laut den Forschern aber, dass das Weinen nur bei sechs Prozent der Männer zu richtigen Schluchzern wird, 65 Prozent der Frauen aber geradezu heulen würden. Elisabeth Messmer, Augenärztin an der Universität München, erklärt: „Weibliches Weinen wirkt länger, dramatischer und herzzerreißender“.

Denn Tränen, so der Evolutionsbiologe Oren Hasson von der Universität Tel Aviv in der Zeitschrift „Evolutionary Psychology“, beeinflussen unser Gegenüber. Wer weine, signalisierte Verletzlichkeit und Hilfsbedürftigkeit. Und das wiederum stärke zwischenmenschliche Bindungen.

Vielleicht ist es aber auch eine Mischung aus allem. Die Tränen der werdenden Mütter helfen sicher Stress abzubauen, bewirken aber gleichzeitig Zuwendung und Trost.

Auf jeden Fall versiegt der enorme Tränenfluss auch wieder. Spätestens mit dem Ende der Stillzeit haben sich die Hormone wieder umgestellt – und die Heul-Attacken reduzieren sich wieder auf das gewohnte Maß zurück. Das ist hoffentlich ein Trost.

Gesundheit: Zu viel Stress schadet dem Baby

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Wie eine neue, noch unveröffentlichte Studie der Berliner Charité zeigt, steigt die Zahl der Fehl- oder Frühgeburten, wenn die werdende Mutter sich im ersten Drittel der Schwangerschaft besonders gestresst fühlt. „Außerdem macht sogenannter pränataler Stress die Kinder anfälliger für chronische Krankheiten wie Neurodermitis“, sagte Studienleiterin Professorin Petra Clara Arck bei einer Fachveranstaltung in Basel.

Höheres Alter und Übergewicht als Risikofaktoren

An der Berliner Studie haben rund 1000 Frauen teilgenommen; 922 Geburten standen 55 Fehlgeburten gegenüber. Alle Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten, waren Befragungen zufolge im ersten Teil der Schwangerschaft stark belastet. Psychischer Stress begünstigt Entzündungsreaktionen im Organismus, die wiederum das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen erhöhen. In Kombination mit dem Stress haben sich ein höheres Alter – über 33 Jahre – sowie Übergewicht als weitere Risikofaktoren für eine Fehlgeburt herausgestellt.

Normalerweise schaffen Hormone, Nerven- und Immunsystem in der Schwangerschaft ein besonderes Klima, das eine Abstoßung des Fötus verhindert. Diese Toleranzmaßnahmen sind nötig, weil fötale Zellen zur Hälfte aus väterlichem, also fremdem Erbgut bestehen. So werden in der Gebärmutterschleimhaut vermehrt entzündungshemmende Zytokine gebildet, und die für die Immunabwehr zuständigen T-Zellen stellen ihre Aktivitäten ein.

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Eine Schlüsselrolle bei diesen Vorgängen spielt Progesteron, das sogenannte Gelbkörperhormon. Es schützt die Schwangerschaft vom ersten Tag an, indem es die Gebärmutterschleimhaut auf das Einnisten des befruchteten Eis vorbereitet und vorzeitige Wehen verhindert.

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Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und CRH (Corticotropin Releasing Hormone) durchkreuzen diese Bemühungen, indem sie die Produktion von Progesteron hemmen beziehungsweise dessen Abbau fördern. Gleichzeitig kurbeln sie die Bildung entzündlicher Substanzen an. Parallel zu den sinkenden Progesteronspiegeln lässt die Toleranz des Organismus gegenüber dem Fötus nach – das Risiko einer Abstoßung steigt. Diese seit Längerem vermuteten Zusammenhänge wurden jetzt sowohl in Tierversuchen mit Mäusen als auch in der Berliner Studie bestätigt.

Fehl- und Frühgeburten möglich

Neben den Fehlgeburten traten auch Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht bei den stressbelasteten Frauen häufiger auf als bei den anderen Schwangeren.

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Vermutlich beeinflusst der pränatale Stress die Gesundheit eines Kindes sogar lebenslang. „Ein Drittel der Kinder unserer Untersuchung ist inzwischen drei Jahre und älter. Bei den Kindern, deren Mütter stressbedingt niedrigere Progesteronwerte hatten, stellen wir heute vermehrt Neurodermitis fest“, sagte Arck. Im Tierversuch waren die „Stressbabys“ darüber hinaus anfälliger für Asthma. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Entzündungsreize den Blutfluss in der Plazenta behindern und damit die Ernährung des Kindes.

„Ziel der Forschung ist es nun, Schwangere zu identifizieren, die besonders gefährdet sind und von einer Progesteron-Ergänzung während der Schwangerschaft profitieren würden“, erläuterte Arck. Im Tierversuch gelang es bereits, stressbedingte Fehlgeburten durch die zusätzliche Gabe von Progesteron zu verhindern.

Yoga zur Stressvermeidung

Die Bestimmung des Progesteronspiegels in der Frühphase der Schwangerschaft gehört bisher jedoch nicht zu den gängigen Vorsorgemaßnahmen, so Arck. Außerdem gibt es keine Normwerte für einen ausgeglichenen Progesteronspiegel; dieser ist zyklusabhängig und kann zwischen weniger als 0,1 bis über zehn Nanogramm pro Liter schwanken.

Immer mehr Angebote für Schwangere

Von Babykino bis Stoffwindelberatung: Das Geschäft mit Angeboten für werdende Mütter boomt. Rund 100 Millionen Euro haben Schwangere 2015 für – nicht immer notwenige – Zusatzangebote ausgegeben.

Mein lieber Mann!

Es ist ungerecht, wahnsinnig unfair. Doch es ist nun mal so: Die Frau kriegt die Kinder, und du, der Mann, stehst daneben und wunderst dich.

Du findest mich in letzter Zeit etwas überspannt? Kann schon sein. „Wir sind eben schwanger“, sagst du dann und seufzt. Nee, biste nicht. Oder rennst du jede Nacht etwa 15 Mal ins Bad? Steigst vorzeitig am Spittelmarkt aus der U2, um dich in einen Mülleimer zu übergeben? Verzichtest einen ganzen Sommer lang auf das Glas Sauvignon Blanc zur abendlichen Gelegenheitszigarette? Und schmerzen deine Brüste vielleicht so, dass du sie beim treppab laufen mit den Händen stützen musst? Musst du tagein, tagaus die immer gleichen Sprüche Wildfremder parieren? Lebst du in der Gewissheit, dass du bereits in wenigen Wochen auf dem Rücksitz eines Taxis Wehen veratmen wirst, die dich brüllen lassen werden wie ein angeschossenes Tier?

Obwohl mit deinem Körper nichts weiter Auffälliges passiert, könntest du doch einiges tun, wenn möglich ungefragt.

Halte dich zum Beispiel unbedingt massagebereit. Immer.

Das ist nicht schwierig. (Doch wenn du es wirklich nicht drauf hast, verspannte Schultern zu kneten, verschenke ein Zehner-Abo für die Schwangerenmassage. Ja, das ist teuer. Verzichte halt eine Saison aufs Bezahlfernsehen, dann wird’s schon gehen.)

Horte stets genügend Lebensmittel. In Berlin haben viele Supermärkte bis 24 Uhr geöffnet, es gibt also keine Ausrede. Du denkst, du weißt, was Hunger ist und glaubst, die Erde drehe sich auch dann weiter, wenn nicht sofort Spaghettei mit Pesto Calabrese auf dem Tisch stehen? Mache dir bitte keine Illusionen.

Schlafe niemals vor mir ein. Dein seliges, leises Schnarchen ist nichts weiter als ein Affront. Ich wuchte meinen Bauch seit Stunden hellwach von einer Seite auf die andere, also lade die neue Staffel „Girls“ runter und unterhalte mich!

Ein Ultraschall-Termin beim Gynäkologen steht an. Du kommst selbstverständlich mit und zeigst angemessene Rührung. Und bitte blamiere mich nicht mit unqualifizierten Kommentaren. (Merke: Der Schwangerschafts-Countdown beginnt bereits mit dem ersten Tag der ausgebliebenen Periode. Google das, bist du es verstehst!)

Du möchtest Liebe, Sex und Zärtlichkeit?

Im 1. Trimester wegen Dauerübelkeit und Bauchschmerzen undenkbar. Im 2. Trimester in Ausnahmefällen möglich. Im 3. Trimester gegen die Natur. Mache aus dem Elefanten eine Mücke. Also lobe meine „weibliche“ Silhouette auch dann noch, wenn ich aussehe wie aus dem Serengeti-Park entlaufen. Toleriere, wenn ich die Haushaltskasse plündere, um bei „Sexy Mama“ einen französischen Umstands-Bademantel für den Klinikkoffer zu kaufen. Hey, der passt auch später noch!

Sei gewiss: Auch mich wird der Nestbautrieb irre werden lassen. Probiere erst gar nicht, Einfluss zu nehmen. Wir können gerne darüber reden, aber letztlich bestimme ich, welche Farbe die Kinderzimmerwand haben und wo der Wickeltisch aufgebaut wird (von dir natürlich).

Sei in den richtigen Augenblicken sentimental. Ich bin nicht mehr das zynische Biest, das ich einmal war. In meinem Bauch wächst ein neues Leben heran! Sprich mit ihm! Und bitte mehr als nur: „Hallo, äh, ich bin dein Vater …“

Massiere mich lang und ausdauernd. Auch die Füße. Ach so, entschuldige, das hatte ich schon. Schwangerenvergesslichkeit ist nur eine ganz milde Verlaufsform der Stilldemenz. Apropos Füße: Ja, ich muss wirklich so oft zur Pediküre. Das liegt daran, dass ich meine Zehen weder sehen noch berühren kann. Kannst du dir vorstellen, wie das ist? Kannst du nicht.

Mache dich mit dem Ablauf einer spontanen Geburt vertraut, falls du dabei sein wirst.

Informiere dich über solche Dinge wie das CTG, die PDA, die Vakuum-Extraktion, die Sectio sowie die Episiotomie – und rede mit mir darüber. Wichtig, damit du nicht im Kreißsaal aus allen Wolken fällst, wenn plötzlich Hektik entsteht und an mir herumgeschnippelt wird.

Sei aber bitte auch kein Klugscheißer. Wir haben besprochen, es ohne PDA zu probieren – und jetzt schreie ich nach der Anästhesistin? Akzeptiere den Richtungswechsel und sieh zu, dass die Narkose gelegt wird. Sofort.

Halte mir im Wochenbett den Besuch vom Leib. Deine Großtante will kommen? Sie kann gerne eine Sahnetorte vor der Wohnungstür abstellen. So. Das war‘s ganz grob. Vergiss bitte nicht, dass ich bald schon wieder ich selbst sein werde. Nach dem Abstillen, wenn unser Baby sechs oder acht Monate sein wird.

Deine Frau.

Krankschreibung wegen „Frauenthemen“

Was Frauen alles durchmachen, aber nicht in die Arbeit tragen wollen
Wenn eine Frau immer wieder bei der Arbeit fehlt, aber nicht mitteilt, warum sie krankgeschrieben ist, können die Gründe auch in einer Schwangerschaft, einer Fehlgeburt, einem unerfüllten Kinderwunsch oder dem prämenstruelle Syndrom, kurz PMS, liegen.

Warum das Fehlen aus den genannten Gründen ein wichtiges und zu wenig beachtetes Thema ist, zeigt dieser Artikel. Es geht um körperliche und psychische Belastungen und um die Auswirkungen – bei der betroffenen Frau, aber auch beim Arbeitsumfeld – schließlich fehlt eine Mitarbeiterin.

Das Thema „Krankschreibung ohne Angabe von Gründen“ betrifft jeden, Männer wie Frauen. Der Artikel Ständig krankgeschrieben behandelt das Thema allgemein und geschlechtsneutral. Ich habe mich in dem heutigen Artikel bewusst auf spezielle Frauenthemen fokussiert, wohlwissend, dass es auch bei Frauen noch völlig andere Krankschreibungsgründe gibt.

Wenn das Babythema zum Drahtseilakt wird

Ab wie viel Zusatzbelastung durch die übernommene Arbeit einer „kranken“ Kollegin hört das Mitgefühl auf? Wann entstehen Argwohn, Unverständnis bis hin zu Unterstellungen gegenüber der ständig fehlenden Kollegin? Und warum fliegt Frau XY nicht auch nur mit Handgepäck, sondern hält die ganze Truppe auf, weil sie schon wieder ihren Koffer als Gepäckstück aufgibt?

Manches verstehen Außenstehende nicht – können sie auch nicht, aber sie können aufhören darüber zu urteilen.

Einem Arbeitgeber müssen die Gründe einer Krankschreibung nicht mitgeteilt werden. Bei einem Sportunfall, einem Bandscheibenvorfall oder einer heftigen Bronchitis werden sie dennoch meist offen kommuniziert. Das hat Vorteile, weil die Kollegen dann die Situation einschätzen können und im Idealfall auch Empathie und Mitgefühl haben. Das Fehlen ist dann nachvollziehbar.

Krankgeschrieben – weshalb bleibt geheim

Bei Frauen hat eine Krankschreibung manchmal Gründe, über die sie lieber schweigen, auch wenn die Kollegen und Kolleginnen dann vielleicht mehr Verständnis und Mitgefühl hätten. Der Artikel soll für diese Thematik sensibilisieren, darüber informieren und dafür werben weniger zu (ver)urteilen.

Was bedeutet es, wenn hinter der Krankschreibung einer Frau die Behandlung eines unerfüllten Kinderwunsches, Probleme während der Schwangerschaft, eine Fehlgeburt oder sehr starke Regelschmerzen stecken?

Situation 1: Unerfüllter Kinderwunsch

Manche Frauen, die sich Kinder wünschen, werden einfach nicht schwanger. Viele nutzen dann die medizinischen Möglichkeiten einer Sterilitätsbehandlung, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen – auch wenn die Erfüllung nicht garantiert werden kann.

Hormonbehandlung und Fehlzeiten bei der Arbeit

Wenn beispielsweise eine außerkörperliche Befruchtung nötig ist, werden die Eizellen hormonell stimuliert, entnommen, außerkörperlich befruchtet und die befruchtete Eizelle wiedereingesetzt.

Diese Methode ist sehr zeitaufwendig, weil viele Kontrolluntersuchungen nötig sind. Sie hängen vom individuellen Reifungsprozess der Eizellen ab und sind nicht vorherbestimmbar. Eventuell fallen alle paar Tage ärztliche Kontrollen an. Auch der Zeitpunkt der Eizellengewinnung und der -einsetzung entscheiden sich kurzfristig.

Hormonbehandlung = viele Arztbesuche, tageweise Krankschreibungen, evtl. sogar für die gesamte Behandlung

Auswirkungen für die Frau

Eine Frau, die sich für diesen Weg entscheidet, nimmt enorme Strapazen auf sich. Dies gilt für den Körper, aber auch für die Psyche. Die erwähnten häufigen Arztbesuche, die mit der Arbeit koordiniert werden müssen – möglicherweise aber nicht erklärt werden wollen – zeigen allein schon die organisatorischen Herausforderungen, die durch so eine intensive Behandlung entstehen. Dass Frau dabei mitunter in sehr unangenehme Situationen kommt, zeigt folgendes Beispiel:

Eine Bekannte von mir flog häufig mit ihrem Chef zu Terminen. Er reiste nur mit Handgepäck. Sie musste jedoch stets ihren Koffer aufgeben, weil die Hormonspritzen nicht im Handgepäck erlaubt waren. Ihr Chef wusste nichts von den Hormonbehandlungen. Die aus seiner Sicht völlig unnötigen, zeitlichen Verzögerungen störten ihn, was er auch zum Ausdruck brachte.

Wer eine Hormonbehandlung vielleicht zwei- oder sogar dreimal durchmacht, weiß, wie unangenehm es ist, sich hier immer wieder rausreden zu müssen.

Wenn Frauen schweigen

Nicht immer ist das Vertrauensverhältnis so, dass man diese intimen Details seinem Arbeitgeber mitteilen möchte. Viele Frauen haben Angst davor:

  • abgeschrieben und nicht mehr ernst genommen zu werden, weil „die ist ja eh bald weg“
  • keine interessanten, verantwortungsvollen Aufgaben mehr übertragen zu bekommen, weil
    „unkalkulierbar und beschränkt einsatzfähig“
  • sich verletzlich zu zeigen, nach dem Motto „schwach, schutzlos, angreifbar“
  • dass es ihnen übel genommen wird, öfter, bzw. bald ganz auszufallen

Unabhängig davon, wie gut das Betriebsklima und das Verhältnis zum Chef sind, will eine Schwangere vielleicht auch einfach dieses Wunder des Lebens erstmal für sich behalten und es nicht mitteilen. Das ist absolut legitim. Niemand kennt die individuellen Beweggründe.

Allein die Tatsache, dass eventuelle Fehlannahmen und -urteile von Außenstehenden in Kauf genommen werden, zeigt, dass eine Frau ihre Gründe hat, wenn sie sich nicht mitteilt. Vielleicht hat sie oder ihr nahestehende Frauen bereits Babys verloren? Vielleicht will sie kein Mitleid und v. a. keine gut gemeinten Ratschläge? Und vielleicht will sie einfach grundsätzlich eine klare Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben.

Situation 2: Schwanger – aber nicht mehr voll einsetzbar

Schwanger sein heißt zwar nicht krank sein, aber Schwangere genießen besonderen Schutz und dürfen nicht mehr zu jeder Zeit und für alle Tätigkeiten eingesetzt werden.

Mit Eintritt der Schwangerschaft kann bereits ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden, wenn ein Risiko für die Mutter oder das Kind durch Aufnahme einer Tätigkeit besteht.

Gründe können sowohl den Arbeitsplatz als auch die Tätigkeit betreffen. Dazu gehören z. B. der Infektionsschutz der Schwangeren, das Arbeiten mit Gefahrenstoffen, Schicht- und Nachtarbeit oder schwere körperliche Arbeiten.

Probleme unter denen Schwangere häufig leiden sind Übelkeit, Kreislaufprobleme und Müdigkeit. Bei manchen Frauen sind die Beeinträchtigungen durch die Schwangerschaft so massiv, dass sie krankgeschrieben werden. Gründe für Krankschreibungen sind oft auch Blutungen, die Schwangere verständlicherweise sehr beunruhigen.

Muss der Arbeitgeber informiert werden?

Es gibt keinen Zeitpunkt bis zu dem man den Arbeitgeber über die bestehende Schwangerschaft informieren muss. Die gesetzliche Empfehlung lautet jedoch, es zu sagen, sobald man es selber weiß. Die Schutzvorschriften greifen auch erst, wenn der Arbeitgeber über die Schwangerschaft informiert wurde.

Viele Schwangerschaften enden jedoch vor der 12. Schwangerschaftswoche. Aus diesem Grund erzählen Schwangere selbst in ihrem Familien- und Freundeskreis nur wenigen Personen früher von der Schwangerschaft. Da ist es nur allzu verständlich, wenn Frauen diese Information nicht gleich dem Arbeitgeber mitteilen.

Situation 3: Fehlgeburten

Viele Schwangerschaften enden sehr schnell wieder. Im frühen Stadium enden sie oft sogar unbemerkt von der betroffenen Frau, in den ersten Monaten oft unbemerkt von Außenstehenden. Bei einem Abgang oder einer Fehlgeburt (= Baby unter 500g, danach spricht man von Totgeburt) ist normalerweise die psychische Belastung höher, als die körperliche, v. a. wenn das Kind von alleine abgeht und keine medizinische Nachbehandlung nötig ist.

Für Frauen, die ihr Kind verlieren, bricht (meistens) erstmal eine Welt zusammen. – Das gilt (meistens) auch für die dazugehörenden Männer. – Eine Krankschreibung von zwei bis vier Wochen ist hier keine Seltenheit, denn die Trauer und Verarbeitung des Erlebten braucht Zeit. Gleichzeitig kann eine Rückkehr in den Alltag auch dabei helfen, das Erlebte zu verarbeiten, so dass die Rückkehr an den Arbeitsplatz auch durchaus positiv sein kann. Die Entscheidung, wie lange eine Frau krankgeschrieben wird, wird ganz individuell getroffen.

Ein Kind verloren – was nun?

Manche Frauen haben viele Fehlgeburten. Je älter eine Frau schwanger wird, desto wahrscheinlicher sind Abgänge. Nicht selten kommt es deshalb zu Situationen wie folgender:

Eine Frau um die 40 freut sich schwanger zu sein, erzählt aber erstmal nichts davon bei der Arbeit. Eventuelle Begleiterscheinungen „erträgt“ sie schweigend und macht ihren Job ohne Einschränkungen weiter. Sie verliert ihr Baby. Eine Ausschabung ist nötig. Sie bekommt eine Krankschreibung und fällt bei der Arbeit aus.

Erzählt sie jetzt bei der Arbeit von dem verlorenen Baby? Will sie über das Erlebte reden oder schweigen? Will sie Mitgefühl, Anteilnahme, Verständnis oder hat sie Angst vor Mitleid, betretenem Schweigen, ausweichenden Blicken oder ungeschickten Kommentaren?

Zu schweigen ist auch belastend

Ich kenne eine Frau, die hat sich für das Schweigen entschieden. Niemand bei ihrer Arbeit wusste, dass sie versuchte schwanger zu werden, dann schwanger war und das Kind verloren hat. Sie hatte monatelang Bauchschmerzen nach der Ausschabung, abgesehen von der Trauer und der psychischen Belastung. Ihre mehrfachen Krankschreibungen fielen auf, sicher nicht positiv, aber sie hat sie nicht erklärt.

Sie hat mir von ihrem inneren Ringen um die Entscheidung, zu schweigen, erzählt. Sie ging davon aus, dass sich ihr Arbeitgeber nicht über ihre Schwangerschaft freuen würde – akuter Personalmangel halt. Oft hat sie sich zusammengerissen, sich nichts davon anmerken lassen, dass es ihr nicht gut ging. Immer wieder ist sie zur Arbeit gegangen, um ihren Kollegen nicht hängen zu lassen.

Man hat ihr sogar mehrfach gesagt, sie solle jetzt ja nicht auch noch schwanger werden.

Sie beschäftigt nicht nur das Babythema, sondern auch ihr schlechtes Gewissen der Arbeit gegenüber. Und auch dies belastet sie: zu merken, dass andere sich fragen, warum sie immer „krank“ ist, warum ein Gynäkologe die Krankschreibung ausgefüllt hat und das Gefühl zu haben, dass andere irgendwie spüren, was los ist.

Situation 4: Krankgeschrieben wegen PMS

Der Vollständigkeit halber sollen auch die möglichen Begleiterscheinungen der monatlichen Periode erwähnt werden. Manche Frauen leiden so massiv unter dem prämenstruellen Syndrom (PMS), dass sie tatsächlich zwei bis vier Tage im Monat nicht arbeiten können. Hier geht es meist um Schmerzen und Migräne.

Fazit

Es lässt sich nicht immer vermeiden, dass private Themen die eigene Arbeit beeinträchtigen. Auch Arzttermine können nicht immer außerhalb der Arbeitszeit gelegt werden. Wenn Frauen oder Männer bei der Arbeit krankgeschrieben fehlen, aber nicht erklären, warum, sollte das jeder respektieren.

Der Artikel soll keine Spekulationen über geheime Kinderwünsche der Kolleginnen lostreten, sondern die hier beschriebenen Frauenthemen sollen zeigen, dass selbst häufige Krankschreibungen erstmal nichts mit Blaumachen, schwachen Nerven, Anstellerei und Schwäche zu tun haben, sondern jemand zu dem Zeitpunkt nicht arbeiten kann; Punkt; möglicherweise aus einem der hier beschriebenen Gründe.

Man kann nicht sagen, dass es besser ist dem Arbeitgeber oder den Kolleginnen und Kollegen zu erzählen, wenn man z. B. von der ein oder anderen hier beschriebenen Situation betroffen ist. Im Idealfall wird Verständnis und Anteilnahme gezeigt und sogar Rücksicht genommen. Die Mitteilung kann aber auch, zumindest auf der emotionalen Ebene, negative Auswirkungen haben und wer will die schon? Offenheit beseitigt nicht zwangsläufig Unverständnis und Unterstellungen.

Die massiven, v. a. psychischen Belastungen dieser Frauenthemen darf niemand unterschätzen. Wer sich hier mehr Einblicke wünscht, dem empfehle ich den Bericht über das Ende einer Eileiterschwangerschaft. Die Geburt und der Tod gehören zum Leben dazu und Arbeit ist ein Teil des Lebens. So wird die Arbeit in der ein oder anderen Form immer auch von diesen Themen berührt werden, aber das ist menschlich. Eine menschliche Stärke ist damit behutsam und respektvoll umzugehen und aufs (Ver)Urteilen zu verzichten. Das sollte jeder versuchen. Ich wünsche jeder Frau, dass sie gerade im Hinblick auf das Kinderkriegen ihre eigenen Bedürfnisse über die ihres Arbeitgebers stellt.

Über die medizinischen Details habe ich mich ausgetauscht mit Frauenärztin Dr. Friederike v. Bismarck, Gynäkologin in Hamburg.

GermanPersonnel bietet intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie Fragen zu unseren Recruiting-Lösungen oder zur Erstellung von Recruiting-Kampagnen haben.

Die Content & Community Managerin Friederike von Hülsen schreibt Recruiting- und Arbeitslebenartikel für Marcos Recruiting Blog. Neben dem Schreiben eigener und dem Redigieren fremder Texte plant die Geisteswissenschaftlerin auch die Blog-Themen und organisiert Beiträge von Gastautoren.

Krankschreibung in der Schwangerschaft

Du leidest unter starken Schwangerschaftsbeschwerden und spielst mit dem Gedanken, Dich noch vor Beginn des Mutterschutzes krankschreiben zu lassen? Diesen Schritt solltest Du gründlich überdenken, denn aus einer Krankschreibung können sich durchaus Nachteile für Dich ergeben. Welche das sind und welche Möglichkeit Dir fernab einer Krankschreibung in der Schwangerschaft sonst noch bleibt, erfährst Du hier!

Ist eine Krankschreibung in der Schwangerschaft sinnvoll?

Sobald Du schwanger bist, gilt für Dich das Mutterschutzgesetz (MuSchG). So schnell wie möglich solltest Du deshalb auch Deinen Arbeitgeber darüber informieren. Dieser ist verpflichtet, Deine Schwangerschaft dem Gewerbeaufsichtsamt mitzuteilen und die Schutzvorschriften des MuSchG einzuhalten. Hierunter fallen die Mutterschutzfristen bzw. Beschäftigungsverbote, umgangssprachlich auch kurz als Mutterschutz bekannt. Dieser besagt, dass „werdende Mütter in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung nur mit Einwilligung und bis zum Ablauf von acht Wochen, bei Früh- und Mehrlingsgeburten bis zum Ablauf von zwölf Wochen nach der Entbindung gar nicht beschäftigt werden“ dürfen. Doch was, wenn Du unter starken Schwangerschaftsbeschwerden leidest und/oder Dich einfach nicht mehr imstande fühlst, Deinem Beruf bis zum Beginn Deines regulären Mutterschutzes nachzugehen? Hilft hier eine Krankschreibung in der Schwangerschaft?

Video: 7 unangenehme Dinge, die Dir niemand vor der Schwangerschaft sagt

Insbesondere bei der ersten Schwangerschaft sind sich viele Frauen unsicher, ob ihre Beschwerden normal sind. Man redet ja nicht unbedingt über alles. Im Video haben wir Dir sieben Dinge zusammengestellt, bei denen Du dir nicht unbedingt Sorgen machen musst. Im Zweifel solltest Du natürlich trotzdem zum Arzt.

Wenn Du unter starken Schwangerschaftsbeschwerden leidest, dann greift das individuelle Beschäftigungsverbot. Dieses berücksichtigt eine Risikoschwangerschaft, die Gefahr einer Frühgeburt, eine Mehrlingsschwangerschaft, eine Muttermundschwäche, besondere Rückenschmerzen oder weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen, die auf die Schwangerschaft zurückgehen. Trifft einer dieser Umstände auf Dich zu, kannst Du Deinen Arzt direkt darum bitten, Dir ein Beschäftigungsverbot auszustellen und vorzeitig in den Mutterschutz gehen. Eine Krankschreibung in der Schwangerschaft ist in diesem Fall hinfällig.

Informiere Dich bei Deinem Arzt über Deine Möglichkeiten!

Solltest Du die Voraussetzungen für ein individuelles Beschäftigungsverbot nicht erfüllen, kann Dir eine Krankschreibung in der Schwangerschaft nur unter einer Bedingung helfen, um vorzeitig in den Mutterschutz zu gehen und dabei keine finanziellen Abstriche machen zu müssen: Deine Krankschreibung in der Schwangerschaft darf nicht länger als sechs Wochen dauern. Denn solltest Du nach sechs Wochen immer noch nicht wieder einsatzfähig sein bzw. der reguläre Mutterschutz für Dich noch nicht begonnen haben, erhältst Du Dein Gehalt in Form von Krankengeld von Deiner Krankenkasse. Dieses beträgt dabei nur 70 Prozent Deines aktuell ausgezahlten Gehalts! Nicht nur die Krankschreibung in der Schwangerschaft an sich, sondern auch ihr Timing solltest Du bedenken.

Ob Du vorzeitig in den Mutterschutz gehen möchtest oder nicht: Wir empfehlen Dir, in jedem Fall mit Deinem behandelnden Arzt über Deine Schwangerschaftsbeschwerden oder jegliche andere Beeinträchtigung zu sprechen. Denn die Grenzen zwischen schwangerschafts- und krankheitsbedingten Beschwerden sind oft fließend. Aus diesem Grund liegt die Entscheidung, ob es sich um eine Krankheit oder um Symptome handelt, die durch die Schwangerschaft hervorgerufen werden, stets beim Arzt.

Hinweis: Du bist arbeitslos und schwanger? Dann lass Dich lieber krankschreiben! Denn ein Beschäftigungsverbot nimmt die Arbeitsagentur zum Anlass, sofort die Zahlung Deines Arbeitslosengeldes zu stoppen. Auf dieses hast Du lediglich Anspruch, wenn Du grundsätzlich als Arbeitssuchende zu vermitteln bist.

Die 12 häufigsten Schwangerschaftsmythen

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Eine Krankschreibung in der Schwangerschaft soll wohlüberlegt sein! Denn ob sie für Dich von Vorteil oder Nachteil ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Vielmehr ist Deine individuelle Situation zur Beantwortung dieser Frage ausschlaggebend. Hier erhältst Du weitere Tipps zu Mutterschutz und Elterngeld.

Quelle: © Andy Dean / Foto Dollar Club

Eine Arbeitnehmerin, die sich einer künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation) unterzieht, um schwanger zu werden, kann für Fehlzeiten keine Entgeltfortzahlung beanspruchen. Eine Krankheit liege in diesem Fall nicht vor, entschied das BAG. Die Beschäftigte habe ihren Ausfall am Arbeitsplatz selbst verschuldet.

Die 1972 geborene Arbeitnehmerin ist seit 1994 als Erzieherin in einer Kindertagesstätte tätig. Ihr Arbeitgeber ist der Trägerverein der Kindertagesstätte. Ihr Lebensgefährte war nur eingeschränkt zeugungsfähig. Da sie sich Kinder wünschten, unterzog sie sich In-vitro-Fertilisationen. Bei dieser Methode der künstlichen Befruchtung werden befruchtete Eizellen in den Uterus eingeführt (so genannte Inseminationen).

Mehrfache Krankschreibung für Befruchtungsversuche

Im Jahr 2014 wurde von ihrer behandelnden Ärztin mehrfach krankgeschrieben, zuerst wegen einer Operation vom 26.05. bis 3.06.2014. Anschließend war sie wegen der Befruchtungsversuche drei Mal krankgeschrieben, vom 14.07. bis 1.08., vom 15.08. bis 29.08. und vom 21.11. bis 8.12.2014.Ihr Arbeitgeber hatte keine Kenntnis vom medizinischen Grund der Krankschreibungen. Er zahlte ihr weiterhin Arbeitsentgelt nach Maßgabe des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG). Nachdem der Arbeitgeber von den Behandlungen erfuhr, forderte er von der Arbeitnehmerin einen Betrag von rund 5400 Euro für das netto ausgezahlte Gehalt zurück. Der Verein war der Ansicht, für die Inseminationen nicht zur Entgeltfortzahlung verpflichtet zu sein. Der Verein zog der Erzieherin die Überzahlung von ihren Netto-Gehältern für die Monate März bis Juni 2015 insgesamt 2.300 Euro ab. Dagegen klagte die Erzieherin vor dem Arbeitsgericht.

Untere Instanzen gaben Klägerin Recht

Das Arbeitsgericht verurteilte den Verein, seiner Arbeitnehmerin die 2.300 Euro wieder zurückzuzahlen. Das Landesarbeitsgericht (LAG) Schleswig-Holstein wies die Berufung gegen das Urteil zurück und entschied, die Klägerin habe mit Recht die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall nach § 3 Abs. 1 EFZG erhalten, da ihre Fruchtbarkeitsbehandlung einen medizinisch gebotenen Eingriff darstelle. Ihre Arbeitsunfähigkeit in Folge der Inseminationen sei daher nicht selbst verschuldet im Sinne von § Abs. 1 Satz 1 EFZG (LAG Schleswig-Holstein, 7.01.2016 – 4 Sa 323/15). Dieses Urteil hob das Bundesarbeitsgericht (BAG) wieder auf und verwies das Verfahren nach Schleswig-Holstein zurück.

BAG: Keine Entgeltfortzahlung für künstliche Befruchtung

Nach Ansicht des BAG hatte die Klägerin keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung für die Zeiten, in denen sie während ihrer Fruchtbarkeitsbehandlung arbeitsunfähig krankgeschrieben war.

Die Klägerin habe ihren Arbeitsausfall während dieser Zeiten im Sinne von § 3 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 2 EFZG selbst verschuldet. Daher sei ein Entgeltfortzahlungsanspruch ausgeschlossen. Ein verständiger Arbeitnehmer müsse das Interesse haben, seine Gesundheit zu erhalten und zur Arbeitsunfähigkeit führende Erkrankungen zu vermeiden. Zwar liege eine Arbeitsunfähigkeit im Sinne des EFZG auch dann vor, wenn erst eine zur Behebung einer Krankheit erforderliche Heilbehandlung dazu führt, dass der Arbeitnehmer die geschuldete Arbeitsleistung nicht erbringen kann.

Allerdings könne die Klägerin entgeltfortzahlungsrechtlich nicht allein aufgrund der Unfruchtbarkeit ihres Partners als „krank“ angesehen werden. Zwar stelle die Zeugungsunfähigkeit des Partners der Klägerin eine Krankheit dar. Die Empfängnisfähigkeit der Klägerin sei jedoch nicht eingeschränkt gewesen. Erst die In-vitro-Fertilisation und damit in Zusammenhang stehende Eingriffe und Maßnahmen führten bei ihr möglicherweise zu einem regelwidrigen Körperzustand und damit einer Erkrankung. Der Kinderwunsch, den sich die Klägerin mit der Behandlung erfüllen wollte, sei hingegen keine Erkrankung, sondern betreffe die individuelle Lebensgestaltung des Arbeitnehmers. Der Arbeitgeber habe nach § 3 Abs. 1 Satz 1 EFZG aber nur das allgemeine Krankheitsrisiko des Arbeitnehmers zu tragen, nicht aber die weitergehende persönliche Lebensentscheidung der Klägerin, Kinder zu bekommen. Daher stehe ihr der Anspruch nicht zu.

Mutterschutz besteht weiterhin

Das BAG stellte in seiner Entscheidung klar, dass die künstliche und die auf natürlichem Wege herbeigeführte Schwangerschaft gleich behandelt werden. Auch für die Klägerin komme ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Übrigen dann in Betracht, wenn es bei der Schwangerschaft zu nicht vorhersehbaren Komplikationen komme. Das Mutterschutzgesetz gilt auch bei einer Schwangerschaft nach einer künstlichen Befruchtung. Das bedeutet, dass insbesondere ein Anspruch auf Mutterschutzlohn (§ 11 MuSchG) bestehen kann und der besondere Kündigungsschutz (§ 9 MuSchG) für werdende Mütter gilt. Ob und ab wann der Klägerin diese Ansprüche zugestanden haben, muss das LAG Schleswig-Holstein in einem neuen Verfahren prüfen.

Lesetipp:

„Krank im Arbeitsverhältnis“ von Schulze/Ratzesberger in AiB 11/2015, S. 38-40.

Stress in der Schwangerschaft

Unser Körper reagiert in Stresssituationen heute noch genauso wie er es schon zu Urzeiten tat. Wenn der Steinzeitmensch bei der Jagd einem Säbelzahntiger begegnete, musste er sich entscheiden: kämpfen oder fliehen. Um den Körper für diese Reaktion in Alarmbereitschaft zu versetzen und ihm möglichst viel Energie zur Verfügung zu stellen, wurden Stresshormone ausgeschüttet. War die körperliche Anstrengung vorüber und die Gefahr gebannt, bauten sich diese Stresshormone wieder ab – das Stresslevel ließ nach und der Körper geriet in einen Entspannungszustand. Auch ohne Säbelzahntiger findet heute noch exakt dieser Prozess in unserem Körper statt, wenn wir zum Beispiel einen Fallschirmsprung wagen oder eine Deadline im Büro einhalten müssen. Manchmal kann Stress deshalb richtig gut sein: Er hilft uns bei der Konzentration und dabei, neue Kräfte zu mobilisieren.

Oft merken wir gar nicht mehr, wie turbulent es in unserem Leben eigentlich zugeht. Hektik ist leider ein Bestandteil unseres Alltags geworden. Ein gewisses Maß an Stress lässt sich natürlich auch in der Schwangerschaft nicht vermeiden. Und Aufregungen sind auch nicht automatisch schädlich: Handelt es sich um leichten Stress, schadet das Frau und Baby nicht.

Gefährlich wird es, wenn negativer Stress dauerhaft anhält. Ist unser Stresspegel aufgrund von Angst, Verzweiflung oder Überbelastung ständig erhöht, beeinträchtigt das unsere Gesundheit. In der Schwangerschaft sollten Sie deshalb gut auf sich aufpassen und Stress vermeiden – Ihrer Gesundheit und der Ihres Ungeborenen zuliebe. Im Folgenden liegt der Fokus auf dem Umgang mit Stress speziell in der Schwangerschaft. Allgemeine Infos zum Stressabbau finden Sie dagegen auf unserem Partnerporal Herzstück.

Stress in der Schwangerschaft vorbeugen

Um die Schwangerschaft möglichst stressfrei zu genießen, sollten Sie ein paar Dinge beachten. Besonders wichtig ist, dass Sie mehr denn je auf sich und Ihre eigenen Bedürfnisse achten. Wie das im Alltag am besten klappt? Beherzigen Sie unsere Tipps zur Vorbeugung von Stress in der Schwangerschaft:

10 Tipps zur Vorbeugung von Stress in der Schwangerschaft

Das sind mögliche Auslöser für Stress in der Schwangerschaft

  • Beruflicher Stress in der Schwangerschaft: Der Chef will den Bericht bis morgen, die E-Mails fluten das Postfach und nächste Woche steht ein wichtiges Meeting an. Wer sich dazwischen keine entspannenden Pausen gönnt, steht dauerhaft unter Strom. Treten dadurch starke Überbelastungen auf, kann das negative Folgen auf die Gesundheit haben und zu Krankheiten wie Burnout oder Depressionen führen. Aufgrund von starken psychischen Belastungen ist es während der Schwangerschaft in speziellen Fällen möglich, ein individuelles Beschäftigungsverbot zu erwirken.
  • Psychischer Stress in der Schwangerschaft: Außergewöhnliche Belastungen wie ein Todesfall in der Familie oder wirtschaftliche Existenzsorgen können zu einer starken psychischen Belastung werden. Hier ist Vorsicht geboten: Wird der psychische Stress zu groß, kann das Folgen für Schwangerschaft und Geburt haben.
  • Stress mit dem Partner in der Schwangerschaft: Kleine, harmlose Streitereien über die man sich ärgert, sind ganz normal. Wenn aber der Leidensdruck bei ernsthaften Beziehungsproblemen groß ist, sollten Sie sich Hilfe bei einer Beratungsstelle oder ähnlichem suchen. Gewalt in der Schwangerschaft kann Folgen auf den Schwangerschaftsverlauf und die Kindsentwicklung haben.

Stress in der Schwangerschaft: Auswirkungen

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kann sich extremer oder dauerhafter Stress negativ auf die Entwicklung des Ungeborenen auswirken.

Verschiedene Gründe sind dafür verantwortlich. Zum Beispiel:

  • Durch Dauerstress achtet die Schwangere nicht auf andere Warnsignale ihres Körpers und nimmt Gesundheitsrisiken nicht rechtzeitig wahr.
  • Der Stress führt dazu, dass die Schwangere gesundheitsgefährdendes Verhalten an den Tag legt und zu Suchtmitteln wie Drogen, Zigaretten oder Alkohol greift, die wiederum negative Folgen für das Ungeborene haben.
  • Das Immunsystem wird durch den Anstieg der Stresshormone geschwächt. Der Körper ist anfälliger für Infektionen, die zu einer verminderten Durchblutung und zu einer Veränderung des vegetativen Nervensystems führen können. Das Risiko einer Frühgeburt steigt.

Weitere Auswirkungen von Stress in der Schwangerschaft werden von Experten diskutiert. Es gibt Studien, die verschiedene Zusammenhänge herstellen.

Stress in der frühen Schwangerschaft: Fehlgeburtsrisiko erhöht?

Eine niederländische Studie fand beispielsweise heraus, dass beruflicher Dauerstress besonders in der Frühschwangerschaft zu einem verringerten Geburtsgewicht führen kann. Enormer Stress, Angst und Überbelastungen können außerdem – besonders in der Frühschwangerschaft – Risikofaktoren für eine Fehlgeburt sein. Eine Studie der Berliner Charité stellte fest, dass starker psychischer Stress Entzündungsreaktionen im Körper begünstigt und dadurch das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen steigt. Übergewicht und höheres Alter (ab 33 Jahren) seien in Kombination mit Stress weitere Risikofaktoren für Fehlgeburten.

Stress in der Schwangerschaft kann Depressionsrisiko beim Kind steigern

Forscher am Universitätsklinikum Jena kamen in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Stress unter Umständen das Risiko einer späteren Depression oder anderen Erkrankungen der Kinder erhöht. Hintergrund: Angst, Trauer, Schmerz und starker Stress bewirken, die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Ein kleiner Teil davon gelangt über die Plazenta in den Blutkreislauf des Ungeborenen. „Das führt dazu, dass zeitlebens vermehrt Stresshormone ausgeschüttet werden; dieser Dauerstress lässt dann den Blutdruck steigen und kann Depressionen auslösen“, so Neurologe Prof. Dr. Matthias Schwab, Mitglied der Arbeitsgruppe „Fetale Hirnentwicklung und Programmierung von Erkrankungen im späteren Leben“. Stress in der Schwangerschaft scheint daher ein wesentlicher Risikofaktor für spätere Depressionen und andere Krankheiten zu sein.

Stress in der Schwangerschaft: Auf diese Symptome müssen Sie achten

Stress hat viele Gesichter: Dass Körper und Geist eine Pause brauchen, äußerst sich in den unterschiedlichsten Symptomen. Erste Warnzeichen können Angespanntheit und Müdigkeit sein. Ebenso treten oft Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen auf und es kommt zu Abgeschlagenheit und Erschöpfungszuständen. Körperlich macht sich Stress häufig durch Kopf- und Rückenschmerzen bemerkbar.

Bei Dauerstress können Symptome wie das Gefühl von Ohnmacht und Kontrollverlust oder die Unfähigkeit Probleme zu lösen hinzukommen.

Hilfe bei Stress in der Schwangerschaft

Unabhängig davon, welche Probleme Sie belasten und stressen, suchen Sie sich immer Unterstützung: Sei es der Rat des Partners, einer guten Freundin, der Familie, dem Arzt, der Hebamme einer Beratungsstelle oder Betroffene in einem Internetforum. Sprechen Sie über Ihre Sorgen – Sie sind damit nicht allein.

Schwanger: Erste Hilfe bei Stress im Alltag

Sie merken, dass Sie der Alltagsstress trotz Schwangerschaft fest im Griff hat? Schalten Sie einen Gang herunter. Nehmen Sie sich ganz bewusst Zeit für sich, gönnen Sie sich Auszeiten und entschleunigen Sie: Machen Sie einen Spaziergang oder Yoga, lesen Sie ein Buch, nehmen Sie ein Bad, hören Sie entspannende Musik oder machen Sie einfach mal ein Nickerchen. Auch Entspannungsübungen, bestimmte Atemtechniken, Meditation oder autogenes Training können beim Stressabbau helfen.

Droht eine Frühgeburt, ist Stress absolut tabu: Jetzt müssen Sie sich schonen und Ruhe halten. Die Krankenkasse erstattet Ihnen zur Entlastung nach Vorlage eines Attests die Kosten für eine Haushaltshilfe.

Unterstützung bei Ängsten vor der Geburt

Sie machen sich Sorgen über die Geburt und haben Angst vor dem Geburtsschmerz? Bitten Sie Ihre Hebamme um Rat. Sie kann Ihnen stressbereitende Ängste nehmen. Auch der Geburtsvorbereitungskurs ist hier eine gute Unterstützung.

Professionelle Hilfe bei Dauerstress

Sollten Sie unter Dauerstress in der Schwangerschaft leiden, zögern Sie nicht Hilfe in Anspruch zu nehmen. Schwangerschaftsberatungsstellen, Frauenärzte und Hebammen können Sie jetzt beraten. Nach traumatischen Erlebnissen, wie dem Verlust eines Angehörigen, Missbrauch oder Gewalt haben Sie auch die Möglichkeit, psychologisch betreut zu werden.

Koffein in der Schwangerschaft: So viel davon steckt drin

Extremer Stress in der Schwangerschaft wirkt sich auf das Kind aus

Extremer Stress und Bedrohungen in der Schwangerschaft, beispielsweise häusliche Gewalt, können das Leben vom Kindern bis ins Erwachsenenalter hinein beeinträchtigen. Dadurch verändern sich zwar nicht die Gene, jedoch deren Aktivität im späteren Leben. Das Kind wird beispielsweise besonders ängstlich.

Stress wirkt sich auf das Kind aus

Dass es einen Zusammenhang zwischen der Stressbelastung bei Schwangeren und den veränderten Verhaltensweisen bei deren Kindern gibt, hatten Wissenschaftler schon vermutet. Eine Forschergruppe von Psychologen und Biologen der Universität Konstanz konnte jetzt jedoch auf genetischer Basis diesen Zusammenhang beim Menschen nachweisen.

Wie sich die Gene verändern

Die Arbeitsgruppen des Psychologen Professor Thomas Elbert und des Evolutionsbiologen Professor Axel Meyer zeigten auf, dass eine andauernde Bedrohungssituation bei einer Schwangeren eine sogenannte epigenetische Veränderung bewirkt. Dabei wird nicht die Bausteinfolge im Gen selbst verändert, sondern seine Aktivität. Als andauernde Bedrohungssituation gilt zum Beispiel häusliche Gewalt oder massive Existenzangst.

Kind stellt sich auf bedrohliche Umgebung ein

Die Forscher haben die Veränderung an einem Gen nachgewiesen, das bei Verhaltensauffälligkeiten und der Anfälligkeit für seelische Erkrankungen eine Rolle spielt. „Der Körper der Mutter signalisiert diesen Kindern, dass sie in einer bedrohlichen Umgebung aufwachsen werden“, erklärt Elbert. „Deshalb gehen diese Kinder bei Stresssituationen schneller in ihren Flucht- oder Kampfmodus, wo andere Kinder noch cool bleiben und sich die Dinge erst einmal anschauen wollen“. Meyer ergänzt: „Wir hatten nicht erwartet, dass sich diese Bedrohungseinflüsse so deutlich im menschlichen Genom nachweisen lassen.“

Schwangere waren häuslicher Gewalt ausgesetzt

Die Konstanzer Forscher haben einschlägige Veränderungen im Gen bei zehn- bis 19-jährigen Kindern gefunden, deren Mütter während der Schwangerschaft häuslicher Gewalt ausgesetzt waren. Die Wissenschaftler hatten Daten von 25 Müttern und deren Kindern in die Studie aufgenommen. Ab welchem Stadium der Schwangerschaft die Gene der Kinder beeinflusst werden und welches Level von emotionalem Stress die Veränderungen auslöst, ist noch nicht klar. Ob Stress im Beruf oder im Alltag schon ausreiche, um die Veränderungen hervorzurufen, können die Forscher noch nicht sagen.

Anhaltspunkt, aber noch kein Beweis

Elbert und Meyer weisen außerdem darauf hin, dass ihre Studie zwar deutliche Befunde zeige, dass dies aber noch kein Beweis für einen direkten Zusammenhang zwischen mütterlicher Gewalterfahrung und den Erbgut-Veränderungen bei Kindern sei. Die Wissenschaftler wollen weiter an diesem Thema forschen.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, eine Mutter kann Stress auf ihr Kind übertragen oder ganz bewusst vor zu viel Stress schützen. Innere Sicherheit, die Fähigkeit zur Auseinandersetzung, vor allem aber Zufriedenheit und innere Ausgeglichenheit können das Ungeborene stärken. Ein zuviel an belastenden Reizen empfindet das Kind im Mutterleib als Stress, der ihm auch schaden kann. Der beruhigende Herzschlag einer ausgeglichenen, zufriedenen Mutter, die sich auf ihr Kind freut fördert die emotionale und gesunde Entwicklung. Am allerwichtigsten für das Kind ist es also, dass es sich angenommen, geliebt und erwünscht fühlt.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Schlaflosigkeit in der Schwangerschaft

Gerade wenn die werdende Mutter noch berufstätig ist, dann der Mutterschutz besonders wichtig. In vielen Berufsfeldern hat die Schwangere Kontakt zu potientiell für das Baby gefährlichen Stoffen.

Informieren Sie sich weiter unter: Mutterschutz – Das sollten Sie wissen!

Mehr Informationen zur Stressbewältigung in der Schwangerschaft finden Sie hier: Stress während der Schwangerschaft

Krankschreiben lassen: Was Sie beachten müssen

Als Arbeitnehmer sind Sie per Arbeitsvertrag dazu verpflichtet, mit vollem Einsatz auf der Arbeit Ihre Leistung zu erbringen. Wer jedoch krank ist, ist dazu nicht in der Lage. Sind Sie vorübergehend stark eingeschränkt, müssen Sie sich krankschreiben lassen. Für Arbeitnehmer gibt es hierbei diverse Unterschiede zu beachten, die je nach Arbeitsvertrag greifen. Was Sie wissen müssen, wenn Sie krank werden, welche Besonderheiten es gibt, wenn Sie gerade im Urlaub sind, lesen Sie hier…

Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel

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Krankschreiben lassen: Notwendig oder nicht?

Wer krank ist, sollte Zuhause und – falls nötig – im Bett bleiben. Je nach Art und Dauer Ihrer Erkrankung müssen Sie sich krankschreiben lassen. Festgehalten ist dies im sogenannten Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG), das Ihnen als Arbeitgeber garantiert, dass Sie auch im Krankheitsfall Ihr Gehalt weiterhin bezahlt bekommen.

Dort heißt es in § 5, Absatz 1:

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen. (…)

Das heißt, von gesetzlicher Seite aus könnten Sie drei Tage lang krank sein und am vierten Tag wieder zur Arbeit erscheinen, ohne sich krankschreiben lassen zu müssen.

Bei kurzen Unpässlichkeiten wie Kopfschmerzen oder plötzlichen Rückenschmerzen kann das ausreichen. Ebenso, wenn Sie beispielsweise bereits am Wochenende eine Erkältung hatten, könnten Sie Mittwoch fit genug für eine Rückkehr zum Arbeitsplatz sein.

Ist aber für Sie abzusehen, dass Sie sich lange krankschreiben lassen müssen, weil Sie sich etwa beim Sturz die Hand gebrochen haben, müssen Sie sich sofort krankmelden und Ihrem Arbeitgeber mitteilen, wie lange Sie voraussichtlich ausfallen werden.

Unabhängig davon, ob eine Erkrankung nur von kurzer Dauer ist oder nicht, kann der Arbeitsvertrag allerdings eine vom Gesetz abweichende Regelung vorsehen. Denn weiter heißt es im Entgeldfortzahlungsgesetz:

Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als in der Bescheinigung angegeben, ist der Arbeitnehmer verpflichtet, eine neue ärztliche Bescheinigung vorzulegen.

Manche Arbeitgeber verlangen ausnahmslos für jede Erkrankung vom ersten Tag an ein Attest. Das ist für den Arbeitnehmer lästig, wenn er selbst am besten einschätzen kann, ob und wie lange er ausfallen wird, denn bei einer Erkältung bessern sich die Symptome oftmals binnen weniger Tage.

Andererseits zeugt es natürlich nicht gerade von einem tollen Vertrauensverhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter, wenn letzterer sich gleich für jedes Bisschen krankschreiben lassen muss. Und Betrug (dazu weiter unten) wird damit auch nicht wirklich vorgebeugt.

2 Wochen krank melden: Geht das überhaupt?

Den Begriff krankfeiern wörtlich zu verstehen und einfach mal drei Tage die Arbeit sein zu lassen, ist also möglich, sofern Sie nicht bereits am ersten Krankheitstag ein Attest vorlegen müssen.

Dafür brauchen Sie lediglich einen Anfall akuter Unlust und ein möglichst gering ausgeprägtes schlechtes Gewissen – voilà, schon können Sie Zuhause bleiben. Sich gesund 2 Wochen krankschreiben zu lassen, ist schon ein anderes Kaliber. Denn dafür müssen Sie nicht nur am Telefon etwas röcheln und niesen, sondern beim Arzt vorstellig werden.

Der ist dazu verpflichtet, Ihren gesundheitlichen Zustand persönlich festzustellen und kann Ihnen dann erst das gewünschte Attest, also eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, ausstellen.

Somit sind übrigens auch keine rückwirkend ausgestellten Krankschreibungen möglich, denn wie Sie sich eine Woche zuvor gefühlt haben, kann der Arzt natürlich nicht im Nachhinein feststellen. Damit soll Missbrauch vorgebeugt werden, wenngleich es gemäß der Arbeitsunfähigkeitsrichtlinien (PDF) der Krankenkassen bei gewissenhafter Prüfung eine Ausnahme von bis zu drei Tagen geben kann.

Stellt sich die Frage: Kann man sich wirklich lange krankschreiben lassen, ohne dass es auffliegt? Tatsächlich geht das offenbar gar nicht so schwer, denn einige Krankheiten lassen sich entsprechend simulieren und sind von ärztlicher Seite nur schwer oder gar nicht zu überprüfen:

  • Bauchschmerzen,
  • Burnout-Symptome,
  • Depressionen,
  • Ermüdungserscheinungen,
  • Kopfschmerzen,
  • Magenschleimhautentzündungen,
  • Rückenschmerzen,
  • Schlafstörungen,
  • Schwindel und
  • Übelkeit.

Krankschreiben wegen… Rückenschmerzen, Stress, Psyche

Gerade krankschreiben lassen wegen Rückenschmerzen dürfte wenig Misstrauen erwecken: Gemäß DAK-Gesundheitsreport 2018 (PDF) ist dies direkt nach Atemwegsinfekten die zweithäufigste Ursache.

Letzteres lässt sich vom Arzt mittels Abhören der Bronchien zumeist feststellen, kein besonders großer Aufwand, einen Atemwegsinfekt wie etwa eine Bronchitis, zu diagnostizieren. Bei Rückenschmerzen hingegen können je nach Tätigkeit bereits die Arbeitsbedingungen ausreichen, um sie einem Arzt plausibel erklären zu können.

Allerdings lassen sich Rückenschmerzen – sofern nicht tatsächlich ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert wird – ähnlich leicht wie Schnupfen in den Griff kriegen, so dass viele Arbeitnehmer mit Ruhe und Wärme bereits die Symptome lindern können. Inwieweit Sie sich hierfür lange krankschreiben lassen können, dürfte vom Arzt abhängen.

Burnout, Depressionen sowie psychische Erkrankungen generell werden üblicherweise nicht innerhalb weniger Tage auskuriert. Es gibt allerdings keine allgemein verbindlichen Vorgaben dafür: Es dauert so lange, wie es dauert. Wer also daran erkrankt ist, wird vom Arzt auf längere Sicht zu einem Psychiater überwiesen werden und eine Therapie verordnet bekommen.

Betroffene müssen bei längerem Arbeitsausfall keine Befürchtungen in finanzieller Hinsicht haben: Die ersten sechs Wochen sind durch die Lohnfortzahlung gedeckt. Sollten Sie darüber hinaus krankgeschrieben sein, springt die Krankenkasse mit Krankengeld ein.

Krankschreiben lassen Tipps: So verhalten Sie sich korrekt

Wir geben Ihnen hier Tipps, was Sie beachten sollten, wenn Sie sich zu Beginn Ihres Arbeitstages nicht wohl fühlen:

  • Arbeitgeber benachrichtigen

    An erster Stelle müssen Sie Ihren Arbeitgeber – am besten persönlich am Telefon – darüber informieren, dass Sie krankheitsbedingt ausfallen.

  • Krankschreiben lassen

    Lassen Sie sich vom Arzt krankschreiben und reichen sie das Attest ein. Selbst wenn Sie erst am vierten Tag dazu verpflichtet sind – auf der sicheren Seite sind Sie so.

  • Krankheitsdauer mitteilen

    Rufen Sie erneut auf der Arbeit an, um Ihren Chef wissen zu lassen, wie lange Sie ausfallen werden und wann wieder mit Ihrem Einsatz zu rechnen ist.

  • Bedingungen ermitteln

    Vergewissern Sie sich, dass Sie rechtzeitig die Krankmeldung vorlegen – wer direkt am ersten Tag einen Attest braucht, ist am dritten Tag bei längerem Ausfall definitiv zu spät: Das ist ein Kündigungsgrund!

  • Daten kontrollieren

    Wer sich nur drei Tage hat krankschreiben lassen und dennoch danach krank fühlt, braucht eine Folgebescheinigung. Denken Sie auch hier daran, diese rechtzeitig ausstellen zu lassen und einzureichen.

Krankschreiben lassen: Sonderfall im Urlaub

Wer im Urlaub krank wird, hat richtig Pech gehabt, denn natürlich dient der Urlaub der Erholung und nicht dem Auskurieren von Krankheiten. Darüber hinaus haben Sie vermutlich wenig Lust, sich auch noch auf die Suche nach einem Arzt zu begeben. Allerdings werden Sie nicht daran vorbeikommen, selbst im Ausland nicht.

Denn wer im Urlaub erkrankt, muss sich bereits am ersten Tag krankschreiben lassen – ganz gleich, ob sonst der dritte Tag zur Mitteilung reicht. Suchen Sie also einen Arzt auf und lassen Sie sich schriftlich belegen, dass Sie arbeitsunfähig sind.

Außerdem haben Sie Ihren Arbeitgeber sofort zu benachrichtigen und ihm das Attest zuzuschicken. Darüber hinaus müssen Sie Ihre Adresse und Telefonnummer hinterlassen, unter der Sie am Urlaubsort erreichbar sind. Wer nicht sofort zum Arzt geht und sich seine Krankheit bestätigen lässt, büßt seinen Urlaub ein.

Gemäß Bundesurlaubsgesetz § 9 steht der Ihnen aber nach wie vor zu. Denken Sie außerdem daran, sich keineswegs selbst zu beurlauben, indem Sie etwa die Krankheitstage an den Urlaub dranhängen: Auch das wäre ein Kündigungsgrund.

Krank? Beste Ausreden

Sich möglichst lange krankschreiben lassen, das ist das erklärte Ziel etlicher Suchanfragen bei Google. Das wirft einige Fragen auf. Hinsichtlich der Arbeitsmoral, aber auch der Arbeitsbedingungen.

Es scheint offenbar ein großer Bedarf an freier Zeit zu existieren oder andersherum: Eine Vielzahl von Arbeitnehmern scheint ihren Job nicht sonderlich zu mögen. Anders ist es schwerlich zu erklären, dass Menschen sich informieren, wie sie sich zwei Wochen krankschreiben lassen können.

Ausreden wie die obigen dürften kaum ernsthaft als Krankmeldung durchgehen, daher taugen sie bestenfalls als Scherz. Wer vorhat, sich freie Tage zu erschwindeln, sollte allerdings Folgendes bedenken:

  • Sie untergraben die Moral.

    Sie lassen Ihren Arbeitgeber, aber vor allem Ihre Kollegen im Stich – denn Ihre Arbeit muss im Zweifelsfall jemand anderer machen.

  • Es handelt sich um Betrug.

    Denn mutwillig zuhause bleiben oder sich durch einen Arzt länger krankschreiben lassen, obwohl Sie eigentlich gesund sind, kommt einer Arbeitsverweigerung gleich und kann die fristlose Kündigung zur Folge haben. Zwar ist Schmerzempfinden individuell, aber spätestens, wenn der Mitarbeiter, der wegen eines Bandscheibenvorfalls krankgeschrieben ist, dabei entdeckt wird, wie er anderem beim Umzug hilft, dürfte er in Erklärungsnot geraten.

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Wie stellen Ärzte eine Krankschreibung bei Burnout aus?

Krankschreibung bei Burnout – das sollte man wissen

Nicht zuletzt aufgrund anhaltend steigender Krankheitsfälle kommt immer wieder die Frage auf, ob Ärzte eine Krankmeldung bei Burnout-Symptomen ausstellen. Dem nicht genug fürchten sich gerade Arbeitnehmer häufig vor der Diagnose aus Angst, ihren Job zu verlieren. Grund genug, sich mit der Frage der Krankmeldung bei Burnout-Erkrankungen näher auseinander zu setzen.

Was ist eine Burnout Erkrankung?

Unter dem Begriff Burnout-Syndrom versteht man einen Zustand totaler körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung, einer Depersonalisierung (Entfremdung im sozialen Umfeld) sowie verringerter Leistungsfähigkeit.

Dieser Zustand kann durch vorangegangene zu starke Arbeitsbelastung, Stress, Selbstüberforderung und/oder durch besondere persönliche Umstände entstehen.

Burnout ist nach der Weltgesundheitsorganisation keine eigenständige Krankheit, sondern viel mehr ein grundlegendes Problem mit der aktuellen Lebensführung oder generell ausgedrückt: Ein Krankheitszustand. Aufgeführt unter den sogenannten Z-Diagnosen entspricht Burnout einer Zusammenführung von Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme von medizinischen Maßnahmen führen.

Detaillierte Infos über alle Hinweise, die auf Burnout hindeuten, gibt es unter Burnout Symptome.

Allgemeines zur Krankschreibung bei Burnout-Erkrankungen

Da es sich vor allem um eine seelische Erkrankung handelt, dauert es in der Regel sehr lange, bis überhaupt eine Krankmeldung bei Burnout-Symptomen ausgestellt wird. Natürlich sind die typischen Anzeichen in Form von Erschöpfungszuständen, Depressionen und einer Sinneskrise hinreichend bekannt. Allerdings äußern sie sich in vielfältiger Weise. Meist klagen Betroffene über Schlafmangel, Kopfschmerzen und andere Alltagsprobleme. Sie werden dann behandelt, meist medikamentiert, aber eine Besserung stellt sich – wenn überhaupt – nur vorübergehend ein. Wird allerdings erst einmal eine Krankmeldung bei Burnout-Symptomen ausgestellt, sollte auch gehandelt werden.

Viele Patienten verbringen während der Krankheitsphase viel Zeit zu Hause. Empfehlenswerter ist es allerdings, sich zeitnah um psychologischen Beistand zu bemühen und sich um Therapieangebote zu kümmern. Ob dabei eher eine stationäre oder eine ambulante Behandlung bevorzugt werden sollte, hängt hingegen stark von der jeweiligen Situation ab. Soweit möglich sollte jedoch eine Therapie im gewohnten Umfeld bevorzugt werden.

Um sich nicht alleine zu fühlen und den Genesungsprozess zu fördern können auch Gemeinschaften von Betroffenen als Selbsthilfe herangezogen werden. Im Internet findet man einige Foren und Communities von Betroffenen, die sich austauschen. So beispielsweise das Burnout-Forum.de. Wichtig ist jedoch, dass dies nur eine Unterstützung für Betroffene sein kann – nie ein Ersatz für eine Therapie.

Krankschreibung bei Burnout – Das sollten Arbeitnehmer beachten!

Allein durch das Krankheitsbild des Zustandes selbst, ist eine solche Diagnose für den Patienten schon unangenehm genug. Gleichzeitig sind sich aber auch viele unsicher, welche Informationspflichten sie überhaupt gegenüber ihrem Arbeitgeber haben. Außerdem befürchten sie eventuell, aufgrund der Krankheit ihren Job zu verlieren. Grundsätzlich sollte man daher die folgenden Punkte beachten:

  • Wie bei jeder anderen Krankmeldung auch, muss der Arbeitgeber natürlich unverzüglich über den Ausfall informiert werden und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen.
  • Allerdings ist niemand verpflichtet, den Grund der Erkrankung zu offenbaren. Nur wenn sie eine betriebliche Bedeutung haben sollte, muss der genaue Krankheitsgrund angegeben werden. Dabei gilt: Eine Krankmeldung bei Burnout sollte man nicht sofort darlegen!
  • Es droht in der Regel kein Jobverlust! Sechs Wochen dürfen Arbeitnehmer ohnehin im Jahr krank sein, ohne dass eine Kündigung droht und anschließend übernimmt die jeweilige Krankenkasse die Lohnfortzahlung. Aber auch so bestünde nicht sofort die Gefahr einer Kündigung, wenn eine Krankmeldung bei Burnout für mehr als sechs Wochen ausgestellt wird. Genauso muss die Prognose über den weiteren Verlauf der Krankheit berücksichtigt werden.

Statt sich also Sorgen um den Job zu machen, sollte die Zeit der Krankschreibung für die erforderlichen medizinischen Maßnahmen genutzt werden.

Alles was bei der Krankmeldung beim Arbeitgeber zu beachten ist, wird aufgelistet im Artikel:

Krankmeldung beim Arbeitgeber – was ist zu beachten?

Kann man während der Krankschreibung eine Kündigung erhalten, darf man Urlaub machen und was darf man tun und was nicht:

Krankschreibung – ab wann und wie lange? was darf man machen und was nicht?

Auf keine falschen Gedanken kommen: Das passiert bei falscher Krankschreibung

Wer jetzt jedoch denkt, dass man diese seelische Erkrankung auch nutzen kann um dich für einen längeren Zeitraum krankschreiben zu lassen, der sollte dies überdenken. In einem ausführlichen Artikel haben wir beschrieben was für Konsequenzen drohen wenn man sich gesund krankschreiben lässt. Der Artikel Gesund krankgeschrieben: Was kann passieren? verdeutlicht, dass dies zu einem gestörten Vertrauensverhältnis und damit zum Jobverlust führen kann. Darüber hinaus kann es seitens des Arbeitgebers auch Ansprüche auf Schadenersatz geben bis hin zu strafrechtlichen Maßnahmen, wenn ein Fall von Betrug durch die falsche Krankschreibung vorliegt.

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Bildnachweis: Urlaubsreif 31/52 via photopin (license)

Blaumachen:
Die Krankschreibung ist das kleinste Problem

Wir wollen von ZEIT ONLINE Lesern wissen: Wann haben Sie sich zuletzt krank gemeldet, obwohl Sie gesund waren? Was hat Sie von der Arbeit ferngehalten: Stress? Langeweile? Probleme mit den Kollegen? Ihre Teilnahme an unserer Umfrage hilft uns dabei, mehr über das Blaumachen zu erfahren. Hier erzählt Anna*, 30 Jahre alt, warum sie regelmäßig blaumacht.

Als ich das erste Mal blaugemacht habe, wurde ich direkt dafür bestraft. Eigentlich wollte ich nur einen einzigen Tag fehlen. Ein alter Schulfreund hatte gefeiert: Wir hatten uns länger nicht gesehen und viel zu viel Wein getrunken. Viele meiner Freunde studierten zu der Zeit noch, ich arbeitete schon auf dem Bezirksamt und musste jeden Morgen um 8 Uhr da sein. Ich wusste an dem Abend schon, dass ich am nächsten Tag einen schlimmen Kater haben würde und blaumachen müsste. Danach war ich eine Woche lange richtig krank, mit Fieber und im Bett liegen. Mein Gedanke war: Das hast du jetzt davon. Davon abgehalten, es wieder zu tun, hat es mich aber nicht.

Meine Regel für das Krankfeiern ist: Nicht mehr als eine Woche im Jahr, quasi eine siebte Woche Urlaub. Ich finde das moderat. Es kommt aufs Maß an. Immerhin müssen die Kollegen im Büro deinen Kram erledigen, wenn du fehlst. Da kann ich schon verstehen, wenn andere das verurteilen. Aber ich finde, ich übertreibe nicht.

Ganz im Unterschied zu einigen Kollegen, die ich so auf dem Amt hatte. Die waren so regelmäßig krank, danach konnte man die Uhr stellen. Offen hat zwar keiner darüber geredet, aber an den Tagen nach Karneval konntest du sicher sein, dass kaum einer kommt. Und wenn mal wieder ein Bierfest in unserer Gegend war, hat am nächsten Tag die halbe Belegschaft gefehlt.

Mittlerweile habe ich einen anderen Job. Der neue Arbeitgeber verlangt zwar schon ab dem ersten Tag eine Krankschreibung, aber das ist wirklich das kleinste Problem. Ich habe nämlich zwei Hausärzte. Von dem einen lasse ich mir Blut abnehmen und Medikamente verschreiben, wenn ich Grippe habe. Von der anderen lasse ich mich krankschreiben. Eine Kollegin hat sie mir empfohlen.

Die einzige Frage, die die Ärztin stellt: Wie lange? Und schon ist man mit der Krankschreibung in der Hand wieder draußen.

Als ich zum ersten Mal da war, saß ich im Wartezimmer mit zehn Männern mittleren Alters. Ich dachte erst: Oh Gott, hier komme ich ja nie raus. Aber das ging ruckzuck. Zehn Männer, zehn Minuten. Als ich dann dran war, wurde mir klar warum. Die einzige Frage, die die Ärztin stellt, lautet: Wie lange? Und schon ist man mit der Krankschreibung in der Hand wieder draußen.

Ich nutze die Zeit, um auf der Couch zu lümmeln und mich zu entspannen. Sachen, für die mir meine echten Urlaubstage zu schade sind. Quasi für die mentale Gesundheit. Ich habe mich aber nie getraut, in den Urlaub zu fahren oder mit dem Bier in der Hand um die Häuser zu ziehen.

Ein Kollege von mir wurde mal beim Blaumachen erwischt. Er hatte sich für eine Woche krankschreiben lassen und dann Fotos von sich und seinen Freunden auf Facebook gepostet, auf denen er in der Sonne Kaffee trinkt. Das ist dumm. Er wurde fristlos entlassen. Kann ich auch verstehen. Man kann ja spazieren gehen, wenn man blaumacht. Aber doch nicht einfach gemütlich mit Freunden Kaffee trinken gehen und das dann auch noch im Netz verbreiten.

Ich finde aber auch, der Arbeitgeber hat eine gewisse Verantwortung. Wenn ein Unternehmen will, dass die Leute weniger krank sind, können sie sich ja auch was einfallen lassen. Wenn ich gebraucht werde und wirklich Verantwortung trage, mache ich viel weniger blau. Daimler zum Beispiel zahlt Mitarbeitern, die nie fehlen, einen Bonus von 200 Euro. Finde ich aus Unternehmenssicht eine ganz gute Idee, aber für mich wären 200 Euro noch nicht genug Anreiz, um nicht mehr zu fehlen.

* Anna heißt eigentlich anders. Ihr Klarname ist der Redaktion bekannt.

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