Krampfader am hoden

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Varikozelen – Hodenkrampfader

Was sind Varikozelen und wie entstehen sie?

Varikozelen sind Krampfadern, die im Hodensack auftreten. Mediziner bezeichnen die Erkrankung auch als „Krampfaderbruch“. Dabei liegt aber kein Bruch im eigentlichen Sinne vor: Bei einer Varikozele vergrößert sich das Venengeflecht, das am Samenstrang entlangläuft. Durch dieses fließt Blut, das sich bei manchen Männern durch verschiedene Ursachen staut.

Hierdurch kommt es zu einem Blutstau in dem Venengeflecht. Das Krankheitsbild ist den Krampfadern in den Beinen also ähnlich.

Nach dem aktuellen Forschungsstand unterscheiden Ärzte Varikozelen danach, wie ausgeprägt und wie leicht erkennbar diese sind. Darüber hinaus differenzieren sie zwischen linksseitigen, rechtsseitigen und beidseitigen Varikozelen.

Varikozelen: häufig unbemerkt

Wer unter leichten Varikozelen leidet, verspürt häufig keine Schmerzen oder andere Symptome. In dem Fall ist die Erkrankung oft ein Zufallsbefund.
Fortgeschrittene Varikozelen hingegen sind oft als wurmartige Wucherung erkennbar, die sich unter der Hodensack-Haut ertasten lassen. Besonders sichtbar sind sie, wenn die Betroffenen die Bauchmuskulatur anspannen.
Manche Patienten leiden zudem unter

  • Schwellungen
  • Spannungsgefühlen sowie
  • Schmerzen im Hoden oder
  • die Hoden fühlen sich aufgebläht oder geschwollen an (vor allem beim Stehen)

Varikozelen bei Kindern machen sich häufig durch verkleinerte Hoden bemerkbar. Der Hintergrund: Die Erkrankung hemmt das Hodenwachstum.

Häufigkeit und besondere Risikofaktoren

Varikozelen sind vielleicht ein Tabuthema, kommen jedoch häufig vor – etwa 15 Prozent aller Männer haben oder hatten einmal eine Hodenkrampfader. Statistisch gesehen kommen diese am häufigsten bei jungen Männern in der Pubertät vor. Aber auch bei Kindern sind Varikozelen möglich. Die meisten Patienten bemerken diese jedoch erst im Erwachsenenalter, da es im Anfangsstadium selten zu Beschwerden kommt.

Was sind mögliche Ursachen für die Bildung von Hodenkrampfadern?

Mediziner unterscheiden die primäre (idiopathische) Varikozele und die sekundäre (symptomatische) Varikozele. Ihnen liegen unterschiedliche Ursachen zugrunde.
Die primäre Varikozele ist anlagebedingt und tritt häufiger bei großen, schlanken Männern auf.
Ihr liegt oft eine defekte Venenklappe in der Hodenvene oder eine Gefäßwandschwäche zugrunde. Auch eine venöse Abflussstörung durch einen erhöhten Gefäßdruck kommt als Ursache für die primäre Form des Krampfaderbruchs infrage.
Die sekundäre Variante der Erkrankung tritt hin und wieder auch beidseitig auf. Sie entsteht beispielsweise durch einen tumorbedingten Blutstau. Hierbei handelt es sich unter anderem um Tumore der Niere, des Nierenbeckens oder auch der Harnleiter. In seltenen Fällen entsteht der Krampfaderbruch im Hoden durch einen Thrombus (Blutpfropf) oder eine Ruptur (Riss) in den Venen.

Varikozelen und Familienplanung

Forscher und Ärzte vermuten, dass Varikozelen die Fruchtbarkeit von Männern negativ beeinflussen können. Studien zeigen: Männer mit geringer Fruchtbarkeit leiden häufig auch unter einem Krampfaderbruch. Schätzungen zufolge weisen 25 Prozent der Männer mit eingeschränkter Fruchtbarkeit Varikozelen auf.
Jedoch ist eine Fruchtbarkeit durch die Erkrankung keinesfalls ausgeschlossen. Es gibt Männer, die normal zeugungsfähig sind, obwohl sie unter einem Krampfaderbruch leiden. Wer jedoch einen Kinderwunsch hat, sollte einen Facharzt aufsuchen und die Behandlungsoptionen abklären.


© elvira gerecht / Fotolia

Wie werden Hodenkrampfadern untersucht und diagnostiziert?

Handelt es sich um eine große Varikozele, ist diese für den Arzt meist bereits sichtbar und ertastbar. Er wird die Wucherung einmal am stehenden und einmal am liegenden Patienten genau ertasten und lokalisieren.
Kleinere Varikozelen sind manchmal nicht gleich erkennbar. In solchen Fällen greift der Urologe zum Ultraschallgerät (Sonographie).
Ist die Erkrankung diagnostiziert, erfolgen weitere Tests, wenn der Arzt diese als sinnvoll erachtet. So wird Männern mit Kinderwunsch eine Spermiogramm (Ejakulatanalyse) empfohlen. Diese liefert weitere Auskünfte zur Fruchtbarkeit. Anschließend ist es möglich, eine Blutabnahme zur Untersuchung von Hormonwerten durchzuführen – beispielsweise des Sexualhormons Testosteron.

Wie werden Varikozelen behandelt?

Wenn Sie vermuten, unter einem Krampfaderbruch zu leiden, suchen Sie einen Facharzt auf. Hierfür eignet sich ein Phlebologe (Arzt für die Venen) oder ein Urologe, der auf die Harnorgane spezialisiert ist.
Eine Behandlung ist prinzipiell jedoch nicht unbedingt notwendig. Oft bilden Varikozelen sich mit der Zeit spontan von selbst zurück. Ratsam ist eine Behandlung, wenn ein Kinderwunsch besteht oder der Patient unter starken Beschwerden wie Schmerzen leidet.
Die Behandlung sieht in der Regel so aus, dass der Arzt die gestaute Vene stilllegt. So fließt das Blut über gesunde Venen ab, die benachbart zur erkrankten Vene liegen. Die Behandlung erfolgt entweder durch

  • eine Varikozelen-Sklerosierung bzw. Verödung
  • einen Verschluss (Embolisierung) oder
  • eine Operation der Krampfader.

Um die betroffene Vene zu verschließen oder zu veröden, spritzt der behandelnde Arzt ein Medikament in die Hodenvene.
Bei Varikozelen mit sekundärer Ursache ist es erforderlich, den eigentlichen Auslöser zu beseitigen. Dies geschieht – je nach Ursache – beispielsweise durch eine geeignete Tumortherapie.

Wann müssen Varikozelen operiert werden?

Wer an einer Varikozele leidet, bevorzugt wahrscheinlich das schonendere Verfahren der Verödung. Dies ist jedoch nicht bei allen Patienten möglich. Hier entscheidet der Arzt individuell, welche Behandlung durchführbar und angeraten ist. Die herkömmliche Operationsmethode kappt die Vene in der Leiste oder durch einen Schnitt an der Bauchseite. Zusätzlich kann laparoskopisch, also mit der Schlüssellochtechnik operiert werden (Varikozelektomie).
Bei einer Operation trennt der Chirurg die angeschwollene Vene und eventuell benachbarte kleinere Venen ab. So löst sich der Blutstau und das Blut fließt durch andere, gesunde Venen wieder ab.

Krankheitsverlauf und Prognose

Varikozelen sind für gewöhnlich gut behandelbar. Die Heilungschancen nach einem medizinischen Eingriff sind hoch. Je früher die Therapie beginnt, umso leichter lässt sich der Blutstau in der Hodenvene prinzipiell auflösen oder abklemmen. Daher ist es ratsam, bei auftretenden Beschwerden oder einer ertastbaren Wucherung gleich einen Arzt aufzusuchen. Die Behandlung hat das Ziel, die Schmerzen zu reduzieren und die Samenqualität zu steigern. Auch ein normaler Hormonhaushalt wird durch die Behandlung angestrebt.

Fazit: Bei Schmerzen im Hodenbereich sofort zum Urologen

Eine Hodenkrampfader ist mit Sicherheit nicht angenehm, wenn sie erst einmal Beschwerden verursacht. Wer unter Schmerzen oder einem Druckgefühl im Bereich des Hodens leidet, sollte daher gleich einen Urologen aufsuchen. Dies gilt insbesondere für Männer, deren Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist. Mit der richtigen Behandlung wird der Normalzustand meist innerhalb kurzer Zeit wiederhergestellt, sodass keine Folgeschäden zu befürchten sind.

Varikozele (Krampfader am Hoden)

Eine Varikozele tritt am häufigsten zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr auf. Meist stellt sich eine Varikozele bereits vor oder während der Pubertät ein.

Ursachen für Varikozele nicht abschließend geklärt

Ursache hierfür scheint eine Venenschwäche der Hodenvene zu sein. Bei einer solchen Venenschwäche staut sich das Blut in der Vene und sie vergrößert sich im Volumen. Dies bewirkt einen Temperaturanstieg im Hodensack, der vermutlich negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben kann. Nur sehr selten entsteht auch eine Varikozele aufgrund einer Tumorerkrankung. Experten gehen davon aus, dass etwa 15 Prozent aller Männer von einer Varikozele betroffen sind.

Es gibt verschiedene Thesen für die Entstehung der Varikozele: Von gestörten hydrostatischen Druckverhältnissen über ungünstigen Venenverlauf bis hin zu angeborenen Gefäßwandschäden werden viele Möglichkeiten diskutiert.

Varikozele-Grad: Einteilung in drei Schweregrade

Die Varikozele lässt sich in drei Grade einteilen:

  • Grad 1: Hier ist eine Varikozele nur beim sogenannten Valsalva-Manöver für den Untersuchenden tastbar. Bei diesem „Pressdruckversuch“ hält der Betroffene nach tiefer Einatmung die Luft an und baut über die Bauch- und Ausatemmuskulatur Druck im gesamten Bauchraum auf. Durch diesen wird der Rückfluss in den Venen stark gebremst, daher ist bei positivem Befund nun die Varikozele tastbar.
  • Grad 2: Hier ist bereits ohne Valsalva-Manöver eine Varikozele im Liegen tastbar.
  • Grad 3: Bei der drittgradigen Varikozele ist das deutlich erweiterte Venengeflecht bereits am stehenden Patienten sichtbar, ohne einen Test durchführen zu müssen.

Symptome der Varikozele: Schmerzen treten nicht immer auf

Häufig haben Männer mit Varikozele keine Beschwerden. Nur bei ausgeprägtem Befund kann es zu diffus ziehenden Schmerzen im erweiterten Gebiet der Hoden kommen. Häufig wird eine Varikozele erst aufgrund der Diagnostik bei unerfülltem Kinderwunsch diagnostiziert. Ansonsten fällt sie nur beim Tasten auf oder wenn sie bereits sichtbar ist.

Bestätigung der Diagnose: Varikozele und Kinderwunsch

Um eine Varikozele sichtbar zu machen, führt der Arzt eine Sonografie (Ultraschalluntersuchung) durch. Bei Verdacht auf Unfruchtbarkeit (Infertilität) kann ein Spermiogramm durchgeführt werden. Man geht davon aus, dass im von den Krampfadern betroffenen Hoden veränderte chemische Prozesse laufen, die Einfluss auf die Spermien haben können. Bei etwa 15 bis 50 Prozent der Männer besteht zeitgleich eine Unfruchtbarkeit oder das OAT-Syndrom. Aber 80 bis 90 Prozent der Betroffenen sind fruchtbar. Ob mit einer Varikozele-OP die Zeugungsfähigkeit verbessert werden kann, wird kontrovers diskutiert.

Varikozele: OP als Behandlung bei Schmerzen möglich

Aufgrund ihres Bestehens ist eine Varikozele nicht behandlungsbedürftig, sie kann aber thrapiert werden, wenn der Betroffene unter Schmerzen leidet. Je nach Befund kann bei einer Varikozele eine Operation erforderlich sein oder angeraten werden. Bei anhaltenden Schmerzen oder bei Kinderwunsch, wenn die Krampfader am Hoden die Spermienqualität vielleicht beeinflusst, ist dies eine Option. Vor der Varikozele-OP wird ein Spermiogramm durchgeführt. Auch beim OAT-Syndrom kann eine OP angezeigt sein. Bei dem Eingriff kann die Hodenvene unterbunden und das vergrößerte Venengeflecht entnommen werden. Hier stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Dies bewirkt meist eine Verkleinerung des Hodensacks auf Normalgröße zurück. Eine Verödung ist ebenfalls möglich. Der Eingriff ist auf herkömmliche oder mikrochirurgische Weise möglich.

Varikozele

Verbessert die Behandlung einer Varikozele die Fruchtbarkeit?

(PantherMedia / Alexander Raths) Fachleute vermuten, dass eine Varikozele die Fruchtbarkeit von Männern verringern kann. Bei Männern mit tastbarer Varikozele und schlechter Samenqualität kann ein Eingriff unter Umständen die Chancen auf eine Schwangerschaft der Partnerin verbessern.

Die meisten Paare mit einem Kinderwunsch können sich innerhalb von zwei Jahren über Nachwuchs freuen. Müssen sie länger warten, spricht man von einer eingeschränkten Fruchtbarkeit. Das bedeutet nicht, dass ein Paar grundsätzlich keine Kinder bekommen kann. Vielleicht dauert es nur einfach länger, bis die Frau auf normalem Weg schwanger wird. Dennoch möchten viele Paare natürlich wissen, was die Ursache sein könnte.

Es gibt Hinweise, dass eine Varikozele die Fruchtbarkeit eines Mannes verringern könnte. Allerdings ist der Grund dafür wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Manche Fachleute vermuten, dass die Qualität des Samens nachlässt, weil der Hoden wegen der Krampfader schlechter durchblutet wird. Andere gehen davon aus, dass der Blutstau im Hodensack dazu führt, dass die Temperatur im Hoden steigt. Dies könnte die Spermienproduktion beeinträchtigen.

Die Behandlung einer Varikozele soll dafür sorgen, dass sich das Blut nicht mehr staut. Um dies zu erreichen, kommen ein Verschluss (Embolisierung), eine Verödung (Sklerosierung) oder eine Operation (Abbinden oder Abtrennen) der Krampfader infrage. Wenn die betroffene Vene verschlossen ist, kann das Blut über benachbarte, gesunde Venen abfließen.

Von einem Eingriff zum Verschluss der Vene erholt man sich normalerweise innerhalb eines Tages. Jede Operation kann aber auch unerwünschte Wirkungen haben: So kann es zu Blutergüssen, Infektionen und Nervenverletzungen kommen. Nur sehr selten wird der Samenleiter verletzt, der die Samenzellen von den Hoden zum Penis transportiert. Auch Wassereinlagerungen im Hoden (Hydrozele) können eine unerwünschte Folge sein. Bei einer Verödung können manchmal Nachbargefäße beschädigt werden. Varikozelen können nach einem Eingriff auch wiederkehren.

Niederländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten wissen, ob die Behandlung einer Varikozele die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft erhöht. Die Wissenschaftlergruppe fand zehn randomisierte kontrollierte Studien zu dieser Frage. Diese Art von Studien liefert die zuverlässigsten Ergebnisse, wenn es um die Prüfung von Nutzen und Schaden medizinischer Behandlungen geht.

An den Studien nahmen insgesamt rund 900 Männer teil, die bisher kinderlos geblieben waren. Bei allen Paaren war die Ursache für die verminderte Fruchtbarkeit unklar. Ein Großteil der Männer hatte eine schlechte Samenqualität. Einige der Studien prüften die Wirkung einer Varikozelen-Behandlung im Vergleich zu keiner Behandlung, andere verglichen verschiedene Verfahren miteinander. Die meisten Studien untersuchten das operative Abbinden der Varikozele, nur zwei Studien den Verschluss (Embolisierung) der Varikozele.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interessierte, wie viele Frauen nach der Behandlung ihrer Partner schwanger geworden waren und wie oft der Eingriff unerwünschte Wirkungen hatte.

Eine verbesserte Samenqualität wurde nicht als Ergebnis berücksichtigt, da sie keine zuverlässige Aussage über die Fruchtbarkeit erlaubt. Die Samenqualität kann bei allen Männern schwanken und ist deshalb allein keine Garantie für die Fruchtbarkeit.

Die Wissenschaftlergruppe zog nur vorsichtige Schlüsse aus ihrer Analyse, weil die Studien Schwächen hatten. Insgesamt deuten die Ergebnisse aber an, dass Männer häufiger ein Kind zeugen können, wenn die Varikozele behandelt wird. Das gilt aber nur für Männer, die vor dem Eingriff eine tastbare Varikozele und eine schlechte Samenqualität haben. Anhand der Studien lässt sich abschätzen, wie viele Männer in etwa von einem Eingriff profitieren konnten. In Zahlen:

  • Etwa 16 von 100 Frauen wurden schwanger, deren Männer nicht behandelt wurden.
  • Ungefähr 32 von 100 Frauen wurden schwanger, nachdem ihre Männer behandelt wurden.

Diese Zahlen sind Durchschnittswerte und stammen aus unterschiedlichen Studien. Für einen einzelnen Mann kann die Chance auf einen Nutzen des Eingriffs also größer oder kleiner sein.

Für Männer mit einer Varikozele, die nicht tastbar, sondern nur durch Ultraschall feststellbar war und die eine normale Samenqualität hatten, zeigte die Behandlung keinen Vorteil.

Die Studien liefern leider keine Informationen darüber, wie häufig es durch die Behandlung zu unerwünschten Folgen kam.

Die Behandlung einer Varikozele könnte sich also für Männer mit tastbarer Varikozele lohnen. Unabhängig davon kann es sinnvoll sein, sich bei Fruchtbarkeitsproblemen in einer Kinderwunschpraxis beraten zu lassen.

Quellen

Kroese AC, de Lange NM, Collins J, Evers JL. Surgery or embolization for varicoceles in subfertile men. Cochrane Database Syst Rev 2012; (10): CD000479.

Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. Berlin: De Gruyter; 2017.

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Schlagwörter: Fortpflanzung und Geburt, I87, Krampfaderbruch, Männergesundheit, N46, Unfruchtbarkeit, Varikozele Aktualisiert am 19. Juni 2019 19. Juni 2019
Erstellt am 7. August 2009
Nächste geplante Aktualisierung: 2022
So arbeiten wir Autoren/Herausgeber: Institut für
Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
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Verbes­sert die Behand­lung einer Vari­ko­zele die Frucht­bar­keit?

Die meisten Paare mit einem Kinderwunsch können sich innerhalb von zwei Jahren über Nachwuchs freuen. Müssen sie länger warten, spricht man von einer eingeschränkten Fruchtbarkeit. Das bedeutet nicht, dass ein Paar grundsätzlich keine Kinder bekommen kann. Vielleicht dauert es nur einfach länger, bis die Frau auf normalem Weg schwanger wird. Dennoch möchten viele Paare natürlich wissen, was die Ursache sein könnte.

Varikozele als mögliche Ursache für eingeschränkte Fruchtbarkeit

Es gibt Hinweise, dass eine Varikozele die Fruchtbarkeit eines Mannes verringern könnte. Allerdings ist der Grund dafür wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Manche Fachleute vermuten, dass die Qualität des Samens nachlässt, weil der Hoden wegen der Krampfader schlechter durchblutet wird. Andere gehen davon aus, dass der Blutstau im Hodensack dazu führt, dass die Temperatur im Hoden steigt. Dies könnte die Spermienproduktion beeinträchtigen.

Behandlung einer Varikozele

Die Behandlung einer Varikozele soll dafür sorgen, dass sich das Blut nicht mehr staut. Um dies zu erreichen, kommen ein Verschluss (Embolisierung), eine Verödung (Sklerosierung) oder eine Operation (Abbinden oder Abtrennen) der Krampfader infrage. Wenn die betroffene Vene verschlossen ist, kann das Blut über benachbarte, gesunde Venen abfließen.

Von einem Eingriff zum Verschluss der Vene erholt man sich normalerweise innerhalb eines Tages. Jede Operation kann aber auch unerwünschte Wirkungen haben: So kann es zu Blutergüssen, Infektionen und Nervenverletzungen kommen. Nur sehr selten wird der Samenleiter verletzt, der die Samenzellen von den Hoden zum Penis transportiert. Auch Wassereinlagerungen im Hoden (Hydrozele) können eine unerwünschte Folge sein. Bei einer Verödung können manchmal Nachbargefäße beschädigt werden. Varikozelen können nach einem Eingriff auch wiederkehren.

Studien zum Einfluss der chirurgischen Behandlungen auf die Fruchtbarkeit

Niederländische Wissenschaftler wollten wissen, ob die Behandlung einer Varikozele die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft erhöht. Die Wissenschaftlergruppe fand zehn randomisierte kontrollierte Studien zu dieser Frage. Diese Art von Studien liefert die zuverlässigsten Ergebnisse, wenn es um die Prüfung von Nutzen und Schaden medizinischer Behandlungen geht.

An den Studien nahmen insgesamt rund 900 Männer teil, die bisher kinderlos geblieben waren. Bei allen Paaren war die Ursache für die verminderte Fruchtbarkeit unklar. Ein Großteil der Männer hatte eine schlechte Samenqualität. Einige der Studien prüften die Wirkung einer Behandlung im Vergleich zu keiner Behandlung, andere verglichen verschiedene Therapien miteinander. Die meisten Studien untersuchten das operative Abbinden der Varikozele, nur zwei Studien den Verschluss (Embolisierung) der Varikozele.

Die Wissenschaftler interessierte, wie viele Frauen nach der Behandlung ihrer Partner schwanger geworden waren und wie oft der Eingriff unerwünschte Wirkungen hatte.

Eine verbesserte Samenqualität wurde nicht als Ergebnis berücksichtigt, da sie keine zuverlässige Aussage über die Fruchtbarkeit erlaubt. Die Samenqualität kann bei allen Männern schwanken und ist deshalb allein keine Garantie für die Fruchtbarkeit.

Bei bestimmten Männern könnte sich die Fruchtbarkeit verbessern

Die Wissenschaftlergruppe zog nur vorsichtige Schlüsse aus ihrer Analyse, weil die Studien Schwächen hatten. Insgesamt deuten die Ergebnisse aber an, dass Männer häufiger ein Kind zeugen können, wenn die Varikozele behandelt wird. Das gilt aber nur für Männer, die vor dem Eingriff eine tastbare Varikozele und eine schlechte Samenqualität haben. Anhand der Studien lässt sich nur grob abschätzen, wie viele Männer in etwa von einem Eingriff profitieren konnten. In Zahlen:

  • Etwa 16 von 100 Frauen wurden schwanger, deren Männer nicht behandelt wurden.
  • Ungefähr 32 von 100 Frauen wurden schwanger, nachdem ihre Männer behandelt wurden.

Diese Zahlen sind Durchschnittswerte und stammen aus unterschiedlichen Studien. Für einen einzelnen Mann kann die Chance auf einen Nutzen des Eingriffs also größer oder kleiner sein.

Für Männer mit einer Varikozele, die nicht tastbar, sondern nur durch Ultraschall feststellbar war und die eine normale Samenqualität hatten, zeigte die Behandlung keinen Vorteil.

Die Studien liefern leider keine Informationen darüber, wie häufig es durch die Behandlung zu Komplikationen oder unerwünschten Folgen kam.

Die Behandlung einer Varikozele könnte sich also für Männer mit tastbarer Varikozele lohnen. Unabhängig davon kann es sinnvoll sein, sich bei Fruchtbarkeitsproblemen in einer Kinderwunschpraxis beraten zu lassen.

Varikozele

Generell unterscheidet man drei Schweregrade der Varikozele (I-III), wobei eine ausgeprägte Varikozele (III) meist auch mit einer Verkleinerung des Hodens- (Hodenatrophie) einhergeht. Eine Varikozele tastet/sieht man am besten im Stehen bei gleichzeitiger Betätigung der Bauchpresse (sog. Valsalva-Manöver), wobei dann die zu Krampfadern erweiterten Hodenvenen zwischen den Hodensack umfassenden Fingern sich wie ein wurmförmiges Knäuel anfühlen.

Von einer subklinischen Varikozele spricht man, wenn man zwar klinisch keine Krampfadern im Hodensack tasten kann, man aber mit Hilfe der Doppler-/Duplexsonograhie unter Betätigung der Bauchpresse (Valsalva-Manöver) einen Rückstrom in die Hodenvenen nachweisen kann.

Die wissenschaftliche Literatur zur Varikozele füllt mittlerweile schon ganze Bibliotheken und bis zum heutigen Tage streiten sich die Wissenschaftler ob die Behandlung einer klinisch manifesten Varikozele bzw. einer sog. subklinischen Varikozele bei Unfruchtbarkeit (Infertilität) überhaupt in der Lage ist, zu einer Verbesserung der Fruchtbarkeit und damit zur ersehnten Schwangerschaft zu führen.

Auch eine erst jüngst zum Thema Varikozele durchgeführte Literaturrecherche – der sog. Cochrane Review (Ficarra, V. et al: Treatment of Varicocele in subfertile men: The Cochrane review- A contrary opinion. Eur. Urol. 49, 258-263, 2006) war nicht in der Lage, die Frage diesbezüglich positiv oder negativ zu beantworten. Sie verwies auf noch andauernde prospektive Studien, betonte aber gleichzeitig, dass das, was die Literatur derzeit zum Thema Varikozele hergibt, nicht dazu benutzt werden kann eine Therapie der Varikozele bei Männern mit eingeschränkter Fruchtbarkeit (Infertilität) als unnütz abzulehnen.

Insgesamt spricht vieles in der Literatur dafür, dass je ausgeprägter eine Varikozele ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit(Infertilität) ist, will heißen, dass subklinische Varikozelen normalerweise eher nicht zu klinisch relevanten Beeinträchtigungen der Fertilität führen (Nagle, H.M.: Editorial Comment: Varicocele: where, why and, if so, how? J. Urol. 172, 1239-1240, 2004).

Generell teilen die meisten Autoren/Ärzte, so auch der Verfasser dieser Homepage (Prof. Dr. med. Hartmut Porst) die Auffassung, dass Männer, bei welchen ein Kinderwunsch mit nachgewiesener Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit (Infertilität) im Spermiogramm vorliegt und bis auf eine Varikozele keine anderen konkurrierenden Ursachen der Infertilität gefunden werden, einer Behandlung der Varikozele zugeführt werden sollten.

So haben auch verschiedene kleinere Studien bei Patienten mit Azoospermie (keine Spermien im Sperma/Ejakulat nachweisbar) zeigen können, dass durch eine erfolgreiche Behandlung der Varikozele es wieder zur Spermienproduktion und nachfolgend zur Schwangerschaft kommen kann. (Matthews, GJ. et al: Induction of spermatogenesis and achievement of pregnancy after microsurgical varicocelectomy in men with azoospermia and severe oligoasthenospermia. Fertil Steril 70, 71-75, 1998. Cakan, M. et al: Induction of spermatogenesis by inguinal repair in azoospermic men. Arch. Androl. 50, 145-150, 2004).

Bei der kindlichen Varikozele, sind sich die meisten Autoren darin einig, dass diese operativ beseitigt werden soll, wenn diese ausgeprägt ist und bereits zu einer Verkleinerung des Hodens (Hodenatrophie) geführt hat.

Varikozele Operation oder natürliche Behandlung

Verfolgt von den Beschwerden und von diesen beeinflusst negative Gedanken in Alltagssituationen, beim Geschlechtsverkehr oder beim Gespräch über die Familienplanung, kommt irgendwann der Wunsch auf der Varikozele mit der radikalen Lösung einer Operation ein Ende zu bereiten.

Die Mehrheit der Urologen ist nach klinischen Untersuchungen und Berichterstattung in den Fachmedien der Überzeugung, die Varikozele befindet sich in 80 bis 90 % auf der linken Seite, in 5 bis 10 % auf der rechten oder auch auf beiden Seiten. Unterschieden wird wie bei vielen anderen Krankheitsbildern in die Schweregrade I, II und III.

Die Entscheidung „Operation Ja oder Nein“ ist nicht zu treffen. Auch deshalb nicht, weil die Wahrscheinlichkeit, eine niedriggradige Varikozele durch eine natürliche Behandlung wieder „in den Griff“ zu bekommen, weitaus höher ist.
Urologen werden unter Umständen die verschiedenen Varikozele OP-Verfahren mit ihren Vor- und Nachteilen erklären. Ebenso welchem Verfahren sie selbst den Vorzug geben und warum.
Ein häufig angewandtes Verfahren mit stationären Krankenhausaufenthalt ist die operative Behandlung der Krampfader mittels minimalinvasiver laparoskopischer Schlüssellochtechnik. Dabei wird bei einer Bauchspiegelung über drei kleine Schnitte am Unterbauch die entsprechende Vene aufgesucht und durchtrennt. Der Patient befindet sich während des Eingriffs unter Vollnarkose.
Vorteil:
Der Patient bekommt aufgrund der Narkose nichts von der Operation mit.
Nachteil:
Mögliche Narbenbildung an den 3 Punkten, an welchen die Operationsinstrumente eingeführt wurden.
Stationärer Aufenthalt im Krankenhaus.
Das am häufigsten ambulant angewandte Verfahren in Deutschland ist die Antegrade Sklerotherapie (Verödung der Varikozele) nach Tauber. Unter lokaler Betäubung werden nach einem 2 cm großen Schnitt am Hodensack die Hodenvenen freigelegt. Die erweiterten Venen werden anschließend punktiert und das Verödungsmittel eingespritzt. Bei Kindern ist eher von einem stationären Aufenthalt von ein bis zwei Tagen auszugehen.
Vorteil:
Der Patient kann in der Regel nach dem Eingriff direkt wieder nach Hause gehen.
Nachteil:
Der Patient befindet sich unter lokaler Betäubung und muss während der Operation mehrere Male den Bauch durch „Pressen“ anspannen, um die Hodenkrampfader für den Chirurgen sichtbar zu machen.
Varikozelen OP: Risiken
Die Operation an den besonders empfindlichen Hoden ist mit einigen Risiken verbunden und kann im schlimmsten Fall zum Verlust des Hoden führen (nur sehr selten!). Es ist klar, dass eine operative Methode in jedem Fall risikoreicher ist, als die tatsächlichen individuellen Ursachen herauszufinden und die Varikozele auf natürliche Weise zu behandeln, um so langfristig beschwerdefrei zu sein und eine Zustandsverschlechterung zu verhindern.
Was nun? Operation oder natürliche Behandlung?
Grundsätzlich gilt: Je früher man mit der natürlichen Behandlung beginnt und je weniger weit die Varikozele entwickelt ist, desto früher können auch fühl- und sichtbare Ergebnisse erwartet werden.
Leider klären die allerwenigsten Urologen (auch aus Zeitgründen) darüber auf,
• was sich genau im Hodensack abspielt (Reifung der Spermien / Testosteronproduktion) und welche Auswirkungen die Varikozele darauf hat,
• aus welchen Ursachen heraus sich eine Varikozele entwickeln kann,
• wie diesen Ursachen in Zukunft vorgebeugt und entgegengewirkt werden kann,
• welche Symptome von Patienten beobachtet wurden und wie diese die psychische Befindlichkeit belasten können,
• wie Veränderungen der eigenen Lebensgewohnheiten zur Besserung der Beschwerden beitragen können,
• welche Maßnahmen zur akuten und langfristigen Schmerzbehandlung ergriffen werden können,
• wie einer Überhitzung der Hoden erfolgreich entgegengewirkt werden kann
• wie sich dadurch auch die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen lässt,
• wie auf Symptomsignale (zum Beispiel akute Schmerzen/Schwellung) am besten zu reagieren ist,
• wie sich die Regeneration der erkrankten Venen durch Pflanzenmedizin unterstützten lässt,
• wie die Risikofaktoren für eine Weiterentwicklung der Varikozele in den Griff zu bekommen sind.
M. E. Gonzales, selbst von der Varikozele betroffen gewesen, hat das keine Ruhe gelassen. Nach ausgedehnten Recherchen, dazu geführten Expertengesprächen, der Erprobung verschiedener natürlicher Behandlungsmethoden und den damit selbst gemachten positiven Erfahrungen, hat er seine Ergebnisse in einen Ratgeber mit dem Titel Erfolgreiche Behandlung der Varikozele ohne Operation“ für die Betroffenen einfach erklärt und anschaulich zusammengefasst. Dieser zeigt eingängig die Ursachen auf, die eine Varikozele auslösen können und welche Gegenmaßnahmen einer persönlichen Situation entsprechend ergriffen werden können/sollten. Der Ratgeber ist ab sofort als Buch und E-Book in allen Online-Shops und über Amazon lieferbar, sowie auch in den meisten lokalen Buchhandlungen erhältlich.
Die wichtigsten Informationen können Betroffene bereits kostenlos über die Webseite des Autors gefunden werden:

Unfruchtbarkeit durch Blutstau

Meistens werden sie nicht bemerkt, auch wenn sie sich nach der Pubertät nicht zurückbilden: Krampfadern, an der oberen linken Seite des Hodensacks. Sollte an dieser Stelle aber ein dumpfes Ziehen zu spüren sein, verbunden mit einer Schwellung, ist der Gang zum Urologen empfehlenswert, rät Prof. Dr. Wolfgang Weidner, Direktor der Urologie, Kinderurologie und Andrologie des Universitätsklinikums Gießen:
„Am häufigsten ist es so, dass man die Krampfadern an einem Schweregefühl im Hodensack erkennt, vor allem auf der linken Seite, aber man kann sie auch manchmal sehen und das kann so stark sein, das im Volksmund früher auch diese Erkrankung ein ‚Sack voller Würmer‘ genannt wurde.“
Ein Indiz für das Vorhandensein einer Krampfader ist es auch, wenn ein Hoden wesentlich kleiner ist, als der andere. Besonders betroffene Jugendliche im Alter zwischen 12 und 14 Jahren könnten sich Hoffnungen machen:
„Wenn man die frühzeitig operiert, erholt sich der Hoden und erreicht wieder die gleiche Größe, wie der unbetroffene.“
Verursacht wird die Krampfader in seltenen Fällen durch Nierentumoren, überwiegend aber durch anatomisch bedingte Strömungsverhältnisse im Venengeflecht des Hodensacks. Hier muss das Blut im spitzen Winkel zur Nierenvene fließen. Im ungünstigen Fall verhält sich die Vene wie ein mehr oder weniger stark abgeknickter Gartenschlauch. Je nach körperlicher Konstitution sind nicht alle Männer davon betroffen:
„Es gibt wahrscheinlich Männer, genauso wie Frauen, die unter Krampfadern in den Beinen leiden und eine besondere Neigung dazu haben, diese Krampfadern zu entwickeln.“
Diesen Männern rät Wolfgang Weidner zur Operation. Er ist auch Chefarzt des Hessischen Zentrums für Reproduktionsmedizin. Dort suchen Paare Hilfe, deren Kinderwunsch bisher unerfüllt blieb. Nicht selten sei eine mangelhafte Samenqualität die Folge jener, bislang unentdeckten, weil beschwerdefreien Krampfadern im Hodensack, denn …
„… es staut sich Blut im Hodensack und dadurch wird die Temperatur im Hodensack höher und das ist schlecht für die Produktion der Samenzellen im Hoden, weil der ja extra außerhalb des Körpers liegt, damit er nicht durch die höhere Kerntemperatur im Körper geschädigt wird. Dann gibt es eine Druckerhöhung in diesem Bereich. Auch diese Druckerhöhung soll die Samenzellenproduktion schädigen, und zuletzt wird immer diskutiert, dass durch diesen Rückstau in der Nierenvene Gifte von der Niere und Nebennieren nach unten kommen und die Samenzellenproduktion schädigen.“
Die Flussrichtung des Blutes und Krampfadern lassen sich per Ultraschall feststellen. Getestet wird auch die Samenqualität, bevor entschieden wird, ob eventuell die Krampfader verödet werden soll. Immer mehr Männer entschieden sich für den heute minimalinvasiven Eingriff:
„Früher hat man ja im Bauch geschnitten, jetzt schneiden wir in der Leiste, präparieren die Vene unter dem Mikroskop und können damit sehr schonend diesen Reflux unterbrechen.“
Die Vene wird entweder verödet oder der Blutfluss durch sogenannte Clips gestoppt.
„Da wird der Samenstrang gespalten und blutarm aufgesucht und diese Vene unterbunden und durchtrennt. Normalerweise verbinden wir das mit einem eintägigen stationären Aufenthalt.“
Zur Beobachtung, um die Gefahr einer möglichen Embolie zu verhindern, ebenso wie die wichtigste Nebenwirkung der Operation, die Unterversorgung eines Hodens, die sogenannte Hodenatrophie. Weitere Komplikationen bestünden nicht. Die durch die Operation verursachte kleine Wunde verheile schnell und nach etwa drei Tagen Abstinenz sei auch Sex wieder erlaubt. Bis der Erfolg, die bessere Samenqualität zuverlässig nachgewiesen werden könne, bedarf es allerdings noch drei bis sechs Monate Geduld.

Hodenkrampfader (Varikozele)

Die operative Behandlung der Varikozele ist ein relativ unkomplizierter Routineeingriff und wird entweder laparoskopisch oder mikrochirurgisch durchgeführt, wobei vielfältige OP-Varianten entwickelt wurden.

Eine mikrochirurgische Operationsmethode wird überwiegend stationär durchgeführt und erfordert ein gewisses Geschick des Operateurs. Grundsätzlich kann dieser Eingriff aber auch ambulant unter Vollnarkose erfolgen. Zu Beginn der Operation wird der Arzt das Gewebe im unteren Leistenbereich mit einem Skalpellschnitt öffnen und sich so den Zugang zu den Hodenvenen ermöglichen. Anschließend werden die betroffenen Venen unterbunden und die Wunde wieder verschlossen. Während der gesamten OP kommt ein stark vergrößerndes Elektronenmikroskop als Hilfsmittel zum Einsatz.

Bereits seit vielen Jahren werden Hodenkrampfadern aber auch laparoskopisch operiert. Das entscheidende Hilfsmittel ist in diesen Fällen ein Endoskop. Der Eingriff ist in etwa mit einer Bauchspiegelung vergleichbar. Ziel dieser Methode ist es, die geschädigte Vene mit einem Clip abzubinden.

Zu den potentiellen Risiken offener Operationsverfahren zählt die Schädigung von umliegenden Nerven sowie Samen- oder Harnleiter. Diese Verletzungen sind jedoch sehr selten. Innerhalb der ersten Tage können lokale Schmerzen sowie Schwellungen und Entzündungen im Bereich der Hoden auftreten. Weitere mögliche Folgen sind zudem Infektionen, Blutgerinnsel oder ein Verschluss der Blutgefäße. Diese treten aber nur selten auf.

Nach einigen Tagen, spätestens jedoch zwei Wochen nach dem Eingriff, sind Patienten wieder arbeitsfähig und können auch ein ausgiebiges Bad nehmen sowie Sport treiben. Nach einem halben Jahr kann das Behandlungsergebnis hinsichtlich der Fruchtbarkeit durch das Spermiogramm beurteilt werden. Auch die Krampfadern sollten sich nach einigen Monaten deutlich zurückgebildet haben. Eine erneute Krampfaderbildung ist zwar möglich, aber kommt äußerst selten vor.

Varikozelen-Operation: Bei Krampfadern des Hodens

Eine Varikozele ist eine Schwellung im Hodensack, die meist nur linksseitig auftritt und oft zu einer Überwärmung des Hodens führen kann. Ursache ist eine Blutstauung in den Venen des Samenstrangs.

Ungefähr 15 % der erwachsenen Männer haben eine Varikozele. Bei Jugendlichen sind zumeist fünf Prozent betroffen.

Ursachen für eine Varikozele

Ursache der Varikozele (auch Krampfaderbruch genannt) ist meistens ein erschwerter Blutabfluss der Hodenvene in die linke Nierenvene, da hier ein für den Fluss ungeeigneter Winkel zwischen den beiden Gefäßen besteht. Sie tritt meist nur linksseitig auf, da das Blut aus der Vene am rechten Hoden unmittelbar in die untere Hohlvene fließt, in einem für die Flusseigenschaften günstigeren Winkel.

Infolge einer Druckerhöhung können die Venenklappen der Hodenvene geschwächt werden. Das Blut kann nicht mehr komplett in die linke Nierenvene abfließen. Es kommt zu einer Aussackung des Venenkomplexes, welche von außen sichtbar werden kann (z. B. „Sack voll Würmer“).

Darüber hinaus gibt es weitere mögliche Ursachen für die Entstehung eines erschwerten Blutabflusses:

  • Verengung der Nierenvene durch die Hauptschlagader oder einen ihrer Abgänge
  • Zystische, gutartige und bösartige Raumforderungen (Tumoren) in der Niere
  • Gefäßeinreißungen und Blutgerinnsel im Venenkomplex des Samenstrangs

Symptome der Varikozele

Wie beim Wasserbruch des Hodens kann es zu Hodenschwellungen und dumpfem Spannungsgefühl sowie Schmerzen beim Stehen oder Laufen kommen. Meistens wird die Varikozele jedoch als Zufallsbefund vom Arzt entdeckt oder infolge einer Abklärung der männlichen Zeugungsunfähigkeit, denn eine Varikozele kann negativen Einfluss auf die Qualität der Spermien haben und zu Infertilität führen. Diese kann sich in manchen Fällen durch eine Therapie der Varikozele wieder verbessern.

Untersuchungen zur Diagnose

Sollten Sie an einer Varikozele leiden, so kann durch Abtasten festgestellt werden, wie ausgeprägt die Aussackung ist. Zudem erfolgt eine genauere Untersuchung mittels einer speziellen Ultraschalluntersuchung (Doppler-Duplex-Sonographie des Samenstrangs). Zum Ausschluss von Geschwüren der Niere wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Bei unerfülltem Kinderwunsch kann ggf. eine verminderte Fruchtbarkeit auf eine Varikozele zurückgeführt werden. Daher sollte zusätzlich eine Spermienuntersuchung erfolgen.

Behandlungsmöglichkeiten bei einer Varikozele

Ausmaß und Schweregrad der Varikozele sind entscheidend für die Auswahl der Behandlungsform. Generell kann eine Operation oder eine Sklerosierung (Verödung) der Venen vorgenommen werden.

Bei der Operation sind die Zugangswege sind vielfältig. Es gibt die Möglichkeit, direkt am Hoden zu operieren, die Leiste freizulegen oder die Operation vom Bauch her zu beginnen.

  • Die klassische Operationstechnik ist die Unterbindung der Venen oberhalb des Leistenkanals (in der Leiste).
  • Auch klassisch ist ein kleiner seitlicher Bauchschnitt, wobei die Hodenvene hier im Bereich des mittleren Harnleiters unterbunden wird.
  • Die Sklerosierungstherapie (antegrad – vom Hoden her oder retrograd – von oben) ist ein etwas neueres Verfahren. Durch einen kleinen Schlauch wird ein spezielles Mittel zur Verödung der Krampfadern injiziert.
  • Eine neue Operationsmethode ist die laparoskopische (Schlüssellochtechnik) Varikozelektomie. Welcher Stellenwert ihr zuzuordnen ist, wird in Langzeitstudien zu überprüfen sein.
  • Bei Kindern sollte grundsätzlich die mikrochirurgische Varikozelenbeseitigung durchgeführt werden. Dieses Verfahren wird ebenfalls Erwachsenen angeboten. Durch die mikroskopische Vergrößerung ist es einfacher, die Krampfadern zu identifizieren und die Durchblutung des Hodens zu erhalten.

Die Entscheidung, welche Therapieform am geeignetsten ist und welche Operationstechnik im Falle einer Operation gewählt werden sollte, treffen wir nach der ausführlichen Diagnose gemeinsam mit dem Patienten. Unser Operationsteam beherrscht das komplette Spektrum der Behandlung der Varikozele.

Sprechen Sie uns für weitere Informationen an – Wir können helfen!

Prof. Dr. Sommer führt zahlreiche Eingriffe an Hoden und Penis durch. Er gehört zu den anerkanntesten Experten auf dem Gebiet der Genitalchirurgie und Urologie.

Kontakt

Krampfadern im Hodensack (Varikozele)

Auch wenn die operative Entfernung von Krampfadern im Hodensack schon seit den Zeiten des römischen Kaisers Tiberius praktiziert wird und mit Beginn der 50er Jahren zu den häufigsten Operationen auf dem Gebiet der Andrologie gehört, ist kaum eine Therapie in der Andrologie so umstritten wie die Behandlung der Varikozele. Grundsätzlich kann eine Krampfader im Hoden mittels einer relativ kleinen Operation entfernt (Ligatur) oder unter Durchleuchtung verödet (Sklerosierung) oder mit einem Pfropfen (Embolisation) verschlossen werden.

Während lange Zeit die Therapie der Varikozele nur auf Erfahrungswerten und qualitativ schlechten Studien beruhte, sind erst in der letzten Zeit einige wenige qualitativ hochwertige Studien durchgeführt worden. Einige Studien lassen den Schluss zu, dass die regelmäßige und intensive Untersuchung, Beratung und Betreuung der kinderlosen Paare genauso erfolgreich im Hinblick auf den Eintritt einer Schwangerschaft sein kann, wie eine Behandlung der Varikozele. Andere, wenn auch weniger Studien, zeigen einen teils deutlichen Vorteil der Behandlung. Fasst man alle qualitativ hochwertigen Studien in einer gemeinsamen Analyse zusammen, zeigt sich in einer eigenen Analyse im Mittel eine Verbesserung der Schwangerschaftsrate um 57 % im Vergleich zu einer Nichtbehandlung der Krampfader.

Anders ausgedrückt, müssen aufgrund der Ergebnisse der Studien 14 Patienten mit einer Krampfader im Hoden behandelt werden, damit eine zusätzliche Schwangerschaft eintritt. Aufgrund des langsamen Prozesses der Spermienbildung sollte vor der Beurteilung eines möglichen Behandlungserfolges auch immer ein Zeitraum von 6 bis 12 Monaten abgewartet werden. Zusätzlich zeigt sich bei der genauen Analyse der Studien, dass sich der Vorteil der Behandlung häufig nicht durch erhöhte Schwangerschaftsraten in den Behandlungsgruppen erklärt, sondern vielmehr häufig durch außergewöhnlich niedrige Schwangerschaftsraten in denGruppen ohne spezifische Therapie zu erklären ist.

Bei unseren Patienten mit einer Krampfader im Hodensack, empfehlen wir daher nicht generell eine Entfernung der Krampfadern. Sinnvoll erscheint diese vor allen bei relativ jungen Männern mit höhergradigen Krampfadern, längerem Kinderwunsch und mäßigen Einschränkungen der Spermienwerte in Kombination mit im Wesentlichen unauffälligen Untersuchungsergebnissen oder leicht zu behebenden Einschränkungen auf der weiblichen Seite. Ziel der Therapie muss es dabei sein, entweder eine spontane Fruchtbarkeit möglich zu machen oder zu helfen, die Anwendung der assistierten Verfahren zu vermeiden (siehe auch: therapeutische Grundsätze für Behandlungen im Rahmen eines individuellen Heilversuches). Männern mit schweren Einschränkungen der Spermienwerte, bei denen selbst eine Verdopplung oder Verdreifachung der Spermienwerte keine Änderung der weiteren Therapie nach sich ziehen würde, empfehlen wir keine weitere Behandlung der Krampfadern im Hoden. Keine Behandlung empfehlen wir auch bei Paaren bei denen aufgrund der weiblichen Voraussetzungen (z. B. Alter der Frau) eine eher dringliche Behandlungsindikation gegeben ist. Auch Männer mit normalen oder nur leicht eingeschränkten Spermienwerten, profitieren unserer Ansicht nicht von einer Behandlung der Krampfadern im Hoden.

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