Kopfschmerz BEI kindern

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Kinder mit starkem Kopfweh sofort zum Arzt bringen

0 0 Bei plötzlich auftretenden Kopfschmerzen und hohem Fieber, sollten Kinder sofort zum Arzt gebracht werden. Treten keine weiteren Symptome auf, reicht es, wenn sich das Kind in ein stilles Zimmer zurückzieht. Hinter den Beschwerden können auch Zahnprobleme oder eine Sehschwäche stecken.

Köln. Kopfschmerzen bei Kindern sind selten sofort ein Fall für den Arzt. Hat der Nachwuchs allerdings plötzlich Beschwerden und zusätzlich hohes Fieber, muss er sich übergeben und klagt über ein steifes Genick, bringen Eltern ihn am besten umgehend zum Arzt. Denn solche Zeichen deuteten möglicherweise auf eine gefährliche Ursache hin, zum Beispiel eine Hirnhautentzündung, eine sogenannte Meningitis, warnt Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). In solchen Situationen sei eine umgehende Therapie nötig.

Plagt ein Kind Kopfweh ohne weitere Symptome, zieht es sich am besten in ein stilles, nicht zu helles Zimmer zurück. Eltern können ihm ein kalt-feuchtes Tuch auf die Stirn legen und Schläfen, Scheitel sowie Nacken mit Pfefferminzöl einreiben, um die Beschwerden abzumildern. Hat das Kind häufiger oder stärkere Schmerzen, ist in Absprache mit einem Arzt die Gabe von Schmerzmittel eine Möglichkeit. Auch psychotherapeutische oder Entspannungsverfahren kommen eventuell infrage. Der Kinder- und Jugendarzt könne Eltern bei der Koordinierung dieser „Multikomponenten-Programme“ unterstützen, sagt Fegeler.

Tagebuch über Auftreten der Schmerzen führen

Manchmal können hinter den Beschwerden Probleme mit den Zähnen und dem Kiefer oder eine Sehschwäche stecken. Auch seelische Gründe sind eine denkbare Ursache. Häufiger kommt bei Kindern Migräne vor. Diese Diagnose kann dem Verband zufolge aber erst gestellt werden, wenn keine andere Ursachen feststellbar waren. Grundsätzlich empfiehlt es sich, ein Tagebuch über das Auftreten und die Umstände der Kopfschmerzen zu führen, um herauszufinden, was dahinter steckt. (dpa)

Hirnhautentzündung: Schnelles Handeln kann Leben retten

Natürlich haben Sie schon von Hirnhautentzündung oder Meningitis gehört. Doch was ist das eigentlich? Und was sind die wichtigsten Symptome? Diese Fakten sollten alle Eltern verinnerlichen. Erkrankt Ihr Kind an einer Hirnhautentzündung, kann eine schnelle Behandlung Leben retten.

Starke Kopfschmerzen sind Symptom einer Hirnhautentzündung. Foto: Jupiterimages, Getty Images, Thinkstock

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Von Julia Wohlgemuth

Es ist das Schreckgespenst vieler Eltern. Innerhalb weniger Stunden verschlechtert sich der Zustand Ihres Babys oder Kindes dramatisch. Wird nicht rechtzeitig gehandelt und die Krankheit nicht schnell genug erkannt, besteht Lebensgefahr für das betroffene Kind oder es treten Langzeitschäden auf. Die Hirnhautentzündung ist eine gefährliche Krankheit. Wer die Alarmzeichen richtig deutet und bei einem Verdacht schnell einen Arzt aufsucht, kann Leben retten.

Was ist eine Hirnhautentzündung?

Hirnhautentzündung (oder auch Meningitis genannt) ist eine Entzündung der sogenannten Meningen, der bindegewebigen Hüllen, die das Gehirn umgeben. Aufgrund ihres noch nicht voll entwickelten Immunsystems haben Kinder, aber auch Menschen mit geschwächten Abwehrreaktionen, ein höheres Risiko, an einer Hirnhautentzündung zu erkranken.

Der Ausbruch einer Hirnhautentzündung kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen können Bakterien, wie zum Beispiel Meningokokken oder Pneumokokken, die Krankheit auslösen. Zum anderen können Viren, wie Mumps-, Masern- und Rötelnviren oder der FSME-Virus hinter der Meningitis stecken. Aber auch Pilzinfektionen oder Parasiten, wie zum Beispiel der Hundebandwurm oder Fuchsbandwurm, können eine Hirnhautentzündung verursachen. Die Krankheitserreger wandern durch den Blutkreislauf der betroffenen Person ins Gehirn.

Schwere Kopfverletzungen oder Infektionen im Kopfbereich, zum Beispiel Mittelohrentzündungen oder Nebenhöhlenentzündungen, kommen als Auslöser für Meningitis ebenfalls in Betracht.

Symptome der Meningitis

Eine Meningitis löst verschiedene Symptome aus, die Sie als Alarmzeichen erkennen sollten. Ein wichtiges Symptom für eine Hirnhautentzündung ist eine steifer Nacken. Vielleicht klagt Ihr Kind über Nackenschmerzen oder es kann den Kopf nicht nach vorne beugen. Oft geht dies einher mit starken Kopfschmerzen und Fieber. Das betroffene Kind fühlt sich krank und schlapp, wobei sich der Allgemeinzustand rapide verschlechtern kann.

Ein weiteres Warnzeichen ist es, wenn Ihr Kind empfindlich auf Licht reagiert. Erbrechen und Durchfälle können ebenfalls ein Symptom sein. Können Sie einen Hautausschlag in Form von kleineren bläulichen Flecken, dunklen Knötchen oder fleckigen Hautveränderungen am Körper Ihres Kindes feststellen? Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass Sie schnellstens ärztlichen Rat einholen sollten. Bei einem schwereren Verlauf der Krankheit kann es auch sein, dass Ihr Kind benommen oder verwirrt reagiert oder dass es sogar zu Krampfanfällen bis hin zu einem Koma kommt.

Bei Babys und Kleinkindern sind die Symptome oft nicht so ausgeprägt wie bei älteren Kindern. Die Kleinen erscheinen meist sehr schläfrig und haben nicht genug Energie zum Trinken. Sie kennen Ihr Kind am besten. Wenn Sie vermuten, dass etwas nicht stimmt, dann suchen Sie lieber einmal zu oft ärztliche Hilfe.

Behandlung der Hirnhautentzündung

Haben Sie bei Verdacht auf Meningitis einen Arzt aufgesucht, wird dieser untersuchen, ob der Nacken steif ist. In der Rückenmarksflüssigkeit und im Blut wird dann geprüft, ob und welche Erreger vorliegen.

Der schnelle Beginn einer Therapie kann lebensrettend sein. Sind Bakterien der Auslöser für die Hirnhautentzündung, so wird die Krankheit mit Antibiotika behandelt. Bei einer viralen Meningitis können nur die Symptome wie Kopfschmerzen, Durchfall oder Fieber behandelt werden. Gegen einige Erreger von Meningitis, wie zum Beispiel den FSME–Virus, der von Zecken übertragen wird, kann man sich auch impfen lassen.

Die wichtigsten Symptome von Meningitis auf einen Blick:

  • Schwere Kopfschmerzen
  • Nackensteifheit
  • Lichtempfindlichkeit
  • Fieber, Erbrechen
  • Bewusstseinsstörung
  • Hautausschlag am ganzen Körper

Migräne bei Kindern: Wie Bauchweh im Kopf

Ärzte stellen Migräne bei Kindern erst relativ spät fest: Im Durchschnitt sind die kleinen Betroffenen dann schon acht Jahre alt. Das liegt unter anderem daran, dass die Symptome bei Kindern recht vielfältig sein können.

Manche empfinden den Schmerz nicht im Kopf, sondern eher im Bauch. Sie klagen dann nur über Bauchweh. Andere schlafen während einer Migräneattacke ein, um anschließend schmerzfrei aufzuwachen – für die Kinder ist das gut, für eine Ärztin, die eine Diagnose stellen will, nicht.

Zudem scheuen sich Eltern häufig, wegen ein paar Kopfschmerzen zu einer Kinderärztin zu gehen. Ärzte wiederum scheuen sich oft, Kinder mit Migräne zu therapieren. Im Schnitt dauert es vier Jahre, bis die Kinder eine angemessene Behandlung bekommen. Möglicherweise hat das Kind dann schon Probleme in der Schule, weil es wegen seiner Migräne so oft gefehlt hat.

Bei Migräne reagiert das Gehirn überempfindlich

Die Anlagen für eine Migräneerkrankung werden vererbt. Das Gehirn von Migräneopfern reagiert sensibler auf innere und äußere Reize. Bei ungeeigneten äußeren Faktoren – Lärm, Stress, unverträglichen Nahrungsmitteln – lösen die überempfindlichen Nervenzellen des Gehirns eine Migräneattacke und möglicherweise auch eine Aura aus.

Der Schmerz entsteht auf zwei Wegen gleichzeitig. Zum einen sinkt bei einem Migräneanfall der Serotoninspiegel. Serotonin ist ein körpereigener Botenstoff, der unter anderem schmerzhemmend wirkt. Zum anderen entzünden sich bei einer Migräne die Wände derjenigen Adern, die das Blut ins Hirn transportieren. Während des Anfalls erweitern sich die Gefäße der Gehirnhaut. Mediziner nehmen an, dass dies der Grund für das pulsierende Gefühl im Kopf sein kann.

Symptome

Gerade bei Kindern können die Symptome der Migräne vielfältig sein. Klagt Ihr Sprössling über Bauchweh? Hört Ihr Kind mitten im Spiel auf und legt sich hin? Ist ihm plötzlich schwindelig? All diese Symptome könnten für eine Migräne sprechen.

Ganz typisch ist es, wenn Ihr Kind pochende oder hämmernde Schmerzen im Kopf fühlt. Häufig schmerzen beide Kopfseiten. Den Schmerz nehmen die Kinder als Druck wahr. Ihnen ist dabei oft übel, sie erbrechen. Genauso wie Erwachsene reagieren Kinder empfindlich und gereizt auf Lärm, Licht und Gerüche.

Migräneanfälle kündigen sich häufig an. Mediziner sprechen dann von einer Aura. Kinder, die eine Aura haben, sehen plötzlich flimmernde Muster vor ihren Augen oder Lichtblitze. Zu einer Aura kann ebenso gehören, dass die Hände oder Arme taub werden. Manche Kinder können in diesem Zustand auch nicht gut sprechen. Ganz selten kommt es vor, dass sie während einer Aura phantastische Bilder sehen. In der medizinischen Literatur ist dieses Phänomen als Alice-im-Wunderland-Syndrom bekannt. Bei Kindern ist eine Aura eher selten. Ihre Migränevorzeichen sehen meist anders aus. Dazu zählen

  • wiederholtes Erbrechen,
  • Bauchschmerzen,
  • plötzlich auftretender Schwindel.

Kinder beschreiben Migräne auch als Bauchweh im Kopf

Kinder mit Migräne können über ganz unterschiedliche Symptome berichten. Manche sind typisch für Migränekopfschmerzen, andere zeugen eher von allgemeinem Unwohlsein.

Typische Merkmale sind:

  • ein pulsierender oder pochender Schmerz,
  • der Schmerz sitzt in beiden Kopfhälften oder der Stirn,
  • der Schmerz verstärkt sich beim Spielen oder Herumtollen,
  • der Schmerz dauert mindestens eine Stunde und höchstens vier Stunden,
  • den Kindern ist übel,
  • die Kinder klagen über Bauchweh.

Gerade jüngere Kinder können ihre Körpersignale nicht immer richtig deuten, daher beschreiben sie möglicherweise Empfindungen, die sie bereits kennen – die für Erwachsene aber auf den ersten Blick nichts mit Kopfschmerzen zu tun haben. Möglicherweise leidet Ihr Kind auch unter einer Migräne, wenn es

  • plötzlich aufhört zu spielen und sich hinlegen möchte,
  • über Herzrasen, Durst oder Appetit klagt,
  • müde oder unruhig wird und plötzlich zur Toilette muss,
  • besonders blass ist oder ein auffällig gerötetes Gesicht hat,
  • nur eine Schwindelattacke hat, die mit Übelkeit und Erbrechen gepaart ist.

Diagnose

Der Arzt wird Sie und Ihr Kind zunächst nach den Beschwerden fragen. Gut ist, wenn Sie und Ihr Kind ausführlich antworten. Wichtig ist auch, dass der Arzt sich ein Bild von den Lebensumständen des Kindes macht: Er wird sich möglicherweise nach Stresssituationen und nach Freizeitaktivitäten erkundigen. Anschließend wird er Ihr Kind untersuchen. Meist reicht das aus, um die richtige Diagnose stellen zu können.

Die allgemeine Untersuchung umfasst:

ein Gespräch, um die Beschwerden, die Begleitsymptome und die Lebensumstände festzustellen, eine allgemeine körperliche und neurologische Untersuchung, die Untersuchung der Kopf- und Nackenmuskulatur, um Verspannungen zu erkennen, das Messen des Blutdrucks: Zu hoher Blutdruck kann Kopfscherzen verursachen, niedriger nicht, eine Auswertung des Migräne-Tagebuchs, sofern eins geführt wurde – so können Auslöser entdeckt werden.

Medizinische Geräte werden nur im Zweifelsfall eingesetzt

In Ausnahmefällen wird der Arzt zusätzlich Blutuntersuchungen anordnen oder medizintechnische Geräte zu Hilfe ziehen. So lassen sich im Zweifelsfall andere, schwerwiegende Erkrankungen als Ursache für die Migräne ausschließen. Zusätzliche Untersuchungen können sein:

  • eine Blutuntersuchung, um Entzündungen oder andere Krankheiten auszuschließen,
  • ein EEG (Elektroencephalogramm), um eine Epilepsie zu erkennen,
  • eine sogenannte Liquorpunktion: Dabei wird aus dem Rückenmarkskanal Flüssigkeit entnommen. So kann der Arzt feststellen, ob der Schädeldruck erhöht ist,
  • eine Magnetresonanztomographie (MRT): Die ungefährliche Untersuchung in einer MRT-Röhe kann Tumore entdecken,
  • eine Computertomographie: Diese Röntgenuntersuchung kann ebenfalls Geschwüre aufspüren,
  • eine transkranielle Dopplersonographie: Mit dieser unschädlichen Ultraschalluntersuchung überprüft der Arzt, ob die Blutgefäße, die zum Hirn führen, in Ordnung sind.

Ein Migräne-Tagebuch kann die Schmerzen verhindern

Ist Ihr Kind in dem Alter, in dem es bereits schreiben kann, könnte ein lMigräne-Tagebuch empfehlenswert sein: Es hilft dem Arzt bei der Diagnose – und möglicherweise auch Ihrem Kind: Jedes zehnte wird allein durch das Führen des Kalenders schmerzfrei. Denn es lernt, sich selbst zu beobachten und Situationen, die Migräne auslösen könnten, zu vermeiden. Ein Migräne-Tagebuch sollte Ihr Kind etwa vier bis sechs Wochen führen. Hinein gehören folgende Notizen:

  • Wie stark war die Migräne?
  • Wie lange hat der Anfall gedauert?
  • In welcher Situation war ich, als die Migräne anfing?
  • Waren da noch andere körperliche Beschwerden?
  • Wann habe ich welche Medikamente eingenommen?

Blättern Sie das Migräne-Tagebuch zusammen mit Ihrem Kind durch. Häufig lässt sich ein klares Muster erkennen. Kommt die Migräne immer dann, wenn Ihr Kind etwas Bestimmtes gegessen oder getrunken hat? Oder wenn es sich in stressigen Situationen befindet?

Einige bekannte Auslöser für Migräne bei Kindern sind:

  • Schlafmangel oder Schlafstörungen,
  • Lärm, Stress und Anspannung,
  • Kaffee oder Cola,
  • Durst,
  • Hunger,
  • Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Softdrinks oder Schokocremes.

Die Neigung, unter Migräne zu leiden, wird vererbt. Daran lässt sich nichts ändern. Dennoch kann Ihrem Kind geholfen werden. Kennt Ihr Kind zum Beispiel die Auslöser für seine Migräneattacken, kann es lernen, diese Situationen zu meiden. Ein solches Trainingsprogramm hilft häufig schon.

Manchmal ist es nicht damit getan, sich im Alltag anders zu verhalten. Leidet Ihr Kind unter einer Migräneattacke, sollten Sie Ihrem Kind Ruhe gönnen und den Raum, in dem es liegt, abdunkeln. Sie können ein kaltes Tuch oder einen Eisbeutel auf seine Stirn legen. Leise, entspannende Musik kann den Migräneanfall ebenfalls lindern. Möglicherweise hilft eine Massage der Schläfen und der Stirn mit Pfefferminzöl. Die ätherischen Substanzen vertragen manche Kinder allerdings nicht, vor allem kleinere reagieren empfindlich auf die Gerüche und können sie als unangenehm empfinden. Dann sollten Sie eine sanfte Massage ohne Öl versuchen.

Die drei Stufen der Therapie: Hausmittel, Medikamente, Vorbeugen

Helfen die Hausmittel alle nicht, sollten Sie einen Kinderarzt aufsuchen. Er wird mit Ihnen weitere Möglichkeiten besprechen. Es kann sein, dass er Medikamente empfiehlt. Acetylsalicylsäure (ASS) sollten Sie Ihrem Kind nicht geben: Diese Substanz verursacht das sogenannte Reye-Syndrom, schwere Leberschäden sind die Folge. Auch Extrakte des Mutterkorns (sogenannte Ergotamine) sind für Kinder gefährlich – Erwachsene hingegen können sie gegen Migräne einsetzen. Der Wirkstoff Ibuprofen sollte Kindern nur dann verabreicht werden, wenn sie über 14 Jahre alt sind.

Wie viel Schmerzmittel Sie Ihrem Kind geben können, hängt von seinem Körpergewicht ab: Je größer und schwerer der Körper, desto mehr Wirkstoff. Achten Sie genau auf die Packungsbeilage. Dort steht, wie viel Milligramm Wirksubstanz eine Pille oder ein Zäpfchen enthält. So viel Wirkstoff dürfen Sie Ihrem Kind geben:

15 Milligramm Paracetamol pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag oder 10 Milligramm Ibuprofen pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag.

Triptane als Nasensprays

Wenn einfache Schmerztabletten nicht mehr ausreichen, könnten Substanzen aus der Wirkstoff-Klasse der Triptane helfen. Sie greifen gezielt in denjenigen Mechanismus ein, durch den Migräne entsteht. Doch bei Kindern entfaltet nicht jedes Triptan seine Wirkung, wie Studien zeigen. Belegt ist der Nutzen nur für ein Nasenspray mit dem Wirkstoff Sumatriptan. Das Präparat ist nur zugelassen für Kinder, die älter als zwölf Jahre sind. Ist Ihr Kind jünger und versagen Schmerzmittel mit Paracetamol, sollten Sie mit dem behandelnden Arzt sprechen.

Erbricht sich Ihr Kind oder klagt es über andauernde Übelkeit, können Sie Ihm den Wirkstoff Domperidon geben. Damit das Präparat wirken kann, sollten Sie andere Medikamente erst 20 Minuten später verabreichen.

Eine vorbuegende Behandlung lässt sich erst nach zwei Monaten bewerten

Vorbeugen können Sie der Migräne auch: mit sogenannten Betablockern und der Substanz Flunarizin. Allerdings sind diese Medikamente heikel. Denn die Substanzen sind nebenwirkungsreich und sollten Kindern nur unter bestimmten Bedingungen verabreicht werden. Medikamente für die Prophylaxe werden nur verschrieben, wenn Ihr Kind

  • an sechs oder mehr Tagen pro Monat Beschwerden hat,
  • Migräneanfälle hat, die länger als zwei Tage andauern,
  • unter extremen Schmerzen leidet,
  • über starke Übelkeit klagt oder sich übermäßig erbricht,
  • auf die übliche Behandlung bei einem Migräneanfall nicht anspricht,
  • die üblichen Medikamente gegen einen Anfall nicht verträgt,
  • im Alltag stark beeinträchtigt ist,
  • sehr lange oder schwere Auren auftreten,
  • sehr stark unter der Migräne leidet.

Eine vorbeugende Therapie gegen Migräneattacken dauert etwa vier bis sechs Monate. Die ersten spürbaren Erfolge stellen sich erst nach drei Monaten ein.

Auch ohne Medikamente kann die Migräne verschwinden

Kinder mit Migräne müssen nicht unbedingt mit Tabletten behandelt werden. Ihnen nützen möglicherweise auch Entspannungsverfahren oder sogenannte Kopfschmerz-Trainings. Diese Methoden können gegen Migräne helfen:

  • Entspannungsverfahren
  • Phantasiereisen,
  • die progressive Muskelentspannung nach Jacobson,
  • ein Kopfschmerz-Training,
  • ein Biofeedback-Verfahren.

Tipps

Leidet Ihr Kind unter mäßigen, gelegentlichen Kopfschmerzen, reicht es meist aus, seinen Tagesablauf ein wenig zu ändern. Beobachten Sie, wann Ihr Kind unter Stress steht und wann seine Kopfschmerzen auftreten. Gönnen Sie Ihrem Kind weniger Aktivitäten und Termine, aber mehr Zuwendung und Ruhe. Geben Sie ihm ruhige Musik, mit der es entspannen kann. Lesen sie Ihrem Kind vor oder erzählen Sie ihm Geschichten, anstatt es lange fernsehen zu lassen. Achten Sie auch darauf, dass Ihr Kind genug Schlaf bekommt. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Sorgen. Überlegen Sie, was Sie selbst tun können, damit es ihm besser geht. Fragen Sie sich selbst, ob

  • Ihr Kind in der Schule gut zurecht kommt oder ob es zusätzliche Unterstützung braucht,
  • es am Nachmittag genügend Zeit zum Spielen und Entspannen hat,
  • alle Termine, Trainingszeiten und Kurse tatsächlich nötig sind,
  • Ihr Kind zu viel Zeit vor dem Computer sitzt,
  • Sie sich genügend Zeit für Ihr Kind nehmen,
  • es genügend Gelegenheiten gibt, damit Ihr Kind Ihnen von seinen Freuden, Erlebnissen und Nöten berichten kann, die Familienatmosphäre entspannt ist oder ob es oft Streit gibt.

Wann Sie zum Arzt müssen

Helfen all diese Tipps nicht und versagen auch Hausmittel wie Nickerchen, sanfte Nackenmassagen, kühle Tücher auf der Stirn oder Stirnmassagen mit Pfefferminzöl, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. In eine Kinderheilpraxis sollten Sie auch gehen, wenn

  • Ihr Kind immer wieder Kopfschmerzen hat,
  • die Schmerzen länger als zwei Stunden anhalten,
  • ein Arzt bereits Spannungskopfschmerzen oder Migräne diagnostiziert hat, die Attacken aber häufiger und stärker werden,
  • neue Symptome hinzukommen, sich die Art der Schmerzen ändert,
  • Krampfanfälle auftreten oder die bisherige Behandlung nicht mehr wirksam ist.

Lebensbedrohliche Ursachen sind bei Kopfschmerzen zwar selten, aber Sie sollten dennoch sofort einen Arzt aufsuchen, wenn

  • der Schmerz urplötzlich und heftig einsetzt,
  • das Kind zusätzlich hohes Fieber hat,
  • das Kind den Kopf nicht beugen kann, weil der Nacken steif ist,
  • das Kind ungewöhnlich stark erbricht,
  • das Kind wie benommen wirkt,
  • erstmalig ein Krampfanfall auftritt,
  • zum ersten Mal Seh- und Sprachstörungen auftreten,
  • die Arme und Beine sich schlaff anfühlen,
  • Ihr Kind plötzlich nicht mehr sicher gehen kann.

Verabreichen Sie nicht wahllos Kopfschmerztabletten: Als Therapie sind nicht alle Medikamente für Kinder geeignet. Aspirin ist sogar gefährlich. Mittel, die nur Paracetamol oder nur Ibuprofen enthalten, sind hingegen akzeptabel. Alle anderen Tabletten, Zäpfchen oder Pulver sollten Sie nur nach Absprache mit einem Arzt geben.

Expertenrat

Professor Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel beantwortet Ihre Fragen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Migräne und Ernährung? Speisen oder Getränke können Kopfschmerzen unmittelbar auslösen. Andere Substanzen können bei Entzug zu Kopfschmerzen führen. Auch Mangelerscheinungen an bestimmten Nahrungsbestandteilen können Kopfschmerzen hervorrufen. Aus diesem Grunde sollte man der richtigen Ernährung viel Aufmerksamkeit widmen.

Grundsätzlich sollte die Basis der Ernährung möglichst aus frischen, naturbelassenen Lebensmitteln bestehen. Frittierte und stark fettreiche Nahrungsmittel sind zu vermeiden, ebenso Zucker, Süßigkeiten, fette Milchprodukte, Süßstoffe und Limonaden.

Wichtig ist ein fest eingehaltener, geregelter Essrhythmus. Gerade bei Kindern und Jugendlichen sind zwischen den Hauptmahlzeiten Zwischenmahlzeiten erforderlich. Am meisten sollten Migränekranke morgens essen, am besten in Form eines warmen kohlenhydratreichen Frühstücks. Nach wie vor gilt der Satz „Frühstücke wie ein König, esse zu Mittag wie ein Bürger und zu Abend wie ein Bettler.“ Spezielle Diäten sind bei Kopfschmerzen jedoch wirkungslos.

Können alternative Heilmethoden gegen Migräne helfen?

Für Verfahren wie Akupunktur und Homöopathie liegen keine eindeutigen Studiendaten vor. Ihre Anwendung entspricht deshalb nicht den Kriterien der evidenzbasierten Medizin. Therapieversuche mit diesen Verfahren können jedoch im Einzelfall gestartet werden, besonders, wenn andere Verfahren bislang versagt haben.

Forschung

Psychische Probleme bei Migräne Teenager mit Migräne begehen möglicherweise häufiger Selbstmord als gesunde Jugendliche. Das haben Forscher aus Taiwan herausgefunden. Die untersuchten Schülerinnen und Schüler mit Migräne litten auch häufiger unter Depressionen oder Panikstörungen – und zwar 3,5-mal so oft wie Kinder ohne Migräne. Warum dies so ist, wissen die Forscher noch nicht genau. Möglicherweise liegt es an einem chemischen Ungleichgewicht im Hirn: Der Nerven-Botenstoff Serotonin spielt bei Migräne, aber auch bei Depressionen und bei Suizidgedanken eine Rolle.
Migräne-Gen entdeckt Bei Migränegeplagten arbeitet ein spezielles Gen anders, haben Forscher der Universität Kiel festgestellt. Dieses Gen steuert den Energiehaushalt der Nervenzellen im Gehirn. Hat ein Mensch Stress, verbrauchen seine Neuronen generell mehr Energie. Durch das veränderte Gen müssen die Nervenzellen von Migränekranken jedoch bei Stress hungern: Sie bekommen nicht mehr genügend Energie geliefert. Deshalb kann sich das Gehirn von Migränebetroffenen nicht mehr gut genug gegen innere und äußere Reize abschirmen, ihm fehlt ein Stück des natürlichen Schutzwalls. Übersteigen die Reize ein bestimmtes Limit, reagieren die Nerven übersensibel: mit einer Migräneattacke.

Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen

Kindlicher Kopfschmerz

Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter sind einer der häufigsten Gründe als Kind oder Jugendlicher einem Arzt vorgestellt zu werden. Oft werden diese Beschwerden durch die richtige Kopfschmerzdiagnose (Spektrum der primären Kopfschmerzen) und entsprechende ärztliche Aufklärung adäquat zugeordnet und mit der richtigen Bedarfsmedikation therapiert, vorausgesetzt, diese Aufklärung entspricht dem „state-of-the-art“ wie er in den Leitlinien der DMKG dargestellt ist.

Patienten einer spezialisierten Kopfschmerzsprechstunde zeigen aber häufig ein komplexes Beschwerdebild, bei dem es gilt, zwischen den somatischen Störungen, psychischer Belastung und Verhalten individuell zu differenzieren. Der therapeutische Erfolg hängt hier von dieser individuell zutreffenden Gesamtgewichtung bio-psycho-sozialer Lebenswirklichkeit des Kindes und Jugendlichen ab, wie sie in einem Behandlungsteam von Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten zu leisten ist.

Bei Kindern und Jugendlichen beträgt die Prävalenz für Kopfschmerzen 54.4% und für Migräne 9,1%. In einer Befragung von 1445 Gymnasiasten im Alter von 12 bis 19 Jahren zeigte sich, dass 83.1% mindestens einmal in den letzten sechs Monaten an Kopfschmerz gelitten hatten. Davon hatten 41.2% Spannungskopfschmerzen, 9.4% Migräne und 32.5% Kopfschmerz vom Mischtyp mit Migräne und Spannungskopfschmerzen.

Etwa die Hälfte der betroffenen Kinder leidet auch im Erwachsenenalter noch an Kopfschmerzen.

Kopfschmerzen im Kindesalter treten häufig gemeinsam mit anderen Symptomen oder Erkrankungen auf. Berichtet wurde eine Prävalenz von 31% für Kopfschmerzen und Bauchschmerzen, 12,1% für Kopf- und Rückenschmerzen und 35.7% für alle drei Schmerzformen. Nacken-/Schulterschmerzen oder Verspannungen scheinen gerade in der heutigen, körperlich (zu) wenig aktiven, über mehrere Stunden am Tag medien-nutzenden Gesellschaft ebenfalls eine beeinflussende Rolle für die Kopfschmerzentstehung oder –aufrechterhaltung zu spielen. Auch haben Kinder mit Kopfschmerzen signifikant häufiger , soziale Probleme, sowie ein höheres Risiko für eine Angststörung oder Depression. Folgen können sozialer Rückzug, Aufgeben von Hobbys, schulischer Leistungsabfall, Schulfehltage, Schulversagen, Schulangst, Konflikte in der Familie als gravierende Funktionseinschränkung im Alltag sein.

Der kindliche Kopfschmerz ist dann eine komplexe, meist multifaktoriell entstandene (oder aufrechterhaltene), oft chronische Erkrankung.

Dementsprechend ist eine komplexe Diagnostik in einem multidisziplinären Team, bestehend aus neuropädiatrisch und entwicklungsneurologisch versierten Pädiatern, Psychologen und Physiotherapeuten notwendig. Je nach Beschwerdebild sind Kollegen weiterer Disziplinen hinzu zu ziehen.

Die Therapie kindlicher Kopfschmerzen ist dann eine besondere Herausforderung. Sie muss basierend auf dem bio-psycho-sozialen Modell multimodal geplant und je nach Beschwerden, Familiensituation, Compliance und Krankheitsverlauf individuell gestaltet und immer wieder neu angepasst werden. Therapie-Bausteine sind Lebensstilfaktoren wie ausreichende Trinkmenge, regelmäßiger Schlaf und Ausdauersport, medikamentöse Akuttherapie und –Prophylaxe, nicht-medikamentöse Prophylaxe, physiotherapeutische Strategien wie eigenständige Dehnübungen der Hals-/ Nacken-/ Schultermuskulatur, Faszientechniken, Massage und psychoedukative und verhaltenstherapeutische Maßnahmen für den betroffenen Jugendlichen und seine Bezugspersonen.

Gut jeder vierte Schüler (27 Prozent) leidet an chronischen Kopfschmerzen.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Kinderschmerzzentrums an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln. 40 Prozent der mehr als 2000 Befragten aus städtischen Regionen in Nordrhein-Westfalen gaben an, chronische Schmerzen zu haben. Das sind nach gängiger Definition Schmerzen, die seit mindestens drei Monaten wenigstens einmal im Monat auftreten.

80 Prozent der befragten Schüler mit chronischem Kopfschmerz gaben an, mindestens einmal pro Woche Beschwerden zu haben.

Neben biologischen Gründen (Einsetzen der Menstruation, psychologische und emotionale Faktoren) begünstigt auch der Medienkonsum chronische Kopfschmerzen: Jede Stunde, die Heranwachsende mit Handy, Tablet, Laptop, Computer oder Fernseher verbringen, erhöhe das Kopfschmerzrisiko um sieben Prozent, erklärte Studienleiterin Dr. Julia Wager.

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Bei welchen Kopfschmerz-Symptomen Eltern hellhörig werden sollten, welche Gründe es für Kopfschmerzen bei Kindern gibt und wie sie behandelt werden, erklärt Prof. Boris Zernikow, Chefarzt und Inhaber des Lehrstuhls für Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin, Deutsches Kinderschmerzzentrum und Kinderpalliativzentrum Datteln.

Welche Kopfschmerzformen treten bei Kindern und Jugendlichen (besonders häufig) auf?

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Prof. Zernikow: „Die meisten Kinder und Jugendlichen haben Spannungskopfschmerzen, gefolgt von Migräne. Oft sind Migräne und Spannungskopfschmerzen auch kombiniert. Spannungskopfschmerzen können selten, häufiger oder chronisch auftreten.“

Bei welchen Symptomen oder welcher Häufigkeit könnte eine ernste Ursache dahinterstecken?

Prof. Zernikow: „Kopfschmerzen bei Kindern sind unglaublich häufig, ernste Ursachen sehr selten. Meist genügt die normale körperliche Untersuchung durch den Kinderarzt – es müssen in der Regel keine weiteren Untersuchungen wie ein EEG oder eine Kernspin-Untersuchung des Kopfes durchgeführt werden.“

Anzeichen, die auf eine bestimmte Ursache der Kopfschmerzen hinweisen

► nächtliches Erwachen mit Kopfschmerzen
► eine starke Veränderung der schon bekannten Kopfschmerzen
► Fieber und Kopfschmerzen
► Zusätzliche Krankheitszeichen sind Sehstörungen, Krampfanfälle, Bewegungsstörungen, Erbrechen – wenn nicht gleichzeitig eine Migräneattacke besteht, d. h. Erbrechen zwischen den Attacken oder bei einem Kind mit Spannungskopfschmerzen.

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Welche Gründe gibt es grundsätzlich für Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen?

Prof. Zernikow: „Migräne hat eine starke genetische Komponente, d. h. ohne genetische Prädisposition können Sie keine Migräne bekommen. Bei Spannungskopfschmerzen ist das nicht so klar, die hat fast jeder Mensch irgendwann mal.“

Die Anzahl der Migräneattacken ist von vielen Faktoren abhängig: Etwa wenn ein akuter Schub nicht adäquat behandelt wird oder ein Kind Angst vor der nächsten Attacke hat. Aber auch, wenn kein strukturierter Tagesablauf vorliegt oder ausreichend Schlaf gewährleistet ist. Gesenkt werden kann die Anzahl der Migräneattacken, wenn Kinder viel Sport machen und nicht zu viel Stress haben.

Prof. Zernikow: „Es gibt keine Daten darüber, dass bestimmte Nahrungsmittel Migräne verschlechtern oder dass regelmäßiges Trinken für Kinder gut ist, obwohl das immer wieder behauptet wird. Natürlich müssen Kinder ausreichend trinken und am besten nur Wasser und keinen anderen Schnickschnack; aber sehr viel Wasser zu trinken ist bei Migräne nicht besser als ausreichend viel Wasser zu trinken.“

Leiden Mädchen oder Jungen häufiger unter Kopfschmerzen?

Prof. Zernikow: „Mädchen und Jungen leiden bis zur Pubertät etwa gleich häufig an Kopfschmerzen, nach der Pubertät sind es deutlich mehr Mädchen. Grundsätzlich sind Frauen häufiger von chronischen Schmerzen betroffen als Männer. Dies scheint unter anderem hormonelle Ursachen zu haben, ohne dass das bis jetzt ausreichend erforscht ist.“

Für alle chronischen Schmerzen gilt: Wenn Kinder keine gute Balance mehr haben zwischen Anspannung und Entspannung, Anstrengung und Erholung, dann nehmen chronische Schmerzen zu.

Werden Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen anders behandelt als bei Erwachsenen?

Prof. Zernikow: „Ja, bei Kindern und Jugendlichen behandelt man Kopfschmerzen in Abhängigkeit vom Alter des Kindes. Generell spielen die Eltern für Kinder eine große Rolle, so auch bei Kopfschmerz-Patienten. Beispielsweise müssen bei einem fünfjährigen Jungen mit Migräne die Mutter oder der Vater die Migräne erkennen und dann auch mit den passenden Medikamenten behandeln.

Bei älteren Kindern und Jugendlichen sind es oft die Eltern, die sich große Sorgen machen und dazu ermutigen, zu Hause zu bleiben, wenn sie Spannungskopfschmerzen haben, anstatt zur Schule zu gehen und sich abzulenken – diese Eltern müssen dann zusätzlich zum jugendlichen Patienten Informationen erhalten und geschult werden, was der richtige Umgang mit Spannungskopfschmerzen ist.“

Ab wann spricht man von chronischen Kopfschmerzen?

Prof. Zernikow: „Eine schwierige Frage. Vom epidemiologischen Standpunkt aus ist jeder Schmerz chronisch, der über drei Monate besteht und mindestens einmal im Monat auftritt – das trifft auf 40 Prozent aller Schulkinder in Deutschland zu. Diese Kinder haben aber nicht alle ein Schmerzproblem, das heißt der Schmerz beeinflusst nicht unbedingt ihr normales Leben. 27 Prozent der Schulkinder haben chronische Kopfschmerzen.“

Es pocht, drückt, spannt, dröhnt und „tut einfach weh“ – einmal in der Woche klagt Hannes über Kopfweh. Sind Kopfschmerzen bei Kindern ungewöhnlich? Seine Mutter ist deswegen jedenfalls beunruhigt: „Wir kennen die Ursache noch nicht.“

Die Zahl der Kinder, die unter Schädelbrummen leiden, nimmt seit Jahren zu. Eine Studie aus dem schwedischen Turku zeigt, dass bereits zwei Drittel der dortigen Vorschulkinder Erfahrungen mit Kopfschmerzen haben. Bei Erstklässlern in Turku stieg die Häufigkeit zwischen 1974 und 2002 von 14 auf 63 Prozent. Auch die Ergebnisse einer Münchner Studie zu Kopfschmerzen bei Gymnasiasten (MUKIS-Studie) sind alarmierend. Demnach leiden mehr als 80 Prozent der Jugendlichen gut einmal pro Monat an entsprechenden Schmerzen. Kopfweh ist laut Forschern die dritthäufigste Ursache für Fehltage in der Schule.

„Kopfschmerzen gehen früher los“, bestätigt Friedrich Ebinger, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St.-Vincenz-Krankenhauses in Paderborn. Er denke, „dass die veränderte Lebensumwelt, fehlende körperliche Bewegung oder auch Stress dazu beitragen. Es fehlt oft freie Zeit, in der Kinder draußen rumtoben können.“

Als Risikofaktoren für das Auftreten von Kopfschmerzen zeigten sich bei Jugendlichen unter anderem hoher Alkohol- und Koffeinkonsum, Rauchen, Schlaf- und Flüssigkeitsmangel, Überforderung in der Schule, Mobbing sowie Familienstreits. Die Göttinger „KiJuKo“-Studie zu Kindern, Jugendlichen und Kopfschmerz fand heraus: Je häufiger in der Familie gestritten wird und je weniger Jungen Zeit für sich und zum Spielen haben, desto höher das Risiko. Von der Pubertät an sind Mädchen häufiger betroffen als Jungen. „Viele junge Frauen leiden während der Menstruation unter Migräne“, so Ebinger. „Das deutet darauf hin, dass es einen hormonellen Zusammenhang gibt, aber vermutlich gibt es noch andere Gründe.“

Die meisten Kinder und Jugendlichen leiden unter sogenannten primären Kopfschmerzen. Diese sind nicht auf eine andere Erkrankung wie eine Hirnhautentzündung oder Grippe zurückzuführen. Sind Kopfschmerzen bei Kindern häufig, sollten Eltern in ein Schmerztagebuch eintragen, wann, wie oft und wie lange Kinder Kopfweh haben, wo genau der Schmerz sitzt, ob es eher pocht oder hämmert, wie stark die Belastung ist und ob Übelkeit vorliegt. Die erste Anlaufstelle sollte der Kinderarzt sein. Falls dessen Empfehlungen nicht ausreichen, raten Experten zu einem Termin beim Kinderneurologen oder in der Kinderkopfschmerz-Sprechstunde, etwa in einem sozialpädiatrischen Zentrum. Meist werden die Kopfschmerzen bei Kindern seltener, wenn die Patienten ihren Tagesablauf umstellen und auf ausreichend Pausen, Bewegung und Schlaf achten. Friedrich Ebinger: „Hier können Entspannungsübungen wie die progressive Muskelentspannung nach Edmund Jacobsen sehr hilfreich sein.“ Manche Kinder profitieren auch von Fantasiereisen, bei denen sie an schöne Erlebnisse denken.

Buch- und Webtipps

  • Ratgeber für Eltern: „Kopfschmerzkinder“ (Klett-Cotta, 14,95 Euro) leistet Erste Hilfe

  • Einen Überblick leistet die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.

    Die Uni Göttingen bietet ein Selbsthilfetraining – die Kosten übernimmt meist die Krankenkasse: www.stopp-den-kopfschmerz.de

Ablenkung hilft oft bei leichteren Schmerzattacken, sinnvoll ist etwa Aktivität im Freien. Bei starken Kopfschmerzen und Migräneattacken tut es meist gut, sich in einem abgedunkelten, ruhigen Raum hinzulegen. Meist kommen dann aber auch kleine Patienten nicht um Medikamente herum. Von der zu häufigen Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen – ohne ärztlichen Rat – wird jedoch gewarnt, denn „wenn Kinder und Jugendliche zu häufig Schmerzmittel nehmen, laufen sie Gefahr, Kopfschmerzen durch die Einnahme von Schmerzmitteln zu bekommen“, erklärt Ebinger.

Die Mutter von Hannes sucht noch immer nach möglichen Ursachen für das Leiden ihres Sohnes: „Manchmal weiß ich nicht, ob es ihm wirklich schlecht geht oder ob er einfach keine Lust auf die Schule hat.“ Die Empfehlung von Kinderarzt Ebinger: „Wenn ein Kind sagt, dass es Schmerzen hat, sollte man das auch glauben!“ Selbst wenn man sein Kind wegen Kopfweh von der Schule abholen musste und es dann später fröhlich draußen spielt, heißt das nicht, dass es vorher keine Schmerzen gehabt hat – sondern einfach nur, dass die Bewegung gutgetan hat. Ebinger: „Natürlich kann Stress in der Schule die Kopfschmerzen ausgelöst haben.“

Claudia Steiner

5 Tipps zu Kopfschmerzen bei Jugendlichen

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Über Kopfschmerzen bei Jugendlichen habe ich mir lange keine Gedanken gemacht, doch seit kurzer Zeit klagt auch unsere Tochter ab und zu darüber. Anfangs nahm ich die Kopfschmerzen nicht wirklich ernst, da unser Mädchen im Alter von dreizehn Jahren schließlich noch im Wachstum steckt. Außerdem waren die Schmerzen meist schnell vorüber. Zunächst also kein Grund für einen Arztbesuch. Doch dann kamen die Schmerzen wieder und wir wollten dem Phänomen auf die Spur kommen!

Als erfahrene Mutter fragte ich dann zunächst nach, ob möglicherweise am folgenden Tag eine Arbeit oder ein wichtiger Test anstand. Das tat ich nicht, um sie zu Vorspiegelung erdachter Krankheit zu überführen. Schließlich vertraue ich meinem Kind! Doch die Kopfschmerzen könnten ja auch daher rühren, dass sie einen psychischen Druck verspürte, der sich dann in Kopfschmerzen äußerte.

Allerdings ist unsere Tochter eine gute Schülerin, der es nicht schwer fällt, gute Noten zu erzielen. Schnell kam ich also zu folgenden Vermutungen:

„Trinkst du vielleicht zu wenig?“

„Du musst auch mal wieder mehr an die frische Luft gehen!“

„Vielleicht bewegst du dich zu wenig im Alltag.“

„Du brauchst deutlich mehr Schlaf. Sage ich doch immer schon…“

So lange wir nicht wissen, woher die Kopfschmerzen bei Teenagern kommen, mutmaßen und empfehlen wir Mütter was das Zeug hält. Sprüche, die wir schon von unseren Müttern hörten, werden wieder herausgekramt. Schließlich möchten wir helfen und dem Kind den Leidensdruck nehmen.

Kopfschmerzen bei Jugendlichen immer ernst nehmen

Generell finde ich es sehr wichtig, Kopfschmerzen bei Teenagern ernst zu nehmen. Kleinere Kinder klagen eher über undefinierbare Bauchschmerzen. „Was die Bauchschmerzen des Kleinkindes sind, das sind die Kopfschmerzen des Jugendlichen“, sagte unser Kinderarzt damals. Die Bauchschmerzen haben wir geheilt, indem wir für unser Kind da waren. Wir haben es mit Wärmekissen und Tee umsorgt und meist war dann schnell alles wieder gut.

Was aber tun bei Kopfschmerzen?

Ich bin generell dagegen, immer gleich Medikamente zu verabreichen. Meine Kinder sollen lernen, Hausmittel anzuwenden und nicht bei jeder Beschwerde nach einer Tablette suchen. Selbstverständlich gebe ich bei starken Schmerzen auch eine an das Alter angepasste Dosis Ibuprofen – doch das bleibt eine Ausnahme.

Die Kopfschmerzen könnten psychische Ursachen haben wie Streit mit Freunden, Druck in der Schule, zu viele Gedanken über Vorkommnisse im engsten Umfeld oder allgemeine Sorgen. Diese Ursachen klopfe ich immer zuerst ab.

Liegt da nichts vor – soweit ich das einschätzen kann, dann suche ich weiter. Untersuchungen beim Augenarzt ergaben, dass ihre Sehkraft hervorragend ausgebildet, der Augendruck normal ist und nicht Auslöser der Kopfschmerzen sein kann. Diese Idee war also auch ein Irrweg… Bei meiner Tochter hat sich inzwischen herausgestellt, dass die Kopfschmerzen im selben Rhythmus auftreten.

Ursachenforschung zu Kopfschmerzen bei Teenagern

Mit Hilfe einer App zeichnet meine Tochter ihren Zyklus auf. Die trägt nicht nur ein, wann ihre Periode einsetzt, sondern auch das Auftreten von Unwohlsein und Kopfschmerzen. Siehe da: Eine Woche, bevor die Periode beginnt, treten regelmäßig wie ein Uhrwerk diese starken Kopfschmerzen auf! Heureka, da haben wir die Diagnose!

Auch unser sechzehnjähriger Sohn klagt alle paar Wochen über Kopfweh. Die Ursache konnte hier ein Physiotherapeut feststellen: Bei einseitig auftretenden Kopfschmerzen war meist auch eine Schulter betroffen. Die Nacken-Muskulatur war teilweise so fest, dass es nicht verwunderlich war, dass sich daraus Spannungskopfschmerzen entwickelt hatten.

„Das kann an der speziellen Körperhaltung liegen, die Teenager einnehmen, wenn sie am Computer arbeiten!“, klärte uns der Physiotherapeut auf.

Damals als kleiner Junge tobte unser Sohn täglich im Garten, rannte mit Freunden durch den Wald und verbrachte die meiste Zeit des Tages draußen. Das hat sich als Teenager geändert: Jetzt ist Chillen nach der Schule angesagt und die Zeit am Computer wird nur durch Fußballtraining, Essen und Besuch unterbrochen. Ich erzähle euch da nichts Neues, vermute ich.

Natürliche Tipps bei Kopfschmerzen

Kopfschmerzen sollten nicht einfach ausgehalten werden! Wer – wie ich – nicht direkt zur Tablette oder Schmerzsaft greifen möchte, der versucht es zunächst einmal mit diesen natürlichen Tipps gegen Kopfschmerzen:

  • Massagen im Schulter- und Nackenbereich

    Hilfreich ist es auch, die unteren Schädelknochen ganz leicht zu massieren.

  • Die Schläfen können durch Einreiben mit Minzöl beruhigt werden

    Dabei sollte das Kind sich auf den Rücken legen und die Augen schließen. Bei uns hilft es zudem, mit kühlem Wasser getränkte Wattepads auf die geschlossenen Augen zu legen (Die Pads bitte vorher gut auspressen!).

  • Manchmal brauchen die Jugendlichen einfach etwas Ruhe und Entspannung:

    Computer ausstellen, sich aufs Bett legen, die Augen schließen und dabei leise Musik hören.

  • Regelmäßiger Sport und gesunde Ernährung

    Für jeden Jugendlichen gibt es die richtige Sportart. Ich gebe zu, dass die Suche danach bei unserer Tochter schwieriger war als beim Sohnemann. Sie hat alles ausprobiert von Tanzen über Reiten bis zum Tennis, was nach recht kurzer Zeit dann doch nicht mehr gefiel. Inzwischen bekommt sie gemeinsam mit ihrer Freundin zweimal pro Woche eine Trainingsstunde mit einem Personal Trainer, der die Mädels ordentlich herausfordert. Das macht ihnen Spaß, da der Trainer (Physiotherapeut) ein abwechlungsreiches Programm liefert. Sport macht glücklich! Dazu gehört eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

  • Bewegung an der frischen Luft

    Die Teenager nach draußen zu jagen ist nicht immer so einfach. Eine gemeinsame Runde mit Mama durch den Wald ist attraktiver zu gestalten, indem wir unterwegs eine kleine Foto-Session einbauen. Damit habe ich meine Tochter schon einige Male vor die Tür gelockt. Dabei sind wirklich tolle Bilder entstanden und zudem wurde sie lockerer, hatte frische Luft um den Kopf und wurde dadurch tatsächlich einige Male den Kopfschmerz los.

© Initiative Schmerzlos

Mein Fazit

Wir sind sehr froh, der Hauptursache von Kopfschmerzen bei unseren Kindern schnell auf die Spur gekommen zu sein. Denn auch wenn unsere Kinder generell sehr selten krank sind und wir auftretende Kopfschmerzen schnell in den Griff bekommen, waren wir doch anfangs recht hilflos. Dieser Hilflosigkeit können ein Arzt, Physiotherapeut oder andere Fachleute im medizinischen Bereich Abhilfe schaffen. Nehmt Unwohlsein und Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen bitte immer ernst, auch wenn keine offensichtlichen, organischen Ursachen vorliegen.

Manche Kinder und Jugendliche setzen sich selbst unter (Leistungs-)Druck und eine unnatürliche Körperhaltung kann durch Sport ausgeglichen werden. Ich kenne auch Menschen, die als Jugendliche unter schwerer Migräne litten, deren Ursache nie herausgefunden wurde. Der eine leidet heute noch regelmäßig darunter, bei der anderen Person hat es sich „heraus gewachsen“.

Ihr seid nicht allein damit, wenn euer Kind unter regelmäßigem Kopfschmerz leidet!

Weitere Maßnahmen gegen Kopfschmerzen und Informationen zu möglichen Ursachen findet ihr auf der Homepage der Initiative Schmerzlos. Führende Schmerz-Experten geben hier ihr Wissen preis und räumen auf mit Mythen der Herkunft von Kopfschmerzen und Migräne bei Jugendlichen. Wir finden dort Antworten dazu, wie wir Kopfschmerzen vorbeugen und wie wir diese im Bedarfsfall selbst behandeln können. Außerdem gibt es dort einen kostenlosen Download eines Schmerz-Tagebuches, das hilfreich sein kann zur Aufklärung der Ursache von Kopfschmerzen bei Jugendlichen.

Alles Gute für eure Kids wünscht eure

Kopfschmerzen bei Kindern

Viele Kinder leiden unter Kopfschmerzen. Wir klären auf, welche Arten von Kopfschmerzen bei Kindern zu unterscheiden sind, wo die Ursachen liegen und wie Eltern am besten helfen können

„Jedes fünfte Kind leidet bereits im Vorschulalter unter Kopfschmerzen. Im Schulalter sind sie das häufigste Krankheitsproblem. Schätzungsweise jedes siebte Schulkind muss aufgrund von Kopfschmerzen medizinisch behandelt werden“, sagt Dr. Folkert Fehr, Kinder- und Jugendarzt aus Sinsheim.

Kopfschmerzen bei Kindern vom Arzt klären lassen

In den allermeisten Fällen lassen sich Kopfschmerzen bei Kindern schnell in den Griff kriegen, meist sogar ohne Medikamente. Zunächst sollte ein Kinderarzt jedoch die Ursache abklären. Denn es kann sein, dass es sich nicht nur um einen ‚primären Kopfschmerz‘ handelt, bei dem der Kopfschmerz das einzige Krankheitsbild ist. „Kopfschmerzen können auch als Folge einer ganz anderen Gesundheitsstörung auftreten, z.B. bei einem grippalen Infekt und allen fieberhaften Erkrankungen. Dann spricht man vom ’sekundären Kopfschmerz'“, erklärt Dr. Folkert Fehr.

Kinder mit Kopfschmerzen genau beobachten

Wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder genau beobachten. Der Kinderarzt wird sie nach Auffälligkeiten befragen und das Kind natürlich außerdem gründlich untersuchen. „Gerade bei wiederkehrenden Kopfschmerzen können Eltern durch genaues Beobachten lernen, kleine Veränderungen oder erste Krankheitszeichen wahrzunehmen“, sagt Folkert Fehr. Der Arzt muss alles über die Art der Beschwerden wissen, und in welchem Zusammenhang sie auftreten. Dafür ist es hilfreich, alle Auffälligkeiten in einem „Kopfschmerz-Kalender“ festzuhalten.

Kopfschmerzen bei Kindern sind meist ‚primär‘

Nur in einem Zehntel aller Fälle der Kopfschmerzen bei Kindern handelt es sich um sekundäre Schmerzen, die mit einer anderen Krankheit zusammenhängen – die meisten Kinder haben primäre Kopfschmerzen. Sie entstehen von selbst, weil die Kinder eine angeborene Neigung dazu haben. Bestimmte Auslöser führen dann dazu, dass das Problem zum Ausbruch kommt. Meist handelt es sich um Spannungskopfschmerzen, in manchen Fällen aber auch um eine Migräneattacke.
Spannungskopfschmerz: Knapp zwei Drittel aller betroffenen Kinder leiden an dieser Schmerzart. Typischerweise geht der Schmerz vom Nacken aus und verteilt sich von da aus bis über den gesamten Kopf. Häufig ist der Schmerz aber nicht genau lokalisierbar. Betroffene beschreiben ihn als dumpf und drückend. Er ist mit einer ständigen Störquelle im Hintergrund vergleichbar.
Migräne: Sie kommt bei zwölf Prozent aller Betroffenen vor. Es ist ein anfallsartig auftretender, periodisch wiederkehrender, meist einseitiger Kopfschmerz, der oft mit Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Unbehandelt dauert ein durchschnittlicher Anfall bei Erwachsenen etwa 18 Stunden. Bei Kindern sind es meist nur wenige Stunden, Kleinkinder können auch nur unter wiederholtem Erbrechen leiden.

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Migräne bei Kindern: erkennen, vorbeugen, behandeln

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Wichtig bei Kopfschmerzen: Essen, Trinken, Entspannung

Die möglichen Ursachen sind vielfältig. Schon das Auslassen von Mahlzeiten oder Schlafmangel können eine Rolle spielen. Gerade für Kinder, die unter Migräne leiden, ist es daher wichtig, regelmäßig zu essen und zu schlafen. Auch der flackernde Bildschirm beim Computerspiel, Flüssigkeitsmangel und Stress in der Schule können Kopfschmerzen bei Kindern auslösen.
Zunächst sollte man versuchen, Kopfschmerzen bei Kindern ohne Medikamente in den Griff zu bekommen. Häufig helfen schon Ruhe und Entspannung: Sich im abgedunkelten Zimmer aufs Bett zu legen, kann Wunder wirken. Vielleicht schläft das Kind dabei ein, wacht Stunden später auf – und ist die Schmerzen los. Auch ein kalter Waschlappen auf der Stirn kann Linderung bringen, etwas Minzöl auf den Schläfen ebenfalls. Hilft alles nichts, können auch Medikamente gegeben werden.

Diese Medikamente helfen gegen Kopfschmerzen bei Kindern

„Muss ein Medikament gegen die Kopfschmerzen gegeben werden, sind Ibuprofen und Paracetamol als Zäpfchen, Saft oder Tabletten die erste Wahl – abhängig vom Alter der Kinder und von Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen“, sagt Dr. Folkert Fehr. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) ist für Kinder tabu, er kann allergisches Asthma oder Immunreaktionen auslösen.

„Kopfschmerz-Kalender“ bei wiederkehrenden Schmerzen

Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen sollte man den Lebensstil hinterfragen: Bewegt sich das Kind zu wenig? Verbringt es viel Zeit vor Computer und Fernseher? Könnten Leistungsdruck in der Schule oder familiäre Konflikte an den Kopfschmerzen Schuld sein? Experten raten, einen sogenannten „Kopfschmerz-Kalender“ zu führen. Darin wird Folgendes festgehalten: Dauer und Stärke der Kopfschmerzen. Ihr Kind sollte die Stärke auf einer Skala von eins bis zehn oder mit Schulnoten bewerten. Sind sie pochend oder dumpf? Ist der ganze Kopf betroffen oder nur die Stirn?
➤ Begleiterscheinungen: Was passiert, wenn Ihr Kind Kopfschmerzen hat? Muss es erbrechen, ist ihm kalt, ist es müde, ist ihm schwindelig?
➤ Medikamente und Behandlung: Was hat gegen die Kopfschmerzen geholfen? Bettruhe? Oder Medikamente – und wenn ja, welche?

➤ In welchem Zusammenhang sind die Kopfschmerzen beim Kind aufgetreten? Litt das Kind unter Schlafmangel, gab es viele Klassenarbeiten oder Streit mit Freunden?

Trost und Liebe helfen gegen Kopfschmerzen bei Kindern

Wichtig ist, die Probleme des Kindes ernstzunehmen. „Wenn ein Kind angibt, Schmerzen zu haben, benötigt es Hilfe!“, sagt Dr. Fehr. Das müssten aber nicht ausschließlich medizinische Maßnahmen sein. „Das Kind braucht außerdem noch mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit als sonst, damit es die Erkrankung leichter und besser verkraftet.“

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Hirnhautentzündung (Meningitis)

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Migräne bei Kindern

Migräne bei Kindern: Behandlung

Die Behandlung von Migräne bei Kindern unterscheidet sich von der bei Erwachsenen. Erstens sind nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren bei Kindern erfahrungsgemäß deutlich wirkungsvoller als bei Erwachsenen. Daher sollten sie grundsätzlich Vorrang vor dem Einsatz von Medikamenten erhalten.

Der zweite Unterschied bei der Behandlung von Migräne bei Kindern zu der bei Erwachsenen besteht darin, dass teilweise andere Medikamente eingesetzt werden. Typische Migräne-Medikamente wie beispielsweise Acetylsalicylsäure oder Metoclopramid dürfen bei Kindern nicht angewendet werden. Auf gar keinen Fall dürfen Eltern, die selber an Migräne leiden, ihre Medikamente einfach ihrem Kind verabreichen! Anderenfalls kann es vor allem aufgrund einer falschen Dosierung zu lebensbedrohlichen Folgen kommen! Die Migränemedikamente muss ein Arzt speziell für ein Kind auswählen und dabei auch die richtige Dosierung berechnen.

Generell gilt: Eine Migräne bei Kindern lässt sich meist am besten mit einer Kombination aus nicht-medikamentösen und medikamentösen Maßnahmen behandeln.

Migräne bei Kindern: Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Zur nicht-medikamentösen Therapie der Migräne bei Kindern und Erwachsenen zählt man zum Beispiel die physikalische Therapie (wie Wärmeanwendungen), Entspannungsverfahren, autogenes Training und das sogenannte Biofeedback. Diese Verfahren eignen sich teilweise sowohl für den akuten Migräneanfall als auch zur Vorbeugung (Prophylaxe) weiterer Migräneattacken. Nach Angaben der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sind die nicht-medikamentösen Verfahren durchaus ähnlich effizient wie eine reine medikamentöse Prophylaxe. Insbesondere das Biofeedback-Verfahren scheint gerade bei Kindern und Jugendlichen sehr wirkungsvoll zu sein.

Eltern fühlen sich bei einem Migräneanfall ihres Kindes häufig hilflos. Dabei können schon sehr simple Maßnahmen sehr wirkungsvoll sein:

Bei einem akuten Migräne-Anfall sollten Kinder vor allem Ruhe bekommen. Bringen Sie Ihr Kind in einen abgedunkelten Raum. Auf Geräuschquellen wie Radio oder Fernsehen sollte vollkommen verzichtet werden, da das die Kopfschmerzen verstärken kann. Ein paar Stunden Schlaf, ein kühles Tuch auf der Stirn oder eine Nacken-Massage mit Pfefferminzöl (nicht bei Säuglingen und Kleinkindern!) sorgen in den meisten Fällen dafür, dass Kopfschmerzen und Migräne bei Kindern schnell wieder vergehen.

Gerade kleine Kinder können auch während des Spielens einfach mal einschlafen. Der Schlaf tut Ihrem Kind gut, und es wird möglicherweise ohne Kopfschmerzen wieder aufwachen. Selbst kleinste Tätigkeiten wie Umherlaufen oder Fernsehen können hingegen die Migräne bei Kindern verstärken.

Migräne bei Kindern: Medikamente im Anfall

Für eine Migräne bei Kindern gilt ebenso wie bei Erwachsenen: Im akuten Anfall helfen Medikamente am besten, je früher sie eingesetzt werden. Das bedeutet, dass die Medikamente bereits bei den ersten Migräneanzeichen eingenommen werden sollten. Dann lässt sich eine Migräneattacke manchmal noch stoppen.

Die Behandlung der akuten Migräneattacke wird mit einem sogenannten Antiemetikum begonnen. Es bekämpft nicht nur die häufig ebenfalls auftretende Übelkeit, es verstärkt vor allem die Wirksamkeit der im Anschluss gegebenen Schmerzmittel. Bei Kindern kommt als Antiemetikum der verschreibungspflichtige Wirkstoff Domperidon zum Einsatz (als Tablette oder Zäpfchen). Die richtige Dosis ermittelt der Arzt normalerweise anhand des Gewichts des Kindes. Die Dosierung muss sehr sorgfältig gewählt und unbedingt eingehalten werden: Eine zu hohe Dosis kann schwere Nebenwirkungen verursachen.

Als nächster Schritt wird etwa 15 Minuten nach dem Antiemetikum ein Schmerzmittel verabreicht. Bei Kindern und Jugendlichen wird dazu Ibuprofen oder Paracetamol empfohlen. Die bei Erwachsenen häufig verwendete Acetylsalicylsäure ist hingegen absolut tabu: Bei Kindern und Jugendlichen kann es durch die Einnahme zu einem lebensbedrohlichen Reye-Syndrom kommen.

Flunarizin und Topiramat wurde von der FDA für Jugendliche mit Migräne zugelassen. Für Propanolol gibt es Hinweise auf ei ne Wirksamkeit, Valproinsäure ist bei Kindern und Jugendlichen nicht wirksam. Studien lassen eine Wirksamkeit von BotulinumtoxinA bei Jugendlichen erwarten.

Wenn sich die Migräne bei Kindern durch die genannten Schmerzmittel nicht bessert, stehen auch noch Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane oder (seltener) der Ergotamine zur Verfügung. Diese sollten allerdings bei Migräne bei Kindern mit Bedacht eingesetzt werden und dürfen in der Regel erst ab dem zwölften Lebensjahr gegeben werden. Bei kleineren Kindern können sie in ganz schweren Fällen von einem Kopfschmerzspezialist verordnet werden. Diese Medikamente sind als Tabletten, Zäpfchen oder teilweise Nasenspray erhältlich.

Migräne bei Kindern: Medikamente zur Vorbeugung

Im Gegensatz zur medikamentösen Behandlung der akuten Migräneattacke müssen die Medikamente zur Vorbeugung einer weiteren Attacke dauerhaft eingenommen werden. Dies erklärt auch, warum es dabei nicht selten zu Problemen kommt, da die unerwünschten Arzneimittelwirkungen Kinder in der Regel noch stärker belasten als Erwachsene. Daher werden Medikamente zur Vorbeugung einer Migräne bei Kindern nur eingesetzt, wenn nichtmedikamentöse Verfahren und im Besonderen verhaltenstherapeutische Maßnahmen nicht ausreichend helfen.

Zum Einsatz kommen dabei wie auch bei Erwachsenen Betablocker (für Propranolol gibt es Hinweise auf eine Wirksamkeit). Valproinsäure ist bei Kindern und Jugendlichen nicht wirksam. Studien lassen eine Wirksamkeit von BotulinumtoxinA bei Jugendlichen erwarten.) Die Eltern sollten vom Arzt genau über die möglichen Nebenwirkungen der Medikamente aufgeklärt werden.

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