Kochbuch für kinder

Der Silberlöffel. Neue Ausgabe



Der Silberlöffel kommt größer als ein ausgewachsener Brockhaus daher


Das Kochbuch der Silberlöffel enthält auch Rezepte für komplette Menüs

Ein Wahnsinnswerk! Superlative so weit das Auge reicht. Von den Dolomiten bis zur Südspitze Siziliens. Von den Küchengeräten bis zu den Menüs von verschiedenen Spitzenköchen.

Die erste Auflage dieses Kompendiums der italienischen Küche, erschien bereits 1950 unter dem italienischen Titel, “Il Cucchiaio d’argento” (Der Silberlöffel). Der Name geht auf die Redensart zurück, die für Überfluss, Reichtum und Glück steht: Wer mit einem silbernen Löffel im Mund geboren wird, kann mit einem reichen Erbe rechnen…

Das Buch war damals sicher nicht so dick und schwer. Es gab ja schließlich eine Zeit vor der Digitalkamera. – Der direkte Vergleich mit einem der guten alten 24 Brockhaus-Bände (Foto links) zeigt die Dimension des Buches. – Heute wiegt der Schinken (das Werk darf man ruhig als solchen bezeichnen) 3,1 Kilogramm und enthält auf 1.500 dünnen Seiten annähernd 2.000 Rezepte, von denen manche wieder Lust auf die italienische Küche machen.

Ich muss nämlich zugeben: die Italiener sind in unserer Küche etwas ins Hintertreffen geraten. Und das liegt nicht nur an der heute verfügbaren Warenvielfalt, an den Reisen in ganz andere Länder dieser Welt, die man im Verlauf seines Lebens heute macht, oder an der Vielzahl der Kochbücher dort im Regal, die uns die Spezialitäten weit entfernter Kontinente ins Haus gebracht haben.

Natürlich liegt es auch an der kulinarischen Konkurrenz, die in unserem Land inzwischen sehr stark vertreten ist, schließlich haben rund 16 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. – Aber nein, es liegt an den Italienern selbst. Diese haben uns in den letzten 50 Jahren einfach ein paar zuviele ehemalige Maurer oder Menschen andere Berufsgruppen über die Alpen geschickt, die dann hier als Pizzabäcker und Ristorante-Betreiber ihr Glück und unser Geld suchten. Leider aber mit zu wenig Ahnung von der ganzen Materie.

Wer kennt heute schon noch ein richtig gutes italienisches Restaurant oder eine gute Pizzeria, die sich über Jahre gehalten hat? Auch hier bestätigt sicher nur die Ausnahme die Regel. Und es ist schade um den ehemals guten Ruf der tollen italienischen Küche, der dabei fast verloren ging.

Der Silberlöffel

Ob wir in dem Buch wirklich gleich 2.000 Rezepte gebraucht hätten, bezweifle ich zwar stark, denn Wiener Würstchen mit Wirsingkohl (Seite 977) mag ich erstens nicht und zweitens fehlt mir die italienische Note daran. Die paar Tropfen Weißweinessig, die im Rezept genannt werden, überzeugen mich noch nicht auf dem neuen Weg in die italienische Küche.

Aber dafür gibt es ja alleine zehn Seiten mit Gnocchi-Rezepten. Und wer auf den 55 Seiten(!) mit Nudelrezepten nichts findet, was ihm schmecken könnte, dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen.

Das Buch wendet sich eindeutig an Koch-Anfänger ohne viel eigene Ideen. Viele Rezepte kommen, mit kleinen Abwandlungen, mehrmals in dem Buch vor. Hier stellt sich wirklich die Frage, ob es so sinnvoll war, auf die Änderungswünsche und Vorschläge von Generationen italienischer Mamas einzugehen und viele davon in dem Buch unterzubringen. Denn Kalbsschnitzel in Zitrone kann man selbstverständlich auch als Kalbsschnitzel in Marsala auf den Tisch bringen. Ansonsten sind die Rezepte bis auf eine einzige Zutat identisch.

Die etwa 400 Fotos in dem Buch machen daraus keineswegs einen Kunstband. Sowohl die Art der Fotografie als auch die Präsentation der Speisen zeigt: hier geht es in erster Linie um den Alltag. Schwarze Pfannen, einfach Teller, robuste Tische, kein Geschnörksel, kein mit der Pinzette exakt platziertes Schnittlauchröllchen. Und auch keine Balsamicoreduktion, die als kunstvolles Gekritzel halbleere Teller ziert. Ein Fisch ist ein Fisch, nicht nur ein in vollendete Form gebrachtes Häppchen von dem niemand satt wird.

Kochbuch Silberlöffel mit Farbleitsystem

Die Struktur des Buches gibt ein Farbleitsystem vor, das von der Abteilung Saucen, Marinaden, gewürzte Butter über die beliebten Antipasti, Horsd’oeuvres, Pizza natürlich zu den einzelnen Gängen, von den Primi Piatti bis zu den Desserts führt, wie man sie in Italien auf jeder Speisekarte findet.

Den Abschluss bilden die mehrgängigen Menüs von 22 Spitzenköchen, auf die uns aber leider kein einziges Foto Appetit macht. Schade.

Die Rezeptliste am Ende umfasst 15 Seiten mit jeweils drei Spalten, ist aber nur nach den Seitenzahlen und nur in deutscher Sprache sortiert. Das eigentliche Register bilden fast 50 Seiten, die ebenfalls 3-spaltig aufgebaut sind, hier sind die Rezepte allerdings nach ABC gruppiert und diese Struktur ist keineswegs logisch. Dass ich das Rezept von Seite 520 “Kohl mit Paprika” unter “A” finde, ist zwar löblich, weil darin auch ein Apfel gebraucht wird. Die nochmalige Nennung unter dem Begriff “Kohl” ist mir auch recht, dass das Rezept aber nicht unter “Paprika” zu finden ist, erklärt erst die Liste der Rezept-Zutaten; benötigt wird lediglich eine große Prise Paprikapulver.

Die berühmten sizilianischen Cannoli habe ich zwar mit Mühe unter “C” gefunden, aber weder unter “Fettgebackenes” noch unter Dessert, weil diese gefüllten Gebäckröllchen nur als Teil eines Menüs vorkommen.

Eine Anfängerin, die sich vornimmt ihrem Liebsten eines der bekanntesten italienischen Fleischgerichte, den “Saltimbocca alla Romana” (Sprung in den Mund) zuzubereiten, wird an dem Register verzweifeln. Denn sie müsste zumindest wissen, dass es sich um Kalbfleisch handelt, weshalb das Gericht unter “Kalb” zu finden ist, allerdings als “Römische Saltimbocca”. Erst unter “Salbei” würde sie ein zweitesmal fündig werden. Dort dann in der italienischen Original-Schreibweise.

Zugegeben: natürlich ist es eine große Aufgabe eine solche Vielzahl an Rezepten strukturiert auffindbar zu machen, vor allem wenn die Wünsche der Leser womöglich noch mit zwei Sprachen abgedeckt werden müssen.

Der Silberlöffel – weniger wäre mehr

Ich empfehle deshalb bei der nächsten Auflage einige hundert Rezepte aus dem Buch zu nehmen und dafür das Register alltagstauglich zu machen. Kein Mensch sucht in einem Kompendium der italienischen Küche nach Polnischen Bohnen, Bayrischer Creme, Chicken Pie oder nach Rezepten mit Wiener Würstchen.

Die alte Weisheit passt auch hier. Weniger wäre eindeutig mehr.

Allerdings bekommt man, bei aller Kritik, für den Preis des Buches wirklich viel geboten. Wer 39,95 Euro für “Der Silberlöffel” auf die Theke des Buchhändlers seines Vertrauens gelegt, und das in pflegeleichtes rotes Kunstleder gebundene Buch nach Hause geschleppt hat, hat nicht nur ein Buch der bereits erwähnten Superlative, sondern vermutlich eine Lebensaufgabe erworben.

Das Buch bei Amazon bestellen:
Kochbuch: Der Silberlöffel
Neue Ausgabe
1.500 Seiten, Hardcover, Format 18x29cm
Phaidon/Edel, Hamburg 2011
39,95 Euro

Die Besprechung zum Kochbuch “Der Silberlöffel” ist nicht die einzige Rezension in diesem Blog:

  • Spinatsalat mit Erdbeeren und Gorgonzola
  • Mein Aufenthalt in der Ohlstadtklinik
  • Blogstöckchen gefangen!
  • Gebeizter Kabeljau mit Apfelmeerrettich
  • Küche. Aus alt mach neu. Teil 3
  • Spaghetti alla puttanesca
  • Bruce Springsteen übernimmt Olympiastadion
  • Der Becherkuchen ist der einfachste Kuchen der Welt
  • Getrüffelte Fleischpflanzerl mit Chili auf Linsensalat
  • Schweinebauch Sous Vide 24h/65 mit Honig Balsamico Glasur

„Der Silberlöffel“ heißt die 1950 erstmals erschienene Sammlung italienischer Rezepte, die mittlerweile weltweit verkauft wird und zu den erfolgreichsten Kochbüchern aller Zeiten gehört. Es war naheliegend, daraus auch eine Ausgabe für Kinder zu entwickeln, und es ist durchaus angebracht, dass der deutsche Verlag eine Neubearbeitung dieser Ausgabe auf den Markt bringt – auch wenn nach wie vor nicht recht klar ist, wie man in dieser Altersgruppe mit dem Thema umgehen sollte. Einerseits beschweren sich viele Pädagogen, dass die motorischen Fertigkeiten der Kinder teilweise beschränkt sind. Und wenn dem so sein sollte, ist es natürlich sinnvoll, erst einmal zu erklären, wo beim Messer vorne und hinten ist. Andererseits wissen wir wenig über das, was möglich ist, wenn Kinder und Jugendliche kochen. Ist es ein Fach wie Physik, das man langsam begreifen muss? Oder ähnelt es mehr dem Erlernen eines Musikinstrumentes, bei dem Motorik und Verständnis zusammenkommen müssen? Ist es vielleicht wie Sport, bei dem die Übung den Meister macht? Und können wir uns eigentlich auch kleine Genies am Herd vorstellen, wie dies in der Musik und beim Sport möglich ist?

Ein normales Kinder-Kochbuch verfährt heute vor allem nach dem Motto: Rezepte nehmen, die Kinder gerne essen und diese möglichst einfach mit vielen Bildern und kurzen Texten erläutern. Das ist im „Silberlöffel für Kinder“ mit seinen vielen Step-by-step-Zeichnungen nicht anders. In der Einführung heißt es: „Alle Rezepte im ‚Silberlöffel für Kinder’ wurden von Kindern ausprobiert – wenn du neun Jahre oder älter bist, müsstest du die meisten Rezepte allein nachkochen können, mit gelegentlicher Hilfe eines Erwachsenen.“ Den Anfang machen einige Erläuterungen zu den Geräten und zur Sicherheit bei der Küchenarbeit, wobei man sofort über diskussionswürdige Details stolpert. Ist ein Messer mit einer leichten Sägeklinge nicht viel sicherer als eines mit glatter Klinge, zum Beispiel wenn man in der „Brückentechnik“ (das Produkt wird mit Daumen und Zeigefinger gehalten, um zwischen ihnen schneiden zu können) eine glatte Tomate schneiden will, ohne abzurutschen? Und ist das Aufschlagen von Eiern mit einem Messer wirklich die bessere Wahl gegenüber der alten Technik – zum Beispiel an der Kante einer Rührschüssel? Bei einer Reihe von technischen Frage scheint man bei diesem Buch etwas oberflächlich vorgegangen zu sein. Dass man etwa Nudeln eine Minute kürzer kochen sollte, als auf der Packung angegeben ist, damit sie al dente sind, ist eine irreführende Verallgemeinerung.

Die Rezepte überzeugen auf den ersten Blick durchaus. Man könnte zum Beispiel ein Menü erwarten, das aus einem Sommersalat mit Cannellini-Bohnen, Linguine mit Pesto, einer Lammkeule mit Kräuterkruste nebst gefüllten Tomaten und einem Haselnusskuchen besteht. Wenn Kinder so etwas hinbekommen, könnten sich interessante Aussichten ergeben. Ob sie es mit diesem Buch tatsächlich schaffen, ist natürlich nicht gewiss. Man sollte Kinderkochbücher immer auf die Stellen hin überprüfen, an denen etwas die schiefgehen können. Rezepte wie die Lammkeule sind technisch wesentlich einfacher, als sie vielleicht klingen, während etwa die Bechamelsauce doch eine Reihe von Tücken mit sich bringen kann.

Kochbuchrezension: Der Silberlöffel – Ein typisches Hochzeitsgeschenk aus Italien

By Jan Theofel / 14. April 2007 Du heiratest bald und brauchst noch ein Hochzeitsgeschenk? Oder du kennst jemanden der heiratet und du benötigst dafür noch ein Hochzeitsgeschenk? Oder du willst einfach nur ein sehr gutes italienisches Kochbuch kennenlernen? Egal welcher dieser Fragen du mit „ja“ beantworten kannst – hier kommt das passende italienische Kochbuch für dich. Denn Der Silberlöffel ist ein beliebtes Hochzeitsgeschenk in Italien. Seit Ende letzten Jahres ist der Titel nun auch endlich auf Deutsch erhältlich.

Die erste Ausgabe in Italien erschien 1950 und wurde seitdem acht Mal in neuen Auflagen angepasst. Von Stil erinnert das Werk dabei sehr stark an Kiehnle-Kochbuch, das einen noch älteren Ursprung (1912) hat. So sind die Rezepte sehr traditionell und nur wo nötig an aktuelle Küchenverhältnisse angepasst worden und die Fotos sind zwar hochwertig aber rar.

Gleich ganz vorne im Buch findet der Leser einen wichtigen Hinweis: Essen ist eine ernste Sache. Daher folgt zunächst eine Einleitung in das Buch, die Küchensprache und die Kücheneinrichtung.

An diese Einleitung schließt sich der sehr umfangreiche Rezeptteil an. Insgesamt über 2000 Rezepte werden dem Leser zur Auswahl angeboten. Darunter finden sich neben allen Gängen eines guten italienischen Menüs auch Grundlagenrezepte und Backwaren. Abgerundet werden diese Rezepte durch Menüzusammenstellungen und entsprechenden Rezepten von verschiedenen Spitzenköchen. Als zusätzliche Informationen gibt es zu den verschiedenen Zutaten auch kleine Warenkunden.

Wie bereits erwähnt sind die meisten der Rezepte klassisch italienisch. Sie umfassen meistens relativ kurz gehaltene Zutatenlisten deren Geheimnis wie eigentlich immer in qualitativ hochwertigen Zutaten liegt. Ein Besuch auf dem Markt für frische Zutaten ist also auf jeden Fall angesagt. Bei den Zubereitungsschritten hätte ich mir persönlich eine leichte Strukturierung gewünscht. Dennoch sind die meisten Rezepte leicht nachzuvollziehen. Bei einigen Rezepten ist zudem der Koch gefragt diese bei den Mengen ggf. leicht anzupassen.

Abgerundet wird das Werk durch eine Übersicht über alle Rezepte und ein sehr umfangreiches Stichwortregister. Dieses hat mit 60 Seiten schon alleine einen größeren Umfang als viele andere Kochbücher. Zusätzlich helfen farbige Markierung der einzelnen Rezeptrubriken und zwei Lesezeichen aus Leinen für eine bessere Übersicht.

Abschließend noch ein Wort zur Verabreitungsqualität des Buches: Die über 1200 Seiten qualitativ hochwertig zu verarbeiten ist gar nicht so leicht. Der Einband macht einen stabilen Eindruck. Aber bei den einzelnen Seiten wurde zugunsten der Dicke des Kochbuchs an Seitenstärke gespart, so dass die Seiten etwas durchscheinen.

Für diesen enormen Umfang zahlt man nicht nur beim Gewicht einen stolzen Preis. Knapp 50 Euro sind für den Klassiker aus Italien zu bezahlen.

Fazit:

Dieses Kochbuch wird nicht zu Unrecht als die Bibel der italienischen Küche bezeichnet. Kleine Mankos in der Umsetzung werden vom Inhalt mehr als ausgeglichen. Nicht nur zu Hochzeiten ein geeignetes Geschenk.

Aus diesem Kochbuch getestet:

  • Italienischer Nachtisch mit Aubergine und Schokolade
  • Auberginen-Ricotta-Lasagne
  • Zucchini gefüllt mit Garnelen
  • Spinatsalat mit Pilzen
  • Gurkensalat aus Italien
  • Pasta mit Tomaten-Rosmarin-Sauce

Übersicht:

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