Klitorisriss nach geburt

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Orgasmusprobleme, Sex nach Geburt: Eine Frauenärztin gibt Rat

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In der Praxis der Wiesbadener Frauenärztin Sheila de Liz hängt ein Poster mit dem Spruch: „Sometimes it takes balls to be a women“. Zu Deutsch: „Manchmal braucht man Eier in der Hose, um eine Frau zu sein.“ Tatsächlich ist Nachhilfe in Sachen Anatomie das Spezialgebiet der Ärztin. Ihre Mission: Frauen Wissen über deren „fabelhaften weiblichen Körper“ zu vermitteln. Das tut sie auf einem eigenen YouTube-Kanal ebenso wie in einem Buch namens „Unverschämt“, das zu einem Bestseller wurde. Wie sehr ihre Expertise gefragt ist, wurde jüngst in Berlin bei der bestens besuchten ICONIST-Veranstaltungsreihe Sex Education* deutlich. Dort wurde de Liz – unter anderem vom Publikum anonym per Zettel – eifrig zum Thema „Weibliche Lust“ ausgefragt. Und gab zum Teil verblüffende Antworten.

Gibt es Frauen, die wirklich keinen Orgasmus bekommen können?

„Ich glaube nein. Ich habe auch beschnittene Patientinnen aus dem nordafrikanischen Raum, die berichten, dass sie Orgasmen haben. Rein physiologisch-anatomisch kann das jede. Das größte Problem ist meistens, dass die Frauen sich nicht selbst befriedigen. Was wiederum in der Regel das Ergebnis einer repressiven Erziehung ist, die lehrt: Das da unten ist bäh, das darfst du nicht anfassen. Ich habe Patientinnen mit über 60, die sagen: ‚Ich hab mich da noch nie angeschaut.‘ Viele Frauen sind außerdem auf den männlichen Orgasmus fixiert und haben gar nicht erst gelernt, dass die erste und primäre Frage lauten muss: Was gefällt mir?“

Ich komme beim Masturbieren, aber nicht mit meinem Partner. Was raten Sie?

„Die meisten Frauen glauben – und das ist ein unausrottbarer Mythos –, weil der Penis rein- und rausgeht, muss sie kommen. Und es gibt unzählige Männer, die das auch glauben. Dieses Rein-raus ist natürlich dufte für die Fortpflanzung, aber selten befriedigend. Die Frau muss wissen, wie sie sich selbst befriedigen kann, und dem Partner das auch zeigen. Ich kann immer nur wiederholen, dass jeder Orgasmus über die Klitoris läuft. Und wenn der Mann da beim Sex nicht rankommt, muss sie eben selbst Hand anlegen.“

Sie erlebte ihr erstes Mal erst mit 2530 Jahre Single Anzeige

Ist Handarbeit aus Ärztinnensicht eigentlich besser als Sexspielzeug?

„Also die Welt der Sextoys hat enorme Fortschritte gemacht. Heute gibt es zum Beispiel spezielle Toys, die die Klitoris mit Druckwellen stimulieren. Überhaupt sehen die Sachen im Vergleich zu den 80ern inzwischen ganz schön aus. Gab es eigentlich wirklich jemanden, der diese Gummipenisse mit Venen drauf mochte? Also einfach so zum Spielen finde ich Toys eine gute Idee.“

Bluten Jungfrauen wirklich beim ersten Sex?

„Das ist eine der schädlichsten Mythen überhaupt. Viele glauben ja, dass das Jungfernhäutchen eine Art Frischesiegel ist wie beim Nutella-Glas. Aber es ist nur so ein Kranz, wie diese Haargummis mit Stoff namens Scrunchie. Ich kenne keine, die beim ersten Mal geblutet hat! Und ich frage Patientinnen und Bekannte regelmäßig danach. Es gibt aber Frauen aus Kulturkreisen, in denen man mit dem Sex bis zur Ehe wartet. Die bluten häufig, weil sie sich so verkrampfen, dass der Mann sich reinzwängen muss, und die reißen dann ein. Das ist fürchterlich, hat aber mit der Jungfernhaut nichts zu tun.“

Gibt es den G-Punkt wirklich und, wenn ja, wo?

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„Man hat zu Studienzwecken tatsächlich schon mal Leichen an dieser Stelle aufgeschnitten. Und siehe da, man sah nichts. Aber es gibt ihn. Der G-Punkt ist kein eigenes Organ, es ist einfach die untere Seite der Klitoris, genauer, die Unterseite der Schenkel der Klitoris, die links und rechts die Vagina umklammern. Es gibt nur eine Reihe von Gynäkologen weltweit, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, und die werden belächelt. Die sagen, dass der G-Punkt hinter dem Scheideneingang ein bisschen links oder rechts oben, also seitlich der Harnröhre liegt. Man stimuliert ihn zum Beispiel, indem man mit zwei Fingern in die Vagina hineingeht und dann an der Vorderwand der Vagina so eine Komm-her-Bewegung macht.“

Ich, weiblich, ejakuliere beim Sex, finde es aber gar nicht toll. Kann ich das abstellen?

„Squirting, das weibliche Ejakulieren, taucht meiner Erfahrung oft mit dem Alter auf. Ich habe etliche Patientinnen jenseits der 50, die berichten, es kommt plötzlich was raus beim Sex. Das fühlt sich ein bisschen an wie pinkeln, manchen ist das richtig peinlich. Ich kann den Patientinnen versichern, dass das kein Urin ist, sondern Flüssigkeit, abgesondert von sogenannten skeneschen Drüsen, dem Pendant zur männlichen Prostata. Sie sitzen sowohl neben als auch in der Harnröhre. Wenn man mit der Lupe rangeht, sieht man so kleine Poren. Es gibt eine hochinteressante Studie, die zeigt, dass bei Frauen, die ejakulieren, die Anzahl dieser Poren zunimmt. Ob sich Squirting abstellen lässt? Nein. Aber warum auch? Guter Sex macht Flecken.“

Wie kann ich meine Freundin dazu bringen, dass sie squirtet?

„Man kann es versuchen, indem man den G-Punkt stimuliert, mit den Fingern, dem Penis oder einem Dildo. Aber das klappt nicht unbedingt. Und wenn, muss das nicht mit einem Orgasmus einhergehen, die Flüssigkeit kann jederzeit herauskommen. Wenn der Orgasmus also die Hauptspeise ist, dann kann das einfach der Gruß aus der Küche sein oder ein Zwischengang. Wie gesagt: Manchmal kommt das mit dem Alter. Sexualität ist wie ein Bonsai, sie wächst ganz, ganz langsam, aber es kommt immer Neues dazu.“

Der kleinste gemeinsame Nenner im BettBeziehungsproblem

Welcher Geruch ist bei Frauen im Intimbereich normal?

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„Schweiß, Maggi, etwas säuerlich, all das ist normal und gesund. Fisch dagegen weist auf eine Vaginose hin, verursacht durch Bakterien. Da verschreibt man ein kleines Antibiotikum zum Einführen, manchmal helfen auch Milchsäurebakterien.“

Kann man zum Orgasmus durch die bloße Stimulation der Brustwarzen gelangen?

„Ja, den Nippelorgasmus gibt’s. Die Brustwarzen sind ja so eine Art Außendienstmitarbeiter der Klitoris. Und manchmal, da sind Frauen dann zuweilen selbst überrascht, kommen sie ganz unverhofft, wenn man ihre Nippel stimuliert.“

Du laserst Frauen gegen Scheidentrockenheit. Wie funktioniert das?

„Der Laser bearbeitet die vaginale Haut, also den Geburtsschlauch, und stimuliert die Zellen so, dass sich neue bilden. Die Zellen produzieren dann mehr Hyaluronsäure; die Vagina wird feuchter und tuffiger. Viele Männer sagen, das sei gemütlicher. Ich mache das seit 2016. Ich war zunächst skeptisch und habe zum Hersteller gesagt: Installier mir das Ding kurz in der Praxis, und ich laser die schlimmste Meckerpatientin, die ich kenne: meine Mutter. Und? Sie war begeistert.“

Meine Vagina ist durch die Entbindung weiter und schlapper geworden. Kann ich sie wieder enger machen?

„Moment mal. Warum suchen Frauen immer den Fehler bei sich selbst? Ich schlage vor, dass der Mann sich einfach mal einen Penisring umhängt, der Penis wird dann dicker im Umfang. Davon haben die meisten noch nie etwas gehört. Aber die Frau spürt dann definitiv mehr. Ich zitiere da gerne das Beyonce-Lied: ‚If you like it, put a ring on it.‘ Wenn du es magst, zieh einen Ring drüber.“

Testet Sexspielzeuge aller ArtSextoy-Testerin

Wie macht man in einer sexlosen Beziehung wieder den Anfang?

„Schwer. Da ist man ja längst in einem Teufelskreis. Ein Mann braucht Sex, um sich der Frau nah zu fühlen. Eine Frau braucht Nähe, damit sie Lust hat auf Sex. Wenn der Mann sich aber immer mehr zurückzieht, weil er keinen Sex bekommt, dann hat die Frau natürlich auch keine Lust mehr. Da liegt schließlich zu viel auf der sexuellen Bremse, und da muss man schauen, was da genau das ist. Und manchmal muss man dann vielleicht auch ganz unangenehme Dinge sagen, oft sogar streiten. Das gilt auch für den Fall, dass der Sex schon sehr lang nicht befriedigend ist. In der Praxis höre ich öfter: Mein Mann ist ganz toll, und der sorgt sich auch, aber der kommt nach drei Minuten. Und das macht der seit 20 Jahren!“

Ich habe gelesen, dass Männer nach dem Sex ein Hormon abbauen, dass für Liebe/Bindung sorgt. Ist da was dran? Soll man deshalb lieber keinen Sex vor dem dritten Date haben?

„Ja, es stimmt, das Bindungshormon Oxytocin wird nach dem Sex erst mal abgebaut, da sind die Männer gern zehn, 20 Minuten ganz für sich. Aber das kommt zurück! Der Auf- und Abbau von Hormonen geht ja relativ schnell. Deshalb: Ob man Sex vor oder nach dem dritten Date hat, ist doch eine individuelle Entscheidung. Da klingt allerdings durch, dass Frauen beim Sex etwas von sich hergeben. Schade, dass das immer noch so ist.“

Ich habe Angst vor den Wechseljahren, auch weil dann die Lust auf Sex schwinden soll.

„Ach was, ich sage immer, dass das eine geile Zeit ist. Frauen haben oft dann erst den besten Sex ihres Lebens. Was an den Hormonen liegt. Wir haben drei Hormone, die uns ein bisschen steuern. Eins ist Progesteron, das zweite wichtige ist Östrogen, das dritte Testosteron. Östrogen sorgt dafür, dass wir es allen recht machen wollen, ein Nest bauen. Eben dieses Hormon fängt ab den 40ern an zu schwanken, während das Testosteron recht stabil bleibt. Seinetwegen haben wir eine gesunde Libido. Zugleich machen wir uns nicht mehr so viele Gedanken, ob irgendetwas schwabbelt beim Sex, sondern sagen eher mal, was wir wollen. Außerdem haben Frauen nicht mehr diese ‚Hilfe, ich will nicht schwanger werden‘-Panik wie in den 20ern oder die Sorge ‚Ich will jetzt unbedingt ein Baby‘ wie in den 30ern. All das fällt weg. Und auch, dass die Kinder ins Schlafzimmer rennen. Und falls es beruhigt: Ich habe gerade eine amerikanische Studie gelesen, die besagt, dass 29 Prozent aller 70- bis 80-Jährigen in den letzten zwölf Monaten Oralverkehr hatte.“

Quelle: Sara Krüger Anzeige

*Sex Education ist eine neue Veranstaltungsreihe von ICONIST, dem Mode- und Lifestyle-Magazin der WELT, sowie der Berliner Bildungsinstitution Urania. Die Idee dabei ist, praxistaugliches Wissen seriös und unterhaltsam zugleich auf die Bühne zu bringen. Bei der nächsten Folge am 19. November steht um 18 Uhr das Thema „Alt, aber verliebt“ auf dem Programm.

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Wochenbettwissen: Geburtsverletzungen heilen lassen

(Werbung | Affiliate-Links) Eine Geburt ist eine große Herausforderung. Auch körperlich kann sie unterschiedlich große Spuren hinterlassen. Das Wochenbett ist nicht nur die Zeit des Ankommens, sondern auch die, in der der Körper der Mutter sich von der Geburt erholt und mögliche Verletzungen heilen.
Die meisten Frauen empfinden nach einer vaginalen Geburt ein leichtes Wundgefühl, da dieser Bereich gedehnt und belastet wurde. Die Geburtshormone sorgen zwar für eine Nachgiebigkeit des Gewebes, trotzdem kann es zu kleinen Schürfungen im Bereich der Scheide oder des Dammes kommen.

Darüber hinaus kann es auch zu Rissverletzungen in allen Bereichen kommen, die das Baby bei der Geburt passiert. Meist treten die Risse am Damm oder im Scheidenbereich auf. Sie können aber auch die Schamlippen oder in sehr seltenen Fällen die Klitoris betreffen. In der tiefer liegenden Beckenmuskulatur, am Schließmuskel des Enddarmes sowie am Muttermund kann es ebenfalls unter der Geburt zu Verletzungen kommen. Dammrisse werden je nach Schwere in vier Grade eingeteilt. Dammverletzungen dritten und vierten Grades sind schwerwiegende Geburtsverletzungen. Sie müssen sehr sorgfältig diagnostiziert, versorgt und in ihrem Heilungsverlauf beobachtet werden, um das Risiko für spätere Langzeitzeitfolgen wie Stuhlinkontinenz zu reduzieren.

Auch der Dammschnitt (Episiotomie) ist eine Geburtsverletzung. Dieser wurde und wird häufig zur Vermeidung größerer Dammverletzungen eingesetzt. Studien belegen aber nicht, dass dieses Vorgehen sinnvoll ist. Manchmal wird auch ein Dammschnitt gesetzt, um den Geburtsverlauf bei Gefahr für das Baby zu beschleunigen, häufiger auch bei operativ durch Saugglocke oder Zange beendeten Geburten.

Kleine und große Geburtsverletzungen brauchen Zeit zum Heilen

Ob ein Dammschnitt indiziert sein könnte, kann erst unter der Geburt beurteilt werden. Auch dann sollte er zurückhaltend und natürlich immer mit dem Einverständnis der Gebärenden gesetzt werden. Untersuchungen zeigen, dass der Heilungsverlauf eines Dammschnittes gegenüber einem Dammriss als schmerzhafter empfunden wird. Das Konzept, mit dem routinemäßigen Dammschnitt größere Geburtsverletzungen oder eine spätere Harninkontinenz zu verhindern, hat sich wissenschaftlich betrachtet nicht bestätigt.

Wie die Verletzung nach der Geburt versorgt wird, ist von ihrer Ausprägung abhängig. Die Hebamme inspiziert deshalb nach der Geburt den inneren und äußeren Scheidenbereich sowie den Damm. Bei Schürfungen ist keine Nahtversorgung erforderlich. Auch kleinere Risse können ohne Naht heilen, wenn diese nur oberflächlich sind und keine Muskulatur betroffen ist. Bei Blutungen oder unsymetrisch aufeinander liegenden Wundrändern kann aber auch bei eher kleinen Verletzungen eine Naht sinnvoll sein. Wichtig ist eine ausreichende Betäubung des Wundbereiches vor dem Nähen. Bei größeren Verletzungen kann eine umfassendere Analgesie erforderlich werden.

Kleine und große Geburtsverletzungen brauchen Zeit zum Heilen. Die Wochenbetthebamme wird den Heilungsverlauf beobachten und kann auch bei Bedarf die Fäden ziehen, wenn sich die Wunde geschlossen hat. Normalerweise wird ein Nahtmaterial verwendet, das sich selbst auflöst. Wenn jedoch Fäden oder Knoten drücken oder pieken, kann auch eine Entfernung sinnvoll sein. Frauen, die keine Hebamme für die Wochenbettbetreuung haben und Beschwerden an der Naht haben, könnten eine Wochenbettsprechstunde (Hebammenpraxen, Kliniken, Familienzentren) oder ihre betreunende Gynäkologin aufsuchen, um den Heilungsverlauf beurteilen zu lassen.

Heilungsverlauf unterstützen

Diese Maßnahmen unterstützen den Heilungsverlauf einer Geburtsverletzung:

  • Am wichtigsten ist es, sich zu schonen und den Wundbereich zu entlasten. Eine Belastung findet immer dann statt, wenn gesessen, gestanden oder gelaufen wird. Darum gilt es ganz besonders bei Geburtsverletzungen das WochenBETT ernst zu nehmen und viel zu liegen. Dafür ist es natürlich wichtig, dass du als Wöchnerin durch deinen Partner, andere Familienmitglieder oder Freunde entlastet wirst. Auch die Unterstützung einer Mütterpflegerin ist wirklich hilfreich. Diese kann bei bestimmten Voraussetzungen auch über die Krankenkasse beantragt werden.
  • Damit nicht zu viel Zug auf die Wunde kommt, sind „geschlossene“ Haltungen sinnvoll. Das Stillen im breitbeinigen Schneidersitz ist also eine eher ungünstige Position. Versuche vor allem in der Anfangszeit darauf zu verzichten. Die primäre Wundheilung dauert ungefähr zehn bis vierzehn Tage, ist aber letztlich ein individueller körperlicher Prozess. Dammschnitte und Sphinkterverletzungen haben meist einen etwas längeren Heilungsverlauf. Entsprechend vorsichtig solltest du also mit der Belastbarkeit deines Narbengewebes umgehen. Ruhe sowie Druck- und Zugentlastung unterstützen den Heilungsverlauf. Das Stillen in Seitenlage oder in Bauch zu Bauch-Lage, während du mit leicht erhöhtem Oberkörper entspannt in Rückenlage liegst, sind sicherlich die entlastendsten Stillpositionen. Das Sitzen ist eigentlich immer mit Druck oder Zug verbunden. Das gilt auch, wenn man auf eine sehr weiche Sitzunterlage achtet. Geschlechtsverkehr ist eine zu große Belastung für den Wundbereich. Die meisten Wöchnerinnen haben ohnehin nicht das Bedürfnis danach. Wenn dir aber danach sein sollte, warte damit noch bis zum Abschluss der Wundheilung.
  • Lindernde Maßnahmen

  • Oft gibt es auch kleine oder größere Schwellungen oder Hämatome (Blutergüsse) im Wundbereich. Hämatome verändern sich im Heilungsverlauf in der Größe und auch farblich. Manchen Frauen ist das Kühlen zum Beispiel mit aufgelegten Arnika-Wundtüchern sehr angenehm. Diese Auflagen kann man auch selbst herstellen, in dem man eine Slipeinlage mit zubereiteter Arnika-Essenz tränkt und entsprechend kühlt. Es gibt aber keine Studien, die die tatsächliche Wirksamkeit in Bezug auf eine bessere Wundheilung dieser unterstützenden Maßnahmen belegen. Trotzdem empfinden viele Frauen gerade das Kühlen als lindernd in den ersten Tagen. Kühlende Maßnahmen sollten allerdings nicht zu lange und immer nur kühlschrankkalt erfolgen.
  • Auch für Sitzbäder liegen keine Evidenzen vor, die deren Wirkung eindeutig bestätigen. Aber auch hier empfinden viele Wöchnerinnen diese Maßnahem als wohltuend und lindernd. Sitzbäder sollten allerdings nicht zu lange dauern, damit der Wundbereich nicht aufweicht. Bei Verletzungen, die mit einer Naht versorgt sind, kann es sinnvoll sein, je nach Nahtmaterial zunächst zwei bis fünf Tage abzuwarten. Die Wassertemperatur sollte ungefähr 37 Grad betragen. Als Zusatz kann Eichenrinden-Extrakt zugefügt werden. Auch Totes-Meer-Salz mit ätherischen Ölen wie Lavendel, Kamille blau oder Scharfgarbe gemischt ist sehr wohltuend. Bei ätherischen Ölen kann es allerdings in zu hoher Konzentration zu Irritationen im Wundbereich kommen. Diese sollten vorsichtig dosiert werden.
  • Spülungen und Sitzbäder

  • Anschließend kann noch ein Luftbad des Wundbereiches die Heilung unterstützen. Dafür kannst du dich einfach auf eine wasserfeste Unterlage „unten ohne“ aufs Bett legen. Ebenfalls kühlend und pflegend wirken Regenerationssprays für den Dammbereich wie das „Recover Spray“ der Hebamme Kareen Dannhauer.
  • Wenn noch kein Sitzbad möglich oder gewünscht ist, kann der Wundbereich auch gespült werden. Das Sitzen ist für viele Frauen ohnehin nicht so angenehm. Der Wundbereich ist oft noch geschwollen und ein Sitzbad könnte dies eventuell sogar verstärken. Doch das regelmäßige Spülen mit lauwarmen Wasser bei jedem Toilettengang ist sehr wohltuend und erleichtert auch die Hygiene in Bezug auf den Wochenfluss. Zudem verdünnt die Spülung beim Wasserlassen den Urin, was das brennende Gefühl in den ersten Tagen deutlich reduziert. Auch Bidets sind im Wochenbett recht sinnvoll, aber natürlich musst du dir nicht extra eines einbauen lassen. Auch sehr gut geeignet für das Spülen des Intimbereiches ist eine sogenannte Po-Dusche. Damit kannst du gezielt und sanft den Wundbereich abduschen.
  • Schmerzen lindern

  • Geburtsverletzungen können gerade in den ersten Tagen recht unangenehm und auch sehr schmerzhaft sein. Deshalb ist eine entsprechende Schmerzmedikation durchaus sinnvoll. Dabei geht es nicht darum, dass du möglichst schnell wieder auf den Beinen bist und den Haushalt schmeißt. Du sollst ohne Schmerzen dein Baby kennenlernen und genießen. Welches Schmerzmittel in welcher Dosierung sinnvoll ist, solltest mit der Hebamme oder Ärztin nach der Geburt besprechen. Die Einnahme von Schmerzmitteln ist keine Kontraindikation für das Stillen. Weitere Informationen zur Anwendungen von Arzneimitteln in der Stillzeit, findest du bei Embryotox. Bei anhaltenden Schmerzen, Schwellungen, Blutungen an der Verletzungsstelle oder sonstigen Auffälligkeiten solltest du immer deine Hebamme oder Frauenärztin kontaktieren. Es kann natürlich auch bei einer Geburtsverletzung zu Wundheilungsstörungen oder Infektionen kommen.
  • Viele Frauen mit einer Geburtsverletzung haben etwas Sorge vor dem ersten Stuhlgang. Ausreichend Trinken und eine Ernährung, die die Verdauung anregt, sorgen für weichen Stuhlgang. Anregend wirken zum Beispiel Leinsamen, Trockenobst, Weizenkleie oder Birnensaft. Für den ersten Toilettengang sollte man genug Zeit einplanen. Ein forciertes Pressen sollte vermieden werden. Für manche Frauen ist es hilfreich, wenn sie den Dammbereich von außen mit der in etwa Toilettenpapier umwickelten Hand stützen. Bei größeren Geburtsverletzungen kann eventuell in Absprache auch der Einsatz eines stuhlauflockernden und die Darmentleerung fördernden Arzneimittels sinnvoll sein.
  • Beckenboden entlasten

  • Der Beckenboden wird durch Schwangerschaft und Geburt belastet. Durch eine Geburtsverletzung fällt diese Belastung noch etwas höher aus. Generell ist es aber für alle Frauen wichtig und sinnvoll, den Beckenboden nach der Geburt zu entlasten und mit aktivierenden Übungen in seiner Funktion zu stärken. Tipps und Hinweise zu einem beckenbodenfreundlichen Alltagsverhalten findest Du im Beitrag „Was braucht der Beckenboden nach der Geburt?“.
  • Jede Frau wünscht sich eine verletzungsfreie Geburt. Die Beschwerden nach der Geburt bei einer entstandenen Geburtsverletzung können nicht nur körperlich, sondern auch emotional belastend sein. Schmerzen oder Probleme beim Halten des Urins oder Stuhlganges nach der Geburt können das Wohlbefinden im Wochenbett deutlich herabsetzen. Vielleicht belastet dich auch die Sorge, wie sich die Geburtsverletzung auf deine spätere Kontinenz oder dein Liebesleben auswirken wird.

Nimm alle Gedanken oder Sorgen ernst und besprich sie mit jemandem. Das kann die Hebamme oder deine Frauenärztin sein. Bei anhaltenden Beschwerden oder Komplikationen gibt es auch noch weitere spezialisierte Ansprechpartner wie zum Beispiel die Ärzte und Therapeuten in einem so genannten Beckenbodenzentrum. Auch im Hinblick auf eine weitere Geburt kann die erlittene Verletzung vielleicht für dich ein wichtiges Thema sein, das du mit passenden Fachpersonen besprechen solltest.

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Geburtsverletzungen der Mutter: Hilfe bei häufigen Beschwerden im Scham- und Scheidenbereich

von Claudia Galler
verfasst am 20.02.2018

Während der Geburt kann es bei vielen Frauen zu Verletzungen im Intimbereich kommen (© fotolia-Cara-Foto)Obwohl sich bei der Geburt das Köpfchen des Kindes den Weg des geringsten Widerstandes sucht, kann die Mutter kleinere und größere Verletzungen davontragen. Wie sie entstehen, welche Behandlung angezeigt ist und wie man vorbeugen kann, erklärt dieses jameda Gesundheitsspecial.

  • Schürfwunden heilen recht schnell
  • Blutergüsse vorsichtig kühlen
  • Schamlippenrisse werden genäht
  • Wenn Scheide, Gebärmutter oder Gebärmutterhals reißen
  • Dammrisse kommen häufig vor
  • So wird ein Dammriss behandelt
  • Eine lockere Schambeinfuge bereitet Schmerzen
  • So kann man Geburtsverletzungen vorbeugen

Schürfwunden heilen recht schnell

Während der Geburt treten Schürfwunden relativ häufig im Bereich der Scham auf, wenn das Kind ein sehr großes Köpfchen hat oder das Becken der Frau eng gebaut ist. Die Schleimhaut ist dann am Scheideneingang, den Schamlippen oder der Klitoris aufgeschürft, wund und gerötet. Die Wunden bluten leicht, sie nässen und schmerzen. Schürfwunden im Vaginalbereich werden gesäubert und heilen recht schnell innerhalb von wenigen Tagen.

Zur Unterstützung kann die Frau entzündungshemmende, wundheilungsfördernde Sitzbäder mit Zusatz von Kamille, Calendula-Urtinktur oder Gerbstoffen machen. Um die Schmerzen beim Wasserlassen zu verringern, kann man währenddessen handwarmes Wasser über die Wundflächen laufen lassen. Als Schüssler-Salz werden Ferrum-phosphoricum-Tabletten und aus der Homöopathie Calendula-Globuli empfohlen.

Kleinere Verletzungen können gut selbst behandelt werden (© Subbotina Anna – fotolia)Blutergüsse vorsichtig kühlen

Durch den Druck und die Spannung auf das Schleimhautgewebe können Blutgefäße während der Geburt einreißen. Sammelt sich das austretende Blut in der Haut, entwickelt sich z. B. an den Schamlippen, der Scheidenwand oder im Dammbereich ein Hämatom. Blutergüsse sind als Schwellung beim Sitzen und Laufen zu spüren. Schmerzen beim Wasserlassen und Stuhlgang können ebenfalls auftreten.

Hämatome bauen sich in der Regel von alleine wieder ab. Sind sie sehr groß, so dass sie die Funktion von Nerven, Muskeln und Blutgefäßen behindern, werden sie chirurgisch entfernt.

Um die Heilung zu beschleunigen, sollte die Frau die Schwellung vorsichtig kühlen, z.B. mit Tüchern oder Gelpads aus dem Kühlfach. Homöopathischer Klassiker bei stumpfen Verletzungen und Schwellungen sind Arnica-Globuli. Nach Schüssler helfen Ferrum-phosphoricum-Tabletten.

Schamlippenrisse werden genäht

Schamlippen können während einer Geburt einreißen, z.B. wenn die Geburt sehr schnell verläuft oder das große Köpfchen starken Druck ausübt. Blutende Risse werden sofort nach der Entbindung genäht, um Schmerzen, Infektionen und Narben zu verhindern.

Die Mutter spürt die Wunden in den ersten Tagen vor allem beim Sitzen, Gehen und Wasserlassen. Zur Nachsorge spült man den Intimbereich täglich mit lauwarmem Wasser und tupft oder föhnt ihn trocken. Calendula und Ferrum phosphoricum aus der Komplementärmedizin können darüber hinaus eingenommen werden.

In der Regel heilt die Schleimhaut nach einigen Tagen und die Fäden lösen sich von alleine auf. Bei anhaltenden Schmerzen und aufgehenden Nähten fragen Sie am besten die Hebamme um Rat.

Wenn Scheide, Gebärmutter oder Gebärmutterhals reißen

Eine Zangen- oder Saugglockengeburt und ein großer Kopf des Neugeborenen können die Scheidenwand zum Einreißen bringen. Dabei kann als schwere, selten vorkommende Form die Gebärmutter abreißen. Hier wird die Verletzung unter Vollnarkose genäht. Häufiger tragen die innere Schleimhaut der Vagina und der Dammabschnitt Risse davon. Sie werden unter örtlicher Betäubung zusammengenäht. Auch der Gebärmutterhals kann betroffen sein.

Reißen alle Gewebeschichten der Gebärmutter, sind Mutter und Kind akut gefährdet, so dass das Kind per Kaiserschnitt geboren und die Gebärmutter sofort operiert werden muss.

Dammrisse kommen häufig vor

Reißt der Gewebe-Abschnitt zwischen Scham und After, spricht man von einem Dammriss. Dabei unterscheidet man vier Schweregrade: Im Stadium I ist lediglich die Haut verletzt, im Stadium II ist auch die Dammmuskulatur betroffen. Hat der Riss den äußeren Schließmuskel des Afters erreicht, liegt Grad III vor. Bei Grad IV ist die Schleimhaut des Mastdarms verletzt. Die Häufigkeit von Dammrissen nimmt mit dem Schweregrad ab.

Bei schwerwiegenden Dammrissen kann auch der After betroffen sein (© fotolia-absolutimages)Viele Frauen erfahren während der Entbindung einen Dammriss ersten oder zweiten Grades, selten kommt es zu größeren Verletzungen dritten und vierten Grades, bei denen der After gerissen ist.

Ein Dammriss wird durch großen, rasch ansteigenden Druck auf das Unterleibsgewebe der Mutter begünstigt, z.B. bei einer schnell ablaufenden Geburt, durch ein großes Kind, durch zu starkes Pressen oder verkrampfte Muskeln im Dammbereich. Sehr selten kommt es während der Geburt zu einem Dammbruch, bei dem Eingeweide in einem Bruchsack im Dammbereich durch die Körperwand vorfallen.

So wird ein Dammriss behandelt

Kleine, oberflächliche Risse heilen von alleine. Bei größeren und tiefergehenden Rissen sowie bei einem Dammbruch wird das Gewebe schichtweise wieder zusammengenäht.

Kleine Nähte werden lediglich mit klarem Wasser gespült. Bei höhergradigen Dammrissen erhält die Mutter ein Antibiotikum, um einer Infektion vorzubeugen. Zusätzlich fördern kurze Sitzbäder mit Kamille, Calendula oder Gerbstoffen die Wundheilung. Kühlung lässt die Schmerzen und Schwellungen zurückgehen. Arnica, Calendula und Bellis perennis sind passende homöopathische Einzelmittel.

Die Mutter sollte auf einen weichen Stuhlgang achten, nicht schwer heben und den Beckenboden nicht belasten. Nach zwei bis drei Tagen sind die Wunden verschlossen und die Schmerzen deutlich geringer. Die endgültige Heilung dauert je nach Grad des Dammrisses einige Wochen.

Eine lockere Schambeinfuge bereitet Schmerzen

Während der Schwangerschaft lockern sich hormonell bedingt Gelenke, Bänder und Muskeln, um dem Kind genug Platz zu verschaffen. In seltenen Fällen können sich dabei die Schambeinfuge über die Maßen dehnen und die Iliosakralgelenke im Lendenwirbelbereich verschieben. Das kann zu einschießenden Rücken- und Schambeinschmerzen, Bewegungseinschränkung, zu Gehunfähigkeit und starken Geburtsschmerzen führen.

Auch nach der Entbindung klagen Frauen aufgrund einer Symphysenschädigung noch monatelang über Kreuz- und Beckenschmerzen. Um die Faserknorpel (Symphyse) zu stabilisieren, trägt die Frau einen Beckengurt. Zusätzlich helfen:

  • Wärme-Anwendungen
  • Ultraschallbehandlung
  • Schmerzstillung über Iontophorese
  • Beckenbodengymnastik

Die Komplementärmedizin empfiehlt homöopathischen Beinwell, nach Schüssler die Salbe Nr. 1 Calcium fluoratum sowie die Salze Nr. 2 Calcium phosphoricum und Nr. 7 Magnesium phosphoricum.

Um den Körper auf die Geburt vorzubereiten, gibt es viele nützliche Tipps (© vladimirfloyd)So kann man Geburtsverletzungen vorbeugen

Alle Maßnahmen, die den Geburtskanal dehnen und entspannen, können das Risiko für Geburtsverletzungen verringern:

  • Werdende Mütter massieren ab der 34. Schwangerschaftswoche den Damm mit pflegendem Öl.
  • Ab der 37. Woche werden Dampfsitzbäder mit Heublumen und Himbeerblättertee empfohlen, um den Muttermund weicher zu machen.
  • Geburtsvorbereitungskurse vermitteln Atem- und Entspannungstechniken für die Geburt.
  • Beckenbodentraining baut die Muskulatur auf und macht sie dehnfähiger.
  • Eine Geburt in aufrechter Haltung, vor allem eine Wassergeburt, entlastet den Damm.
  • Um einen Dammriss zu vermeiden, kann während der Geburt ein sauberer Dammschnitt durchgeführt werden.
  • Haben sich bei einer vorherigen Geburt schwere Geburtsverletzungen wie ein Dammriss vierten Grades ereignet, kann ein Kaiserschnitt erwogen werden.

liliput-lounge.de: Wir haben die Leserinnen gefragt, wann sie das erste Mal Sex nach der Geburt hatten. 42 Prozent haben erklärt, dass sie nach vier Wochen zum ersten Mal wieder Geschlechtsverkehr hatten. Ist dies Ergebnis für Sie überraschend?

Ann-Marlene Henning: Nein, das finde ich nicht ungewöhnlich. Denn ungefähr drei Wochen nach der Geburt sind die schlimmsten körperlichen Blessuren abgeklungen. Dinge wie Blutergüsse, kleine Risse aber vor allem Erinnerungen an den Schmerzen verschwinden allmählich. Die Gebärmutter bildet sich zurück und die Scheide hat sich längst wieder zusammengezogen.

Da kann es schon sein, dass man wieder an Sex denkt. Bei einigen Frauen ist es aber möglich, das ihr Wochenfluss nicht vorbei ist, da er bis zu sechs Wochen dauern kann. Das spricht zwar nicht unbedingt gegen Sex, aber man sollte eventuell ein Kondom benutzten.

Wann ist denn die beste Zeit, um das erste Mal nach der Geburt miteinander zu schlafen?


Eine einfache Antwort: Wenn beide frisch gebackenen Eltern es wollen! Manchmal kommt der Mann eher drauf, Sex haben zu wollen als die Frau. Sie fühlt sich vielleicht körperlich noch nicht ganz fit oder hat vielleicht sogar Angst vor Schmerzen bei der ersten Penetration. Die Geburt ist ja noch nicht lange her ist und sie muss erst wieder ein Gefühl für ihren Intimbereich entwickeln. Denn dass aus der Scheide ein Kind herausgekommen ist, ist irgendwie ein Wunder. Das Dehnen und Pressen ist noch nicht so schnell vergessen.

Wird sich denn der Körper der Frau irgendwann wieder wie vor der Geburt anfühlen?

Ganz ehrlich? Der Körper wird nie wieder der gleiche. Aber das muss nicht zum Problem werden. Viele Frauen machen sich viel zu viele Sorgen und befürchten beispielsweise, dass sich die Scheide durch die Geburt zu sehr geweitet hat. Vielleicht sind sie jetzt nicht mehr eng genug für den Penis?

Über diese Sorge kann jede Hebamme nur schmunzeln. Die Scheide ist sehr elastisch und zieht sich sehr schnell wieder zusammen! Das ist auch gut so. Untersuchen zu dem Thema belegen, dass Sexual-Therapeuten erklären: „Bislang hat sich darüber kaum ein Mann beschwert!“

Ein gut trainierter Beckenboden ist allerdings wichtig, damit sich Frau und Mann gut spüren können. Dann macht der Sex beiden noch mehr Spaß.
Mit Übungen für die Beckenbodenmuskulatur sollte spätestens nach der Geburt anfangen werden. Hebammen haben da gute Tricks. Mit spätestens meine ich, dass eigentlich sollte jede Frau möglichst früh ihren Beckenboden trainieren sollte – auch ohne eine Geburt – das sollte etwas so normales und alltägliches wie Zähne putzen sein.

Viele Frauen haben Angst, dass der erste Sex nach einer Geburt weh tun könnte. Müssen Frauen mit Schmerzen rechnen?

Wenn man zu früh anfängt, kann es schmerzhaft sein. Aber wie immer gilt: Hier hilft miteinander reden, vorsichtig anfangen und langsam probieren. Und rechtzeitig STOP sagen. Sonst kann es sein, dass die Frau anfängt sich zu verspannen. Dadurch könnte es dann noch mehr und länger weh tun, als nötig.

Manchmal kann es auch hormonbedingt etwas dauern, bis die Frau genau so schnell und gut in der Scheide feucht wird, wie vorher. Hier hilft ein schönes Gleitgel.

Und wie reagieren Männer? Ist der Sex nach der Geburt für sie anders?

Eigentlich nicht, es sei denn, man berücksichtigt den psychologischen Faktor. Meine Frau ist jetzt auch die Mutter meines Kindes. Oder das Kind schläft mit im Bett. Oder, oder, oder …

Zugegeben: Etwas ist schon anders: Nämlich die Brüste einer stillenden Frau. Größer. Und bei sexueller Erregung kann dann auch Milch austreten. Manche Männer finden das toll, andere gar nicht. Ähnlich geht es den Frauen, so dass einige ihre Brust in der Stillzeit zur Tabuzone für den Mann erklären.

Wenn eine Frau sich noch sehr unwohl köperlich fühlt, bekommt dies auch der Mann zu spüren – ansonsten fühlt sie sich für den Mann nicht wirklich anders an. Wenn ein Mann trotzdem etwas verändern möchte, mehr spüren möchte, kann auch er seinen Beckenboden trainieren oder er kann sich die lustigen (aber sehr wirkungsvollen!) Stoßtechniken in meinem Blog anschauen! Und ausprobieren: Da kann fast jeder etwas lernen.

Wie sollte denn das „erste Mal“ idealerweise sein?

In jedem Fall sollte genug Zeit dafür eingeplant werden und das braucht ein bisschen Vorbereitung. Am besten Oma und Opa buchen, oder Freunde fragen, ob sie das Kind für drei Stunden nehmen können.

Denn so bleibt wirklich der Raum sich als Paar wieder zu finden. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Bad? Und danach einer schönen Massage? Das kann Wunder wirken. Ich hätte da auch einen kleinen wissenschaftlicher Tipp: Lustigerweise kann gerade eine Fußmassage sexuelle Gefühle auslösen, weil im motorischen Cortex im Gehirn der Bereich für die Klitoris und der für die Füße sehr eng beieinander liegen. Es ist auf jeden Fall sehr entspannend.

Das ist ein wichtiges Wort für Frauen: Entspannung. Wie kann denn der Mann dafür sorgen

Mit Kerzenlicht, leise Musik, Nacken- oder Fußmassage und natürlich ganz viele kleine Küsse überall auf dem Körper. Viel Zuwendung und Liebe. Gerne anregendes Flüstern. Ja, hier sind die Männer tatsächlich gefragt: Weil Frauen sehr gut auf akustische Reize reagieren. Frauen hören sehr gerne wie lieb er sie hat. Wie toll sie immer noch aussieht. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Was tun, wenn ein Partner gar keine Lust hat? Eine Leserin ist schon ganz verzweifelt, weil ihr Mann auch ein halbes Jahr nach der Geburt einfach nicht mehr möchte.

Wenn ein Partner einfach gar nicht mehr Sex haben möchte, dann stimmt etwas nicht und das kann viele Gründe haben. Dann gilt es so schnell wie möglich rauszufinden, wo das Problem liegt, damit etwas dagegen getan werden kann. Manchmal ist dann Hilfe von Außen nötig. Über intime Dinge zu sprechen, kann schwer sein und wenn ein Partner enttäuscht ist, kommen schnell Vorwürfe und alles wird noch schlimmer. In jedem Fall aber muss man darüber reden.

Je länger ein Paar kein Sex hat, desto schwieriger wird es damit wieder anzufangen. Und weil dann beide frustriert sind, kommt es zu Reibereien im Alltag. Dann hat man eine Negativ-Spirale, die es gilt zu vermeiden.

Gibt es etwas, was Paare unbedingt vermeiden sollten?

Ja! Auf keinen Fall sich unter Druck setzten. Alles entspannt angehen. Und liebevoll. Eine Geburt ist eine wundervolle Sache, aber auch etwas sehr Tiefgreifendes, für Beide. Die jungen Eltern müssen erst lernen mit dem neuen kleinen Erdbürger umzugehen und auch mit den veränderten Lebensbedingungen. Es ist ein Neuanfang.

Ganz wichtig ist vielleicht noch eines: Bitte nicht das Ammenmärchen glauben, dass Stillen vor einer erneuten Schwangerschaft schützt. Das stimmt nicht! Wer wieder miteinander schläft, sollte auch verhüten. Es sei denn, die Familie soll sehr schnell erweitert werden.

Eltern sein – Liebespaar bleiben. Gibt es einen Rat, wie man von Anfang an, die Weichen richtig stellen kann?

Für den Sex schlage ich vor: Immer weiter küssen und gar nicht aufhören Sex zu haben. Weder in der Schwangerschaft noch kurz danach. Für die Zeit, wo keine Penetration möglich ist, können Paare damit experimentieren sich anders zu befriedigen. Der berühmte Blow-Job oder Hand-Job für beide sind da Alternativen. Und sich immer weiter streicheln, liebkosen und sich nahe sein.

Generell ist für eine Partnerschaft ist es in allen Bereichen ganz wichtig, ehrlich miteinander zu sein und Bedürfnisse aussprechen!

Eine Geburt verändert etwas, aber ist nicht das Ende von allem, sondern der Anfang von einer ganz neuen Art Glück.

Ann-Marlene Henning (46)

Die Hamburger Beziehungsberaterin ist gebürtige Dänin und Mutter eines Sohnes (17). Sie studierte zunächst Neuro-Psychologie in Deutschland und später in Kopenhagen Sexologie. Heute berät sie in ihrer Praxis Menschen zum Thema Partnerschaft und Sexualität. Mehr über ihre Arbeit und über die „schönste Sache der Welt“ berichtet sie auf ihrer Internet-Seite www.doch-noch.de.

Mit viel Humor präsentiert sie auch seit kurzem garantiert schmuddelfreie aber handfeste Tipps für Frauen und Männer auf ihrem eigenen TV-Blog: www.doch-noch.tv.

Wir freuen uns, dass Ann-Marlene Henning die liliput-lounge zukünftig als Expertin unterstützen wird. Freuen Sie sich mit uns auf aufregende Themen und interessante Einsichten. Wer mag, darf auch gerne Wünsche und Fragen an die Redaktion stellen. Denn wir möchten über das berichten, was die liliput-lounge Userinnen wirklich interessiert.

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