Kindstod wie lange

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Plötzlicher Kindstod (SIDS)

Der plötzliche Kindstod tritt meist im ersten Lebensjahr auf. Etwa 90 Prozent aller Fälle treten dabei in den ersten sechs Lebensmonaten auf; am häufigsten zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. In den ersten vier Lebenswochen und nach dem ersten Lebensjahr hingegen tritt SIDS kaum auf. Grundsätzlich kann es aber auch nach dem ersten Lebensjahr noch zum plötzlichen Kindstod kommen. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen. In Deutschland starben 127 Kinder im Jahr 2015 am plötzlichen Kindstod. Die Zahlen sind seit Jahren rückläufig. So starben im Jahr 1990 noch 1.283 Kinder am plötzlichen Kindstod. Es wird davon ausgegangen, dass die beeinflussbaren Risikofaktoren starken Einfluss auf diese Entwicklung haben.

In diesem Artikel lesen Sie:

  • Plötzlicher Kindstod: Ursachen
  • Endogene (nicht beeinflussbare) Risikofaktoren
  • Exogene (beeinflussbare) Risikofaktoren
  • Plötzlicher Kindstod: Bis zu welchem Alter besteht die Gefahr?
  • Gibt es Anzeichen, die den plötzlichen Kindstod ankündigen?
  • Was kann man bei Verdacht auf plötzlichen Kindstod tun?
  • Wie wird der plötzliche Kindstod festgestellt?
  • Dem plötzlichen Kindstod vorbeugen: die „3-R-Regel“
  • Ist eine spezielle Matratze sinnvoll?
  • Neue Studie nennt Schlaf im Elternbett als Risikofaktor
  • Schutzmaßnahmen im Überblick
  • Häufige Fragen zum plötzlichen Kindstod

Plötzlicher Kindstod: Ursachen

Die genauen Ursachen für den plötzlichen Kindstod sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Man vermutet multifaktorielle Ursachen. Das bedeutet, dass mehrere Faktoren und Umstände das Risiko für SIDS erhöhen. Einige dieser Risikofaktoren sind dabei bekannt. Sie werden in innere (endogene) und äußere (exogene) Risikofaktoren unterteilt.

Endogene (nicht beeinflussbare) Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod:

  • Frühgeburt, vor allem mit sehr niedrigem Geburtsgewicht
  • geringes Alter der Mutter
  • drogenabhängige Mutter
  • alleinstehende Mutter
  • Fehlbildungen von Organen
  • genetische Vorbelastung (Familiäre Häufung)

Exogene (beeinflussbare) Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod:

  • Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft
  • Rauchen in der Umgebung des Kindes
  • Bauchlage während des Schlafs
  • Überwärmung
  • Weiche Bettunterlage

Als weitere Risikofaktoren werden das Nichtstillen und vorangegangene Infektionen durch Bakterien oder Viren diskutiert. Ein direkter Zusammenhang mit dem plötzlichen Kindstod konnte bislang jedoch noch nicht nachgewiesen werden. Inzwischen gibt es auch Hinweise darauf, dass im Winter, vor allem in den Monaten Januar bis März, mehr Kinder am plötzlichen Kindstod sterben.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Baby am plötzlichen Kindstod verstirbt, steigt an, je mehr der oben genannten Risikofaktoren erfüllt sind. Sie lässt sich aber nicht berechnen, da trotz steigender Wahrscheinlichkeit trotzdem nicht zwangsläufig der Todesfall eintritt. Mit 127 Kindern jährlich (Stand: 2015) in Deutschland ist der plötzliche Kindstod immer noch vergleichsweise selten, wenngleich dramatisch.

Plötzlicher Kindstod: Bis zu welchem Alter besteht die Gefahr?

Der plötzliche Kindstod betrifft eher Babys unter einem Jahr. Statistisch gesehen besteht die höchste Wahrscheinlichkeit zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. Für Kleinkinder über einem Jahr ist die Wahrscheinlichkeit, am plötzlichen Kindstod zu versterben, äußerst gering.

Gibt es Anzeichen, die den plötzlichen Kindstod ankündigen?

Die allermeisten Säuglinge sterben nachts im Schlaf unbemerkt am plötzlichen Kindstod. Sie werden meist erst morgens leblos im Bett gefunden. Es gibt jedoch vorher einige Anzeichen, bei deren Auftreten umgehend ein Kinderarzt aufgesucht werden sollte:

  • Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten, vor allem an den Lippen
  • Starkes Schwitzen
  • Atemnot, flache Atmung und Atempausen des Babys
  • Schlaffe Muskulatur
  • Häufiges Erbrechen und Probleme beim Trinken

Bei Atemwegsinfektionen oder Fieber ist es ebenfalls ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Es ist wichtig, dass die Atemwege des Babys frei sind, damit es genügend Luft bekommt.

Was kann man bei Verdacht auf plötzlichen Kindstod tun?

Lassen sich noch Vitalfunktionen erkennen, ist eine sofortige Wiederbelebung erforderlich. Zunächst sind dies Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage. Der herbeigerufene Notarzt kann weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Babys einleiten.

Wie wird der plötzliche Kindstod festgestellt?

Zu den Untersuchungen, die nach dem Todesfall durchgeführt werden, gehört die Obduktion des Kindes und die Analyse der Todesumstände. Erst, wenn keine direkte oder indirekte Ursache gefunden werden kann, wird die Diagnose plötzlicher Kindstod gestellt. Wenn der Verdacht auf plötzlichen Kindstod besteht, kann nach Einverständnis der Eltern eine Obduktion durchgeführt werden. Diese ist in mehrfacher Hinsicht wichtig: Zunächst wird eine nicht natürliche Todesursache ausgeschlossen. Besonders für Eltern ist dies zur Verarbeitung des Geschehens wichtig. Die Erkenntnisse der Obduktion lassen sich außerdem zur Erforschung des plötzlichen Kindstods heranziehen.

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Dem plötzlichen Kindstod vorbeugen: die „3-R-Regel“

Da die genauen Ursachen für den plötzlichen Kindstod noch nicht eindeutig geklärt sind, lässt sich ihm nicht gezielt vorbeugen. Die äußeren Risikofaktoren sind aber beeinflussbar. Am wichtigsten ist dabei die Beachtung der 3-R-Regel: Rückenlage, Rauchfrei, Richtig gebettet. Die richtige Schlafumgebung kann helfen, SIDS zu verhindern. Dabei empfiehlt sich die Einhaltung einiger einfacher Regeln.

Welche Schlafumgebung wird empfohlen?

„Richtiges Schlafen“ spielt bei der Vorbeugung des plötzlichen Kindstod eine wichtige Rolle. Die ideale Schlafumgebung ist zunächst ein eigenes Bett im Schlafzimmer der Eltern. Besonders empfehlenswert sind Gitterbetten, da sie die Luftzirkulation im Bett nicht behindern. Babys benötigen kein Kissen und keine Zudecke – ein Schlafsack reicht völlig aus. Achten Sie darauf, dass der Halsausschnitt des Schlafsacks nicht größer ist als der Kopf des Babys, damit es nicht in den Schlafsack hineinrutschen kann. Auch auf eine Mütze oder andere Kopfbedeckung sollte verzichtet werden.

Der Verzicht auf Bettzeug schützt vor Überwärmung und stellt außerdem sicher, dass die Atmung nicht behindert wird. Ein „Nestbau“, also die Umpolsterung des Babys im Bett, ist ebenfalls nicht sinnvoll.

Die ideale Raumtemperatur beträgt 16 bis 18 Grad. Es ist ratsam, den Schlafraum regelmäßig zu lüften. Direkte Sonneneinstrahlung oder Heizungsnähe sollte vermieden werden. Es empfiehlt sich außerdem eine feste, luftdurchlässige Matratze mit glatter Oberfläche, die höchstens zehn Zentimeter dick ist. Wichtig ist außerdem die Schlafposition: Die ideale Position ist die Rückenlage. Schnuller sollen ebenfalls das Risiko für den plötzlichen Kindstod senken.

Ist eine spezielle Matratze sinnvoll?

Einige Hersteller werben mit speziellen Matratzen, die eine bessere Belüftung zulassen und damit über eine erhöhte Kohlendioxid-Durchlässigkeit verfügen. Solche Matratzen sollen vor dem plötzlichen Kindstod schützen. Dabei ist laut Stiftung Warentest nicht erwiesen, ob solche Matratzen wirklich das Risiko für den plötzlichen Kindstod reduzieren. Viel entscheidender ist, dass das Baby in Rückenlage schläft. Auch eine spezielle Matratze sollte Eltern nicht dazu verleiten, ihr Baby auf dem Bauch schlafen zu lassen.

Neue Studie nennt Schlaf im Elternbett als Risikofaktor

Ein internationales Forscherteam hat Daten aus europäischen Ländern und Neuseeland zum plötzlichen Kindstod untersucht. Die Daten wurden im Mai 2013 in einem renommierten Fachmagazin veröffentlicht. Dabei wurden aus 19 Ländern 1.500 Fälle von plötzlichem Kindstod mit 4.700 Kontrollfällen verglichen. Es wurde errechnet, dass acht von 100.000 Babys ohne erklärbare Ursache im Schlaf in ihrem Bettchen am plötzlichen Kindstod verstorben seien. Allerdings stieg die Zahl, wenn die Babys im Elternbett schliefen auf 23 von 100.000, auch wenn keine zusätzlichen Risikofaktoren vorhanden waren. Am stärksten gefährdet sind Säuglinge unter drei Monaten, die bei den Eltern im Bett schlafen. Experten raten daher, dass Baby von Anfang an im eigenen Bett schlafen zu lassen und auf das so genannte Co-Sleeping zu verzichten. Am sichersten schläft das Baby im Beistellbett im Elternschlafzimmer. Beispielsweise in den Niederlanden, wo eine öffentliche Kampagne vom gemeinsame Schlafen im Elternbett abriet, sank die Zahl der Fälle von plötzlichem Kindstod vom Jahr 2000 bis 2010 von zwölf auf neun pro 100.000 Neugeborene. In Deutschland lag die Zahl der Fälle vom plötzlichen Kindstod im Jahr 2011 bei 22 von 100.000 Kindern (147 Kinder Todesfälle durch plötzlichen Kindstod).

Schlafbekleidung

Es ist generell ratsam, Babys zum Schlafen nicht zu dick anzuziehen. In Innenräumen und während des Schlafs sollte auf eine Kopfbedeckung verzichtet werden, da Babys überschüssige Körperwärme über den Kopf nach außen leiten. Windel und Schlafanzug ist eine völlig ausreichende Schlafbekleidung.

Bereits während der Schwangerschaft kann Rauch das Ungeborene schädigen. Und auch später sollte selbstverständlich auf Rauchen in der Nähe des Babys verzichtet werden, nicht nur um das Risiko für den plötzlichen Kindstod senken.

Plötzlicher Kindstod: Schutzmaßnahmen im Überblick

  • Schlafen im Elternzimmer, aber nicht im Elternbett,
  • Schlafen in Rückenlage,
  • Verwendung eines Schlafsacks statt Decke,
  • Überwärmung vermeiden,
  • Verzicht auf Rauchen in der Wohnung,
  • Stillen (bis mindestens 4. Monat).

Zusätzlich ist es empfehlenswert für Eltern, wenn sie einen Erste-Hilfe-Kurs für Säuglinge besucht haben, damit sie im Ernstfall ihr Kind reanimieren können, bevor es tum plötzlichen Kindstod kommt.

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Häufige Fragen zum plötzlichen Kindstod/SIDS

Im Folgenden haben wir die häufigsten Fragen unserer Leserinnen zum plötzlichen Kindstod gesammelt und für Sie im Überblick beantwortet.

Warum stirbt ein Baby am plötzlichen Kindstod?

Die Ursachen für den plötzlichen Kindstod sind nach wie vor unbekannt. Das Phänomen gilt als multifaktorielles Geschehen: einzelne Faktoren allein oder in Kombination miteinander führen zum plötzlichen Herz-Atemstillstand: die Kinder versterben – für die Angehörigen unbemerkbar – im Schlaf. In den seltensten Fällen wird eine Obduktion des toten Kinds gemacht. Selten stellt sich bei der Obduktion heraus, dass das Kind an einer bislang nicht erkannten Krankheit erkrankt war – aber ob diese Erkrankung die Todesursache war, ist fast nie zu klären.

Leiden die Kinder, wenn sie am plötzlichen Kindstod sterben?

Die meisten Babys scheinen friedlich zu sterben – ohne Schmerzen und Stress. Einige sterben auch friedlich in den Armen der Eltern.

Sterben die Babys nur in der Nacht am plötzlichen Kindstod?

Nein. Der plötzliche Kindstod kann jederzeit und überall eintreten. Meist tritt der plötzliche Kindstod zwischen 10 Uhr abends und 10 Uhr morgens ein. Es gibt Babys, die sterben in den Armen der Eltern, aber meist werden die Babys tot in der Wiege oder im Kinderbett aufgefunden.

In welchem Alter ist das Risiko für den plötzlichen Kindstod am höchsten?

Der plötzliche Kindstod tritt meist zwischen dem ersten und vierten Lebensmonat eines Babys auf – selten im zweiten Halbjahr. In 90 Prozent aller Fälle sind die Babys jünger als sechs Monate.

Kann ich das Risiko mindern, dass mein Baby am plötzlichen Kindstod stirbt?

Ja, es gibt Möglichkeiten, um das Risiko für den plötzlichen Kindstod zu senken:

  • Legen Sie das Baby zum Schlafen auf den Rücken.
  • Es ist ratsam, dass beide Eltern mit dem Rauchen aufhören.
  • Erlauben Sie nicht, dass im selben Raum, in dem sich das Baby aufhält, geraucht wird.
  • Achten Sie darauf, dass das Baby nicht überhitzt und auf die richtige Schlafumgebung des Kindes.
  • Achten Sie darauf, dass sich das Baby nicht in der Bettdecke verfangen kann – ein Babyschlafsack ist optimal.
  • Falls Sie das Gefühl haben, dass es dem Baby nicht gut geht, nehmen Sie Kontakt zum Arzt auf.
  • Schlafen Sie nicht mit dem Baby in einem Bett – besonders, wenn Sie Stillen und Alkohol: Warum es nicht empfehlenswert ist getrunken oder Schlaftabletten eingenommen haben oder wenn Sie Medikamente nehmen, die Sie schläfrig machen.
  • Lassen Sie Ihr Kind zumindest in den ersten sechs Monaten im eigenen Bettchen im Elternschlafzimmer schlafen.
  • Schlafen Sie nicht mit dem Baby auf dem Sofa ein.
  • Stillen Sie Ihr Baby.
  • Wenn Ihr Kind einen Schnuller nimmt, geben Sie ihm diesen zum Schlafen.

Sind die Geschwisterkinder eines Kindes gefährdet, das den plötzlichen Kindstod gestorben ist?

Der plötzliche Kindstod tritt nur sehr selten bei Kindern auf, die älter als ein Jahr sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass die älteren Geschwister ein erhöhtes Risiko haben, ist somit gering. Falls Sie aber Zwillinge oder Drillinge haben, könnte es ratsam sein, die Geschwister vom Arzt untersuchen und eine Zeitlang beobachten zu lassen.

Stimmt es, dass Impfungen Schuld am plötzlichen Kindstod sind?

Nein, dafür gibt es bisher keinerlei Beweise, auch wenn es von Impfgegnern immer wieder gerne angeführt wird. Das Gegenteil ist vermutlich der Fall, denn laut neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen sind geimpfte Kinder seltener vom plötzlichen Kindstod betroffen. Eine angebliche japanische Studie zum Thema plötzlicher Kindstod und Impfen war nachweislich gefälscht, um die Behauptung zu untermauern, da es keine anderweitigen Belege gibt.

Kommt der plötzliche Kindstod nur in bestimmten Familien vor?

Nein. Weniger als ein Prozent der Fälle, in denen ein plötzlicher Kindstod auftritt, sind genetisch bedingt (z.B. durch einen Enzymdefekt). Es kommt sehr selten vor, dass der plötzliche Kindstod in einer Familie mehr als einmal vorkommt.

Gibt es eine Jahreszeit, in der der plötzliche Kindstod häufiger vorkommt?

Der plötzliche Kindstod tritt zu jeder Jahreszeit auf. Bis vor einiger Zeit wurde beobachtet, dass in den Wintermonaten ein wenig mehr Babys am plötzlichen Kindstod gestorben waren. Aber seitdem die Gesamtzahl der betroffenen Babys aufgrund der Forschungsfortschritte und der besseren Überwachungsmöglichkeiten zurückgeht, ist dieser Winterhöhepunkt fast verschwunden.

Was, wenn es uns wirklich trifft?

Plötzlicher Kindstod ist für betroffene Eltern ein harter Schicksalsschlag, der leider trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht immer verhindern lässt. Die Diagnose SIDS wird gestellt, wenn keine andere Todesursache ermittelt werden kann. Wichtig für Eltern ist zu wissen, dass sie keine Schuld tragen!

Kontakt zu anderen Betroffenen bekommen Eltern beispielsweise durch die Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Kindstod (GEPS) oder andere Selbsthilfegruppen.

Warum wird die Polizei eingeschaltet, wenn ein Kind plötzlich gestorben ist?

Sie wird eingeschaltet, weil es sich um einen ungeklärten Todesfall handelt. Die Polizei hat die Aufgabe, sich zu versichern, dass es sich hier nicht um ein Gewaltverbrechen handelt.

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Plötzlicher Kindstod: Alter, Häufigkeit und mögliche Ursachen

Plötzlicher Kindstod, auch SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) genannt, ist die häufigste Todesart von Kindern im ersten Lebensjahr. Während die Ursachen weiterhin nicht eindeutig geklärt sind, ging die Zahl an Todesfällen durch das Syndrom in den vergangenen Jahren zurück. Wichtige Informationen und Hinweise erhalten Sie im Folgenden.

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1. Plötzlicher Kindstod: Definition

Mediziner sprechen vom Plötzlichen Kindstod oder Sudden Infant Death Syndrom (SIDS), wenn ein Kind ohne vorangegangene gesundheitliche Probleme oder bekannte Erkrankung plötzlich verstirbt. In den meisten Fällen geschieht dies im Schlaf, ohne dass Ursachen erkennbar sind. Weitere Begriffe für das Syndrom sind „Krippentod“ oder „Plötzlicher Säuglingstod“.

2. Plötzlicher Kindstod: Zahlen und Statistiken

Der Plötzliche Kindstod betrifft Kinder zwischen dem achten und 365. Lebenstag. Laut dem Familienmagazin „Baby und Familie“ versterben die Kinder in drei Viertel der Fälle zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. Laut Angaben der Plattform „Kinder- & Jugendärzte im Netz“ des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte tritt Plötzlicher Kindstod nach dem Ende des ersten Lebensjahres so gut wie nicht mehr auf.

Kinder, die im elterlichen Bett schlafen, haben ein 20-fach erhöhtes Risiko, am SIDS zu versterben. Rund 90 Prozent der verstorbenen Säuglinge traf der Plötzliche Kindstod in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden.

Erfreuliche Entwicklung: Die Todesfälle durch Plötzlichen Kindstod sind dem Portal „Kindergesundheit-Info.de“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge bereits seit mehreren Jahren rückläufig. Waren es 1990 noch 1.283 Todesfälle, wurden im Jahr 2014 dagegen lediglich 119 Fälle verzeichnet.

3. Mögliche Ursachen von Plötzlichem Kindstod

Forscher gehen laut „kindergesundheit-info.de“ davon aus, dass eine Kombination verschiedener Faktoren den Plötzlichen Kindstod verursacht. So werden beispielsweise die Unreife des Atemantriebs oder eine schwere Erweckbarkeit in Betracht gezogen, die zu einem Atemstillstand führen können. Daneben gelten auch Enteroviren, die Herzmuskelentzündungen und -rhythmusstörungen hervorrufen können, als mögliche Ursachen für den Plötzlichen Kindstod.

Laut dem „Schleswig-Holsteiner Zeitungsverlag“ (SHZ) diskutieren Medizinern auch darüber, dass ein defekter Rezeptor im Gehirn das SIDS auslösen könnte. Dieser sei bei voller Funktion dafür zuständig, das Kind darauf aufmerksam zu machen, wenn der Kohlenstoffdioxidgehalt im Körper zu hoch ist – etwa dann, wenn das Kind in Bauchlage schläft und sich das Gesicht im Kissen befindet, die Atmung also eingestellt ist oder verhindert wird.

Dr. Michael Dördelmann zufolge, dem Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Flensburger Diakonissenkrankenhaus, kann die lebenswichtige Schnappatmung nicht einsetzen, wenn dieser Rezeptor seinen Dienst nicht verrichtet. Diese Hypothese sei bislang jedoch noch nicht bestätigt, so Dördelmann weiter.

4. SIDS vermeiden: Die 3-R-Faustregel

Auch wenn die genaue Ursache bislang nicht geklärt werden konnte, wurden dank einiger wissenschaftlicher Untersuchungen zahlreiche Risikofaktoren identifiziert. Die drei wichtigsten Regeln zur Vermeidung des Plötzlichen Kindstods sind in der „3-R-Faustregel“ zusammengefasst. Sie steht für ‚Rückenlage – Rauchfrei – Richtig gebettet‘. „Baby und Familie“ zufolge ist das Risiko bei einem Kind, das in Bauchlage gebettet wird, an SIDS zu sterben, sechsfach erhöht. Das Kind sollte daher unbedingt in Rückenlage schlafen. Im wachen Zustand dürfen Kinder durchaus auf den Bauch gelegt werden – so stärken sie ihre Rücken-, Nacken- und Halsmuskulatur und können mehr wahrnehmen.

Weiterhin ist es sehr wichtig, dass weder während der Schwangerschaft noch im Wohnraum geraucht wird.

5. Babyschlaf: Frische Luft, nicht zu warm

Auch Hitze stellt ein hohes Risiko für Babys dar. Ein Schlafsack oder eine leichte Decke gelten laut dem Verein Babyhilfe Deutschland als ideal für Babys. Dicke Decken dagegen können schnell zu Überhitzungen führen. Sie bergen auch die Gefahr, dass die Kinder unter ihr ersticken.

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Auf Kissen und Kuscheltiere sollte im ersten Lebensjahr im Bett ebenfalls verzichtet werden, da auch sie eine fehlende Belüftung begünstigen. Das Babybett sollte im Schlafzimmer der Eltern stehen, damit die Schlafposition und Atmung des Babys im Auge behalten werden kann. Außerdem sollte das Schlafzimmer regelmäßig gut gelüftet werden. Eine Temperatur von 16 bis 18 Grad ist laut dem Fachportal „9monate.de“ ideal.

Plötzlicher Kindstod (SIDS)

Auch Ärzte und Wissenschaftler kennen zwar verschiedene Risikofaktoren, die einen plötzlichen Kindstod (Sudden Infant Dead Syndrome, SIDS) nach sich ziehen können und gehen davon aus, dass dabei immer mehrere Einflüsse zusammenwirken – zu den entscheidenden Ursachen gibt es jedoch bis heute keine völlig schlüssige Erklärung.

Viele davon betroffene Kinder waren zuvor leicht krank oder auf andere Weise angeschlagen.

Im internationalen Vergleich stellte sich die Situation in Deutschland noch in den 1980er Jahren dramatisch dar. Seinerzeit starben in den alten Bundesländern pro Jahr etwa 1.300 Kinder an SIDS – so viele wie in kaum einem anderen Land.

Wissenschaftler begannen deshalb, die Lebensweise von am plötzlichen Kindstod verstorbenen Kindern mit der Lebensweise von Kindern, denen ein solches Schicksal nicht wiederfahren ist, zu vergleichen.

Ihre wichtigste Erkenntnis bestand darin, dass das Schlafen auf dem Rücken und das Schlafen in einem Babysschlafsack dem plötzlichen Kindstot verbeugt. Hebammen, Geburtskliniken und Kinderärzte haben in den letzten drei Jahrzehnten sehr viel dafür getan, um dieses Wissen publik zu machen – mit Erfolg:

Ein plötzlicher Kindstod traf nach einer Statistik der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2010 in Deutschland nur noch 164 Babys.

Plötzlicher Kindstod – in Deutschland heute selten, mit weiter sinkender Tendenz

Wichtig: Zum Thema SIDS gibt es eine sehr große Anzahl an Artikeln und Broschüren – viele Eltern verunsichern und ängstigen diese Informationen stark. Bitte machen Sie sich klar: Die von der BZgA publizierte Zahl bedeutet, dass von 1.000 Kindern nur 0,2 an einem plötzlichen Kindstod sterben – mit weiter sinkender Tendenz.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solch dramatisches Ereignis eintritt, ist also sehr gering. Die ersten Monate mit Ihrem Baby sollten Sie daher auf alle Fälle unbeschwert genießen. Trotzdem sollten Sie stets folgende Regeln beachten: Legen Sie das Baby zum Schlafen auf den Rücken in einen Schlafsack (keine Decke!) und rauchen Sie nicht im Haushalt!

Ungeklärte Ursache und Zusammenwirken mehrerer Faktoren

Im ersten halben Jahr nach der Geburt ist der Körper eines Kindes und seine Funktionen noch sehr zerbrechlich und anfällig für äußerliche Einwirkungen. 90 Prozent aller SIDS-Fälle ereignen sich in den ersten sechs Lebensmonaten, besonders riskant dafür sind der dritte und vierte Monat. 60 Prozent der Opfer sind Jungen. Besonders häufig ist ein plötzlicher Kindstod in der kalten Jahreszeit.

Ärzte und Wissenschaftler nehmen an, dass SIDS durch eine Atemstörung verursacht wird. Diese führt zu Sauerstoffmangel sowie einem verlangsamten Herzschlag – die CO2-Kontentration im Blut steigt an.

Normalerweise würde ein Baby mit Atemproblemen erwachen und diese normalisieren. Bei manchen Kindern aber hat der nun eintretende Sauerstoffmangel lediglich eine Schnappatmung zur Folge. Doch auch diese lässt die Kinder aus irgendeinem Grund nicht aufwachen und somit im Schlaf ersticken.

Nicht endgültig geklärt ist, was diese Atemschwäche auslöst. Viele SIDS-Forscher vermuten, dass bei den betroffenen Kindern das Atemzentrum im Gehirn noch nicht weit genug entwickelt ist, um in einem solchen Notfall die Atmung zuverlässig zu regulieren.

Manche nehmen an, dass dabei ein Mangel an Serotonin eine Rolle spielen könnte – der Gehirnbotenstoff beeinflusst nicht nur unser psychisches Wohlbefinden, sondern auch die Weckreaktion des Körpers. Bei manchen an SIDS gestorbenen Kindern, fanden Wissenschaftler am Herz Zelldefekte, die Einfluss auf den Herzschlag hatten.

Als weitere Ursache für den plötzlichen Kindstod kommt ein Defekt im Bereich des Stammhirns, der die Wahrnehmung von CO2 beeinflusst, in Frage. Andere Wissenschaftler konzentrieren sich auf Defizite bei der Steuerung des Blutdrucks:

Im Schlaf sinkt der Blutdruck automatisch ab – möglicherweise ist das Gehirn mancher Babys noch nicht fähig, einen solchen Blutdruckabfall auszugleichen und so die Blut- und Sauerstoffversorgung lebenswichtiger Organe abzusichern.

Bei diesen Erkenntnissen handelt es sich allerdings nur um Vermutungen, welche die Vorgänge, die zu SIDS führen, nicht ausreichend erklären. Als sicher gilt lediglich, dass ein plötzlicher Kindstod immer durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren verursacht wird.

Die wichtigsten Risikofaktoren für SIDS

Potentiell ist jedes Kind bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres gefährdet, einen plötzlichen Kindstod zu erleiden, im zweiten Halbjahr nimmt das Risiko dafür jedoch sukzessive ab. Experten gehen davon aus, dass folgende Faktoren die SIDS-Gefahr signifikant erhöhen:

  • Das Baby schläft auf dem Bauch – aus Sicht der Forscher verdoppelt sich dadurch das Risiko. Der Hustenreflex der Kinder funktioniert in Bauchlage nicht optimal. Im Schlaf Erbrochenes kann hierdurch eingeatmet werden. Außerdem schlafen Säuglinge in Bauchlage deutlich tiefer als auf dem Rücken. Wenn das Kind mit dem Kopf nach unten liegt, kann dies zu einem CO2-Stau zwischen Gesicht und Matratze führen – was problematisch wird, wenn es trotz des Sauerstoffmangels nicht erwacht.
  • Das Baby ist vor der 33. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen.
  • Sein Geburtsgewicht liegt unter 2.500 Gramm.
  • Es ist ein Zwilling oder Mehrling.
  • Ein Geschwisterkind ist bereits am plötzlichen Kindstod verstorben. (Aber – ganz wichtig – bei den Angaben der Wissenschaftler geht es hier um geringfügige statistische Wahrscheinlichkeiten – Sie haben vor diesem Hintergrund eine sehr gute Chance, dass sich weitere Kinder absolut gesund entwickeln!) Bei diesem Risiko besteht die Möglichkeit, eine Monitorüberwachung für zu Hause gestellt zu bekommen.
  • Die Eltern rauchen auch in der Umgebung ihres Kindes. Als besonders gefährlich gilt, wenn die Mutter bereits während der Schwangerschaft geraucht oder Drogen genommen hat.
  • Die Mutter war zum Zeitpunkt ihrer ersten Schwangerschaft noch keine 20 Jahre alt.
  • Während der Schwangerschaft hat die Mutter nur eine unzureichende oder gar keine Schwangerschaftsvorsorge erhalten.

Wie Sie das SIDS-Risiko Ihres Babys minimieren können

Sie selbst können einige Dinge tun, um das SIDS-Risiko Ihres Kindes zu vermindern. Mediziner und Wissenschaftler geben dazu folgende Empfehlungen ab:

  • Lassen Sie Ihr Baby möglichst ausschließlich in Rückenlage schlafen. Auch eine Seitenlage mit ausgestrecktem Arm, damit das Kind im Schlaf nicht auf sein Gesicht rollt, ist besser als die Bauchlage im Schlaf.
  • Auch wenn Schnuller nicht als förderlich für eine gesunde Entwicklung des Kindergebisses gelten – lassen Sie Ihr Baby wenn Sie nicht stillen bis zum Ende seines ersten Lebensjahres mit einem Schnuller schlafen.
  • Britische Wissenschaftler haben festgestellt, dass ein Schnuller die Gefahr eines plötzlichen Kindstods um 90 Prozent senken kann. Sie gehen davon aus, dass dieser verhindert, dass sich die Kinder im Schlaf die Luftzufuhr blockieren oder sich mit dem Gesicht in die Unterlage drücken. Außerdem vermuten sie, dass das Saugen die Entwicklung der Nervenbahnen im Stammhirn unterstützt.
  • Stellen Sie bereits vor oder spätestens mit dem Beginn der Schwangerschaft das Rauchen ein. Sorgen Sie für eine absolut rauchfreie Umgebung Ihres Babys.
  • Trainieren Sie im ersten halben Lebensjahr die Bauchlage mit Ihrem Kind im wachen Zustand – eine solche Säuglingsgymnastik stärkt die Muskulatur und kann Ihr Baby vor Atemstörungen schützen, falls es sich im Schlaf doch einmal in die Bauchlage drehen sollte.
  • Lassen Sie Ihr Kind auf festen flachen Matratzen ohne Daunendecken, Kissen oder Schaffell als Unterlage schlafen. Mehrere Studien vermuten einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten SIDS-Risiko und weichen Schlafgelegenheiten.
  • Verwenden Sie Matratzen aus atmungsaktivem Material und verzichten Sie auf wasserdichte Unterlagen oder Matratzenüberzüge.
  • Am besten schläft Ihr Kind in einem nicht zu stramm sitzenden Babyschlafsack. Legen Sie keine Stofftiere oder andere Kuschelsachen mit ins Babybett.
  • Vermeiden Sie eine Überhitzung Ihres Kindes durch zu warmes Bettzeug oder einen überheizten Raum. Die optimale Raumtemperatur im Schlafzimmer Ihres Babys liegt bei rund 18 Grad Celsius. Anzeichen dafür, dass es dem Kind zu warm ist, sind beispielsweise Schwitzen, feuchte Haare, Hitzepickel oder schnelle Atmung. Intervenieren Sie möglichst schnell bei Fieber.
  • Ob Ihrem Baby zu heiß oder zu kalt ist, können Sie an seinem Bauch, am Nacken oder zwischen den Schulterblättern fühlen.
  • Falls es Ihnen irgend möglich ist, stillen Sie Ihr Baby mindestens in den ersten sechs Lebensmonaten voll.
  • Nehmen Sie alle Vorsorgeuntersuchungen sowie die empfohlenen Impfungen wahr.
  • Gehen Sie zum Kinderarzt, wenn Ihr Baby Anzeichen von Unwohlsein oder Krankheitssymptomen zeigt.

Wenn der Ernstfall eintritt?

Wenn trotz aller Vorsicht ein plötzlicher Kindstod eintritt, ist er ein echter Schicksalsschlag, der sich durch nichts verhindern lässt. Diagnostiziert wird SIDS nur, wenn keine andere Todesursache – beispielsweise ein Herzfehler oder eine andere bisher nicht bekannte Krankheit – ermittelt werden kann. Die Eltern oder andere Betreuer tragen an dem tragischen Ereignis keine Schuld.

Rat, Hilfe und Kontakt zu anderen Betroffenen bekommen Eltern in einem solchen Fall unter anderem durch die Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Kindstod (GEPS). Auch Ärzte und Hebammen stehen ihnen bei der Verarbeitung des Ereignisses, soweit irgend möglich, aktiv zur Seite.

Plötzlicher Kindstod

Plötzlicher Kindstod: Vorbeugen

Leider kann man den plötzlichen Kindstod nicht verhindern. Allerdings gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko für ein SIDS senken. Als Gedächtnisstütze gelzen nach der derzeitigen lehrmeinung die „3 R“:Rückenlage zum Schlafen, Richtiges Bett, Rauchfreie Umgebung. Sie erfassen die wichtigsten Punkte der aktuellen medizinischen Leitlinien „Plötzlicher Kindstod“:

Legen Sie Ihr Kind zum Schlafen auf den Rücken

Die wirksamste Maßnahme gegen den plötzlichen Kindstod ist, das Baby zum Schlafen nicht auf den Bauch zu legen. Legen Sie es auf den Rücken. Ihr Kind kann in dieser Position gut atmen.

Je weniger Bettzeug, desto besser

Sie sollten außerdem keine zusätzlichen Tücher, Kopfkissen, Kuscheltiere oder Tierfelle mit ins Bett legen. Ihrem Kind kann es dadurch schnell zu warm sein. Außerdem kann es womöglich nicht mehr frei atmen. Achten Sie auf eine feste Schlafunterlage. So kann Ihr Kind nicht zu sehr einsinken. Vermeiden Sie auch Daunendecken und -kissen.

Verwenden Sie einen Schlafsack

Idealerweise legen Sie Ihr Kind zum Schlafen in einen Schlafsack. Dieser sollte eine altersentsprechende Größe haben. Er sorgt für eine gleichbleibende Temperatur. Vor allem verhindert er das Drehen in die Bauchlage, die den plötzlichen Kindstod begünstigt. Trotzdem kann Ihr Kind die Arme frei bewegen. Falls Sie keinen Schlafsack haben sollten, decken Sie das Kind mit einer flachen Decke zu und stecken diese gut fest. Dadurch kann sich das Kind nicht so leicht in das Bettzeug einrollen und mit dem Kopf unter die Decke rutschen.

Vermeiden Sie zu viel Wärme

Eine Raumtemperatur von circa 18 Grad Celsius ist für Ihr Kind völlig ausreichend. Noch dazu senkt es das Risiko für den plötzlichen Kindstod. Neben wenig Bettzeug sollte Ihr Kind auch in einem Gitterbett schlafen. Haben Sie keine Angst, Ihrem Kind könnte es zu kalt sein. Der bekannte Babyspeck ist ein besonderer Wärmespeicher, der für Säuglinge wie ein Durchlauferhitzer wirkt.

Lassen Sie ihr Baby in seinem Bett, aber nicht allein

Dieser Punkt wurde in der Vergangenheit als SIDS-Risikofaktor diskutiert. Manche Wissenschaftler glauben, dass das Mitschlafen des kleinen Kindes im elterlichen Bett das Risiko für einen plötzlichen Kindstod verringert. Eine Studie besagt allerdings, dass Neugeborene beim sogenannten Co-Sleeping sogar stärker vom plötzlichen Kindstod betroffen sein sollen.

Legen Sie deshalb Ihr Kind in ein getrenntes eigenes Bett und stellen Sie das neben Ihr Elternbett. So können Sie im Notfall rechtzeitig handeln und einem plötzlichen Kindstod vorbeugen.

Nehmen Sie die Vorsorgetermine wahr

Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, um mögliche Erkrankungen oder Entwicklungsstörungen beim Säugling früh zu erkennen. Außerdem kann Ihnen Ihr Kinderarzt nützliche Ratschläge zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstods geben. Anzeichen bekannter Krankheitssymptome sollten Sie ernst nehmen. Zaudern Sie auch dann nicht mit einem Besuch beim Kinderarzt. Denn Infekte erhöhen das SIDS-Risiko. Sie können also dem plötzlichen Kindstod vorbeugen, wenn Sie beispielsweise eine Erkältung richtig behandeln lassen.

Lassen Sie Ihr Kind dort auch gleich impfen. Manche Eltern stehen frühen Impfungen sehr kritisch gegenüber. Auch die Sorge, ein plötzlicher Kindstod könnte durch die empfohlenen Impfungen begünstigt werden, wird immer wieder formuliert. Für einen solchen Zusammenhang gibt es aber keinen wissenschaftlichen Beleg. Im Gegenteil bedeutet ein guter Impfschutz auch einen verbesserten Schutz vor dem Plötzlichen Kindstod.

Stillen und Schnuller könnten schützen

Auch wenn man den Grund nicht genau kennt: Mehrere Studien haben gezeigt, dass der Schnuller das Risiko für den plötzlichen Kindstod im Durchschnitt um bis zu 30 Prozent senkt. Den Nutzen erklärt man sich dadurch, dass das Saugen am Schnuller die oberen Atemwege trainiert und erweitert. Außerdem schlafen Babys dadurch weniger tief. Sie sollten Ihrem Baby den Schnuller aber nicht aufzwingen.

Die medizinischen Leitlinien zum plötzlichen Kindstod empfehlen auch, dass Sie Ihren Säugling im ersten Lebensjahr stillen. Und zwar so lange es Ihnen möglich ist. Früher vermutete man, ein Schnuller verringere den Stillerfolg. Nach Untersuchungen meint man heute: Beide Maßnahmen gemeinsam senken das Risiko für den plötzlichen Kindstod.

Rauchfreie Umgebung!

Rauchen erhöht das Risiko für den plötzlichen Kindstod. Rauchen Sie also weder während, noch nach der Schwangerschaft. Das gilt auch für den Vater, Verwandte und Freunde, die sich in der Nähe des Säuglings oder der Schwangeren aufhalten. Nur in einer rauchfreien Umgebung können Sie Ihr Kind effektiv schützen und die Wahrscheinlichkeit für den plötzlichen Kindstod verringern.

Wiederbelebungsmaßnahmen lernen

Als Vorstufe des plötzlichen Kindstodes gilt der sogenannte Sterbeanfall (ALTE, „apparent life threatening event“). Früher wurde diese Notfallsituation auch Near-SIDS genannt. Dabei atmet und bewegt sich das Kind nicht mehr (Atemstillstand, Muskelhypotonie). Das Herz schlägt zu langsam (Bradykardie) und der Säugling läuft bläulich an (Zyanose). Wird der leblose Säugling früh genug entdeckt, können Reanimationsmaßnahmen das Kind vor einem plötzlichen Kindstod bewahren. In speziellen Kursen können Eltern diese Wiederbelebungsmaßnahmen erlernen. Nach einem solchen Zwischenfall ist das SIDS-Risiko jedoch deutlich erhöht.

Risikokinder überwachen

Das Risiko für den plötzlichen Kindstod ist auch bei Kindern mit bekannten Atemstörungen erhöht. Manche Ärzte empfehlen daher, das betroffene Kind mit einem Heim-Monitor zu überwachen. Dabei überwacht der Monitor lebenswichtige Funktionen des Neugeborenen wie Atmung und Herzfrequenz. Eltern sollten aber im Umgang mit den Geräten gut geschult und über deren Aussagekraft aufgeklärt werden. Denn Fehlalarme stören das Kind und beunruhigen die Eltern unnötig. Ohne fachkundigen Beistand raten Experten von dieser Überwachungsform ab. Außerdem ist nicht erwiesen, inwieweit das Kind durch die intensivere Überwachung vor einem plötzlichen Kindstod geschützt ist.

Auch wenn Eltern bereits ein Kind am plötzlichen Kindstod verloren haben, ist das Risiko für ein folgendes Geschwisterkind erhöht. Eine Überwachung mit Monitor ist jedoch nicht empfohlen. Viel eher raten Ärzte zu regelmäßigen medizinischen Kontrollen. Vermeiden die Eltern Risikofaktoren, schützen sie ihren Säugling noch besser vor einem plötzlichen Kindstod.

Update 05.06.2018: Weiterführende Informationen rund um den Plötzlichen Kindstod gibt es in einer eigens dafür eingerichteten Ecke. Genauer auf das Thema Plötzlicher Kindstod und Elternbett gehe ich hier ein.

Eltern eint immerhin eine Erfahrung. Wird ihr Baby müde, so passiert eine Gemeinheit: als werde ein unsichtbares Gummi angespannt, zieht es das Baby auf einmal mit Macht zu seiner wichtigsten Vertrauensperson. Sein „Bindungssystem wird aktiviert“, wie die Entwicklungspsychologie sich ausdrückt. Es will kuscheln, sagen die einen Eltern. Es hat möglicherweise eine Schlafstörung, mutmaßen die anderen.

Immerhin kann die Verhaltensforschung den Grund für dieses seltsame Verhalten benennen: über 99% der menschlichen Geschichte hätte ein Baby, das ohne Protest einfach alleine eingeschlafen wäre, den nächsten Morgen nicht erlebt. Es wäre von Hyänen verschleppt oder bei einem nächtlichen Temperatursturz unterkühlt worden. Und weil das Betriebssystem der Kinder nicht mit jeder Generation neu formatiert wird, suchen leckere kleine Menschenkinder bis heute die Nähe eines vertrauten Erwachsenen, wenn sie müde werden.

Und damit beginnt das Problem vieler Eltern. Darf ein Säugling denn überhaupt im Bett seiner Eltern schlafen? Oder droht ihm dort vielleicht – der Plötzliche Kindstod?

Diese Frage treibt Eltern nun schon seit Jahrzehnten um, und sie wird bis zu diesem Tag auch unter Wissenschaftlern, Kinderärzten, Hebammen und Stillberaterinnen heiß und kontrovers diskutiert.

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Jetzt liegt dazu eine neue Studie des Britischen Kindstod-Forschers Peter Blair vor, und sie ist in mancherlei Hinsicht bemerkenswert. Denn sie beruht zum einen auf sehr guten, aktuellen Daten. Und sie setzt zum zweiten direkt an der wohl wichtigsten Frage der Eltern an, nämlich: schläft unser Baby gefahrlos im Elternbett, wenn wir bestimmte Risiken vermeiden, wie etwa Rauchen oder Alkoholkonsum?

Und die Studie kommt, zum Dritten, zu einer eindeutigen Antwort: werden die bekannten Risikofaktoren vermieden, so ist das Schlafen mit einem Baby unbedenklich.

Der Stand der Debatte

Bevor ich mich aber näher zu der Studie äußere, will ich kurz auf die Debatte rund um das geteilte Elternbett (in der Fachliteratur auch bed sharing oder co-sleeping genannt) in Deutschland eingehen. Denn sie ist ebenfalls bemerkenswert, in mehrerlei Hinsicht.

  • Zum einen stehen in der Diskussion weniger die Informationen im Vordergrund als vielmehr die Emotionen. „Die meisten Mütter kennen die Situation“, heisst es etwa bei Spiegel online. „Das Baby wacht nachts auf und will trinken. Die Mutter nimmt es zu sich, stillt, beide schlafen ein. Das passiert, weil die Übermüdung groß ist, weil die körperliche Nähe das Kind beruhigt, weil es einfach schön ist. Und es passiert, obwohl mittlerweile viele Eltern wissen, dass ihr Kind ein größeres Risiko für den plötzlichen Kindstod hat, wenn es mit ihnen in einem Bett schläft.“ Welch grauenhafte Vorstellung: Einmal seinem Herzen folgen – und schon ist es passiert!
  • Anders als etwa in Großbritannien oder der Schweiz gibt es in Deutschland für Eltern von ärztlicher Seite kaum Unterstützung, die ihr Kind bei sich im Bett schlafen lassen wollen. Während die Schlafempfehlungen bei Unicef UK oder bei der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie auch Ratschläge zum sicheren Elternbett enthalten, liegt die Informationshoheit in Deutschland oft bei privaten Vereinen, wie etwa der Babyhilfe Deutschland, die sich in Elternmagazinen unter der Rubrik „Sicher und Geschützt“ dann etwa so zu Wort meldet: „Kinder, die in den ersten drei Monaten im Elternbett schlafen, haben ein 20-fach erhöhtes SIDS-Risiko.“ Eltern können solche Aussagen weder einordnen (ist das belegt?) noch überprüfen (woher stammt die Information?).
  • Zum Dritten scheint die Debatte um den „sicheren“ Schlafort in Deutschland durch eine weitere, ebenfalls emotionale Frage befrachtet – die Frage nach dem „richtigen“ Schlafort. Für viele in Deutschland tonangebende Experten, wie etwa die Psychologin und Autorin Annette Kast-Zahn („Jedes Kind kann schlafen lernen“), gehören Babys ins eigenes Bettchen – das sei Teil einer Erziehung zur Eigenständigkeit. In wieder anderen Kreisen gilt das Schlafen mit einem Baby sogar als „Verwöhnung“. Eltern, denen das geteilte Elternbett als normaler, wünschenswerter Teil des Familienlebens erscheint, sind damit in einer echten Klemme: die öffentliche Diskussion und Expertenmeinung wird oft von denen dominiert, die ihrem eigenen Lebensstil als Familie ablehnend gegenüber stehen – und die mit dem „Sicherheitsargument“ dann doch das gewichtigste Wort für sich in Anspruch nehmen. Auch Annette Kast-Zahn stützt sich in ihrer populären Schlaffibel auf „Sicherheitsexperten“ – diese würden das Schlafen mit einem Baby wegen einer möglichen „Überhitzung“ als gefährlich ansehen.
  • Vielleicht erklärt diese Verquickung eine seltsame Tatsache: in der öffentlichen Diskussion rund um den Plötzlichen Kindstod ist viel und sehr emotional von den Gefahren des Elternbettes die Rede – von den möglichen Gefahren eines eigenen Zimmers dagegen haben viele Eltern noch nie gehört. Dabei sind sich die SIDS-Forscher schon seit Jahrzehnten einig, dass ein in einem eigenen Zimmer schlafendes Baby ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für den Plötzlichen Kindstod hat. Auch die Psychologin Annette Kast-Zahn, die diesen Zusammenhang eigentlich kennen sollte, findet es „hilfreich“, wenn die Eltern ein Baby vom Elternzimmer ins eigene Kinderzimmer verfrachten – urplötzlich richtet sie sich hier nicht mehr nach dem Rat der „Sicherheitsexperten“. Auch die populäre Berichterstattung scheint auf die möglichen Gefahren geradezu abonniert. Kaum vorstellbar, dass etwa ein deutsches Leitmedium die oben zitierte Geschichte in dieser Fassung bringen würde: „Die meisten schwangeren Mütter kennen die Situation: man richtet in Gedanken schon das Kinderzimmer für den Nachwuchs ein, die zart blauen Vorhänge, den Wickeltisch, das Bettchen. Das passiert, weil die Vorstellung von einem solchen trauten Nest einfach schön ist. Und es passiert, obwohl mittlerweile viele Eltern wissen, dass ihr Kind ein größeres Risiko für den plötzlichen Kindstod hat, wenn es in einem eigenen Zimmer schläft.“

Kurz: Die Debatte um die Gefährlichkeit des Elternbetts in Deutschland ist von Zutaten geprägt, die eine echte Debatte erschweren: Ängste, Emotionen, kaum nachprüfbare Informationen. Mit der schlimmsten Sorge, die Eltern haben können, nämlich dass sie ihr Kind schädigen könnten, wenn sie ihrem eigenen Herzen folgen, stehen viele Eltern in Deutschland heute alleine da.

Der Stand der Forschung

Dass die Frage „Wo soll mein Baby schlafen?“ bei Eltern als erstes Angst und Sorge auslöst, steht in einem merkwürdigen Kontrast zu den Entwicklungen in der SIDS-Forschung, die eigentlich in den letzten Jahren viel Grund zu Entspannung, ja, zu Optimismus liefert, und das in mehrfacher Hinsicht:

  • Die SIDS-Fälle haben deutlich abgenommen – sie kommen heute 10 mal seltener vor als noch vor 25 Jahren. Verstarben im Jahr 1991 in Deutschland noch 1286 Babys am Plötzlichen Kindstod, so waren es im Jahr 2012 nur noch 131. Und das nicht etwa, weil das geteilte Elternbett aus der Mode gekommen wäre – diese Praxis ist heute nicht seltener als damals. Auch in anderen OECD-Ländern sind die Zahlen um etwa 90% gesunken. Das heisst: Der Plötzliche Kindstod ist noch immer eine reale Gefahr – aber er ist zu einem sehr seltenen Ereignis geworden.
  • Die Daten zeigen außerdem das immer gleiche Muster: Praktisch alle SIDS-Fälle sind heute mit bestimmten, grundsätzlich vermeidbaren Risiken verbunden: die betroffenen Babys wurden in den weitaus meisten Fällen nicht gestillt (es ist schon seit längerem bekannt, dass Stillen das SIDS-Risiko um etwa 50% senkt), ihre Mütter sind zumeist Raucherinnen, oder es sind Alkohol, Drogen oder Schlafmittel im Spiel. Oder das Baby wurde in einer unsicheren Schlafumgebung gebettet – etwa auf einer Coach. Oder es wurde in Bauchlage ins Bettchen gelegt. In vielen neueren Studien lässt sich praktisch kein SIDS-Fall mehr finden, bei dem nicht ein besonderes, meist vermeidbares Risiko vorgelegen hätte.
  • Die SIDS-Forschung dreht sich deshalb heute immer öfter um eine ernst zu nehmende Frage. Könnte es vielleicht sein, dass die rigiden Empfehlungen gegen das geteilte Elternbett selbst zu einer Gefahr für die Babys werden? Etwa, weil manche Mutter das nächtliche Stillen als so anstrengend empfindet, dass sie eher damit aufhört? Oder weil sie ihr Kind nachts dann vielleicht in einer unsicheren Umgebung stillt, wie etwa auf einem Sessel – und dort mit dem Baby einschläft? Und, so fragen etwa Entwicklungspsychologen und Bindungsforscher – was bedeutet die Angst vor dem gemeinsamen Schlaf für Familien, deren Baby im eigenen Bettchen einfach unruhig und unzufrieden ist? Wird dadurch nicht der sowieso belastende Übergang ins Familienleben noch schwieriger als er ohnehin schon ist? Wird dadurch nicht vielleicht der Aufbau eines wichtigen „Entwicklungskapitals“ erschwert, nämlich einer sicheren, verlässlichen Beziehung?

Warum ist die Diskussion so willkürlich?

Und obwohl ich weiß, dass ich nun endlich auf die eingangs angeführte Studie eingehen sollte, muss ich hier noch einmal auf den wissenschaftlichen Hintergrund der „Elternbett-Frage“ zu sprechen kommen. Denn nur wer die Schwierigkeiten kennt, mit denen die Forschung bei der Klärung dieser Frage zu kämpfen hat, kann verstehen, warum auch die Wissenschaft oft genug mehr Nebel produziert als Klarheit. Warum immer wieder Studien durch die Presse getrieben werden, die dann von anderen Wissenschaftlern umgehend heftig kritisiert werden (ein solches Beispiel stellt etwa die Studie des SIDS-Forschers Carpenter dar, die im Jahr 2013 Aufsehen erregt hat – aber trotz offensichtlicher Mängel bis heute oft zitiert wird). Nur wer um die Begrenzungen solcher Studien weiß, wird Verständnis dafür aufbringen, dass es zum Plötzlichen Kindstod zwar viele „Ergebnisse“ gibt – aber genauso viele Meinungen, wie diese denn zu interpretieren sind.

Dabei ist die Ausgangssituation zur Frage SIDS und Elternbett eigentlich sonnenklar. Sie ist gut messbar, und sie ist unter allen SIDS-Forschern unstrittig: in den modernen Industrieländern versterben Babys im Elternbett etwa zwei bis drei mal so häufig am Plötzlichen Kindstod als wenn sie im eigenen Bett im Schlafzimmer der Eltern schlafen.

Nur: genau so klar ist etwas zweites. Unter der Flagge „Elternbett“ segeln sehr unterschiedliche Dinge. Schlafen im „Elternbett“ bedeutet für das eine Baby, dass es bei seiner stillenden Mutter liegt, die weder raucht, noch Alkohol, Drogen oder Schlafmittel zu sich genommen hat. Ein anderes Baby ist im Elternbett vielleicht Zigarettenrauch ausgesetzt. Oder einer alkoholisierten Mutter. Oder einer Mutter, die von Marihuana benebelt ist. Oder das Baby könnte dort bei einem Menschen zu liegen kommen, der gar nicht seine Mutter ist, sondern – der Babysitter. Oder das „Bett“ in dem es mit seiner Mutter schläft, könnte vielleicht gar kein Bett sein – sondern ein Sofa. Oder ein Sessel, auf dem Baby und Mutter beim Stillen eingeschlafen sind. Oder das Baby könnte im Bett der Mutter gelandet sein, weil es den ganzen Tag quengelig war und vielleicht eine Krankheit ausbrütet. Kurz: es gibt nicht „das Elternbett“ – es gibt deren viele.

Und damit steht die Wissenschaft vor einem erheblichen Problem: wie kann sie diesen Knäuel an unterschiedlichen Bedingungen, die da herrschen, entwirren? Die Eltern interessieren sich ja nicht für abstrakte Statistik, sondern für ihren eigenen, persönlichen Fall – und fragen dann zum Beispiel: Ist der gemeinsame Schlaf auch dann gefährlich, wenn ich als Mutter „alles richtig mache“ – also nicht rauche, nicht von Alkohol, Schlafmitteln oder Drogen benebelt bin und mein Baby auf einer Unterlage bette, auf der es nicht in einen Graben rutschen kann, wie etwa auf einem Sofa, einem Sessel, oder einem Wasserbett?

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Die Preisfrage für die Wissenschaft aus praktischer Sicht ist also die: Ist das gemeinsame
Schlafen an sich gefährlich? Oder sind bestimmte Umstände für das erhöhte Risiko im Elternbett verantwortlich? Letzteres wäre ja schon deshalb plausibel, weil im Elternbett viele schädigenden Einflüsse auf das Baby deutlich direkter und damit stärker wirken als wenn das Baby in einem eigenen Bett liegt – man denke nur an Zigarettenrauch oder an die Auswirkungen von zu viel Alkohol. Für ein Baby, das in seinem eigenen Bettchen schläft, macht es ja nicht einmal einen großen Unterschied, wenn die Mama hier und da einmal einen Joint raucht – für ein Baby das nachts neben ihr kuschelt aber unter Umständen sehr wohl.

Und genau dieses „Entwirren“ ist in Wirklichkeit eine extrem schwierige Herausforderung für die SIDS-Forschung. Denn die beste und sicherste Methode, die Wissenschaftler zur Klärung komplexer Fragen verwenden, kann bei der Erforschung des Plötzlichen Kindstods nicht angewendet werden: das Experiment. Etwa ein Experiment nach dem Muster: alle an einem geraden Datum geborenen Babys schlafen bei ihrer Mutter, die an einem ungeraden Datum Geborenen im eigenen Bett. Und dann ändert man noch in jeder Gruppe systematisch die Schlafbedingungen – die eine Gruppe von Müttern etwa raucht, die andere nicht… Und vergleicht dann in den auf diese Weise gebildeten Gruppen die Häufigkeit des Plötzlichen Kindstods… Natürlich ist das unmöglich.

Stattdessen ist die Forschung beim Plötzlichen Kindstod auf Analysen im Nachhinein angewiesen. Sie untersucht deshalb die Kindstod-Fälle und versucht herauszufinden, unter welchen Umständen das tragische Ereignis passiert ist. Dazu bekommen die betroffenen Eltern zum Beispiel einen Fragebogen zugeschickt, in dem sie – oft aus dem Rückblick mehrerer in Trauer und Verzweiflung verbrachter Wochen – schildern sollen, welche Umstände in der Todesnacht vorgelegen haben. Etwa, ob in der Todesnacht geraucht worden war, wie das Bett beschaffen war, ob Alkohol im Spiel war und wenn ja, wie viel. Und so weiter. Um diese Einflüsse statistisch bewerten zu können, erhalten gleichzeitig andere, mehr oder weniger zufällig ausgewählte Eltern gesunder Kinder denselben Fragebogen zugeschickt. Anschliessend wird dann durch statistische Methoden ermittelt, welchen Faktoren möglicherweise ein ursächlicher Einfluss zugeschrieben werden kann.

Dass die Methodik solcher Fall-Kontroll-Studien, wie sie auch genannt werden, problematisch ist, steht außer Zweifel. (Ich habe mich zu den damit verbundenen Schwierigkeiten vor einiger Zeit in einer Zeitschrift für Kinderärzte geäußert.) Die Interpretation wird umso unsicherer, je lückenhafter die Auskünfte sind, die den Forschern zur Verfügung stehen. So enthalten gerade ältere Studien oft nur wenig Daten etwa über einen möglichen Drogen-Konsum der Eltern, und oft ist nicht einmal bekannt, ob ein Baby gestillt wurde oder nicht (Stillen wirkt als Schutzfaktor gegen SIDS). Auch ob ein verstorbenes Baby das Bett etwa mit der Mutter geteilt hat oder mit einem „Non-caregiver“ (Babysitter) ist vielfach nicht dokumentiert. Und nur in den wenigsten Studien wird unterschieden, ob das Baby routinemäßig bei der Mutter schläft, oder ob es nur in der Todesnacht bei den Eltern geschlafen hat (wenn Kinder nur ausnahmsweise mit ins Bett der Eltern genommen werden, könnten besondere Umstände vorliegen, die für den Tod mit verantwortlich sind). Wie sehr es auf solche feinen Unterschiede ankommt, zeigt eine Analyse aus Deutschland, in der sich für die regelmäßig im Elternbett schlafenden Babys kein erhöhtes SIDS-Risiko ergab, für die ausnahmsweise ins Bett genommen Babys dagegen sehr wohl. Gerade für die Frage der Sicherheit des Elternbetts sind möglichst vollständige Daten zu den möglichen Einflussfaktoren entscheidend – fehlende Daten führen nämlich aus statistischen Gründen dazu, dass das Risiko des geteilten Elternbett überschätzt wird.

Die neue Studie

Nun aber endlich zu der neu erschienenen Studie zur Sicherheit des Elternbetts. Der britische SIDS-Forscher Peter Blair hat dabei zwei englische Studien zu insgesamt 400 SIDS-Fällen ausgewertet, die sich durch einen vollständigen Datenbestand zu drei wichtigen Einflussfaktoren auszeichnen: Zigarettenrauchen, Alkoholkonsum und Ernährung des Babys (gestillt oder nicht gestillt).

Bei der ersten Analyse zeigte sich zunächst der bekannte Zusammenhang: wurden alle Fälle zusammen analysiert, so war der geteilte Schlaf tatsächlich deutlich gefährlicher als der Einzelschlaf – beim geteilten Schlaf war das SIDS Risiko mehr als drei mal höher.

Wurden aber in der Statistik nur diejenigen Kinder betrachtet, die in einem Bett (also nicht auf einem Sofa oder Sessel) bei nicht rauchenden, nicht trinkenden Eltern schliefen – so war deren Schlaf insgesamt genauso sicher wie der von Babys, die im eigenen Bett im Zimmer der Eltern schliefen. Bei den älteren (über drei Monate alten) Babys war sogar ein Schutzeffekt des Elternbetts zu beobachten – sie hatten ein niedrigeres SIDS-Risiko als die im eigenen Bett im Zimmer der Eltern schlafenden Babys.

Und das im Elternbett angeblich „20-fach“ erhöhte SIDS-Risiko bei den unter drei Monate alten Babys? Diese aus einer älteren, zurecht vielfach kritisierten Studie abgeleitete Zahl hat sich nicht bestätigt. Auch in der hier vorgestellten Studie konnte zwar ein möglicherweise leicht erhöhtes Risiko für die kleineren Babys nicht ausgeschlossen werden – rein rechnerisch lag es für die unter 3 Monate alten Babys im Bereich des 1,6-fachen. Allerdings war dieser Wert statistisch nicht signifikant, das heisst, es lässt sich keine Aussage darüber treffen, ob diese leichte Erhöhung wirklich auf das geteilte Elternbett zurückgeführt werden kann, oder ob das an anderen Einflüssen liegt. Hier wäre zum Beispiel an einen möglichen Drogenkonsum zu denken, der in der neuen Studie bewusst ausgeklammert wurde, da hierzu keine voll-ständigen Daten vorlagen (damit wird in dieser Studie die „Gefährlichkeit“ des Elternbetts eher über- als unterschätzt). Ebenso wurde in die Ergebnisse nicht eingerechnet, ob ein Baby routinemäßig im Bett der Eltern schlief oder nur aus einem besonderen Anlass – auch aus diesem Grund handelt es sich bei den vorliegenden Ergebnissen eher um konservative, die „Gefährlichkeit“ des Elternbetts eher überschätzende Angaben.

Mit großer statistischer Aussagekraft bestätigt die Studie dagegen eindrücklich, wie sehr bestimmte Einflüsse die Sicherheit des gemeinsamen Schlafens beeinträchtigen. So schlägt sich das Schlafen bei einem rauchenden Elternteil für den unter 3 Monate alten Säugling in einem immerhin 9-fach erhöhten SIDS-Risiko nieder. Beim Schlaf mit einer alkoholisierten Person tritt der Plötzliche Kindstod 18 mal häufiger auf, und beim gemeinsamen Schlafen auf einem Sofa ist das Risiko ebenfalls etwa 18 fach erhöht.

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Besonders interessant und wichtig erscheint mir deshalb die Diskussion, die Prof. Blair anregt. Er schildert die Ausgangslage selbst so: „In our study (..) a number of families whose infants died informed us that they had been advised not to bed-share and thus fed the infant (and fell asleep) on a sofa.“ Auf Deutsch: „In unserer Studie haben uns mehrere von einem Todesfall betroffene Eltern mitgeteilt, man hätte ihnen geraten, das Baby nicht mit ins Bett zu nehmen und sie hätten deshalb ihr Kind auf dem Sofa gefüttert (wo sie dann eingeschlafen seien).“ Es ist also an der Zeit, dass wir den pauschalen Ratschlag gegen das Elternbett auf den Prüfstand stellen: sorgt inzwischen vielleicht die rigide Informationspraxis etwa der kinderärztlichen Verbände selbst dafür, dass Babys in Gefahr geraten? Dass dies eine reale Möglichkeit ist, zeigen die Daten dieser Studie.

Wir müssen darüber reden

Denn gerade die Eltern, die sich eigentlich ein Familienbett wünschen und dafür auch alles „richtig“ machen wollen, fühlen sich in Deutschland zwischen ihrer eigenen Präferenz und den „offiziellen“ Empfehlungen regelrecht zerrissen. Eltern übernehmen nun einmal Verantwortung, und damit steht für sie immer auch die Frage nach einer möglichen „Schuld“ im Raum: was wenn etwas passiert? So wie die Diskussion bisher läuft, sind immer diejenigen, die ihr Baby zu sich nehmen, die potenziell Schuldigen – schließlich hat man sich ja nicht an die Empfehlungen gehalten. Verstirbt dagegen ein Baby im eigenen Bett, so lautet die Frage ja doch eher, was wohl an dem Baby nicht in Ordnung gewesen ist.

Die Studie von Peter Blair zeigt, dass wir diese Frage ergänzen müssen, und zwar dringend: Was ist vielleicht an den derzeitigen Schlafempfehlungen in Deutschland nicht in Ordnung? Warum stellen sie das Schlafen mit einem Baby noch immer unter Generalverdacht – statt die Eltern über das zu informieren, was wirklich bekannt ist und auch unter den Wissenschaftlern unstrittig ist: dass das geteilte Elternbett für ein Baby dann ein erhöhtes Risiko bedeuten kann, wenn die Eltern rauchen, Alkohol trinken, Drogen oder Schlafmittel nehmen, wenn das Baby bei Nicht-Pflegepersonen schläft, wenn das Bett nicht babygerecht ist (Sofa, Wasserbett, zu weiche Matratzen, Federbetten etc), wenn das Baby in Bauchlage schlafen gelegt wird, wenn es sich um ein frühgeborenes Baby handelt oder wenn das Baby nicht gestillt wird (letzteres gilt womöglich nur im ersten Lebenshalbjahr).

Vielleicht ist eine solche differenzierte Beratung schwieriger als pauschale Aussagen zu treffen. Für die Eltern aber macht diese Mühe einen entscheidenden Unterschied. Als Familie mit einem Baby zu leben, ist für sich genommen schon Herausforderung genug. Da gehört jeder Rat, der Angst und Unsicherheit verbreitet, unbedingt und immer wieder auf den Prüfstand.

(Dieser Beitrag wurde auf dem Blog „Kinder verstehen“ veröffentlicht, er darf ohne Nachfrage verbreitet oder abgedruckt werden.) Ein darauf aufbauender Fachartikel kann hier aufgerufen werden.)

Wissenswertes über den plötzlichen Kindstod (SIDS)

Die Ursachen für den plötzlichen Kindstod (engl. Sudden Infant Death Syndrom, abgekürzt: SIDS) sind bisher nicht zweifelsfrei geklärt. Säuglinge im Alter von 1 bis 6 Monaten sind am häufigsten von SIDS betroffen, mit 3 bis 4 Monaten ist das Risiko am höchsten. Jungen sind häufiger betroffen, als Mädchen. Im Winterhalbjahr und in der zweiten Nachthälfte sterben überdurchschnittlich viele Kinder an SIDS. Statistisch sind laut Bundesgesundheitsministerium 0,3 von 1000 Kindern betroffen, die Schätzungen der Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod (GEPS) sprechen von 1 von 1000 Kindern. Nach Vollendung des 1. Lebensjahres ist die Gefährdung des Kindes durch den plötzlichen Kindstods signifikant verringert.

Folgende Symptome können ein Zeichen sein, dass ein Kind möglicherweise SIDS gefährdet ist:

  • übermäßiges Schwitzen
  • häufige Atemstillstände > 15 Sekunden
  • sehr blasses Gesicht
  • bläuliche Verfärbung um die Mundpartie
  • verfrühtes Durchschlafen (länger als 6 h) vor dem 6. Monat
  • verminderte Aufwachreaktion (= tiefer und fester Schlaf)

Wie funktioniert das Atmen im Schlaf?
Der Mensch atmet Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus. Die Konzentration dieser Stoffe wird von sogenannten Chemorezeptoren, die in den Blutgefäßen sitzen, gemessen. Sinkt die Sauerstoffkonzentration im Blut unter einen Mindestwert ab, wird diese Information von den Chemorezeptoren an das Gehirn weitergeleitet, wir atmen schneller, Pulsschlag und Herztätigkeit nehmen zu, der Blutdruck steigt. Gleiches passiert, wenn die Kohlendioxidkonzentration im Blut zu hoch ist.

Während des Schlafes wechseln sich Traumphasen (= aktiver Schlaf) und Tiefschlafphasen ab. Je tiefer ein Mensch schläft, desto mehr ist sein Bewusstsein vermindert, die Herztätigkeit nimmt ab und die Atemfrequenz ist umso abhängiger von der gesunden Funktion der Chemorezeptoren.

Der Atem schlafender Babys folgt keinem regelmäßigen Rhythmus, sondern ist periodisch, das bedeutet, dass es immer wieder zum Atemstillstand (Apnoe) kommt, der bis zu 15 Sekunden, manchmal sogar bis zu 20 Sekunden, andauern kann. Der Herzschlag sinkt, die Sauerstoffkonzentration im Blut fällt auf ein sehr niedriges Niveau. Manche Babys atmen nach einem Atemstillstand im Schlaf automatisch weiter (Atemstimulation), manche erwachen (Aufwachreaktion) und die bewusste Atmung setzt wieder ein. Im Alter von etwa 6 Monaten nimmt der Anteil an periodischem Atmen deutlich ab, die Babys atmen regelmäßiger und die Herztätigkeit und der Kreislauf sind stabiler.

Untersuchungen in Schlaflabors haben ergeben, dass während der Traumphasen (aktiver Schlaf) Atmung und Herzschlag des Menschen stimuliert werden. Reife Neugeborene haben einen Anteil von etwa 50 % aktiven Schlaf (Vergleich: 2-jähriges Kind 25 %, Jugendliche 20 %). Dieser hohe Anteil an aktivem Schlaf, so schließen die Wissenschaftler, würde erklären, warum Neugeborene nicht von SIDS betroffen sind. Eine weitere Hypothese ist die, dass das häufige Aufwachen von Babys ein natürlicher Schutzmechanismus gegenüber SIDS ist. Erst, wenn der kindliche Organismus reif genug ist, die automatischen Atemmechanismen sicher zu beherrschen, beginnen Kinder durchzuschlafen. Junge Babys, die schon sehr früh durchschlafen und eher unsensibel auf äußere Reize reagieren, also sogenannte einfache Babys, durchwandern weniger aktive Phasen während des Schlafes, als Kinder mit sensiblerem Temperament. Die Forscher warnen davor, den Schluss zu ziehen, dass diese Kinder deswegen ein erhöhtes Risiko haben, an SIDS zu sterben, meinen aber auch, wenn bereits andere SIDS-Risikofaktoren vorliegen (Erklärung, siehe unten), vermag ein einfaches Temperament möglicherweise das SIDS-Risiko zu erhöhen.

Faktoren, die das SIDS-Risiko erhöhen:

  • Nicht stillen
  • Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft, Passivrauchen des Babys nach der Geburt
  • Bauchlage des Kindes, während des Schlafs. Neueste Forschungsergebnisse warnen ebenso vor der Seitenlage, weil sie instabil ist und das Baby in die Bauchlage kommen kann
  • Überwärmung durch zu hohe Raumtemperaturen, zu warme Kleidung/zu weiche Unterlagen, voluminöse Bettdecke und Kopfkissen

Bei Kenntnis dieser Faktoren lässt sich das SIDS-Risiko des Babys durch seine Eltern einfach reduzieren:

  • Stille dein Baby möglichst voll, bis zur Vollendung des 6. Monats
  • Verzichte auf das Rauchen in der Schwangerschaft und achte zumindest darauf, dass dein Kind sich ausschließlich in rauchfreier Umgebung aufhält
  • Lege dein Baby zum Schlafen auf den Rücken
  • Achte darauf, dass die Raumtemperatur im Schlafzimmer nachts nicht über 18 °C ansteigt
  • Ziehe dein Kind zum Schlafen nicht zu warm an. Body und Schlafanzug genügen in der Regel.
  • Ein Fell gehört nicht ins Kinderbett. Kein Kopfkissen oder Stillkissen, als sogenanntes Nestchen.
  • Das Baby sollte im Schlafsack schlafen, statt mit einer Bettdecke zugedeckt zu werden.

Weltweit sind sich alle Experten hinsichtlich der Erkenntnisse über das Schlafverhalten von Babys sowie der SIDS-Risikofaktoren einig. Unterschiedliche Empfehlungen gibt es allein zum Schlafort.
Während in Deutschland bisher einheitlich davor gewarnt wird, das Baby zum Schlafen mit ins Elternbett zu nehmen (siehe z. B. die Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e.V.)
gibt es in den USA beide Auffassungen, sowohl Pro Elternbett (Mother and Child Co-Sleeping), als auch Contra. Allerdings, in einem Punkt herrscht dann doch wieder Einigkeit: mindestens bis zur Vollendung des 6. Lebensmonats des Kindes, sollte es nicht im eigenen Zimmer schlafen, sondern im selben Raum, wie die Eltern. In einer Broschüre vom Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.* wird sogar empfohlen, dass ein Kind 2 Jahre im selben Raum, wie die Eltern schlafen sollte.

Die Gegner des Familienbetts argumentieren:

Beim gemeinsamen Schlafen im Elternbett ist das Kind sowohl durch Überwärmung, als auch durch Ersticken (z. B. wenn der Kopf des Kindes unter die Bettdecke rutscht) gefährdet. Eltern, die Rauchen oder Alkohol und andere Drogen konsumieren, sollten nicht gemeinsam mit ihren Kindern im Bett schlafen! Drogen vermindern die Körperwahrnehmung und -kontrolle, was dazu führen kann, dass das Kind von einem Elternteil im Schlaf erdrückt wird. Das Schlafen des Kindes im eigenen Bett, aber im selben Zimmer wie die Eltern, wird befürwortet, weil vermutet wird, dass

  • die Aufmerksamkeit der Eltern während des Schlafes für das Kind erhöht ist und so sofort helfend eingegriffen werden kann, z. B., wenn das Kind erbricht
  • die Atemgeräusche der Eltern wirken sich auf das Schlafmuster der Babys positiv aus, d. h. Kinder, die im selben Raum, wie die Eltern schlafen, schlafen nicht so tief und werden wahrscheinlich durch den äußeren Reiz stimuliert, weiter zu atmen.

Die Argumente für das Familienbett sind:

  • stillende Mütter, die gemeinsam mit ihrem Baby schlafen, haben mehr aktive Schlafphasen (sie erreichen die vierte oder tiefste Schlaphase nicht), der aktive Schlaf ist bei ihren Babys ebenfalls erhöht, insbesondere durch das häufige Saugen an der Brust, das bedeutet, Babys Sauerstoffgehalt im Blut, Aufwachreaktion und Sensibilität für äußere Reize sind erhöht
  • die Atemgeräusche der Mutter animieren das Baby zum Weiteratmen
  • gute Wärmeregulierung durch Körperkontakt
  • häufiges Stillen in der Nacht erhöht den immunologischen Schutz, gerade in der kritischen Phas hinsichtlich SIDS im 3. – 6. Monat wichtig
  • das Hormon Prolaktin, dem ein erhöhtes Bewusstsein der Mutter für die Signale ihres Babys zugeschrieben wird, ist durch das gemeinsame Schlafen erhöht
  • Hautberührung gilt als Atemstimulans
  • Stillen und viel Körperkontakt fördert die gesamte kindliche Entwicklung, also auch die Reifung des Herz-Lunge-Kreislaufsystems

Empfehlungen für das sichere Schlafen im Elternbett:

  • Eltern sollten nicht mit ihren Kindern in einem Bett schlafen, wenn sie rauchen oder Alkohol oder Drogen konsumiert haben
  • Das Bettzeug sollte zur Größe der Matratze passen
  • Die Matratze sollte genau in das Bett passen (keine Lücken zwischen Matratze und Bettgestell)
  • Das Gesicht des Babys darf nicht durch lose Kissen oder Decken verdeckt werden
  • Es darf kein Spalt zwischen dem Bett und der angrenzenden Wand sein, so dass das Baby hinunterrollen und eingeklemmt werden könnte
  • Das Baby sollte nicht auf dem Bauch liegen

Quellen:

– Schlafen und Wachen, Dr. William Sears

– Dr. James J. McKenna, Professor of Anthropology, Director of the Center for Behavioral

– Studies of Mother-Infant Sleep, Notre Dame University

– Drei in einem Bett, Deborah Jackson

– Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e.V.

– Die optimale Schlafumgebung für Ihr Baby, Herausgeber Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

– Schlaf – Auf die Plätze fertig los, Barbara Walcher

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