Kindern den tod erklären

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Wie erkläre ich Kindern den Tod?

Wenn ein naher Angehöriger stirbt, sind Kinder oft irritiert und erschüttert. Sie verstehen die Welt nicht mehr. Ein sensibler Umgang kann den Trauerprozess erleichtern.

Eine Situation, die früher oder später in jeder Familie eintritt: Ein geliebter Mensch stirbt, z.B. ein Großelternteil, und die Eltern stehen vor der Herausforderung, ihren Kindern begreiflich zu machen, was passiert ist. Mag. Vera Wimmer, Gruppenleiterin bei Rainbows und zuständig für dieses Thema, schickt voraus: „Das Modell für die Trauer der Kinder sind die nahen Bezugspersonen, in diesem Fall also die Eltern.“ Wie die Eltern die Trauer leben, beeinflusst die Kinder. Wichtig sei vor allem, die richtigen Worte zu verwenden. „Der Opa ist gestorben und kann nicht wiederkommen. Es muss klar sein, dass man mit dem Opa jetzt nie wieder spielen kann.“ Wenn es für die Eltern stimmig ist, kann der Opa auch im Himmel sein. Keinesfalls jedoch sollten der verstorbenen Person pädagogische Aufgaben zugeteilt werden. Etwa: „Der Opa würde sich jetzt bestimmt sehr freuen, wenn Du alles aufisst. Du weißt ja – er schaut Dir vom Himmel aus zu.“

Prinzipiell können und sollen Kinder jeden Alters in die Abschieds- und Begräbnisfeierlichkeiten einbezogen werden. So wissen und spüren die meisten sehr genau, ob sie den Verstorbenen nochmals sehen und ob sie beim Begräbnis dabei sein möchten. Allerdings muss man die Kinder gut vorbereiten, damit sie sich vorstellen können, was sie erwartet und damit sie z. B. auch vorher Zeichnungen für den Verstorbenen malen oder Blumen aussuchen können. Während des Begräbnisses selbst sollten die Kinder von einer vertrauten Person begleitet werden, die selbst nicht so emotional belastet ist. Wimmer: „Kinder müssen nicht zwangsläufig geschont werden. Sie haben ihre eigene Art seelische Belastungen auszugleichen. Wenn es ihnen zu viel wird, fangen sie an zu spielen oder ziehen sich aus der Situation zurück.“ Das sollte ihnen ermöglicht werden.

Schwierig wird es oft, wenn ein Elternteil sterben wird oder auch plötzlich aus dem Leben gerissen wird. „Ich höre bei meiner Arbeit sehr oft die Wörter ,unfair´ oder ,gemein´. Die Kinder sind frustriert, fühlen sich hilflos und reagieren aggressiv.“ Manchmal kommt es zu veränderten Verhaltensweisen. Kinder wollen beispielsweise zurück ins elterliche Bett, sie leiden an Schlafstörungen oder erstarren emotional. Wimmer: „Das Unnormale muss in so einer Ausnahmezeit normal sein dürfen. Die Kinder müssen sich erst an die veränderte Lebenssituation anpassen.“ Wichtig sei es, die Kinder bei diesem Prozess einfühlsam zu begleiten. Wenn die verstorbene Person für einen Lebensbereich des Kindes besonders wichtig war, wäre es schön, wenn ein anderer Erwachsener sich anbieten könnte. Falls der verstorbene Papa mit seinem Jungen regelmäßig Fußball gespielt hat, kann es dem trauernden Kind helfen, wenn sich dafür jemand zur Verfügung stellt.

Vier Punkte sind wichtig:

  • die Fragen der Kinder zum Tod der Person altersgemäß zu beantworten, so gut man es weiß und kann;
  • ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie Erinnerungen und Verbundenheit mit der Person weiterpflegen können;
  • Offen für Gespräche über Traurigkeit, Wut, Angst, Schuldgefühle zu sein;
  • ihnen eine Zukunftsperspektive und Hoffnung zu geben;

Hier kann auch Rainbows weiterhelfen. Wimmer: „Wir freuen uns, wenn uns Menschen anrufen, und sei es auch nur um abzuklären, ob sie mit dem Thema kindgerecht umgehen. Sich hier Bestätigung zu holen, schafft Sicherheit und das ist sehr wichtig.“ Unmittelbar nach einem Verlust ist es sinnvoll mit einer Einzel- oder Familienbegleitung zu beginnen, mit etwas Abstand zum Todesfall ist es Kindern auch möglich, an einer Gruppe teilzunehmen. „Hilfreich ist dabei, dass die Kinder erkennen, dass sie nicht die einzigen sind, die jemanden sehr vermissen. Sie lernen auch von einander und erkennen so ein Licht am Ende des Tunnels. Sie finden mit den anderen gemeinsam schöne und stärkende Rituale, so dass der verstorbene Mensch einen stimmigen Platz in der Lebensgeschichte eines jeden Kindes behalten kann.“

K I N D E R T R A U E R

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Kindertrauer / Kinderfragen

Kinder trauern anders – ihre Trauer kommt in Wellen und nicht in Phasen
Kinder erleben den Verlust eines nahestehenden Menschen oft ganz anders als die Erwachsenen. Je nach Altersstufe gehen sie sehr unterschiedlich mit dem Verlust um. Ihre Reaktionen verunsichern oder irritieren die Erwachsenen, da manchmal der Eindruck entsteht, die Kinder würden gar nicht trauern. Dies ist aber nicht so. Kinder trauern anders. Es ist wichtig, sie in ihrer Trauer so anzunehmen, ihnen beizustehen und ihnen zu helfen.
Folgende Punkte sind sehr häufig zu beobachten: Ganz plötzlicher Wechsel von Traurigkeit zu Spiel und Spaß, Schlafstörungen, Alpträume, Rückgang von Schulleistungen, Gereiztheit und Launenhaftigkeit, starke Trennungsängste, Rückkehr von bereits abgelegten Verhaltensweisen (z. B. Daumenlutschen, Bettnässen), große Angst um die noch lebenden Angehörigen, Übernahme der Aufgaben des Verstorbenen, Vorwürfe gegen sich und andere. Schuldgefühle (subjektives Schuldempfinden).
Jüngere Kinder sind meist noch nicht in der Lage, die Komplexität des Todes zu verstehen bzw. haben sehr eigene Vorstellungen davon. Für manche ist ‘tot sein’ nur ein langer Schlaf, von dem man ja irgendwann wieder aufwacht. Oder es ist nur eine lange Reise, von der man wieder zurückkommen wird. Dies führt dazu, dass die Kinder häufig den Verstorbenen suchen oder der Meinung sind, er müsse doch jetzt dann wieder aufwachen. Dies ist wichtig zu wissen, da man gerade jüngeren Kindern sehr genau erklären sollte, was ‘tot sein’ bedeutet (siehe hierzu auch unter “Kinderfragen”).
Ältere Kinder haben meist schon ein besseres Verständnis über Tod und Vergänglichkeit. Häufig glauben sie jedoch, an dem Tod in irgendeiner Weise schuld zu sein. Zu Lebzeiten des Verstorbenen aus Wut gesagte oder gedachte Aussprüche wie z. B. “Ich will Dich nie wiedersehen”, auch wenn diese schon einige Zeit zurückliegen, haben plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Auch entwickeln die Kinder, vor allem wenn sie zu wenig Informationen erhalten, ganz eigene (und teils extreme) Phantasien über das Todesereignis oder den Tod selbst. Bei Jungen beobachtet man häufiger, dass sie ihre Gefühle eher zurückhalten bzw. nicht wissen, wie sie diese ausdrücken sollen.
Was Kinder brauchen. Kinder brauchen Informationen. Dies ist ein sehr wichtiger und bedeutsamer Punkt. Kinder haben das Recht zu erfahren, was passiert ist. Sie sollten kindgerecht und umfassend über die Umstände des Todes informiert werden (auch bei Suizid!). Man sollte den Kindern in Ruhe und immer wieder erklären, was geschehen ist – und was die nächsten Schritte sind. Es ist ganz wichtig, die Kinder (sofern sie es wünschen) bei den wichtigen Dingen, die im Zusammenhang mit dem Tod bzw. dem Verstorbenen stehen, mit einzubeziehen (vor allem bei der Abschiednahme, der Gestaltung der Trauerfeier usw.).

Abschiednahme
Hier reagieren viele Erwachsene sehr verunsichert. “Soll ich meinem Kind das zumuten”, lautet eine häufig gestellte Frage. Oft hört man auch: “Die Kinder sollen den Verstorbenen so in Erinnerung behalten, wie sie ihn zu Lebzeiten gekannt haben”. Das ist allerdings nicht das, was Kinder brauchen. Die meisten Kinder wissen und spüren sehr genau, ob sie den Verstorbenen nochmals sehen möchten. Deshalb ist es wichtig, sie ernst zu nehmen und ihren Wunsch zu respektieren.Ganz wichtig ist, die Kinder darauf vorzubereiten, ihnen also in Ruhe und kindgerecht zu erklären, wie es dort aussieht, wie es sich anfühlt, was man tun kann, was andere tun werden. Ebenso wichtig ist es, dass die Kinder jederzeit eine “Fluchtmöglichkeit” haben, also z. B. die Aussegnungshalle jederzeit verlassen können. Hierfür sollte eine weitere Bezugsperson bereit stehen, damit das Kind dann draußen nicht alleine ist. Kinder müssen begreifen (und das im wahrsten Sinne des Wortes), dass der Mensch gestorben ist. Nur so können auch sie wirklich trauern. Anderenfalls kann man häufiger beobachten, dass vor allem jüngere Kinder noch längere Zeit den Verstorbenen suchen bzw. glauben, er würde wiederkommen, da sie der Meinung sind, im geschlossenen Sarg, der dann zu Grabe getragen wird, wäre ja gar keiner bzw. wäre jemand anders. Deshalb ist die Abschiednahme am offenen Sarg so wichtig, auch wenn es für alle Beteiligten sehr schmerzhaft und traurig ist. Bedenken Sie: Wenn Sie sich dafür entscheiden, dass Ihr Kind den Verstorbenen nicht mehr sehen soll, dann kann man dies später nicht mehr rückgängig machen. Nehmen Sie sich also genügend Zeit für Ihr Kind, sprechen Sie in Ruhe mit ihm und erklären alles kindgerecht – und hören dann auf den Wunsch Ihres Kindes. Genau so machen es ja auch die Erwachsenen – jeder entscheidet für sich, ob er/sie den Verstorbenen nochmals sehen möchte.
So können Sie den Kindern helfen. Vermitteln Sie Ruhe und Zuverlässigkeit. Bewahren und fördern Sie die alltäglichen Rituale. Geben Sie den Kindern die Möglichkeit, durch freies Spielen oder Malen der eigenen Trauer Ausdruck zu geben (aber bewerten Sie dies nicht). Geben Sie den Kindern ganz viel Geduld, Liebe, Aufmerksamkeit und Verständnis. Bewahren Sie Erinnerungen und vermeiden Sie unnötige Änderungen im Tagesablauf. Signalisieren Sie den Kindern, dass sie jederzeit kommen können, wenn sie erzählen oder weinen möchten. Zeigen Sie selbst auch Ihre persönlichen Trauerreaktionen vor den Kindern, denn hierdurch können sie lernen, dass es wichtig ist, die eigene Trauer nicht zu unterdrücken. Oft kann es hilfreich sein, wenn Sie sich bei der Trauerbegleitung Ihrer Kinder helfen lassen, denn die Kinder können mit Außenstehenden leichter über ihre Gefühle sprechen (bzw. diese äußern), als den selbst betroffenen Angehörigen gegenüber.

Was Kinder fragen
Kinder sind von Natur aus sehr neugierig und wollen erfahren, wie die Dinge des Lebens funktionieren. So ist auch das Thema Tod für Kinder in bestimmten Phasen sehr von Interesse. Leider ist der Tod in unserer Gesellschaft ein Tabu-Thema, erst recht wenn es darum geht, mit Kindern darüber zu sprechen. Viele Erwachsene sind der Meinung, dass dies nichts für Kinder sei – und dass man sie davor bewahren sollte. Es ist häufig das Verhalten und Verdrängen der Erwachsenen, welches Kinder daran hindert, einen natürlichen Umgang mit Sterben und Tod zu erlernen und zu erfahren.
In der Realität sieht es so aus, dass fast jedes Kind schon während der Kindheit mit Tod und Trauer konfrontiert wird: Die Großeltern versterben, ein Todesfall ereignet sich in der Nachbarschaft, das geliebte Haustier stirbt.
Natürlich sind wir als Eltern bemüht, unsere Kinder zu beschützen, sie nicht in Angst und Sorge aufwachsen zu lassen. Das ist richtig und wichtig. Aber wir dürfen ihnen nicht etwas vorenthalten, mit dem sie auf jeden Fall konfrontiert werden – früher oder später.
Mit Beginn unserer Geburt (und eigentlich schon davor) ist es unwiderruflich festgelegt, dass wir auch sterben werden. Ein Gedanke, mit dem sich keiner gerne auseinandersetzen möchte. Das ist schon in Ordnung. Aber wir sollten auch nicht so tun, als wären wir unsterblich. Leider verhalten sich einige Menschen so, als hätten sie noch weitere Leben. Was Kinder betrifft, so kann man sie behutsam – und ohne ihnen Angst zu machen – auch an das Thema Tod und Sterben heranführen.
Spätestens im Kindergarten lernen die Kinder den Jahreskreis. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Dies ist eigentlich nichts anderes als der Verlauf eines Lebens. Der Neubeginn im Frühjahr, die Entwicklung und Reifung im Sommer, das Verweilen im Herbst – und dann der Winter, in dem es zum Stillstand kommt.
Aber nach dem Winter kommt wieder der Frühling. Neues Leben beginnt. Diese Hoffnung vermittelt uns auch der Glaube – in verschiedenen Formen. Das ist das, was Sie als Eltern auch vermitteln können: die Hoffnung und das Vertrauen auf ein Wiedersehen.
Kinder brauchen Sicherheit und Beständigkeit. Von klein auf probieren sie dies aus. Ein Kleinkind, das mit Begeisterung einen Löffel vom Hochstuhl runterwirft, versucht auf diesem Wege z. B. herauszufinden, was passiert, wenn Dinge die “eigene Welt” (also das, was es im Moment sehen kann) verlassen. Wir Eltern heben den Löffel wieder auf – mit dem Ergebnis, dass sich unser Kind freut … und den Löffel gleich wieder herunterwirft. Es ist nicht nur ein Spiel – sondern der Versuch, etwas zu verstehen – zu begreifen. Hier lernen die Kinder z. B. auch, dass gewisse Dinge Beständigkeit haben – und damit Sicherheit geben. Es ist wie ein Ritual – und diese sind für Kinder ganz wichtig. So ist es auch, wenn es um Tod und Trauer geht. Kinder müssen die wichtigen “Botschaften” immer wieder hören – und sie brauchen Rituale.
Kinder müssen sich auf uns verlassen können (das erwarten wir ja auch von ihnen). Wir müssen ihnen Sicherheit, Geborgenheit, Anerkennung, Liebe und Struktur geben. Vor allem dann, wenn Kinder erfahren (erleben), dass Menschen auch sterben können, ist es ganz wichtig, ihnen deutlich zu machen, dass Sie als Eltern bzw. Elternteil für die Kinder da sind.
Viele Eltern werden mit der Kinder-Frage konfrontiert: “Wer kümmert sich um mich, wenn Du stirbst”. Solche Fragen kommen (wie alle “unangenehmen” Kinder-Fragen) meist ganz unvermittelt und scheinbar ohne direkten Zusammenhang mit einem aktuellen Ereignis. Manche Eltern antworten dann (ganz überrascht) mit “…aber wir sterben doch nicht”, oder versuchen, die Frage zu übergehen. Das ist nicht unbedingt hilfreich für das Kind. Solche Fragen sind eine wunderbare Chance, mit den Kindern ins Gespräch auch zu diesem ‘schwierigen’ Thema zu kommen.
Ein totes kleines Tier, das man am Straßenrand findet – oder aber auch ein Haustier, das stirbt, bietet ebenfalls eine hilfreiche Gelegenheit, um über Tod und Sterben zu sprechen. Hier kann man erklären, was “tot sein” bedeutet, kann eine kleine Beerdigung durchführen und dabei beschreiben, was (abhängig von der eigenen religiösen Einstellung) nach dem Tod kommen mag.
Was Sie tun bzw. vermeiden sollten:
“Das verstehst Du noch nicht” , “Dafür bist Du noch zu klein” … sind Sätze, die gerade bei diesem Thema zu Verunsicherung bei den Kindern führen. Verunsicherung führt zu Ängsten und falschen Vorstellungen!
Benutzen Sie klare, eindeutige und für Kinder verständliche Worte, wenn Sie über Tod und Sterben sprechen. Vermeiden Sie lange Monologe.
“Oma ist friedlich eingeschlafen” … dies ist vor allem für kleinere Kinder keine geeignete Formulierung. So können Ängste vor dem eigenen Einschlafen entstehen.
Erklären Sie deutlich und kindgerecht den Unterschied zwischen schlafen und tot sein.
“Gott hat Opa so lieb gehabt, dass er ihn zu sich geholt hat” … auch dies vermittelt den Kindern ein falsches und teilweise Angst machendes Bild.
Versuchen Sie, innerhalb der Familie eine einheitliche Erklärung für die Kinder zu finden. Es verunsichert Kinder, wenn die Oma sagt : “Opa ist auf dem Friedhof”, während Sie Ihrem Kind vermitteln: “Opa ist im Himmel”. Es hilft Kindern, wenn man ihnen erklärt, dass der Körper (die Hülle) im Sarg auf dem Friedhof liegt, jedoch das, was einen Menschen ausmacht (viele nennen es ‘die Seele’) an einem anderen Ort ist. Die Vorstellung, wo dieser Ort ist und wie es dort aussieht, ist ganz individuell. Fragen Sie Ihr Kind, was es selbst darüber denkt, bevor Sie schon eine “Lösung” vorgeben.
Kindgerechte Information ist ganz wichtig, vor allem dann, wenn Kinder mit zu einer Beerdigung genommen werden. Erklären Sie Ihrem Kind vorher (!) wie es dort aussieht, wie es sich anfühlt, was gemacht wird – und warum. Bereiten Sie sich hierfür auch auf typische Kinderfragen vor und besprechen Sie diese möglichst zuvor (!) mit Ihrem Kind.
„Was ist, wenn Oma wieder aufwacht? Friert denn Opa nicht in dem kalten Sarg? Warum werfen die Leute Erde auf den Sarg? Was passiert, wenn Oma stirbt – kommt sie dann in den Himmel? Wieso ist Opa gestorben? Kommt er niemals wieder? Kann ich / könnt ihr auch sterben?“
Am allerwichtigsten ist, dass Sie aufrichtig zu Ihren Kindern sind. Kinder spüren sehr genau, wenn wir ihnen etwas verheimlichen oder ihnen nicht die Wahrheit sagen. Es ist besser, ehrlich zuzugeben, dass man selbst keine Erklärung oder Antwort hat. Und – vergessen Sie nicht: Ihr Verhalten prägt Ihre Kinder. Wenn Sie selbst ein ‘schwieriges’ Verhältnis mit Tod und Sterben haben, wird sich das sehr deutlich auf Ihre Kinder übertragen. Nur Mut! Sie schaffen das!

Zum Thema „Umgang in der Jugendarbeit mit Tod, Trauer, Verlust“ nachfolgend der Beitrag „Wenn Kinder nach dem Sterben fragen“, erschienen im Corax-Magazin (Fachmagazin für Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen), Ausgabe 02/2018 (Juli 2018):



Zum Thema „Trauer bei Kindern“ nachfolgend ein Zeitungsartikel der Südwest Presse Ulm, erschienen am 04.11.2017:

Opa gestern verstorben Trauer

Hallo,

dass dein Großvater gestorben ist, tut mir sehr Leid für dich. Ich weiß noch, wie es mir damals ging, als mein einziger noch lebender Großvater (der andere starb vor meiner Geburt) starb, als ich in etwa 7 war. Ich musste auch immer daran denken, wie er mit mir „Hoppe, Hoppe Reiter“ gespielt hat und wie mein Bruder und ich ihn geärgert haben und ihm Sachen geklaut haben, weil er blind war. (Er hat selber auch darüber gelacht, also wir haben ihm damit nichts Schlimmes angetan, falls das so klingt).

Es ist einfach sehr schwer ein Lebewesen, das einem sehr ans Herz gewachsen ist, das einem immer ein guter Freund war, loszulassen. Aber denk daran, dass er so lange weiterlebt, wie ihr ihn nicht vergesst. Außerdem ist er jetzt nicht allein (was mir in Bezug auf den Tod oft Angst macht). Er sieht nun seine eigenen Eltern und Großeltern wieder und in 70-80 Jahren wird es einmal bei dir so weit sein.

Wahrscheinlich wartet er da oben einfach auf euch alle. Und denk dran, dass er es bestimmt nicht wollen würde, wenn du nun traurig bist. Versuch für ihn stark zu sein und für ihn die Tränen zu vergessen. Denn wenn du traurig bist, wird er es auch.

Vielleicht hilft es dir ja auch mit ihm zu reden. Mein Hund ist jetzt vor knapp 2 Monaten verstorben, womit ich immer noch nicht zu Recht komme. Aber es hat mir sehr geholfen, dass ich mit ihm geredet habe (wenn ich allein war) und versucht habe ihn zu beruhigen. Dadurch habe ich auch mich selbst beruhigt.

Ich sagte ihm, er soll jetzt nicht traurig sein, weil er vorerst nicht mehr mit uns zusammen sein kann. Er wird jetzt erst einmal sooo eine aufregende Zeit vor sich haben. Er wird andere Verstorbene, auch seine Eltern und Geschwister wiedersehen und muss mit ihnen die letzten Jahre wieder aufholen. Dabei wird die Wartezeit für ihn, bis wir irgendwann einmal bei ihm sind, so schnell vergehen, dass es ihm vorkommt, als wären wir bereits morgen da. Und irgendwo dort oben wird er unendliche Wiesen und Felder haben, über die er Kaninchen jagen kann. Irgendwann in vielleicht 60-70 Jahren (vielleicht ja auch früher), werde ich wieder bei ihm sein – und dann für immer. Dann wird es nichts mehr geben, was uns trennen kann – nicht der Tod und auch nicht das Leben.

Seit seinem Tod habe ich mir auch ganz neue Gedanken über das Leben gemacht.

Ich denke nun manchmal, dass wir nur deswegen auf der Erde sind, weil wir uns hier gegenseitig finden sollen. Wir sollen versuchen in dem ganzen „Wirrwarr“ von 7 Milliarden Menschen die jenigen zu finden, die uns wichtig sind. Nur, wenn wir sie gefunden haben, werden wir später für immer bei ihnen sein. Und du hast deinen Opa „gefunden“. Auch dich wird irgendwann einmal nichts und niemand mehr von ihm trennen können.

Versuch aber nun trotzdem die Zeit, die du noch hier auf der Erde bist zu genießen. Versuche weiter Leute zu finden, die dir wichtig sind und halte den Kontakt zu denen, die es wert sind. Hilf auch deiner Oma jetzt durch diese Zeit hindurch zu kommen. (Vielleicht will sie ja in ein paar Monaten doch noch einen Hund oder ein Kätzchen, vielleicht ist es jetzt bloß noch zu früh für sie). Besuch sie viel, unternimm viel mit ihr und lad sie vielleicht auch zu euch nach hause ein.

Vielleicht hilft dir ja auch der folgende Link. Ich habe gerade gestern Nacht erst selber eine Frage zu fast dem gleichen Thema geöffnet und schon 2 sehr ausführliche Nachrichten dazu bekommen. Ich fand sie sehr aufbauend, vielleicht helfen sie ja auch dir.

Viel Kraft und Mut wünsche ich dir für die nächste Zeit.

Tabu-Thema
 Wie redet man mit Kindern über den Tod?

Kinder und Tod – das passt auf den ersten Blick nicht zusammen. Weil Kinder am Anfang des Lebens stehen, weil sie springlebendig sind, weil der Tod ernst ist und endgültig. Trotzdem fragen Kinder nach Sterben und Tod. Sie sind neugierig, wollen wissen, wo der greise Nachbar von nebenan geblieben ist. Sie trauern um die gestorbene Katze und sorgen sich auf dem Friedhof, ob Oma in der Erde friert. „Mama, wie ist das, wenn man tot ist?“

Viele Eltern wollen ihre Kinder vor der dunklen Seite des Lebens schützen, sie unbelastet aufwachsen lassen und kein Wort über das Thema verlieren. Das funktioniert jedoch nicht. Reden müssen Sie mit ihren Kindern über Sterben und Tod – aber sie können es so tun, dass die Kinder keine falschen Vorstellungen oder gar Furcht entwickeln.

Zunächst sollten sich Eltern jedoch über ihre eigene Haltung Gedanken machen: Was glaube ich, was nach dem Tod kommt? Wenn ihnen das klar ist, wird es leichter, mit neugierigen Kindern über totgefahrene Tiere am Straßenrand oder über verstorbene Verwandte zu sprechen. Dann spürt ein Kind: Der Tod ist etwas Natürliches.

Hier noch einige Anregungen, wenn Ihr Kind einmal dieses Thema anspricht:

Die Sicht der Kinder auf den Tod

Kinder unter 3 Jahren: Tod heißt „Nicht-da-sein“

Für Kinder unter drei Jahren ist der Tod nicht begreifbar. Er ist gleichbedeutend mit einer Abwesenheit auf Zeit. Die Endgültigkeit wird kognitiv noch nicht erfasst. Selbstverständlich aber realisieren Kinder die mit dem Tod verbundenen Veränderungen. Sie reagieren darauf mit Verhaltensänderungen im Hinblick auf Schlaf- oder Essgewohnheiten.

Auch Angst, Wut und Frustration kommen vor. Weitere typische Verhaltensmuster sind Warten und Suchen, da Kinder in diesem Alter nicht differenzieren können, ob die Mutter nicht da ist, weil sie noch arbeitet oder weil sie gestorben ist.

Kinder zwischen 3 und 6 Jahren: Tod als vorübergehender Zustand

Zwischen drei und sechs Jahren entwickeln Kinder erste vage Vorstellungen vom Tod. Allerdings ist der Tod für sie immer noch ein vorübergehender Zustand. Er wird assoziiert mit Dunkelheit und Bewegungslosigkeit.

Ein wesentlicher Punkt: Der Tod ist immer der Tod anderer. Der Bezug zur eigenen Person ist noch nicht herstellbar, auch wenn Kinder in diesem Alter oft recht unbefangen und sehr interessiert den Tod erforschen.

Andererseits ist die Verwirrung und Verstörung bei konkret erlebten Verlusten oft sehr groß. Nicht selten kommt es bei diesen Kindern zu einer Regression des Verhaltens: So kann beispielsweise ein vorher trockenes Kindes wieder einnässen.

Ein schlafendes Mädchen als Grabstein

Kinder zwischen 6 und 9 Jahren: Tod als Bestrafung

Schulkinder beginnen die Endgültigkeit des Todes zu erfassen. Jedoch fehlt weiterhin das Begreifen. Der Tod wird oftmals personifiziert. Und er wird häufig als Bestrafung empfunden.

Auch werden erstmals Bezüge zur eigenen Person hergestellt. Reaktionsmuster bestehend aus Verlust- und Trennungsängsten sowie einer Vermischung aus Realität und Phantasie kennzeichnen das Verhalten dieser Altersstufe. Zudem zeigen die Sechs- bis Neunjährigen ein ausgeprägtes Interesse und eine gewisse Faszination am Thema Tod.

Kinder zwischen 10 und 14 Jahren: Realitisches Todeskonzept

In der Pubertät verstehen Kinder, dass der Tod etwas Abschließendes, etwas Endgültiges ist. Hier tauchen die Sinnfragen auf: „Welchen Sinn hat das eigene Leben?“ oder „Gibt es ein Leben nach dem Tod?“.

Nicht selten entwickeln Kinder in diesem Alter bei schweren Verlusten auch sogenannte somatoforme Störungen: zum Beispiel Schmerzen, gastro-intestinale Beschwerden oder pseudoneurologische Symptome. Die Kinder reagieren also körperlich auf die psychischen Belastungen.

Der Tod darf kein Tabu sein

Für den Alltag des Palliativmediziners Sven Gottschling bedeutet das, die Eltern stets im Beisein des todkranken Kindes zu informieren. Für Kinder sei es schlimmer, wenn über sie und nicht mit ihnen gesprochen werde. Er rät den Erwachsenen zudem, die Themen Tod und Sterben nicht zu tabuisieren.

Wenn er das erste Mal mit seinen kleinen Patienten über das Sterben spricht, dann fragt er, was sie darüber wissen, um daran anknüpfen zu können. Von den Reaktionen, die er dann erhält, ist er manchmal selbst überrascht: Für Kinder ist der Tod oft weniger bedrohlich als für Erwachsene. So kann es vorkommen, dass sterbende Kinder ihre Eltern trösten.

Für Kinder ist der Tod oft weniger bedrohlich als für Erwachsene

Wie sage ich es meinem Kind? Wenn ein Elternteil sterben muss

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland beträgt mittlerweile über 80 Jahre. Trotzdem kommt es vor, dass Eltern von kleinen Kindern unheilbar erkranken. Was kann diesen Kindern helfen, eine solch emotional schwierige Situation zu verarbeiten? Wie kann man trotz allem die Seele seine Kinder möglichst gut schützen?

Wenn Eltern unheilbar erkranken, sind sie selbst in einer schwer zu ertragenden Situation. Noch schwieriger wird es, wenn sie ihre Kinder über ihre Krankheit und ihr nahendes Lebensende aufklären müssen. Die Not der Kinder und ihrer Eltern hat Mechthild Schroeter-Rupieper erkannt und die Familientrauerarbeit in Deutschland begründet. Um zu veranschaulichen, wie sehr Kindern eine einfühlsame Begleitung helfen kann, erinnert sie sich an eine Familie, die mit außergewöhnlich harten Umständen konfrontiert war: „Die Mutter der damals 15-jährigen Lisa* und ihrem 11-jährigen Bruder Simon* bekam die Diagnose Leukämie und verstarb drei Tage später an diesem Krebs.“ Kurze Zeit später habe der Vater einen Schlaganfall erlitten, an dessen Folgen sei er ein halbes Jahr später verstorben. Trotz dieser Familientragödie seien beide Kinder nicht gebrochen, sondern stark aus dieser tragischen Zeit herausgekommen. Mechthild Schroeter-Rupieper hat den Eindruck, dass die Geschwister heute mit beiden Beinen im Leben stehen, Freundschaften pflegen und erfolgreich die Schule absolvieren.

Ziel sollte also sein, dass Kinder an der Krankheit und am Tod des Elternteils nicht verzweifeln, sondern lernen mit ihren Ängsten und der Trauer um den geliebten Menschen umzugehen. Das heißt nicht, seine Gefühle zu unterdrücken. Sondern es geht darum, mit der Trauer zu leben, ohne dass sie einen übermannt – die Trauer gewissermaßen kontrollieren zu können.

Auch Pfarrerin Dr. Carmen Berger-Zell ist beruflich mit den Themen Tod und Sterben konfrontiert. Sie war viele Jahre in der Notfallseelsorge aktiv und ist heute bei der Diakonie Hessen für den Bereich Hospizarbeit und Sterbebegleitung zuständig.

Durch ihre Erfahrungen aus ihrer beruflichen Praxis habe beide Frauen Empfehlungen zusammengestellt, um belastete Familien zu unterstützen.

Mit dem Tod vertraut machen

Reden über den Tod ist heutzutage nur selten Teil der Erziehung, weil Eltern ihre Kinder vor dessen Schrecken schützen möchten. Dennoch schlägt Pfarrerin Carmen Berger-Zell vor, schon früh, auch ohne konkreten Anlass, Kinder mit dem Tod vertraut zu machen. Das macht es in der Situation, in der er Realität wird, einfacher. Kinder sind besser gegen die Unwiederbringlichkeit des Todes geschützt, wenn sie vorbereitet sind.

Auf eine einfühlsame Vorbereitung setzt auch Mechthild Schroeter-Rupieper. Vor allem kleine Kinder müssten erst einmal verstehen, was Tod bedeutet, weil sie nicht zwischen „Mama ist für immer weg“ und „Mama ist kurz einkaufen“ unterscheiden könnten. Die Eltern seien eine so große Standfeste im Leben, dass es unvorstellbar sei, dass sie nicht mehr da sein könnten. Deshalb ist es wichtig, Kindern zu erklären, was Tod ist und was er bedeutet. Das kann zum Beispiel über Bilderbücher funktionieren oder über verstorbene Haustiere.

Rechtzeitig kommunizieren

Die Nachricht vom nahenden Tod eines Elternteils sollte möglichst von einer Vertrauensperson überbracht werden. Am besten bietet der betroffene Elternteil das Gespräch an. Das sollte möglichst zeitnah nach der Diagnose geschehen, weil Kinder die Unruhe in der Familie spüren. Wenn diese Stimmung unbegründet ist, machen sich Kinder schnell Sorgen und suchen den Fehler oft bei sich.

Wie sage ich es meinem Kind?

Das Wichtigste ist, Sicherheit zu vermitteln. Carmen Berger-Zell schlägt vor, das Kind in den Arm zu nehmen. Das gibt dem Kind das Gefühl, geborgen zu sein. Das Gefühl von Sicherheit können Eltern laut Mechthild Schroeter-Rupieper unterstützen, wenn sie dem Kind versprechen, es über den Krankheitsverlauf auf dem neuesten Stand zu halten. Man sollte jedoch keine Zeitangaben zum wahrscheinlichen Todeszeitpunkt machen. Das lässt Kinder für den angegebenen Zeitraum nicht zur Ruhe kommen, weil immer etwas passieren könnte. Verspricht man Kindern, sie regelmäßig zu informieren, gibt es ihnen die Gewissheit, dass Mama bzw. Papa heute höchstwahrscheinlich nicht sterben wird.

Unterstützen, um Gefühle zu verarbeiten

Wenn Kinder verstanden haben, dass der Tod auch bedeutet, ein Elternteil für immer zu verlieren, können Ängste aufkommen. Manche Kinder halten sich deshalb die Ohren zu, andere werden aggressiv und wieder andere müssen weinen. Hier soll individuell darauf geachtet werden, wie man den Kindern Halt geben kann. Zum Beispiel kann der Verweis auf das verbleibende Elternteil oder die Großeltern, die sich kümmern werden, Existenzängste lindern. Im Fall von Lisa und Simon hat der Glaube und die Gemeinschaft in der Kirche vor allem Lisa Halt gegeben und sie durch die schwere Zeit begleitet. Auch die früh einsetzende Trauerbegleitung hat ihnen geholfen, mit der Situation zurecht zu kommen. Für die Trauer sollte es immer ein Ventil geben, über das sie sich ausdrücken kann. Bei Aggressivität kann Schlagzeug spielen helfen, bei Verzweiflung hilft Weinen oder bei unaufhörlichem Weinen kuscheln mit dem kranken Elternteil.

Nach dem Tod

Nach dem Tod des Elternteils ist es wichtig, dass Kinder den Tod durch Begreifen realisieren und nicht nur durch Worte. Dazu sollten Kinder ganz bewusst mit zur Aufbahrung und Beerdigung genommen werden. Wenn es die Kinder wollen, können sie auch den kalten Körper der Mutter oder des Vaters berühren oder streicheln. Das klingt im ersten Moment irritierend. Für den Trauerprozess ist das aber sehr hilfreich, denn dieses Begreifen sorgt im Nachhinein für mehr Verständnis der Situation. Bei der Aufbahrung können sich die Kinder, der Partner und die Angehörigen noch einmal verabschieden. Wenn der Sarg im Boden versinkt, hilft das dem Begreifen. Das Verstehen von Tod ist so wichtig, weil gerade kleine Kinder, die nicht begriffen haben, dass ihr Elternteil gestorben ist, immer in der Erwartung leben, dass es bald wieder zurückkommt. Im Alter zwischen sechs und acht Jahren kommt der Punkt, an dem sie verstehen, dass ihr verstorbenes Elternteil nicht wiederkommt. Das ruft immer wieder Phasen der Trauer hervor. Erst in der Pubertät wird Jugendlichen die Dimension ihres Verlustes endgültig bewusst.

Um den Verlust zu verarbeiten, sollte dieses Ereignis auch reflektiert werden. Dazu kann zum Beispiel eine Grabkerze bemalt werden. „Auf die Innenseite des Deckels der Kerze kann man dann eine Geheimbotschaft an den Verstorbenen schreiben“, schlägt Mechthild Schroeter-Rupieper vor. Genauso kann man einen Brief mit in den Sarg oder das Grab geben, in dem das Kind etwas für seine/n Mutter oder Vater aufschreiben kann. Kleine Kinder können ihrem Elternteil auch ein Kuscheltier oder besondere Erinnerungsstücke mitgeben.

Umgang mit Trauer

„Trauern und Weinen in der Öffentlichkeit wird in unserer Gesellschaft tabuisiert“, wird von Mechthild Schroeter-Rupieper bemängelt. „Wenn ich ein Kind bekomme wird erwartet, dass ich meine Freude darüber teile. Wenn ich einen Menschen verliere, darf ich nicht weinen. Das passt nicht zusammen.“ Es ist wichtig, die Trauer nicht zu unterdrücken. Sonst kann es passieren, dass man nie wirklich mit dem Verlust leben kann. Mit Kindern zu reden und ihnen zu erklären, dass traurig sein natürlich und in Ordnung ist, ist essentiell, um ihnen das Trauern zu erleichtern.

Durch die gute Betreuung der Großeltern und Mechthild Schroeter-Rupieper stehen Lisa und Simon stabil im Leben. Simon strebt an, professioneller Musiker zu werden. Lisa hat den Weg in die Heilpädagogik gefunden und arbeitet mit Mechthild Schroeter-Rupieper zusammen, um anderen Kindern in der gleichen Situation mit ihren Erfahrungen zu helfen.

*Namen geändert und d. Red. bekannt

Sollten Sie als Eltern, Großeltern oder Trauernde Probleme mit der Bewältigung der Trauer haben oder Unterstützung bei dem Gespräch benötigen, können Sie sich Hilfe holen:

Trauernetz

Mechthild Schroeter-Rupieper

Telefonseelsorge

Seelsorge und Beratung

Pfarrer im Netz

Wenn Erwachsene nicht die richtigen Worte finden, können Kinderbücher zum Thema Tod helfen, um über das Sterben und Gefühle wie Verlust und Trauer ins Gespräch zu kommen. Oftmals haben Kinder viele Fragen. Es gibt zahlreiche Kinderbücher zum Thema Tod, die teils sehr unterschiedliche Antworten finden. Dieser Artikel hilft bei der Wahl für das individuell passende Kinderbuch über den Tod und das Sterben.

Nicht alle Kinder trauern gleich

Bevor ich konkret auf Kinderbücher zum Thema Tod eingehe, vorweg ein paar Worte darüber, wie sich Trauer bei Kindern zeigen kann. Das erscheint mir notwendig, da für uns Erwachsene so manches Kinderbuch zum Thema Tod mitunter befremdlich wirkt, für Kindern aber genau richtig sein kann.

Leben und Tod liegen näher beieinander, als es uns oft lieb ist. Manchmal kündigt er sich lange an, ein andermal kommt er ganz plötzlich und unerwartet. Gern gesehen ist er eigentlich nie, der Tod. Kindern fällt es oft schwer zu begreifen, dass derjenige nie wieder kommen wird und die gemeinsame Zeit ausschließlich in der Erinnerung fortlebt. Kindern trauern anders als Erwachsene, mitunter gehen sie mit dem Thema Tod und Sterben auch deutlich unbefangener um.

Folgende Anzeichen können bei Kindern ein Ausdruck von Traurigkeit über den Verlust einer geliebten Person sein:

  • Plötzliche Wechsel zwischen Traurigkeit und guter Laune
  • Verlust- und Trennungsängste
  • starke Gefühle wie Wut
  • Launigkeit und Gereiztheit
  • Angst um noch lebende Angehörige
  • Schlafstörungen und Alpträume
  • schlechtere Schulleistungen
  • Schuldgefühle, sie fühlen sich für den Tod verantwortlich
  • Daumenlutschen, Bettnässen

Es ist sehr wichtig, die Kinder mit ihren Gefühlen und Fragen ernst zu nehmen. Kinderbücher zum Thema Tod, Sterben und Verlust können dabei eine Hilfe sein. Sowohl für den Erwachsenen, der vielleicht selber sprachlos ist, als auch für das Kind.

Die Qual der Wahl – Welches Kinderbuch über den Tod und das Sterben ist geeignet?

Es gibt zahlreiche Kinderbücher zum Thema Tod und die Wahl ist nicht einfach. Nicht jedes Kinderbuch über den Tod und das Sterben eignet sich gleichermaßen.

Folgende Überlegungen helfen bei der Auswahl

Wer ist gestorben? Sollte das Kinderbuch den Tod der Oma, des Opas, der Mama oder des Papas thematisieren?

Wie oder warum ist er gestorben? In einigen Kinderbüchern bleibt dies offen, in anderen wird beispielsweise der Tod durch Krebs oder Alter direkt angesprochen.

Welche Vorstellungen über das Sterben und das nach dem Tod vermittelt das Kinderbuch? Diese sollten mit den eigenen identisch sein, andernfalls verwirrt der Erwachsene das Kind, wenn er hinterher alles ganz anders erklärt.

Nachfolgend stelle ich eine kleine Auswahl an Kinderbüchern zum Thema Tod vor, die ich stetig erweitern werde. Ich habe sehr, sehr viele Bilder- und Kinderbücher entdeckt, diese auf Listen geschrieben und sortiert. Doch das Thema ist zu schwer, um alle in einem Schwung zu bearbeiten. Habt daher bitte ein wenig Geduld mit mir.

Den Anstoß für diesen Beitrag erhielt ich übrigens durch Silke, die auf ihrem Blog In lauter Trauer mit dem Schweigen bricht und ihren Beitrag dazu leistet, dass Tod und Trauer nicht totgeschwiegen werden. Gemeinsam mit anderen Bloggern beleuchten wir das Thema sehr vielfältig. Neugierig?

Kinderbücher zum Thema Tod ganz allgemein

Mark Benecke: Wo bleibt die Maus? Vom Kreislauf des Lebens * Buchvolkverlag 2016 * 978-3-944581-12-5 * 3-6 J. * Sachbilderbuch

Dieses Sachbilderbuch betrachtet Tod und Sterben sehr nüchtern aus biologischer Sicht. Hier trauert niemand oder stellt Fragen über das Leben nach dem Tod. Statt dessen sehen wir auf der ersten Seite eine Maus, die man hätte begraben können. Als Leser können wir zusehen, wie eine Fliege ihre Eier auf das tote Tier legt und daraus Maden schlüpfen, die sich an der Maus satt fressen. Später werden sie zu Fliegen und verschiedene Käfer übernehmen die restlichen „Aufräumarbeiten“. So hat der Tod – ganz emotionslos betrachtet – sein Gutes, verhindert er doch eine immer größer werdende Mäuseschar und bringt mit den Fliegen neues Leben hervor.

Die Bilder sind ohne zusätzliche Hintergrundgestaltung und zeigen den Zersetzungskreislauf ebenso emotionslos, wie auch der Text. Den ein oder anderen wird es bei den Fliegeneiern und Maden vielleicht ekeln, wobei auf allzu unappetitliche Details verzichtet wurde. Das Buch ist eine sehr gelungene Ergänzung auf dem Kinderbuchmarkt, da mir kein weiteres bekannt ist, das den Verwesungsprozess im Zusammenhang mit dem Tod aufgreift.

Maja Bach: Auf Wiedersehen, kleiner Vogel * Coppenrath 2015 * 978-3-649-62102-7 * 3-6 J. * Bilderbuch

Drei Kinder finden einen toten Vogel und überlegen gemeinsam, was es bedeutet, Tod zu sein. Die Antworten sind wenig philosophisch und beziehen sich vielmehr auf alltägliches Geschehen. Wenn man tot ist, kann man eben weder Haare kämmen noch Zähne putzen. Nachdem die Kinder den Vogel feierlich beerdigt haben, schicken sie einen Brief an Lottas Oma im Himmel, damit die beiden dort zueinander finden.

Das Bilderbuch ist auffallend farbenfroh gestaltet und an keiner Stelle beängstigend oder bedrohlich. Das wird vor allem Eltern gefallen, die Berührungsängste mit diesem Thema haben und befürchten, ihr Kind zu überfordern. Die Kehrseite ist, dass dieses Buch kaum zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit dem Tod anregt. Älteren Kindern oder denen, die einen nahen Angehörigen verloren haben, wird es keine befriedigenden Antworten geben können. Um über den toten Vogel auf der Wiese ins Gespräch zu kommen, eignet es sich hingegen gut und es ist sehr angenehm, mit welcher Leichtigkeit der Tod und das Sterben hier angenommen werden.

Max Velthuijs & Rolf Inhauser (Übersetzer): „Was ist das?“, fragt der Frosch * Sauerländer 2015 * 978-3-7373-6084-5 * 2-4 J. * Bilderbuch

Zu diesem wirklich gut gemachten Buch findet ihr eine ausführliche Kritik, wenn ihr dem link folgt: „Was ist das?“, fragt der Frosch

Kinderbücher zum Tod des Vaters

Peter, fünf Jahre alt, erwacht im Krankenhaus. Gerade noch war die Familie auf dem Weg ans Meer, in den Urlaub. Doch ein Unfall verhinderte die Ankunft und Peter erfährt, dass sein geliebter Papa gestorben ist. Zunächst will er die bittere Realität nicht wahrhaben. Bald lernt er, dass die Erinnerungen und das Gefühl im Herzen den Papa im Hier und Jetzt erhalten, wenn auch anders als früher. Das Buch endet ausgesprochen hoffnungsvoll und entlässt den Jungen trotz des Verlustes in sein eigenes Leben, das mit der Einschulung viele neue Herausforderungen bereit hält. Die Illustrationen sind auf den ersten Seiten entsprechend des Dämmerzustandes während und nach dem Unfall wie verschwommen. Später werden sie klarer, zeigen stets das Kind im Zentrum und verlieren sich nicht mit unnötigen Details. Sanft, behutsam und hoffnungsvoll.

Kinderbücher zum Tod der Mutter

Uwe Saegner: Sarahs Mama. Wenn die Mutter stirbt – ein Kinderbuch * Hospiz Verlag 2016 * 978-3-941251-29-8 * 5-8 J. * Bilderbuch

Sarahs Mama ist gestorben, warum erfahren wir nicht. Statt dessen ist das Mädchen auf allen Bildern mit einer erwachsenen Frau zu sehen. Etwas ungewöhnlich ist der Erzähler, da die unbekannte Frau als Ich-Erzählerin auftritt. Das schafft etwas Distanz zu Sarah, ermöglicht dennoch die Identifizierung mit dem Mädchen. Nach anfänglichem Schweigen zeigt Sarah der Frau all die Orte, an die sie schöne Erinnerungen mit ihrer Mama in sich trägt.

Sarah fragt, was die Frau glaubt, wo Mama jetzt ist. Ihre Antwort: Überall. So begegnet Sarah auf der letzten Seite im Anschluss einem Marienkäfer mit den Worten: Hallo Mama.Der Schwerpunkt dieses Buches lag sicherlich nicht in der künstlerischen Umsetzung. So ist zum Beispiel der Text an einigen Stellen auf den farbintensiven Bildern schwer zu erkennen. Es ist eins der wenigen Bilderbücher, die sich einem der schwersten Trennungserfahrungen eines Kindes widmen – dem Tod der eigenen Mama.

Die Welt steht still. Sprachlosigkeit, entgrenzte Zeit, Dunkelheit, Einsamkeit und der unendlich große Wunsch, sie wieder dabei zu haben, die geliebte Mama und Frau. Vater und Sohn halten sich aneinander fest, durchleben gemeinsam eine anstrengende Zeit, in der nicht mehr viel bis zu ihnen durchdringen kann. Dieses Bilderbuch fängt die Ohnmacht und den Schmerz der Hinterbliebenen sehr gut ein. Am Ende ein klitzekleines bisschen Hoffnung und Zuversicht, dass es schon wieder werden wird. Irgendwie. Und irgendwann.

Warum die Mama gestorben ist, erfahren wir nicht. Die Erzählung beginnt nach ihrem Tod. Die Illustrationen werden im Verlauf der Geschichte heller und etwas farbiger. Es sind Collagen aus räumlich-gebastelten Möbeln und Landschaften und Zeichnungen. Ein Buch, das auch nach mehrmaligem Lesen Neues offenbart. Berührend und sehr gelungen!

Rebecca Westcott & Barbara Lehnerer: Pusteblumentage * dtv 2017 * 978-3-423761-65-9 * 10-13 J. * Kinderbuch

Livs Mama ist unheilbar an Krebs erkrankt. Das Buch erzählt in einer Mischung aus Ich-Erzählung der 12 Jährigen und Tagebuchstil das Erleben des Mädchens. Es beginnt mit einer Episode einige Wochen nach dem Tod der Mutter und wird dann mit zunehmend kürzer werdenden Abständen vor deren Tod weitergeführt. Den unaufhaltsamen Tod der Mutter verdrängt sie zunächst und durchlebt von Wut über Verzweiflung und Trauer sehr unterschiedliche Gefühle. Das Asberger-Syndrom ihres Bruders und dessen Ausraster, ein Konflikt mit ihrer besten Freundin und das erste Verliebtsein beschäftigen sie ebenfalls sehr. Bis zum Schluss versucht die Mutter ihr beizustehen und überlässt ihr bereits vor ihrem Tod ihre eigenen Tagebücher. Das Mädchen in diesen Aufzeichnungen erinnert Liv an sie selbst und hilft ihr, mit der Situation irgendwie zurecht zu kommen.

Kinderbücher zum Tod des Opas

Brigitte Endres & Marc-Alexander Schulze: Wo gehst du hin, Opa? * aracari Verlag 2015 * 978-3-905945-46-1 * 4-8 J. * Bilderbuch

Emmis Opa ist schwer krank, er liegt im Krankenhaus. Gemeinsam mit ihrer Mutter besucht das Mädchen ihn und fragt, wo er hingehen wird. Auf den darauffolgenden Bilderbuchseiten werden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wo Opa nach seinem Tod hingeht. Vielleicht durch einen langen Tunnel ans Licht? Oder zu einer Party mit allen Lieben, die bereits verstorben sind? Oder ins Paradies, oder zu den Sternen, oder… Die Bilder sind farbenfroh und vermitteln eine optimistische Grundhaltung. Dennoch wird der Tod nicht verschwiegen, das Buch endet nach einem liebevollen Abschied von Opa und dem Besuch an dessen Grab.

Amelie Fried & Jacky Gleich: Hat Opa einen Anzug an? * Hanser Verlag 1997 * 978-3-44619076-4 * 4-8 J. * Bilderbuch

Die Erzählung beginnt mit der Beerdigung von Brunos Großvaters. Bruno versteht nicht, wie der gleichzeitig auf dem Friedhof und im Himmel sein kann. Jeder erzählt ihm etwas anderes, er bekommt zu hören, er verstehe das noch nicht und ein freudiger Ausbruch während der Beerdigung ist auch nicht gerne gesehen.

Dieses Bilderbuch zeigt die Perspektive eines kleinen Jungen (Kindergartenalter/ Anfang Grundschule), der sich sehr alleine fühlt und alle Erklärungen, die er erhält, für sich passend einzuordnen versucht. Die Bilder sind in sehr kräftigen Brauntönen gehalten und wirken damit düster, was nicht jedem gefällt. Es endet mit der Geburt des Babys von Tante Mizzi. 1998 erhielt das Buch den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Kinderbücher zum Tod von Haustieren

Mika ist die geliebte Familienhündin und nachdem ihr letzter Atemzug den Körper hebt und wieder senkt und die Hündin stirbt, öffnet der Himmel seine Schleusen. Die Beerdigung findet im strömenden Regen statt und die Familie muss sich nun an den Gedanken gewöhnen, dass jetzt keiner mehr knurrt, wenn der Postbote kommt und am morgen niemand schwanzwedelnd am Bett steht. Unaufhörlich stellt der kleine Bruder Fragen. Er will wissen, wo Mika jetzt ist, ob sie friert, ob sie Essen braucht. Die anderen wissen es nicht. Woher auch. Immer wieder meint er, den Hund zu hören und am Ende hören sie alle ein Bellen aus den Wolken von Mika, die ihnen nun aus dem blauen Himmel zuschaut.

Mikas Himmel ist ein tröstendes Bilderbuch für Kinder, deren Hund gestorben ist oder denen der Abschied von ihrem Hund bevorsteht. Leicht ist das nicht, doch der Gedanke, dass der Hund nicht einfach verschwunden ist, sondern auf einer Wolke sitzt und mit anderen Hunden im Himmel fröhlich umherspringt tröstet ungemein.

Mittlerweile gibt es einige sehr ansprechende Bilder- und Kinderbücher speziell zum Tod von Haustieren. daher habe ich mich dazu entschlossen, diese in einem Artikel vorzustellen. Bitte hier entlang: Was hilft Kindern, wenn das Haustier stirbt?

Anzeige Der Tod gehört (leider) zum Leben dazu. Diese Erfahrung mussten auch die Lavendelkinder machen, als der Lavendelopa nach schwerer Krankheit vor einigen Monaten starb. Nach der Diagnosestellung im letzten Sommer betrug die voraussichtliche Lebenserwartung des Lavendelopas vier bis sechs Monate. Wir wussten, er würde in naher Zukunft sterben. Doch sollten wir das auch den Lavendelkindern sagen? Wie würden sie reagieren? Würden sie sich Sorgen machen oder sogar Ängste entwickeln? Eine schwierige Entscheidung.

Wenn Opa stirbt: Den Abschied begleiten

Wir entschieden uns für den ehrlichen, aber kindgerechten Weg. Die Lavendelkinder wussten also, dass ihr Opa schwer krank ist und wahrscheinlich bald sterben wird. Wir erklärten ihnen, dass wir nun für den Lavendelopa und natürlich auch für die Lavendeloma da sein müssen.

Als der Lavendelopa ins Hospiz verlegt wurde und es dem Lavendelopa zusehends schlechter ging, entschieden wir, dass die Lavendelkinder ihn nicht mehr besuchen sollten. Wir und auch die Lavendeloma wollten, dass sie ihn so in Erinnerung behalten, wie sie ihn vor seiner Krankheit kannten.

Hätten die Lavendelkinder den Wunsch geäußert, ihn noch einmal vor seinem Tod zu sehen, wären wir diesem höchstwahrscheinlich nachgekommen.

Um die Sorgen und Ängste der Kinder aufzufangen, machten wir ihnen immer wieder Gesprächsangebote. Wir wollten verhindern, dass die Lavendelkinder falsche Vorstellungen vom Tod entwickeln.

Wir erklärten ihnen, dass bei einem sterbenden Menschen das Herz zu schlagen aufhört und auch die anderen Organe im Körper ihre Arbeit niederlegen. Ein Toter kann nicht mehr atmen, sich nicht mehr bewegen, nicht mehr sprechen und nicht mehr denken.

Natürlich ging es in unseren Gesprächen auch um die Zeit nach dem Tod. Uns war es wichtig, dass die Lavendelkinder wissen, dass sie den Opa nach seinem Tod nicht mehr wiedersehen. Sie sollten verstehen, dass es ein Abschied für immer ist. Wir vermittelten ihnen jedoch die Idee, dass er in unserem Herzen und in unserer Erinnerung weiterlebt.

Auch für uns Großen waren diese Gespräche alles andere als leicht. Verschiedene Vorstellungen von dem, was nach dem Tod passiert, stießen hier aufeinander. Wir versuchten möglichst offen zu sein und den Kindern die verschiedenen Vorstellungen näher zu bringen. Die Lavendelkinder sollten selbst entscheiden, was sie glauben.

Kinder auf Beerdigung vorbereiten

Nach dem Tod des Lavendelopas stellte sich natürlich die Frage, ob wir die Kinder mit zur Beerdigung nehmen. Wir entschieden, dass die Kinder die Beerdigung zum Abschiednehmen nutzen sollten. Wir fragten sie, ob sie bei der Beerdigung dabei sein wollen.

Im Vorfeld erklärten wir ihnen, wie die Beerdigung grob ablaufen würde und dass es auch andere Möglichkeiten der Bestattung gibt.

Da sich der Lavendelopa eine anonyme Urnenbestattung gewünscht hatte, war die Bestattung des Lavendelopas kein typischer Ablauf einer Beerdigung. Nichtsdestotrotz gab es eine Trauerfeier sowie einen Leichenschmaus.

Für die Lavendelkinder war klar, dass sie mit auf den Friedhof gehen würden. Wir fragten sie, ob sie dem Lavendelopa etwas mit auf seine letzte Reise geben wollten. Sie entschieden sich, ein Bild für den Lavendelopa zu malen, das wir mit in die Urne legten.

Die Trauerfeier war für uns alle hart; Aber, wie ich finde, eine wichtige Erfahrung. Die Lavendelkinder sollen lernen, dass Tod, Abschied und Trauer zum Leben dazugehören.

Empfehlung: Wieso? Weshalb? Warum? – Kindersachbuch über Abschied, Tod und Trauer

Offen über den Tod sprechen – das fällt den wenigsten von uns leicht. Wenngleich der Tod zum Leben gehört, macht er den meisten von uns Angst. Die wenigsten von uns befassen sich daher gerne mit dem Thema Tod.

Nichtsdestotrotz finde ich es ungemein wichtig, mit Kindern über den Tod zu sprechen. Sie haben ein Recht dazu, mit ihren Erfahrungen und Gefühlen nicht alleine gelassen zu werden. Wichtig ist eine unbelastete Auseinandersetzung, bei der wir die Kinder mit all ihren Gefühlen, Gedanken und Äußerungen (möglichst) vorbehaltlos annehmen und ernst nehmen.

Familien, in denen Abschied nehmen, Tod und Trauer ein Thema sind, empfehle ich das neu erschienene Kindersachbuch aus der Wieso? Weshalb? Warum?-Reihe. Es greift die Themen Abschied nehmen, Tod und Trauer kindgerecht auf.

Kinder ernst nehmen

Die „Wieso? Weshalb? Warum?“-Bücher sind bei unseren Kindern ungemein beliebt. Sie sind ansprechend gestaltet, fachlich kompetent recherchiert und nehmen Kinder mit ihren Fragen und Interessen ernst. Klappen, hinter denen weiterführende Informationen versteckt sind, vermitteln spielerisch Wissen.

Das neue Wieso? Weshalb? Warum?-Buch „Abschied, Tod und Trauer“ gibt Hilfestellung mit Kindern offen über den Tod zu sprechen und diesen anschaulich zu erklären. Im Buch werden u.a. folgende Fragen beantwortet: Wann nehmen wir Abschied? Was passiert, wenn man stirbt? Wie fühlt sich Trauer an? Was ist eine Beerdigung?

Verpackt sind die Informationen in eine Geschichte. Die vierjährige Frieda, der siebenjährige Anton und ihre Familie müssen sich von ihrer Oma Ella verabschieden. Sie ist an Krebs erkrankt und stirbt im Hospiz.

Mit Kindern über den Tod philosophieren

Beim Betrachten des Buches konnten die Lavendelkinder viele Parallelen zum Tod ihres Opas ziehen. Besonders gut an dem Buch gefällt mir, dass verschiedene Jenseitsvorstellungen und Bestattungsvarianten vorgestellt werden. Es zeigt, dass die Spannbreite des „Normalen“ groß ist. Zudem lässt das Buch den Kindern viel Platz zum Philosophieren.

Neben den sachlichen Informationen holt das Buch die Kinder auf der emotionalen Ebene ab. Jeder Mensch empfindet Trauer anders. Das Wieso? Weshalb? Warum?-Buch vermittelt Kindern, dass alle diese Gefühle in Ordnung sind.

Das Buch ist so aufgebaut, dass man es als Geschichte oder punktuell lesen kann. Steht beispielsweise eine Beerdigung an, kann man die Kinder mit dem Buch gut darauf vorbereiten.

Auch wenn das Thema Tod sicherlich nicht leicht für uns ist, kann ich euch die Anschaffung des Buches nur empfehlen. Es hilft ungemein.

Opa wohnt jetzt woanders. Eine Geschichte für Kinder über den Tod und die Trauer. (Freebie)

Opa wohnt jetzt woanders: Eine Geschichte über den Tod und die Trauer.

Hörbuch

(Intro/Outro: GEMAfreie Musik von audeeyah.de)

Emil ist gestern ganz früh aufgewacht.

Da war es draußen noch dunkel und obwohl Emil schon fast sechs Jahre alt ist, fürchtet er sich ein bisschen, nachts ganz alleine aufzustehen. Aber Emil musste dringend Pipi machen, da half es nichts, so sehr er sich auch anstrengte – Emil musste all seinen Mut zusammennehmen und stieg aus dem Bett.

Mäuse, das weißt du ja vielleicht, erschrecken sich nämlich sehr schnell. Besonders dann, wenn sie noch ziemlich kleine Mäuse sind. Seine Mama lässt deswegen im Flur immer eine kleine Lampe für Emil brennen, damit er den Weg ins Badezimmer finden kann und sich ein bisschen weniger fürchtet. Emil findet das gut. Aber so richtig weg ist die Angst trotz der Lampe nicht.

Als sich Emil wieder mit klopfendem Herz in sein Bett kuschelte, hörte er, dass seine Eltern sich leise in ihrem Schlafzimmer unterhielten. Ob sie am Abend wohl auch zu viel getrunken hatten und aufstehen mussten? Aber bevor Emil weiter darüber nachdenken konnte, war er auch schon wieder eingeschlafen und träumte einen schönen Mäusetraum.

Morgens kitzelten ein paar warme Sonnenstrahlen Emils Schnurrhaare und ihn aus dem Schlaf. Er reckte seine Mäuseärmchen und blinzelte aus verschlafenen Knopfaugen in den Morgen. Mama Maus saß auf seinem Bett und streichelte seine kleine Pfote.

„Guten Morgen, Mama!“, sagte Emil ein bisschen verwundert.
Mama sagte nichts. Sie streichelte nur weiter Emils Pfötchen und sah sehr müde aus.

Emil verstand das nicht, denn eigentlich war seine Mama immer gut gelaunt und begrüßte ihn jeden Morgen mit einem fröhlichen Lächeln, hatte schon sein Lieblingsfrühstück auf den Tisch gestellt und sang meist ein nettes Liedchen.
Nachdem sich Emil aufgesetzt hatte und er seine Mama Maus fragend ansah, sagte sie: „Guten Morgen, mein kleiner Emil. Ich muss dir etwas erzählen.“

„Hm…“, dachte Emil. Und mehr konnte er gar nicht denken, denn seine Mama hatte er noch nie so seltsam erlebt.

„Opa Maus ist heute Nacht für immer eingeschlafen.“, sagte Mama Maus und ihr kullerte dabei eine dicke Mäuseträne über die Wange.

Das verstand Emil schon wieder nicht.
Spätestens wenn Opa Maus Pipi machen müsste oder Hunger bekäme, würde er von ganz allein aufwachen! Das klappte bei Emil doch auch immer. „Niemand kann für immer einschlafen, selbst Opa nicht“, dachte Emil „und Opa kann wirklich eine Menge Dinge!“

„Wie geht das denn, dass man für immer einschläft?“, fragte Emil und seine Öhrchen zuckten dabei. Das taten sie immer, wenn Emil ein bisschen aufgeregt war.

„Emil“, antwortete seine Mama „dein Opa schläft für immer, weil er heute Nacht gestorben ist.“

Was „gestorben“ bedeutete, wusste Emil. Aber Opa konnte nicht einfach gestorben sein. Das konnte nicht stimmen, dachte Emil, denn er war ja am Tag zuvor noch mit seinem Opa spazieren gegangen und sie hatten sich darüber unterhalten, wie man Eichenbäume erkennen kann und wo man die größten Haselnüsse findet.

„Heißt das, er ist tot?“, fragte Emil und nun zuckten nicht nur seine Öhrchen, er merkte, dass es ihm ganz komisch im Bauch und in seinem Mäuseherz wurde.

„Ja, mein Schatz, das heißt es. Weißt du, Opa Maus war schon sehr alt und er hatte ein sehr glückliches Mäuseleben. Irgendwann endet das Leben, das ist bei jedem so. Bei jeder Pflanze und bei jedem Tier und bei allen Lebewesen auf dieser Erde. Alles hat einen Anfang und auch ein Ende. Ich bin sicher, dass Opa in den Mäusehimmel geflogen ist und dich nun von dort oben aus sehen kann.“, erklärte Mama Maus.

Emils Kopf fühlte sich auf einmal ganz leer an und deswegen sagte er eine Weile nichts mehr. Mama hielt ihn im Arm und beide schauten schweigend der Sonne vor Emils Kinderzimmerfenster zu, die strahlend aufging.

„Mama? Aber Opa ist doch jetzt keine Fledermaus geworden, oder? Wie kann er denn in den Himmel fliegen? So ohne Flügel?“, fragte Emil, nachdem er ein bisschen nachgedacht hatte und seine Mama musste ein bisschen schmunzeln.

„Nein, Emil. Opa ist keine Fledermaus geworden. Er wohnt jetzt einfach woanders. Um dort hinzukommen, braucht man ganz spezielle Flügel, die nur Engel haben.“

Für Emil war das alles sehr schwer zu verstehen. Und er spürte mindestens zweitausend Fragen, die in seinem Kopf herumflitzten – und einen großen, schweren Kloß in seinem Hals fühlte er ebenfalls.

„Wenn Opa jetzt woanders wohnt, kann ich ihn ja trotzdem besuchen!“, sagte Emil plötzlich sehr entschlossen. Er würde gleich seine kleine Tasche packen und er, Mama und Papa würden Opa ganz einfach besuchen gehen. Das konnte doch nicht so schwierig sein!

Emil schlüpfte aus Mamas Umarmung, hopste aus dem Bett und suchte seine Tasche. Sie lag ganz unten in seiner Verkleidungskiste; direkt neben dem Piratenkostüm und dem Holzschwert, das Opa ihm aus einem Stückchen Baumrinde gebastelt hatte. Er zog seinen gestreiften Pullover und die rote Hose an, setzte sich die Piraten-Augenklappe auf, schnappte sich sein Schwert und dann rief Emil: „Los geht‘s! Auf zu Opa! Ahoi!“

Mama Maus aber machte ein bedrücktes Gesicht.
„Komm mal mit ans Fenster.“, bat sie Emil.

Und dann schauten beide aus dem Fenster und Mama zeigte auf den Himmel. Wenn man genau hinsah, konnte man noch einen kleinen Stern sehen.

„Schau, Emil“, sagte Mama „wir können Opa leider nicht mehr besuchen. Jedenfalls nicht so richtig.“

„Was soll das heißen, Mama?“, fragte Emil und wurde wütend. Und sehr traurig. Beides gleichzeitig.

„Wenn man gestorben ist, ist man an einem anderen Ort. Ganz bestimmt ist man dann im Mäusehimmel, wo es sehr, sehr schön ist. Aber sich sehen, miteinander spazieren gehen, gemeinsam Erdbeeren pflücken und Käsekuchen essen – das geht nicht mehr so, als wenn Opa noch leben würde.“, sagte Mama Maus.

Emil fing an, zu weinen. Er musste so sehr weinen wie er noch nie in seinem Leben geweint hatte. Selbst als er sich beim Fahrradfahren das Knie aufgeschürft hatte, hatte er nicht so sehr weinen müssen.
Mama Maus hielt Emil fest im Arm. Und dann zeigte sie ihm den Stern am Himmel, der am frühen Morgen immer noch zu sehen war.

„Da oben, irgendwo bei diesem Stern, da ist Opa jetzt ganz bestimmt und wird dir bei allem zuschauen, was du machst. Er wird sehr stolz sein, was du alles von ihm gelernt hast. Und sicher wird er mit dir gemeinsam lachen, wenn du Pirat spielst und mit eurem Holzschwert durch den Garten flitzt.“

Emil wollte aber nicht, dass Opa da oben bei dem Stern ist. Emil wollte, dass Opa bei ihm ist und ihm die Öhrchen kraulte. So wie sonst auch immer. Und außerdem wollte Emil jetzt allein sein. Er rannte nach draußen, auf die große Wiese vor ihrem Mäusehaus, und schrie ganz laut „Oooopaaaa!“.

Opa würde ihn hören und kommen und sie würden sich in den Arm nehmen und alles wäre gut. So wie gestern, als Opa noch da war, dachte Emil. Er schrie so laut und so lange nach Opa Maus bis er ganz heiser wurde und sich erschöpft auf die Wiese setzte. Dann schaute Emil in den Himmel und dachte nach.
Nach einer Weile meinte Emil, dass Mama Maus vielleicht recht hatte und Opa zwar nicht mehr bei Emil und seiner Familie wohnte, aber woanders. Und nur, weil jemand woanders wohnt, heißt das ja nicht, dass man nicht trotzdem an jemanden denken kann.

Und wenn man ganz fest an jemanden denkt, ist es fast so, als wäre er da.
Das wusste Emil, denn das hatte er schon mal ausprobiert, als sein Papa auf großer Mäusegeschäftsreise war. Da hatte er jeden Abend so fest an Papa Maus gedacht, dass es sich beinahe so anfühlte, als säße Papa an seinem Bett.

Das wollte Emil mit Opa auch probieren, wenn er ihn schon nicht besuchen könnte.

Also dachte Emil ganz fest an Opa.

Und tatsächlich! Wenn Emil die Augen schloss und seine Nase in den Wind hielt, dann fühlte er Opas dicken Mäusebauch und wie toll es war, sich an ihn zu kuscheln. Das machte Emil ein warmes Gefühl im Bauch und er musste nicht mehr weinen. Naja, jedenfalls nur noch ein kleines Bisschen, weil er Opa ja so sehr vermisste und auch, weil er noch ein kleines Bisschen sauer auf Opa war, der nun tot war und nicht mehr bei ihm wohnte.

Dann kam Emils Mama auf die Wiese und hielt einen roten Luftballon in der Pfote.
„Wollen wir einen Ballon zu Opa in den Himmel schicken?“, fragte sie.
Und Emil wollte. Sie sahen dem Luftballon lange nach, bis er nur noch ein ganz kleiner Punkt war. Sicher würde sich Opa darüber freuen.

„Mama?“, fragte Emil. „Ich weiß jetzt, wo Opa wohnt.“
Emil legte eine Pfote auf die Brust und sagte:
„Opa wohnt nicht woanders. Er wohnt in meinem Herz.
So wie immer.“

Emil gab Mama einen Kuss. Dann nahm er sein Holzschwert, flitzte durch den Garten, spielte Pirat und wusste genau, dass Opa genau in diesem Moment mit ihm lachte. Und seitdem hatte Emil keine Angst mehr in der Nacht, denn Opa war immer bei ihm, wenn er nur ganz fest an ihn dachte.

Printausgabe & eBook

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(c) Susanne Bohne

„Opa wohnt jetzt woanders“ ist als Buch und eBook (Kindle) mit farbigen Illustrationen im (Online-)Buchhandel erhältlich.

„Opa wohnt jetzt woanders: Eine Geschichte für Kinder über den Tod und die Trauer.“ Für Kinder ab 4 Jahren.

Eine kostenlose Leseprobe gibt es hier zum Download.
(Downloads erfolgen auf eigene Gefahr und berechtigen nur zum ausschließlichen privaten Gebrauch.)

Das Buch ist im (Online-) Handel u.a. hier erhältlich:

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Thalia

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