Kindergarten ab wann

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Schon vor der Geburt stellt sich Eltern oft die Frage, ab wann sie ihr Kind in den Kindergarten geben wollen. Meldungen in den Medien über Studien, welche Vor- und Nachteile in Zusammenhang mit dem Kindergarteneintritt untersuchen, sorgen für Verwirrung bei jungen Eltern, die ja eigentlich nur das Beste für ihr Kind wollen.

Nachfolgend werden aus psychologischer Sicht Betrachtungen vorgenommen, die den Eltern bei ihrer Entscheidung für oder gegen den Kindergarten behilflich sein könnten.

Was spricht generell für den Kindergarten?

Aus lernpsychologischer Sicht kann der Kindergarten einige Vorteile bieten.

Lernen am Modell anderer Kinder

Soziales Lernen, wie das Lernen am Modell, zählt zu den am häufigsten gezeigten Lernverhalten bei Kindern. Daraus erwächst eine gewisse Motivation, dieses Verhalten nachzuahmen, was förderlich für die kindliche Entwicklung sein kann.
Fast jedes Elternpaar bemerkt, wie schnell sich ihr Kind entwickelt, sobald es in den Kindergarten geht. So lernen Krabbelkinder plötzlich laufen, “schlechte Esser” sitzen auf einmal ordentlich am Tisch und Windelträger zeigen verstärktes Interesse am Töpfchen.

Keine Frage, der Kindergarten kann aus dieser Sicht die Entwicklung der Fähigkeiten eines Kindes unterstützen und seine Selbstständigkeit fördern.

Soziale Kompetenz schulen

Darüber hinaus besteht für das Kind im Kindergarten durch den intensiven Kontakt zu anderen Kindern die Möglichkeit die soziale Kompetenz zu schulen. Streitereien um Spielzeuge gehören ebenso dazu wie das Vertragen und Einigen bei Auseinandersetzungen, so die Kinder sich nicht selbst überlassen werden, sondern “im Ernstfall” pädagogisch unterstützt werden. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass die Einsicht in das “Recht des Stärkeren” sich eher nachteilig auf die soziale Kompetenz auswirken könnte.

Erfahren von Gleichwertigkeit

Kinder im Kindergarten © woodleywonderworks under cc

Zudem sehen Kinder im Kindergarten durch den sozialen Vergleich, dass es andere “Wesen” gibt, die sich ähnlich in Bezug auf Bewegung, Motorik und Sprache verhalten, also z.B. auch noch nicht laufen oder richtig sprechen können.

Auch die Beziehung zwischen Eltern und Kindern und den Kindern untereinander ist verschieden charakteristisch, wie Professor Petillon von der Universität Landau zusammenfasst. Ist die Eltern-Kind-Beziehung durch eine gewisse Asymmetrie und Macht gekennzeichnet, zeigt sich zwischen den Kindern eine eher symmetrisch-reziproke Beziehung der Gleichwertigkeit und Gegenseitigkeit.
Gerade Kinder ab 2 Jahren fordern den Kontakt mit Gleichaltrigen regelrecht auf ihre Art ein, so Petillons Resümee. Zum Beispiel fragen sie des Öfteren nach Kindern oder bleiben stehen, wenn sie andere Kinder sehen. Aus Dialogen mit Kindern geht hervor, dass das Wichtige am Kindergarten für sie ist, dass andere Kinder dort sind.

Was spricht gegen einen frühen Eintritt in den Kindergarten?

Diskutiert wird von den Experten, wann der Eintritt in den Kindergarten am besten erfolgen sollte. Ein zu früher Eintritt in den Kindergarten kann auch mit Nachteilen in Zusammenhang stehen, wie verschiedene Studien zeigen.

Kindergarten führt zu Stress bei Kindern

Aktuelle entwicklungspsychologische Kenntnisse zeigen, dass ein zu früher Eintritt in den Kindergarten Stress bei den Kindern hervorrufen kann.

So fasst der Review von Vermeer und van IJzendoorn (2006) die Ergebnisse von neun Studien zusammen, welche den Stresspegel anhand des Cortisolspiegels bei Kindergartenkindern und zu Hause betreuten Kindern verglichen. Es zeigt sich, dass Kinder, die im Kindergarten betreut werden, einen höheren Cortisolspiegel und somit mehr Stress haben als zu Hause betreute Kinder. Insbesondere Kinder unter 36 Monaten haben eine stärkere Stressreaktion durch den Kindergarten. Andere Studien gehen von einem Alter von 25 Monaten als Grenzwert aus, wie die Frankfurter Rundschau (2010) berichtet, wieder andere Studien deuten darauf hin, dass dieser Grenzwert sich bis in das vierte bis siebente Lebensjahr trägt.
Der Cortisolspiegel steigt mit zunehmender Dauer im Kindergarten, über den Tag hinweg, an. Als Grund für den erhöhten Cortisolspiegel bei Kindern im Kindergarten werden stressvolle Interaktionen im Rahmen des Gruppensettings gesehen.

Diese Auffälligkeiten beim Cortisolspiegel scheinen auch Langzeitauswirkungen zu haben, wie andere Studien zeigen (z.B. Roisman et al., 2009). So finden sich z.B. noch bei Fünfzehnjährigen Unterschiede im Cortisolspiegel zwischen ehemals im Kindergarten betreuten und daheim betreuten Kindern.

Das Stresssystem und damit die Stressanfälligkeit wird früh im Leben programmiert, so Dr. Pawelzik, leitender Arzt der EOS-Klinik für Psychotherapie in Münster. Durch die frühe Sozialisation haben die Kinder im Kindergarten einen höheren Cortisolspiegel als zu Hause, da ihre soziale Kompetenz und Regulationsfähigkeit noch nicht so stark ausgeprägt sind. Vor allem sozial ängstliche Kinder haben offenbar einen erhöhten Cortisolspiegel, wenn sie im Kindergarten betreut werden (Watamura, 2003).

Kindergartenkinder haben höheres Risiko für ADHS und Ekzeme

Die Geburtskohortenstudie LisaPlus deutet darauf hin, dass ein früher Kindergarteneintritt in Zusammenhang mit höherem Risiko für ADHS (d.h. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung*) und Ekzemen steht (vgl. Frankfurter Rundschau, 2011). Ein Betreuungsschlüssel von 7-8 Kindern pro Erzieherin, besser noch 5 Kindern, wirkt sich dabei günstig auf eine Verringerung des Risikos aus. Auch sollten jüngere Kinder lieber nur wenige Stunden in den Kindergarten gehen, um das Risiko zu vermindern.

Aus Urvertrauen erwächst Selbstvertrauen

Einige Psychologen befürworten einen Eintritt in den Kindergarten ab einem Alter von zwei, besser drei Jahren, andere sehen unter dem Aspekt der Eltern-Kind-Bindung einen noch späteren Eintritt in den Kindergarten vor, da sich aus dem sicheren Urvertrauen das Selbstvertrauen der Kinder entwickelt und sie soziale Kompetenzen vor allem auch durch die Familienmitglieder als soziale Modelle erlernen.

Individuell entscheiden

Letztendlich muss jedes Elternpaar für sich entscheiden, wann sie ihr Kind in den Kindergarten geben. Zu berücksichtigen bei der Entscheidung für oder gegen den Kindergarten sind oftmals auch die familiären (finanziellen) Belange sowie die gesellschaftlichen Umstände (Karriereknick, erschwerte Rückkehr in den Beruf mit längerer Erziehungszeit etc.). – So lange diesbezüglich den Eltern Nachteile entstehen, bleibt die Entscheidung für oder gegen den Kindergarten nicht ausschließlich eine individuelle Wahl.
Andererseits erfordert eine Eigenbetreuung zu Hause auch eine ausreichende Beschäftigung des Kindes, bei der man ehrlich abwägen muss, ob man dieser nachkommen kann und möchte.

Sollten sich Eltern für einen früheren Eintritt in den Kindergarten entscheiden, ist die gemeinsame Zeit mit dem Kind als Ausgleich wichtig.
Entscheidet man sich dafür, längere Zeit zu Hause zu bleiben, können Krabbelgruppen und Spielplätze für die notwendigen sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen sorgen und damit die Vorteile des Kindergartens ausgleichen.

(* Anm. der Red.: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung gilt als eine streitbare Diagnose. Oft verschwimmen die Grenzen zwischen der Existenz der Störung als solche und dem natürlichen Bewegungsdrang und Verhalten der Kinder.)

Quellen:

Dieser Artikel ist Teil einer Serie, welche sich mit Themen rund um die frühkindliche Erziehung beschäftigt:

  • Teil 1: Die Mütter*-Company: Konkurrenz unter Müttern
  • Teil 2: Fütterungsprobleme – Bedarfsgerechte Einführung von Beikost bei Kindern
  • Teil 3: Warum Babys “schlecht” durchschlafen und schreien lassen nicht hilft
  • Teil 5: Das Trotzalter – eine nervenaufreibende Phase im Kleinkindalter

Kindergarten und Kita für unter-3-Jährige

Immer mehr Kindergärten betreuen Kinder unter drei Jahren – für Eltern die Chance, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Was es dabei zu beachten gibt

Gesetzlicher Anspruch auf Kindergartenplatz

Seit dem 1. August 2013 haben Kinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr einen gesetzlichen Anspruch auf einen Platz in einer Kinderbetreuung. Zwar wurden am 1. März 2014 schon über 660.000 Kinder unter drei Jahren betreut – das ist ein Anstieg von rund 64.000 Kinder gegenüber dem Vorjahr – doch noch immer stehen der großen Nachfrage kaum genügend Krippenplätze gegenüber. Viele Eltern finden für ihr Baby noch immer keinen Platz in einer öffentlich geförderten Betreuungseinrichtung, obwohl der Kita-Ausbau schnell voranschreitet.

Kleinkind

Richtige Kinderbetreuung für Ihr Baby finden

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„Die Zahlen zeigen, dass wir hier auf einem guten Weg sind. Aber sie zeigen auch: Wir sind noch nicht am Ziel angekommen. Klar ist, wir brauchen mehr Kitaplätze – und wir brauchen gute Kitaplätze“, sagt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. „Wir werden in dieser Legislatur eine Milliarde für den Kita-Ausbau zur Verfügung stellen. Dabei legen wir den Schwerpunkt auf die Ganztagesbetreuung und die gesunde Verpflegung. Weitere 400 Millionen Euro werden für die Sprachförderung eingesetzt.“ Und weitere gute Nachrichten kommen von der Bundesregierung: Sie wird noch in diesem Jahr (2014) die gesetzlichen Grundlagen für den weiteren Ausbau schaffen, so dass auch nach Ausschöpfung der bisherigen vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel ab 2015 weitere Plätze geschaffen werden können.
Dennoch ist die Betreuung der Babys in Kitas, im Kindergarten und Krippen für viele Eltern zunächst mit Unsicherheit und Bedenken verknüpft. Die erste Frage lautet natürlich: Welche Kinder haben überhaupt Chancen auf Betreuung in einer öffentlich geförderten Einrichtung?

Welche Kinder haben eine Chance auf einen Kita-Platz?

„In den meisten Kitas entscheiden soziale Gründe über die Aufnahme eines Kindes“, sagt Kerstin Kohler-Gern, Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte Immergrün in Freiburg. Der Nachwuchs allein erziehender, berufstätiger oder sich in der Ausbildung befindlicher Mütter hat in der Regel Vorrang. Auch eine schwierige Familiensituation kann die Aufnahme eines Kindes in Krippe oder Kita beschleunigen.

Kleinkind

Nur geimpft in die Kita?

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Apropos Krippe: Die Betreuung von unter Dreijährigen in eigens für diese Altersgruppe eingerichteten Kindergärten ist ein Auslaufmodell. Und zwar deshalb, weil die Vorteile altersgemischter Gruppen, in denen Kinder zwischen einem und sechs Jahren im gemeinsamen Spiel soziales Verhalten lernen – etwa das Teilen oder die gegenseitige Rücksichtnahme -, bei weitem überwiegen. Welche öffentlichen Einrichtungen Kinder unter drei Jahren betreuen, ist bei Familienberatungsstellen und Jugendämtern zu erfahren.

Vor dem Eintritt in die Kita ist sichere Bindung an Eltern wichtig

Viele Eltern fürchten eine Bindungsstörung, wenn Sie Ihr Baby in die regelmäßige Fürsorge einer andere Person geben. Damit dies nicht geschieht, ist eines wichtig: eine sichere Bindung an die Eltern.

„Fremdbetreuung – wie das schon klingt“, sagt Sigrid Diebold, die Leiterin der Kindertagesstätte Vauban in Freiburg und fasst damit das Widerstreben vieler Mütter und Väter zusammen, ihre Kinder für einige Stunden in die Hände erfahrener Erzieher zu geben. Hauptbefürchtung vieler Eltern: Die Mutter-Bindung des Kindes könnte durch eine zusätzliche Betreuungsperson gestört werden, das Kind emotional verarmen und es im schlimmsten Fall zu einem halt- und bindungslosen Menschen heranwachsen lassen. Nichts davon hat die Säuglingsforschung bestätigt – im Gegenteil: Die meisten Babys sind schon sehr früh in der Lage, unterschiedlich intensive Beziehungen zu anderen Menschen zu unterhalten, ohne dass es ihre emotionale Stabilität beeinträchtigt. Voraussetzung: Eine sichere Bindung des Kindes an Mutter oder Vater.
Riskant ist nach Ansicht von Experten die Betreuung von Säuglingen in Krippen, die für die Bedürfnisse von unter Einjährigen nicht eingerichtet sind – was leider nicht selten vorkommt. „Erfüllen die Einrichtungen aber hohe Qualitätsstandards“, sagt Kornelia Schlosser, Expertin für Vorschulerziehung am Deutschen Jugendinstitut, „haben Kinder dort bessere Entwicklungschancen, als wenn sie ausschließlich zu Hause aufwachsen
Nicht weniger wichtig: Dass ein weicher Übergang des Kindes aus der vertrauten, familiären Lebenswelt in die Gemeinschaft vieler und zunächst fremder Kinder und Erwachsener gewährleistet ist. Dabei müssen die Gefühle, das Temperament und der Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigt werden. Der Kinderpsychologe Prof. Kuno Beller hat dafür das so genannte Berliner Modell entwickelt. Verläuft sie derart einfühlsam, geht die Eingewöhnung zur Verwunderung vieler Eltern meist unkompliziert über die Bühne. „Das liegt auch daran, dass die meisten Kinder erst mit zweieinhalb Jahren ein Ich-Bewusstsein und damit eine Scheu gegenüber fremden Menschen entwickeln. Bis dahin fühlen sich die Kleinen überall wohl, wo es ihnen gut geht“, sagt Vera Schickler, Leiterin der Waldorf-Kinderkrippe Sieben Zwerge in Freiburg, in der auch Einjährige betreut werden.
Auch immer mehr alternative Einrichtungen wie etwa Waldorf-Kindergräten und Montessori-Kindergärten, die sich den Bedürfnissen und der Entwicklung des Kindes besonders verpflichtet fühlen, widmen sich der außerfamiliären Erziehung von Kindern unter drei Jahren. Das widerlegt das Vorurteil, die institutionelle Kleinkindbetreuung sei eine minderwertige und der Familie unterlegene Form erzieherischer Zuwendung.

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Der Kindergarten ist in Österreich für alle Kinder und natürlich auch die Eltern sehr wichtig. Alle Informationen und Tipps dazu finden Sie hier:

Regelungen in Österreich

Gratiskindergartenjahr: In Österreich ist der halbtätige Kindergarten – 20 Stunden pro Woche – im letzten Jahr vor Schuleintritt des Kindes für die Eltern kostenlos.

Zusätzlich haben einige Bundesländer zusätzliche Regeln und Möglichkeiten für Familien geschaffen:

  • Wien: Es gibt keine Elternbeiträge für ganztägige Krippen- oder Kindergärten für 0- bis 6-Jährige in Wien.
  • Burgenland: Rückerstattung der Elternbeiträge für den ganztägigen Kindergarten möglich. (weitere Informationen)
  • Tirol: Keine Elternbeiträge für den halbtägigen Kindergarten von 4- bis 6-Jährige.
  • Oberösterreich: Keine Elternbeiträge für Ganztageskindergärten von 2,5- bis 6-Jährige.
  • Niederösterreich: Keine Elternbeiträge für Halbtageskindergärten von 2,5- bis 6-Jährige.

In Salzburg, Kärnten, der Steiermark und in Vorarlberg gibt es keine Sonderregelungen.

Kosten

Hier gelten je Bundesland andere Regelungen (siehe oben). Dennoch kann österreichweit die Kinderbetreuungshilfe (Kinderbetreuungsgeld) beantragt werden, um die anfallenden Kindergartenkosten abzudecken.

Kindergarten – Ja oder Nein?

Viele Familien stellen sich die Frage, ob man das eigene Kind in den Kindergarten geben soll. Wenn ja, dann ab welchem Alter? Gibt es ein “Zu früh” oder ein “Zu spät”? Und wenn die Entscheidung dann einmal gefallen ist, wie findet man den richtigen Kindergarten? Was erwartet mein Kind dort und fühlt es sich dann abgeschoben? Kann ich der Einrichtung vertrauen? Auf all diese Fragen wird im nachfolgenden Artikel eingegangen und soll einen kleinen Ratgeber für alle Eltern sein.

Es gibt viele gute Gründe, die dafür sprechen, ein Kind in einem Kindergarten betreuen zu lassen. Oftmals erfordert dies die berufliche Situation einer Familie. Doch auch wenn man nicht im Berufsleben ist, sollte man sein Kind in einer Kindertagesstätte geben.

Was ist im Kindergarten wichtig?

Diese Vorteile hat ein Kindergarten für die Entwicklung des Kindes:

Sozialverhalten

Zu Hause ist das Kind meist nur von den Eltern und den Geschwistern umgeben. Wenn es ein Einzelkind ist, dann hat es fast ausschließlich Kontakt zu erwachsenen Personen. In einer Kindergartengruppe muss es nun lernen, mit 15-20 Kindern zu recht zu kommen. Dafür ist es notwendig, dass es sich eingliedert. Weiterhin kommt es in solchen Gruppen auch zu Streitigkeiten und Konflikten. Das Kind lernt, mit diesen umzugehen und sie auch zu lösen. Dabei ist oftmals nicht mal die Unterstützung der Betreuer notwendig, da die Kinder das meist unter sich regeln. Die Interaktion untereinander wird gefördert und sie lernen das soziale Leben kennen, was besonders wichtig für die Entwicklung im emotionalen und intellektuellen Bereich ist.

Wichtig für die Entwicklung der Persönlichkeit

Während ein Kind in der Familie immer eine feste Rolle hat, lernt es im Umgang mit anderen Kindern auch andere Rollen einzunehmen und sich einen Platz in einem sozialen Umfeld zu schaffen. Dies kann im Kindergarten in einem sicheren Umfeld und unter Betreuung stattfinden. Während der Kindergartenzeit kann sich das Kind an neue Gruppen und an neue Personen gewöhnen, sich in der Gruppe integrieren und sich dadurch weiterentwickeln. Das Kind lernt, Verantwortung zu übernehmen, was wiederum zu einer Stärkung des Selbstvertrauens führt.

Im Kindergarten von Anderen lernen

In der Gruppe treffen unterschiedliche Persönlichkeiten und auch verschiedene Fähigkeiten aufeinander, da es meist altersgemischte Gruppen sind. Auch verschiedene Kulturen, Religionen und Herkunftsländer treffen aufeinander. Dadurch lernen die Kinder voneinander und miteinander durch das Beobachten, das Nachahmen und schließlich durch das ständige Wiederholen.

Entwicklung von grundlegenden Fähigkeiten

Pädagogen sorgen in den Einrichtungen dafür, dass die Kinder in allen wichtigen Bereichen spielerisch gefördert werden. Dazu gehört die Sprache, die Bewegung, die Wahrnehmung sowie die Koordination, das Denken, die Emotionalität und die Empathie. Die Betreuer setzen Impulse zum Lernen und unterstützen dies durch pädagogische Materialien, wie Bücher, Spielecken oder Bastelangebote.

Besonderheiten erkennen und fördern

Hat ein Kind Schwächen oder in irgendeinem anderen Bereich Defizite, so wird dies im Kindergarten durch das Fachpersonal rechtzeitig erkannt. So besteht die Möglichkeit, sich frühzeitig Hilfe zu holen und dem Kind somit den bestmöglichen Start in das Leben zu ermöglichen.

Viele Eltern wissen m Anfang nicht, worauf sie bei der Wahl der Einrichtung achten sollen. Wichtig ist es, dass der Personalschlüssel stimmt. Das heißt, dass mindestens zwei Erzieherinnen auf 25 Kinder fallen sollten. Weiterhin sollten die Räume groß genug sein, damit genügend Spielflächen zur Verfügung stehen. Helle und freundlich gestaltete Räumen laden eher zum Spielen und Verweilen ein, als triste und lieblos eingerichtete Zimmer. Damit die Kinder die Möglichkeit haben, sich auch mal zurückzuziehen und eine Auszeit nehmen zu können, sollten Kuschel- und Leseecken vorhanden sein.

Der Außenbereich sollte ausreichend groß sein und dem Kind Möglichkeiten zum Rennen, Herumtoben, Klettern, Schaukeln und im Sand spielen geben. Beim Bringen oder Abholen der Kinder ist es wichtig, dass Zeit für Rückmeldungen durch die Betreuer und Fragen vorhanden ist. Bezüglich der Mahlzeiten sollten Eltern darauf achten, dass Wert auf eine gesunde Ernährung gelegt wird. Obst, Gemüse sowie Wasser und Tee sollten täglich auf dem Teller zu finden sein. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Hygiene. Der Waschraum und die Toiletten müssen sauber sein. Außerdem sollten die Sanitärgegenstände ein kinngerechte Größe haben, damit die Kinder jederzeit selbstständig auf die Toilette gehen können.

Der Kindergartenalltag

Es gibt einige Schwerpunkte, auf die sich die pädagogische Arbeit in einem Kindergarten konzentriert. Einer dieser Punkte ist die Erziehung zur Selbstständigkeit. Die Kinder lernen, wie man sein Leben Stück für Stück selbständig bewältigen kann. Dazu gehört das alleinige An- und Ausziehen, auf die Toilette gehen, sich allein die Nase putzen und die Hände zu waschen oder auch das Brot schmieren oder beim Zubereiten von Mahlzeiten zu helfen. Weiterhin werden soziale Fähigkeiten gefördert. Die Kinder lernen, wie man Konflikte löst und sich in solchen Situationen richtig verhält. Auch die gegenseitige Rücksichtnahme ist ein wichtiger Punkt in der Erziehung der Kinder.

Um sich im späteren Leben behaupten zu können, ist es wichtig, dass gute Manieren und Benehmen vermittelt wird. Dazu gehört es, sich am Morgen zu begrüßen und beim Abholen zu verabschieden. Die Kleinen müssen lernen, dass man Andere ausreden lässt und ihnen aufmerksam zuhört. Am Tisch werden die Regeln und Manieren besprochen und umgesetzt. Da in den Einrichtungen nicht für jedes Kind ein eigenes Spielzeug vorhanden ist, müssen sie lernen, dass man teilen muss. Die Kinder, die sich im letzten Jahr vorm Schuleintritt befinden, werden spezielle Vorschulprogramme durchgeführt, so dass sie den perfekten Start in das Schulleben haben.

Weitere Informationen über die Kindergartenpädagogik finden Sie hier!

  • Kindergarten & Kinderkrippe in Österreich – Kinderbetreuung
    • Kindergarten und Hort in Wien – Kindergartenplatz
  • Kindergartenpädagogik – Ausbildung zur Kindergärtnerin – BAfEP (BAKIP)
  • Kindertagespflege

    Eine Betreuungsmöglichkeit für Kinder unter drei Jahren ist die Kindertagespflege durch eine Kindertagespflegeperson. Eine anerkannte Kindertagespflegeperson besitzt eine Pflegeerlaubnis und hat in mehreren Kursen die Qualifikation zur Betreuung von Kleinkindern erworben.
    In Eschborn lebende Familien werden von der Stadt Eschborn bezuschusst, die ein oder mehrere Kinder unter drei Jahren bei einer Kindertagespflegeperson betreuen lassen.

    Besuchen mehrere Geschwisterkinder städtische oder kirchliche Kindertagesstätten, Horte, Tagespflegepersonen oder Krippen, so fällt für ein Kind die höchste Betreuungsgebühr an, für alle weiteren Kinder nur noch das Essensgeld.
    Die Zuschussvergaberichtlinie der Stadt Eschborn regelt das Verfahren der Bezuschussung der Kindertagespflege für die Eltern.
    Für die Vermittlung von Kindertagespflegepersonen wenden Sie sich bitte an:

    Main-Taunus-Kreis, Amt für Jugend, Schulen und Sport
    Am Kreishaus 1 – 5, 65719 Hofheim, www.mtk.org

    Zur Betreuung und Förderung von Kindern, vor allem in den ersten Lebensjahren, steht neben der Betreuung in Einrichtungen auch die Kindertagespflege zur Verfügung. Wer sich für die Betreuung seines Kindes in Kindertagespflege oder für ein eigenes Engagement in der Kindertagespflege interessiert, findet beim Main-Taunus-Kreis kompetente Ansprechpartner. Zu den Leistungen gehört die Vermittlung, Beratung, Förderung sowie die Qualifizierung und Fortbildung für die Kindertagespflege.

    Eltern finden hier erste Informationen über

    • die Vermittlung und Organisation der Kindertagespflege
    • die aktiven Kindertagespflegepersonen im gesamten Kreisgebiet
    • die Förderung der Kindertagespflege durch den Main-Taunus-Kreis
    • Anträge für die Kindertagespflege und die Förderung

    Wer selbst in der Kindertagespflege aktiv werden möchte, findet hier

    • Informationen zur Kindertagespflege
    • die Angebote zur Qualifizierung im Umfang von 180 Unterrichtseinheiten und zur Fortbildung für Kindertagespflegepersonen
    • die Unterlagen zur Bewerbung für die Kindertagespflege
    • Informationen zu den Förderprogrammen des Bundes, des Landes Hessen und des Main-Taunus-Kreises

    Gerne beraten wir Sie auch persönlich. Sie erreichen den Fachdienst Tagesbetreuung für Kinder telefonisch unter 06192/201-1519 oder per Mail unter jugend-schulen-kultur@mtk.org.

    oder:

    Stadtverwaltung Eschborn
    Rathausplatz 36
    65760 Eschborn
    Frau Martina Höppler (Finanzierung und Bezuschussung)
    Frau Vera Strobel (Pädagogische Fachberatung)

    Haben Sie auch ein Angebot für Kinder unter drei Jahren und sind hier nicht erwähnt? Zur Aufnahme in die Liste melden Sie sich bitte unter U3(at)eschborn.de. Für Fragen zur Verwaltung steht Ihnen unsere Mitarbeiterin Frau Höppler gerne zur Verfügung. Bei pädagogischen Fragen wenden Sie sich bitte an Frau Strobel.

    Für freie Plätze bei Eschborner Kindertagespflegepersonen wenden Sie sich an:

    Netzwerk Eschborner Tagesbetreuung – NET e.V.
    Telefon: (06196) 96 75 85
    info(at)net-e-v.de

    Ab wann haben Kinder einen Anspruch auf einen Kita-Platz?

    Seit dem 1. August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für ihr Kind. Dieser Anspruch gilt vom ersten Geburtstag an bis zur Einschulung.

    Wie hoch sind die Kosten für die Betreuung in der Krippe?

    Die Gebühren für eine U3-Betreuung sind nicht einheitlich geregelt, sodass die Elternbeiträge vom Bundesland, der Kommune und dem jeweiligen Träger abhängen. Häufig ist der Kita-Platz ab 1 Jahr teurer als die Betreuung von Kindern über 3 Jahren.

    Wie verläuft die Eingewöhnung in der Krippe?

    Es gibt verschiedene Modelle, die bei der Eingewöhnung in eine Kita U3 Anwendung finden. Die beliebteste Variante ist das Berliner Eingewöhnungsmodell.

    In der heutigen Zeit müssen sich Frauen nicht mehr zwischen Beruf und Familie entscheiden. Sie können selbst entscheiden, wann sie nach der Geburt ihres Kindes wieder arbeiten gehen möchten. Um die Kinder während dieser Zeit gut betreuen zu können, bieten viele Kindergärten oder Kindertagesstätten eine Betreuung für unter 3-jährige an. Aber habe ich einen Rechtsanspruch auf einen solchen Kita-Platz? Wie viel kostet diese besondere Betreuung und wann muss die Anmeldung erfolgen?

    In unserem Ratgeber informieren wir Sie ausführlich über die Kita U3. Sie erfahren, wie es mit dem Rechtsanspruch aussieht und welche Kosten dabei auf Sie zukommen. Zudem zeigen wir Ihnen auf, wie ein guter U3-Kindergarten aufgebaut ist und wie die Eingewöhnung vonstatten geht. Außerdem geben wir Ihnen Auskunft darüber, ab wann eine Betreuung wirklich Sinn macht.

    1. Der Kindergarten ab 1 Jahr

    Eltern können Ihr Kind in einer Kindertageseinrichtung oder durch die Kindertagespflege betreuen lassen.

    Die U3-Betreuung wird in Deutschland immer wichtiger. Viele Eltern wollen nach der Geburt ihres Kindes möglichst schnell wieder arbeiten gehen. Durch diesen Umstand wurde am 1.August 2013 das Kindertagesförderungsgesetz (KitaFöG) erlassen. Durch dieses Gesetz haben Eltern den Rechtsanspruch auf eine frühkindliche Förderung. Diese Regelung gilt für Kinder, die mindestens ein Jahr alt sind.

    Aber auch für Kinder unter einem Jahr gibt es neue Regelungen. Ihre Kinder haben einen besonderen Anspruch auf Betreuung und Förderung, wenn Sie berufstätig, arbeitssuchend oder mitten in einer Ausbildung sind. Die Förderung kann in einer Kindertageseinrichtung oder durch die Kindertagespflege stattfinden.

    In der folgenden Tabelle erklären wir Ihnen kurz den Unterschied zwischen diesen beiden Formen:

    Begriff Betreuungsperson Betreuungsort
    Tageseinrichtung für Kinder Erzieher, Kinderpfleger, Sozialpädagogen Kita oder Kindergarten
    Kindertagespflege Tagespflegeperson, das bedeutet Tagesmutter oder Tagesvater zu Hause oder im Haushalt der Tagespflegeperson

    Nun können Eltern selbst entscheiden, welche Art der Betreuung Ihnen lieber ist. Da die Anzahl der verfügbaren Kita-Plätze in Deutschland jedoch sehr begrenzt ist, müssen einige Mütter und Väter teilweise aus der Not heraus nach Alternativen suchen. Die Tagesmutter ist hierbei sehr gefragt, obwohl diese generell mit höheren Kosten verbunden ist.

    Wenn die Kommune Ihnen jedoch keinen Platz in der Kita U3 zur Verfügung stellen kann, können Sie diesen auch vor Gericht einklagen. Das führt dazu, dass Sie einen Schadensersatzanspruch geltend machen können. Das gilt beispielsweise für den Verdienstausfall der Eltern.

    Da Sie natürlich auf eine Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind, müssen Sie sich auf die Suche nach einer Alternative machen. Dafür können Sie eine Kostenerstattung von der zuständigen Kommune verlangen.

    2. Das U3-Kindergarten-Konzept

    Die Betreuung von unter 3-Jährigen stellt für viele Erzieher und Erzieherinnen eine große Herausforderung dar. Denn die Konzeption der U3-Betreuung ist eine ganz andere. Die Kinder benötigen eine intensivere Eingewöhnungszeit, müssen mit Bedacht von der bisherigen Bezugsperson abgelöst und daraufhin an eine größere Gruppe von Kindern gewöhnt werden.

    Viele Eltern sind sich unsicher, ob sie ihr Kind bereits in einem so frühen Alter in eine Kindertageseinrichtung bringen möchten. Die vielen Vorteile liegen dabei ganz klar auf der Hand. Allerdings gibt es auch ein paar Nachteile, die Sie bedenken sollten.

    Hier ein kleiner Überblick über die Vor- und Nachteile einer Kita U3:

    • Eltern können ihrer Arbeit nachgehen
    • Stärkung der sozialen Kompetenzen
    • viele Kommunikationsmöglichkeiten
    • fester und strukturierter Tagesablauf
    • Entwicklungsförderung des Kindes durch geschultes Fachpersonal
    • Mangel an Betreuungsplätzen
    • unzureichender Betreuungsschlüssel

    Im Folgenden zeigen wir Ihnen die wichtigsten konzeptionellen Unterschiede von der U3-Betreuung zu einem “normalen” Kindergarten auf.

    2.1. Die pädagogische Zielsetzung

    Klatschspiele fördern die Sprache, die Motorik und das Rhythmusgefühl.

    Zunächst stehen die Sprachkenntnisse im Vordergrund. Wenn Kinder unter 3 Jahren in die Kita kommen, lernen sie in den meisten Fällen gerade erst das Sprechen. Das bedeutet für die Erzieher, dass sie die Sprache der Kinder anregen und immer wieder zum Sprechen animieren müssen. Aber auch durch die älteren Kinder erweitert sich der Wortschatz der Kleinen im Handumdrehen. Durch Lieder, Reime und Geschichten werden immer wieder Sprachanlässe geschaffen.

    Aber auch die Kreativität von Kindern soll im U3-Bereich der Kita gefördert werden. In den Einrichtungen lernen die Kinder unterschiedliche Materialien wie Holzbausteine, Knete oder Stifte kennen. Sie können dabei selbst ausprobieren, was sie mit diesen Materialien alles anstellen können. Ob stapeln, formen oder verschmieren – jedes Kind bekommt die Möglichkeit, sich kreativ zu entfalten.

    Die U3-Angebote beinhalten zudem viel Bewegung. Kein Kind unter drei Jahren kann und möchte ruhig auf einem Stuhl sitzen bleiben. In verschiedenen Räumlichkeiten können Kinder motorische Fähigkeiten erlernen und weiterentwickeln. Die Bewegung kann dabei sowohl ohne als auch mit Hilfsgegenständen und Geräten stattfinden. Wichtig ist nur, dass die Kinder sowohl im grobmotorischen als auch im feinmotorischen Bereich gefördert und gefordert werden.

    Um sich in einer Einrichtung wohlfühlen zu können, ist es wichtig, dass die Kinder das Gefühl haben, Teil der Kita zu sein. Sie müssen sich frei und selbstbewusst in der Tageseinrichtung bewegen können. Dazu gehört auch, dass sie sich in die Gruppe einfügen und in die Alltagsgestaltung miteinbezogen werden.

    Gerade im Kindergarten lernen Kinder die Notwendigkeit von Körperhygiene kennen. Sie orientieren sich dabei zunächst an den Verhaltensweisen der anderen Kinder. So lernen sie beispielsweise, dass man sich vor dem Essen und nach dem Toilettengang die Hände wäscht.

    Eine gesunde Ernährung steht bereits in der Kita U3 im Vordergrund.

    Und auch die gesunde Ernährung spielt bereits in der Kita U3 eine wichtige Rolle. Bei den verschiedenen Mahlzeiten zeigen die Erzieher den Kindern, dass es bestimmte Regeln gibt, die beachtet werden müssen. So sollten bereits kleine Kinder Besteck benutzen und beim Tischabräumen helfen. Aber auch auf das, was auf den Teller kommt, wird viel Wert gelegt. Nahrungsmittel wie Wasser, Tee, Obst und Gemüse stehen ganz oben auf der Liste.

    Um den individuellen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden, ist eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern unabdingbar. So können Eltern ganz offen mit Problemen und Fragen auf die Erzieher zukommen und umgekehrt. Gerade in der Eingewöhnungszeit ist es wichtig, dass alle Hand in Hand zusammenarbeiten.

    Die pädagogischen Ziele im Überblick:

    • Sprachförderung
    • Kreativität entfalten
    • Zusammengehörigkeitsgefühl fördern
    • Körperhygiene
    • gesunde Ernährung
    • enge Zusammenarbeit mit den Eltern

    2.2. Die Eingewöhnung

    Die Eingewöhnung in die Kita U3 ist für Kinder eine enorme Umstellung.

    Bei Kindern unter drei Jahren muss die Eingewöhnung langsam und schrittweise erfolgen. Dabei gibt es verschiedene Modelle, die zur Eingewöhnung herangezogen werden können. Die beliebteste und verbreitetste Variante ist dabei das Berliner Modell.

    Dieses gestaltet sich wie folgt:

    1. Schritt: In diesem Schritt geht es nur darum, dass die Eltern über die Verfahrensweise aufgeklärt werden.

    2. Schritt: An circa drei Tagen begleitet ein Elternteil das Kind in die Kita. Die Aufenthaltsdauer beschränkt sich dabei auf etwa ein bis zwei Stunden. Das Kind soll beobachtet werden und das sichere Gefühl haben, dass der Vater oder die Mutter in greifbarer Nähe ist.

    3. Schritt: Nach diesen drei Tagen wird ein erster Trennungsversuch durchgeführt. Die Dauer der Trennung sollte jedoch zunächst nur etwa 30 Minuten betragen. Der Elternteil bleibt dabei im Gebäude oder in unmittelbarer Nähe. Können die Erzieher das Kind nicht beruhigen, führen sie den nächsten Trennungsversuch erst einige Tage später durch.

    4. Schritt: In dieser Phase (Stabilisierungsphase) wird die Trennungsphase ausgedehnt. Ziel ist es dabei, dass sich das Kind an die Erzieherin bzw. den Erzieher gewöhnen kann.

    5. Schritt: In der letzten Phase geht die Mutter oder der Vater nicht mehr mit in die Kita. Wichtig ist jedoch, dass der Elternteil jederzeit erreichbar ist.

    Nun ist jedes Kind anders. Bei manchen funktioniert dieses Modell auf Anhieb, während andere Kinder die Trennung von den Eltern nicht so gut verkraften. Geben Sie Ihrem Kind Zeit, sich an die neue Umgebung und die Erzieher zu gewöhnen.

    Tipp: Wichtig ist, dass Sie sich von Ihrem Kind verabschieden und nicht einfach weg sind. Ihr Kind muss sich darauf verlassen können, dass Sie es pünktlich abholen. Dann fällt die Eingewöhnung in vielen Fällen leichter.

    2.3. Der Tagesablauf in der Kita U3

    Am Morgen wird gemeinsam gefrühstückt.

    Ein geregelter Tagesablauf ist für jedes Kind wichtig. Aber gerade in der U3-Betreuung legen Erzieher besonders viel Wert darauf. Der Tagesrhythmus gibt den Kindern Sicherheit und Struktur. Dabei spielen auch Rituale und Regeln eine bedeutende Rolle.

    Zunächst müssen die Kinder erst einmal im Kindergarten ankommen. Jede Familie kann dabei selbst über den Ablauf bis zur Verabschiedung bestimmen. Während manche Eltern ihr Kind nur kurz abliefern, beschäftigen sich andere Elternteile etwas intensiver mit ihren Kindern. Das ist sehr stark davon abhängig, wie gut sich das Kind bereits an die Betreuung gewöhnt hat.

    Wenn alle Eltern weg sind, findet das gemeinsame Frühstück statt. In der Regel ist es so, dass sich die Kinder ihr eigenes Essen von zu Hause mitbringen. Die Erzieher geben sehr kleinen Kindern natürlich spezielle Unterstützung.

    Nach dem Frühstück gibt es in den meisten Kindertageseinrichtungen einen U3-Morgenkreis. Bei diesem Ritual geht es in erster Linie darum, dass die gesamte Gruppe zusammenkommt und ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt wird. Im Morgenkreis wird gesungen, geklatscht und gespielt.

    Anschließend können die Kinder sich austoben. Das bedeutet, dass sie entweder an verschiedenen Angeboten teilnehmen oder sich selbst eine Beschäftigung aussuchen können. Die Aktivitäten können je nach Jahreszeit und Wetter in den unterschiedlichen Räumen oder im Freien stattfinden. In dieser Zeit gibt es zudem viele Förderangebote, die die verschiedenen Fähigkeiten der Kinder schulen.

    Die Betreuung von unter 3-Jährigen

    Laut aktueller Statistik wurden im Jahr 2018 33,6% der Kinder unter 3 Jahren in einer Kindertagesstätte oder durch die Kindertagespflege betreut.

    Zum Mittagessen treffen sich dann alle Kinder wieder in den entsprechenden Räumlichkeiten. Nach dem Essen wird zusammen aufgeräumt und sauber gemacht. Auch die Kleinen können dabei schon gut mithelfen.

    Darauf folgt der Mittagsschlaf, der eine wichtige Ruhephase für Kinder unter drei Jahren darstellt. Die Dauer des Mittagsschlafs richtet sich dabei natürlich nach den individuellen Bedürfnissen des Kindes.

    Am Nachmittag bieten die Einrichtungen für die Kinder, die ganztags betreut werden, verschiedene Freizeitaktivitäten an. Je nachdem, ob die Abholzeiten fest geregelt sind oder nicht, findet ein kleiner Abschlusskreis statt.

    3. Was eine gute U3-Kinderbetreuungsstätte ausmacht

    Aufgrund der unterschiedlichen Konzeptionen muss eine Kindertagesstätte oder ein Kindergarten auf die U3-Kinderbetreuung ausgerichtet werden. Wenn die Betreuung der Kleinkinder nicht in einer separaten Einrichtung, sondern mit den älteren Kindern zusammen erfolgt, sind die Herausforderungen noch größer. Denn niemand sollte in dieser gemeinsamen Kita vernachlässigt werden.

    Daher sollten Sie sich als Eltern gut überlegen, welche Kita am besten für Ihr Kind geeignet ist. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Einrichtung beispielsweise am Tag der offenen Tür zu besuchen. So bekommen Sie einen ersten Eindruck von den Räumlichkeiten und der Umgebung.

    Nachfolgend bekommen Sie eine kleine Übersicht über die wichtigsten Punkte, die eine Kita U3 erfüllen sollte.

    3.1. Das Raumkonzept der Kita u3

    In Kuschelecken kommen die Kleinen zur Ruhe.

    Die Raumgestaltung der Kita u3 spielt eine große Rolle. Die Gruppenräume sollten zunächst einmal hell und einladend sein. Zudem sollten sie auf die Bedürfnisse von Kindern unter drei Jahren zugeschnitten sein.

    Das heißt, dass die Räumlichkeiten sehr übersichtlich gestaltet sein müssen. Kleine Kinder benötigen Orientierung und eine klare Strukturierung. So bekommen Sie Sicherheit in der neuen Umgebung. Außerdem ist es wichtig, dass die Spielutensilien und Geräte so untergebracht sind, dass sie für alle erreichbar sind. Auch das Außengelände der Kita U3 sollte auf die speziellen Bedürfnisse ausgerichtet sein.

    Die Kinder dieser Einrichtung sind in einem Alter, in dem sie alles erkunden möchten. Sie fangen an zu krabbeln, zu laufen und zu klettern. Daher sollten die Gruppenräume möglichst viel Bewegungsfreiheit bieten. Um die Räume erlebnisorientiert zu gestalten, bieten sich zudem Wellen, Hindernisse und schiefe Ebenen an.

    Kinder unter drei Jahren benötigen außerdem ausreichend Rückzugs- und Schlafmöglichkeiten. Kleine Kuschelecken und Höhlen vermitteln den Kleinen Geborgenheit und Sicherheit.

    3.2. Spezielle Angebote für U3-Kinder

    Die Natur mit allen Sinne erleben

    Viele Kindertageseinrichtungen bieten spezielle Angebote im U3-Bereich an. Es ist wichtig, dass die Spielgeräte an den Kindergarten U3 angepasst werden. Die verschiedenen Spiele, Gegenstände und Materialien haben die Aufgabe, dass die Fein- und Grobmotorik der Kinder gefördert wird. Zusätzlich tragen Bewegungsspiele dazu bei, Körperbewegungen wahrzunehmen und das Bewusstsein zu stärken.

    Ein besonderes U3-Kindergarten-Angebot ist das U3-Projekt zur Wahrnehmung. Hierbei lernen die Kinder spielerisch die fünf verschiedenen Sinne kennen. Um die Thematik zu veranschaulichen, werden unter anderem Lieder gesungen und Geschichten erzählt. Das U3-Projekt Sinneswahrnehmung erstreckt sich dabei über einen Zeitraum von etwa einer Woche.

    Natürlich gibt es viele weitere Projekte mit U3 Kindern, die die einzelnen Tageseinrichtungen durchführen. Darunter finden sich auch beispielsweise U3-Bildungsangebote. Dazu zählen Sprachspiele, Bewegungsspiele oder Fingerspiele.

    3.3. Der Betreuungsschlüssel der Kita U3

    Im Schnitt muss sich eine Fachkraft um mehr als vier Kinder kümmern.

    Der Betreuungsschlüssel stellt ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Kindertagesstätten dar. Dieser Wert gibt an, um wie viele Kinder sich ein Erzieher im Durchschnitt kümmern muss. In Deutschland gibt es insgesamt sehr große Unterschiede im Hinblick auf den Personalschlüssel der Kita U3. Allerdings ist dieser in den meisten Gegenden noch immer mangelhaft.

    Deutschlandweit kümmert sich in einer Kita u3 durchschnittlich ein Erzieher um 4,3 Kinder. Obwohl sich der Personalschlüssel im Vergleich zu den vergangenen Jahren verbessert hat, ist die Zahl der Fachkräfte zum heutigen Stand keineswegs ausreichend. Gerade bei Kindern unter drei Jahren ist eine intensive Betreuung enorm wichtig.

    4. Wichtige Fragen und Antworten – FAQs

    Wann muss ich mein Kind für die Kita U3 anmelden?

    Kita-Plätze sind in Deutschland sehr rar. In manchen Gegenden werden sie zunächst einmal auf die Warteliste gesetzt. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihr Kind am besten bereits direkt nach der Geburt in einer Kindertagesstätte anmelden.

    Wieviel kostet die Kita U3?

    Die Kosten für eine Kindertageseinrichtung sind deutschlandweit nicht einheitlich geregelt. Sie hängen sowohl vom Bundesland als auch von der Kommune und dem Träger ab. Wie hoch der Elternbeitrag am Ende ist, ist zudem abhängig von dem Gehalt der Eltern. Fragen Sie dazu am besten bei dem örtlich zuständigen Jugendamt nach.

    Ab wann ist eine Betreuung sinnvoll?

    Ab wann die Betreuung in einer Kindertageseinrichtung sinnvoll ist, können wir hier nicht pauschal beantworten. Die Entscheidung, ob Sie Ihr Kind bereits mit einem Jahr in der Kita betreuen lassen möchten, hängt stark von den individuellen Bedürfnissen Ihres Kindes ab. Dabei spielen auch gesundheitliche Faktoren eine Rolle. Spätestens mit drei oder vier Jahren sollten Sie Ihr Kind zur Vorbereitung auf die Schule in die Kita geben.

    5. Weiterführende Literatur für die Angebotsgestaltung in der Krippe

    Grundwissen Frühpädagogik: Grundwissen Krippenpädagogik (6. Auflage): Ein Lehr- und Arbeitsbuch. Buch

    • 294 Seiten – 01.08.2014 (Veröffentlichungsdatum) – Cornelsen Scriptor (Herausgeber)

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    • 88 Seiten – 01.08.2017 (Veröffentlichungsdatum) – Kaufmann, Ernst (Herausgeber)

    12,95 EUR Bei Amazon kaufen Lieblings-Projekte für die Krippe – mit rotem Faden durch alle Bildungsbereiche

    • 104 Seiten – 11.04.2016 (Veröffentlichungsdatum) – Verlag an der Ruhr (Herausgeber)

    21,99 EUR Bei Amazon kaufen (38 Bewertungen, Durchschnitt: 4,58 von 5)
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    Kinderkrippen für Kinder unter drei Jahren

    Die Kinderkrippe (Krabbelstube) ist eine Betreuungsform für Kinder bis zu 3 Jahren. Einrichtungen dieser Art sind auf die Bedürfnisse von Babys und Kleinkindern abgestimmt. In den Bundesländern gibt es sowohl städtische als auch private Betreuungseinrichtungen.

    Kinderkrippen werden in manchen Ländern als Krabbelstube oder Kleinkinderbetreuungseinrichtung bezeichnet.

    Die Aufgabe dieser Kinderbetreuungseinrichtungen ist die Betreuung, Bildung und Erziehung der Kinder. In den einzelnen Gruppen wird nur eine kleine Anzahl von Kindern betreut, wobei eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern vorausgesetzt wird.

    Die Gruppengröße wird beeinflusst von der Altersstruktur der Kinder, darf aber eine bestimmte Anzahl von Kindern nicht überschreiten.

    Die Gebühren für einen Krippenplatz sind abhängig

    • vom Betreiber der Krippe,
    • allenfalls vom Einkommen der Eltern und
    • von der Stundenzahl, die das Kind in der Krippe verbringt.

    Die Anmeldung des Kindes erfolgt durch die Eltern. Auskünfte zur Anmeldung erhalten Eltern entweder direkt in der Kinderbetreuungseinrichtung oder beim zuständigen Träger der Einrichtung (Magistrat, Gemeindeamt, Pfarre, Verein, etc.). Es wird empfohlen, das Kind möglichst früh in einer Kinderkrippe anzumelden. Bei der Anmeldung sind meist bestimmte Unterlagen erforderlich, wie z.B. Geburtsurkunde, Meldezettel oder Sozialversicherungsnummer des Kindes.

    Auf diesen Seiten finden Sie nähere Informationen über Kinderkrippen in Ihrem Bundesland:

    • Burgenland
    • Kärnten
    • Niederösterreich
    • Oberösterreich
    • Salzburg
    • Steiermark
    • Tirol
    • Vorarlberg
    • Wien

    Inhaltlicher Stand: 01.01.2019 Abgenommen durch:

    • Bundeskanzleramt – Familien und Jugend
    • Bundesministerium für Familien und Jugend

    Aus: KinderTageseinrichtungen aktuell, KiTa Hessen/ Rheinland-Pfalz/ Saarland, 2001, Heft 10

    Bindungstheorie und offene Arbeit: Erkenntnisse, Informationen und Hinweise für ElementarpädagogInnen

    Hans-Joachim Rohnke

    „Ach, Frau Schmidtbauer, heutzutage wo nix mehr zusammenpasst, alles rennet, rettet und flüchtet, und jeder nur noch nach seinem Kram guckt, jetzt also auch noch das. Als wär es nicht schon genug, dass sich die Eltern von den Kindern nicht mehr vertragen, jetzt fangen sie im Kindergarten auch noch damit an, die Kinder und ihre Eltern verrückt zu machen. Stellen Sie sich einmal vor: Im offenen Kindergarten dürfen die Kinder sich jetzt ihre Erzieherin aussuchen und müssen nicht mal mehr in ihrer vertrauten Gruppe bleiben. Ja, da frag ich sie, wie soll das denn alles später noch klappen, wie sollen denn Beziehungen entstehen und womöglich lebenslang halten, wenn die Zwockel schon keine Gemeinschaft mehr lernen; wenn jeder Dreikäsehoch sich immer dann verkrümeln kann, wenn’s brenzlig wird? Da wird die bewährte und sich aufopfernde, nunmehr sich grämende und vereinsamende Erzieherin einfach in der Ecke sitzen gelassen und die Knirpse gehen nach Lust und Laune auf die Juchee! Also, Frau Schmidtbauer, ich weiß nicht, wozu das gut sein soll!“

    Wieder einmal haben ElementarpädagogInnen einen Gesprächsausschnitt mit Frau Schmidtbauer vor sich und lernen dabei die Sorgen und Nöte ihrer Gesprächspartnerin kennen. Selbstverständlich stimmen die aufgeworfenen Gedanken nachdenklich. Es ist naheliegend, sich dem seriösen Gehalt dieser Fragen zu stellen und sie eingehender zu untersuchen. Denn mit Recht haben wir uns zu fragen: Kann es sein, dass die oben geschilderte Szenerie möglicherweise bedenklich ist und darin Kinder in wichtigen Teilen ihrer Persönlichkeitsentwicklung behindert werden beziehungsweise ihnen Erfahrungen vorenthalten werden, die Basiskompetenzen für zukünftige Lebenssituationen vermitteln?

    Eigentümlicherweise geht es um ein – in unserer modernen Zeit – so konservativ anmutendes Thema wie Beziehung und Bindungsfähigkeit und die Frage, wie diese erworben, entwickelt und kultiviert wird und welchen Stellenwert die professionelle Erziehung im Kindergarten hierbei einnimmt. Dieses Thema beschäftigt in jüngster Zeit die Fachdiskussion, und manche sehen am Horizont das drohende Bindungs- und Beziehungschaos heraufziehen.

    Es macht also Sinn, ernstzunehmende Informationen zu recherchieren, d.h. die zuständige Wissenschaft zu befragen, um zu einer Versachlichung der Debatte beizutragen. Was sind die Erkenntnisse der Bindungstheorie und -forschung, welche wichtigen Ergebnisse sollten ElementarpädagogInnen kennen, und welche Hinweise und Konsequenzen ergeben sich für die professionelle Beziehungsarbeit im Kommunikations- und Interaktionsfeld Kindertagesstätte?

    Grundannahmen der Bindungstheorie

    Die Bindungstheorie hat zum Ziel, sich mit den Auswirkungen früher Kindheitserfahrungen mit engen Bezugspersonen – Bowlby bezeichnet diese Bezugsperson als die primäre Bindungsfigur (allerdings können auch zwei oder drei andere Bindungspersonen vom Kind gewählt werden, z.B. Väter, Geschwister und auch nicht verwandte Personen) – auf die spätere Persönlichkeit eines Menschen zu befassen. Der Begründer, der britische Psychologe John Bowlby, wies u.a. darauf hin, dass sowohl die konkreten Erfahrungen für die Entwicklung eines Menschen von Bedeutung wären als auch dem Aufbau von sog. internalen Arbeitsmodellen dienten. Diese verhelfen einer Person dazu, Wirklichkeit zu konstruieren und zu interpretieren.

    Die Bindungstheorie knüpft daher an der Neigung des Menschen an, enge, von intensiven Gefühlen begleitete Beziehungen zu anderen Menschen zu entwickeln. Sie geht davon aus, dass die frühesten Beziehungen des Menschen mit seinen ersten Bezugspersonen herausgebildet werden. In der Regel sind dies die Eltern. Bindung wird neben den körperlichen Grundbedürfnissen als eigenständiges menschliches Bedürfnis angesehen. Die Nähe zu ausgewählten Bezugspersonen entspricht dem angeborenen Bedürfnis des Säuglings nach einer „sicheren Basis“, einem sog. „haven of safety“.

    Mit dieser für das Kleinkind als überlebensnotwendig angesehenen Orientierung korrespondiert das Bedürfnis nach Exploration und autonomen Verhalten, welches in einer Wechselbeziehung zum Bindungsverhalten steht. Sind die vertrauten Bindungspersonen verfügbar und aufmerksam, überwiegen Exploration und Zuwendung zur Umwelt; treten hingegen äußere oder innere Verunsicherungen auf, tritt die Suche nach Nähe und Kontakt zur Bindungsperson in den Mittelpunkt.

    Die wichtigsten Bindungsvarianten

    Erlebt ein Kind Kummer oder bedrohliche Situationen in seinem Umfeld, so entwickelt es nur dann Vertrauen in seine soziale Umwelt, wenn es verlässliche, einfühlsame und verständnisvolle Unterstützung erlebt. Es erfährt sich als liebenswert und entwickelt ein positives Selbstbild. Offenheit, Neugier und Entdeckungsverhalten sind die positiven Folgen. Dieser Typus wird als Variante der sicheren oder autonomen Bindung klassifiziert.

    Fehlende emotionale Unterstützung, mangelnder Rückhalt und häufige Zurückhaltung können hingegen dazu führen, dass ein Kind sich dauerhaft emotional von seiner Umwelt distanziert und seine natürlichen Kontakt-, Zuwendungs- und Nähebedürfnisse unterdrückt. Das Muster der zunehmenden emotionalen Selbstgenügsamkeit fügt sich hier zum Typus der unsicher-vermeidenden Bindung.

    Die dritte Form schließlich ist die der unsicher-ambivalenten Bindung. Sie resultiert aus der Erfahrung inkonsistenten Verhaltens seitens der Eltern. Wenn die Bindungspersonen nur gelegentlich zugewandt und interessiert sind, sich aber nicht kalkulierbar ablehnend verhalten und zudem stark mit sich selbst beschäftigt sind, entsteht hieraus eine übermäßige Anhänglichkeit. Der Wunsch nach Nähe und Aufmerksamkeit wird besonders stark und mischt sich mit gelegentlichem Ärger auf die Bindungsperson (vgl. Gloger-Tippelt, 1999).

    Bindungsforschung

    Die Bindungsforschung beschäftigt sich mit Aufbau und Veränderung enger Beziehungen im Lebenslauf. Bowlby bezeichnete mit dem Begriff „Bindung“ (attachment) ein „affektives, gefühlsgetragenes Band“ in den Beziehungen zu nahestehenden Personen.

    Wie in zahlreichen empirischen Längsschnittstudien nachgewiesen wurde, werden die genannten Bindungsvarianten im Wesentlichen bereits in den ersten 12 Lebensmonaten ausgebildet und haben konstitutiven Charakter für die weitere Entwicklungen des Kindes. Nach Bowlby ist das Bindungsverhaltenssystem ein Produkt der phylogenetischen Entwicklung, d.h., jedes neugeborene Kind besitzt genetisch vermittelte Voraussetzungen zum Aufbau einer Bindung wie z.B. Weinen oder Anklammern (vgl. Spangler, S. 178ff.).

    Etwa ab dem 6. Monat sucht der Säugling als Krabbelkind Informationen durch fragendes Schauen und Vokalisieren bei seiner Bindungsperson und behält ihren Verbleib im Gedächtnis, um sie in Not schnell rufen oder zu ihr krabbeln zu können. Bowlby nennt diese Phase die „ziel-korrigierte Phase“, und erst zu diesem Zeitpunkt kann man von einer Bindung des Kindes an wenige Bindungspersonen ausgehen. Die Bindungsperson wird zum „Zentrum der Welt“.

    Zunehmend lernt das Kind zu differenzieren, lernt seine eigenen und die Gefühle anderer zu verbalisieren. In der Phase der ziel-korrigierten Partnerschaft beginnt das Kind, mit seinen Partnern über Absichten und unterschiedliche Zielvorstellungen zu verhandeln. Die Bindungstheoretiker gehen davon aus, dass sich das Kind nun ein inneres „Arbeitsmodell“ aufbaut, indem es sich in seiner „Beziehung zu seinen Bindungspersonen, in der die Vorhersagbarkeit, die Erreichbarkeit und die empfundene Zuneigung der Bindungsperson eine Rolle spielt, andererseits seine eigene Person als jemand, der die Zuneigung und Fürsorge seiner Eltern verdient hat,“ definiert (Grossmann, S. 199).

    In der weiteren Entwicklung werden die genannten Bindungstypen durch sprachliche und kognitive Fähigkeiten, insbesondere Gedächtnisfähigkeiten fundiert. Das bereits genannte „internal working model of attachment“ (Bowlby) wird weiter entwickelt. Die Psychologen sprechen von sog. Scripts für wiederkehrende Ereignisse wie typische Verhaltensweisen der Bezugspersonen bei Alltagsbelastungen, Kummer, Schmerz oder Krankheit des Kindes.

    Ergebnisse der Bindungsforschung

    Die 1994 von Fremmer-Bombik und Suess veröffentlichte Längsschnittuntersuchung der 5-jährigen Regensburger Kinder ergab (zit. bei Grossmann, a.a.O.), dass

    • ein deutlicher Einfluss der Bindungsgeschichte eines Kindes auf sein Verhalten im Kindergarten besteht.
    • Kinder mit sicherer Mutterbindung weit länger als Kinder mit unsicherer Mutterbindung in konzentrierter Weise spielten (sie hatten weniger Streit um Spielsachen oder in sozialen Angelegenheiten und lösten ihre Konflikte selbständiger und nachhaltiger, so dass weder Freundschaften noch das nachfolgende Spiel litt).
    • sicher gebundene Kinder in Gruppenaktivitäten weniger isoliert waren.
    • auch die Kinder mit sicherer Vaterbindung ebenfalls weniger negative Gefühle beim Spiel zeigten. Sie waren häufiger Initiatoren von Gruppenspielen, wirkten gelöst und regelten ebenfalls ihre Konflikte selbständiger.
    • die Kinder, die harmonische Umgangsformen mit den Eltern pflegten – die häufig mit einer sicheren Bindung einhergehen -, diese Erfahrungen auf den Kindergarten erfolgreich übertragen konnten.

    Weitere Befunde zeigen, dass Erzieherinnen bei Kindern mit sicherer Bindung wenigstens einen Elternteil durchweg positiver und sympathischer beurteilen (ebd.). Sicher gebundene Kinder beurteilen Bilder, auf denen konflikthafte Situationen dargestellt werden, weniger negativ, d.h., sie unterstellen den Konfliktparteien weniger böse Absichten (sie neigen eher zu einer positiven Weltsicht). Diese Art der Wahrnehmung (d.h. ein einfühlsamer Umgang mit anderen) wird ganz offensichtlich zuhause gelernt und hilft im Kindergarten bei der Gestaltung von sozialen Kontakten.

    In der amerikanischen Untersuchung von Sroufe und MitarbeiterInnen (ebd.) hatten die Kinder mit sicherer Mutterbindung ein besseres Selbstwertgefühl, häufiger gute Freunde, waren seltener schlecht gelaunt und weniger feindselig aggressiv. Die Kinder mit vermeidender Bindung zur Mutter zeigten sich abhängiger und unselbständiger.

    „Aus diesen und den vorher genannten Befunden drängt sich der Eindruck auf, dass Kinder mit einer sicheren Mutterbindung die sie umgebende Welt offener und realistischer wahrnehmen und weniger Ausflucht zu selektiver Wahrnehmung suchen müssen, weil mindestens eine ihrer engen Beziehungen befriedigend ist“ (ebd., S. 200f.).

    „Sicherheit in bezug auf seine primäre Bindungsperson zeigt sich im Vorschul- und jungen Schulalter im Bemühen des Kindes um aufeinander abgestimmte Gemeinsamkeit, wenn die Bindungsperson zeitweilig fort war, und in der Zuversicht, dass Trennungen oder anscheinend abweisende Verhaltensweisen der Eltern nicht eine Abwertung seiner Person bedeuten, sondern anderweitig motiviert sind“ (ebd., S. 201).

    Stabilität in der Bindungsorganisation bei sicher gebundenen Kindern konnte auch bei 10-jährigen Kindern nachgewiesen werden. In der Bielefelder Längsschnittstudie (vgl. Zimmermann, S. 205ff.) berichteten die Kinder, dass sie eher die Unterstützung der Eltern bei Kummer, Angst oder Ärger suchten, also Zugang zu ihren Gefühlen hatten, und generell flüssiger und offener in ihrem Antwortverhalten wirkten. Die 10-jährigen verfügten eher über ein festes Freundschaftsnetz, hatten häufiger einen besten Freund und weniger Probleme mit Gleichaltrigen als Kinder, die mit 12 Monaten als unsicher gebunden klassifiziert worden waren (ebd., S. 205).

    Ainsworth Beobachtungen (vgl. Main, S. 123ff.) zeigten, dass die Mütter von unsicher-ambivalenten Kindern sich nicht vorhersagbar verhielten und sie zudem in ihrem Autonomiebestrebungen entmutigten und unfeinfühlig gegenüber den Signalen ihrer Kinder waren.

    Sroufe und Egeland in Minnesota (ebd.) bestätigen, dass sicher gebundene Kinder im Vorschulalter wesentlich mehr Konzentration im Spiel, mehr positiven Affekt und größere soziale Kompetenz und Ich-Flexibilität zeigen als unsicher gebundene Kinder.

    Schlussendlich scheint in der Kindergartenzeit die Sicherheit zum Vater sowie zur Mutter zur allgemeinen Kompetenz beizutragen, und Kindern, die zu beiden Eltern eine sichere Bindung hatten, ergeht es nochmals besser als Kindern, die nur zu einem Elternteil sicher gebunden sind. (ebd.)

    Allgemeines zur Bindungstheorie

    Die Bedeutung von Emotionen ist im Bindungsprozess und in der interpersonalen Kommunikation beachtlich. In den Untersuchungen von Großmann & Großmann 1990 und 1991 (vgl. Magai, S. 140ff.) wird nachgewiesen, dass die Kommunikation von unsicher-vermeidend gebundenen Kindern bei Trennungsstress und bei Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen erheblich eingeschränkt ist und dass es ihnen nicht gelingt, mit ihren Eltern über diesen Kummer zu sprechen. Großmann u.a. weisen darauf hin, dass diese frühen Kommunikationsprobleme äußerst bedeutsam für die spätere Persönlichkeitsentwicklung würden, da sie Strategien zur Unterdrückung von Ärger oder dem Ausdruck von negativen Gefühlen bei emotionaler Belastung entwickelten.

    Einer der herausragendsten Befunde bezüglich unsicher-vermeidend bzw. unsicher-ambivalent gebundener Kinder ist die Beobachtung, dass Ärger eine besondere Rolle in ihrer Persönlichkeitsstruktur spielt.

    In ihren Schlussfolgerungen führt Professor Magai aus, dass das elterliche Kommunikationsverhalten von erheblichem Einfluss auf das Imitationsverhalten des Kindes ist. Der frühkindlich erlernte Umgang mit unterdrücktem Ärger und die Nichtthematisierung von Frustrationserfahrungen führt am Ende des Kleinkindalters dazu, dass das Kind seine Umwelt als frustrierend und feindselig betrachtet und dass es sich in einer Art und Weise benehmen wird, die diese Erwartungen fortführt.

    Allerdings räumt Frau Magai abschließend ein, „dass glücklicherweise natürlich auch alternative Entwicklungsverläufe möglich sind. Denn es gibt ja neben den elterlichen Einflüssen noch andere, welche frühe Muster von dysfunktionaler Kommunikation abmildern. Dazu gehören Geschwister und andere Erwachsene, die unterschiedliche Möglichkeiten für Bindungserfahrungen sowie unterschiedliche Modelle dafür bieten, wie man Gefühle ausdrücken und verstehen kann“ (Magai, a.a.O., S. 148).

    Festzustehen scheint, dass die Verarbeitung von Bindungserfahrungen an die eigenen Kinder weitergegeben wird, d.h. Eltern, die geringe Neigung zeigen, bei ihren Kindern emotionale Belastungen und Wünsche nach Nähe wahrzunehmen und darauf einzugehen, haben häufig ebenfalls vermeidende Kinder. Entsprechendes gilt für die sicher gebundenen Kinder.

    Fazit

    Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine frühkindlich erworbene, sichere Bindungserfahrung eine herausragende Rolle für die seelische Gesundheit eines Menschen spielt. Sie stellt einen wichtigen Schutzfaktor und eine gute Grundlage für gelingende emotionale Entwicklungsprozesse dar. Sie bietet somit Halt und Orientierung für den Einzelnen und seinen oft wechselvollen Lebensweg. Angesichts enorm gewachsener allgemeiner und psychischer Belastungen für das Individuum, den Lebenslauf selbständig und in Bezug auf andere Menschen eigenständig zu gestalten, ist eine sichere Bindungsrepräsentation noch immer ein äußerst wichtiges Erziehungs- und Sozialisationsziel.

    Welche Überlegungen und Schlussfolgerungen aber ergeben sich aus diesen wichtigen Erkenntnissen für die öffentliche Erziehung, beispielsweise für die Arbeit in der Kindertagesstätte?

    Zunächst einmal der unmissverständliche Hinweis, dass in Bezug auf die Bindungserfahrungen und Bindungsfähigkeiten wesentliche Prägungen und Ausbildungen von Beziehungsmustern bereits in der Regel im familiären Kontext erfolgt sind, also bevor das Kleinkind in den Kindergarten kommt.

    Für ElementarpädagogInnen mag dies auf den ersten Blick entlastend sein. Sie finden bei einzelnen Kindern eine Hypothek vor, die sie nicht nur nicht zu verantworten haben, sondern auf die sie auch aktiv nur begrenzten Einfluss hatten und haben.

    Ist dies möglicherweise die beruhigende Seite der Medaille, so erwächst ElementarpädagogInnen andererseits aus diesem Wissen auch Verantwortung. Vor allem aus der Beobachtung, dass das pädagogische Personal in Kindertagesstätten – häufig unbewusst – dazu neigt, kindliche Selbstwertbezeugungen zu verstärken (vgl. Großmann, a.a.O., S.197) und dabei unabsichtlich Gefahr läuft, diese zu verfestigen, ergeben sich erste ernstzunehmende Hinweise auf mögliche Verhaltens- und Einstellungsfragen. Es sollte gelingen, diesen problematischen Verstärkungseffekt möglichst gering zu halten, d.h. durch selbstkritische Verhaltensanalyse einerseits und Reflexion des pädagogischen Geschehens andererseits sich Aufschluss über persönliche Verhaltensimpulse und -weisen und die darin wirksam werdenden Steuerungs- und Einflussmechanismen zu verschaffen und ins Bewusstsein zu heben.

    Leitungsaufgaben

    Selbstverständlich bedarf es hierfür gewisser Rahmenbedingungen. ErzieherInnen müssen sich darüber im Klaren sein, dass diesbezügliche Zusammenhänge existieren und dass es sich lohnt, kritisch darüber nachzudenken. Hier haben vor allem Leitungskräfte eine weitere wichtige und bewusstseinsbildende Funktion, die Entwicklung hochwertiger Pädagogik zu befördern und die Qualität pädagogischer Prozesse und Programme zu steigern, indem sie die habituelle, d.h. die interaktionale und interventionsbezogene Problematik erzieherischen Verhaltens beachten und unter Zuhilfenahme geeigneter Mittel kontinuierlich fördern. Nicht in jedem Fall werden sie dies selber tun können, aber kollegiale Beratung, Feedback und qualifizierte Mitarbeitergespräche bis hin zu Zielvereinbarungen können hier gute Dienste leisten und wichtige Grundlagen für ein anspruchsvolles pädagogisches Niveau schaffen. Auch Fallsupervision und differenzierte Beobachtungsverfahren mit kritischen Auswertungen können ebenfalls geeignete Instrumente sein, die eigene Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen zu verfeinern und auf die je spezifischen kindlichen Bedarfe abzustimmen.

    Welcher Art aber sind solche Verhaltensanteile und warum können sie Sinn und Wirkung entfalten?

    Zur Erinnerung: Professorin Magai von der Long Island Universität in New York weist darauf hin (S. 148), dass glücklicherweise korrigierende, ergänzende und alternative Einflüsse auf ein Kind Wirkung entfalten können. Gerade der Kindergarten als erste öffentliche Institution bietet nahezu unerschöpfliche kommunikative Erfahrungsmöglichkeiten mit Menschen vieler Altersstufen, Herkünften, Kulturen und Erfahrungshintergründen, die relativierend auf den persönlichen Erfahrungsfundus des einzelnen Kindes wirken können und ständig eine Fülle von unterschiedlichen und modellhaften Verhaltensweisen generieren. Es bestehen gute Chancen, das eigene Kommunikationsrepertoire zu erweitern.

    Vorzüge offener, beziehungswirksamer Konzepte

    Besonders das Konzept des offenen Kindergartens/ Aktivkindergartens bietet in Punkto kommunikative Kompetenzen einen nahezu unerschöpflichen Fundus an Erfahrungs- und Interaktionsmöglichkeiten, die in ihrem Anregungsreichtum und in ihrer Vielgestaltigkeit den kommunikativen Horizont eines jeden Kindes erweitern können.

    Natürlich müssen gehemmte (unsicher gebundene) Kinder wieder neuen Mut schöpfen und letztlich lernen, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Genau dies aber scheint mir eines der zentralen Anliegen der ErzieherInnen im Konzept der „offenen“ Pädagogik zu sein. Mehr Zeit für das einzelne Kind zu gewinnen, weniger schematisierte, in der Regel entindividualisierte Rituale und Programme „durchzuziehen“ und echte, anteilnehmende, wertschätzende und authentische Ansprache für das einzelne Kind zur Verfügung zu stellen, sind die hier favorisierten Verhaltensweisen. Beziehungen können wachsen und gepflegt werden.

    Im Aktivkindergarten soll Zeit und Raum für Zuwendung entstehen, für Verlässlichkeit und Anteilnahme an den Sorgen und Belangen der schon so unterschiedlich disponierten Kleinkinder. Hier können, dürfen und sollen Befindlichkeiten, Stimmungen und Gefühle geäußert werden, hier wird gleichsam im natürlichen Alltag an der Verfeinerung der eigenen Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit gearbeitet, hier wird erlebt, dass auch sog. negative Gefühle ihre Berechtigung haben, dass sie ein Teil kindlicher Persönlichkeit sind, dass Kinder solche Gefühle aussprechen dürfen und sie nicht dafür getadelt werden. Hier kann das Kind zunehmend lernen, über seine Erwartungen und Enttäuschungen, über seine Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte zu sprechen, und es kann erleben, dass es verständnisvolle, d.h. unaufgeregte und einfühlsame, Umgangsformen damit geben kann.

    Und – zu alledem wird kein Kind gedrängt. Seine Persönlichkeit, mit all ihren „Krummheiten“ und Vorläufigkeiten wird zunächst voraussetzungslos von einfühlsamen ErzieherInnen respektiert, so dass sich Zuneigung entwickeln kann und erworbene Ängste reduzieren werden. Es gibt keine vorschnellen Versuche, an seiner Person mit ihren Vorzügen und Begrenzungen „herumzufeilen“ und sie einer häufig selbstbezüglichen und -gerechten pädagogischen Programmlogik zu unterwerfen. Das Kind kann lernen, sensibel zu werden für seine inneren Stimmen, Antriebe und Befindlichkeiten, und dabei sukzessive Selbstverantwortung, -bewusstsein und Wahrnehmungskompetenz entwickeln.

    In einem solchen Kontext wird ein Kind nicht zurückgewiesen. Fachlichkeit bedeutet hier, sich dem zu öffnen, was ein Kind zeigen will und welche Resonanzen es in der Begegnung auslöst. ErzieherInnen können dem Kind dabei behilflich sein, sich Zugang zu seinen Gefühlen zu verschaffen, und es ermuntern, sie auszudrücken. Gerade die Gehemmten, Verunsicherten und Vorsichtigen bedürfen der besonderen Beachtung, Aufmerksamkeit und behutsamen Unterstützung.

    Ich bin davon überzeugt, dass für ein solches Verständnis und solche Herangehensweisen das Konzept der offenen Arbeit einen guten Rahmen bietet, da es ein hohes Maß an vielseitigen kommunikativen Erfahrungen zulässt und da es Kindern in selbstinitiierten Spiel- und Lernsituationen bzw. Aktivitäten ermöglicht, sich entsprechend ihrem Entwicklungsstand und ihrem Lerntempo einzubringen. Damit hieraus nachhaltige Qualität erwächst, bedarf es aufmerksamer Pädagoginnen (und erheblich mehr männlicher Bezugspersonen), die sich der Bedeutung ihrer anspruchsvollen Aufgabe bewusst sind und die bereit sind, sich – aus Überzeugung – der komplexen Beziehungsarbeit zu stellen. Ich weiß aus vielen Gesprächen mit ErzieherInnen, dass sie sich hierzu Unterstützung und Begleitung wünschen, um die Professionalisierung ihres Berufsstandes weiter voranzutreiben, vor allem was z.B. die Themen „Beobachtung“, „Reflexionshilfen“ und „Elterngespräche“ anbelangt. Hier gilt es, die vorhandenen Zeitressourcen gut zu nutzen. Leitungskräfte, Träger und andere Verantwortliche haben hier ein wichtiges Feld der Qualitätsentwicklung und -sicherung vor sich, um auch zukünftig wertvolle Beziehungserfahrungen für Kinder zu ermöglichen.

    Literatur

    Gloger-Tippelt: Antrittsvorlesung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Februar 1999

    Grossmann, K.: Kontinuität und Konsequenzen der frühen Bindungsqualität während des Vorschulalters. In: Spangler, Zimmermann (Hg): Die Bindungstheorie; Grundlagen, Forschung und Anwendung, Stuttgart 1999, S. 191ff.

    Magai, C.: Bindung, Emotionen und Persönlichkeitsentwicklung. In: Spangler, Zimmermann (Hg): Die Bindungstheorie, a.a.O., S. 140ff.

    Main, M.: Desorganisation im Bindungsverhalten. In: Spangler, Zimmermann (Hg): Die Bindungstheorie, a.a.O., S. 120ff.

    Zimmermann, P.: Bindungsentwicklung von der frühen Kindheit bis zum Jugendalter und ihre Bedeutung für den Umgang mit Freundschaftsbeziehungen. In: Spangler, Zimmermann (Hg): Die Bindungstheorie, a.a.O., S. 203ff.

    Autor

    Bindung und Trennungsangst im Übergang von der Familie in die Kita

    Fabienne Becker-Stoll/Monika Wertfein

    27.07.2015 Kommentare (4)

    Auch wenn das Bild vom Kind heute die vielfältigen Kompetenzen, die Kinder von Geburt an mitbringen, und die beachtliche eigene Aktivität ihrer Bildungsentwicklung in den Vordergrund stellt, so sind Kinder gerade in den ersten Lebensjahren gleichzeitig auch sehr verletzbar und völlig von der liebevollen, beständigen Pflege und Versorgung durch vertraute Bezugspersonen abhängig (Becker-Stoll et al. 2014).

    Grundbedürfnisse nach Bindung, Kompetenzerleben und Autonomie

    Seit den Untersuchungen von René Spitz (1945) zum Hospitalismus wissen wir, dass die Befriedigung der physischen Grundbedürfnisse (Hunger, Durst, körperliche Hygiene, Schutz vor Kälte oder Hitze) nicht ausreicht, um eine gesunde Entwicklung von Kindern zu gewährleisten. Voraussetzung hierfür ist vielmehr eine angemessene Befriedigung der psychischen Grundbedürfnisse. Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder sind ganz auf die Befriedigung der Grundbedürfnisse durch ihre soziale Umwelt angewiesen. Nach den beiden Motivationsforschern Deci und Ryan (1995) unterscheiden wir dabei die drei psychischen Grundbedürfnisse Bindung, Kompetenzerleben und Autonomieerleben. Im weiteren Entwicklungsverlauf geht es bei der Befriedigung des Bindungsbedürfnisses um das Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit oder menschlicher Nähe. Nur wenn die Grundbedürfnisse nach Bindung, Kompetenz und Autonomie ausreichend und entwicklungsangemessen befriedigt werden, kann sich das Kind aktiv mit seiner Umwelt auseinandersetzen und die alterstypischen Entwicklungsaufgaben gut bewältigen.

    Das Grundbedürfnis nach Bindung steht für das Bedürfnis, enge zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen, sich sicher gebunden zu fühlen und sich als liebesfähig und liebenswert zu erleben. Dem Grundbedürfnis nach Kompetenz liegt der Wunsch nach einer effektiven Interaktion mit der Umwelt zugrunde, durch die positive Ergebnisse erzielt und negative verhindert werden können. Autonomie steht für das Grundbedürfnis nach freier Bestimmung des eigenen Handelns und selbstbestimmter Interaktion mit der Umwelt (Deci & Ryan 1992). Der Mensch hat die angeborene motivationale Tendenz, sich mit anderen Personen in einer sozialen Umwelt verbunden zu fühlen, in dieser Umwelt effektiv zu wirken und sich dabei persönlich als autonom und initiativ zu erfahren.

    In den ersten Lebensjahren sind Kinder darauf angewiesen, dass auch ihre psychischen Grundbedürfnisse von ihrer unmittelbaren sozialen Umwelt befriedigt werden. Das Grundbedürfnis nach Bindung wird zunächst von den Eltern beantwortet. Hierbei sind wiederum drei Aspekte grundlegend: elterliches Engagement, Struktur und Unterstützung von Autonomie. Elterliches Engagement steht für eine Beziehung zum Kind, die von Freude und Interesse am Kind geprägt ist, in der Gefühle offen ausgedrückt werden können und die Bezugsperson emotional und zeitlich verfügbar ist. Fehlendes elterliches Engagement reicht dagegen von mangelnder Feinfühligkeit bis zu Vernachlässigung und Misshandlung. Struktur wiederum ist notwendig, um die Kompetenz eines Kindes zu fördern. Sie umfasst an den Entwicklungsstand angepasste Herausforderungen, aber auch Hilfestellung beim Erwerb von neuen Strategien. Das Gegenteil von Struktur – Chaos – ist charakterisiert von Unvorhersagbarkeit, Über- oder Unterstimulation, einem Mangel an Kontrolle und Unterstützung beim Erreichen von Zielen (Skinner & Wellborn 1994).

    Autonomie unterstützendes Verhalten beinhaltet die Gewährung von Freiheit und Wahlmöglichkeiten bei einem Minimum an Regeln, so dass eigene Ziele erkannt und verfolgt werden können. Autonomie wird auch als Entwicklungsschritt verstanden, als Übergang zu selbst reguliertem Verhalten (Deci & Ryan 1995), der jedoch nicht unabhängig von der Umwelt geschehen kann und somit sehr beeinflussbar ist. Die Unterstützung von Autonomie ist demnach ein wichtiger Punkt im Verhalten von Bezugspersonen (Rya, Deci, Grolnick 1995). Die Hemmung von Autonomiebestrebungen kann durch übermäßige Kontrolle, Manipulation oder Strafen geschehen.

    Folgt man der Bindungstheorie, ist für die genannten Prozesse zunächst der Aufbau einer sicheren Eltern-Kind-Bindung die Grundvoraussetzung, um im weiteren Entwicklungsverlauf Kompetenz- und Autonomiebestrebungen optimal beantworten und fördern zu können.

    Entwicklung von Bindungsbeziehungen

    Die Bindungsbeziehungen bilden sich im ersten Lebensjahr aufgrund der Erfahrungen aus, die ein Kind mit seinen engen und konstanten Bindungspersonen macht. Das Ausmaß, in dem die Bindungsperson auf die Bedürfnisse eines Kindes eingeht, wird dabei durch ihre Feinfühligkeit bestimmt (Ainsworth et al. 1978; Grossmann et al. 1985). Die Feinfühligkeit ist die Fähigkeit und Bereitwilligkeit der Betreuungsperson, die Signale und das Verhalten des Säuglings wahrzunehmen und richtig zu deuten sowie prompt und angemessen darauf zu reagieren. Erfährt ein Kind feinfühlige Reaktionen, vor allem in den Situationen, in denen sein Bindungssystem aktiviert ist, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine sichere Bindungsorganisation gegenüber der feinfühligen Bindungsperson entwickeln. Im Kontakt mit wenig feinfühligen oder sehr inkonsistent reagierenden Bindungspersonen werden als Folge im Verhalten des Kindes gegenüber dieser Bindungsperson unsichere Bindungsstrategien beobachtet. Ein unsicheres Bindungsverhaltensmuster ist also Ausdruck der Anpassung des Kindes an die Reaktionen der Bindungsperson auf seine Bindungs- und Explorationsbedürfnisse. Demnach ist das gezeigte Bindungsverhaltensmuster keine Eigenschaft des Kindes, sondern zeigt vielmehr, ob das Kind diese Bindungsperson als sichere Basis nutzen kann, um durch Nähe und Körperkontakt seine negativen Emotionen zu regulieren oder nicht (Grossmann, Grossmann, Waters 2005).

    Zunächst entwickeln die meisten Kinder eine erste Bindungsbeziehung zu der Person, die sich am meisten um sie kümmert, also am häufigsten und intensivsten mit ihnen interagiert. Diese primäre Bindung wird in drei Phasen innerhalb der ersten neun Monate vom Kind aus entwickelt, bevor dann weitere Bindungsbeziehungen folgen. Die Bindungsentwicklung erstreckt sich insgesamt über vier Phasen, die sich teilweise überlappen und fließende Übergänge aufweisen (Ainsworth 1964/2003):

    Erste Phase der „vorbereitenden Anhänglichkeit“ (0-3 Monate):Das Baby zeigt Orientierung und Signale ohne Unterscheidung der Person und unterschiedslose Ansprechbarkeit auf alle Personen.

    Zweite Phase der „entstehenden Bindung“ (3-6 Monate): Das Baby zeigt Orientierung und Signale, die sich auf eine oder mehrere besondere Person(en) richten, und differenzierende Ansprechbarkeit auf die primäre Bezugsperson, meist die Mutter, wobei die Ansprechbarkeit auf andere Personen fortbesteht.

    Dritte Phase der „ausgeprägten Bindung“ (6-12 Monate): Das Baby versucht, die Nähe zu bestimmten Personen durch Fortbewegung, Signale und Kommunikation aufrechtzuerhalten. Es zeigt jetzt eine klar definierte Bindung an die primäre Bezugsperson mit auffallender Verminderung der Freundlichkeit gegenüber anderen Personen. Schon während der dritten Phase (8-12 Monate) können Bindungen an eine oder mehrere bekannte Personen über die Mutter hinaus beobachtet werden. Babys, die an die Pflege durch eine andere Person als die Mutter gewöhnt sind, verlieren die Toleranz gegenüber einer solchen Pflege nie vollständig, obwohl sie vielleicht anfänglich gegen den Weggang der Mutter protestieren. Sehr kurz, nachdem das Baby eine klare Bindung an die Mutter erkennen lässt, beginnt es vor allem durch Grußreaktionen eine Bindung an andere Personen, oftmals an den Vater, zu zeigen. Nachdem Unterscheidungsfähigkeit und Bindung an andere Personen als die Mutter oder eine andere primäre Bindungsperson auftreten, äußern manche Babys Angst vor Fremden. Das bedeutet, dass nun das Kind klar unterscheidet, welche Personen als ihm zugehörig akzeptiert werden und welche nicht – ein sinnvoller Mechanismus, um sich zu schützen. Wenn nun neue Personen (z. B. Erzieherinnen) als Bezugs- oder gar Bindungspersonen eingeführt werden sollen, muss dies vor allem in der Phase des Fremdelns behutsam und gut geplant vorgenommen werden.

    Vierte Phase der „zielkorrigierten Partnerschaft“ (12-36 Monate): In dieser Phase entwickelt das Kind die Fähigkeit, Ziele und Pläne einer anderen Person zu verstehen und von den eigenen zu unterscheiden. Von nun an sind Kinder in der Lage, ihre Bindungsbedürfnisse mit ihren Bindungspartnern zu verhandeln. Das Kind versucht, Pläne und Absichten der Partner durch „zielkorrigiertes“ Verhalten mit den eigenen Zielen in Einklang zu bringen. Das bedeutet auch, dass Kinder jetzt mit kurzen Verzögerungen umgehen können, also z. B. verstehen, wenn die Bindungsperson zum Kind sagt, es soll noch kurz warten, bis sie ihm etwas geben kann.

    Trennungsangst und Trennungsschmerz

    Die Trennung eines Kindes von seinen Eltern gilt als der wichtigste Stressor in der frühen Kindheit. Kleinkinder sind selbst in einer völlig fremden Umgebung wenig irritiert und kaum ängstlich, solange die Eltern dabei sind. Das liegt daran, dass die Eltern durch ihre Nähe dem Kind ermöglichen, bei Überforderung durch die fremde Umgebung bei ihnen Schutz zu finden und Hilfe zu bekommen, um ihre Ängste zu regulieren.

    Im Alter von sechs bis acht Monaten stellt sich beim Baby die Trennungsangst ein, die meist bis zum 14. Monat anhält, aber bis zum fünften Lebensjahr noch bedeutsam sein kann. Trennungen von den Eltern tun Kindern fast auf die gleiche Weise weh wie körperlicher Schmerz (Sunderland 2006). Auch kurzzeitige Trennungen können Schaden anrichten. Wenn die Eltern nicht anwesend sind, muss ein Kleinkind von einer ihm vertrauten Person betreut werden – alles andere führt zu Stressreaktionen.Kommen Kleinkinder ohne Eingewöhnungsphase von einem Tag auf den anderen in eine Kinderkrippe, so wie dies früher insbesondere auch in der ehemaligen DDR der Fall war, zeigen sie sehr starke Stressreaktionen, die sich auf ihre gesamte Entwicklung negativ auswirken können (Ahnert 2010). Ein solcher abrupter Übergang in die außerfamiliäre Betreuung kann sich auch negativ auf die Mutter-Kind-Beziehung auswirken. In einer Studie von Ahnert (2004), bei der die Bindungsqualität vor und drei Monate nach dem Krippeneintritt gemessen wurde, konnte gezeigt werden, dass die Mutter-Kind-Bindung von einem sicheren in ein unsicheres Muster kippte, wenn der Übergang in die Krippe ohne Eingewöhnung stattfand. Wenn sich die Mutter aber für die Eingewöhnung des Kindes in die Krippe genügend Zeit nahm, blieb die Bindung erhalten oder verbesserte sich in einigen Fällen sogar.

    Die Entwicklung von Vertrauen und der Aufbau von emotionalen Beziehungen brauchen viel Zeit und gemeinsame Erfahrungen. Oder anders ausgedrückt, nur dann, wenn ein Kind bei einer Bezugsperson Trost suchen und finden kann, wird es sie als sichere Basis nutzen können. Das wiederum ist die Voraussetzung dafür, dass die Bezugsperson dem Kind wirksam helfen kann, seine Gefühle zu regulieren und zu explorieren. Daher ist es beim Übergang von der familiären zur außerfamiliären Betreuung so wichtig, auf die Bindungsbedürfnisse des Kindes zu achten und ihm bei der Stressregulation zu helfen.

    Entwicklungspsychologie und Bindungsforschung zeigen eindeutig: Damit Kinder sich wohlfühlen, brauchen sie emotionale Sicherheit und eine Vertrautheit mit ihren Bezugspersonen. Mit dem Übergang von der Familie zur außerfamiliären Betreuung treten neue Menschen in das Alltagsleben eines Kindes, die nicht zur Familie gehören und zunächst fremd sind. Damit verbunden ist die zeitweise Trennung von den engsten Bezugspersonen, von Mutter, Vater und gegebenenfalls den Geschwistern. Zu den Entwicklungsaufgaben in der Familie kommen weitere in der Einrichtung hinzu (Griebel & Niesel 2013).

    Jedes Kind erlebt diesen Übergang von der Familie in die Kindertageseinrichtung anders. Sein Verhalten ist von den bisherigen Beziehungs- und Trennungserfahrungen geprägt und kann sehr unterschiedlich ausfallen. Hier spielen auch Temperamentsunterschiede eine Rolle: Während sich manche Kinder leichter tun mit Veränderungen und sich neuen Situationen bereitwilliger stellen, brauchen etwa leicht irritierbare Kinder mehr Unterstützung bei der Übergangsbewältigung. Dieser Prozess der Eingewöhnung erfordert Zeit, Geduld und einen regelmäßigen Austausch zwischen Eltern und pädagogischer Bezugsperson, um den jeweiligen Bedürfnissen des Kindes möglichst gerecht werden zu können. Aufgabe der Fachkraft ist es, Unterschiede zwischen den Kindern zu erkennen und zu akzeptieren und jedem Kind Mitgestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen, z. B. indem das Kind den Zeitpunkt bestimmt, wann es Interaktionsangebote der Bezugserzieherin annimmt (Niesel & Griebel 2015).

    Der Übergang von der Familie in die Kita oder Tagespflege

    Für alle Kinder ist der Übergang in die Kita oder Tagespflege mit der Aufgabe verbunden, die fremde Umgebung und die neuen Menschen – sowohl die Fachkräfte als auch die anderen Kinder – kennenzulernen und mit ihnen vertraut zu werden. Eine Schlüsselposition haben hierbei die Eltern, die als primäre Bindungspersonen ihrem Kind die Sicherheit und das Zutrauen vermitteln können, neue Beziehungen einzugehen. Die Betreuungsbedingungen (z. B. das Verhältnis Erwachsene zu Kindern) in der Familie und der Kita sind sehr unterschiedlich. Zudem haben jüngere Kinder von sich aus nicht das Verlangen, sich von ihren Eltern zu trennen, um sich für eine längere Zeitspanne auf fremde Erwachsene in einer fremden Umgebung einzulassen. Schließlich brauchen sie die Eltern in ihrer Nähe, um ihr Wohlbefinden zu regulieren (Datler, Datler, Nover-Reisner 2010). Wenn sie jedoch vertrauensvolle Beziehungen zu den neuen Bezugspersonen aufbauen, können sie mit der Betreuungsvielfalt gut umgehen (Ahnert 2010).

    Eine individuelle Eingewöhnung, in der die Eltern, das Kind und die Erzieherin den Übergang gemeinsam gestalten und bewältigen, ist die Voraussetzung für die Erzieherin-Kind-Beziehung. Darüber hinaus tragen auch die anderen Kinder in der Einrichtung zur Übergangsbewältigung bei. Wurden die Kinder früher am ersten Tag in der Einrichtung einfach abgegeben, so wird heute die Gestaltung der Eingewöhnung als entscheidend für die weitere „Karriere“ des Kindes in der außerfamiliären Betreuung betrachtet.

    Die Eingewöhnung ist ein Qualitätsstandard und wird über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen elternbegleitet, bezugspersonenorientiert und abschiedsbewusst durchgeführt (Haug-Schnabel & Bensel 2006). Elternbegleitet heißt, dass das Kind in Anwesenheit und Begleitung seiner Bezugsperson die fremde Umgebung der Kindertageseinrichtung und seine Bezugserzieherin kennenlernen kann. Mutter oder Vater dienen dem Kind als sichere emotionale Basis, von der aus es dieses neue Umfeld erkunden kann. Die Bezugserzieherin widmet sich in dieser Eingewöhnungsphase ganz dem neuen Kind und versucht, eine vertrauensvolle Beziehung zu ihm aufzubauen. So kann sie selbst zu einer sicheren Basis für das Kind werden. Es gibt einen klaren Abschied, zu dem bald das verinnerlichte Vertrauen auf die Rückkehr der Mutter oder des Vaters gehört.

    Auch die Eltern sind herausgefordert, sich auf die Fachkräfte als Ansprechpartner und Vertrauenspersonen und die zusätzliche Betreuung ihres Kindes in der Kita einzulassen. Für die Fachkraft sind die Eltern wichtige Partner und Informanten, nicht nur in der Phase der Eingewöhnung. Ziel eines regelmäßigen Austauschs zwischen Fachkraft und Eltern ist es, das Kind beim Übergang in die Kita sowie bei seinen täglichen Herausforderungen gemeinsam und gemäß seiner aktuellen Entwicklungsphase zu unterstützen. Für die Eltern ist es wichtig zu erfahren, dass ihr Kind in der Kita gut aufgehoben ist. Der Einbezug der Eltern in die Eingewöhnung trägt, neben regelmäßigen Gesprächen mit den Fachkräften, maßgeblich dazu bei.

    Nicht übersehen werden darf, dass die Eltern nicht nur Unterstützer ihres Kindes sind, sondern dass sie selbst auch einen Übergang bewältigen müssen. Sie werden in Zukunft nicht nur Eltern in ihrer Familie sein, sondern auch Eltern eines Krippen- oder Kita-Kindes, d. h. sie müssen „Familienelternschaft“ und „Kita-Kind-Elternschaft“ in ihr Selbstbild integrieren. Das ist mit intensiven, meist gemischten Gefühlen verbunden. Zur Freude über die Entwicklungsschritte ihres Kindes kommen eventuell Schuldgefühle oder Zweifel. Ähnlich wie ihr Kind müssen sie vertrauensvolle Beziehungen zu den Fachkräften aufbauen und Mitglied der Elterngruppe werden – auch sie müssen ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln (Griebel & Niesel 2013; Niesel & Griebel 2013).

    So gelingt die Eingewöhnung

    Ziel einer behutsamen Eingewöhnung muss es sein, dass das Kind – ausgehend von der sicheren Basis seiner primären Bindungsperson – die zunächst fremde Umgebung der Kindertageseinrichtung kennenlernen und zu seiner Bezugserzieherin Vertrauen fassen kann. Denn: Nur mit beruhigtem Bindungssystem können Kinder in außerfamiliärer Umgebung frei explorieren und stressfrei Bildungsangebote nutzen. Dabei ist es unabhängig von dem jeweiligen Eingewöhnungsmodell eine wesentliche Aufgabe der pädagogischen Fachkraft, eine wertschätzende Atmosphäre zu schaffen und dafür zu sorgen, dass jedes Kind seinen Platz in der Gesamtgruppe findet (Niesel & Griebel 2015).

    Erprobte und bewährte Eingewöhnungsmodelle für die Kindertageseinrichtung und Tagespflege sind (1) das „Berliner Eingewöhnungsmodell“ (INFANS-Modell) von Laewen, Andres und Hédervári (2000) und (2) das „Münchner Modell“ von Beller (2002; vgl. auch Winner & Erndt-Doll 2009). Beide Modelle unterscheiden drei Phasen des Eingewöhnungsprozesses (Lorber & Hanf 2013, S. 115):

    – die „Kennenlernphase“ (mit Kind und Elternteil, das bei Bedarf das Kind versorgt und tröstet);

    – die „Sicherheitsphase“ (in der die Fachkraft zunehmend die kindliche Versorgung übernimmt, wenn das Kind dies zulässt; erste Trennung von Elternteil und Kind);

    – die „Vertrauensphase“ (Kind lässt sich von der Fachkraft versorgen und trösten, es exploriert und nimmt Kontakt zu anderen Kindern auf).

    Die Anwesenheit der vertrauten Person aus der Familie in der Kennenlernphase ist wichtig, reicht aber später nicht aus, um den kindlichen Stress zu regulieren, der durch die Trennung von Elternteil und Kind entsteht. Vielmehr muss die Anwesenheit der vertrauten Person dazu genutzt werden, die Beziehung zur Fachkraft und zwischen Fachkraft und Kind aufzubauen und zu stärken (Ahnert 2010). Es ist wichtig, dass jedes Kind in jeder Phase der Eingewöhnung ausreichend Zeit und Unterstützung bekommt, um ein verlässliches emotionales Band zu „seiner“ Fachkraft zu knüpfen.

    Vor allem bei Kindern, die noch wenig (positive) Trennungserfahrungen machen konnten oder die besonders schüchtern oder ängstlich sind, sollte eine längere Eingewöhnungszeit eingeplant werden. Damit sich die Fachkraft dem Kind mit ihrer vollen Aufmerksamkeit zuwenden kann, empfehlen sich eine zeitlich gestaffelte Aufnahme der Kinder und ein allmähliches Heranführen jedes neuen Kindes in die Kindergruppe und an gemeinsame Tagesroutinen (z. B. Mahlzeiten, Schlafen). Der Anpassungsprozess ist auch für das Kind leichter, wenn dieses zunächst mit seiner Bezugserzieherin vertraut werden kann, bevor es die anderen Fachkräfte kennenlernt (Hédervári-Heller 2010).

    Bei der Bewältigung von Veränderungen, die mit dem Eintritt in die Kita verbunden sind, kommt es darauf an, das Kind und seine Eltern nicht zu überfordern oder zu verunsichern und durch die allmähliche Eingewöhnung sensibel an die neue Situation heranzuführen (Griebel & Niesel 2013). Hierzu gehört es auch, dass die Fachkraft die Ängste der Kinder („Wo ist meine Mama?“) und die Ängste der Eltern („Geht es meinem Kind gut, wenn ich nicht da bin?“) aufgreift und ihnen Sicherheit vermittelt. Unterstützend für das Kind kann auch ein Übergangsobjekt, z. B. ein Stofftier oder ein Gegenstand der Mutter, genutzt werden. Damit weiß das Kind: Meine Familie ist noch da, auch wenn ich in der Kita bin und sie nicht sehe (Gutknecht 2012). Ob eine Eingewöhnung erfolgreich war, kann man am Verhalten des Kindes erkennen. Wenn ein Kind zunehmend und sichtlich den Kita-Alltag genießen kann, wenn es sich für die Räume und Materialien in der Kita interessiert und sich aktiv in die Interaktionen mit anderen Kindern einbringt, dann ist es in der Einrichtung angekommen (Datler, Datler, Hover-Reisner 2010).

    Ein deutliches Anzeichen von gelungener Eingewöhnung ist, wenn das Kind bei seiner Erzieherin Trost sucht und findet (Ahnert 2006, 2007): sich zum Beispiel in einer Überforderungssituation oder bei Müdigkeit an die Bezugserzieherin wendet, von ihr auf den Schoß oder Arm nehmen lässt, dort „Sicherheit tanken“ kann und von da aus wieder explorieren möchte. Die Sicherheit, die das Kind durch eine gelungene Eingewöhnung und den allmählichen Beziehungsaufbau gewinnt, unterstützt es dabei, ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Kita-Gemeinschaft zu entwickeln (Niesel & Griebel 2015). Besonders hilfreich ist, dass positive Beziehungserfahrungen mit einer Fachkraft auf die anderen Fachkräfte übertragen werden können (Ahnert 2010). Auf diese Weise kann jedes Kind ein stabiles Beziehungsnetz entwickeln, das ihm auch bei kurzfristigen Veränderungen (z. B. Erkrankung der Bezugserzieherin) Beziehungskontinuität und Sicherheit vermittelt.

    Die Autorinnen

    Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll ist Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. Dr. Monika Wertfein ist Diplom-Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München.

    Literatur

    Ahnert, L. (2006): Anfänge der frühen Bildungskarriere. In: frühe Kindheit (6/2006), S. 18-23.

    Ahnert, L. (2010): Wie viel Mutter braucht das Kind? Bindung-Bildung-Betreuung: öffentlich und privat. Heidelberg.

    Becker-Stoll, F., Niesel, R., Wertfein, M. (2014): Handbuch Kinderkrippe. So gelingt Qualität in der Tagesbetreuung. Freiburg.

    Gutknecht, D. (2012): Bildung in der Kinderkrippe. Wege zur Professionellen Responsivität. Stuttgart.

    Laewen, H.-J., Andres, B. (2013): Grundlagen für die Qualitätsentwicklung in Kinderkrippen. Berlin.

    Spitz, R. A. (1945): Hospitalism. Psychoanalytic Study of the Child 1, S. 53-74.

    Sunderland, M. (2006): Die neue Elternschule. Kinder richtig verstehen – ein praktischer Erziehungsratgeber. London.

    Wir übernehmen diesen Beitrag mit freundlicher Genehmigung der Redaktion aus frühe Kindheit 2/2015.

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    Kommentare (4)

    • DoroBöhm:
      08.06.2015 um 16:33 Uhr

      Alles richtig – und trotzdem falsch! Langwierige Eingewöhnungen sind nämlich nur dann nötig, wenn der kindliche Reifungsgrad – noch – keine stundenlangen Trennungen von den primären Bezugspersonen vorsieht.
      Immer behaupten wir, dass die Kinder „unser Kostbarstes“ sind, aber wir trampeln ungerührt über kindliche Wünsche hinweg. Sogenannte Fachleute ermutigen Eltern darin, ihre Kleinkinder zu misshandeln: Kleinkindertrennungsschmerz-bedingte Tränen morgens in der Krippe erklären sie für „normal“, womöglich sogar für „nötig“ oder gar „förderlich“. Trennungen müssen „geübt“ werden? (Nach DER Logik könnte man auch die Prügelstrafe wieder einführen, um die Schmerzbewältigung aktiv „zu fördern“…).
      Warum warten wir nicht, bis ein Kind sagt, dass es gerne in den Kindergarten gehen möchte? Manche Kinder mögen mit 3 Jahren schon gehen, manche vielleicht erst mit 5 Jahren, manche gar nicht. Kinder sind verschieden, und wir sind doch auch sonst erklärtermaßen Fans von „Vielfalt und Individualität“…?!
      Wieso ermöglichen wir Kindern keine Familienphase nach ihren Bedürfnissen, indem wir ihre Eltern finanziell mit Kinderlosen gleichstellen, damit sie wenigstens nicht aus Geldgründen außer Haus arbeiten müssen?
      Wir glauben, kinderfreundlich zu sein, aber wir sind kleinkinderbedürfnis-ignorante egozentrische Erwachsene in einer wirtschaftsorientierten Gesellschaft.
      Der sog. demografische „Wandel“ fiel mitnichten vom Himmel, es ist eine Situation, die wir uns jahrzehntelang systematisch geschaffen haben, denn wir verfahren demografisch wie beim Eierkochen: 10min gekocht und immer noch nicht weich!

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      1. SozPäd:
        13.04.2016 um 18:03 Uhr

        @DoroBöhm: Danke, das sehe ich ganz genauso!!

        Antworten

    • Erika Butzmann:
      18.03.2017 um 14:43 Uhr

      Es ist bemerkenswert, mit wieviel Expertentum zur Legitimation der frühen Krippenbetreuung immer wieder Müttern eingetrichtert wird, dass sie ihre Kinder unbesorgt wegorganisieren können. Denn die hoch bezahlten Professorinnen wissen ja nicht, wie viele Kinder trotz bestens ausgestatteter Krippen massive psychische Schäden davon tragen. Diese zeigen sich erst später, nämlich dann, wenn das Kind sich selbst erkennt und sich bewusster steuern kann, d.h. erst im dritten Lebensjahr. Dann lassen sich die Verhaltensauffälligkeiten jedoch nicht mehr auf die frühen Stressbelastungen zurückführen. Die Egozentrik der Erwachsenen wird als gutes Vorbild für die Kinder wirken und später wundern sich alle, was und warum das etwas schiefgelaufen ist. Beispiele dafür zeigt ein Blick in andere europäische Länder. Leider werden bei europäischen Langzeitstudien wie MYPLACE und PAIRFAM die frühen Betreuungsformen nicht erfragt. Warum wohl? Fürchtet man Ergebnisse, die die eigene Ideologie als solche entlarvt?

      Antworten

    • LiLa:
      26.11.2017 um 12:36 Uhr

      Ich lese mich nun schon einige Wochen durch das Thema Eingewöhnung… Für mich persönlich ist das Thema “ Bindung und Eingewöhnung“ hier sehr schön, leicht erklärt und sehr sinnig geschrieben.
      Ich habe durch den Artikel viel Bestätigung dafür bekommen, was ich auch im Bauchgefühl hatte… Ich habe eine leider wirklich unschöne Eingewöhnung mit meinem Sohn (Alter zu Beginn 2 Jahre 3 Monate) hinter mir, bzw. sie ist noch nicht vollzogen. Unsere Erzieherinnen waren der Meinung es scheinbar kurz und schmerzvoll zu gestalten, obwohl ich beim Aufnahmegespräch deutlich darauf hingewiesen habe, dass ich mir extra die Zeit genommen habe (Elternzeit verlängert), um meinem Sohn eine entspannte Eingewöhnung zu ermöglichen! Fazit: nach 1,5 Wochen haben die Erzieherinnen entschieden ihn schreiend zu nehmen und mich für eine Stunde nach Hause zu schicken… Totale Katastrophe für mich. Am zweiten Tag habe ich es wieder so machen müssen. Es sei dazu gesagt, dass mein Sohn die ersten 1,5 Wochen gerne in die Kita ging und nach der Trennung mit Gebrüll logischerweise alles rum war!
      Am dritten Tag bin ich auf die Erzieherin zugegangen um ihr mitzuteilen das ich das so nicht mehr möchte und da bleiben möchte !
      Ihre Reaktion selbstverständlich : „Nein, das ist keine gute Idee. Er schafft das, er ist nir bockig!“
      Ich war sprachlos! Fragte darauf: „Wie lange wollt ihr das denn so (brüllendes und panisches Kind) durchziehen?“
      Erzieherin : “ Ein bis zwei Wochen. Wenn es nicht klappt, dann machen wir es anders!“
      Wieder Sprachlosigkeit meinerseits!
      Die Erzieherin auf Durchzug gestellt, kein Eingehen auf die Mutter, null Einfühlung!
      Ich habe immerhin den Kompromiss durchsetzen können, dass ich meinen Sohn solange in der Garderobe mitbegleite (sprich, mit in der Garderobe mit ihm sitzen bleibe), bis er von sich von sich aus ausziehen und in die Gruppe gehen kann. Auch wenn das Stunden in Anspruch genommen hätte!
      Für mich war es absolut nicht nachvollziehbar und ich war total verunsichert und vor den Kopf gestoßen. Kontaktaufnahme meinerseits wurde mehr abgeblockt und schnell abgewürgt…
      Ganz klar! Das klare Gegenteil von dem was die Autoren Dr. Fabienne Becker-Stoll und Dr. Monika Wertfein hier beschreiben! Bindungsorientierte und einfühlsame Eingewöhnung hat nicht stattgefunden!
      Ich würde meine Entscheidung ganz klar revidieren, wenn ich die Zeit zurück drehen könnte!
      Es ist nicht zu unterschätzen, dass Kinder unter 3 Jahren aif einem ganz anderen Entwicklungsstand sind und die Bindung eine enorme Rolle spielt!
      Zu den Kommentaren meiner Vorgänger kanm ich auch nur zustimmen! Wahre Worte von DoroBöhm und Erika Butzmann.
      Die psychischen Schäden werden sich noch zeigen…
      Wirklich grausam wenn man den Kindern so etwas antut.
      Ich bin auch nicht stolz darauf das ich mich dem Verhalten der Erzieherinnen fügen musste, aber jetzt waren wir im Teich und mussten mitschwimmen…
      Der einzige Trost war für mich, dass ich meinen Sohn wenigstens etwas auffangen konnte und mein bestes gab, ihm Zuhause und im Alltag versucht habe, mit viel Verständnis und emotionalem Bestand, viel Liebe und Wertschätzung zu geben damit er die Sicherheit hatte, dass ich doch da bin auch wenn ich im Kindergarten gehen muss…
      Danke für diesen tollen Artikel und die Kommentare.

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    Bindung und Bindungstheorien nach Bowlby – Bindungstypen leicht erklärt

    Die Bindung zwischen Eltern und Kind ist eine ganz besonders innige – gerade in den ersten Lebensmonaten und Lebensjahren. Die bedeutendsten Forscher, die sich mit Bindung und Bindungstheorien beschäftigen, waren John Bowlby (1907 – 1990) und Mary Ainsworth (1913 – 1999). Bowlby beschrieb als erster, dass es ein unsichtbares Band zwischen Kind und den engsten Bezugspersonen gibt, das eine grundlegende Bedeutung für dessen weitere Entwicklung hat. Dieses Band besteht auch dann weiter, wenn es eine zeitliche oder räumliche Trennung gibt. Längere Trennungen, so Bowlby, sind traumatisch für Kleinkinder und können für das Kind negative psychische Folgen haben.
    Mary Ainsworth spricht in diesem Fall von der „sicheren Basis“, die Eltern für ihr Kind darstellen. Zudem konnte sie in zahlreichen Studien nachweisen, dass sich Bindungen im Hinblick auf ihre Qualität von einander unterscheiden.
    Bowlbys und Ainsworths Theorien haben enorme Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Kinder unter drei Jahren in Krippen eingewöhnt werden sollten, damit sie diesen Prozess nicht als schmerzhaft und traumatisch empfinden. Es geht darum, dass das Kind zunächst in Anwesenheit der Mutter die neue Umgebung kennenlernt und ein immer ausgeprägteres Explorationsverhalten zeigt. Während dieser Zeit versucht die jeweilige Bezugserzieherin, Kontakt mit dem Kind aufzunehmen und sein Vertrauen zu gewinnen. Ist das geschehen, verabschiedet sich die Mutter für eine kurze Zeit vom Kind und lässt es allein. Wenn die Bindung zur Erzieherin bereits tragfähig genug ist, lässt sich das Kind von ihr trösten, wenn es den Weggang der Mutter realisiert. Die meisten Eingewöhnungsmodelle wie das „Münchner Modell“ oder das „Berliner Modell“ basieren auf den Bindungstheorien von John Bowlby und Mary Ainsworth und sind in der heutigen Zeit, in der immer mehr Kinder unter drei Jahren fremdbetreut werden, weil die Eltern berufstätig sind, aktueller denn je.

    Wie entstehen Bindungen zwischen Eltern und Kind?

    Ein Baby ist klein, niedlich und wirkt auf Erwachsene hilflos. Dieses sogenannte „Kindchenschema“ fungiert als Schlüsselreiz, es erweckt in Müttern und Vätern das Bedürfnis das Baby zu beschützen und seine Bedürfnisse zu befriedigen. Unbewusst setzt das Kind angeborene Verhaltensweisen wie Weinen oder Anklammern ein, um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und die jeweilige Bezugsperson aus sich aufmerksam zu machen und von ihr Zuwendung einzufordern. Eltern reagieren ebenfalls intuitiv auf die Signale ihres Kindes, sie versuchen es zu trösten, seinen Hunger zu stillen und suchen ihrerseits den Körperkontakt. So entsteht nach und nach eine tiefe Bindungsbeziehung.
    Diese ist wichtig, damit das Kind das Gefühl hat in Gegenwart seiner Eltern sicher zu sein und sich frei entfalten zu können. So entwickelt es auch Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten, kann soziale Beziehungen knüpfen und mit Stress konstruktiv umgehen. Eine sichere Bindung ist also wichtig, damit ein Kind sich altersgerecht und gesund entwickeln können. Exploration und Bindungsverhalten bedingen sich wechselseitig: Kinder brauchen emotionale Sicherheit und Stabilität um ihre Umwelt erforschen und damit Lernerfolge erringen zu können.
    Unsicher gebundene Kinder hingegen haben wenig Urvertrauen, sind psychisch labiler und werden, wie Forscher nachweisen konnten, im Jugendalter eher straffällig.
    Zusammengefasst lässt sich sagen: In Belastungssituationen zeigen Kinder ein höheres Bindungsverhalten (z.B. „Fremdeln“) und ein geringes Explorationsverhalten. Fühlt ein Kind sich in seiner Umgebung sicher und wohl, kann es sich eher von seinen Bezugspersonen lösen und zeigt ein hohes Explorationsverhalten.

    Frau Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll im Vortrag zum Thema Bindungstheorie

    Welche Bindungstypen gibt es?

    Mary Ainsworth entwickelte einen Test um die Qualität der Bindung zwischen Kleinkindern und ihren Müttern zu erforschen. Die teilnehmenden Kinder waren zwischen 12 und 18 Monaten alt. Das Testszenario sah folgendermaßen aus:

    Mutter und Kind wurden in einen Raum mit Spielzeug geführt. Die Mutter las ein Buch, während das Kind begann sich dem Spielzeug zuzuwenden. Eine fremde Frau betrat den Raum und nahm Kontakt zum Kind auf. Dann kam es zu einer Trennung, die Mutter verließ den Raum. Nach kurzer Zeit kam diese zurück. Es erfolgte eine zweite Trennung, die fremde Frau blieb beim Kind bis die Mutter wiederkam.
    Die Kinder reagierten im Experiment sehr unterschiedlich auf die für sie ungewohnte Situation. Daraus leitete Ainsworth ab, dass es vier verschiedene Bindungstypen gibt:

    1. Bindungstyp A: die unsicher vermeidende Bindung

    Die Kinder spielten ungerührt weiter, als ihre Mutter den Raum verließ. Sie wirkten auf den ersten Blick selbstbewusst und selbstständig, auf die Rückkehr der Mutter reagierten sie fast gleichgültig.
    Das Verhalten der Kinder zeigt jedoch, dass sie nicht sichert gebunden sind. Sie haben in den ersten Lebensmonaten die Erfahrung gemacht, dass die Eltern eben nicht zuverlässig auf ihre Bedürfnisse eingingen. Daraufhin gewöhnten sich die Kinder an ihre Gefühle nicht offen zu zeigen und entwickelten ein negatives Selbstbild.

    2. Bindungstyp B: die sichere Bindung

    Sicher gebundene Kinder protestierten mit Weinen und Schreien, als die Mutter im Experiment den Raum verließ. Kehrte sie zurück, reagierten die Kinder jedoch mit Freude und Erleichterung und vertieften sich schnell wieder in ihr Spiel.
    Kinder, die dieses Bindungsverhalten zeigen, haben Vertrauen zu ihren Bezugspersonen entwickelt und Verlässlichkeit erfahren, was deren Eingehen auf die eigenen Bedürfnisse angeht. Fühlt sich das Kind sicher, kann es sich frei entfalten und seine Umwelt erkunden.

    3. Bindungstyp C: die unsicher-ambivalente Bindung

    Kinder, die diesem Bindungstyp zugeordnet werden können, zeigen ein ambivalentes Bindungsverhalten. Sie könnten sich im Experiment auch nach der Rückkehr der Mutter nicht entspannen und suchten ihre Nähe.
    Der Grund liegt vermutlich darin, dass die Reaktionen auf die Bedürfnisäußerungen des jeweiligen Kindes unterschiedlich ausfiel. Mal gingen die Eltern liebevoll auf das Kind ein, ein anderes Mal reagierten sie nicht oder sogar ablehnend.
    Als Folge versucht das Kind die Trennung zu verhindern, reagiert ängstlich, passiv und verunsichert.

    4. Bindungstyp D: die unsicher-desorganisierte Bindung

    Die betreffenden Kinder reagierten widersprüchlich auf die Rückkehr der Mutter nach der Trennung. Sie handelten konfus, zeigten Stimmungsschwankungen oder sogar Aggression gegen die Mutter.
    Man geht davon aus, das Kinder mit einer unsicher-desorganisierten Bindung häufig traumatisiert sind und bestimmte Ereignisse in ihren ersten Lebensmonaten nicht verarbeiten konnte.
    Die Studien zeigen deutlich, welch großen Einfluss die Bindung zu den Bezugspersonen auf die Entwicklung des Kindes hat. Bowlby spricht sich nicht gegen eine Betreuung von Kleinkindern außerhalb der Familie aus, betont aber die Bedeutung einer sensiblen und bedürfnisorientierten Eingewöhnung. Die Eltern als „sichere Basis“ spielen dabei die entscheidende Rolle.

    Kindergartenanmeldung

    Allgemeine Informationen

    Schon frühzeitig sollten Sie über eine Anmeldung Ihres Kindes in der Kinderkrippe (Krabbelstube), im Kindergarten und im Kinderhort nachdenken. Die Kinderkrippe, der Kindergarten und der Kinderhort ermöglichen es den Kindern, mit Gleichaltrigen zusammen zu sein, und Berufstätigen oder Studierenden, ihrer Tätigkeit in dem Wissen nachzugehen, dass es ihren Kindern an einer dem Alter entsprechenden Betreuung nicht fehlt.

    Die Kinderkrippe kommt für Kinder im Alter von bis zu drei Jahren in Betracht. Ab drei Jahren können Kinder den Kindergarten besuchen. Der Kinderhort ist in der Regel für Kinder ab sechs Jahren. Hier werden sie nach dem Schulunterricht betreut.

    Hinweis

    Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter Kinderbetreuung.

    Fristen

    Es wird empfohlen, das Kind möglichst früh in einer Kinderkrippe oder einem Kindergarten anzumelden. Die Anmeldung in einem Kinderhort ist erst dann erforderlich, wenn Sie bereits wissen, in welche Schule Ihr Kind gehen wird.

    Zuständige Stelle

    • Das Gemeindeamt
    • In Statutarstädten: der Magistrat
      • In Wien:
        • Die MA 10 – Wiener Kindergärten
        • Die Servicestellen der Wiener Kindergärten
    • Die privaten Kinderbetreuungseinrichtungen

    Verfahrensablauf

    Die Anmeldung kann – je nach Gemeinde bzw. Betreuungseinrichtung – formlos oder mittels Formular, persönlich, schriftlich oder teilweise auch elektronisch erfolgen. Wenn ein Anmeldeformular erforderlich ist, erhalten Sie dieses bei der zuständigen Stelle bzw. am Ende dieser Seite.

    Erforderliche Unterlagen

    Welche Unterlagen zur Anmeldung Ihres Kindes notwendig sind, richtet sich nach der jeweiligen Gemeinde oder dem Magistrat bzw. der Kinderkrippe, dem Kindergarten oder dem Kinderhort. Bitte erkundigen Sie sich bei der zuständigen Stelle.

    Die Anmeldung zu einem Kinderkrippen-, Kindergarten- oder Kinderhortplatz ist kostenlos.

    Haben Sie einen solchen Platz für Ihr Kind bekommen, müssen Sie in der Regel einen monatlichen Elternbeitrag zahlen. Die Höhe des Beitrags richtet sich nach der jeweiligen Gemeinde oder dem Magistrat bzw. der Kinderkrippe, dem Kindergarten oder dem Kinderhort. Sie können allerdings unter bestimmten Voraussetzungen Ermäßigungen erhalten. Bitte erkundigen Sie sich bei der zuständigen Stelle.

    Mit Beginn des Kindergartenjahres 2009/2010 wurde eingeführt, dass der halbtägige Kindergartenbesuch (20 Stunden pro Woche ohne Mittagstisch) im letzten Jahr vor Schuleintritt für die Eltern kostenlos sein soll (sogenannter Gratiskindergarten).

    Diesbezügliche Initiativen der meisten Bundesländer gehen über diese Regelung teilweise weit hinaus. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Seite „Formen der Kinderbetreuung“.

    Zusätzliche Informationen

    Weiterführende Links

    • FamiliyBusiness
    • Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt Wien

    Zum Formular

    • Krabbelstube – Voranmeldung
    • Kindergarten – Voranmeldung

    Inhaltlicher Stand: 01.01.2020

    Abgenommen durch: oesterreich.gv.at-Redaktion

    Wie lange werden Kinder in der Kindertagesstätte betreut?

    Im Gegensatz zu manchen anderen Betreuungseinrichtungen werden Kinder in einer Kindertagesstätte von früh morgens bis spät nachmittags betreut.

    Wie hoch sind die Kita-Gebühren?

    Die Gebühren für einen Kita-Platz sind nicht bundeseinheitlich geregelt. Während die Betreuung in manchen Städten oder Bundesländern kostenlos ist, bezahlen Sie mancherorts bis zu 4000 Euro pro Jahr.

    Gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Platz?

    In Deutschland haben Eltern seit dem 01. August 2013 einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz, wenn das Kind das erste Lebensjahr vollendet hat.

    Die ersten Wochen und Monate nach der Geburt eines Kindes ist alles unglaublich spannend und neu, sodass viele Eltern organisatorische Angelegenheiten erst einmal hinten anstellen. Das ist auch gut und wichtig, um sich an die neue Situation zu gewöhnen.

    Allerdings sollten Sie unbedingt frühzeitig daran denken, Ihr Kind in einer Kita oder einem Kindergarten in Ihrer Nähe anzumelden. Denn in Deutschland sind diese Betreuungsplätze sehr begehrt und nicht immer leicht zu bekommen. Aber was ist eigentlich genau eine Kita und wann muss ich mein Kind dort anmelden? Welche Kosten kommen dabei auf mich zu? Kann ich einen Kita-Platz auch einklagen?

    In unserem Ratgeber bekommen Sie eine Antwort auf alle Fragen, die sich rund um Kindertagesstätten stellen. Wir geben Ihnen einen Überblick darüber, welche Betreuungsformen es gibt und wann eine Anmeldung sinnvoll ist. Weiterhin erfahren Sie, wie Kita-Portale aufgebaut sind und ob ein Kita-Platz einklagbar ist. Außerdem informieren wir Sie darüber, wie viel ein Kita-Platz kostet und wie Sie einen Kita-Gutschein beantragen können.

    1. Die Kita als eine Form der Kinderbetreuung

    In einer Kita werden Ihre Kinder ganztags betreut.

    Das Wort Kindertagesstätte (kurz Kita) ist ein Sammelbegriff, unter welchem verschiedene Kinderbetreuungsformen zusammengefasst werden. Bei einer Kita kann es sich je nach Bundesland und Region um eine Kinderkrippe, einen Kindergarten oder einen Kinderhort handeln.

    Generell gibt es jedoch einige Unterschiede zwischen diesen Kinderbetreuungsinstitutionen. Diese werden wir Ihnen im Folgenden kurz aufzeigen:

    Bezeichnung Erklärung
    Kinderkrippe Eine Kinderkrippe ist eine Institution, in der Kleinkinder bis zu einem Alter von drei Jahren betreut werden; in Kinderkrippen arbeiten Erzieher, Kinderpfleger und Kinderkrankenpfleger; oft sind Kinderkrippen in Kitas integriert
    Kindergarten Im Kindergarten werden Kinder zwischen drei und sieben Jahren betreut; im Kindergarten werden die Kinder oftmals morgens und ggf. nachmittags betreut; beim verlängerten Vormittagsangebot können Eltern ihre Kinder nach dem Mittagessen abholen
    Kindertagesstätte Kitas bieten im Gegensatz zu Kindergärten eine Ganztagsbetreuung an; Kinder werden somit von früh morgens bis zum späten Nachmittag von geschultem Personal betreut
    Kinderhort Der Kinderhort wird auch als Schulhort bezeichnet; dort werden Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren nach der Grundschule betreut; in einem Schulhort können die Kinder zu Mittag essen, ihre Hausaufgaben machen und mit Gleichaltrigen spielen

    Interessant ist dabei, dass sich die Anzahl der verschiedenen Kinderbetreuungsformen je nach Gebiet stark unterscheidet. Während es in Ostdeutschland hauptsächlich Kindertagesstätten gibt, findet man im Westen des Landes auch häufig Kindergärten mit einer Teilzeitbetreuung.

    Wenn Sie beispielweise nur vormittags arbeiten und Ihr Kind am Nachmittag gerne bei sich zu Hause haben möchten, können Sie Ihr Kind auch bereits vor oder nach dem Mittagessen abholen. Die meisten Kitas bieten hierfür Halbtags-Plätze an.

    2. Gebühren für einen Kita-Platz

    Kita-Kosten setzen sich aus Betreuungs- und Verpflegungskosten zusammen.

    Wenn Sie Ihr Kind tagsüber in einer Kita betreuen lassen möchten, müssen Sie in den meisten Regionen Gebühren bezahlen. Diese Kita-Gebühren sind in Deutschland jedoch nicht einheitlich geregelt. Die Höhe der Kosten hängt somit mit dem Bundesland und der Kommune bzw. dem Träger zusammen. Dadurch, dass es enorm große Unterschiede gibt, können wir hier leider keine einheitlichen Angaben machen.

    Generell setzen sich Elternbeiträge der Kita aus Betreuungskosten und Verpflegungskosten zusammen. Bei den Verpflegungsgebühren handelt es sich hauptsächlich um die Kosten, die für das Mittagessen entstehen. Zusätzlich können je nach Kindertageseinrichtung Bastel- und Materialgeld von den Eltern gefordert werden.

    2.1. Die Höhe der Elternbeiträge

    Die Höhe der Kita-Gebühren steigt je höher das Einkommen der Eltern ist.

    Während die Betreuung mancherorts kostenlos ist, bezahlen Sie in einigen Einrichtungen bis zu 4000 Euro pro Jahr. Bei einem mittleren Einkommen bezahlen Eltern durchschnittlich etwa 1000 Euro pro zu betreuendem Kind. Wenn Sie zwei Kinder gleichzeitig betreuen lassen, kostet dies im Durchschnitt zusammen circa 1150 Euro. In privaten Kindertagesstätten sind die Kosten für die Betreuung in der Regel noch höher.

    Bevor Sie Ihr Kind also in der gewünschten Kita anmelden, sollten Sie sich unbedingt über die Beitragshöhe informieren. In den meisten Fällen hängt der Kindergartenbeitrag von der Höhe des Gehalts der Eltern ab. Je mehr Sie verdienen, desto mehr müssen Sie auch für die Ganztagsbetreuung Ihrer Kinder zahlen.

    Die Höhe des Elternbeitrags für eine Kindertagesstätte hängt von folgenden Faktoren ab:

    • Bundesland
    • Kommune bzw. Träger
    • Einkommen der Eltern
    • Anzahl der zu betreuenden Kinder
    • zeitlicher Betreuungsumfang

    Tipp: Wenn die Kita teuer ist, bedeutet dies nicht, dass sie auch qualitativ hochwertiger ist!

    Inzwischen ist in den Bundesländern Hessen, NRW und Niedersachsen die Betreuung im letzten Jahr vor Schulbeginn beitragsfrei. In Rheinland-Pfalz ist es so geregelt, dass Sie ab Vollendung des zweiten Lebensjahres Ihres Kindes keine Kita-Gebühren mehr zahlen müssen. Auch in Berlin fallen in den letzten drei Jahren keine Elternbeiträge mehr an. Neben weiteren Städten haben Hamburg, Düsseldorf und Koblenz die Gebühren sogar gänzlich abgeschafft. Das heißt, dass die Betreuung in einer Kindertagesstätte über die gesamte Zeit beitragsfrei ist.

    Minden zählt beispielsweise zu den Regionen in Deutschland, in denen die Kita-Beiträge vergleichsweise sehr hoch sind. Dort beträgt der Elternbeitrag für den Kindergarten etwa 3900 Euro pro Jahr, wenn die Eltern gut verdienen.

    Manche Städte und Gemeinden bieten auf Ihrer Internetseite einen Kita-Gebühren-Rechner an. Dort können Sie mit Hilfe einiger Angaben die individuellen Kita-Gebühren berechnen lassen. Dazu zählen vorrangig das Einkommen, die Dauer der Betreuung und die Anzahl der Kinder. Nach Eingabe der Daten werden Ihnen die durchschnittlichen monatlichen Gebühren angezeigt. Dieser Betrag ist jedoch keineswegs bindend, sondern soll lediglich zur Orientierung dienen.

    2.2. Einen Kita-Gutschein beantragen

    Den Antrag auf Kostenübernahme müssen Sie beim Jugendamt einreichen.

    Dadurch, dass die Kosten für einen Kita-Platz teilweise so hoch sind, können sich geringverdienende Eltern eine Betreuung kaum leisten. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Kindergarten-Kosten im Verhältnis zu Ihrem Einkommen zu hoch sind, können Sie dies beim Jugendamt melden. Das Jugendamt wird daraufhin Ihren Fall prüfen. Wenn sich herausstellt, dass die finanzielle Belastung für den Kita-Platz zu groß ist, können Sie eine Ermäßigung beantragen.

    Die Kostenübernahme für die Kita können Sie also bei dem für Ihren Wohnort zuständigen Jugendamt beantragen. Der Kita-Gutschein-Antrag muss in jedem Fall schriftlich eingereicht werden. Das Formular können Sie online auf der Homepage des Jugendamtes ausfüllen oder ausdrucken.
    Folgende Unterlagen benötigen Sie dazu:

    • Unterschriebener Antrag für die Kostenübernahme
    • Nachweis über Ihr Einkommen (Lohn- oder Gehaltsabrechnungen der letzten drei Monate; Angabe sonstiger Einkünfte (Arbeitslosengeld, Unterhalt, Rente , Wohngeld usw.)
    • Bestätigung und Gebührenbescheid der Kindertageseinrichtung

    Wenn Sie die benötigten Unterlagen eingereicht haben, führt das Jugendamt eine Bedarfsrechnung durch. In welchem Umfang der Kindergartenbeitrag erlassen wird, hängt letztendlich davon ab, wie viel Geld Ihnen insgesamt zur Verfügung steht. Während die Kosten in manchen Fällen nur teilweise übernommen werden, ist in anderen Fällen eine komplette Kostenübernahme möglich.

    3. Eine geeignete Kita finden

    Informieren Sie sich vorab über die jeweiligen Kitas!

    Eigentlich klingt es verrückt, aber leider sieht so die Realität aus: Nach der Geburt Ihres Kindes sollten Sie sich möglichst schnell um einen Betreuungsplatz kümmern. Da die Plätze flächendeckend sehr begehrt sind, ist eine frühzeitige Anmeldung unerlässlich. Denn je früher Sie Ihr Kind anmelden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen der freien Plätze bekommen.

    Vor allem wenn Sie einen Platz zur Betreuung Ihres Kindes vor dem dritten Lebensjahr wünschen, sollten Sie die Anmeldung sogar bereits in der Schwangerschaft vornehmen. Obwohl die Frist für die Anmeldung in den meisten Gegenden erst etwa sechs Monate vor dem gewünschten Betreuungsbeginn abläuft, stehen die Chancen bei einer sehr frühzeitigen Anmeldung wesentlich besser.

    Neben Kitas gibt es natürlich noch viele weitere Betreuungsformen, die Eltern für Ihre Kinder in Anspruch nehmen können. Eine oft genutzte Möglichkeit sind dabei Tagesmütter. Das lohnt sich vor allem dann, wenn mehrere Kinder betreut werden müssen. Eine gute Plattform, auf welcher Sie nach einer Kinderbetreuung suchen können, ist betreut.de. Dort können Sie angeben, ob Sie lieber auf eine Tagesmutter, eine Leih-Oma oder vielleicht sogar ein Au-Pair zurückgreifen möchten. Nach einer kurzen, kostenlosen Anmeldung werden Ihnen alle verfügbaren Betreuer angezeigt.

    Wenn Sie sich für eine Kita entscheiden, müssen Sie sich zunächst auf die Suche nach einer passenden Einrichtung machen. Denn vor der Kita-Anmeldung steht die Entscheidung an, in welcher Kindertageseinrichtung Sie Ihr Kind betreuen lassen möchten. Zur Auswahl stehen zunächst einmal städtische oder private Kitas. Informieren Sie sich am besten online über die verschiedenen Einrichtungen. Sie können die Kita auch beispielsweise am Tag der offenen Tür besuchen, um sich ein besseres Bild machen zu können.

    Zudem können Sie sich entscheiden, ob Sie die Kindertageseinrichtung nutzen möchten, die möglichst nah an Ihrem Zuhause liegt. Dies hat den Vorteil, dass der Weg für Sie und das Kind nicht weit ist. Zudem werden in diese Kita auch viele Kinder aus der Nachbarschaft gehen, sodass die Eingewöhnung für Ihr Kind leichter ist.

    Andererseits können Sie auch eine Kindertagesstätte aussuchen, die auf dem Weg zu Ihrer Arbeit liegt. Vorteilhaft ist dabei, dass Sie Ihr Kind täglich auf dem Weg zur Arbeitsstätte und zurück mitnehmen können.

    3.1. Kita-Portale

    Betreuungsplätze finden Sie auch über Kita-Portale.

    Die Suche nach einer passenden Kita gestaltet sich vor allem in größeren Städten sehr schwierig. Die meisten Eltern verlieren dabei schnell den Überblick. Daher stellen viele Bundesländer, Städte und Gemeinden mittlerweile Kita-Portale zur Verfügung, die Eltern helfen sollen, eine geeignete Kita zu finden. Auf diesen Portalen können Eltern die Suche nach vielen verschiedenen Kriterien eingrenzen.

    Zu diesen gehören unter anderem:

    • Art des Trägers (kommunal, kirchlich, Elterninitiative usw.)
    • Standort
    • Betreuungsart
    • gewünschte Öffnungszeiten
    • Platzsituation

    Nachdem Sie die Suchkriterien eingetragen oder ausgewählt haben, werden Ihnen alle Kitas angezeigt, die Ihren gewünschten Kriterien entsprechen. Wenn Sie daraufhin eine Einrichtung auswählen, werden Ihnen weitere Details und in vielen Fällen eine Belegungsübersicht angezeigt. Im Anschluss können Sie sich direkt über das Portal anmelden oder auf die Warteliste setzen lassen.

    3.2. Anmeldung beim Jugendamt

    Das Formular zur Anmeldung bekommen Sie beim zuständigen Jugendamt.

    Gerade in kleinen Städten oder Dörfern möchten Eltern ihre Kinder direkt in der ortsansässigen Kindertageseinrichtung anmelden. Das Formular für die Anmeldung bekommen Sie dabei beim Jugendamt. In diesem Formular können Sie Ihre Wunsch-Kita angeben. Sie sollten jedoch weitere Einrichtungen angeben, die in Frage kommen, wenn in der gewünschten Kita kein Platz mehr frei ist.

    Die Platzvergabe läuft daraufhin zentral. Eventuell werden Sie je nach Platzsituation zunächst auf die Warteliste gesetzt. Die Stadt oder die Gemeinde kann Ihnen einen Platz in allen Kitas zuteilen, die höchstens eine halbe Stunde von Ihrem Zuhause entfernt liegen.

    Möchten Sie Ihr Kind hingegen in einer privaten Kita anmelden, können Sie dies direkt bei der Kita-Leitung tun. Auch hier sollten Sie sich möglichst früh um einen Platz kümmern, da die Wartelisten teilweise sehr lang sind.

    Wenn Ihnen ein Platz zugewiesen wurde, findet mancherorts ein Vorgespräch statt. Zu diesem sollten Sie unbedingt das gelbe Untersuchungsheft und den Impfpass des Kindes mitbringen. Bislang kann eine Kita kein Kind aufgrund fehlender Impfungen ablehnen. Allerdings könnte sich dies in Zukunft ändern.

    Bei einem Umzug gestaltet sich die Kita-Suche sogar noch um einiges schwieriger, da Sie erheblich weniger Zeit haben. Zudem gibt es in Bezug auf einen Kindergartenplatz bei einem Umzug keine Sonderregelungen. Informieren Sie sich in diesem Fall am besten beim Jugendamt. Das Personal kann Ihnen Ratschläge geben, wie es mit dem Kindergartenplatz bei einem Umzug aussieht. Wenn Sie nur innerhalb ihrer Stadt umziehen, kann Ihr Kind in den meisten Fällen im alten Kindergarten bleiben.

    3.3. Die Eingewöhnungsphase

    Kinder müssen sich erst an die neue Situation gewöhnen.

    Wenn Ihr Kind in die Kita kommt, ist zunächst einmal alles neu und unbekannt. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihr Kind langsam und schrittweise an die Kita gewöhnen.

    Bei Kindern unter drei Jahren erfolgt die Eingewöhnung zumeist nach dem Berliner Modell. Dies bedeutet, dass ein Elternteil zu Beginn zusammen mit dem Kind ein wenig Zeit in der Kita verbringt. In den darauffolgenden Tagen entfernt sich die Mutter oder der Vater immer mal wieder vom Kind. Wie schnell sich das Kind an die Betreuung gewöhnt, ist sehr unterschiedlich.

    Tipp: Lassen Sie Ihrem Kind so viel Zeit, wie es benötigt.

    Kinder über drei Jahren kommen in den meisten Fällen schneller und leichter in der neuen Umgebung zurecht. Achten Sie dennoch darauf, dass Ihr Kind sich wohl und sicher fühlt.

    4. Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz

    Eltern steht ein Kita-Platz zu!

    Vor einigen Jahren gab es immer wieder Elterninitiativen, weil ihre Kinder keinen Platz in der Kita bekommen haben. Vor allem erwerbstätige Eltern hatten enorme Probleme damit, ihre Kinder während dieser Zeit betreuen zu lassen.

    Daher hat die Bunderegierung ein Kinderförderungsgesetz und ein Tagesbetreuungsausbaugesetz erlassen.

    Mit dem sogenannten Kindertagesstättengesetz haben Eltern seit 2013 einen Anspruch auf einen Kita-Platz, wenn ihr Kind das erste Lebensjahr vollendet hat.

    Pläne zum Ausbau von Kindertagesstätten unrealistisch

    In Deutschland werden immer noch mehr Betreuungsplätze benötigt als bisher geschaffen wurden. Laut dem Kölner Institut der deutschen Wirtschaft fehlten 2017 deutschlandweit noch rund 300.000 Plätze für Kinder unter drei Jahren.

    In den gesetzlichen Grundlagen für den Ausbau der Kinderbetreuung ist außerdem festgehalten, dass die Einrichtungen in allen Bundesländern ausgebaut werden.

    So kann der erhöhten Anfrage nachgekommen werden. Tatsächlich ist es heute jedoch immer noch so, dass Kita-Plätze in vielen Städten Mangelware sind.

    Nun haben Eltern einen Anspruch auf einen solchen Platz, den es in der Realität aber leider nicht gibt.

    Also was tun, wenn man keinen Betreuungsplatz in der Kindertagesstätte bekommt?

    4.1. Einen Kita-Platz einklagen

    Es lohnt sich, einen Kita-Platz einzuklagen.

    Letztendlich ist die jeweilige Kommune dafür verantwortlich, dass für jedes Kind ab der Vollendung des ersten Lebensjahrs ein Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte zur Verfügung steht. Da es faktisch gesehen aber immer noch viel zu wenige Plätze gibt, klagen viele Eltern den Kita-Platz für ihr Kind ein.

    Die Leistungsklage gegen die Kommune können Eltern beim Verwaltungsgericht einreichen. Das Problem dabei ist, dass durch diese Klage kein Platz in Windeseile herbeigezaubert werden kann, sodass sich die Eltern letztendlich doch um eine alternative Lösung kümmern müssen.

    Allerdings können Sie mit einer Klage Folgendes erreichen:

    • Teilweise kommt es zu Gruppenerweiterungen
    • Wenn Verdienstausfälle entstehen, können Sie zusätzlich eine Klage auf Schadensersatz einreichen
    • Mehrkosten für eine alternative Betreuungsform können eingeklagt werden

    4.2. Kita-Plätze für Flüchtlinge

    Auch Flüchtlinge haben Anspruch auf einen Kita-Platz.

    Flüchtlingskinder, die in Deutschland aufgenommen wurden, haben genau wie deutsche Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kita. Sobald die Flüchtlinge einer Kommune zugewiesen wurden, können sie ihre Kinder bei einer Kita anmelden.

    Durch die Flüchtlingswelle hat der Bund sogar veranlasst, dass in Ausnahmefällen etwa 5% mehr Kinder pro Kita aufgenommen werden können. Das bedeutet jedoch auch, dass das Personal schnellstmöglich aufgestockt werden muss, was bislang leider nicht der Fall ist.

    Obwohl sich die Situation der fehlenden Plätze durch diesen Umstand noch weiter verschärft, sollten Sie unbedingt daran denken, dass das Spielen mit ausländischen Kindern den Kulturaustausch fördert und daher mit enorm vielen Vorteilen verbunden ist.

    5. Die Kleinen auf den Kita-Besuch vorbereiten

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    Betreuung in Kinderkrippen

    In Kinderkrippen werden Kleinkinder betreut
    Foto: © Olesia Bilkei

    Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

    • Was sind Kinderkrippen?
    • Für welches Alter geeignet?
    • Worauf sollte man bei der Wahl der Kinderkrippe achten?

    Was sind Kinderkrippen?

    Die Akzeptanz von Kindergärten ist groß. Sie gehören zu den üblichen Betreuungsinstanzen und werden von Eltern gern genutzt. Kinderkrippen hingegen erfahren in unserer Gesellschaft relativ wenig Toleranz, und dies obwohl der Bedarf und die Notwendigkeit vorhanden sind. Dies liegt wohl daran, dass viele Menschen der Meinung sind, Kinder unter drei Jahren gehören in die Obhut der Mutter und nicht die Fremder.

    Immer wieder taucht das Vorurteil auf, eine Kinderkrippe schade auf jeden Fall dem Kind. Dabei werden die Erzieher in der Krippe zu wichtigen Bezugspersonen der Kleinen und gehören zu ihrem festen und geregelten Alltag. Eine Kinderkrippe ist eine Bereicherung für das Kind, vorausgesetzt es handelt sich um eine qualitativ hochwertige Kinderkrippe.
    Lesen Sie auch: Frauen zwischen Familie und Beruf

    Für welches Alter geeignet?

    Kinderkrippen nehmen Kinder bereits ab drei Monaten in ihre Obhut. Lieber haben es die Erzieher jedoch, wenn frühestens ab einem halben Jahr das Kind in die Gruppe kommt. Die meisten Eltern geben ihre Kinder nach dem ersten Geburtstag in die Krippe. Dann endet das regulär bezahlte Elternjahr und vor allem die Mütter der Kleinen suchen neben dem finanziellen Aspekt der Erwerbstätigkeit wieder Anschluss im Berufsleben. Für viele Arbeitnehmer hieße eine dreijährige Pause einen Karriereknick oder nach der Rückkehr ins Arbeitsleben gleich den Erhalt der fristgemäßen Kündigung. Unter diesem Blickwinkel streben viele Eltern wieder das Berufsleben an. Möglich ist dies oft nur durch einen Krippenplatz für das Jüngste.
    Leider ist die Anzahl der Plätze in der Kleinkindbetreuung, die staatlich subventioniert werden, immer noch viel zu gering. Das bedeutet für die Eltern oft Wartezeiten und Anmeldungen für Wartelisten in den Kinderkrippen bereits während der Schwangerschaft. Dabei ist die Versorgung in den neuen Bundesländern sogar noch entspannter als in den alten. Denn zu DDR Zeiten war die Kinderkrippe ein fester Bestandteil in der Kinderbetreuung und durch ein dichtes Netz an Kinderkrippen und Kindergärten gewährleistet. Nahezu jede Mutter war berufstätig. Sogar Krippen, die auch nachts während des Schichtdienstes der Eltern die Kinder betreuten, gab es. Diese Form ist heute in Deutschland kaum noch anzutreffen. Oftmals sind Kinderkrippen nicht einmal eine Einrichtung, in der ausschließlich Kleinkinder zwischen drei Monaten und drei Jahren aufgenommen werden. Häufig sind sie Kindertagesstätten angeschlossen, die sowohl Krippe als auch Kindergartenbetreuung anbieten.

    Als modern gelten altersgemischte Gruppen. Gerade in den letzten Jahren hat sich daher diese Form der Kinderbetreuung in vielen Kindertagesstätten durchgesetzt. Das bedeutet, dass Kinder zwischen drei Monaten und sieben Jahren, wenn ein Hort angeschlossen ist sogar bis 11 Jahre, in einer Gruppe betreut werden. Eltern reagieren zunächst skeptisch, wenn sie von dieser Betreuungsform hören. Doch der Alltag in den Gruppen überzeugt die Eltern sehr oft. Die Kleinsten lernen viel schneller sprechen, ahmen die großen Kinder nach und werden auch oft schneller sauber.

    Worauf sollte man bei der Wahl der Kinderkrippe achten?

    Auch in altersgemischten Gruppen wird ein Personalschlüssel vorgegeben. Auf eine bestimmte Anzahl Kinder einer Altersgruppe, muss auch eine angemessene Zahl an gut ausgebildeten Erzieherinnen kommen. Je kleiner die Kinder sind, desto höher ist dieser Betreuungsschlüssel. Für Kinder unter einem Jahr sehen die meisten Bundesländer für drei Kinder eine Erzieherin vor. Von einem bis drei Jahren brauchen fünf bis sechs Kinder einen Betreuer. Dies ist ganz einfach der Tatsache geschuldet, dass natürlich die kleinsten Kinder mehr Zuwendung brauchen, als die größeren. Schließlich soll jedes Kind altersgerecht betreut werden. Das gilt in einer Krippe nicht nur für die Sauberkeitserziehung, für die Schlafenszeiten der Babys und Kleinkinder sowie der altersgerechten Ernährung für Kleinkinder, zum Beispiel auch durch abgepumpte Muttermilch oder Ersatznahrung. Sondern auch die pädagogische Förderung der Kleinsten darf nicht zu kurz kommen. Soziales Lernen und die emotionale Entwicklung des Kindes gehören genauso dazu, wie das Erwerben motorischer Fähigkeiten und vielem mehr.

    Entscheiden sich die Eltern für die Betreuung ihres Kindes in einer Kinderkrippe, sollten sie diese vorher genau anschauen. Vielleicht darf man ja auch ein paar Stunden hospitieren und den Tagesablauf verfolgen. Geht man mit einem guten Gefühl daran, sollten sich alle Eltern und Erzieher ausreichend Zeit für die Eingewöhnung in der Gruppe nehmen. Das Kind wird an seine Erzieher herangeführt und baut langsam Vertrauen auf. Nach und nach können sich die Eltern immer mehr zurückziehen. Dass dies sanft verläuft und nicht radikal, ist entscheidend für das spätere Krippenleben des Kindes. Vorher sollte immer geklärt werden, in wie fern die Eltern durch Elterngespräche und Elternbriefe über die Entwicklung ihres Kindes informiert werden bzw. mit eingebunden werden. Die Krippe ist keine reine Aufbewahrungsstätte. Das Kind soll natürlich auch davon profitieren, nicht nur die Eltern. Wenn es die Umstände erlauben, genießt das Kind die Vorteile beider Seiten – der Elternbetreuung und der Kinderkrippe – wenn es nur für zwanzig oder eventuell dreißig Stunden die Krippe besucht. So hat es die Nähe der Eltern als relevante Bezugspersonen, und trotzdem die so wichtigen sozialen Kontakte zu vielen anderen Kindern, die besonders im Krippenalter so wichtig sind und die oftmals bei der Betreuung zu Hause oder bei einer Tagesmutter zu kurz kommen.
    Text: C. D. / Stand: 02.02.2020
    Die Adressen einiger Kinderkrippen finden Sie in unserem Verzeichnis.

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