Kinder entdecken ihren körper

Kinder: Doktorspiele erlaubt?

Sexualerziehung von Anfang an: Experten-Tipps

Wie verhalte ich mich richtig? Im Alltag tauchen bei Eltern immer wieder praktische Fragen zum Thema auf. Sexualforscher und Pädagoge Professor Uwe Sielert vom Institut für Pädagogik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat die dringendsten für uns beantwortet:
• Herr Sielert, wie sprechen Eltern das Thema am besten an?
Wichtig ist, dass sie mit ihrem Kind laufend im Gespräch bleiben. Da reicht nicht ein einmaliges Aufklärungsgespräch, bei dem die Eltern das Kind mal „beiseite nehmen“. Am besten, sie weisen immer wieder auf Dinge und Regeln hin, zum Beispiel, dass keiner dem anderen wehtun soll. Das Kind sollte merken, dass es ohne Scheu erzählen kann.
• Wo sollten Grenzen beim Alter der Spielkameraden sein?
Generell gilt: Unter Gleichaltrigen, also bei einem Altersabstand von höchstens zwei Jahren, sind solche Körpererkundungen unproblematisch. Aber in speziellen Fällen kann auch bei einem Altersabstand von zwei Jahren schon ein Machtgefälle entstehen, zum Beispiel, wenn eines der Kinder besonders weit entwickelt ist. Wenn die Eltern mit ihrem Kind gut im Gespräch sind, wird es von unangenehmen Situationen erzählen.
• Was tun, wenn das Kind in der Öffentlichkeit an sich herumspielt?
Zunächst können die Eltern das Kind mit etwas anderem ablenken. So merkt es, dass Mutter oder Vater das nicht in öffentlichem Kontext möchte. Später können sie ihm erklären, dass es zwar seinen Körper erkunden darf, aber am besten im Kinderzimmer oder wenn es alleine ist.
• Wenn Kinder die Genitalien der Eltern anfassen wollen – dürfen die Eltern das zulassen?
Wenn Eltern und Kinder nackt baden oder herumtollen und das Kind berührt das Geschlechtsteil von Mutter oder Vater, ist das kein Problem. Ebenso, wenn es die Genitalien ausführlich betrachtet. Greift es im Spiel danach, ist das zunächst nicht schlimm – aber der Elternteil kann natürlich sagen, dass er das nicht möchte. Das Kind lernt, dass Intimität etwas Schützenswertes ist und es die Intimsphäre anderer respektieren muss. Problematisch wäre, wenn es die Geschlechtsorgane ausführlich mit den Händen untersucht. Das ist dem Betreffenden in der Regel unangenehm und könnte ihn auch ungewollt erregen. Der Erwachsene sollte sagen „Das möchte ich nicht.“
• Was sollten Eltern bei der Pflege beachten?
Wichtig ist, dass Eltern bei der täglichen Pflege keinen Bogen um die erogenen Zonen machen, auch nicht bei Mädchen. Bei Jungen wird oft sehr bei der Intimhygiene auf das Geschlechtsteil geachtet. Bei Mädchen wird diese Region oft ausgespart und überhaupt nicht beachtet. So bekommen Jungen den Eindruck, auf ihr Geschlechtsteil stolz sein zu können, Mädchen hingegen oft, dass sie sich dafür schämen sollten.
• Welche Bezeichnungen für die Geschlechtsorgane sind angebracht?
Welche Begriffe da genommen werden, regelt jede Familie selbst. Oft erfinden Kinder auch Ausdrücke oder schnappen sie auf. Wichtig ist, dass es in der Familie ein Wort dafür gibt und dass es nicht zu verschroben ist. Denn auch andere – zum Beispiel die Erzieherin im Kindergarten – sollten verstehen, wovon das Kind spricht.

Javed Khan ist „zutiefst beunruhigt“. Der Geschäftsführer der britischen Wohltätigkeitsorganisation Barnardo’s hat kürzlich einen Bericht veröffentlich, dessen Zahlen tatsächlich erschrecken: In England und Wales wurden im vergangenen Jahr fast doppelt so viele Kinder wie 2013 angezeigt, weil sie sich sexuell an anderen Kindern vergriffen haben sollen. Auch in Deutschland ist die Zahl solcher Anzeigen bei der Polizei seit dem Jahr 2000 um die Hälfte gestiegen.

Was ist da los in Schulen und Kindergärten? Sind die Kinder von heute durch die sexualisierte Welt, in der sie leben, sexuell enthemmt oder gar gewalttätig geworden? Spielen sie mehr sexuelle Spiele als früher oder drastischere? Doktorspiele 2.0? Man müsse erwägen, dass Internet und Smartphones zu einer solchen Entwicklung beitragen, sagt Javed Khan.

Andere Experten sind mit der Interpretation dagegen vorsichtiger. Womöglich seien Eltern nur schneller alarmiert, meint Andrej König, Forensischer Psychologe an der Fachhochschule Dortmund und Autor der von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie „Sexuelle Übergriffe durch Kinder und Jugendliche“. Manche sehen sexuellen Missbrauch, wo Kinder einfach nur spielen.

Kinder sind sexuelle Wesen – von Anfang an

Viele Eltern haben mit der Sexualität ihrer Kinder ein Problem. Ist es ein Mädchen oder ein Junge? Rund um die Geburt ist die Frage nach dem Geschlecht eines Kindes noch beherrschend. Doch von da an spielt sie allenfalls als Grundlage für die Kleiderwahl oder als Erklärung für die Vorliebe zum Kriegspielen eine Rolle. Wenn es nach Eltern geht, sollen kleine Kinder, bitteschön, lieber nichts mit Sexualität zu tun haben. Und wenn kleine Mädchen dann doch einmal berichten, dass sie den Pimmel von ihrem Kindergartenfreund angefasst haben, müssen Eltern oft kräftig schlucken. Und gehen bei drastischeren Erzählungen immer häufiger zur Polizei.

Dabei sind Kinder sexuelle Wesen – von Anfang an. Schon gleich nach der Geburt können Jungen und Mädchen eine Erektion haben. Und etwa ab dem dritten Lebensjahr beginnen sie, ihren Körper und den anderer Kinder spielerisch zu erforschen. „Es gibt eine ganze Bandbreite von normalem sexuellen Kinderverhalten“, sagt der Sexualforscher und Pädagoge Uwe Sielert von der Universität Kiel. Auch verschiedenste Formen von Selbstbefriedigung sind schon in frühem Alter normal.

Aber es gibt auch Regeln, die Eltern dabei helfen, gefährliche Spiele zu erkennen und sexuelle Übergriffe unter Kindern zu verhindern. Lesen Sie den großen Report, mit SZ Plus.

Doktorspiele oder sexuelle Übergriffe?

Die internationale Forschung belegt durchgängig: Ein Drittel aller Fälle sexueller Gewalt gegen Mädchen und Jungen wird durch Kinder und Jugendliche verübt. Bei Zartbitter machen die Fälle inzwischen mehr als 50 Prozent der Beratungsanfragen aus.

Davon bezogen sich im Jahr 2016 mehr als 135 Fälle auf sexuelle Übergriffe durch gleichaltrige Kinder im Vor- und Grundschulalter, mehr als 100 Fälle auf sexuelle Gewalt durch Jugendliche ab 12 Jahre. Als Antwort darauf und auf die Tatsache, dass zunehmend sehr junge Kinder in Kitas betreut werden, hat Zartbitter nun anlässlich des 30-jährigen Bestehens ein nachhaltiges Präventionskonzept gegen sexuell grenzverletzendes Verhalten von Kindern im Vorschulalter entwickelt.

Bilderbuch für Kinder ab drei Jahren

Bausteine des Präventionsprojektes sind die Figuren Sina und Jan aus dem Zartbitter-Pappbilderbuch zum Thema Doktorspielen und Zärtlichkeit für Mädchen und Jungen ab drei Jahre. Sina, Tim und ihre Freundinnen und Freunde spielen gerne Mutter-Vater-Kind und Doktor. Jedes Kind bestimmt, von wem es untersucht werden will. Alle sind vorsichtig und machen nur, was den anderen gefällt.

Mit dem neuen Zartbitter-Pappbilderbuch, das von den Zartbitter-Beraterinnen Ursula Enders und Ilka Villier entwickelt und der Kölner Illustratorin Dorothee Wolters gestaltet wurde, gibt Zartbitter Müttern, Vätern und auch pädagogischen Fachkräften eine Hilfestellung, um bereits mit sehr jungen Kindern über kindliche Doktorspiele und Zärtlichkeit ins Gespräch zu kommen. Das Bilderbuch vermittelt eine positive Haltung zur kindlichen Sexualität und zugleich Regeln für einen grenzachtenden Umgang im Rahmen von Doktorspielen.

Die Bilder wurden inklusiv gestaltet: Sie bilden Mädchen und Jungen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, mit und ohne Behinderung ab. Die Konturen der Bilderbuchkinder wurden klar gezeichnet, so dass die Bilder auch für Kinder mit Sehbeeinträchtigungen ausgedruckt und anschließend ertastet werden können.

Präventionstheaterstück ab drei Jahren

In Anlehnung an das Bilderbuch Sina und Tim produzierte Zartbitter das Kindertheaterstück Sina und Tim spielen Doktor. Die Kindergarderobe einer Kita wird zur Bühne, auf der Puppen, Stofftiere, Stiefel und andere Gegenstände lebendig werden. Sie erzählen über die Spiele von Sina, Tim und den anderen Kindern, die miteinander Raketen starten, Memory, Mutter-Vater-Kind und Doktor spielen. Die kindlichen Zuschauer lernen Sina, eine Puppe mit Migrationshintergrund, und ihren Freund Tim kennen. Die beiden haben ein Problem, denn Arno, ein großer Kindergartenjunge, will mit den beiden Doktor spielen und Handlungen durchsetzten, die die beiden nicht möchten. Die beiden Puppenkinder holen sich bei der Erzieherin Hilfe. Selbstverständlich wurde das Puppentheaterstück mit der für Zartbitter-Theaterstücke typischen Lebensfreude inszeniert. Es ist ein sehr liebevoll gestaltetes Theaterstück, das bereits drei- und vierjährige Mädchen und Jungen ermutigt, ihre persönlichen Grenzen zu vertreten und sich im Falle von Grenzverletzungen Hilfe zu bei Erwachsenen zu holen.

Das Tourneetheaterstück spielt Zartbitter vor circa 30 bis 50 kindlichen Zuschauern – in Kitas, Kirchengemeinden, Familienbildungsstätten und an anderen Orten. Auch Eltern sind eingeladen, in die Welt des kindlichen Spiels einzutauchen. Auf den Elternabenden wird nach der Theateraufführung jeweils ein Kurzreferat zum Themenbereich Doktorspiele gehalten, um anschließend mit den Müttern und Vätern ins Gespräch zu kommen.

Das Theaterstück wird von den Theaterpädagoginnen Alexe Limbach und Imke Schreiber im Wechsel als Solostück gespielt. Beide stehen seit vielen Jahren für Zartbitter auf der Bühne, verfügen über Zusatzqualifikationen als Traumapädagogin oder Coach und haben Berufserfahrung als Erzieherin. Regie führte Angelika Pohlert, künstlerische Leiterin des Theaterpädagogischen Zentrums (TpZ).

Mein Körper erklärt Kleinkindern altersgerecht körpereigene Funktionen

Unsere Große ist mittlerweile in dem Alter, in dem sie ihren und andere Körper erkunden möchte. Das fing mit meiner Schwangerschaft an, da sie sich dafür interessiert hat, wie das Baby überhaupt da rein kommt und warum das eine „so lange Lieferzeit“ hat. Sie war total ungeduldig und wollte, dass ich „schneller mache“. Ein idealer Zeitpunkt ihr den menschlichen Körper und was dabei alles geschieht zu erklären, oder?

Warum hat Papa einen Penis?

Vor einiger Zeit zeigte sich Claire auch sehr interessiert an Penissen. „Warum hat Papa einen Penis, aber wir nicht?“, hat sie gefragt. „Weil der Papa ein Mann ist und wir beide sind Frauen“, habe ich geantwortet – Mir ist völlig klar, dass jetzt einige Leser einen Anfall bekommen, dass ich meinem Kind Männlichkeit und Weiblichkeit noch so „old shool“ erkläre und es gefühlt 1 Millionen Geschlechter gibt. Ja, das ist mir bekannt. Aber ich begnüge mich damit erstmal bei dem biologischen Ursprung zu bleiben und erst zu einem späteren Zeitpunkt auf die vielfältigen „Abwandlungen“ zurückzukommen. Wem das schon sauer aufstößt, dem wird das Buch, welches ich gleich vorstelle übrigens eher nicht gefallen. Finger weg.

So. Zurück zum Thema: Geschlechter, der menschliche Körper. Ich möchte Claire natürlich gern umfassend erklären, wie alles funktioniert, aber ich muss gestehen, trotz Bio-Leistungskurs ist mir auch vieles nicht mehr so geläufig. Daher nutze ich gern Hilfsmittel. Zu gewissen Themen schauen wir beispielsweise gern „ Es war einmal das Leben“. an Das ist eine so wundervolle Serie aus meiner Kindheit und zeigt meiner Meinung nach sehr gut (viele Dinge sind ja nach wie vor stimmig), was im Körper so vor sich geht.

Rezension: Kleine Entdecker – Mein Körper von Ruth Martin

Wer es aber weniger digital möchte, der greift auch gern auf Bücher zurück. Wir lesen sehr viel – jeden Abend mindestens eine Gute-Nacht-Geschichte und am Wochenende auch tagsüber zum Zeitvertreib. Um Claire den menschlichen Körper näher zu bringen, greifen wir gern auf „Mein Körper“ aus dem Loewe Verlag zurück. Das Buch von Ruth Martin ist für Kinder ab 3 Jahren gedacht und lädt zum Mitmachen ein. Claire hat es mir nach dem Auspacken direkt aus der Hand gerissen und losgelegt Fragen zu stellen. Wir finden es top. Warum, möchte ich euch im Folgenden kurz erklären:

Klappentext: „Verblüffend: Schau ins Innere und erfahre, wie dein Körper funktioniert und du ihn gut behandeln kannst! Achtung, an alle kleinen Entdecker: Erkunde den menschlichen Körper! Finde heraus, was unter der Haut passiert. Öffne die Klappen und schau nach, wie das Gehirn arbeitet, wie Babys wachsen und was dich am Leben hält. Es gibt so viel zu entdecken …
Los geht die aufregende Reise in den menschlichen Körper. „

Kleine Entdecker: „Mein Körper“
Ruth Martin (Autorin) & Allan Sanders (Illustrationen)
Loewe Verlag

Illustrationen: Ich finde die Bilder wirklich sehr kindgerecht aufbereitet! Vor allem als wir zum Kapitel „Bakterien und Viren“ kamen, musste ich laut auflachen, da Claire sofort sagte: „Mama, schau, da sind die bösen Bakterien. Aber die haben dich eine falsche Farbe!“. Sie bezog sich darauf auf die „Es war einmal das Leben Folge“, bei der „krank werden“ erklärt wurde. Ich musste direkt lachen und war stolz, dass sie sich erinnert hat. Ich finde durch die kindgerechten Zeichnungen, können komplexe Themen anschaulich vereinfacht werden. Das hat der Illustrator echt toll umgesetzt! Die Bilder wirken modern und ansprechend – auch für mich als Erwachsene, die das Buch nun gefühlte 1 Millionen Mal vorlesen muss darf.

Inhalt: Auf den 18 Seiten befinden sich knapp 50 Klappen, die das Kind neugierig machen und zum Mitmachen einladen. Claire fummelt immer an allem herum, was irgendwie nur ansatzweise beweglich ist. Dementsprechend hat sie viel Spaß an dem Buch. Hinter den Klappen befinden sich zusätzliche Informationen und Bilder, um komplete Vorgänge zu veranschaulichen und erläutern. Das macht sogar die Erwachsenen neugierig – vor allem, wenn man in Bio gepennt hat 😉

Im Buch selbst wird auf Themen wie „Woher komme ich?“, „Wie funktioniert der Körper?“ und „Wohin verschwindet das Essen?“ eingegangen. Besonders schön finde ich die letzten Seiten, die das Thema „Wie kümmere ich mich um meinen Körper“ behandeln. Hier wird zum Beispiel darauf eingegangen, warum es wichtig ist sich zu impfen und dass Spaß haben und Bewegung zur Gesundheit beiträgt.

Wir sitzen alle gespannt auf der Couch und lesen ein neues Buch vom @Loewe.Verlag 🙂 „Mein Körper“ erklärt ein paar Grundfunktionen des Körpers und vermittelt das ganz spielerisch durch Aufklappen​ der Informationen. Ich finde solche Bücher richtig genial! Sogar die Katze guggt ?? #bookstagram #instabook #Bookworm #books #Bücherwurm #kinderbücher #LebenmitKindern #Family #Familie #instafamily

Ein Beitrag geteilt von Yasmin Neese (@dierabenmutti) am 13. Jun 2017 um 9:16 Uhr

Sprache: Der menschliche Körper wird mit vielen Kurztexten vorgestellt. Und damit Perfekt für die Aufmerksamkeitsspanne von 3 Jährigen ausgelegt. Kurz und knapp – aber dennoch ausreichend – werden so die verschiedenen Vorgänge erklärt.

Gesamteindruck: Wir finden das Buch allesamt großartig! Natürlich sind Bücher mit Geschichten auch sehr spannend, jedoch finde ich, dass es an Allgemeinbildung nicht fehlen darf. Diese muss natürlich kindgerecht und spielerisch aufgearbeitet werden, damit es dem Kind im Gedächtnis bleibt. Das haben Auto und Illustrator von „Mein Körper“ wirklich gut umgesetzt. Es gibt eine klare Kaufempfehlung für Eltern, die ihren Kindern Basics zum menschlichen Körper vermitteln möchten. Damit gibt es natürlich auch 5 von 5 Funkelchen von uns!

Gewinnspiel: Ein „Mein Körper“-Exemplar für euren Nachwuchs

Um zu gewinnen, liked einfach diesen Beitrag auf Facebook. Mit ein wenig Glück könnt ihr eurem Nachwuchs dann schon bald altersgerecht über den menschlichen Körper aufklären 😉

Kinder „begreifen“ ihren Körper

Meine Nase, meine Ohren, mein Körper: Wie entwickeln Kinder eigentlich ein Selbstbild? Und was haben Doktorspiele damit zu tun? Die verschiedenen Phasen und wie Sie Ihr Kind unterstützen.

Kinder sind von Kopf bis Fuß mit sich zufrieden.

Am Anfang des Lebens erleben Kinder vor allem über ihren Körper, wer sie sind und was sie können. Sie greifen den Ball, sie befühlen ihr Kuscheltier. Kinder rollen, robben und rasseln wie die Weltmeister. Sie spüren Mamas oder Papas Haut, das Fließen des Wassers über ihren Körper. Sie frieren und genießen das Kitzeln von Grashalmen auf der Nase. Und Kinder untersuchen ihre Hände und Füße genauso selbstverständlich wie ihre Geschlechtsorgane.

Hier bin ich, da sind die anderen

Aus diesen Erfahrungen entwickelt sich nach und nach das sogenannte „Körper-Selbst“. Die Kinder nehmen ihren eigenen Körper als abgetrennte Einheit wahr: Hier bin ich. Da sind die Anderen. Wie positiv sich ihr Körpergefühl entwickelt, hängt natürlich auch von der Reaktion der Eltern ab, ob sie ihre Kinder bestärken oder eher bremsen, ob sie vielfältige Erkundungen zulassen oder eher „Pfui“ rufen.
Und alles hängt miteinander zusammen: motorische Kompetenzen, seelische Balance und geistige Leistungsfähigkeit. Vereinfacht gesagt: Wer sich viel bewegen kann, dem fällt das Denken leichter. Wer seinen eigenen Körper gut wahrnimmt, dem gelingt auch die Kontaktaufnahme mit anderen besser. Im Turnverein muss man seine Kinder deshalb nicht gleich anmelden. In den ersten Lebensjahren geht es vielmehr darum, das Körperbewusstsein der Kinder durch alltägliche Sinneserfahrungen zu fördern.

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Berührung, Fingerspiele und Co.

Wenn die Eltern etwa beim Wickeln und Anziehen die verschiedenen Körperteile liebevoll berühren und benennen, nimmt das Baby seine Körperlichkeit positiv wahr: „Alles gehört zu mir. Ich bin so in Ordnung.“ Auch Babymassagen sind in den ersten Lebensmonaten etwas sehr Schönes. Durch die Berührungen werden die Nervenzellen angeregt und komplexer vernetzt.
Kinder lieben schon früh Fingerspiele, bei denen die Körperteile benannt und berührt werden. Durch diese Verknüpfung von Sprache, Bewegung und körperlichem Empfinden entwickelt das Kind im Kopf Bilder und Assoziationen von sich selbst – und das fördert natürlich die Vorstellung und das Verständnis vom eigenen Ich.

Eltern hemmen manchmal

Doch ohne es zu wollen, hemmen wir manchmal das angeborene Bedürfnis unserer Kinder nach aktiven Körpererfahrungen: In der Eile nimmt man das Ärmchen und stopft es kurzerhand wortlos in die Jacke, oder klemmt sich sein Kind unter den Arm, weil einem gerade die Geduld fehlt, abzuwarten, bis es sich selbst aufgerichtet hat. Oder wir rollen entnervt mit den Augen, wenn sich unser Nachwuchs von oben bis unten mit Matsch beschmiert. Und wir schnallen die Kleinen in der Karre fest, damit es nun endlich mal losgehen kann.Es ist aber erwiesen, dass beispielsweise Kinder, die viel gefahren werden, ihre Umwelt weniger wahrnehmen und einen schlechteren Orientierungssinn entwickeln. Warum? Das Gehirn „verbucht“ nur Dinge, die der Körper selber macht. Nur wenn ein Kind selbst geht, spürt es die Kraft seiner Beine – und wie die Energie langsam nachlässt. Wie sich getrockneter Matsch auf der Wange anfühlt, kann man nur an eigener Haut erfahren. Und das befriedigende Gefühl „Ich kann etwas“, setzt erst ein, wenn der Zweijährige den Arm allein in die Jacke bekommt oder selbst den Kissenberg erklimmt.

Kinder mögen ihren Körper

Die Körpererfahrungen der Kindheit begleiten uns durch das ganze Leben. Wie wohl wir uns später in unserem Körper fühlen, wie gern wir ihn mögen, hängt auch davon ab, wie wir Körperlichkeit in der Kindheit erlebt haben. Eine gelungene Sexualerziehung beginnt entsprechend nicht mit dem berüchtigten „Aufklärungsgespräch“, das viele als etwas verkrampfte Angelegenheit in Erinnerung haben dürften. Kluge Sexualerziehung vermittelt Kindern vielmehr von Geburt an eine positive Einstellung zum eigenen Körper. Kuscheln, Kitzeln, Schmusen, Geborgenheit, Vertrauen und schöne sinnliche Erlebnisse – wenn Kinder all das erleben, haben sie gute Chancen, sich zu einem beziehungs- und liebesfähigen Menschen zu entwickeln.

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Aufklärung & Sexualität: Wie kommt das Baby in den Bauch?

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„Lust ist beim Menschen von Anfang an da. Babys saugen an der Mutterbrust, sie genießen Berührungen und spüren, wie angenehm das ist. Wenn sie etwas größer sind, haben sie auch durchaus erotische Fantasien. Das drücken sie mitunter auch klar aus und wir sehen es in ihren Spielen.“, weiß Diplom-Pädagogin Ingrid Löbner. Wie Eltern damit am besten umgehen? Der Rat der pro familia-Sexualberaterin: Es bedarf keiner besonderen Aktivitäten und Gespräche – nur, wenn das Kind es wünscht. Eine liebevolle Begleitung reicht völlig aus.
Aufklärung ist also nicht nötig? Nicht ganz – eine gelungene Sexualerziehung bedeutet bis ins Vorschulalter vor allem, ihnen Wärme und Nähe zu geben. „Wenn Kinder ungeniert und geborgen sein können und ihre Körperlichkeit genießen dürfen, ist das die beste Basis, damit sie als Erwachsene ein sinnliches Leben mit einer erfüllten Sexualität führen.“, erklärt Löbner.

Aufklärungsbücher für Kinder und Jugendliche

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„Kinder entdecken ihren Körper – Sexualentwicklung und Sexualerziehung“

Kinder entdecken die „kleinen Unterschiede“ zwischen Mädchen und Jungen ganz natürlich. Was wir Erwachsenen mit „Sexualität“ verbinden entspricht in der Regel nicht dem was Kinder mit diesem Thema verbinden. Es gehört zur kindlichen Entwicklung dazu, die Unterschiede selbst zu erforschen und ihren eigenen Körper zu erkunden. Wichtig ist dabei, dass Kinder darin liebevoll und einfühlsam begleitet werden, um keine „falschen Schamgefühle“ zu verursachen.

Die Broschüre (leider nur noch als Download verfügbar) bietet einen guten Überblick über die kindliche Entwicklung im Allgemeinen. Zum Thema „Doktorspiele“ enthält sie folgende Information:

  • „Mit etwa drei bis vier Jahren beginnen Kinder, sich meist brennend dafür zu interessieren, wie Babys entstehen und zur Welt kommen. Gleichzeitig wächst das Interesse am eigenen Körper und dem der anderen, was häufig seinen Niederschlag in sogenannten Doktorspielen findet. Bei dieser neugierigen Erforschung des „kleinen Unterschieds“ möchten Kinder gern unter sich sein. Sie ziehen sich mit ihren Spielkameraden ins Kinderzimmer oder in eine uneinsehbare Ecke des Gartens zurück. Diesen Wunsch der Kinder nach Intimität sollten Sie respektieren, auch wenn es vielleicht nicht immer leicht fällt.
  • Eingreifen sollten Sie aber, wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Kind dieses spielerische Erforschen nicht möchte, dies aber nicht sagen und gegenüber den anderen Kindern durchsetzen kann. Außerdem sollten Sie mit ihrem Kind darüber sprechen, dass bei solchen Spielen immer nur das stattfinden darf, womit alle Beteiligten einverstanden sind, und dass jedes Kind „nein“ sagen darf, wenn es nicht (mehr) mag.“ (Vgl. Unsere Kinder, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.), Auflage 4.220.11.11, November 2011)
  • Die gesamte Broschüre findet ihr unter: https://www.bzga.de/infomaterialien/archiv/unsere-kinder/

Sexuelle Übergriffe sind immer furchtbar – allerdings empfehlen wir deshalb nicht jedes „normale“ Doktorspiel zu verteufeln…

Kitas sollten die natürliche psychosexuelle Entwicklung der Kinder im Blick behalten und berücksichtigen, dazu gehört natürlich auch, die Kinder in diesen Situationen angemessen (ggf. auch mit dem notwendigen Intimitätswunsch der Kinder) zu begleiten und dennoch darauf zu achten, dass die individuellen Grenzen der Kinder beachtet werden.

Doktorspiele unter Kindern

Kategorie(n): Erziehung

Die Freundin der Tochter ist zu Besuch. Sie spielen schon seit einer ganzen Weile im Zimmer. Verdächtig ruhig. Als erfahrene Mama ist einem schnell bewusst: Da kann was nicht stimmen. Wenn Kinder besonders leise spielen ist meistens etwas im Busch. Beim Betreten des Zimmers fällt sofort auf: hier liegen einige Kleider herum und die beiden Mädchen haben sich im Bällebad versteckt. Eine der beiden komplett ausgezogen, die andere untersucht gerade ausgiebig den Bauchnabel. Ist man ehrlich zu sich selbst, so ist für viele Eltern ein solcher Anblick doch im ersten Moment etwas befremdlich.

Wie reagiert man auf Doktorspiele unter Kindern?

Die Schamgrenze von Menschen ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während manche sehr freizügig mit ihrem Körper und Nacktheit umgehen, werden andere mit wenig Kleidung sehr unsicher. Die persönliche Grenze bezüglich Scham und Privatsphäre ist so individuell wie der Fingerabdruck, weswegen Unbehagen bei einem solchen Anblick durchaus gerechtfertigt ist. Dennoch sollte man Kindern diese Spiele, das Erkunden ihres Körpers und dem anderer Kinder nicht verbieten, schließlich schadet es dem Kind unter Berücksichtigung einiger Regeln nicht.

Doktorspiele für eine gesunde Haltung zur Sexualität

Besonders zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr entwickeln Kinder eine enorme Neugier betreffend dem eigenen und fremden Körpern. Sie haben ein besonderes Interesse am Aussehen und den Funktionen jener Stellen, die bei Jungen und Mädchen so enorm unterschiedlich aussehen. Sie bemerken plötzlich auch, dass kindliche Berührungen an intimen Körperstellen schöne und fremde Gefühle auslösen können.

Für eine gesunde sexuelle Entwicklung der eigenen Sexualität sollte man diesen Entdeckerdrang nicht unterbinden. Auch wenn Kinder sich gegenseitig erkunden, spielt das Geschlecht für die spätere Sexualität noch keinerlei Rolle, weswegen sich Eltern auch hier nicht verunsichern lassen sollten. Im Spiel mit dem gleichen Geschlecht lernen Kinder, dass andere ähnlich aussehen wie sie selbst, das der eigene Körper in Ordnung ist wie er aussieht oder das Menschen eben auch verschieden aussehen können.

Regeln bei Doktorspielen unter Kindern

  • Grenzen akzeptieren
    Es ist wichtig, seinem Kind möglichst früh beizubringen, dass es betreffend seinem Körper ganz alleine darüber bestimmt, was es möchte, welche Berührungen es zulassen möchte und wo die eigene Schamgrenze ist. Nicht nur für solche Situationen ist es wichtig, dass Kinder lernen NEIN zu sagen und Grenzen deutlich aufzuzeigen. Gerade beim Thema „Sexuelle Übergriffe oder Missbrauch“ legt man hier den Grundstein für eine selbstbewusste Haltung. Auch müssen Kinder lernen, die Grenzen des anderen Kindes zu akzeptieren und diese nicht zu überschreiten.Auch Grenzen wie das Schamgefühl der eigenen Eltern oder dem Umfeld dürfen angesprochen werden. So sollte das Kind eben auch lernen, dass das Erkunden des eigenen Körpers oder das Spielen an intimen Körperstellen eben nicht überall gerne gesehen wird und die Sexualität vielleicht ein Teil der Privatsphäre zuhause in der Familie bleiben sollte.
  • Keine Gegenstände in Körperöffnungen
    Natürlich möchten Kinder möglichst realitätsnah spielen. Auf Grund einer hohen Verletzungsgefahr sollte es den Kindern dennoch klar gemacht werden, dass keinerlei Gegenstände in die verschiedenen Öffnungen des Körpers gesteckt werden.
  • Ähnliches Alter
    Kinder sollten bei Doktorspielen in einem ähnlichen Alter sein. Ein Fünfjähriger sollte seinen Entdeckerdrang beispielsweise nicht mit einem Mädchen oder Jungen von zwei Jahren ausleben.

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