Kinder auf den mund küssen

Jana Kalla

Elternküsse nur mit Einverständnis

Ich erinnere mich, dass meine Eltern mich früher auch auf den Mund geküsst haben. Bei meinem Dad war das immer besonders lustig, weil sein Vollbart so schön gekitzelt hat. Verwirrt hat mich das nie. Allerdings war es für meine Eltern auch selbstverständlich, dass ich sie ab einem gewissen Alter nicht mehr auf die Lippen küssen wollte. Es kommt halt der Punkt, an dem das andere Geschlecht immer interessanter wird und die Eltern einem eher peinlich sind. Küsschen mit Mama und Papa sind für viele Kids dann ein No-Go. Und eine völlig normale Entwicklung.

Eltern sollten diesen Abnabelungsprozess unbedingt akzeptieren und Kindern keine Küsse gegen ihren Willen aufdrücken. Til Schweigers Tochter Lilli ist in dem Video, das der Schauspieler gepostet hat, 20 Jahre alt. Und für sie scheint es das Normalste der Welt zu sein, mit ihrem Vater rumzuspaßen und ihn dabei auf die Lippen zu küssen. Warum auch nicht? Voraussetzung: Beide Seiten müssen damit einverstanden sein! Kinder – ganz gleich ob zwei oder 20 Jahre alt – sollten immer die Möglichkeit haben, sich von ihren Eltern die Nähe, Liebe und Geborgenheit zu holen, die sie gerade brauchen. Sie sollten aber auch jederzeit die Möglichkeit haben, Nein zu sagen und sich abzugrenzen.

Mit meinem Sohn werde ich es genau so handhaben. Im Moment ist er mit seinen knapp zwei Jahren unglaublich kuschelig und ich genieße jeden Kuss, den ich bekomme. Wohlwissend, dass eines Tages der Moment kommen wird, an dem auch ich für ihn nur noch „die uncoole Alte“ sein werde.

Eltern reagieren empört

Es scheint, wie bei vielen erzieherischen Fragen, dass wir das von zu Hause Bekannte, das Gelernte und Anerzogene als normal empfinden. Ähnlich wie bei der Entscheidung, ob man den Salat vor dem Hauptgang oder dazu isst oder ob man brav am Tisch sitzenbleiben muss, bis alle fertig gegessen haben. Familienabhängig eben.

Das sieht eine amerikanische Ärztin anders. Für sie ist klar: Eltern sollen ihre Kinder nicht auf den Mund küssen. Die Kinderpsychologin Charlotte Reznick, die mit dieser radikalen Aussage kürzlich in der britischen Zeitung „Mirror“ zitiert wurde, hat eine hitzige Debatte ausgelöst. Sie rät explizit von Lippenküssen ab, weil diese etwas Sexuelles hätten und für Kinder verwirrend wären. Kinder in einem gewissen Alter könnten so einen Kuss als erregend empfinden. Im Netz und in zahlreichen Medien wird das Thema von der Elternschaft und auch von Menschen ohne Kinder gerade heftig diskutiert.

Der Grossteil der Elternschaft reagiert mit Entrüstung. Die wütenden Eltern beschimpfen die Kritikerin und verteidigen das Recht, die eigenen Kinder küssen zu dürfen – einige posten zum Trotz sogar „kissing selfies“. Damit folgen sie dem Ruf von Mama und Bloggerin Louise Rodgers, Bilder ins Netz zu stellen, auf denen sie ihre Kids auf die Lippen küssen. Eine Kommentatorin auf einem Nachrichten-Portal fragt zynisch: Und dass ich meinem Kind die Windeln wechsle wird auch bald als sexuell oder pädophil ausgelegt?

„Entscheidend für die Frage, ob man Kinder auf den Mund küssen soll oder nicht, ist das Empfinden der Kinder und Jugendlichen“, sagt Jean-Luc Guyer, Psychologie-Professor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. In unserem Kulturkreis ist es eher unüblich, dass Eltern ihre Kinder auf den Mund küssen. Doch ein Kuss kann je nach Ort und Situation unterschiedliche Bedeutungen haben. Es gibt sogar eine wissenschaftliche Disziplin für den Kuss, die Philematologie. Meistens wird ein Kuss aber als freundschaftliche Geste, zärtliche Zuneigung oder sexuelle Handlung angesehen.

Bei Jugendlichen thematisieren

Ein Kuss auf die Lippen ist intim. Er stellt für viele Menschen die Verbindung zwischen der (rein körperlichen) Sexualität und der partnerschaftlichen Liebe dar, weshalb er auch in weiten Kreisen der Prostitution als unerwünscht gilt. Man denke an die Szene aus dem Film „Pretty Woman“, in der Julia Roberts Richard Gere sagt, sie mache alles ausser auf den Mund küssen.

Julia Roberts konnte ihren Standpunkt zum Thema Küssen deutlich machen und sich gegebenenfalls wehren. In der Eltern-Kind-Beziehung ist das schwieriger. „In der Regel gehen die Begrüssungs- und Abschiedsküsse von den Erwachsenen aus und Kinder und Jugendliche werden kaum dazu befragt, ob sie dies wollen oder nicht, erklärt Psychologe Guyer. Kinder und insbesondere Jugendliche würden hingegen oft signalisieren, dass sie das „Abküssen“ nicht schätzen oder klar ablehnen respektive abstossend finden. Aber es gibt auch Eltern, die ihre Kinder nicht auf den Mund küssen, weil sie sich selber dabei nicht wohlfühlen.

Experten und auch Befürworter halten dem entgegen, dass Kinder, sobald sie sich unwohl dabei fühlen, von selbst damit aufhören. Dies tun sie ja auch, wenn sie plötzlich keine Gute-Nacht-Geschichte mehr hören oder kein Händchen mehr mit Papi halten wollen.

Guyer rät Eltern, die selber mit Küssen auf den Mund aufgewachsen sind und dies als ganz normal betrachten, das Thema anzusprechen, wenn die Kinder im Jugendlichenalter sind: „Die Gefahr der Grenzüberschreitung zwischen den Eltern und Kindern oder Jugendlichen ist nicht ganz abwegig, da das Küssen auf den Mund etwas doch sehr Intimes ist und in der Regel in Liebesbeziehungen gepflegt wird“, findet der Experte.

Heikel ist es laut Guyer insbesondere in Beziehungen zwischen Tochter und Vater sowie zwischen Mutter und Sohn bei heranwachsenden Jugendlichen. Wichtig ist: Wann die Phase der Eltern-Kind-Küsse abgelaufen ist, müssen die Kinder bestimmen.

Bei meiner Freundin etwa scheint die Ära nie enden zu wollen.

US-Psychologin meint, dass Eltern Kinder nicht auf den Mund küssen sollten

Außerdem: Werden Grenzen (emotionale, wie körperliche) gegenseitig, sowohl Erwachsenen als auch Kindern gegenüber, wahrgenommen und respektiert? Als typisches Beispiel nennt die Familienberaterin die Situation: „Bekomm ich gar kein Bussi?“, wenn die Oma zu Besuch kommt. Wird das Kind ständig dazu ermutigt, Verwandte gegen seinen Willen – Kopf wegdrehen, Gesicht verziehen – zu küssen, so verliert es mit der Zeit sein Selbstgefühl, auf das es sich sein Leben lang verlassen sollte. „Kinder werden mit vielen Kompetenzen geboren – was ihnen fehlt, ist die Erfahrung und der Umgang damit. Es braucht deshalb die Erwachsenen und Eltern, die es einfühlsam und wertschätzend begleiten“, sagt die Familienberaterin.

Drittens sollten sich Eltern fragen: Wie wird in der Familie mit dem Thema Sexualität umgegangen? Die Expertin sagt: „Wird darüber offen gesprochen, auch über die Gedanken der Kinder dazu, so sind Eltern gut gerüstet, Fragen zum Thema Küssen auch im sexuellen Zusammenhang altersgerecht und feinfühlig zu beantworten.“

Mit diesen Beobachtungen falle es den Eltern leichter die Entwicklungen des Kindes zu begleiten und seine Integrität zu schützen. „So kann es durchaus passieren, dass es mir als Mutter/Vater ab einem gewissen Alter meines Kindes als unangenehm erscheint, es auf die Lippen zu küssen. Hier kann ganz klar formuliert werden: Ich mag das nicht mehr, es fühlt sich nicht mehr gut an“, sagt die Beraterin.

Kinderpsychologin: „Es ist nicht sexuell erregend“

Auch Kinderpsychologin Claudia Rupp meint: „Es ist für Kinder nicht sexuell erregend oder verwirrend von Eltern auf den Mund ‚geküsst‘ zu werden, wenn Ihnen das von klein auf vertraut ist und seitens der Eltern damit nur Zuneigung und KEIN sexuelles Gefühl oder sexualisiertes Interesse dabei mit transportiert wird. So gesehen sollten Eltern, die von sich aus ‚ein komisches Gefühl‘ dabei haben, ihre – vielleicht mittlerweile größer gewordenen – Kinder auf den Mund zu küssen, dies von sich aus lassen.“

Sie betont, dass viele Kinder irgendwann in das Alter kommen, wo sie ‚Bussis auf den Mund/die Lippen‘ von sich aus nicht mehr wollen. Auf solche Zeichen der Abwehr, die je nach Persönlichkeit, Temperament und Alter des Kindes sehr unterschiedlich gesetzt werden können, sollten Eltern sehr sensibel und akzeptierend reagieren, rät die Psychologin.

Zwischen Bussi und Kuss unterscheiden

Für Kinder sei es auch wichtig, dass Eltern sprachlich zwischen ,Bussi geben‘ und ,Küssen/Schmusen‘ unterscheiden und Kindern klar vermitteln, dass ‚Bussi geben‘ unter gleichaltrigen FreundInnen, unter Kindern und zwischen Kindern und Erwachsenen okay ist, aber ‚Küssen/Schmusen‘ – im Sinne von Zungenküssen – nur etwas für ‚Große‘ – Erwachsene oder Jugendliche untereinander, die sich sehr gern haben.

In ihrer Praxis ist die Kinderpsychologin immer wieder mit Fragen von Eltern zum Thema Erziehung und Umgang mit Grenzen befasst. „Besonders im Bereich Körperlichkeit und Nacktheit ist es für Kinder sehr wichtig, dass Eltern Grenzen wahren“, sagt sie. Was als ,normal‘ gilt, sei individuell und kulturell sehr unterschiedlich. Claudia Rupp sagt: „Eine meiner Aufgaben als Psychologin und Therapeutin sehe ich oft darin, Eltern für – altersentsprechend ganz ’normale‘ – aufkeimende Schamgefühle und erste Abgrenzungsversuche bei ihren Kindern zu sensibilisieren und hellhörig zu machen und diese nicht als Ablehnung ihrer Kinder, sondern als wichtigen Entwicklungsschritt, der wie alle anderen unterstützt und gefördert werden soll, zu sehen.“

So sollte beispielsweise der 10-jährige Sohn, der auf Schullandwoche fährt und nicht von den Eltern vor seinen Freunden abgebusselt werden möchte, dies auch dürfen. Andererseits könne es, so die Psychologin, aber auch vorkommen, dass die 17-jährige Tochter, die gerade Liebeskummer hat, sich zu ihrer Mutter ins Bett kuscheln und gehalten werden will. Dann sollte sie natürlich nicht zurückgewiesen werden – „auch wenn sie sonst noch so ‚cool‘ und ‚ach schon so erwachsen‘ ist und weder Mamas Ratschläge noch ihre ‚Abschiedsbussis‘ mag“, so Rupp.

Was Kinder über „Küssen“ wissen sollten

Wenn man verliebt ist und aufeinander steht, gibt man sich ab und zu gegenseitig Küsschen. So ein Schmatzer auf die Backe ist ein zärtliches Zeichen dafür, dass man einander wichtig ist. Nicht nur frisch verliebte küssen gerne. Auch Mamas und Papas, die schon länger zusammen sind, küssen sich immer wieder. Damit zeigen sie sich gegenseitig, dass sie einander nach wie vor lieb haben. So ein Begrüßungsküsschen nach der Arbeit bedeutet also „Hallo, schön dass es dich gibt!“

Die meisten Kids tauschen Küsschen mit ihren Eltern und Großeltern aus. Auch das ist völlig normal. Grundsätzlich ist küssen immer dann in Ordnung, wenn du dich dabei gut fühlst und ihr beide dabei nicht gegen das Jugendschutzgesetz verstoßt. Wir erklären dir heute alles, was du übers Küssen wissen solltest.

Warum küssen Menschen einander?

Für uns wirkt das Küssen irgendwie selbstverständlich. Es ist so tief in uns verwurzelt, dass wir uns normalerweise nicht die Frage stellen, wozu das Ganze eigentlich gut sein soll. Wirft man einen Blick darauf, ist das allerdings ein durchaus spannendes Thema. Bisher ist man sich noch nicht ganz sicher, was der Grund für diese Art der Zärtlichkeiten ist. Wissenschaftler fragen sich nach wie vor, warum wir uns so wohl fühlen, wenn wir einander küssen.

Ein Grund könnte sein, dass man bereits im Babyalter Dinge und Menschen „küsst“, um sie zu erspüren. Sie möchten ihre Umwelt schmecken und nehmen vieles wahr, indem sie es mit dem Mund „abtasten“. Küssen im Jugend- und Erwachsenenalter könnte uns an diese Zeit erinnern und uns deshalb angenehme Gefühle bescheren.

Andererseits könnte es damit zu tun haben, dass manche Tierarten sowie afrikanische Volksgruppen ihre Jungen mit dem Mund füttern. Der Kuss könnte also entstanden sein, weil Mütter so die Nahrung an ihre Kinder weitergeben.

Das passiert beim Küssen

Neben dem Bauchkribbeln erfahren wir noch andere Gefühle, wenn wir einander küssen. Das liegt vor allem daran, dass während des Küssens Glückshormone im Körper ausgeschüttet werden. Sie führen zu einem erhöhten Puls und beschleunigen die Atmung. Das Glücks- und Beziehungshormon Oxytocin wird ausgeschüttet und gibt den Verliebten das Gefühl, zueinander zu gehören. So ein Kuss wirkt also stärkend auf die Paarbeziehung.

Kurz vor und während dem Küssen atmen wir tatsächlich drei Mal (!) schneller, als sonst. Dabei beanspruchen wir bis zu 34 Gesichtsmuskeln gleichzeitig. Das ist ein regelrechtes Training für unsere Gesichtsmuskeln und beugt kleine Fältchen vor.

Außerdem stärkt das Küssen das Immunsystems. Denn die Bakterien des Partners stärken die Abwehrkräfte des eigenen Körpers.

Dürfen sich Kinder gegenseitig küssen?

Klar! Es ist schön, wenn man sich gegenseitig küsst. Erwachsene tun es tagtäglich. Auch Kinder dürfen das, wenn sie verliebt sind. Denn auch sie haben das Bedürfnis, Zärtlichkeiten auszutauschen. Das geht aber nur dann in Ordnung, wenn beide das wollen und ungefähr gleich alt sind. Man sollte sich darüber einig sein, was man miteinander macht und was nicht. Sobald etwas zu weit geht, muss man ganz ehrlich miteinander darüber sprechen. Wird man dazu überredet oder ist es eine Art Mutprobe, dann ist das nicht okay.

Außerdem darf man den anderen nicht unter Druck setzen oder ihn dazu drängen. Wenn eine 12-Jährige einen 17-Jährigen küsst, ist das auch nicht in Ordnung. Denn: Ist einer der beiden deutlich älter oder sogar schon erwachsen, kann’s Probleme geben. Dann kann es sein, dass die Eltern oder Lehrer nachfragen, warum es zu diesem Kuss gekommen ist.

Jüngere Kids müssen manchmal vor den Wünschen der Größeren geschützt werden. Im Ernstfall können sie sich nämlich kaum wehren, wenn sie zu etwas gezwungen werden. Deshalb ist im Gesetz vorgeschrieben, dass das Küssen verboten ist, wenn einer der beiden schon über 18 Jahre alt und der oder die andere unter 16 ist. Damit möchte man vermeiden, dass Kids in für sie unangenehme oder gar gefährliche Situationen kommen. Natürlich gilt das nicht für familiäre Küsse zwischen Kind und Mama bzw. Papa oder anderen Familienmitgliedern.

Dein Freund oder deine Freundin ist deutlich älter als du? Du darfst deinen Eltern nicht böse sein, wenn sie sich Gedanken um deine Sicherheit machen. Es liegt auf der Hand, dass man in solchen Situationen vorsichtig sein sollte. Denn ältere Kids haben Bedürfnisse, die bei dir vielleicht noch nicht erwacht sind. Deine Eltern möchten dich davor beschützen, zu etwas gezwungen zu werden. Außerdem möchten sie, dass du nicht zu schnell erwachsen wirst und nur Dinge tust, die normal für dein Alter sind.

Ungewollte Schmatzer von Tanten und Onkeln

Viele Kids werden von manchen Familienmitgliedern überschwänglich und manchmal feucht geküsst. Dabei fragt sie niemand, ob sie das überhaupt möchten. Doch erstens trauen sie sich nichts gegen einen Erwachsenen zu sagen und zweitens geht es meist viel zu schnell, als dass sie etwas dagegen einwenden könnten. Außerdem handelt es sich dabei oft um Familienmitglieder, die einem ab und zu etwas Geld oder Süßigkeiten in die Hand drücken und es besonders gut mit einem meinen.

Trotzdem ist es dein Recht, Bescheid zu sagen, wenn du keine feuchten Schmatzer von einer Person möchtest. Erkläre, dass du zum Beispiel lieber gedrückt oder gestreichelt wirst. Um niemanden zu kränken, kannst du dazu sagen, dass es nicht an der Person liegt, sondern du grundsätzlich keine Schmatzer magst. Wenn du die Nachricht mit einem Augenzwinkern und einer Portion Ehrlichkeit gut rüber bringen kannst, wird dir bestimmt niemand böse sein können.

Der erste Kuss

Jeder weiß, wie man einem anderen Menschen ein Küsschen gibt. Wenn dieser Kuss aus Liebe oder Lust entsteht, ist das aber etwas ganz anderes. Das kann man nicht mit den Schmatzern im familiären Kreis vergleichen. Speziell dann, wenn sich ein leidenschaftlicher Kuss anbahnt, möchte man sich als Jugendlicher nicht blamieren.

Denn diese Gelegenheit ist etwas ganz neues, das man vorher kaum „üben“ kann. Erst, wenn’s dann soweit ist, weiß man, wie sich ein Zungenkuss anfühlt.

Gerade diese Anspannung macht den ersten Kuss aber so toll. Denn man wartet schon ganz gespannt darauf, wie das wohl sein wird. Mit Bauchkribbeln und Glücksgefühlen freut man sich darauf.

Manchmal kommt der erste Kuss aber ganz unerwartet. Wie jede neue Erfahrung bringt das viel Aufregung mit sich. Diese neue Herausforderung beschert dir einen wahren Gefühlsrausch. Egal, ob du den ersten Kuss erwartest oder er überraschend kommt: jeder küsst anders! Alle Menschen haben in dieser Hinsicht Vorlieben und unterschiedliche Gewohnheiten. Nicht immer fühlt es sich angenehm an, wie der andere küsst. Das ist nur natürlich. Manchmal kann man aber miteinander und voneinander lernen, indem man sich gut aufeinander einlässt.

In jedem Fall gilt: man muss kein Experte sein, um beim ersten Kuss eine gute Figur hin

So küssen die Menschen weltweit

Weltweit ist der Kuss ein tagtäglicher Liebesbeweis für frisch verliebte und langjährige Paare. Wie man sich in den Ländern der Welt küsst und welche Gebräuche es dabei gibt kannst du hier erfahren.

Frankreich

Die Franzosen behaupten, die Erfinder des Zungenkusses zu sein. Umsonst wird diese Zärtlichkeit nicht „French Kiss“ genannt, oder? Statistisch gesehen küsst kaum eine Nation so viel wie die Franzosen. Auch Freundinnen küssen sich („Küsschen rechts, Küsschen links“) hier besonders oft zur Begrüßung.

Papua Neuginea

Ein Stamm in diesem Land hat eine für uns fast schon witzige Angewohnheit. Verliebte knabbern sich hier gegenseitig an den Wimpern. Denn kurze Wimpern stehen hier für Reichtum und Status. In Papua Neuginea kann das Küssen mitunter aber auch ganz schön leidenschaftlich werden. So saugen und beißen die Ureinwohner sich gegenseitig an Lippen und Zunge, bis Blut fließt. Schräg, oder?

Zentraleuropa und der Handkuss

In Wien war es früher Sitte, Damen mit einem Handkuss zärtlich zu berühren. Diese Art des Kusses zeugt von Bewunderung und Wertschätzung. Allerdings wird dabei nur bei verheirateten und verwitweten Frauen tatsächlich die Hand geküsst. Unverheiratete Damen erhalten lediglich einen in die Luft gehauchten Handkuss. Beim Gedanken daran, fühlt man sich in einen alten Liebesfilm zurückversetzt. Denn der vorsichtige Handkuss hat etwas sehr Romantisches an sich.

Grundsätzlich küssen die Europäer sich, egal wo sie sind. Auch in der Öffentlichkeit küsst man sich, ohne sich dafür zu schämen. Wir sind in dieser Hinsicht also wesentlich offener, als die Asiaten.

Indien

Manche Wissenschaftler sind der Meinung, dass das Küssen in Indien entstanden ist. Dass das wirklich so sein könnte, erkennt man heute an den uralten indischen Skulpturen, die das Küssen bildlich darstellen. Darüber hinaus gibt es heilige indische Texte, in denen das Küssen erwähnt wird. Auch das berühmteste Erotikbuch der Welt (das Kamasutra) stammt aus Indien. In diesem Buch finden Erwachsene nämlich auch Tipps zum Küssen.

Die Inder sehen im Kuss etwas sehr Religiöses. Er stellt die Vereinigung der männlichen und weiblichen Kraft unseres Universums. Trotzdem küssen die Inder nur selten in der Öffentlichkeit. Denn so etwas in der Öffentlichkeit zu tun ist nach wie vor Tabu in Indien. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass sich nicht einmal die Schauspieler in den indischen Bollywood Filmen küssen?

So gesehen haben die Inder ein recht widersprüchliches Verhältnis zum Küssen.

Griechenland

Die Griechen lieben es, sich zu Küssen. So spielt das Küssen bereits in den alten Schriften der griechischen Philosophen eine große Rolle. Nicht nur im antiken, sondern auch im modernen Griechenland schätzen die Griechen das Küssen. Denn noch heute verwenden sie für küssen und lieben ein und dasselbe Wort.

Der hohe Norden

Bestimmt kennst du den Kuss der Inuit („Eskimos“). Sie reiben sanft ihre Nasen aneinander. Bei den Arktisbewohnern geht es aber viel weniger um diese Bewegung selbst, sondern das Riechen des anderen. So ist es bei den Inuit auch durchaus üblich, die Oberlippe und Nase auf die Stirn der geliebten Person zu legen und dabei langsam einzuatmen. Diese romantisch erscheinende Geste wird aber als Begrüßung für Menschen verwendet, die man schätzt. Damit ist es nicht nur etwas für Pärchen.

Neuseeland

Auch die Maori, das sind die Ureinwohner Neuseelands, lieben es, ihre Nasen aneinander zu reiben. In dieser Hinsicht sind sie den Inuit sehr ähnlich, obwohl sie sehr weit von ihnen entfernt wohnen.

USA

Es ist allgemein bekannt, dass es in den USA einige witzige Gesetze gibt, die keinen Sinn zu ergeben scheinen. Natürlich gibt es auch in Bezug auf das Küssen ein paar altertümliche Regeln. So ist es im Staat Colorado verboten, schlafende Frauen zu küssen, während man sich in Maryland laut Gesetz nicht länger als eine Sekunde küssen darf.

Asien

Du weißt bereits, dass das öffentliche Küssen in Indien verpönt ist. Auch im Rest Asiens ist das so. Deshalb ist der Kuss besonders für die Japaner eine ganz intime Sache. Daher gibt es auch dort in der Öffentlichkeit kaum küssende Pärchen.

In muslimischen Ländern ist es ganz ähnlich. Hier darf ein Mann während des Fastenmonats Ramadan seine Frau gar nicht küssen. Das ist nämlich strengstens verboten.

Arbeitsblatt zum Text

1) Dürfen sich Kinder gegenseitig küssen? Begründe deine Antwort und schreibe alles auf, was du dir vom Text gemerkt hast.

2) Wie küsst man sich in anderen Ländern? Gestalte ein Mindmap darüber. Vergleiche mit deinem Sitznachbarn, sobald du fertig bist. Ergänze das, was dir noch fehlt.

3) Was passiert im Körper, wenn man sich küsst? Finde vier aussagekräftige Stichwörter und schreibe sie hier auf.

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Über Luise Veltmann

Luise wohnt mit ihrem Mann, ihrem zweijährigen Sohn Max und bald auch mit Kind Nr. 2 in Lübeck. Wenn Sie neben der Arbeit als Autorin für den Elternkompass die Zeit findet, dann geht Luise ins Fitnessstudio oder zeichnet. Die Zeit ist aber knapp, denn der kleine Max liebt es mit seiner Mama zum Kinderturnen zu gehen und Oma und Opa zu besuchen.

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Eine Familie zum Küssen (2)

Zweiteiliges TV-Familiendrama um eine von Schicksalsschlägen geplagten Volksmusikersippe (1. Teil am 12.4., auch ORF 2 um 20.15 Uhr)

Familiendrama

DE 1998

„Eine Familie zum schnellen Umschalten“

Humor

Anspruch

Action

Spannung

Erotik

„Die singenden Bertrams“ kehren aus Berlin ins heimatliche Österreich zurück. Ein Konzert soll die seit dem Tod von Mutter Brigitte zerrüttete Familie wieder vereinen. Bei Proben zeigt sich aber nur, wie sehr die Tote dem Clan fehlt. Zum Glück hat sich Brigittes Schwester Dorothea längst in ihren verwitweten Schwager Bernhard (Gerhart Lippert) verliebt… Die Musiktruhe entpuppt sich als Klischeekiste. Ob all der Schmalz die Stimmbänder der „Singenden Bertrams“ geschmeidig macht?

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Infos und Crew

Genre Familiendrama Jahr 1998 Regisseur Hans Werner Drehbuch Marlies Ewald Kamera Rainer Gutjahr Musik Michael Hofmann de Boer

Darsteller

Christine Mayn Dorothea Scholl Marc Bennert Tobias Bertram Janina Flieger Hanna Bertram Simone Heher Maria Bertram Richard Kropf Thomas Bertram Michael Gampe Heinz Fahrenholz Daniel Keberle Max Bernd Herzsprung Dr. Hoffmann Jaecki Schwarz Hausmeister Krawuttke Gerhard Lippert Bernhard Bertram Tobias Retzlaff Niklas Johannes (Hannes) Thanheiser (Thannheiser) Herr Krüger Monika Baumgartner Brigitte Bertram René Steinke Dr. Lüters

Eine Familie zum Küssen

Duitsland 1998. Drama van Hans Werner. Met o.a. Gerhart Lippert, Monika Baumgartner, Christine Mayn, Marc Bennert en Janina Flieger.

VPRO Cinema

De familie Bertram uit het Oostenrijkse Wachau vormen een modern gezin. Vader Bernhard (Lippert) is leraar en moeder Brigitte (Baumgartner) is aanbiddelijk; er zijn vier kinderen; Maria (Heller) is 22, volgt een opleiding als verpleegster, waarvoor ze naar Berlijn gaat; Hanna (Flieger) is veertien en bereidt zich voor op het toelatingsexamen voor het muziekconservatorium; Thomas (Kropf) is zeventien, heeft een technische knobbel en is een computernerd en Tobias (Bennert) is negen en dierenfreak. De Bertrams zijn een muzikale familie; `s zomers maken zij muziek op het motorschip Donauprinzessin ter vermaak van de passagiers die genieten van het voortglijdende landschap op een brede, soms wilde rivier van Mittel-Europa. Tragiek treft de Bertrams: moeder Brigitte komt om bij een auto- ongeluk en aan het stuur zat een vriend van vroeger Dr. Axel Traunstein (Strobele), een journalist. Brigitte laat een grote leegte achter, ook op muzikaal gebied en Bernhard pijnigt zich met de vraag of zijn vrouw soms een slippertje maakte. Ontredderd probeert hij op verhaal te komen bij zijn ongetrouwde schoonzuster pension-hotelhoudster Dorothea (Mayn), een aantrekkelijke brunette met lang haar en mooie tanden, die net zo muzikaal blijkt te zijn als haar zus Brigitte. Dorothea wordt het hof gemaakt door haar rechterhand, eerste kellner met grijs haar, Heinz Fahrenholz (Gampe), maar ze is heimelijk verliefd op haar zwager-weduwnaar. Bernhard neemt een vacature aan in Berlijn, huurt een appartement in Potsdam in de kapitale villa van Anita Schumann (Wenzel), een mooie vrouw die een beetje op Dorothea lijkt. Anita wordt verliefd op Bernhard. In de grote vakantie herinnert de rederij hem aan de muzikale verplichtingen. Dorothea helpt hen uit de brand, het wordt wat tussen beiden en Brigitte blijkt achteraf aan een terminale kanker geleden te hebben, wat ze uitsluitend aan een oude vriend van vroeger wilde toevertrouwen, maar toen sloeg het noodlot toe. Schitterende sauerkraut-soap met kitscherige neo-heimat elementen in het verhaal. Competent gespeeld en geregisseerd met een voor dit niveau adequaat scenario van Marlies Ewald, die voor de Duitse tv-serie Traumschiff afleveringen heeft geschreven (dat is te merken), en bewust een beetje leentjebuur speelde bij de DIE TRAPP-FAMILIE (maar dat is het niet geworden). Wordt meestal in twee delen uitgezonden; het eerste deel heet MAMAS AFFÄRE en het tweede DONAUTRÄUME. In zijn soort zeer verteerbaar, maar over twintig jaar is het hopeloos verouderd, maar wie dan leeft, wie dan zorgt. Camerawerk van Rainer Gutjahr en muziek van Michael Hofmann de Boer.

Bald ist Weihnachten, das Fest der Liebe. Ein Vater postet ein Foto von sich und seiner Tochter auf Instagram. Beide sind dick eingemummt, im Hintergrund ist eine bunt beleuchtete Kunsteis-Fläche zu sehen, auf der Schlittschuhfahrer einen geschmückten Tannenbaum umkreisen. Das Foto bekommt nicht nur mehr als zwei Millionen Likes, es sorgt auch für Empörung. Denn erstens handelt es sich bei dem Vater um David Beckham, dessen Veröffentlichungen auf Instagram von mehr als 52 Millionen Menschen verfolgt werden. Zweitens küsst der ehemalige Fußballstar seine Tochter Harper auf den Mund.

Schon wieder, muss man sagen. Ist Beckham ein liebender Vater – oder ein Wiederholungstäter? Tausende User diskutieren derzeit, ob er zu weit gegangen ist. Ob es in Ordnung ist, wenn Väter ihre Töchter – und überhaupt Eltern ihre Kinder – auf den Mund küssen. Wie jedes Mal, wenn in den sozialen Medien ein solches (Promi-)Foto auftaucht. Schon 2017 war das der Fall, als David Beckham ein Kuss-Bild von sich und seiner damals siebenjährigen Tochter postete. Oder im Jahr zuvor, als Mutter Victoria Beckham ein ganz ähnliches Selfie auf Instagram veröffentlichte.

Erst im Oktober löste US-Model Amber Rose einen Shitstorm mit einem Kuss auf den Mund ihres fünfjährigen Sohnes Sebastian aus: Von „Herummachen“ und „Belästigen“ war da die Rede, zugleich erntete das Foto 436 450 Likes. Nicht zu vergessen der jüngste Aufreger aus der deutschen Promiwelt: ein Instagram-Video, gepostet im September von Til Schweiger und Tochter Lilli, 21. Mehr als 580 000 Personen haben die Küsserei gesehen, 2280 kommentiert.

Eine wirkungsvolle PR-Maßnahme, wenn man gerade einen neuen Film zu promoten hat. Gleichwohl sah sich der 54-jährige Schauspieler mit einer realen Debatte konfrontiert. Denn die Verunsicherung ist da, und sie ist groß. Nicht selten sind Außenstehende irritiert, wenn sie beobachten, wie Eltern und Kinder sich auf den Mund küssen.

In einschlägigen Foren fragen besorgte Eltern, ob ein Mundkuss in Ordnung oder gefährlich sei. Manche sehen darin einen intimen Akt, der Erwachsenen vorbehalten sein sollte. Andere finden, er sei Ausdruck tiefer Zuneigung. Und vor allem Privatsache. Ganz so privat doch nicht: In Kinderbetreuungsstätten kann es Eltern passieren, dass sie aufgefordert werden, ihre Kinder nicht auf den Mund zu küssen, sondern lieber auf die Wange oder die Stirn.

Der österreichische Dramatiker Franz Grillparzer hatte eine recht genaue Vorstellung davon, wann und warum ein Kuss wohin zu platzieren ist: „Auf die Hände küßt die Achtung / Freundschaft auf die offne Stirn / Auf die Wange Wohlgefallen / Sel’ge Liebe auf den Mund (…)“, schrieb er 1819 in seinem Gedicht „Kuß“. Ob die Zuneigung zwischen Eltern und Kindern unter „sel’ge Liebe“ fällt, steht nicht in dem Gedicht.

Grillparzer: „Kuß“

Auf die Hände küßt die Achtung,

Freundschaft auf die offne Stirn,

Auf die Wange Wohlgefallen,

Sel’ge Liebe auf den Mund;

Aufs geschloßne Aug‘ die Sehnsucht,

In die hohle Hand Verlangen,

Arm und Nacken die Begierde,

Übrall sonst die Raserei.

Der Verhaltensforscher John Watson riet Eltern, Kindern gegenüber gänzlich auf Umarmungen und Küsse zu verzichten: „Wenn Sie müssen, küssen Sie sie einmal auf die Stirn, wenn Sie Gute Nacht wünschen“, schreibt der Psychologe in dem wissenschaftlichen Artikel „Psychological Care of Infant and Child“ – und empfahl für die Begrüßung am Morgen: „Schütteln Sie ihnen morgens die Hand.“ Das war 1928. Doch wie kann es sein, dass im modernen Westen ein Kuss zwischen einem Elternteil und seinem Kind die Gemüter derart in Aufruhr versetzt?

Eine Antwort auf diese Frage zu finden, ist kompliziert. Nicht einmal Experten sind sich bei dem Thema einig. Als die australische Daily Mail zwei Psychologinnen zu dem Thema befragte, forderte die eine, Fiona Martin von der Universität Sydney, dass „alles, was die die emotionale Verbundenheit fördere“, erlaubt sein sollte. Es sei absurd, zu glauben, dass ein Kuss der Eltern als sexuell empfunden werden könne. Die amerikanische Kinderpsychologin Charlotte Reznick hingegen warnte davor, Kinder mit diesem „sexuellen Verhalten“ zu irritieren beziehungsweise zu stimulieren.

Was kommt als nächstes – dass Mütter ihre Kinder nicht länger als drei Monate stillen dürfen? Könnte doch sein, dass jemand das Saugen an der Brust mit etwas verbindet, das erwachsenen Paaren vorbehalten ist. Das ist eines der Probleme bei der Diskussion: die mangelnde Sachlichkeit – genau wie die polarisierende Haltung, mit der Eltern pauschal verurteilt werden. Da werden kindliche Zuneigung und Erotik miteinander vermischt, als ginge es um sinnliche Küsse mit geöffneten Lippen. Und nicht um Schmatzer mit spitzer Schnute – die Sorte, die von einem erwachsenen Liebespartner möglicherweise als halbherzig empfunden würde.

„Wir sollten lieber die Gelegenheit nutzen und uns Gedanken machen über eigene und die Grenzen der Kinder im Eltern-Kind-Verhältnis“, sagt Regina Stolz. Aus ihrer langjährigen Erfahrung als Kinder- und Familienpsychologin weiß sie, dass nur wenige Eltern bewusst das Gespräch mit ihren Kindern darüber suchen. Dabei sollten bereits Kleinkinder lernen, ihre Bedürfnisse auszudrücken, um etwa Missbrauch zu vermeiden – auch in späteren Jahren: „Selbst Erwachsene tun sich später oft schwer, ihren eigenen Wohlfühl-Bereich zu kommunizieren oder ein klares Nein zu artikulieren“, sagt Stolz.

Mit anderen Worten: Die Kinder entscheiden, was sich richtig anfühlt. Sie allein sind es, an denen sich die Erwachsenen zu orientieren haben – gerade wenn die Ablehnung nonverbal kommuniziert wird. Statt sie durch falsch verstandene Fürsorge und Einmischung zu verunsichern, sollten Erwachsene ein selbstbewusstes und selbstbestimmtes Auftreten bei Kindern fördern.

Ungeachtet dessen kann man sich fragen, in welcher Welt wir eigentlich leben, in der jede Geste der Zuneigung sofort sexualisiert wird. „Ich finde es total grotesk, (…) dass Leute denken, mein Vater würde mich drängen, ihn zu küssen“, sagte Til Schweigers Tochter Lili damals der Gala. Damit hätte die Debatte beendet sein können.

Womöglich ist es gar nicht der Kuss auf den Mund, der anrüchig ist, sondern die Assoziation – die entsteht bekanntlich in den Köpfen der anderen. Demnach läge das Abnorme im Auge des Betrachters, nach dem Motto „Böse, wer Böses dabei denkt“.

Küsst ihr eure Kinder auf den Mund? Immer? Und wie alt sind sie? Dies sind die Fragen, die sich die Eltern-Community in den letzten Wochen zu stellen hatte. Denn eine neue Diskussion um das Richtig oder Falsch ist entbrannt: „Darf ich meine Kinder auf den Mund küssen?“. Sie hatten sich das noch nie gefragt? Jetzt schon!

In England hat vor Kurzem Dr Charlotte Reznick, Autorin von ‘The Power of Your Child’s Imagination: How to Transform Stress and Anxiety Into Joy and Success’ in der Sun dazu geäussert, dass es Kinder verwirren könnte, wenn man sie auf den Mund küsst. Als erogene Zone könne ein Kuss auf den Mund stimulierend wirken und die Kinderlein somit erschrecken, da sie nicht wüssten, wohin mit diesen Gefühlen. Gruselig, nicht?

Nun wird heiss darüber diskutiert, in welchem Masse auf-den-mund-küssende Eltern nun wieder schlechte Eltern seien. Die ihre Kinder sexuell stimulieren, sicherlich ohne Absicht, aber dennoch. Was ich davon halte? Ihr habt’s erraten: sehr wenig!

Reden wir mal über den Kuss: Küsst man aus Zuneigung oder aus sexueller Stimulation? Natürlich küsse ich meinen Mann, wenn wir Sex haben. Ich küsse ihn aber auch – auf den Mund – wenn wir uns abends nach der Arbeit zu Hause sehen. Wenn wir uns morgens verabschieden. Ich küsse ihn auch einfach mal so zwischendurch, wenn er mit den Kindern in der Badi war. Oder mir einen Kaffee ans Bett bringt. Fazit: Ich küsse ihn öfter aus nicht-sexuellen Gründen als umgekehrt (denn ja, wir schlafen seltener miteinander, als wir einander einen guten Morgen wünschen…).

Und die Kinder? Ich habe nie wirklich darauf geachtet, das Küssen und Umarmen passiert in unserem Haus eher unbewusst, nicht nach Plan. Aber ja, ich küsse meine Kinder auf den Mund. Manchmal, nicht immer. Bei meinem 11-Jährigen gehe ich davon aus, dass er von sich aus damit aufhören wird, genauso, wie er mir sagen wird, dass es ihn stört, wenn ich nackt aus dem Badezimmer komme. Irgendwann. Vielleicht morgen. Seine Entscheidung, die ich respektieren werde. Aber mit dem Küssen aufhören, weil es die Kinder verwirrt? Was ist denn mit dem Stillen, Brüste sind ja auch für den Sex gedacht, oder nicht?

Wieso ich die Diskussion aber wichtig finde? Weil ich ehrlich gesagt etwas Mühe habe, wenn andere Menschen (Grosseltern, Tante, Göttis etc.) meine Kinder auf den Mund küssen. Das geht mir dann zu weit. Nicht, weil ich ihnen eine sexuelle Handlung unterstelle, aber soviel Zuneigung ist meines Erachtens den Eltern und Geschwistern vorbehalten. Nennt es Ekel, Eifersucht, wie auch immer. Nicht jeder darf meine Kinder auf den Mund küssen. Ich schon.

Und ihr? Küsst ihr? Wenn ja, warum, wenn nicht, wieso nicht?

Herzfunk: Wie ist der erste Kuss?

Wann es passiert

Man ist verliebt und möchte dem Anderen das auch zeigen. Und so nähert man sich auch körperlich an und umarmt sich vielleicht, küsst sich auf die Wange und auf den Mund und vielleicht wird daraus ein Zungenkuss.

Wie es sich anfühlt

Das Gefühl ist ganz neu und ungewohnt. Jemandem so nahe zu sein und sogar mit der Zunge seine Zunge zu berühren, in seinem Mund herumzutasten, das fühlt sich feucht an und vielleicht auch etwas glibberig. Gleichzeitig ist es total aufregend und komisch und spannend und besonders.

Zum Küssen gehören zwei

Es ist schon ein großer Schritt, jemanden zu küssen. Denn natürlich ist man aufgeregt, wie es sein wird, aber wichtig ist auch die Frage, wie der Andere das findet. Ob er oder sie es auch möchte und einen auch mag. Das muss man erstmal herausfinden.

Und was sagen die Anderen?

Dazu kommt noch die Frage, was die Anderen wohl sagen werden, wenn sie es mitbekommen? Werden sie einen auslachen oder über einen lästern? Und wird man dann wohlmöglich ausgegrenzt? Ganz normale Sorgen, die man sich macht, aber es gibt Tipps, die einem helfen können.

Tipps für euch

Die Kinder der Kölner Grundschule Cäsarstraße haben viele Tipps: Man kann mit Menschen, denen man vertraut, darüber sprechen und sie fragen, wie das Küssen für sie war und ob sie meinen, dass der Junge oder das Mädchen des Herzens auch Zeichen aussendet, die darauf hindeuten, dass er oder sie einen mag. Man sollte auf jeden Fall dazu stehen und sich nicht von denen irritieren lassen, die lästern. Vielleicht sind sie einfach nur neidisch oder unsicher. Für Mutige: Den Jungen oder das Mädchen fragen: „Darf ich dich mal küssen?“ oder „Bist du auch in mich verliebt?“

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