Kinder am tisch

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Selber essen lernen – So unterstützen Sie Ihr Kind

Kinder lernen das manierliche Essen am besten durch das Vorbild der Eltern und so früh wie möglich durch eigenes Üben. Das klappt natürlich nicht auf Anhieb und Eltern brauchen daher einen langen Atem. Neben der Geduld ist eine harmonische Atmosphäre bei den gemeinsamen Mahlzeiten wichtig, damit Ihr Kind nicht nur lernt, wie man ordentlich isst, sondern auch wie man das Essen genießt.

Von Anfang an mit dabei

Wenn Sie Ihr Kind schon dann an den Mahlzeiten teilnehmen lassen, wenn es noch gar nicht mitisst, verschaffen Sie ihm und sich einen Vorsprung. Kinder schauen vieles ab und merken sich Vorgelebtes für später. Kommt dann der Zeitpunkt, an dem es die ersten Mahlzeiten im Hochstuhl mit Ihnen zusammen einnimmt, dann weiß es schon Bescheid: Je nachdem, welche Regeln bei Ihnen gelten, hat es vielleicht schon gelernt, dass am Tisch Ruhe und eine geruhsame Atmosphäre herrscht oder dass mit dem Essen erst begonnen wird, wenn alle am Tisch sitzen. Oft fällt es Eltern gar nicht auf, dass Ihr Kind einige Tischregeln schon ganz selbstverständlich beachtet – schauen Sie genau hin und loben Sie Ihr Kind mehr für das, was es richtig macht als es für seine Fehler zu schimpfen.

Gleiche Regeln für alle

Kinder brauchen Regeln und Rituale. Vereinbaren Sie mit Ihrer Partnerin und den älteren Geschwistern feste Tischregeln, an die sich alle halten. Welche das sind, müssen Sie selbst entscheiden, wichtig ist, dass die Regeln von allen konsequent eingehalten werden. Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kind am Tisch Dinge tut, die Sie stören, schauen Sie erst einmal bei sich selbst oder Ihrer Partnerin nach: Steht Ihr Kind ständig auf, um dieses und jenes zu holen oder noch eben schnell zu erledigen? Wahrscheinlich hat es sich das abgeschaut. Oft sind die Mütter diejenigen, die während der Mahlzeit noch das vergessene Salz holen, die Schüsseln wieder auffüllen oder schon mal die ersten Teller abräumen – kein Wunder, wenn Ihr Kind dieses Verhalten nachahmt, sie können ihm das nicht verübeln.

Genuss beim Essen

Essen soll Spaß machen und schmecken. Dazu braucht es eine harmonische Atmosphäre. Fernseher oder Radio sollten abgeschaltet sein, Spielzeug und auch die Tageszeitung haben am Essenstisch ebenfalls nichts verloren. Essenszeit kann wertvolle Familienzeit sein, in der große Aufmerksamkeit füreinander herrscht. In dieser Atmosphäre lernt ein Kind gerne das manierliche Essen und lässt sich auch leichter etwas sagen bzw. beibringen.

Zur genussvollen Mahlzeit gehört auch, dass mit Ruhe und Zeit gegessen wird. Vermeiden Sie anstrengende Themen und Diskussionen und lassen Sie sich vor allem nicht auf Machtkämpfe ein. Die entstehen leicht, wenn ein Kind bestimmte Speisen verweigert, Sie aber darauf bestehen, dass es Sie isst. „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!“ ist längst nicht mehr zeitgemäß. Allerdings sollten Sie Ihr Kind immer mal wieder dazu anhalten, Neues zu probieren. Beachten Sie dabei, dass in der Regel erst nach acht- bis zehnmaligem Kosten die Entscheidung fällt, ob etwas schmeckt oder nicht.

Hilfestellungen fürs Kind

Binden Sie das Kind mit in den Prozess der Mahlzeiten mit ein. Lassen Sie es mitkochen und den Tisch mit decken und auch wieder abräumen – alles altersgerecht natürlich.

Wenn Sie Ihrem Kind beim Essen selbst Tipps geben wollen, erklären Sie ihm gleich, was damit erreicht wird. Statt „Iss über dem Teller!“ sagen Sie lieber: „Wenn Du mit dem Mund über dem Teller isst, dann plumpst das Essen nicht auf Deine Kleider, wenn mal was herunterfällt.“

Sobald Ihr Kind danach verlangt, sollten Sie ihm auch Besteck (am Anfang am besten nur einen Löffel) überlassen. Ein Esslernbesteck ist überflüssig, verwenden Sie einen Plastik- oder Holzlöffel, der gut in den Kindermund passt.

Isst Ihr Kind lieber mit den Fingern als mit dem Besteck, dann flippen Sie nicht aus, schimpfen oder strafen Sie nicht. Regen Sie es jedoch immer wieder dazu an, das Besteck zu benutzen. Mit der Zeit kommen die Finger immer weniger und das Besteck immer mehr zum Einsatz.

Auch wenn es schwerfällt: Nerven Sie Ihr (Klein)-Kind nicht damit, dass es noch nicht so gut essen kann wie Sie und ständig etwas herunterfällt. Es macht das in der Regel nicht mit Absicht, sondern weil es noch mitten in diesem schwierigen Lernprozess steckt.

Selbstständig essen – von Anfang an

Auch wenn es Mühe macht – lassen Sie Ihr Kind von Anfang an selber essen und so früh wie möglich mit Besteck hantieren. Um den Reinigungsaufwand danach in Grenzen zu halten und damit Sie selbst in Ruhe essen können, können Sie ihm anfangs während der gemeinsamen Mahlzeiten eher unkomplizierte Lebensmittel zur Verfügung stellen: einige weichgekochte Nudeln oder Möhrenstückchen zum Aufpicken mit den Fingern oder ein Stück trockenes Brot (kein Vollkornbrot). Ist Ihr Kind etwas geschickter, können Sie ihm Brei plus Löffel überlassen – machen Sie sich hier aber auf eine mittelschwere Sauerei gefasst. Der Umgang mit Essen und Besteck ist nicht leicht und es wird einige Jahre dauern, bis Ihr Kind das so souverän beherrscht wie ein Erwachsener. Je früher es damit anfängt, umso schneller geht es.

Vermeiden Sie es möglichst, Ihrem Kind die Hand mit dem Löffel zu führen. Das befriedigt zwar unser Bedürfnis, irgendetwas zu tun, um dem Kind zu helfen, hilft ihm aber selbst nicht wirklich. Nachhaltiger und freier findet der Lernprozess statt, wenn es selbst ausprobieren darf, wie es am besten geht. Dies gilt übrigens nicht nur fürs Essen, sondern für alles, was Ihr Kind im Leben zu lernen hat.

Dass sich Kinder an Regeln halten müssen, ist vielen Eltern klar. Doch welche Regeln sind die wichtigsten? Gibt es einige Regeln, über die sich alle Eltern einig sind? Hier kommen 5 Regeln, die alle Eltern aufstellen sollten – weil alle Kinder sie wirklich brauchen.

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Kinder brauchen Grenzen

Kaum ein Kind auf der Welt akzeptiert ein „Nein“ der Eltern, ohne sich früher oder später dagegen aufzulehnen. Es ist eher die Norm als die Ausnahme, wenn das Kind auf ein „Nein!“ mit Provokationen reagiert: Es fängt an zu schreien, zu weinen, zu protestieren.

Kinder brauchen Regeln – Eltern müssen sie aufstellen
Foto: iStock

Bevor man als Elternteil nun in Panik gerät, sollte man sich vor Augen führen, dass diese Reaktion natürlich ist. Das wichtigste ist, in diesem Moment ruhig zu bleiben. Denn gerade jetzt beobachtet das Kind seine Eltern ganz genau: Wie reagiert Mama, wenn ich sie provoziere? Gibt sie nach? Wird sie verärgert oder gar wütend und aggressiv?

Aus der Reaktion der Eltern formt das Kind seine eigene Frustrationstoleranz, die es im Laufe des Lebens weiterentwickeln wird. In „Nein“-Situation konsequent, ruhig und geduldig zu bleiben, wird dem Kind später das Leben erleichtern: Wie die Mama mit frustrierenden Situationen und Provokationen umgeht, dient dem Kind dabei als Paradebeispiel.

>> 10 schlechte Gewohnheiten von Kindern, die in Wirklichkeit gut sind <<

Kinder möchten Verantwortung lernen

Kinder möchten von Natur aus Verantwortung übernehmen. Die Aufgabe der Eltern ist es, eine alters- und persönlichkeitsgerechte Aufgabe für ihr Kind zu finden. Ob das Einräumen der Spülmaschine, das Füttern der Meerschweinchen, der Wocheneinkauf oder der Frühjahrsputz: Kinder möchten Aufgaben übernehmen, möchten helfen, sobald sie es können.

Sobald ein Kind sprechen kann, kann es auch Verhandeln, Diskutieren, Abwägen – und Provozieren (s.o.). Wenn ein Kind bewusst Unsinn baut, dann in der Regel nicht, um Mama oder Papa zu ärgern, sondern um zu sehen, wie man mit Problemen umgeht – wenn auch nur unbewusst. Zudem muss das Kind lernen, dass es für seine Handlungen Verantwortung trägt – und mit den Konsequenzen umgehen muss. Zerstört es ein Spielzeugauto, dann ist die logische Folge, dass es kaputt ist und es nicht mehr damit spielen kann. Reagieren Eltern mit einem Neukauf, lernt das Kind das Gegenteil.

Kinder müssen lernen, mit Frust und Widerstand umzugehen, mit negativen Gefühlen wie Trauer, Wut und Enttäuschung. Diese Gefühle des Kindes direkt zu eliminieren, ist auf Dauer der weniger hilfreiche Weg für das Kind.

>> 10 Dinge, die Eltern mit ihren Kindern nie tun sollten <<

Kinder brauchen eine Struktur

Kinder wollen ihren Willen durchsetzen. Dafür geben sie alles. Sie achten akribisch darauf, ob Mama sich selbst widerspricht, ob sie inkonsequent ist und ob es nicht sogar einer Möglichkeit gibt, Mama und Papa gegeneinander auszuspielen. Für ihren Willen probieren Kinder alle Mittel aus, die ihnen in den Sinn kommen. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil sie eben Kinder sind, ihre Grenzen austesten möchten.

Sind die elterlichen Regeln also unverständlich formuliert, unübersichtlich oder leicht zu umgehen, wird das Kind es früher oder später ausnutzen.

Eltern sollten darauf achten, dass ihr Regelwerk eine für das Kind nachvollziehbare Struktur hat, dass es sinnvoll ist. Ist das Kind noch klein, gilt die Faustregel: Lieber wenige konkrete Regeln, als viele Regeln mit vielen Schlupflöchern. Je älter das Kind wird, desto komplexer können die Regeln werden – schließlich verstehen Kinder immer mehr, dass Regeln Ausnahmen haben können, ohne dass sie direkt komplett über Bord geworfen werden müssen.

>> Diesen Satz sollten Mütter nie über ihr Kind sagen <<

Kinder brauchen konsequente Eltern

Der häufigste Grund, warum Kinder Regeln brechen, ist die mangelnde Konsequenz der Eltern. Wenn die Regel lautet: „Kein aufgeräumtes Zimmer, kein Nachtisch“, müssen Eltern konsequent sein – auch wenn es den Eltern oft mindestens genauso weh tut, wie den Kindern.

Das Kind muss mit Konsequenzen umgehen lernen, muss sie akzeptieren. Irgendwann wird es Gesetze befolgen müssen, die für alle Menschen gelten. Die elterlichen Regeln sind quasi die gesellschaftlichen Gesetze – in klein. Wie sich der Mensch an gesellschaftliche Strukturen anpassen muss, so muss sich das Kind an die familiären Strukturen anpassen.

>> Dies 10 Erziehungsfehler sind gefährlich für das Kind <<

Ausnahmen bestätigen die Regel(n)

Bei diesen vier Regeln dürfen Eltern aber eins nicht vergessen: Kinder sind keine Roboter. Sie sind Menschen. Auch ihre Laune ist tagesformabhängig – wie die der Eltern auch.

Auch als Erwachsener gönnt man sich während einer Diät mal eine Mitternachtspizza, geht über rote Ampeln (wenn kein Auto fährt) oder greift mal zu einer Notlüge, wenn man keine Lust auf lange Diskussionen hat.

Das soll zwar nicht heißen, dass man den Kindern eben jene Ausnahmen beibringen sollte (das machen sie schon früh genug von selbst). Das bedeutet aber, dass Eltern auch mal ein Auge zudrücken sollten – und dem Kind den Nachtisch trotz eines unaufgeräumten Zimmers durchgehen lassen, wenn die Oma gerade ihren selbstgemachten Kuchen mitgebracht hat.

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Welche Familienregeln erleichtern den Alltag mit Kindern?

Die wichtigsten Familienregeln für ein entspanntes Miteinander

  1. Respekt und Interesse für einander: Ob in Streisituationen oder am Mittagstisch: Jedes Familienmitglied sollte ausreden dürfen und im gleichen Zuge anderen zuhören können. Dafür braucht es Geduld und ein gewisses Maß an Selbstreflektion, denn viele Eltern neigen dazu, ihre Kinder zu unterbrechen, wenn es hektisch wird.
  2. Zeit miteinander verbringen: Es ist nicht leicht, gemeinsame Zeit als Familienregel festzulegen, vor allem wenn die Kinder größer werden und ihren eigenen Interessen nachgehen, Grundsätzlich ist die Qualtiät der Familienzeit wichtiger als die Dauer: Schon das tägliche gemeinsame Abendessen oder ein Spaziergang kann ausreichen, um sich gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen, was innerhalb der Familie los ist.
  3. Eigentum und eigenen Raum respektieren: Natürlich schlüpfen kleine Kinder morgens zu den Eltern ins Bett, schleichen sich in das Zimmer des großen Bruders oder probieren, ob Mamas Lippenstift zum Malen taugt. Grundsätzlich sollte aber klar sein, welche Dinge geteilt werden und welche tabu sind. Sowohl Kinder als auch Eltern haben hin und wieder das Bedürfnis, allein zu sein – die entsprechenden Rückzugsmöglichkeiten sollten gegeben sein und von allen respektiert werden.
  4. Konflikte austragen – ohne Gewalt: Kinder haben meist keine Probleme, Streitigkeiten untereinander auszutragen: Nach dem großen Knall ist meist schnell alles wieder in Ordnung. Erwachsene tun sich schwerer damit, unangebnehme Themen auf den Tisch zu bringen – das kann die Stimmung in der Familie dauerhaft belasten. Das Ziel sollte sein, Konflikte schnell und konstruktiv zu lösen, ohne dass physische oder psychische Gewalt ins Spiel kommt.
  5. Ehrlich sein: Lügen können das Vertrauen nachhaltig schädigen, ganz gleich, ob Eltern oder Kinder. Ehrlich zu sein, ohne zu verletzen, zählt zu den Grundregeln für ein entspanntes Zusammenleben – Eltern können dies fördern, indem sie mit gutem Beispiel vorangehen.
  6. Gegenseitig helfen: Der Zusammenhalt innerhalb der Familie beruht nicht nur auf gemeinsamen Erlebnissen, sondern auch auf einem Gefühl von Verantwortung. Ganz gleich, ob ältere Geschwister den Kleineren beim Anziehen helfen, ob man sich beim gemeinsamen Einkauf unterstützt oder gemeinsam den Haushalt managt, durch solche alltäglichen Situatioenen wird das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

Grenzen setzen in der Erziehung

Die Einstellung von Erwachsenen Kindern gegenüber und die Frage, was Kinder an „Erziehung und Förderung gebrauchen, um lebenstüchtige Menschen zuwerden, hat sich über die Jahrhunderte hinweg grundlegend gewandelt.

Von der absoluten Verfügungsgewalt bis hin zum Tötungsrecht über verschiedenste Formen der „Aufzucht“, die in der Regel gekennzeichnet waren durch ein hierarchisches Grundmuster bis hin zu liberalen, demokratischen stärker auf kindliche Bedürfnisse ausgerichtete Einstellungen hat es sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber gegeben, was denn nun „richtig“ ist.

Der Einstellungswandel und der Wandel der Erziehungsvorstellungen verliefen immer parallel zu entsprechenden gesellschaftlichen Umbrüchen und Veränderungen und waren häufig ein Spiegelbild gesellschaftlicher Prozesse oder deren Auswirkungen.

Auch in der aktuellen gesellschaftlichen Situation, die gekennzeichnet ist durch eine starke Konsumorientierung, durch stark individuumsbezogene Werteveränderungen und ein hohes Maß an Individualisierung ist die Frage, was Kinder an elterlicher Unterstützung gebrauchen, sinnvoll und notwendig.

Gerade bezogen auf das Thema Grenzen, Strafen, Konsequenzen erleben viele Eltern eine große Unsicherheit ihrer eigenen Rolle. Diese Unsicherheit führt dann oft zu widersprüchlichen halbherzigen unklaren Hinweisen und Verhaltensweisen, die Kindern keine Orientierung geben, sondern verunsichern.

Grundsätzlich gilt:

Kinder kommen mit Bedürfnissen zur Welt aber nicht mit einem Weltbild. Sie sind von Geburt an noch keine Wesen, die sich an Spielregeln mitmenschlichen Zusammenlebens orientieren können, sondern die sich an ihren Bedürfnissen orientieren. Sie brauchen auch zunächst die Befriedigung ihrer Bedürfnisse um Grundsicherheit zu erlangen, müssen dann aber auch lernen, dass es andere Menschen mit anderen Bedürfnissen gibt.

Wenn wir uns hier mit dem Thema „Grenzen“ beschäftigen, heißt dies, dass Grenzen eingebettet sein müssen in liebevolle Beziehungen, in verantwortliches erwachsenes Handeln.

„Kinder brauchen Grenzen“ heißt nicht, dass Erwachsene ihre Ausraster, ihre willkürlichen und unreflektierten Machtdemonstrationen, ihre Übergriffe rechtfertigen mit dem Argument, dass Kinder eben nicht anders lernen.

Grenzen aufzeigen heißt, verantwortlich Orientierung geben, wohlüberlegt Einhalt gebieten und Kindern Werte und Regeln des Zusammenlebens vorleben und vorgeben mit dem Bewusstsein, dass Grenzen Halt und Sicherheit geben.

Kinder brauchen und suchen die Erfahrung von Grenzen. Gerade weil Kinder sehr stark bedürfnisorientiert sind, brauchen sie auch nach und nach die angemessene Erfahrung des Versagens von Wünschen.

Grenzen setzen erfordert aber auch und vor allem Klarheit und Standfestigkeit der Eltern. Gerade aus der Verunsicherung darüber, was richtig ist und was nicht, erleben wir heute oft eine große Hilflosigkeit vieler Eltern. Aus Angst davor, die Liebe ihrer Kinder zu verlieren, im Konkurrenzkampf mit anderen Eltern (Spielzeug Taschengeld) oder aus eigener leidvoller Erfahrung mit rigiden unsinnigen und nicht angemessenen Grenzen verlieren Eltern oft die nötige Klarheit und vermeiden Grenzen da, wo sie angebracht sind.

Die Bereitschaft, auch Grenzen zu setzen, bedeutet für Eltern aber auch, den unangenehmen Teil der Erziehung zu übernehmen, sich u.U. auch mal unbeliebt zu machen und die Wut und den Ärger der Kinder auszuhalten. In einer Welt, die anscheinend so perfekt ist, in der alles auf Knopfdruck funktioniert, erleben verantwortungsvolle Eltern gerade bei der Frage des Umgangs mit Grenzen, wie komplex Erziehung ist, wie vielfältig der Alltag mit Kindern ist und wie sehr Eltern letztendlich als Person gefordert sind.

Zu oft und zu viel sind Eltern in den letzten Jahrzehnten durch verschiedenste Ratgeber und pädagogische Strömungen mehr verunsichert und verwirrt worden als das sie tatsächlich unterstützt wurden. Das Gefühl dafür, was denn richtig oder nicht richtig ist, haben wir häufig regelrecht verlernt. Eltern müssen wieder lernen, ein Gespür dafür zu bekommen, was richtig ist, der eigenen erzieherischen Kompetenz vertrauen und dann verantwortungsvoll handeln.

Klassische Fallen:

Es gibt eine Reihe typischer Verhaltensweisen, die genau nicht das bewirken, was sie bewirken sollen sondern eher dazu führen, dass Kinder nicht zuhören, ihre Eltern nicht ernst nehmen, nicht gehorchen…

1. Fragen, bitten, betteln

  • „Meinst du nicht auch, dass Du genug Süßigkeiten gegessen hast?“
  • „Glaubst Du nicht, dass Du genug ferngesehen hast?“
  • „Findest Du nicht, dass Kinder in Deinem Alter um diese Uhrzeit ins Bett müssen?“

Hinter diesen Fragen steht in der Regel eine klare elterliche Vorstellung davon, was denn angebracht ist. Um nicht autoritär zu erschienen, geben sie ihren Kinder aber nicht die klare Botschaft sondern die Frage, weil sie insgeheim hoffen, dass die Kinder zustimmen und dass dadurch ein möglicher Konflikt vermieden wird.

Hilfreicher und Erfolg versprechender ist eine klare Botschaft:

  • „Ich möchte, dass Du aufhörst, zu naschen. Du hast genug Süßes gegessen.“
  • „Stell bitte den Fernseher aus!“
  • „Es ist spät genug. Ich möchte, dass du jetzt ins Bett gehst!”

2. Aufforderungen aus dem Hintergrund

Während die Kinder mit irgendetwas beschäftigt sind (spielen, basteln, fernsehen, streiten…) kommen die elterlichen Aufforderungen aus dem Hintergrund, d.h. aus einem anderen Raum, ohne Kontakt, vor allem ohne Blickkontakt zu den Kindern aus der Küche, dem Keller usw.:

„Räumt jetzt auf! „Häng Deine Jacke auf“ „Hört auf zu streiten“…

Kinder haben eine verständliche Tendenz, unangenehme Dinge zu überhören und zu ignorieren, weil ihre Aufmerksamkeit dem aktuellen Tun gewidmet ist. Außerdem können Kinder gut einschätzen, wie „ernst“ die Aufforderung aus dem Hintergrund ist und ob es „gefahrlos“ möglich ist, sie zu überhören.

Hilfreicher und Erfolg versprechender ist, Kontakt herzustellen:

Gerade bei unangenehmen Forderungen heißt dies: Kontakt herstellen (zum Kind hingehen, auf Augenhöhe gehen, evt. Anfassen) und klar und eindeutig sagen, was zu sagen ist.

3. Zu schneller Kontaktabbruch

In der Hektik des Alltages verhalten sich Eltern häufig nach folgendem Muster: Die Aufforderung („Häng bitte Deine Jacke auf!“) wird dem Kind gesagt, dann wendet sich der Erwachsene ab und geht wieder einer anderen Tätigkeit nach und wundert sich dann, wenn die Jacke noch da liegt und das Kind verschwunden ist.

Hilfreicher und Erfolg versprechender ist, zu warten, bis das Kind reagiert:

Auf das Beispiel bezogen heißt dies, dass der Erwachsene nach der Aufforderung: („Häng bitte Deine Jacke auf!“) stehen bleibt und wartet, bis das Kind der Aufforderung nachkommt. Damit wird die Eindeutigkeit und Bedeutung der Aufforderung klarer, gleichzeitig bietet es die Gelegenheit, angemessen zu reagieren, d.h. zu loben, wenn das Kind der Aufforderung nachkommt oder die Aufforderung zu wiederholen, wenn das Kind ihr nicht nachkommt.

4. Verbote, statt Anweisungen

  • “Hört auf, zu streiten!”
  • “Hample nicht so rum!”
  • “Schmier nicht so!”

Erwachsene sagen Kindern häufig, was sie nicht tun sollen, was sie lassen sollen, was unangemessen ist, was stört. Sie lenken damit die Aufmerksamkeit auf die negative Seite der Verhaltensmöglichkeit. Die Kinder bekommen aber durch diese Form noch keine klaren Hinweise, was denn von ihnen erwartet wird.

Hilfreicher und Erfolg versprechender ist, positiv formulierte klare Erwartungen zu äußern:

  • “Überlegt Euch, wie Ihr das regelt.”
  • “Setz Dich bitte hin!”
  • “Iss bitte mit dem Löffel, statt mit den Händen.”

Die Kinder bekommen einen klaren Hinweis darüber, was von ihnen erwartet wird.

5. Anordnungen ohne Vorwarnungen

  • “Auf der Stelle hörst Du auf.”
  • “Sofort kommst Du hierher.”

Kinder sind in der Regel sehr intensiv mit den Dingen beschäftigt, die ihnen am Herzen liegen. Sie können nicht so schnell umschalten, wie Erwachsen gerne möchten und brauchen eine „Vorlaufzeit“.

Hilfreicher und Erfolg versprechender ist, Vorlaufzeiten einzuplanen:

  • “In 5 Minuten essen wir, spielt schon mal zu Ende.”
  • “In 10 Minuten müssen wir los.”
  • “Wenn Du zu Ende gespielt hast, fang nichts Neues an, wir müssen gleich zum Zahnarzt.”

6. Warum-Fragen

“Warum hast Du dies gemacht?”
“Warum weinst Du jetzt schon wieder?”
“Warum hast Du mich belogen?”
“Warum streitet ihr schon wieder?”

Warum-Fragen dienen nicht tatsächlich der Ursachenforschung, sondern dienen eigentlich dazu, dass Kinder Schuldgeständnisse ablegen und Fehlverhalten zugeben. Sie fühlen sich häufig in die Ecke gedrängt und versuchen mit Ausflüchten („Weiß ich nicht“), die Situation zu überstehen, manövrieren sich aber oft in weitere aussichtslose Positionen: („Wieso weißt Du das nicht?“). Das Ganze endet für Eltern und Kinder unbefriedigend.

Hilfreicher und erfolgversprechender ist, nach Lösungen zu suchen:

  • “Bring das bitte wieder in Ordnung.”
  • “Was könnt ihr tun, damit ihr miteinander zurechtkommt.”
  • “Hast du eine Idee, wie du das Problem lösen kannst.”
  • “Seht ihr eine Möglichkeit, wie ihr ohne Streit die nächste Stunde miteinander verbringen könnt.”

Die Kinder geraten nicht in die Defensive sondern werden unterstützt beim Versuch, Probleme zu lösen, statt sie zu ergründen. Außerdem wird unterstellt, dass sie dazu in der Lage sind.

7. Appelle an die Einsicht

  • “Du musst doch einsehen, dass dieser Film nichts für dich ist.”

Mit langatmigen wiederholten Appellen versuchen Erwachsen Kinder zu bewegen, die Sicht der Erwachsenen zu übernehmen, ohne zu akzeptieren, dass Kinder aus ihrem Erleben heraus anders wahrnehmen und empfinden als Erwachsene.

Hilfreicher und Erfolg versprechender ist, klar zu erklären, was man als Erwachsener erwartet und dies auch zu begründen.

  • “Ich möchte, dass du den Fernseher ausstellst, weil ich der Meinung bin, dass dieser Film für dich nicht geeignet ist.”

8. Androhung von unrealistischen Strafen

  • “Wenn du den Fernseher nicht ausschaltest, bekommst du 6 Wochen Hausarrest.”
  • “Wenn du nicht pünktlich nach Hause kommst, nehmen wir dich nicht mit in den Urlaub.”
  • “Wenn du den Teller nicht leer isst, bekommst du nichts mehr zu essen.”

Durch solche oder ähnliche Drohungen werden Kinder entweder verängstigt und verunsichert oder sie durchschauen, dass die Erwachsenen leere und damit wirkungslose Drohungen aussprechen.

Hilfreicher und erfolgversprechender ist, realistische und angemessene Konsequenzen aufzuzeigen.

  • “Wenn du den Fernseher anmachst, obwohl wir es untersagt haben, darfst du deine Lieblingssendung an dem Tag nicht sehen.”
  • “Wenn du nicht pünktlich nach Hause kommst, machen wir uns Sorgen, wo du bist. Du musst dann am nächsten Tag zuhause bleiben.”
  • “Wenn du keinen Hunger hast, brauchst du es nicht aufzuessen, Du bekommst allerdings auch keine Süßigkeiten nach dem Essen.”

Was können noch Eltern tun, damit ihre Kinder auf sie hören, sie ernst nehmen, gehorchen…?

Über diese Anregungen, anders auf typische Alltagssituationen zu reagieren, hinaus haben Eltern noch andere Möglichkeiten, in angemessener Form Erziehungskompetenz unter Beweis zu stellen.

1. Vorbeugung

Achten sie mehr auf das Gute, Lobenswerte, Richtige …

“Schön, dass du pünktlich bist.”
“Prima, dass du mir geholfen hast…”
“Gut, dass du daran gedacht hast…”
“Toll, wie du das gemacht hast.”

Kinder, die genügend Aufmerksamkeit für angemessenes Verhalten erhalten, brauchen nicht durch auffälliges Verhalten Aufmerksamkeit erzwingen.

2. Vereinbarungen, statt Verordnungen

  • “Lass uns überlegen, wie wir die Frage des Aufräumens klären können. Das Zimmer muss aufgeräumt werden, ich möchte aber mit dir gemeinsam überlegen, wie wir das am besten regeln.”

Gemeint sind mit Vereinbarungen Absprachen, bei denen beide Seiten ihre Wünsche und Vorstellungen einbringen und in Form eines Vertrages oder einer Abmachung festlegen. Diese wird möglichst schriftlich festgehalten. Sie soll die unterschiedlichen Vorstellungen angleichen und eine verbindliche Regelung schaffen.

Wichtig ist, darauf zu achten, dass tatsächlich eine Vereinbarung getroffen wird, die von beiden Seiten akzeptiert wird.

Eltern verwechseln häufig Vereinbarungen mit Verordnungen, die sie ausgegeben haben. „Wir haben doch vereinbart, dass …“ wird von Eltern häufig dann gesagt, wenn sie eigentlich sagen müssten: „Ich habe dir doch gesagt, dass …“ Verständlicherweise reagieren Kinder auf diese Form der „Absprache“ höchst empfindlich.(Siehe Kapitel: Du musst doch einsehen, dass …)

Eine Vereinbarung kann auch gekoppelt werden an eine Form von Belohnung oder Verstärkung bei Erfüllen der abgesprochenen Schritte oder an den Entzug von Vergünstigungen bei Nichteinhalten.

Oft wird der Einwand erhoben, dass Eltern durch das Einlösen von Belohnungen für die Hausaufgaben erpressbar werden, oder dass Kinder lernen, nur noch für materielle Belohnung zu arbeiten.

Übersehen wird, dass Eltern Kinder durch ihre Reaktionen immer belohnen oder bestrafen, auch Lob oder Kritik sind Formen sozialer Verstärkung oder Bestrafung. Mit dem gezielten Einsatz (oder dem Entzug) von Verstärkern wird elterliches Verhalten nur transparenter und nachvollziehbarer.

3. Verstärker, Belohnungen, Lob für angemessenes Verhalten

Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder erwünschtes Verhalten (Hausaufgaben zufrieden stellend anfertigen) häufiger zeigen, wird durch lobende Unterstützung und positive Verstärkung deutlich vergrößert.

Grundregel:

Wenn man unerwünschtes Verhalten tadelt (nicht pünktlich sein), sollte man erwünschtes Verhalten auch loben (pünktlich sein).

Wenn Eltern sich vornehmen, mehr oder gezielt zu loben und positive Rückmeldungen zu geben, sollten sie Folgendes beachten:

  • Loben Sie Ihr Kind gelegentlich in Alltagssituationen, so dass es merkt, dass Ihnen das Zusammensein mit dem Kind gefällt.
  • Ihr Lob muss aufrichtig sein, nicht taktisch oder strategisch eingesetzt.
  • Sprechern Sie Ihr Kind direkt an: „Das hast du gut gemacht!“ und nicht
  • indirekt: „Das ist schon gut.“
  • Loben Sie Ihr Kind, sobald es einer Aufforderung folgt.
  • Drücken Sie Ihr Lob auch nonverbal aus (Mimik, Gestik, Körperkontakt…).
  • Loben Sie Ihr Kind, wenn es sich an Regeln hält und Aufforderungen nachkommt.
  • Loben Sie Ihr Kind besonders, wenn es eine Aufgabe erfüllt hat, ohne dass Sie es direkt darum gebeten haben.
  • Verzichten Sie beim Lob auf kritisches oder abwertendes „Beiwerk“, das die Wirkung des Lobes zunichte macht. (Das hast du gut gemacht, warum klappt das denn nicht gleich so!)

Lob erzeugt Stolz

Tadel erzeugen schlechte Stimmung

Lob motiviert zur Weiterarbeit

Tadel können Versagensängste erzeugen

Lob richtet die Aufmerksamkeit auf das, was das Kind schon kann

Tadel richten die Aufmerksamkeit auf die Fehler, nicht auf die richtigem Lösungen

Lob stärkt die Selbständigkeit

Tadel können der Anfang einer Spirale in Richtung Machtkampf sein

4. Aufstellen von Regeln

  • Beim Essen ist der Fernseher ausgeschaltet.
  • Jeder räumt sein dreckiges Geschirr in die Spülmaschine.
  • Im Haus werden Hausschuhe getragen.

Klare Regeln, die für alle Gültigkeit haben, erleichtern das Zusammenleben und ersparen überflüssige und immer wieder aufkommende Auseinandersetzungen. Wichtig ist, dass Regeln immer wieder daraufhin überprüft werden, ob sie noch zu der aktuellen Familiensituation passen oder aufgrund von Lebensveränderungen angepasst werden müssen. Regeln könne sowohl Ergebnis familiärer Gespräche und Absprachen (Vereinbarungen) sein als auch von Eltern vorgegeben.

5. Wirkungsvolle Aufforderungen

Auch wenn Eltern durch entsprechende vorbeugende Maßnahmen viele Konfliktpunkte im Vorfeld ausräumen können, bleiben Situationen, in denen es darum geht, Kindern durch klare und eindeutige Aufforderungen eine Orientierung zu geben. Aufforderungen sind dann wirkungsvoll, wenn Eltern folgende Punkte beachten:

  • Stellen sie nur Aufforderungen, wenn Sie bereit (und in der Lage) sind, sie auch durchzusetzen.
  • Bevor Sie Aufforderungen aussprechen, überlegen Sie sich positive oder negative Konsequenzen, die sie u. U. folgen lassen können.
  • Verringern Sie Ablenkung, bevor Sie Aufforderungen geben. (Kinder vorm Fernseher, Video, Computer nehmen Sie nicht wahr )
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind aufmerksam ist, wenn Sie mit ihm sprechen. (Blickkontakt, Körperkontakt….)
  • Äußern Sie ihre Aufforderungen eindeutig und nicht als Bitte!
  • Geben Sie immer nur eine Aufforderung zur gleichen Zeit. (Bitten Sie Ihr Kind, die Aufforderung zu wiederholen.)
  • Bleiben Sie in unmittelbarer Nähe, bis Ihr Kind ihrer Aufforderung nachkommt.

6. Strafen und logische Konsequenzen

Immer wieder betonen Eltern, dass all die Versuche, Kinder an bestimmte Regeln zu gewöhnen, vergeblich gewesen seien und dass Strafen das einzige Mittel seien, Kinder daran zu gewöhnen, sich an elterliche Vorgaben zu halten.

Wenn Eltern von der Notewendigkeit von Strafen überzeugt sind, sollten sie folgende Empfehlungen beherzigen:

Erwachsenes Verhalten – auch bei der Erziehung von Kindern in Krisensituationen – ist gekennzeichnet durch

  • Respekt u. Würde,
  • Affektkontrolle,
  • Besonnenheit,
  • Gelassenheit.

Wenn Strafen einen Sinn haben sollen, sind dementsprechend folgende Grundsätze zu beachten:

  • Ich behandle mein Kind so, wie ich selbst auch behandelt werden möchte! (Respekt und Würde)
  • Bevor ich strafe, atme ich 5 mal tief durch und zähle bis 20 (Affektkontrolle)
  • Ich denke daran, dass ich erwachsen bin. (Besonnenheit)

Besonders, wenn im Alltag häufige Situationen auftauchen, in denen Eltern strafen, sollten sie sich fragen, wie ihre eigene psychische Verfassung ist.

Die meisten Strafen verhängen Eltern nämlich dann, wenn sie selbst gestresst sind. Das heißt, dass die Frage, ob ein Kind bestraft wird oder nicht, in hohem Maße vom elterlichen Gemütszustand und erst danach vom tatsächlichen (Fehl)verhalten des Kindes bestimmt wird.

Beispiel:

Stellen Sie sich folgende Situation vor:

Seit 1 Woche ist schlechtes Wetter. Sie haben an ihrem Auto einen langen Kratzer entdeckt. Mit ihrem Partner/ihrer Partnerin haben Sie in den letzen Wochen viele Auseinandersetzungen gehabt, gerade haben Sie Post bekommen, dass Sie viel Steuer nachzahlen müssen, über Nacht ist die Kühltruhe kaputtgegangen……

In diesem Moment wirft ihr 3–jähriges Kind aus Versehen ein Glas Orangensaft auf den Fußboden.

Wie werden Sie wahrscheinlich reagieren?

Stellen sie sich die Situation nun so vor:

Draußen ist wunderschönes Wetter. Sie haben unerwartet eine Steuerrückzahlung bekommen. Mit ihrem Partner/ihrer Partnerin haben Sie sich in den letzen Wochen so gut verstanden, wie lange nicht. Sie freuen sich auf eine Veranstaltung, zu der sie unerwartet noch eine Eintrittskarte bekommen haben….

In diesem Moment wirft das gleiche 3–jährige Kind aus Versehen das gleiche Glas Orangensaft auf den Fußboden.

Wie werden Sie wahrscheinlich reagieren?

Wenn Sie auch unter Berücksichtigung all dieser Faktoren von der Notwendigkeit einer Strafe überzeugt sind, beachten Sie Folgendes:

Strafen, die wirksam sein sollen,

  • haben möglichst einen Sinnzusammenhang mit dem Vergehen,
  • erfolgen möglichst unmittelbar im Anschluss und nicht irgendwann,
  • sind für das Kind berechenbar,
  • sind vorher abgesprochen,
  • sind dem Vergehen angemessen,
  • richten sich nicht gegen das Kind,
  • sondern gegen sein Tun,
  • kommen nie ohne Vorwarnung.

Was immer Eltern auch tun, sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass willkürliche, unbedachte, unangemessene Strafen die Beziehung zu den Kindern vergiften.

Sie sollten daran denken, dass sie auch Kinder waren und wie es ihnen ergangen ist, wenn sie von ihren Eltern gestraft wurden. Manchmal hilft es, sich bewusst zu machen, was man selbst als Kind in vergleichbaren Situationen statt der Strafen der eigenen Eltern tatsächlich gebraucht hätte, was wirklich gut und hilfreich gewesen wäre.

  • Kompetente Eltern sind weder nachgiebig noch überstrengt.
  • Kinder erwarten zu Recht von ihren Eltern Lenkung und Leitung, Orientierung und Halt.

Dies setzt aber mehr an innerer Stabilität als an äußerer Machtdemonstration voraus.

Literatur

Weitere Beiträge des Autors hier in unserem Familienhandbuch

  • Pubertät oder: „Eltern sind peinlich“
  • Erziehung zur Selbstachtung
  • Betreuung statt Liebe? – ein Betreuungsopfer erzählt

Autor

Klaus Fischer, Dipl.Soz.päd., Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut, Familientherapeut, Supervisor

Unter dem Leitthema: „Hilfen für Eltern“ sind folgende Broschüren direkt beim Autor zu beziehen:

  • Hilfen für Eltern 1: „Mein Kind kommt in die Schule“
  • Hilfen für Eltern 2: „Pubertät – Wenn die Eltern komisch werden“
  • Hilfen für Eltern 3: „Immer diese Hausaufgaben“
  • Hilfen für Eltern 4: “Grenzen setzen”
  • Hilfen für Eltern 5: “Konzentration”
  • Hilfen für Eltern 6: “Wie funktioniert eine Familie?”

Kontakt

Beratungsstelle f. Eltern, Kinder und Jugendliche
Oststrasse 42
57302 Schmallenberg
Tel.: 02972 2288

E-Mail
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Erstellt am 15. November 2002, zuletzt geändert am 30. Juli 2013

Sind Tischmanieren eine überholte Konvention?

Quält man Kinder denn eigentlich nicht nur, wenn man „Hände auf den Tisch“ einfordert?

Ist es vielleicht sogar eine Einschränkung der persönlichen Freiheit?

Oder nimmt man Kindern sogar frühzeitig Chancen auf einen guten Job, wenn man nicht ein paar Tischmanieren antrainiert? Schließlich wird so manches Bewerbungsgespräch für höhere Positionen bei einem gemeinsamen Essen durchgeführt und das dient sicherlich nicht nur der Nahrungsaufnahme und Sättigung der Beteiligten.

Deshalb habe ich mir hier einige klassische Regeln fürs gemeinsame Essen vorgenommen und auf ihre Vor- und Nachteile sowie ihre Tauglichkeit für den Alltag am Familientisch. Du wirst sehen, da greifen ganz oft verschiedene Themen ineinander – gesellschaftliche Konventionen versus soziales Miteinander, verzopfte Benimmvorschriften versus Respekt und Wertschätzung füreinander!

Tischmanieren auf dem Prüfstand – Grundregeln für Kinder am Esstisch

  1. Hände waschen vor dem Essen

Ich glaube, da herrscht noch ziemliche Einstimmigkeit! Oft wird es einfach eine hygienische Notwendigkeit sein, wenn das Kind grad vom Garten, Spielplatz, Basteln oder ähnlichem daherkommt …

  1. Beim Essen wird gegessen – und sonst nichts!

Smartphones, Tablet & Co gehören nicht auf den Tisch – auch nicht die elterlichen Geräte (ja, ich weiß, das tut jetzt weh!). Der Fernseher ist klarerweise auch nicht eingeschaltet. Ich gehe jetzt aber noch einen Schritt weiter: auch Spielzeug, Malbücher und sonstiger analoger Kram haben auf dem Esstisch nix verloren.

Man hört immer wieder, dass das aber notwendig wäre, weil man nur mit Ablenkung etwas ins Kind hineinbringen würde. Da lauert ganz stark die Angst vor dem „nichts-essenden Kind“, die tief in uns verankert ist. Aber genau dieses unbewusste „Dinge-in-sich-hineinstopfen“ ist es, was wir vermeiden sollten. Das wird nämlich langfristig zur Gewohnheit und kann mitunter fatale gesundheitliche Folgen haben.

ABER – keine Regel ohne Ausnahme: solche Ausnahmen werden vielleicht von bestimmten Anforderungen in deiner Familie notwendig gemacht. Als meine Mädels klein waren, arbeitete mein Mann gerade für ein kanadisches Unternehmen und musste aufgrund der Zeitverschiebung sehr früh am Morgen seine Emails checken. Das hieß für uns entweder Frühstück mit Papa UND Laptop oder ganz ohne Papa (weil er schon früh ins Büro fährt!), wir haben uns gemeinsam für ersteres entschieden.

ODER: in meiner Kindheit gab es das Mittagessen immer dann vor dem Fernseher, wenn eine Weltcup-Abfahrt übertragen wurde und wir gemeinsam mit Franz Klammer mitgefiebert haben – ein liebgewordenes Ritual! (zugegeben, das Beispiel mit dem Skifahren verstehen wahrscheinlich nur die österreichischen Leserinnen 🙂

  1. Wir benutzen das Besteck zum Essen

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber manchmal erscheint es mir als wäre das Besteck der größte Feind meiner Kinder, den sie am liebsten weiträumig umgehen würden.

Natürlich muss man das Besteck benutzen auch manchmal noch genauer definieren: die Knödel auf die Gabel stecken und dann davon abbeißen ist noch nicht ganz im Sinne des Erfinders!

Messer abschlecken ist im Grunde auch Besteck benutzen, aber dabei kann man sich ganz schlimm die Zunge verletzen. Wie immer, wenn man Regeln gut erklären kann, werden sie eher befolgt.

Also mal runter mit den Erwartungen, die Ansprüche ans Alter anpassen und zwischendurch Gerichte anbieten, bei denen es nicht unbedingt Besteck braucht – Gemüsepommes oder – nuggets, Fajitas, Burger, Toast, …

  1. Aufrecht sitzen, Hände auf dem Tisch, dafür die Ellbogen runter

Hier wird’s schon fortgeschritten – vor allem, wenn wir Nummer 3 auch noch verknüpfen im Sinne von: wir bringen das Essen mit der Gabel zum Mund und nicht umgekehrt.

Diese Regel ist definitiv noch nichts für Kleinkinder.

  1. Am Esstisch „bitte“ und „danke“ sagen

Natürlich ist „bitte“ und „danke“ sagen freundlich und zeigt anderen gegenüber Respekt. Das sollte aber nicht nur beim Essen so sein. Ein gewisses Maß an Höflichkeit ist in jeder Lebenssituation eine gute Gewohnheit.

Ein fixes „Danke fürs Kochen“ würde ich nicht als Ritual haben wollen, denn dann ist es oft nur so dahingesagt, weil es halt gesagt gehört.

Damit Kinder tatsächlich Wertschätzung für denjenigen, der gekocht hat, lernen, halte ich es für hilfreicher, sie immer wieder mithelfen zu lassen. Beim Einkaufen, beim Vorbereiten, beim Kochen, beim Tisch decken, beim Servietten falten, beim Getränke herrichten – es gibt viele Möglichkeiten, für jede Altersstufe.

  1. Mit dem Essen wird erst begonnen, wenn alle etwas auf dem Teller haben

Auch das ist eigentlich eine Sache der Höflichkeit. Dazu braucht es aber von allen Beteiligten Höflichkeit: nämlich auch die, zu Tisch zu kommen, wenn das Essen fertig ist!

Wenn einer immer wieder zu spät kommt, gilt es vielleicht zuerst das Ritual zu prüfen, mit dem zu Tisch gerufen wird. Gibt es fixe Essenszeiten, die für alle klar und einhaltbar sind? Wird es ein paar Minuten vorher angekündigt, so dass jeder noch beenden kann, was er gerade macht?

Hilft aber das auch nicht bei notorischen Zu-spät-Kommern, sehe ich eigentlich nicht ein, warum sich mehrere von einem gängeln lassen sollten! Ganz ehrlich, ich hab keine Lust, mein selbstgekochtes Essen halb kalt zu essen, bloß weil ein Familienmitglied sich nicht von seinem Laptop trennen kann …

  1. Es muss von allem etwas gekostet werden

Grundsätzlich sicher sinnvoll. Kinder sind meist skeptisch, wenn man etwas zum ersten Mal auf den Tisch bringt.

Es ist aber wichtig, eine gute Balance zu halten zwischen „etwas zum Probieren anbieten“ und „das Kind zum Kosten zwingen“.

Kinder spüren Geschmäcker noch viel intensiver. Und manchmal vertragen sie ein Lebensmittel noch nicht so gut und da fühlen sie vielleicht schon ein Kribbeln auf den Lippen oder ein Brennen auf der Mundschleimhaut. Also sollten wir das auch akzeptieren, wenn manchmal noch nicht einmal kosten geht!

  1. Nur so viel auf den Teller geben, wie man auch essen kann. Nachnehmen ist selbstverständlich erlaubt.

Mit dieser Regel stehen auch noch genug Erwachsene auf Kriegsfuß, schau dich mal bei einem Buffet um, wo man sich manchmal nur fremdschämen muss.

Irgendwo tief in unserem menschlichen Inneren muss eine Angst sitzen, nicht genug zu bekommen. Und wenn das Geschwisterkind zwei Knödel ist, muss ich unbedingt auch zwei haben.

Wenn du anrichtest, dann starte auch mal lieber mit einer kleinen Portion. Vor allem schwache Esser sind von übervollen Tellern überfordert.

Dieser Punkt steht gleich im direkten Zusammenhang mit dem nächsten.

  1. Es muss nicht aufgegessen werden

Damit sind wohl schon viele Kinder gequält worden. Wir als Erwachsene können nicht wissen, wie viel Hunger ein Kind hat oder nach welcher Menge es sich satt fühlt oder auch nicht.

Kinder haben ein gutes Gefühl für Hunger und Sättigung, das wir Erwachsenen eher kaputt machen können, wenn wir uns zu viel einmischen und glauben, es besser zu wissen.

  1. Nicht mit vollem Mund sprechen

Etwas das sich eigentlich leicht erklären und, wenn notwendig, auch demonstrieren lässt: „Halb zerkautes schaut einfach nicht schön aus und andere finden das beim Essen eklig!“

Erwarte aber nicht, dass sich ein Kleinkind daran halten wird, wenn ihm gerade etwas wichtiges einfällt, dass es erzählen möchte.

Formulierungen mit „Nicht“ sind für Kinder oft schwer verständlich – sag deshalb lieber „Kauen – schlucken -sprechen“, wenn es so weit ist.

  1. Essen wird nicht durch die Gegend geworfen, auf dem Tisch verteilt oder verschmiert

„mit dem Essen spielt man nicht“ – Generationen von Kindern sind damit groß geworden.

Grundsätzlich finde ich das auch sehr richtig, aber wenn dein Baby, das gerade seine ersten Erfahrungen mit der Beikost macht, einmal unbedingt erfühlen will, wie sich so ein Grieskoch wohl anfühlt – dann geht die Sinneserfahrung über die Manieren!

In den Kleinkind-Jahren ist es für Kinder tatsächlich oft noch sehr schwierig „sauber“ mit dem Essen umzugehen, da landet auch mal was neben dem Teller oder auf dem Boden.

Sei hier nicht päpstlicher als der Papst und eine Plastikunterlage unter dem Hochstuhl kann viel Stress aus dem Familienessen nehmen!

Aber mutwillig herumgespielt sollte selbstverständlich nicht mit dem Essen werden.

  1. Schmatzen, Rülpsen, Nase bohren sind unappetitlich und tabu

Bei diesem Punkt liegt die Erklärung ja schon in der Überschrift – alles, das potentiell den Appetit verdirbt, gehört nicht auf den Familientisch!

  1. Während des Essens nicht vom Tisch aufstehen

Jetzt wird’s wieder haariger – je kleiner das Kind, umso schwieriger wird das durch zu setzen.

Überleg mal, wie lange dauert eine durchschnittliche Familienmahlzeit (wenn es nicht gerade ein Festessen ist) – wohl ungefähr 15 – 20 Minuten. Und das kann für ein Kleinkind schon recht überfordernd sein, so lange stillsitzen zu müssen.

Mach aber klar, dass in dem Wort „Mahlzeit“ eben das Wort „Zeit“ drin steckt. Das heißt, es gibt eine Zeit zum Essen und eine Zeit, in der nicht gegessen wird.

Wenn dein Kleinkind immer wieder aufhüpft und herumläuft, dann sag rechtzeitig Bescheid, bevor die Mahlzeit vorbei, so dass es noch die Chance hat, etwas zu essen. Und wenn es nicht mehr möchte, dann gibt es gerne bei der nächsten Mahlzeit die nächste Gelegenheit.

  1. Sitzen bleiben, bis alle fertig sind

Auch das ist schwierig, wenn die Familienmitglieder sehr unterschiedlich brauchen, bis sie fertig sind. Es gibt eben Genießer und schnelle Esser.

Im Extremfall kann diese Regel auch von Geschwisterkindern „missbraucht“ werden, in dem sie extra lange essen, damit alle anderen auch sitzen bleiben müssen.

Ein Mittelweg wäre „Fragen, ob man schon aufstehen darf“, wenn man früher fertig ist.

  1. Nach dem Essen den Mund abwischen

Oder gleich Hände waschen gehen, wenn es Fingerfood gegeben hat 😉 aber sonst braucht es wohl auch hier keine weiteren Erklärungen.

So, das wären schon mal 15 Regeln rund um den Familientisch – bestimmt fallen dir auch noch welche ein, die ich hier vergessen habe. Wie viele das sind, ist uns Erwachsenen meist gar nicht bewusst, weil wir diese Verhaltensweisen bereits so verinnerlicht haben.

Für Kinder ist das aber ziemlich schwierig – bedenke mal, 15 Regeln (oder noch mehr!) und das nur für die verhältnismäßig kurze Zeit einer Mahlzeit.

Deshalb fange lieber klein an. Überlege dir, welche dieser Regeln und Manieren sind dir am wichtigsten. Wähle dir zwei bis vier aus und beginne damit. Schön langsam können es dann mehr und mehr werden.

Ab wann legen wir denn jetzt los mit den Tischmanieren?

Ich denke, es ist jedem klar, dass wir von einem Baby keine Tischmanieren erwarten können. Aber wir können dem Baby schon beim Beikoststart einen Löffel zum Spielen in die Hand drücken. Kinder ahmen gerne nach und so kann es erste Erfahrungen machen.

Du kannst im Babyalter auch schon vorleben, dass es bei Tisch keine Ablenkungen (du weißt schon, die Sache mit dem Smartphone!) gibt.

Kleinkinder können bereits helfen. Servietten aussuchen oder falten, Löffel auf dem Tisch austeilen, die Banane für den Obstsalat schneiden – so sind sie dann wahrscheinlich auch eher beim Geschehen am Tisch dabei und vielleicht auch motivierter beim etwas Neues kosten.

Das etwas ältere Kind möchte vielleicht ein gutes Vorbild für das kleine Geschwisterkind sind und stolz darauf sein, dass es schon manches kann, was das Kleine noch nicht kann. Das sollte aber vom Kind selbst kommen, verzichte auf die Keule „Du bist schon groß, du musst das schon können!“

So können sich die Anforderungen langsam steigern. Aber sei dir klar, dass du ganz oft Geduld an den Tag wirst legen müssen. Tischmanieren lernen geht nicht über Nacht.

Ideen, um Tischmanieren nebenbei und spielerisch zu lernen

Wie so oft, hier kommt zuallererst mal dein Vorbild ins Spiel. Ein Kind wird nichts machen, was du nicht selber machst!

Lass die Kinder mitreden – du wirst erstaunt sein, was Kindern selber wichtig ist bei Tisch.

Dann könnt ihr gemeinsam eure Tischregeln zeichnen oder gestalten, so dass ihr sie immer vor Augen habt. Hier ein Beispiel, da waren meine Mädels 4 und 7 Jahre alt.

Weil die Bilder für Außenstehende wohl nicht selbsterklärend sind 😉

– sie bedeuten folgendes:
1. Wir sitzen ruhig bei Tisch.
2. Wir essen mit Messer und Gabel.
3. Wir schmeissen keine Sachen durch die Gegend.
4. Wir fragen, bevor wir aufstehen.
5. Bei Mittag- und Abendessen gibt es kein Lesen, Handy oder Computer.

Hab auch keine Angst vor Ausnahmen! Eine Ausnahme impliziert auch immer, dass es eine Regel gibt – deshalb mach spaßhalber ab und an einen „Schweinetag“ (ich entschuldige mich an dieser Stelle bei allen Schweinen!), an dem jeder essen darf, wie er möchte.

Oder es darf jeden Tag jemand anderer der „Tisch-Sheriff“ sein, der die Einhaltung der Regeln überwacht und den Rest der Familie ermahnen darf.

Spiel „Nobles Restaurant“ mit deinen Kindern – heute muss sich jeder extra fein benehmen und üben, ein Buch unter den Achseln während des Essens fest zu halten.

Wie wäre es mit einem kleinen Wettbewerb? Wer es schafft, die Suppe ohne Auspatzen zu essen, darf sich für morgen seine Lieblingsspeise wünschen.

Hast du gute Ideen, um spielerisch Tischmanieren zu lernen? Dann freue ich mich darauf in den Kommentaren von dir zu lesen!

Fazit:

Dein Vorleben ist gefragt und da ist auch deine langfristige Vision wichtig: stell dir mal ein Familienessen in 20 Jahren vor. Wie soll das aussehen?

Ein gemütliches Beisammensein, bei dem alle fröhlich miteinander plaudern und gute Stimmung herrscht vielleicht. Wirst du das mit ständigem Herumnörgeln erreichen, weil das Kind jetzt gerade nicht aufrecht sitzt? Wohl eher nicht.

Eine entspannte Stimmung am Familientisch ist letztendlich viel wichtiger als der Fleck im Tischtuch oder die Ellenbogen an der Taille.

Tischmanieren stehen auch Kindern gut

„Sitz gerade“, „Kleckere nicht so rum“, „Du hältst das Messer falsch“ – solche Kommentare vertreiben jeden Appetit. Gemeinsame Mahlzeiten sollen jedoch Spass machen. Die Benimm-Expertin und Knigge-Trainerin Katrin Künzle erklärt, wie Eltern ihren Kindern geschickt Tischsitten beibringen können.

„Ich will meine Suppe nicht!“ Tischmanieren müssen sein und können entspannt geübt werden. Bild: iStockphoto, Thinkstock.

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Von Sigrid Schulze

Wer im Geschäftsleben mit anderen speist, wer in Nobelrestaurants ein- und ausgeht, der muss über gute Tischmanieren verfügen. Frau Künzle, Sie machen in ihren Knigge-Kursen auch Kindern Tischsitten vertraut. Warum sind Tischmanieren für Kinder wichtig?

Katrin Künzle: Kinder sind noch unkritisch, was Tischmanieren betrifft. Doch wachsen sie zu Jugendlichen heran, fallen ihre unmanierlichen Verhaltensweisen beim Essen auch Gleichaltrigen auf, sie gelten dann als peinlich. In diesem Alter aber fällt es bereits schwer umzulernen. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, so sagt der Volksmund weise. Viel besser ist es, sich schon in jungen Jahren anzugewöhnen, eine Serviette auf den Schoss zu legen und das Besteck richtig zu halten. So erwerben Kinder das sichere Gefühl, sich am Tisch gut benehmen zu können.

Dennoch kennen viele Kinder kaum Tischmanieren. Legen Eltern heute weniger Wert auf Benimmregeln als Generationen zuvor?

Viele Eltern stehen im Alltag unter Zeitdruck. Oft sind beide Elternteile berufstätig. Mahlzeiten, zu denen sich alle Familienmitglieder am Tisch versammeln, sind selten. Es ist verständlich, dass Eltern bei den wenigen gemeinsamen Mahlzeiten eine entspannte Atmosphäre fördern wollen und daher weniger Tischmanieren einfordern.

Schliessen sich denn Tischmanieren und eine entspannte Atmosphäre aus?

Nein, durchaus nicht! Wenn alle manierlich essen, macht die Mahlzeit umso mehr Spass. Doch Sätze wie „Was auf den Teller kommt, wird gegessen!“, „Hör auf, im Essen herumzustochern!“ und „Iss Deinen Teller leer!“ verderben leicht den Appetit. Eltern dürfen keinen Druck machen, denn der nimmt die Freude am Essen. Zum Glück lassen sich Tischmanieren auch ohne Meckern vermitteln. Wichtig ist, locker zu bleiben.

Diese Tischmanieren sollten Kinder kennen:

  • Hände waschen

Hygiene ist Grundvoraussetzung für das Essen. Daher gilt: Vor dem Essen Hände waschen!

  • Kleine Portionen nehmen

Wichtig ist, dass Kinder lernen, den eigenen Hunger richtig einzuschätzen. Sie sollten nur so viele Speisen auf ihren Teller laden, wie sie auch essen können.

  • Geräuschlos essen

Rülpsen, schmatzen und schlürfen mag in anderen Kulturkreisen ein Zeichen für Wohlbefinden sein – hierzulande aber will solche Ess-Geräusche niemand hören. Gesprächsthemen, die anderen den Appetit verderben, können nach dem Essen besprochen werden.

  • Den Mund nicht zu voll nehmen

Kinder wollen auch beim Essen sprechen. Deshalb ist es gut, wenn sie lernen, den Mund nicht zu voll zu nehmen. So ist er schneller wieder frei, um zwischendurch etwas zu erzählen oder zu fragen. Wer mit vollem Mund spricht, wird kaum verstanden. Noch schlimmer: Die Gefahr ist hoch, dass kleine Essensbröckchen aus dem Mund geschleudert werden.

  • Besteck richtig halten

Wer das Besteck richtig hält, schneidet leichter. Ein Aha-Erlebnis, auch für Kinder!

  • Gerade sitzen

Natürlich muss niemand stocksteif am Tisch sitzen. Doch wer locker gerade sitzt, sorgt dafür, dass das Essen leichter in den Magen rutscht. Ausserdem lassen sich die Schüsseln auf dem Tisch besser erreichen. Darüber hinaus sinkt die Gefahr, dass Essen auf den Schoss fällt.

Wie früh beginnt die Erziehung am Tisch?

Babys und Kleinkinder wollen ihr Essen anfassen. Sie zerdrücken Erbsen und lassen Pürree durch die Finger gleiten. Sie wollen im wahrsten Sinne des Wortes „be-greifen“, was sie essen. Das ist richtig und wichtig für ihre Entwicklung. Doch schon jetzt können Eltern beginnen, ein gutes Vorbild zu sein. Wer beim Tisch Emails liest, darf sich nicht wundern, wenn sich das herangewachsene Kind später auch während des Essens mit dem Handy beschäftigen will.

Ab welchem Alter können Kinder Benimm-Kurse besuchen?

In unseren Kursen nehmen wir Kinder ab acht Jahren auf. Ab diesem Alter sind sie motorisch so entwickelt, dass sie das Besteck gut halten können. Jetzt sind sie auch für Tischmanieren aufgeschlossen und haben Spass daran, sich beim Essen zu unterhalten.

Wie machen Tischmanieren Spass?

Wenn man sie spielerisch vermittelt! „Schaut mal, so hält Königin Elisabeth ihr Stielglas!“ Kleine Spiele lassen sich einbauen: „Jeder bekommt eine Serviette, um sich zwischendurch den Mund abzuputzen. Wer hat am Ende der Mahlzeit das schönste Glas– ohne Fettflecken?“ In meinen Kursen fordere ich die Kinder auf, sich vorzustellen, eine Katze sässe auf ihrem Schoss und zwischen Lehne und Steiss sei eine Maus versteckt. So sitzen die Kinder automatisch gerade. Ausserdem lieben Kinder Geheimsprachen! Die Bestecksprache, die dem Kellner anzeigt, ob sie eine Pause machen, fertig sind oder einen Nachschlag wünschen, lernen sie daher besonders gern. Wichtig ist, dass Eltern kurz erklären, welchen Sinn eine Tischsitte hat. Klappt es gut mit den Tischmanieren, können Eltern als Belohnung am Wochenende mit den Kindern ein Restaurant besuchen.

Zur Person:

Katrin Künzle aus Oetwil an der Limmat (ZH) bietet mit ihrer Firma Künzle-Organisation seit acht Jahren Knigge-Kurse speziell für Kinder, Jugendliche, Lehrstellensuchende, Lernende, aber auch für Erwachsene und Firmen an. Die lizenzierte Knigge-Trainerin und Organisatorin mit Weiterbildungen in Gewaltprävention und Körpersprache ist auch Mutter von zwei Teenagern. Diese beiden Töchter waren es dann auch, die in ihr den Wunsch nach einem Knigge-Kurs für Kinder auslösten. Credo: Gutes Benehmen macht Spass. mehr

Überall hängen die Spaghetti, die Soße klebt am Tischbein und das Kind ist total besudelt. Ab einem gewissen Zeitpunkt empfiehlt es sich, Kindern Tischmanieren beizubringen. Eltern können Vorbild sein. Und auch Spielchen helfen dabei.

Emil patscht mit seinen Fingern ins Karottengemüse. Nebenan entdeckt seine Schwester Laura, wie wunderbar sich ein Löffel dazu eignet, Nudeln über den Tisch zu katapultieren. Dazwischen sitzen die Eltern und schauen sich ratlos an: Sind ihre Schätzchen reif für Tischmanieren?

Bitte nicht mit dem Essen spielen

„Dass ein Kleinkind mit den Fingern ins Essen geht, ist normal“, sagt Nandine Meyden. Die Benimmtrainerin aus Hamburg rät, das nicht weiter zu kommentieren, aber auch nicht positiv mit Lachen zu reagieren. „Einfach Finger abwischen und weiter füttern“, lautet ihre Empfehlung. Strenger sollten Eltern bei Laura durchgreifen: „Essen herumzuwerfen oder als Spielzeug zu benutzen, ist in keinem Alter in Ordnung.“ Ab wann Kinder Besteck nutzen sollten, hängt mit ihren motorischen Fähigkeiten zusammen. „Die meisten wollen genauso essen wie die Erwachsenen“, sagt Meyden. Sobald sie nach Mamas Gabel greifen, kann man damit anfangen, ihnen Kinderbesteck zu geben.

Manieren beibringen ab dem Grundschulalter

„In der Grundschulzeit kann und sollte ein Kind Tischmanieren entwickeln“, sagt die Benimmtrainerin. Denn nur wenn sie früh erlernt werden, würden sie zur Selbstverständlichkeit. Zum guten Benehmen gehört, mit gewaschenen Händen an den Tisch zu gehen, die Ellenbogen nicht auf den Tisch zu legen und die Arme parallel zum Körper zu bewegen. „Keinen Matsch auf dem Teller machen, nicht herummäkeln und nicht schmatzen“, zählt Meyden auf. Sobald Kinder kein Lätzchen mehr brauchen, sollten sie eine Serviette benutzen.

Um Kindern diese Regeln beizubringen, hat Linda Kaiser von der Deutschen Knigge-Gesellschaft einen Tipp: „Kinder lernen am besten durch Vorbilder“, betont sie. Eltern sollten sich bewusst sein, dass sich der Nachwuchs genau abschaut, wie sie sich verhalten. Doch an guten Vorbildern mangelt es oft, bestätigt Meyden. In vielen Familien werde zu selten gemeinsam gegessen. Und wenn, nehmen Eltern die Tischmanieren häufig selbst nicht so ernst.

Knigge-Unterricht in der Schule?

Kaiser wünscht sich mehr Aufmerksamkeit dafür: „Es wäre sinnvoll, sie im Schulunterricht zu vermitteln“, findet die Knigge-Expertin. Verschiedene Organisationen bieten mittlerweile Knigge-Kurse für Kinder an. „Oft ist es hilfreich, eine dritte Person mit der Vermittlung der Feinheiten zu beauftragen und dem Kind Ideen mitzugeben, mit denen es die Eltern beeindrucken kann“, sagt Kaiser.

„Ob ein Knigge-Kurs wirklich notwendig ist, halte ich für fraglich“, sagt Marlis Müller. Die Leiterin einer Kindertagesstätte in Hamburg freut sich, wenn die Kinder berichten, dass sie zu Hause mit ihrer Familie essen. Eine gesunde Tischkultur sei wichtiger als perfekte Manieren. „Mit Eltern, die sich Zeit nehmen und ihren Kindern fast nebenbei mitgeben, wie ein gutes Verhalten am Tisch funktioniert.“

Wie bringe ich die Tischregeln ans Kind? Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite.

Gemeinsam positive Tischregeln aufstellen

Kinder möchten einbezogen werden. „Warum nicht die Tischregeln gemeinsam aufstellen?“, schlägt Müller vor. Sie empfiehlt dieses Vorgehen mit Kindern ab vier Jahren. Dabei sei wichtig, die Regeln positiv zu formulieren: „Am Tisch sitzt jeder auf seinem Stuhl“ sei besser als das Verbot „Ihr dürft am Tisch nicht aufstehen“. Außerdem sollten Regeln sinnvoll sein. Beispielsweise dürfen Kinder den Tisch verlassen, wenn alle Kinder fertig sind und müssen nicht unbedingt auf die Erwachsenen warten, rät sie. So können die in Ruhe weiter am Tisch bleiben, und die Kinder lernen trotzdem, aufeinander zu achten.

Störfaktoren wie Fernseher sollten während des Essens keine Chance bekommen. Bilderbücher haben bei Tisch genauso wenig verloren wie Smartphones. „Beim Essen sollte aus gesundheitlichen Gründen ebenso wie aus Wertschätzung gegenüber den Nahrungsmitteln, gegenüber dem, der sie zubereitet hat und gegenüber den anderen Menschen am Tisch die Aufmerksamkeit beim Tisch sein“, sagt Meyden. Damit Essen Spaß macht, können Eltern auch ab und an Pizzaessen mit den Händen vor dem Fernseher erlauben. „Das sollte aber die Ausnahme bleiben, nur dann ist es spannend und effizient“, rät die Knigge-Expertin.

Auf zum „Wer kleckert am wenigsten“-Wettbewerb!

Ein spielerischer Zugang hilft, um Kindern Freude am Thema zu vermitteln: Von „Essen wie eine Prinzessin“ bis zum „Wer kleckert am wenigsten“-Wettbewerb seien der Fantasie keine Grenzen gesetzt, sagt Meyden. In ihrem Ratgeber „Jedes Kind kann sich benehmen“ empfiehlt sie, sich auch mal zum Kirschkernweitspucken zu treffen oder Kindern mithilfe von Mottos wie „Essen wie die Nomaden“, bei dem alle am Boden sitzen und mit der linken Hand aus einer Schüssel essen, etwas über andere Kulturen beizubringen.

Manchmal setzen Eltern ihre Kinder an einen Kindertisch. „Das ist kein Freibrief für den Missbrauch von Besteck oder Nahrungsmitteln“, warnt Kaiser. Diese Tische seien dazu gedacht, den Kleinen gleichgesinnte Gesellschaft zu vermitteln, damit sie sich nicht bei den Großen langweilen. Tischmanieren sollten auch dort eingehalten werden. Bei Fehlern sollten Eltern ruhig bleiben, die Regeln noch einmal erklären und den richtigen Umgang gemeinsam wiederholen. Meckern oder Strafen sind die falsche Reaktion: „Sie verderben die Freude und sind nicht zu empfehlen“, sagt Kaiser. (dpa)

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Die richtige Esstischordnung für Harmonie im Familienleben

Was es verändert:

Nun ja, es kann die ganze familiäre Situation verändern. Oder aber auch nur Teile davon. Es bedeutet einfach, dass die systemische Ordnung zu einem Teil wieder hergestellt wurde. Es kann sein, dass es für eine Familie vollkommen ausreichend ist “nur” die Ordnung am Esstisch oder im Schlafzimmer wieder herzustellen. Für eine andere Familie braucht es aber auch die Prozesse dahinter und dies ist nur das Tüpfelchen auf dem i”. Die Frage ist nicht so einfach beantwortet. Wenn ein Durcheinander im Familiensystem herrscht braucht es meistens etwas mehr, als nur kurz die Sitze zu tauschen. Um aber in einer gewissen Situation etwas Ruhe ins Familienleben zu bringen, reicht dies je nach dem aus.

Die systemische Ordung:

Jeder von uns hat eine Herkunftsfamilie. Mutter und Vater haben wir alle genauso wie 4 Grosseltern, 8 Urgrosseltern, 16 Ur-Urgrosseltern usw… Wir kennen nicht alle davon, aber ob wir wollen oder nicht, haben wir eine leibliche Mutter und einen leiblichen Vater. Wenn wir Ordung ins System bringen dann spielen auch Adoptiveltern und Stiefeltern eine Rolle. In Einzelsitzungen können wir hier genauer auf die jeweilige Situation der Klientin oder des Klienten eingehen. In diesem Beitrag widme ich mich jetzt mal der Herkunftsfamilie.

Also, wir merken, dass etwas nicht stimmt. Immer wieder herrscht zum Beispiel Streit ohne ersichtlichen Grund. Alles was wir versuchen geht schief. In einer Sitzung finden wir raus, dass es Verschiebungen im Familiensystem gibt. Dass die Klientin (in unserem Fall ein Kind) mit der Grossmutter den Platz vertauscht hat. Und der Streit eigentlich gar nichts mit der Klientin zu tun hat sondern, dass die Grossmutter etwas nicht gelöst hat was noch gelöst werden muss. Wir stellen die Ordung her und machen Prozessarbeit. Zum Schluss sieht unser Bild so aus, wie wir es gerne haben wollen. Als Homeplay gebe ich der Familie mit, die Sitzordung zu Hause zu überdenken. Es leben 3 Generationen im Haus. Die Familie tauscht die Plätze am Esstisch und langsam wird auch der Streit weniger und jeder findet zu seinem Platz.

Hat jedes Familienmitglied seinen Platz, dann sind alle zufrieden. Klar, gibt es auch mal Streit und Ärger aber dies wird nur von kurzer Dauer sein. Wenn das nicht so ist, dann gibt es etwas zu lösen. Manchmal ist die Veränderung so einfach, dass man es kaum glauben kann.

Was kann eine Fehlstellung unter anderem bewirken:

  • Immer wieder Streitende Eltern
  • Sich ständig streitende Kinder
  • Kinder, die sich auf ein Elternteil beziehen
  • Konkurrierende Kinder um die Gunst der Eltern
  • Kinder die zu den Eltern schauen anstatt umgekehrt

Die richtige Ordung am Tisch:

Wie sollte sie also sein die richtige Ordung? Wir unterscheiden zwischen einem runden Tisch und einem Eckigen Tisch.

Eckiger Tisch:

Oben am Tisch sollte niemand sitzen. Wenn der Tisch vor einer Wand steht, sollten Vater und Mutter diese Wand im Rücken haben. Denn die stärkt die Eltern. Die Kinder sitzen an den schwächeren Positionen (nach Feng Shui Sicht). Aus systemischer Sicht ist es wichtig, dass die Eltern die “Grossen” sind und die gestärkten. Denn wenn diese ihren Platz einnehmen, dann wirkt sich das auch positiv auf die Kinder aus. Somit gibt es eigentlich keine schwache Position. Denn wenn die Eltern gestärkt sind, sind es auch die Kinder. Sie brauchen die Sicherheit und die Kraft der Eltern um selbst stark zu sein. Sie müssen so nicht mehr durch Aufmerksamkeitsaktionen auf ein energetisches Ungleichgewicht hinweisen.

Um als Paar zu funktionieren und damit die Liebe richtig fliessen kann, ist es wichtig, dass die Frau links neben dem Mann sitzt.

Um die Geschwisterreihenfolge nicht zu stören spielt es aber auch eine Rolle wie die Kinder sitzen. Wenn wir im Energiekreis weitergehen heisst das Konkret, zuerst der Vater, links davon die Mutter, vis à vis das älsteste Kind, links davon das 2. älteste und so weiter bis zum jüngsten Kind.

Das sieht dann so aus:

Umgangsformen und Tischmanieren

Restaurant-Knigge

Im Restaurant:

Dame oder Herr wer geht voran?

Heute ist es völlig normal, wenn die Frau vorangeht – vor allem natürlich dann, wenn sie zum Essen eingeladen und bereits einen Tisch bestellt hat oder das Restaurant gut kennt. Aber viele Frauen wissen zu schätzen, wenn ihr Begleiter die Tür zum Restaurant aufhält. Führt ein Mitarbeiter des Hauses die Gäste zum Tisch, so geht die Frau immer vor ihrem Begleiter. Gibt es keinen „Begrüßer“, übernimmt ein Herr die Aufgabe des Wegbahnens. Beim Verlassen geht es anders herum: Er lässt ihr den Vortritt.

Die Garderobe

Bevor man am Tisch Platz nimmt, hilft der Mann zuerst seiner Begleiterin aus dem Mantel, bringt ihn zur Garderobe, wo er auch den eigenen ablegt. Vor dem Verlassen des Restaurants geht es in umgekehrter Reihenfolge. Der Mann zieht seinen zuerst an, geht mit dem Mantel der Dame zum Tisch zurück und hilft ihr in den Mantel.

„Wait to be seated“

In der gehobenen Klasse der Restaurants war es nie üblich, dass Gäste sich alleine ihren Tisch „erstürmten“. Die amerikanische Sitte des „Wait to be seated“, also des Wartens, bis Sie zum Tisch geführt werden, findet in den letzten Jahren aber auch in vielen anderen Restaurant-Kategorien immer mehr Anwendung.

Die Faustregel: Je gehobener das Restaurant, um so eher wird platziert. Manchmal finden Sie am Eingang ein Schild als Orientierungshilfe. Fehlt dies und kennen Sie das Restaurant nicht: erst einmal abwarten. Legen Sie eine „Erkundungs-Minute“ ein. Wenn Platzierung üblich ist, wird schon jemand auf Sie zukommen.

Die Wahl des Tisches

Ein guter Gastgeber wird für ein Essen in einem Restaurant den Tisch vorbestellen. Dabei ist es ratsam die Gegebenheiten schon vorher anzusehen, einen entsprechenden Tisch festzulegen und Details abzuklären.

Haltung

Wichtigste Voraussetzung bei Tisch ist zunächst einmal die Sitzhaltung. Man sollte aufrecht, entspannt und etwa eine Handbreite vom Tisch sitzen. Ähnliches gilt auch für die Haltung der Arme bei Tisch. Diese sollten sich beim Essen eng am Körper befinden, und die Hände sind nur bis zu den Handgelenken auf den Tisch zu legen, mit den Unterarmen (keinesfalls mit den Ellenbogen!) kann man sich leicht abstützen. Wenn man das Besteck hält, dürfen jedoch selbst die Handgelenke nicht den Tisch berühren.

Wenn man die Sitzfläche des Stuhls vollständig ausnutzt und die Füße nebeneinander fest auf den Boden stellt, dann kann jeder ein mehrgängiges Menü mit Haltung überstehen.

Anrede, Restaurantfachleute

„Herr Ober“ ist zwar als Berufsbezeichnung falsch, wird aber nach wie vor verwendet. Es klingt höflich und respektvoll. Das trifft jedoch auf das „Fräulein“ nicht zu. Außerdem ist diese Anrede mittlerweile völlig out, muss also auch im Restaurant verschwinden.

Deshalb ist die moderne Empfehlung: Sprechen Sie überall dort, wo es mit Hilfe eines Namensschilds möglich ist, Restaurantfachkräfte mit ihrem Namen an. Manchmal wird auch die amerikanische Sitte praktiziert, dass sich Restaurantfachleute mit dem Namen vorstellen. Kennen Sie den Namen des Obers oder des „Fräuleins“ nicht, machen Sie durch ein dezentes Handzeichen auf sich aufmerksam.

Das Besteck

Das Messer wird stets in der rechten Hand gehalten. Diese Regel gilt auch für Linkshänder, denn ein Links- und ein Rechtshänder nebeneinander platziert, würden beim Essen unweigerlich mit den Ellenbogen zusammen stoßen und sich gegenseitig behindern. Wer sich also formvollendet benehmen will, hält das Messer rechts.

Die Gabel wird immer so geführt, dass sie eine waagerechte Linie nicht verlässt und ein wenig nach unten geneigt ist. Der Löffel wird ebenfalls waagerecht zum Mund geführt. Dabei sollte man ihn nicht randvoll füllen, denn zum einen kühlt die Suppe schneller ab und zum anderen wird verhindert, dass die Suppe in den Teller zurückschwappt.

Die Serviette

Sie wird vor dem Essen einmal zu einem Rechteck gefaltet und auf den Schoß gelegt, jedoch erst dann, wenn der Gastgeber nach seiner Serviette greift und damit das Essen eröffnet. Sie dient in erster Linie dazu, sich vor dem Trinken die Lippen abzutupfen, um Speise- und Fettränder an den Gläsern zu vermeiden. Auch zum Abwischen des Mundes während des Essens benutzt man die obenliegende Hälfte der Serviette und legt sie anschließend wieder auf den Schoß. Die untenliegende Hälfte der Serviette bleibt damit zum Schutz der Kleidung sauber.

Nach der Mahlzeit wird die Serviette entgegen ihrem Originalkniff gefaltet, um die Flecken nach innen zu verdecken und links neben den Teller gelegt. Zu einem Menü gehören Stoffservietten, sie lassen sich besser handhaben, dekorieren und sehen einfach schöner aus. Papierservietten dagegen können einfach zusammengefaltet auf den Teller gelegt werden.

Getränke

Zum ersten Schluck fordert immer derjenige auf, der eingeladen hat. Das Glas ist stets am Stiel zu halten. Nicht nur, weil es beim Anstoßen schöner klingt, sondern beim Anfassen des Kelchs kann sich das Getränk auch sehr leicht erwärmen.

Beim Anstoßen sollte man sich immer in die Augen sehen. Als Trinkspruch ist ein „Zum Wohle“ oder „Auf ihr Wohl“ oder ein „Prosit“ angebracht. Aperitifs, wie zum Beispiel Portwein oder Sherry, werden als appetitanregende Getränke gereicht. Hat das Essen begonnen, werden sie nicht mehr getrunken. Wird die Weinsorte gewechselt, sollte man vom vorher servierten Wein nicht mehr trinken. Wenn das Glas noch gefüllt ist, kann man es einfach stehen lassen. Allerdings wird es jeder Gastgeber respektieren, wenn man lieber bei einer Sorte bleiben will.

Probierschluck

Die junge Garde der Restaurantfachleute ist so ausgebildet, dass sie fragt: „Wem darf ich den Probierschluck einschenken?“ Bleibt diese Frage aus, können Sie als Frau heute selbstverständlich darauf aufmerksam machen, dass Sie diesen Schluck wünschen.

Der Probierschluck ist in der Regel nicht dazu gedacht, dass Sie Ihre Entscheidung für einen Wein über den Haufen werfen. Das wird nur äußerst selten akzeptiert, zum Beispiel von einem speziell ausgebildeten Sommelier (weibliche Form: Sommelière) oder dem Inhaber eines Gourmet-Restaurants, dessen Hobby die Weinkunde ist. Der Probierschluck dient zur Prüfung der Temperatur des Weins und ob er korkig schmeckt oder „umgekippt“ ist. Haben Sie einen Grund zur Beanstandung, bitten Sie die zuständige Restaurantfachkraft, auch zu probieren. Ist Ihre Reklamation berechtigt, werden Sie sofort Ersatz serviert bekommen. Bestellen Sie einen offenen Wein, ist ein Probierschluck nicht üblich, ebenso wenig bei Sekt und Champagner. Selbstverständlich können Sie Wünsche bezüglich der Temperatur äußern. Rechnen Sie in diesem Fall nicht damit, eine neue Flasche Wein serviert zu bekommen. Ihre bereits geöffnete Flasche wird dann nur kalt gestellt.

Wein

Noch vor wenigen Jahren hätten Sie sich mit der Bestellung von Rotwein zu Fisch als „Gourmet-Banause“ geoutet. Die früher festgelegten Regeln besagten: Rotwein passt nur zu dunklem Fleisch wie Wild, Weißwein nur zu hellen Sorten und Fisch. Diese strenge Zuordnung wird heute wesentlich lockerer gesehen. Persönlichen Vorlieben, dem individuellen Geschmack wird der Vorzug gegeben. Weinfachleute in der Edelgastronomie sagen sogar: „Wünscht ein Gast Rotwein zum Fisch, werden wir ihm lieber ein Fischgericht kreieren, zu dem Rotwein passt, als zu versuchen, ihm den Rotwein auszureden.“ Wollen Sie Weine zu einem Menü für einen größeren Gästekreis anlässlich eines offiziellen Geschäftsessens aussuchen, sollten Sie sich trotzdem an folgende Grundregel halten: Leichte Weine werden vor schwereren, trockene vor lieblichen, jüngere vor älteren und weiße vor roten gereicht.

Zuprosten

Das Ritual des Zuprostens hat einige Veränderungen erfahren. Früher durfte nur mit Wein und Sekt beziehungsweise Champagner zugetrunken werden. Der moderne Zusatz: Möchte jemand keinen Alkohol trinken, kann er auch mit Mineralwasser oder einem nichtalkoholischen Getränk anderen zuprosten. Das gilt ebenso für das Anstoßen. Diese Sitte bleibt besonderen Anlässen im kleinen Kreis vorbehalten. Beispielsweise, wenn es einen Geschäftsabschluss oder ein „Jubelkind“ zu feiern gilt. Die Ausnahme: Silvester. Bei offiziellen Essen wird nicht angestoßen. In Österreich und Deutschland ist es so üblich: Sie heben das Glas und schauen vor dem ersten gemeinsamen Schluck mit einem leichten Kopfnicken kurz in die Runde. Ein zusätzliches Lächeln lässt Sie noch charmanter wirken. Vor dem Absetzen des Glases wird dieser Blickkontakt mit allen in der Runde wiederholt. Die offiziellen verbalen Begleiter des Zuprostens sind „Prosit!“ oder „Zum Wohl!“. Das verkürzte „Prost!“ oder gar „Ex“ eignet sich nur im informellen, vertrauten Kreis.

Alkohol

Selbstverständlich können Sie Alkoholisches ablehnen. Sie brauchen dafür nicht einmal einen Grund anzugeben. Ein schlichtes „Nein, danke“ reicht völlig. Falls Sie mögen, ist eine Erklärung natürlich nicht verboten. Die Empfehlung für Gastgebende lautet: Die Ablehnung alkoholischer Getränke soll ohne weitere Fragen sofort akzeptiert werden. Besonders das früher übliche wiederholte Anbieten wird heute eher als unliebsame Nötigung denn als Höflichkeit angesehen.

Gastgebende selbst brauchen nicht mitzutrinken, auch wenn sie ihren Gästen alkoholische Getränke anbieten. Bier statt Wein? Jein. Es kommt auf die Situation an. Sucht sich jeder Gast sein Gericht und das dazu passende Getränk aus, ist eine Bierbestellung kein Fauxpas. Bei einem so genannten „gesetzten Essen“, also ein für einen Personenkreis vom Gastgeber vorbestelltes Menü mit passenden Weinen, sollten Sie beim Wein bleiben und nicht auf Bier „umsteigen“. Die stilvollste Alternative ist das Ausweichen auf Mineralwasser.

Amuse-gueule

Dieser „Vorabgruß“ des Hauses – auch Amuse-bouche genannt – wird unabhängig von Ihrer Bestellung zuerst serviert. Das Amuse-gueule ist als Zeitüberbrücker, Gaumenkitzler und zur Einstimmung auf weitere kulinarische Freuden gedacht. Wollen Sie Restaurant-Fachverstand beweisen, verkneifen Sie sich am besten ein erstauntes „Aber das habe ich doch gar nicht bestellt!“. In einem guten Restaurant wird dieses Amuse-gueule auch nicht stillschweigend serviert, sondern die Bedienung sagt so etwas wie: „Ich bringe Ihnen einen Gruß aus der Küche; dies ist ein Lachstartar auf Zucchini“. Ist dazu Besteck erforderlich, wird dieses grundsätzlich mit dem Gericht gebracht. Fehlt es, handelt es sich um eine „fingertaugliche“ Kleinigkeit, zu der trotzdem keine Fingerschale nötig ist. Auf jeden Fall gilt: Sie benutzen nicht das auf dem Tisch liegende Besteck.

Anmerkung: immer wieder taucht die Frage auf, was denn der unterschied zwischen „Amuse-gueule“ und „Amuse-bouche“ sei. die abenteuerlichsten Theorien geistern hier durch die Lande. Im Klartext: „Amuse-gueule“ heißt wörtlich übersetzt „Gut fürs Maul“. Klingt vielleicht etwas vulgär. „Amuse-bouche“ heißt „Gut für den Mund!“ Klingt etwas feiner. Tatsächlich hat sich die Bezeichnung „Amuse-gueule“ auch in der feinsten Gastronomie durchgesetzt. Es hat also nichts mit der Temperatur zu tun, wie fälschlicherweise behauptet wird.

Apéritif

Genießen Sie Ihren Apéritif am Tisch – die üblichste Art im Restaurant -, sollten Sie ihn austrinken, bevor Sie zum danach georderten Wein übergehen. Findet vor einem gemeinsamen Essen ein Apéritif-Empfang statt, beachten Sie bitte: Es ist nicht die elegante Art, einen Rest des Apéritifs mit an die Tafel zu nehmen und dort auszutrinken. Ausnahme: Sie bekommen Ihren Apéritif im Restaurant an der Bar (Theke) serviert, weil Ihr Tisch noch nicht frei ist oder für Sie neu eingedeckt wird. Dann kann es passieren, dass Sie gerade erst einige Male an dem Getränk genippt haben, wenn die erfreuliche Nachricht kommt: „Ihr Tisch ist jetzt bereit.“ In diesem Fall brauchen Sie selbstverständlich auf den Rest des Apéritifs nicht zu verzichten. Das Hinterhertragen zum Tisch sollten Sie in diesem Fall einer Restaurantfachkraft überlassen. Wandern Sie nicht mit dem Glas in der Hand durch das Lokal.

Die Bestellung

Bei einer Einladung kann es sein, dass der Gastgeber Ratschläge bezüglich der Auswahl der Speisen gibt. Solche Hinweise können nicht nur gute Tipps sein sondern auch Rückschlüsse darauf geben, wieviel er bereit ist auszugeben. Man muss sich natürlich nicht daran halten, wenn man etwas anderes möchte, sucht man sich in dem entsprechenden Preisniveau ein Gericht aus. Beim Aufgeben der Bestellung gibt es heute keine strengen Regeln mehr, so kann eine Frau dem Ober durchaus selber sagen, welches Menü sie wünscht. Auch das Problem der Weinbestellung ist keinesfalls mehr ein Privileg der Männer.

So funktioniert die „Speisekarten-Geheimsprache“: Wenn Sie mit dem Aussuchen der Speisen fertig sind, klappen Sie die Karte zu. Dies ist das Zeichen für die zuständige Restaurantfachkraft, dass Sie bestellen möchten. Solange Sie die Speisekarte geöffnet vor sich haben, bedeutet dies, dass Sie noch nicht gewählt haben. Diese nonverbale Kommunikation zwischen Gästen und gut geschultem Fachpersonal beschränkt sich auf die gehobene Gastronomie. Und selbst dort – eigentlich – nur eingeschränkt. Aber eben nur noch „eigentlich“. Worauf bezieht sich „eigentlich“? Es gibt inzwischen viele Gäste, die, ärgerlich über den „säumigen“ Service werdend, vor der geöffneten Karte sitzen. Deshalb fragen die Servicekräfte manchmal: „Haben Sie schon gewählt?“ Ist dies noch nicht der Fall, lassen Sie sich nicht hetzen.

Und bitte nehmen Sie der oder dem Fragenden dieses – nicht ganz korrekte – Verhalten nicht übel. Es entsteht vorrangig durch nichtwissende Gäste, weniger durch schlechte Ausbildung des Personals.

Essensbeginn

Die traditionelle Regel „Die Gastgeberin oder der Gastgeber eröffnet das Essen“ ist unverändert und gilt auch im Restaurant. Man wartet damit, bis alle Gäste den ersten Gang serviert bekommen haben. Diese Höflichkeitsform wird auch eingehalten, wenn es sich nicht um ein gemeinsames Menü, sondern um verschiedene Gerichte handelt. Seitens der Gastronomie wird dies den Gästen normalerweise leichtgemacht. Es wird Tischweise serviert. Somit bekommen alle Personen (zumindest fast) gleichzeitig das Essen. Pannen sind jedoch nicht immer auszuschließen. Die zuerst Bedienten sind benachteiligt, weil die Speisen durch das Kaltwerden unweigerlich an Qualität verlieren. Bieten Sie deshalb, falls Sie zu den noch „Unversorgten“ am Tisch gehören, von sich aus an: „Bitte fangen Sie doch ruhig schon mit dem Essen an, damit es nicht kalt wird, ehe alle ihre Speisen serviert bekommen haben.“

„Guten Appetit!“

Im Familien-, Freundes-, und vertrauten Kollegenkreis ist gegen diesen guten Wunsch zum Essen nichts einzuwenden. Bei offiziellen (Geschäfts-)Essen ist er deplaziert. Als Startzeichen für den Beginn des Essens wird nur zum Besteck gegriffen und einmal freundlich in die Runde geblickt. Allenfalls ein leichtes Kopfnicken, nicht aber das „Guten Appetit!“ begleitet diese Aktion. Dem „Mahlzeit!“ sollten Sie ohnehin „den Kampf ansagen“, am besten überall, nicht nur in der Kantine. Es ist eine weitverbreitete, aber unschöne Angewohnheit, die mit dem Ursprung „gesegnete Mahlzeit“ nichts mehr zu tun hat. Bei Geschäftsessen ist „Mahlzeit!“ tabu!

Bezahlen

Die alte Restaurant-Regel „Eine Dame darf niemals für einen Herrn bezahlen“ ist Schnee von gestern. Das Zwischenstadium – sie lädt ein, schiebt ihm aber kurz vor dem Erscheinen der Rechnung klammheimlich unter dem Tisch das Portemonnaie zu – gehört inzwischen in den Bereich „Glosse“. Tipp: Weisen Sie bereits vor dem Essen den Gastronomen beziehungsweise die zuständige Restaurantfachkraft darauf hin, dass Sie die Gastgeberin sind und die Rechnung begleichen werden. Dies können Sie bereits bei der Tischreservierung tun.

Den Tisch zum Bezahlen verlassen? Es gilt nach wie vor als wenig elegant, demonstrativ vor den Augen der Gäste einen Schein nach dem anderen hinzublättern. „Diskret“ heißt die Devise. Also zum Beispiel mit Kreditkarte. In diesem Fall bleibt das Geheimnis der Rechnungssumme sowieso gewahrt.

Selbstverständlich können Sie zum Bezahlen den Tisch verlassen. Es ist aber kein Muss mehr. Welches die optimale Lösung ist, hängt auch vom Gästekreis ab. Gehen Sie mit Freundinnen oder guten Bekannten essen, wird es Ihnen niemand verübeln, wenn Sie am Tisch – auch mit Bargeld – bezahlen.

Je offizieller eine Einladung ist, desto diskreter sollten Sie bezahlen. Die perfekteste Abwicklung für Geschäftsessen: Vereinbaren Sie vorher mit dem Gastronomen, dass Ihnen die Rechnung anschließend in die Firma geschickt wird.

Trinkgeld

Eine Verpflichtung, im Restaurant Trinkgeld zu geben, haben Sie in unserem Breiten nicht. Bei gutem Service ist es jedoch üblich und angebracht. Haben Sie sich gut bedient gefühlt, halten Sie sich an die bei uns übliche Faustregel: zwischen fünf und zehn Prozent des Rechnungsbetrags. Nach oben hin sind Ihnen natürlich keine Grenzen gesetzt, falls Sie sich rundum verwöhnt fühlten. Wo der Service schlecht war, können Sie auf Heller und Pfennig abrechnen.

Auch wenn ein Trinkgeld bereits Ausdruck Ihres Dankes ist, bedenken Sie bitte: Dieser wird durch ein ausgesprochenes Lob bei der Verabschiedung deutlich aufgewertet. „Vielen Dank. Wir haben uns bei Ihnen sehr wohl gefühlt. Auf Wiedersehen!“ ist eine „Münze“, die Sie als Gast nicht ärmer macht. Den Empfänger bereichert eine solche Aussage aus menschlicher Sicht hingegen sehr.

Reklamation

Sollte etwas mit dem Essen nicht in Ordnung sein, so ist eine sofortige Reklamation angebracht. Hinterher zu beanstanden bringt gar nichts. Man sollte seine Beschwerde dem Kellner in ruhigen und angemessenen Ton vortragen, er selbst ist nicht dafür verantwortlich was er serviert.

Digestif

Selbstverständlich müssen Sie ein Essen nicht mit einem solchen Abschluss krönen. Es wird aber immer mehr üblich, Gästen einen Digestif anzubieten. Achten Sie vor der Bestellung auf den Preis. Sie könnten sonst später beim Präsentieren der Rechnung unter Umständen einen Schock bekommen. Der Grund: In manchen Restaurants gibt es so edle alte Cognacs, Armagnacs oder andere klassische Digestifs wie Obstbrände oder Calvados. Ein Glas davon kann mehr kosten als das Essen pro Person. In Gourmettempeln dieser Güte finden Sie auf der Karte jeweils mehrere preislich gestaffelte Angebote, beispielsweise bei Cognacs.

Da nur Sie als Gastgeber/in die Karte bekommen, können Sie so das Preisniveau regulieren. Lässt das Budget keinen Spielraum für einen Digestif, beschränken Sie sich auf das übliche Angebot von Kaffee, Espresso oder Cappuccino, das sonst zusätzlich zum Digestif gemacht wird.

Ehrenplätze

Die Ehrenplatz – Regel wird, falls es eine zu ehrende Person gibt, auch im Restaurant unverändert eingehalten: Nach internationaler Sitte sind die Plätze rechts neben den Gastgebenden die Ehrenplätze. Sind Sie Gastgeber/in einer kleinen Gruppe, sollten Sie Ihren Gästen die Wahl der Plätze überlassen, ebenso, wenn Sie nur eine Person einladen. Die Plätze mit Blick in den Raum (statt gegen eine Wand) oder aus dem Fenster gelten als die bevorzugten. Die Top-Kombination: Der „Panoramablick“, der drinnen und draußen gleichermaßen umschließt.

Gastgeber-Tipp

Gäste sind meist bei der Auswahl ihrer Gerichte zurückhaltend, was die Preisklasse betrifft. Deshalb sollten Sie, wenn Sie Gastgeber/in sind, mehr oder minder „unterschwellige“ Tipps dazu geben. Die grundsätzliche Preiskategorie bestimmen Sie bereits durch die Auswahl des Restaurants. Trotzdem gibt es Spannbreiten, die oft ganz erheblich sind. Nehmen Sie Ihren Gästen die Unsicherheit, indem Sie Empfehlungen aussprechen wie: „Falls Sie gerne Hummer essen, kann ich Ihnen alle Variationen davon sehr empfehlen. Dieses Restaurant ist darauf spezialisiert.“ Selbstverständlich können Sie einen solchen Hinweis auch direkter geben, zum Beispiel so: „Ich hoffe, Sie haben soviel Zeit und Appetit, dass wir uns mehrere Gänge gönnen können.“ Was tun, wenn der Tipp ausbleibt? Sollten Sie als Gast dann auf das preiswerteste Gericht ausweichen? Nein. Sie sind höflich genug, wenn Sie sich bei Ihrer Auswahl im Mittelfeld der Preise bewegen. Oder Sie fragen einfach nach einer Empfehlung, ohne dabei auf eine bestimmte Speise einzugehen: „Sagen Sie bitte, gibt es in diesem Restaurant ein Gericht, das Sie besonders empfehlen können?“

Handy

Ihr Handy sollten Sie im Restaurant ausschalten. Und zwar unabhängig davon, ob am Eingang ein Handy-Verbotsschild prangt oder nicht. Wenn Sie unbedingt telefonisch erreichbar sein müssen, nutzen Sie eine der zahlreichen technischen Möglichkeiten, das Klingeln zu vermeiden. Empfangen Sie ein optisches oder anderes Signal, und verlassen Sie zum Telefonieren den Tisch.

Suchen Sie sich eine Ecke, beispielsweise im Eingangsbereich, im Flur oder Treppenaufgang, wo Sie andere Gäste mit Ihrem Gespräch nicht behelligen. Oder nutzen Sie, falls vorhanden, eine Telefonzelle. Solche Orte eignen sich auch, um die Mobil-Box abzufragen oder versprochene Rückrufe zu tätigen.

Unbedingt beachten

Gabel oder Löffel werden immer zum Mund geführt und niemals umgekehrt! Eine Unsitte ist es die Suppe durch Pusten abzukühlen, hierbei werden nicht nur unangenehme Geräusche produziert, sondern auch der Tischnachbar kann durch die entstehenden Windböen und Suppenduschen durchaus belästigt werden. Zu den schlimmsten Geräuschen gehört allerdings das Schlürfen. Niemals, unter gar keinen Umständen und mit keinerlei Entschuldigen darf geschlürft werden.

Da beim Essen häufig ein Getränk gereicht wird, entsteht die Frage nach der korrekten Besteckablage. Das Besteck darf in diesem Falle nicht rechts und links auf dem Tellerrand abgelegt werden, da es leicht abrutschen kann oder Speisereste und Saucen auf das Tischtuch tropfen können. Das Besteck ist ordentlich auf dem Teller abzulegen, d.h. es sollte dabei nicht in die Speisen stechen, sondern es ist an den Spitzen zu kreuzen, bzw. die Messerspitze ist in die Gabelmulde zu legen. Sobald man zu essen begonnen hat, darf das Besteck das Tischtuch nicht mehr berühren. Wenn man sich also den Mund abtupft, dann legt man das Besteck ganz auf den Teller.

Darüber hinaus gibt es noch eine Bestecksprache. Danach bedeutet ein mit den Spitzen gekreuztes Besteck, dass der Gast noch nicht fertig ist oder gerne noch einen Nachschlag hätte. Liegen Messer und Gabel parallel nebeneinander (die Schneide des Messers zur Gabel), so bedeutet dies, dass das Essen beendet ist. Die Anordnung rechts unten -fünf vor halb sechs- bedeutet, dass das Essen zu wünschen übrig ließ, links unten -fünf nach halb sieben- zeigt an, dass alles in Ordnung war und es geschmeckt hat.

Allerdings wissen das die wenigsten und reagieren deshalb nicht darauf.

Schmatzen und Schlürfen hat am Essenstisch nichts verloren, genauso wenig wie der Ellenbogen auf der Tischkante – und wenn sich in Ihrem Mund noch Essen befindet, dann lassen Sie ihn lieber geschlossen, auch wenn Ihr Tischnachbar Ihnen gerade eine Frage gestellt hat. Hier erfahren Sie, wie Sie mit Knigge Fettnäpfchen vermeiden und gute Tischmanieren beweisen.

Das Einleben in Deutschland ist gar nicht so einfach. Kontakte zu knüpfen in diesem neuen Land, der neuen Stadt, dauert eine Weile. Und dann, ach wie nett: Ihre Kollegin (oder Ihr Kollege) hat Sie zum Essen zu sich nach Hause eingeladen. Sie freuen sich über die Einladung und möchten auf keinen Fall in kulturelle Fettnäpfchen am Esstisch treten. Deshalb haben wir für Sie: 9 Tischmanieren – Mit Knigge Fettnäpfchen vermeiden!

1. Platz nehmen, wenn es angemessen ist

Freunde handhaben das untereinander in der Regel nicht so streng, wenn Sie aber mit dem Gastgeber oder der Gastgeberin noch nicht sonderlich vertraut sind, vertrauen Sie mit Ihren Tischmanieren lieber auf Knigge: Warten Sie ab, bis Sie aufgefordert werden, sich hinzusetzen oder bis alle Anderen sitzen – erst dann nehmen Sie Platz!

2. Serviette in den Schoß legen

Bevor Sie mit dem Essen beginnen, legen Sie sich die Serviette, die neben Ihrem Teller liegt in den Schoß. Sie können Sie während des Essens nutzen, um sich die Mundwinkel damit zu säubern – sie dient keinem anderen Zweck! Zwar gehört zu guten Tischmanieren definitiv nicht, die Nase hochzuziehen und damit Geräusche zu verursachen, die den Appetit der Anderen schmälern könnten. Dennoch merken Sie sich diese Regel von Knigge: Wollen Sie sich die Nase putzen, dann ist die Serviette in Ihrem Schoß nicht das Mittel Ihrer Wahl. Nach dem Essen legen Sie die Serviette mit der sauberen Seite neben den Teller – Sie zerknüllt auf den Essensteller zu werfen ist definitiv nicht die richtige Entscheidung.

Gläser mit Stiel hält man immer am Stiel, nie am Bauch des Glases Foto: Rawpixel.com / .com

3. Wann Sie mit dem Essen beginnen

Sie haben extra den ganzen Tag lang nichts gegessen, um Platz für das gute Essen am Abend im Magen zu haben – entsprechend haben Sie einen Bärenhunger! Die Tischmanieren aber gebieten Vorsicht! Auch wenn Sie höflicherweise als Erster den Teller vor die Nase gestellt bekommen, heißt es: Abwarten, bis auch der Gastgeber oder die Gastgeberin das Essen auf dem Tisch hat und den ersten Bissen nimmt. Erst dann starten auch Sie, alles andere wäre laut Knigge unhöflich.

4. Den Wein richtig in der Hand halten

Generell gilt das Gleiche auch für den ersten Schluck Ihres Getränks. Oft wird das Glas für einen „Prost“ erhoben, erst dann ziemt es sich, zu trinken. Wird auf den Prost oder Toast verzichtet, nippen Sie dennoch auch erst, nachdem Ihr Gastgeber den ersten Schluck genommen hat. Noch eine kleine Knigge -Lektion, wenn Sie Wein, Sekt oder Ähnliches trinken: Gläser mit Stiel hält man immer an diesem, nie am Bauch des Glases. So wird das Getränk nicht warm und Sie vermieden fettige Fingerabdrücke auf dem Glas. Denken Sie dran: Bevor Sie einen Schluck nehmen, säubern Sie sich besser die Mundwinkel, damit der Gläserrand sauber bleibt.

5. Die Mahlzeit geräuschlos verzehren

Was in der einen oder anderen Kultur zum guten Ton gehören mag oder zumindest nicht als schlechte Tischmanieren auffällt: Rülpsen, schlurfen, schmatzen – das ist in Deutschland ein absolutes No go! Das gilt als ekelhaft, respektlos und unhöflich. Abgesehen von Ihrem höflich angeregten Gespräch mit Ihren Tischnachbarn läuft der Abend am Tisch weitgehend geräuschlos ab! Achten Sie beim Aufnehmen und Schneiden des Essens also auch darauf, dass Sie nicht auf dem Porzellan kratzen!

Der Ellenbogen darf auf keinen Fall auf den Tisch und die Gabel gehört in die linke, das Messer in die rechte Hand Foto: Rido / .com

6. Mit geschlossenem Mund kauen

Auch besonders wichtig: Zeigen Sie Ihren Gesprächspartnern nicht, was Sie im Mund haben. Gekaut wird immer mit geschlossenem Mund. Haben Sie sich gerade Essen in den Mund gesteckt und werden prompt etwas gefragt? Dann kauen Sie erst zu Ende, schlucken hinunter und antworten dann und erst dann. Führen Sie sich also lieber kleine Häppchen in den Mund, um ihn schnell frei zu bekommen und die Konversation nicht zu hindern.

7. Beide Unterarme – aber keine Ellenbogen – auf dem Tisch

Im angloamerikanischen Raum ist es Usus, die linke Hand in den Schoß zu legen, während mit der rechten gegessen wird. Nicht so in Deutschland: Während der Mahlzeit ruhen immer beide Unterarme auf der Tischkante. Ellenbogen jedoch haben auf dem Tisch gar nichts zu suchen! Auch wichtig: Zu Tisch sitzt man gerade und die Gabel führt man zum Munde und nicht den Mund zur Gabel.

8. Messer und Gabel richtig halten

Die Gabel gehört in die linke, das Messer in die rechte Hand und das Besteck wird nicht von Ihrer Faust umschlungen, sondern von Daumen- und Mittelfinger gehalten! Andernorts ist es üblich, das Essen, wie zum Beispiel Fleisch, vorweg in mundgerechte Stücke zu schneiden, das Messer beiseite zu legen und ausschließlich mit der Gabel das zerkleinerte Essen zu verzehren. In Deutschland schneiden Sie immer nur das Stück ab, das Sie anschließend direkt essen. Es pflegt sich, das Besteck fortwährend in den Händen zu halten.

Nach dem Essen legen Sie das Besteck auf „Zwanzig nach vier“, um zu signalisieren, dass Sie fertig sind mit essen Foto: Vankad / .com

9. Mit dem Besteck das Ende des Essens signalisieren

Nach dem Essen, legen Sie das Besteck parallel zueinander, diagonal und die Endstücke von Messer und Gabel gen Rand gerichtet auf den Teller, so dass das Besteck nach rechts unten zeigt: auf „Zwanzig nach vier“ liegt, wie man sagt – denn diese Uhrzeit zeigt die Anordnung des Bestecks quasi an. Sie signalisieren damit, dass Sie fertig sind mit dem Essen und dass der Teller abgeräumt werden darf (was generell natürlich im Restaurant von Bedeutung ist).

Auch in unserem Blog: Das war noch nicht genug Knigge für Sie? Wir haben mehr: Wer bezahlt die Restaurantrechnung, wer geht zuerst durch die Tür und wie spontan darf ein Besuch ausfallen? Benimmregeln haben in Deutschland Tradition. Adolf Freiherr Knigge, Verfasser des Standardwerks über gute Manieren, ist zwar schon seit knapp 250 Jahren tot, nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid ist 98 Prozent der Deutschen gutes Benehmen wichtig bis sehr wichtig. Ein paar „Dos and Don’ts“ haben wir hier zusammengestellt: Deutschland-Knigge – mit gutem Benehmen Unmut vermeiden.
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Beitragsbild: TORWAISTUDIO / .com

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