Kind wird gemobbt

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Was Eltern bei Mobbing nicht tun sollten

Die schwierige Lage, in der sich die Eltern gemobbter Kinder befinden, ist offensichtlich. Auf der einen Seite erleben einen ähnlichen Leidensdruck wie ihre Kinder selbst. Sie erfahren täglich, dass es ihren Kindern schlecht geht, dass sie Übergriffen und Anfeindungen ausgesetzt sind, die sie krank machen. Und dabei spüren sie, dass sie ihr Kind zusätzlich belasten, wenn sie die eigenen Sorgen zu offen zeigen. Auf der anderen Seite wissen sie auch, dass sie, als Schulfremde, ihren Kindern kaum direkt helfen können.

Ihre Möglichkeiten beschränken sich darauf, dass sie auf die anderen Beteiligten Einfluss nehmen. Und das wird durch den Umstand erschwert, dass die Eltern normaler Weise nicht anwesend sind, wenn die Übergriffe geschehen. Sie erfahren nur indirekt, meist durch die Aussagen des eigenen Kindes, welche Angriffe das Kind erdulden muss, wobei sie oft erleben, dass ihr Kind mit Schweigen und Verharmlosungen reagiert, denn viele Opfer schämen sich dafür, gemobbt zu werden, oder verheimlichen Schlimmes, um ihre Eltern zu schonen. Verzweiflung und Wut sind verständlich, aber sie helfen nicht, Selbstvorwürfe und Selbstzweifel noch weniger.

Das hilft ihrem Kind in der Regel nicht:

Dramatische Reaktionen: Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor: Ein elfjähriges erzählt ihrer Mutter von Einzelheiten des Mobbings, das sie täglich erduldet. Und dann beginnt ihre Mutter zu weinen. „Oh Gott, wie ist das schrecklich. Das muss die Hölle für dich sein. Und deine Klassenkameraden, das sind alles Verbrecher, in meinen Augen sind das alles Verbrecher!“ Die heftige Reaktion der Mutter zeigt der Elfjährigen erst, dass das Mobbing etwas besonders Furchtbares ist, ihr Weinen zeigt, dass die Mutter, bei der das Kind um Rat sucht, selbst ratlos ist, dass sogar die starke Mutter an der Situation verzweifelt. Damit verliert das Kind den Mut, erfolgreich gegen das Mobbing handeln zu können. – Gegen die Hölle kann man nicht kämpfen. Die sichtbare Trauer und Verzweiflung der geliebten Mutter richten in dem Kind Schlimmeres an. Es fühlt sich schuldig, der eigenen Mutter so etwas anzutun.

Besonders im Umgang mit der Schule wirkt sich einen dramatisierende Darstellung von Übergriffen schädlich aus. Wenn Lehrer den Eindruck gewinnen, dass eine Mutter hysterisch reagiert, sind sie allgemein weniger zugänglich.

Aufforderungen an Lehrer, andere Kinder zu strafen: Diese Haltung festigt sich, wenn ein Schulfremde Lehrende ultimativ auffordert, die eigenen Schüler zu strafen. Es ist zwar verständlich, dass Eltern diejenigen bestraft sehen wollen, unter denen ihrer Kinder leiden, aber die Forderung selbst, ausgesprochen gegenüber Lehrern, ist nicht klug. Denn zu Recht wehrt sich jeder Lehrer dagegen, dass ihm von außen Handlungen vorgeschrieben werden, selbst wenn die nicht gänzlich unvernünftig sind.

Fast alle Lehrer wissen auch , dass Strafen im Zusammenhang mit Mobbing notwendig sein können, aber dass dies keinesfalls immer der Fall sein muss, und eigentlich jeder Pädagoge müsste wissen, dass die Strafe allein kein Mittel ist, um Mobbing oder Fehlverhalten zu beenden.

Beschwerden bei den Eltern der Mobber: Häufig genug wehren diese die Beschuldigungen pauschal ab, denn auch sie lieben ihre Kinder, und vielfach empfinden sie einen Angriff auf als einen Angriff auf ihre Erziehung und letztlich als einen Angriff auf sich selbst. Doch angenommen, dass es gelingt, einen vernünftigen Ton zu treffen und dass das Gespräch den Erfolg hat, dass man verspricht, auf sein Kind so einzuwirken, dass es sich in Zukunft nicht mehr an Übergriffen beteiligt, ist der wirkliche Erfolg dieses Gespräches mehr als unsicher. Nicht selten passiert es nämlich, dass am nächsten Tag das gemobbte Kind hören muss: „Na du Petze, hast dich bei Mami ausgeweint? Alleine kannst du dir nicht helfen. Und hier kann dir auch Mami nicht helfen.“ Man kann sich lebhaft vorstellen, wie es dann weitergeht.

Direktes Einwirken auf die Mobber: Es ist auch nachvollziehbar, dass sich Eltern direkt gegen die stellen, die ihr Kind quälen. Davon ist dringlich abzuraten. Diese Eltern bringen Lehrer und die Eltern der Kinder, an die sie sich wenden, gegen sich auf, unter Umständen sogar die Polizei. Man kann ihnen leicht Nötigung vorwerfen.

Mitleid: Eltern, die ihr Kind leidend erleben, haben oft das Bestreben, eine Gegenwelt aufzubauen. Zu Hause hast du es gut, hier wirst du behütet, geschützt und bemitleidet. Zumindest das letztere ist mit Vorsicht anzugehen. Je heftiger Trost und Mitleid geschenkt werden, desto attraktiver wird die Leidensrolle. Ein Kind, dass ein besonders Maß an affektiver Zuneigung erfährt, wenn es leidet, wird darin bestärkt, sein Leid zu leben. Mitleid kann auch klein machen. „Ich bedauere dich so sehr.“ Diese und ähnliche Aussagen können dem Betreffenden auch signalisieren, dass man ihn für unfähig hält, sich zu wehren.

Übermäßiges Behüten und Beschützen: Jedes Behüten hat seine Grenzen. Immer können Eltern ihre Kinder nicht beschützen. Stattdessen sie vor allem Bösen zu bewahren wollen, was einfach nicht realistisch möglich ist, wäre es besser, ihnen Selbstvertrauen und Wege zu vermitteln, wie sie sich selbst beschützen können.

Wehr dich doch: Am Schluss dieser Aufstellung steht ein Verhalten, dass Kindern im besonderen Maße schadet und dass leider auch besonders häufig vorkommt: Die Eltern reagieren auf die Klagen über Mobbing mit der Aufforderung: „Du musst dich endlich mal wehren.“ Die Wirkung dieses Appells ist schlimm. Für das eigene Kind. Denn zunächst steckt in dieser Aufforderung die Unterstellung, dass sich das Kind nicht gewehrt hätte. – Andernfalls wäre sie ja vollkommen sinnlos. In der Tat haben sich alle Mobbingopfer, die mir bekannt sind, gegen die Übergriffe gewehrt. Leider nur erfolglos. Die Unterstellung, sich nicht gewehrt zu haben, wird von der Unterstellung getoppt, selbst Schuld am Mobbing zu sein. Denn einfaches Wehren, so die Nebenbotschaft dieser Aufforderung, hätte ja schon geholfen. Brutaler ausgedrückt sagen die Eltern, die ihr Kind auffordern sich zu wehren: „Du wirst nur gemobbt, weil du so ein Weichei bist.“ Diese Botschaft, geäußert von den eigenen Eltern, lässt Kinder an sich verzweifeln.

Der Appell: „Wehr dich doch!“, gibt nicht nur dem Opfer die Schuld an seinem Unglück, sondern er bleibt inhaltsfrei. Wie dieses Wehren aussehen soll, bleibt dem Opfer überlassen. In der Regel kann die Aufforderung gar nicht genauer werden, denn die Eltern wissen viel zu wenig über die Klasse und die Mobber und die Möglichkeiten ihres Kindes, um eine hilfreiche Strategie zu entwickeln.

Mein Kind wird gemobbt – Diese Anzeichen zeigen, dass dein Kind Hilfe braucht

Ob auf dem Schulhof, im Klassenzimmer oder im Netz – Kinder können zueinander sehr verletzend sein. Häufig picken sich die stärkeren, selbstbewussteren Kinder einen einzelnen Gleichaltrigen oder eine einzelne Gleichaltrige heraus, die sie systematisch und über einen längeren Zeitraum angreifen. Man spricht dann von Mobbing. Solche Mobbingangriffe reichen von verbalen Verletzung über ausgeklügelten Psychoterror bis hin zu roher Gewalt.

Aber egal in welchem Umfang ein Kind gemobbt wird, feststeht: Ausgegrenzt und gezielt verletzt zu werden, tut weh und kann einen enormen Einfluss auf die Psyche haben. Das Selbstwertgefühl sinkt und somit auch die Kraft und Lust, sich gegen die Mobber zu wehren. Eltern bekommen deshalb selten direkt mit, wenn ihr Kind gemobbt wird. Erfahren sie von dem psychischen Druck, unter dem ihr Kind steht, sind sowohl Mutter als auch Vater meist überfordert. Besonders wenn die Kinder schon älter sind, können sie sich nicht einfach das mobbende Kind oder seine Eltern vorknöpfen. Häufig erscheint die Situation aussichtslos. Der erste Schritt ist jedoch schon getan, wenn Eltern die Situation ihrer Kinder erkennen und verstehen.

Du weißt, dass dein Kind gemobbt wird oder vermutest es? Wir erklären dir, woran du erkennen kannst, dass dein Kind Probleme mit Mobbing hat und wie du damit umgehst.

Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass dein Kind gemobbt wird

Die meisten Kinder, die mit Mobbing zu kämpfen haben, trauen sich nicht darüber zu sprechen. Sie schämen sich für ihre Situation oder haben gar Angst die Mobber zu verpetzen. Als einzige wirkungsvolle Lösung erscheint ihnen deshalb, sich in sich selbst zurückzuziehen. So fallen sie nicht auf und geben den Mobbern keinen Anlass, sich über sie lustig zu machen, denken die Kinder. Obwohl sich diese also eindeutig in der Opferrolle befinden, haben sie mit Schuld- und Schamgefühlen zu kämpfen. Sie fühlen sich häufig sogar verantwortlich für das Mobbing, welches ihrer Meinung nach durch ihr Fehlverhalten oder ihre „komische Art“ veranlasst wird. Wohingegen die Mobber sich durch ihre Aktionen stärker, selbstbewusster und sicherer fühlen. Umso mehr sie ihr Opfer schwächen können, umso mehr beweisen sie ihre Stärke.

Zögere nicht, dass Gespräch mit deinem Kind zu suchen, wenn eines der Anzeichen zutrifft oder dir das Verhalten deines Kindes komisch vorkommt. Umso schneller das Mobbing von dir oder jemand anderen erkannt wird, umso schneller kann geholfen. Außerdem zieht sich dein Kind ja mit der Zeit immer mehr zurück und gibt immer mehr auf. Desto mehr es seine Rolle als Mobbingopfer akzeptiert, desto schwerer ist es einen Draht, zu ihm aufzubauen. Sätze wie „Das hat ja sowieso keinen Sinn“ oder „es liegt ja an mir“ zeigen, dass dein Kind sich seinem Schicksal ergeben hat.

Dein Kind zieht sich stark zurück

Auf jeden Fall solltest du deshalb aufmerksam werden, wenn dein Kind immer stiller und schüchterner wird. Anzeichen hierfür ist meist auch eine räumliche Abgrenzung. Dein Kind sitzt nur noch in seinem Zimmer? Meidet möglicherweise sogar den Kontakt zu der Familie? Dieses Verhalten deutet daraufhin, dass dein Kind sich schämt und möglicherweise Angst hat, jemand könne auf seine Situation aufmerksam werden. Selbstverständlich kann das „Abkapseln“ zudem als Schutzinstinkt verstanden werden: Selbst Zuhause versucht dein Kind, sich vor den Mobbern zu verstecken.

Im schlimmsten Fall kann dieser Rückzug ins Innere zu einer Depression führen oder Anzeichen dafür sein. Wirkt dein Kind niedergeschlagen und depressiv, hat es sich seiner Rolle als Mobbingopfer wahrscheinlich schon ergeben. Solltest du dein Kind in dieser Situation gar nicht mehr erreichen, empfiehlt es sich, professionelle Hilfe zu holen.

Dein Kind meidet Zusammentreffen mit Gleichaltrigen

Deine Alarmglocken sollten angehen, wenn dein Kind sich nicht mehr mit seinen Freunden treffen möchte. Fühlen sich Kinder als Mobbingopfer, beginnen sie sich systematisch zurückzuziehen. Dazu gehört nicht nur die Mobber zu meiden, sondern auch andere Gleichaltrige und im nächsten Schritt sogar jeglichen sozialem Kontakt aus dem Weg zu gehen.

Wenn dein Kind vor der Schule plötzlich über Bauchschmerzen klagt und partout nicht mehr zum Fußball gehen möchte, auch wenn es früher liebend gerne dort war, solltest du misstrauisch werden. Dieses Verhalten kann von dem einen auf den anderen Tag auftreten. Für die Eltern scheint es dann so, als habe das Kind auf einmal grundlos keine Lust mehr auf die Schule.

Deinem Kind fehlen Sachen

Das deutlichste Anzeichen ist natürlich, wenn du die physischen Schäden des Mobbings bemerkst. Deinem Kind fehlt der Schulrucksack oder die neue Jacke wurde zerrissen und es möchte nicht erklären warum? Das ist jetzt schon das dritte Mal, dass dein Kind mit kaputten Sachen nach Hause kommt? Dann ist das ein starkes Indiz dafür, dass dein Kind von anderen tyrannisiert wird.

Auch sich wiederholende körperliche Verletzungen, über deren Herkunft dein Kind nur herumdruckst, können ein Anzeichen sein. Vertraue dabei auf dein Bauchgefühl. Oft schämen sich Kinder so sehr, dass sie sich Ausreden überlegen und sehr überzeugend lügen. Wenn es dir komisch vorkommt, dass der Sportbeutel deiner zuverlässigen Tochter zum vierten Mal verloren gegangen ist, such das Gespräch zu ihr. Sei aufmerksam und hinterfrage ihr gesamtes Verhalten.

Die Gesundheit deines Kindes verschlechtert sich

Aus der Psychologie wissen wir, dass Psyche und physisches Befinden enger zusammenhängen als man manchmal denkt. Auch bei Mobbingopfern machen sich gesundheitliche Beschwerden bemerkbar. Das können „seelische“ Krankheiten, wie Kopf- oder Bauchschmerzen, aber auch zunehmende Appetitlosigkeit oder Schlafstörungen sein.

Die Leistungen deines Kindes sinken

Depressionen, ein mangelndes Selbstwertgefühl und innerlicher Rückzug – All diese Gefühle und Verhaltensweisen führen dazu, dass die Leistungen deines Kindes sinken. Besonders wenn die Schulnoten deines Kindes plötzlich deutlich schlechter werden – und das scheinbar ohne Grund – solltest du damit rechnen, dass dein Kind gemobbt wird.

Mein Kind wird gemobbt – Und jetzt?

Sollte sich dein Verdacht bestätigen, ist es Zeit zu handeln. Das heißt aber keinesfalls, den Täter oder dessen Eltern zur Rede zu stellen. Das würde die Situation deines Kindes nur noch verschlimmern.

Stärke dein Kind

Das Wichtigste ist, dass du dein Kind kräftigst. Mobber profitieren vor allem von der Unsicherheit und Wehrlosigkeit ihrer Opfer. Vermittle deinem Kind zuerst, dass es nicht alleine ist. Sprich mit ihm auf einer Ebene und zeige ihm, dass du es verstehst – ohne in Mitleid zu verfallen. Anschließend kannst du mit bestimmten Methoden sein Selbstbewusstsein stärken. Erkläre ihm, wie es sich verbal gegen die Mobbingangriffe wehren kann. Zeig ihm, wie viel Wirkung eine selbstbewusste Körperhaltung und eine starke Stimme auf das eigene Verhalten und Gefühl haben. Wichtig ist, dass du ihm niemals das Gefühl gibst, es wäre selbst Schuld an dem Mobbing.

Nimm Kontakt zur zugehörigen Institution auf

Mobbing findet meist an Schulen statt. Jeder dritte Schüler und jede dritte Schülerin in Deutschland wurde schon einmal in der Schule gemobbt. Die Schule dient in solchen Fällen als Ansprechpartner. Wenn dein Kind in der Klasse gemobbt wird, wende dich an den Lehrer oder Lehrerin. Geschulte Vertrauenslehrer oder Schulpsychologen stehen extra für solche Fälle zur Verfügung. Sollte das nichts bezwecken, scheue dich nicht, höhere Institutionen, wie das Schulamt oder die Schulleitung einzuschalten.

Natürlich sollte dies alles im Vertrauen mit dem Lehrer oder der Lehrerin oder bei öffentlicher Aufmerksamkeit nur mit Einverständnis deines Kindes geschehen.

Suche eine psychologische Beratung auf

Sollte die Mobbingsituation die Psyche deines Kindes stark verletzt haben, empfiehlt es sich, professionelle Hilfe zu holen. Das kann ein Kinderarzt, ein Psychologe oder ein Jugendarbeiter sein. Natürlich kannst du dein Kind nicht zwingen, zu einer Beratungsstelle zu gehen. Eine Therapie oder Behandlung gegen den Willen deines Kindes würde keine Wirkung erzielen.

Wenn sich dein Kind weigert, Hilfe anzunehmen, kannst du dich alleine an eine Beratungsstelle wenden. Dort kannst du anonym die Situation deines Kindes schildern und dir Tipps für den Umgang mit ihm holen. Außerdem nimmt ein Mobbingfall dich als Elternteil meist auch sehr mit.

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Über Susanne Baumann

Die agile Mama von zwei Kindern ist unser neustes Teammitglied und haut ordentlich in die Tasten. Sie liebt es, draußen aktiv zu sein und Zeit in ihrem Garten zu verbringen oder mit ihren Söhnen Tim (13) und Elias (11) Tennis spielen zu gehen.

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Mobbing unter Kindern und Jugendlichen

Hinweise für Eltern, deren Kinder Unbeteiligte sind

Im Mobbinggeschehen sind die Zuschauer/-innen die größte Gruppe. Innerhalb dieser Gruppe nehmen die Schüler/-innen unterschiedliche Rollen ein: Es gibt passive Zuschauer/-innen, die sich aus allem heraushalten. Dann gibt es einzelne Schüler/-innen, die sich zeitweilig auf die Seite des Täters/der Täterin stellen und die Schikanen mittragen oder den Täter/ die Täterin in ihrem Tun bestärken. Andere Schüler/-innen kommen dem Opfer zur Hilfe und machen dem Täter/der Täterin deutlich, dass sie das Verhalten ablehnen bzw. die Lehrkraft darüber informieren werden. Je größer diese Gruppe ist, desto weniger Möglichkeiten hat der Täter/die Täterin, die Aktionen weiterzuführen.

Es ist wichtig, dass Eltern Ihr Kind ermutigen, als Beobachter/-in von Mobbingvorfällen aktiv einzuschreiten.

Bitten Sie Ihr Kind, von Vorfällen zu berichten, wo Mitschüler/-innen schikaniert wurden. Bestärken Sie Ihr Kind, Mobbing-Opfer zu unterstützen. Ermutigen Sie es, in Akutsituationen sofort Lehrer/-innen dazuzuholen. Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass dies kein Petzen ist!

Cybermobbing – Was kann ich dagegen tun?

Von Cybermobbing spricht man, wenn ohne Einwilligung der Betroffenen mit Hilfe von Text-, Bild- oder Videoveröffentlichungen im Internet, mittels E-Mails oder SMS Schüler/-innen vorsätzlich verleumdet, bedroht oder belästigt werden (z. B. durch bloßstellende Bilder bei YouTube oder gefälschte Forenbeiträge bei Facebook und Co.).
Im Gegensatz zum klassischen Mobbing können die Täter/-innen beim Cybermobbing anonym in Erscheinung treten. Trotzdem stellt deren Handeln oft schon einen Straftatbestand dar.

Maßnahmen gegen Cybermobbing

Als Eltern können Sie Folgendes unternehmen:

  • Kümmern Sie sich verstärkt um die Onlineaktivitäten Ihres Kindes.
  • Besprechen mit Ihrem Kind, wie es das Risiko verringern kann, Cybermobbing-Opfer zu werden, z. B. durch den Schutz der Privatsphäre im Netz.
  • Wichtig ist es, Material als Beweis zu sammeln, wenn man gegen den Täter/die Täterin vorgehen will.
  • Sollte das Kind bereits Opfer geworden sein, müssen Sie es zwingend unterstützen, da es allein in der Regel nicht dagegen vorgehen kann.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind ab, wie man am besten mit Angriffen umgeht und welche Strategien sinnvoll sind, um sich dagegen zu wehren.
  • Wenn das Kind direkt belästigt wird, sollte es auf die Angriffe nicht reagieren, da es den Täter oder die Täterin dadurch zum Weitermachen ermutigt.
  • Die effektivste Strategie ist, das Material herunterzuladen und es den Eltern der Angreifer/-innen zu schicken, sofern diese bekannt sind.
  • Zusätzlich können Sie Lehrkräfte oder Schulleitung kontaktieren. Regen Sie ggf. an, dass das Thema „Umgang miteinander via Internet oder Handy“ im Unterricht thematisiert wird.
  • Informieren Sie den Serviceprovider oder Forenbetreiber, damit die entsprechenden Einträge gelöscht werden. Sie haben einen Unterlassungsanspruch.

Weitere Informationen zum Thema Cybermobbing finden Sie im Internet unter www.klicksafe.de.

Besondere Hinweise zu Schulordnungsmaßnahmen

Wenn sich Mobbingstrukturen in einer Klasse verfestigt haben, liegt oft die Überlegung nahe, das Opfer in die Parallelklasse oder sogar an eine andere Schule zu versetzen. Meist geht dabei die Initiative von den Eltern des Opfers aus, die sich eine kurzfristige Entschärfung der Situation für ihr Kind erhoffen. Ob diese Entscheidung richtig ist, lässt sich nicht generell beantworten. Aus pädagogischer Sicht gilt es, die möglichen Auswirkungen auf die am Mobbingprozess beteiligten Personen zu berücksichtigen:

  • Täter/-in: Wir haben erfolgreich das Opfer aus der Klasse gemobbt.
  • Opfer: Bleibe ich, werde ich weitergemobbt. Eine Garantie, dass es mir in der anderen Klasse besser geht, gibt es nicht. Ich weiß immer noch nicht, wie ich mich wehren kann.
  • Zuschauer/-innen: Jetzt müssen wir uns damit nicht mehr auseinandersetzen. Ich muss aufpassen, dass ich nicht selbst Opfer werde, sonst muss ich auch die Klasse verlassen.
  • Lehrkräfte: Jetzt ist Ruhe, das Hauptproblem ist erst einmal gelöst.

Aufwändiger, aber für die Lernerfahrung sinnvoller sind der Ausschluss des Täters bzw. der Täterin aus der Klasse und eine Aufarbeitung mit den verbleibenden Mitschülern/-innen, um weiteres Mobbing mit anderen Opfern zu verhindern. Die Verbesserung der Klassengemeinschaft und die (Re-)Integration des gemobbten Schülers/der gemobbten Schülerin in die Klasse sollte das eigentliche Ziel pädagogischen Bemühens sein.

Weiterführende Informationen

  • Gebauer, Karl: Mobbing in der Schule. Düsseldorf/Zürich 2005.
  • Holighaus, Kristin: Zoff in der Schule. Tipps gegen Mobbing und Gewalt. Weinheim 2004.
  • Jannan, Mustafa: Das Anti-Mobbing-Elternheft: Schüler als Mobbing-Opfer – Was Ihrem Kind wirklich hilft. 2. Auflage, Weinheim 2010
  • Kasper, Horst: Prügel, Mobbing, Pöbeleien. Kinder gegen Gewalt in der Schule stärken.
  • Berlin 2003.
  • Kohn, Martin: Tatort Schule. Was tun bei Mobbing, Erpressung, Körperverletzung, Beleidigung oder sexuellen Angriffen? Hannover 2012.
  • Rank, Sabine/Lamla, Birgit/Mengele, Karin: Mobbing in der Schule vorbeugen, erkennen und beenden. Freiburg im Br. 2013.
  • Schäfer, Mechthild/Herpel, Gabriela: Du Opfer! Wenn Kinder fertigmachen. Reinbek 2012.
  • Schallenberg, Frank: Ernstfall Kindermobbing: Das können Eltern und Schule tun. München 2004.

Hilfreiche Internetseiten

Professionelle Hilfe zu Mobbing am Arbeitsplatz, durch fachlich geschulte Ansprechpartner/-innen und Experten/-innen.
Außerdem erreichbar unter der Telefonnummer 0211 837-1911.

Basis-Informationen, Verhaltenstipps, Forum

Informationen für Kinder und Jugendliche

Opfer erhalten hier psychologische und pädagogische Hilfen.

Hilfen für Mobbingopfer, Beratung für Eltern und Lehrkräfte

Material für Lehrkräfte

Aktion Kinder- und Jugendschutz Landesarbeitsstelle Schleswig-Holstein e. V./Kreis Stormarn, Fachdienst Familie und Schule Kinder und Jugendschutz (Hrsg.):„Sonst bist du dran!”
Anleitung und Materialien zum Umgang mit Mobbing in der Schule. Bad Oldesloe/Kiel 2005.

Aktion Kinder- und Jugendschutz Landesarbeitsstelle Schleswig-Holstein e. V./Kreis Stormarn,
Fachdienst Familie und Schule Kinder und Jugendschutz (Hrsg.): „Sonst bist du dran!”
Intervention. Interaktive Selbstlern-DVD für PC und Mac. Bad Oldesloe/Kiel 2006.

Arbeitshilfe und Selbstlern-DVD
im Paket: 20,- € plus Versand.
Bezugsadresse:
Aktion Kinder- und Jugendschutz,
Landesarbeitsstelle Schleswig-Holstein e.V.
Holtenauer Straße 238, 24106 Kiel
Telefon: 0431 2606878
E-Mail

Beratungsangebote online

Unter dem Link www.schulpsychologie.de >> Info Schulpsychologie
>> Adressensuche findet man Schulpsychologische Beratungsstellen in allen Bundesländern und nach Orten aufgelistet.
Frank Schallenberg vom Jugendinformationszentrum München berät seit Jahren Mobbingopfer. Internet,Telefon: 089 514106-60.
Auch die Caritas hilft und berät online: www.beratung-caritas.de >>Kinder und Jugendliche >>zur online Beratung.
Unter dem Link www.schueler-gegen-mobbing.de finden Schüler und Eltern Beratung und Hilfe.
Werner Ebner, Pädagoge und Mobbingberater, berät und informiert unter www.mobbingberatung.info unterschiedliche Zielgruppen. Hier finden Sie im Downloadbereich unterschiedliche Informationen, Ratgeber und einen Mobbingselbsttest.
Unter dem Link www.dajeb.de >>Beratungsführer online>> bietet die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V. das Finden von Beratungsstellen in Ihrer Nähe durch die Eingabe der Postleitzahl.
Außerdem bieten Träger der Kinder- und Jugendhilfe häufig Kurse und Workshops zum Thema Mobbing an. Erkundigen Sie sich bei den Jugendverbänden vor Ort.

Der Abdruck dieser Ausgabe von Elternwissen erfolgt mit freundlicher Genehmigung von:
Aktion Kinder- und Jugendschutz, Landesarbeitsstelle für Prävention Schleswig-Holstein e.V., Kreis Stormarn, Fachdienst Familie und Schule, Kinder- und Jugendschutz

Verfasserinnen

Christa Limmer, Leiterin der Dienststelle Prävention von Gewalt und Mobbing, Autoaggression und Suizid sowie Prävention von Rechtsextremismus bei der Aktion Kinder- und Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Schleswig- Holstein e.V.
Petra Linzbach, tätig als Kinderschutzbeauftragte im Kreis Stormarn im Fachdienst Familie und Schule, Kinder- und Jugendschutz.

Redaktion: Roxana Brink, pädagogische Referentin der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz NW e.V., Münster.

Was kann ich tun, wenn mein Kind gemobbt wird?

31,2 Prozent der deutschen Schüler wurden schon mindestens einmal „schikaniert oder fertiggemacht“. Das ergab eine Studie des Zentrums für Angewandte Gesundheitswissenschaften der Universität Lüneburg. Dass es Konflikte in Schulen wohl immer geben wird, ist bekannt. Doch Mobbing geht viel weiter: Beleidigungen werden zum Dauerzustand, Auseinandersetzungen werden nicht angemessen gelöst. Für betroffene Schüler gleicht der Gang in die Schule dann schnell einem Alptraum.

Wird mein Kind gemobbt? Alarmsignale richtig deuten

Um zu erkennen, ob Ihr Kind gemobbt wird, sollten Sie auf folgende Alarmsignale achten (diese treffen nicht bei allen gleich stark zu, sondern kommen in verschiedenen Ausprägungen vor):

Kinder, die gemobbt werden,

  • ziehen sich oft zurück, wirken ängstlich und niedergeschlagen.
  • klagen über gesundheitliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit.
  • wirken besonders nach der Schule nervös und angespannt.
  • wollen nicht mehr allein in die Schule gehen, sondern von ihren Eltern gebracht werden.
  • wollen häufig gar nicht mehr zur Schule gehen. Schulische Leistungen fallen rapide ab.
  • erfinden Ausreden bei körperlichen Verletzungen, dem Verlust oder der Beschädigung von Gegenständen.
  • meiden Klassenkameraden und bleiben am Nachmittag lieber allein zu Hause.

Tipps für Eltern: Was kann ich tun, wenn mein Kind gemobbt wird?

Falls Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind gemobbt wird, sollten Sie schnell handeln. Ihr erster Ansprechpartner ist Ihr Kind selbst. Der Sozialpädagoge und Experte zum Thema „Mobbing unter Kindern und Jugendlichen“ Frank Schallenberg rät dazu, Kinder zum Reden zu ermutigen, aber nicht zu drängen. Ist das Thema einmal auf dem Tisch, sollten Eltern warten, bis das Kind auf sie zukommt.

In einem zweiten Schritt müssen Eltern Kontakt zur Schule aufnehmen. Sprechen Sie mit dem Klassen- oder Vertrauenslehrer oder wenden Sie sich an die Schulleitung (Hier finden Sie Tipps fürs Lehrergespräch). Oftmals ist das Mobbing Teil einer Klassendynamik, die am besten von der Schule selbst gelöst werden kann. Finden Sie an der Schule Ihres Kindes kein Gehör, sollten Sie nicht zögern, sich ans zuständige Schulamt oder den Schulpsychologischen Dienst zu wenden. Informationen und Beratungsangebote finden Sie auch bei der Kinder- und Jugendhilfe unter http://www.kinder-jugendhilfe.info/

Halten Sie auch weiterhin Kontakt zur Schule: Besuchen Sie Elternsprechtage und Elternabende, um über die Vorgänge an der Schule Ihres Kindes informiert zu sein. So zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie Bescheid wissen, und es fühlt sich nicht allein gelassen.

Sie sollten sich allerdings besser nicht direkt an den oder die Mobber wenden, da Sie damit die Position Ihres Kindes schwächen.

Geben Sie Rückendeckung!

So wichtig es ist, sich Hilfe von außen zu holen und gegen das Mobbing anzugehen, so wichtig ist es auch, dass Sie Ihr Kind aufbauen und sein Selbstbewusstsein stärken:

  • Vermitteln Sie Ihrem Nachwuchs, dass Sie immer da sind.
  • Nehmen Sie sich Zeit zum Zuhören und zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es ernst nehmen.
  • Machen Sie deutlich, dass die Schuld keinesfalls bei ihm selbst zu suchen ist, sondern der Täter einen Fehler macht.
  • Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes durch gutes Zureden, sportliche Aktivitäten oder andere Hobbies. Mit jedem Erfolg, den Ihr Kind verzeichnet, steigt das Selbstwertgefühl.

Was Eltern gegen Mobbing in der Schule tun können

Seien Sie ein guter Zuhörer, wenn Ihr Kind in der Schule gemobbt wird! Foto: iStockphoto – Thinkstock

Sicher, Kinder und Jugendliche müssen frühzeitig lernen, Konflikte und Probleme selber zu regeln. „Das bedeutet aber nicht, dass man sich nicht einmischen soll“, betont die Fachhochschule Nordwestschweiz in ihrem „Merkblatt zum Thema Mobbing und Ausgrenzung unter Schülerinnen und Schülern“. „Mobbing vergeht nicht von alleine, schon gar nicht bei Kindern und Jugendlichen.“ Der Grund: Mobbingopfer sind immer unterlegen. Je mehr Menschen weg sehen, umso mehr kommt Mobbing in Schwung.

Mobbing entsteht aus einer Konfliktsituation, die sich weiter entwickelt und an Eigendynamik gewinnt. Durch die Herabsetzung des Opfers fühlen sich die Täter stark und mutig. Ein Kind, das einmal gemobbt wird, kann tun, was es will – es kommt aus der verfahrenen Situation kaum heraus. Sucht es Hilfe, wird es als Petze verschrien. Läuft es weg, ist es ein Feigling. Und wer der Aggression mit Freundlichkeit begegnen will, gilt als Schleimer.

Sie haben Angst, das eigene Kind könne ein Mobbing-Opfer sein? In diesem Fall ist es sinnvoll, das Kind in einem ruhigen Moment mit grossem Fingerspitzengefühl darauf anzusprechen. Oft ist es schwierig, ins Gespräch zu kommen. Wer gemobbt wird, ist voller Ärger, Wut und Scham. Am meisten erfahren Eltern, die gute Zuhörer sind.

Auf keinen Fall sollten Eltern die Schuld beim Kind suchen und dem Kind Vorwürfe machen. Es gibt eine weit verbreitete Vorstellung davon, dass Mobbing-Opfer an ihrem Schicksal selber Schuld hätten. Das stimmt aber nicht. Viele Kinder und Jugendliche werden zu Mobbing-Opfern, weil die Peiniger sie zufällig oder aus einem vorgeschobenen Grund ausgesucht haben.

Mobbing in der Schule: Was nicht hilfreich ist

  • Mit den Eltern der Täter reden. Die meisten Eltern schützen ihr Kind und billigen so sein aggressives Verhalten.
  • Mit den Tätern reden. Eltern, die ein Gespräch suchen, signalisieren den Mobbenden, dass sich ihr Kind nicht wehren kann. Sie schwächen damit die Position ihres Kindes.
  • Das Kind zum ersten Lehrergespräch mitnehmen. Abhängig von der Einstellung des Lehrers könnte die Begegnung für das Kind belastend sein und seine Schuldgefühle weiter stärken.

(Quelle: Infoblatt für Eltern „Gemeinsam gegen Mobbing in der Schule“ der Berner Gesundheit.)

Unumgänglich ist ein Gespräch mit dem Klassenlehrer. Das Gespräch sollte allerdings gut vorbereitet werden. Was genau wünschen sich die Eltern vom Lehrer? Wie soll die Schule vorgehen? Was soll das Gespräch erreichen? Ist der Termin für das Gespräch gekommen, gilt es, gemeinsam mit dem Lehrer eine konkrete Strategie zu erarbeiten, wie dem Kind geholfen werden kann. Toll, wenn Eltern sich bemühen, möglichst sachlich zu bleiben! Schuldzuweisungen nutzen nichts, vergiften die Atmosphäre und verhindern ein konstruktives Ergebnis.

In den nächsten Tagen und Wochen bleibt abzuwarten, ob die Strategie den gewünschten Erfolg bringt. Ist das nicht der Fall, steht ein weiteres Gespräch mit dem Lehrer an. Sinnvoll kann es sein, den Vertrauenslehrer oder die Schulleitung hinzu zu ziehen. Auch die Elternvertreter, Beratungslehrer und Schulpsychologen sind geeignete Anlaufstellen. Gute Erfahrungen haben Lehrer mit dem „No Blame Approach“ gemacht, einem neuen Ansatz, der von einer lösungsorientierten Vorgehensweise geprägt ist. Auf Schuldzuweisungen und Bestrafungen wird verzichtet. Vielmehr vertraut der Ansatz auf die Ressourcen und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen, wirksame Lösungen herbeizuführen.

Weiterführende Links zum Thema Mobbing in der Schule

  • Merkblatt zum Thema Mobbing und Ausgrenzung unter Schülerinnen und Schülern:
  • Gemeinsam gegen Mobbing. Infoblätter für Lehrer und Eltern: www.bernergesundheit.ch
  • Die Universität Bern informiert über Mobbing-Prävention:
  • No Blame Approach:

Autor: Sigrid Schulze

Mobbing ist an Schulen in Deutschland ein Problem. Meist schweigen die Betroffenen.

Erfahrungen dieser Art machen viel zu viele Schüler, egal an welcher Schule! Laut PISA-Studie erträgt hierzulande fast jeder sechste 15-Jährige körperliche oder seelische Misshandlung durch Mitschüler. Fast jeder zehnte 15-Jährige kennt es, Spott-Attacken und Lästereien ausgesetzt zu sein.

► Im Klassenzimmer, auf dem Schulhof und in sozialen Netzwerken: Wie können Eltern helfen, wenn ihr Kind zum Opfer von Mobbing wird? Was können sie beispielsweise konkret sagen?

Mobbing-Coach Carsten Stahl spricht jeden Tag mit Mobbing-Opfern, seit 2014 ist er aktiv an Schulen in ganz Deutschland unterwegs.

Im Frühjahr 2018 erscheint sein Ratgeber „Du Täter, du Opfer: Stark gegen Mobbing und Gewalt“ und es startet sein neues TV-Format „Stahlhart gegen Mobbing“ (RTL II): „Ich rate Eltern, sich mit ihrem Kind hinzusetzen und ihm von eigenen Erfahrungen zu erzählen. In den meisten Fällen trauen sich die Kinder dann, von ihren Erlebnissen zu sprechen“, sagt Stahl.

Aktuell

  • Tränen-Video Halb Hollywood steht ​Mobbing-Opfer Keaton bei

    Schüler Keaton Jones ruft in diesem berührenden Video zum Kampf gegen Mobbing auf. Hollywoods A-Listers sprechen ihm öffentlich Mut zu.

► Wichtig: Tipps wie „Provoziere sie nicht! Beachte nicht, was sie sagen!“ helfen nicht. Sie bewirken das Gegenteil, denn nichts fördert Mobbing mehr als passives Verhalten! Nur wenn die Täter spüren, dass Erwachsene sich einschalten und es Grenzen gibt, kann das Problem gelöst werden. Mobbing muss da bekämpft werden, wo es geschieht.

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Stahl: „Reden Sie unbedingt mit Lehrern und Rektoren. Wenn die Schule nicht auf das Problem reagiert, schließen sie sich mit anderen Eltern zusammen.“

Mobbing, was nun?

► Erklären Sie Ihrem Kind als Erstes, dass an ihm nichts falsch oder schlecht ist. Es ist nicht das einzige Opfer.

► Raten Sie Ihrem Kind, einem Erwachsenen in der Schule – zum Beispiel seinem Lieblingslehrer – davon zu erzählen. Kontaktieren Sie den Klassenlehrer.

► Klären Sie gemeinsam, an welchen Plätzen die Angriffe passieren und wie Ihr Kind diese Orte meiden kann. Wenn ein Ausweichen nicht möglich ist, dann raten Sie Ihrem Kind, sich zu vergewissern, dass sich dort vertraute Personen aufhalten.

► Raten Sie Ihrem Kind, nicht zu versuchen, sich durch Süßigkeiten oder Geschenke von den Attacken „freizukaufen“. Erfüllen Sie keine Forderungen Ihres Kindes nach zusätzlichem (Taschen)Geld.

► Arbeiten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und einem zuständigen Lehrer einen Plan aus. Sollten die Angriffe wieder auftreten, dann sollte der Plan befolgt und ein Erwachsener informiert werden.

Quelle: schulberatung.bayern.de

Drei Superkraftsätze

1. „Niemand hat das Recht, dir etwas zu tun!“

★ Das bedeutet: Du musst wissen, dass es nicht okay ist, wenn dir jemand Schaden zufügt. Angriffe sind ein No-go. Du musst dich nicht damit abfinden, vonseiten deiner Mitschüler, Lehrer oder sonstwem geschlagen, misshandelt, gehänselt oder erniedrigt zu werden. Niemand darf dich vorsätzlich angreifen.

2. „Nur du allein bestimmst über dein Leben!“

★ Das bedeutet: Jeder muss deinen freien Willen respektieren. Niemand hat das Recht, dich darin zu verletzen. Oder entgegen dem, was du möchtest (oder nicht möchtest), zu handeln. Deine Entscheidungen liegen bei dir selbst. Du bestimmst deinen Selbstwert und dein Selbstbewusstsein! Nicht deine aggressiven Mitschüler, Lehrer oder sonstwer, die an ihrer eigenen Minderwertigkeit leiden und das dadurch kompensieren, dass sie andere mobben.

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3. „Egal was passiert, egal was ist: Ich bin immer für dich da!“

★ Das bedeutet: Du musst dich für nichts, was dir passiert, schämen. Ich bin dein Sicherheitsnetz. Ich fange dich auf. Ich helfe dir. Wir schaffen das gemeinsam. Du bist nie allein. Du kannst mir voll und ganz vertrauen.
► Wichtig: Eltern sollten offen und ehrlich mit ihren Kindern sprechen. Ihnen zeigen, dass sie immer ansprechbar und bereit sind zuzuhören. Es hilft auch, aus der eigenen Kindheit zu erzählen, davon, was einem selbst zu schaffen gemacht hat. Das vertieft Bindung und Vertrauen.

SOS: Anzeichen und erste Hilfe

► Kummer, Traurigkeit, Lustlosigkeit: Das Kind zeigt plötzlich Unwillen, in die Schule zu gehen.

► vermehrtes Auftreten von Kopf- oder Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit

► fehlende Schulmaterialien in starkem Ausmaß

► Frage nach mehr Taschengeld

► Beschädigungen an Kleidern oder gar körperliche Verletzungen

► Zeigen Sie aktiv Interesse am Leben Ihres Kindes und seinem Bekanntenkreis. Sprechen Sie über Freundschaften, wie es seine Freizeit verbringt und was auf dem Schulweg so alles passiert

► Wenn Ihr Kind Opfer von Mobbing oder Gewalt ist, dann benachrichtigen Sie sofort die Schule und bitten Sie um einen Termin mit dem Lehrer, der sich den Probleme Ihres Kindes annehmen sollte

► Machen Sie sich Aufzeichnungen, falls die Angriffe gegen Ihr Kind fortgesetzt werden. Es wird helfen, Fragen zu klären: WAS GENAU, WIE, WO und WANN geschehen ist und WER daran beteiligt war

► Überlegen Sie mit dem zuständigen Lehrer Maßnahmen, die Ihrem Kind helfen und die geeignet sind, es innerhalb und außerhalb der Schule zu unterstützen

► Setzen Sie sich mit dem Elternvertreter in Verbindung, wenn Sie keine Hilfe vom Lehrkörper erhalten

► Informieren Sie eine übergeordnete Stelle (Schulamt oder Schulrat, schulpsychologischen Dienst, Beratungslehrer), wenn Sie auch von der Elternvertretung nicht unterstützt werden

► Wenn das Problem auch außerhalb der Schule auftritt, sollten Sie einen Anwalt hinzuziehen. Bitten Sie ihn, einen Brief an die Eltern des Täters zu senden, in dem er die möglichen rechtlichen Konsequenzen bei einer Wiederholung der Angriffe darstellt

► Ermutigen Sie Ihr Kind, nicht zurückzuschlagen. Dies würde die Schwierigkeiten nur noch schlimmer machen. Dieses Verhalten könnte auch im Widerspruch zum Wesen Ihres Kindes stehen. Ermuntern Sie Ihr Kind stattdessen, neue Freundschaften zu schließen. Ein Kind, das Freunde hat, wird seltener attackiert

► Seien Sie ausdauernd und bestehen sie darauf, dass etwas geschieht

Quelle: schulberatung.bayern.de

Es darf gar nicht erst zu Mobbing kommen – das will der Mobbing-Coach mit seinem Programm „Camp Stahl“ an Schulen erreichen. Er fordert von Politik und Zuständigen mehr Geld für Prävention und und von Schulleitern, dass sie sich dem Problem stellen. Stahl: „Viel zu oft wird Mobbing einfach ignoriert. Wenn man Opfern nicht hilft, radikalisieren sie sich, werden kriminell, bringen sich selbst um oder gehen mit einer Waffe in die Schule – so weit darf es nicht kommen!“

Am Ende eines Kurses fragt Stahl die Schüler gern, ob sie selbst ein Zeichen gegen Mobbing setzen wollen. Dann können sie auf einem Plakat unterschreiben, das in ihrer Schule aufgehängt wird. Wenn alle Schüler unterschreiben, war es ein erfolgreicher Tag im Kampf gegen Mobbing.

Ihr Kind wir auch gemobbt? Hier können Sie sich kostenlos hinwenden:

Mobbing in der Schule: Diese Strategien können helfen

Wenn euer Kind immer stiller wird und ihr herausfindet, dass es in der Schule gemobbt wird, ist das ein großer Schock. Bei Mobbing in der Schule möchte man sich die Mobber am liebsten selbst greifen, aber dies macht es meistens nur noch schlimmer. Was können Eltern tun?

Mobbing in der Schule: Anzeichen

Aber erst einmal solltet ihr wissen, dass euer Kind gemobbt wird, denn oft erzählt es aus Scham gar nicht, wie die anderen Kinder es drangsalieren. Ihr solltet aufmerksam sein, wenn solche Kennzeichen sich häufen:

  • Das Kind zieht sich zurück, erzählt nicht viel, trifft wenig Freunde
  • Leidet häufig an Kopfschmerzen und Bauchschmerzen
  • Geht ungern zur Schule
  • Schulische Leistungen verschlechtern sich

In diesem Fall sprecht es behutsam darauf an, was der Grund sein könnte. Ihr könnt auch von möglichen eigenen Erfahrungen mit Mobbing sprechen. Vermittelt das Gefühl, dass dies passieren kann, aber dass euer Kind nicht allein in dieser Situation ist.

Eltern: Reaktion auf das Mobbing

Wenn euer Kind euch erzählt hat, wie es schikaniert wurde, hört ruhig zu und unterbrecht es nicht. Wiederholt ruhig noch einmal das, was er oder sie gesagt hat und fragt noch einmal nach „Und was hat er dann gemacht?“. Damit signalisiert ihr, dass ihr zuhört und das ist das Wichtigste. Bleibt ruhig. Es fällt schwer, wenn ihr hört, wie euer Schatz drangsaliert wurde, aber wenn ihr ruhig bleibt, seid ihr ein gutes Vorbild. Macht aber auch klar, dass es völlig in Ordnung ist, sich über das Verhalten der anderen zu ärgern oder traurig zu sein. Das Allerwichtigste ist, dass euer Nachwuchs weiß, dass dieses Mobbing in der Schule nicht seine Schuld ist.

Macht deutlich, dass ihr das Problem seht und dass ihr es toll findet, dass euer Kind sich euch anvertraut hat. Und dann sucht ihr gemeinsam nach einer Lösung. Sucht nach Erklärungen, warum XY einen Kieker auf eure Tochter oder Sohn hat. Wenn euer Kind verstanden hat, aus welchen Gründen die Schulkameraden es mobben, dann begreift es besser, dass es nicht sein Fehler ist. Mobber kopieren womöglich das Verhalten von Geschwistern oder Eltern und wissen es nicht besser. Oder sie haben ein Problem und wollen sich besser fühlen, indem sie andere kleiner machen.

Informiert die Lehrer

Nachdem ihr nun wisst, was vorgefallen ist, kontaktiert die zuständigen Klassenlehrer. Nicht die Eltern des Mobbers und knöpft euch auch nicht den Mobber selbst vor. Eltern wollen oft nicht sehen, dass ihr Kind negative Eigenschaften hat und blocken ab. Außerdem wird die Position eures Kindes noch weiter geschwächt, wenn die anderen sehen, dass es seine Eltern vorgeschickt hat. Aber die Lehrer sollten es auf jeden Fall wissen, holt euch einen Termin, sprecht ruhig mit ihnen. In einigen Fällen ist es den Lehrern gar nicht bewusst, was passiert ist, deshalb ist es wichtig, dass sie reagieren. Sie können Maßnahmen ergreifen, um das Klassengefüge besser zusammenzuhalten. Macht mit ihnen einen Plan aus, wann ihr euch das nächste Mal trefft. Sie müssen eine Chance bekommen zu reagieren.

Sollte sich die Situation nach Monaten immer noch nicht verbessert haben, kontaktiert die Schulleitung. In all der Zeit sammelt Beweise von dem Mobbing in der Schule – haben die Mobber die Schulsachen kaputt gemacht, dokumentiert dies mit Fotos. Macht Screenshots von Social-Media-Posts, wenn euer Kind darüber gemobbt wird. Eskaliert – nach dem Lehrer sprecht mit der Direktion und danach mit der Schulbehörde. Besitzt die Schule einen Psychologen, schaltet ihn oder sie ein. Wenn es sich um Gewalt handelt, könnt ihr auch als eine der letzten Maßnahmen die Polizei einschalten.

So reagiert ihr richtig

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Wie soll das Kind auf Mobbing reagieren?

Für das Kind ist es natürlich immer noch das Schlimmste und ihr müsst zusammen einen Weg finden, wie es auf das Mobbing reagiert. Da gibt es verschiedene Methoden:

Ignorieren: Wenn die Mobber aber weitermachen, kann es gut sein, sich physisch aus der Situation zu befreien und sich zu entfernen.

Ansprechen: Den Mobbern ganz ruhig sagen, dass sie aufhören sollen und dieses Ärgern nicht wirkt.

Ausweichen: Es ist nicht feige, sondern eine praktische Maßnahme – den Ort umgehen, an dem man gemobbt werdet. Wenn es nicht möglich ist, sollten die Kinder schauen, dass andere Personen in der Nähe sind, die eingreifen können.

Haltet zusammen: Das ist sowieso die beste Strategie, denn Mobber suchen sich normalerweise nur Menschen aus, die allein sind. Sind Bekannte und Freude drumherum, ist man nicht so ein gutes Angriffsziel.

Strategien

Kind mobbt: Was kann ich tun?

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Baut das Selbstbewusstsein auf

Mobbing macht klein. Deshalb versucht alles, damit das Selbstbewusstsein eures Kindes einen Schub bekommt. Wenn es in einen Verein oder Musikschule geht, wo es sich neu erfinden kann, bringt das viel. Neue Umgebungen machen vielleicht erst Angst, sind aber eine Chance, Selbstvertrauen zu gewinnen. Und das ist die Hauptsache. Fördert neue Freundschaften.

Alles, was euer Kind stärker macht, ist ein Schutz, um sich gegen Mobber zur Wehr zu setzen. Ihr seid sein Sicherheitsnetz, aber das kann man noch weiter knüpfen. Am besten wäre es, wenn die Schule entsprechende Maßnahmen ergreift, um das Sozialgefüge zu stärken. Dafür sollten sie auch diejenigen integrieren, die mobben. Dafür braucht man Fingerspitzengefühl und Geduld.

In einer Idealwelt begreifen die Mobber, was sie angerichtet haben und der Klassenverband lässt kein Mobbing mehr zu. Aber das ist eine Idealwelt. Euch als Eltern fällt die Hauptaufgabe zu, euren Kindern das Gefühl zu vermitteln, dass sie nicht allein sind und dass niemand das Recht hat, sie so zu behandeln. Holt euch Hilfe. Nichts macht hilfloser als das Gefühl, allein mit einem Problem zu sein. Ihr seid es aber nicht. Sprecht mit anderen Eltern, Lehrern und Psychologen. Und so knüpft ihr immer weiter ein Sicherheitsnetz – für eure Kinder und für euch.

meine tochter wird in der schule geärgert

Nimm es auf jeden Fall sehr ernst! Meine Nichte (14) wird in der Schule sehr schlimm gemobbt. Sie will teilweise gar nicht mehr in die Schule gehen, ist oft traurig und betrübt und versucht sich durch irgendwelche dubiosen Freunde zu beweisen, dass sie gar nicht so hässlich, blöd oder was auch immer ist. Ich könnte jeden mal weinen, wenn ich sehe, wie sie darunter leidet und wie sehr sie sich durch das ständige gemobbt werden verschließt.

Auf jeden Fall muss das Selbstbewusstsein deiner Tochter gestärkt werden – ggf. auch mit Hilfe einer (Schul-)Psychologin. Auch eine Kampfsportart, die körperliches Training und seelische Stärkung vereint, kann ihr helfen, ihr Selbstvertrauen zu stärken. Ich weiß jetzt nicht, wie die einzelnen Richtungen heißen und welche am besten ist, aber da könntest du dich mal in einer Kampfsportschule über passende Angebote informieren.

Wenn ein Kind einmal ein Mobbing-Opfer war, verliert es sein ganzes Selbstbewusstsein und „gewöhnt“ sich so sehr an die Opferrolle, dass sie sich immer wieder automatisch in diese Rolle begibt und deshalb auch immer wieder gemobbt wird, auch wenn sie in eine andere Schule oder ein anderes Lebensumfeld kommt. LadyFireStorm`s Beispiel zeigt das seh deutlich. Deshalb muss deine Tochter unbedingt gestärkt werden, um nicht immer wieder ein Opfer zu sein.

Ich würde es zunächst nicht im Beisein aller Eltern ansprechen. Allerdings würde ich zu einem Gespräch mit dem Lehrer auch die Schulleitung hinzuziehen. Leider wird Mobbing noch immer nicht wirklich ernst genommen. Da heißt es dann „Ach, das sind doch Kinder. Sie wissen doch, einen Tag ärgern sie sich und am nächsten sind sie wieder die besten Freunde.“ Du musst also sehr deutlich machen, wie ernst die Lage ist und auch darauf hinweisen, welche schwerwiegenden Folgen Mobbing haben kann. Es hat ja auch schon Kinder bzw. Jugendliche gegeben, die sich deswegen das Leben genommen haben. Vielleicht kann die Klasse oder am besten die ganze Schule an einem Anti-Mobbing-Seminar teilnehmen oder einen speziellen Coach in die Schule bestellen. Ich hab vor kurzem einen Bericht darüber gesehen und ich denke, gerade bei Grundschülern hinterlässt das besonders großen Eindruck.

Wenn Gespräche mit Lehrern und Schulleitung nichts bringen, weil das Problem nicht ernst genommen wird oder weil keine geeigneten pädagogischen Maßnahmen ergriffen werden (nur „du du du“ bringt auf Dauer nichts), dann wende dich ans Schulamt. Vielleicht findest du auch noch andere Eltern, deren Kindern es ähnlich ergeht und ihr könnt euch zusammen tun.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg und deiner Tochter viel Kraft, damit sie bald wieder gern zur Schule gehen kann.

Liebe Grüße
Hexe und Zicke 22+0

Absolute Sicherheit gibt es nicht – doch im privaten Umfeld können Menschen sehr viel tun, um die eigene Sicherheit praktisch und präventiv zu erhöhen. Davon betroffen sind sehr viele Bereiche des alltäglichen Lebens: das Haus, das Auto, der Arbeitsplatz, die Kinder und die eigenen digitalen Geräte. In unserer SÜDKURIER-Serie werfen wir einen Blick in die Region – und wir haben mit Experten gesprochen, die Tipps geben, wie man möglichst sicher durchs Leben kommt. Alle Artikel lesen Sie unter www.suedkurier.de/sicherheit

  • Tipp 1: Als Eltern im Hintergrund bleiben. Wir wollen uns stets wie Löwen vor unsere Kinder werfen und bemerken dann nicht, dass gerade das sie angreifbar machen kann. Kinder, die nicht lernen, sich ihren Verbalangreifern weitestgehend allein zu stellen, werden so erst recht gemobbt, bekommen die Täter die Chance dazu, das Kind allein zu erwischen. Unsere Aufgaben als Eltern liegen also im Hintergrund, direkt beim Kind, fernab der Tätergruppe.
  • Tipp 2: Für Integration sorgen Selten suchen sich Täter ihre Opfer aus Gruppen aus. Das heißt: je integrierterKinder in einem Freundeskreis sind, desto größer ist die Immunität gegenüber Mobbern. Eltern wollen nur das Beste für ihr Kind und so kommt es nicht selten vor, dass wir den Freundeskreis unserer Kinder zu selektieren versuchen und deutlich zwischen bevorzugten und nicht erwünschten Freunden trennen. So gut wir es auch meinen, müssen wir uns vor Augen halten, dass nicht unser Geschmack bei der Freundeswahl zählt. Nur, wenn Schaden für das eigene Kind zu erwarten ist, sollten wir eingreifen. Dann aber zuerst einmal ein Bild verschaffen, ob nicht vielleicht Vorurteile unsere Ablehnung formt. Die Freunde der Kinder einzuladen, gemeinsam etwas zu unternehmen oder auch das Kind Freunde besuchen zu lassen, ist dabei ein wichtiger Schritt.
  • Tipp 3: Eine starke Familie darstellen Der familiäre Rückhalt ist für Kinder, die Opfer von Hänseleien sind, wichtig. Dabei geht es nicht darum, gemeinsam auf die Täter zu schimpfen, sondern dem Kind den Rücken zu stärken, in dem es sich bewusst ist, Teil einer starken Familie zu sein. In der Familie Sicherheit und Geborgenheit zu bekommen, gibt Kindern das Gefühl der Stärke, dass es für das Leben draußen braucht. In früheren Zeiten benutzte man den Begriff Sippe noch häufig. So abwertend diese Wort heute auch genutzt wird, bedeutet es eigentlich nur, eine Gemeinschaft aus Familienmitgliedern, die zueinander hält und für jeden Einzelnen wie eine Burg ist. Dies können wir, unabhängig von der Größe der Familie, auch heute noch für unsere Kinder sein.
  • Tipp 4: Selbstvertrauen des Kindes stärken Unsere Kinder stärken wir am besten, indem wir ihnen Möglichkeiten geben sich Herausforderungen zu stellen. Nicht immer muss alles gleich gelingen. Misserfolge animieren, etwas so lange weiter zu versuchen, bis es funktioniert. Kritik ist dabei ebenso wichtig, wie Lob. Auch Sportvereine oder Selbstverteidigungskurse können das Selbstvertrauen von Kindern stärken. Je sicherer ein Kind sich ist, Stärken zu haben, je weniger wird es sich in die Opferrolle drängen lassen.
  • Tipp 5: Täter auseinander halten Kommt ein Kind weinend nach Hause, weil es von einer Gruppe Mitschüler gehänselt wurde, sind in seinen Augen alle Gruppenmitglieder Täter. Die Aufgabe für Eltern ist nun, möglichst viele Details zu erfahren. Oft stellt sich heraus, dass gar nicht alle 10 Kinder gehänselt haben, sondern meist nur 2-3 Rädelsführer. Die anderen Kinder mögen als Mitläufer dabei gewesen sein, aber vielleicht nur mit gelacht haben. Sicher ist das ebenso demütigend für das Kind, aber wir sollten ihm dann erklären, dass die Lacher eben vielleicht auch nur Zaungäste, jedoch nicht unbedingt Täter sind. Erkennt das Kind dies, fühlt es sich oft gar nicht mehr so hilflos, denn sich zwei Wortführern gegenüber zu sehen, die nichts weiter versuchen, als den Rest ihrer Gruppe zu beeindrucken wirkt weniger unüberwindbar als von einem ganzen Pulk verfolgt zu werden.
  • Tipp 6: Nicht auf Beleidigungen reagieren Eines sollten wir unseren Kindern verdeutlichen: Das, was die Täter ihnen an den Kopf werfen soll nicht primär wahr sein, sondern einfach verletzen. Je mehr sich unser Kind die einzelnen Beleidigungen zu Herzen nimmt, je intensiver werden die Täter in diese Kerbe hauen. Sie wollen Schwächen finden, die sie ausnutzen können. Prallen all die Beschimpfungen am Kind ab, werden die Beleidigungsversuche sicher bald abnehmen, denn die erhoffte Reaktion bleibt aus und schließlich wird es den Tätern langweilig.
  • Tipp 7: Wenn mein Kind in Wut gerät Irgendwann kann der Tag kommen, da wird auch das friedfertigste Kind eine aggressive Reaktion zeigen und sich sogar prügelnd auf einen der Täter werfen. Mag dies auch dem Wesen des Kindes widersprechen, ist es einfach eine natürliche Reaktion, die anzeigt, dass das Maß nn voll ist. Nun auch mit dem eigenen Kind zu schimpfen, wie es sich auf das gleiche Niveau wie die Täter herablassen konnte, hat keinen Sinn, denn ein ansonsten friedliebendes Kind wird unter der eigenen Reaktion sowieso schon leiden. Wir sollten lieber ein Warnsignal darin sehen, wie weit es schon gekommen ist und in welcher Not unser Kind sich befindet. Gerade jetzt ist Verständnis und Stärkung angesagt, indem wir zwar nicht die aktive Gegenwehr hoch loben, aber zumindest sagen “Das war wahrscheinlich der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Was können wir jetzt gemeinsam tun, damit das nicht noch einmal vorkommt?”
  • Tipp 8: Verbündete suchen Lehrer können wichtige Verbündete sein, denn sie bekommen Situationen vor Ort eher mit und können diese auch gezielter beobachten. So erkennen sie meist auch die Basis, aus der sich Angriffe entwickeln. Gemeinsam kann man sich absprechen, wie man vorgehen möchte. Es gilt einen Weg zu finden, wie Täter und Opfer miteinander leben können. Daher wäre es nicht richtig, grundsätzlich nur den Lehrer aufzusuchen und Bestrafung der Täter zu verlangen. “Wie kriegen wir die Kinder dazu, möglichst friedlich miteinander klar zu kommen?” Sollte die Frage sein und gerade da sind Lehrer und Schulsozialarbeiter meist die besten Verbündeten, denn auch bei ihnen liegt das Ziel darin, ein Miteinander zu unterstützen, ohne zu sehr direkt einzugreifen.
  • Tipp 9: Wortgewandtheit üben Wir wollen nicht, dass unser Kind aus seiner Not heraus das gleiche Verhalten zeigt, wie die, die ihm wehtun. Allerdings sollte das Kind auch nicht schutzlos sein. Zuhause können wir eine Art Verbaltraining veranstalten, indem wir gemeinsam nach lustigen Sprüchen suchen, die die Täter entwaffnen, unserem Kind die Lacher auf ihrer Seite sichern und dabei nicht beleidigend sind. Grundsätzlich sollte dem Kind klar sein, dass in den lockeren Sprüchen der möglichen Antwort, keine Schimpfwörter oder Beleidigungen von Familienangehörigen des Täters sind. Die anderen Kinder sollen über die Schlagfertigkeit unseres Kindes, nicht über die Getroffenheit des Täters lachen, denn sonst kann es schnell zu neuem Zündstoff kommen.
  • Tipp 10: Geduld Es dauert meist länger, bis sich eine Situation so entwickelt hat, dass es eine Täter- und eine Opferfraktion gibt. Mindestens ebenso lange wird es dauern, die verhärteten Fronten einzureißen. Rückschläge sollten daher nicht für Resignation sorgen, sondern Ansporn sein, weiter positiv daran zu arbeiten, für alle Beteiligten ein Miteinander zu ermöglichen. (Quelle: www.mamiweb.de)

Mobbing in der Schule: Das sind Warnsignale

Zehn bis zwölf Prozent aller Schüler in Deutschland haben mehr als einmal im Monat mit Mobbing zu tun. Die Schikanen sind keineswegs harmlos. Eltern sollten bei ihren Kindern auf folgende Anzeichen für Mobbing achten.

Als Mobbing wird das Schikanieren und Attackieren von Arbeitskollegen oder Mitschülern bezeichnet. Die über einen längeren Zeitraum anhaltenden Aktionen sollen die Betroffenen sozial ausgrenzen. Mobbing (aus dem Englischen von „to mob“, das bedeutet anpöbeln, beleidigen) hat in der Schule und als Cybermobbing im Internet in den vergangenen Jahren immens an Bedeutung gewonnen.

Mobbingopfer werden durch feindselige Angriffe, durch eiskalte Ablehnung oder Getuschel hinter dem Rücken, durch Anschwärzen oder auch sexuelle Belästigung oder Erpressung in eine unterlegene Position gedrängt.

Gut jeder dritte Jugendliche ist nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) schon einmal im Internet gemobbt worden. Einer Umfrage zufolge kommen beim Cybermobbing an erster Stelle Drohungen und Beleidigungen (18 Prozent). Außerdem klagen die Jugendlichen über Identitätsmissbrauch und die unberechtigte Weitergabe privater E-Mails oder Fotos. Nach Schikanen im Netz fühlt sich jeder Fünfte verzweifelt oder hilflos. 18 Prozent gaben an, Schlafstörungen zu haben, je sechs Prozent Kopf- und Bauchschmerzen.

Plötzlicher Rückzug oder Allergie können Hinweise sein

Eltern sollten hellhörig werden, wenn ihr Kind sich plötzlich zurückzieht. Denn das kann ein Zeichen für Mobbing sein. Darauf könne etwa hindeuten, wenn Kinder nichts mehr aus ihrem Alltag erzählen. „Sie wollen so vermeiden, dass etwas durchsickert“, sagt Diplom-Sozialpädagoge Frank Schallenberg. Auch wenn keine Freunde mehr zu Besuch kommen oder anrufen, ist Mobbing vielleicht die Ursache.

Eine plötzliche Verschlechterung in der Schule oder allergische Reaktionen ohne erkennbare Ursache können weitere Anzeichen sein. Denn Stress durch systematische Schikane äußert sich unter Umständen auch körperlich.

Warnsignal verschwundene Schulsachen

Auch beschädigte und verschwundene Schulsachen oder Verletzungen am Körper können mögliche Warnsignale für Mobbing sein, erläutert Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie (BKJPP). Haben Eltern einen Verdacht, sollten sie ihre Kinder vorsichtig dazu ermutigen, die Situation und ihre Gefühle zu schildern.

Verhalten in kritischen Situationen üben

Bestehe das Mobbing noch nicht so lange, könne es ausreichen, mit dem Kind das Verhalten in kritischen Situationen zu üben, sagt Spitczok von Brisinski. Anhaltendes Mobbing hingegen könne das Selbstwertgefühl des betroffenen Kindes beeinträchtigen. Im schlimmsten Fall könne es Depressionen und Ängste fördern. Eltern sollten sich daher mit der Schulleitung in Verbindung setzen, wenn das Kind bereits seit längerem gemobbt wird.

Kinder zum Reden ermutigen

Auch Schallenberg rät, die Kinder auf veränderte Gewohnheiten anzusprechen. „Dann kann es sein, dass das Kind mit den Informationen rausplatzt oder erst einmal beschwichtigt“, erklärt der Sozialpädagoge. Egal, wie das Kind im ersten Moment reagiert: Es weiß nun, dass die Eltern auf die Situation aufmerksam geworden sind. „Sie erzeugen so Offenheit“, erläutert Schallenberg. „Es kann dann noch einige Wochen dauern, bis das Kind auf die Eltern zukommt.“

Schule muss das Problem lösen

Eltern müssen ihrem Kind vermitteln, dass es an dem Problem nicht selber schuld ist. „Es ist das Fehlverhalten der anderen“, gibt Schallenberg ein Beispiel dafür, was Eltern betroffenen Kindern sagen können. Danach sollten sie mit der Schule Kontakt aufnehmen. „Mobbing lebt von der Klassendynamik“, so Schallenberg.

Daher sei auch die Schule dafür verantwortlich, das Problem zu lösen. An die Eltern der Täter heranzutreten, sei keine gute Idee, warnt Schallenberg. „Das führt oft zur Eskalation.“ Besser sei es, mit dem Kind gemeinsam eine Vertrauensperson zu finden, die Gespräche moderieren kann und in das Netzwerk eingebunden ist, in dem das Mobbing stattfindet. „Das kann zum Beispiel ein Lehrer sein oder der Trainer im Sportverein“, sagt Schallenberg.

Bei Cybermobbing Verstöße dokumentieren

Wenn das Mobbing im Internet geschieht, sei die Situation schwieriger zu handhaben, sagt Schallenberg. Eltern sollten ihr Kind dazu anhalten, alle Beleidigungen zu dokumentieren. Verletzen die Täter Persönlichkeitsrechte und laden zum Beispiel unerwünschte Bilder hoch, können Betroffene Anzeige erstatten. Sich aus sozialen Netzwerken abzumelden, sei keine Lösung. Das habe nur zur Folge, dass die sozialen Kontakte des Betroffenen immer weiter abnehmen. „Ich muss mich dann einschränken, weil ein anderer so mit mir umgeht – das ist nicht fair.“

Mobbing offensiv angehen

In der Regel gehören die Täter aus dem Internet aber auch zum persönlichen Umfeld außerhalb des Webs, zum Beispiel in der Schule. Dort können Eltern und Lehrer leichter einschreiten. Wichtig sei es, das Problem dort offensiv anzugehen, um dem Täter zu signalisieren: So geht es nicht weiter.

Anzeichen für Mobbing:

  • Beobachten Eltern eine deutliche Veränderung im Verhalten ihres Kindes, kann das ein Warnzeichen sein. „Wir alle haben mal keine Lust zu Arbeiten“, sagt der Schulpsychologe Klaus Seifried vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Doch wenn ein Kind, das eigentlich gerne zur Schule geht, plötzlich nicht mehr möchte, sollten Eltern dies ernstnehmen.
  • Häufige Kopf- oder Bauchschmerzen können natürlich medizinische Gründe haben. „Aber will das Kind deswegen ständig zu Hause bleiben, haken Eltern besser nach“, rät Seifried.
  • Bekommt ein guter Schüler plötzlich nur noch schlechte Noten, kann das zwar ganz banale Ursachen haben. „Wenn ich mit 15 oder 16 Jahren nur noch an Mädchen und Partys denke, dann werden meine Leistungen leiden“, sagt Seifried. Werden die Leistungen aber vermeintlich ohne Grund schlechter, könnte auch etwas anderes dahinter stecken.

Was Eltern tun können:

  • Ganz generell gilt, dass Eltern sich Zeit nehmen und mit dem Kind über die Schule sprechen sollten. Das sollte dann darüber hinausgehen, wie sonst danach zu fragen, wie es in der Schule war und sich mit der schlichten Antwort „gut“ zufriedenzugeben.
  • Vermuten Eltern, dass etwas nicht stimmt, sprechen sie das am besten an. „Im zweiten Schritt sollten sie sich an den Klassenlehrer wenden“, rät Seifried. Der kann das Arbeits- und Sozialverhalten in der Schule einschätzen. Ist das Kind still und sozial isoliert? Oder eher laut und aufgedreht?
  • Handelt es sich um ein ernstes Problem wie Mobbing, schalten Eltern zusätzlich am besten den Schulleiter ein. „Kinder reden über so etwas ungern – es ist ihnen peinlich“, warnt Seifried. Dennoch sollten sich Eltern nicht scheuen, das Problem auf höherer Ebene anzusprechen und dann gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.
  • Ein Schulpsychologe kann helfen, wenn Kinder sich in der Schule nicht wohlfühlen. „Leider ist die Versorgung deutschlandweit extrem unterschiedlich“, sagt Seifried. In großen Städten kann es leichter sein einen Termin zu bekommen als auf dem Land. Schulen kennen den zuständigen Schulpsychologen und können Eltern sagen, wo und wann Sprechstunden angeboten werden.
  • Ein erster Schritt kann auch sein, die Opferhilfe zu kontaktieren. Der Weiße Ring, das Mobbingtelefon oder das Kindernottelefon sind ebenfalls Ansprechpartner.
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Ängstliche Kinder trauen sich manchmal nicht, anderen gegenüber spürbare Grenzen zu setzen. Und viele Eltern verzweifeln, wenn sie ihnen dabei zuschauen müssen.

Der 8-jährige Max wird von seinen zwei Schulkollegen geärgert. Immer wieder nehmen sie ihm seine Jacke weg. Max sagt: „Hört jetzt bitte auf.“ Doch seine Botschaft scheint nicht anzukommen, im Gegenteil: Die beiden Rabauken machen weiter und amüsieren sich prächtig dabei …

Typische Verhaltens-/Denkweisen unsicherer Kinder:

Ängstliche Kinder leben in einer Welt von Befürchtungen.

  • Sich zu wehren bedeutet, dass man anderen gegenüber eine Grenze zieht. Doch ein ängstliches Kind ist in der Regel zurückhaltend: Es ist eher still, passiv, lässt mehr mit sich machen. Gemeinerweise wird genau das ausgenutzt, denn gerade sogenannte „Bullies“ suchen sich Kinder mit möglichst wenig Gegenwehr.
  • Meistens gehen unsichere Kinder bei Grenzüberschreitungen einen Schritt zurück, aus Angst, dass es sonst noch schlimmere Folgen geben könnte. Hilfe holen und es der Lehrerin sagen wären eine Möglichkeit. Das könnte dazu führen, dass es noch mehr gehänselt wird oder noch schlimmer, als Petze beschimpft wird. Lieber nicht.
  • Doch „sich wehren“ braucht man nicht nur beim Geärgertwerden. Beim Nein sagen, Bedürfnisse durchsetzen oder wenn man etwas einfach nicht mag, das andere tun oder sagen, widersprechen ängstliche Kinder oft nicht – auch wenn ihnen etwas nicht behagt und sie sich damit nicht wohlfühlen.

Typische Eltern-Reaktionen, die Ihrem Kind nicht weiterhelfen:

Als Eltern möchten wir unser Kind unterstützen, besonders dann, wenn es leidet.

Manche Eltern verstehen nicht, warum sich ihr Kind nicht lautstark wehrt. Oder vielleicht ist es ihnen früher ähnlich gegangen, und sie möchten ihr Kind ermutigen, nicht alles mit sich machen zu lassen – oder Sie waren selbst kleine „Sekkierer“ (österr.).

„Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht“, heißt es – und tatsächlich reagieren engagierte Eltern oft kontraproduktiv, zum Beispiel:

  • „Aber dann tu doch…“, „Dann musst du halt…“, „Das kann doch nicht so schwer sein…“, „Das ist doch ganz einfach…“ – Selbst wenn die Idee dahinter noch so gut ist. Das erste Signal, was Ihr Kind bekommt ist: Ich werde nicht verstanden. Oder noch schlimmer: Meine Gefühle und meine Reaktion, also ich, sind nicht in Ordnung. Das ohnehin schon verschreckte Kind zieht sich noch mehr zurück.
  • Es ist ganz menschlich, die Geduld zu verlieren. Vor allem, wenn man die „richtige“ Lösung zu wissen glaubt oder schon oft empfohlen hat. Manche Eltern wissen sich nicht mehr zu helfen und sagen dann Dinge wie: „Wenn du das nicht tust/hinkriegst, darfst du bei mir nicht mehr jammern!“ oder: „Das macht mich traurig.“ Jetzt kämpft das Kind nicht nur mit seinem eigenen Kummer, sondern noch dazu mit den gefühlsmäßigen Reaktionen seiner Eltern.
  • Wenn Eltern die Dinge selbst in die Hand nehmen, kann das das Problem noch verstärken: Jetzt also selbst mit den AngreiferInnen zu reden, ihre Eltern anzurufen oder zur Lehrerin zu gehen, ist im äußersten Notfall richtig und wichtig. Vorher jedoch können Sie Wege suchen, um Ihr Kind so zu stärken, dass es nach und nach lernt, wie es sich selbst wehren kann.

Drei konkrete Verhaltenstipps für Eltern und Kinder:

(1) Hören Sie Ihrem Kind gut zu, ohne direkt eine Meinung oder einen Rat dagegenzusetzen. Signalisieren Sie durch Ihr Zuhören, aber auch durch Ihr Mitfühlen, dass Sie es verstehen. Sätze wie „Das war nicht in Ordnung, dass sie dich geärgert haben.“ oder „Das war ganz schön gemein, dass Fritz und Andreas nicht aufgehört haben, deine Jacke wegzunehmen!“ sind wichtig.

Sie zeigen Ihrem Kind, dass seine Gefühle richtig sind und dass das Verhalten der anderen so auch in Ihren Augen nicht okay ist. Auch wenn es nicht sofort in der Lage ist, sich anders zu verhalten, weiß es innerlich: Ich habe Recht, wenn ich mich schlecht fühle. Ich habe das Recht, zu sagen, wenn mir was nicht passt. Und die anderen haben meine Grenze nicht akzeptiert. Sie haben etwas falsch gemacht.

(2) Versuchen Sie herauszufinden, was Ihr Kind davon abhält, sich angemessen zur Wehr zu setzen. Welches Gefühl und welcher Gedanke könnten es daran hindern, seine Stimme lauthals zu erheben, seine Körpersprache entsprechend einzusetzen, um den Rabauken klar und sicher zu signalisieren: „Jetzt reicht’s!“ „Schluss mit lustig!“ ?

Fragen Sie Ihr Kind nach seinen Gefühlen und Gedanken. Wenn es nicht beantworten kann, wie es sich fühlt oder was es denkt, dann versuchen Sie, sich in Ihr Kind hineinzuversetzen und zu erfühlen, was könnte mein Kind in so einer Situation ängstigen, ihm den Mut nehmen?

Auch hier wieder: Es geht noch nicht darum, direkt eine Lösung zu finden. Sie sollten Ihr Kind ja zunächst stärken. Das geschieht schon, indem Sie ihm helfen, seine Gefühle zu benennen – seine Bedürfnisse zu sagen oder auch, was für sie frustrierend ist.

(3) Was Kindern sehr gut helfen kann, sind Übungen, wie man energisch eine Grenze setzt. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Sie nicht erwarten, dass es gleich in den ganz schwierigen Situationen gegenüber den anderen das nächste Mal aktiv wird. Sondern üben Sie einfach gemeinsam in harmlosen Situationen, in kleinen Rollenspielen.

Sagen Sie ihm, wie schwierig es manchmal auch Ihnen fällt, anderen zu sagen, wenn sie etwas nicht tun sollen, die richtige Gegenwehr zu finden: „Ja, es ist manchmal gar nicht so leicht, zu sagen, wenn einem was nicht passt. Das Schöne ist, dass man das total gut zuhause üben kann. Und dann wenn man es dann später mal braucht, weiß man schon viel besser, wie es geht – und dann fühlt es sich auch ganz gewohnt an.

Sie können Ihrem Kind eine leicht zu merkende Anleitung geben. Bewährt hat sich zum Beispiel:

  1. Einmal konkret bitten, was man möchte: „Gebt mir bitte meine Jacke wieder.“
  2. Energisch, klar und mit Aufforderungscharakter einen Appell schicken: „Hört jetzt sofort auf!“
  3. Aufstehen, Hände in die Hüfte stemmen, sich groß machen und mit Konsequenzen drohen: „Hört sofort auf. Wenn ihr das noch einmal macht, dann sag ich es der Lehrerin.“

Gerade unsichere Kinder können enorm vom spielerischen Grenzensetzen im geschützten Raum lernen. Am besten wirkt das natürlich, wenn Ihr Kind erlebt, dass es auch Ihnen gegenüber klar sagen kann, wenn ihm etwas nicht gefällt – und Sie es dann auch ernst nehmen.

Herzlich
Ihre
Simone Fröch

Die soziale Entwicklung

Im vierten Lebensjahr klingt die Trotzphase langsam ab. Zunehmend entdeckt das Kind, dass es Überschneidungen zwischen dem eigenen Willen und dem Willen der anderen gibt.

Es ist verhandlungsbereit, was für die Eltern eine gewisse Umstellung bedeutet. Auch sie sind aufgefordert, Kompromissbereitschaft zu zeigen.

Die erweiterten sprachlichen Fähigkeiten helfen dem Kind, sich verständlich zu machen und andere zu verstehen.

Es übernimmt zunächst die sozialen Umgangsformen, die in der Familie gepflegt werden. Zunehmend löst es sich von seiner unmittelbaren Umgebung.

Warum sind andere Kinder so wichtig?
Einige „Spiel“-Regeln
Meine Kinder wollen nicht teilen
Mein Kind wehrt sich nicht
Mein Kind ist ein Angeber!?
Kann ich mein Kind allein zu Hause lassen?
Die Freunde meines Kindes gefallen mir nicht

Warum sind andere Kinder so wichtig?

Das Kind löst sich langsam von den Eltern. Gleichaltrige Freunde oder auch Erwachsene aus der näheren Umgebung bekommen größere Bedeutung. Es sucht den Kontakt zu anderen Kindern. Die ersten Freundschaften entstehen.

Im Kontakt mit anderen Kindern bekommt das Kind neue Anregungen und kann seine Fähigkeiten entfalten. Es lernt seine Grenzen kennen. Das Kind vergleicht sich mit den anderen und kann sich selbst und sein Verhalten besser einschätzen. Es lernt, sich in eine Gruppe einzufügen und gemeinsame Ziele zu verfolgen.

Natürlich gibt’s oft Streit: Die allerbeste Freundin kann ganz schnell von ihrem Podest gestürzt werden. Spielen und Streiten gehören zusammen.

Noch sind Freundschaften zwischen Jungen und Mädchen unproblematisch. Später befreunden sich mehr die Mädchen und Jungs untereinander.

Einige „Spiel“-Regeln

Haben die Kinder bisher eher nebeneinanderher gespielt, beginnen sie nun, miteinander zu spielen. Das will allerdings gelernt sein. Noch entsteht oft Streit, wenn jeder etwas anderes will.

Geben Sie Ihrem Kind einige Regeln mit auf den Weg:

  • Nicht mit Gegenständen aufeinander losgehen : Kinder können in diesem Alter ihre Kräfte noch nicht richtig einschätzen. Auch ist ihnen nicht klar, was beispielsweise ein spitzer Gegenstand alles anrichten kann.
  • Nicht gegen Kleinere und Schwächere : Was nicht bedeutet, dass Kleinere oder Schwächere immer im Recht sind. Manchmal nützen beispielsweise kleinere Geschwister ihre körperliche Unterlegenheit aus und provozieren die Größeren, bis diese handgreiflich werden. Trotzdem unterschätzen Größere in der Wut oft ihre Kraft. Besser ist es, Provokationen mit Köpfchen statt mit Muskeln zu begegnen.
  • Nicht alle gegen einen: Leider ist dies nicht selbstverständlich. Nicht nur Kinder fühlen sich in der Gruppe stark. Werden Kinder beispielsweise im Rollenspiel in die Lage des Einzelnen versetzt, sehen sie ein, wie hilflos man sich allein gegen eine Gruppe fühlt.
  • Aufhören, wenn einer nicht mehr will: Machen Sie vor dem Spiel mit den Kindern Signalwörter aus, die auch im wildesten Spielgetümmel bedeuten: Jetzt ist Schluss! Wird es einem Kind zu viel, ruft es beispielsweise „Spielstopp“ und das Spiel wird sofort beendet.

Meine Kinder wollen nicht teilen

Tauschen und teilen fällt in diesem Alter noch schwer. Dabei geht es nicht immer um die Dinge selbst, sondern darum, überhaupt etwas zu besitzen.

Am liebsten möchten die Kinder alles besitzen. Die Tatsache, dass die anderen leer ausgehen könnten, ist ihnen in diesem Alter noch egal. Auf andere Rücksicht zu nehmen und sich in sie hineinzuversetzen, wird erst langsam gelernt.

Gibt es Streit, beispielsweise um Schokolade, hilft die alte Regel: Einer teilt, der andere wählt.

Mein Kind wehrt sich nicht

„Lass dir nicht alles gefallen!“ „Hau zurück!“ Wird ihr Kind von anderen Kindern ungerecht behandelt, fordern viele Eltern ihren Sprössling auf, sich zu wehren. Oft empfinden sie die Ungerechtigkeit gegenüber ihrem eigenen Kind, als würden sie selbst so behandelt.

Die Aufforderung, sich zu wehren, bewirkt bei dem Kind das Gegenteil. Es ist sowieso gedemütigt, wenn es beispielsweise gerade verhauen worden ist. Weiterer Druck ist für das Selbstbewusstsein nicht förderlich.

Die Befürchtung, das Kind würde nie lernen, sich durchzusetzen, ist unbegründet. Ein fünfjähriger Rambo ist oft nur vordergründig beliebt bei den anderen Kindern.

Als Erwachsener einzugreifen und die anderen Kinder zu beschimpfen, bewirkt das Gegenteil. Das Kind wird zum „Mama-Kind“. Es hat einen noch schlechteren Stand bei den anderen Kindern. Sind die Eltern mal nicht dabei, wird ihm noch schlimmer zugesetzt.

So können Sie Ihrem Kind helfen:

  • Selbstbewusstsein stärken: Ein selbstbewusstes Kind wird nicht so schnell zum Opfer. Gibt es Bereiche, die Ihr Kind gut kann, fördern Sie diese. Kann es beispielsweise gut schwimmen oder Fußball spielen, erwirbt es Selbstbewusstsein und Anerkennung bei den anderen. Dazu gehört auch, dass Ihr Kind mal etwas besser kann als Sie selbst.
  • Taktik überlegen: Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, wie es sich beim nächsten Mal verhalten könnte. Wird ihm immer wieder Spielzeug weggenommen, könnte es dies einfach festhalten und schnell davonlaufen.
  • Verständnis: Haben Sie als Kind mit gleichen Problemen gekämpft, erzählen Sie es Ihrem Kind. Es fühlt sich verstanden. Es erkennt, dass dies ein lösbares Problem ist.

Mein Kind ist ein Angeber!?

Hören Sie im Gespräch mit anderen Kindern, wie Ihr Kind so richtig angibt? „Ich kann schon allein zum Papa ins Büro fahren“, „Ich habe gestern beim Fußball fünf Tore geschossen“ und so weiter. Nichts davon ist wahr.

Stellen Sie diese Unwahrheiten nicht vor den anderen Kindern richtig. Sprechen Sie lieber hinterher mit Ihrem Kind und versuchen herauszufinden, was hinter den Angebereien steckt.

Kinder denken sich solche Flunkereien aus, um andere damit zu beeindrucken. Anscheinend fühlen sie sich selbst unbedeutend. Versuchen Sie, das Selbstbewusstsein zu stärken. Es gibt sicher Dinge, die Ihr Kind gut kann. Ist es beispielsweise im Sport erfolgreich, kann es davon erzählen (ohne angeben zu müssen).

Kann ich mein Kind allein zu Hause lassen?

Lassen Sie Ihr Kind nicht allein zu Hause. Auch ein Fünfjähriger weiß sich in kniffligen Situationen nicht zu helfen.

Sind die Kinder zu zweit, besteht das Risiko, dass ihnen Unsinn einfällt. Ein liegen gelassenes Feuerzeug, ein scharfes Messer kann zu äußerst kniffligen Situationen führen.

Kinder in diesem Alter sind zwar schon sehr selbstständig, aber auch in manchen Situationen überfordert.

Die Freunde meines Kindes gefallen mir nicht

Wer kann besser beurteilen als Ihr Kind selbst, wen es zum Freund haben will?

Im Kindergartenalter werden Kinder wählerischer mit Spielkameraden. Am liebsten haben sie Freunde, die die gleichen Spielwünsche haben und in der Nähe wohnen.

Die Wahl ist manchmal nicht ganz nachvollziehbar. Warum hat Jan von gegenüber mehr Qualitäten als Moritz von nebenan? Das weiß Ihr Kind allein. Und es ist auch seine Sache.

Natürlich tauchen mit anderen Kindern andere Einflüsse auf. Der Freund hat vielleicht große Mengen Spielsachen von der Sorte, die in Ihrem Kinderzimmer keinen Einlass finden. Ihr Kind ist nun mit den eigenen Spielsachen unzufrieden. Erklären Sie, warum Sie selbst diese Dinge nicht kaufen möchten. Das bedeutet nicht, das andere Kind oder seine Familie herabzusetzen.

Die Kinder gehen meist unbefangen mit den Regeln der anderen Familie um. Hier lernt es neue Umgangsformen und Verhaltenweisen kennen. Es erweitert seinen Horizont. Wie können Sie mit der Situation zurechtkommen?

  • Unternehmen Sie etwas gemeinsam mit den Kindern. So haben Sie die ganze Sache im Blick. Und Sie haben die Gelegenheit, das neue Kind kennen zu lernen.
  • Übernimmt Ihr Kind Angewohnheiten, die Sie nicht gut finden, reden Sie mit ihm. Natürlich nicht in Anwesenheit des Freundes. Stellen Sie klar, dass Sie dieses Verhalten nicht akzeptieren werden.
  • Erklären Sie dem neuen Freund oder der neuen Freundin die Regeln, die bei Ihnen zu Hause gelten. Die meisten Kinder richten sich danach.

Kinderpsychologie: Wie unsicher ist Ihr Kind?

„Ich trau‘ mich nicht!“ Ein Satz, der oft von sehr weit unten kommt. Früher nannte man die Stelle Rockzipfel, heute ist es meist die in Jeans gekleidete Wade, an der das Kind hängt und versucht, sich zu verstecken. Wieso hat mein Kind kein Selbstbewusstsein, fragen sich viele Eltern und befürchten, aus dem ängstlichen Kind wird auch ein ängstlicher Erwachsener. Doch die Experten sind sich einig: Mut und Selbstwertgefühl, das kann man lernen.
Hier können Sie zudem testen, wie unsicher beziehungsweise selbstbewusst Ihr Kind ist.

Unsichere Kinder sind zunächst pflegeleichter

Unsicherheit ist ein Phänomen, das in irgendeiner Form mehr als die Hälfte aller Grundschulkinder trifft, männliche wie weibliche. Ist ein Kind dabei nicht auffällig unsicher, dann gilt es – was den Eindruck der Eltern und Erzieher angeht – in diesem Alter sogar eher als pflegeleicht. Andrea Micus und Günther Hoppe führen diese Tatsache in ihrem Buch „Jedes Kind kann stark sein“ genauer aus: „Im Unterschied zu sehr lebhaften oder aggressiven Kindern bereiten sie ihren Eltern auf den ersten Blick nur wenig Kopfzerbrechen. Wer seine Gefühle zurückhält, lässt sich nicht emotional gehen, und wer keine Bedürfnisse äußert, hat auch keine großen Wünsche, die von den Eltern befriedigt werden müssen.“ Deswegen wird die soziale Unsicherheit von Fachleuten auch als „heimliche Verhaltensstörung“ bezeichnet. Doch irgendwann, spätestens ab der weiterführenden Schule, fällt das unsichere Verhalten auf und verstärkt sich dadurch. Das kann dann zu einem verhängnisvollen Kreislauf führen. Wird dieser nicht durchbrochen, kann es passieren, dass das Kind sich zu einem Sonderling, einem Außenseiter entwickelt.

Der Ursprung der Unsicherheit

„Man kann ein Kind so erziehen, dass es unsicher wird.“ Der Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, Ulrich Gerth, kennt diesbezüglich viele Methoden. „Leider werden Kinder immer noch manchmal erniedrigt, müssen sich Sprüche anhören wie ‚Wie kann man nur so doof sein?‘ oder ‚Stell dich doch nicht so an!‘. Aber Kinder werden auch verunsichert, wenn Eltern in Konfliktsituationen ihre Macht ausspielen und sie niederdiskutieren. Oder wenn man ihnen keine Selbstständigkeitserziehung zukommen lässt.“

Bereits bei Babys wird der Grundstein gelegt für ein späteres Selbstbewusstsein und das wiederum ist die Grundlage für Selbst-Sicherheit. Schreit ein Säugling und werden seine Bedürfnisse nach Nahrung, Wärme und Zuneigung befriedigt, dann erhält er die Zuwendung und Aufmerksamkeit, die er braucht. Das Gleiche gilt für Kinder jedes Alters und letztendlich auch für uns Erwachsene. Um sicher auftreten zu können, brauchen wir die Sicherheit eines sozialen Netzes. Emotionale Zuwendung und positive Erfahrungen sind die wichtigsten Baustein eines sich im Aufbau befindlichen Selbstbewusstseins. Entsprechend macht es keinen Sinn, seinem Kind alles abnehmen zu wollen. Kleine Aufgaben, die von ihm gut bewältigt werden können, stärken das Selbstbewusstsein. Das kann der Gang zur Bäckerei am Ende der Straße genauso sein wie das Anrufen bei einer anderen Familie, um sich mit der Freundin zu verabreden.

Schlechte Erfahrungen hingegen machen es schlimmer, lassen den Menschen noch unsicherer werden und zu einer Methode greifen, die sich am ehesten durch „wegducken“ beschreiben lässt.

Unsichere Kinder brauchen Eltern, die an sie glauben

Viele Eltern fragen sich, warum gerade ihr Kind so unsicher sind. Schätzen Sie sich selbst doch als sehr selbstbewusst ein und hätten eigentlich auch gerne ein Kind, das immer vorne mit dabei ist: Das bei der Weihnachtsaufführung nicht den dritten Baum von links spielt, sondern Maria oder Josef, das auf dem Betriebsfest durch seine Offenheit die Kollegen zum Bewundern bringt und das sich wehrt, wenn andere es piesacken. „Wenn man dann wütend wird und sich über das Verhalten des Kindes ärgert, dann bringt das aber nichts. Im Gegenteil: Die Unsicherheit wird durch den Druck der verärgerten Eltern nur noch mehr verstärkt“, so der Diplom-Psychologe.

Vorsichtig sollte man auch bei Kritik sein und immer nur das Verhalten, nicht aber das Kind selbst kritisieren. Sätze, die mit „Du bist immer…“ oder „Nie kannst du…“ beginnen, taugen in der Regel nichts. Hinzu kommt, so der Pädagoge und Schulleiter Günther Hoppe, dass man nur einen Ton wählen sollte, den man selbst akzeptieren würde. Respekt ist hier das Schlagwort. „Kinder sind verletzlich. Und gerade unsichere Kinder ziehen sich dann noch mehr in ihr Schneckenhaus zurück.“

Das Kind so annehmen, wie es ist

Schüchterne Kinder brauchen einen gewissen Vertrauensvorschuss, die Unsicherheit lässt sich nicht innerhalb kürzester Zeit bezwingen. Dafür braucht man Geduld und Verständnis. Wobei es Eltern oder Lehrern oft bei einem Mädchen ein wenig leichter fällt, einen Wesenszug wie Schüchternheit bis zu einem gewissen Grad zu akzeptieren. Doch egal, ob Junge oder Mädchen: „Nehmen Sie die Unsicherheit an, sie ist nicht schlimm“, erklärt Ulrich Gerth. „Wichtig ist, dem Kind erst einmal die Nähe zu geben, die es braucht. Dann kann man es behutsam ermutigen und Situationen herbeiführen, in denen es sich Schritt für Schritt bewähren kann.“ Man kann zudem auch mal zugeben, dass es Situationen gibt, in denen man selbst unsicher ist oder war. Gemeinsam mit dem Kind lässt sich dann gut überlegen, wie man mit einer solchen Situation umgehen könnte.

Trauen Sie Ihrem Kind etwas zu!

Wagt sich das Kind langsam aus seinem Schneckenhaus, dann sollte man es entsprechend unterstützen und vor allem nicht überfordern. Entscheidend ist auch, das unsichere Kind nicht mit anderen zu vergleichen. Es ist ganz egal, ob die große Schwester oder der gleichaltrige Nachbarsjunge schon lange deutlich selbstständiger sind. Sätze wie „Jonas geht schon seit der zweiten Klasse allein einkaufen“ erniedrigen das Kind und setzen es nur einem unnötigen Konkurrenzdruck aus. Besser ist es, das schüchterne Kind zu stärken und zu loben, ihm etwas zuzutrauen und es auch zu bemerken, wenn es etwas geleistet hat, was für dieses Kind nicht selbstverständlich ist. Sätze wie „Das schaffst du“ oder „Ich bin sicher, dass du das kannst“ helfen dem Kind weiter. Allerdings nur, wenn es merkt, dass die Eltern ihm wirklich etwas zutrauen.

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