Kind neuer partner

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Nicht selten kommt es, wenn der Partner bereits Kinder hat zu den unterschiedlichsten Problemen, weil das Patchworken einem weit mehr abverlangt, als man sich das vorher vorgestellt hat. Was sind also die großen Herausforderungen und die echten Schwierigkeiten, die einem im Patchwork Alltag begegnen? Und – noch viel wichtiger: Wie kann man mit ihnen umgehen und sie schließlich lösen:

Neuer Partner mit Kind – Patchworkprobleme lösen

Kinder des Partnersein Störfaktor?

Neulich habe ich ein Gespräch zweier Frauen mitverfolgt, die sich über ihre Erfahrungen mit der Männerwelt ausgetauscht haben. Ein Aspekt der Konversation, hat mich nachhaltig beschäftigt: Die eine meinte entsetzt flüsternd zur anderen: „Der einzige Haken an ihm: Er hat Kinder! Zwei Stück!“ Darauf zog die andere die Augenbrauen hoch und meinte bemitleidend: „Man kann eben nicht alles haben!“

Der personalisierte Haken an der romantischen Geschichte waren also die beiden Kinder des Traumprinzen. Was macht es so schwierig, den/die Freund/Freundin auch als Elternteil nicht gemeinsamer Kinder zu akzeptieren und woran liegt es, dass die Kinder des Partners oft als Belastung oder Härteprobe gesehen werden?

1. Die Mutter bzw. der Vater der Kinder = die Ex bzw. der Ex des neuen Partners

Wer kennt sie nicht, die Schauergeschichten über Ex-PartnerInnen? Kaum jemand in meiner Praxis, der nicht zumindest eine Horrorstory erzählen könnte, in der die Hauptprotagonisten „Ex“ heißen. Der Grund, warum viele Menschen vor einer Partnerschaft mit einem Elternteil zurückschrecken, ist darum auch der Gedanke, sich mit einem Ex auseinandersetzen zu müssen.

Denn ein Ex-Partner mit dem man ein Kind (oder mehrere) hat, ist naturgemäß einer, der wesentlich präsenter ist als einer, mit dem einen nach einer Trennung höchstens noch die Erinnerung an vergangene gemeinsame Zeiten oder ein Teil des Freundeskreises verbindet. Das gemeinsame Kind feiert Geburtstage, hat einen Klavier-Vorspielabend oder ein Fußballspiel, feiert ein Schulfest oder später dann Lehrabschluss, Matura, Universitätsabschluss oder Hochzeit – alles Gelegenheiten, von denen man weiß, dass der oder die „Ehemalige“ dabei auch anwesend sein wird. Und nur in den aller seltensten Fällen sind das unkomplizierte und angenehme Begegnungen.

Das Hauptproblem dabei ist Eifersucht: entweder die Eifersucht des Ex, der sich unangemessene Bemerkungen nicht verkneifen kann, oder die Eifersucht des neuen Partners auf die Kindsmutter bzw. den Kindsvater. In jedem Fall sind das Konfrontationen mit unangenehmen Gefühlen, die man deshalb automatisch zu vermeiden versucht. Ein weiterer Fakt, der hinzukommt, ist der Umstand, dass Kinder immer eine lebhafte Erinnerung an die ehemalige Beziehung sind. In dieser an sich abgeschlossenen Partnerschaft gibt es sehr häufig noch Ungeklärtes und je mehr Emotionen mit im Spiel sind, umso komplizierter ist die Situation. Das kann für einen neuen Partner enorm schwer sein, sich in dieses bereits vorhandene Gefüge einzufinden bzw. sich mit seiner Rolle darin abzufinden.

Wer einen Partner mit Kind “kauft“, kauft unweigerlich auch den oder die Ex mit. Es gilt Lösungen zu finden mit denen alle Beteiligten möglichst gut leben können.

Wie stark die Probleme mit dem Ehemaligen des Liebsten/der Liebsten zusammenhängen, zeigt eine Umfrage, in der die Befragten angegeben haben, sie würden weit weniger Probleme mit Kindern aus einer früheren Beziehung des neuen Partners haben, wenn das jeweilige andere Elternteil dazu nicht mehr da wäre – also wenn es weit weg im Ausland wohne oder gar verstorben sei. Weil man dann viel eher als Ersatz-Elternteil für die jeweiligen Kinder fungieren kann, nicht mit deren echter Mama bzw. deren echtem Papa konkurrieren muss und der Ex/die Ex der neuen Liebe auch nicht im Weg steht.

Fallbeispiel: Moni (Name geändert) schildert ihren Kummer: „Ich weiß, dass man das nicht laut sagen kann, weil es verpönt ist, so etwas zu empfinden, aber ich bin rasend eifersüchtig auf die Tochter meines neuen Freundes. Sie sieht aus wie ihre Mama und durch sie verbindet mein Freund etwas Besonderes mit dieser anderen Frau, die er ja auch ständig und regelmäßig sehen muss. Ich mag die Kleine sogar, aber es wäre etwas völlig anderes, wenn ihre Mutter nicht mehr auf der Bildfläche stünde. Das klingt ganz schrecklich, aber wäre sie tot, dann würde das Kind ja bei uns wohnen und ich wäre wie ihre Mama für sie und es wäre nicht dauernd die Ex meines Freundes präsent – dann hätte ich kein Problem damit.

Aber so weiß ich nicht, wie ich das machen soll und wie ich meine Eifersucht auf die ehemalige Familie meines Freundes loswerden soll. Ich kann ja nicht mal sicher sein, dass sie ihn nicht zurück haben will! Vielleicht wäre es besser und einfacher, wenn wir auch ein Kind miteinander hätten, aber so ist die Mutter seiner Tochter nicht nur seine Ex-Frau, sondern auch die Mutter seines Kindes, wodurch sie einen ganz speziellen Status hat, während ich einfach nur „die Neue“ bin. Das lassen mich auch seine Eltern spüren, die zur Ex natürlich einen guten Draht haben und mich als neue Freundin nicht für voll nehmen. Es geht mir wirklich schlecht mit der Situation – so schlecht, dass ich oft überlege, ob ich die Beziehung beenden und ihn aufgeben soll, weil es mich so belastet.“

Wer innerlich so verletzt reagiert und sich in seiner unfreiwilligen Rolle derart unwohl wie Moni fühlt, sollte sich professionelle Unterstützung holen, damit die Beziehung nicht scheitert – denn das muss keineswegs sein!

Fallbeispiel: Noch schlimmer ist es, wenn der/die Ex intrigiert oder die neue Beziehung sabotiert, wie Lisa-Marie (Name geändert) es erleben musste: „Die Ex meines Freundes ist ein echtes Luder. Der gemeinsame Sohn lebt bei ihr, sie und mein Freund wechseln sich mit den Wochenenden ab und zusätzlich ist der Kleine, der sechs Jahre alt ist, jeden Mittwoch bei uns. Und immer, wenn sie weiß, dass mein Freund und ich ein Wochenende wegfahren wollen, um mal romantisch zu zweit zu sein, wird sie plötzlich krank, weshalb wir dann kurzfristig Jakob nehmen müssen, oder aber sie muss auf einmal wegfahren – ganz überraschend – und wir müssen auf ihn aufpassen, wodurch wir wieder keine Zeit füreinander haben.

Außerdem redet sie schlecht über mich, und das sowohl im alten, gemeinsamen Freundeskreis, in dem ich deshalb auch keinen Anschluss finde, weil mir niemand eine Chance geben will, als auch bei ihren ehemaligen Schwiegereltern, die Jakob vergöttern und mich hassen, weil ich in deren Augen der Auslöser für die Trennung war. Dass mein Freund schon lange nicht mehr glücklich war, interessiert sie eher wenig, und seine Ex sowieso nicht, für die ich die Verkörperung des Bösen bin, weil ich ihr den Kindsvater weggenommen habe.“

Wenn Entwicklungsaufgaben liegen geblieben sind, und offensichtlich noch vieles im Argen ist, ist es notwendig den neuen Partner in die Verantwortung zu nehmen und ihn zu bitten mit der Ex und/oder auch den eigenen Freunden und Eltern zu reden, damit man das alles nicht alleine tragen muss.

Professionelle Hilfe und ein Paarcoaching können bei Konflikten mit dem/der Ex helfen, die einzelnen Bereiche zu besprechen und gemeinsam eine Lösung aus der schwierigen Situation zu finden. Auch für denjenigen, der die Kinder in die neue Beziehung gebracht hat, ist es meist enorm schwierig alles zu schaukeln und jedem im Familiensystem gerecht zu werden.

2. Keine Akzeptanz von Seiten der Kinder

Ein weiteres und häufig auftretendes Problem ist, wenn Kinder gegen den neuen Partner rebellieren oder ihn sogar gänzlich ablehnen. Viele meiner Klienten berichten mir, dass sie sich manchmal wie der Feind im eigenen Haus fühlen, weil die Kinder des Partners ihnen das Leben richtiggehend zur Hölle machen. Kinder können durchaus grausam wirken – vor allem, wenn sie sich unfair behandelt fühlen oder aber das Gefühl haben, dem anderen Elternteil gegenüber loyal sein zu müssen.

Typische Situation: Eine Frau mit zwei Kindern verlässt ihren Mann und beginnt ein neues Leben mit einem anderen. Ihr Ex-Mann liebt sie allerdings noch und kämpft weiterhin um ihre Gunst, weshalb er beginnt, den neuen Freund, der für ihn ja Kontrahent und Konkurrent gleichermaßen ist, vor ihr und den Kindern schlecht zumachen. Der Neue ist auch nur ein Mensch und ärgert sich über die Attacken des Ex-Partners seiner Lebensgefährtin und hat infolgedessen auch nicht vorrangig freundliche Worte für und über ihn übrig.

Das Ergebnis: Die Kinder vertreten ihren Papa und machen dem Neuen das Leben schwer, wo es nur geht – denn ihr (aus ihrer Sicht durchaus nachvollziehbares) Ziel ist es, die Eltern wieder zusammenzubringen. All das geschieht häufig unbewusst und läuft auch nicht immer gleich ab. Grundsätzlich ist beobachtbar, dass immer dann, wenn einer aus dem System ausgeschlossen wird, andere für ihn Partei ergreifen und intervenieren. Dieser Umstand trübt das idyllische Beisammensein mit dem neuen Freund, denn niemand kann sich wirklich entspannen, wenn die eigenen Kinder unglücklich oder unzufrieden sind.

Fallbeispiel: Solche Gegebenheiten belasten eine Beziehung massiv, wie Marios (Name geändert) Fallbeispiel zeigt. Er erzählt: „Meine Freundin hat zwei Kinder von zwei verschiedenen Männern. Das findet schon mal meine Mama nicht besonders cool, aber ich habe ihr gesagt, dass sie das mal meine Sorge lassen soll. Nun ist es aber zusätzlich so, dass ich die Kids nicht besonders gut leiden kann, weil sie ziemlich verzogen und vorlaut sind. Ich kann mich da aber nicht gut einmischen, weil mich dann meine Freundin anfährt, es seien nicht meine Kinder und ich hätte ihnen nichts zu sagen.

Das Schlimmste für mich ist aber, dass auch ich den Kindern nicht gerade sympathisch sein dürfte. Als die Kleinere von beiden letztens meinte, ob nicht die neue Freundin vom Papa und ich ein Paar werden könnten, damit Mama und Papa wieder zusammenkommen, war ich richtig gekränkt, weil es mir gezeigt hat, dass sie mich und die Neue des Vaters als Hinderungsgrund dafür sieht, dass ihre Eltern nicht mehr zusammenleben. Da hat sie mir dann auch irgendwie leidgetan, weil sie als Kind ja im Grunde nichts dafür kann. Ich aber doch auch nicht!“

3. Scheu vor zu viel Verantwortung

Ein weiterer Grund, kalte Füße zu bekommen, wenn man sich in jemanden verliebt, der bereits Kinder hat, ist die Verantwortung. Ganz nach dem Motto „Es reist sich besser mit leichtem Gepäck“ wollen viele nicht in die Rolle der Stiefmutter oder des Stiefvaters schlüpfen, weil diese auch mit Verantwortung verbunden ist. Viele meiner Single-Klienten sagen dazu auch: „Wenn ich selbst ein Kind in die Welt setze, ist das etwas anderes, denn dann hab ich es mir bewusst so ausgesucht und mich für diese Verantwortung entschieden, aber so hat das ja eigentlich nichts mit mir zu tun, also wie komme ich dazu?! Das sind ja fremde Kinder für mich!“

Vor allem nach einer schwierigen Phase oder einer tragisch gescheiterten Beziehung sehnen sich viele nach Freiheit und Unbeschwertheit, wollen die Zeit mit ihrem Partner alleine und ungestört verbringen, also auch Zweisamkeit genießen – und da kann es vorkommen, dass Kinder einfach gar nicht ins Programm passen: Ihretwegen muss man die Aufmerksamkeit des Partners teilen, seine eigenen Bedürfnisse zurückschrauben und sich damit abfinden, dass man meistens mit einer ganzen halben Familie zusammen ist und nicht nur mit einer Einzelperson. Das bedeutet im schlimmsten Fall, eine komplette Familie zu enttäuschen oder sich auch von einer ganzen Familie trennen zu müssen, wenn man die Kinder erst einmal liebgewonnen hat und es mit dem Partner aber nicht funktionieren sollte.

Sobald Kinder im Spiel sind, die man kennt und auf die man sich einmal eingelassen hat, wirken diese auf die gesamte Beziehung ein – ob man will oder nicht. Sehr häufig kommt es vor, dass der kinderlose Partner eine besonders innige und gute Beziehung zum Kind seines Partners aufbaut und sich die Eifersucht und den Zorn des leiblichen Elternteils zuzieht. Eifersüchtige oder grollende Ex sehen es nicht gern, wenn ihr eigener Sprössling den neuen Partner vom Ex allzu toll findet.

Fallbeispiel: Die gewonnene Nähe zu fremden Kindern kann auch dazu führen, dass man schwerer geht, wenn es in der Beziehung nicht mehr passt, wie Andreas (Name geändert) erzählt: „Ich bin jetzt seit eineinhalb Jahren mit einer Frau zusammen, die eine inzwischen vierjährige Tochter hat. Ich habe einen echten Narren an der Kleinen gefressen und auch ohne meine Freundin viel Zeit mir ihr verbracht. Sie hat keinen guten Kontakt zu ihrem leiblichen Papa, der schon vor mir durch seine Abwesenheit geglänzt und seine kleine Familie kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter verlassen hat. Und so hat die kleine Laura von Anfang an um meine Liebe und Aufmerksamkeit gebuhlt. Nun ist es so, dass es zwischen ihrer Mama und mir einfach nicht mehr funktioniert. Ich kann sie aber nicht verlassen, weil ich weiß, wie sehr ihr Kind an mir hängt. Eine echt vertrackte Situation!“

4. Ego als Hinderungsgrund

Vor allem bei Liebesangelegenheiten ist uns unser Ego besonders gerne im Weg. Zu wissen, dass man nicht die Erste oder der Erste ist, der mit dem Partner die Erfahrung teilt, gemeinsame Kinder zu haben, kann für unsichere Menschen immens schmerzhaft sein.Auch hier spielt der Ex-Aspekt eine Rolle, man spürt, dass Kinder zwei Menschen als Eltern ein Leben lang verbinden. Besonders Menschen mit geringem Selbstwert kommen meist schwer damit klar, dass der Liebste oder die Liebste mit jemand anderem bereits Kinder in die Welt gesetzt hat. Ego in Kombination mit Eifersucht macht der glücklichen Patchwork Familienzeit gerne einen Strich durch die Rechnung – vor allem wenn sich eine Frau oder ein Mann nicht “gut genug“ oder in Konkurrenz mit dem Ex-Partner / der Ex-Partnerin ihres Partners fühlen, reagieren sie verletzt auf die Existenz der Kinder, die für sie ein ständiges „Mahnmal“ der vorherigen Beziehung sind.

5. Unangemessene Rollenverteilung

Oft bekommt der neue Partner eine Rolle zugewiesen, die ihm nicht gebührt. Angenommen die Stiefmutter versucht den Platz der leiblichen Mama einzunehmen, indem sie diese übergeht oder verachtet, so kann das zu massiven Konflikten innerhalb des Familiensystems führen! Der neue Partner ist kein Ersatz-Elternteil, selbst dann nicht wenn die leibliche Mutter/der leibliche Vater komplett aus dem Leben der Kinder verschwunden ist – den leiblichen Eltern gebührt selbst im Fall, wenn sie verstorben sind, Würdigung und ein besonderer Platz im Leben ihrer Kinder. Neue Partner der Eltern sind als zusätzliches Mitglied der Familie zu betrachten und auch als solches zu behandeln.

Werden die leiblichen Eltern nicht geachtet (unabhängig davon wie sie sich verhalten haben oder welches Schicksal sie hatten) oder übernimmt das Stiefelternteil einen Platz der ihm nicht zusteht, dann führt das zu Konflikten. Die Herabsetzung leiblicher Eltern ist eine Hypothek auf das Glück der Patchwork Familie und macht sich bei den Kindern im Selbstwert und dem Verhalten bemerkbar.

Umgekehrt sollte es nicht so sein, dass man mit den Kindern einerseits zusammenlebt, für die Kinder aus voriger Ehe sorgt und kocht, sie abzuholen hat oder mit ihnen Hausaufgaben macht, ihnen aber andererseits verweigert bei der Erziehung mitzureden. Nur Pflichten, aber keine Rechte – hier fehlt der Ausgleich!

Fallbeispiel: Antonia (Name geändert) schildert ihre Sicht auf die Dinge: „Ich fühle mich insgesamt überrumpelt. Ich habe es mir nicht ausgesucht, mich ausgerechnet in einen Mann mit Kind zu verlieben – keine meiner Freundinnen hat dieses Los gezogen, aber mir ist es passiert. Nun habe ich versucht mich zu arrangieren, merke aber immer mehr, wie wenig Platz für meine Bedürfnisse und meine Wünsche ist. Es fühlt sich an als hätte mein Freund bildhaft gesprochen ein Puppenhaus gebaut, in dem sein Kind sitzt und auch die Ex – denn es ist ihm wichtig, dass die auch noch eine große Rolle spielt – und ich kann jetzt nach seinen Regeln und Regieanweisungen mitspielen oder eben nicht. Dass die Kleine zwar wie ein Engel aussieht, aber ein echter Fratz ist, Sprüche wie „Alles tanzt nach meiner Pfeife!“ von sich gibt und regelmäßig in der Nacht rein platzt, wenn ihr Vater und ich sexuell zur Sache kommen möchten, sich in der Früh zu uns ins Bett legen möchte, was mir unangenehm ist, weil es zu viel Nähe mit einem an sich fremden Kind ist, und mich mit ihren Frechheiten und ihrer Sturheit regelmäßig zur Weißglut bringt, ist nichts, worüber ich mit meinem Freund wirklich reden kann. „Mein Gott, sie ist halt ein Kind!“, sagt er dann nur. Am schlimmsten ist es allerdings für mich, dass ich sie zwar vom Ballett abholen darf und gut genug dafür bin, ihr bei den Hausübungen zu helfen, ihr aber keinerlei Grenzen aufzeigen darf.

Mal abgesehen davon, dass ich es hasse, im Kreise einer für mich fremden Familie Weihnachten feiern zu müssen, was bedeutet, dass ich wie der Trottel außen vor bin und zur Krönung dann noch ein Foto von meinem Mann mit dessen Ex und ihrem gemeinsamen Kind machen darf, auf dem ich nicht mit drauf sein soll, weil die Prinzessin sich einbildet, nicht nur mit Mama und Papa Weihnachten zu feiern, sondern auch nur Fotos von sich mit Mama und Papa als Erinnerung haben möchte. Was mit mir ist, wie ich mich fühle, welche Rolle ich in dieser Patchwork-Familie habe, interessiert keinen. Ich frage mich, ob das besser wird, wenn wir auch ein Kind haben – obwohl nicht mal fix ist, dass wir eines bekommen, weil mein Mann Angst hat, seiner Tochter damit zu viel zuzumuten und vielleicht ein echtes Trauma aufzuhalsen, wenn sie nicht mehr die Nummer eins und die Einzige ist.“

Wenn es Dir in Deiner Beziehung ähnlich geht, solltest Du Dir unbedingt professionelle Hilfe holen, um diesem Dilemma zu entkommen.

6. Alles schon Mal dagewesen

Fallbeipiel: An dieser Stelle möchte ich etwas ausführlicher von einer meiner Klientinnen berichten, die meine Unterstützung in Anspruch genommen hat. Eva 26 Jahre alt und Bernhard 39 (Namen geändert) sind seit knapp zwei Jahren zusammen. Die beiden wohnen seit einem Jahr in seiner Wohnung und haben seit geraumer Zeit grobe Probleme und Streits miteinander – vorrangig wegen seiner Kinder. Mit seiner Ex-Frau Patricia hat Bernhard zwei Kinder: ein Mädchen und einen Buben. Nach der Trennung ist er in der ehemals gemeinsamen Wohnung geblieben, während sich Patricia mit den Kindern ein neues Zuhause gesucht hat. Die Kinder kommen alle zwei Wochen über das Wochenende zu ihrem Papa. „Der Klassiker!“ könnte man also sagen.

Eva fühlt sich mit allem komplett unwohl: Der erste Faktor, der sie stört, ist die Wohnung. Die Tatsache, dass er mit seiner Ex und den Kindern in genau dieser Wohnung gelebt hat, belastet sie gehörig. Sie wünscht sich einen Neustart und den Aufbau eines gemeinsamen Heims. Bernhard aber ist Eigentümer der Wohnung und will deshalb (v.a. aus pragmatischen und Kostengründen) nicht ausziehen. Eva sieht das zwar ein, es hilft ihr aber nicht gegen ihr Unbehagen. Ein weiterer Streitpunkt bei den beiden ist, dass die Kinder oft und gern von ihrer Mama erzählen. Das läuft konkret dann beispielsweise so ab: Eva kocht für die Kinder Spaghetti. Sarah, die Tochter, erwähnt dann mehrmals, dass ihre Mama auch toll kochen könne und die besten Spaghetti mache. Was auf den ersten Blick banal wirken mag, provoziert und kränkt Eva dermaßen, dass sie außer sich ist vor Wut. Der Hintergrund für diesen Zorn: Sie hat ständig das Gefühl mit Bernhards Ex konkurrieren zu müssen. Sie fühlt sich wie die Nummer zwei – und das, obwohl ihr Bernhard seine Liebe versichert. „Egal, was es ist – alles hat er schon mit einer anderen erlebt!“ ist hingegen das vorherrschende Gefühl bei Eva. Sie wünscht sich gemeinsame Momente und Erfahrungen, die für beide neu und einzigartig sind. Auf meine Frage hin, warum sie sich ausgerechnet in Bernhard verliebt hat, kam folgende Antwort: „Er ist reif und gebildet. Es hat mir imponiert, dass er Lebenserfahrung hat und ich mich bei ihm gut aufgehoben fühle. Ich muss auch gestehen, dass mich seine Vorgeschichte am Anfang nicht gestört hat. Erst nach und nach entstand diese Eifersucht auf sein früheres Leben. Ich weiß, das klingt lächerlich!“

Was Eva beschreibt, ist keineswegs lächerlich – das kennen die meisten Frauen, die mit Männern zusammen sind, die Kinder haben. Viele Frauen berichten davon, enttäuscht darüber zu sein, dass sie nicht die ersten sind, mit denen der Auserwählte die Erfahrungen der Elternschaft teilt. Das Thema „Kinder“ ist nun mal auch eines der intensivsten und prägendsten Erlebnisse, die Menschen haben können.

Glücklich im Patchwork

Jetzt die gute Nachricht: Es gibt Patchwork-Familien, die wunderbar harmonieren und bei denen trotz anfänglicher Schwierigkeiten die Dinge irgendwann in Ordnung kommen. Erfahrungen, Familientherapien und Statistiken zeigen, dass es auf wenige prägnante Bedingungen ankommt, damit es mit dem Partner trotz der bereits vorhandenen Kinder gutgehen kann. Damit der Haussegen nicht schief hängt und die Liebe zwischen zwei Menschen bestehen bleibt, achte auf folgende Punkte:

Den eigenen Selbstwert stärken

Wie so oft liegt des Rätsels Lösung im eigenen Selbstwert. Menschen mit geringem Selbstbewusstsein neigen vermehrt zu Eifersucht und Vergleichen, weshalb es ein wirklich wichtiger Punkt ist, am Selbstwert zu arbeiten!

Den Ex/die Ex hochhalten

Fakt ist: Du verdankst dem Scheitern der Ex Beziehung deine neue Liebe und alle Bedingungen haben dazu geführt, dass dein Partner und du einander kennengelernt und euch ineinander verliebt habt. Zu diesen Bedingungen gehört auch die oder der Ex. Bedenke: Dein Freund wäre nicht der, der er ist, hätte er nicht erlebt, was er erlebt hat. Auch wenn es sich als unmöglich zu erfüllen anfühlt, so ist es ein Schritt in die richtige Richtung, den Ex hochzuhalten und ihm dankbar dafür zu sein, was er aus dem Menschen, den man heute hat, gemacht hat.

Vor den Kindern positiv über den Ex zu sprechen, ist essentiell, da es sich ja um deren Mutter oder Vater handelt. Das ist auch der Grund, warum man den Ex unter keinen Umständen ausschließen darf! Halte dir immer vor Augen, dass die Kinder sowohl Mutter als auch Vater und damit ein Anrecht auf beide haben. Als Stiefvater oder Stiefmutter ersetzt du keinen Elternteil, sondern bist ein zusätzliches Familienmitglied. Sobald Kinder spüren, dass negative Gedanken oder Emotionen im Spiel sind, beginnen sie, Partei zu ergreifen, manipulieren zu ihrem Vorteil die Erwachsenen und/oder vertreten unbewusst den abgelehnten Elternteil.

An einem Strang ziehen

Mit dem Partner im Gespräch zu bleiben, ihn in die eigenen Ängste einbinden und ihn um Hilfe und Unterstützung zu bitten ist genauso hilfreich, wie sich gemeinsam vor Augen zu halten, dass man an einem Strang ziehen möchte, damit die Beziehung funktioniert und hält. Ihr seid ein Team und so solltet ihr auch euren Alltag leben. Dabei ist keiner der Feind des anderen, sondern der Unterstützer. „Miteinander statt gegeneinander“ sollte euer klares Motto sein!

Den Ex Partner einbeziehen

Auch mit dem Ex deines Partners an einem Strang zu ziehen und sich zum Wohle aller Beteiligten zu einigen, entspannt die Lage nachhaltig. Doch dieser Schritt kann, wenn überhaupt erst erfolgen, nachdem die Fronten der ursprünglichen Paarbeziehung geklärt wurden. Sehr häufig ist dies ohne professionelle Unterstützung ein steiniger Weg den du auch wenn es dir schwerfällt unbedingt unterstützen solltest. Ungeklärtes aus vorangegangenen Beziehungen wirkt als Hypothek auf das Neue!

Eine Entscheidung treffen

Wenn du dich fragst: „Warum tue ich mir das an? Habe ich das wirklich nötig? Will ich das wirklich ein Leben lang mitmachen?“, stellst du deine gesamte Beziehung in Frage. Das wiederum schwächt eure Partnerschaft und schafft auf Dauer Distanz zu deinem Liebsten. Vergiss nicht: Liebe ist mehr als nur ein Gefühl – Liebe ist eine Entscheidung! Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich für oder gegen etwas entscheiden muss. Entscheidest du dich für einen bestimmten Mann oder eine bestimmte Frau, dann steh dazu mit allem drum und dran oder lass es. Werde dir bewusst: „Das ist meine Entscheidung, meine Wahl, und darum nehme ich meinen Partner mit allem, was zu ihm gehört. Und zu ihm gehören auch seine Kinder!“

Grenzen erkennen und einhalten

Auch wenn Liebe grundsätzlich Grenzen überwindet, sollte man sich der eigenen Grenzen bewusst werden und sich Überforderung eingestehen. Streitigkeiten mit Kindern oder dem Ex können eine Beziehung enorm belasten. Es ist daher wichtig, in diesem Zusammenhang Grenzen zu setzen. Die können zum Beispiel lauten, dass man nicht jede Konversation mit dem Ex des Partners mitverfolgen muss. Trotz der Rolle als Stiefvater oder Stiefmutter ist es erleichternd und bringt Klarheit, den Eltern die Hauptverantwortung für deren Kinder zu überlassen und sich an den richtigen Stellen rauszuhalten.

Die eigene Geschichte schreiben

Zu guter Letzt ist es wichtig, ein gemeinsames Leben und eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Denn wer immer in die Vergangenheit blickt, verliert den Fokus aus den Augen und sieht im Hier und Jetzt nicht klar. Sich mit ehemaligen Partnern oder womöglich sogar das eigene Leben mit dem vergangenen Leben des Partners zu vergleichen, führt nur zu Frustration, Unzufriedenheit und einem Gefühl des Nachteils. Schreib darum unbedingt deine eigene Geschichte mit deinem Liebsten und richte deinen Blick ganz bewusst nach vorne, wenn du merkst, dass du wieder in alte Fallen tappst! Bei all diesen Schritten, kann (dir allein oder euch zusammen) ein Coaching gute Dienste leisten, damit euer Familienalltag reibungsloser wird und ihr eine glückliche und leidenschaftliche Liebesbeziehung auf Augenhöhe führen könnt!

Apropos neuer Partner mit Kind

Leserin Sandra H. aus Neustadt fragt:

Mein Mann hat in Bezug auf unsere Siebenjährige einen „blinden Fleck“: Er schimpft oft, wenn er glaubt, sie sei trotzig, obwohl das nicht stimmt. Ich will das Kind schützen, also streite ich schließlich mit ihm und versuche, ihm zu erklären, dass sein Verhalten kontraproduktiv ist. Das ist anstrengend. Muss er sich aus der Erziehung heraushalten, wenn Einfühlungsvermögen gefragt ist?

Drei Experten antworten:

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Kirsten Boie ist Schriftstellerin und Autorin von mehr als hundert Kinder- und Jugend- büchern, darunter die allseits bekannten und geliebten Geschichten „aus dem Möwenweg“ oder die Abenteuer des kleinen „Ritter Trenk“.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Kirsten Boie: Holen Sie sich Hilfe, am besten von außen

Für ein Kind ist es sicher nicht gut, ständig zu erleben, dass die Mama böse auf den Papa ist – und es selbst den Zorn ausgelöst hat. Unter Umständen führt das sogar dazu, dass Ihr Kind Sie irgendwann gezielt gegeneinander ausspielt, vielleicht sogar unbewusst.

Eine Alternative dazu, Ihren Mann vor dem Kind auszuschimpfen, wäre vielleicht, Ihre Tochter einfach zu trösten. Die Frage ist ja, wie unsensibel er tatsächlich ist. Manchmal gibt es zwischen Eltern einfach Unterschiede in der Beurteilung von Erziehungsfragen, das muss nicht immer an mangelndem Einfühlungsvermögen liegen (Dieser Vorwurf muss für Ihren Mann ganz sicher kränkend sein).

Das sollten Sie abklären, am besten mit Hilfe von außen. Vielleicht nehmen Sie ja gemeinsam an einem Kurs zum Thema Kindererziehung teil oder lesen dazu gemeinsam ein Buch und sprechen darüber? Damit würden Sie zeigen, dass Sie nicht nur von Ihrem Mann erwarten, dass er sich bewegt.

Kinder können neue Partner oft schwer akzeptieren: Das können Sie tun

„Mama, wann geht der denn endlich wieder?“ Mit einfachen Worten drückt die sechsjährige Anna ihren Unwillen über die familiäre Situation aus. Mama hat einen neuen Freund – und den mag sie nicht. Sie will ihn auch gar nicht mögen, schließlich ist das ja ihre Mama, oder? Solche Probleme haben Frauen und Männer gleicher- maßen, wenn sie ihren neuen Partner in ihr (Familien)leben integrieren möchten. Denn auch wenn Patchworkfamilien nichts ungewöhnliches mehr sind und es viele schöne Beispiele für ein glückliches Zusammenleben gibt – manche Kinder wollen ihre Eltern einfach nicht teilen und kommen mit dem neuen Partner oder der Partnerin nicht klar. Was kann das Elternteil in dieser Situation tun? Was der neue Partner tun kann und inwieweit spielt der Ex-Partner noch eine Rolle?

Geduld ist gefragt

Wenn ein neuer Freund oder die neue Freundin in die Familie kommt, sind die meisten Kinder erst mal zurückhaltend. Auch anfängliche Eifersucht oder ein Buhlen um Aufmerksamkeit ist ganz normal und nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass das Kind dauerhaft gegen den Partner ankämpfen wird. Kinder brauchen Zeit, sich auf eine neue Situation einzustellen und die müssen ihnen alle Beteiligten geben. Wolfgang Jaede schreibt in seinem Buch „Was Scheidungskindern Schutz gibt“, dass Kinder „klare Verhältnisse lieben und eine Berechenbarkeit der Lebenssituation brauchen.“ Wenn die neue Partnerschaft der Eltern keine Gefahr für sie darstellt, werden sich die meisten Kinder auch damit arrangieren können. Dafür müssen allerdings einige Punkte gewährleistet sein:

– Die Stiefmutter / der Stiefvater sollte nicht den Anspruch haben, an die Stelle der leiblichen Mutter oder des leiblichen Vaters treten zu wollen.
– Die meisten Kinder legen auf diesen Unterschied sehr großen Wert, selbst dann, wenn sich die leiblichen Eltern wenig um sie gekümmert haben.
– Ihnen ist wichtig, dass ihre eigenen Eltern ausreichend geachtet werden. Dadurch fühlen sie sich selbst wertgeschätzt.
– Sie sind dann eher bereit, sich auf neue Partner einzulassen, weil sie nicht Angst haben müssen, die Beziehung zu ihren eigenen Eltern zu verlieren.
– In Stieffamilien sollte deshalb gerade zu Beginn darauf geachtet werden, dass der Besuchskontakt zum leiblichen Elternteil stabil bleibt.
– Auch sollte nicht erwartet werden, dass zu den neuen Eltern „Mama“ oder „Papa“ gesagt wird, sondern diese vielleicht eher mit dem Vornamen angesprochen werden.
– Früh geklärt werden sollte auch die erzieherische Zuständigkeit in der Familie, gerade wenn die Kinder sagen: „Du bist nicht mein Vater / meine Mutter.“

(Quelle: „Was Scheidungskindern Schutz gibt“ von Wolfgang Jaede)

Auch Erwachsene brauchen Zeit

Doch auch die anderen Beteiligten der neuen Familie brauchen Zeit, sich an die Konstellation und an das Leben miteinander zu gewöhnen. Thorsten Spreckelsen, Diplom-Psychologe aus Hamburg, weist darauf hin, dass auch die Erwachsenen zu schnell versuchen, in neue Familienrollen oder gar Elternrollen hineinzuschlüpfen. „Jeder in der Patchworkfamilie braucht Zeit, um die neue Situation zu verarbeiten und zu verstehen“, sagt Spreckelsen der Nachrichtenagentur ddp. Er empfiehlt, dass sich die Partnerschaft zunächst außerhalb der Familie abspielen soll. Für die Kinder ist es zudem wichtig, dass die neue Beziehung der Eltern nicht gleich wieder in die Brüche geht und dadurch wieder große Unruhe im Leben des Kindes entsteht. Deshalb sollte die Beziehung erst gefestigt sein und die Erwachsenen sollten sicher sein, dass ihre Beziehung von Dauer ist. Folgende Punkte des Zusammenwachsens neuer Familien sollten beachtet werden:

– Das Paar lernt sich kennen (und lieben).
– Es hat Rendezvous in der kinderfreien Zeit, an den Wochenenden und in den Ferien.
– Ist die Partnerschaft erprobt und gefestigt, kommt die nächste Stufe.
– Die Partnerin oder der Partner lernt das oder die Kinder kennen.
– Sie verbringen gemäßigt Zeit miteinander – Stundenweise, an Wochenenden und in den Ferien.
– Der oder die „Neue“ kann auch mit den Kindern alleine sein und alle Beteiligten fühlen sich wohl dabei.
– Die Kinder lernen Freunde und Verwandte der neuen Familienmitglieder kennen.
– Erst wenn sich die Kinder mit dem neuen Partner oder der neuen Partnerin und unter den Freunden und Verwandten wohlfühlen, sollte die Patchworkfamilie zusammenziehen oder die Partner gar heiraten.

(Quelle: „Glückliche Scheidungskinder“ von Remo H. Largo und Monika Czernin)

Anna hat Angst

Die Autoren Remo H. Largo und Monika Czernin schreiben in “Glückliche Scheidungskinder”, dass es ein “Minimum an Beziehung” benötige, damit ein Zusammenwachsen der neuen Familie klappen könne. Es komme darauf an, dass sich das Kind ernstgenommen fühle. Hier reicht es nicht, als guter Onkel oder Tante aufzutreten und dem Kind ein Geschenk mitzubringen. Der neue Partner muss selbst gewillt sein, eine Beziehung zu dem Kind aufzubauen und es nicht nur als Beiwerk anzusehen. Vielleicht baut Anna eher ein Verhältnis auf, wenn Mamis neuer Freund auch mal alleine mit ihr ein Eis essen geht und ihr zuhört, wenn sie von ihrer besten Freundin erzählt? Falls das (von seiner Seite) nicht möglich ist und ihn eine solche Freizeitaktivität sogar langweilen würde, sollte das Paar die Beziehung aus der Familie heraushalten und somit von Anna fernhalten. Largo und Czernin weisen außerdem darauf hin, dass es wichtig sei, dass der Vater oder die Mutter „autonom“ mit der schwierigen Situation umgehen. Sie müssten selbst erkennen, was für ihr Kind am besten sei und danach handeln. Dadurch verlören die Kinder die Angst, ihre Mama oder ihren Papa zu verlieren und könnten offener auf den neuen Partner zugehen. Wenn Anna merkt, dass sich das Verhalten ihrer Mutter plötzlich ändert und plötzlich andere Regen gelten, weil dieser Mann da ist, verliert sie ihre Sicherheit und bekommt Angst. Es ist also kein Wunder, dass sie möchte, dass er wieder geht.

Die Rolle des Ex-Partners

Die Beziehung ist vorbei, trotzdem spielt der Ex-Partner im neuen Familiengefüge eine große Rolle. Mit ihm steht oder fällt manchmal das ganze „Projekt“. Wolfgang Jaede schreibt, „von Bedeutung für das Gelingen einer Stieffamilie ist auch die Art der Beziehung, die zur Ursprungsfamilie besteht.“ Er erklärt, dass, wenn der getrennt lebende Elternteil ausgegrenzt und nie erwähnt würde, das Kind gezwungen sei, ihn mitzuverleugnen. Oftmals würden gerade dadurch Konflikte entstehen und die Ablehnung der Stiefeltern weiter provoziert. Hat das Kind zu beiden Eltern ein gutes Verhältnis und die Beziehung zwischen den beiden Elternteilen ist geklärt, kann sich das Kind besser auf eine dritte Person einlassen. Spürt es allerdings Trauer oder Wut des Ex-Partners, ist die Gefahr groß, dass es diese Gefühle übernimmt und projiziert und den neuen Partner dauerhaft ablehnt.

Orientierungshilfe für Eltern in und nach der Trennung

Im Folgenden versuchen wir Ihnen als getrennt lebende Eltern Anregungen zu geben, die nach unserer Erfahrung im Umgang mit Kindern hilfreich sind. Sie sollen zu Ihrer Orientierung dienen und keine starre Normen darstellen, die der Vielfältigkeit des Lebens nicht Rechnung tragen und nur zu Misserfolgserlebnissen und Schuldgefühlen führen. Entscheidungen werden Sie in einer bestimmten Situation für eine begrenzte Zeit treffen. Wie sich alles ändert, werden sich auch Bedürfnisse und Umstände in Ihrer Familie ändern. Festlegungen, die bei der Trennung passend sind, werden sie später evtl. ändern müssen. Getroffene Entscheidungen und auch Verzichte, die Sie als Eltern zugunsten der Kinder leisten, sind manchmal schwer durchzuhalten. Sie bieten aber auch Chancen für die eigene innere Weiterentwicklung.

1. Seien Sie auf Fairness im Geben und Nehmen bedacht. Wie grundsätzlich in jeder zwischenmenschlichen Beziehung, sollten Sie auch als Eltern in Trennung bei Ihren Schritten die Folgen für sich selbst und die anderen Beteiligten im Blick behalten. Wer sich ungerecht behandelt fühlt, sucht die Wiederherstellung des Gleichgewichts, sucht Vergeltung. Deshalb führt erst ein gerechter Interessenausgleich aller Beteiligten zu einem Ende von Konflikten.

2. Halten Sie Ihr Kind strikt aus Ihren Ehekonflikten heraus. Bringen Sie es nicht in Situationen, in denen es Partei gegen einen von Ihnen beiden ergreifen soll. Lassen Sie es keine Aufgaben übernehmen, die Sie und Ihr Partner regeln müssen. Sagen Sie Ihrem Kind, dass es sich heraushalten kann, weil Sie und Ihr Partner die Dinge allein regeln werden.

3. Halten Sie gegenüber dem Kind die Achtung vor dem anderen Elternteil hoch. Lassen Sie diese Achtung kein Lippenbekenntnis sein, sondern leben Sie es dem Kind vor. Denn Ihr Kind orientiert sich nicht an dem, was Sie sagen, sondern an dem, wie Sie sich verhalten. So nützt es wenig, wenn Sie zu ihrem Kind sagen: „Du kannst ruhig zum Vater (zur Mutter) gehen“, wenn Sie gleichzeitig nonverbal signalisieren, „tu das nicht“. Es ist förderlich, wenn beide Elternteile ihre Vorbehalte gegeneinander zurückstellen und im Kind den anderen Elternteil achten. Dieses Kind gibt es nur, weil es Sie und weil es den anderen Elternteil gibt.

4. Arbeiten Sie an der Entwicklung Ihrer eigenen „Person und stellen Sie sich den anstehenden Aufgaben und Konflikten. Wenn Sie dies vermeiden, bürden Sie das langfristig Ihrem Kind als Aufgabe auf. Nehmen Sie z. B. zu wenig eigene Kontakte zu anderen Erwachsenen auf und binden Ihr Kind, wird dieses in seiner Entwicklung gehemmt. Vermeiden Sie anstehende Auseinandersetzungen mit Ihrem Partner, übernimmt das vielleicht Ihr Kind für Sie. Tragen Sie nicht Ihren Teil der Verantwortung an der Trennung, wird sich evtl. Ihr Kind die Schuld dafür geben.

5. Wenn Sie sich auf der Partnerebene trennen, vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Sie sich nicht von ihm trennen, sondern als Elternteil verfügbar bleiben. Ein Kind, das mit der Gewissheit durch die Welt geht, beide Eltern stehen zu ihm und unterstützen es, kann mit Mut und Selbstbewusstsein durch das Leben gehen. Erlebt es diese Sicherheit nicht, kann es sich ängstlich und verlassen fühlen. Den Beschluss zur Trennung teilen Sie am besten gemeinsam dem Kind mit. Sinngemäß können Sie sagen: „Wir werden uns als Mann und Frau trennen aber als Vater und Mutter weiter für Dich da sein. Du wirst bei der Mutter (oder beim Vater) wohnen, aber den Vater (oder die Mutter) in freier Gestaltung besuchen können. Die Trennung ist nicht Deine Schuld und Du kannst sie auch nicht abändern, denn wir haben es so beschlossen.“ Das Kind darf sagen, wo es gerne leben möchte und welche weiteren Wünsche es hat. Die Entscheidung darüber fällen jedoch Sie, die Eltern. Sie treffen diese Entscheidung gemeinsam, um das Kind vor Loyalitäts­konflikten zu schützen.

6. Sind Sie der verlassende Elternteil, dann drängen Sie Ihr Kind nicht, Ihren Trennungs­schritt gut zu heißen. Ansonsten würden Sie Ihre Schuldgefühle mindern, das Kind jedoch in die Situation bringen, seine eigenen Gefühle

verdrängen zu müssen, um Sie nicht zu enttäuschen. Ihr Kind darf traurig und wütend auf Sie sein. Das müssen Sie aushallen, denn Sie haben sich zu diesem Schritt entschieden und bürden ihn dem Kind auf.

7. Sind Sie der verlassene Elternteil, ist es Ihre Aufgabe, langfristig das Verlassensein zu akzeptieren, ein neues, unabhängiges Leben zu bejahen und einen Neuanfang zu wagen.

8. Lebt das Kind überwiegend bei Ihnen, dann achten Sie darauf, den Umgang des Kindes mit dem anderen Elternteil zu fördern. Dabei brauchen Sie keine Gefühle zeigen, die Sie nicht haben. Machen Sie sich und dem Kind klar: „Ich hatte eine andere Beziehung mit Papa (oder Mama) als Du. Daraus folgen andere Gefühle. Aus diesen anderen Gefühlen heraus werde ich mich zu ihm (ihr) anders verhalten als Du. Du sollst Deinen Gefühlen folgen und ihnen gemäß handeln, und ich werde gemäß meiner Gefühle handeln. Wir werden uns mit dieser Unterschiedlichkeit gut vertragen können und unsere unterschiedlichen Gefühle und Handlungen respektieren.“

9. Wenn das Kind bei der Mutter ist, gelten die Regeln der Mutter. Wenn das Kind beim Vater ist, gelten die Regeln des Vaters. Vermeiden Sie es, einander Erziehungsvorschriften zu machen oder die des anderen negativ zu kommentieren. Über Unverein­barkeiten in den Erziehungsstilen sollten Sie ohne das Kind miteinander reden.

10. Wenn Sie nicht ausreichend an der Betreuung des Kindes beteiligt werden, oder Sie die Beteiligung des anderen Elternteils vermissen, finden Sie Vermittlungs- und Mediationsangebote unter anderem bei Jugendämtern und Erziehungsberatungsstellen. Manchmal ist es notwendig, juristische Wege zu gehen, weil sonst evtl. Fakten geschaffen werden, die Sie nicht mehr umkehren können. Allerdings ist hierbei zu bedenken, dass gerichtliche Regelungen nicht notwendigerweise eine Beendigung des Streits bringen. Der Versuch über Zwang eine Einigung zu erzielen, würdigt nicht die Autonomie des Anderen und verfestigt meist den Kampf der Beteiligten. Manchmal bringt es Ihnen paradoxer Weise mehr, wenn Sie nicht gegen den anderen Elternteil ankämpfen, sondern sich auf die Suche nach gemeinsam getragenen Lösungen einlassen können.

Tipps für neue Partnerschaften mit vorhandenen Kindern

1 Für den primär betreuenden Elternteil:

Nach der Trennung von Ihrem Partner haben Sie vielleicht irgendwann den Wunsch nach einer neuen Beziehung. Sie brauchen dann das Kind nicht um Erlaubnis fragen, sollten aber die Rangfolge im familiären System beachten:

a) Das Kind rangiert im System einer sich neu zusammensetzenden Familie zeitlich vor dem neuen Partner und muss in der Rangfolge vor diesem bleiben. Beachten Sie das nicht, suchen Sie Befriedigung Ihrer Bedürfnisse auf Kosten Ihres Kindes. Dies gilt solange das Kind der elterlichen Fürsorge bedarf. Wenn Ihr Kind erwachsen ist, sind Sie als Elternteil in Ihren Entscheidungen frei.

b) Fördern Sie die Beziehung Ihres Kindes zum anderen leiblichen Elternteil. Sie sollten nicht vom Kind verlangen, dass es Ihren neuen Partner als Vater oder Mutter akzeptiert. Das Kind hat bereits einen Vater und eine Mutter, unabhängig von den Gründen Ihrer Trennung. Vater und Mutter sind durch niemanden zu ersetzen. Sowohl das Kind als auch der andere Elternteil brauchen Zeit, um Ihre neue Partnerbeziehung zu akzeptieren. Beide müssen Ihren neuen Partner nicht lieben als Mensch, jedoch verdient er Respekt.

2 Für den nicht mit dem Kind zusammenlebenden Elternteil:

Auch wenn Sie vom Zusammenleben mit der neuen Familie ausgeschlossen sind, so bleiben Sie doch Mutter bzw. Vater des Kindes. Sie und Ihr Kind nehmen auch weiterhin gegenseitig am Leben des anderen teil, solange Sie sich förderlich gegenüber Ihrem Kind verhalten. Dies ist Ihr Recht und Ihre Verpflichtung.

a) Stellen Sie sich nicht dem Zusammenwachsen der neuen Familie in den Weg, sondern fördern Sie es. In erster Linie geht es um Ihr Kind, nicht um Sie. Kindern geht es immer besser, wenn es in der neuen Familienkonstellation keine Probleme gibt.

b) Tragen Sie offene Rechnungen mit Ihrem früheren Partner nicht über das Kind aus. Übernehmen Sie die Verantwortung für die Gestaltung Ihres Lebens selbst.

3 Für den neuen Partner:

Sie nehmen keine Beziehung zu einer Einzelperson auf, sondern zu einem Menschen, der sich bereits in einer lebenslangen Bindung zu seinem Kind befindet. Für dieses Kind können Sie nicht Mutter oder Vater sein. Die Beziehung zu den leiblichen Eltern bleibt vorrangig und sollte von Ihnen gefördert werden.

a) Versuchen Sie nicht, den anderen leiblichen Elternteil des Kindes Ihres Partners schlecht zu machen und selbst ein besserer Elternteil als dieser zu werden. Damit würden Sie es dem Kind erschweren, zu beiden leiblichen Eltern loyal zu bleiben.

b) Sie kommen neu in ein gewachsenes, fertiges Beziehungssystem hinein. Das Zusammenwachsen zu einer neuen Familie braucht Zeit. Als neuem Partner wird Ihnen dabei möglicherweise viel abverlangt. So müssen Sie evtl. zunächst damit leben, vom Kind abgelehnt zu werden. Diese Ablehnung kann drastisch und verletzend ausfallen: „Hau ab, du Arsch, was willst du hier.“ Versuchen Sie dennoch, es nicht allzu persönlich zu nehmen. Die Ablehnung gilt nicht unbedingt Ihrer Person, vielmehr wird sie aus zwei beziehungsdynamischen Quellen gespeist:

– der Loyalitätsverpflichtung des Kindes zum abwesenden leiblichen Elternteil und dem Wunsch nach Wiederherstellung der Ursprungsfamilie;

– dem Bindungsbedürfnis des Kindes. Das Kind hat einen Elternteil bereits verloren (zumindest im Alltagsleben). Es ist in seinem existentiellen Sicher­heitsgefühl erschüttert worden und sucht nun die enge Bindung an den verbleibenden Elternteil. Diese Bindung will es nicht gefährden und an einen „Eindringling“ verlieren. Das Kind verteidigt nicht nur die Nähe zu Mutter und Vater, sondern auch den Vorrang in diesen Beziehungen. Für das Kind ist der neue Partner des Elternteils, mit dem es zusammen lebt, bedrohlicher als der neue Partner des Elternteils, mit dem es nicht zusammen lebt.

c) Dort, wo Sie nach Etablierung des neuen Systems als hinzugekommenes Familienmitglied mit erziehen, nehmen Sie die Stelle des abwesenden leiblichen Elternteils ein und sollten dessen legitime Interessen unterstützen und in dessen Sinne wirken. Sie können jedoch nur dann erzieherische Autorität gewinnen, wenn die leiblichen Eltern Sie gegenüber dem Kind dazu autorisieren, z.B. indem sie dem Kind mitteilen: .Sie/Er hat Dir was zu sagen. Du sollt auf sie/ihn hören. Ich will das so.“ Dabei sollten Sie berücksichtigen, dass Sie als neues Familienmitglied in der Erziehung gegen­über Ihrem Partner nachrangig bleiben. Weitreichende Sanktionen muss dieser zunächst selbst übernehmen.

Wenn der Ex-Partner eine neue Beziehung eingeht…

Eine Trennung stellt für die Betroffenen ein kritisches Lebensereignis dar, welches mit einer Vielzahl an Gefühlen einhergeht. Den dabei ausgelösten Trauerprozess zu bewältigen, ist die Aufgabe. Meist trifft einer der Partner zuerst die schlussendliche Entscheidung, die Partnerschaft zu beenden, und beide Betroffene befinden sich häufig an unterschiedlichen Stellen des Trauerprozesses.

Damit eine neue Partnerschaft Möglichkeit zur Entwicklung hat, ist es wichtig, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen, authentisch zu sein und sich darüber mit dem Partner auszutauschen. Auch wenn die Ex/der Ex auf Grund der Geschichte noch verletzt ist, darf jeder sein „Verliebtsein“ genießen.

Sandra Walz von der Familienberatung des Instituts für Sozialdienste (ifs) in Bludenz hinterfragt die Notwendigkeit des Kennenlernens der Ex/des Ex. „Wenn ein Zusammentreffen zwischen neuer Partnerin/neuem Partner und der Expartnerin/dem Expartner angedacht wird, gilt es nach dem ‚wozu‘ zu fragen. Was soll damit erreicht werden? Was ist der Sinn dahinter?“Oftmals stehen hinter solchen Absichten sehr romantische und idealisierte Vorstellungen von Liebe und Freundschaft sowie ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Harmonie – um jeden Preis. Jedoch können Zusammentreffen mit der neuen Partnerin des Ex/dem neuen Partner der Ex bereits versorgte intrapsychische Verletzungen (wieder) aktivieren. Es ist nicht notwendig, sich immer wieder in Situationen zu begeben, die neuerliche Kränkungen bedeuten und überfordern können. „Wir müssen nicht cooler sein, als wir sind!“ Jedoch steht prinzipiell einem Kennenlernen, sofern dies allen Beteiligten als sinnvoll und wertvoll erscheint, nichts im Wege.

Anders stellt es sich dar, wenn Kinder involviert sind. „Wenn eine Partnerschaft mit jemandem, der Kinder hat, eingegangen wird, ist es klar, dass man/frau keinen ‚Frischling‘ bekommt.“ Die Kinder brauchen ihre Eltern, ob diese nun getrennt sind, neue Partnerschaften haben oder unter einem gemeinsamen Dach leben. Die Befriedigung der Bedürfnisse der Kinder nach liebevollen und beständigen Beziehungen, nach Sicherheit, Unversehrtheit und Regulation, nach Grenzen und Strukturen, sowie nach individuellen und entwicklungsgerechten Erfahrungen sind für deren Wohlbefinden unabdingbar.

Oftmals setzen sich alle Beteiligten in einer solchen Situation zu sehr unter Druck. Hier ist Achtsamkeit und Feingefühl empfehlenswert. Einen respektvollen Umgang miteinander zu leben ist notwendig, mehr darf es sein. Für die Beziehungsgestaltung tragen in erster Linie die beteiligten Erwachsenen die Verantwortung. Die Kinder sollen erleben, dass der Papa/die Mama trotz neuer Liebe weiterhin Zeit und Interesse an ihnen haben. Die Kinder des Partners/der Partnerin sollen einen gern haben dürfen, müssen es aber nicht. Die Kinder sollen die neue des Papas/den neuen der Mama gern haben dürfen und dies auch der Mutter/dem Vater mitteilen können. Kinder spüren atmosphärisch, ob sie mit ihrer Zuneigung zu jemandem einen Elternteil kränken oder nicht und geraten, im ersten Fall, sehr schnell in Loyalitätskonflikte. Auch hinter negativen Äußerungen des Kindes gegenüber der neuen Partnerin/dem neuen Partner kann die Angst stehen, einen Elternteil ansonsten zu verletzten und zu verlieren. Es ist wichtig hinter das Verhalten des Kindes zu blicken, die eigenen Grenzen zu wahren und auf eine „anständige“ Begegnung zu bestehen. Keinesfalls sollten die Erwachsenen auf diese gezeigte emotionale Not des Kindes mit Sanktionen, Gegenvorwürfen, etc. reagieren. Hinter jeder Äußerung und Handlung des Kindes steckt auch ein Beziehungsangebot. Die neue Partnerin/der neue Partner kann im besten Fall eine weitere erwachsene, vertrauensvolle Bezugsperson für das Kind werden. Beziehungen, die das Kind unbelastet erleben und leben darf, fördern dessen Wohlbefinden und Entwicklung.

Ein gegenseitiges Kennenlernen unter den Erwachsenen kann hier wohl sehr sinnvoll sein, um das gegenseitige Vertrauen zu fördern und zu stärken. Auch hier gilt die Devise der respektvollen Begegnung und auch des gegenseitigen Mögen Könnens, aber nicht Müssens.

Merkt man/frau, dass es den Kindern nicht gut geht, weil man/frau als Elternteil mit neuer Partnerin/mit neuem Partner zwischen zwei Stühlen steht, als anderer Elternteil Eifersucht gegenüber der neuen Partnerin/dem neuen Partner hegt oder als neue Partnerin/neuer Partner mit der Situation nicht zurecht kommt, und auch Gespräche mit den Beteiligten bzw. mit Vertrauenspersonen keine Klärung bringen, können Experten Unterstützung bieten. Patchwork-Konstellationen stellen alle Beteiligten vor eine große Herausforderung und benötigen viele Bewältigungs- und Anpassungsleistungen. Die eigenen Bedürfnisse und die des Kindes sind nicht immer dieselben und müssen auch in ihrer Unterschiedlichkeit von den Erwachsenen erkannt werden.

«Über die Hälfte trennt sich wieder»

Bevor eine neue Familie im Patchwork entstehen kann, muss zuvor die alte auseinanderbrechen. Was bedeutet das für die Kinder ?
Thomas Hess: Gut, dass Sie mit dieser Frage beginnen. Die meisten setzen ja erst beim Patchwork an und fragen sich dann, wieso es nicht funktioniert. Dabei ist zentral, wie die vorherige Trennung vonstattenging: War sie einvernehmlich? Tragen beide die Verantwortung dafür, dass es schiefgegangen ist? Oder wird mit Konzepten wie gut und böse, schuldig oder unschuldig operiert?
Claudia Starke: Für die Kinder bricht bei einer Trennung erst mal eine Welt zusammen. Und bevor man eine neue Beziehung eingeht, sollte man sich Rechenschaft darüber ablegen, ob die Trennung verarbeitet ist und wo man mit dem Ex-Partner steht.

Warum ist die Situation mit dem Ex-Partner so wichtig?
C. S.: Weil die Kinder weiterhin beide Elternteile brauchen. Kinder sind Seismografen. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, reagieren sie auf ihre Weise. Nun können die Eltern finden, das Kind tue blöd, und es zum Therapeuten in die „Reparatur“ schicken. Oder sie können es ernst nehmen und sich fragen, ob die Probleme, die das Kind macht, etwas mit ihrer Beziehung zu tun haben. Wenn das Kind Probleme macht, führt das ja oft dazu, dass die leiblichen Eltern gezwungen sind, wieder mehr miteinander zu reden oder zusammenzuarbeiten. Dahinter steht der unbewusste Wunsch der Kinder, dass ihre Eltern wieder miteinander auskommen und ihre Verletzungen überwinden.

Wenn die Trennung überwunden und ein neuer Partner da ist: Welchen Fehler machen Patchworkeltern am häufigsten?
C. S.: Sie ziehen zu schnell zusammen. Und beziehen den Ex-Partner nicht in die neue Situation ein, sondern verleugnen oder outsourcen ihn.
T. H.: Oft haben die Verliebten nur noch Augen füreinander und versuchen, die Kinder in ihre Liebe mit einzubeziehen. Sie wollen nach vorne schauen, die Konflikte werden beim Ex-Partner gelassen. Mit der häufigen Folge, dass die Kinder plötzlich Schwierigkeiten machen. Etwa indem sie zum neuen Partner sagen: Du bist nicht mein neuer Vater, ich habe einen Vater. Oder: Ich lasse mir nur von meinem richtigen Vater sagen, wann ich ins Bett muss. So versuchen sie die Ex-Partner wieder in Erinnerung zu rufen.

Wann ist dann der richtige Moment, um zusammenzuziehen?
C. S.: Neue Beziehungen aufzubauen, braucht Zeit, und jede Beziehung durchläuft Phasen. Nicht nur Frischverliebte erleben einen Honeymoon – oft auch die Kinder. Sie sind froh, dass Mutter oder Vater wieder fröhlich sind.
T. H.: Das ist dann oft die Phase, in der sie beschliessen, zusammenzuziehen. Aber als Stiefmutter oder -vater hat man eine ganz neue Rolle. Plötzlich ist man in einer Erziehungsfunktion für fremde Kinder. Da treffen irritierende Eigenarten und unterschiedliche Erziehungsvorstellungen aufeinander, und alle brauchen Zeit, sich an das Neue zu gewöhnen. Und mit Zeit meinen wir nicht einige Wochen, sondern Monate und je nach Alter der Kinder bis zu zwei Jahren.

Dass Teenager mit Ablehnung auf Patchworksituationen reagieren, ist naheliegend. Ist es mit jüngeren Kindern einfacher?
T. H.: Ja, wobei auch kleinere Kinder reagieren. Auch sie spüren, dass etwas Wichtiges vorgeht, können es aber oft nicht richtig fassen. Deshalb reagieren sie, wenn es ihnen zu schnell geht, eher psychosomatisch, zum Beispiel mit Schlaflosigkeit, Bettnässen, Bauchschmerzen, Durchfall, Kopfschmerzen. Je älter sie werden, desto eher können sie sagen, was in ihnen vorgeht – falls es der Familienkultur entspricht, auch unangenehme Dinge anzusprechen.
C. S.: Pubertierende wiederum mögen es nicht, wenn der Ex-Partner nicht einbezogen wird. Man muss also aufmerksam sein und nachfragen: Was genau gefällt dir an der Situation nicht?

Haben diese Probleme damit zu tun, dass wir einem bürgerlichen Ideal der Kleinfamilie nachrennen?
C. S.: Ja, zumindest grösstenteils. Früher lebte man in grossen Verbänden: Eltern, Grosseltern, Tanten, Gesinde und jede Menge Kinder. Und es war aufgrund der hohen Müttersterblichkeit ganz normal, mit Stiefeltern und Stiefgeschwistern zusammenzuleben. Die Erziehungsfunktionen waren auf verschiedene Personen verteilt. Heute haben verliebte Elternteile oft nichts Eiligeres zu tun, als wieder heile Kleinfamilie zu spielen. Sie tun so, als ob der Stiefvater der richtige Vater wäre. Aber die Kinder goutieren das nicht. Für alle ist es wichtig, sich über die unterschiedlichen Beziehungen in einer Patchworkfamilie klar zu werden: Ein Stiefvater ist nicht dasselbe wie ein leiblicher Vater, ein Stiefbruder etwas anderes als ein leiblicher Bruder.

Scheitern Patchworkfamilien an den hohen Erwartungen?
C. S.: Sicher auch. Denn zu Zeiten der Grossfamilie gab es keine so hohen Erwartungen an die jeweiligen familiären Rollen wie heute. Nähere Beziehungen zu Geschwistern, Ammen oder Stiefmüttern konnten sich ergeben, erwartet wurde es nicht. Ganz anders als heute, da man Mutter und Kind als sakrosankte Einheit betrachtet. Wenn die Basis des Familienideals nicht mehr wie früher die wirtschaftliche Notwendigkeit ist, sondern die Liebe, dann hat man natürlich auch entsprechend hohe Erwartungen an die Qualität der Beziehungen.
T. H.: Diese Überhöhung des Liebesideals hat auch eine Kehrseite. Ohne den wirtschaftlichen Druck ist die Neigung grösser, bei Krisen schneller aufzugeben und sich nach einem besseren Kandidaten umzusehen. Die Verliebten sehen nicht, was alles dranhängt. In der Beratung bremsen wir eher, wenn die Leute allzu leichtfertig zu Trennung und Neubeginn tendieren. Wir zeigen auf, was alles auf sie zukommen wird. Wir lassen sie fantasieren, was das für sie in zwei Jahren oder in fünf oder in zehn bedeuten wird.

Moderne Eltern neigen dazu, Kinder in Entscheidungen einzubeziehen. Wie weit sollen sie gehen?
T. H.: Das ist eine Gratwanderung. Die Frage, ob man zusammenzieht, müssen sicher die Erwachsenen entscheiden. Aber bei den Rahmenbedingungen, also den Fragen, wann, wo und wie das geschehen soll, sollte man den Kindern ein Mitspracherecht einräumen. Klar bleiben muss aber, dass die Eltern entscheiden und die Verantwortung nicht an die Kinder abschieben.

Geht es in einer Patchworkfamilie zu wie am Arbeitsplatz? Sitzungen, Termine, von den Chefs geleitet?
T. H.: Ja, die Logistik ist anspruchsvoll. Sich wöchentlich einmal zu treffen und solche Dinge zu besprechen, wäre das Ideal. Es ist aber nicht immer so leicht durchzusetzen, gerade männliche Jugendliche können mit solchen Familienkonferenzen nicht viel anfangen.

Warum?
T. H.: Die halten das für Psychoseich und haben Mühe, sich darauf einzustellen. Auch weil die Mädchen in solchen Situationen oft sprachlich überlegen sind. Da werden wieder die Rollenbilder spürbar, die den werdenden Männern vorgelebt werden.

Heute versuchen ja Männer vermehrt, Verantwortung zu übernehmen. Verändert das auch die Patchworksituation?
C. S.: Männer nehmen heute ihre Vaterrolle oft besser wahr als früher. Es gibt deshalb vermehrt Situationen mit geteiltem Sorgerecht, sodass die Männer nach einer Trennung einen Teil der Erziehungsverantwortung übernehmen. Das macht es gerade in Patchworksituationen besonders schwierig. Sie arbeiten viel, weil sie sich für das Einkommen verantwortlich fühlen, wollen guter Vater für ihre leiblichen Kinder sein, für ihre Stiefkinder da sein und haben vielleicht noch ein Patchworkkind.

Kann das Modell Patchworkfamilie auch Vorteile haben?
C. S.: Natürlich. Das Verwandtschaftsgeflecht vergrössert sich, es gibt mehr Grosseltern, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen usw. Für die Kinder kommen allfällige Stiefgeschwister hinzu. Wenn sich die Kinder gut verstehen, können sich sehr starke Freundschaften und Bindungen bilden. Das entspricht ungefähr den Vorteilen einer Grossfamilie. Aber das bekommt man nicht gratis, man muss das pflegen.

Welche Chance haben solche Familien?
T. H.: Statistisch gesehen trennt sich über die Hälfte der Patchworkfamilien wieder. Gerade deshalb ist es sehr wichtig, nicht leichtfertig in dieses Experiment hineinzugehen. Jede erneute Trennung ist eine Traumatisierung.

Eine Patchworkbetroffene sagte mir, es sei wie ein Auslandaufenthalt gewesen, weil man neue Codes und Sprachen lernt – kann das Patchwork also auch ein Gewinn sein?
T. H.: Das ist ein gutes Bild. Funktionierende Patchworkfamilien sind hochkarätige Sozialisierungsbiotope. Man muss lernen, Konflikte vernünftig auszutragen. Man lernt auch, die verschiedenen Beziehungen unterschiedlich zu leben, und schliesst sozusagen mit einem sozialen Diplom ab.

Ist die Arbeit mit Patchworkfamilien auch vom therapeutischen Aspekt her anders?
C. S.: Ja. Zu Beginn braucht es eine gewisse Hartnäckigkeit. Wenn eine Mutter ihre Kinder zum Therapeuten bringt, kann sie vielleicht noch knapp verstehen, dass sie den neuen Partner in die Therapiesitzung mitnehmen muss. Dass aber auch der Ex-Partner noch mitkommen soll, das verstehen dann viele nicht mehr.
T. H.: Wir sondieren bereits bei der Anmeldung das Terrain, wie es mit der Ex-Beziehung steht. Wenn diese noch sehr schwierig ist, lösen wir es so, dass man in verschiedenen Räumen mit der Therapie beginnt. So kann jemand von uns mit dem externen Elternteil arbeiten und der andere mit dem neuen Partner und seiner Frau. Es ist immer so, dass die leiblichen Eltern der Kinder eine Rolle spielen und für das Finden einer Lösung einbezogen werden müssen. Man muss das ganze System im Auge behalten. Und im Laufe der Therapie müssen die Therapeuten sich immer der Unterschiedlichkeit der Beziehungen und der möglichen Funktionen von Störungen und Konflikten bewusst sein.

Erstellt: 01.05.2015, 23:39 Uhr

Hilfe! Mein Partner ist eifersüchtig auf unser Baby

Fest steht: Das Leben mit einem Baby stellt die Paarbeziehung anfangs auf den Kopf. Der Lebensmittelpunkt verlagert sich auf das Baby und die Befriedigung seiner Bedürfnisse: Der Säugling muss von der Mutter rund um die Uhr gestillt, gewickelt und beruhigt werden. Die Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit, die früher dem Mann entgegengebracht wurde, wird nun dem Baby geschenkt.

Kein Wunder, dass intime Momente bei frisch gebackenen Eltern in den ersten Monaten zu kurz kommen, ganz zu schweigen von einem Liebesleben. Gerade die intensive Zeit, die die Mutter mit dem Baby verbringt und die intime Situation beim Stillen gibt manchen Vätern Anlass zur Eifersucht.

Hinzu kommt, dass sich auch Männer erst in ihre Rolle als Vater einfinden müssen: Mit einem Baby tragen sie mehr Verantwortung, sie müssen die Familie finanziell versorgen und sie müssen nach einer schlaflosen Nacht jeden Morgen zur Arbeit gehen.

Wege aus der Eifersucht

Aufgrund der innigen Mutter-Kind-Beziehung fühlen sich Väter gerade in der Zeit nach der Geburt überflüssig und zurückgesetzt. Diese negativen Gefühle können schnell in Eifersucht umschlagen. Statt die Eifersucht zu ignorieren, sollten sich Väter mit diesem Gefühl und seiner Ursache auseinandersetzen. Nur so können sie verhindern, dass sie sich immer weiter von seiner Partnerin und dem Baby entfernen.

Väter können einiges tun, um eine intensive Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen und gleichzeitig die Partnerin zu entlasten. Aber auch Frauen, die ihren Fokus auf das Baby richten, sollten ihrem Partner nach und nach wieder mehr Platz in ihrem Leben einräumen. Mit diesen Tipps finden Väter leichter aus der Eifersuchts-Falle.

  • Das Gespräch suchen: Auch wenn es häufig schwer fällt, sollten eifersüchtige Väter mit ihrer Partnerin offen über ihre Gefühle sprechen. Im Idealfall findet das Paar eine gemeinsame Lösung. Aber auch befreundete Väter können eine gute Anlaufstelle sein: Aus einem Erfahrungsaustausch ergeben sich oft Ideen, die auf die eigene Situation übertragen werden können. Väter können sich aber auch an einen Therapeuten oder an Familienberatungsstellen wenden.
  • Enger Körperkontakt: Vor allem in der Stillzeit haben Väter einen grossen Vorteil, wenn es um das Beruhigen des Babys geht: Sie riechen nicht nach der Muttermilch. Bei Blähungen und Bauchschmerzen können Väter ihr Baby prima im Tragetuch herumtragen. Durch die Körperwärme und die Bewegungen werden die Schmerzen gelindert und das Baby kommt zur Ruhe.
  • Aktiv werden: Statt eifersüchtig auf die Mutter-Kind-Beziehung zu blicken, sollten Väter aktiv werden. Es gibt so viele Möglichkeiten, zu dem Baby eine innige Beziehung aufzubauen: Väter können den Säugling baden, mit ihm schmusen, spielen, die Flasche geben oder ins Bett bringen. Durch den innigen Kontakt haben Eifersucht und Neid bald keine Chance mehr. Wenn der Vater mehr Zeit mit dem Baby verbringt, profitieren davon übrigens auch die Mütter: In der kinderfreien Zeit können sie in Ruhe duschen, endlich wieder ein Buch lesen, sich mit einer Freundin treffen oder einfach nur schlafen.
  • Den Vater mit einbeziehen: Sobald Frauen merken, dass ihr Partner eifersüchtig auf das Baby reagiert, sollte er mehr in den Alltag einbezogen werden. Gerade junge Mütter geben ungern Aufgaben ab und schauen mitunter kritisch, ob der Vater das Baby genauso gut wickeln, baden, anziehen oder ins Bett bringen kann wie sie selbst. Die Übernahme von diesen alltäglichen Aufgaben ist aber wichtig, um die Vater-Kind-Beziehung zu stärken.
  • Zeit zu zweit einplanen: Wenn sich der Rhythmus mit dem Baby eingespielt hat, können Paare langsam wieder zur Zweisamkeit zurückfinden. Damit die Paarbeziehung inniger wird, reichen oft schon kleine Gesten wie ein leckeres Abendessen zu Hause, ein schöner Film oder eine Massage. Wer die Möglichkeit hat einen Babysitter zu engagieren, nutzt die Zeit für einen Kinobesuch oder ein Besuch im Restaurant. Schon wenige Stunden allein mit dem Partner wirken oft Wunder.

Plötzlich Mama? Wenn der Freund ein Kind mit in die Beziehung bringt

Eben noch glücklicher Single und plötzlich auf dem Kinderspielplatz? Welche Herausforderungen es zu meistern gilt, wenn zum neuen Mann auch ein Kind gehört. Juli Solen erzählt davon, wie das Leben mit einem „Bonuskind“ aussieht.

Wenn der neue Freund ein Kind hat

Seit einigen Jahren gehört zu meinem Leben nicht nur ein besonderer Mann, sondern auch ein Kind. Das war keine Absicht; weder der Mann, noch das Kind, aber manches passiert halt so. Eben noch habe ich mir die Nächte in Berlin beim Feiern um die Ohren geschlagen und schon wenige Wochen nach der ersten gemeinsamen Nacht, gibt es den Familienausflug zu dritt.

Ich hatte mir da keine Gedanken drum gemacht und vielleicht war das auch besser so. Denn die Probleme, die auftauchen oder auftauchen können, tun das wohl ohnehin.

Hier einige Herausforderungen und meine Erlebnisse damit:

1. Wie heißt das Kind? Was bin ich für diesen kleinen Menschen?

Die deutsche Sprache ist reich, aber das passende Wort für unser Verhältnis fehlt. Als erstes fällt den meisten „Stiefkind-Stiefmutter“ ein, aber erstens klingt das sehr nach bösem Märchen und zudem legt es zu nahe, dass ich die Mutterrolle übernehme. Aber das tue ich nur sehr bedingt, denn die Hälfte der Zeit lebt, ich nenne sie der Einfachheit mal Lotta, bei ihrer Mutter, die andere Hälfte beim Vater und nur einen Teil seiner Zeit bin ich anwesend.

Aus dem skandinavischen kommt zunehmend der Begriff „Bonuskind-Bonusmutter“. Das sind mir die liebsten Worte, wenn ich unser Verhältnis beschreibe. Es steckt so viel Schönes in diesem Wort Bonus: Das Unverdiente, das Extra und etwas zusätzlich Positives im eigenen Leben. Eben eine Bonus-Person und für sich selbst eine Bonus-Rolle. Zwar muss ich in 80 Prozent der Fälle erklären, was ich mit Bonuskind meine, aber wer redet nicht gern über „sein“ Kind. Bleibt leider ein großes Problem: Lotta kann mit dem Begriff gar nichts anfangen.

Dabei sind ihr passende Worte zur Reflexion, persönlichen Einordnung und Beschreibung in der Öffentlichkeit sehr wichtig. Gerade im öffentlichen Raum, gerade wenn sie mit mir scherzt oder kuschelt ist es hier immens wichtig, laut für die anderen zu sagen, dass ich aber nicht ihre Mutter bin. Diese Abgrenzung und Einordnung ist wichtig für sie.

Seit sie eine kleine Halb-Schwester hat, hat also sie ein eigenes Wort erfunden: Halb-Mama. Für sie passt das gut, für mich aber leider nicht, denn ich kann bisher schlecht von meinem halben Kind reden.

2. Eifersucht

Sie war drei, als wir uns kennenlernen und hatte nach der Trennung nun fast ein Jahr lang ihren Papa für sich alleine gehabt. Und dann tauche ich da auf.

Die ersten Monate waren schwierig. Sie schwankte zwischen Interesse und Freude, dass da noch ein Mensch Aufmerksamkeit schenkt (Kinder sind solche Aufmerksamkeits-Junkies!) und Eifersucht, dass da noch eine andere Frau im Leben ihres Papas eine Rolle spielte. Das konnte auch mal mit Schlägen oder Anschreien deutlich gemacht werden. Und am schlimmsten für mich: Es konnte von einer Sekunde auf die andere ohne Vorzeichen hochkochen.

Es wurde besser, als sie selbst ihre Gefühle als Eifersucht (oder in ihrem Sprachschatz zunächst Neid) einordnete. Auf einmal war es möglich zu differenzieren: Dass wir ihr ihre Eifersucht nicht absprechen, dass sie dieses Gefühl haben darf, dass wir, besonders ihr Papa sie auch mit Eifersucht lieb hat. Aber zugleich konnten wir deutlicher machen, dass wir sie nicht alle ihre Verhaltensweisen damit rechtfertigen lassen und auch nicht jeglichen Körperkontakt wie Händchenhalten oder Küsse abstellen.

Über die Jahre hat die Eifersucht sich gelegt. Nicht von heute auf morgen, aber die Attacken wurden immer seltener und weniger heftig. Heute muss ich nachdenken, wenn ich versuche, die letzte zu erinnern.

3. Nähe und Distanz

Ich glaube, ich habe immer Lotta entscheiden lassen, wie viel Nähe sie möchte. Ich weiß nicht, ob das gut war. Manchmal frage ich mich, ob wir ein engeres Verhältnis hätten, wenn ich mehr in Liebesvorschuss gegangen wäre. Aber meistens denke ich, dass sie bereits ausreichend Bezugspersonen hatte und es mir wichtig ist, sie als Mensch zu respektieren, der selber über Nähe und Distanz entscheiden kann und darf.

Einfach war es dennoch nicht. Denn ähnlich wie bei der Eifersucht wechseln ihre Gefühle schnell und mehr als einmal hat es mich verletzt, wenn sie den halben Tag Nähe, Spiel oder Kuscheln bei mir suchte und mich dann die restliche Tageshälfte oder auch mal einen halben Urlaub deutlich weg schob und schon die Bitte von mir, sie möge zum Abendessen kommen, einen Schreianfall auslöste. Wenn auf einmal permanent nur ihr Papa als Bezugsperson verlangt wird und alle Nähe zu mir verschwunden ist.

Mittlerweile haben wir viele Wochenenden und Urlaube hinter uns und seit einigen Monaten wohne ich in der gleichen Stadt. Jetzt habe ich ein neues Problem: Ich bin beruflich sehr viel unterwegs und so sehen wir uns manchmal zehn Tage nicht. Dann beschwert sie sich, dass sie mich vermisse und fragt, wann ich wiederkommen würde. Inzwischen per SMS auch direkt, was mir natürlich das Herz schmelzen lässt. (Habt ihr mal selbst geschriebene Sehnsuchts-SMS eine Erstklässlerin gelesen?) Halte ich das aus oder versuche ich meine Job-Termine so zu legen, dass ich mindestens einen Abend, den sie bei ihrem Papa ist, auch da bin?

Im Sommer ziehen die beiden sogar in die Wohnung über mir, wer weiß was das dann mit sich bringen wird…

4. Die Patchworkfamilie

Die Familie, die man gewinnt, ist noch größer. Da ist die Ex-Frau und Mutter, ihr neuer Partner, die kleine Halbschwester. Zu denen gehören jeweils Eltern, was bei Lottas Einschulung dann gleich mal zur Anwesenheit von vier Omas führt.

Und so eine Ex und Mutter mischt sich freiwillig oder unfreiwillig ins eigene Leben ein. Ihre Wohnsitzwahl, also die Entscheidung einer für mich völlig fremden Frau, entscheidet meine mit – zumindest wenn ich keine Fernbeziehung führen will oder von meinem Freund eine zu seiner Tochter fordern will. Also bin ich in ihre und seine Stadt gezogen, um diese Fernbeziehung nach Jahren zu beenden. Nicht die Stadt, die ich mir wünschte, aber eine, die lebenswert ist.

Aber es sind auch die Kleinigkeiten. Vorwürfe, dass sich Lotta bei uns nicht wohl fühlen würde, weil wir zu viel streiten würden (was ein Missverständnis ist, da mein Freund und ich fast nie streiten) oder die Meinung und das Un-Wissen, die Lotta zu Glauben und Religion mitbringt. Die empfinde ich oft als fundamentalisch-atheistisch angreifend, kann aber kaum gegen sie argumentieren. Denn wie erkläre ich Lotta, dass ihre Mutter da wohl Blödsinn erzählt.

Ich will kein schiefes Bild zeichnen: Mein Freund und seine Ex haben meist ein entspanntes Verhältnis. Lottas Mutter und ihr Partner haben mir beim Einzug in die neue Wohnung geholfen. Auch die meisten Wert- und Erziehungsvorstellungen liegen wohl nah beieinander. Aber anstrengend ist es dennoch immer mal wieder.

5. Was wäre wenn…

Was wäre, wenn mein Freund und ich uns trennen würden, dürfte ich Lotta dann noch sehen? (Mein Bruder hat dieses Spiel nun seit vielen Jahren, ob und wie er seine Bonuskinder sehen darf, obwohl er für die jüngere echter Ersatzvater ist.)

Was wäre, wenn Lottas Mutter sich doch wieder umentscheidet und in eine Stadt ziehen will, die für mich nicht in Frage kommt? (War jahrelang eine ernste Diskussion für uns.)

ABER: Was wäre, wenn mich all diese Herausforderungen von der Beziehung zu meinem Freund und seiner Tochter abgehalten hätten?

Dann würden jetzt zwei warmherzige, wunderbare und eigensinnige Menschen in meinem Leben fehlen. Und beim sonntäglichen Ausschlafen würde ich verpassen, dass ein quirliges Mädchen ins Bett gekuschelt kommt, mich küsst und mir sagt, dass sie mich liebt.

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Bei einem Partner mit Kind ist es oft schwer, akzeptiert zu werden.

Übersicht: Beziehungstipps für die Partnerschaft & mehr

Die neue Liebe steht schnell vor einer schmerzhaften Nagelprobe, wenn das Kind des neuen Partners von der neuen Beziehung so gar nicht amüsiert ist. Verständlich ist die enorme Zurückhaltung und manchmal sogar Ablehnung des Kindes ja schon, lenkt doch der neue Partner die ganze Aufmerksamkeit des Elternteils nun auf sich mit der Folge, dass sich das Kind zurückgesetzt und nicht mehr geliebt fühlt. Daher möchte das Kind den neuen Partner gar nicht mögen. Die folgenden Ratschläge beziehen sich ebenso auf mehrere Kinder, auch wenn in der Formulierung hier die Einzahl gewählt wurde.
Wer einen neuen Partner mit Kind findet, ist gut beraten, möglichst gleich bei der ersten Begegnung das Herz des Kindes für sich zu gewinnen. Wird man vom Kind akzeptiert, ist alles „der Anfang einer wunderbaren Freundschaft“. Daher muss man sich mental auf diese erste Begegnung gut vorbereiten, denn das Kind soll zu der Überzeugung kommen, dass der neue Partner auch ein „Geschenk und Spaß für das Kind“ ist, aber dem Kind nichts wegnimmt.

Verhaltensregeln und Tipps bei gemeinsamen Ausflügen

>Überhaupt neigen Kinder oftmals dazu, „konservativ“ zu sein. Jede Veränderung der Lebenssituation verunsichert Kinder erst einmal, wenn gute alte Gewohnheiten so nicht mehr weiter gelebt werden können. Die logischen Konsequenzen beim Kind sind z. B. Rückzug, Traurigkeit, Verschlossenheit, Bockigkeit oder sogar Aggressivität. Da Kinder noch nicht über die Sprache der Erwachsenen verfügen und auch noch nicht abstrakt denken können, leben sie in ihrer Gefühlswelt, und mit Gefühlen drücken sie sich aus.
Deshalb gilt es unbedingt, Ruhe zu bewahren, sich auf keinen Fall vom Kind provozieren lassen, nicht ärgerlich, böse, mit lautem Schimpfen oder gar mit Gewalt reagieren. Es ist ja auch erst einmal positiv, dass das Kind so ehrlich ist und seine Gefühle zeigt.

Das erste Treffen: Ausflug und Geschenke

Beim ersten Treffen wählt man besser ein „neutrales“ Territorium, das kann z. B. ein schönes Ausflugsziel sein, wo auch viele andere Kinder gut herumtoben können. Eine Absprache mit dem Elternteil hinsichtlich der Neigungen des Kindes ist dabei sehr hilfreich. Ein interessanter großer Spielplatz, ein Zoogelände, vielleicht sogar ein Vergnügungspark oder ein Sommerbad kommen dafür gut infrage, denn auch dem Kind ist sehr daran gelegen, „den Neuen“ mit etwas Abstand sozusagen von der Seite beliebig und frei beobachten zu können.
Klar denkt jetzt jeder, beim ersten Treffen bringt man eben dem Kind ein Geschenk mit. Das ist richtig, das sollte man auch tun, aber Vorsicht, die Kinder spüren sehr wohl, wenn das nur ein plumper Bestechungsversuch ist. Das kann ziemlich nach hinten losgehen, wenn das Kind das Mitbringsel mit Verachtung auf den Boden wirft. Es hat sich gezeigt, dass so ein Geschenk dann mit Freude angenommen wird, wenn es eher am Ende eines schönen, gelungenen, gemeinsamen Tages eher zufällig aus der Tasche fällt.

Interesse am Kind zeigen und nach Gemeinsamkeiten suchen

Das Kennenlernen darf kein „Verhör“ des Kindes sein, und ein „Monolog“ darüber, was man selbst als Kind so alles gemacht hat, erzeugt mit Garantie Langeweile. Es reicht, wenn man oft einfach nur da ist und immer dann unmittelbar Zeit hat, wenn das Kind von selbst mit einer spontanen Frage ankommt. Die Antwort soll aber eher kurz sein, keine Universitäts-Vorlesung. Bei Auseinandersetzungen zwischen Kind und Elternteil nimmt man sich sehr zurück, auf keinen Fall dazwischen drängen und Partei ergreifen. Negative Äußerungen über das Elternteil dem Kind gegenüber sind ein absolutes Tabu. Vorsicht: Manche „freche“ Kinder provozieren so etwas bewusst.
Zeigen Sie ehrliches Interesse am Kind und an seinem Leben. Idealerweise findet man gemeinsame Interessen mit dem Kind, das kann gemeinsames Malen sein, Legosteine, Baukästen, elektronische Spielzeuge, Computerspiele, Gesellschaftsspiele, Rock-Konzerte oder auch Angeln gehen. Gemeint sind hier gemeinsame Aktivitäten nur mit dem Kind, also auch mal ohne den neuen Partner.

Als neuer Partner ist man auf keinen Fall der Ersatz des fehlenden Elternteils

Genau das ist ja der wunde Punkt bei Kindern: Der „Neue“ übernimmt ab jetzt die Rolle des richtigen Vaters bzw. der richtigen Mutter. Kinder sehnen sich immer nach der guten, alten, heilen Welt von Papa und Mama zurück, sie geben den Wunsch nie auf, dass die Eltern eines Tages wieder zusammenfinden. Ein neuer Partner ist diesbezüglich eine erschwerte Bedingung. Je älter das Kind ist, desto schwerer ist es auch, seine Akzeptanz und Freundschaft zu gewinnen. Versuchen Sie also nicht, das Kind zu „erziehen“. Besprechen Sie Sorgen und Probleme nur mit Ihrem Partner ohne Gegenwart des Kindes. Wenn Ihr Partner Ihre Anmerkungen richtig findet, wird er das dann gegenüber dem Kind umzusetzen haben.
Die Akzeptanz der Kinder kommt sehr langsam und noch langsamer entsteht so etwas wie Ihr Mitspracherecht in der Familie. Das eigene Handeln kann aber dem Kind ein Vorbild werden, und dann eröffnet sich die Chance, ein guter respektierter Freund zu werden, der als solcher durchaus gewichtigen Einfluss auf das Kind hat.

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Wie Sie Ihren Kindern den neuen Partner vorstellen

Wenn das Kind Vertrauen zum neuen Partner gewonnen hat, steht gemeinsamen Ausflügen nichts mehr im Weg.

Was aber, wenn aus dem Wunsch plötzlich Wirklichkeit wird und eine Mutter oder ein Vater ist tatsächlich verliebt? Klar ist, dass sich die neue Verliebtheit sehr von der ersten Phase in noch jüngeren Jahren unterscheidet. Damals war alles frisch und neu, das Herz unverbraucht, nicht enttäuscht und frei von Altlasten. Die Liebe war jung und aufregend.

Die Prioritäten haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. An erster Stelle steht nun nicht mehr das persönliche Gefühlsleben und das Ausleben der eigenen Bedürfnisse, sondern die eigenen Kinder, welche gerade die Trennung der Eltern verarbeitet haben oder noch am verarbeiten, sind. Schon werden sie mit der nächsten Veränderung konfrontiert. Vor allem jüngere Kinder fassen dies erstmals als Schock auf, denn die meisten von ihnen träumen insgeheim noch immer davon, dass Mama und Papa wieder ein Paar werden.

Jüngere Kinder müssen langsam an die neuen Umstände herangeführt werden. Sie sollten ihnen von der Tatsache berichten. Besprechen Sie gemeinsam mit dem Kind, wie und wo das erste Treffen stattfinden soll. So wird nicht über das Kind entschieden, es fühlt sich wertgeschätzt und kann die neue Situation selbst mitbestimmen. Der neue Partner sollte auf keinen Fall sofort einziehen. Ausserdem sollten Aktivitäten auch ohne ihn auf dem Programm stehen. Ungeteilte Aufmerksamkeit ist für Kleinere enorm wichtig.

Ein erstes Treffen mit dem neuen Partner und den Kindern sollte ungezwungen sein

Vorteilhafter, vor allem für ältere Kinder, ist es, sobald der Partnerwunsch des Elternteils aufkommt, sie an das Thema heranzuführen. Denn der Grossteil des Nachwuchses kann nachvollziehen und verstehen, dass Mama oder Papa nicht alleine bleiben will. Hat sich der Wunsch nach einem neuen Partner realisiert, sollte ein ungezwungenes erstes Treffen beim Eislaufen oder Kino mit allen Beteiligten organisiert werden.

Der neue Partner und die Kinder können sich langsam annähern und auf lockere Art kennenlernen. Nichtsdestotrotz wäre es falsch, jeden möglichen Flirtpartner mit nach Hause zu bringen und den Kindern vorzustellen. Roswitha Birk-Becht rät Betroffenen, sich nicht vom neuen Partner unter Druck setzen zu lassen, sondern sich die Freiheit der Verliebtheit und Überprüfung zu gönnen und den Kindern die Zeit der Gewöhnung mit den neuen Veränderungen zu lassen.

Kinder haben feine Antennen und sind gute Beobachter. Teilweise mit Freude werden sie beobachten, wie die Mama hektisch vom Kleiderschrank zum Badezimmer rennt, nebenbei Schuhe anzieht, den Lippenstift aufträgt, in den Haaren rumfuchtelt und sich für die erste Verabredung vorbereitet. Sie sehen, es geht ihr besser, sie lacht wieder öfter und das Leben in der Familie ist allgemein wieder fröhlicher geworden, als direkt nach der Trennung. Zu diesem erfreulichen Zustand gesellt sich aber Angst. Durch das Auseinanderbrechen der Kernfamilie sind die Kinder empfindlicher und sensibler geworden. Sie sehnen sich vermehrt nach Sicherheit und sind nicht erfreut, die Aufmerksamkeit mit dem neuen Partner teilen zu müssen.

Die Angst der Kinder nehmen

Margret Schindler schreibt dazu: „Der Neue ist ein Konkurrent, der seine bisherige Position streitig macht. Plötzlich verändert sich wieder etwas, und Veränderung macht Angst. Das ist eine bekannte Tatsache.“ Das Wichtigste in dieser Situation, als Mutter oder Vater, ist es den Kindern die nachvollziehbaren Ängste zu nehmen und eindeutig die Rangfolge zu klären: Du bist mein Kind, du stehst an erster Stelle, trotz des neuen Partners habe ich genügend Zeit für dich und bin für dich da.

Auf die Worte sollten Taten folgen! Genauso wie zwischen Paaren gezielt Unternehmungen ohne Kinder geplant werden, sollten auch Aktivitäten der Kernfamilie ohne den neuen Partner umgesetzt werden. Für das Kind ist der oder die Neue nichts als ein unbekannter Mensch, der plötzlich in sein Leben tritt. Die Beziehung zwischen beiden muss sich entwickeln und wachsen, hierzu braucht es Zeit und Geduld auf beiden Seiten. Ein Kind kann schnell begreifen, dass der oder die Neue nicht nur Konkurrent/in ist, sondern tatsächlich auch eine Bereicherung für das Familienleben sein kann. Klare Rollenverhältnisse begünstigen dies ungemein, wenn jeder der Beteiligten weiss was von ihm erwartet wird. Der neue Freund wird sich wesentlich lockerer mit dem pubertierenden Teenager abgeben können, wenn von ihm nicht verlangt, wird die die Vaterrolle zu übernehmen. Auch ein Kind fühlt sich mit der klaren Information besser: „Der Fred ist Mamas Freund, mit dem Papa hat das nichts zu tun. Der Papa wird immer dein Papa bleiben.“

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