Kind mit 40

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Mutter über 40 Die neuen 40+ Mütter

Hätten Sie das gedacht? Jedes vierte Kind, das in Deutschland geboren wird, hat eine Mutter, die älter ist als 35. Demnach ist Mutter werden über 40 heute ziemlich normal. Zugegeben, verglichen mit den 60ern, als Frauen ihr erstes Kind im Durchschnitt mit 23 bekamen, sind Mütter über 40 vielleicht spät dran. Damals galt man schon ab 30 als „spät gebärend“. Mittlerweile sind die 40-plus-Mütter einfach nicht mehr wegzudenken: aus keinem Geburtsvorbereitungskurs, keinem Kreiß saal, keinem Kinderschwimmkurs und von keinem roten Teppich. Und es werden immer mehr: In der Altersgruppe ab 40 beobachten die Statistiker einen sprunghaften Anstieg.

Hatten laut Geburtenstatistik im Jahr 1990 noch etwa 10800 Neugeborene in Deutschland eine Mutter von 40 oder älter, waren es im Jahr 2000 mit circa 20000 schon fast doppelt so viele, und laut Stand von 2009 hat sich die Zahl auf rund 34600 erhöht – also mehr als dreimal so viele wie noch vor knapp 20 Jahren. Für den Medizinpsychologen Dr. Tewes Wischmann liegen die Gründe für den immer später kommenden Kinderwunsch auf der Hand: „Vor allem Frauen mit guter Ausbildung wollen sich erst beruflich etablieren, finanziell abgesichert sein und den richtigen Partner haben, bevor sie schwanger werden.“

Und dank Verhütung und Fortpflanzungsmedizin, glauben viele, sei das ja auch überhaupt kein Problem. Dahinter verbirgt sich aber auch das Gefühl: Kind und Karriere – das geht in Deutschland nur schwer gleichzeitig. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Hannover: Fast alle der befragten Frauen über 35 gaben an, es sei ein entscheidendes Problem, beides miteinander vereinbaren zu wollen. Aber nicht nur die Frauen schieben das Thema Kind auf die lange Bank: Laut einer Studie für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sind auch viele potenzielle Väter nicht bereit, wegen Nachwuchs im Beruf zurückzustecken. Da hilft es wenig, dass Länder wie Frankreich und Schweden beweisen, wie beides zusammen geht.

Kinder bekommen: Spätes Babyglück: Mutter mit 40

© Getty Images

Mit 41 Jahren wollte Anette Schnell beruflich noch mal richtig durchstarten. Anfang vergangenen Jahres ließ sich die studierte Romanistin für ein halbes Jahr von ihrem Sekretärinnen-Job freistellen, um an der Hamburger Uni einen Bretonisch-Lehrauftrag zu übernehmen. Außerdem wollte sie in dieser Zeit ihre ersehnte Auswanderung in die Bretagne vorbereiten.
Doch dann hat die langjährige Single-Frau sich Hals über Kopf verliebt – beim Tanzen in der Disco. Otfried, ein Gärtnermeister mit eigenem Betrieb, hat bereits zwei Kinder, lebt aber von seiner Familie getrennt. Drei Monate nach der ersten Begegnung ist Tochter Fryda unterwegs. „Wir haben es einfach darauf ankommen lassen“, sagt Anette Schnell. Obwohl sie sich noch wenig kennen und 100 Kilometer voneinander entfernt wohnen, ist beiden sofort klar, dass sie das Kind wollen. „Es kam uns so vor, als hätte Fryda gesagt: ,Ich will jetzt! Und zu euch!'“
Fryda, der Wonneproppen, ist inzwischen ein knappes Jahr alt. Noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte man Frauen wie Anette Schnell ungläubig angeschaut. Heute werden in Deutschland jährlich rund 20.000 Kinder geboren, deren Mütter 40 oder älter sind – etwa die Hälfte davon ungeplant.

Mit 40 plus zum ersten Mal Mutter werden

Vor allem unter den hoch qualifizierten Frauen gibt es viele, die das Thema Kinderwunsch lange vor sich herschieben. Weil sie, wie Forscherinnen der Universität Hannover herausgefunden haben, nach langen Ausbildungszeiten erst beruflich Fuß fassen wollen. Weil sie befürchten, keine geeignete Betreuung zu finden, wenn sie in den Beruf zurückkehren wollen. Aber vor allem auch, weil ihnen über lange Zeit einfach der richtige Partner fehlt. Anette Schnell konnte sich erst mit ihrem jetzigen Freund eine Familie überhaupt vorstellen – auch wenn sie mit Frydas Vater noch bis ins kommende Jahr eine Fernbeziehung führen wird. „Mir war es wichtig, dass ich die Entscheidung für ein Kind gemeinsam mit einem Mann treffe und wir uns die Verantwortung teilen können“, betont sie. „Das ging in früheren Verbindungen nicht.“ Außerdem habe sie sich erst jetzt „reif für ein Kind“ gefühlt.
Monika Häußermann, Diplom-Psychologin und langjährige Pro-Familia-Beraterin in Berlin, hört diesen Satz oft von älteren Müttern. Andere berichten, sie hätten immer nur Männer kennen gelernt, die keine Kinder wollten.

So war es bei Gabriele Pannermayr: „Die Beziehungen, die ich früher gehabt habe, sind alle so abgelaufen: Sobald der Mann mitkriegte, dass ich Trauring und Familie im Blick hatte, war er schneller weg, als ich gucken konnte“, sagt die gelernte Bauzeichnerin. Dennoch erinnert sie sich heute noch gern an ihre „Münchner Schickimicki-Zeit“. An den Job als Chefassistentin in einer amerikanischen Computerfirma, das gute Gehalt, den großen Freundeskreis. Aber das Leben, das sie sich immer gewünscht hat, führt sie erst jetzt.
Gabriele Pannermayr ist „Nur-Hausfrau“ und Mutter – mit Leidenschaft. Ihre Söhne Peter und Johannes sind acht und sechs Jahre alt. „Manchmal habe ich das Gefühl, ich muss mich dafür entschuldigen, dass es mir so gut geht damit“, sagt die 47-Jährige. Zehn Jahre ist es her, dass sie ihren späteren Mann bei Freunden traf und gleich wusste: Der ist es! Sieben Monate später war sie von dem leitenden Bankangestellten schwanger und zog mit ihm in seinen niederbayerischen Heimatort.

Auf ihren Beruf kann die lebenslustige Westfalin gut verzichten – nicht aber auf ihre Freiräume. Schon als die Kinder noch ganz klein waren, hat sie regelmäßig mit ihrer Freundin Städtetouren unternommen oder übers Wochenende alte Freunde in München besucht.
Nicht gerade üblich auf dem Land. Auch bekommen die Frauen hier ihre Babys in der Regel früher als in den Städten. „Da bin ich schon aufgefallen“, erzählt Gabriele Pannermayr. Zweimal habe man sie für die Oma ihrer Kinder gehalten. „Angenehm war das nicht“, gibt sie zu. „Aber da steh ich drüber.“

40 und schwanger? Medizinisch gibt es wenig Risiken

Auch wenn viele 40-Jährige heute körperlich so fit sind wie ihre Mütter mit 30 – selbstverständlich ist es nicht, in diesem Alter noch schwanger zu werden. Bereits mit 35 fällt die Fruchtbarkeitskurve bei Frauen deutlich ab, ab 40 sinken die Chancen noch mal rapide. 40-Jährige erleiden doppelt so oft eine Fehlgeburt wie 30-Jährige. „Viele unterschätzen und verdrängen das“, sagt die Gynäkologin und Buchautorin Christine Biermann (siehe Buchtipps). „Und manche glauben, eine Familie wie ihre Karriere oder ein Haus planen zu können.“
Wenn es aber klappt mit der Schwangerschaft, ist die Chance, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, sehr groß. Das liegt zum einen daran, dass sich die vorgeburtlichen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten erheblich verbessert haben. Zum anderen an den Frauen selbst. „Diese älteren Frauen sind alle so jung und fit geblieben“, sagt Gynäkologin Biermann. „Sie kommen regelmäßig zur Vorsorge, ernähren sich gesund und bringen ihr Kind bestens vorbereitet zur Welt.“ Zwar müssen Frauen ab 35 eher mit Schwangerschaftsdiabetes, hohem Blutdruck und einer Plazentaschwäche rechnen. Aber solche Komplikationen sind heute gut behandelbar. Nur bei der Chromosomen-Anomalie Trisomie 21 (Down-Syndrom) ist das Alter der Mutter ein Risikofaktor für das Kind: Ist die werdende Mutter 31, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:800, ist sie 40, bereits bei 1:100.
Die meisten älteren Schwangeren wissen über dieses Risiko Bescheid und haben deshalb am Anfang ambivalente Gefühle. Mit Ultraschall und Bluttest kann der Arzt bereits um die 12. Woche das tatsächliche individuelle Risiko für ein Down-Syndrom abschätzen und es zwischen der 15. und 20. Schwangerschaftswoche durch eine Fruchtwasseruntersuchung definitiv klären. Behandelbar ist es aber nicht. Was bedeutet es also für die werdenden Eltern, wenn das Kind die genetische Abweichung tatsächlich hat, welche Konsequenz ziehen sie aus dem Ergebnis? Anette Schnell hat die Untersuchung gar nicht erst machen lassen: „Selbst wenn ein Down-Syndrom festgestellt worden wäre – eine Abtreibung wäre für uns nicht in Frage gekommen.“

Simone Sever ist heute heilfroh, dass ihr Arzt sie überzeugt hat, die Fruchtwasseruntersuchung machen zu lassen: „Als ich das gute Ergebnis hatte, war ich viel entspannter.“ Wenn die beiden blonden Vierjährigen auf dem Spielplatz angelaufen kommen, kann sich die Hamburgerin nicht mehr vorstellen, dass sie früher nie Kinder wollte. Am Partner lag’s nicht: Nach einer gescheiterten Ehe lebte sie bereits mehrere Jahre mit dem Inhaber einer Softwarefirma in einer glücklichen Beziehung. Doch das Muttersein passte lange nicht zum Selbstbild der Online-Redakteurin. Stattdessen: reisen, Spaß haben, zum Weihnachtseinkauf mal eben nach New York – „mein Mann und ich waren das typische Double-Income-no-Kids-Paar“.

Bis Simone Sever mit 39 Jahren „gewaltig die biologische Uhr ticken hörte“ – und das unabhängige Leben jeden Reiz verlor. Dann der Schock: zwei Eileiterschwangerschaften kurz nacheinander. Danach sah das Ehepaar eine künstliche Befruchtung als letzte Chance. „Psychisch war ich schon ziemlich mitgenommen“, erinnert sich Simone Sever. „In einer solchen Situation fragt man sich: Warum hast du nur so lange gewartet?“
Entschlossen kündigte Simone Sever ihren Redaktionsjob, um sich ganz aufs Schwangerwerden zu konzentrieren. „Den Stress hätte ich sonst nicht ausgehalten.“ Die täglichen Hormonspritzen. Die Enttäuschung nach dem ersten gescheiterten Versuch. Das angespannte Warten auf das zweite Behandlungsergebnis. „Als ich schließlich die Nachricht bekam, dass ich wahrscheinlich Zwillinge erwarte, bin ich vor Freude in Tränen ausgebrochen.“ Simone Sever wurde innerhalb eines Jahres schwanger. So viel Glück haben längst nicht alle Frauen. Zwar kann die moderne Fortpflanzungsmedizin inzwischen immerhin jedem zweiten ungewollt kinderlosen Paar helfen. Aber meist sind mehrere Anläufe nötig. Und auch hier gilt: je höher das Alter, desto geringer die Chancen einer Schwangerschaft.

Mit 40 plus Mutter zu werden, hat Vorteile

Wenn das Kind dann da ist, gerät das Leben erst einmal aus den Fugen. „Ich bin sehr glücklich mit Fryda, aber es ist doch alles anstrengender, als ich es mir vorgestellt habe“, sagt Anette Schnell. Chronische Müdigkeit, die ungewohnte körperliche Belastung vom ständigen Herumtragen des Babys, das Gefühl von Hilflosigkeit in den ersten Wochen beim Stillen. Manchmal heulte sie vor Erschöpfung – auch, weil sie alles möglichst perfekt machen wollte. Das ist typisch für ältere Mütter, hat die Gynäkologin Biermann festgestellt: „Bisher verlief ihr Leben in definierten Strukturen und nach Plan. Das funktioniert mit dem Baby oft nicht, und dann sind sie verunsichert.“ So musste Anette Schnell erst einmal „das Bild der Supermutter über Bord werfen“. Sie hat dann früh ein Betreuungsnetz organisiert, um wenigstens stundenweise in ihrem Job arbeiten zu können. Und auch zu Hause sorgt sie besser für sich: „Heute lege ich mich mal hin, wenn Fryda schläft, und lasse die Küche Küche sein.“
Bei älteren Müttern sind die Kraftreserven vielleicht schneller aufgebraucht. Dafür haben sie vielen jüngeren an psychischer Stärke und Gelassenheit etwas voraus. Das „Angebunden-Sein“ macht ihnen weniger aus, und sie sind mit sich und ihrem Leben insgesamt mehr im Reinen. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen: „Unsere Erhebungen zeigen, dass ältere Mütter sich der veränderten Situation besser gewachsen fühlen als jüngere. Sie haben ein gutes Selbstvertrauen und verlassen sich auf ihre Fähigkeit, Dinge anzupacken“, sagt Christian Alt vom Deutschen Jugendinstitut. Das wirkt sich auch auf die Entwicklung der Kinder positiv aus. Hinzu kommt, dass die meisten in finanziell abgesicherten Verhältnissen aufwachsen.

Auch für Simone Sever war die erste Zeit mit den Zwillingen eine Kraftprobe. „Mit zwei Babys ist alles noch mal eine Ecke härter“, erinnert sie sich. Nur gut, dass ihr Mann alles mitgemacht hat: wickeln, füttern, nachts aufstehen. „Das hat uns noch mehr zusammengeschweißt“, sagt die 44-Jährige, die inzwischen halbtags in der Firma ihres Mannes arbeitet. Trotz aller Anstrengung hat sie das Leben mit ihren Söhnen von Anfang als Geschenk empfunden. „Diese unbedingte Liebe kannte ich vorher nicht“, sagt sie. „Es macht mir einfach Freude, mit den Kindern zusammenzusein, ihnen zuzuhören, wenn sie irgendeinen Quatsch reden. Das finde ich inzwischen schöner, als abends auszugehen und ein Glas Sekt zu trinken.“

Ältere Schwangere

Aus den unterschiedlichsten Gründen erfüllen sich immer mehr Frauen ihren Kinderwunsch heutzutage erst nach dem 35. oder sogar 40. Lebensjahr. Aus medizinischer Sicht besteht überhaupt keine Veranlassung, Frauen allein aufgrund ihres Alters von einer Schwangerschaft abzuraten.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden?

Fakt ist: Die Chance, dass es innerhalb eines Zyklus „einschlägt“, lässt mit zunehmendem Alter drastisch nach. Eine 20- bis 25Jährige hat eine statistische Schwangerschafts-Wahrscheinlichkeit von 30% pro Zyklus. Innerhalb eines Jahres werden von diesen jungen Frauen 80%, nach einem weiteren halben Jahr nochmals 10% schwanger.

Die höchste Schwangerschaftsrate wird statistisch gesehen mit 27 Jahren erreicht.

Spätestens ab 35 verschlechtert sich die Chance mit jedem Jahr dramatisch. Sie beträgt bei einer Frau über 40 nur noch 10% im Jahr, nach dem 45. Lebensjahr sogar nur noch 2-3%.

Interview

Experteninterview mit Annette Wirthlin: Bye bye Baby?

Häufiger Fehlgeburten und Komplikationen

Ältere Schwangere sollten sich auch bewusst sein, dass es nicht nur schwerer wird, schwanger zu werden, sondern auch, eine Schwangerschaft erfolgreich auszutragen. Das Risiko für eine Fehlgeburt wird mit zunehmendem Alter immer grösser. Eine 40jährige Schwangere hat ein doppelt so hohes Fehlgeburtsrisiko wie eine 20Jährige.

Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass bestimmte Komplikationen bei älteren Schwangeren etwas häufiger auftreten (z.B. Frühgeburten, Präeklampsie, Gebärmuttermyome und Plazentastörungen), diese aber mit einer guten Schwangerschaftsvorsorge in der Regel beherrschbar sind. Grundsätzlich ist der Gesundheitszustand der werdenden Mutter für den reibungslosen Ablauf einer Schwangerschaft wesentlich ausschlaggebender als ihr Alter.

Viele Fachleute sind sogar der Überzeugung, dass ältere Schwangere häufig besser auf ihre eigene Gesundheit und die des Kindes achten und im Umgang mit umweltbedingten Risiken (Ernährung, Rauchen, Alkoholgenuss und Drogenmissbrauch) eine verantwortungsvollere Haltung an den Tag legen.

Das Risiko für bestimmte Chromosomenstörungen steigt an

Grundsätzlich besteht bei Müttern über 30 Jahre ein leicht erhöhtes, ab 40 Jahre ein stärker erhöhtes Risiko für eine kindliche Chromosomen-Störung. Aber heutzutage kann man mit Ultraschall- und anderen Screening-Untersuchungen das Risiko für solche Störungen schon in der Frühschwangerschaft einschätzen bzw. mit einer pränataldiagnostischen Untersuchung, z.B. einer Chorionbiopsie eindeutig feststellen.

Nur ein geringer Teil aller Kinder mit Chromosomenanomalien kann ausgetragen werden, die meisten sterben aufgrund ihrer schweren Behinderung schon im Laufe der Schwangerschaft. Bei der häufigsten und leichtesten Chromosomenstörung, der Trisomie 21 oder Down-Syndrom, ist das so bei etwa der Hälfte aller Feten, die andere Hälfte ist lebensfähig.

Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Kind mit Down-Syndrom lebend geboren wird, ist

Ausschlaggebend ist bei der Berechnung das Alter der Mutter bei der Geburt des Kindes.

Während der Kontrolluntersuchungen wird dies alles mit Ihnen diskutiert und es wird Ihnen gegebenenfalls eine humangenetische Beratung angeboten, wenn Sie zur Entscheidungsfindung noch detailliertere Informationen brauchen.

Häufige Fragen zum Thema

Welche speziellen Risiken hat eine ältere Schwangere?

Eigentlich zählen viel mehr persönliche Faktoren wie Gesundheit und Lebensstil als das tatsächliche Alter für einen guten Ausgang der Schwangerschaft. Der beste Zeitpunkt, Mutter zu werden, ist sicherlich dann, wenn die Frau und ihr Partner sich reif genug fühlen, ein Kind aufzuziehen.

Allerdings…

vollständige Antwort lesen Wie verlaufen Schwangerschaft und Geburt bei mehrfachen Müttern? Gibt es da häufiger Komplikationen?

Wenn die bisherigen Schwangerschaften und Geburten komplikationslos verlaufen sind, wird das auch bei der vierten, fünften und weiteren Schwangerschaften sehr wahrscheinlich so sein.

Nach mehreren Geburten gibt es statistisch gesehen nur ein leicht erhöhtes Risiko für „regelwidrige Kindslagen“,…

vollständige Antwort lesen Ich habe einen kleinen Neffen mit Down Syndrom. Ist das erblich? Sollte ich mich in dieser Schwangerschaft untersuchen lassen?

Fast alle Menschen mit Down Syndrom (früher fälschlicherweise Mongolismus genannt) haben eine sogenannte „freie Trisomie 21“, die rein zufällig entstanden ist. In solchen Fällen besteht kein erhöhtes Wiederholungsrisiko in der weiteren Verwandtschaft, und eine invasive Pränataldiagnostik ist aus…

vollständige Antwort lesen Kann man bei einem Kind mit Down Syndrom schon vor der Geburt Aussagen über den Schweregrad der Behinderung machen?

Kinder mit Down-Syndrom können unterschiedlich stark geistig und körperlich behindert sein. Das lässt sich aber nicht aus dem Chromosomenbefund ablesen.

Durch zusätzliche gezielte Ultraschalluntersuchungen kann man zumindest den Schweregrad der körperlichen Behinderung einschätzen. Ein Kind mit…

vollständige Antwort lesen

Spielt das väterliche Alter auch eine Rolle?

Ein Mann kann ständig Spermien nachproduzieren und so bis in hohem Alter Kinder zeugen – im Gegensatz zur Frau, deren Eizellen so alt sind wie sie selbst. Trotzdem ist dies nicht ganz so problemlos, wie es aussieht. Die Stammzellen, die die Spermien herstellen, haben bei einem 50-jährigen Mann bereits rund 600 Zellteilungen hinter sich. Sie sind also auch schon gealtert, und mit jeder weiteren Teilung steigt die Gefahr von Mutationen, d.h. punktueller Fehlerbildungen im Erbgut, was verschiedene Krankheiten, wie beispielsweise Fehlbildungen im Skelett, verursachen kann. Daher dürfen Samenspender in den meisten Ländern nicht älter als 40 Jahre sein.

Und es gibt wahrscheinlich auch noch andere Auswirkungen des väterlichen Alters auf die Schwangerschaft bzw. das Kind. Frühgeburten und Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht sollen bei Vätern über 45 häufiger sein. Das Risiko für die Frau, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln, nimmt bei einem Vater im Alter zwischen 45 und 54 Jahren um 28 Prozent und bei einem Alter des Mannes ab 55 Jahre um 34 Prozent zu. Die gute Nachricht: Das Risiko für die schwerwiegenden Schwangerschaftskomplikationen Präeklampsie und Eklampsie bei der Mutter ist mit alten Vätern nicht erhöht.

Auch Hirntumore und Blutkrebs sollen nach einer schwedischen Studie häufiger vorkommen, wenn das Kind von einem Vater über 50 gezeugt wurde. Weitere Studien berichten von IQ-Gefällen zwischen Kindern jüngerer und älterer Väter sowie steigendem Schizophrenie- und Autismus-Risiko. Bislang existierten allerdings noch zu wenig Forschungsresultate, um einen eindeutigen Zusammenhang zwischen solchen genetisch bedingten Erkrankungen des Kindes und dem Alter des Vaters zu belegen.

Linksammlung „Schwangerschaft und Geburt“

Wissen

67jährige Spanierin bringt Zwillinge zur Welt

Familienplanung auf Eis (Social Freezing)

Alter Vater – Kind mit Psychoproblem?

Mehr Fehlgeburten bei älteren Vätern

Ist er älter, bekommt sie mehr Kinder

Newsticker

Das Alter macht‘s | 26.11.2019

Der Anteil der Schwangeren mit Bluthochdruck ist in den Vereinigten Staaten in den letzten vierzig Jahren um das 13-fache angestiegen. Das liegt weniger an Übergewicht oder Rauchen, sondern eher am Alter: Immer mehr Frauen würden sich dafür entscheiden, ihre erste Schwangerschaft nach hinten zu schieben. Der Studie zufolge, die in der Zeitschrift „Hypertension“ erschienen ist, hatten fast eine Million Frauen während ihrer Schwangerschaft einen dauerhaften Bluthochdruck. Im Jahr 1970 waren es noch 0,11 Prozent aller Schwangeren, im Jahr 2010 bereits 1,52 Prozent. „Wir fanden heraus, dass Mütter, die älter waren, als sie schwanger wurden, mit grösserer Wahrscheinlichkeit an chronischer Hypertonie litten“, betonen die Forscher. Dies könne jedoch mit einigen Risiken und Komplikationen einhergehen und müsse engmaschig überwacht werden.

Erst die Karriere? | 19.01.2019

Frauen in Industrieländern wie der Schweiz, Deutschland, Italien, Spanien und Japan bringen ihre Kinder in zunehmend höherem Alter und nichtehelich zur Welt. In diesen Ländern sind Frauen im Durchschnitt mittlerweile über 30 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind zur Welt bringen, wie aus dem neuen UN-Weltbevölkerungsbericht hervorgeht. In den 1970er-Jahren lag der Schnitt noch bei 24 bis 26 Jahren. „Gut ausgebildete Frauen versuchen, die wirtschaftlichen oder beruflichen Rückschläge zu vermeiden, die häufig mit einer Mutterschaft in jungen Jahren verbunden sind“, schreiben die Autoren des in New York vorgestellten Berichts. Dazu würden auch Reproduktionstechnologien wie künstliche Befruchtung beitragen. Andererseits bergen Schwangerschaften Ende 30 oder Anfang 40 grössere Risiken.

Späte Schwangerschaft schützt vor Gebärmutterkrebs: Mutterschaft nach dem 30. Lebensjahr senkt bei Frauen das Risiko, an einem Endometriumkarzinom zu erkranken, wie eine Studie aus den USA jetzt feststellte. Zu den Risikofaktoren zählen eine frühe erste Mens sowie eine späte Menopause, Kinder­losigkeit und Hormonersatztherapie, aber auch starkes Übergewicht und das PCO-Syndrom. Schützend wirkt dagegen jede Schwangerschaft, je später umso mehr. Eine Frau, die nach dem 40. Lebensjahr noch einmal schwanger wird, erkrankt zu 44 Prozent seltener als eine Frau, die ihr letztes Kind mit 25 Jahren bekam. (swissmom-Newsticker 9.8.2012)

Die Kinder älterer Mütter entwickeln sich in den ersten fünf Lebensjahren häufig besser: Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern des University College of London. Untersucht wurden Babys im Alter von neun Monaten sowie drei- und fünfjährige Kinder. Die Gewichtsentwicklung, der Impfstatus, die Unfallhäufigkeit und die Entwicklung des Sprach- und Sozialverhaltens verbesserten sich eindeutig, je älter die Mütter bei der Geburt ihrer Babys waren.(swissmom-Newsticker 11.9.2012 )

Mehr ältere Mütter in der Schweiz: Das Durchschnittsalter der Mütter bei der ersten Geburt hat sich nach Zahlen des Bundesamts für Statistik innerhalb der letzten 10 Jahre auf 30.4 Jahre erhöht. Ein Drittel der Frauen ist bei der Geburt des ersten Kindes sogar schon über 35 Jahre alt. Ihr Anteil lag im Jahr 2001 noch bei 22 %. Erfreulich: Im Jahr 2012 wurden in der Schweiz insgesamt 82.200 Kinder geboren, 1.7 % mehr als noch im Vorjahr. Die durchschnittliche Anzahl Kinder pro Frau erhöhte sich auf 1.52. Schweizerinnen haben mit 1.43 weniger Kinder als Ausländerinnen (durchschnittlich 1.86).(swissmom-Newsticker 9.8.2013).

Späte Geburt – hohe Lebenserwartung: Schon länger gibt es Hinweise auf einen positiven Zusammenhang zwischen dem Alter einer Frau bei der Geburt ihres letzten Kindes und ihrer Lebenserwartung. Bewiesen wurde dies nun in der Long Life Family Study des amerikanischen National Institute on Aging (NIA) mit ca. 500 Frauen aus den USA und Dänemark. Die Wahrscheinlichkeit, sehr alt zu werden, war bei Teilnehmerinnen, die älter als 33 Jahre waren, als sie ihr letztes Kind bekamen, doppelt so hoch wie bei Frauen, bei denen dies mit 29 Jahren der Fall war. Die Forscher berechneten, dass sich die Wahrscheinlichkeit für ein aussergewöhnlich langes Leben um jeweils 5% mit jedem Jahr erhöht, das die Frauen bei der letztmaligen Geburt älter waren (swissmom Newsticker, 1.8.14).

Die 10 brennendsten Fragen in der Schwangerschaft

Wer ein Baby erwartet, hat 1000 Fragen. Die absoluten Spitzenreiter haben wir in einer Bilderfolge zusammengestellt. Natürlich mit Antwort!

Zu den Fragen

Letzte Aktualisierung : 18-02-19, BH

Mutter mit 40 – der Körper sagt meist NEIN

Immer mehr Frauen verschieben die Erfüllung ihres Kinderwunsches nach hinten. Der Anteil der Mütter, die bei ihrer ersten Entbindung über 30 Jahre alt waren, ist in den letzten Jahren um fast 12% gestiegen.

Nur 2,4 Prozent aller Frauen sind bei der Geburt ihres ersten Kindes 40 Jahre oder älter. Dieser Prozentsatz bleibt seit vielen Jahren konstant. Das hat vor kurzem das Statistische Bundesamt bekanntgegeben. „Diese Zahl sollte uns alle alarmieren“, erläutert Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), „die Frauen selbst, uns Frauenärztinnen und -ärzte und auch die Politik“. Denn nur noch 52,2% aller Frauen bekommen ihr erstes Baby vor ihrem 30. Geburtstag; im Jahr 2009 waren es dagegen noch 58,3%. Immer mehr Frauen verschieben die Erfüllung ihres Kinderwunsches in ihr viertes oder auch fünftes Lebensjahrzehnt in der Annahme, dass sie bis zu ihrem 40. Lebensjahr und noch weit darüber hinaus Zeit haben für die Familiengründung.

„Hier gibt es aber biologische Grenzen, die auch die moderne und erfolgreiche Kinderwunschmedizin nicht außer Kraft setzen kann“, so Dr. med. Ulrich Hilland, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren (BRZ). „Zu glauben und zu hoffen, dass man mit Social Freezing und anderen Maßnahmen die Zeitspanne für das Kinderkriegen wesentlich verlängern kann, ist ein oft folgenschwerer Irrtum: Auch wenn eine Frau mit 45 Jahren noch schwanger werden kann, liegt das Risiko, dass die Schwangerschaft in eine Fehlgeburt mündet, bei 70 % und darüber.“

Hilland erläutert, warum es mit den Jahren immer schwieriger wird, schwanger zu werden: Ab der Geschlechtsreife eines Mädchens beginnen in jedem Zyklus zunächst mehrere Eizellen zu reifen, die bis zu diesem Zeitpunkt in einem Ruhestadium in den Eierstöcken liegen. In fast allen Zyklen wird sich letztendlich aber nur eine Eizelle durchsetzen, vollständig ausreifen, in der Mitte des Zyklus den Eierstock verlassen und für eine Befruchtung zur Verfügung stehen. Alle anderen Eizellen, die mit der Reifung in diesem Zyklus begonnen haben, gehen zugrunde. Auf diese Weise nimmt die Zahl der Eizellen, die bei Geburt auf ca. 500.000 geschätzt wird, kontinuierlich ab. Spätestens ab Mitte 30 wird die Chance, dass in jedem Zyklus eine befruchtungsfähige Eizelle heranreift, immer geringer. Der Körper kompensiert das und bringt pro Zyklus immer mehr Eizellen „ins Spiel“. Dadurch verringert sich die Eizellreserve ab diesem Zeitpunkt dramatisch. Dass der Zyklus mit der Zeit unregelmäßiger wird, lange bevor die Regelblutung ganz aussetzt, ist dafür ein deutliches Anzeichen.

ür Gesellschaft und Politik, Arbeitgeber aber auch die Frauen selbst bedeutet das ein Umdenken, damit die Familiengründung nicht erst dann in den Blickpunkt gerät, wenn die berufliche Situation das vermeintlich zulässt. Unsere steigende Lebenserwartung verändert den Lebenszyklus, das „fruchtbare Fenster“ aber verändert sich trotz aller medizinischen Fortschritte nicht.
„Ganz besonders intensiv müssen Paare diesen Tatsachen ins Auge sehen, bei denen irgendeine Form eines gesundheitlichen Risikos besteht wie zum Beispiel Über- oder Untergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, eine Schilddrüsenerkrankung, eine Endometriose oder PCOS oder auch Zigarettenkonsum“, betont Albring. „Jeder einzelne dieser Faktoren verschlechtert die Chancen für eine geglückte Schwangerschaft zusätzlich. Gerade diese Paare sollten die Erfüllung des Kinderwunsches nicht so spät, sondern so früh wie möglich in die Lebensplanung integrieren.“
Quelle: Pressemitteilung des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. und des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren – 05.06.2018

Erneut Mama mit 40: Wenn die ersten Kinder schon erwachsen sind

Im Wohnzimmer sind überall Babysachen verteilt. Steffi sitzt auf dem Sofa, neben ihr erfreut sich der kleine Louis über seinen Spielbogen. Louis ist stolze vier Monate alt. Sein großer Bruder sitzt oben an seinem Schreibtisch. Er ist 17 Jahre alt. Seine große Schwester (18) ist bereits ausgezogen. Steffi (41) fand vor einem Jahr neues Glück bei Peter und kurze Zeit später wurde ihr Bauch kugelrund…

Echte Mamas fragten diese echte Mama wie es war, so viele Jahre nach den ersten beiden Kindern erneut schwanger zu werden.

Echte Mamas: War deine Kinderplanung nach den ersten zwei Kindern eigentlich abgeschlossen?

Steffi: Ja, die war abgeschlossen. Aber hauptsächlich, weil mein Ex-Mann keine Kinder mehr wollte. Irgendwann wollte ich dann auch keine mehr und mit 35 war die Kinderplanung auch für mich endgültig beendet – aufgrund des Alters (lacht). Ich habe sehr jung Kinder bekommen, mit 21, und war sehr stolz darauf eine “junge Mama” zu sein. Ich fand den Gedanken damals doof, so spät Kinder zu bekommen. Als ich mich dann von meinem Ex-Mann trennte, habe ich tatsächlich gezielt nach einem neuen Partner gesucht, der keine Kinder mehr will. Hat nicht ganz so gut geklappt (lacht), wie man sieht…

Echte Mamas: Was hat sich in 18 Jahren für die allgemeine Situation von Müttern verändert?

Steffi: Ich finde sogar, dass insgesamt alles ein bisschen komplizierter geworden ist, bezüglich der Elternzeit und dem ganzen Drumherum. Früher hattest du einfach 3 Jahre Erziehungsurlaub und 600 DM Erziehungsgeld gekriegt. Das war verhältnismäßig viel, vor allem, für jemanden der vorher nicht gearbeitet hat. Dabei war die Zahlung komplett lohnunabhängig. Das fand ich einfacher, da die Kinderkrippen damals noch nicht so ausgebaut waren wie heute. Das ist für die Mamas heute sicherlich besser, da sie die Wahl haben. Auch musste man sich damals nicht so viele Gedanken über Arbeit und Betreuung machen – du bist einfach drei Jahre zuhause geblieben bis die Kinder in den Kindergarten gekommen sind. Das fand ich schöner. Heute lastet ein größerer Druck auf den Frauen, ihr Kind abzugeben, damit sie wieder in den Beruf einsteigen können. Es gibt natürlich auch Frauen, die nach einem Jahr arbeiten gehen wollen, aber das gilt nicht für alle. Fragt sich auch, ob es rentabel ist, wenn du überteuerte Krippenpreise bezahlen musst, aber nur ein geringes Gehalt für eine Teilzeitstelle bekommst. Von daher finde ich es heute insgesamt schwieriger für Mütter.

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Echte Mamas: War es schwer mit knapp 40 erneut schwanger zu sein oder halfen dir deine Erfahrungen aus den ersten zwei Schwangerschaften?

Steffi: Meine Erfahrungen halfen mir auf jeden Fall, allerdings merkt man schon die knapp 20 Jahre Unterschied am Körper (lacht). Es ist anstrengender mit 40 schwanger zu sein. Aber ich muss auch dazu sagen, dass ich, als ich diesmal schwanger wurde, 50 Wochenstunden als Friseurin gearbeitet habe. Das war damals anders. Es war körperlich wirklich sehr anstrengend und ich war froh, als ich freigestellt wurde. Ich habe bei meinen ersten beiden Schwangerschaften Tagebuch geführt und kann mich daher auch noch sehr gut daran erinnern. Auch bei meiner letzten Schwangerschaft führte ich auf altmodische Weise ein Tagebuch und habe diese mit den alten Schwangerschaftstagebüchern verglichen. Allerdings habe ich auch die digitalen Vorzüge der heutigen Zeit genossen und Apps genutzt, die die Schwangerschaft begleiten – zum Beispiel “Babycenter” etc. Das gab es natürlich damals alles noch nicht, da habe ich mir ein Buch angeschaut, um mich zu informieren. Aber grundsätzlich konnte ich die Erfahrungen aus den ersten beiden Schwangerschaften mitnehmen.

Echte Mamas: Was machst du diesmal anders in der Kindererziehung?

Steffi: Konsequenz. Ich glaube Konsequenz wird diesmal mehr da sein, als bei den ersten beiden Kindern. Das habe ich bereits bei meinem zweiten Kind anders gemacht, als bei meiner 19 Monate Älteren. Jetzt ist es so, dass ich die Erfahrung einer kompletten 18-jährigen Erziehung mitbringe und merke, was Konsequenz bringt (lacht). Daher weiß ich nicht, ob Louis so viel Spaß mit mir haben wird. Vor allem werde ich konsequenter sein, was die schulische Laufbahn betrifft. Ich habe gemerkt, dass man da mehr dahinter sein muss, ich habe meinen älteren Kindern zu viel Freilauf gegeben. Es hat leider bei beiden nicht so geklappt, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Echte Mamas: Wie gehen deine älteren Kinder mit einem so späten Geschwisterchen um?

Steffi: Ganz toll. Sie haben sich sehr gefreut. Allerdings haben sie von ihrem Papa im Februar vor zwei Jahren auch schon ein neues Geschwisterchen gekriegt und fanden es ganz toll, dass die Mama auch noch mal nachlegt. Sie sind zwar nur selten hier, aber wenn sie da sind, helfen sie mir. Mein älterer Sohn kümmert sich, er bietet auch an auf Louis aufzupassen. Er hat sich wahnsinnig auf seinen Bruder gefreut und war an meinem Kaiserschnittermin furchtbar aufgeregt. Er liebt seinen kleinen Bruder abgöttisch. Meine Tochter liebt ihn natürlich auch, aber sie ist weniger hier und in dem Alter geht sowieso alles über Whatsapp und Selfies…

Zum ersten Mal Mutter, ein Baby mit 40

Veröffentlicht von Mamaleben am 23. November 201623. November 2016

Spät gebärend oder ein Baby mit 40. Klingt merkwürdig und doch ist es heute gar nicht mehr so ungewöhnlich. Ich möchte euch davon erzählen, wie es ist, mit 40 Jahren zum ersten Mal Mama zu werden bzw. geworden zu sein. Eine späte Mama also. Ab wann ist Frau eigentlich „spät“? Wo genau ist der Umbruch von „normal“ zu „spät“? Wer legt das fest?

Ein Baby mit 40

Janet Jackson ist aktuell schwanger mit ihren 50 Jahren. Ute Lemper bekam ihr 4. Kind mit 47. Ich weiß, wenn man die Zahlen hört, klingt das irgendwie beklemmend. Ich hatte mir auch mal gesagt: „Ein Baby mit 40 Jahren möchte ich nicht mehr bekommen“. Es kam anders und ich bin sehr dankbar dafür. Ich bin mir inzwischen sogar nicht mal sicher, ob unsere Kinderplanung abgeschlossen ist.

Jede Frau muss doch selber wissen, wie viel Lebenszeit sie noch mit ihrem Kind verbringen möchte. Und manchmal macht das Leben einem ja auch einen Strich durch die Rechnung und Frau hatte einfach keine Chance, vorher eine Mutter zu werden.

Auch für mich ist irgendwo eine Grenze erreicht, bei der ich es nicht mehr „schön“ finde, wenn eine Frau so spät Mutter wird. Nicht aus Sicht der Mutter, sondern aus Sicht des Kindes. Umso älter man bei der Geburt ist, umso früher wird man sein Kind allein in der Welt zurück lassen müssen. Dieser Gedanke macht mich immer sehr traurig. Aber ich hoffe, dass ich genau wie meine Großeltern, über 90 Jahre alt werde.

Besser spät als nie

Spät gebärend, was für ein blödes Wort!

Meine eigene Mutter galt vor 40 Jahren mit ihren damals erst 28 Jahren! schon als spät Gebärende. Verrückt oder? Was bin ich dann heutzutage?

Aber heute ist vieles anders. Mütter und Väter sehen mit 40 immer noch „hipp“ aus oder sind „Hipster“, fahren Skateboard, tragen geflochtene Zöpfe, sind einfach jung geblieben. Zumindest fühlen wir uns so. Früher sah man schon mit 30 irgendwie „alt“ aus. Kennt ihr Fotos von euren Eltern oder Großeltern in eurem Alter? Sie sahen doch damals schon älter aus als sie waren oder?

Es hat sich alles irgendwie verschoben. Es heißt, “ das heutige 30 ist das neue 20″. Wenn das auch für 40 und 30 gilt, wäre das ja schön. Dann bin ich also erst 30 😉 schöne Vorstellung. Wen interessiert schon das biologische Alter. Aber ganz so einfach ist es ja leider nicht…

Wie kam es dazu, dass ich erst so spät Mama wurde?

  • Als 20 jährige wollte ich keine Kinder!
  • Mit 25 habe ich gesagt, ab 30 kann ich ja mal darüber nachdenken.
  • Die 30 überschritten, habe ich gesagt, ein paar Jahre habe ich ja noch!
  • Mit 35 habe ich gesagt, ich möchte keine Kinder!
  • dann plötzlich: ein Baby mit 40

Der Gedanke ließ mich nie so richtig los. Oft habe ich mich gefragt, ob ich die Entscheidung gegen ein Kind bereuen würde. Aber auf der anderen Seite, weiß Frau ja nicht, was sie verpasst.

Mein Mann hat mich geheiratet, obwohl er wusste, dass ich keine Kinder möchte. Das rechne ich ihm hoch an. Das Thema kam dennoch immer mal wieder auf. Als ich dann 38 wurde, haben wir gesagt, wir lassen es einfach mal drauf ankommen. Soll doch das Schicksal entscheiden.

Überraschung!

Ein Jahr später war es dann plötzlich soweit. Gerade als ich mir gesagt hatte, wir lassen das jetzt, es soll halt nicht sein. Und dann kam es doch völlig überraschend. Das die Periode mal ein paar Tage später einsetzt, war inzwischen auch normal. In dem Alter steuert man ja auch langsam auf die Menopause zu und da sind Verschiebungen in den Zyklen ganz normal.

Ich fühlte mich jedenfalls krank und als dann plötzlich die starke Übelkeit dazukam, wusste ich es. Es schoss mir plötzlich in den Kopf und ich wusste es. Irgendwie wollte ich es noch nicht ganz wahrhaben und habe noch eine Woche gezögert, bis ich meine Ärztin für einen Termin anrief. Die bat mich, vorher einen Test zu machen.

Gesagt, getan, positiv! ein Baby mit 40

Am Abend habe ich dann auch meinen Mann darüber informiert, der aus allen Wolken fiel. Es hat eigentlich niemand mehr damit gerechnet. Ich war zu diesem Zeitpunkt ca. 39,5 Jahre alt. In Zahlen klingt das ganz schön alt, um zum ersten Mal Mama zu werden….

Die Woche darauf bestätigte mir die Ärztin dann alles. Es war ein merkwürdiges Gefühl. Schon Freude, aber es überrollte mich jetzt auch alles.

Alles wird sich verändern!

  • Verliere ich meine Kunden?
  • Wie läuft das finanziell? Wenn ich nicht arbeite, verdiene ich kein Geld!
  • Bekomme ich überhaupt Elterngeld?
  • Wo soll das Baby schlafen? In der Wohnung ist nicht genug Platz.
  • Wir brauchen ein weiteres Auto! Smart und Hundemobil reichen nicht.
  • Wovon sollen wir bloß leben?
  • Klappt das mit unseren Hunden?
  • Werde ich eine gute Mutter? Ich könnte doch schon fast Oma sein….
  • Wie wird mein Umfeld reagieren?
  • Schafft mein Körper das?
  • keine 10 Pferde bekommen mich in einen Geburtsvorbereitungskurs!

Das Umfeld

Wir informierten als erstes die Großeltern. Meine Schwiegereltern waren bereits 4-fache Großeltern. Da ist Enkelkind Nummer 5 nicht mehr ganz so aufregend. Aber es ist das erste ihres Sohnes, also doch irgendwie etwas Besonderes. Ich bin ein Einzelkind und meine Eltern haben nicht mehr damit gerechnet, noch Großeltern zu werden. Die Freude war riesig!

Meine Freunde informierte ich nur, wenn ich diese persönlich traf. Alles andere zögerte ich bis zuletzt heraus. Ich kann nicht erklären, wieso. Einem Freund erzählte ich sogar erst 4 Wochen vor der Geburt von meiner Situation! Nämlich, als er mir zu meinem Geburtstag gratulierte. Meinem 40. Geburtstag! Zum Glück sind Männer nicht nachtragend….

Kunden informierte ich nach und nach über die Situation. Gefreut haben sich wirklich alle für mich. Manche musste ich leider ziehen lassen, andere haben die Pause ohne mich geschafft und sind mir treu geblieben.

Als endlich alle informiert waren und so gut wie jeder bescheid wusste, ging es mir langsam besser mit der ganzen Situation. Auch die finanzielle Belastung habe ich mit meinem Mann besprochen. Es würde ungewohnt für uns beide werden. Wir haben seit 12 Jahren getrennte Kassen sowie ein gemeinsames Konto. Nun muss ich lernen, mehr von ihm abhängig zu sein und er muss sich damit arrangieren, mehr Kosten zu übernehmen. Das lag mir schon sehr auf der Seele. Aber als auch das geklärt war, fiel mir ein Stein vom Herzen.

Nun konnten wir uns wirklich freuen! Wie wir inzwischen wussten, auf unseren „Mini-Mann“.

Mein Körper mit 40

Mein Körper hat die ganze Schwangerschaft sehr gut mitgemacht. Ich habe weder Dehnungsstreifen, noch Wassereinlagerungen oder Übergewicht behalten. Das alles hat mir vorher schon Kopfzerbrechen gemacht.

Auch wenn Frau stolz sein kann auf die Leistungen ihres Körpers und die eventuellen Dehnungsstreifen mit Würde getragen werden (was bliebe auch anderes übrig), so sehr wünschte ich mir, davon verschont zu bleiben. Ich hatte Glück und denke, die Gene spielen eine Rolle, die Beschaffenheit der eigenen Haut natürlich und ich glaube, ein großer Vorteil war, dass ich vor der Schwangerschaft recht ordentliche Bauchmuskeln hatte.

Mein Bauch war blieb während der Schwangerschaft recht klein und die Ärztin erklärte mir, dass die Muskeln da durchaus eine Rolle spielen. Sie halten quasi das Wachstum des Bauches nach vorne im Zaum. Und durch den relativ kleinen Bauch poppte weder mein Nabel noch kamen Streifen ans Licht.

Da soll mal einer sagen, mit 40 sei Frau körperlich zu alt für eine Schwangerschaft!

Kurz vor der Geburt

Inzwischen war Winter und die Geburt des Kleinen war nur noch ca. 3 Monate entfernt. Noch ca. 2 Monate arbeiten für mich. Ich war eh nur an 4 Tagen halbtags unterwegs. Daher war das alles noch gut zu schaffen. Mein Bauch war nicht sooo groß. Aber dennoch freute ich mich, als ich die letzten 4 Wochen zuhause genießen durfte.

Der Bauch drückt ja schon sehr, auch auf die Blase und der Rücken schmerzte fürchterlich. Außerdem muss Frau stäääändig Pipi. Nun gab es 4 Wochen Kuschelzeit mit meinen Hunden. Das letzte Mal alleine. Liegen, kuscheln, relaxen, schlafen. Schlafen… was war das nochmal?

Ich wurde genau am 29.2.2016 40 Jahre alt! Ein Schaltjahr UND ein runder Geburtstag. Und das noch auf einem Samstag! Es sollte eigentlich eine große Feier werden, aber ich mochte nicht feiern. Das Sodbrennen machte mir zu schaffen und im Liegen war mir am Wohlsten.

Nach der Geburt

Unser Sohn wurde am 29.3., also genau einen Monat nach meinem 40. Geburtstag, per Wunsch-Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Ich war also bei der Geburt 40 stattliche Jahre alt. Unfassbar!

(M)ein erstes Baby mit 40

Rückenprobleme hatte ich bereits vor der Schwangerschaft. Daher machte mir der Rücken zum Ende hin doch sehr zu schaffen. Ich konnte manchmal kaum aufstehen. Zum Glück war ich vor der Schwangerschaft körperlich und sportlich auf einem guten Niveau. Ich glaube, dass mir das schon sehr geholfen hat. Die Strapazen des Kaiserschnitts haben mein Sohn und ich gut weggesteckt.

Der Stress hinterher, die Gewöhnungsphase, das Kennenlernen, das war schon alles sehr aufregend und schön. Der Schlafentzug macht mir auch heute, nach 7 Monaten, immer noch zu schaffen. Aber ich habe mich gut daran gewöhnt. Die latente Müdigkeit ist weniger geworden.

Ob man als späte Mama bessere oder schlechtere Nerven hat, mehr oder weniger Ruhe, ich glaube, das lässt sich nicht pauschal sagen. Ich behaupte, das hängt vom jeweiligen Charakter der Mutter ab. Ich bin zufrieden und glücklich und das überträgt sich ganz sicher auch auf das Baby.

Mein Sohn hat mich „entschleunigt“.

Rückblickend

bedauere ich, dass ich nicht 10 Jahre früher schon ein Baby bekommen habe. Dann hätte ich 10 Jahre mehr Lebenszeit mit meinem Sohn gehabt. Aber hätte ich dann DIESEN Sohn bekommen? Genau diesen? Der mich jeden Tag anlächelt und mir damit fast die Tränen in die Augen treibt? Ich denke nicht.

Daher hat alles im Leben seinen Sinn.

Es sollte genau SO sein, zu DIESEM Zeitpunkt, um mir DIESES Kind zu schenken.

Lasst euch nicht von eurer Umwelt entmutigen. Uns fehlen vielleicht ein paar Jahre Lebenszeit am Ende. Aber es bleibt hoffentlich noch genug Zeit, damit auch wir späte Mamas noch eine Chance haben, unsere Enkel kennen zulernen.

Wenn ihr unsicher seid, ob ihr den Strapazen in „unserem Alter“ noch gewachsen seid, lasst euch gesagt sein:

Ja! Ihr schafft das und jedes graue Haar ist es wert!!

Habt ihr Lust zu sehen, wer Mama mit 40 wurde und sich hinter diesem Text versteckt, findet ihr uns unter „Besatzung“. Ich freu mich, dass ihr hier seid und möchte mich bedanken, dass ihr mir so wundervolle Kommentare und eure Geschichten mitgeteilt habt. Jede Einzelne geht mir unter die Haut. VIELEN DANK <3

Nachtrag, Januar 2019. Fast 3 Jahre später: die Wenigsten wussten, dass unser Kinderwunsch trotz meines Alters nicht abgeschlossen war. Nun, mit fast 43 Jahren muss ich der Realität langsam ins Auge blicken und traurig und schweren Herzens, von diesem Kinderwunsch Abschied nehmen.

Wunder geschehen

Nachtrag, September 2019. Trotz und gegen alle Statistiken, bin ich auf normalem Wege nochmal schwanger geworden, mit 43 Jahren und nach 1,5 Jahren „Versuchszeit“. Der ET ist auf den Tag genau derselbe wie bei meinem ersten Sohn und fällt auf den April 2020. Das heißt, ich werde genau 4 Wochen vorher, wieder in meinem Schaltjahr, 44 Jahre alt werden. Nun müssen wir dieses verrückte Wunder erstmal verarbeiten… Also nicht nur ein Baby mit 40, sondern sogar ein Baby mit 44!

Mutter mit 40: “Ich wollte keinem Kind eine Scheidung zumuten.”

Nicole ist mit 40 zum ersten Mal Mutter geworden. In den Familienrollen erzählt sie, ob Familienplanung vorher eine Rolle gespielt hat, ob sie sich selbst als Risikoschwangere sah und wie sich das Muttersein heute für sie anfühlt.

Du bist mit 40 zum ersten Mal Mutter geworden: Ab wann spielte Kinderplanung in Deinem Leben eine Rolle?

Eine ernsthafte Rolle spielte die Familienplanung eigentlich erst als ich mich schon weit jenseits der 30 befand. Zu dieser Zeit hatte ich meinen Mann kennengelernt, wir waren zusammengezogen und merkten, das läuft prima mit uns, das ist was für ganz ganz lange.

Eigentlich kam ich als Scheidungskind aber aus der Fraktion “Ich will keine Kinder”.

Klar, habe ich mir als ich selbst noch ein Kind war früher auch ausgemalt, dass ich mit 24, das war im magischen Jahr 2000, bestimmt schon verheiratet bin und Kinder habe. Glückliche Familie, wie man sich das so wünscht. Aber dann wuchs ich heran, begann zu studieren und merkte mit besagten 24, dass ich mich bei weitem noch nicht erwachsen und bereit für Kinder fühlte. Ich steckte mitten im Studium und hatte zwar einen Partner, aber die Sicherheit, dass das der Richtige ist, mit dem ich Familie gründen und das den Rest meines Lebens durchziehen kann, die fehlte eben.

Und gerade weil meine eigenen Eltern sich getrennt hatten als ich vier Jahre alt war, kam Familiengründung für mich nur in Frage, wenn ich jemanden gefunden hätte, bei dem ich es, und der mich, bitte möglichst für immer aushält. Ich wollte keinem Kind eine Scheidung zumuten.

Andere Freundinnen waren längst verheiratet und hatten Kinder bekommen während ich immer wieder Single wurde und die ‚Das wird bestimmt nix mehr‘-Phase um die 30 durchlebte. Da hatte ich Kinder & Ehe für mich eigentlich abgehakt. Dass kein dauerhafter Partner zu finden war, bestärkte mich darin, dass es besser war keine Kinder bekommen zu haben.

Mit 32 Jahren traf ich dann meinen Mann und plötzlich schien alles wieder möglich. Nach drei Jahren beschlossen wir zu heiraten und fingen an über Kinder zu sprechen. Allerdings waren wir uns über den Zeitpunkt unsicher. Zum einen hatte ich einen neuen Job angefangen, den ich zunächst gerne einmal eine Zeitlang ausüben wollte & wir hatten das Gefühl es wäre gut für uns, erst noch eine Weile zu zweit zu sein. Auf der anderen Seite drängte die Zeit weil, wie man so schön sagt, meine Uhr tickte. Ab 35 würde ich immerhin schon als Risikoschwangere gelten. Wir dachten also zunächst mal, wir stellen die Verhütung ein und sehen was passiert, das Schicksal wird’s schon richten.

Das Schicksal richtete… gar nichts. Nach einer Weile begannen wir zu grübeln. Da tut sich nichts und es ist schon wieder Zeit vergangen, lass uns mal meinen Eisprung tracken.

Ich begann also mit natürlicher Familienplanung, lud mir eine App herunter und mass jeden Morgen meine Temperatur. Das ist zwar interessant, nützt aber im Grunde nüscht, wenn man dann nicht anfängt das Timing für Sex auch entsprechend zu verschieben.

Uns darauf einzulassen nach Terminplan beizuschlafen kostete schon irgendwie Überwindung und klappte mal mehr mal weniger gut. Auf jede Phase in der wir voll motiviert die Eisprungzeit ausnutzten um dann hinterher enttäuscht festzustellen, dass ich wieder fröhlich vor mich hin menstruierte, folgten mal wieder ein paar Monate in denen wir dachten, es wird oder es wird nicht. Wir wollten uns nicht so viel Druck machen, denn das liest man ja auch Immer wieder, wenn man es zu sehr möchte und sich verkrampft, klappt es erst recht nicht.

So probierten wir ein paar Jahre zwischen “Was ist da los, wieso klappt es nicht?” und „Bleib locker, mach dich frei, dann wird es schon” uns zu vermehren. Doch je länger man wartet, desto mehr verschiebt sich der Fokus zu Ersterem.

Irgendwann beginnt lockerbleiben immer schwerer zu fallen, bis es schließlich gar nicht mehr geht. Und das war bei uns beiden dann auch noch zu unterschiedlichen Zeiten der Fall. Stress im Job trug seinen Teil zur allgemein vorherrschenden Anspannung bei.

Als die Ende 30 dann bei mir nicht mehr zu verleugnen waren, formulierte mein Mann das erste Mal den undenkbaren Satz “Ich denke, das wird nichts mehr. Ich versuche mich damit abzufinden, dass wir alleine bleiben.”

Ich weiß es noch so genau, weil es mich so erschreckte. Ich dachte nur, aufgeben ist doch jetzt noch keine Option. Grundsätzlich waren wir uns einig, dass reproduktive Maßnahmen für uns nicht in Frage kämen, entweder wir bekommen es auf natürlichem Wege hin oder wir müssen uns damit abfinden. Aber so weit mit dem Thema abzuschließen war ich noch nicht.

Ich wandte mich an meine Frauenärztin und fragte welche Optionen wir hätten ohne dass wir uns an eine Kinderwunschklinik wenden müssen. Sie schlug vor zunächst mal unsere Fruchtbarkeit zu testen. Meine Schilddrüsenunterfunktion wurde medikamentös neu eingestellt und mein Mann kam in den Genuss eines Spermiogramms. Es war alles in Ordnung, deshalb sollte mein Zyklus hormonell unterstützt werden.

Ich nahm Progesteron ein um die Eizellen bei der Reifung zu unterstützen, bekam einen Beischlaf-Stundenplan & der Eisprung wurde mithilfe eines weiteren Medikaments ausgelöst. Allerdings war unbeschwert Sex haben unter diesen Bedingungen für uns ein Ding der Unmöglichkeit. Ich fühlte mich derart unwohl und dieser eine Monat war so ein Horror für mich, dass ich die Behandlung bei der erstbesten Gelegenheit abbrach.

Wie ich später erfuhr, war das der Moment in dem für meinen Mann fest stand, das war’s, wir bleiben allein.
Ich hatte aber noch Hoffnung, keine Ahnung wo ich die hernahm. Irgendwann, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war, würde es sicher klappen! Das war im Januar. Im April fuhren wir in Urlaub und hatten eine so entspannte Zeit wie schon lange nicht mehr mit durchgetanzten Nächten, neuen Erlebnissen und einer atemberaubenden Zeit in der Natur.

Ich konnte nach langer Zeit mal wieder die Seele baumeln lassen und vergass Job & Frust tatsächlich mal für eine ganze Woche. Diese Auszeit tat so gut, dass ich danach auch in meinem Alltag spürbar davon zehren konnte. Ich hatte das Gefühl irgendetwas in mir hatte Klick gemacht. Und einen Monat später hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in den Händen.

Wie hat Dein Umfeld auf die Verkündung Deiner Schwangerschaft reagiert?

Durchweg positiv. Die Menschen die wussten, dass wir uns Nachwuchs wünschten freuten sich natürlich besonders mit uns. Aber auch sonst wurden mir keine Vorurteile oder gar Ablehnung entgegen gebracht.
Vollkommen überrascht haben wir damit zwei Menschen, meine Schwiegermutter und meine Chefin.

Meine Schwiegermutter hatte sich das Oma werden schon abgeschminkt, sie dachte wir würden keine Kinder wollen, war aber total aus dem Häuschen, dass sie nun doch in den Genuss eines Enkelkindes kommen würde.

Meiner Chefin wurde heiß & kalt, wie sie selbst sagte. Allerdings nicht ausschließlich weil sie nicht mehr damit gerechnet hatte, dass ich schwanger werden könnte, sondern, wie sich später herausstellte, weil ich bereits die zweite Angestellte innerhalb von 2 Wochen war, die in froher Erwartung bei ihr am Schreibtisch saß.

Ab 35 hat man das Kreuzchen bei Risiko-Schwangerschaft im Mutterpass: Hast Du das Gefühl, dass Dein Frauenarzt Dich zu mehr Untersuchungen gedrängt hat?

Nein. Als ich zum Gynäkologen marschierte mit dem positiven Test im Gepäck war ich selbst gespannt, wie es nun weitergehen, wie er mich einschätzen und behandeln würde. Er setzte zwar sein Kreuz bei Risikoschwangerschaft, aber sonst beriet er mich wie jede andere Schwangere auch.

Er klärte mich über die Nackentransparenzmessung und später über die Möglichkeit des Organscreenings auf. Ganz sachlich legte er mir dar, dass das Risiko auf Trisomie bei meinem Baby aufgrund meines Alters erhöht ist & er mir daher zu einer Nackentransparenzmessung rät. Aber ich fühlte mich in keinster Weise dazu gedrängt. Weitergehende Untersuchungen haben wir erst gar nicht besprochen, denn er sagte das macht ohne das Ergebnis der Messung gar keinen Sinn. Nach deren Durchführung gratulierte er mir und sagte das Risiko wäre nun noch so groß wie bei einer 18-jährigen. Keine weiteren Maßnahmen erforderlich.

Überhaupt gab er mir gar nicht das Gefühl ein besonderer Fall zu sein, was ich als sehr angenehm empfand, macht man sich doch als Schwangere sowieso schon ständig zu viele Gedanken über alles Mögliche. Für mich verlief die Behandlung beim Gynäkologen überraschend unspektakulär, wenn man bedenkt, wie oft ich gelesen habe dass die Fruchtbarkeit abnimmt ab 35+ & welche Probleme auftreten könnten.

Mir kam es vor wie ein Wunder, dass es so „spät“ noch geklappt hatte, doch meine Ärzte & Hebammen verloren kein Wort darüber.

Mittlerweile glaube ich, späte Schwangerschaften sind gar nicht mehr so die große Ausnahme wie es uns glauben gemacht wird.

Nun bist Du 40, Deine Tochter zwei Monate: Würdest Du sagen, die Familienplanung ist bei Euch abgeschlossen oder ist das noch offen?

Während der Schwangerschaft scherzten wir manchmal herum, das läuft so gut, lass uns noch ein Geschwisterchen dranhängen. Während der Geburt, die 5 Tage lang eingeleitet wurde und schließlich in einem Kaiserschnitt gipfelte, dachten wir uns diese Quälerei braucht echt kein Mensch ein zweites Mal.

Während der ersten schlaflosen Wochen mit Baby flehte mein Mann mich an, bitte nicht noch eins!

Aber lustigerweise wurde ich von Arzt und Hebamme schon mal präventiv darüber aufgeklärt, ab wann wir wieder loslegen können. Mein Arzt verabschiedete mich mit den Worten, gerne jederzeit wieder! Aber wer weiß ob es überhaupt ein zweites Mal klappen würde?

Glaubst Du, dass Frauen mit 40 automatisch andere Mütter sind als solche, die mit 20 ihr erstes Baby erwarten?

Ich habe schon das ein oder andere Vorurteil à la „Alte Mütter sind immer so überfürsorglich, gluckig etc.“ gehört. Allerdings war das bevor ich selbst schwanger wurde. Ich dachte mir dabei immer nur, interessant, ob derjenige sich bewusst ist, dass wenn ich noch Mutter werde, ich auch eine „alte“ Mutter sein werde?

Ich persönlich glaube nicht dass es unwillkürlich so ist. Eher glaube ich, dass jede Mutter ein wenig anders ist, wie ja auch jedes Baby anders ist, und dass das eher abhängig ist von Charakter und Temperament als vom Alter. Ich fühle mich auch nicht wie eine „alte“ Mutter, eher frei dem Motto 40 ist das neue 30.

Ich bilde ich mir gerne ein, dass ich über mehr Lebenserfahrung verfüge als eine 20-jährige, dass ich vielleicht besser weiß was ich will, und vor allen Dingen was ich nicht will, dass ich durch meine lange Wartezeit auf unser Baby die Zeit mit ihr jetzt erst richtig genießen kann. Aber wieso sollte das bei jüngeren Müttern nicht auch der Fall sein? Und schaffe ich es dadurch mein Kind so zu erziehen wie ich mir das wünsche, Ihr alles zu vermitteln und mitzugeben was sie für ein glückliches und erfülltes Leben braucht? Das weiß ich ja heute noch nicht.

Und sagen wir’s mal andersherum: So richtig versauen kann man es mit 20 genauso wie mit 40. Ich denke es hängt eher davon ab, wie bereit man ist sich auf das Abenteuer Mutterschaft einzulassen. Und das ist nun mal bei jedem zu einem anderen Zeitpunkt im Leben.

Was rätst Du anderen Müttern die erst “später” Mütter werden und vielleicht ängstlich sind, was auf sie zukommt oder die ein intolerantes Umfeld haben?

Hör nicht auf andere, hör auf Dein Bauchgefühl & Dein Herz. Niemand anders kann entscheiden wann für Dich der richtige Zeitpunkt ist ein Baby zu bekommen. Wenn Du auf Unverständnis triffst, ist das natürlich unglaublich schade, denn auch Dein Umfeld sollte sich mit Dir freuen.

Aber lass Dich nicht davon abhalten Deinen Wunsch nach einem Kind zu erfüllen! Wenn Dir Kritik entgegenschlägt, versuche daran zu denken, dass sie nur für ein paar Stunden, Tage oder schlimmstenfalls Wochen anhält. Ein Baby zu bekommen ist jedoch eine Entscheidung fürs Leben und wird Dir viel langfristiger viel größere Freude bereiten.

Und auch wenn es sich vielleicht am Anfang so anfühlen mag, Du bist nicht alleine. Da sind zahlreiche andere Mütter, die in der gleichen Situation sind wie Du, die Dich verstehen und Dir helfen können. Und die fragen nicht nach dem Alter, dafür sind sie viel zu müde.

Mit 40 das erste Kind?

  • Gründe, die aus Frauen späte Mütter machen

  • Medizinische Hilfen mit Chancen und Risiken

  • Ein Kind schafft neue Realitäten

Schwangerschaft und Geburt gehören zu den prägendsten Erfahrungen weiblicher Biografien. Eine zahlenmäßig nicht unbeträchtliche Gruppe von Frauen verzichtet aber mittlerweile auf diese und bleibt kinderlos. So wie die Frage, ob Frauen Kinder bekommen sollen, differenziert beantwortet wird, verhält es sich auch mit der Frage nach dem idealen Zeitpunkt. Immer mehr Frauen sehen ihn in vorgerücktem Alter und werden späte Mütter. Soziologisch betrachtet bezeichnet man als späte Mütter Frauen, die im Alter um das 40. Lebensjahr (und darüber hinaus) ihr erstes Kind bekommen. Von ärztlicher Seite betrachtet sind es Frauen ab dem 35. Lebensjahr.

Gründe, die aus Frauen späte Mütter machen

Auch in früheren Zeiten haben Frauen in der Lebensmitte noch Kinder bekommen. Meistens waren das keine Erstgebärenden, sondern Frauen, die der Geschwisterreihe ein weiteres Kind hinzugefügt haben. Gelebte Sexualität und Zeugung waren aneinander gekoppelt, was auf das Fehlen sicherer Verhütungsmittel und strenge Abtreibungsgesetze zurückzuführen war. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Mutter zu werden ist kein Schicksal mehr, die Erfüllung des Kinderwunsches primär eine Option, Teil der Lebensgestaltung einer Frau, geworden. Dabei muss man allerdings zwischen zwei Gruppen von Frauen unterscheiden. Da ist jene, die bereits in jungen Jahren Mutter werden will, sich diesen Wunsch aus verschieden Gründen nicht verwirklichen kann und jene, die den Kinderwunsch erst im fortgeschrittenen Alter verspürt. Auch wenn es ein klares und eindeutiges Profil der späten Mütter nicht gibt, so zeichnen sie sich doch durch einige Gemeinsamkeiten aus: Dazu gehören u. a. eine überwiegend gute Ausbildung und der damit verbundene berufliche Erfolg. Darüber hinaus gibt es auch im privaten Bereich Parallelen, wie etwa in Fragen von Partnerschaft, in Fragen von Lebensauffassung und -gestaltung.

Auch heute müssen kinderlose Frauen noch immer erfahren, dass sie als nicht vollwertig angesehen werden. Vielmehr laufen sie Gefahr, sich für diese Tatsache rechtfertigen zu müssen. Einer der Einflussfaktoren für das Phänomen später Mütter liegt gerade darin. Um klischeehaft negativen Zuschreibungen zu entgehen, entscheiden sie sich, wenn “die biologische Uhr schon laut tickt” noch zu einem Kind. In Anknüpfung an diese Thematik ist die Frage zu stellen, welche Basis der Kinderwunsch in unserer Gesellschaft heute hat.

Medizinische Hilfen mit Chancen und Risiken

Im Hinblick auf die medizinischen Aspekte ist festzuhalten, dass das ideale Alter um Kinder zu empfangen, noch immer zwischen 25 und 35 Jahren liegt. Moderne Reproduktionstechnologien verhelfen Frauen in prinzipiell jeder Lebensphase zu Kindern. Die Zahl derer, die die Techniken der Fortpflanzungsmedizin in Anspruch nehmen, steigt; vor allem für Frauen im fortgeschrittenen Alter sind sie eine wichtige Chance. Sie können Paaren im Falle von Sterilität bei der Verwirklichung ihres Kinderwunsches helfen. Allerdings handelt es sich bei künstlicher Befruchtung um einen langwierigen, physisch wie psychisch belastenden medizinischen Eingriff ohne Erfolgsgarantie.

So wie die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Wege schwanger zu werden, mit zunehmendem Alter sinkt, so erhöht sich jene einer genetischen Abweichung beim Ungeborenen. Verschiedene Untersuchungsmethoden helfen, diese Abweichungen bereits vorgeburtlich festzustellen. Das Ergebnis pränataldiagnostischer Maßnahmen ergibt aber nicht selten (ethisch) konfliktträchtige Situationen.

Prinzipiell verlaufen Schwangerschaft und Geburt aber nicht anders als bei anderen Schwangerschaften und Geburten ab. Eine Ausnahme stellt dabei der Wunschkaiserschnitt dar, der bei späten Müttern häufiger gewählt wird, als dies bei jüngeren der Fall ist.

Ein Kind schafft neue Realitäten

Das Leben mit einem (kleinen) Kind stellt eine Veränderung dar, die sämtliche Lebensbereiche der Mutter einschließt und sie unablässig fordert, aber auch neue emotionale Seiten zum Klingen bringt. Die langfristige Gewöhnung an die neue Situation hängt bei spätem Timing der Elternschaft nicht zuletzt von den Eigenschaften des Kindes, beiden elterlichen Persönlichkeiten und der partnerschaftlichen Rollen- und Arbeitsteilung ab. Mütter/Eltern und Kinder beeinflussen einander immer wechselseitig, individuelle und gesellschaftliche Faktoren sind mitverantwortlich für das Gelingen des Projektes Familie. Zu diesen Faktoren zählen u. a. auch, ob und in welcher Weise Frauen Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familien- und Berufsarbeit finden. Viele Mütter erleben die Babypause als eine erwünschte Auszeit aus dem beruflichen Alltag. Für viele stellt sie aber auch ein ernsthaftes Problem dar, wenn es darum geht, berufliche Chancen zu wahren.

Das Alter der Mutter beeinflusst die Entwicklung eines Kindes – aber marginal im Vergleich zum familialen und sozialen Kontext, in den dieses Kind hineingeboren wird. Kinder später Mütter haben aber auch sehr häufig späte Väter und Großeltern, die ein großer Altersunterschied von ihren Enkelkindern trennt. Dadurch ergeben sich spezifische Chancen, aber auch Probleme, noch dazu, wenn diese Kinder ohne Geschwister aufwachsen. Einzelkinder sind bei späten Müttern nicht selten. Abschließend sei darauf hingewiesen: Man sollte das Alter der Mutter in ihrer Beziehung zum Kind nicht überschätzen. Wichtiger ist, ob und wie eine Frau bereit ist, sich auf den Dialog mit ihrem Kind einzustellen, damit diese elementare Beziehung gelingt!

Literatur

Petra Fosen-Schlichtinger (2007): Vom Glück, spät Mutter zu werden. Patmos Verlagshaus. Düsseldorf. ISBN 978-3-491-40101-3

Eine Gruppe Freundinnen Anfang 30 beim Italiener. Gerade ging es um die nervigen Kollegen, den arbeitslosen Partner, die Eltern, die langsam in Ruhestand gehen. „Da kämen ihnen ein paar Enkel gerade recht“, sagt Anne und nippt am Weißbier. Anne führt eine Fernbeziehung, macht ihren Doktor und kann mit dem Gedanken an ein Baby momentan nichts anfangen. Die anderen genauso wenig: Annabel hatte ewig keine Beziehung mehr, Lena arbeitet 50 Stunden die Woche, Marie hat gekündigt und plant, die kommenden Monate durch Südamerika zu reisen.

Klar, man würde gern jung Mutter werden, denn junge Mütter sind irgendwie cool. Aber dann gibt es da den Job, die Reisepläne, die Selbstverwirklichung. Also Kinder ja bitte, aber lieber später. Irgendwann.

17 aus 2017 – Die Geschichten des Jahres

Zum Jahresende präsentieren wir die Lieblingstexte der Redaktion, die 17 aus 2017. Alle Geschichten finden Sie auf dieser Seite.

Dass eine Sache längst entschieden ist, verdrängen sie großzügig: Niemand an diesem Tisch wird mehr jung Mutter. Und als Julia, die Ärztin ist, einwirft, dass es womöglich nicht leicht wird mit dem Kinderkriegen, dass die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden sinkt und die Anfälligkeit für Fehlbildungen beim Baby wächst, rollen die anderen mit den Augen und reden schnell über etwas anderes. Über die Dinge, die sie noch machen wollen, bevor Tag X da ist und das Leben in seine mit Babybrei verklebte Phase eintritt.

Über künstliche Befruchtung reden sie nicht, sie denken nicht einmal daran. Und sitzen dem gleichen Trugschluss auf wie viele Menschen: Sie gehen davon aus, man könne Kinder zu dem Zeitpunkt bekommen, an dem es einem gefällt. Problemlos auch mit Mitte, Ende 30, vielleicht sogar Anfang 40.

Tatsächlich ist in Deutschland aktuell jede zehnte Frau bei der Geburt ihres Kindes 38 oder älter. Paare lassen sich mit dem Kinderkriegen mehr Zeit als früher. Und die Reproduktionsmedizin boomt: 96 000 Kinderwunschbehandlungen gab es in Deutschland 2015. Mehr waren es nur unmittelbar vor der Einführung des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes 2004, als die Krankenkassen noch einen Großteil der Kosten übernahmen.

Frauen entscheiden sich immer später für ein Kind – das ist der Hauptgrund für den Anstieg der Behandlungen, wenngleich nicht der einzige: Der Kinderwunsch homosexueller Paare wird zunehmend anerkannt, weshalb heute mehr sogenannte Regenbogenfamilien gegründet werden. Auch, dass es in Westeuropa kaum noch Kinder gibt, die adoptiert werden könnten, ist ein Faktor. Und dann ist da das Internet, über das Informationen mit ein paar Klicks zugänglich sind – sowohl zu künstlicher Befruchtung und Samenspende als auch zu Praktiken, die hierzulande verboten sind, wie Eizellspende und Leihmutterschaft.

„Wer in die Praxis kommt, ist in der Regel gut informiert“, sagt Andreas Jantke, Leiter eines Kinderwunschzentrums in Berlin. Die Stimme des Gynäkologen klingt am Telefon ziemlich zufrieden, als er sagt, der Besuch in der Kinderwunschklinik sei gerade „en vogue“.

Wer sich vor zehn, fünfzehn Jahren in die Hände eines Reproduktionsmediziners begab, wurde schief angeschaut, der Eingriff in die Natur mindestens als merkwürdig eingestuft. „Unfruchtbarkeit gilt seit jeher als Stigma“, sagt die Medizinethikerin Claudia Wiesemann, die sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats mit den gesellschaftlichen Implikationen der Reproduktionsmedizin beschäftigt. Das Stigma habe sich noch vor wenigen Jahren auch auf Paare übertragen, die versuchten, sich ihren Kinderwunsch durch künstliche Befruchtung zu erfüllen. Mittlerweile gilt es dagegen als normal, sich assistieren zu lassen. Schon das Wort „assistieren“ drückt das aus.

Der Kulturwissenschaftler und frühere SZ-Kollege Andreas Bernard ist für sein Buch „Kinder machen“ um die Welt gereist, hat Kinderwunschkliniken und Eizellbanken, Spender und Spenderkinder besucht. Er kommt zu dem Schluss, die künstliche Befruchtung gelte inzwischen „eher als Variante der natürlichen Empfängnis (…) nicht als deren Gegensatz“.

Die 1,4 Millionen ungewollt kinderlosen Paare, die das Allensbach-Institut in Deutschland gezählt hat (etwa jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ist der Studie zufolge betroffen), dürften die neue Offenheit begrüßen. Sie können heute freier über ihre Nöte sprechen, über die Sehnsucht nach einem leiblichen Kind und die Versuche, sich den Wunsch zu erfüllen.

Wie alt war noch mal Halle Berry?

Gleichzeitig hat der entspanntere Umgang mit der Fortpflanzungsmedizin zu eben jenem Trugschluss beigetragen, von dem eingangs die Rede war. Späte Schwangerschaften gelten als normal. Strapazen und Risiken werden ausgeblendet, gefördert durch die Versprechungen der Kinderwunschindustrie und das dankbare Schweigen der Paare, bei denen es endlich geklappt hat. Die Biologie gerät aus dem Blick: Auch wenn wir uns noch so jung fühlen – der Zeitraum, in dem wir am einfachsten Kinder bekommen können, verschiebt sich nicht nach hinten.

Problematisch ist weniger, dass Frauen und Männer spät Eltern werden wollen. Sondern, dass sie immer später beginnen, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wenn sie sich dann endlich informieren, bleibt bisweilen gar kein anderer Weg mehr als der in die Kinderwunschklinik.

Das Gefühl, noch warten zu wollen, speist sich oft aus diffusem Halbwissen. Hat nicht vor Kurzem eine 65-Jährige Vierlinge bekommen? Zugegeben, das war extrem, wer will schon als Titelgeschichte der Bild-Zeitung enden. Aber wenn 65 funktioniert, ist 40 doch im Rahmen, oder? Prominente wie Halle Berry, Uma Thurman, Janet Jackson und Caroline Beil machen vor, dass die Sache mit der späten Mutterschaft klappt – und sie sehen dabei hinreißend aus. Hieß es nicht gerade, die Lebenserwartung in Industrieländern werde künftig auf 90 Jahre steigen? Überhaupt, 30 ist das neue 20, warum sollten sich 30-Jährige also mit Kindern befassen? Sie sind doch selbst gerade erst erwachsen geworden.

Schon jedes vierte Baby hat eine Mutter, die über 35 Jahre alt ist. Über 40 – diese Kategorie gibt es in der Statistik gar nicht. Die Behörden haben da einen Trend verschlafen. Denn: „Schwanger mit 40, das ist keine Ausnahme mehr“, sagt Professor Klaus Friese, Leiter der Frauenklinik der Uni München (Maistraße und Großhadern): „Wir sehen das immer häufiger.“ Die tz sprach mit dem erfahrenen Frauenarzt über die Risiken für werdende Mütter jenseits der 40.

Ist es ein Unterschied, ob eine Mutter mit 40 ihr erstes Kind bekommt, oder ob es sich um das zweite oder dritte Kind handelt?

Professor Klaus Friese, Leiter der Frauenklinik der LMU. © fkn

Professor Klaus Friese: Wenn eine 40-Jährige ihr drittes Kind bekommt, ist es sicher eine günstigere Situation, als wenn sie ihr erstes Kind bekommt. Waren die vorhergehenden Schwangerschaften unproblematisch, kann man davon ausgehen, dass es wieder so sein wird. So ist zum Beispiel die Frühgeborenenrate bei Frauen über 40 mit einer ersten Schwangerschaft höher, als bei Frauen, die bereits Mutter sind. In diese Zahlen spielt jedoch auch mit hinein, dass ältere Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, häufiger durch eine Kinderwunschbehandlung schwanger wurden, und das erhöht das Risiko für Mehrlingsgeburten und damit auch für Frühgeburten. Ältere Schwangere werden übrigens genauso bei Vorsorgeuntersuchungen kontrolliert wie jüngere werdende Mütter. Erst wenn sich herausstellt, dass eine Schwangere ein höheres Risiko hat, werden die Untersuchungen intensiver. Es gibt auch überhaupt keinen Grund auf eine natürliche Geburt zu verzichten. Das Alter der Mutter ist keine Indikation für einen Kaiserschnitt. Das muss ich hier mal ganz klar sagen.

Kann eine Frau spüren, ob sie noch fruchtbar ist oder nicht?

Friese: Viele Frauen spüren ja den Eisprung, das ist schon mal ein gutes Zeichen. Ansonsten sollte man keine Myome, also gutartige Wucherungen in der Gebärmutter, haben oder unter Endometriose leiden. Wer regelmäßige Monatsblutungen in normaler Intensität hat, sollte zunächst auf normalem Weg versuchen, schwanger zu werden. Manche Ärzte bieten Tests an zur Fruchtbarkeitsbestimmung. Die Eierstöcke werden mit Ultraschall untersucht, um zu sehen ob Follikel vorhanden sind. Das sagt aber nicht sehr viel aus. Das Anti-Müller-Hormon kann bestimmt werden, das sagt etwas darüber aus, wie viel hormonelle Reserve die Frau noch hat, um schwanger zu werden. Das wird manchmal von jüngeren Frauen genutzt, um abzuschätzen, wie lange sie noch warten können mit dem Kinderwunsch. Aber das ist natürlich alles keine Garantie.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mit 40 auf natürlichem Weg schwanger zu werden?

Friese: Die Rate wird kleiner. Das liegt daran, dass weniger befruchtungsfähige Eizellen heranreifen. Bei einer Frau um die 40 dauert es doppelt so lange, schwanger zu werden wie bei einer 28-Jährigen. Da liegt die Chance bei etwa 20 Prozent, dass bei einem Geschlechtsverkehr am Eisprung-termin eine Schwangerschaft eintritt. Wenn die Frau schwanger werden möchte und es neun bis zwölf Monate versucht hat, ohne dass es geklappt hat, sollte sie sofort eine Kinderwunschbehandlung beginnen. Es werden zunächst die Hormonspiegel bei der Frau bestimmt und Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke per Ultraschall untersucht. Außerdem werden im Sperma des Mannes Zahl und Funktionsfähigkeit der Spermien untersucht. Man sollte dann nicht zu lange mit einer Behandlung warten. Denn bei der künstlichen Befruchtung hat der Gesetzgeber strenge Altersgrenzen gesetzt. Patientinnen über 40 müssen die ganzen Kosten selbst bezahlen.

Ist es sinnvoll, als ältere Frau gleich zum Arzt zu gehen, um zu prüfen ob alles gesund ist?

Friese: Nein, bei sehr vielen klappt es ganz normal auf natürlichem Weg. Jede Frau sollte die Chance dazu haben, wir wollen nicht gleich jeden in einen medizinischen Ablauf pressen.

Welche Risiken sind denn bei älteren Schwangeren erhöht?

Friese: Alter ist einfach ein Risikofaktor für einige Erkrankungen, und das trifft eben auf ältere Schwangere auch zu, also zum Beispiel Bluthochdruck oder Schwangerschaftsdiabetes.

Gibt es körperliche Folgen nach der Schwangerschaft?

Friese: Das ist abhängig von der Ausgangssituation. Eine Frau, die fit mit 45 in die Schwanerschaft geht, hat gute Chancen, fit aus der Schwangerschaft herauszukommen.

Interview: S. Stockmann

Genetisches Risiko fürs Kind

Anders als Samenzellen werden Eizellen im Lauf des Lebens nicht neu gebildet. Alle Eizellen werden bereits vor der Geburt beim Mädchen angelegt. Sie sind also beim Eisprung sogar älter als die Frau selbst. Wie bei allen Körperzellen kommt es mit zunehmendem Alter auch bei den Eizellen bei der Teilung zu Fehlern. Daher sinken die Chancen, dass eine Eizelle intakt ist und erfolgreich befruchtet werden kann, und es steigt das genetische Risiko fürs Kind. Viele Schwangerschaften enden daher in einem sehr frühen Stadium, das befruchtete Ei nistet sich nicht in die Gebärmutter ein oder stirbt kurz darauf. Meist liegen genetische Fehler vor, bei denen der Embryo nicht lebensfähig gewesen wäre. Diese frühen Fehlgeburten werden oft von der Frau gar nicht bemerkt. Anders bei der Trisomie 21, bei der die Kinder voll lebensfähig sind. Die Wahrscheinlichkeit ein Kind mit Down-­Syndrom zu bekommen, liegt mit 35 Jahren bei etwa 0,3 Prozent, mit 40 Jahren bei einem Prozent und mit 46 Jahren bei fünf Prozent.

Eizellen auf Eis als Reserve?

Immer häufiger bitten junge, gesunde Frauen darum, Eizellen einzufrieren, um der biologischen Uhr ein Schnippchen zu schlagen. Professor Friese warnt vor zu hohen Erwartungen: „Dieses so genannte Social freezing muss man von zwei Seiten sehen. Ich verstehe Frauen, die sagen, sie möchten gern ein Kind, haben aber noch nicht den richtigen Partner. Andererseits warne ich davor, weil es ein großes Geschäft sein kann. Die Erfolge, die oft versprochen werden, sind völlig unrealistisch.“

Das Tieffrieren und Auftauen von Eizellen ist bis heute kein Routineverfahren. Sehr viele Eizellen überleben die Prozedur nicht unbeschadet. So überlebt nur eine von fünf Eizellen einer 38-Jährigen die Pause im flüssigen Stickstoff. Selbst wenn, liegt die Wahrscheinlichkeit dann mit einer In-vitro-Fertilisation schwanger zu werden, bei gerade mal zehn Prozent. Eine Frau bräuchte also zehn befruchtete Eizellen, um zu einer Schwangerschaft zu kommen. Demnach müssten statistisch gesehen mindestens 50 Eizellen entnommen und tiefgeforen werden, damit es mindestens einmal klappt. Eine belastende Prozedur, das Einfrieren ist zudem mit hohen Kosten verbunden.

Fruchtbarkeit beeinflussen

Die Lebenserwartung in Deutschland hat sich für Frauen im letzten Jahrhundert von 50 auf über 80 Jahre erhöht. Die Wechseljahre beginnen dennoch weiter mit Anfang 50. Ein gesunder Lebensstil, mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung tut auch der Fruchtbarkeit gut. Dennoch ist sie zum großen Teil genetisch bestimmt. Wer jedoch weiß, dass er nicht jetzt, aber später mal Kinder haben möchte, sollte schon in jungen Jahren aufs Rauchen verzichten. Professor Friese: „Es ist belegt, dass Raucherinnern früher in die Wechseljahre kommen.“ Extremer Sport schadet übrigens auch der Fruchtbarkeit. Professor Friese: „Sehr schlanke, sehr durchtrainierte Sportlerinnen haben oft einen unregelmäßigen Zyklus und Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Es kommt auf das richtige Maß an Sport an.“

Spät Mutter werden: Vor- oder Nachteil?

Meistens Wunschkinder

Die Kinder seien häufiger Wunschkinder – unter anderem, weil Frauen über 35 im Durchschnitt nicht mehr so fruchtbar sind, wie ihre jüngeren Geschlechtsgenossinnen. „Denn es wächst nicht mehr bei jedem Zyklus eine Eizelle heran“, erklärt Eberhardt. Auch der Anteil der künstlichen Befruchtungen sei bei älteren Schwangeren höher. Diese sogenannte In-vitro-Befruchtung kann Mehrlingsschwangerschaften zur Folge haben. In anderen Ländern können Frauen auf die in Deutschland verbotenen Eizellenspenden zurückgreifen, sodass auch Schwangerschaften mit Anfang 50 vorkommen.

Intensive Betreuung in der Schwangerschaft

Im Mutterpass gelten werdende Mütter ab 35 Jahren als risikoschwanger. „Das bedeutet einfach, dass sie noch engmaschiger untersucht werden“, sagt Eberhardt. Die Schwangeren sollten unbedingt die von den Frauenärzten vorgegebenen Untersuchungstermine einhalten. Nötig sei das, weil manche Erkrankungen während der Schwangerschaft ab einem gewissen Alter häufiger vorkommen. Dazu zählen Schwangerschaftsdiabetes und erhöhter Blutdruck bis hin zu Präeklampsie. „Und je älter die Frauen sind, desto eher können natürlich auch unabhängig von der Schwangerschaft bereits chronische Erkrankungen vorliegen, zum Beispiel eine unerkannte Zuckerkrankheit“, sagt Eberhardt, um anschließend zu beschwichtigen: „Dennoch können die Frauen im Normalfall die Zeit ihrer Schwangerschaft unbeschwert genießen.“

Pränatale Diagnostik?

Für das heranwachsende Kind steigt mit dem Alter der Mutter das wenn auch geringe Risiko einer Chromosomenanomalie, zum Beispiel einer Trisomie 21. Deshalb stelle sich besonders späten Müttern die Frage nach der sogenannten pränatalen Diagnostik, sagt Eberhardt. Früher sei Frauen ab 35 meist zu einer Fruchtwasserpunktion geraten worden. Inzwischen würden zunächst weniger invasive Verfahren wie das Ersttrimester-Screening mit Nackenfaltenmessung oder spezielle Bluttests angewendet, um den Verdacht auf eine Chromosomenanomalie auszuräumen. Allerdings werden diese Bluttests bisher nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. „Und bevor eine werdende Mutter sich diesen Untersuchungen aussetzt, sollte sie sich auch überlegen, wie sie mit dem Untersuchungsergebnis umgeht“, erläutert Eberhardt.

Um sich die Möglichkeit, noch spät Mutter zu werden, zu erhalten und dabei unter anderem auch das Risiko einer Chromosomenanomalie zu minimieren, ist in der letzten Zeit die Kryokonservierung von Eizellen unter dem Stichwort „Social Freezing“ in der Öffentlichkeit diskutiert worden. Dabei lassen sich Frauen in jungen Jahren Eizellen entnehmen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt befruchten und einsetzen zu lassen. „Diese Möglichkeit reduziert aber nicht die Gefahr für andere Erkrankungen einer älteren Mutter während der Schwangerschaft“, stellt Eberhardt klar.

Wenn sich die Geburt verzögert

Wird der berechnete Geburtstermin überschritten, empfehlen Ärzte mit zunehmendem Alter der Schwangeren gegebenenfalls bereits früher eine Geburtseinleitung. Es besteht hier nämlich ein höheres Risiko für eine zunehmende Mangelversorgung des Kindes über den Mutterkuchen.

Manche Mütter wünschen auch einen Kaiserschnitt. „Einen Kaiserschnitt wählen späte Mütter eher aus den Erwägungen heraus, was für ihr Kind sicherer ist“, sagt Eberhardt. Bei jüngeren Müttern spiele hingegen öfter die Angst vor den Schmerzen bei der Geburt eine Rolle. Experten sehen einen Kaiserschnitt auf Wunsch oft kritisch.

Gelassenheit nach der Geburt

Ist das Kind dann geboren, entdeckt Eberhardt bei späten Müttern wieder die aus der Lebenserfahrung erwachsene Gelassenheit: „Weil sie sich meist schon ausgelebt haben, leiden sie weniger unter dem Gefühl, sie könnten wegen des Kindes etwas verpassen.“ Jüngere Mütter hätten eher den Drang, trotz Kind noch möglichst bald in der Karriere durchzustarten. „Oder das gleichaltrige Umfeld ist vielleicht noch stark auf Weggehen und Nachtleben fixiert, und die junge Mutter hat das Gefühl, nicht mithalten zu können.“ Allerdings seien bei jungen Müttern öfter noch die eigenen Eltern in einem Alter, in dem sie tatkräftig beim Aufziehen des Nachwuchses helfen können.

Vielen Schwangeren und Müttern mit kleinen Kindern hilft es, sich mit Frauen in einer ähnlichen Lebenssituation auszutauschen und Kontakte zu knüpfen – zum Beispiel im Geburtsvorbereitungskurs oder einer Mutter-Kind-Gruppe.

In welchem Alter eine Frau schwanger wird und wie viele Kinder sie zur Welt bringt, ist immer guter Stoff für Diskussionen. So belegen zahlreiche Studien, dass die Gesundheitsrisiken von Kindern mit dem Alter ihrer Mütter steigen. Je später eine Frau schwanger wird, desto größer ist beispielsweise die Gefahr, dass das Kind mit einem Downsyndrom geboren wird oder später im Leben an Alzheimer, Bluthochdruck oder Diabetes erkrankt.

Inzwischen liegt OECD-Zahlen zufolge in Deutschland und Großbritannien das Durchschnittsalter der Frauen bei ihrer ersten Geburt bei etwa 30 Jahren. Und in Schweden beträgt der Anteil der erstmals gebärenden Mütter, die älter als 35 sind, bereits mehr als ein Viertel. Solche späten Schwangerschaften betrachten viele Mediziner als riskant.

Doch eine neue Langzeitstudie zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Alter der Mutter und Gesundheit der Kinder wohl deutlich komplexer ist. Die Kernaussauge: Kinder von älteren Müttern können sogar gesünder sein als die von jüngeren – sofern die äußeren Bedingungen stimmen.

Umweltfaktoren können bedeutsamer sein als individuelle Risiken

Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock haben gemeinsam mit der London School of Economics Daten von mehr als 1,5 Millionen Frauen und Männern aus Schweden analysiert, die zwischen 1960 und 1991 geboren wurden. Sie untersuchten Größe, körperliche Fitness, Schulabschlüsse und Bildungsstand. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt Population and Development Review veröffentlicht.

Die Forscher fanden heraus, dass die Kinder älterer Mütter im Schnitt größer waren, bessere Schulleistungen erzielten und mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine Universität besuchten als die Kinder jüngerer Mütter. Dies galt selbst dann, wenn die Mütter bei der Geburt des Kinds bereits älter als 40 waren. Diese Kinder gingen im Schnitt etwa ein Jahr länger zur Schule oder Universität als die Kinder, bei deren Geburt die Mutter erst Anfang 20 gewesen war.

Vor allem zeigt die Arbeit wohl den großen Einfluss des medizinisch-technischen Fortschritts: Kinder, die später geboren werden, profitieren tendenziell von einem besser organisierten Gesundheitssystem – sofern der jeweilige Staat hier Fortschritte erzielt hat. Auch die besseren Schulleistungen lassen sich so erklären, denn gerade zwischen 1960 und 1990 wurden die Bildungssysteme in den westlichen Industriestaaten erheblich ausgebaut.

Bisherige Studien hätten diese Entwicklungen jedoch meist außer Acht gelassen und stattdessen gesundheitliche Risiken durch späte Schwangerschaften betont, schreiben die Forscher um Mikko Myrskylä. Die neue Forschungsarbeit zeige jedoch, dass die technische und soziale Entwicklung die Risiken einer späten Schwangerschaft mehr als ausgleichen kann. Inwieweit die Daten auf andere Länder mit anderem Entwicklungsstand übertragbar sind, ist bislang allerdings unklar.

Spät Mutter werden

Erfolgreich im Beruf mit Kindern? | Foto: © Daniel Ernst

Das erste Kind mit über 40 – ein Problem für die Karriere?

Manchmal ist die Biologie, oft die Umstände und sehr oft die Karriere der Grund für den späten Kindersegen. Immer mehr Frauen bekommen ihr erstes Kind mit weit über 30. Oft werden Frauen auch erst mit 40,41,42 oder noch säter Mutter. Während die Ärzte früher noch im Einklang gegen die späte Mutterschaft gewettert haben, sehen es viele heutzutage ein wenig anders. Zudem profitieren die Kinder durchaus von den meist geistig reiferen und ausgeglicheneren Eltern.

Frühe Mutterschaft gesundheitlich besser

Keine Frage, junge Mütter regenerieren sich schneller nach einer Geburt. Die durch die Gewichtszunahme strapazierte Haut bildet sich aufgrund des strafferen Bindegewebes besser zurück. Sie haben vielleicht auch stärkere Nerven als ältere Mütter. Zudem haben Frauen, die jung gebären laut einer Studie ein geringeres Brustkrebsrisiko. Gesellschaftlich und wirtschaftlich erwachsen der jungen Mutter jedoch zumeist einige Nachteile. So ist sie in der Babypause in finanzieller Hinsicht sehr eingeschränkt, teilweise meist von dem Kindsvater abhängig.
Spät Mutter werden ein Risiko für die Karriere
Ein möglicher Karriereaufbau wird durch die Pause, in der sie „weg vom Fenster“ ist, gehemmt und wird meist gar nie mehr aufgeholt. Wiedereinsteigerinnen bekommen nämlich in vielen Firmen nicht mehr denselben Arbeitsplatz und müssen sich mit einem anderen Aufgabenbereich zufrieden geben. Sehr frühe Mütter unter 20 sind zudem in ihrer Persönlichkeit noch nicht entwickelt. Sie möchten sich oft nach der Geburt doch noch „austoben“ und aus ihrer klein gewordenen Welt ausbrechen. Ist keine hilfsbereite Oma in greifbarer Nähe, die das Kind inzwischen versorgt und die Mutter gezwungen, zuhause zu bleiben, fühlt sich die junge Frau eingesperrt und ist mit ihrem neuen Leben als Mami bald unzufrieden.

Risiken der späteren Schwangerschaft

Spät Mutter werden – die Risiken :
Bei manchen Paaren klappt es einfach nicht früher. Vielen ist jedoch bewusst der vorherige Aufbau eines gewissen Standards wichtig in ihrer Lebensplanung. Aus gesundheitlicher Sicht ist natürlich die spätere Schwangerschaft mit Risiken verbunden. Ab 35 wird in der Medizin von einer „Risikoschwangerschaft“ gesprochen. Je älter die Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes ist, desto höher ist das Risiko des Kindes, am Down-Syndrom zu leiden. Verschiedene Diagnosemethoden wie z.B. die Fruchtwasseruntersuchung beim Frauenarzt können im Vorfeld klären, ob das Kind Schäden dieser oder anderer Art aufweist. Die körperliche Belastung ist natürlich ebenso größer als bei jüngeren Frauen, denn die werdende Mutter ist dem Risiko von Schwangerschaftsdiabetes, Plazentainsuffizienz – das ist ein Nährstoffmangel des Mutterkuchens, Bluthochdruck, Schwangerschaftsvergiftung und einer Frühgeburt ausgesetzt. Zumeist gehen die Ärzte kein Wagnis bei der Geburt ein und holen den neuen Erdenbürger per Kaiserschnitt ans Licht.

Reife der Eltern gut fürs Kind

Mit 40 noch Mutter werden hat auch Vorteile!
Warum viele erst über 30 Eltern werden gründet ferner im späten Finden des geeigneten Partners, mit dem man sich ein Kind vorstellen könnte. Paare, die sich jung und mitten in ihrer Persönlichkeitsentwicklung kennen gelernt haben und bald darauf gemeinsame Kinder bekamen, stehen nach ein paar Jahren vor den Trümmern ihrer Beziehung. „Auseinander gelebt“ heißt es dann oft oder „Wir passen eigentlich absolut nicht zusammen“. Zurück bleiben die bedauernswerten Kinder. Pärchen jedoch, die sich später, also erst nach Abschluss ihrer geistigen und emotionalen Entwicklung kennen lernen, verbindet eine reifere und standfestere Beziehung, in der sich ein Kind umso wohler fühlen kann. Mütter, die bereits ihre Karriere aufgebaut haben, gehen zudem viel bewusster und intensiver in die Mutterschaft und können sich viel entspannter ohne Gedanken über Belastungen und in finanzieller Abgesichertheit in das „Abenteuer Kind“ begeben. Zwar sind Kinder von älteren Eltern Beobachtungen zufolge oft körperlich schwächer, untergewichtig und weniger widerstandsfähig, aber feinfühliger und geistig ihrem Alter voraus. Die intensivere Befassung der Eltern mit dem Kind ist vermutlich der Grund für dieses Phänomen.
Denjenigen, die sich auf Ihre Fruchtbarkeit bis zu den Wechseljahren verlassen, sollte jedoch gesagt sein, dass nicht nur die Samenzellen der Männer mit der Zeit träger werden, sondern dass auch die Eizellen der Frau mit dem Alter abnehmen: Sind es bei einem Mädchen noch etwa 400.000, zählt man bei einer 35-Jährigen angeblich nur mehr 35.000. Tröstlich mögen uns da jedoch die Worte des norwegischen Naturwissenschafters Thor Heyerdahl (1914-2002) erscheinen: „Die Natur selbst ist wie ein Herd: Wir können das Feuer wiederbeleben, solange noch Glut da ist.“
Wo die Natur nicht will
Der Kinderwunsch vieler Paare bleibt manchmal oft überhaupt unerfüllt. Die Natur lässt sich eben nicht überrumpeln. Wer weiß, wozu es gut ist? Denn „Wo die Natur nicht will, ist die Arbeit umsonst“ sagte schon der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca (4.v.Chr.-65 n.Chr.).
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Stand: 01.02.2020

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