Kind krank über 12

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Was berufstätige Eltern wissen müssen, wenn das Kind krank ist

Das Kind ist krank – doch ist das gleich eine Katastrophe? Für berufstätige Eltern trifft das manchmal zu. Vor allem, wenn beide einer Arbeit nachgehen. Die typische Situation: Morgens wollen alle aus dem Haus, die Kleinen in die Kita, die Eltern zur Arbeit. Doch dann ist das Kind krank. Was müssen Arbeitnehmer jetzt beachten?

Wann kann ich bei der Arbeit fehlen?

Zunächst gibt es eine gesetzliche Regelung: Jeder Elternteil darf zuhause bleiben, wenn das Kind krank ist, insgesamt zehn Arbeitstage im Jahr. Alleinerziehende haben Anspruch auf die Gesamtzahl, das heißt 20 Tage.

Bei zwei Kindern verdoppelt sich die Anzahl der Krankheitstage. Bei mehr als zwei Kindern gibt es dann allerdings eine Obergrenze: Diese liegt bei 25 Tagen pro Elternteil und 50 Tagen bei Alleinerziehenden.

Ehepaare können sich die Tage auch gegenseitig überschreiben: Ist das Kind krank, aber die Tage des Vaters aufgebraucht, kann er die Resttage der Mutter nutzen. Manchmal lohnt sich auch der Blick in den Arbeitsvertrag, denn viele Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern zusätzliche Tage.

Wenn das Kind krank ist: Werde ich weiter bezahlt?

Eltern haben also den Anspruch zuhause bleiben zu dürfen, wenn das Kind krank ist. Um für diese Fehltage trotzdem Lohn zu erhalten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Kinderkrankengeld gibt es, wenn:

> das Kind jünger als zwölf Jahre ist.
> ein Arzt bescheinigt hat, dass das Kind krank ist und zuhause gepflegt werden muss. Dieses Attest muss bereits ab dem ersten Tag der Krankheit an den Arbeitgeber gehen. (Wie im normalen Krankheitsfall übernimmt die Krankenkasse die Lohnfortzahlung.)
> die Betreuung des kranken Kindes durch eine andere Person nicht möglich ist. Wichtig: Hier geht es nur um Personen, die auch mit in eurem Haushalt leben, z.B. Verwandte oder Aupairs – nicht aber die Nachbarn, auch wenn diese sehr nett sind.
> die Freistellung nicht länger als fünf Arbeitstage dauert.
Achtung: Seht hier nach, was in eurem Arbeitsvertrag steht. Hier kann auch eine abweichende Regelung stehen.

Treffen diese Voraussetzungen nicht zu, etwa, weil das Kind älter als 12 Jahre ist, haben Eltern trotzdem das Recht, bei ihrem kranken Kind zu bleiben. Diese Tage gelten dann jedoch meist als unbezahlt.

In diesen Fällen zahlt die gesetzliche Krankenkasse ihren Versicherten Krankengeld, 70 bis 90 Prozent des Nettogehalts. Aber nur, wenn das Kind auch in der gesetzlichen Krankenversicherung ist und keine andere Person einspringen kann. Das Krankengeld muss bei der Versicherung beantragt werden.

Ist das Kind krank, weil es einen Unfall im Kindergarten, in der Schule oder auf dem Weg dorthin hatte, so zahlt die Unfallversicherung das Krankengeld.

Übrigens, eine Kündingung, weil ihr euer krankes Kind pflegt, müsst ihr im Normalfall nicht befürchten.

Gibt es auch eine Notfallbetreuung für kranke Kinder?

Oft ist es Eltern schlicht unmöglich, der Arbeit fern zu bleiben. Oder es sind bereits alle Tage aufgebraucht, was schnell passiert. In vielen Städten gibt es dafür eine Notfallpflege, etwa in München, Hamburg, Köln oder Berlin. Die Ortsverbände des Kinderschutzbund und auch der Notmütterdienst Familien- und Seniorenhilfe e.V. bieten Notfallbetreuung an.

Eine Übersicht über alle Regelungen im Krankheitsfall des Kindes bietet das Familienministerium.

Weitere Informationen findet ihr auch bei onmeda.de.

Kind krank: Welche Rechte haben Arbeitnehmer?

Ist das eigene Kind krank, leiden berufstätige Eltern doppelt. Auf der einen Seite steht das Pflichtgefühl, womöglich dringende Projekte, die auf ihren Abschluss warten, auf der anderen Seite hat das Wohl des Kindes oberste Priorität. Und so eine Erkrankung kann jederzeit vorkommen, gerade Eltern von kleinen Kinder in der Kita wissen das. Klar ist, dass Ihr Kind dann zuhause bleibt und das Bett hütet. Aber welche Rechte haben Sie als Arbeitnehmer in so einem Fall? Was sagt das Arbeitsrecht dazu? Darf ein Elternteil einfach zuhause beim kranken Kind bleiben? Die gute Nachricht ist: Ja, es gibt ein Recht darauf. Die schlechte: Es ist nicht uneingeschränkt…

Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel

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Wann dürfen Arbeitnehmer zuhause bleiben?

Im Wesentlichen gibt es zwei Paragraphen, die Eltern die Abwesenheit von der Arbeit gestatten, wenn ihr Kind krank ist.

Paragraph 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) regelt die vorübergehende Verhinderung, sofern Arbeitnehmer „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ an ihrer Dienstleistung verhindert sind.

Allerdings ist die Dauer hier unklar – deutlich konkreter ist Paragraph 45 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V). Er regelt den Anspruch und die Dauer von Krankengeld bei Erkrankung des Kindes.

Beides ist abhängig vom Familienstand:

  • Verheirateten

    Verheirateten Arbeitnehmern stehen pro Kind jeweils zehn Kinderkrankentage pro Kalenderjahr zu. Haben Sie und Ihr Partner zwei Kinder, können Sie also jeweils 20 Tage insgesamt zuhause ein krankes Kind versorgen. Bei weiteren Kindern ist der Anspruch auf maximal 25 Tage im Jahr begrenzt.

  • Alleinerziehende

    Als alleinerziehende Mutter oder alleinerziehender Vater haben Sie ein Anrecht auf bis zu 20 Tage Freistellung pro Kind, bei mehreren Kindern wird die Dauer auf 50 Tage begrenzt.

Diese Regelungen gelten für leibliche Kinder gleichermaßen wie für Stief- oder Adoptivkinder.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Sie und Ihr Kind sind in der gesetzlichen Krankenkasse versichert.
  • Ihr Kind ist 12 Jahre alt (oder jünger) oder behindert und auf Hilfe angewiesen.
  • Es gibt niemanden im Haushalt – etwa Großeltern oder Au-pair – der sich um das Kind kümmern kann.
  • Sie können durch ein ärztliches Attest nachweisen, dass Ihr Kind krank ist und Betreuung benötigt.

Leben also beispielsweise die Großeltern oder ältere Geschwister im gleichen Haus oder nebenan, muss der Chef den Pflegetag nicht akzeptieren. Das gilt aber nur für Verwandte – Nachbarn müssen Sie Ihr Kind nicht anvertrauen – egal, wie nett die sind.

Auch gelten diese Regelungen nicht, wenn Sie als Selbständiger in einer privaten Krankenkasse versichert sind. Meist sorgen in solchen Fällen Privatversicherte mit einer Zusatzversicherung vor.

Achtung Abmahnungsfalle!

Während Arbeitnehmer gesetzlich erst ab dem dritten Tag, also am vierten Tag, ein ärztliches Attest vorlegen müssen, ist dies bei erkrankten Kindern anders:

Vom ersten Tag an besteht Anzeige- und Nachweispflicht, das heißt, Sie müssen Ihren Arbeitgeber darüber informieren, dass Sie wegen eines erkrankten Kindes zuhause bleiben und wie lange. Außerdem benötigen Sie für das Kind eine Krankschreibung vom Kinderarzt.

Verstößt ein Elternteil gegen diese Pflichten, kann ein Arbeitgeber eine Abmahnung aussprechen und bei wiederholtem Vorkommen sogar die verhaltensbedingte Kündigung.

Wie lange bekomme ich mein Gehalt weitergezahlt?

Die Rechtslage ist für berufstätige Eltern mit kranken Kindern kompliziert: Ist Ihr Kind krank, haben Sie rechtlich betrachtet Anspruch auf Freistellung von der Arbeit durch den Arbeitgeber. Ob diese Freistellung allerdings vergütet wird, hängt von verschiedenen Aspekten ab.

Der erwähnte Paragraph 616 BGB regelt, dass Arbeitnehmer, die „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ an ihrer Dienstleistung verhindert sind, ihren Anspruch auf Vergütung nicht verlieren. Heißt, Sie dürfen mit einer bezahlten Freistellung rechnen.

Die Sache hat zwei Haken:

  • Für welche Dauer diese Vergütung gilt, ist unklar.

    Teilweise wird es wie im Paragraph 45 SGB V interpretiert, das hieße: Bis zu 10 Tage Abwesenheit würden finanziert. Allerdings hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) die Formulierung als fünf Tage Abwesenheit ausgelegt (BAG 5.8.2014 – 9 AZR 878/12).

  • Der Arbeitgeber ist nicht an die Regelung gebunden.

    Viele Arbeits- und Tarifverträge begrenzen diesen Anspruch nach § 616 BGB oder schließen ihn sogar ganz aus. Auch die ersten fünf Tage bei vollem Lohn sind kein Muss.

Sollte Ihr Arbeitsvertrag eine Ausschlussklausel hinsichtlich einer bezahlten Freistellung enthalten, verzichten Sie mit Ihrer Unterschrift auf eine Lohnfortzahlung bei Krankheit Ihres Kindes. Sie können zwar dann unter den genannten Bedingungen der Arbeit fernbleiben, um Ihr krankes Kind zu betreuen.

Ein Gehalt gibt es dafür aber nicht. Damit Sie finanziell weiterhin abgesichert sind, können Sie in diesem Fall das sogenannte Kinderkrankengeld (auch Kinderpflege-Krankengeld genannt) bei Ihrer Krankenkasse beantragen.

Es beträgt 70 Prozent des Bruttoverdienstes, maximal aber 90 Prozent des Nettoverdienstes. Durchschnittlich bekommen Versicherte etwa 75 Prozent des Nettoverdienstes.

Zwei Ausnahmen gibt es außerdem: Auszubildende mit kleinen Kindern haben bis zu sechs Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung, wenn sie ein erkranktes Kind pflegen und daher der Arbeit fernbleiben müssen.

Bei der Pflege schwerstkranker Kinder wird das Kinderkrankengeld zeitlich unbefristet bezahlt.

Was tun, wenn ein Elternteil die schon ausgeschöpft hat?

Sind die Krankheitstage ausgeschöpft oder wollen Eltern nicht schon wieder in der Arbeit anrufen und sich wegen eines kranken Sprösslings krank melden, ist das Vorspielen einer eigenen Erkrankung kein Kavaliersdelikt. Kommt das heraus, ist das im Zweifel ein Grund zur fristlosen Kündigung.

Erlaubt ist aber Folgendes: Wenn beispielsweise die Mutter ihre zehn jährlichen Fehltage ausgeschöpft hat, kann sie versuchen, sich die Tage vom Vater übertragen zu lassen, wenn dieser zur Übernahme der Kinderbetreuung nicht in der Lage ist.

Das geht allerdings nur unter folgenden Voraussetzungen:

  • Beide Elternteile sind in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert und einer – in unserem Beispiel der Vater – kann die Betreuung des erkrankten Kindes aus beruflichen Gründen nicht übernehmen.
  • Beide Arbeitgeber müssen dieser Regelung zustimmen.

Krankes Kind: Die wichtigsten Fragen und Antworten

  • Was passiert, wenn das kranke Kind älter als zwölf Jahre ist?

    In dem Fall haben die Eltern keinen Anspruch mehr auf Kinderkrankengeld. Allerdings steht Ihnen auch nach § 616 BGB zu, aus unverschuldeten, persönlichen Gründen der Arbeit für kurze Zeit fernzubleiben und die Pflege eines Kindes gehört dazu.

    Für § 616 BGB ist das Alter des Kindes unerheblich und der Arbeitgeber zur Vergütung verpflichtet – sofern dies nicht arbeitsvertraglich ausgeschlossen wurde. Sollte dies der Fall sein, müssen Sie Urlaub einzureichen oder mit dem Arbeitgeber unbezahlten Urlaub vereinbaren.

  • Wann springt eine Haushaltshilfe ein?

    Überhaupt nicht. Nur wenn die Eltern selbst erkranken und sich nicht um ihre Kinder kümmern können, zum Beispiel, wenn sie im Krankenhaus liegen oder eine Kur machen, bezahlt die Krankenkasse eine Haushaltshilfe. Eine Haushaltshilfe ersetzt nicht eine gesunde Mutter, sondern nur eine kranke.

  • Was, wenn der Partner auch erkrankt ist?

    Grassiert gerade ein grippaler Infekt, erwischt es nicht selten sukzessive die ganze Familie. Wenn also Mutter und Kind krank sind, darf der Vater zuhause bleiben? Ganz einig sind sich die Arbeitsgerichte diesbezüglich nicht. Ist das Kind unter 12 Jahre alt oder behindert, können Sie bei der Krankenkasse die Haushaltshilfe beantragen – in dem Fall muss der gesunde Elternteil arbeiten gehen.

Kurzum: Ist das kranke Kind älter als zwölf Jahre oder der Elternteil privat krankenversichert, wird es problematisch. Auch bei langen Erkrankungen der Kinder ist irgendwann das Kontingent der Tage ausgeschöpft, die Sie zur Pflege zuhause bleiben können.

Kommunizieren Sie das Problem

Ungeachtet von den gesetzlichen Regelungen, sollten Arbeitnehmer dennoch nicht einfach auf ihr Recht pochen und der Arbeit fernbleiben. Verpflichtet sind Sie, mindestens den Chef gleich am Morgen darüber zu informieren.

Für Verständnis zu werben und eventuell den Arbeitsausfall per Home-Office zu kompensieren, ist zudem klug. Denn natürlich kann der Fehltag kurz vor Deadline gerade für mittlere und kleinere Betriebe zu einem echten Problem werden. Nicht jeder Chef zeigt dann allzu großes Verständnis.

Einerseits hat wohl jeder Verständnis für ein krankes Kind zu Hause. Gleichzeitig macht es natürlich einen besseren Eindruck, wenn Sie auch ans Team denken und Bereitschaft signalisieren, im Notfall erreichbar zu bleiben oder auch noch etwas mitzuhelfen, wenn das kranke Kind gerade schläft.

Wenn wirklich alle Stricke reißen, haben Sie außerdem in vielen Städten die Möglichkeit, sich über einen Verein oder den Kindernotbetreuungsdienst Hilfe zu organisieren:

  • Notmütterdienst
  • PME Familienservice
  • Die Notfallmamas

In allen Fällen wünschen wir: Gute Besserung!

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Kind krank? Gesetzliche Regelungen zu Freistellung und Entgeltfortzahlung

Die Grippe hat dieses Jahr besonders viele Menschen getroffen. Wird ein Kind krank, kann oft ein Elternteil nicht zur Arbeit gehen. Arbeitgeber sind dann grundsätzlich zur Freistellung des Arbeitnehmers verpflichtet. Daneben gewähren gleich zwei Gesetze ein Recht auf Entgeltfortzahlung.

Kann ein Arbeitnehmer nicht zur Arbeit kommen, da sein Kind erkrankt ist, müssen Arbeitgeber vorrangig die Anwendung von § 616 BGB prüfen. In diesem steht, dass Arbeitnehmer Anspruch auf Entgeltfortzahlung haben, wenn sie für eine „verhältnismäßig nicht erhebliche“ Zeit ihre Arbeitsleistung nicht erbringen können aus Gründen, die nicht in Ihrer Person liegen – etwa weil sie zur Pflege eines Kindes zu Hause bleiben müssen.

Kind krank: Wann Anspruch auf bezahlte Freistellung besteht

Zu der Frage, was unter der juristischen Verklausulierung einer „verhältnismäßig nicht erheblichen Zeit“ zu verstehen ist, gibt es keine eindeutige Vorgabe des Gesetzgebers. Im Allgemeinen leitet man aus einer Parallele zu § 45 SGB V einen Zeitraum von bis zu zehn Tagen ab, die Arbeitnehmer der Arbeit fern bleiben dürfen, ohne ihren Entgeltanspruch zu verlieren.

Kind krank: Wann kein Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht

In vielen Arbeitsverträgen ist die Vergütungspflicht nach § 616 BGB jedoch explizit ausgeschlossen. Ist dies der Fall, besteht kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung für die Pflege eines kranken Kindes, auch nicht für eine nur kurze Zeit. Der Anspruch ist jedoch auch regelmäßig Gegenstand von Tarifverträgen und kann dort verbindlich festgeschrieben werden.

Unterscheidung Arbeitnehmer und Auszubildende

§ 616 BGB gilt dagegen nicht für Auszubildende. Für sie ergibt sich ein Anspruch auf bezahlte Freistellung von der Arbeitsleistung aus den §§ 3, 19 BBiG. Auszubildende haben damit einen bis zu sechs Wochen dauernden Anspruch auf Entgeltfortzahlung, wenn sie aus einem sonstigen, nicht in ihrer Person liegenden Grund verhindert sind, ihre Pflichten aus dem Berufsausbildungsverhältnis zu erfüllen. Die Paragrafen bilden also das Pendant zu § 616 BGB für Arbeitnehmer.

Anspruch auf Kinderkrankengeld

Ist eine Anwendung des § 616 BGB vertraglich ausgeschlossen, springt die Krankenkasse ein. Ist das kranke Kind bei den Eltern mitversichert, haben diese Anspruch auf Kinderkrankengeld unter Freistellung von der Arbeitspflicht. Für die Fortzahlung des Arbeitsentgelts oder von Krankengeld müssen unter anderem folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Es muss eine ärztliche Bescheinigung vorliegen, dass der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin zur Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege eines erkrankten Kindes der Arbeit fernbleiben muss.
  • Eine andere im Haushalt des Beschäftigten lebende Person kann die Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege nicht übernehmen.
  • Das erkrankte Kind ist noch nicht zwölf Jahre alt. Diese Altersgrenze gilt nicht, wenn das Kind behindert und auf Hilfe angewiesen ist.

Kind krank: Freistellung für maximal 10 Tage

Die Dauer der bezahlten Freistellung hängt davon ab, ob sich die Eltern das Sorgerecht teilen oder alleinerziehend sind. Der Anspruch besteht für jedes Kind längstens für zehn Arbeitstage im Jahr, bei Alleinerziehenden erhöht sich der Anspruch auf 20 Arbeitstage im Jahr pro Kind. Insgesamt ist der Anspruch unabhängig von der Anzahl der Kinder auf 25 Arbeitstage bzw. 50 Arbeitstage bei Alleinerziehenden begrenzt.

Liegen die Voraussetzungen vor, erhalten Eltern 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts, bei Bezug von Einmalzahlungen in den der Freistellung von Arbeitsleistung vorangegangenen zwölf Kalendermonaten 100 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts (§ 45 Abs. 2 Satz 3 SGB V). Dieser Anspruch kann auch nicht wie der nach § 616 BGB vertraglich ausgeschlossen werden. Bestehen im Einzelfall tarifliche Vereinbarungen, nach denen Arbeitnehmer die Differenz zwischen Krankengeld und Nettolohn erhalten oder das Alter der Kinder höher angesetzt ist als zwölf Jahre (wie in verschiedenen Metall-Tarifverträgen), sollte die Krankenkasse in jedem Fall darauf hingewiesen werden.

Übertragung von freien Tagen des anderen Elternteils

Hat ein Elternteil die ihm zustehenden zehn Tage bereits ausgeschöpft, kann es die zehn Tage des anderen Elternteils auf sich übertragen lassen – vorausgesetzt beide Arbeitgeber sind damit einverstanden. Denn einen gesetzlichen Anspruch gibt es darauf nicht.

Alle Beiträge zum Thema Kinderkrankengeld finden Sie auf dieser Themenseite.​​​​​​​

Es kommt stets überraschend und passt nie: Das Kind wird krank und muss betreut werden. Eltern können dabei im Rahmen gewisser Höchstgrenzen bezahlte Freistellungstage in Anspruch nehmen. Oft reichen diese Tage über das Kalenderjahr kaum aus, und die Situation setzt Eltern zusätzlich zur Erkrankung unter Druck. Die Fürsorgepflicht gegenüber dem Kind steht der Verpflichtung aus dem Arbeitsvertrag gegenüber. Wie verhalten sich die Eltern in jeder Hinsicht korrekt?

Maximal 20 Tage pro Jahr bezahlte Freistellung

Der Gesetzgeber gewährt jedem Elternteil maximal 10 Tage bezahlte Freistellung pro Jahr, um ein krankes Kind zu versorgen. Alleinerziehende haben 20 Tage zur Verfügung. Manche Arbeitgeber gewähren aus Sondervereinbarungen und Tarifverträgen mehr Freistellungstage zur Pflege eines kranken Kindes. Insbesondere im Bereich des öffentlichen Dienstes werden oft bis zu 4 zusätzliche Freistellungstage angeboten. Voraussetzung für alle Freistellungen ist das Alter des Kindes: Das Kind darf das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Weitere Freistellungsmöglichkeiten

Was tun Eltern, wenn das Kind älter als 12 Jahre ist? Eine Ausweichmöglichkeit bietet unter Umständen § 616 BGB. Diese Vorschrift sieht bei einer vorübergehenden Verhinderung etwa wegen der Pflege eines nahen Angehörigen die Möglichkeit einer bezahlten Freistellung vor. So kann auch ein älteres Kind für die Dauer von 5 Tagen von einem Elternteil gepflegt werden, ohne dass dieser seinen Anspruch auf Entgeltzahlung verliert. Findige Arbeitgeber schließen § 616 BGB jedoch gern im Arbeitsvertrag aus , deshalb sollte vor seiner Inanspruchnahme der Arbeitsvertrag nochmals angesehen werden.

Möglich sollte es auch sein, mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren, dass zur Krankenbetreuung Überstunden abgebummelt werden. Auch können Urlaubstage genommen werden, oder als weitere Möglichkeit kann auch unbezahlter Urlaub in Betracht gezogen werden. Manche Arbeitgeber zeigen sich kulant mit Home Office Lösungen, bei denen der Arbeitnehmer seine Arbeit teilweise daheim ableisten kann. Insbesondere kommt diese Alternative bei IT-gestützten Arbeiten in Frage, die auch einmal an einem anderen Ort erledigt werden können. Möglicherweise kommen verkürzte Arbeitszeiten in Betracht. Das Einvernehmen mit dem Arbeitgeber sollte gesucht werden.

Bei sehr schweren Erkrankungen auch gerade älterer Kinder finden weiterhin die Regelungen des Pflegezeitgesetzes Anwendung. 10 Tage unbezahlte Freistellung sind nach dessen Vorschriften möglich.

Ist die eigene Krankschreibung legal?

Verzweifelte Eltern denken auch schon einmal darüber nach, sich selbst wegen der Erkrankung des Kindes krankschreiben zu lassen. Obwohl faktisch möglich, wenn ein Arzt ein solches Attest ausstellt, handelt es sich um einen Betrug gegenüber dem Arbeitgeber. Eltern rutschen damit leicht in strafbewehrte Handlungen ab und riskieren außerdem ihren Arbeitsplatz. Auch der Arzt macht sich schuldig, wenn er ohne Anhaltspunkte für eine Erkrankung des Elternteils ein solches Attest ausstellen würde. Ernsthaft sollte also diese Möglichkeit nicht wirklich in Betracht gezogen werden.

Fürsorgepflicht contra Arbeitspflicht?

Wer sich als Elternteil über eine mögliche Verletzung seiner Fürsorgepflicht Gedanken macht, wenn er ein älteres Kind krank allein zu Hause lässt, kann aufatmen. Ab 12 Jahren sehen rechtliche Experten das Kind regelmäßig als selbstständig genug an, allein zu Hause zu bleiben. Allerdings wird es bei der Bewertung auch auf die jeweiligen Umstände des Einzelfalls ankommen. Eine schwerwiegende Erkrankung oder ein vom Durchschnitt abweichender Entwicklungsstand des Kindes können eine andere Sicht der Dinge rechtfertigen. Eltern sollten hier ihrem Gefühl folgen und den Erfahrungen mit dem Kind im normalen Alltag außerhalb der Erkrankung. Unter Umständen können Hilfspersonen zumindest teilweise das Kind betreuen und den Eltern so Unterstützung leisten. Einfach ist eine solche Situation allerdings nie.

Mit dem Arbeitgeber reden

Die Krankheit eines Kindes, zumal in schweren Fällen, ist für Eltern oft nicht leicht zu ertragen. Die Pflege ist oft schwierig zu organisieren. Wichtig ist, dass die Betroffenen das Gespräch mit ihrem Arbeitgeber suchen, um gemeinsam eine für alle Seiten verträgliche Lösung suchen. Dies gilt umso mehr bei ernsthaften Erkrankungen.

Autor: Sonja Hess

Freiberufliche Autorin und Powerfrau, die sich in allen Bereichen zum Thema Arbeitsrecht, Finanzen und Karriere auskennt. Sie macht uns vor, dass es kein Problem ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 2012 hat sie ihren ersten Text für uns geschrieben und nach einer etwas längeren Babypause freut sie sich nun, wieder die Ärmel hochkrempeln und schreiben zu können Zeige alle Beiträge von Sonja Hess

Kinderkrankengeld – Das Krankengeld bei Erkrankung Ihres Kindes, damit Sie voll und ganz für Ihr Kind da sein können

Für den Fall, dass Ihr Kind krank ist, braucht es Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit und Fürsorge. Die Barmer unterstützt Sie daher mit dem sogenannten Kinderkrankengeld, während Sie zuhause bei Ihrem Kind sind und das Gehalt vom Arbeitgeber ausbleibt. So können Sie sich ohne größere finanzielle Einbuße vollständig auf die Versorgung Ihres kranken Kindes konzentrieren.

Wann habe ich Anspruch auf Kinderkrankengeld?

  • Ihr Arzt bescheinigt, dass das Kind krank ist und Betreuung benötigt.
  • Ihr Arbeitgeber stellt Sie für einen Zeitraum unbezahlt frei.
  • Keine andere im Haushalt lebende Person kann für das Kind sorgen.
  • Das Kind ist zum Zeitpunkt der Erkrankung unter 12 Jahre alt.
  • Das Kind ist auch gesetzlich versichert.

Antrag auf Kinderkrankengeld in wenigen Schritten

Sie erhalten eine Bescheinigung des Arztes über die Erkrankung Ihres Kindes und die Notwendigkeit einer Versorgung.

Stellen Sie Ihren Antrag direkt online und laden Sie die ärztliche Bescheinigung des Kindes dabei hoch.

  • Antrag auf Kinderkrankengeld (Benutzerkonto erforderlich)

Alternativ können Sie Ihre Bescheinigungen direkt an die für Ihren Postleitzahlenbereich zuständige Adresse senden. Bitte füllen Sie den Abschnitt „Antrag des Versicherten“ auf der ärztlichen Bescheinigung immer aus. Denken Sie bitte daran, Ihre aktuelle Bankverbindung anzugeben:
Postleitzahl 00000 – 46999
Barmer
42267 Wuppertal

Postleitzahl 47000 – 99999
Barmer
73520 Schwäbisch Gmünd

Sobald der Barmer die Verdienstbescheinigung Ihres Arbeitgebers vorliegt, überweisen wir Ihnen das Kinderkrankengeld. In der Regel erfolgt die Übermittlung der Verdienstbescheinigung automatisch mit Abrechnung des Monats, in dem das Kind krank war. Dauert die Krankheit über einen Monatswechsel (z. B. 30.01.20XX – 02.02.20XX) an, benötigen wir für jeden Monat eine Verdienstbescheinigung. Dadurch kann sich die zweite Auszahlung verzögern.

Wie hoch ist mein Kinderkrankengeld?

Um die Höhe Ihres Kinderkrankengeldes zu berechnen, benötigen wir Informationen zu Ihrem Einkommen von Ihrem Arbeitgeber. Die Informationen erhalten wir direkt von dort.

  • Das Kinderkrankengeld beträgt grundsätzlich 90 Prozent Ihres ausgefallenen Nettogehalts.
  • Sofern Sie in den letzten 12 Monaten Einmalzahlungen wie zum Beispiel Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld erhalten haben, beträgt Ihr Kinderkrankengeld sogar 100 Prozent des ausgefallenen Nettogehalts.
  • Aufgrund gesetzlicher Regelungen (Beitragsbemessungsgrenze) beträgt das maximale Kinderkrankengeld 105,88 Euro pro Tag im Jahr 2019 und 109,38 Euro im Jahr 2020.

Muss ich mich um meine Sozialversicherungsbeiträge kümmern?

Wir kümmern uns um Ihre Beiträge.

  • In der Zeit, in der Sie Kinderkrankengeld bekommen, zahlen Sie keine Krankenversicherungsbeiträge.
  • Wir führen den Anteil Ihrer Beiträge direkt an die entsprechenden Versicherungen für Sie ab, sofern Sie Beiträge in der Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zahlen.

Was muss ich bei der Steuererklärung vorlegen?

  • Wenn Sie Kinderkrankengeld erhalten haben, müssen Sie dies auch in Ihrer Steuererklärung belegen. Wir übermitteln dem Finanzamt automatisch bis zum 28.02. des Folgejahres die Höhe und die Zeiträume Ihres Kinderkrankengeldbezugs.
  • Die Finanzamtsbescheinigung senden wir Ihnen kurz nach der Übermittlung per Post zu. Diese Bescheinigung ist wichtig für Ihre Steuererklärung, also heben Sie diese gut auf.

Wie viel Anspruch auf Kinderkrankengeld habe ich?

Das Kinderkrankengeld wird abhängig von Ihrer Familiensituation für einen unterschiedlich langen Zeitraum gezahlt.

Je Elternteil

Alleinerziehend

ein Kind

10 Arbeitstage (je versichertem Kind und Elternteil)

20 Arbeitstage je versichertem Kind

zwei Kinder

20 Arbeitstage (maximal 10 Tage je versichertem Kind und Elternteil)

40 Arbeitstage (maximal 20 Tage je versichertem Kind)

mehr als zwei Kinder

25 Arbeitstage (maximal 10 Tage je versichertem Kind und Elternteil)

50 Arbeitstage (maximal 20 Tage je versichertem Kind)

Wichtig: Die Anzahl der Tage gilt jeweils pro Kalenderjahr.

  • Erhalten Sie weiterhin Einkommen von Ihrem Arbeitgeber, haben Sie keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld.
  • Die Barmer setzt auf Flexibilität: Sie haben die Möglichkeit, Anspruchstage auf das andere gesetzlich versicherte Elternteil zu übertragen. Den Antrag können Sie direkt stellen.

Häufige Fragen zum Kinderkrankengeld

  • Ihr Kind ist gesetzlich krankenversichert und noch nicht zwölf Jahre alt.
  • Ihr Kind ist krank und benötigt Ihre Versorgung.
  • Sie können deshalb Ihrer Tätigkeit nicht nachgehen.
  • Keine andere im Haushalt lebende Person kann Ihr Kind pflegen.

Wenn Ihr Kind privat versichert ist, können wir Ihnen kein Kinderkrankengeld zahlen. Auch nicht, wenn der betreuende Elternteil gesetzlich krankenversichert ist.

Der Elternteil, der die Betreuung des kranken Kindes übernimmt, beantragt das Kinderkrankgeld bei der persönlichen Krankenkasse.

Kann ein Elternteil zur Pflege des erkrankten Kindes nicht von der Arbeit freigestellt werden und ist der Anspruch noch nicht erschöpft, kann dem tatsächlich betreuenden Elternteil Kinderkrankengeld gezahlt werden. Grundvoraussetzung ist natürlich, dass der Arbeitgeber erneut der Freistellung zustimmt. Den Antrag finden Sie unter dem Punkt „Wie viel Anspruch auf Kinderkrankengeld habe ich?“ Auf die Großeltern des Kindes können keine Ansprüche übertragen werden.

Weitere Leistungen für Familien

Die Barmer bietet Ihnen einen umfassenden Schutz für die ganze Familie an. In der Schwangerschaft kümmern wir uns um die medizinische Betreuung und begleiten Sie mit praktischen Tipps und kompetenter Beratung. Ist der Nachwuchs da, gibt Ihnen unser Kinder- und Jugend-Programm mehr Sicherheit.

Kind krank: Was Arbeitgeber wissen müssen

Wie lange dürfen Mitarbeiter zu Hause bleiben, wenn ihr Kind krank ist? Und wer bezahlt in dieser Zeit ihr Gehalt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Dürfen Eltern ihren Arbeitsplatz verlassen, wenn ihr Kind krank ist?

Für Eltern von kleinen Kindern eine typische Situation: Die Kita ruft an, das Kind hat Fieber und muss sofort abgeholt werden. „In so einem Fall darf der Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz verlassen, um sich um sein krankes Kind zu kümmern – wenn keine andere im Haushalt lebende Person die Betreuung übernehmen kann“, sagt Kathrin Bürger, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Münchner Kanzlei Beiten Burkhardt. Der Mitarbeiter muss seinen Vorgesetzten natürlich darüber informieren, dass er nach Hause geht.

Gibt es dabei eine Altersgrenze für die Kinder?

Da ist die Gesetzgebung nicht eindeutig. Paragraf 45 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), der die Zahlung von Krankengeld regelt, zielt nur auf Kinder ab, die das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet haben (oder behindert und auf Hilfe angewiesen sind).

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Eltern können sich laut Bürger aber auch auf Paragraf 275 Absatz 3 in Verbinung mit Paragraf 616 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) beziehen: Darin wird geregelt, wann Arbeitnehmer aufgrund einer „vorübergehenden Verhinderung“ bezahlt von der Arbeit freigestellt werden müssen – und dort findet sich keine Altersbegrenzung.

„Das Problem ist, dass die Ansprüche aus dem SGB V und dem BGB nebeneinander stehen und keine der Regelungen vorrangig ist“, erklärt Arbeitsrechtlerin Bürger. Man müsse beide Normen stets zusammen lesen – und das führe immer wieder zu Unklarheiten und beschäftige die Gerichte.

Die elterliche Fürsorgepflicht habe aber in aller Regel Vorrang. Mütter und Väter dürfen also nach Hause gehen, wenn es die Erkrankung ihres Kindes dringend erforderlich macht. Auch dann, wenn das Kind über zwölf ist.

Wie lange dürfen Mitarbeiter mit ihrem kranken Kind zu Hause bleiben?

Auch hier muss man unterscheiden.

Beziehen sich Angestellte auf Paragraf 45 SGB V, ist klar geregelt, wie lange der Arbeitgeber sie unbezahlt freistellen muss – wenn das Kind jünger als zwölf ist und ein Attest vom Kinderarzt vorliegt:

  • Bei verheirateten Paaren besteht für jedes Elternteil pro Kind ein Anspruch auf zehn Kinderkrankentage im Jahr. Eltern von zwei kleinen Kindern kommen so also auf jeweils 20 Tage im Jahr.
  • Bei mehr als zwei Kindern ist der Anspruch auf maximal 25 Tage im Jahr pro Elternteil
  • Alleinerziehenden stehen längstens 20 Tage pro Kind zu, bei mehr als zwei Kindern liegt die Obergrenze bei insgesamt 50 Tagen.
  • Ist ein Kind unheilbar krank, haben Angestellte unbegrenzten Anspruch auf unbezahlten Urlaub.

Man kann diesen Anspruch auch an seinen Ehepartner abgeben. Ein Beispiel: Hat ein Paar ein Kind, kann sich die Frau die zehn Tage ihres Mannes übertragen lassen und könnte so insgesamt 20 Tage im Jahr freigestellt werden. Das geht aber nur, wenn beide Arbeitgeber dieser Übertragung zustimmen. Der Arbeitgeber der Frau darf das auch ablehnen.

In Paragraf 616 BGB gibt es dagegen keine klare Aussage, wie lange Arbeitnehmer zur Pflege kranker Kinder zuhause bleiben können. Es heißt: „Der zur Dienstleistung Verpflichtete wird des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig, dass er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird.“

„Was als verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit angesehen wird, ist Auslegungssache“, sagt Bürger. „Man hat versucht, da die zehn Tage aus dem SGB V hineinzulesen – aber das ist nicht eindeutig.“

In vielen Arbeitsverhältnissen ist deshalb explizit geregelt, ob und wie lange Mitarbeiter zur Pflege eines kranken Kindes zu Hause bleiben können und dabei weiter das volle Gehalt bekommen. Laut Paragraf 29 im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) müssen Arbeitgeber zum Beispiel bis zu vier Tage Sonderurlaub im Jahr für die Pflege eines kranken Kindes unter zwölf Jahren gewähren, sofern Paragraf 45 SGB V nicht greift.

Woher bekommt der Mitarbeiter denn dann sein Geld – vom Arbeitgeber oder der Krankenkasse?

Auch hier ist es kompliziert. Im Prinzip wird der Arbeitgeber vom Gesetz dazu angehalten, den Mitarbeiter bei vollen Bezügen freizustellen. Aber dazu verpflichtet ist er nicht.

Arbeitgeber dürfen deshalb individuelle Regelungen festlegen und beispielsweise sagen, dass sie die Mitarbeiter nur für drei Tage bezahlt freistellen – oder auch für 15. Das regeln häufig Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen.

Gibt es eine solche Regelung, muss der Arbeitgeber dem Mitarbeiter laut Bürger tatsächlich die vollen Bezüge zahlen. War der Mitarbeiter beispielsweise für eine Nachtschicht eingeteilt und konnte sie nicht antreten, weil er sich um sein Kind kümmern musste, bekommt er auch den Nachtzuschlag.

Können Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung ausschließen?

Das ist möglich. „Etwa, indem man Paragraf 616 BGB im Arbeitsvertrag explizit ausschließt. Oder man greift auf eine Formulierung zurück wie ‚Nur tatsächlich geleistete Arbeit wird auch vergütet’“, erklärt Bürger. Aber auch dann haben Arbeitnehmer das Recht, zu Hause zu bleiben. „Ist das Kind unter zwölf und der Arbeitnehmer gesetzlich versichert, fällt er auf die Regelung zurück, dass die Krankenkasse Krankengeld bezahlt.“

Wie bekommen Angestellte Kinderkrankengeld?

Gesetzlich Versicherte haben unter den in Paragraf 45 SGB V beschriebenen Bedingungen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Es beträgt in der Regel 70 Prozent des Bruttoverdienstes, maximal aber 90 Prozent des Nettoverdienstes. Um es zu beziehen, müssen die Versicherten den Krankenschein bei ihrer Krankenkasse einreichen.

Privat versicherte Mitarbeiter haben keinen Anspruch auf das sogenannte Kinderkrankengeld. Sie regeln die Situation häufig mit einer entsprechenden Zusatzversicherung. Gibt es auch keine anderslautende Vereinbarung im Arbeitsvertrag, zahlt der Arbeitgeber für die Zeit ihrer Abwesenheit nicht.

Was, wenn das Kind länger krank ist?

Eltern wissen: Gerade der erste Kita-Winter ist hart, kleine Kinder nehmen dann häufig jeden Infekt mit und sind ständig krank. Doch mehr als zehn Tage unbezahlter Freistellung pro Kalenderjahr und Kind stehen Arbeitnehmern nicht zu.

„Wenn der Arbeitgeber verständnisvoll ist und es die Aufgaben erlauben, kann man sich darauf verständigen, dass der Mitarbeiter in dieser Zeit im Home-Office arbeitet“, sagt Bürger. Geht das nicht, bleibt dem Arbeitnehmer keine andere Wahl, als Urlaub zu nehmen.

Und auch wenn es für geplagte Eltern der einzige Ausweg erscheint: Sie dürfen in dieser Situation nicht krankfeiern, wenn sie selbst gesund sind. Hegen Arbeitgeber diesen Verdacht, dürfen sie ab dem ersten Krankheitstag ein Attest von der Mutter oder dem Vater verlangen.

Und wenn sowohl Mutter als auch Kind krank sind – darf dann auch der Vater zuhause bleiben?

Es hat die halbe Familie erwischt? „Wenn die Mutter arbeitsunfähig erkrankt ist und das Kind aufgrund dieser Tatsache nicht betreuen kann, greifen die gesetzlichen Regelungen und der Vater hat Anspruch darauf nach Hause zu gehen“, so Bürger. Ob er in diesem Fall auch bezahlt freigestellt werden muss, ist strittig. Man geht aber davon aus, dass Arbeitnehmer mit einer solchen Forderung gute Chancen haben.

Wie können sich Chefs auf Ausfälle wegen kranker Kinder einstellen?

„Wer Eltern von kleinen Kindern im Team hat, muss damit rechnen, dass die Kleinen häufiger mal krank sein können“, sagt die Arbeitsrechtlerin. Da sei es sinnvoll, mit einer gewissen Personalreserve zu planen und je nach Branche Springer oder Aushilfen in der Hinterhand zu haben. Hilfreich sei zudem, Übergabeprozesse gut zu planen und Mütter und Väter, die wegen ihrer Kinder ausfallen könnten, möglichst in Teams arbeiten zu lassen, damit die Kollegen die Aufgaben spontan übernehmen können.

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