Kind isst kein gemüse

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Hilfe, mein Kind isst kein Gemüse! Was soll ich tun?

Sie überlegen gerade, was Sie heute kochen sollen, damit Ihr wählerisches Kind auch etwas davon isst? Und das ist so mühsam, weil Ihr Kind im Moment nur leere Nudeln und Käsebrot isst? Das kenne ich! Meine Tochter Marlene (2) sagt zurzeit vor jeder Mahlzeit: „Das schmeckt mir nicht!“

Gerade wenn die Kinder 2 sind, ist die Verweigerung von immer mehr Nahrungsmitteln übrigens typisch. Spätestens ab 8 sind sie neuen Nahrungsmitteln gegenüber wieder offener! Das ist also normal – vielleicht hilft Ihnen allein schon diese Einsicht. Viele Tipps zu dem Thema finden Sie auf der sehr guten Seite www.itsnotaboutnutrition.com von Dina Rose. Sie erklärt, wie Sie Ihr Kind Schritt für Schritt an gesünderes Essen gewöhnen können. Da die Seite auf Englisch ist, hier eine Zusammenfassung für Sie sowie Anmerkungen vom Standpunkt der TCM aus.

Die Hauptaussagen von itsnotaboutnutrition:

  • Bringen Sie Ihrem Kind von Anfang an gute Ess-Gewohnheiten bei! Dann wird es mit der Zeit immer lieber gesunde Nahrungsmittel essen.
  • Gesund meint vor allem: natürliche Nahrungsmittel, wie frisches Gemüse, Obst, Getreide, Fleisch – im Unterschied zu industriellen Nahrungsmitteln, wie Fertigprodukte, Knabbersachen, Süßigkeiten, Kekse, Fruchtzwerge etc.
  • Üben Sie keinen Druck oder Zwang aus. Das löst nur Gegendruck und im schlimmsten Fall Essstörungen aus. Bleiben Sie gelassen!

Ein Beispiel, wie Sie Ihrem Kind etwas Falsches beibringen:

Ihr Kind mag sein Gemüse nicht essen. Sie sagen ihm: „Wenn du deine Karotten nicht isst, bekommst du auch keine Nachspeise!“ Ihr Kind lernt dadurch, Gemüse zu hassen! Und dass Nachspeisen etwas Besonderes und Wertvolles sind.

So lernt Ihr Kind gute Gewohnheiten:

  • Rotation und Vielfalt: Geben Sie Ihrem Kind jeden Tag andere Speisen. So lernt es verschiedene Geschmäcker und Konsistenzen (weich, knusprig, breiig) kennen. Das Kind wird dadurch neuen Nahrungsmitteln gegenüber offener. Wenn Ihr Kind sehr wählerisch ist, helfen schon kleine Änderungen, z.B. einmal geriebenen Apfel, einmal kleine Apfelstücke in seinen Brei.
  • Moderation: Ihr Kind lernt, die Menge zu essen, die es satt macht. Danach hört es auf zu essen – auch wenn der Teller noch nicht leer ist. Sie können ihm sagen: „Wir essen nur, wenn wir hungrig sind. Wir hören auf, wenn wir satt sind.“
  • Die Regel des „Happy Bite“: Zwingen Sie Ihr Kind nicht, eine ganze Portion von etwas „Gesundem“ zu essen! Besser sind ein paar Bissen, die freiwillig und mit gutem Gefühl gegessen werden. So lernt Ihr Kind, dass Gemüse essen mit einem guten Gefühl verbunden ist. Geben Sie ihm nur kleine Portionen auf den Teller. So machen Sie es Ihrem Kind leichter.
  • 1:1: Ein Bissen von dem, ein Bissen von dem… Ihr Kind soll alles vom Teller kosten, bevor die liebste Speise ganz aufgegessen wird. (Kosten meint: kleinste Bissen!)
  • Nicht mit Süßigkeiten belohnen oder trösten: Eine solche Gewohnheit prägt Ihr Kind sein ganzes Leben! So wird es auch als Erwachsener Süßigkeiten brauchen, wenn Stress oder Frust aufkommen. Besser: umarmen, baden, ein Lieblingsspiel spielen, einen speziellen Ausflug planen

  • Konsequenz: Ihr Kind jammert und brüllt, wenn es sein Lieblingsessen nicht bekommt? Jetzt ist es wichtig, dass Sie nicht nachgeben. Sonst lernt Ihr Kind, dass Jammern eine gute Methode ist, seinen Willen zu bekommen. Tipp: Ich mische oft Essen, das meinen Kindern sicher schmeckt, mit neuen Zutaten. Beispiel: Reis mit wenig Kürbis, Brezeln mit Humus.
  • Reden Sie mit Ihrem Kind nicht über Nährstoffe und Gesundheit – es interessiert Ihr Kind überhaupt nicht und ist vergebliche Liebesmüh.
  • Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind klare Regeln: Es gibt bestimmte Essenszeiten, dazwischen wird nichts gegessen. Zum Trinken bekommt Ihr Kind nur Wasser, außer wenn auswärts gegessen wird. Beim Essen probiert Ihr Kind von allem einen Bissen, darf dann aber bestimmen, was es weiter isst.
  • Sie bestimmen, was auf den Tisch kommt, Ihr Kind bestimmt, wie viel es davon isst! Kochen Sie nicht aus vorauseilendem Gehorsam nur das, was Ihrem Kind sicher schmeckt. Denken Sie auch an sich und was Ihnen schmeckt und gut tut! Dann fühlt es sich auch weniger wie verschwendete Zeit an, wenn das Kind nichts davon essen will.

Meine persönlichen Empfehlungen, beeinflusst von der TCM:

  • Gewöhnen Sie Ihr Kind von Anfang an an ein gekochtes Frühstück (Rezept).
  • Geben Sie ihm möglichst selten weißen Zucker.
  • Meiner Erfahrung nach können Sie schon mit Ihrem Kind über Nährstoffe etc. sprechen. Mein 5-Jähriger versteht das schon gut und es interessiert ihn auch – natürlich nur in Maßen! (Beispiel: Zucker macht Löcher in die Zähne.)
  • Achten Sie auf die Pausen zwischen den Mahlzeiten. Vermeiden Sie ständiges Zwischendurch-Essen.
  • Seien Sie Ihrem Kind ein gutes Vorbild! Essen Sie am Tisch alle dasselbe (bei sehr kleinen Kindern anders zubereitet bzw. weniger stark gewürzt).
  • Bleiben Sie gelassen, wenn Ihr Kind eine Zeitlang nur wenig isst. Kein Kind verhungert vor vollem Teller! (Tipps zum Thema „heikle Esser“ im Video-Interview)
  • Beobachten Sie die Verdauung und den allgemeinen Gesundheitszustand Ihres Kindes. Diese geben einen guten Hinweis, ob Sie mit seiner Ernährung richtig liegen.
  • Wenn Ihr Kind am Tag eine Gemüsesorte (dazu zählen auch Kartoffeln) und eine Obstsorte isst, dann müssen Sie sich keine Sorgen machen! Kinder brauchen weniger, als wir glauben.

Rezepte und viele Gesundheitstipps nach TCM für Kinder finden Sie in meinem eBook „39 TCM-Rezepte für dein Kind“. (Info und Blick ins Buch)

Ernährung: So bekommt man sein Kind dazu, Gemüse zu essen

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Das Kind sitzt mit verschränkten Armen am Tisch, auf den die Eltern etwas Furchtbares gestellt haben. Das sagt der Blick des Kindes. Ein Stückchen Paprika auf einem Teller. Das Kind starrt das Gemüse an. Probier es doch mal, vielleicht magst du es ja doch? Nein, sagt das Kind, nein, nein, nein, und schubst die Paprika über den Tellerrand.

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Viele Eltern kennen solche Szenen. Man kann auf das Kind einreden, das gesunde und leckere Gemüse anpreisen, man kann es mit Strenge versuchen, das Kind zum Essen der wichtigen Vitamine ermahnen. Aber das Kind bleibt standhaft. Viele Eltern fragen sich, ob sie ihrem Kind schaden, wenn sie aufgeben und die Paprika erst gar nicht mehr auf seinen Teller legen.

Sollten Eltern darauf beharren, dass ihre Kinder genug Obst und Gemüse essen? Oder gibt sich dieses Stochern im Essen irgendwann von allein? Neben dem Schlafen ist das Essen das zweite Dauerthema, das Eltern in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder beschäftigt.

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Die Paprika, die vom Teller fliegt, ist kein Grund zur Sorge, sagt Mathilde Kersting, Professorin am Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. „Die meisten Kinder mögen Gemüse nicht, das ist ganz normal.“

„Viele Eltern sind sehr verkopft“

Für das ausgeprägte wählerische Verhalten der Kinder gibt es sogar einen Begriff: „Food Neophobie“. Gemeint ist die Angst vor neuen Nahrungsmitteln. „Am stärksten ist dieses Verhalten im Alter zwischen zwei und vier Jahren“, sagt Kersting. Später lege es sich meist wieder.

Auch Ulrich Fegeler, Kinderarzt und Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, rät zur Geduld. Er kennt das Problem aus seiner Praxis. Sehr oft kämen Eltern zu ihm, die schon den Hungertod ihrer Kinder fürchteten. Isst mein Kind genug? Das sei eine Frage, die Eltern schon immer umgetrieben habe, eine „Ursorge“, sagt Fegeler.

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Fegeler diagnostiziert dennoch ein „Luxusproblem“ der heutigen Zeit. Bei der Vielzahl von Ernährungsratgebern, Diätvorschlägen und dem weitverbreiteten Wissen über die Grundlagen der Ernährung sei es besonders schwer, sich nicht verrückt zu machen.

In jedem Glas Cola steckt ein Riesenlolli

Dass in Getränken oft zu viel Zucker ist, ist mittlerweile ja bekannt – doch wieviel steckt wirklich drin? Dieser Frage ging auch der Amerikaner Henry Hargreaves nach und hat eine ganz eigene Methode entwickelt.

Quelle: Reuters

„Viele Eltern sind sehr verkopft, sie lesen viel und sind dann von einer Unzahl von Sorgen geplagt.“ Fegeler empfiehlt mehr Gelassenheit: „Die Eltern sollten versuchen, das entspannt zu sehen. Hierzulande ist es schwierig, ein Kind unterzuernähren.“

Vielleicht hilft der Gedanke daran, dass die Kinder mit ihrer Mäkeligkeit nur ihrem evolutionären Erbe folgen. Viele Gemüsesorten haben einen leicht bitteren Geschmack. Und „bitter“ bedeutet in der Natur oft „giftig“. Süßes hingegen ist nie giftig. Die Vorliebe für Schokolade, Gummibärchen und Honigtoast ist angeboren. An den Geschmack von Brokkoli und Paprika müssen sich Kinder gewöhnen.

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Doch es gibt auch Kinder, die mit Freude jedes Nahrungsmittel probieren, das die Eltern ihnen anbieten. Mütter und Väter von Kindern, die sich mit dem Essen schwertun, fragen sich oft: Wie haben die anderen Eltern das bloß geschafft?

Wiederholung plus Vorbildfunktion plus Belohnung

„Wir wissen relativ wenig darüber, ob man die Geschmackspräferenzen seiner Kinder gezielt beeinflussen kann“, sagt Mathilde Kersting. Es gebe einige Studien, die zeigten, dass man durch eine frühe Variation der Beikost die Neugier von Kleinkindern auf neue Lebensmittel erhöhen könne. „Aber wie lange das anhält, das wissen wir nicht.“

Einer neuen Studie zufolge liegt der Schlüssel zur ausgewogenen kindlichen Ernährung vielleicht in der Belohnung – gepaart mit stetiger Wiederholung und der Vorbildrolle der Eltern. Dieses sogenannte 3R-Modell – Repetition, Role Modelling und Rewards – haben Wissenschaftlerinnen um Claire Farrow von der britischen Aston University in Birmingham experimentell getestet. Sie hatten dazu insgesamt 115 zwei- bis viereinhalbjährige Kinder samt ihren Eltern in verschiedene Gruppen eingeteilt.

Sie baten die Eltern, ihren Kindern an 14 Tagen hintereinander ein ungeliebtes Gemüse anzubieten. In der ersten Gruppe sollten die Eltern dabei keine besonderen Tricks anwenden. In der zweiten Gruppe sollten sie das Gemüse vor den Augen der Kinder selbst essen und loben. In der dritten Gruppe versprachen die Eltern ihren Kindern eine Belohnung in Form eines kleinen Stickers, wenn sie das angebotene Gemüse probierten.

Die Eltern der vierten Gruppe kombinierten alle Ansätze: sie boten das Gemüse täglich an, aßen es selber und priesen den Geschmack und versprachen ihren Kindern eine Belohnung fürs Probieren.

Nach 14 Tagen aßen die Kinder aus dieser vierten Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich mehr von dem Gemüse. Sie bewerteten seinen Geschmack auch besser. Wiederholung, Vorbildfunktion und Belohnung hatten also tatsächlich den Ruf des zuvor ungeliebten Gemüses verbessert. Auch die Kombination von Belohnung und Wiederholung zeigte eine deutliche Veränderung des Gemüsekonsums. Das Vorbild der Eltern oder das wiederholte Anbieten allein erbrachte hingegen keine deutliche Verbesserung des Essverhaltens.

Ist der Zirkus ums Essen angebracht?

„Eltern brauchen wissenschaftlich fundierte Ratschläge, wie sie ihre Kinder ermutigen können, neues, ungeliebtes Gemüse und Obst zu probieren und allmählich schätzen zu lernen“, sagt Studienleiterin Claire Farrow. Auch hier schränken die Wissenschaftler ein, dass unklar sei, wie lange der in der Studie gezeigte Effekt anhalte.

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Soll man Kinder wirklich mit einer Belohnung für ein eigentlich normales Verhalten locken? Anstatt mit Geschenken sollte man Kinder eher loben, sagt Mathilde Kersting. Sie ist allgemein skeptisch, ob der „Zirkus ums Essen“ angebracht ist. „Essen und gemeinsame Mahlzeiten sind etwas Schönes, das sollte man nicht vergessen. Sonst werden am Ende noch Eltern und Kinder neurotisch.“

Es sei auch gar nicht nötig, dass Kinder möglichst viele verschiedene Obst- und Gemüsesorten essen. Einige reichten aus. „Ich kenne eigentlich kein Kind, das ausschließlich Nudeln isst“, sagt der Kinderarzt Ulrich Fegeler. Irgendeine Obst- oder Gemüsesorte schmecke jedem Kind.

Im Notfall seien Säfte eine Möglichkeit, Kinder mit Vitaminen zu versorgen. „Oder Smoothies, die kann man auch zu Hause selber machen. Das gefällt vielen Kinder gut.“ Kinder, die in einem normal ernährten Umfeld aufwachsen, eignen sich früher oder später ein gesundes Essverhalten an, auch wenn sie viele Dinge erst nicht mögen, sagt Fegeler.

Selbst wenn ein Kind eine Zeit lang wirklich nur Nudeln mit Ketchup essen will – früher oder später wird ihm das langweilig, sagt Mathilde Kersting. „Irgendwann wird es das Kind toll finden, das Gleiche zu essen wie seine Eltern.“

Hilfe, mein Kind isst kein Gemüse!

Bitten und Betteln bei Ihrem Kind wie „Ach, probier doch wenigstens ein Löffelchen!“, Drohungen wie „Wenn du deinen Gemüseauflauf nicht isst, gibt es auch keinen Nachtisch!“ oder gar Zwang wie „Du bleibst so lange hier am Tisch sitzen, bis du wenigstens einmal probiert hast!“ sind völlig nutzlos. Wahrscheinlich wissen Sie das längst. Doch was funktioniert dann, damit Ihr Kind genug isst?

Essen DARF man, deshalb sollten Eltern ihr Kind nicht dazu zwingen!

Bei Kindern im Wachstum kann die täglich benötigte Nahrungsmenge starken Schwankungen unterliegen. Vertrauen Sie Ihrem Kind: Bieten Sie ihm gesunde ausgewogene Mahlzeiten zu festen Zeiten an. Ihr Kind darf selbst entscheiden, ob es hungrig ist und, wenn es essen möchte, wovon. Ihr Kind isst einfach, so viel es mag von dem, was es zu den Mahlzeiten gibt und bekommt kein Extra- oder Ersatzessen. Kein gesundes Kind wird freiwillig vor einem vollen Teller verhungern! Wenn Ihr Kind zu den Mahlzeiten wenig oder gar nichts gegessen hat, darf es ruhig erfahren, wie es sich anfühlt, hungrig zu sein und auf die nächste Mahlzeit warten zu müssen. Natürlich darf es bis zur nächsten Hauptmahlzeit einen Zwischenimbiss bekommen, oder Sie ziehen diesen sogar zeitlich ein wenig vor. Bieten Sie aber nur Gesundes an und keine Süßigkeiten: in mundgerechte Häppchen geschnittenes Obst und Gemüse, Vollkornbrot, Dinkelstangen oder Reiswaffeln. Auch ein Naturjogurt mit frischem Obst wird gerne verspeist.

Gesundes Essen: So begeistern Sie Ihr Kind dafür

Kommen Sie Ihrem Kind nicht mit „Gemüse ist gesund“. Essen Sie selbst viel Obst und Gemüse – und das mit sichtlichem Appetit, denn das Vorbild der Eltern ist nicht zu unterschätzen. Predigten, wie „gesund“ dieses oder jenes ist, können Sie sich hingegen sparen.

Selbstgemachtes schmeckt am besten. Lassen Sie Ihr Kind deshalb beim Einkaufen und beim Kochen helfen oder führen Sie zumindest einen Tag in der Woche ein, an dem es sich das Mittagessen wünschen darf.

Verbote sind verboten. Sie wissen selbst, dass Verbotenes an Reiz gewinnt. Deshalb ist es besser, dem Süßhunger der Kleinen in Maßen nachzugeben. Rationieren Sie Süßes oder steigen Sie auf gesunde Süßigkeiten wie Trockenobst um. Oft hilft es auch, wenn es einmal in der Woche eine süße Mahlzeit oder zumindest einen süßen Nachtisch wie Milchreis mit Apfelmus gibt.

Teller leer essen ist out. Essen soll keine Pflichtübung sein, und Ihr Kind darf aufhören, wenn es satt ist. Schimpfen Sie nicht, auch wenn es wieder einmal genau das gesunde Gemüse auf dem Teller liegen lässt. Sonst entwickelt sich schnell eine Abneigung gegen das, was aufgegessen werden muss.

Kinder sind Puristen. Sie wollen die einzelnen Essensbestandteile noch eindeutig identifizieren können. Eine Vielfalt an Zutaten finden sie toll, so lange alles einzeln gereicht wird und sie selbst nach Belieben mischen und die Kleineren auch matschen dürfen.

Geben Sie nicht zu früh auf. Kinder essen bestimmte Lebensmittel nicht deswegen so oft, weil sie sie mögen, sondern sie mögen eine Speise, weil sie sie oft genug gegessen haben. Der Geschmack ist also reine Gewohnheitssache. Je öfter Sie unbekannte Speisen servieren, desto eher wird Ihr Kind bereit sein, sie doch einmal zu kosten. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie das Gericht mit großem Appetit verspeisen. Fordern Sie Ihr Kind also immer wieder auf zu probieren, aber zwingen Sie es nicht dazu.

Kinder essen mit allen Sinnen. Je mehr Sinne das Essen anspricht, umso intensiver wird das Geschmackserlebnis. So sind die Kleinen z.B. von einem Knuspermüsli begeistert, weil es beim Kauen so toll knuspert und knistert.

Mein Tipp, wie Ihrem Kind auch gesundes Essen schmeckt:

Auch das Auge isst mit. Ein Apfel mit einer kleinen braunen Druckstelle wird deswegen oft ganz verschmäht. Der Renner ist meist, was nicht nur lecker schmeckt, sondern auch noch lustig aussieht, z. B. das Gemüsegesicht auf der Pizza.

Probieren geht über studieren. Wenn Ihr Kind einzelne Lebensmittel nicht mag, ist das kein Drama. Wenn Spinat „igitt“ ist, können Sie es vielleicht mit knackigem Brokkoli begeistern. Lassen Sie Ihrem Kind die Wahl, so lange es sich nicht auf einige wenige Speisen beschränkt.

Sorgen Sie für gute Stimmung bei Tisch. Ist die Atmosphäre fröhlich und entspannt, schmeckt das Essen gleich nochmal so gut. Auch ein hübsch gedeckter Tisch fördert die Freude am Essen.

Gemüse: Was Sie auf keinen Fall tun sollten, damit Ihr Kind mehr isst

Zwingen Sie Ihr Kind nicht zum Essen. Schieben Sie ihm niemals den Löffel gegen seinen Willen in den Mund. Absolut tabu: Nase zuhalten, damit der Mund aufgeht, um das Essen reinzubefördern!

Laufen Sie Ihrem Kind nicht mit dem Essen hinterher. Wenn Ihr Kind nicht mehr zum Essen sitzen bleiben will, war es entweder nicht hungrig genug, oder es ist schon satt.

Verzichten Sie auf Ablenkung jeder Art. Ihr Kind muss weder „bespielt“ werden, noch sollte nebenbei der Fernseher laufen oder Mama den Clown geben, wenn es den Mund nicht aufmachen mag.

Bieten Sie nicht verschiedene Speisen hintereinander an, sobald Ihr Kind die erste abgelehnt hat. Erstens verwirrt das die Kleinen nur, weil sie sehen, dass offensichtlich auch die Eltern nicht wissen, was gut für sie ist. Und zweitens erziehen Sie sich so nur einen heiklen Esser, dem Sie bald vier oder gar fünf verschiedene Speisen vorsetzen müssen, bevor er geruht, ein paar Löffelchen davon zu nehmen.

Sprechen Sie bei Tisch nicht über Essprobleme – weder mit Ihrem Kind noch über Ihr Kind mit anderen Familienmitgliedern.

10 Tipps, damit Kinder mehr Gemüse essen

So lernt Ihr Kind Gemüse lieben

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Wenn Ihr Kind lieber einen roten Schrank möchte statt eines Schrankes in zeitloser Kiefernoptik, wie SIE ihn vielleicht gerne hätten, dann kann es problemlos den roten Schrank haben.

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Beim Essen verhält es sich ein klein wenig anders. Während der rote Schrank in Ihren Augen einfach nur grässlich aussieht, aber ansonsten relativ wenig Einfluss auf das Wohlbefinden Ihres Kindes hat, kann das falsche Essen die Gesundheit Ihres Kindes deutlich beeinträchtigen.

Daher ist es verständlich, wenn verantwortungsbewusste Eltern gerne entscheiden würden, was ihr Kind isst und was nicht.

10 Tipps

Leider ist vielen Kindern die Farbe ihres Kleiderschrankes ziemlich einerlei, nicht aber das, was auf ihrem Teller liegt. Und da das, was sie gerne auf ihrem Teller liegen hätten, oft etwas völlig anderes ist, als das, was ihnen Mutter oder Vater vorsetzen, finden in nicht wenigen Familien am Esstisch tagtäglich anstrengende Auseinandersetzungen statt.

Ein Gemüseteller jedoch, der nur nach langwierigen Diskussionen gegessen wird, ist möglicherweise viel ungesünder als ein Hamburger, der in einer harmonischen Atmosphäre verzehrt wird. Deutlich intelligenter und gesünder wäre natürlich ein fröhlich verspeistes Gemüsegericht.

Unsere 10 Tipps zeigen, wie dieses Ziel erreicht werden kann.

Tipp 1 – Überprüfen Sie Ihre eigene Ernährung

Wenn Sie selbst nur ungern Gemüse, Salate, Früchte, Nüsse oder Sprossen essen und es diese Lebensmittel auf Ihrem eigenen Teller nur in nahezu unsichtbaren Portionen gibt, dann ist es natürlich verständlich, dass Ihr Kind nicht einsieht, Sachen zu essen, die offenbar sonst niemand anders in der Familie isst.

Ja, es genügt bereits, wenn nur ein Elternteil oder ein älteres Geschwisterchen auf Cola, Süssigkeiten, Chips und Fertigpizza steht (und diese auch bekommt) – und schon will Ihr Kleinstes ebenfalls diese Dinge.

Es geht also nicht darum, wer nun den nächsten Machtkampf bei Tisch gewinnt, sondern darum, dass Eltern Ihre Vorbildfunktion erfüllen müssen – und zwar nicht erst, wenn das Kind drei, vier oder fünf Jahre alt ist, sondern von Anfang an.

Tipp 2 – Finden Sie heraus, was Ihr Kind mag

Es gibt Brokkoli und ihr Kind hasst Brokkoli. Was tun Sie? Sie sagen:

Iss den Brokkoli oder lass es bleiben. Etwas anderes gibt es nicht.

Wollen Sie wirklich, dass Ihr Kind unglücklich am Tisch sitzt und gar hungrig wieder aufsteht? Nein! Das will keine Mutter und das will kein Vater. Nehmen Sie dann aber den Brokkoli weg und ersetzen ihn mit dem gewünschten Nutella-Pfannkuchen, wird Ihr Kind in absehbarer Zeit kaum zum Gemüsefan werden. Was also tun?

Finden Sie zunächst heraus, ob Ihr Kind vielleicht einfach nur keinen Brokkoli mag, dafür aber andere Gemüse sehr gerne essen würde. Probieren Sie zur Not die gesamte Gemüsepalette Ihres nahe liegenden Wochenmarktes durch. Betonen Sie jedoch keinesfalls, dass Sie all das extra für Ihr Kind tun.

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Sie möchten einfach der GANZEN Familie eine abwechslungsreiche Ernährung gönnen, mehr steckt nicht dahinter. Beobachten Sie Ihren Gemüsemuffel also nicht mit angehaltenem Atem, ob er oder sie dieses oder jenes Gemüse nun mag oder nicht.

Gestalten Sie die Situation locker und unauffällig. Wenn sich dann herausstellt, dass Ihr Kind von all den vielen Gemüsesorten, die es gibt, nur zwei oder drei mag, ist das bereits ein grossartiger Erfolg, da es ja zuvor überhaupt kein Gemüse ass. Wir sind uns jedoch sicher, dass Ihr Kind – wenn Sie die folgenden Tipps umsetzen – sehr viel mehr Gemüse, Früchte und viele andere gesunde Lebensmittel essen wird.

Tipp 3 – Gemüse für Kinder

Wenn Sie einen Gemüsemuffel zu Hause haben, sollten Sie ihm vielleicht nicht gleich am ersten Tag ihres „Mein-Kind-wird-Gemüse-Liebhaber“-Projektes Rosenkohl oder Spinat servieren. Starten Sie mit milden und farblich ansprechenderen Gemüsesorten, wie z. B. Möhren, Pastinaken, Süsskartoffeln, Kohlrabi, Paprika, Zucchini oder dem köstlichsten aller Kürbisse, dem Hokkaido-Kürbis (uns ist kein Kind bekannt, das diesen Kürbis nicht mit Genuss verspeisen würde).

Tipp 4 – Gemüse-Rezepte für Kinder

Denken Sie daran, dass Kinder am liebsten sehr einfach essen. Sie brauchen weder exotische Gewürze noch vielerlei Zutaten. Es genügt vollkommen, wenn das Gemüse ein wenig gedämpft und mit etwas Bio-Butter oder Mandelmus verfeinert serviert wird.

Salate sind meist äusserst beliebt, wenn sie eine süsse Geschmacksnote enthalten. Bereiten Sie zum Beispiel einen saftigen Möhrensalat aus fein geraspelten Möhren und etwas geriebenem Apfel zu. Auch ein Dressing, in dem frisch gepresster Orangensaft den Essig oder Zitronensaft ersetzt, sorgt für begeisterte Gesichter, sobald der Salat auf dem Tisch steht. Viele Rezepte finden Sie unter dem vorstehenden Link.

Tipp 5 – Gekocht oder besser roh?

Sie haben jeden Tag ein anderes Gemüse gekocht und Ihr Kind mochte keines davon? Dann hören Sie auf, das Gemüse zu kochen.

Nicht wenige Kinder hassen gekochten Spinat, aber knabbern mit Begeisterung rohe Spinatblätter. Viele Kinder verabscheuen Möhrengemüse, aber essen sehr gerne rohe Möhren-Stifte.

Manche Kinder ziehen sogar rohen Blumenkohl dem gekochten vor.

Auch Kohlrabi werden oft lieber roh als gekocht gegessen. Mit Obst ist es oft nicht anders. Fangen Sie am besten gar nicht an, Ihrem Kind Apfelmus oder Kompott anzubieten. Früchte werden am allerbesten roh gegessen, da sie dann ihr volles Vitalstoff- und Enzymspektrum aufweisen, zumeist basisch verstoffwechselt werden und darüber hinaus hochwertiges Wasser voller leicht verwertbarer Mineralien liefern.

Tipp 6 – Fingerfood

Bereiten Sie aus Früchten und rohem Gemüse, aber auch aus blanchiertem Gemüse Fingerfood zu. Schneiden Sie die Früchte und Gemüse in handliche Stücke, füllen Sie kleine Tellerchen damit und stellen Sie diese an Stellen, die Ihr Kind leicht erreichen kann: Auf den Wohnzimmertisch, in ein niedriges Bücherregal oder ähnliches. Informieren Sie Ihr Kind, dass es sich um leckere Snacks handelt, die es sich jederzeit nehmen darf.

Besonders beliebt sind diese Snacks, wenn Sie die Früchte und Gemüse in bestimmten Formen anbieten, z. B. Melonenkugeln, Karotten- oder Gurkensterne, Apfelschiffchen, Sellerieherzen und vieles mehr. Als Werkzeug eignen sich dazu Kugelausstecher, Ausstecher-Förmchen und ein sog. Kanneliermesser.

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Viele Babys verweigern Breie aller Art. Probieren Sie es auch hier mit Fingerfood! Informationen über Fingerfood in der Babyernährung finden Sie hier: Babybrei sorgt für ungesundes Essverhalten.

Tipp 7 – Grüne Smoothies

Grüne Smoothies sind natürlich nichts für konsequente Breiabstinenzler. Doch gibt es ja glücklicherweise auch das Gegenstück dazu: Babys und Kinder, die Breie und daher auch Smoothies lieben.

Grüne Smoothies bestehen aus grünem Blattgemüse (Spinat oder Salatblätter), das gemeinsam mit süssen Früchten (z. B. Bananen), Wasser und eventuell etwas Mandelmus gemixt wird. Statt Wasser eignet sich auch frisch gepresster Orangensaft.

Grüne Smoothies sind eine sehr einfache und gleichzeitig leckere Lösung, grüne Blattgemüse so zuzubereiten, dass sie von nicht wenigen Gemüsemuffeln (ob gross oder klein) mit Begeisterung verspeist werden.

Tipp 8 – Prinzessin Lollifee isst ab sofort Gemüse

Machen Sie aus gesunden Mahlzeiten spannende Abenteuer. Ganz gleich, welche Figuren Ihr Kind toll findet, ab sofort mögen sie alle nur noch Früchte, Gemüse, Nüsse, Smoothies und Sprossen.

Prinzessin Lollifee hat genug von Torten und Pudding. Ihr neues Lieblingsessen sind „Zaubersalate“ und „Rosengemüse“.

Selbstverständlich servieren Sie Ihrem Kind jetzt nicht die Rosen aus dem Vorgarten. Sie suchen lediglich kreative Titel für das heutige Mittagessen. Und wenn es gerade rot ist (weil der rote Hokkaido-Kürbis drin ist), dann ist es eben Rosengemüse.

Noch besser sind Namen, in denen die Worte „Salat“ und „Gemüse“ gar nicht erst vorkommen, wie z. B. Zauberspeise und Rosensorbet, Einhornnudeln und Sternenfrikadelle, Elfentorte und Prinzenmuffin und so weiter, und so fort.

Die Frikadelle ist natürlich keine echte Frikadelle, sie sieht nur so aus und besteht in Wirklichkeit aus Gemüse.

Auch die Torte ist keine Torte aus Mehl, Eiern und Zuckerguss, sondern eher eine Gemüsetarte und Einhornnudeln könnten Zucchini oder Kohlrabi sein, die mit dem Gemüseschnitzler in Nudelform gehobelt wurden.

Diese Vorgehensweise erfordert zwar viel Phantasie und Zeit. Doch ist Ihr Lohn ein Kind, das Spass an gesunder Ernährung hat, das sich wohl fühlt, seltener krank ist und deutlich weniger zu Übergewicht neigen wird wie manche seiner Altersgenossen.

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Tipp 9 – Gemeinsam Kochen

Falls es sich einrichten lässt, dann bereiten Sie das Essen gemeinsam mit Ihrem Kind zu. Machen Sie auch daraus eine spannende Geschichte.

Ihr Kind ist die zaubernde Prinzessin Lollifee, Sie sind die allwissende Kröte Carla und der Familienhund könnte das Einhorn Rosalind sein.

Sie alle kochen gemeinsam das Zaubermenü für die Einwohner des Elfenwaldes. Sorgen Sie dafür, dass ein Zauberstab parat liegt und auch die Feenkrone zur Verfügung steht. Wenn Ihr Kind sich schon beim Kochen und Vorbereiten einbringen kann, steigt auch die Chance, dass es das Essen probieren und sogar mögen wird.

Falls Sie einen Garten haben, könnten Sie einen „Zaubergarten“ anlegen und dort Gemüse und Beeren pflanzen.

Kindern macht es grosse Freude, direkt aus dem Garten knackige Cocktailtomaten, süsse Paprika, aromatische Himbeeren und saftige Äpfel zu naschen. Sie haben keinen Garten? Das macht nichts, dann legen Sie den Zaubergarten eben auf der Fensterbank an und züchten dort gemeinsam mit Ihrem Kind Sprossen. Informationen zur Sprossenzucht und den Vorteilen von Sprossen finden Sie hier: Sprossen – Gesundheit pur

Tipp 10 – Für hartnäckige Gemüsemuffel

Nun kann es natürlich sein, dass Ihr Kind nicht das kleinste Häppchen Gemüse isst, ja, sich nicht einmal dazu überreden lässt, dieses auch nur zu probieren. Vermeiden Sie in jedem Fall Diskussionen und setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck. Tätigen Sie ausserdem niemals Aussagen wie „Du magst einfach kein Gemüse“. Sagen Sie auch in Gegenwart Ihres Kindes zu anderen Personen niemals Dinge wie „Lara ist mäkelig“ oder „Lara isst nie Gemüse“.

Bleiben Sie in Ihren Formulierungen positiv und sagen Sie beispielsweise „Lara mag Karottengemüse besonders gern mit etwas Butter und Petersilie“ (auch wenn Lara bislang nur einmal ein winziges Löffelchen davon gekostet hat). Schlagen Sie Ihrem Kind Kompromisse vor und arbeiten Sie mit Belohnungen: Den Nutella-Pfannkuchen gibt’s, sobald ein Löffelchen „Rosensorbet“ (Kürbissuppe) gekostet wurde.

Helfen Sie Ihrem Kind auch dabei, einen Zusammenhang zu erkennen zwischen bestimmten Lebensmitteln und seinem Befinden.

Erklären Sie Ihrem Kind, warum manches gut und manches eher schlecht für es ist. An die Bauchschmerzen, nachdem es auf leeren Magen viel Zucker gegessen hat, wird es sich bestimmt erinnern und merkt sich, dass es nicht gut ist, Süssigkeiten vor einer gesunden Mahlzeit zu essen. Und als es neulich den Test in der Schule so gut über die Runden gebracht hat, was hatte es da zum Frühstück? Himbeeren und Vollkorntoast. Reine „Hirnnahrung“.

Die allerletzte Möglichkeit, Ihrem Kind zu mehr Gemüse zu verhelfen, ist, wenn sie gesunde Zutaten unauffällig in Gerichte mischen, die Ihr Kind mag. Sie könnten also etwas fein geriebenes oder gemixtes Gemüse in den Frikadellen- oder Fleischklösschenteig geben, in die Spaghettisauce oder in die Lasagne, ja sogar in den Pfannkuchen (oder sämtliche andere Speisen).

Jede Familie und jedes Kind ist anders. Suchen Sie sich also die zu Ihrem Kind und Ihren Möglichkeiten passenden Tipps aus und stellen Sie fest, was funktioniert und was nicht. Bleiben Sie immer geduldig und geben Sie nie auf. Schliesslich sind Früchte, Gemüse und Salate die Grundvoraussetzungen für Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Ihr Kind mag kein Gemüse? Meins auch nicht!

Wenn kein Trick den Nachwuchs zum Gemüse essen bringt, hilft nur eines: Abwarten und Kakao trinken. Und lernen, dass auch andere Familien diese Vitamin-Flaute überstanden haben. Ein kulinarischer Befreiungsschlag von Eltern für Eltern.

Das Kinder über lange Strecken kein Gemüse essen, ist normal. Was Eltern am besten tun und vor allem lassen. Bild: iStock

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Von Linda Freutel

Bella kennen wir aus der Krippe. Und ihre Mutter macht sich Sorgen. Ihre Tochter will partout keinen Broccoli probieren. „Sie haben Glück“, möchte ich am liebsten antworten. Tue ich aber nicht. Ich denke mit einfach nur: Mein Kind mag nämlich gar nichts essen. Ausser Joghurt. Himbeerjoghurt, um genau zu sein. Und zwar nur den einer bestimmten Marke. Keinen anderen. Punkt!

Keine Tricks!

Ob ich mir keine Sorgen mache, dass mein Kind nichts essen will? Natürlich mache ich mir Sorgen. Ob ich es schon mal mit lustig geschnitzten Rüeblisticks oder geschmolzener Butter über dem Gemüse probiert habe? Natürlich habe ich das. Ich habe auch sämtliche anderen Super-duper-Geheimrezepte ausprobiert, die angeblich jedes Kind zum Gemüse essen gebracht haben. Ich habe sogar schon mit dem Gemüse getanzt und gesungen, yumm-yumm gesagt, gedroht, geweint, verhandelt und getrickst. Ohne Erfolg. Mein 2 ½-jähriger Diktator hat mir unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass er Himbeerjoghurt will. Morgens. Mittags. Abends.

Ein Gemüsetanz ist durchaus unterhaltsam, bringt aber nichts. Illustration: iStock

„Einfach“ Ruhe bewahren

Und natürlich war ich auch schon beim Arzt. Die Blutwerte sind ok. Eine Laktoseintoleranz ist eindeutig auszuschliessen. Das Gewicht ist nicht wirklich hoch, aber nicht besorgniserregend. Und mein Arzt ist zum Glück auch in Ordnung. Und vor allem ist er ein Mann mit Erfahrung. Er empfiehlt: Ruhe bewahren. Die Mahlzeiten gemeinsam einnehmen. Selber gesunde Sachen essen. Und nicht drüber sprechen. Und zwar mit niemandem. Und am besten auch nichts über irgendwelche Geheimtricks oder Super-Rezepte lesen. Kein Problem, denke ich. Ich lese nichts. Ich schreibe aber – und zwar hauptberuflich.

Der absolute Hungerstreik

Aber was schreibe ich nun am besten zu einem Artikel über kleine Vitaminverweigerer, die ihre Eltern an die Grenze der Verzweiflung treiben? Ausgerechnet ich. Vielleicht schreibe ich einfach, wie es mit unserem Joghurt-Junkie weitergegangen ist. Und zwar als wir in den Urlaub gefahren sind. Ich habe das Drama kommen sehen: In Südfrankreich gibt es keinen Himbeerjoghurt. Jedenfalls nicht von unserer Spezial-Marke. Und damit waren die ersten Tage im Eimer. Schlechte Laune, Geschrei und totale Essensverweigerung. Nach fast zwei Tagen einigten wir uns auf Kakao. So viel Milch habe ich in meinem Leben noch nicht aus dem Supermarkt geschleppt. Fast vier Tage lang nur Kakao. Ab und zu ein trockenes Brötchen. Es war nichts zu machen. Gar nichts.

Der Appetit kommt plötzlich

Und da sassen wir: Im Familienurlaub. Mitten in der Zwickmühle. Blieb uns nur abzuwarten – und dabei zuzusehen, wie unserem ohnehin schon schlanken Feinschmecker die Badehose vom Hintern rutscht. Wir stellen ihm also gezwungenermassen seinen Kakao vor die Nase, legen die trockene Brötchenhälfte daneben (wehe sie wurde mit einem marmeladen-verschmierten Messer geschnitten; dann war der Tag gelaufen!) – und verzweifeln innerlich, bis endlich das passiert, was keiner ausser unser Kinderarzt für möglich gehalten hätte: Unser Bocuse streckt den Arm aus, greift auf Papas Teller und beisst vom stinkendsten Käsebrot ab, das die Welt je gesehen hat.

Gelassenheit ist das beste Rezept

Vor Schreck in Bewegungsstarre gefallen, konnte ich den Moment nicht mal aufnehmen (hätte uns ja sonst keiner geglaubt). Aber wahrscheinlich ist das auch gut so: Keine Fotos. Keine besondere Aufmerksamkeit. Sondern einfach ein normales Essen zwischen Blauschimmel und Schokoladenmilch. Jedem, wie es ihm schmeckt. Inzwischen sind wir aus dem Urlaub zurück. Joghurt habe ich nicht mehr gekauft – wegen der Rückfallgefahr. Dafür ist Kakao weiterhin hoch im Kurs. Aber wenigstens nicht ausschliesslich. Unser Sohn probiert inzwischen immer mehr Sachen. Und ja, neulich war sogar Gemüse dabei; zwei Erbsen, um genau zu sein. Aber für uns ist das schon ein Erfolg. Und eine gute Perspektive.

Vor allem aber ist das Ganze eine Lehre für mich. Mein Sohn ist generell die grösste Lehre, die ich im Leben hatte. Und zwar die, dass man Menschen (egal welchen Alters) zu nichts zwingen kann – nicht mal dann, wenn es gesünder für sie wäre. Kinder sind kleine Seelen, die unsere Unterstützung, Geduld und unser Vertrauen brauchen. Vertrauen darin, dass sich viele Dinge von allein erledigen, wenn man den Druck rausnimmt. Vielleicht hilft auch Bellas Mutter diese Erkenntnis? Oder Ihnen? Gelassenheit soll ja ansteckend wirken, wenn man sie teilt.

Bevor ich Mutter wurde, hatte ich sehr genaue Ideen davon, wie ein Kind zu ernähren ist. Gemüse, Vollkorn und so. Ich hatte auch Vorstellungen von Erziehung, von der Rolle, die Großeltern zu spielen haben, welche Strukturen ein Kind braucht und wie das mit dem Schlafen ist. Und dann kam das Kind.

Das Kind hatte von Anfang an sehr klare Vorstellungen davon, wie das mit dem Essen und dem Schlafen ist und wie man den Umgang mit der Welt der Erwachsenen regelt. Das hat sich auch nicht geändert. Nicht ohne Grund trägt meine Tochter den Beinamen „die Kanzlerin“.

Die erste Mitteilung über den kindlichen Speiseplan erhielten wir, als es Zeit für Beikost wurde. Unsere Tochter war schon bei der Geburt ein kleiner Riese und bekam mit drei Monaten die ersten Zähne. Also starteten wir bereits gegen Ende des dritten Lebensmonats mit Gemüsebrei.

Ich werde nie den fassungslosen Blick vergessen, als ich meiner Tochter den ersten Möhrenbrei servierte. Dieser Blick, irgendwo zwischen „Ist das ein lustiges Spiel?“ und „Warum willst Du mich vergiften? Ich bin dein Baby!!“. Hinzu kam die kindliche Entrüstung, die klar gewann, und das unfassbar laute Gebrüll. Heute kann ich lachen und erinnere mich mit Verzückung an das Farbspiel aus hochrotem Babykopf und karottengelbem Schnauzbart. Damals dachte ich, dass Rabenmütter es im Gegensatz zu mir zumindest schaffen, ihre Kinder artgerecht zu ernähren.

Was ich damals noch nicht ahnte: Dass diese Kämpfe ums Essen gerade mal ein lockeres Warmmachen für das, was folgte, sein würden. Ein bisschen unheimlich wurde das Kind mir, als sie mit vier Monaten den Gemüsebrei verweigerte und energisch nach unserem Schweinebraten griff. Natürlich haben wir ihr etwas abgegeben. Auf die ordentliche Mahlzeit vom Schwein folgte die ruhigste und entspannteste Nacht, die wir bis dahin mit ihr hatten. „Müd‘ und satt, wie schön is‘ datt!“

Wir essen gesund. Das Kind isst so gesund wie möglich.

Seit diesem Zeitpunkt haben wir so ziemlich alles drangegeben, woran ich einmal geglaubt habe. Ich habe einfach keine Lust auf ständigen Streit und möchte das Kind natürlich auch nicht zwingen, etwas zu essen.

Wir verhandeln und zu so ziemlich jeder Mahlzeit muss es etwas geben, das gemüsig ist – wenigstens zwei kleine Tomaten. Ich denke Vitamine und sonstige Nährstoffe bekommt sie ausreichend durch Obst. Ansonsten ist der Speiseplan meiner Tochter extrem eingeschränkt (Süßigkeiten mal ausgenommen):

  • Grießbrei
  • Maultaschen
  • Nudeln (nicht immer)
  • Tomaten/Karotten als Rohkost
  • Kartoffeln
  • Eier
  • Würstchen
  • Cheeseburger
  • Brot ohne Körner
  • Erdbeermarmelade
  • Fischstäbchen
  • Joghurt
  • Schnitzel
  • Pommes
  • Grillhähnchen
  • Pfannkuchen
  • Obst
  • Pizza

Es hilft kein gemeinsames Kochen – selbst wenn sie trockene Nudeln essen muss, weil sie die Soße verweigert, ist ihr das lieber. Man könnte verzweifeln.

Gewichtskontrolle bei einem Kindergartenkind? Echt nicht.

Süßigkeiten gibt es nur am Wochenende. Wirklich ungesundes Zeug wie Pommes und Co. sind eine absolute Ausnahme und die Menge an Joghurt, die sie am Tag essen darf, ist reglementiert. Ich versuche dadurch die Kalorienmenge im Auge zu behalten. Mehr ist nicht drin. Wir haben einen gemeinsam erstellten Essensplan; das verhindert dauerhafte Reibung. (Das Bild von unserem Essensplan ist alt. Mittlerweile ist die Auswahl der Lebensmittel deutlich kleiner geworden…)

Eine Zeit lang hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich ein total gestörtes Essverhalten und spätestens seit der Pubertät massives Übergewicht habe.

Bei uns wurde gegessen, was auf den Tisch kommt und davon alles, was man auf den Teller geladen bekommen hat. Punkt. Wenn es mal etwas wirklich Leckeres gab, haben wir gegessen, bis die Hose geöffnet werden musste. Süßigkeiten waren absolut verboten.

Die Folgen: Dass ich bis heute weder Portionsgrößen noch Hungergefühl richtig einschätzen kann und mich von Süßigkeiten trösten lasse. Das klingt so larmoyant, aber ich habe dieses Problem bis heute nicht in den Griff bekommen und ich bin fast fünfzig.

Kompromisse mit der Kanzlerin. Kabinettssitzung vor jeder Mahlzeit.

Ich fühlte mich wie ein absoluter Versager, weil andere Kinder offensichtlich gedämpfte Sellerieschnitzel essen und Rohkost vergöttern, solange sie in Tierform geschnitzt wurde. Ich esse gerne Gemüse und frische Sachen und eigentlich hat sie auch immer gesunde Küche bei uns gesehen. Ich hatte keine Chance. Die Kanzlerin hat ihren sehr eigenen Kopf.

Mittlerweile finden wir Kompromisse, ich versuche meinen Knall nicht eins zu eins an sie weiterzugeben und beobachte, wenn sie zu sehr zunimmt. Allerdings ohne Kommentare. Ich warte und bete manchmal im Stillen auf den nächsten Wachstumsschub. Ich versuche sie so wenig wie möglich zu bequatschen; was von mir kommt, kann nur irgendwie schädlich sein, glaube ich.

Wenn sie mich fragt, warum manche Lebensmittel gegessen werden können und man bei anderen „aufpassen“ muss, erkläre ich ihr das und frage mich gleichzeitig, ob es gut ist, wenn eine Fünfjährige etwas über Kalorien und die Schädlichkeit von Zucker weiß. Ich erkläre ihr konsequent, wie gut und wichtig Bewegung ist und unterstütze alles, was sie sportlich unternehmen möchte. Der Rest ist Glauben an das gute Ende.

Das klingt wie eine Bankrott-Erklärung . Der Gemüse Bankrott. Ich frage mich gerade, ob ich das überhaupt schreiben sollte

Ich möchte so sehr, dass meine Tochter mit Selbstbewusstsein und einer Liebe zu ihrem Körper aufwachsen kann. Ein starker, gesunder Körper. Nicht notwendigerweise ein sehr schlanker Körper. Ich versuche, sie stark zu machen und ihr die Zusammenhänge zu erklären, ohne die Überforderung zu betonen, die da bei mir manchmal sicher mitschwingt. Mehr kann ich nicht tun. Den Willen der Kanzlerin brechen wäre einfach nicht in Ordnung und würde zusätzlich ihr Selbstbewusstsein schwächen – das kann nur verkehrt sein.

Meine Mutter wollte um jeden Preis verhindern, dass ihre Töchter ihr Schicksal teilen und dick durchs Leben gehen müssen. Wie man an mir sieht, ist der Plan nicht aufgegangen. Die erste Diät habe ich mit zehn Jahren mit ihr zusammen gemacht. Sie hat erst aufgehört, auf mich diesen permanenten Druck auszuüben, als ich mit 24 Jahren einen Arzt erfunden habe, der mir angeblich bescheinigt hätte, dass alles in Ordnung sei. Diese dumme kleine Lügengeschichte hat ihre mütterliche Fürsorge dann beruhigt. Sie wusste mich in guten Händen. Ich hoffe die Kanzlerin wird nicht so ausgebufft, wenn sie mal groß ist. Aber, nun ja…

Es war meiner Mutter nicht bewusst, wie verkehrt das alles war. Gleichzeitig hat sie mich ansonsten zu einer so selbstbewussten und starken Frau gemacht, dass das Schicksal, „die Dicke“ zu sein, mich zwar ein Leben lang getroffen hat, aber ich bin nicht in dem Maße davon traumatisiert, wie sie es offensichtlich war.

Irgendwann wird meine Tochter lesen können und über diesen Text stolpern, da bin ich sicher. Deshalb möchte ich das Ende direkt an sie richten und an alle Mamis und Kinder mit ähnlichen Herausforderungen:

Du bist total in Ordnung, wie Du bist. Lass Dir von keinem Menschen auf der Welt etwas anderes einreden. Ob Du zu dick, zu dünn, zu groß oder zu klein bist, ist nicht so wichtig.

Was wirklich wichtig ist: Dass man sich selbst mag. Dass man auf seinen Körper achtet, weil er so wertvoll ist. Dass man andere Menschen so respektvoll und gut behandelt, wie man selbst behandelt werden möchte. Jeder hat Schwächen und jeder hat Stärken. Na und?

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