Kind 16 monate trotzphase

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Die Engländer nennen es die Terrible Twos, die schrecklichen Zwei. Die Rede ist von der Trotzphase oder besser gesagt der Autonomiephase. Die beginnt in der Regel im zweiten Lebensjahr und endet ungefähr mit dem fünften Lebensjahr. Die Kinder werden in dieser Zeit autonomer, das heißt selbständiger. Viele Eltern fürchte diese Zeit, da sie teilweise mit heftigen Gefühlsausbrüchen der Kinder einhergeht – und manchmal auch der Eltern. 😉

Wieso soll es nicht Trotzphase, sondern Autonomiephase heißen?

Der Begriff Trotzphase ist heute dem Begriff Autonomiephase gewichen. Denn Trotz hat mittlerweile einen negativen Beigeschmack: Es klingt, als würden die Kinder gegen die Eltern rebellieren. Als würden sie sich dem elterlichen Willen entgegensetzen – vielleicht sogar aus reiner Boshaftigkeit? Aus der Forschung wissen wir, dass diese Phase aber erstens ein völlig normaler und wichtiger Schritt in der kindlichen Entwicklung ist. Und zweitens reagieren die Kinder nicht so wütend oder gar aggressiv, weil sie den Eltern schaden wollen, sondern weil sie schlicht und einfach nicht anders können!

Der Begriff Autonomiephase beschreibt treffender, was eigentlich passiert: Das Kind löst sich von der Hauptbezugsperson, meist der Mutter, und wird selbständiger. Dieser Ablöseprozess ist jedoch anstrengend – für alle Seiten.

Von Rittern und Burgen oder: Wieso ich Trotz trotzdem mag

Ich persönlich kann tatsächlich dem Begriff Trotz und Trotzphase etwas Positives abgewinnen. Denn das Wort ist mit dem Wort Trutz eng verwandt. Eine Trutzburg war im Mittelalter eine wehrhafte Verteidigungsanlage. Die Vorstellung, dass mein Kind lernt wehrhaft und stark zu sein wie eine Burg voller Ritter, gefällt mir als Fantasy-Fan außerordentlich gut.

Vor rund einem Jahrhundert kannte man übrigens noch zwei Trotzphasen. Die zweite war schlicht das, was wir heute Pubertät nennen. Im Umkehrschluss bezeichnen manche Autoren heutzutage die Autonomiephase auch als „kleine Pubertät“. Wie es nun auch heißt – beides sind wichtige Entwicklungsschritte unserer Kinder.

Warum ist die Autonomiephase/Trotzphase so schwierig?

Sich zu lösen, ist anstrengend. Das grundlegende Dilemma des Kindes gleicht kurz gefasst folgendem inneren Dialog: „Ich brauch die Mama nicht mehr – Hilfe, wo ist Mama?“

Um selbständig zu werden, müssen sich Kinder aus der Symbiose lösen, in der sie sich vor der Geburt und auch größtenteils nach der Geburt noch gefühlt haben. Jetzt, im Alter von 18 bis 24 Monaten beginnt das Kind sich bewusst selbstwahrzunehmen. Ein Hinweis darauf ist zum Beispiel der Moment, in dem sich das Kind im Spiegel erkennt.

Es ist eine große Veränderung und Veränderungen können zuweilen anstrengend sein. Auf der einen Seite kann sich das Kind jetzt in der Regel selbständig bewegen (also laufen) und mitteilen (sprechen). Auf der anderen Seite reicht das nicht, um alle seine Wünsche und Ideen auch umzusetzen. Im Gegenteil – an vielen Stellen scheitert das Kind. Noch.

Frustration: Scheitern der Kommunikation – oder Geschrei um einen Apfel

Oft versucht das Kind seinen Eltern etwas mitzuteilen, wird aber missverstanden. Zum Beispiel möchte ein Kind eine Erdbeere. In seinem aktiven Wortschatz taucht die Erdbeere noch nicht auf. Das Kind bezeichnet schlicht alle Früchte als Apfel. Es weiß aber schon, dass es viele verschiedene Früchte gibt. Also konkretisiert es seinen Wunsch um die Farbe „rot“. Herauskommt: „Apfel rot.“

Die Mutter ist erfreut über ihr sprachgewandtes Kind und gibt ihm wie gewünscht einen roten Apfel. Das Kind schaut verständnislos auf den Apfel, schüttelt den Kopf und sagt: „Apfel rot!“ Die Mutter erklärt: „Genau, der Apfel ist rot, mein Schatz.“ Daraufhin wird das Kind lauter und wiederholt: „Nein, Apfel rot.“ Die Mutter ist inzwischen leicht genervt, reißt sich aber zusammen und zeigt den Unterschied: „Schau, dieser Apfel ist rot. Und das ist ein grüner Apfel.“ Das Kind ist ebenfalls genervt, da ihm seine Mutter jetzt zwei Äpfel statt die gewünschte Erdbeere gibt. Es nimmt einen Apfel, schmeißt ihn auf den Boden und schreit. Die Mutter steht ratlos daneben.

Frustration: Scheitern an Verboten und Grenzen – das teure Handy

Ob es sich sprachlich ausdrücken will oder die Schuhe binden will, das Kind erlebt in dieser Zeit häufig seine eigene Unzulänglichkeit – und wird traurig oder wütend. Neben diesen inneren Grenzen des eigenen Handelns gibt es noch äußere Grenzen, die das Kind frustrieren können. Es sind zum Beispiel die Gebote und Verbote: Das Kind möchte unbedingt mit dem Handy spielen, mit dem Papa so viel Zeit verbringt. Das Gerät scheint ja wichtig zu sein. Also möchte es das auch haben. Aber Papa nimmt es ihm weg. Das Kind weint bitterlich.

Die Erfahrung, wie fremdbestimmt ich als Kind bin, kann überwältigend sein: Wenn meine Mutter mich einfach packt und wegträgt, obwohl ich klar gezeigt habe, dass ich weiter spielen möchte, dann erfahre ich meine eigene Ohnmacht auch noch körperlich. Ich kann strampeln oder schreien so viel ich will, es hilft nichts, ich bin den Großen ausgeliefert.

Frustration Selbständigkeit: Geh weg, komm her

Eine etwas subtilere Form der Frustration und Ohnmacht ist das Gefühl, wenn ich mich tatsächlich von Mama oder Papa löse. Zum Beispiel sagt das Kind klar „Nein“, als Papa es auf den Arm nehmen will. Es löst sich sogar körperlich aus der Nähe des Vaters, geht ein paar Schritte zur Seite und fängt im nächsten Moment an zu weinen. Nicht wenige Eltern stehen ratlos daneben. Das Kind hat doch seinen Willen bekommen, wieso weint es jetzt? Weil dem Kind plötzlich klar wird, dass es allein ist. Es vermisst die Nähe, die es eben noch abgelehnt hat.

Gleichzeitigkeit der Gefühle kennen auch Erwachsene

Dieses Hin und Her ist für Kinder anstrengend. Und doch gehört es dazu. Wir kennen das auch als Erwachsene noch: Wenn wir zum Beispiel am ersten Tag zu dem neuen Job gehen, auf den wir uns so gefreut habe. In dem Moment, in dem wir durch die Tür gehen, müssen wir kurz schlucken. „Wird alles gut gehen?“, fragen wir uns. Diese Ambivalenz der Gefühle spüren Kinder in voller Stärke. Und sie haben noch nicht die Mechanismen gefunden, um mit diesen Gefühlen umzugehen. Traurigkeit ist da? Dann wird sie ausgelebt!

Was braucht das Kind gerade? Geborgenheit oder Freiheit?

Das Pendeln zwischen dem Bedürfnis nach Geborgenheit und dem Bedürfnis nach Wachstum und Selbständigkeit fordert uns Eltern heraus. Wir sind es, die diese Bedürfnisse unseres Kindes lesen und erfüllen sollen. Nicht immer gelingt uns das auf Anhieb. Und das finde ich auch okay und menschlich. Doch wir haben einen guten Führer auf dieser Reise: Das Kind zeigt uns dabei den Weg.

Fazit: Wieso die Autonomiephase so wichtig ist

Die Autonomiephase ist ein großer Schritt des Kindes hin zur Selbständigkeit. Viele weitere kleine und große werden im Laufe der kindlichen Entwicklung folgen. Wichtig finde ich zu wissen: Trotzreaktionen zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr sind normale Bestandteile der kindlichen Entwicklung. Wie oft oder wie stark diese Trotzreaktionen sind, unterscheiden sich von Kind zu Kind. Während das eine Kind nur beleidigt die Lippe hochzieht, wirft sich das nächste schreiend und strampelnd auf den Boden. Leider können Tobsuchtsanfällen, Weinkrämpfen oder sogar Affektkrämpfen dazu gehören.

Ja, diese Phase kann anstrengend sein. Genau wie eine Schwangerschaft anstrengend sein kann oder wie durchwachte Nächte anstrengend sind. Kinder sind unterschiedlich. Kinder fordern uns als Eltern heraus. Hilfreich finde ich, es so zu sehen: Trotzen ist ein gutes Zeichen. Ihr Kind wird selbständig. Ihr Kind ist auf dem richtigen Weg. Der Kinderarzt und Autor Remo Largo schreibt, dass er es viel schlimmer fände, wenn Trotzreaktionen ausblieben – das könnte ein Zeichen sein, dass die Ich-Entwicklung gestört wäre! Da freue ich mich doch lieber über ein gesundes und schreiendes Kind.

PS: Das nächste Mal schreibe ich darüber, was Sie tun können, um mit Wutanfällen in der Autonomiephase (Trotzphase) umzugehen und was Sie besser nicht tun.

Literaturempfehlungen

Remo H. Largo: Babyjahre, Die frühkindliche Entwicklung aus biologischer Sicht, Piper

Remo H. Largo: Kinderjahre, Die Individualität des Kindes als erzieherische Herausforderung, Piper

4-Wochen Kurs in Köln: Gelassen Wutanfälle meistern

In einem kombinierten Offline-Online-Training zeige ich dir, wie du dein Kind durch Wutanfälle begleiten kannst. Der Kurs Wutanfälle gelassen meistern besteht aus zwei Nachmittagsseminaren in Köln und zwei Online-Videos. Der Kurs startet am 18. November 2019.

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Wozu dient die Trotzphase bei Kindern?

Eltern können Trotzphase beeinflussen

In dieser Zeit erkennen sich die meis­ten Kinder auch im Spiegel – und die ersten Trotzanfälle beginnen. Die Kleinen wissen zwar, dass Menschen Absichten verfolgen, aber sie realisieren noch nicht, dass ­diese nicht immer mit ihren eige­nen übereinstimmen. „So weit sind sie erst mit etwa zweieinhalb bis drei Jahren“, so Frevert. Vorher mangelt es ihnen an Analyse­­fähigkeit und Selbstbeherrschung. Sie können ­ihre Wut nicht hemmen, wenn Mama oder Papa einen ihrer Meinung nach ­genialen Plan durchkreuzt, der sie etwa über einen Stuhl zu den Süßigkeiten im Regal führen würde.

Zudem haben sie als Babys gelernt: Wenn sie ­schreien, ­werden ­ihre Bedürfnisse erfüllt. Was auch gut ist. Aber mit zunehmendem ­Alter müssen sie an­dere Strategien finden. Viele tun sich damit schwer. „Weinen sie dann aus Frust und Wut, reagieren Eltern darauf oft negativ. Dadurch schaukelt sich die ­Situation hoch, und am Ende gibt es ­einen Trotzanfall“, sagt ­Pauen. Sie untersucht ­zurzeit, wie der Umgang der Eltern mit dem trotzenden Kind auf die Entwicklung seiner Selbstkontrolle und Analyse­fähigkeit wirkt. ­Pauen ist sich ­sicher, dass die Reaktionen der Umwelt ­eine wichtige Rolle spielen. Sie ­können ein Grund dafür sein, dass Kinder sehr unterschiedlich trotzen: Während ­manche Eltern schier verzweifeln, sorgen sich andere über scheinbar ausbleibenden Trotz.

Trotzen hört meist im Kindergartenalter auf

Beide Expertinnen sind sich ­einig, dass ein Bündel von Faktoren das Ausmaß der Trotz­phase bestimmt: das Umfeld der Kinder, ihr Tempe­rament, ihre sprachlichen und motorischen Fähigkeiten und ­ihre Selbstwirksamkeit.

Sie wirken sehr individuell: „Sprachlich fitte Kinder trotzen nicht zwingend weniger als Kinder, die sprachlich noch nicht so fit sind“, nennt Frevert als Beispiel. Im Kindergartenalter hört bei den meisten Kleinen der Trotz langsam auf. Sie lernen, sich zu verständigen, auch mal zurückzustecken.

Wie das ewige Kreischen abgewöhnen?

Hallo liebe Mitmamis,
meine Tochter Lea 2 1/4 entwickelt sich zu einem echten Ohrenproblem. Sie kreischt in den höchsten und schrillen Tönen. Es wundert mich selbst das sich noch kein Nachbar bei uns beschwert hat.
Ob sie mit ihrem Bruder spielt und sich freut, oder aber ihren Willen nicht bekommt spielt keine Rolle. Immer wieder beginnt sie in höchsten Tönen zu kreischen. Selbst beim Einkaufen sind wir in der Warteschlange an der Kasse schon recht unfreundlich darauf hingewiesen worden, das ich das Kind gefälligst ruhig halten solle. Ihr schrilles Gekicher und Freudenquietschen wäre unerträglich
Mal davon abgesehen das ich meine Kreischeule schlecht knebeln kann, wüsste ich aber nicht wie ich ihrem Freudengejaule beikommen soll.
Also habt ihr einen Rat für mich?
Was mache ich am besten wenn Lea wieder sämtliche Dezibel Richtlinien überschreitet?
Bringe ich sie letzten Endes nicht noch eher dazu wieder loszukreischen wenn sie Aufmerksamkeit erregen will?
Soll ich nicht besser einfach abwarten und darauf hoffen das sich diese lautstarken Äusserungen wieder regulieren?
Helft einer überfragten Mädchen-Mami die diese Phase von ihrem großen Sohnemann nicht kennt.
GLG
Steffi

Können Babys schon trotzig sein?

Schon Babys können in Rage geraten, wenn etwas nicht so läuft, wie es soll. Woher kommen Trotz und Wut bei kleinen Wüterichen? Und welche Strategien helfen?

Wenn Babys trotzig sind

Gehören die Wutausbrüche, die Babys im ersten Lebensjahr haben, überhaupt schon zur Trotzphase? Die Antwort lautet Jein. Die eigentliche Trotzphase beginnt zwar meist erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres und erreicht mit drei, vier Jahren ihren Höhepunkt. Klassisch hier: Das schreiende, tobende Kind, das sich im Supermarkt auf den Boden wirft, weil es unbedingt einen Kaugummi haben will und durch nichts zu beruhigen und abzulenken ist. Aber: Trotzreaktionen sind häufig auch schon bei sehr viel jüngeren Kindern zu beobachten.

Trotz- und Wutreaktionen beginnen, wenn der eigene Wille des Kindes erwacht. Trotz und Wut sind dabei nicht immer ganz klar voneinander zu trennen. Eine typische Trotzreaktion im ersten Lebensjahr: Die kleine Mia hat Mamas Handy entdeckt, krabbelt freudig darauf zu und will gerade zugreifen. Aber kaum hat Mama Mias Plan durchschaut, kommt ein deutliches „Nein“ – und das Handy ist weg. Mias Reaktion: Empörtes Geschrei, sie wirft sich auf den Boden, trommelt mit den Fäusten und donnert ihren Kopf auf den Fußboden. Ganz klar: Hier hat schon jemand seinen eigenen Kopf! Und wenn der anders soll als er will, ist die Enttäuschung groß. Gepaart mit Unverständnis und Frust.

Aber ich will!!!

Trotzphase: Trotz lass nach!

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Was ist Trotz? Und was hat mit Trotz nichts zu tun?

Große Gefühle sind von Anfang an in jedem von uns angelegt: Neben der Wut auch die unbeschwerte Freude, ebenso der Trotz und auch die wunschlose Zufriedenheit. Gerade die Wut aber ist es, die Eltern frühzeitig auf eine harte Probe stellen kann. Wichtig dabei: Die ersten „großen Gefühle“ sind nicht identisch mit Jammern und Klagen, wenn die Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden: Ein Baby, das bei Hunger nicht gleich gefüttert, bei Müdigkeit nicht auf den Arm genommen und bei einem „Aua“ nicht getröstet wird, ballt die Fäustchen und brüllt. Aber nicht vor Wut, sondern aus reinem Selbsterhaltungstrieb.

Gründe, weshalb Babys trotzig reagieren können

  • Das Bedürfnis, etwas haben zu wollen: Dies ist eine der typischen Situationen, in der Babys und Kleinkinder wütend werden können: Das nicht erfüllte Bedürfnis nach einer Puppe, einem Spielzeug, einem Keks oder auch Mamas Schutz und Trost.
  • Babys haben kein Zeitgefühl: Babys und Kleinkinder haben noch kein Zeitgefühl. Sie kennen die Vergangenheit nur vage und können die Zukunft nicht abschätzen. Umso mehr spielt sich ihr ganzes Empfinden im Hier und Jetzt ab. Und das kann sehr wütend machen: Wenn hier und jetzt etwas nicht so ist, wie es gefälligst zu sein hat. Und zwar augenblicklich.
  • Das Streben nach Autonomie: Der Wunsch, etwas allein zu schaffen, funktioniert im Kopf des Babys prima, in der motorischen Umsetzung aber leider noch gar nicht. Das Ergebnis: Frust und Wut aus einer Situation der Überforderung.
  • Verbote: Schon im Alter von zwölf bis 18 Monaten werden Verbote nicht immer akzeptiert. Die Folge: Wut – und Trotz. Typische Entstehungsgeschichte: Am Esstisch, ein Messer unverhofft in Reichweite. Der Reiz ist groß, danach zu greifen und es zu untersuchen, vor allem die blitzende, scharfe Klinge. Und wenn der gerade erworbene Schatz dem Baby dann wieder weggenommen wird, ist die Wut groß. Eigentlich verständlich, oder?

Für Eltern ist die Trotzphase eine anstrengende Phase. Für das Baby übrigens auch. Ein kleiner Trost für alle, deren Nerven gerade blank liegen, weil die heftigen Ausbrüche ihres Babys Kraft und Nerven kosten: Für das Baby ist die Trotzphase ein ganz wesentlicher Schritt in der Entwicklung vom Baby zu einer eigenen Persönlichkeit. Wutanfälle sind ganz normal – und werden von nun an eine ganze Weile zum Leben mit Kind dazugehören.

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Achtung, Wachstumsschub! Diese Entwicklungsprünge stehen an

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Trotzphase: Strategien bei trotzigen Babys

Es gibt also zahlreiche Gründe, die aus den niedlichen Lieblingen kleine Wüteriche machen können – dann helfen euch diese Strategien:

  • Geht es ums Habenwollen, ist die Lösung recht einfach: Entweder, ihr erfüllt den Wunsch eures Babys und geben ihm die Puppe, den Ball, den Keks oder die ersehnte Geborgenheit. Oder ihr lenkt die Aufmerksamkeit des Babys auf etwas anderes. Das klassische Ablenkungsmanöver ist gerade bei den Kleinsten erfolgversprechender als der Versuch einer logischen Erklärung, warum etwas nicht ausgehändigt oder geleistet werden kann.
  • Reagiert auf Wut niemals mit Wut: Unsere Kinder sehen in uns Vorbilder – auch dann, wenn sie gerade ziemlich aus dem Häuschen sind. Wenn wir mit Wut reagieren, machen wir uns zum Spiegel der kindlichen Hilflosigkeit und geben ein entlarvend unsouveränes Bild ab, aus dem der Nachwuchs keinerlei konstruktive Lösung ableiten kann. So verunsichern wir, anstatt zu helfen. Schlichtes Ignorieren ist ebenso untauglich – und löst eher noch Verzweiflung aus.
  • Der richtige Ansatz ist das Gegenteil von Ignoranz: Wer auf sein wütendes Baby eingeht, geduldig mit ihm redet, tröstet, hilft und Lösungen aufzeigt, ist in doppelter Hinsicht gutes Vorbild: Zum einen als praktischer Helfer, der aus dem Dilemma den Weg weist, zum anderen als Beispielgeber für gutes zwischenmenschliches Verhalten, das auf Verständnis und Einfühlsamkeit gründet – wenn im Kleinen die Familie, im Großen die Gesellschaft funktionieren soll. Dafür ist es wichtig, zu erkennen, dass es das Baby nicht „böse“ meint und uns auch nicht ärgern will.
  • Und doch sollte klar sein, dass es in der Erziehung eine Hierarchie gibt: Setzt Grenzen, wo sie unvermeidlich sind, formuliert sie deutlich und seid konsequent – mindestens überall dort, wo sich das Kind durch die eigene Wut selbst in Gefahr bringen würde.
  • Wenn keine Gefahr besteht, schadet es auch nicht, wenn Kinder ihre Wut loswerden dürfen. Lasst das kleine Wutmonster also ruhig mal toben, bis die Wut draußen ist. Dann nehmt es einfach ohne große Worte in den Arm und lasst es spüren, dass ihr es lieb habt.

Deinem Papagei das Schreien abgewöhnen: Mit dem Glöckchen-Trick

Mit dem Glöckchen-Trick kannst du deinem Papagei sehr wirksam das Schreien abgewöhnen.

Dabei ist das Prinzip ganz einfach und bring einige Vorteile mit sich. Der häufigste Grund, warum ein Papagei oft schreit liegt darin, dass er deine Aufmerksamkeit erlangen möchte.

In dieser Situation kannst du dir das Läuten eines Glöckchen zunutze machen.

Wenn dein Papagei mal wieder schreit…

Damit diese Methode funktioniert, benötigst du ein Glöckchen, dass du im Inneren des Papageienkäfigs anbringst. Achte darauf, dass du persönlich den Klang des Glöckchens angenehm findest. Und natürlich solltest du das Glöckchen so anbringen, dass dein Papagei es gut erreichen kann.

Sobald dein Papagei nun zu lange oder zu laut schreit, gibst du das Kommando „Glöckchen“. Führt dein Papagei das gewünschte Verhalten aus, lobst du ihn mit „Gut“ und gibst ihm den Belohnungs-Leckerbissen, wie wir es schon in unserer Einführung in das Target-Training erklärt haben.

Du wirst festellen, dass das Klingeln der Glocke bei Weitem nicht so nervtötend ist wie das ewige Papageiengeschrei. Und viele Leser haben uns berichtet, dass ihre Papageien im Laufe der Zeit immer seltener die Glocke läuten. Du wirst also insgesamt viel mehr Ruhe haben – und deine Nachbarn werden es dir auch danken.

So bringst du deinem Papagei den Glöckchen-Trick bei

Einige Papageien haben Angst vor neuem Spielzeug, das gilt vor allem für Graupapageien.

Deshalb solltest du deinen Papagei ein paar Tage Zeit geben, um sich an die Glocke zu gewöhnen.

Erst, wenn du siehst, dass er Interesse an der Glocke findet, ist der Zeitpunkt gekommen, mit dem Training zu beginnen.

Halte deinen Target-Stick vor deinen Papagei. Achte dabie auf einen sicheren Abstand zu deinem Vogel, damit er sich nicht bedrängt fühlt. Wenn du die anderen Übungen zum Target-Training schon gemacht hast, wird dein Papagei sicher den Stick mit scheinem Schnabel antippen. Dann lobe ihn, wie gewohnt, und gib ihm seine Belohnung (den „Verstärker“).

Wenn das ein paar mal gut funktioniert hat, kannst du den Abstand zur Glocke immer weiter verkürzen. Ist dein Papagei der Glocke sehr nah, kannst du den Stick direkt an die Glocke halten.

Wenn dein Papagei jetzt den Stick berührt, wird er die Glocke zum klingeln bringen. Dann belohnst du ihn wieder, so wie du schon im Target-Training geübt hast (falls du nicht weist, worüber ich gerade rede, findest du am Ende dieses Artikels eine hilfreiche Linksammlung).

Hab‘ keine Bange, wenn dein Papagei etwas länger braucht, um das neue Verhalten zu erlernen. Manche Vögel etwas ängstlicher als andere und brauchen deshalb auch länger, um Neues zu lernen.

Wichtig ist noch, dass du dieses Verhalten jetzt täglich mit deinem Papagei übst – solange bis es richtig sitzt und er spontan von selbst die Glocke läutet.

Dann kannst du dir gratulieren, denn du hast das Schreien deines Papageis gebändigt. Natürlich wird dein Papagei trotzdem ab und zu Laute von sich geben. Aber das liegt in seiner Natur. Besonders während des Sonnenauf- und Untergangs geben Vögel laute von sich. Schließlich sind Papageien keine Fische. 

Wenn diese Übung gut klappt, kannst du dich den fortgeschrittenen Übungen widmen.

Ich freue mich schon darauf sie dir zu zeigen – und ich freue mich wenn der Glöckchen-Trick bei dir funktioniert.

Wenn du mehr wissen willst…

  • Falls du noch nicht mit dem Target-Stick arbeitest, solltest du unbedingt diesen Artikel lesen
  • Wenn du eine fortgeschrittene Übung suchst, dann bring’ doch deinen Papageien das Basketball spielen bei
  • Oder lass deinen Papagei Legosteine nach Farben sortieren
  • Beisst dein Papagei manchmal? Dann wird dir dieser Artikel weiterhelfen.
  • In unserem Minikurs gibt es noch viel mehr Tipps!

Monat 11 – die Entwicklung Ihres Babys

Fotogalerie

Babys erstes Jahr

Sehen Sie, was Juliet in ihrem ersten Lebensjahr lernt.

Zunehmende körperliche Unabhängigkeit

Nun, da Ihr Baby bald den ersten Geburtstag feiert, ist es nicht mehr der hilflose Säugling, der nichts ohne Sie machen kann. Es braucht immer noch viel Pflege und Hilfe, aber seine Unabhängigkeit wächst unübersehbar: Es kann alleine stehen, sich beugen, sich hinhocken. An Ihrer Hand kann es vielleicht sogar schon laufen, und es wird die Hand oder das Bein ausstrecken, um Ihnen beim Anziehen behilflich zu sein. Während der Mahlzeiten kann es schon eine Tasse halten und selbst trinken (obwohl das bei manchen Kindern noch ein paar Monate dauern kann). Außerdem kann es sich mit den Fingern selbst beim Essen bedienen.
Sobald Ihr Kind allerdings gelernt hat, aus einer Tasse zu trinken, sollten Sie auf der Hut sein. Denn sobald es mit Trinken fertig ist, wird es das Gefäß nicht sanft abstellen, sondern mit Wucht auf den Tisch knallen. Und es wird absichtlich Dinge fallen lassen, damit sie jemand (vermutlich Sie) wieder aufhebt.

Bücher für kleine Leseratten

Ihr Kind liebt es, Bilderbücher anzuschauen und darin zu blättern – obwohl es vermutlich nicht Seite für Seite vorgehen wird. Es könnte Lieblingsbücher haben, zu denen es von Zeit zu Zeit zurückkehrt.

Eine ganz eigene Person

In diesem Alter können Babys damit beginnen, sich gegenüber ihren Geschwistern zu behaupten. Sie spielen jetzt auch zufrieden mit sich selbst neben (nicht mit) anderen Kindern. Eine Schmusedecke oder ein Lieblingsstofftier geben ihm im Moment viel Sicherheit.

Jetzt müssen Grenzen gesetzt werden

Ihr Baby wird nun einfache Anweisungen verstehen und sie manchmal geflissentlich ignorieren. Um dem Wort „Nein“ mehr Gewicht zu verleihen, sollten Sie es sich für Sachen und Aktionen aufheben, die wirklich gefährlich sind. Noch wird Ihr Baby morgen das meiste vergessen haben, was Sie ihm heute sagen. Dennoch ist es wichtig, ihm jetzt Grenzen zu setzen und ihm beizubringen, was richtig und was falsch ist.
Sie sind nicht gemein, wenn Sie ihm verbieten, einen zweiten Keks zu verschlingen – sie setzen Grenzen. Wenn Ihr Kind die Katze am Schwanz zieht, dann halten Sie seine Hand fest, schauen Sie ihm in die Augen und sagen: „Nein, das tut der Katze weh.“ Dann zeigen Sie Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn, wie man das Tier sanft streichelt. Der Forscherdrang Ihres Babys ist stärker als sein Wunsch, Ihre Warnungen zu beachten. Deshalb liegt es an Ihnen, es zu beschützen und es zu erziehen. Was wie Trotz wirkt ist nur natürliche Neugier – Ihr Däumling will wissen, wie die Welt funktioniert.

Sich den Mund fusselig reden

Wörter oder wortähnliche Gebilde sprudeln nun aus Ihrem Baby heraus – Worte, die es nun in ihrer eigentlichen Bedeutung versteht und verwendet. Der Frontallappen seines Gehirns entwickelt sich schrittweise, gleichzeitig entstehen höhere geistige Fähigkeiten wie das Sprechen und das logische Denken. Sie können das Interesse Ihres Babys für Sprache fördern, indem Sie seinem Geplapper aufmerksam und interessiert lauschen. Dadurch lernt es die Grundlagen der Kommunikation. Spiele wie „Backe, backe Kuchen“ und „Kuckuck“ werden sein Erinnerungsvermögen schulen.
In diesem Alter kann Ihr Baby vermutlich Wortklänge, Tonlagen und auch einige Handgriffe nachahmen. Es kann einfachen Anweisungen folgen, wie beispielsweise: „Bring mir bitte den Ball“ und „Heb bitte den Löffel auf“. Bringen Sie ihm diese Dinge durch knappe, einfache Sätze bei, die immer nur eine einzige, klare Anweisung enthalten.
Genießen Sie diese kurze, aber bemerkenswerte Phase, in der sich die Kommunikationsfähigkeit Ihres Babys entwickelt: Das wird vermutlich einmal seine wichtigste Fähigkeit überhaupt sein.

Entwickelt sich mein Baby normal?

Denken Sie daran, dass jedes Kind einzigartig ist und die Meilensteine in seinem eigenen Tempo erreicht. Das hier sind Anhaltspunkte, die Ihnen die Möglichkeiten Ihres Babys aufzeigen. Wenn es manches noch nicht kann, dann sicher bald.
Falls Sie ein Frühchen haben, dann wird es vermutlich mehr Zeit brauchen, bevor es all die Dinge kann, die Gleichaltrige bereits gelernt haben. Machen Sie sich keine Sorgen. Die meisten Ärzte veranschlagen bei Frühgeborenen das vorgesehene (nicht das tatsächliche) Geburtsdatum und berechnen danach die Fähigkeiten des Babys.
Die Entwicklung Ihres zehn Monate alten Babys
Die Entwicklung Ihres 12 Monate alten Babys

fast 11 Monate – erste Trotzphase?

Hallo,
mein kleiner Mann ist nun bald 11 Monate jung und seit 2 Wo ca. ist er irgwie wie ausgewechselt. Er testet jetzt schon seine Grenzen aus. Wenn er zB irgwo rangeht und ich sage NEIN dann wird er erstmal langsamer, dreht sich zu mir um, um zu gucken ob ich auch wirklich ihn meine und geht dann trotzdem ran. Nehm ich ihn dann weg, wird mit den Beinen gestrampelt und mit den Armen gewedelt, was das Zeug hält. Er dreht dann richtig auf, bockt vom feinsten, fängt sogar an zu kneifen oder auch nach mir zu schlagen. Wenn ich dann seine Arme festhalte, versucht er mit aller Macht, sich loszureißen. Setz ich ihn wieder auf den Boden geht er wieder daran, wo er nicht sollte. Wenn ich ihn windeln will und er es nicht möchte, bockt er so rum, dass er mich dabei anguckt und nochmal richtig Luft holt und noch einen drauf setzt. Wie soll ich das erklären? Es ist wie wenn ein Kleinkind sein Fuß auf den Boden stampft um seinen Willen durchzusetzen. Er schaut mich dabei auch immer richtig giftig an. Wenn wir essen und ich ihn füttere schlägt er mir auch schonmal den Löffel aus der Hand und freut sich wie Bolle wenn sein Essen auf seinem Tisch landet
Er kann aber auch richtig lieb sein. Gestern zB haben wir uns vormittag hingelegt weil er müde war und er ist sowas von lieb und ruhig eingeschlafen. Sonst ist er ein absoluter Wirbelwind (ich geb zu dass ich schon oft an ADHS gedacht habe ).
Und nun an die Mamas mit gleichaltrigen Kindern: habt ihr auch so eine Phase im Moment? Ist das normal dass die Kids sich jetzt schon so ihres Dickkopfes bewusst sind? Ich find das an manchen Tagen echt unerträglich, er macht zB seit diesen 2 Wo so gut wie keinen Mittagsschlaf mehr, obwohl wir an der Zeit und an dem Ritual nichts geändert haben.
Freue mich auf ein paar Antworten.
LG
nineeleven

„Mama, bitte tu mir das nicht an!“ Schlaflernprogramme Baby

Schlaflernprogramme Baby – was ist das genau?

Sogenannte Schlaflernprogramme für unsere Kleinsten gibt es einige. Meist handelt es sich hier um Bücher oder Ratgeber, die behaupten, dass man den Schlaf des Babys „trainieren“ kann und somit, wenn man die Anweisungen des Ratgebers genau befolgt, ganz bald ein selig schlummerndes, durchschlafendes Baby zu Hause hat. Doch kommt hier automatisch die Frage auf, ob diese Schlaflernprogramme nicht auf Kosten der Psyche des Babys gehen?

Die Ursprünge der Schlaflernprogramme Baby

Der Klassiker der umstrittenen Schlaflernprogramme Baby ist die sogenannte „Ferber-Methode“. Diese wurde nach dem Kinderarzt Dr. Richard Ferber benannt, der sein Schlaftraining in den 80er Jahren entwickelt hat.

Bekannt wurde das „Ferbern“ hierzulande durch das Buch „Jedes Kind kann Schlafen lernen“ von Annette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth. In diesem Buch stellen die Autoren die Hypothese auf, dass ein Baby spätestens mit sechs Monaten in der Lage ist, nachts elf Stunden am Stück ohne Mahlzeiten auszukommen. Eine andere Kernaussage ist, dass ein Baby möglichst frühzeitig lernen muss, allein in den Schlaf zu finden. Einschlafhilfen wie das Umhertragen oder Stillen führen nach Meinung der Autoren zur Gewöhnung und haben zur Folge, dass das Kind stets danach verlangen wird. Ebenso verpönt ist das Familienbett. Ein Kind solle möglichst schnell lernen, allein zu schlafen.

Wie soll das Baby mit einem Schlaflernprogramm zum besseren Schlaf gebracht werden?

Ziel der Schlaflernprogramme Baby ist, dass ein Baby „lernt“, ohne fremde Hilfe ganz allein ein- und durchzuschlafen. Hierzu wird es abends alleine und (ganz wichtig) wach in sein Bettchen gelegt. Die Autoren raten von häufigem Stillen ab. Ebenso empfehlen Sie, das Baby nicht sofort zu trösten, wenn es nachts weint, damit es lernt, sich selbst zu beruhigen.

Wird das Baby nachts wach, so soll man es nicht sofort füttern, sondern mindestens eine Stunde lang ablenken. Hierbei sind Einschlafhilfen wie Herumtragen oder ein Schnuller erlaubt (Einschlafhilfen, von denen im Buch ansonsten strikt abgeraten wird). Durch diese „Verzögerungstaktik“ soll dem Baby angewöhnt werden, ohne nächtliches Stillen oder Fläschchen auszukommen.

Der wahrscheinlich meist diskutierte Teil der Ferber-Methode ist jener, bei dem dem Baby angewöhnt werden soll, alleine einzuschlafen, indem man es schreien lässt und nur in kurzen, zeitlich genau begrenzten Abständen zu ihm geht. Dabei sollen sich die Zeiten, in denen das Baby alleine verbleibt, kontinuierlich verlängern.

Im Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ wurde die von Ferber vorgegebenen Zeiten leicht verändert und „abgeschwächt“. Die längste Zeit, die das Kind allein aushalten soll, umfasst bei Ferber eine halbe Stunde, während die maximale „Auszeit“ bei den Autoren Annette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth zehn Minuten beträgt. Nach „Jedes Kind kann schlafen lernen“ soll dieser Behandlungsplan bereits bei Babies ab einem halben Jahr anwendbar sein. Ferber sprach von einer Anwendung ab 12. Monate.

Kritik an der Ferber-Methode

Es ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit, auch meine Meinung zu diesen doch viel diskutierten Schlaflernprogrammen kundzutun. Sowohl als Mama einer kleinen Tochter, als auch aus meinem Beruf der Diplom Sozialpädaogin heraus.

Zunächst vorweg: Ich finde es erschreckend, dass sich Bücher wie „Jedes Kind kann Schlafen lernen“ noch immer solch großer Beliebtheit erfreuen. Und noch immer gibt es selbst Kinderärzte und Hebammen, die dieses Buch empfehlen.

Denn: Ein Schlaftraining ist eine reine Konditionierungsmassnahme und stammt ursprünglich aus der Verhaltenstherapie. Möchte ich wirklich, dass mein kleines, gesundes Baby „therapiert“ wird?

Es ist grausam. Die Eltern werden angehalten, quasi mit der Stoppuhr vor dem Kinderzimmer zu stehen und müssen ihr Baby immer länger allein schreien lassen. Zwischen den „Schreiphasen“ dürfen sie für wenige Minuten zu ihrem Kind gehen – nette Worten sind dann erlaubt, aus dem Bett heben und „richtig“ trösten jedoch nicht.

Diese Tortur wird solange (wenn nötig zwei Wochen) durchgezogen, bis das Kind alleine und ohne Protest einschläft. Doch dies ist kein Erfolg, wie einem das Buch gern suggerieren möchte. Das Baby schläft nicht ein, weil es „gelernt“ hat wie das geht – das Baby schläft ein weil es resigniert hat. Es hat gelernt, dass sein Schreien aus purer Verzweiflung nichts nützt, dass es nicht wahrgenommen wird. Es hat gelernt, dass „Mama und Papa mir nicht helfen“. Und so schläft es einen erschöpften und resignierten Schlaf.

Anbei einen Auszug aus dem Buch „Jedes Kind kann Schlafen lernen“ bei dem mir persönlich direkt ganz anders wird:

So wird z. B. von Pascal, 12 Monaten alt, berichtet, der sich „fünfmal hintereinander den Finger in den Hals steckte und erbrach“. Laut den Autoren benutze er „das Erbrechen als Mittel, um seinen Willen zu bekommen“. Dieses Verhalten müsse möglichst schnell abgewöhnt werden, denn „hätte er damit Erfolg gehabt, wäre die Versuchung groß gewesen, es auch in Zukunft auf diese Weise zu versuchen.“

Warum sollte man auf die Anwendung von Schlaflernprogrammen verzichten?

Babys wachen nachts oft auf. Das liegt in der Natur der kleinen Menschen. Zum einen benötigen Sie nachts noch Nahrung (ihr kleiner Magen ist gar nicht auf’s Durchschlafen ausgerichtet), zum anderen fühlen sie sich ohne die Nähe ihrer Eltern schrecklich schutzlos.

Natürlich ist es toll, wenn man ein Baby „erwischt“ hat, dass recht früh durchschläft. Welche Eltern freut das nicht. 😉

Es ist aber überhaupt nicht ungewöhnlich, wenn dies in den ersten Lebensjahren nicht der Fall ist. Und auch wenn Du oftmals schwarze Ringe unter den Augen hast – tu Deinem Schatz kein Schlaftraining an.

Schlaflernprogramme können schwere Folgen für die Seele Deines Babys haben. Ganz abgesehen von der Tortur, die auch Du durchmachen musst, um es durchzuhalten.

Schreien lassen schädigt nachweislich das Gehirn des Babys. Das Stresshormon Cortisol wird in hohen Mengen ausgeschüttet. Das „Verlassen werden“ verursacht einen großen, seelischen Schmerz.

Diese traumatischen Erfahrungen wirken sich stark auf das emotionale Empfinden des Kindes aus, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Depressionen, Angststörungen und stressbedingten körperlichen Erkrankungen führen kann.

Zudem erschüttert das Schreien lassen das Urvertrauen der kleinen Menschen. Dieses Urvertrauen ist für eine stabile Psyche und den Aufbau eines gesunden Bindungsverhaltens unabdingbar.

In einem Interview mit John Seabrook hat sich inzwischen sogar Dr. Ferber selbst mit Bedauern darüber geäußert, dass seine Thesen, von denen er sich mittlerweile sogar teilweise distanziert hat, immer noch soviel Zuspruch finden. Er sagt im Interview: „Ich wünschte, ich hätte diese Sätze nicht geschrieben. Sie stammen aus der herkömmlichen Literatur. Es sind Pauschalaussagen, die einfach nicht stimmen.“

Was kann ich stattdessen tun, um meinem Baby das Ein- und Durchschlafen zu erleichtern?

Auch wenn das vermutlich nicht das ist was Du als übermüdete, gestresste Mama gerade brauchst und hören magst: Habe Geduld!

Mache Dir immer wieder klar, dass Dein Kleines es momentan einfach nicht „besser kann“. Es möchte Dich nicht ärgern oder quälen. Es braucht einfach Deine Nähe.

Hier ist es sehr hilfreich, dass Du Deinem Baby diese Nähe zugestehst und ihm einfach das gibst was es braucht.

Dein Baby schläft tagsüber nicht abgelegt? Lass es nicht schreien, sondern mach das Beste draus! Schnapp Dir Dein Tragetuch oder Deine Babytrage und gib Deinem Kind die Sicherheit, die es offenbar gerade ganz besonders braucht.

Besonders empfehlenswert finden wir die Babytrage Manduca.

Eine große Hilfe für die Nacht: Lass Dein Baby in einer Babybucht oder mit seinem Babybettchen neben Eurem Elternbett schlafen. Dies beruhigt nahezu alle Babys ungemein und sie schlafen in der Regel länger am Stück als ganz allein.

Besonders überzeugt sind wir von der Babybucht Babybay.

Damit Dein Kleines gut in den Schlaf findet, sind auch Rituale fürs Zubettgehen besonders wichtig. Erwiesenermaßen kommen Kinder, bei denen beim Einschlafen die immer gleichen Rituale zur Anwendung kommen deutlich besser zur Ruhe.

Wir haben hier einige schöne miBaby-Ratgeber für Dich zusammengestellt, die Dir in genau diesen Punkten weiterhelfen sollen:

Schlaf Kindlein, schlaf – Der miBaby Ratgeber Babyschlaf gibt Dir Tipps

Perfekt gebettet – Wie die optimale Schlafumgebung fürs Baby gestalten?

Elterliche Nähe beim Schlafen ist wichtig – Der miBaby Ratgeber Familienbett, Babybucht und Co

„Baby, bitte schlaf endlich ein“… Die miBaby Checkliste Babyschlaf

Ein toller Ratgeber rund um das Thema sanftes Einschlafen ist auch das Buch „Ich will bei euch schlafen“ von Sibylle Lüpold. Es berichtet anschaulich von den Gefahren von Schlaflernprogrammen Baby und räumt auf mit den Mythen rund um das Thema „das Baby MUSS durchschlafen“.

Abstand von Schlaflernprogrammen zu nehmen lohnt sich – unser Erfahrungsbericht

Wie weiter oben bereits geschrieben, haben auch wir eine kleine Tochter, welche mittlerweile 2 Jahre alt ist. Sie kam 3,5 Wochen zu früh auf die Welt und war von Anfang an ein pflegeleichter kleiner Engel – solange sie nicht schlafen sollte. 😉

Das erste Lebensjahr verbrachte sie, wenn sie tagsüber müde wurde, in der Tragehilfe. Abgelegt schlief sie nicht. Also sind wir gelaufen und gelaufen und gelaufen, immer das Kind vor der Brust. 😉

Die ersten Monate schlief sie abends nur an der Brust ein – nach (ungelogen!) 2-3 Stunden Einschlafstillen. Dann durfte man sie ablegen und sie hat friedlich geschlummert.

Nach dieser Phase schlief sie nur „Gesicht an Gesicht“ mit ganz viel Körperkontakt ein. Also haben wir ihr diesen gegeben.

Dann folgte die Phase in der wir ca. 1h neben ihrem Bett saßen und „Händchen hielten“, bis sie eingeschlafen war.

Glaub mir wenn ich sage, dass auch ich (obwohl ich ja auch beruflich dies alles in der Theorie bereits wusste und gelernt hatte) wahnsinnig oft auf dem Zahnfleisch gekrochen bin. Und es sind auch nicht wenige Tränen (auf meiner Seite 😉 ) geflossen, weil ich einfach nicht mehr konnte.

Trotzdem haben mein Mann und ich uns entschieden, dass unsere Tochter niemals schreiend alleine einschlafen soll. Wir haben uns abgewechselt, wenn der eine mal zu erschöpft war und nicht mehr konnte.

Als unsere Maus circa 8 Monate alt war, begann sie von alleine ab und an durchzuschlafen. Seit sie circa 1 Jahr alt ist schläft sie nachts nahezu immer durch (es sei denn sie ist krank o.Ä.). Wir haben sehr schöne gemeinsame Schlafrituale, legen sie anschließend ins Bett und dann möchte unsere Tochter in der Regel, dass wir das Zimmer verlassen, damit sie schlafen kann (früher absolut undenkbar). Ein wahrer Traum!

Haltet durch, gebt Eurem Kind die Zeit, die es braucht und wendet keine Schlaflernprogramme an! Das Ergebnis lohnt sich!

Lea ist 11 Jahre alt und wohnt mit zwei jüngeren Brüdern bei ihren Eltern. Die Mutter arbeitet Teilzeit, der Vater ist beruflich engagiert und häufig ausser Haus. Auf den ersten Blick eine ganz normale Familie. Doch hinter der Fassade tobt ein Sturm. Nachdem es zwischen Mutter und Tochter schon öfter zu Spannungen kam, weigert sich Lea eines Morgens, zur Schule zu gehen.

Das gute Zureden der Mutter in den folgenden Tagen nützt nichts, Lea verhält sich weiterhin mürrisch und stur. Als die Mutter mit Handyentzug droht, artet der Streit aus in gegenseitigen Beschimpfungen, das Gekeife schwillt zum Gerangel. Versucht die Mutter Lea aus dem Haus zu ordern, schleudert ihr Lea ein „Fick dich, du Schlampe!“ entgegen und reisst sie plötzlich unvermittelt an den Haaren.

Die Gewaltdynamik, in der Lea und ihre Mutter stecken, kennt Britta Went gut. Die Paar- und Familientherapeutin beim Elternnotruf berät Mütter und Väter bei Erziehungsproblemen und Familienkonflikten. Zu Britta Went kommen Eltern, die psychische oder physische Gewalt durch ihre Kinder erfahren. Eine von zehn Familien sei betroffen, sagt die Expertin. Es gehe dabei nicht um Zweijährige, die in der Trotzphase stecken, oder um schnoddrige Ausfälligkeiten von 5-Jährigen – sondern um Kinder und Jugendliche, welche die Grenzen des normalen Familien-Tohuwabohus überschreiten. „Wenn ein 6-Jähriger wegen des Tablets, das ihm die Mutter nicht überlassen will, den Salzstreuer nimmt und droht, das Salz über dem Teppich auszukippen, und es prompt auch tut, kann das bei der Mutter massive Hilflosigkeitsgefühle auslösen“, sagt die Fachfrau.

Was genau unter Gewalt zu verstehen ist, ist zwar nicht so einfach zuzuordnen. Wenn aber bei den Eltern das Gefühl überhandnimmt, nicht mehr Kapitän des Familienschiffes zu sein, wenn sie beschimpft, bedroht, angespuckt und geschlagen werden, darf das nicht mehr unter kindliches Ungestüm oder jugendliche Hormonflutung abgebucht werden. Dann müssen Eltern handeln. Oft aber hapert es genau punkto Handlungsfähigkeit, viele Eltern sind wie gelähmt.

Keine Frage der Schicht

So dreht sich die Gewaltspirale meist hinter gut verschlossener Türe. Denn vom eigenen Kind mit Faustschlägen und Fusstritten traktiert zu werden, löst Scham- und Schuldgefühle aus. Viele Eltern zweifeln an ihrer Erziehung und negieren das Problem: „Sich einzugestehen, dass einem die elterliche Rolle zu entgleiten droht, ist schwierig“, sagt Went. Lieber schiebt man vor, das Kind sei krank, leide unter ADHS oder pubertärer Hypersensibilität.

Auch Leas Mutter erklärt der Lehrerin, ihre Tochter liege erkältet im Bett. Statt der Schulverweigerung auf den Grund zu gehen, igelt sich die Mutter ein und gerät so an zwei Fronten unter Druck. Vor der Schule will sie das Geheimnis des würdelosen Zustandes daheim wahren, und zu Hause steigt – parallel zur Ohnmacht der Mutter – die Macht des Kindes. In einem Wutanfall tritt Lea das Handy der Mutter kaputt.

Übermässig aggressives Verhalten der Kinder gegen ihre Eltern ist keineswegs eine Frage der Schichtzugehörigkeit. „Beim Elternnotruf Zürich melden sich Mittelschichtsfamilien, die Eltern agieren beruflich hochkompetent und besetzen gut bezahlte Stellen. Zu Hause aber haben sie Mühe, ihrer Elternrolle gerecht zu werden“, sagt Went.

Umso tabuisierter sind Übergriffe, wenn Eltern ihre Kinder auf Augenhöhe erzogen, ihnen alles geboten und auf vieles verzichtet haben. Vielleicht auch darauf, Grenzen zu setzen. Niemand will zurück zur schwarzen Pädagogik im Stil von Zucht und Ordnung. Die Schattenseite moderner Erziehung aber zeigt sich zuweilen in einer Rat- und Orientierungslosigkeit vieler Eltern. „Früher erhielt man bei Sorgen mit dem Nachwuchs Rat vom Pfarrer oder Arzt, und Frauen holten sich Erziehungsanleitung bei ihren Müttern“, sagt Went. Die Ratschläge entsprachen mehr oder minder einheitlichen Normen und Werten. Wo die Grenze unerwünschten Benehmens zu ziehen war, definierte die Gesellschaft. Das hat sich geändert. Die Deutungshoheit von „richtig“ und „falsch“ in der Erziehung liegt bei den Eltern, wobei sich viele im Dickicht von pädagogischen Konzepten verlieren.

Radio-SRF-Sendung zum Thema:

Ausraster beim Kind – so reagieren Eltern richtig

  • 1. In der akuten Situation geht es zunächst vorrangig darum, den Prozess zu stoppen: „Erziehen und darüber sprechen kann ich nachher“, sagt Ritzer-Sachs. Im Wutanfall zu diskutieren oder nach dem Warum zu fragen, ist sinnlos. Wenn überhaupt können Kinder meist erst mit zeitlicher Distanz Gründe für ihr Verhalten nennen.
  • 2. Auf den Countdown verzichten: „Ich zähle jetzt bis drei. Wenn du nicht aufhörst, dann…“ – Solche Aussprüche kommen meist aus der eigenen Hilflosigkeit heraus. Sie bewirken, dass die Wut des Kindes verstärkt wird, sagt Ritzer-Sachs. Der Grund: Man droht dem Kind, statt ihm in einer für es selbst nicht beherrschbaren Situation zu helfen. Besser wäre es, den Spross in den Arm zu nehmen oder abzulenken.
  • 3. Beruhigend wirken: In Momenten, in denen Kinder ausrasten, wächst auch in den Erwachsenen meist die Anspannung. Das kann dazu führen, dass Eltern emotional reagieren, hektisch werden, ungehalten und laut. Doch die eigene emotionale Reaktion kann die emotionale Intensität beim Kind erhöhen, schreiben die amerikanische Sozialarbeiterin Pat Harvey und die Lehrerin Jeanine A. Penzo in ihrem Buch „Hilfe, mein Kind rastet aus“. Wem es gelingt, trotz des Wutausbruchs seines Kindes selbst kontrolliert und ruhig zu bleiben, der kann meist den Gefühlsausbruch des Nachwuchses schneller beenden.
  • 4. Überraschung hilft: Tun Sie etwas, mit dem das Kind nicht rechnet. Das wird es derart verdutzen, dass es sehr schnell seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes als die Wut lenkt. „Singen Sie ein Lied oder setzen sie sich an der Supermarktkasse auf den Boden“, sagt der Experte der bke. Wichtig dabei: Tun Sie etwas, das zu ihnen passt. Nur dann sind Sie damit überzeugend.
  • 5. Alternativen zeigen: Wut braucht ein Ventil. Hefen Sie Ihrem Kind, indem Sie ihm zeigen, wie es seine Emotionen auch auf andere Weise loswerden kann: Zerfetzen Sie gemeinsam eine Zeitung oder reagieren Sie sich am Boxsack ab, raten die Erziehungsexperten. Hilfreich ist es, das gemeinsam zu tun. Damit signalisieren die Eltern, dass sie das Kind nicht in einer misslichen Lage allein lassen und pegeln ihre eigenen Emotionen ebenfalls herunter.
  • 6. Verzichten Sie auf Bestrafung: Oftmals sind Kinder wütend, weil sie das Gefühl haben, nicht gesehen zu werden. In einer solchen Situation Strafen auszusprechen, macht das ohnehin ohnmächtige Kind noch hilfloser. Angemessen können Konsequenzen hingegen sein, wenn Kinder jedes Maß überschreiten und beispielsweise Gegenstände zerstören.
  • 7. Belohnen Sie Wut nicht: Zu den Klassikern zählt der Ausraster an der Supermarktkasse, weil der Nachwuchs etwas Süßes will. Falsches Signal: Schnell etwas Leckeres kaufen, damit die angespannte Situation in der Öffentlichkeit aufhört, sagt Bushuven. Bessere Lösung: In ruhigem Ton sagen, dass man noch was Süßes zu Hause hat und wenn der Einkauf jetzt schnell beendet werden kann, dort etwas Leckeres wartet.

Thema: Baby schreit abends so schlimm..

Zitat von 26.11.07Ja was sol ich sagen, die meisten Babys haben das Problem!
Er ist müde und kann nicht Einschlafen, weil er total Überreitzt ist!
Versuche den Tag Geregelt und ruhig zu gestalten und vor allem Abends mit einem Ritual und noch mehr Ruhe!
Versuch doch mal den richtigen Zeitpunkt abzuschätzen wenn er müde wird, leg in sofort ins Bett ohne großartiges Tam Tam!
Kein geschaukel oder Licht oder sonstwas!
Vor dem Fläschen vielleicht nochmal Spazieren gehen? Frische Luft macht müde!
Ansonsten wünsch ich viel Glück ! Das abendliche Schreien kann viele Ursachen haben. Zum einen die vielen neuen Reize, die das Kind tagsüber hat, und abends verarbeitet werden wollen. Das Gehirn eines so kleinen Menschen ist ja im Prinzip wie eine völlig leere Festplatte mit riesengroßem Arbeitsspeicher, passt also eine Menge drauf! Zum anderen kann es sich aber auch um die berüchtigten „Dreimoantskoliken“ handeln, die das Baby schreien lässt. Auch die stellen sich gerne gegen Abend ein. Bei beidem hilft vor allem eins: Baby in den Arm nehmen! Wärme hilft gegen die Ängste des kleinen Babies vor der noch fremden Welt, und ganz nebenbei auch gegen Blähungen im Bauch. Praktische Helfer bei Koliken sind zudem: Wärmefläschchen, oder warmes Kirschkernkissen, und aus der Apotheke SAB-Simplex Tropfen (ca 7 Euro), die lösen das Blubbern im Bauch auf. Oder Kümmelzäpfchen (ca. 10 Euro)
Bei beiden Ursachen hilft es außerdem, den Zeitpunkt abzupassen, BEVOR es wieder losgeht, um mit der kleinen Maus z. B. spazieren zu gehen. Oder die Tropfen zu geben. Manche Babies beruhigen sich am ehesten, wenn man sie fest einpackt (sog. „pucken“) so dass sie sich kaum noch bewegen können, weil sie sich dann wieder wie im Bauch geborgen fühlen.
Wenn ihr Euch unsicher seid, würde ich zudem zum Kinderarzt gehen um auszuschließen, dass wirklich nichts ernsthaftes vorliegt. Mit der Bestätigung des Arztes kann man mit dem Schreien vor allem besser umgehen und ist nicht mehr so unsicher.
Leider hat die Natur es so eingerichtet, dass Babies in den ersten Wochen als einziges Kommunikationsmittel das Schreien haben. Das darf man dabei nicht vergessen. Trotzdem kommt man sich als Eltern dabei manchmal vor, als ob es das Baby bös mit einem meint, was natürlich Unsinn ist. Aber man muss sich das trotzdem immer mal wieder vor Augen halten. Welche Ursache auch das Schreien haben mag: wichtig ist, dass dann beide Eltern da sind. Unser Sohnemann hat in den ersten Wochen so manches Mal unsere Ohren bis kurz vorm Tinnitus strapaziert. Es war unheimlich gut, dass wir Eltern uns dann abwechseln konnten: „Wenn Du nicht mehr kannst, sag Bescheid, ich mach Dir schon mal einen Tee!“ Und wer abgelöst wird, geht dann am besten mal kurz raus, eine Runde an die frische Luft. Das hilft, damit besser umzugehen, und wieder Kraft zu tanken, bevor man wirklich verzweifelt. Und dann kann man das Ganze auch wieder mit gegenseitigem Humor nehmen, denn auch das ist wichtig für alle Beteiligten – für die Eltern, damit die sich nicht auch noch gegenseitig Vorwürfe machen oder streiten, und für das Baby, weil es sich bei Eltern, die Sicherheit und Ruhe geben können, geborgen fühlt.

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