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Gefährlicher Keuchhusten: Erkrankte Babys müssen nicht zwangsläufig husten

Eltern sollten wissen, dass manche Babys mit Keuchhusten (Pertussis) überhaupt nicht husten. Stattdessen leiden infizierte Babys oft unter Luftnot, sodass sich ihre Lippen blau verfärben können.

„Während Kleinkinder und jüngere Kinder mit Keuchhusten einen Husten mit dem typischen Keuchen und „Bellen“ sowie anschließendem Erbrechen entwickeln, können Säuglinge mit einem geröteten Gesicht nach Luft schnappen und bei besonders schlimmen Anfällen sogar für ein paar Sekunden mit dem Atmen aufhören“, erklärt Dr. Hermann Josef Kahl, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Für Neugeborene in den ersten Lebensmonaten ist der hochansteckende Keuchhusten besonders gefährlich. Die meisten Säuglinge müssen bei einer Infektion im Krankenhaus behandelt werden. Im Jahr 2016 starben drei Säuglinge an den Folgen von Keuchhusten, 714 Säuglinge erkrankten daran. Als es in Deutschland noch keine Impfung gegen Keuchhusten gab, kostete diese „Kinderkrankheit“ jährlich etwa 10.000 Säuglingen das Leben. Keuchhustenbakterien werden über die Luft übertragen, beispielsweise beim Sprechen, Niesen oder Husten (Tröpfcheninfektion).

Bis Babys einen vollständigen Impfschutz haben, sind sie darauf angewiesen, dass die Menschen in ihrer Umgebung geimpft sind. „Jeder, der mit Säuglingen Kontakt hat, sollte immunisiert sein! Wichtig ist, dass die Impfung regelmäßig aufgefrischt wird. Nach der Grundimmunisierung, die im Rahmen der Sechsfachimpfung, durch vier Teilimpfungen erfolgt – die erste mit zwei, die zweite mit drei, die dritte mit vier und die vierte mit etwa 11 bis 14 Monaten – sollten Kinder mit der Einschulung mit etwa fünf bis sechs Jahren und dann ab etwa neun Jahren eine Auffrischung erhalten. Erwachsene benötigen mindestens alle 10 Jahre wieder einen Schutz. „Besonders tückisch ist, dass bei Erwachsenen und Jugendlichen Keuchhusten meist nicht so heftig ausfällt und mit einem länger anhaltenden Husten verwechselt werden kann. So können Erkrankte, ohne es zu wissen, Babys mit dem für sie gefährlichen Husten anstecken“, warnt Dr. Kahl.

In Deutschland – besonders bei Jugendlichen und Erwachsenen – und auch weltweit nehmen Pertussis-Erkrankungen seit vielen Jahren zu.

Die Infektion dauert in der Regel vier bis sechs Wochen, kann sich aber auch Monate hinziehen. In China ist Pertussis deshalb als „100-tägiger Husten“ bekannt. Nur im Frühstadium lässt sich Keuchhusten gut mit Antibiotika behandeln.

Die Kombinationsimpfung gegen Keuchhusten (Pertussis)

Damit Ihr Kind möglichst frühzeitig eine vollständige Impfserie gegen Keuchhusten erhält, sollte die Impfung nicht später als angegeben erfolgen. Die Grundimmunisierung besteht aus vier Teilimpfungen:

  • Die erste Impfung erfolgt ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat (ab der 9. Woche).
  • Die zweite Impfdosis bekommt das Kind mit vollendetem dritten Lebensmonat.
  • Die dritte Impfdosis erfolgt ab dem vollendeten vierten Lebensmonat.
  • Die letzte Teilimpfung wird am Ende des ersten Lebensjahres gegeben (11.-14. Lebensmonat).

Die Impfung soll dann im Alter von fünf bis sechs Jahren und im Alter von neun bis 17 Jahren aufgefrischt werden. Im Erwachsenenalter soll einmalig in Kombination mit der nächsten fälligen Auffrischung gegen Tetanus und Diphtherie geimpft werden. Ein Einzelimpfstoff gegen Keuchhusten steht nicht zur Verfügung.

Die STIKO empfiehlt vor allem auch allen Frauen mit Kinderwunsch sowie engen Kontaktpersonen von Säuglingen eine Impfung, um eine Gefährdung des Neugeborenen zu verhindern.

Im Rahmen der Grundimmunisierung gegen Keuchhusten werden Säuglinge üblicherweise mit einem Sechsfachimpfstoff geimpft. Bei dieser Impfung wird außer gegen Keuchhusten gleichzeitig auch gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Polio (Kinderlähmung), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B geimpft.

Bitte sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt über eignete Impftermine. Viele Impfungen können im Rahmen der U-Untersuchungen (Früherkennungsuntersuchungen) gegeben werden.

Die Impfung muss nur dann verschoben werden, wenn das Kind eine schwere, behandlungsbedürftige Erkrankung hat.

Mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen des Sechsfachimpfstoffs

Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. Als sehr häufige Impfreaktion kommt es durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe ebenfalls an. Ebenso können Allgemeinsymptome wie beispielsweise Frösteln, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Reizbarkeit oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Hohes Fieber ab 39°C ist häufig, ebenso Infektionen der oberen Atemwege (Bronchitis). Solche Impfreaktionen klingen in der Regel ein bis drei Tagen nach der Impfung wieder ab.

Nebenwirkungen sind sehr selten. In Einzelfällen, d.h. bei weniger als einem von 10.000 Geimpften, kann es bei Säuglingen und jungen Kleinkindern im Zusammenhang mit einer Temperaturerhöhung zu einem Fieberkrampf (in der Regel ohne Folgen) kommen. Als weitere seltene Nebenwirkung, die sich schnell und folgenlos wieder zurückbildet, wurde ein kurzzeitiger schockähnlicher Zustand („hypoton-hyporesponsive Episode; HHE“), in dem die Muskeln des Kindes erschlaffen und es nicht ansprechbar ist, beobachtet.
Allergische Reaktionen auf Bestandteile des Impfstoffs sind möglich.

Je nach verwendetem Kombinationsimpfstoff können etwas andere Impfreaktionen oder Nebenwirkungen auftreten, die Unterschiede sind jedoch nicht groß.

Einem wenige Wochen alten Baby bei einer Keuchhustenattacke zuzusehen, ist herzzerreißend. Verweinte Augen, das Gesicht leicht blau, schüttelt der krächzig-trockene Husten den kleinen Körper durch. Wieder und wieder. Rebecca Harreman zeigt eine solche Attacke ihres kleinen Sohnes auf ihrer Facebookseite. „Ich bin so müde. Ich kann seit drei Wochen kaum noch schlafen, weil ich Angst habe, mein Baby könnte ersticken“, schreibt die Australierin dazu. Mit dem Video möchte sie andere Mütter überzeugen, sich selbst und ihre Kinder impfen zu lassen.

Denn der Keuchhusten, auch Pertussis genannt, ist auf dem Vormarsch – nicht nur in Australien. Seit der Jahrtausendwende hat sich nach Daten des Berliner Robert-Koch-Instituts auch in Deutschland die Zahl der gemeldeten Pertussis-Infektionen fast verdreißigfacht – in der vergangenen Saison waren es fast 15 000 Fälle, 400 davon betrafen Unter-Einjährige. Die Dunkelziffer dürfte noch um einiges höher liegen, vermuten Experten.

Bedrohlich ist Keuchhusten vor allem für Kinder. Erstickungsanfälle und sogar Gehirnentzündungen können die Folgen sein. Zwar gibt es eine schützende Impfung, zugelassen ist diese aber erst ab dem dritten Lebensmonat. „Das heißt, es gibt bei jedem Kind ein gefährliches Fenster von mindestens acht Wochen“, sagt Philipp Henneke, der Leiter der Pädiatrischen Infektiologie der Uniklinik Freiburg. In diesem Zeitraum steht das zwar ausgereifte, aber völlig untrainierte Immunsystem des Säuglings dem Bakterium fast wehrlos gegenüber.

Kokon-Strategie klappt nicht

Es ist genau dieses Zeitfenster bis zur Impfung, das den Medizinern zunehmend Sorgen macht. Bisher versuchten Ärzte, dem Problem mit einer sogenannten Kokon-Strategie zu begegnen. Das Neugeborene wurde in eine pertussisgeschützte Umgebung eingehüllt. Mutter, Vater, Großeltern und Geschwister impften sich nach und fielen damit, so das Kalkül, als potenzielle Überträger aus. Diese Strategie scheint aber nun in mehrfacher Hinsicht gescheitert: Zum einen lässt sich trotz intensiver Informationskampagnen insgesamt nur jedes fünfte Familienmitglied impfen. Zum anderen scheinen zumindest jüngere Geschwister den Keim weiterreichen zu können – auch wenn sie selbst geimpft sind und nicht an dem Keim erkranken. Das berichteten US-Wissenschaftler kürzlich in der Fachzeitschrift Pediatrics.
Auch die Ständige Impfkommission, kurz Stiko, die in Deutschland den offiziellen Impfkalender erarbeitet, hat das Keuchhusten-Problem im Blick. Wie das langjährige Stiko-Mitglied Fred Zepp berichtet, habe man über eine ganz neue Lösung diskutiert. Sie sieht vor, nicht nur Kinder, sondern auch Schwangere gegen Pertussis zu impfen.

In den USA wird diese Methode bereits breit angewandt. Und auch für andere Keime wie die gefürchteten Erreger der Neugeborenen-Blutvergiftung, die B-Streptokokken, und für RS-Viren, Verursacher einer asthmaartigen Atemwegs-Infektion beim Kleinkind, werden bereits sogenannte maternale Impfstoffe für Schwangere zum Schutz des Neugeborenen getestet.

Eigentlich hat die Natur für das Problem nämlich schon längst eine Lösung parat: den Nestschutz. In den letzten acht Wochen vor der Geburt, erläutert der Freiburger Experte Henneke, pumpe die Mutter schützende Antikörper in das Blut ihres ungeborenen Kindes.

Dank dieses geliehenen Vorrats an antibakterieller Munition hat das kindliche Immunsystem sechs Monate Zeit, sich selbst auf die neuen mikrobiologischen Gefahren einzustellen. Beim Pertussisbakterium jedoch, das konnten Wissenschaftler zeigen, scheint dieser Mechanismus inzwischen nicht mehr richtig zu funktionieren. Heute haben die meisten Frauen zu wenig Antikörper im Blut, um sie an das Kind in ausreichender Dosis weiterzureichen.

Bei älteren Kindern selten

Der Grund: Der Keuchhusten ist dank der Impfprogramme bei älteren Kindern vergleichsweise selten geworden. Das Immunsystem von Frauen im gebärfähigen Alter hat deshalb nur noch selten Anlass, Antikörper nachzubilden. „Ohne solche Trainingseinheiten ist der Immunitätsschutz aber spätestens nach acht bis zehn Jahren verschwunden – egal, ob geimpft oder früher selbst erkrankt“, erläutert Stiko-Experte Fred Zepp, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Universität Mainz. Studien zeigen jedoch: Werden die Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel noch einmal gegen Keuchhusten geimpft, wacht der Körper sozusagen auf und rüstet das Kind mit genügend Antikörpern aus.

Ähnliches, hoffen viele Kinderärzte, könnte auch bei einem anderen gefährlichen Keim funktionieren: den B-Streptokokken. Sie werden während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen. Pro Jahr steckt sich hierzulande etwa eines von tausend Neugeborenen mit diesen Bakterien an – und rund jedes hundertste Frühgeborene.

Bei manchen der betroffenen Kinder verteilen sich die Keime innerhalb der ersten zwei Lebenstage im Blut und verursachen ein tödliches Multiorganversagen. Bei anderen verstecken sich die Bakterien ein paar Tage bis Wochen im Körper und besiedeln erst später die Blutbahn, oft auch die Gehirnhaut. „Für jedes zehnte Kind endet die Infektion tödlich. Selbst unter den Überlebenden tragen die allermeisten schwere bleibende Schäden davon“, warnt Reinhard Berner, Direktor der Kinderklinik der Universität Dresden.

Strategie gegen Streptokokken

Der gefährlichen Infektion ließe sich vorbeugen. Schwangere, die den Keim in sich tragen – und das ist jede dritte Frau – sollen präventiv mit einem Antibiotikum behandelt werden. Allerdings wird die Prophylaxe tatsächlich nur in einem Drittel der Fälle gegeben und sie verhindert auch nicht die Spätinfektionen.
Mit einer Impfung der Schwangeren ließe sich dieses Problem beheben, hoffen Kinderärzte. Denn als wahrscheinliche Ursache der Infektion gilt, dass manche Frauen aus genetischen Gründen gar nicht in der Lage sind, die entsprechenden Antikörper zu bilden und ihr Kind zu schützen. „Mit einem B-Streptokokken-Impfstoff“, erläutert Berner, „könnte man die Abwehrzellen der Mutter nachschulen und dadurch im Kind ausreichende Antikörperspiegel erzeugen.“ Einen vielversprechenden Impfstoffkandidaten hat die Firma GSK bereits entwickelt. Was zu seiner Zulassung noch fehlt, ist eine große klinische Studie, in der das Vakzin seine Wirksamkeit endgültig belegt.

Ebenfalls im klinischen Test, wenn auch in einer früheren Phase, befindet sich der maternale Impfstoff der Firma Novavax gegen das RS-Virus, einen Erreger von Atemwegserkrankungen. Der Impfstoff gegen die Grippe wird dagegen schon seit fünf Jahren von der Stiko auch Schwangeren empfohlen. Studien haben mehrfach gezeigt, dass er sowohl bei der angehenden Mutter als auch beim Neugeborenen Krankenhausaufenthalte und Todesfälle verhindern kann. Aber sein Beispiel zeigt zugleich, dass eine neue Impfung allein oft nicht die Lösung ist: „Gerade in der Schwangerschaft ist das Thema Impfen oft mit großen Ängsten besetzt“, sagt der Freiburger Henneke. Drei von vier Schwangeren bleiben auch weiterhin gegen Influenza ungeimpft.

Pertussis

Keuchhusten (Pertussis) ist sehr ansteckend und wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, also z.B. beim Anhusten – auch über mehrere Meter – oder ungewaschene Hände. Keuchhustenbakterien finden sich überall, in Schulen, Kindergärten und Kinderkrippen. Nur jeder Fünfte Angesteckte wird tatsächlich krank, übertragen kann er die Keime dennoch.

Die symptomlose Inkubationszeit dauert 7-10 Tage, mitunter sogar bis zu drei Wochen. Nach der ersten Inkubationswoche besteht schon Ansteckungsgefahr.

Die ersten Symptome sind erkältungsähnlich, manchmal mit Heiserkeit und leichtem Fieber. Sie dauern etwa ein bis zwei Wochen. In diesem Stadium sind die Kinder extrem ansteckend! Wenn in der Nachbarschaft, im Kindergarten oder in der Schule Fälle von Keuchhusten auftreten, sollten Sie Ihr Kind sofort untersuchen lassen, da die Erkrankung meist zur Epidemie wird. Ihr Kinderarzt, Ihre Kinderärztin kann den Keuchhusten schon im Frühstadium mit einem Nasen-Rachenabstrich eindeutig feststellen.

Charakteristisch für die Krankheit sind die danach auftretenden heftigen, abgehackten Hustenanfälle (Stickhusten oder Stakkatohusten) mit weit herausgestreckter Zunge und Würgereiz. Die Einatmung ist dann deutlich hörbar, wie ein Keuchen oder Juchzen. Erstickungsanfälle sind häufig, weil das Kind zwischendurch nicht einatmet. Das Gesicht kann blau anlaufen. Die erschöpfenden und beängstigenden Anfälle können bis zu 50-mal pro 24 Stunden – am schlimmsten nachts – auftreten. Nach mehreren Anfällen würgt das geplagte Kind zähen Schleim hoch und erbricht dabei auch leicht Mageninhalt. Die Augen sind rot und tränen. Vor allem bei Neugeborenen und Säuglingen treten anstelle der Hustenattacken lebensbedrohliche Atempausen auf. Hierdurch kann ein akuter Sauerstoffmangel im Gehirn entstehen. Dauerhafte Hirnschädigungen können die Folge sein.

Im allgemeinen dauert dieses Anfallstadium des Keuchhustens 3 – 4 Wochen. Der Husten kann noch länger anhalten („Hundert-Tage-Husten“), ist jedoch nicht mehr ansteckend. Komplikationen sind Lungenentzündung, Krämpfe und gelegentlich bleibende Schädigungen des Gehirns. Keuchhusten kann ein Auslöser von Asthma sein.

Bei dieser Infektionskrankheit gibt es keine lebenslange Immunität und deshalb normalerweise auch keinen Nestschutz für den Säugling. Diese so genannte Leihimmunität hält je nach Krankheitserreger unterschiedlich lange an – beim Keuchhusten lässt sie schon relativ bald nach, d.h. spätestens 10 Jahre nach der Erkrankung oder Impfung der Frau. Normalerweise kann eine Schwangere also keinen Keuchhusten-Nestschutz weitergeben, weil sie entweder keinen Keuchhusten gehabt hat (und wenn dann vor mehr als 10 Jahren) oder die Impfung schon mehr als 10 Jahre zurückliegt.

Keuchhusten gefährdet deshalb vor allem Säuglinge, die besonders schwer erkranken und daran sogar sterben können. Deshalb sollten Kinder im ersten Lebensjahr bei Keuchhusten am besten in einem Kinderspital mit einem Monitor überwacht werden. Atempausen können eine verminderte Sauerstoffversorgung des Gehirns, Bewusstseinstrübung und Krampfanfälle zur Folge haben. Zumindest sollten Sie aber das Kind neben dem Elternbett schlafen lassen, damit Sie bei einem Anfall rasch helfen können.

Keuchhusten kommt in der Schweiz noch recht häufig, sogar mit vereinzelten Todesfällen, vor. Bei dem grossen Ausbruch 1994/1995 waren schätzungsweise 46.000 Menschen erkrankt. Durch eine Impfung kann man den Keuchhusten bei Kindern heute verhindern oder zumindest sehr stark abschwächen. Bei Säuglingen in den ersten Lebenswochen, die noch nicht geimpft werden dürfen, kann die Leihimmunität/der Nestschutz durch eine Impfung in der Spätschwangerschaft (27.-36. Schwangerschaftswoche) sichergestellt werden. Ein neuer Impfstoff, der nur noch einzelne Teile des Keuchhustenbakteriums enthält (azellulärer Impfstoff), hat im Gegensatz zum früher üblichen Impfstoff kaum noch Nebenwirkungen.

Alles über die Pflege und Behandlung eines keuchhustenkranken Kindes

Häufige Frage zum Thema

Ist es für den Nestschutz egal, ob die Mutter die Krankheit selbst durchgemacht hat oder ob sie „nur“ dagegen geimpft ist?

Oft hört man die Aussage, dass Frauen, die eine Erkrankung selbst durchgemacht haben, ihren neugeborenen Kindern mehr Abwehrstoffe gegen Infektionen (Nestschutz) mitgeben als geimpfte Mütter.

Für Masern, Mumps und Röteln trifft das nachgewiesenermassen zu. Eine Impfung gegen diese Erkrankungen…

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Newsticker

Keuchhusten wird erwachsen: Keuchhusten (Pertussis) ist keine Kinderkrankheit mehr – das Durchschnittsalter der Erkrankten ist auf 42 angestiegen. Viele Erwachsene haben keinen oder einen lückenhaften Impfschutz. Und: Keuchhusten wird bei Erwachsenen seltener diagnostiziert. Experten gehen davon aus, dass bis zu 20 % aller Erwachsenen, die länger als eine Woche husten, unter einer Keuchhusteninfektion leiden. Erwachsene gelten daher als häufigste Ansteckungsquelle für noch ungeimpfte Babys und Kleinkinder, bei denen eine Infektion zu lebensbedrohlichem Atemstillstand führen kann. Nestschutz gibt es nicht, eine Schutzimpfung ist erst ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat möglich. Enge Kontaktpersonen sollten unbedingt ihren Impfschutz überprüfen.(swissmom Newsticker, 9.11.15)

Keuchhusten-Impfung in der Schwangerschaft: Keuchhusten (Pertussis) kann bei Säuglingen lebensbedrohlich sein, deshalb sollte bei ihnen sofort nach Vollendung des zweiten Lebensmonats die Impfung begonnen und zeitgerecht fortgeführt werden. Doch manche Kinder stecken sich bereits in der Neugeborenenzeit an. Nun gibt es Überlegungen, schon Schwangere zu impfen, damit sie ihrem Neugeborenen in den kritischen ersten Wochen den Nestschutz durch ihre Antikörper weitergeben können. Eine US-Studie beweist: Die Keuchhusten-Impfung bei werdenden Müttern ist sicher, die Rate von Nebenwirkungen ist nicht erhöht. Vor einer Geburt sollte zudem der Keuchhusten-Schutz bei allen Kontaktpersonen und Betreuern des Kindes überprüft werden. (swissmom Newsticker, 29.3.16)

Letzte Aktualisierung : 06-11-19, BH

Keuchhusten (Pertussis): Hochansteckend und langwierig

Letzte Änderung: 22.08.2019
Verfasst von Astrid Clasen • Medizinredakteurin
Geprüft von Dr. Sandra Overmann • Kinderärztin Dieser Artikel wurde nachNach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst.

Unsere Inhalte basieren auf fundierten wissenschaftlichen Quellen, die den derzeit anerkannten medizinischen Wissensstand widerspiegeln. Wir arbeiten eng mit medizinischen Experten zusammen.

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Keuchhusten (Pertussis) ist längst keine Kinderkrankheit mehr: Zunehmend sind Jugendliche und Erwachsene betroffen. Denn wer zwar als Kind immunisiert wurde, aber keine Auffrischimpfung erhält, ist nicht mehr ausreichend geschützt.

© iStock

Inhaltsverzeichnis

  • Überblick
  • Symptome
  • Ursachen
  • Diagnose
  • Behandlung
  • Verlauf
  • Vorbeugen
  • Quellen

In Deutschland tritt Keuchhusten am häufigsten im Herbst und Winter auf. Grundsätzlich kann Pertussis aber in jeder Jahreszeit ausbrechen.

Was ist Keuchhusten?

Keuchhusten ist eine akute, durch das Bakterium Bordetella pertussis hervorgerufene Infektionskrankheit der Atemwege. Kennzeichnend für die Erkrankung sind Hustenanfälle. Bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten können jedoch auch Atempausen auftreten, die manchmal lebensbedrohlich sind.

Keuchhusten ist sehr ansteckend und gilt seit dem 29.3.2013 als meldepflichtige Erkrankung. Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) zu melden sind:

  • der Verdacht auf Pertussis,
  • die Erkrankung selbst,
  • der Tod durch Pertussis sowie
  • (bei Hinweisen auf eine akute Infektion) der direkte oder indirekte Nachweis der Erreger.

Außerdem sind Leitungen von Gemeinschaftseinrichtungen (v.a. von Einrichtungen mit Säuglingen und Kleinkindern) dazu verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt sofort über Keuchhusten-Fälle zu informieren.

© iStock Bei Neugeborenen ist Keuchhusten eine schwerwiegende Erkrankung.

Keuchhusten (Pertussis): Symptome

Bei Keuchhusten (Pertussis) halten die Symptome meistens wochen- bis monatelang an. Dabei kann man anhand der auftretenden Krankheitszeichen drei Stadien unterscheiden:

  • erkältungsartiges Stadium
  • Anfallsstadium
  • Erholungsstadium

Erkältungsartiges Stadium (Stadium catarrhale)

Im ersten Stadium von Keuchhusten ähneln die Symptome einer Erkältung. Entsprechend bezeichnet man es als erkältungsartiges Stadium (bzw. Stadium catarrhale) der Pertussis. Zu den typischen Anzeichen gehören:

  • Niesen
  • Schnupfen
  • manchmal Heiserkeit
  • leichtes Fieber
  • leichter Husten, der nach und nach in Krampfhusten übergeht
  • manchmal Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Das Stadium catarrhale dauert etwa ein bis zwei Wochen an. In dieser Zeit ist Keuchhusten besonders ansteckend. Ein gewisses Ansteckungsrisiko kann aber noch bis zu drei Wochen nach Beginn des nächsten Stadiums bestehen.

Anfallsstadium (Stadium convulsivum)

Im zweiten Stadium treten die für Keuchhusten namensgebenden Symptome auf: Hustenanfälle mit anschließendem Keuchen beim Einatmen. Dieses Anfallsstadium (bzw. Stadium convulsivum) der Pertussis kann drei bis sechs Wochen andauern. Die Hustenanfälle klingen erst nach mehreren Wochen langsam ab.

Die für Keuchhusten typischen Hustenanfälle treten vor allem bei Kindern auf. Dabei husten sie mit vorgestreckter Zunge mehrfach schnell hintereinander (Stakkatohusten). Oft atmen sie anschließend keuchend oder juchzend ein.

Das keuchende Geräusch am Ende eines Hustenanfalls tritt bei etwa jedem zweiten Kind mit Keuchhusten im Stadium convulsivum auf. Es entsteht durch das plötzliche Einatmen gegen die geschlossenen Stimmlippen (Glottis).

Neben dem typischen Keuchhusten sind im Stadium convulsivum folgende Symptome möglich:

  • zäher, glasiger Auswurf
  • Erbrechen des hochgewürgten Auswurfs
  • nächtliche Häufung der Beschwerden
  • selten Fieber

Je nach Alter können die bei Keuchhusten auftretenden Symptome aber unterschiedlich ausfallen.

Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen macht sich oft nur durch lang anhaltenden, trockenen Husten bemerkbar, ohne dass es zum Stadium convulsivum kommt.

Auch Keuchhusten beim Baby entspricht nicht immer dem typischen Bild des Stadium convulsivum. In den ersten Lebensmonaten verläuft die Pertussis allerdings häufig besonders schwer: Die Hustenanfälle sind zwar oft weniger stark, es können aber Atemstillstände (Apnoen) auftreten. Außerdem können gerade Babys mit Keuchhusten eher Komplikationen entwickeln, wie:

  • Lungenentzündung
  • Mittelohrentzündung
  • Entzündung des Gehirns mit Krampfanfällen

Erholungsstadium (Stadium decrementi)

In der letzten Phase von Keuchhusten schwächen sich die Symptome langsam immer weiter ab. Dieses Erholungsstadium (bzw. Stadium decrementi) der Pertussis bezeichnet man auch als Rekonvaleszenzstadium (lat. convalescere = kräftig werden, erstarken). Es dauert etwa sechs bis zehn Wochen.

Keuchhusten (Pertussis): Ursachen

Erreger

Keuchhusten (Pertussis) entsteht durch das Bakterium namens Bordetella pertussis. Dieser Erreger kommt nur beim Menschen vor. Er vermehrt sich auf den Schleimhäuten der menschlichen Atemwege und setzt unter anderem ein spezifisches Gift frei: das Pertussis-Toxin (PT). Dieses Bakteriengift verursacht die Krankheitssymptome:

  • Es zerstört die Schleimhäute,
  • schädigt umliegendes Gewebe und
  • schwächt die Abwehrkräfte.

Zwei andere Bakterien namens Bordetella parapertussis und Bordetella holmesii können Symptome verursachen, die dem Keuchhusten ähneln. Erkrankungen durch diese Erreger sind jedoch in der Regel milder und kürzer als Pertussis. Bordetella parapertussis kann neben dem Menschen auch Schafe infizieren.

Ansteckung

Keuchhusten überträgt sich durch Tröpfcheninfektion. Die Ansteckung geschieht also über winzige Tropfen, in denen die Krankheitserreger enthalten sind und die – zum Beispiel durch Niesen oder Husten – aus den Atemwegen der Infizierten in die Luft gelangen. Auch beim Küssen und über gemeinsam genutztes Geschirr oder Besteck kann sich Bordetella pertussis verbreiten.

Keuchhusten ist sehr ansteckend: Fast alle nicht geimpften Menschen, die mit dem Bakterium Bordetella pertussis in Kontakt kommen, erkranken daran.

Doch wer einmal Keuchhusten hatte oder ausreichend geimpft wurde, ist anschließend mehrere Jahre lang immun dagegen. Der Schutz vor einer erneuten Ansteckung hält aber nicht lebenslang an, sodass eine Auffrischimpfung gegen Pertussis sinnvoll ist.

Keuchhusten trotz Impfung übertragen – geht das?

Ja: Wenn sich ausreichend geimpfte Menschen Bordetella pertussis einfangen, sind sie selbst zwar weitgehend vor Keuchhusten geschützt. Jedoch können sie für kurze Zeit den Erreger trotz Impfung weiterverbreiten.

Inkubationszeit

Bei Keuchhusten beträgt die Inkubationszeit (d.h. die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome) etwa 7 bis 20 Tage. Im Anschluss an die Inkubationszeit ist das Risiko, andere anzustecken, am höchsten; nach der 6. Erkrankungswoche sinkt das Ansteckungsrisiko langsam.

Keuchhusten (Pertussis): Diagnose

Meist kann man Keuchhusten (Pertussis) bereits anhand der typischen Symptome erkennen. Im Anfangsstadium der Erkrankung bietet sich außerdem ein Rachenabstrich an, um den Erreger Bordetella pertussis unter geeigneten Bedingungen anzuzüchten (d.h. eine Kultur anzulegen) und so nachzuweisen. Allerdings gelingt dieser Nachweis im Labor nicht immer, da der Erreger sehr empfindlich ist.

Ein sehr aufwendiges und teures Verfahren zur Diagnose von Keuchhusten ist die Polymerase-Kettenreaktion (PCR): Die Methode besteht darin, aus einer Sekretprobe des Nasen-Rachen-Raums das Erbmaterial (die DNA) von Bordetella pertussis zu vervielfältigen und zu untersuchen.

Im weiteren Krankheitsverlauf kann eine Blutprobe dazu beitragen, Keuchhusten festzustellen: Dann hat das Immunsystem Antikörper gegen den Erreger gebildet, die man im Blut nachweisen kann. Dies ist jedoch frühestens ab dem Anfallsstadium (Stadium convulsivum) der Pertussis möglich.

Keuchhusten (Pertussis): Behandlung

Bei Keuchhusten (Pertussis) ist eine frühzeitige Behandlung mit einem Antibiotikum ratsam. Geeignet ist zum Beispiel der Wirkstoff Azithromycin, Clarithromycin oder Cotrimoxazol.

Warum Antibiotika bei Keuchhusten?

Antibiotika bewirken, dass der Keuchhusten schneller und unkomplizierter ausheilt. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Behandlung früh genug beginnt – das heißt spätestens zwei Wochen nach Beginn der Hustenanfälle.

Zudem sorgen Antibiotika dafür, dass der Keuchhusten weniger lange ansteckend ist: Nach etwa drei- bis siebentägiger Behandlung besteht keine Ansteckungsgefahr mehr. Die Medikamente tragen also dazu bei, die Verbreitung der Pertussis einzudämmen.

Video: 6 Fakten über Antibiotika

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Was kann man bei Keuchhusten selbst tun?

Zu Hause können einfache Maßnahmen die mit Keuchhusten verbundenen Beschwerden lindern – sinnvoll sind vor allem:

  • eine ruhige Umgebung
  • viel Flüssigkeit und häufige kleine Mahlzeiten
  • kühle und feuchte Raumluft (z.B. durch das Aufhängen feuchter Handtücher im Zimmer)

Ein Kind mit Keuchhusten braucht zudem viel Zuneigung. Es ist wichtig, es während der Hustenanfälle zu beruhigen.

Bei Keuchhusten im Säuglingsalter muss das Kind zur Behandlung allerdings ins Krankenhaus. Dort wird seine Atmung mit einem Monitor überwacht. Außerdem können Babys Schleim häufig nicht selbstständig abhusten, sodass man ihn absaugen muss.

Keuchhusten (Pertussis): Verlauf

Keuchhusten (Pertussis) ist typischerweise langwierig: Mit dem ein- bis zweiwöchigen Anfangsstadium, dem vier- bis sechswöchigen Anfallsstadium und dem sechs- bis zehnwöchigen Erholungsstadium zieht sich die Erkrankung über Monate hin.

Wie sich Pertussis entwickelt, hängt jedoch in hohem Maß vom Alter der Betroffenen ab:

  • Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen äußert sich oft nur durch lang anhaltenden Husten.
  • Dagegen nimmt Keuchhusten bei Kindern im Säuglingsalter oft einen besonders schweren Verlauf – obwohl die Hustenanfälle in dem Alter weniger stark ausgeprägt sind.

Denn Keuchhusten kann beim Baby Atemstillstände (Apnoen) auslösen. Außerdem können bei Pertussis gerade im ersten Lebensjahr gehäuft Komplikationen auftreten, zum Beispiel:

  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • krankhafte Ausweitungen von Teilen des Bronchialsystems (Bronchiektasen)
  • Entzündung des Gehirns mit Krampfanfällen (zerebrale Krampfanfälle)

Keuchhusten (Pertussis): Impfung kann vorbeugen

Keuchhusten (Pertussis) können Sie wirksam vorbeugen, indem Sie sich und Ihre Kinder frühzeitig und vollständig impfen lassen.

Zum Schutz vor Keuchhusten reicht eine einzelne Impfung aber nicht aus: Um so gut wie möglich vor Pertussis geschützt zu sein, ist zunächst eine Grundimmunisierung nötig, die aus mehreren Impfdurchgängen besteht.

Erst wenn die Grundimmunisierung abgeschlossen ist, besteht ein weitreichender Schutz vor Ansteckung. Da der Impfschutz gegen Keuchhusten nicht lebenslang anhält, sind nachfolgend Auffrischimpfungen wichtig.

Zur Keuchhusten-Impfung kommt ein Kombinationsimpfstoff zum Einsatz, der auch gegen Tetanus und Diphtherie immun macht. Das empfohlene Impfschema für die Impfungen gegen Pertussis sieht wie folgt aus:

  • 1. bis 3. Impfung: im Alter von 2, 3 und 4 Monaten
  • 4. Impfung: zur vollständigen Grundimmunisierung im Alter von 11 bis 14 Monaten
  • 1. Auffrischung: im Alter von 5 bis 6 Jahren
  • 2. Auffrischung: im Alter von 9 bis 17 Jahren

Die Impfung schützt allerdings nur etwa 4 bis 12 Jahre lang vor Keuchhusten. Und auch wer auf natürlichem Weg durch das Bakterium Bordetella pertussis erkrankt, ist anschließend allerhöchstens 20 Jahre lang immun gegen Keuchhusten. Ohne rechtzeitige Impfauffrischung können sich Jugendliche und Erwachsene also grundsätzlich wieder anstecken.

Erwachsene spielen als potenzielle Überträger von Keuchhusten eine immer größere Rolle. Darum gilt für alle Erwachsenen die Empfehlung, die nächste fällige Impfung gegen Tetanus und Diphtherie einmalig als eine Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis (Tdap-Impfung) durchzuführen.

Wann immer also im Erwachsenenalter eine Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie ansteht (auch im Verletzungsfall), sollte dies Anlass sein, den Impfschutz gegen Keuchhusten zu prüfen und sich gegebenenfalls für eine kombinierte Impfung zu entscheiden.

Babys brauchen besonderen Schutz

Denn gerade im ersten Lebensjahr – also ausgerechnet dann, wenn das Baby selbst noch keinen vollständigen Impfschutz hat – verläuft Keuchhusten oft schwerwiegend. Die Impfung gegen Pertussis ist darum allgemein für Frauen im gebärfähigen Alter und speziell für Kontaktpersonen von Babys wichtig – und zwar schon vor deren Geburt. Im Einzelnen bedeutet das:

  • Haushaltskontaktpersonen (Eltern, Geschwister) und Betreuer (z.B. Tagesmutter, Großeltern, Babysitter) von Neugeborenen und Schwangeren sollten sich spätestens 4 Wochen vor Geburt des Kindes eine Dosis Pertussis-Impfstoff verabreichen lassen, wenn ihre letzte Keuchhusten-Impfung mehr als 10 Jahre her ist.
  • Frischgebackene Mütter, die vor der Empfängnis keine Auffrischung erhalten haben, lassen sich am besten in den ersten Tagen nach der Geburt ihres Kindes gegen Keuchhusten impfen.
  • Eine Impfung mit einer Impfstoff-Dosis ist außerdem bei Menschen angezeigt, die im Gesundheitsdienst sowie in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten und sich den letzten zehn Jahren nicht gegen Keuchhusten haben impfen lassen.

Wenn Sie vor Keuchhusten nicht ausreichend durch Impfung geschützt sind, können Sie die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung nur verringern, indem Sie den Kontakt zu infizierten Personen meiden.

Haben Sie oder Ihre Kinder sich mit Bordetella pertussis angesteckt, ist eine Behandlung mit Antibiotika ratsam, um die Dauer der Ansteckungsfähigkeit zu verkürzen: So können Sie der weiteren Ausbreitung von Keuchhusten vorbeugen.

Quellen

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2019

Erregersteckbrief Keuchhusten. Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.infektionsschutz.de (Stand: 23.4.2018)

Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2018

Pertussis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: Mai 2017)

Epidemiologisches Bulletin Nr. 1/2014: Keuchhusten-Erkrankungen in den neuen Bundesländern, 2002 bis 2012. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: Januar 2014)

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Keuchhusten (Pertussis)“:

  • Keuchhusten

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Letzte inhaltliche Prüfung: 22.08.2019
Letzte Änderung: 22.08.2019

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Stand: 09.12.2019 11:17 Uhr – Visite Bild vergrößern Bei Erwachsenen wird Keuchhusten oft erst spät erkannt.

Früher erkrankten vor allem Kinder an Keuchhusten (Pertussis). Doch immer häufiger sind Erwachsene betroffen: mittlerweile in zwei von drei Fällen. Oft sind die Symptome zunächst kaum von einem Reizhusten zu unterscheiden. Deshalb wird Keuchhusten bei Erwachsenen meist spät erkannt. Dabei können die Folgen ernst sein. Denn die Krankheitserreger bilden Giftstoffe, die ins Blut gelangen können.

Keuchhusten bei Erwachsenen erkennen

Visite – 10.12.2019 20:15 Uhr Autor/in: Volker Ide

Bei Erwachsenen wird Keuchhusten oft erst spät erkannt. Dabei kann die Krankheit gefährliche Folgen haben. Wie Sie Keuchhusten erkennen – und sich davor schützen können.

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    Keuchhusten: Ansteckung per Tröpfcheninfektion

    Für 2016 meldete das Robert Koch-Institut mehr als 22.000 registrierte Fälle. Experten schätzen die Dunkelziffer auf mehr als 100.000. Auch Geimpfte können die Erreger übertragen, ohne selbst erkrankt zu sein. Es sind Bakterien mit dem Namen Bordetella pertussis. Die Pertussis-Bakterien können ganzjährig vorkommen, treten aber vor allem im Herbst und Winter gehäuft auf und werden über Tröpfcheninfektion an andere Menschen weitergegeben. Mit der Luft gelangen die Keuchhusten-Bakterien in die oberen Atemwege. Sie setzen sich in den Schleimhäuten der Luftröhre und Bronchien fest, vermehren sich dort und bilden Giftstoffe.

    Die giftigen Substanzen schädigen die Schleimhäute und Flimmerhärchen, können außerdem ins Blut gelangen und Entzündungen im Körper auslösen. Am häufigsten kommt es zu Mittelohr- und Lungenentzündungen. Diese Erkrankungen können besonders für Menschen gefährlich werden, die bereits an Erkrankungen wie Asthma leiden. Aber auch das Gehirn kann sich durch das Gift der Keuchhusten-Bakterien entzünden. Die Gefahr steigt mit zunehmendem Alter.

    Symptome bei Keuchhusten

    Bei Säuglingen und Kleinkindern kann Keuchhusten zu einem lebensbedrohlichen Atemstillstand führen. Bei Erwachsenen verläuft die Krankheit in der Regel milder: Sie leiden unter einem allgemeinen Erkältungsgefühl. Dabei steht nicht der Husten im Vordergrund, sondern eher Halsschmerzen und Schnupfen. Erst wenn der Husten sehr hartnäckig wird und vor allem nachts als trockener Husten auftritt, suchen die meisten Betroffenen einen Arzt auf. Deshalb wird Keuchhusten in den ansteckenden ersten drei Wochen bei Erwachsenen oft nicht erkannt.

    Die Begleiterscheinungen der heftigen Hustenattacken können äußerst unangenehm sein:

    • Atemaussetzer
    • Gewichtsverlust
    • Erbrechen
    • Schlafstörungen
    • Rippenbrüche
    • Blaseninkontinenz
    • Mittelohr- und Lungenentzündung
    • Leistenbruch
    • Nabelbruch
    • Ohnmacht

    Husten, der länger als zwei Wochen dauert und mit einem der genannten Symptome auftritt, kann auf eine Keuchhusteninfektion hindeuten.

    Keuchhusten richtig behandeln

    Gegen Keuchhusten werden Antibiotika eingesetzt, vor allem, um die Ansteckung weiterer Personen zu verhindern. Sie sind allerdings meist nur in den ersten drei Wochen der Infektion wirksam. Und selbst nach erfolgreicher Therapie dauert der Husten meist noch an, da sich die geschädigten Flimmerhärchen in den Atemwegen erst regenerieren müssen. Den oft quälenden Hustenreiz lindern Inhalationen mit Kochsalzlösung, frische Luft, warme Brustwickel und häufiges Trinken.

    Impfung schützt vor Keuchhusten

    Vor Keuchhusten schützt eine Impfung. Sie wird in der Regel als Dreifach-Impfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten verabreicht. Die Impfung muss alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Nur 12,5 Prozent der Erwachsenen sind bundesweit gegen Keuchhusten geimpft, bei den über 60-Jährigen sind es sogar nur 7,6 Prozent. Hohe Impfquoten in allen Altersgruppen sind aber wichtig, damit die Wirkung der sogenannten Herdenimmunität alle diejenigen schützen kann, die nicht oder noch nicht geimpft werden können.

    Dabei geht es vor allem um Säuglinge und Kleinkinder, die erst ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat geimpft werden können. Bei ihnen ist der Impfschutz frühestens zwischen dem elften und 14. Lebensmonat abgeschlossen. In dieser Zeit können sich Kinder zum Beispiel bei ungeimpften Eltern anstecken und durch eine Keuchhusteninfektion einen lebensbedrohlichen Atemstillstand erleiden.

    Experten zum Thema

    Dr. Andrea Iwansky, Pneumologin
    Alsterpneumologie – Facharztpraxis Colonnaden
    Colonnaden 9
    20354 Hamburg

    Prof. Dr. Tobias Welte, Direktor
    Klinik für Pneumologie
    Medizinische Hochschule Hannover
    Carl-Neuberg-Straße 1
    30625 Hannover

    Joachim Kurzbach, Facharzt für Innere Medizin
    Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin & hausärztliche Versorgung
    Rahlstedter Bahnhofstraße 25
    22143 Hamburg
    (040) 677 32 29

    Dr. Sylvia Brockhaus, Fachärztin HNO-Heilkunde, Allergologie und Laboratoriumsmedizin
    Straßenbahnring 3
    20251 Hamburg

    Weitere Informationen
    Ratgeber „Keuchhusten“ des Robert Koch-Instituts
    www.rki.de

    Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Keuchhusten-bei-Erwachsenen-Ansteckung-und-Behandlung,keuchhusten100.html

    Keuchhusten bei Erwachsenen bleibt oft unerkannt, ist aber hoch ansteckend

    Bis zu 110.000 Erwachsene erkranken allein in Deutschland Jahr für Jahr an Keuchhusten. Denn auch wer in seiner Kindheit gegen Keuchhusten geimpft wurde oder die Erkrankung bereits einmal durchgemacht hat, ist nicht lebenslang vor einer Neuinfektion geschützt. Um nicht schutzlose Säuglinge mit der schweren Krankheit anzustecken, sollten Erwachsene ihren Impfschutz gegen Pertussis alle zehn Jahre auffrischen. Dazu raten die Lungenärzte des Bundesverbands der Pneumologen (BdP).

    Keuchhusten äußert sich bei Erwachsenen anders als bei Kindern, verläuft oft untypisch und wird deshalb nicht oder erst spät erkannt. Infolgedessen leiden die Betroffenen oft wochenlang unbehandelt an der Erkrankung und können andere damit anstecken. Davor warnen die Lungenärzte des Bundesverbands der Pneumologen (BdP). „Das Leitsymptom – der bellende Husten – fehlt bei erwachsenen Patienten in einem Drittel der Fälle“, erklärt Dr. Michael Barczok, Vorstandsmitglied der BdP und niedergelassener Lungenfacharzt im Lungenzentrum Ulm. „Während Kinder vor allem in der Nacht unter schweren Hustenattacken begleitet von Atemnot, keuchenden Atemgeräuschen und manchmal Erbrechen leiden, fehlt das Keuchen und Erbrechen bei Erwachsenen völlig. Einziger Hinweis auf Keuchhusten im Erwachsenen-Alter ist oft ein hartnäckiger, quälender Husten ungeklärter Ursache, der über mehrere Wochen anhält. Manchmal klagen die Betroffenen auch über Kratzen im Hals oder Schweißausbrüche, doch wer denkt bei solchen Symptomen schon an Keuchhusten?“ Obwohl die Erkrankung im Erwachsenen-Alter grundsätzlich milder als bei Kindern verläuft, so ist sie dennoch keineswegs harmlos: Bei jedem Vierten treten Komplikationen auf. So kann Keuchhusten beispielsweise Gewichtsverlust, seltener eine Lungenentzündung, Krampfanfälle und Gehirnbluten auslösen. Erwachsene mit Keuchhusten können mitunter auch ihren Urin nicht mehr halten und werden inkontinent. „Manchmal sind die Hustenanfälle so stark, dass es zu Rippen- und Leistenbrüchen oder Bandscheibenvorfällen kommt. Ein plötzlicher Hörverlust oder Schäden an Blutgefäßen sind ebenfalls möglich“, warnt Barczok.

    Impfschutz hält nicht ewig

    Selbst wer in seiner Kindheit gegen Keuchhusten (Pertussis) geimpft wurde oder die Erkrankung bereits einmal durchgemacht hat, ist nicht lebenslang vor einer Neuinfektion geschützt. „Nach etwa zehn Jahren verliert das ImmunsystemImmunsystem
    Das körpereigene Abwehrsystem besteht aus drei Funktionskreisen:
    (1) Knochenmark als Bildungsort für Immunzellen.
    (2) Verschiedene zentrale Immunorgane wie Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (für die Prägung von B-Lymphozyten).
    (3) Sekundäre Lymphorgane wie Milz, Lymphknoten und Mandeln (Tonsillen).
    Man unterscheidet die so genannte humorale Abwehr (über die Körperflüssigkeiten mit darin enthaltenen Antikörpern und Faktoren aus dem so genannten Komplementsystem) und die zellvermittelte Abwehr (mit B- und T-Zellen, Makrophagen, Antigen-präsentierenden Zellen, Granulozyten u.a.).
    die Fähigkeit, sich gegen den Erreger zur Wehr zu setzen“, erläutert Barczok. „Dann kann man sich erneut infizieren – vermutlich erkranken viele Erwachsene im Verlauf ihres Lebens mehrfach, ohne dies zu wissen. Ein Impfschutz gegen Pertussis wird Kindern und Jugendlichen routinemäßig bis zum 17. Lebensjahr empfohlen. Allerdings verpassen Teenager oft die zweite Auffrischimpfung, die zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr erfolgen sollte. Diese zunehmende und sich im Erwachsenenalter fortsetzende Impfmüdigkeit ist der Grund, warum Keuchhusten auch im Erwachsenenalter immer häufiger wird. Schätzungsweise bis zu 110.000 Erwachsene erkranken allein in Deutschland Jahr für Jahr an der durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelösten Infektionskrankheit. Keuchhusten ist also längst keine reine Kinderkrankheit mehr wie vielleicht vor 20 Jahren.“ Die Pertussis-Impfung kann zusammen mit der Standard-Impfung gegen Diphtherie und Tetanus – auf Wunsch auch zusätzlich gegen Kinderlähmung (Polio) in Form eines gut verträglichen Vierfachimpfstoffs – verabreicht werden. Das wird von der Krankenkasse bezahlt und kann ohne Praxisgebühr verabreicht werden.

    Ungeimpfte Erwachsene gefährden Säuglinge

    Besonders bedenklich ist, dass infizierte Erwachsene die Erreger an ungeimpfte Säuglinge oder unvollständig geimpfte Kinder weitergeben können. „Fatalerweise ist Keuchhusten für Säuglinge, die ja erst nach der dritten Teilimpfung – also frühestens ab dem fünften Lebensmonat – den vollen Impfschutz gegen Keuchhusten aufgebaut haben, eine ernsthaft bedrohliche Krankheit, die Atemstillstand und bleibende Schäden verursachen oder sogar zum Tode führen kann“, betont Barczok. „Dabei sind die Überträger der Krankheit meistens im engsten Familienkreis zu suchen: 50 bis 70 Prozent der erkrankten Säuglinge werden von ihren Eltern oder Großeltern angesteckt.“ Daher raten die Lungenärzte Jugendlichen und Erwachsenen – insbesondere allen Frauen mit Kinderwunsch und allen Personen mit engem Kontakt zu Säuglingen wie Eltern, Großeltern, Verwandten, Tagesmüttern und Babysittern – ihren Impfschutz gegen Pertussis regelmäßig alle zehn Jahre aufzufrischen.

    Keuchhusten

    Gegen Keuchhusten gibt es heute eine wirksame und in aller Regel gut verträgliche Aktivimpfung. Wer geimpft ist, hat nur noch ein sehr geringes Risiko, Keuchhusten zu bekommen. Wer trotz Impfung erkrankt, erfährt meist einen deutlich milderen Krankheitsverlauf als Ungeimpfte. Die Keuchhustenimpfung enthält heute nicht mehr abgetötete Bordetella-Zellen, sondern nur bestimmte Bruchstücke davon. Damit ist die Impfung verträglicher geworden als früher. Nebenwirkungen sind in aller Regel mild und nur von kurzer Dauer. Am häufigsten sind dabei Hautirritationen an der Einstichstelle und Fieber. Gelegentlich können unter anderem Appetitlosigkeit, Durchfall, Erbrechen, nervöse Unruhe und Schlafstörungen auftreten.

    Impfung – wer und wann?

    Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt, Kinder mit 2, 4, 6 und zwischen 15 und 24 Monaten gegen Keuchhusten zu impfen; zwei weitere Impfungen sind im Alter von 4 bis 7 und von 11 bis 15 Jahren vorgesehen. Diese sechs Impfungen werden in der Regel mit den notwendigen Impfungen gegen Diphterie oder Tetanus und, je nach Impfschema, auch gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) und Haemophilus influenzae Typ b (Hib) kombiniert. Entsprechende Mehrfachimpfungen stehen zur Verfügung. Wenn die genannten sechs Keuchhustenimpfungen versäumt wurden, empfiehlt das BAG, sie bei unter 15-Jährigen noch nachzuholen. Bei Erwachsenen wird generell eine einmalige Impfung im Alter von 25 bis 29 Jahren empfohlen – als Auffrisch- oder Erstimpfung. Unabhängig vom Alter sollen diese Impfung alle Jugendlichen und Erwachsenen erhalten, die in Familie oder Beruf in dauerndem Kontakt mit Säuglingen unter sechs Monaten stehen und bei denen die letzte Keuchhustenimpfung länger als zehn Jahre her ist.

    Impfung in der Schwangerschaft?

    Da das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Säuglingen unter sechs Monaten am grössten ist, sollte die Mutter als in der Regel engste Kontaktperson gegen Keuchhusten geschützt sein und zwar ab dem ersten Atemzug des Kindes. Schwangeren, bei denen die letzte Impfung länger als fünf Jahre her ist, wird daher eine Keuchhustenimpfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel (zweites Trimenon), das heisst etwa ab der 13. Schwangerschaftswoche empfohlen. Noch besser ist es, spätestens drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft den Impfstatus zu überprüfen und gegebenenfalls nachzuimpfen. Erkrankt eine Schwangere an Keuchhusten, dann wird die Erkrankung zwar nicht auf das Kind übertragen, Hustenattacken können aber vorzeitige Wehen auslösen, und die Erkrankung stellt auch insgesamt eine erhebliche zusätzliche Belastung für den Organismus der Schwangeren dar. Ungeimpfte Schwangere, die befürchten, sich mit Keuchhusten angesteckt zu haben, können vorbeugend mit Antibiotika behandelt werden.

    © istockphoto, gpointstudio

    Keuchhusten (Pertussis) ist keine typische Kinderkrankheit wie Masern oder Mumps. Acht von zehn der Keuchhusten-Patienten sind über 18 Jahre alt, jeder Dritte ist sogar älter als 45 Jahre. Doch die wenigsten der Betroffenen wissen, dass sie überhaupt Keuchhusten haben. Die Erkrankung äußert sich nämlich bei Erwachsenen völlig anders als bei Kindern und wird deshalb häufig mit anderen Atemwegs-Erkrankungen verwechselt.

    Keuchhusten: Symptome – auch bei Erwachsenen

    Während kleine Patienten nachts an schweren Hustenattacken begleitet von Atemnot leiden, keuchenden Atemgeräuschen und manchmal Erbrechen, fehlt das Keuchen und Erbrechen bei Erwachsenen.

    Einziger Hinweis auf Keuchhusten im Erwachsenen-Alter ist oft ein schlimmer Husten, der mehrere Wochen anhält. Manchmal klagen die Betroffenen auch über Kratzen im Hals oder Schweißausbrüche. Kein Wunder, dass die wenigsten bei diesen Symptomen an Keuchhusten denken.

    Experten empfehlen jedoch, bei hartnäckigem Husten immer hellhörig zu werden und Keuchhusten zumindest ins Kalkül zu ziehen. „Bei lang andauerndem Husten und vor allem nächtlichen Hustenattacken sollte bei Erwachsenen immer auch an Keuchhusten gedacht werden“, sagt Professor Christel Hülße vom Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern aus Rostock.

    Keuchhusten bei Erwachsenen häufiger als gedacht

    Zusammen mit deutschen und amerikanischen Kollegen hat Frau Hülße die Häufigkeit von Keuchhusten bei Erwachsenen untersucht. Die Wissenschaftler werteten dazu die Daten von 809 Patienten im Alter von über 18 Jahren aus, die wegen Hustens einen Arzt aufgesucht hatten. Das erstaunliche Ergebnis der Untersuchung: Jeder zehnte Patient, der länger als sieben Tage gehustet hatte, litt in Wirklichkeit an Keuchhusten. Die Erkrankung ist also bei Erwachsenen wesentlich häufiger als bisher angenommen.

    Komplikationen bei Keuchhusten

    Bei Erwachsenen verläuft Keuchhusten grundsätzlich milder als bei Kindern und ist nicht lebensbedrohlich. Doch auch im Erwachsenen-Alter ist die Erkrankung keineswegs harmlos. Bei jedem Vierten treten Komplikationen auf:

    • So kann Keuchhusten beispielsweise Gewichtsverlust, seltener eine Lungenentzündung, Krampfanfälle und Gehirnbluten auslösen.
    • Erwachsene mit Keuchhusten können mitunter auch ihren Urin nicht mehr halten und werden inkontinent.
    • Manchmal sind die Hustenanfälle so stark, dass es zu Rippen- und Leistenbrüchen oder Bandscheibenvorfällen kommt.
    • Ein plötzlicher Hörverlust oder Schäden an Blutgefäßen sind ebenfalls möglich.

    Hohe Kosten durch Keuchhusten

    Das alles ist nicht nur für die Betroffenen schlimm, sondern kostet auch eine ganze Menge Geld. Der hartnäckige Husten führt häufig zu Arbeitsausfällen. Ein weiterer Kostenfaktor: Oft werden in Arztpraxen aufwändige Untersuchungen wie etwa Bronchoskopien durchgeführt, bis endlich die Diagnose Keuchhusten feststeht. Alles in allem verschlingt die Behandlung eines einzigen Keuchhusten-Patienten mindestens 540 Euro.

    Keuchhusten ist ansteckend

    Keuchhusten wird – bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen – durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst. Deshalb heißt die Erkrankung auch Pertussis. Im Mikroskop sehen die Bordetellen eher harmlos aus – kleine, unbewegliche Stäbchen, die von einer Schleimhülle umgeben sind. Doch die Winzlinge haben es in sich: Sie heften sich mit ihrer klebrigen Oberfläche an die Schleimhäute der Atemwege. Dort vermehren sie sich und setzen Giftstoffe frei, die dann die eigentliche Krankheit auslösen.

    Durch Husten, Niesen oder über die Atemluft (Tröpfcheninfektion) wird der Erreger von Mensch zu Mensch weiter getragen. Bordetellen sind hoch ansteckend. 70 bis 80 Prozent der Menschen, die zum ersten Mal mit dem Erreger in Kontakt kommen und nicht durch eine Impfung geschützt sind, werden infiziert und erkranken an Keuchhusten.

    Infizierte Erwachsene – Gefahr für Säuglinge

    Besonders bedenklich ist, dass die wochenlang hustenden Erwachsenen ihre Erreger an Säuglinge, mit denen sie Kontakt haben, weitergeben können. Das große Problem: Anders als für Erwachsene ist Pertussis für Säuglinge eine wirklich bedrohliche Krankheit. Bei sehr kleinen Kindern, die noch nicht über einen Impfschutz gegen Keuchhusten verfügen, kann die Erkrankung Atemstillstand und bleibende Schäden verursachen oder sogar zum Tode führen.

    Die meisten Erwachsenen sind sich nicht bewusst, welche Gefahr sie für Säuglinge und kleine Kinder in ihrer Umgebung darstellen – einfach, weil sie gar nicht auf die Idee kommen, dass sich hinter ihrem hartnäckigen Husten ein Keuchhusten verbergen könnte. Und doch ist es bittere Realität: Erwachsene mit Pertussis sind die Hauptinfektionsquelle für kleine Kinder. 50 bis 70 Prozent der erkrankten Säuglinge werden von ihren Eltern oder Großeltern angesteckt.

    Impfschutz für Säuglinge

    Besonders gefährdet sind Säuglinge, die nicht entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) im ersten Lebensjahr gegen Pertussis geimpft wurden. Doch auch regelmäßig geimpfte Säuglinge haben erst nach der vierten Teilimpfung – also frühestens ab dem elften Lebensmonat – den vollen Impfschutz gegen Keuchhusten. Davor sind sie den gefährlichen Bordetellen schutzlos ausgeliefert.

    Aktualisiert: 19.02.2018 – Autor: STIKO, Circle Comm GmbH, Poys Kommunikations Management GmbH

    Im Gegensatz zu anderen Kinderkrankheiten ist Keuchhusten eine langwierige Erkrankung, die mehrere Wochen oder sogar Monate andauern kann. Zwar sind viele Säuglinge und Kinder betroffen, zwei Drittel aller Fälle von Keuchhusten treffen in Deutschland aber erwachsene Menschen über 19 Jahre. Pertussis ist daher eine Krankheit, die Babys, Kinder und Erwachsene bekommen können.

    Ansteckung mit Keuchhusten (Pertussis)

    Keuchhusten ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit. Sie wird durch das Bakterium Bordetelle pertussis ausgelöst und hat einen Ansteckungsindex von 80 Prozent. Das bedeutet: 80 von 100 Personen, die mit dem Erreger in Kontakt kommen und nicht immun sind, erkranken.

    Die Übertragung von Pertussis erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Menschen, die engen Kontakt zu Erkrankten haben, stecken sich besonders schnell an. Durch Niesen, Husten oder Sprechen kann der Erreger über Tröpfchen bis zu einem Meter weit gelangen.

    Wer bereits geimpft wurde, kann trotzdem an Keuchhusten erkranken oder die Krankheit zumindest übertragen. Die Impfung bietet also keinen hundert-prozentigen Schutz vor Keuchhusten.

    Von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Keuchhusten vergehen in den meisten Fällen neun bis zehn Tage (Inkubationszeit). Die Spanne reicht aber von sechs bis 20 Tage.

    Wie lange ist Keuchhusten (Pertussis) ansteckend?

    Ab dem Ausbruch der Erkrankung, wenn sich also die ersten Symptome von Keuchhusten zeigen, können Erkrankte andere Personen anstecken. Während der ersten beiden Wochen ist die Ansteckungsgefahr am größten. Ansteckend kann Keuchhusten noch bis zu drei Wochen nach Beginn des zweiten Stadiums, dem Stadium convulsivum, sein.

    Werden Betroffene rechtzeitig mit einem Antibiotikum behandelt, so sind sie noch bis zu fünf Tage nach Beginn der Therapie ansteckend.

    Keuchhusten wird von Mensch zu Mensch per Tröpfcheninfektion übertragen. Vor allem bei engem Kontakt wie in Kindergärten kann es so zur schnellen Ausbreitung von Keuchhusten kommen.

    Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

    Symptome bei Keuchhusten (Pertussis)

    Die Symptome bei Keuchhusten verändern sich mit dem jeweiligen Stadium, in welchem sich der Betroffene befindet. Der Infekt verläuft in insgesamt drei Stadien, die sich wesentlich im Schweregrad der Hustenanfälle voneinander unterscheiden:

    Stadium catarrhale (Luftwegs-Infektion)

    In den ersten ein bis zwei Wochen nach Ausbruch des Keuchhustens treten grippeähnliche Symptome wie Schnupfen, Husten und allgemeines Schwächegefühl auf. Fieber zeigen Betroffene nur mäßig oder gar nicht. In dieser Zeit wird der Keuchhusten häufig gar nicht erkannt.

    Stadium convulsivum (Hustenanfälle)

    In der vierten bis sechsten Woche kommt es zu den für Keuchhusten typischen anfallsmäßigen, abgehackten Hustenstößen, die in einem lang gezogenen keuchenden Einatmen enden. Die Hustenanfälle werden durch ein Gift verursacht, welches vom Erreger produziert wird und das im Gehirn die Anfälle verursacht.

    Oft folgt einem solchen Anfall Erbrechen, wobei hochgewürgter zäher Schleim ausgeschieden wird. Innerhalb von 24 Stunden kann es zu bis zu 50 Hustenanfällen kommen, die mit Atemnot und stark angeschwollenen Adern an Kopf und Hals einhergehen. Nachts treten die Anfälle von Keuchhusten gehäuft auf. Durch einen Venenstau können kleine Blutgefäße in der Bindehaut der Augen platzen und das Weiß der Augen durchgehend rot färben. Die Färbung geht jedoch nach einiger Zeit wieder zurück und ist nicht gefährlich.

    Stadium decrementi (abnehmende Symptome)

    Im Zeitraum von sechs bis zehn Wochen nach der Erkrankung klingen die Symptome von Keuchhusten langsam ab. Auch die Ansteckungsgefahr verringert sich.

    Symptome von Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen

    Bei Jugendlichen und Erwachsenen fehlen oftmals die typischen Hustenanfälle. Der Keuchhusten äußert sich dann nur in hartnäckigem Husten über mehrere Wochen hinweg, daher wird die Erkrankung oft nicht als solche diagnostiziert.

    Symptome von Keuchhusten bei Säuglingen

    Bei Säuglingen verläuft Pertussis am ehesten mit Komplikationen: Die Hustenanfälle können zu lebensgefährlichen Atempausen führen, weshalb Babys und Kleinkinder mit Keuchhusten aufmerksam beobachtet und gegebenenfalls im Krankhaus überwacht und betreut werden müssen.

    Die häufigste Komplikation bei Keuchhusten ist eine zusätzliche Infektion mit weiteren Bakterien, die eine Lungenentzündung verursachen. Bei bis zu zehn Prozent aller betroffenen Säuglinge und älteren Menschen kommt es zusätzlich zum Keuchhusten zu einer Lungenentzündung.

    Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis)

    In Deutschland erkranken zirka 150 bis 500 von 100.000 Erwachsenen pro Jahr an Keuchhusten. Weder eine Erkrankung noch eine Impfung gegen Keuchhusten sorgen für lebenslange Immunität.

    Deshalb wird empfohlen, Säuglinge ab dem zweiten Lebensmonat gegen Keuchhusten zu impfen und im Vorschulalter eine Auffrischungsimpfung durchzuführen. Da die Impfbereitschaft in Deutschland in den letzten Jahren nachgelassen hat, erkranken vermehrt Jugendliche ab 15 Jahren.

    Wie wird Keuchhusten (Pertussis) diagnostiziert?

    Besteht der Verdacht auf Keuchhusten, so nimmt der behandelnde Arzt eine Blutprobe und eine Gewebeprobe aus einem tiefen Nasenabstrich. Diese Proben werden im Labor untersucht und geben Aufschluss darüber, ob tatsächlich Keuchhusten vorliegt oder nicht. Weiterhin ist eine Befragung zu Krankengeschichte und bisherigen Beschwerden (Anamnese) wichtig, um vor allem bei Erwachsenen die oft unklaren Symptome richtig zu beurteilen.

    Wie sieht die Behandlung von Keuchhusten (Pertussis) aus?

    Wird Keuchhusten frühzeitig festgestellt, kann eine Behandlung mit Antibiotika den Krankheitsverlauf verkürzen und die Hustenanfälle mildern. Dazu muss die Diagnose jedoch im ersten oder spätestens zu Beginn des zweiten Stadiums gestellt werden.

    In jedem Fall sorgen die Antibiotika dafür, dass die Ansteckungsgefahr abnimmt. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Betroffene bis mindestens zum fünften Tag nach Beginn der Einnahme des Antibiotikums zurückziehen, um das Risiko zu mindern, andere Menschen mit Pertussis anzustecken. Patienten im Krankenhaus werden während dieser Zeit im Einzelzimmer untergebracht.

    Wenn die Erkrankung bereits weiter voran geschritten ist, ist die Kontrolle der Atmung sowie Ruhe und Betreuung des Betroffenen die einzige Behandlungsmethode. Der Aufenthaltsraum sollte regelmäßig gelüftet werden. Oft ist es hilfreich, den Körper so weit möglich zu entspannen, Bettruhe ist jedoch nicht zwingend notwendig. Kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt strengen den Körper nicht so sehr an wie drei größere Mahlzeiten. Betroffenen wird empfohlen, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, da dies das Abhusten des Schleims erleichtert. Spaziergänge und frische Luft unterstützen den Stoffwechsel. Gerade für Kleinkinder und Säuglinge ist es wichtig, eine Bezugsperson um sich zu haben, die das Kind nach anstrengenden und oft beängstigenden Hustenanfällen beruhigt und tröstet.

    Nicht immune Personen im Umfeld des Betroffenen sollten sich gegen Keuchhusten impfen lassen, um die Ansteckungsgefahr für sich zu verringern.

    Mit Keuchhusten (Pertussis) umgehen

    Keuchhusten kann zwischen elf und 18 Wochen andauern. In dieser Zeit sollte der Kontakt zu Säuglingen und älteren Menschen sowie Personen, die nicht gegen Pertussis geimpft sind und keinen Immunschutz (bereits durchgemachte Keuchhusten-Erkrankung) haben, eingeschränkt werden. Klar sollte sein, dass bereits durchgemachte Infektionen mit Keuchhusten oder eine Pertussis-Impfung nicht völlig sicher vor Ansteckung schützen, das Risiko aber deutlich vermindert ist.

    Besonders für Säuglinge ohne Impfschutz ist Keuchhusten gefährlich. Behandlung und Verlauf sollten daher streng – ggf. im Krankenhaus – überwacht werden.

    In Deutschland besteht seit 2013 bei Keuchhusten Meldepflicht an das Gesundheitsamt. Die Meldung wird vom behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin vorgenommen.

    Wie kann man Keuchhusten vorbeugen?

    Der beste Weg, Keuchhusten vorzubeugen, ist die Impfung dagegen. Die Ständige Impfkomission (STIKO) empfiehlt eine dreifach-Impfung im 2., 3. und 4. Lebensmonat. Die Impfung sollte zwischen fünf und sechs sowie zwischen neun und 17 Jahren aufgefrischt werden. Seit dem Jahr 2004 empfiehlt die STIKO, Personen im häuslichen Umfeld von Säuglingen und Kleinkindern ohne ausreichenden Schutz vorbeugend gegen Pertussis zu impfen. Menschen, die durch ihren Beruf täglichen Umgang mit Säuglingen und Kindern haben, sollten ebenfalls gegen Keuchhusten geimpft sein oder werden.

    Ein einmaliges Impfen oder eine Erkrankung gewähren keine lebenslange Immunität gegen Keuchhusten.

    Es ist keine hundert Jahre her, da starben in Deutschland jedes Jahr rund 10 000 Säuglinge am Keuchhusten. Dank einer in den 1930er Jahren erstmals eingeführten Impfung hat die hochansteckende Krankheit ihren Schrecken verloren. Doch seit Anfang dieses Jahres sind die Mediziner aufgeschreckt: Die Zahlen der Infizierten steigen stetig. Waren 2013 zu Beginn der Meldepflicht für Keuchhusten noch etwa 12 000 Fälle erfasst worden, erkrankten im vergangenen Jahr bereits mehr als 22 000 Menschen daran. Drei Säuglinge starben an der Infektion – das war lange nicht mehr geschehen. Experten sehen Grund für den Anstieg zum einen in der detaillierteren Erfassung, zum anderen aber hauptsächlich in immer größer werdenden Impflücken.
    Ein trockener Reizhusten, Schnupfen, leichtes Fieber – die ersten Symptome von Keuchhusten erinnern an eine Erkältung. Die Kinder werden ins Bett gepackt, mit Tee, Taschentüchern und einer guten Geschichte versorgt. Erwachsene ignorieren die Krankheitsanzeichen meist und schleppen sich angeschlagen ins Büro. Bis die Symptome – bei Klein und Groß – schlimmer und die Hustenattacken so heftig werden, dass man sich erbricht.
    Das ist im besten Falle einfach nur unangenehm. Für Säuglinge und Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder einer schweren Grunderkrankung kann Keuchhusten jedoch schnell lebensgefährlich werden: Sie leiden unter Atemaussetzern und die Lunge kann sich entzünden oder dauerhaft geschädigt werden. „Die Erkrankungszeichen sind anfangs häufig noch untypisch, sodass die Diagnose zu dem Zeitpunkt oft nicht gestellt wird. Gleichzeitig sind die Erkrankten genau dann schon hochinfektiös“, sagt Cornelia Feiterna-Sperling von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin. So werden Kranke, die den Keuchhusten selbst gut wegstecken und ihn als hartnäckige Erkältung oder Bronchitis fehldeuten, zur Gefahr für andere. Denn Betroffene sind mindestens drei Wochen lang ansteckend und infizieren in dieser Zeit durchschnittlich 17 weitere Personen. Nahezu jeder Kontakt zwischen einem erkrankten und einem gesunden Menschen führt zur Ansteckung. Hinzu kommt, dass Keuchhusten sehr häufig atypisch verläuft, die bekannten Stadien also überhaupt nicht in dieser Form auftreten.

    Früher hieß die Krankheit der „100-Tage-Husten“

    So macht sich das zweite Stadium bei Säuglingen unter sechs Monaten meist nicht mit den charakteristischen Hustenanfällen, sondern mit Atemstillständen bemerkbar. „Säuglinge im ersten Lebensjahr haben zudem ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie Apnoen, Lungenentzündungen oder Krampfanfälle“, sagt Feiterna-Sperling. Jugendliche und Erwachsene werden oft nicht mit Keuchhusten diagnostiziert, weil sie als einziges Symptom einen trockenen Husten haben. Das Problem: In ihrem Blut ist der Erreger dennoch nachweisbar, sie können also andere anstecken.
    Keuchhusten ist weltweit eine der häufigsten Infektionserkrankungen der Atemwege. Die Betroffenen husten über mehrere Wochen oder sogar Monate. Der Volksmund nannte die Erkrankung daher früher auch den 100-Tage- Husten. Der Erreger des Keuchhustens heißt Bordetella pertussis. Dieses Stäbchenbakterium produziert verschiedene Giftstoffe, die die Schleimhäute der Atemwege schädigen und so die Symptome verursachen. Ein zweiter Erreger, Bordetella parapertussis, kann ebenfalls Keuchhusten verursachen. Allerdings erkranken weniger als 20 Prozent der von diesem Bakterium befallenen Menschen an Keuchhusten, der Großteil bekommt entweder eine einfache akute Bronchitis oder merkt überhaupt nichts von der Infektion.
    Der Keuchhusten, sagt Ulrich Heininger, ist auf vielen Ebenen kompliziert. Der Professor ist Leitender Arzt in der Pädiatrischen Infektiologie und Vakzinologie des Universitäts-Kinderspitals beider Basel und hat sich zu Pertussis – so der medizinische Name für Keuchhusten – habilitiert. „Eine Therapie muss so früh wie möglich begonnen werden – dann, wenn man eigentlich noch gar keinen Verdacht hat, dass es Keuchhusten sein könnte“, sagt Heininger.

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