Keine spermien im ejakulat

Keine Spermien – gibt es trotzdem Hoffnung?

Eine sogenannte Azoospermie bedeutet, dass sich im Ejakulat keine Spermien befinden. Diese sehr schwerwiegende Diagnose sollte erst dann gestellt werden, wenn sie nach 2–3 Spermiogrammen wiederholt bestätigt wurde.
Die Ursachen sind ähnlich der eingeschränkten Spermienqualität hauptsächlich genetisch bedingt. Die zweithäufigste Ursache ist dann übrigens schon die Sterilisation (Vasektomie). Will ein Paar nach Vasektomie ein Kind, so gibt es zwei Möglichkeiten der Spermiengewinnung:

  1. Die Vaso-Vasostomie (Rekonstruktion) der Samenwege sollte in Betracht gezogen werden, wenn die Vasektomie noch nicht lange zurück liegt und wenn die Partnerin noch relativ jung ist. Nach einer Rekonstruktion ist eine Empfängnis auf natürlichem Wege bis zu 60 % möglich.
  2. Die TESE (Testikuläre Spermienextraktion) ist eine einfache Operation, die ambulant in örtlicher Betäubung oder mit Vollnarkose in unserer Klinik durchgeführt werden kann. Dabei werden durch eine Hodenbiopsie Spermien gewonnen, aufbereitet und eingefroren. Die Spermien stehen damit für eine ICSI-Behandlung zur Verfügung. Schon während der Operation kann festgestellt werden, ob Spermien vorhanden sind, was in ca. 60 % der Operationen der Fall ist. Die Schwangerschaftsrate mit so gewonnenen Spermien liegt in Bad Münder bei 34 % pro ICSI-Versuch (Zum Vergleich: bundesdeutscher Durchschnitt = 24 %).

Manchmal können im Ejakulat des Mannes keine Spermien nachgewiesen werden (Azoospermie). Wenn sich dieser Befund bestätigt, besteht die Möglichkeit mithilfe einer kleinen OP Biopsate aus dem Hoden zu entnehmen, die im Anschluss bei uns im Zentrum auf das Vorhandensein vitaler Spermien untersucht werden.

Können Spermien im Hodengewebe nachgewiesen werden, so wird das Hodengewebe in mehreren Portionen tiefgefroren (Kryokonservierung), um Proben für mehrere Versuche zu lagern. An dieses Verfahren schließt sich dann eine künstliche Befruchtung in Form einer ICSI-Behandlung, an.

Auch Männern, die sich bewusst haben sterilisieren lassen und einen erneuten Kinderwunsch haben, bietet diese Behandlung häufig eine Möglichkeit Vater zu werden.

Eine TESE Behandlung wird also demnach empfohlen bei

· Azoospermie

· Sterilisation des Mannes

Voruntersuchung

Vor Beginn einer TESE wird eine genetische Beratung und Chromosomenanalyse beider Partner empfohlen. Die Chromosomenanalyse wird aus einer Blutprobe gemacht und bei einem Humangenetiker durchgeführt, das Ergebnis liegt nach etwa vier Wochen vor.

Ablauf der TESE

Die TESE ist eine einfache Operation, die ambulant durch den Urologen durchgeführt wird. Dabei werden in Kurznarkose aus jedem Hoden 2 bis 3 stecknadelkopfgroße Gewebestücke entnommen. Da die entnommenen Gewebestücke sehr klein sind, ist das Risiko einer anschließenden Beeinträchtigung eher gering. Im Anschluss ist mit einer Arbeitsunfähigkeit von ca. einer Woche zu rechnen.

Die Gewebestückchen aus dem Hoden werden noch am Operationstag bei uns im Kinderwunschzentrum aufbereitet und unter dem Mikroskop auf das Vorhandensein beweglicher Spermien untersucht. Sind Spermien nachweisbar, so werden alle entnommenen Gewebestücke tiefgefroren (Kryokonservierung) und stehen nun für eine Kinderwunschbehandlung zur Verfügung. Der Patient erfährt also noch am gleichen Tag, ob die TESE-Operation erfolgreich war. Die Lagerung der Hodengewebeproben erfolgt direkt vor Ort in unserem Kinderwunschzentrum, sodass die anschließende Kinderwunschbehandlung (ICSI) zeitnah begonnen werden kann.

Andrologie

Die Wirksamkeit der Phosphodiesterasehemmer liegt bei ca. 60-80%. Vor einer solchen Therapie müssen durch den behandelnden Arzt bestimmte Erkrankungen bzw. Medikamenteneinnahmen ausgeschlossen werden. Mögliche auftretende Nebenwirkungen unter der Einnahme von Phosphodiesterasehemmer sind Kopfschmerzen, Gesichtsröte, Gefühl einer verstopften Nase und temporäre Sehstörungen.

• Schwellkörperautoinjektionstherapie (SKAT)
Hierbei wird die Substanz Prostaglandin E1 direkt in den Schwellköper des Penis injiziert. Eine erfolgreiche Behandlung der Potenzstörung ist in 90% der Fälle möglich. Mögliche Komplikationen sind eine lang anhaltende Erektion (> 6 Stunden), welcher einer ärztlichen Intervention bedarf oder narbige Veränderungen im Bereich des Schwellkörpers mit Abknickung des Penis.
• Vakuumpumpe
Bei der Vakuumpumpe wird mit Hilfe eines Plastikzylinders, welcher über den Penis gestülpt wird ein Vakuum erzeugt. Hierdurch füllt sich der Penis passiv mit Blut und versteift. Ein Nachteil ist, dass der Penis sich kalt anfühlt.
• Operativ (Implantation einer Penisprothese)
Für Patienten, bei denen die oben erwähnten Behandlungen nicht zum Erfolg führen, stellt der Einsatz einer Penisprothese im Schwellkörper die einzige Therapieform dar. Hierbei kommen am häufigsten die hydraulischen Prothesenmodelle zum Einsatz. Durch Betätigung eines Ventils, welches im Hodensack eingesetzt wird kann der Patient den Füllungszustand der im Schwellkörper implantierten Zylinder kontrollieren.
• Psychotherapie bei einem Sexualtherapeuten
Bei psychogen bedingten Potenzstörungen besteht durch die Sexualtherapie Heilungsraten von über 90%. Die Behandlung ist zeitaufwendig und sollte gegebenenfalls die Partnerin in das Behandlungskonzept mit einbeziehen.
Die Wahl des therapeutischen Vorgehens wird abhängig von der Ursache der Erektionsstörung, den Vorerkrankungen des Patienten individuell zwischen Arzt, Patient und gegebenenfalls dessen Partnerin entschieden.

3. Hormonstörungen des Mannes

Hierbei handelt es sich in erster Linie um eine Verminderung des männlichen Sexualhormons Testosteron, welches im Hoden produziert wird.
Ein Testosteronmangel hat eine vermehrte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose), Abnahme der Muskelmasse und Muskelkraft, Zunahme des Körperfettes, Blutarmut, depressive Verstimmung, Hitzewallungen, Libidoverlust sowie eine Erektionsstörung zur Folge.
Die Behandlung des Testosterondefizit besteht in einer Zufuhr des Hormons in Form von Tabletten, Pflastern, Hautgel oder einer intramuskulären Injektion im Abstand von 2-3 Wochen bis 3 Monate.
Vor Beginn und während einer solchen Behandlung muss das Vorliegen einer Prostatakrebserkrankung durch einen Urologen ausgeschlossen werden, da das Testosteron das Wachstum eines vorhandenen Tumors beschleunigen kann.

4. Kontrazeption auf Seiten des Mannes

Als Vasektomie wird die operative Durchtrennung der Samenleiter beim Mann zur Sterilisation bei abgeschlossener Familienplanung bezeichnet.
Sie gilt als sichere, einfache und dauerhafte Methode zur Schwangerschaftsverhütung beim Mann. Medikamentöse oder hormonelle Behandlungen stehen derzeit nicht zur Verfügung.
Die Vasektomie des Mannes ist insbesondere im Vergleich zur Tubenligatur der Frau (operative Durchtrennung des Eileiters) ein risikoarmer Eingriff. 6-8 Wochen nach einer Vasektomie sollte die erste Kontrolluntersuchung des Ejakulates erfolgen. Sollten hiernach keine Spermien nachweisbar sein, sollte nach Ablauf von etwa 3 und 12 Monaten eine erneute Kontrolle erfolgen. Erst nach zweimaligem aufeinanderfolgendem Nachweis fehlender Spermien im Ejakulat ist von einer Unfruchtbarkeit auszugehen und eine Unterbrechung der Verhütungsmaßnahmen möglich. In äußerst seltenen Fällen kann es auch mehrere Jahre nach einer Vasektomie zu einer spontanen Rekanalisation (Wiederdurchgängigkeit) der durchtrennten Samenwege mit erneutem Auftreten von Spermien im Ejakulat kommen. Im Fall eines erwünschten Kinderwunsches kann eine operative Wiedervereinigung der Samenleiterstümpfe vorgenommen werden (sog. Vasovasostomie). Hiernach lassen sich in 90-98% der Fälle wieder Spermien im Ejakulat nachweisen.

5. Induratio penis plastica

Die Induratio penis plastica ist zu Beginn gekennzeichnet durch eine schmerzhafte Erektion, welche im Verlauf von meistens drei Monaten nachlässt. Hiernach kommt es zu einer zunehmenden lokalen Verhärtung (Plaquebildung) und Abknickung des Schwellkörpers.
Diese kann so ausgeprägt sein, dass sie den Verkehr verhindert oder durch Schmerzen beeinträchtigt. Ferner kann es auch zu einer bandförmigen Einschnürung des Penis kommen. Des weiteren ist die Erkrankung häufig mit einer Potenzstörung vergesellschaftet.
Bei der sogenannten Induratio penis plastica handelt es sich um eine Erkrankung, die mit einer lokalisierten bindegewebigen Vermehrung im Bereich des Penisschwellkörper einhergeht und vom Patienten als tastbare Verhärtung wahrgenommen wird.
Die Ursache dieses Krankheitsbildes ist bislang unklar. Insgesamt wird geschätzt, dass etwa 10% aller Männer im unterschiedlichem Ausmaß von dieser Erkrankung, welche im wesentlichen erst nach dem 50. Lebensjahr auftritt, betroffen sind.
Der spontane Verlauf der Induratio penis plastica ist individuell unterschiedlich und lässt sich nicht vorhersagen. In einigen Fällen kommt es zu einer Ausheilung bzw. einem Rückgang der Plaquebildung und der Verkrümmung.
Verschiedene konservative Maßnahmen zur Therapie der Erkrankung haben letztlich keinen sicheren Nutzen erbracht. Neuerdings wird eine entzündliche Ursache diskutiert. Dies bestätigen auch Untersuchungen an der hiesigen Urologischen Klinik. Der Versuch einer antibiotischen und entzündungshemmenden Therapie ist deshalb möglich. Etabliert hat sich als operatives Verfahren lediglich die sog. Schwellkörperkorrektur zur Begradigung des Penis. Hierbei kann es zu einer Verkürzung des Penisschaftes kommen (pro 10° Krümmung muss mit einer Verkürzung von 1-2 mm Penislänge gerechnet werden). Andere operative Maßnahmen mit Entfernung der Plaques und Gewebeersatz bleiben sehr ausgedehnten Befunden vorbehalten. Hier ist häufig gleichzeitig die Implantation einer Penisprothese erforderlich.

Vasektomie – Definition, Ziel und Kosten

Sterilisationsziel / Ziel der Vasektomie

Das ausschließliche Ziel der Vasektomie ist es, eine Schwangerschaft zu verhindern. Da die Samenleiter durchtrennt und der natürliche Weg der Spermien mit der Vasektomie-OP unterbrochen werden, können keine Spermien mehr ins Ejakulat gelangen. Nach dem Eingriff kann eine Vaterschaft nahezu ausgeschlossen werden. Der sogenannte Pearl Index liegt etwa bei 0.

Alle anderen Funktionen bleiben erhalten. Das bedeutet, die Potenz des Mannes, der Orgasmus, aber auch die Lust auf Sex sowie die Fähigkeit der Erektion (Penisversteifung) und Ejakulation bleiben unverändert. Ebenso das Empfinden des Orgasmus bleibt bestehen.

Auch die Samenflüssigkeit bzw. der Samenerguss bleibt nahezu unverändert, bspw. in Menge, Konsistenz, Geruch. Der einzige Unterschied zwischen „Vor der Vasektomie“ und „Nach der Vasektomie“ ist, dass nun keine Spermien mehr in der Samenflüssigkeit enthalten sind und die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft wegfällt. Männer und Paare müssen sich nun (nach den Ergebnissen der Spermiogramme) keine Gedanken mehr über Verhütung machen. Manche berichten sogar, dass sich das Sexualleben aufgrund dessen, weil man nicht ständig an Verhütung denken muss, verbessert hat.

Auch nach der Sterilisationsoperation beim Mann ist die Hodenfunktion unverändert. Die Hormonproduktion und die Produktion von Testosteron (männliches Sexualhormon) finden nach wie vor statt. Die Samenzellen, welche sich im Hoden bilden, werden vom Körper entsprechend abgebaut. Auf lange Sicht reduziert sich die Spermienproduktion. Ein sogenannter „Spermienstau“ findet nicht statt.

Sterilisation / Vasektomie – Dauerhafte Unfruchtbarkeit

Die Sterilisation ist eine operative Methode mit dem Ziel einer dauerhaften Unfruchtbarkeit. Weltweit ist die Sterilisation der Frau die am häufigsten verwendete Methode der Verhütung. Die Sterilisation des Mannes, Vasektomie genannt, wird erheblich seltener durchgeführt, obwohl sie vom Eingriff her wesentlich unkomplizierter und einfacher ist.

Eine Sterilisation bietet sich nur an, wenn die Familienplanung definitiv abgeschlossen ist und ein bestimmtes Alter bzw. bestimmte Lebensziele erreicht sind. Unter 30 Jahren sollte sie nur durchgeführt werden, wenn medizinische Gründe vorliegen. Viele Frauen ändern ihre Einstellung zum Kinderwunsch noch zu einem späteren Zeitpunkt. Es gilt immer zu bedenken, dass sich im Leben in kürzester Zeit viel verändern kann, z. B. ein neuer Partner oder Scheidung, so dass vielleicht ein erneuter Kinderwunsch auftritt. Eine Sterilisation ist dann aber nur sehr schwer oder gar nicht mehr rückgängig zu machen. Die einzige Möglichkeit ist dann oft nur noch die künstliche Befruchtung.

Mann oder Frau – Wer soll sterilisiert werden

Vor einer Sterilisation muss sich das Paar gründlich überlegen, wer von beiden sich sterilisieren lässt. Zu berücksichtigen sind bei dieser Entscheidung u. a. Lebensalter des Partners, eventuelle Erkrankungen und vielleicht eine unterschiedliche seelische Belastbarkeit.

Sterilisation der Frau durch Operation

Die Sterilisation wird bei der Frau meistens in Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa eine Stunde. Wie andere Operationen ist eine Sterilisation mit Risiken verbunden. Bekannte Komplikationen sind Infektionen, Nachblutung, Verletzung anderer Nachbarorgane, Schmerzen und Thrombosen. Daher sollten Sie sich diesen Eingriff gut überlegen und sich nicht von Ihrem Partner oder anderen Personen überreden lassen.

Über eine Bauchspiegelung schafft sich der Frauenarzt Zugang zu den Eileitern, die entweder mit Hitze verschweißt (Elektrokoagulation), oder mit einem Clip abgeklemmt werden. So wird der Weg der Eizelle durch den Eileiter zur Gebärmutter blockiert und auch Samenzellen erreichen ihr Ziel nicht mehr. Der Eisprung findet weiterhin statt, das Ei gelangt dann in die Bauchhöhle und wird dort vom Körper problemlos abgebaut.

Sicherheit einer Sterilisation der Frau

Die Wirksamkeit der operativen Sterilisation der Frau ist sehr hoch. Der Pearl-Index liegt bei 0,1. D.h. im Schnitt gibt es 1 Schwangerschaft bei 1000 Sterilisationen. Die Komplikationsrate ist insgesamt relativ gering.

Für welche Frauen eignet sich eine Sterilisation?

  • für Frauen mit definitiv abgeschlossener Familienplanung bzw. für solche, die aus gesundheitlichen Gründen keine Kinder bekommen sollen.
  • für Frauen, für die keine andere Möglichkeit der Verhütung in Frage kommt

Vorteile einer Sterilisation der Frau

  • das Hormonsystem wird nicht beeinflusst – die Eierstöcke produzieren weiterhin Hormone und Eizellen, die dann vom Gewebe aufgenommen werden
  • keine Beeinträchtigung des Sexuallebens

Nachteile einer Sterilisation der Frau

  • kann nur schwer rückgängig gemacht werden
  • Operation mit allen möglichen Risiken nötig
  • evtl. Auftreten von seelischen Problemen
  • kein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten
  • mitunter früherer Eintritt in die Wechseljahre möglich

Kosten einer Sterilisation der Frau

Die Kosten werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, sondern müssen privat finanziert werden. Sie belaufen sich auf etwa 600 Euro.

Krankenkasse

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten des Spermiogramms?

Über diese Frage bin ich vor ein paar Tagen gestolpert…und ich habe mich erstmal gewundert, dass es überhaupt die Situation gibt, dass Spermiogramm-Kosten anscheinend nicht übernommen werden.

Das Spermiogramm ist für mich eine der Untersuchungen, die häufig viel zu spät veranlasst werden, obwohl es sich eigentlich um eine sehr simple Prozedur handelt. Zusätzlich ist das Spermiogramm zumindest in ungefähr 40% der Fälle von ungewollter Kinderlosigkeit, der Grund warum es nicht klappt. Bis eine wirklich aussagekräftige Diagnose steht, dauert es meistens etwa 3 Monate, da ein einzelnes Spermiogramm noch keine klare Aussage zulässt. Spermiogramm Parameter können z.B. durch eine Grippe oder ähnliches stark schwanken und sollten deshalb nach etwa 3 Monaten noch einmal überprüft werden. Drei Monate deshalb, weil Spermien so lange brauchen um neu heranzureifen.

Das Spermiogramm ist also ein einfacher und wichtiger Teil der Anamnese (Befunderhebung)bei unerfülltem Kinderwunsch. Das die Krankenkassen keine Kostenübernahme für Spermiogramme übernehmen konnte ich mir eigentlich nicht vorstellen. Insbesondere da die Kosten mit 60-100€ im Bereich der Kinderwunschdiagnostik eher günstig sind.

Fakt ist aber:

Viele Paare haben die Kosten für die Spermiogramme im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung aus der eigenen Tasche bezahlt.

Eine Umfrage in einer größeren Facebook-Gruppe ergab ein komplett uneinheitlichtliches Bild. Selbst bei den gleiche Krankenkassen schien sehr unterschiedlich entschieden zu werden. Mal wurden die Kosten übernommen, mal nicht. Manchmal nur bei der Kinderwunsch-Klinik, manchmal auch beim Urologen oder Andrologen…manchmal umgekehrt.
Es gab sogar die skurrile Aussage einer Kinderwunschklinik, dass keine Spermiogramme von den KK bezahlt werden würden, da die Ärzte als Gynäkologen gelten und sie daher keine Spermiogramme anbieten dürfen.

Da ich mir nicht erklären konnte, warum die Krankenkassen hier anscheinend so unterschiedlich entscheiden, habe ich folgende Krankenkassen um eine Stellungnahme gebeten:

Die Barmer, die Techniker Krankenkasse, die DAK, die SBK und die AOK

Die Antworten von Barmer, DAK, Techniker Krankenkasse, SBK und AOK

Ich habe dann so viele Krankenkasse wie möglich angeschrieben und nach einer Stellungnahme zum Thema: „Kostenübernahme Spermiogramm“ gebeten.

Und hier gab es dann zumindest einen Hinweis darauf, warum die Erfahrungen von Kinderwunsch-Paaren so unterschiedlich sind.

Die Barmer schrieb mir schon nach wenigen Stunden als erste Kasse zurück:

Hallo Katharina,

bei Verdacht auf Sterilität gehört die Untersuchung (das Spermiogramm) zur Krankenbehandlung und die Leistung kann direkt über die Gesundheitskarte mit uns abgerechnet werden. Ein Antrag ist in diesem Fall nicht notwendig.

Die Entscheidung darüber trifft der behandelnde Arzt im Rahmen seiner Therapiehoheit. Solltest du eine Privatrechnung erhalten, muss der Arzt im Vorfeld umfassend informieren und darüber aufklären.

Ein Gespräch und Austausch mit dem Arzt ist immer ratsam.

Viele Grüße,
Das Barmer-Team

Diese erste Rückmeldung brachte also schon etwas Licht ins Dunkel…der Arzt entscheidet als im Rahmen seiner „Therapiehoheit“ ob ein Spermiogramm notwendig ist oder nicht.

Nun frage ich mich natürlich, welcher Arzt in einer Kinderwunschklinik ernsthaft der Meinung sein könnte, dass ein Spermiogramm bei einer Kinderwunschbehandlung nicht notwendig ist???

Eine zweite Antwort bekam ich von der Techniker Krankenkasse:

Guten Tag Frau Jozefak,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Für die Untersuchung des Spermas (vor einer künstlichen Befruchtung) kann die EBM-Position 32190 (http://www.kbv.de/tools/ebm/html/32190_2903670050000962248000.html) abgerechnet werden. Im Zusammenhang mit einer künstlichen Befruchtung die EBM-Position 08540 (http://www.kbv.de/tools/ebm/html/08540_2901739395224702424960.html). Grundsätzlich liegt es in der Entscheidung des Arztes, welche Maßnahmen erforderlich sind und durchgeführt werden.

Können wir sonst noch etwas für Sie tun? Wir sind gern für Sie da.

Freundliche Grüße,
die Techniker Krankenkasse

Hier also ein ähnliches Fazit. Der Arzt entscheidet.

Antwort von der DAK-Gesundheit:

Liebe Katharina, wir haben heute folgende Antwort aus unserer Fachabteilung bekommen:

Die andrologische Diagnostik, oder auch Fruchtbarkeits-Check, bedarf einem Krankheitsnachweis. Die Kosten einer andrologischen Diagnostik ohne Hinweis auf Vorliegen einer Sterilität oder nach Sterilisation werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Bei Verdacht auf Sterilität ist die Untersuchung auf Zeugungsfähigkeit eine Kassenleistung im Sinne des SGB V (§ 27). Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung gibt es genau definierte medizinische Gründe, die für die jeweilige Behandlungsart zugelassen sind. Nur wenn diese Indikationen vorliegen, wird die Krankenkasse die Behandlung finanzieren. Die neuen Richtlinien des Bundesausschusses betreffen nun ganz speziell die ICSI und damit die männliche Fertilität. Neben den für beide Partner geltenden Voraussetzungen, die in dem unveränderten Teil der Richtlinien zur künstlichen Befruchtung hier vorgegeben sind, müssen ab dem 02. Juni 2017 folgende Voraussetzungen für eine ICSI Behandlung und die Übernahme der ICSI Kosten erfüllt sein:
• Es muss eine schwere männliche Fertilitätsstörung vorliegen. Es werden keine Grenzwerte für die Beurteilung des Spermiogramms genannt.
• Es müssen 2 Spermiogramme auf der Grundlage des Handbuchs der WHO vorgelegt werden. Der bisher notwendige zeitliche Abstand von 12 Wochen zwischen 2 Spermiogrammen wurde gestrichen.

Eine Untersuchung durch einen Arzt mit der Zusatzbezeichnung Andrologie ist vor Erstellung des Kostenplans notwendig.

Wir wünschen dir einen schönen Tag.
Liebe Grüße,
von der DAK-Gesundheit.

Diese Antwort weist im Grunde auch darauf hin, dass der Arzt entscheidet ob die Untersuchung notwendig ist oder nicht.

Die SBK schreibt mir ebenfalls, dass der Arzt, im Falle einer Privatrechnung, diese Entscheidung selbst getroffen hat:

Liebe Katharina,

danke für deine Anfrage.

Wird das Sperma untersucht, um einen unerfüllten Kinderwunsch abzuklären, übernimmt die SBK diese Kosten. Diese werden direkt über die elektronische Gesundheitskarte vom Arzt mit uns abgerechnet und der Versicherte muss keine Kosten verauslagen. Wird die Untersuchung rein auf Wunsch des Versicherten durchgeführt, ist die Untersuchung eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und wird privat abgerechnet.

Wenn Versicherte das Spermiogramm bei Abklärung eines unerfüllten Kinderwunschs selbst zahlen mussten, dann liegt es vermutlich daran, dass der Arzt eine Privatrechnung gestellt hat. In dem Fall sollte man immer den Arzt ansprechen und klären, warum er das Spermiogramm nicht über die Gesundheitskarte mit uns abrechnet.

Wenn du weitere Fragen hast oder ich bei anderen Themen behilflich sein kann, gib gerne kurz Bescheid.

Viele Grüße,
SBK
Siemens-Betriebskrankenkasse

Die AOK braucht für ihre Antwort zwar am längsten, gibt dann aber eine wirklich ausführliche Antwort 🙂

Hallo Katharina Jozefak,
wir haben nun endlich eine Antwort für Dich.

Zur Kostenübernahme von Spermiogrammen haben wir folgende Informationen erhalten:

Eine Untersuchung bei Verdacht auf Sterilität, gehört zur Krankenbehandlung und kann über die elektronische Gesundheitskarte abgerechnet werden.

Diese Abrechnungsziffer wäre bei Vorliegen von medizinischer Notwendigkeit vom behandelnden Arzt/Urologen abrechnungsfähig:

Innerhalb der Maßnahme zur künstlichen Befruchtung kann vom Reproduktionsmediziner die EBM-Ziffer 08540 im Rahmen von § 27a SGB V
http://www.kbv.de/tools/ebm/html/08540_2901739395224702424960.html abgerechnet werden.

Wir hoffen, dass Dir diese Antwort weiterhilft.

Bei weiteren Fragen sind wir selbstverständlich gerne für Dich da.
Viele Grüße,
Deine AOK

Auszug aus dem Sozial Gesetzbuch

Zum besseren Verständnis hier ein Auszug aus dem Sozial Gesetzbuch:

Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) –
Gesetzliche Krankenversicherung

(1) Versicherte haben Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie notwendig ist, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern. Die Krankenbehandlung umfaßt
1.
Ärztliche Behandlung einschließlich Psychotherapie als ärztliche und psychotherapeutische Behandlung,
2.
zahnärztliche Behandlung,
2a.
Versorgung mit Zahnersatz einschließlich Zahnkronen und Suprakonstruktionen,
3.
Versorgung mit Arznei-, Verband-, Heil- und Hilfsmitteln,
4.
häusliche Krankenpflege und Haushaltshilfe,
5.
Krankenhausbehandlung,
6.
Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und ergänzende Leistungen.

Selbstverständlich bin ich keine Anwältin und in der Auslegung von Gesetzestexten nicht ausgebildet. Trotzdem würde ich nach meinem allgemein Verständnis davon ausgehen, dass das Spermiogramm notwendig ist um für ein Paar eine Aussage über die Gründe des unerfüllten Kinderwunsches zu machen.
Dann müsste die Krankenversicherung diese Spermiogramme auch übernehmen…einzige Ausnahme wäre hierbei vielleicht eine vorherige Sterilisation. Dies wird aber wohl eher die Ausnahme sein.

Schaut man sich die Antworten der Krankenkassen an, wird also deutlich, dass die Ärzte im Rahmen ihrer Therapiehoheit entscheiden, ob sie die Spermiogrammkosten über die Krankenkasse abrechnen oder ob dem Paar eine Privatrechnung gestellt wird. Da bei einer Privatrechnung deutlich mehr Kosten abgerechnet werden können (bis 3,5 Mal so viel wie bei einer Abrechnung über die gesetzliche Kasse) ist es für die Ärzte und Kliniken natürlich lukrativ, die Kostenübernahme nicht über die Kassen laufen zu lassen.

Falls man also die Information bekommt, dass die Kosten privat getragen werden müssen, kann man hier kritisch nachfragen. Falls Arzt oder Klinik nicht von ihrem Standpunkt abweichen, kann man sich auch nochmal mit der Krankenkasse in Verbindung setzen und dort Rücksprache halten.

Ich hoffe mit diesen Informationen im Rücken ist es kein Thema mehr, dass Kinderwunsch-Paare ihre Spermiogramm-Kosten selbst begleichen müssen.

Alles Liebe,

deine Katharina

Nina und Marc* waren die typischen Klienten: Verheiratet, beide Mitte dreissig und so ziemlich alles erreicht. Feste Jobs, grosse Wohnung, schön eingerichtet. Nun sollten die Kinder kommen, zwei wünschten sie sich. Ein Jahr lang hatten sie nicht verhütet. Aber Nina wurde nicht schwanger.

Jedes fünfte Paar, das ein Baby zeugen möchte, schafft es innerhalb von zwölf Monaten nicht. Bei Nina und Marc aber schien die Lage viel schlimmer, wie eine Untersuchung ihrer Fruchtbarkeit zeigte. Die Eisprünge der Frau: viel zu selten. Die Spermien des Mannes: viel zu langsam.

Auch Ninas Alter war ein Problem. Ab 35 sinkt die Chance auf eine erfolgreiche Schwangerschaft rapide. Die Wahrscheinlichkeit, in dieser Lage überhaupt ein Kind zu zeugen: Höchstens ein paar Prozent, erklärte der Arzt eines Kinderwunschzentrums in einer deutschen Grossstadt. Das Paar sei so gut wie unfruchtbar.

Wohlgeformte Spermien

Für Reproduktionsmediziner ist menschliche Fruchtbarkeit messbar und vorhersagbar. Doch stimmen diese Prognosen überhaupt? Forscher können zwar Frauen und Männer untersuchen, denen es nicht gelingt, ein Kind zu zeugen. Aber noch immer wissen sie fast nichts darüber, was im Körper einer Frau nach der Befruchtung passiert. Und manchmal bekommen vermeintlich unfruchtbare Paare auf einmal Babys.

Diese Babys sind keine urbane Legende, es gibt sie, und zwar überraschend oft. Das zeigt etwa eine gemeinsame Erhebung des Imperial und des King’s College London. Von 403 Paaren, die sich in einer Kinderwunschklinik hatten behandeln lassen, bekamen 96 innerhalb von sechs Jahren auf natürliche Weise ein eigenes Kind. Fast jedes vierte Paar also. Irren sich Ärzte so oft?

Reproduktionsmediziner messen bei Frauen im Blut den Spiegel der Geschlechtshormone und den der Schilddrüsenhormone. Hat eine Frau zu wenige Östrogene, kann das erklären, weshalb der Eisprung ausbleibt. Die Geschlechtshormone sorgen auch für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und bereiten das Organ auf die Schwangerschaft vor. Dann wird noch das Anti-Müller-Hormon im Blut bestimmt. Es soll anzeigen, wie viele Eizellen in den Eierstöcken noch vorhanden sind.

Wirklich unfruchtbar?

Männer geben eine Spermaprobe ab. Diese sehen sich Labormitarbeiter unter dem Mikroskop an und zählen Samenzellen. Mindestens fünfzehn Millionen pro Milliliter sollten es sein. Zudem wohlgeformt, mit beweglichem Schwanz und ovalem Kopf. Mindestens ein Drittel der Spermien sollte geradeaus schwimmen, nicht nur im Kreis herum. Das ist die aktuelle Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für männliche Fruchtbarkeit. Sie gilt seit dem Jahr 2010, vorher war sie strenger. Und nun wird wieder über eine weitere Lockerung debattiert.

„Viele Parameter, die benutzt werden, um die menschliche Fruchtbarkeit zu erfassen, werden der Wirklichkeit nicht gerecht“, sagt Klaus Weber, Spermienforscher im Labor AnaPath in solothurnischen Oberbuchsiten. Manche Männer trügen zum Beispiel zu warme Kleidung, bevor sie ihre Probe im Labor abgeben. „Allein das mindert die Zahl lebender Spermien drastisch.“

Tatsächlich schwankt die Qualität der sogenannten Spermiogramme im Tagesverlauf viel stärker, als Experten einst dachten. In einer neuen Studie aus den USA gaben 763 Männer immer wieder Proben ab. Diese zeigten vor allem eines: An ihnen liess sich die Fruchtbarkeit kaum messen, mal schien sie hoch, dann gefährlich niedrig. Doch hatten sich alle diese Männer bereits als fruchtbar erwiesen: Jeder hatte eine Frau, die gerade ein Kind von ihm erwartete.

Eine Studie aus China kam zu einem ähnlichen Ergebnis, hier gaben über 1200 Männer eine Spermienprobe ab. Mehr als ein Drittel der Männer waren nach WHO-Kriterien unfruchtbar oder sehr eingeschränkt fruchtbar. Doch alle diese Männer zeugten innerhalb eines Jahres ein Kind.

Man weiss zu wenig

„Vieles, was man über die Fortpflanzung zu wissen glaubt, gehört eher in den Bereich der Vermutungen“, sagt Gunther Wennemuth, Leiter des Instituts für Anatomie am Universitätsklinikum Essen. Etwa das Wettrennen, die Spermien angeblich im Körper der Frau veranstalten, um am schnellsten an die Eizelle zu gelangen. „Das stimmt in dieser Form nicht“, erklärt Wennemuth.

Spermien bilden Teams, um voranzukommen, hat der Forscher herausgefunden. Zwei, drei oder vier Keimzellen stecken ihre Köpfe zusammen. Im Team, so wies Wennemuth nach, schwimmen sie doppelt so schnell wie Einzelkämpfer. Kooperation statt Konkurrenz ist gerade am Anfang der Wanderung zur Eizelle von Vorteil. Am Ende schafft es gewöhnlich trotzdem nur ein Spermium in die Eizelle.

„Es ist bis heute nicht absolut klar, was ein gutes Spermium von einem schlechten unterscheidet“, sagt Hubert Schorle, Pathologe von der Universität Bonn, der im vergangenen November einen weiteren Glaubenssatz widerlegte. Er zeigte mit Versuchen an Mäusen, dass aus Spermien, die man für minderwertig hielt, doch Nachwuchs entstehen kann.

Die meisten Frauen und Männer, die wegen Unfruchtbarkeit behandelt würden, seien vermutlich gar nicht unfruchtbar, sagt der deutsche Reproduktionsmediziner Christian Gnoth, sondern nur vermindert fruchtbar. Mit medizinischen Mitteln könne man ihnen meist helfen. Auch Nina und Marc, denen die Ärzte eine Fruchtbarkeit von höchstens ein paar Prozent vorausgesagt hatten, entschieden sich schliesslich für die teuren Behandlungen. Doch nach einer Insemination und zwei Versuchen mit einem im Labor gezeugten Embryo brachen sie die Sache verzweifelt ab.

Vier Monate später spürt Nina ein Ziehen in ihren Brüsten. Ihre Monatsblutung ist ausgeblieben, wie schon so oft. Sie besorgt einen Schwangerschaftstest und sagt zu Marc, er solle auf den Streifen schauen, sie ertrage kein negatives Ergebnis mehr. Das muss sie auch nicht: Ihr Sohn ist heute ein halbes Jahr alt.

* Namen der Autorin bekannt.

Fruchtbarkeitsstörungen beim Mann

Bei etwa der Hälfte aller ungewollt kinderlosen Paare liegt die Ursache für das Fruchtbarkeitsproblem allein oder zum Teil beim Mann. Häufig wird dies erst durch die Untersuchung einer Samenprobe im Labor entdeckt.

© BZgA/Espen Eichhöfer

Viele unterschiedliche Faktoren können die männliche Zeugungsfähigkeit einschränken – bis hin zur Unfruchtbarkeit (Infertilität). Oft bleiben die genauen Ursachen jedoch im Dunkeln. Teils, weil der Ablauf der Samenzellreifung, des Transports der Spermien zur Eizelle und des komplexen Befruchtungsvorgangs immer noch nicht in allen Einzelheiten bekannt ist. Teils, weil auch beim Mann so viele hormonelle und enzymatische Vorgänge ineinandergreifen müssen, dass oft nicht zu sagen ist, an welcher Stelle genau der Reifungs- oder Befruchtungsprozess gestört ist. Daher kann es passieren, dass selbst bei einem unauffälligen Ergebnis eines Samentests (Spermiogramm) die Spermien nicht ohne medizinische Hilfe befruchtungsfähig sind.

Störungen der Samenzellbildung

Die häufigste männliche Fruchtbarkeitsstörung besteht darin, dass nicht genügend intakte und gut bewegliche Spermien produziert werden. Als Richtwert gilt eine Gesamtzahl von mindestens 39 Millionen Spermien in der Samenflüssigkeit (Ejakulat) (oder 15 Millionen pro Milliliter), wovon wenigstens vier Prozent normal geformt und mindestens 32 Prozent gut beweglich sein sollten.

Ursache für die Störung kann ein früherer oder aktueller Hodenhochstand sein (Leisten- oder Gleithoden etc.). Dabei befinden sich die Hoden nicht komplett oder nicht beständig im Hodensack, wie es für eine ungestörte Spermienproduktion erforderlich ist. Die vermutlich genetisch mitbedingten Ursachen eines Hodenhochstandes sind noch nicht eindeutig geklärt. Der Fehlstand schädigt die Hoden auf Dauer, da sie dadurch zu warm sind und möglicherweise auch schlechter durchblutet werden. In der Folge produzieren sie zu wenige Spermien.

Auch direkte Schädigungen des Hodengewebes können die Spermienproduktion nachhaltig beeinträchtigen: Dazu können frühere oder akute Infektionen der Hoden oder Nebenhoden (Orchitis/ Epididymitis) führen, zu denen auch eine Mumpsorchitis in der Kindheit zählt. Schaden können auch Hodenverletzungen etwa durch Sport oder eine Hodenverdrehung (Hodentorsion). Nicht zuletzt stehen Varikozelen (verdickte Venen meist in der linken Hodensackhälfte) im Verdacht, die Spermienproduktion zu stören.

Hodentumoren sind insgesamt selten, gehören aber zu den häufigsten männlichen Krebserkrankungen in der Altersgruppe zwischen 20 und 40 Jahren. Unter Männern mit einer festgestellten Fruchtbarkeitsstörung treten Hodentumoren zudem deutlich häufiger auf. Die Fruchtbarkeitsstörung wird deshalb auch als ein Risikofaktor für eine Tumorerkrankung des Hodens angesehen.

Einen nachweislich schädlichen Einfluss hat das Rauchen – sowohl auf die Produktion als auch auf die Befruchtungsfähigkeit von Spermien. Wegen vermehrter DNA-Schäden der Spermien verschlechtern sich bei Rauchern außerdem die Erfolgschancen einer künstlichen Befruchtung.

Störungen des Spermientransports

Bei manchen Männern werden zwar ausreichend Spermien gebildet. Aufgrund einer Störung des Spermientransports – die Samenwege sind hier teilweise oder ganz verschlossen oder nicht vollständig angelegt – können sie sich aber nicht mit der Samenzellflüssigkeit vermischen. In diesen Fällen finden sich im Ejakulat dann zu wenige oder keine intakten Spermien (Obstruktive Azoospermie).

Die Ursache liegt häufig in einer Störung der Nebenhodenfunktion, in einer Vernarbung der Samenleiter – zum Beispiel durch die Operation eines Leistenbruchs oder gewollt durch eine Sterilisation (Vasektomie) – oder in einer angeborenen Fehlbildung. Auch unbemerkte Infektionen (etwa durch Chlamydien) können zu einem Verschluss der Samenwege führen.

Verschlossene Samenwege lassen sich in vielen Fällen mikrochirurgisch öffnen, sodass eine Zeugung auf natürlichem Weg wieder möglich ist. Können die Samenwege nicht passierbar gemacht werden, besteht die Möglichkeit der Testikulären Spermienextraktion (TESE) oder der Mikrochirurgischen Epididymalen Spermienaspiration (MESA). Dabei werden den Hoden oder den Nebenhoden Spermien entnommen, eingefroren und später für die künstliche Befruchtung aufbereitet.

Unzureichender Harnblasenverschluss

Bei einigen Männern funktioniert der muskuläre Verschluss zwischen Blase und Prostata nicht ausreichend, wodurch es zu einer sogenannten retrograden (rückwärtsgewandten) Ejakulation kommt. Dabei wird der Samen bei einem Orgasmus nicht durch den Penis nach draußen befördert, sondern in die Blase abgegeben und später mit dem Urin ausgeschieden.

Mögliche Ursachen für einen unzureichenden Harnblasenverschluss sind Operationen an einer vergrößerten Prostata, ein Diabetes mellitus oder Nervenschädigungen. Kann die retrograde Ejakulation selbst nicht behandelt werden, lassen sich unter Umständen mit speziellen Verfahren die Spermien aus dem Urin herausfiltern.

Antikörper-Bildung

Bei der immunologischen Sterilität behandelt das Immunsystem des Mannes die eigenen Samenzellen als Fremdkörper. Die Folge ist eine Abwehrreaktion gegen die eigenen Körperzellen (Autoimmunreaktion). Dabei greift das Immunsystem die Samenzellen an, indem es im Blut Abwehrstoffe (Antikörper) gegen sie bildet. Diese Antikörper heften sich an die Spermien an und können sie dadurch sowohl in ihrer Beweglichkeit als auch in ihrer Fähigkeit beeinträchtigen, die Eizelle zu erreichen und ihre Hülle zu durchdringen.

In der Reproduktionsmedizin ist umstritten, ob die Antikörperbildung allein ausreicht, die Fruchtbarkeit entscheidend einzuschränken. Man muss allerdings davon ausgehen, dass eine ernsthafte Beeinträchtigung wahrscheinlich ist, wenn mehr als 50 % der Spermien mit Antikörpern behaftet sind.

Unklare Ursachen

Unklar ist die Bedeutung von Umwelteinflüssen, beispielsweise durch Pestizide, chlororganische Verbindungen und andere chemische Stoffe, Schwermetalle, radioaktive Strahlung oder Hitze. Obwohl die schädigende Wirkung auf den menschlichen Körper ab einem bestimmten Maß unbestritten ist, lässt sich für den Einzelnen nur selten ein eindeutiger Einfluss auf die Fruchtbarkeit nachweisen. Gleichwohl sollten die Bedingungen am Wohnort und Arbeitsplatz bei der Suche nach fruchtbarkeitsstörenden Einflüssen mitbedacht werden.

Daneben gibt es eine Reihe von hormonellen und genetischen Störungen, die in vielfältiger Weise die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Außerdem kann die Zeugungsfähigkeit durch Ejakulationsstörungen und Erektionsprobleme behindert werden.

Nicht zuletzt können Allgemeinerkrankungen von Nieren, Herz und Leber, Stoffwechselstörungen sowie Alkohol-, Drogen- und Anabolikamissbrauch in den Hormonhaushalt eingreifen und fruchtbarkeitsschädigende Prozesse in Gang setzen.

In vielen Fällen (die Schätzungen reichen von 20 bis 35 Prozent) lässt sich eine verminderte Fruchtbarkeit zwar feststellen, nicht aber ihre genaue Ursache. Dann spricht man von der sogenannten idiopathischen Infertilität. Hinter dieser Sammeldiagnose, die übrig bleibt, wenn alle bekannten möglichen Ursachen ausgeschlossen wurden, verbirgt sich eine Vielzahl von bisher nicht identifizierbaren Störungen der Steuerung der Spermienproduktion und des Befruchtungsvorgangs.

Behandlung ist oft möglich

Auf die Ursachen einer Fruchtbarkeitsstörung hat man zum Zeitpunkt der Diagnose oft keinen Einfluss mehr. Das Problem geht häufig auf eine frühe Entwicklungsstörung zurück (etwa einen Hodenhochstand) oder auf eine (unbemerkte) vergangene Infektion der Hoden oder Samenwege.

Dennoch kann die Medizin häufig Hilfe anbieten. Grundsätzlich gilt es, mögliche Ursachen für die Fruchtbarkeitsstörung zu erkennen und wenn möglich zu behandeln. Wird zum Beispiel eine gestörte hormonelle Steuerung der Hodenfunktion diagnostiziert, kann man oft die fehlenden Hormone ersetzen oder eine überschießende Produktion von Hormonen korrigieren.

Lässt sich die Fruchtbarkeit nicht verbessern oder sind die Ursachen der Fruchtbarkeitsstörung nicht behandelbar, besteht die Möglichkeit, Ei- und Samenzellen den Weg zueinander zu erleichtern. Das geschieht mithilfe von Techniken der künstlichen Befruchtung (ART). Sie beseitigen zwar nicht die Ursache einer Fruchtbarkeitsstörung, helfen jedoch, die Auswirkungen einer Störung auf die Befruchtungsfähigkeit der Spermien zu umgehen. Welches Verfahren geeignet ist, hängt sowohl von den Befunden des Mannes als auch der Frau ab. Die Entscheidung betrifft immer das Paar als Ganzes.

Zu den Verfahren der ART gehören die Intrauterine Insemination (IUI), die In-vitro-Fertilisation (IVF) und vor allem die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI).

Männliche Infertilität

  • Bei jedem Paar mit unerfülltem Kinderwunsch sollte auch der Mann klinisch evaluiert werden.

1. Anamnese

  • Sexualanamnese: Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs, Libido, erektile Dysfunktion, Impotenz, Kohabitationsprobleme, Kenntnisse über „optimales Timing“, Schwangerschaften aus früheren Beziehungen
  • Allgemeinerkrankungen: z. B. Diabetes mellitus, neurologische Erkrankungen, Malignome, Infektions- und Geschlechtskrankheiten
  • Urogenitalinfektionen: Mumpsorchitis, sexuell übertragbare Krankheiten, Epididymitis, Tuberkulose
  • Operative Eingriffe: Orchidopexie bei Kryptorchismus oder Hodentorsion, Varikozelen-Op., Hodentrauma, pelvine, inguinale oder skrotale chirurgische Eingriffe
  • Medikamente: Anabolika, Sulfasalazine, Alphablocker, Cimetidin und Aldosteronantagonisten (können Hyperprolaktinämie verursachen)
  • Gonadotoxische Substanzen: Radio-, Chemotherapie, Alkohol, Nikotin, Drogen, Androgene, Pestizidexposition
  • Sonstiges: Hitzeexposition, exzessiver (Ausdauer-)Sport.

2. Körperliche Untersuchung

  • Allgemein: Ernährungszustand, sekundäre Geschlechtsmerkmale, Gynäkomastie
  • Körperstatus: Körperbau, -proportionen, Behaarungsmuster, Hautfettigkeit, Adipositas, Gynäkomastie
  • Inspektion von Penis und Skrotum: Hypospadie, Phimose, Penisdeviation, Induratio penis plastica, Urethramündung: Rötung, Ausfluss
  • Hoden: Hodenvolumina (Prader Orchidometer > 15 ml, Testes > 3,6 cm lang), Konsistenz, verdächtige Verhärtungen
  • Nebenhoden: vergrössert, induriert, druckdolent
  • Samenstrang: Aplasie des Vas deferens
  • Varikozele
  • Prostata, rektale Palpation: Grösse, Dolenz, Knoten.

3. Spermiogramm

  • Ist obligatorisch in der Infertilitäts-Diagnostik
  • Spermaprobe nach mind. 2-tägiger sexueller Abstinenz
  • Wiederholungs-Spermiogramm: Bei unauffälligem Befund hält mediX eine Wiederholung i. d. R. nicht für notwendig – entsprechend EAU-Empfehlung (5). Bei auffälligem Befund Wiederholung nach 2–3 Monaten, da Schwankungen häufig sind. Hinweis: Am USZ wird auch bei unauffälligem ersten Spermiogramm eine Wiederholung empfohlen (s. u.).

Tabelle 3: Normale Spermiogrammwerte (WHO, 2010)

Parameter

Normwerte (WHO 2010)

Samenvolumen

≥ 1,5 ml

Spermienkonzentration

≥ 15 Mio./ml

Spermienzahl / Ejakulat

≥ 39 Mio.

Progressive Motilität

≥ 32 %

Totale Motilität

≥ 40 %

Normale Morphologie

≥ 4 %

Leukozyten

< 1 Mio./ml

MAR Test*

< 50 %

*MAR Test: Mixed antiglobulin reaction (Spermien-AK-Test)

  • Erweiterte Spermiogramm-Diagnostik: kann zur Ursachenaufklärung beitragen.
  • Biochemische Parameter: am wichtigsten ist Fruktose als Marker der Samenblasenfunktion. Geringe oder nicht bestimmbare Fruktose –> bei kongenitalem Fehlen von Vas deferens, Samenblase oder bei Ductus ejaculatoris-Obstruktion. Bei Nebenhodenobstruktion ist Fruktose normal
  • Spermienfunktionstests: eignen sich nicht zum allgemeinen Screening, können jedoch gerechtfertigt sein, wenn das Standard-Spermiogramm (weitgehend) unauffällig ist. Parameter: z. B. Spermien-Zervikalmukus-Interaktion, Akrosinaktivität, akrosomale Reaktionsfähigkeit, DNA-Fragmentierung (die Bedeutung der DNA-Integrität für die Infertilität wird kontrovers beurteilt )
  • Genetische Tests: Y-chromosomale Mikrodeletionen –> Bestimmung Azoospermiefaktoren (AZFa, AZFb, AZFc). Männer mit nachgewiesener Mikrodeletion haben eine schwere Oligozoospermie oder Azoospermie, die Ergebnisse der assistierten Befruchtung (ICSI, siehe Kap. 4) sind aber nicht beeinträchtigt, sofern Spermien aus dem Hoden extrahiert werden können.

Interpretation des Spermiogramms (8, 14)

  • Resultate im Normbereich garantieren keine Fertilität, umgekehrt sind Schwangerschaften bei Befunden im pathologischen Bereich oft möglich. Die meisten Männer (Väter eingeschlossen) haben kein perfektes Spermiogramm! Für den einzelnen Patienten kann die Fertilität (meist) nur grob geschätzt werden, aus folgenden Gründen:
  • Wichtige Spermienfunktionen werden im Basisspermiogramm nicht erfasst, z. B. Spermien-Oozyten-Interaktionen, Zervix-Mukus-Penetration
  • Kompensationsmechanismen durch die Partnerin bleiben unberücksichtigt
  • Der Nachweis intakter beweglicher Spermien mit normaler Morphologie schliesst eine absolute Infertilität aus
  • Die WHO-Referenzwerte für ein normales Spermiogramm (Tabelle 3) sind nicht als Cut-off-Werte zwischen fertilen und infertilen Männern zu verstehen!
  • Bei Verschlechterung der Spermiogrammvariablen erhöht sich die Infertilitätswahrscheinlichkeit
  • Das Fertilisierungspotenzial sinkt erheblich bei < 1 Mio./ml motiler normomorpher Spermien und ist äusserst gering bei < 30’000/ml.

Mögliche Ursachen

  • Schweres OAT-Syndrom: meistens idiopathische testikuläre Abnormität
  • Azoospermie (obstruktiv): fehlendes Vas deferens (cave: bei 2/3 rezessive Mutation für Zystische Fibrose!), postinfektiös (Chlamydien, Gonorrhö), St. n. Vasektomie
  • Azoospermie (nicht obstruktiv): hypogonadotroper Hypogonadismus, Kryptorchismus, Klinefelter (XXY), nach Radio-Chemotherapie, idiopathisch
  • Azoospermie bei normalem Hodenvolumen, normalen Hormonparametern und Fruktosenachweis: spricht für eine Nebenhodenobstruktion –> Feinnadelaspiration falls ICSI geplant
  • Geringes Spermavolumen bei Azoospermie oder schwerer Oligozoospermie: spricht für eine Obstruktion im Genitaltrakt –> kongenitales Fehlen von Samenleiter und Samenbläschen, Obstruktion des Ductus ejaculatorius
  • Geringes Spermavolumen bei normaler Spermakonzentration: Probleme bei der Spermagewinnung oder partielle retrograde Ejakulation. (Androgenmangel geht mit geringem Spermavolumen und geringer Spermakonzentration einher)
  • Infektion: Der Cut-off für die Verdachtsdiagnose einer Infektion (< 1 Mio. Leuko/ml Ejakulat) ist nicht evidenzbasiert.

Praktisches Vorgehen (nach IVF- und Andrologielabor, USZ):

  • Zur Weiterbehandlung der Infertilität wird initial ein vollständiges Spermiogramm mit MAR-Test auf Spermienantikörper sowie biochemische Marker gefordert (ca. CHF 380.– am USZ, Andrologielabor)
  • Bei unauffälligem Befund wird am USZ nach 2–3 Monaten zur Bestätigung ein Basis-Spermiogramm (ohne AK und Biochemie) empfohlen (ca. CHF 160.– am USZ)
  • mediX empfiehlt, initial ein vollständiges Spermiogramm zu machen und den Patienten über die hohen Kosten aufzuklären.

4. Hormonstatus

  • Nur erforderlich falls das wiederholte Spermiogramm eine schwere Oligospermie zeigt (< 5 Mio. Spermatozoen/ml)
  • Gesamt-Testosteron (CHF 19.30), nur bei grenzwertigem Befund zusätzlich freies Testosteron (CHF 30.–)
    • Wenn Testosteron tief ist, kann FSH und LH zur Differenzierung eines primären/sekundären Hypogonadismus bestimmt werden.
      Interpretation: Ein erhöhtes FSH weist auf eine Störung der Spermatogenese hin, ein normaler FSH-Wert ist kein Beleg für gute Samenqualität.

Azoospermie: normales FSH und normales Hodenvolumen spricht für obstruktive Azoospermie. Beachte: Bei Azoospermie und normalen Hormonwerten (oder extrem geringer Ejakulatmenge) an retrograde Ejakulation denken –> nach Spermien im Urin (nach Ejakulation) suchen

  • Falls auch LH tief ist, sollte noch das Prolaktin bestimmt werden.

5. Bildgebung (Sonographie)

  • Gehört nicht zu den Basisabklärungen und ist nur bei gezielter Fragestellung indiziert
  • Skrotalsonographie: Hodengrösse, Parenchymmuster, Spermatozele, Hydrozele, Varikozele, Hodentumor
  • Transrektale Sonographie: Prostata, Samenblase bei geringem Ejakulatvolumen (Nachweis Obstruktionen und Fehlbildungen).

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