Jungs 11 jahre

Männliche Pubertät

Die Pubertät ist geprägt von körperlichen, aber auch seelischen und sozialen Veränderungen. (nenetus / Fotolia)

Die männliche Pubertät bezeichnet die Phase der körperlichen Entwicklung vom Kind bis zum Erreichen der Geschlechtsreife bei jungen Männern. Sie beginnt bei Burschen im Allgemeinen mit 12 Jahren, rund zwei Jahre später als bei Mädchen. Das Eintrittsalter unterliegt jedoch einer großen individuellen Schwankungsbreite und ist von genetischen Faktoren, aber auch vom Gesundheits- und Ernährungszustand abhängig. Die psychischen und sozialen Veränderungen im Jugendalter werden Adoleszenz genannt und finden ihren Abschluss mit rund 21 Jahren.

Wodurch wird die Pubertät eingeleitet?

Die der Pubertät zugrunde liegenden hormonellen Veränderungen beginnen – unbemerkt noch vor den ersten wahrnehmbaren Zeichen – bereits im Alter von 8 bis 9 Jahren. Durch Steigerung der Hormonproduktion in der Nebennierenrinde (Adrenarche) wird die Reifung des Sexualzentrums in der hormonellen Schaltzentrale des Gehirns (Hypothalamus) gefördert und allmählich der Beginn der Pubertät eingeleitet.

Den Startschuss für den eigentlichen Beginn der männlichen Pubertät gibt der Hypothalamus durch eine erhöhte Ausschüttung von Hormonen (GnRH), die ihrerseits die Produktion der Sexualhormone LH und FSH anregen. Sie sorgen in den Hoden für die Produktion von Testosteron und für die Reifung von Spermien.

Testosteron als zentrales „männliches“ Hormon

Testosteron spielt eine zentrale Rolle in der männlichen sexuellen und reproduktiven Funktion. Es bewirkt die Veränderungen der primären (Penis, Hoden, Nebenhoden, Samenwege) und sekundären (Bartwuchs, Stimmbruch, Adamsapfel, männliches Erscheinungsbild) Geschlechtsmerkmale. Das Eintrittsalter in die Pubertät ist variabel, die Reihenfolge der Veränderungen jedoch weitgehend konstant. Bis zum Abschluss der Pubertätsentwicklung dauert es drei bis vier Jahre.

Ablauf der männlichen Pubertät

  • Vergrößerung der Hoden

Die Pubertätsentwicklung beginnt mit einer Größenzunahme der Hoden mit durchschnittlich 12 Jahren. Ab einem Hodenvolumen von 3 Milliliter spricht man von beginnender Pubertät. Messbar ist das Hodenvolumen mit dem Orchidometer nach Prader. Der Hodensack nimmt ebenfalls an Größe zu, die Haut der Hoden wird stärker pigmentiert und legt sich in kleine, dichte Falten.

  • Entwicklung der Schambehaarung (Pubarche)

Die Schambehaarung beginnt mit feinen, glatten Haaren am Penisansatz im Alter von durchschnittlich 12,2 Jahren. Später erst wird das Haar kräftiger, gekräuselt und breitet sich allmählich kreisförmig aus. Die einzelnen Stadien der Schambehaarung werden nach dem englischen Kinderarzt James M. Tanner in fünf „Tanner-Stadien“ eingeteilt. Auch die Haare in den Achseln beginnen langsam zu wachsen. Das Haarwachstum im Bereich von Brust, Schulter und Rücken kann bis zum 30. Lebensjahr andauern.

  • Peniswachstum

Der Penis wächst zuerst in der Länge, dann erst im Umfang. Die einzelnen Entwicklungsstufen des Peniswachstums werden ebenfalls durch fünf „Tanner-Stadien“ definiert.

  • Spermienproduktion

Die Spermienproduktion in den Hoden startet mit rund 13 Jahren. Die ersten Spermien im morgendlichen Spontanurin (Spermarche) finden sich im Alter von rund 13,4 Jahren. Zum Zeitpunkt des ersten Samenergusses (Ejakularche) sind jedoch nur vereinzelt Samen minderer Qualität vorhanden, die meist noch nicht befruchtungsfähig sind. Erst im Laufe der Zeit erhöhen sich die Zahl und die Quantität der Spermien bis zur vollen Zeugungsfähigkeit.

  • Wachstumsphase

Das Körperlängenwachstum beschleunigt sich für die Zeit von etwa zwei Jahren auf ein Maximum bis zu 10–12 cm pro Jahr. Mit Ende der Pubertät kommt das Längenwachstum mit dem Verschluss der Wachstumszonen in den Röhrenknochen wieder zum Stillstand. Gleichzeitig mit dem Körperwachstum ändert sich die Zusammensetzung der Körpergewebe zugunsten des Muskelanteils, die Schultern und der Brustkorb werden breiter, das typisch männliche Erscheinungsbild entsteht. Während der gesamten Wachstumsphase haben Jugendliche einen erhöhten Energiebedarf, den sie durch eine deutlich erhöhte Nahrungszufuhr decken.

  • Bartwuchs

Der Bartwuchs beginnt an der Oberlippe, ein Vollbart ist aber erst nach Abschluss der Pubertätsentwicklung zu erwarten.

  • Stimmbruch

Das Einsetzen des Stimmbruchs mit etwa 13,5 Jahren beginnt mit der Ausbildung des sogenannten Adamsapfels. Es handelt sich um den gut sichtbaren Teil des Kehlkopfes am Hals, der sich im Laufe der Pubertät unter Progesteron-Einfluss vergrößert. Dabei werden die Stimmbänder spitzwinkelig nach vorne gezogen und damit länger, wodurch sich auch die Stimme verändert. Nach Abschluss der Pubertät ist die männliche Stimme rund eine Oktave tiefer als bei Frauen.

Die hormonellen Veränderungen in der Pubertät verursachen oftmals durch die Aktivierung der Schweißdrüsen einen verstärkten Körpergeruch und Hautprobleme wie Akne.

Vermehrtes Schlafbedürfnis

Bei Kindern und Erwachsenen regelt ein gut getakteter Schlaf-Wach-Rhythmus das Schlafverhalten. Das Hormon Melatonin gibt das Schlafsignal und wird während des Schlafes wieder abgebaut. Bei Pubertierenden kommt es jedoch zu einer Verschiebung des Schlaf-Wach-Rhythmus nach hinten. Durch eine verspätete Ausschüttung von Melatonin werden sie rund ein bis zwei Stunden später müde und schlafen entsprechend später ein. Diese Zeit fehlt dann morgens beim Aufstehen, wodurch sie auch tagsüber oft mit Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und Konzentrationsschwäche zu kämpfen haben. Grundsätzlich sollten Pubertierende rund neun Stunden schlafen, bekommen aber tatsächlich meist zu wenig Schlaf.

+++ Mehr zum Thema Pubertät lesen Sie hier +++

Seelische und soziale Entwicklung

Neben der körperlichen Entwicklung vollziehen sich in der Pubertät tief greifende seelische und soziale Veränderungen. In dieser sensiblen Phase zeigen sich in unterschiedlicher Ausprägung Stimmungsschwankungen, Unsicherheiten, aber auch Protesthaltungen bis hin zur Aggressivität.

  • Strukturierung der Persönlichkeit (Identitätsfindung)
  • Ablösung vom Elternhaus: wachsendes Autonomiestreben
  • Erfahrungen in außerfamiliären Strukturen

+++ Mehr dazu: Vorzeitige Pubertät (Pubertas praecox) +++

+++ Mehr dazu: Verzögerte Pubertät (Pubertas tarda) +++

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Autoren:
Mag. Astrid Leitner
Medizinisches Review:
Prim. Univ.-Lektor DDr. Peter Voitl
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Aktualisiert am: 03.12.2013 | 11:21

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Wie lange dauert die Pubertät?

Vor wenigen Jahren standen die Kinder mit ihren Zuckertüten in den Armen, dem Ranzen auf dem Rücken und mit einem Lächeln, das die obligatorische Zahnlücke präsentiert, am ersten Schultag in Reih’ und Glied und ließen sich stolz fotografieren.

Und jetzt? Heute vertreten diese unsere Kinder ihre eigene Meinung, kleiden sich so, wie sie es möchten und Mama und Papa sind ihre Heldenrolle los. Aus den Kinderzimmern dröhnt Musik in zuvor ungeahnter Lautstärke und die Art der Musik und deren Texte verschrecken so manches Familienmitglied. Freuten sich die Kinder vor kurzem noch über CD´s von „Bibi und Tina“ oder den „Drei ???“, sind es jetzt Sido, Ed Sheeran und Co., die in Dauerschleife gespielt werden. Und weil das alles noch nicht genug ist, spielen bald der erste Freund oder die erste Freundin die Hauptrollen im Leben unserer „lieben Kleinen“. Sie geben sich Emojis auf „Insta“, verabreden sich in „WhatsApp“, machen einen „Snap Chat“ oder „Musicallys“.

Diese Veränderungen scheinen Eltern schon mal an den Rand eines Nervenzusammenbruches zu bringen. Dann steht schnell die Frage im Raum: Wie lange dauert die Pubertät? Wann ist diese Pubertät endlich vorbei? Was tut „ES“ da?

Was ist das, Pubertät?

Die Pubertät ist eine Phase der menschlichen Entwicklung. Vor der Pubertät und auch danach gibt es weitere Entwicklungsphasen. Und dennoch ist die Phase der Pubertät etwas Besonderes im Leben jedes Menschen. Sowohl für die Pubertierenden als auch für die Eltern. Die Veränderungen in dieser Zeit sind tiefgreifend und finden auf zwei Wegen statt. Auf der einen Seite verändert sich die Persönlichkeit und auf der anderen Seite der Körper. Die Veränderungen in der Persönlichkeit sind nicht immer zu fassen. Die Stimmung schwankt, manchmal von Augenblick zu Augenblick. Verschiedene Verhaltensweisen werden ausprobiert und Meinungen ändern sich immer wieder. Die körperlichen Veränderungen während der Pubertät sind wesentlich sichtbarer. Die Kinder wachsen in kurzer Zeit erheblich, Muskeln bilden sich heraus. Bei den Jungen wird z.B. die Stimme tiefer und bei den Mädchen setzt das Wachstum der Brust ein. Das alles sind Herausforderungen für beide Seiten. Für die Kinder und für die Eltern.

In welchem Alter kommen Kinder in die Pubertät?

Will man die Frage nach der Dauer der Pubertät zeitlich genau beantworten, müsste der Beginn präzise definiert werden. Die menschliche Entwicklung vollzieht sich sehr individuell. Der Beginn der Pubertät hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter nach vorn verlagert. Aktuell geht man davon aus, dass die Pubertät in Europa bei Mädchen zwischen dem 9. und 13. und bei Jungen zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr einsetzt. Bei den Angaben über das Ende der Pubertät sieht es ähnlich aus. Damit lässt sich der Beginn und das Ende der Pubertät am Alter der Jugendlichen nur vage festmachen, die Zeiträume sind sehr weit gefasst. Rolf Oerter und Leo Montada haben vor über 20 Jahren festgestellt, dass die Phase der Jugendzeit (und in diese Phase fällt die Pubertät) in industriellen Ländern immer länger dauert. (Oerter, Montada „Entwicklungspsychologie – Ein Lehrbuch“, Beltz PsychologieVerlagsUnion, 3. Auflage 1995).

Pubertierende als einflussreiche Größe für unsere Wirtschaft?

Jugendliche stellen in unserer Zeit eine wichtige Zielgruppe für Unternehmen dar und die Angebote werden immer umfangreicher und komplexer. Der Konkurrenzdruck zwischen den Unternehmen ist enorm und jeder versucht für sich einen möglichst hohen Marktanteil zu erhalten. Technische Innovationen wirken dabei als Motor der Entwicklung.

Nehmen wir das Beispiel der Musikindustrie: Als 1981 MTV als erster Spartensender, der sich auf Musik konzentrierte, an den Start ging, war die Musik der einzige Schwerpunkt. Durch die Entwicklung der Satellitentechnik war es ab Mitte der 90er Jahre möglich, spezielle Programme und Ableger für einzelne Länder zu produzieren. Mit dem Start von VIVA 1993 hatte Deutschland einen zweiten Musikkanal im Fernsehen. Auch die deutsche Musikindustrie hatte erkannt, dass auf diesem Weg ihre Produkte besser an die jugendliche Zielgruppen gebracht werden konnten. Heute gehört VIVA dem selben Konzern an wie MTV. Musik spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Stattdessen werden Programme produziert und gesendet, die sich mehr am Lebensgefühl der Jugend orientieren soll. Ob diese Programme das reale Lebensgefühl widerspiegeln oder nicht, liegt im Ermessen jedes Einzelnen.

Der Verbreitungsweg Fernsehen verliert immer mehr an Bedeutung. Das Internet sorgt dafür, dass die Angebote jederzeit und nahezu überall verfügbar sind. Gleichzeitig können sich die Konsumenten über das Internet und die neuen Medien direkt an den Sendungen beteiligen und Einfluss nehmen. Umgekehrt haben Unternehmen die Chance, ganz gezielt Werbung unterzubringen. Werbung, die auf die Bedürfnisse und Wünsche der User abgestimmt ist und neue Wünsche erzeugt. Wünsche, deren Erfüllung für die ökonomische Entwicklung der Werbetreibenden wichtig ist.

Dieses Beispiel soll verdeutlichen, wie wichtig Jugendliche für wirtschaftliche Unternehmen sind, welche Entwicklungen damit verbunden sein können und welche komplexen Marktmechanismen dahinter liegen.

Woran erkenne ich, dass die Pubertät begonnen hat?

Auf die Frage, woran Eltern bemerken, dass Ihre Kinder in die Pubertät kommen, erhalte ich oft sehr unterschiedliche Antworten. Hier einige Beispiele:
Mein Kind widerspricht häufig.

– Laute Musik.
– Mein Kind hat Stimmungsschwankungen.
– Bei uns zu Hause wird nur noch diskutiert.
– Unser Kind braucht viel länger im Bad und möchte plötzlich Deo benutzen.
– Unser Kind möchte nichts mehr mit uns unternehmen.

Dies ist nur eine kleine Auswahl. Sie reicht aber aus, um Ihnen deutlich zu machen, dass der Beginn der Pubertät individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Schließlich muss nicht jeder Widerspruch eines zehnjährigen Mädchens gleich auf den Beginn der Pubertät deuten. Vielmehr schleicht sich die Pubertät allmählich in den Familienalltag ein. Erst nach einiger Zeit kommen Eltern zu dem Schluss, dass die Pubertät begonnen hat.

Um zu bestimmen wie lange die Pubertät dauert, benötigt man neben dem Zeitpunkt des Beginns natürlich auch einen definierten Endpunkt. Auch dabei gilt, wie soll der Schluss definiert werden bzw. woran erkennen Sie als Eltern das Ende der Pubertät? Auch innerhalb der pubertären Phase gibt es Momente der Ruhe und Ausgeglichenheit, Momente, in denen ein harmonisches Familienleben durchaus möglich ist. Hinzu kommt, dass sich mit dem Pubertierenden auch das Familiensystem mitentwickelt und Situationen, die am Anfang als belastend wahrgenommen wurden, mit der Dauer der Pubertät gelassener gesehen werden. Eltern und Jugendliche wachsen miteinander an ihren Herausforderungen.

Fazit: Allein der Beginn der Pubertät lässt sich nur erahnen und höchstens rückblickend zeitlich eingrenzen. Die exakte Beantwortung der Frage, wie lange die Pubertät dann dauert, ist tatsächlich noch unmöglicher.

Wenn Sie wüssten, dass….

Nehmen wir an, Beginn und Ende der Pubertät könnten genau bestimmt und die Länge der Pubertät damit genau vorher gesagt werden: Was würde die Antwort für Sie und Ihren Alltag bedeuten? Sie wüssten dann, wie lange es noch dauert, bis diese Phase endlich abgeschlossen ist. Nur ist dies leider auch nur wenig Hilfe, wenn das Verhalten Ihres Sprösslings im jetzigen Augenblick eine deutliche Reaktion von Ihnen verlangt. In manchen Familien schlägt die Pubertät heftig zu. Spätestens, wenn Drogen ausprobiert werden oder die Polizei Ihren Sprössling aufliest und nach Hause bringt.

Ich verstehe, dass Eltern sich fragen, wie lange die Pubertät dauert. Besonders dann wenn das Verhalten der Kinder extrem wird und die Beziehung zwischen Eltern und Kind Risse bekommt. Man fragt sich: „Wann hat es endlich ein Ende?“

Gleichzeitig plädiere ich dafür, die Frage nach der Dauer der Pubertät umzuformulieren und zu fragen: „Wie kommen Eltern und Kinder gemeinsam gut durch die Pubertät?“

Früher oder später werden Eltern mit der Pubertät ihrer Kinder konfrontiert. Dabei sind sie leicht im Vorteil. Warum? Weil Eltern die eigene Pubertät schon durchlebt haben. Am Beginn meiner Arbeit mit Eltern fordere ich diese auf, sich an die eigene Pubertät zu erinnern. Was war damals gut? Was war damals schlecht?

Es kann durchaus vorkommen, dass Eltern dabei bewusst wird, dass Ihre Kinder im Grunde nichts anderes machen als das, was sie damals selbst taten. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir manche Dinge aus der Jugend im Erwachsenenalter ganz anders beurteilen. Schließlich tragen wir die Verantwortung für unseren Nachwuchs. Nicht zu vergessen sind unsere Erfahrungen, die wir seit der Pubertät gesammelt haben, die zu einer Neubewertung der damaligen Zeit beitragen. Dennoch halte ich es für sehr wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass wir in unserer Entwicklung eine Phase hatten, in der wir rebelliert haben, unser Streben nach Unabhängigkeit entdeckt haben und Dinge taten und sagten, die unsere Eltern auch nicht verstanden haben oder zumindest für seltsam hielten.

Kinder benötigen zum Aufwachsen Grenzen und Regeln. Sie brauchen die Gewissheit, dass ihre Eltern für sie da sind, wenn sie sie am Nötigsten haben. Pubertierende wollen und müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Aus Fehlern lernen und eigene Erfolge feiern dürfen. Und Eltern lernen, wann es günstiger ist, loszulassen und wann es günstiger ist, doch noch einige Zügel fest in der Hand zu behalten.

Das „Erste Mal“

Eng verbunden mit der Pubertät ist die Frage nach dem „Ersten Mal“. Zumeist verstehen wir darunter die ersten sexuellen Erfahrungen, die erste Regelblutung (Menarche) bei Mädchen oder den ersten Samenerguss bei den Jungen. Dabei gibt es so viel mehr „Erste Male“. Auch für die Eltern. Als Beispiel stellen Sie sich einfach vor, Sie können das erste Mal seit Jahren allein mit Ihrem Partner in den Urlaub fahren. Eine Vision, die für viele Eltern im ersten Moment vielleicht ungewohnt ist. Paare können diesen neuen Abschnitt als Chance nutzen, sich wieder oder noch intensiver um ihre eigene Partnerschaft zu kümmern, diese weiterzuentwickeln und gemeinsam neue Perspektiven finden. Pubertät der Kinder ist für Eltern und Jugendliche die Einladung, viele Dinge zum ersten Mal (wieder)zu erleben, Neues zu entdecken und sich selbst zu finden.

Fazit

Es gibt keine eindeutige Antwort darauf, wie lange die Pubertät dauert. Wenn es Ihnen gelingt ,die Phase der Pubertät als das zu sehen, was sie ist – eine wichtige Entwicklungsstufe Ihrer Kinder auf dem Weg erwachsen zu werden – und wenn es Ihnen gelingt, gemeinsam die alltäglichen Herausforderungen anzunehmen, dann sind die Voraussetzungen für ein gutes Gelingen gegeben. Konzentrieren Sie sich auf die Lösungen, statt auf die Probleme. Überlegen Sie, welche positiven Impulse die gegenwärtige Situation Ihrer Familie geben kann.

Irgendwann ist auch die längste Pubertät vorbei. Und es kommt die Zeit, in der die Pubertierenden von heute die Eltern von morgen sind und mit ihren Kindern die aufregende, manchmal Nerven raubende, aber sehr prägende Zeit der Pubertät durchleben. Dann können Sie in der Rolle der weisen Großeltern Trost spenden. Manchmal für Ihre Kinder und manchmal für Ihre Enkelkinder.

Autor: Matthias Munk
Thema: Wie lange dauert die Pubertät?
Webseite: http://matthias-munk.de

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Entwicklung des Kindes im 14. Lebensjahr (Jungen)

Im 14. Lebensjahr testen Jungen gern mal ihre Grenzen
Foto: © grafikplusfoto

Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

  • Wichtige Entwicklungsschritte
  • Ein Junge wird zum Mann
  • Körper der Jungen wird mit Hormonen geflutet
  • Privatsphäre, Türen knallen, freche Antworten
  • Die Sexualität erwacht

Wichtige Entwicklungsschritte im vierzehnten Lebensjahr bei Jungen

Mit etwa 11 Jahren beginnt die Pubertät bei Jungen, ab dem 14. Lebensjahr jedoch startet die Hochphase dieser schwierigen Zeit. Von nun an sind die nächsten 3 bis 4 Jahre geprägt von Wachstumsschüben, Hormonschwankungen, Pickeln und Zahnspangen, aber auch von der ersten richtigen Liebe bis hin zu den ersten sexuellen Erfahrungen der Jungen. Von Streit und Ärger bleibt keine Familie verschont. Die heranwachsenden Teenies reifen zu einer eigenständigen Persönlichkeit heran und fordern immer mehr Autonomie ein. Mehr über die Pubertät bei Jungen

Ein Junge wird zum Mann

Die Mädchen sind den Jungen meist um zwei Jahre voraus. Doch auch bei den heranwachsenden männlichen Kindern treten nach und nach unvermeidlich die typischen Veränderungen des Körpers während der Pubertät auf. Dazu gehören regelrechte Wachstumsschübe von bis zu zehn Zentimetern im Jahr. Die Hände und Füße werden signifikant größer, die Silhouette nimmt zunehmend mit breiten Schultern und schmalen Hüften maskulinere Formen an. Binnen kurzer Zeit baut der Körper des Jungen rasch Muskelmasse auf. Aufgrund dieser starken physischen Veränderung wirken Jungen während der Pubertät oft unproportioniert und zeigen sich aufgrund des neuen Körpergefühls recht ungelenk.

Der Körper der Jungen wird mit Hormonen geflutet

Den Beginn der Pubertät läutet die Hypophyse ein, also die Hirnanhangsdrüse. Sie sorgt dafür, dass der Körper das männliche Geschlechtshormon Testosteron ausschüttet. Letzteres nimmt vor allem Einfluss auf das Wachstum des Penis und der Hoden, Samenzellen werden gebildet. Der Penis wächst im Alter von 9 bis 17 Jahren, die Hoden haben ca. mit 14 Jahren ihre letztendliche Größe erreicht. Während der Hochphase der Pubertät erleben die Jungen ihren ersten Samenerguss (Ejakularche) – teils während eines feuchten Traumes in der Nacht (Pollution), teils durch Masturbation (Masturbarche). Unweigerlich führt der Ausstoß des Testosterons auch dazu, dass Scham- und Achselhaare gebildet werden. Gleichermaßen setzt der Bartwuchs ein. Der anfängliche weiche Flaum über der Oberlippe weicht mit der Zeit den Bartstoppeln, die sich auch im Kinn- und Wangenbereich zeigen. Die erste Rasur steht an. (Tipps für die Rasur) Einen richtigen Bartwuchs erkennt man jedoch erst in der spätpubertären Phase ab dem 16. Lebensjahr. Ebenfalls mit der hormonellen Umstellung verbunden, ist der Stimmbruch in diesem Alter. Stimmbänder und Kehlkopf wachsen, was wiederum eine um eine Oktave tiefere Stimme zur Folge hat. Währenddessen schwankt die Stimme zwischen Jungen- und Männerstimme. Oft quietscht oder bricht sie dabei und führt unweigerlich zu Unsicherheiten bei den heranwachsenden Teenagern. Beklemmend nehmen die Jungen außerdem wahr, dass ihre Schweißdrüsen mehr Schweiß und Duftstoffe abgeben und sich schnell Körpergeruch entwickelt. Spätestens jetzt beginnt die Zeit der Deos und der ständig versperrten Badezimmertür. Fettige Haare gehören genau wie Pickel aufgrund der vermehrten Talgproduktion zu den Ärgernissen der Pubertät der Jungen.

Privatsphäre, Türen knallen, freche Antworten

Der körperliche Reifungsprozess während der Pubertät ist die eine Seite, die seelische und soziale Entwicklung die Kehrseite der Medaille. Viele Eltern möchten gern auf die Zeit der Pubertät verzichten, denn sie ist in der Regel mit ständigen Konflikten zwischen Teenager und Eltern verbunden. Die Jungen beginnen sich vom Elternhaus zu lösen, fordern immer mehr Freiraum und Privatsphäre ein. Ständig bleibt die Zimmertür verschlossen, Gespräche finden nur noch einsilbig statt. Das Gehirn eines Teenagers ist ständig auf der Suche nach extremen Eindrücken, Abenteuern und Spannungserlebnissen. Grenzen ausloten gehört fest zum Erwachsenwerden hinzu. Dieser Prozess der Selbstfindung gepaart mit den Unsicherheiten um den eigenen Körper ist für die Teenager sehr anstrengend. Teils ziehen sich komplett zurück, teils leben sie in einer Hochphase. Risikoreiches Verhalten prägt die Zeit zwischen 13 und 16 Jahren. Außerdem gewinnen Freunde und die Clique immer mehr an Bedeutung, während Familienfeste, Rituale im Elternhaus und gemeinsame Unternehmungen mit der Familie gemieden werden.

Die Sexualität erwacht

Mit dem Heranwachsen während der Pubertät liegt immer öfter das Augenmerk der Jungen auf dem anderen Geschlecht. Die sexuelle Lust und Neugier steigt, Selbstbefriedigung sowie erste sexuelle Erfahrungen finden meist bereits statt. Neben Zärtlichkeit, Küssen, sowie Petting erleben Teenager auch immer häufiger ihren ersten Geschlechtsverkehr in diesem Alter. (Das erste Mal) Da die Jugendlichen nun geschlechtsreif sind, rückt das Thema Verhütung weiter in den Focus. Jungen sollten Zugang zu Kondomen haben und auch deren Anwendung kennen. Eltern fällt die wichtige Aufgabe der Aufklärung zu. Mehr zum Thema Jungen aufklären
Entwicklung des Kindes im 14. Lebensjahr (Mädchen)
Text: C. D. / Stand: 02.02.2020

Entwicklung des Kindes:

Kinder & Jugendliche:

Mutter-Sohn-Beziehung: Worauf Sie bei Ihrem Teenager achten sollten

Mutter-Sohn-Beziehung in der Pubertät

Auch wenn das viele Mütter zunächst irritiert: Wenn aus dem lieben Kleinen ein rebellischer Teenager wird, der sich nicht mehr gern sagen lässt, was er tun und was er lassen sollte, ist diese Form des Widerstandes ist kein Zeichen mangelnder Zuneigung, sondern von Reifung. Um die intensive Bindung zur Mutter zu lockern, werden Jungen schon mal provokativ, widerspenstig oder unzugänglich. Doch keine Sorge: Das geht wieder vorbei.

Die Mutter-Sohn-Beziehung ist für einen Jungen in der Regel die erste wichtige intensive Bindung. Wie diese Bindung von ihm erlebt wird, prägt seine gesamte Psyche, insbesondere aber auch seine Haltung dem weiblichen Geschlecht gegenüber.

  • Prinzipiell gilt: Ist die mütterliche Bindung zu ihrem Sohn liebevoll und stärkend, lernt der Junge, Urvertrauen in die Menschen und in die Welt zu entwickeln. Ist sie jedoch nicht stärkend, sondern belastend und/oder irritierend, können später verschiedene Probleme auftreten.

Schlechte Behandlung:

Männer, die als Jungen von ihren Müttern häufig geschlagen oder auf andere Weise schlecht behandelt wurden, haben im späteren Leben oft Probleme in intimen Beziehungen mit Frauen. Unter anderem fürchten sie sich beispielsweise davor, schlecht behandelt oder bestraft zu werden, gleichermaßen hegen sie aber auch oft latente Aggressionen gegen Frauen. Wenn sie z.B. nie Wut auf die Mutter zeigen durften, haben sie gelernt, dieses Gefühl permanent zu unterdrücken. Später jedoch kommt diese „gespeicherte“ Aggression in unpassenden Situationen wieder hervor, z. B. wenn die Partnerin ähnliche Gefühle auslöst, wie die Mutter dies damals tat. Es fällt Männern, die als Kind von ihrer Mutter beschämt, geschlagen oder verletzt wurden, oft schwer, tiefes Vertrauen zu ihren Partnerinnen zu fassen, sich emotional zu öffnen und sich hinzugeben. Sie fühlen sich schnell angegriffen, reagieren oft heftig auf Kritik und benehmen sich kurzfristig, als seien sie ein kleiner, wütender Junge. Und so fühlen sie sich dann auch: klein und hilflos.

Übermäßige Verhätschelung:

Umgekehrt haben aber auch erwachsene Männer Probleme, die von ihren Müttern in ihrer Kindheit übermäßig verhätschelt, verwöhnt und idealisiert wurden. Es fällt diesen Männern oft schwer, sich emotional von der Mutter abzukoppeln. Sich anderen Frauen emotional zuzuwenden, erfüllt „Mamas Liebling“ unbewusst mit Schuldgefühlen. Die Meinung der Mutter ist solchen Männern dann „heilig“, sie zu enttäuschen oder eine andere Meinung zu vertreten, scheint ihnen unmöglich oder unverschämt.

Auch wenn Ihnen das möglicherweise übertrieben vorkommt: Tatsächlich legen wissenschaftliche Studien die Vermutung nahe, dass Jungen von ihren Müttern häufiger verwöhnt werden als Mädchen. Tendenziell werden Mädchen stärker zur Selbstständigkeit erzogen, Jungen werden oft länger gestillt, ausgiebiger bekuschelt, länger bekocht und versorgt. Die Ursachen hierfür sind unklar.

  • Fakt jedoch ist: Eine liebevolle, stützende Bindung zwischen Mutter und Sohn ist für die gesunde psychische Entwicklung eines Jungen von höchster Bedeutung. Ebenso wichtig ist es aber auch, dass er sich von der Mutter in altersangemessener Weise loslösen darf.

Muttersöhnchen, nein danke! Warum Loslassen jetzt so wichtig ist

Das klassische Muttersöhnchen, das bis ins hohe Alter bei „Muttern“ wohnt und sich einerseits von ihr bedienen lässt, andererseits sich für ihr Glück zuständig fühlt, kommt in der Realität eher selten vor. Trotzdem gibt es durchaus recht viele Männer, die eine „zu starke“ bzw. eine verwickelte innere Bindung zu ihrer Mutter haben. Diese Männer konnten sich aus verschiedenen Gründen nicht angemessen ablösen. Gründe dafür sind häufig

  • eine hohe Bedürftigkeit der Mutter, etwa bei chronischer oder schwerer organischer Erkrankung und wenig Hilfe durch andere Menschen,
  • eine hohe Bedürftigkeit der Mutter wegen psychischer Probleme wie Depressionen, Suchterkrankung etc., und wenig Hilfe durch andere Menschen, etwa Partner, Eltern, Freunde,
  • massive Verlustängste der Mutter, etwa wenn sie selbst früh ihre Eltern oder sogar ein eigenes Kind verloren hat,
  • traumatische Erfahrungen der Mutter, die sie insbesondere mit Männern gemacht hat, und ihre hohe Schutzbedürftigkeit, die der Sohn wahrnimmt.

In all diesen Fällen bindet die Mutter ihren Sohn (unbewusst!) übermäßig stark an sich: Er bekommt keine „Erlaubnis“, selbstständig werden und seinen eigenen Weg zu gehen. Männer, die so „erzogen“ wurden, haben es oft schwer, mutig und selbstbewusst ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Aber auch in Liebesbeziehungen haben sie mitunter massive Probleme.

Um solche unerwünschten Entwicklungen zu vermeiden, ist es wichtig, dass Mütter ihre männlichen Teenager nicht nur lieben und akzeptieren, sondern sie auch auf eine positive Art loslassen. Dazu gehört unter anderem:

  • zu akzeptieren, dass in der Pubertät andere Menschen und Bezugspersonen wichtig für den Teenager werden – sogar wichtiger als Mama,
  • zu verstehen, dass der Jugendliche eine gehörige Portion Freiraum braucht, um sich auszuprobieren, ohne ständig kontrolliert zu werden,
  • zu akzeptieren, dass aus dem lieben, braven Sohn nun eventuell ein schlecht gelaunter und mitunter widerspenstiger Kerl wird, den man kaum zu kennen glaubt,
  • zu respektieren, dass sich Geschmack, Interessen und Hobbys verändern können,
  • zu verstehen, dass auftretende Aggressionen gegen die Eltern in der Regel ganz normale Abgrenzungsversuche sind.

Tipps für Eltern von Kindern in der Pubertät

Die Jugendzeit ist eine sehr intensive Phase, in der sich Jugendliche psychisch von ihren Eltern abgrenzen müssen, ihre Eltern zurückstoßen müssen. Wichtig sind in dieser Zeit vor allem die Freunde, denn nach Studien gehen achtzig Prozent der Gesprächszeit von Jugendlichen auf das Konto von Freunden. Die Erziehung der Eltern sollte sich auf zwei oder drei Themen konzentrieren, die der Sohn oder die Tochter wirklich vermeiden sollten, etwa ungeschützten Sex oder Zigaretten. Sonst sollte man ihnen viel Freiheit lassen, denn in der Pubertät hat es keinen Sinn, sich über die Unordnung im Kinderzimmer zu beschweren.

In der Pubertät ist es die Aufgabe des Jugendlichen, seine Persönlichkeit zu formen, wobei die Eltern dabei dadurch helfen können, indem sie Stabilität bieten und emotionale Unterstützung. Heute dauern Schule und Ausbildung immer länger, was im Konflikt mit dem Wunsch der Jugendlichen steht, das häusliche Nest zu verlassen, denn sie sollten nach dem Plan der Evolution mit sechzehn Jahren eigentlich gar nicht mehr bei ihren Eltern wohnen. Studien zeigen auch, dass Jugendliche, die sich besonders aktiv von ihren Eltern abgrenzen, später psychisch stabiler sind als andere. Offensichtlich gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Bindung und Stabilität, denn Jugendliche, die später psychisch instabil sind, hatten vielleicht überhaupt keinen Grund, sich abzugrenzen, da sie keine Bindung zu ihren Eltern besaßen, denn wo es keine Bindung gibt, gibt es keinen Bedarf an Abgrenzung.

Nach Meinung des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul beginnen Eltern oft erst in der Pubertät mit einer Art Turboerziehung, um in letzter Minute alles richtig zu machen, was aber nicht funktionieren kann, denn in der Pubertät kommt es vor allem auf die Beziehung an. Das gilt nicht nur in Beziehung auf das Thema Schule oder Lernen, sondern umfasst alle Lebensbereiche. Aber gerade in Bezug auf die Schulleistungen, die in diesem Alter oft typischerweise nachlassen, wird manches sichtbar, was seine Wurzeln in der bisherigen Erziehung bzw. bisherigen Beziehung zwischen Eltern und Kindern gelaufen ist.

In der Pubertät löst die Hirnanhangdrüse einen Hormonschwall aus, der den eben noch kindlichen Körper massenhaft mit Geschlechtshormonen überflutet – bei den Buben Testosteron, bei den Mädchen Östrogen, was die sekundären Geschlechtsmerkmale sichtbar reifen lässt und viele Kinder, zuerst die Mädchen, schießen in die Höhe. Bei den Mädchen beginnt dies oft schon mit zehn, elf Jahren, bei den Buben im Durchschnitt etwa mit zwölf. Zwar beginnt die Pubertät heute früher, was aber nicht heißt, dass sie auch früher endet, denn während Mädchen mit achtzehn durch sind, sind manche jungen Männer noch mit über zwanzig in der Pubertät. Dabei ändert sich nicht nur der Körper, sondern auch das Seelenleben gerät durcheinander, wobei in einer Art Gefühlschaos Stimmungsschwankungen, Aufmüpfigkeit, Unsicherheit charakteristisch sind. Seit einigen Jahren weiß man durch die Kernspintechnologie, dass in der Pubertät nicht allein die Sexualhormone eine Rolle spielen, sondern auch viele neurobiologische Faktoren das Gehirn der Heranwachsenden verändern. Das Gehirn ist in dieser Zeit eine Baustelle, was einen wichtigen Entwicklungsschritt für die Ausbildung von Individualität und Persönlichkeit darstellt. Die Zahl der Synapsen, der Nervenverbindungen wächst rasant und wird danach wieder kleiner, denn Verbindungen, die nicht gebraucht werden, baut das Gehirn wieder ab. Daher ist das Gehirn der Jugendlichen eine Art Baustelle, denn bei dem Umbau im Gehirn wird es neu strukturiert, was ein komplexer Prozess ist, bei dem Trillionen Verbindungen gekappt werden, auch die Hauptverbindungswege im Gehirn erhalten eine Fettisolierung, die für ein höheres Übertragungstempo sorgt. Auch die Gehirnchemie verändert sich grundlegend und aktiviert so den präfrontalen Cortex im Gehirn, der erst das abstrakte Denken möglich macht. Es kommt durch diesen Umbau des Gehirns zu einer Zunahme der Urteilsfähigkeit bei gleichzeitigem Wachsen der Phantasiewelt (Tagträume), sodass in dieser Zeit zum ersten Mal elterliche Scheinheiligkeit durchschaut und angeprangert wird. Durch Omnipotenzgefühle und dem Wunsch nach Grenzerfahrungen kommt es vermehrt zu Sport- und Freizeitunfällen. Die Entwicklung eigener moralischer Werte ist nun das Thema und äußerst bedeutsam, denn der Jugendliche will im besten Falle alles besser oder zumindest anders machen. Erst langsam entwickelt sich in der Auseinandersetzung mit der Realität ein zunehmender Realismus, was erst allmählich zur Kompromissbereitschaft und der Bereitschaft, Grenzen zu akzeptieren, führt (vgl. Mutz & Scheer, 1997; Windolff, 2013).

Stellen sie sich vor, dass in der Pubertät alle Stecker schlagartig gezogen werden.
Und es dauert im Schnitt vier Jahre, bis das Gehirn wieder fertig eingestöpselt ist.
Andrea Brinkmann

Die Pubertät ist die Zeit der Suche danach, wer man selber ist, was man gern macht, wo die eigenen Stärken liegen. Das herauszufinden, ist jetzt die Hauptaufgabe der Jugendlichen und ist mit viel Ausprobieren, Testen, auch Anecken verbunden.

Die körperlichen Veränderungen verändern auch das eigene Bild von sich selbst und das Vergleichen mit anderen wird wichtig, wobei viele Jugendliche zutiefst verunsichert sind, sich nicht wohl in ihrer neuen Haut fühlen und daher versuchen, dies durch betont lässiges oder widerspenstiges Verhalten zu kompensieren. Hinzu kommt, dass durch den Umbau im Gehirn die verschiedenen Bereiche unterschiedlich schnell reifen, was zu dem typischen Gefühlschaos führt, weil zunächst der emotionale Bereich dominiert. Die Baustelle für die rationalen Komponenten wird bei dem Umbau im Gehirn als letztes fertig (vgl. Windolff, 2013).

Nicht nur die Eltern oder andere Erwachsene leiden in dieser Zeit, auch viele Jugendliche selbst, weil sie sich zwischen der behüteten Kindheit und der vernünftigen Erwachsenenwelt verloren fühlen, herumirren und erst ihren Platz suchen müssen. Doch das ist ein wichtiger Such-, Lern- und Erfahrungsprozess, den Eltern und Erwachsene unbedingt zulassen und ihre Kinder loslassen müssen. Das gelingt um so besser, je mehr sich Eltern bewusst machen, was im Inneren des heranwachsenden Kindes gerade passiert, wenn sie Gelassenheit und Verständnis zeigen. Denn wenn in dieser Entwicklungsphase etwas schief läuft, äußert sich das vielfach in psychosomatischen Erkrankungen und seelischen Leiden. Nicht umsonst ist die Selbstmordrate bei Jugendlichen am höchsten, denn manche Jugendliche sind dann tief verunsichert und sehen keine Lösung. In der Pubertät kommt es häufig zu einer gegenseitigen Entfremdung zwischen Eltern und Kindern, die Folgen für die psychische Gesundheit aller Beteiligten haben kann. Eltern-Kind-Beziehungen dienen nämlich weiterhin als Unterstützungsquellen während der gesamten Jugendzeit, wobei sich die Qualität dieser Verbindungen stark auf die Anpassung und die psychischen Gesundheit auswirken kann. Untersuchungen in den USA zeigten, dass je stärker sich die Entfremdung zwischen Eltern und Kindern in der Schulzeit entwickelt und je mehr Vertrauen verloren geht, desto eher leiden die Heranwachsenden später an Depressionen und Angststörungen. Mädchen erleben dabei Gefühlen der Entfremdung von beiden Elternteilen, außerdem empfinden sie im Vergleich zu den männlichen Jugendlichen das Vertrauensverhältnis zu ihrer Mutter deutlicher als zerrüttet. Man vermutet, dass der elterliche Druck dabei ein wesentlicher Faktor sein könnte.

Wie heftig Kinder pubertieren, ist individuell ganz unterschiedlich und abhängig vom Temperament und auch von den äußeren Umständen, denn je strenger Eltern reglementieren, desto stärker müssen Jugendliche rebellieren, um sich abzugrenzen und abzunabeln, d. h., entweder brechen sie dann aus oder sie ziehen sich völlig in sich zurück. Die Suche der Jugendlichen nach Individualität ist wichtig, wenn kein folgsamer, angepasster Jugendlicher entstehen soll, denn suchen heißt immer auch ausprobieren, wo die eigenen Stärken liegen. Eltern, die Familie und auch die LehrerInnen sollten Jugendlichen in dieser Pahse Raum zum Ausprobieren geben, sie begleiten und Hilfe geben, wenn sie gebraucht wird. Das setzt voraus, dass sie diese Signale auch wahrnehmen, d. h., es ist wichtig, in dieser Phase mit den Kindern und Jugendlichen einen wiederkehrenden Gesprächsrahmen zu finden (vgl. Windolff, 2013).

Auch in der Schule fehlt es, um Erfolg zu haben, häufig an der richtigen Konzentration, die man aber erlernen kann!

Als ich 14 Jahr alt war, war mein Vater für mich so dumm, dass ich ihn kaum ertragen konnte.
Aber als ich 21 wurde, war ich doch erstaunt, wie viel der alte Mann in sieben Jahren dazu gelernt hatte.
Mark Twain

Die Ablösung von der Familie geht daher immer mit auch hormonelle bedingten Stimmungsschwankungen einher, und erfordert Ersatz durch Freundschaft mit (gleichgeschlechtlichen) Gleichaltrigen, die Zuwendung zu einer Gruppe von Gleichaltrigen und Gleichgesinnten, deren Führerschaft man als unumstrittene Autorität anerkennt, wobei die Suche nach Lebensentwürfen manchmal auch zur Hinwendung zu Leitfiguren wie Filmschauspielern, Gurus oder Idolen der Popkultur führen kann.

Gerade in der Pubertät fällt vielen Eltern besonders schwer, sich auf eine Begleit- und Kontrollfunktion zurückzuziehen. Aber spätestens im Alter von 13 oder 14 Jahren sollte es mit der Bevormundung vorbei sein, und an ihre Stelle sollte der Dialog treten, in dem zwar die höhere Lebenserfahrung des Erwachsenen ins Treffen geführt werden kann, doch ohne den erhobenen Zeigefinger. Selbstständigkeit nur zu den Bedingungen der Eltern ist paradox.

Entscheidend für das Funktionieren und Wohlergehen einer Familie ist in der Pubertät aber nicht, welche (neuen) Regeln man aufstellt sondern wie man in der Familie miteinander und auch mit Problemen umgeht. Aber das muss schon lange vorher – von Geburt an – gelernt worden sein, wobei Respekt und das Anerkennen der Würde des anderen bei kleinen Kindern genauso bedeutsam ist wie bei pubertierenden Jugendlichen.

Letztlich kann man einen Teenager nicht mehr erziehen, wobei die Zeit der Kindererziehung in den vergangenen Jahrzehnten sehr geschrumpft ist und nur noch etwa zehn Jahre dauert. Bevor die Kinder mit etwa zwölf Jahren in die Pubertät komen, sind sie schon mit neun, zehn Jahren „Tweens“ („in-betweens“), also Kinder, die sich schon sehr stark an den knapp älteren Teenagern orientieren.

Kinder sind zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens vollwertige Menschen und müssen nicht erst durch Strafen und Verbote zurechtgebogen werden. Eltern möchten gerne ihre Wertvorstellungen, Meinungen und Ansichten an ihre Kinder weitergeben und Kinder machen in der Regel mit, d.h., sie kooperieren. Allerdings nur bis zum Einsetzen der Pubertät, denn dann hört die Annpassung und Kooperation langsam oder auch ganz plötzlich auf. Wenn Kinder etwa zwölf Jahre alt geworden sind, ist es für Erziehung bereits zu spät. Das sagen die Kinder auch, aber die Eltern hören es nicht, können es wohl auch nicht, denn sie haben bisher ihren Kindern in der Regel auch wenig zugehört. Am Anfang drücken Kinder die Veränderung oft noch sehr diplomatisch aus, doch wenn die Eltern es nicht verstehen, werden sie lauter oder sie sprechen mit ihrem Körper.

Juul lehnt den häufig verwendeten Begriff des „pubertierenden Jugendlichen“ ab, denn damit werden die jungen Menschen zu sehr auf ihre Hormone reduziert, wobei es doch vor allem darum geht, in vielen, auch recht unterschiedlichen Bereichen zu wachsen. Seiner Ansicht nach sind aber nicht nur Eltern oft unvorbereitet auf den Dialog mit ihren Kindern dieses Alters, sondern auch LehrerInnen sind nicht für einen fruchtbaren Dialog mit Kindern ausgebildet, und wissen auch nicht, wie man mit Eltern entsprechende Gespräche führt. Auch die Schulkultur ist traditionell keine Kultur des Dialogs, sondern der vorgegebenen Regeln, des Monologs und des Gehorsams.

Siehe auch Kindererziehung als Leistungssport? und Eltern und sexuelle Aufklärung

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Juul gibt den Eltern folgende Tipps aus seinem Ratgeber für Eltern pubertierender Kinder:

  • Im Gespräch bleiben
    Von nun an ist es wichtig, dass Eltern weniger Fragen stellen wie „Na, was war heute in der Schule los?“, sondern mehr von sich selbst preisgeben – Gedanken, Gefühle, kleine Erlebnisse, Meinungen und Ansichten über das Leben und die Welt.
  • Sinnloses Strafen
    Strafen haben – bei Kindern und auch bei Jugendlichen – äußerst selten einen konstruktiven Effekt. In der Regel wirken sie sich destruktiv auf das Kind und die Beziehung aus.
  • Mithilfe der Kinder
    Man kann von einem etwa 15-Jährigem durchaus verlangen, dass er die Verantwortung für sich selbst übernimmt und sich um seine eigenen Dinge kümmert, zum Beispiel um seine Kleidung (waschen, trocknen, bügeln), seine Arbeit/Schule, die Sauberkeit seines Zimmers und seine Mobilität.
  • Wo sind die Grenzen?
    Hier geht es fast immer um die Grenzen der Eltern geht. „Womit kann die Mutter leben und womit nicht? Eltern bleiben auch in der Pubertät wichtige Modelle, Vorbilder und Sparringpartner für ihre Kinder. Man sollte seine eigenen Werte, Gefühle und Grenzen nicht für seine Kinder opfern.
  • Das brauchen Kinder
    Was unsere Kinder in der Pubertät von uns brauchen, ab zwölf, 13, 14 Jahren, ist eigentlich nur das: zu wissen, auf dieser Welt gibt es einen oder zwei Menschen, die wirklich glauben, dass ich okay bin.
  • Maximales Vertrauen
    Eltern müssen in der Pubertät ihren Kindern mehr vertrauen, und zwar bedingungslos im wahrsten Sinne des Wortes. Eltern sollten in die Rolle von Sparring-Partnern schlüpfen, also maximalen Widerstand leisten und minimalen Schaden anrichten.
  • Regeln aushandeln
    In einem gleichwertigen Gespräch in der Familie kommt es immer wieder darauf an, Regeln miteinander auszuhandeln,und nicht das berühmt Grenzen setzen zu forcieren, denn dafür ist die Zeit ab dem Alter von 12 Jahren zu spät.

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